Abenteuer Afrika
Reisetagebuch von Sylvia Vogel und Charly Julier (www.4x4expedition.com)| Mosambik |
Am Morgen verabschiedeten wir uns von Anton und Erika. Sie wollten schon früh weg, da sie noch eine Cashewkern-Fabrik besichtigen wollten.
Vor unserem Abschied zeigten wir Russel unser Auto und seiner Meinung nach war es typisch Schweizer Machart - alles so perfekt.
Wir fuhren in die Stadt und erledigten unsere Einkäufe, wobei wir nochmals auf Erika und Anton trafen. Auch sie hatten gerade ihren Proviant aufgestockt. Wir fuhren anschliessend wieder zum Internet Cafe, welches inzwischen in das neue runde Gebäude umgezogen war. Diverse Gäste kannten wir bereits von Russels Place. Wir wollten unsere vorbereiteten Mails übermitteln, doch leider war die Leitung tot und auch nach über einer halben Stunde hatte sich noch nichts geändert. Wann es wieder funktioniert, konnte uns natürlich kein Mensch sagen und wir sahen ein, dass es aussichtslos war weiter zu warten. Ein kurzer Besuch auf dem Markt und am Hafen, dann konnte es auch schon weiter gehen. Wir verliessen Pemba und fuhren dabei nochmals an dem Strohhüttendorf vorbei, welches mit Baobab-Bäumen durchsetzt war. Ein malerischer Anblick. Wir fuhren nach Sunate und wurden zum ersten Mal in Mosambik nach unseren Fahrzeugpapieren und dem Führerschein gefragt. Der Beamte war sehr höflich und korrekt. Natürlich war er neugierig und wollte unbedingt in unsere Wohnkabine schauen. Freundlich wünschte er uns zum Abschied eine gute Fahrt. Er hatte weder nach den Zolldokumenten, noch nach der Versicherung gefragt.
Auf der guten Teerstrasse ER528 fuhren wir durch etliche Strohhüttendörfer. Ein alter Mann sass auf seiner Veranda an einer uralten Singernähmaschine. Nähen ist hier eine würdevolle Tätigkeit, die offensichtlich nur den Männern zusteht. Wir fuhren weiter, bis wir 113 Kilometer später Macomia erreicht hatten. Ab da gab es nur noch Pisten. Die Grenze zu Tansania lag nur noch etwas über 200 km entfernt, doch da wollten wir gar nicht hin. Wie wir wussten, fährt dort eine Fähre einmal täglich über den Rovuma Fluss. Wenn die Flut am höchsten ist, wird übergesetzt. Bei Leermond wird mangels ausreichender Flut die Überfahrt oft für 3-4 Tage ausgesetzt.
Doch wir wollten weiter nach Mucojo, welches von der Kreuzung noch 45 km entfernt lag. Die Sandpiste war anfänglich noch gut, doch änderte sich dies bald. Regenfälle hatten den Sand ausgewaschen und tiefe Rillen hinterlassen. Ohne Allrad ein Abenteuer. Unterwegs begegneten uns freundliche Menschen, die auf ihren Fahrrädern unterwegs waren. Wir konnten ein, zwei weisse Gesichter erkennen. Die Frauen hatten sich wieder ihre Schönheitsmasken aufgetragen. Die Landschaft war ursprünglich und etwas wilder als sonst. In Mucojo fuhren wir geradeaus und folgten der noch schmaleren Sandpiste zur Ponta Pangane. Die 11 km lange Piste führte uns durch herrliche Palmenwälder. Die Fischer hatten sich darin mal grössere, mal kleinere Dörfer errichtet. Ein richtiges kleines Paradies und Charly freute sich schon auf seine Kokosnüsse.
Auf Hashims Platz angekommen, konnten wir den Patron nicht finden. Wir platzierten unseren Snoopy direkt am Strand, gerade noch ausser Reichweite des Meeresspiegels bei Flut.
Eine Frau kam und fragte uns freundlich, ob wir bei ihnen das Abendessen bestellen wollten. Nein, heute nicht, aber morgen war unsere Antwort. Danach liess man uns auch schon wieder in Ruhe.
Es gab ein paar Strohhütten, welche vermietet wurden und schön zwischen den Palmen angelegt worden waren. Alles war sehr einfach, aber sauber. Es lag absolut kein Abfall herum, wie wir es sonst so oft in anderen Ländern gesehen hatten.
Wir hörten eine Weile den Wellen zu und genossen die schöne Aussicht auf die Fischerboote und den Palmenstrand. Der Strand war flach und das Meer extrem ruhig. Kurz traumhaft. Ausser uns war nur ein einziger Tourist hier, welchen wir aber nicht zu Gesicht bekamen. Die Duschkabinen und die Toiletten waren aus geflochtenen Palmwedelmatten erstellt worden. Man brachte uns Wasser für die Spülung. Die Dusche war eine Tonne mit einem Brausekopf daran. Warmes Wasser gab es hier nicht. Es gab kein Dach und so konnte man bei der Dusche oder auf dem WC gut den Himmel betrachten.
Von den ersten Sonnenstrahlen und vom Rauschen des Meeres wurden wir geweckt. Es war ein herrlicher Tag und wir genossen die tolle Sicht auf das türkisblaue Meer. Es war Ebbe, und dass am Vortag nur wenige Schritte entfernte Meer, war stark zurückgewichen.
Nach unserem Frühstück gingen wir auf Erkundungstour. Wir folgten den Einheimischen Frauen, die zum Holzholen auf die kleine Anhöhe der Halbinsel gingen. Eine Frau mit weiss angemaltem Gesicht war am Holz hacken. Scheu grüsste sie uns.
Wir liefen auf dem ehemaligen Riff entlang und genossen die herrliche Aussicht auf das Meer. Die einfachen Boote der Einheimischen hatten Segel gesetzt und es war ein Bild für die Götter. Beschaulich glitten sie über das ruhige, türkisfarbene Meer.
Eine alte Frau mit ihrer kleinen Pfeife kam auf uns zu. Die Pfeife ähnelte einer Marihuanapfeife. Sie begann einen kleinen Schwatz, doch schon bald kam sie zu ihrem eigentlichen Anliegen, denn sie wollte mir mein T-Shirt mit den Wölfen abschwatzen, welches ich gerade an hatte.
Wir folgten weiter dem Pfad und gelangten schliesslich am anderen Ende des erhobenen Riffs an. Dort erstreckte sich eine lange Sandbank. Wir marschierten auf dem weichen, weissen Sand und ich begutachtete das Strandgut. Viele Muscheln und wenig Seegras. Einige Schneckenhäuschen waren inzwischen von Einsiedlerkrebsen bewohnt und lagen in der sanften Brandung. Das Meer war ruhig und lag spiegelglatt links von uns. Auf der rechten Seite der Sandbank war das Meer schon etwas rauer und kleine Schaumkrönchen bildeten sich auf dem jeweiligen Wellenkamm.
Wir setzten uns in den Sand und bewunderten die Schönheit der Natur. Uns gegenüber lag eine kleine Insel mit einigen Palmen darauf. Wir hatten endlich unseren Traumstrand gefunden. Mutterseelen allein waren wir auf dieser Sandbank und beobachteten die Boote der Einheimischen.
Charly wollte zurück, doch ich beabsichtigte noch bis zum Ende der Sandbank zu wandern, und so trennten wir uns. Ich inspizierte die tellergrossen, schweren Austern-Muscheln und was es sonst noch so gab. Der Wind wurde immer stärker und es war mir bewusst, dass die Flut schon lange eingesetzt hatte. Es wurde Zeit die Sandbank zu verlassen. Langsam schlenderte ich auf der anderen Seite der Sandbank zurück. Ein Einheimischer landete mit seinem Einbaum auf der Sandbank. Er kümmerte sich nicht gross um mich, denn er war mit seinem Netz beschäftigt, welches sich offensichtlich verheddert hatte.
Auf der anderen Seite der Sandbank war ein flaches Riff, auf welchem auch während der Ebbe zahlreiche kleine Muscheln und Schnecken überlebten. Gegen Ende der Sandbank beobachtete ich fasziniert, wie sich innerhalb kürzester Zeit trockene Löcher auf dem Riff mit Meerwasser füllten. Erst nur einige Tropfen, bald ein kleines Rinnsaal, ein zweites und schon bald war das Loch unter Wasser. Es war Zeit die Sandbank zu verlassen.
Ich wollte nicht den gleichen Weg zurücklaufen und folgte deshalb den Weg auf der anderen Seite der Halbinsel. Ich hatte einen grossartigen Blick auf das Meer, einige Fischerboote und weiteren kleinen Palmeninseln. Kurz bevor ich wieder zu Hashims Platz kam, begegneten mir ein paar Kinder, die Holz gesammelt hatten und dieses nun stolz auf ihren Köpfen nach Hause trugen. Die Kinder riefen sogleich aufgeregt so etwas wie: Passandou - was wohl soviel wie Reisende heissen sollte. Ein Mädchen gab mir freudestrahlend ihre Hand, während die Buben sich auf ein Winken beschränkten. Ein Mann mit einer Harpune begegnete mir. Er sortierte gerade seine Beute, es waren zahlreiche Tintenfische.
Wieder zurück bei Hashim, freute ich mich über den Tisch mit einer hübschen, blauen Tischdecke, zwei Holzstühle und einen Wasserbehälter mit einer Schöpfkelle, welche aus einer Kokosnussschale gefertigt worden war. Alles war direkt unter einem Baum bei unserem Auto aufgestellt worden. Wie aufmerksam!
Gegen Mittag verspeisten wir eine cremige Papaya, die ungemein fruchtig daneben süss war und wie eine gute Eiscreme auf unseren Zungen zerlief.
Etwas später machte sich Charly an eine Kokosnuss heran, welche er an der Palme bei der Dusche entdeckt hatte. Charly der Kokosnussklauer, wer hätte das gedacht! Er schlich sich zur Dusche. Innerhalb der Matten war eine kleine Palme, welche gerade noch in Reichweite von Charly zwei reife Nüsse hatte. Charly hängte sich an die Nuss, doch diese wollte nicht so einfach die Palme verlassen. Charly hing wie eine Maus am Speck an der Kokosnuss. Ich musste lachen, was für ein Bild. Er drehte und zog an der Nuss, bis diese schliesslich nachgab. Wenig später lag ihr fruchtiges Fleisch auf unserem Teller.
Ich legte mich mit einem guten Buch in den Schatten, während Charly in der Wohnkabine mit seinem Computer spielte. Ich war ganz vertieft, als sich drei Frauen näherten. Eine junge Frau liess sich unmittelbar neben mir nieder und begann zu reden. Sie wollte wissen woher ich die Kratzer an meinem Fuss hatte. Diese hatte ich mir selber beigebracht, als mich Moskitos gestochen hatten, erklärte ich ihr in Spanisch. Sie wollte noch dieses und jenes wissen und war gar nicht scheu. Sie fragte mich ungeniert nach Kleidung, doch ich reagierte nicht und fragte stattdessen, ob sie denn schon ein Kind hätte. Sie wäre keine Afrikanerin, wenn sie keines gehabt hätte und so erzählte sie mir Stolz von ihrer kleinen 12 Monate alten Tochter Biji. Ihre Freundinnen warteten unterdessen in gewisser Distanz zu mir. Bald mahnten diese die junge Frau zu kommen, worauf sie sich dann auch gleich von mir verabschiedete.
Während des ganzen Tages sassen Frauen und Kinder in einiger Entfernung von uns und sahen uns zu - afrikanisches Fernsehen - so zu sagen.
Am Abend wurde eine Petroleumlampe auf unserem Tisch angezündet und man brachte uns unser Abendessen. Wir hatten am Nachmittag bei Hashim Kokosnussreis mit Tintenfisch an einer Zwiebel-Tomaten-Sauce und gegrilltem Fisch bestellt. Wir genossen unser Candlelight-Dinner direkt am Meer und waren die einzigen am Strand. Ein klarer Sternenhimmel rundete das romantische Bild ab. Das Essen schmeckte hervorragend und nur mit Mühe konnten wir die reichlichen Portionen verzehren. Das Menü kostete 90'000 MT p.P., was ungefähr 4.20 CHF entsprach.
Charly zog sich danach in unsere Kabine zurück, während ich noch mit Petroleumlicht etwas in meinem Buch schmökerte. Es war frisch und ich musste meine Jacke anziehen, dafür gab es keine Moskitos.
Schon am frühen Morgen hörte ich die Fischer singend von ihrem wahrscheinlich erfolgreichen Fang zurückkommen. Ihre Stimmen und der Rhythmus erweckten in mir das ersehnte Afrikagefühl. Charly bemerkte nichts davon, da er immer noch tief im Schlummerland war.
Heute hatten wir eigentlich einen schönen Badetag einlegen wollen, doch leider machte uns der Regen einen ziemlichen Strich durch die Rechnung. Ich erspähte sofort die dunklen Regenwolken. Zuerst verzogen sich die Wolken wieder, kamen jedoch später wieder. Ein paar Sonnenstrahlen stahlen sich durch die dicken, dunkelgrauen Wolken. In der Hoffnung, dass die Sonne die lästigen Wolken schon vertreiben würde, genossen wir ein ausgiebiges Frühstück in unserer Kabine. Wir hatten unser Frühstück kaum beendet, da legte der erste Regenschauer auch schon los. Charly war gerade auf der Toilette und da diese nur von Palmenmatten zwischen den Kokosnusspalmen umgeben war und kein Dach besass, wurde seine Sitzung von der kalten Dusche rasch beendet. Fluchend kam er zurück und ich konnte mir ein gewisses Grinsen nicht verbeissen.
Kaum war der erste Schauer vorbei, kam die junge Schwarze vom Vortag wieder und sah frech in unsere Kabine. Sie trug ihre kleine Tochter auf dem Rücken und wollte sich mit uns unterhalten, aber auch um etwas Nahrung zu erbetteln. Ihre beiden Freundinnen warteten wieder in gebührendem Abstand zu uns. Sie machten sich zum Holzsammeln auf, während die junge Frau bei uns blieb. Wir unterhielten uns, bis es plötzlich wieder zu regnen begann. Ihre Freundinnen riefen sie zur Heimkehr und auch wir verzogen uns wieder in unserer trockenen Wohnkabine.
Inzwischen hatten auch andere Touristen diesen Platz erreicht. Es waren Belgier, die wir bereits in Russels Place gesehen hatten.
Wir verbrachten den ganzen verregneten Tag am Computer bzw. hinter einem Buch. Gegen Mittag schlachteten wir unsere grosse Papaya. Wieder ein leckerer Gaumenschmaus!
Durch den Wind hatte es später vier Kokosnüsse von den Palmen geweht und Charly wollte unbedingt eine Nuss haben. Hashim brachte ihm mit viel Verspätung eine geschälte Nuss. Doch Charly wollte selber mit der Machete die Nuss schälen und knacken. Hashim lächelte nachsichtig und dachte sicher, die spinnen doch diese Touristen. Wieso sich eine Nuss selber schälen, wenn man doch eine bereits geschälte haben kann. Er erlaubte Charly sich selber eine Nuss von einer niedrigen Palme zu holen, was er auch sofort tat. Es begann wieder zu regnen und so musste sich Charly wiederum gedulden, bis er endlich seine geliebte Kokosnuss zerlegen konnte. Eine frisch gepflückte Kokosnuss war schon etwas feines. Saftig und zart, nicht so eine trocken, zähe Sache, wie sie bei uns in Europa verkauft wird. Alle tropischen Früchte die wir bei uns kaufen, sind im Vergleich zu hier ungeniessbar und haben keinen Geschmack.
Es regnete so gut wie den ganzen Tag. Am Abend kam Hashim mit den von uns vorbestellten Langusten. Für 125'000 MT p.P. (6,25 CHF) erhielten wir 3 Langusten, einen gegrillten Fisch und viel Kokosnussreis. Wie schon am Vortrag schmeckte das Essen hervorragend, nur leider mussten wir an diesem Tag das Essen in unserer Wohnkabine einnehmen, da es immer noch stark regnete.
Auch an diesem Morgen war der Himmel verhangen und so beschlossen wir nach dem Frühstück aufzubrechen. Wir bezahlten die 125'000 MT p.P. und Nacht und benutzten anschliessend die rudimentäre Openair-Dusche, trotz des kühlen Wetters. Wenigstens regnete es nicht mehr! Wir unterhielten uns noch einwenig mit der Belgierin und machten uns danach startklar. Bevor wir aufbrachen, kam dann doch noch einwenig Sonne durch die dicken Wolken und ich machte schnell ein paar Fotos vom Strand und von den Fischern. Ein Mann stellte sich vor die Boote in Position. Eigentlich wollte ich nur die Morgenstimmung mit dem Meer und den Booten aufnehmen, aber wie es so ist in Mosambik, stellte sich der Typ einfach in mein Bild. Natürlich wollte er das Foto sofort sehen. Er hatte eine dicke Jacke an und zog diese sofort aus, nachdem ich ihm das Foto gezeigt hatte. Ich machte aber kein neues Foto von ihm, sondern wendete mich an die Fischer, die gerade ihr Boot reinigten. Gerne hätten sie eine Zigarette von mir gehabt, doch da ich Nichtraucherin bin, konnte ich nicht damit dienen. Die Leute liessen sich dennoch gerne fotografieren. Anschliessend amüsierten sie sich, sobald sie sich selber auf dem Foto erkannten. Grenzenloses Gelächter zeigte ihre Begeisterung.
Nun war es an der Zeit die schöne Halbinsel wieder zu verlassen. Auf unserem Weg durch das Fischerdorf sahen wir wieder ein paar junge Frauen mit weissbemalten Gesichtern.
Wir folgten der Sandpiste, welche uns wieder durch die schönen Palmenwälder führte. Viele kleine Fischerdörfer mit ihren Strohhütten säumten unseren Weg. Idyllisch anzusehen, doch ist die Armut der Leute offensichtlich.
Auf der holprigen Sandpiste von Mucojo nach Macomia begegneten uns viele Leute und fast alle waren mit dem Fahrrad unterwegs. Eine kleine Horde Affen trieb sich ebenfalls auf der Piste herum. Wir hatten noch ein paar Nüsse und verteilten diese an die Affen. Diese liessen sich aber nicht blicken, bis wir weitergefahren waren. Kein Wunder, denn hier tragen die Männer noch Pfeil und Bogen spazieren - nur für den Fall, - dass ihnen der Sonntagsbraten über den Weg laufen sollte.
Von Macomia führte uns wieder die gute, aber langweilige Teerstrasse zurück nach Sunate. Von dort aus ging es dann weiter nach Metoro, einem kleinen Kaff, wo ich auf dem Mark ein paar gute Brötchen kaufen wollte. Ich fragte in dem Miniladen, wo ich Brot kaufen könnte. Ein junger Schwarzer bot mir sogleich seine Hilfe an und lief vorne weg. Der Markt war gleich um die Ecke und viele Schwarze die mir begegneten, grüssten mich überaus freundlich. Der Typ, welcher mich durch die Gassen geschleust hatte, besorgte mir auch einen Plastiksack, welcher 1'000 MT kostete. Das Rückgeld von 4'000 MT hat er danach einfach behalten. Da er mir aber beim Kauf ein paar Bettler vom Leib gehalten und mich brav bis zum Auto begleitet hatte, überliess ich ihm die 20 Rappen.
Charly machte sich gleich hungrig über die Brötchen her. Lecker und sehr sandig waren sie. Die afrikanische Knuspervariante! Flott ging es weiter nach Montepuez. Die 115 km waren auf der guten Teerstrasse schnell geschafft.
Leider überfuhren wir unterwegs ein dummes Huhn. Es war auf der Strasse mit seinen Kameraden unterwegs gewesen. Als wir ankamen, stoben die Hühner in verschiedene Richtungen. Eines der Hühner überlegte es sich im letzten Moment doch noch und kehrte um. Es gab keine Möglichkeit für uns dem Huhn auszuweichen. Charly beobachtete im Rückspiegel, wie sich die Kinder freudig auf das künftige Abendessen stürzten.
In Montepuez angekommen, fragten wir bei einem Polizisten nach den Franzosen, welche hier in der Nähe ein Hotel hatten. Doch dieser hatte keine Ahnung. Auf unsere Frage nach einem Campingplatz schüttelte er erneut verständnislos den Kopf.
Ich hatte kurz vor Montepuez ein Schild gesehen, welches uns vermutlich zum gewünschten Ziel führen würde. So fuhren wir die 5 Kilometer zurück. Tatsächlich fanden wir dort das Gasthaus Aurora und die Besitzer waren wirklich Franzosen. Es gab reichlich Platz mit grossen Bäumen nahe dem Haus und wir fragten nach, ob wir dort campieren könnten. Doch der junge Franzose erklärte uns nett aber ungerührt, dass sie hier keine Camper haben möchten. Dies sei gegen ihre Geschäftspolitik. Uppps! Nein nein, sagte er, dann kommen noch mehr und noch mehr von diesen Campern - nein, dass wollten sie nicht. Wir bedankten uns dafür, dass wir nun im Busch eine Bleibe suchen mussten und gingen.
Gleich am Ortsausgang von Montepuez war die schöne Teerstrasse zu Ende und wir folgten der schmalen, holprigen Erdpiste. Ein Dorf reihte sich ans andere, es gab keine Möglichkeit ein ruhiges Buschcamp zu finden. Wir fuhren an einigen Baumwollfeldern vorbei und es begegneten uns auch einige LKWs, welche schwer mit Baumwollsäcken beladen waren. Obendrauf, wie üblich in Afrika, sassen viele Einheimische, die den Laster als Transportmittel nutzten. So rumpelten wir die Rüttelpiste entlang und hielten Ausschau nach einem geeigneten Platz, doch konnten wir keinen finden und es wurde schon so langsam dunkel.
Schliesslich sahen wir ein altes, halbverfallenes, portugiesisches Steinhaus, in dem nun Schwarze hausten. Wir hielten an und ich fragte den Mann, ob wir hier bei seinem Haus übernachten dürften. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, lud man uns ein und zeigte wo wir unser Auto platzieren konnten. Die Leute waren ungemein gastfreundlich, so dass es uns schon bald peinlich wurde. Natürlich kamen einige Nachbarn und bestaunten uns. Wir mussten zu ihnen auf die Veranda kommen, wo man das Bett als Sitzgelegenheit für uns herrichtete. Die alte Strohmatte wurde entfernt und es wurde für uns eine neue aufs Bett gelegt. Es war ein afrikanisches Bett und es gab keine Matratze, nur ein durchhängendes Geflecht und ein Holzgestell darum herum. Wir nahmen Platz und die netten Leute setzten sich auf ihre alte, löchrige Matte auf den Boden. Der Stammesälteste war auch dabei und seine drei Shorts, die er an hatte, waren völlig zerlöchert, doch alle drei gemeinsam bedeckten seinen Körper. Auch die Kleidung der anderen war zerrissen. Man sah die Armut der Leute, doch sie waren überaus gastfreundlich.
Stockend unterhielten wir uns etwas. Man erzählte von den Kindern und das ein Fahrrad 1'300'000 MT kostet, die eine Tochter bereits zur Schule ging, etc. Unterdessen saugte das Kleinkind eifrig an Mamas Brust und spielte unentwegt an der anderen Brustwarze. Keiner nahm Anstoss daran - wieso auch, schliesslich ist es nichts weiter als natürlich. Ich erwähnte, dass wir eigentlich deutsch sprechen. Das war das Stichwort, denn es gab einen Nachbarn, welcher noch zur Kommunistenzeit 10 Jahre in Ostdeutschland gelebt hatte. Sofort wurde ein Kind losgeschickt, den Mann zu holen. Tatsächlich kam der Mann bald. Er begrüsste uns freundlich in Deutsch und wir staunten nicht schlecht über seine guten Deutsch-Kenntnisse. Er war schon seit 1990 zurück und wir konnten nur den Hut ziehen, wie er sich noch immer ausdrücken konnte, obwohl er in den vergangenen 16 Jahren kaum die Gelegenheit gehabt hatte Deutsch zu sprechen. Er war in Magdeburg gewesen und benützte so manches Wort aus dieser Gegend, weswegen wir einige Male grinsen mussten. Wer hätte das gedacht, dass man hier mitten im Busch jemanden trifft, der fast perfekt deutsch spricht.
Wir unterhielten uns über dieses und jenes. Immer wieder wollte er uns zu einer Flasche seines selbstgebrauten Gins einladen. Doch das Getränk war todsicher bärenstark und so lehnten wir dankend ab.
Eine ältere Frau kam mit einem Kind auf dem Arm hinzu. Sie setzte sich vor uns auf den Boden. Das Kind hatte wahrscheinlich noch keinen Weissen gesehen und war furchtbar erschrocken über uns. Es legte den Arm übers Gesicht und fing an zu weinen. Den ganzen Abend nahm es den Arm nicht mehr von den Augen. Auf unsere Berührungen zur Beschwichtigung reagierte es ängstlich und fing an noch mehr zu weinen.
Wir redeten noch ein Weilchen, bis die Frau uns zum Essen einladen wollte. Sie entschuldigte sich, dass sie nur Mais anbieten konnte, da sie zur Zeit keinen Reis im Haus hätte. Der Mann mit den Deutschkenntnissen stand auf und verabschiedete sich. Wir taten es ihm gleich. Die Frau wollte zwar, dass wir blieben, doch war es uns peinlich ihnen den Mais wegzuessen. So logen wir, dass wir schon gegessen hätten und nun fürchterlich müde wären. Letzteres war noch nicht einmal gelogen. Wir verabschiedeten und bedankten uns bei diesen unglaublich liebenswerten Leuten. Alle begleiteten uns zu unserem Fahrzeug und man wünschte uns eine gute Nacht. Unglaublich, was für ein krasser Unterschied zwischen der „Pseudo-distinguierten Geschäftspolitik“ der Franzosen und der einfachen, aber überaus herzlichen Gastfreundschaft dieser Leute.
In unserer Einzimmer-Wohnung auf Rädern verspeisten wir etwas Käse und eine Buchse Thunfisch, danach waren wir so müde, dass wir schon früh schlafen gingen. Wir hörten noch etwas Gelächter und lebhaftes Schwatzen, doch schon bald kehrte auch im Haus Ruhe ein.
Schon am frühen Morgen wurden wir von den Aktivitäten des Hauses geweckt. Es waren einige Nachbarn gekommen, die aus dem Brunnen neben dem Haus Wasser schöpften. Der Brunnen war ein grosses, betoniertes Loch und mittels ausgeschnittenen Plastikkanistern wurde das Wasser an einem Seil hochgezogen.
Wir standen gegen 6 Uhr auf und suchten ein paar Kleider für die Leute raus. Dazu gaben wir etwas Reis und Zucker. Die Leute freuten sich über die Geschenke, doch war es nicht ihr Hauptinteresse. Sie wollten vielmehr, dass wir noch etwas bleiben sollten. Der deutschsprechende Mann wollte uns erneut zu einem kräftigen Schluck Gin einladen, doch so früh am Morgen.
Da unser Visum für Mosambik schon bald ablief und wir nicht wussten wie schlecht die Strecke nach Marrupa wirklich war, beschlossen wir weiter zu fahren. Schliesslich hatten wir beim Hupe Verlage gelesen, dass die Strecke eventuell gar nicht mehr befahrbar sei. Das wiederum würde uns viel Zeit und Diesel kosten. Also verabschiedeten wir uns herzlich von den Leuten und vergassen dabei natürlich nicht den Stammesältesten. Er freute sich und sein halbzahnloser Mund schenkte uns zum Abschied ein herzliches Lächeln.
Auf der rumpeligen Piste ging es weiter. Im nächsten Dorf kauften wir einige Orangen, welche zu kleine Türmchen aufgeschichtet waren. Ein Türmchen kostete 10'000 MT.
Nach der kleinen Ortschaft Balama, welches vorwiegend aus Strohhütten bestand, wurden die Dörfer spärlicher. Irgendwo zwischen Balama und Reteta kamen wir an eine Kreuzung (GPS S13° 24.603’ E38° 22.906’). Zuerst fuhren wir geradeaus, doch kam uns der schmale Weg mit dem sehr hohen Gras wenig befahren vor, weswegen wir einen Mann nach dem Weg fragten, der gerade mit seinem Fahrrad unterwegs war. Dieser erklärte uns sogleich, dass wir an der Kreuzung links hätten abzweigen müssen. Also fuhren wir den halben Kilometer zurück und folgten der Beschreibung des Mannes. Gemäss GPS entfernten wir uns aber immer mehr von dem Weg, welcher in der Russenkarte von Touratech verzeichnet war. Nach ca. 4-5 km kam die nächste Weggabelung (GPS S13° 26.640’ E38° 23.801’). Der Fahrradfahrer an dieser Kreuzung erklärte uns, dass der kürzere Weg nach Marrupa hier rechts ab geht, geradeaus ginge es über Reteta und von dort ebenfalls nach Marrupa, wie ich aus dem Wortschwall des netten Mannes entnehmen konnte. Also bogen wir rechts ab und fuhren diese Strecke.
Die Piste war anfänglich klar ersichtlich, doch in den verschiedenen Dörfern war sie manchmal nur noch schwer erkennbar. Auf beiden Seiten der Piste war Baumwolle angepflanzt worden und Charly konnte zum ersten Mal so ein frischgezupftes Wattebäuschchen begutachten.
In einem der nächsten Dörfer fragten wir erneut nach dem Weg und ein Mann bestätigte uns, dass wir weiterhin diesem unscheinbaren Weg folgen sollten, bis wir an eine T-Kreuzung mit Steinhäuser kämen, dort sollten wir dann rechts abbiegen. Gemäss unserem GPS, waren wir einen rechten Umweg gefahren, doch mündete diese Piste tatsächlich - nach einigen weiteren Dörfern und später durch unbewohntes Gebiet quer durch den Busch - auf die in der Russenkarte erwähnte Strecke. Beim Zusammentreffen von unserer Piste auf die eingetragene, ursprüngliche Piste war klar ersichtlich, dass die alte Strecke schon lange nicht mehr befahren worden war. Der Weg war von diversen, extremen Regenfällen so gut wie weggewaschen. Die Strecke die nun vor uns lag, war jedoch in guter Verfassung und so kamen wir gut voran.
Immer wenn wir durch eines der vielen Dörfer fuhren, kamen die Kinder lauthals schreiend aus den Hütten gerannt, nur um uns guten Tag zu sagen. Bom Diaaaaaa! Hier wurden weder Bonbons noch Schokolade gefordert. Wir waren wohl seit langem die ersten Weissen und man freute sich, dass wir durch ihr Dorf fuhren. Auch die Erwachsenen blieben stehen und winkten uns freundschaftlich zu. Wir kamen kaum nach, allen rechtzeitig auf beiden Seiten zurück zu winken.
Auf dem Weg weiter nach Marrupa war die Strecke zwar schmal, aber nicht sonderlich schwierig zu befahren. Die Piste liess keine hohe Geschwindigkeit zu und so wurden wir einmal mehr von ein paar Tse-Tse-Fliegen belästigt. Die Mistviecher fliegen einfach durch das offene Fenster und man bemerkt sie nicht. Zuerst war wieder einmal Charly an der Reihe, schliesslich konnte er sich beim Fahren am wenigsten wehren. Die Viecher hatten ihn in die Füsse gestochen und versteckten sich hinter den Pedalen. Mich stachen sie mehrmals in den linken Unterarm, welcher schon bald dick anschwoll. Man bemerkt leider zuerst den brennenden Stich und erkennt erst dann, dass man Blinde Passagiere an Bord hat.
Unterwegs gab es ein paar sandige Passagen und zwei morastige Bachläufe zu durchqueren, doch ansonsten konnten wir gut ohne Allrad fahren. Die letzten 10 Kilometer vor Nungo hatten wir ein paar abenteuerliche Brücken zu passieren. Es waren nur ein paar aneinandergereihte Holzbalken, welche erhebliche Abstände aufwiesen. Darüber hatte man grosse Bastmatten gelegt, damit man auch mit dem Fahrrad darüber fahren kann. Wir inspizierten jeweils die Brücken und schauten auch unter die Matten, um sicher zu gehen, dass wir nicht plötzlich einbrechen. Die Brücken hielten unserem Gewicht von 3.5t problemlos stand. Bei den letzten beiden Brücken fehlte die Matte und die Holzbalken waren nicht besonders dicht aneinandergereiht. Gut hatten wir breite Reifen.
Nach Nungo war man fleissig daran die Piste zu verbreitern und die zahlreichen Bauarbeiter winkten uns freudestrahlend zu, welche gerade die Piste nur mit Hacke und Schaufel neu gestalten. Nach weiteren 15 km war die Piste breit und gut zu befahren und bald wird wohl auch hier alles geteert sein.
In Marrupa angelangt, holte ich auf dem Markt frische Brötchen, welche Gott sei Dank etwas weniger sandig waren als die von Metoro. Bei diesen hatte Charly mal wieder Glück gehabt und sich beim herzhaften zubeissen ein kleines Stück Zahn ausgebrochen, was er aber erst später bemerkte.
Ich wollte gerade mit meinen frischen Brötchen ins Auto steigen, da kam ein alter Mann auf mich zu. Er fragte mich höflich, ob wir nicht einen guten Koch gebrauchen könnten. Er lobte seine Fähigkeiten und bat mich, ihm doch eine Chance zu geben. Leider konnte ich ihn nicht mitnehmen, aber so ein eigener Koch hätte schon seinen Reiz für mich gehabt.
Die breite, neue Teerstrasse von Marrupa nach Lichinga bahnte sich ihren Weg wie ein Band durch den Busch. Zwei kleine Pavianherden flüchteten vor uns. Offensichtlich hatten sie noch Mühe mit der hohen Geschwindigkeit der Autos. Sie erhoben sich eher gemächlich und rannten dann schimpfend, panikartig in den Busch.
Es waren 315 km zu fahren und wir fuhren die eher langweile Strecke in einem Stück durch. Unterwegs fuhren wir auch hier durch einige Dörfer, doch war man hier nicht mehr so erstaunt über ein Auto. Viel Verkehr gab es aber dennoch nicht. Erst kurz vor Lichinga wurde die Landschaft wieder etwas abwechslungsreicher und es kam mehr Verkehr auf. Insgesamt sind uns auf dieser Strecke vielleicht 10 Autos begegnet!
Je näher wir nach Lichinga kamen, desto dunkler wurde es. Die Einheimischen hatten bereits überall vor ihren Hütten Feuer entzündet, um sich aufzuwärmen, respektive um zu kochen. Wir mussten höllisch aufpassen, da immer noch zahlreiche Fahrradfahrer und Fussgänger unterwegs waren. Grösstenteils unbeleuchtet und natürlich gab es ausgerechnet jetzt den meisten Gegenverkehr. Ein Vogel flatterte auf und uns direkt ins Auto. Später hingen nur noch ein paar schwarze Federn am Kühlergrill.
Bei der Ankunft in Lichinga irrten wir erst einmal etwas umher, als wir die Quinta Capricórnio suchten. Der beschriebene Weg in unserem Buch führte zu einer anderen Quinta, sprich Farm. Schliesslich folgten wir dem Wegweiser zur Quinta Pessegueiro. Auf dem äusserst schmalen Weg durch den Wald, hinunter zur Waldlichtung, kam uns ein Pick-up entgegen. Murphy - ausgerechnet hier - nur knapp kamen wir aneinander vorbei. Wie es sich herausstellte, war es der neue Pächter von der ehemaligen Quinta Capricórnio. Er folgte uns und erklärte uns später, dass er den Ort umbenannt hatte. Da hätten wir noch lange suchen können!
Es war inzwischen dunkel und wir waren froh einen Platz gefunden zu haben. Das im Buch erwähnte Restaurant war nicht in Betrieb. Nur am Wochenende könne man ohne Vorbestellung essen, erklärte uns der zuvorkommende Herr Tamele. Er war seit Juni 2005 der Pächter von dem Areal, da Marietta zurück nach England gegangen war. Sein Pachtvertrag läuft für 5 Jahre.
Wir verabschiedeten uns und gingen bald darauf schlafen. Wegen der Höhenlage war es ziemlich frisch in dieser Nacht.
Obwohl in unserem Buch über Mosambik die Quinta so gelobt wurde, konnten wir diese Begeisterung absolut nicht teilen. Die Dusche war schmuddelig und wir beschlossen heute dieselbe ausfallen zu lassen, obwohl man extra für uns heisses Wasser vorbereitet hatte. Die kleinen Gasthäuschen waren mit Gerümpel und Abfall gefüllt. Ausser zwei Hunden, gab es keine weiteren Tiere. Eier und hausgemachte Marmelade konnten wir sowieso von unserer Wunschliste streichen. Die Anlage war schon etwas verlottert, man konnte deutlich das neue, schwarze Management erkennen. Die Arbeiter sassen herum oder gingen etwas spazieren, dabei hätte es genügend zu tun gegeben. Herr Tamele war zwar sehr nett und sehr bemüht, doch so können wir den Platz wirklich nicht für einen längeren Aufenthalt empfehlen. Eine Nacht geht gerade noch. Schade!
Wir fuhren zurück in die Stadt und suchten eine Versicherungsgesellschaft, wo wir eine Yellow Card abschliessen wollten. Leider war keine Versicherung zu finden. Dafür fanden wir die Bäckerei Maria, wo wir ganz feine, frische Brötchen kaufen konnten. Ich habe für 1 CHF 20 Brötchen gekauft und Charly hat gleich 5 davon verdrückt.
Da es sonst in Lichinga nichts interessantes zu sehen gab, fuhren wir weiter in Richtung Metangula. Am Stadtrand wurden wir von einem Polizisten angehalten. Dieser wollte meinen Fahrausweis sehen. Ich gab ihm Charlys. Ne, er will meinen sehen! - Öhhh, aber ich fahre ja gar nicht. - Da erst bemerkte der ältere Herr, dass unser Steuer auf der anderen Seite war. Er begutachtete den Fahrausweis, doch so wirklich konnte der Gute nichts damit anfangen. Er wollte wissen, wohin wir denn fahren würden und auf unsere Antwort nach Metangula, fragte er ehrlich erstaunt, was wir denn dort wollten. Nachsehen wie es dort aussieht, war meine Antwort. Er schüttelte leicht verständnislos den Kopf und liess uns weiterfahren. Sicherlich dachte er, die spinnen diese Touristen.
Die Strecke war bis zirka 25 km vor Metangula geteert, dann kamen ein paar Baustellen und danach eine holprige aber gute Piste. Auf dem letzten Hügel hatten wir dann eine tolle Aussicht auf den grossen Niassa See, der mit einer kleinen Bucht vor uns lag. Dunkelblau und endlos wie das Meer, erschien er uns. Auf der anderen Seite liegt Malawi und der See heisst dort Malawi See. Niassa heisst nichts anderes als See, wie mir später ein junger, sympathischer Einheimischer erklärte.
Wir fuhren hinunter nach Metangula, die Leute sahen uns neugierig nach. Das Dorf bestand mehrheitlich aus Strohhütten. Ein paar Baobab Bäume säumten unseren weiteren Weg nach Chuwanga, wo wir im Complexo Cetuka campieren wollten.
Die Lage war herrlich. Der See glasklar und ein breiter Sandstrand säumte das Ufer. Für die Übernachtung wollte man 150’000 MT. Das WC war ein kleines Hüttchen mit einem Loch im Boden und stank fürchterlich. Meine Frage nach einer Dusche, wurde mit einer Geste auf den See beantwortet. Tatsächlich waren die Einheimischen fleissig dabei ihre Töpfe und Geschirr am See zu reinigen, andere wuschen sich oder seiften ihre Kinder ein. Ich ging mit Charly am Strand entlang und wir beobachteten ein paar Fischer, die auf dem Boden sassen und das grosse Netz einholten. Mit viel Rhythmus lehnte sie sich nach vorne, zogen am Netz bis sie mit dem Rücken im Sand lagen, verharrten eine Sekunde, holten mit dem anderen Arm aus und Griffen erneut nach vorne und holten weiter das Netz ein. Dabei wurde im Takt gesungen. Afrika wie im Bilderbuch! Alle Leute waren ungemein freundlich und grüssten uns. Auf unserem Rückweg bemerkten wir ein paar Kinder, die ein Kondom als Wasserbehälter benutzten. Oben war ein Knoten und am anderen Ende tranken sie. Wehe dem, der böses denkt.... In Afrika werden Kondome fleissig verteilt und wie wir sahen auch zweckentfremdet.
Als ich später mit dem Fotoapparat am Strand spazieren ging, liefen mir die Kinder nach, denn sie wollten gerne fotografiert werden. Ich tat ihnen den Gefallen, da kreischten sie vor Begeisterung und warfen sich in immer neue Posen. Immer wieder musste ich ein Foto von ihnen machen, es war ein grosses Spiel für sie. Aber auch die Erwachsenen liessen sich bereitwillig fotografieren. Ein Fischer, der gerade sein Netz reparierte, eine Frau die gerade ihre Töpfe reinigte, ein Hirte, der seine wenigen Kühe am Strand entlang trieb und zwei junge Männer. Sie kamen auf mich zu und wollten ebenfalls fotografiert werden. Sie waren begeistert eine Touristin in ihrem Dorf zu haben und wollten mich unbedingt herumführen. Charly war jedoch nicht dabei und so lehnte ich ab. Sie boten mir an morgen zusammen mit Charly alles zeigen und erklärten, dass sie gerne Charly kennen lernen würden. Ich erwiderte, dass er gerade schläft und nicht gerne gestört werden möchte. Verständnisvoll verabschiedeten sie sich, ohne irgendwie aufdringlich oder unangenehm gewesen zu sein.
Neben einer ganzen Horde von Kindern, folgte mir auch ein magerer Hund zurück zum Platz. Die Kinder sagten kurz vor dem Camp auf Wiedersehen und sogar der Hund drehte ab.
Am Abend war wenig los und wir verbrachten unsere Zeit mal wieder hinter dem PC. In der Dunkelheit hörten wir, wie der magere Hund von vorher den Sand ableckte, wo wir unsere Thunfischdose geöffnet hatten. Er tat mir leid und so bekam er seine eigene Dose mit etwas altem Brot.
Am Morgen war es noch ruhig und wir machten uns so langsam wieder startklar. Das Abwaschwasser holten wir wie die Einheimischen im See. Immerhin war das Wasser glasklar und auch der Sandstrand war erstaunlich sauber.
Bei der Abreise wählte Charly einen anderen Weg und wir blieben wenige Meter später prompt im weichen Sand hängen. Also aussteigen und schaufeln. Der nächste Versander kam schon nach wenigen Radumdrehungen. Diesmal schaufelten wir und liessen Luft aus den Reifen. Inzwischen waren wir zur Attraktion des Morgens geworden. Interessiert schaute man uns zu, wie wir im warmen Sand buddelten. Doch mit weniger Luft war die Auflagefläche grösser und wir kamen ohne weiteren Zwischenfall auf festen Boden. Auf dem Parkplatz des Ressorts pumpten wir die Reifen wieder auf und waren froh einen leistungsstarken Kompressor dabei zu haben. Eine Schar von Kindern sah Charly neugierig zu, wie er den Schlauch rausholte und Luft in die Reifen pumpte. Die Kinder kamen mit jedem Reifen etwas näher. Als der letzte Reifen aufgepumpt war, drehte Charly sich um und blies einen ca. 6-Jährigen mit Kompressorluft an. Johlend stoben die Kinder auseinander. Der Kleine hatte sich zu Tode erschrocken und fand das gar nicht lustig, während die anderen grölten. Er verzog keine Mine und war beleidigt. Charly hatte sich mal wieder den Richtigen ausgesucht.
Wir fuhren zurück in Richtung Lichinga. Unterwegs hatten wir einen Pumpbrunnen entdeckt, von welchem wir uns sauberes Wasser versprachen. Wir fuhren zum Brunnen, welcher unweit von der Strasse lag. Innerhalb kürzester Zeit waren wir von einer Traube von Menschen umgeben. Ich fragte den jungen Mann, welcher uns zur Begrüssung die Hand reichte, ob wir hier unser Wasser auffüllen dürften. Sogleich kam er mit einem gefüllten Eimer an. Eigentlich hatten wir gedacht die Arbeit selber zu machen, doch der junge Mann war sehr hilfsbereit, ohne etwas zu verlangen. Er war sehr aufmerksam und zurückhaltend. Die Menschenmenge um unser Auto wuchs beständig, aber man war nur neugierig was für Fremde hier in ihrem Dorf angehalten hatten und natürlich was wir da machten. Ich kam mir vor wie ein Wanderzirkus. Alle bestaunten uns und als unsere Tauchpumpe das Wasser vom Eimer aufsog, da staunten die Menschen noch mehr. Sie hatten wohl so etwas noch nicht gesehen. Alle schauten neugierig in den Wassereimer. Ich kam mir vor, als hätte ich ein Kunststück gemacht. Man fragte höflich woher wir kämen, aber sehr viel mehr konnte ich bei dem Durcheinander nicht verstehen. Der junge Mann schleppte eifrig Eimer um Eimer an. Erstaunt fragte er mich immer wieder, noch ein Eimer.... noch ein Eimer? Ja, war meine jeweilige Antwort und man murmelte schon in der Menge. Es sind halt ein paar Eimer, bis wir die 100 Liter Wasser der beiden leeren Tanks aufgefüllt hatten. Gut war der dritte Tank noch fast voll.
Es gab kein Gebettel, man war höflich und interessiert, aber niemals aufdringlich. Wir bedankten uns und ich schenkte dem jungen Mann ein T-Shirt und gab ihm noch etwas Kleingeld für seine Hilfe. Erfreut nahm er unsere Geschenke an und verschwand so gleich damit. Ein Pick-up hielt in der Kurve und der weisse Fahrer schaute zu uns herüber. Mit erhobenen Daumen wollte er wissen, ob bei uns alles okay ist. Ich hielt meinen erhobenen Daumen ebenfalls in die Luft, worauf der Fahrer winkte und weiterfuhr.
Kurz vor Lichinga wurden wir wieder von dem gleichen Polizisten angehalten. Diesmal ging er direkt zu Charly und fragte interessiert, ob es uns denn am Niassa See gefallen hatte. Auf unsere positive Antwort strahlte sein Gesicht und gab Zeichen, dass wir weiterfahren durften. Wieso können nicht alle Polizisten so nett sein?
In Lichinga holten wir bei der Bäckerei Maria nochmals 20 Brötchen, denn wir rechneten nicht mit gutem Brot in Malawi. Bei den ehemaligen, englischen Kolonien gab es noch nie gutes Brot.
Wir verliessen Lichinga in Richtung Marrupa und bogen nach dem Stadtrand auf die Piste nach Mandimba ab. Es war eine holprige Erdstrasse und so liessen wir wieder einmal Luft aus den Reifen, damit es etwas weicher wurde.
Landschaftlich war die Strecke sehr abwechslungsreich. Wir sahen ein paar schöne Hügel mit tropischer Vegetation. Einige saubere, hübsche Strohhütten-Dörfer säumten den Weg. Hier gab es wieder zahlreiche Speichertürmchen, welche uns stark an Burkina Faso erinnerten. Die runden Behälter waren auf Pfosten gelagert, damit die Mäuse nicht daran kamen und waren bis zum Rand mit Mais gefüllt. Die Mosambiker sind fleissige Leutchen!
Stellenweise hatte die Piste sogar geteerte Abschnitte, doch sobald man Gas gab - war der Teer auch schon wieder zu Ende.
Gegen 15 Uhr kamen wir in dem Grenzstädtchen Mandimba an. Geldwechsler wedelten mit ihren dicken Geldpäckchen. Wir fuhren gleich zur Grenze, schliesslich waren wir spät dran.
An der Grenze war man ausgesprochen nett. Der ältere Grenzbeamte wusste aber nicht so recht, ob wir unser Visum überzogen hatten oder nicht. Er war unsicher, weil das Visum von Südafrika uns 2 Monate Einreisezeit gewährte. Unauffällig schickte er nach einem jüngeren Kollegen, welcher die Angelegenheit sofort kompetent in die Hand nahm. Während wir uns gedulden mussten, schauten wir uns etwas um. Da entdeckten wir eine Schachtel mit Kondomen, die offen herum lag. Was man hier wohl so alles unter Grenzverkehr versteht? Wir mussten schmunzeln.
Nachdem der junge Beamte unser Pässe gestempelt und unsere Daten in ein grosses Buch eingetragen hatte, konnten wir gehen. Eine temporäre Einfuhrbewilligung des Fahrzeuges oder gar das Carnet wollte keiner sehen. Gut hatten wir unser Carnet bei der Einreise nicht abstempeln lassen. Wir wurden freundlich verabschiedet. Am Schlagbaum wurden wir nicht kontrolliert, stattdessen öffnete man die Schranke und winkte uns freundlich zum Abschied zu. Mosambik hatte uns wirklich ausnehmend gut gefallen! Die Leute waren ausgesprochen kontaktfreudig, gastfreundlich und hilfsbereit, insbesondere im Norden des Landes.