Abenteuer Afrika
Reisetagebuch von Sylvia Vogel und Charly Julier (www.4x4expedition.com)| Mali |
Nur ein paar Meter weiter war der Schlagbaum zur Grenze nach Mali. Auch hier mussten wir unsere Geschichte mehrfach erzählen. Ich drängte immer wieder, man solle sich beeilen, da wir einen Verletzten hatten, der grosse Schmerzen hatte. Charly und Jürgen warteten im Auto, während Gabi und ich die Grenzformalitäten erledigten.
Beim Zoll wurden unsere Carnets de Passage zügig abgestempelt und nach dem die Beamten neugierig unser Auto beäugt hatten, konnten wir rasch den Innenhof des Zolls wieder verlassen. Anders war es bei der Grenzpolizei, die für die Pässe zuständig waren.
Leider gab es unter den Beamten Kompetenzprobleme und einer meinte er sei wichtiger als der andere. Einer fing schon an die Daten von Gabis Pass in ein grosses Buch zu schreiben, als ein anderer die drei anderen Pässe schnappte und wir plötzlich wieder aus dem Büro raus mussten. Der Grenzbeamte machte es sich auf einer Liege im Schatten bequem, während wir vor ihm standen und mindestens 20 mal die gleichen Antworten wiederholten auf die gleichen Fragen. Es kam ein weiterer hinzu mit unserem Carnet, welches wir auch hatten abgeben müssen. Jeder wollte seine Fragen beantwortet haben. Welch ein Wirrwarr.
Anscheinend war der Typ, der unsere Pässe hatte, etwas höher gestellt und so wagte es keiner ihm die Dokumente wieder wegzunehmen. Alles war verwirrend und wir machten immer wieder darauf aufmerksam, dass wir einen Verletzten hätten, der in Bamako ins Krankenhaus muss. Es gab zwischendurch immer wieder ein paar Diskussionen unter den Beamten und der wichtige Typ gab schliesslich einem anderen das Papier. Unsere Angaben wurden auf einem Stück leeren Papier festgehalten, doch dieser Typ war noch langsamer und begriffsstutziger als der Vorhergehende. Wir waren genervt und durften dies aber nicht zu offensichtlich zeigen.
Ein ca. 40ig-jähriger Beamte mit Schlapphut erbarmte sich schliesslich und nahm dem Typen die Papiere aus der Hand und schieb die benötigten Daten auf das Papier, nachdem er vorher mehrmals vergeblich versucht hatte, ihm die Angaben zu diktieren. Er teilte dem anderen mit, dass er zu langsam sei, aber das störte diesen überhaupt nicht und er machte es sich auf der Liege bequem. Der Mann mit dem Schlapphut hatte rasch alles auf dem Papier aufgeschrieben und wir bekamen wie durch ein Wunder auch wieder zu unseren korrekt gestempelten Carnets. Der mit dem Schlapphut bestand darauf, dass wir nur mit einer Eskorte weiterfahren dürften und wir mussten wieder warten. Zuerst wollten sie in jedes Auto einen bewaffneten Beamten setzen, doch im Toyota hatten wir echt nur Platz für zwei und Charly so lange durch einen Beamten einquetschen lassen wollte ich auch nicht. Jürgen und Gabi opferten sich, d.h. Gabi sass hinten und unser Bewacher konnte auf dem Beifahrersitz Platznehmen. Dem Typ mit dem Schlapphut war es gar nicht recht, dass nur ein Beamter mitfuhr, denn er hatte Order von oben, dass man auf uns aufpassen sollte.
Mit nur einem Beamten und einem Maschinengewehr fuhren wir schliesslich nach geschlagenen 2 Stunden weiter. Charly war nicht glücklich über die lange Wartezeit, was ja auch mehr als verständlich war bei seinen Schmerzen.
Die Strecke nach Bamako war gut zu fahren, anfänglich war die Strasse sogar geteert, doch schon nach ca. 20 Kilometern war es vorbei mit der Herrlichkeit und wir mussten eine Piste fahren, die aber nicht so schlimm war. Die Piste verlief parallel zur neuen Trasse, an der bereits fleissig gebaut wird. Bald wird eine neue Teerstrasse nach Bamako führen. Bei der ersten Kontrolle erklärte unsere Eskorte noch schnell den Sachverhalt, an allen weiteren wurden wir nur noch durchgewunken. Ein Auto war wohl etwas zu schnell gefahren und lag im Graben, aber da die Leute unverletzt waren fuhren wir an ihnen vorbei. Wir hatten schliesslich selber einen Verletzten, den wir so rasch als möglich ins Spital bringen wollten. Gabi rief von unterwegs nochmals die deutsche Botschaft an und konnte mit ihrem Satelliten-Telefon nur ein paar kurze Infos bekannt geben. Die Frau Brinkmann hatte aber einen sehr kompetenten Eindruck bei ihr hinterlassen.
Zeitweise durften wir auf der neuen Trasse fahren, welche uns ein gutes Vorwärtskommen ermöglichte. Wir fuhren durch eine schöne Landschaft und fanden es schade, dass wir nicht die Muse hatten diese zu geniessen. Ein LKW fuhr vor uns und hielt plötzlich an, ein Mann von der anderen Strassenseite kam zum LKW und die unterhielten sich. In der nächsten Minute wurde schon der Kipper eingeschaltet; wir konnten gerade noch an ihm vorbeifahren als wir merkten was abgeht. Fast hätte er uns mit seiner Erdlast zugeschüttet! Charly schimpfte mit mir, dass man nicht so dicht hinter einem LKW halten soll, aber wer rechnet auch mit so was!
Wir kamen immer näher an Bamako ran und die Müllhalden vergrösserten sich im gleichen Masse, wie sich die Kilometer verringerten.
Der Verkehr stieg sprunghaft an, sobald wir in Bamako waren. Die kleinen Motorräder waren überall und überholen auch überall respektive links oder rechts an einem vorbei.
Mit Hilfe des Beamten fanden wir den Weg schnell zur Pasteur-Klinik, wo Frau Brinkmann schon alles organisiert hatte. Man erwartete uns dort bereits und auch ein Arzt der in Deutschland studiert hatte und deutsch sprach ist aufgeboten worden.
Frau Brinkmann von der deutschen Botschaft und Frau Bonifazi von der schweizer Botschaft erwarteten uns bereits vor der Klinik. Wir wurden herzlich begrüsst und gingen gemeinsam in die Klinik.
Die Klinik machte einen guten Eindruck, es war sauber und die rundliche nette Krankenschwester erschien uns weitaus kompetenter, als es der Arzt in Siguiri gewesen war. Es wurden nochmals ausführliche Röntgenaufnahmen von Charly gemacht. Ich liess ihn nicht aus den Augen, damit ich notfalls hätte einschreiten können. Anschliessend wurde er in das Behandlungszimmer von Herrn Dr. Diolo geführt, wo er sich hinlegen durfte. Dr. Diolo war ein mittelgrosser schlanker Schwarzer, der in Deutschland studiert und in einem Krankenhaus gearbeitet hatte. Er sprach sehr gut deutsch und der sympathische Arzt erklärte uns nach einer kurzen Untersuchung, dass er die drei Kugeln drin lassen wird. Zwei steckten in der Muskulatur unter der rechten Schulter, bei denen wir ursprünglich gedacht hatten, es handele sich um einen Durchschuss sowie die dritte Kugel, welche tief in der Leistengegend von Charly eingedrungen war und nun in der Nähe des Kugelgelenks von Charlys Oberschenkel lag.
Wir waren etwas verdutzt, aber auf der anderen Seite war es uns auch ganz recht, denn wer will schon in Westafrika operiert werden. Wir waren aber auch sehr erleichtert, dass nichts gravierendes getroffen worden war. Es fiel uns ein grosser Stein vom Herzen! Auch Jürgen ist mit seiner Brustverletzung geröntgt worden und es konnte Gott sei Dank keine Kugel bei ihm gefunden werden. Die Kugel war auf der linken oberen Brust wenige Zentimeter nach dem Eindringen wieder ausgetreten. Ein flacher Durchschuss. Meinen kleinen Zeh liess ich nicht behandeln, denn es fehlte nur ein wenig Haut an der Spitze.
Erleichtert bezahlten wir unsere Rechnungen, Röntgenbilder 25'000 CFA (egal wieviele Aufnahmen gemacht wurden) und 40'000 CFA für die Behandlung vom Arzt.
Frau Bonafazi fuhr wieder nach Hause, da es nichts mehr für sie zu tun gab und wir warteten vor der Klinik auf Gabi und Frau Brinkmann. Sie waren in der Zwischenzeit zur Einwanderungsbehörde von Mali gefahren und holten die fehlende Visas für die Franken.
Frau Brinkmann ist eine aufgestellte und humorvolle Person, die sich kompetent um uns gekümmert hat. Sie hatte veranlasst, dass der Grenzübergang, die Kontrollstellen in Mali, die Klinik und er Arzt informiert waren, und das alles reibungslos ablief. Nachdem auch die Sache mit dem Visum geklärt war, fuhr sie mit uns im Schlepptau durch Bamako, um uns zu helfen Geld zu wechseln. Wir hatten unsere letzten CFAs im Spital gelassen und der traurige Rest hätte nicht mehr lange gereicht. Wir fuhren kreuz und quer durch Bamako. Die erste Bank war bereits geschlossen, der einzige Geldautomat von ganz Mali bei der zweiten Bank funktionierte nicht und schliesslich führte sie uns zu einem 5-Sterne-Hotel, wo wir dann doch noch Geld tauschen konnten. Gabi konnte dort sogar ihre US $ Travelers-Checks einlösen. Unterwegs im Stau von Bamako wurden wir immer wieder von den Minibusfahrern angesprochen, was denn mit unserem Auto passiert sei, als sie die Einschusslöcher gesehen hatten. Während wir uns durch den Verkehr quälten, mussten wir nebenbei immer wieder die Geschichte erzählen und die Einheimischen schüttelten ungläubig ihre Köpfe mit der Bemerkung „Ce n’est pas bon“.
Erleichtert auch diese Hürde genommen zu haben, machten wir uns auf den Weg in Richtung deutsche Botschaft. In der Nähe der Botschaft befindet sich eine kath. Mission und Frau Brinkmann hatte die Idee, wir sollen doch dort mal anfragen, ob wir da übernachten könnten. Es ist sehr zentral gelegen und wir müssten dann nicht mehr so weit raus fahren. Leider war der Pater Michel nicht da und der anwesende Pater hatte nicht die Kompetenz uns Auskunft zu geben. Es wurde schon Abend und wir hatten alle so langsam richtig Hunger. Wir stellten unsere Fahrzeuge vor dem Haus von Frau Brinkmann ab und liefen mit ihr zu der von ihr empfohlenen Snack-Bar Les Amandines, um dort endlich etwas zu essen. Jürgen konnte nicht widerstehen und besorgte sich vor dem Essen noch ein Schokoladenbrötchen, von der gleichen Snack-Bar/Bäckerei.
Wir bestellten für uns Pizza und Salat, während Frau Brinkmann den lokalen Kapitänsfisch bevorzugte. Ein Arbeitskollege von ihr kam später noch kurz auf ein Bier vorbei. Eigentlich hatte sie ja mit ihm heute eine Veranstaltung besuchen wollen, aber leider wurden ihre Pläne von uns durchkreuzt. Wir wollten Frau Brinkmann einladen, doch leider konnten wir sie nicht dazu überreden. So eine SUPER-Betreuung durch eine Botschaft ist alles andere als der Normalfall und hatte vielmehr mit Ihrer Persönlichkeit zu tun. Nach dem Essen hatte Charly wieder starke Schmerzen und konnte nicht mehr länger sitzen. Wir beschlossen schon mal voraus zur Mission zu fahren. Charly und ich liefen zu den Autos, welche vor Frau Brinkmanns Haus parkiert waren. Dort passten Wachmänner darauf auf, denn bei beiden Fahrzeugen waren ja die Scheiben auf der Fahrerseite zerschossen worden.
Wir fuhren zur katholischen Mission in der Hoffnung dort in unseren Autos übernachten zu können. Als wir Snoopy dort parkiert hatten, kam schon der Nachtwächter, wir können da nicht stehen bleiben unter den Bäumen, dies sei ein Park und kein Parkplatz. Es war aber kein rasen oder so was dort, nur die Bäume in schönen Abständen, zum Parkieren dachten wir deshalb. Wir wollten den Pater Michel sprechen und hatten Glück, denn dieser wollte gerade wegfahren. Ich fragte freundlich, ob wir im Hof von der Mission übernachten dürften. Zu unserem Erstaunen war die Antwort “NEIN“, er wolle die Verantwortung nicht dafür und deshalb können wir hier nicht übernachten. NA SUPER vielen Dank lieber Pater - Diener Gottes deine Nächstenliebe hat uns gerührt.
Es blieb uns nichts anderes übrig als wieder zurück zu fahren und mit den anderen im Dunkeln zum weitentfernten Campement „Le Cactus“ zu fahren. Natürlich verfuhren wir uns auch auf unserem Weg dorthin, da es keinerlei Hinweisschilder gab.
Nachdem wir endlich heil auf dem Hof von Le Cactus ankamen, kam auch schon Kalle angelaufen. Ein junger blonder Deutscher, der den kanadischen Besitzern etwas half, welche bereits schon die 70 überschritten haben. Mit ihm war rasch ein Plätzchen gefunden, wo wir die Nacht verbringen konnten. Kalle zeigte uns noch die Bar und das einzige WC auf dem Camping. Wir tranken noch etwas und gingen danach erschöpft schlafen. Es war noch immer über 30 Grad und kein Windhauch ging.
Verschwitzt wachten wir auf und räumten unser rasch Bett weg. Diesen Tag haben wir uns vorgenommen auszuruhen, um uns von den Strapazen zu erholen.
Der Le Cactus ist ein sehr einfacher Camping, wo auch Zimmer gemietet werden können, auch stundenweise. Fliessendes Wasser gab es nicht, man musste die Toilette mit Wasser aus dem Bottich spülen, beim Lavabo gab es einen grossen eisernen Behälter mit einem kleinen Wasserhahn dran. Die Duschen waren winzig und das Wasser kam aus Kanistern, die vorher wohl als Dieselkanister gedient hatten, denn das Wasser roch immer noch danach. Wir nach der Dusche dann auch!
Die Bar war jedoch sehr gemütlich, gehalten im Stil von Safari-Camps wie in Südafrika. Unser Wasser mussten wir mit einem Kanister vom Ziehbrunnen raufholen. Der Niger war nur wenige hundert Meter weg, womit uns der eine oder andere Moskitostich sicher war.
Der Tag wurde brütend heiss, wir konnten über 45 Grad an unserem Thermometer ablesen.
Elke und Dietmar, beide in den 60igern und welche wir schon in Mauretanien getroffen hatten, waren auch dort mit ihrem Rundhauber (Mercedes Allrad-LKW). Der nun bald 80ig-jährige Sahara Willi, der sie noch in Mauretanien begleitet hatte, musste aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig umkehren. Die Hitze hatte ihm zu sehr zu schaffen gemacht. Nun waren die beiden alleine unterwegs, aber was heisst allein, sie hatten zwei Hunde und ein Katze dabei. Sie waren schon wieder auf der Heimreise und kamen gerade von Burkina Faso zurück. Dort war es auch so heiss wie in Mali. Ihr Hund Sancho erinnerte mich sehr stark an den Golden Retriever, den ich mal hatte. Er war anfangs etwas scheu, was auf seine jungen harten Welpenmonate zurück zu führen war. Bald jedoch war er etwas zutraulicher und ich hatte bald einen Narren an ihm gefressen.
Wir waren noch ganz kaputt und hatten keine Lust Wäsche zu waschen und fragten deshalb Kalle, ob es hier eine Möglichkeit gäbe die Wäsche waschen zu lassen. Auf dem Camp wurde dieser Service auch angeboten und wir nahmen diesen Service dankbar an. Wir sassen den ganzen Tag im Schatten und versuchten uns so wenig wie möglich zu bewegen. Der Hitze wegen! Da die Luftfeuchtigkeit aber sehr hoch war, über 60%, schwitzten wir trotzdem.
Am Abend assen wir im Le Cactus. Es gab eine grosse Salatschüssel, Reis und Pommes mit einer Art Gulasch. Ein grosses Bier hatten wir uns nach soviel schwitzen auch dazu verdient.
Diese Nacht war es wieder um die 32 Grad warm und wir nahmen noch rasch eine kühle Dusche aus unserer Solardusche, die wir am Nachmittag mit Brunnenwasser gefüllt hatten und an einen Ast des Baumes im Schatten aufgehängt, der vor unseren Fahrzeugen war.
Etwas abgekühlt verschwanden wir rasch im Auto. Die Einstiegsleiter, welche wir bei unserer Flucht abgefahren hatten, wurde einstweilen durch den Werkzeugkoffer von Jürgen ersetzt. Vor dem einschlafen konnten wir noch dem Quakkonzert der Frösche vom Niger lauschen.
Kaum aufgestanden, schwitzten wir schon wieder. Jede Bewegung wurde zur Qual. Auf das Frühstück wollten wir trotzdem nicht verzichten. Faul und träge hingen wir in unseren Stühlen und unterhielten uns. Charly wollte sich gerade seine Hände waschen und Gabi machte eine freche Bemerkung, was er mit einer kurzen Dusche aus unserem Wasserkanister quittierte. Bald war eine Wasserspritzorigie ausgebrochen, jeder wurde mal kurz geduscht. Keiner war jedoch böse darüber, bedeutet dies doch eine wohltuende Abkühlung.
Dietmar und Elke beschlossen aufzubrechen und weiter in Richtung Senegal zu fahren. Sie verabschiedeten sich von uns.
Wir Vier plauderten noch bis gegen 15 Uhr, dann wollten Jürgen und Gabi in die Stadt zum Einkaufen fahren. Charly blieb auf dem Campingplatz, da er sich noch nicht fit genug fühlte. Zu dritt fuhren wir in die Stadt und obwohl man uns versicherte, dass der Supermarkt offen hätte, war dieser geschlossen. (Wie wir später erfuhren, hat der Supermarkt nur bis 12 Uhr geöffnet.) Wir fuhren weiter zu Frau Brinkmann und fragten, ob wir wiederum das Auto dort parkierten dürften. Wir durften und sie gab uns auch gleich noch einen Tipp mit, auf welchem Markt wir Souvenir kaufen könnten, ohne gleich übers Ohr gehauen zu werden.
Wir fuhren mit dem Taxi zu dem Markt „Marché Golonina“, wo wir neben zu gleich noch eine gute Bäckerei ausmachten. Mit Cola resp. Café au Lait und süsser Beilage stärkten wir uns, bevor wir uns zu den Ständen begaben. Die Händler waren recht aufdringlich und man musste sich immer wieder aus ihren Fängen befreien. Ich fand bald einen hübschen Stein, Turmaline mit Perodit, den ich nach der Verhandlung für ein Drittel erhalten hatte, als zuerst gefordert. Wahrscheinlich hatte ich immer noch zuviel bezahlt, doch der Stein war gross und sah ganz gut aus. Die Ketten mit Achatsteinen waren auf den ersten Blick hübsch, jedoch waren alle Steine angeschlagen bei näherem Hinsehen. Gabi und Jürgen fanden ein paar hübsche Figuren aus Holz und Messing. Die Masken sahen alle gleich aus und besonders gut gefiel uns keine davon, deshalb haben wir dann schussendlich auch keine gekauft. Gegen Schluss fand ich noch eine Holzfigur, die einen schwarzen Mann aus dem Dogonland darstellte. Sie war recht gross, weshalb ich ihr anfänglich keine Beachtung schenkte. Gabi und mir gefiel aber die Figur trotzdem und der Händler bemerkte es natürlich auch. Wir fanden die Figur sei viel zu gross und Jürgen drohte Gabi schon mit Konsequenzen, wenn sie die Figur kaufen würde. Ich bot einen sehr niedrigen Preis und der Händler schaute mich fast entsetzt an. Ich blieb jedoch hart und er wollte das Ding verkaufen und so nahm er mich doch noch mal zur Seite und versuchte mich zu überzeugen mehr dafür zu zahlen. Ich blieb aber mit einem charmanten Lächeln hart und habe die Figur schliesslich doch zu einem sehr guten Preis erhalten. Die Franken hatten zuvor schon zwei hübsche Antilopenfiguren gesehen, die angeblich aus Silber waren. Bei der ersten Verhandlung wollte man aber noch zuviel und deshalb waren sie gegangen. Die Figuren sind ihnen aber nicht aus dem Sinn gegangen, weshalb sie nochmals den Laden aufsuchten. Der Typ im Laden war auch interessiert und man begann gerade nochmals über den Preis zu diskutieren, als der Boss von dem Geschäft kam und uns buchstäblich zum Teufel jagte. Er war beleidigt gewesen, aus irgendeinem Grund. Vielleicht hatten sie bei der ersten Verhandlung einen Ehrenkodex übertreten, den sie nicht kannten. Nach dieser Erfahrung waren sie dann auch nicht mehr interessiert und so fuhren wir mit dem Taxi zurück zu Frau Brinkmann.
Sehr zu unserer freudigen Überraschung lud uns Frau Brinkmann zu einem selbstgebackenen Käsekuchen ein. Hmmm, der war lecker! Da es für einen Kaffee viel zu heiss war, tranken wir Apfelsaft dazu. Wir zeigten ihr unsere Errungenschaften und unterhielten uns über die Arbeit einer Botschaft und wo sie schon überall war. Sie war zuvor in Tansania und Sierra Leone stationiert gewesen. Sie erzählte uns etwas von diesen Ländern und wir hörten ihr gespannt zu. Wir durften auch den Garten bewundern, den sie angelegt hat in den 7 Monaten die sie nun schon in Mali verbrachte. Der Garten war voller tropischer Pflanzen und sie erklärte uns nicht ohne Stolz, wie es vorher hier ausgesehen hatte und was sie alles gepflanzt hat. Die Zeit verging wieder wie im Flug und es wurde Zeit zum Gehen. Wir bedankten uns herzlich und fuhren mit dem Auto in Richtung Camping. Auf dem Weg dorthin mussten wir blöd über eine Kreuzung fahren und wie immer fuhren alle kreuz und quer. Ein Polizist sah natürlich seine Chance abzukassieren und trällerte auf seiner Pfeife. Wir nahmen ihn nicht weiter ernst und fuhren weiter. Wir hatten die Rechnung jedoch ohne den Wirt gemacht. Geschwind hatte der Polizist einen Kollegen herbeigerufen und verfolgten uns nun. Wir hielten an. Der Polizist schimpfte mit uns, dass sei ein gefährliches Manöver gewesen usw. Der ganze Verkehr von Bamako ist ein einziges gefährliches Manöver hätten wir am liebsten geantwortet, doch wir waren brav und hörten ihm zu. Als es uns dann doch zu bunt wurde, erzählten wir von dem bösen Überfall und den Verletzungen. Wir erklärten, dass wir nochmals aus diesem Grund zur Botschaft gemusst hatten usw. Die Polizisten wurden schlagartig freundlich und liessen uns ohne Strafe fahren, aber mit der Ermahnung künftig nicht mehr so gefährlich die Strasse zu kreuzen. Wer den Verkehr kennt von Bamako, weiss das man dort immer drauflos fährt, die Kreuzungen mehrspurig überquert werden und sich jeder durch drängelt, wo er nur kann.
Es war schon wieder spät und bereits dunkel. Ein kurzer Stopp bei einem kleinen Supermarkt und weiter ging es zum Campingplatz. Charly hat schon bereits auf uns gewartet. Wir kochten unser Abendessen und quatschten danach noch lange. Der Zugang zur Toilette war, wie jeden Abend verschlossen und auch durch energisches Rufen konnte der laut schnarchende Nachtwächter nicht geweckt werden. Es blieb nur der Weg in die Büsche. Wie jeden Abend nahmen wir eine kurze erfrischende Dusche, bevor wir uns der Hitze der Nacht ergaben.
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