Abenteuer Afrika

Reisetagebuch von Sylvia Vogel und Charly Julier (www.4x4expedition.com)

Lesotho

Oster-Montag, 17.04.2006

Vom Katse Staudamm nach Thaba-Tsaka und weiter über die Berge zum Basotho Pony Project

In der Nacht hatte es angefangen zu regnen. Auch am Morgen regnete es noch und da alles grau in grau war, hatten wir es nicht eilig aufzustehen. Kurz nach 8 Uhr hielten wir es im Bett dann doch nicht länger aus und standen auf. Unser Frühstück reduzierte sich auf das Minimum, denn draussen auch nur Kaffeewasser zu kochen war nicht gerade gemütlich, also gab es Flocken mit Milch. Die Südafrikaner waren schon alle am Packen. Wir waren gerade auf dem Weg zum WC, als uns Luc ansprach. Er war in der Modebranche in Jo’burg und wollte noch dieses Jahr nach Europa und nach Tunesien, da dort im Herbst ein Event stattfand. Als wir ihm von unserer Reise erzählten, waren plötzlich auch andere Zuhörer anwesend. Ungläubig schüttelten sie die Köpfe, solange zu reisen war für sie ungeheuerlich. Jeder erzählte, dass er auch gerne einmal von Südafrika nach Nordafrika reisen wolle, doch leider fehle es an Zeit und Geld. Sie fragten uns dieses und jedes und gerne gaben wir ihnen Antwort. Da es immer noch regnete war die Unterhaltung jedoch nicht von allzu langer Dauer und zudem hatten sie es eilig zurück nach Johannesburg zu fahren, denn morgen hiess es wieder Dienst antreten. Die Mehrheit der Afrikaner waren vom Sicherheitsdienst oder von der Polizei, wie schon ihr exakter Haarschnitt erkennen liess. Wir verabschiedeten uns und bereiteten uns für die Weiterfahrt vor.

Die geteerte Strasse war gleich nach der Kreuzung nach Thaba-Tsaka zu Ende. Nun gab es nur noch Wellblech und Löcherpiste. Charly grummelte etwas von Sch...strasse und reklamierte, wo ich ihn wieder hinführen würde. Nun dies war die Hauptstrasse nach Thaba-Tsaka und .... welcome back in Africa!

Die Piste wand sich im Zick-Zack durch das Tal. Nach 45 Minuten bemerkte Charly, dass wir gemäss GPS sensationelle 4 Kilometer geschafft hatten. Nun das war Luftlinie gerechnet und nicht Strassenkilometer. Links von uns ging es steil den Hügel hinunter und rechts den Berg hinauf. Wir befanden uns permanent auf über 2'500 m Höhe, trotzdem waren die Hügel im Terrassenanbau mit Mais und Getreide angepflanzt. In der Schlucht neben uns verlief ein Fluss in seiner ganzen Ursprünglichkeit. Hier wird nichts begradigt oder verändert, die Natur hat noch ihren freien Lauf. Die löchrige Wellblechpiste führte uns die Hügel hinauf und hinab. Etliche Rundhütten qualmten durch die Strohdächer, da die Bewohner wegen der Kälte ein Feuer entfacht hatten. Die Kilometer zogen sich hin und oft konnten wir nicht weit sehen, da dichter Nebel und Regen uns die Sicht stahl.

Endlich in Thaba-Tsaka angekommen wollten wir tanken, doch als wir die verwahrloste Tankstelle sahen, beschlossen wir dies zu unterlassen. Den Diesel, den wir in Buthe-Butha getankt hatten, war schon gepanscht gewesen und wir konnten uns lebhaft vorstellen, wie es mit der Qualität an dieser Tankstelle aussah. Das Kaff war typisch Afrika, Marktstände an den Strassenseiten und reges Treiben auf der Strasse, trotz des Pisswetters. Die Leute winkten uns freundlich zu und die Kinder bettelten verzweifelt um Süssigkeiten. Wir fuhren weiter, ohne uns gross in dem Kaff aufzuhalten. Eigentlich wollte ich das Basotho Pony Gestüt ansehen, doch das Pisswetter hatte mir jegliche Motivation genommen.

Kurz nach dem Ort ging die Strasse wieder steil bergauf. Ein paar Jungendliche wollten uns aufhalten und uns anbetteln, doch unsere Hupe brachte sie von ihrem Vorhaben ab. Langsam röchelte Snoopy die steile, enge Piste hoch. Hier anhalten zu müssen wäre nicht lustig gewesen und so schoben wir uns an den Jugendlichen vorbei. Rechts ging es steil bergab, es war sehr kurvenreich und die Piste hatte hier gerade mal eine Wagenbreite. Hoffentlich kommt da keiner, war mein Gedanke. Wir hatten Glück, denn der Verkehr war sehr gering. Das Transportmittel Nummer 1 ist auch hier noch das Pony.

Wir hatten bald wieder die 2'500 m ü.M. erreicht und immer noch ging es weiter steil bergauf. Der Mokhoabong Pass zog sich endlos hin. Immer wenn wir gedacht hatten, das wir nun die Passhöhe erreicht hatten, führte uns der schmale, rutschige Pfad weiter in die Höhe. 2'590 m, dann 2'887 m und auf 2'904 m, danach hatten wir es definitiv geschafft. Rechts ging es immer noch schwindelerregend in die Tiefe. Links waren Hirten mit einer grossen Ziegenherde unterwegs. Ein Hirte gab Zeichen, dass er gerne eine Zigarette hätte, doch da wir beide Nichtraucher sind, konnten wir ihm seine Bitte nicht erfüllen. Die Hirten waren wegen der Kälte wieder mit Skimützen vermummt; gerade einmal die Augen konnte man erkennen.

Die Schlaglöcher auf der Piste waren mit Wasser gefüllt und es war schwer abzuschätzen, wie tief sie waren. Wir fuhren langsam. Lange Zeit fuhren wir auf der Hochebene entlang und waren beständig auf über 2'700 m. Einige wenige Bauernhöfe waren an die Hänge gekittet. Die Rundhütten waren umgeben von einer Mauer aus Steinen, worin sich das Vieh befand. Der Boden war lehmig und die Hütten mit Stroh gedeckt. So ungefähr hatte es wohl auch bei uns vor 400 Jahren ausgesehen, schoss es uns durch den Kopf.

Endlich ging es wieder den Berg hinab und hinab und hinab. Bei 2'500 m trafen wir wieder auf die ersten Mais- und Getreidefelder sowie auf ein Rundhüttendorf. Nun war der Weg stellenweise sogar geteert, doch der Teer war nur streckenweise und bruchstückhaft vorhanden. Schlagloch reihte sich an Schlagloch! Die Strasse führte weiter hinunter in das Tal. Bei Mantsonyane überquerten wir den Senqunyana Fluss. Die Stahlbrücke über den Fluss war zwar stabil, doch hatte sie auch schon bessere Tage gesehen. Danach ging es auch schon wieder bergauf, diesmal aber nicht mehr auf 3'000 m.

Bei der Abzweigung zum Mohale Stausee trafen wir endlich auf eine gute Teerstrasse. Schon von weitem sahen wir das Mohale Hotel und wir freuten uns schon endlich Feierabend zu haben. Doch war dieses Hotel nicht für Camper eingerichtet und so fuhren wir weiter.

Wir waren müde, denn das Pisswetter hatte an unseren Nerven gezehrt und wir wollten nur noch ein Plätzchen zu schlafen finden. Das gesuchte Basotho Pony Projekt liess sich aber noch lange nicht blicken. Wir mussten zwei weitere Pässe überqueren, bis wir endlich das ersehnte Schild am Strassenrand erblickten. Hundemüde fuhren wir auf den Hof. Weit und breit keine Menschenseele. Nanu! Ich stieg aus und lief im strömenden Regen zum Haus. Dort entdeckte ich durch die Fensterscheibe zwei Schwarze, die im Büro schnarchten. Ich klopfte mehrmals kräftig an die Scheibe, denn die Männer hatten einen guten Schlaf. Wie es sich dann herausstellte, waren es Polizisten, die den Hof bewachten!?? Ich fragte höflich an, ob wir auf dem Hof übernachten könnten. Zuerst waren sie unsicher, da sie meinten wir suchten ein Hotelzimmer. Doch als ich ihnen unser Anliegen erklärte, waren die freundlichen Herren gerne bereit uns Unterschlupf zu gewähren. Das WC und die Dusche dürften wir auch benutzen, doch nach dem ich die Dusche gesehen hatte, verspürte ich keine Lust mehr mich zu waschen. Die Toilette war auch nicht gerade sauber, aber annehmbar.

Wir waren dankbar noch vor der Dunkelheit ein sicheres Plätzchen gefunden zu haben. Da es immer noch stark regnete, fiel ein warmes Abendessen aus und es gab Thunfischsalat mit Brot.

Später hatten wir es uns gemütlich gemacht, als es an unserer Tür klopfte. Ein Schwarzer stand vor der Tür und erklärte, dass er hier der Verantwortliche sei. Das roch verdammt nach Abzocke, dachte ich mir. Doch der Typ wollte nur klarstellen, dass wir für die Übernachtung zu zahlen hätten, sofern wir nicht am nächsten Tag reiten gehen. Ich fragte, was denn die Übernachtung kosten würde und da antwortete er mir, was immer ich wolle. Okay, dass war fair! Ich versprach, dass ich am nächsten Tag reiten gehen würde, vorausgesetzt, dass es nicht mehr regnet. Er war zufrieden mit meiner Antwort und erklärte noch, dass sein Name Peter sei und ich morgen nach ihm fragen sollte.

Die restliche Nacht war sehr ruhig und stockdunkel. Der Regen trommelte immer noch auf unser Autodach als wir einschliefen.

Dienstag, 18.04.2006

Vom Basotho Pony Project zurück nach Südafrika

Wer hätte das gedacht, tatsächlich schien die Sonne an diesem Morgen. Ich lugte verschlafen aus dem Fenster und konnte es kaum fassen – blauer Himmel! Sofort war ich motiviert reiten zu gehen. Draussen wartete schon Peter. Zurückhaltend fragte er mich, ob ich denn immer noch reiten wollte. Klar war meine Antwort und schon schickte er seine Leute los die Pferde von der Weide zu holen. Ich würgte schnell meine Frühstücksflocken hinunter und machte mich parat. Das Pony stand schon da und war bereits halb aufgesattelt. Das Zaumzeug war an diversen Orten bereits mehrfach gerissen und einfach zusammengeknotet worden. Das Mundstück war abgebrochen und man hatte es elementar durch dickem Draht ersetzt. Der Sattel war wohl ein Vorkriegsmodell, denn es gab keinerlei Polsterung. Nur der Sattelbaum war vorhanden, auf welchem man mit Schnüren ein Kissen aus Sackleinen gebunden hatte. Das Lesotho-Pony selber sah jedoch wohlgenährt aus. Ich setzte mich auf das Pony und fragte, wo denn Peter sein Pferd hätte. Ne, ne sagte er, er laufe, nahm meine Zügel in die Hand und wollte so mit mir losmarschieren. Da reklamierte ich natürlich, denn die Zügel lass ich mir nicht aus der Hand nehmen. Ich erklärte ihm, dass ich reiten kann und so übergab er mir diese. Er lief vorne weg und ich mit dem Pony hinterher. Sehr motiviert war das Tier nicht, immer wieder musste ich mit den Schenkeln heftig treiben, damit es Peter folgen mochte. Ich redete weiter auf Peter ein, ich hätte Zeit und er könne sich ruhig ein Pony suchen. Schliesslich schnappte er sich unterwegs sein Lieblingspony und bastelte aus seinem Gürtel ein Mündstück für das Pony. Ohne Sattel und nur mit dem Gürtel als Verbindung zum Maul des Tieres, ritt er dann voraus.

Der Ritt kostet nur 35 Rand und war mit 2 Stunden angegeben. Der steinige, steile Pfad führte den Hügel hinunter, durch ein kleines Bachbett und dann wieder den Berg hinauf. Dort ging es dann wieder den Buckel hinunter bis zu einem Wasserfall. Wir stiegen ab. Landschaftlich war es sehr schön, doch nach 20 Minuten waren wir bereits am Ziel. Der 4-Stundenritt wäre nur eine halbe Stunde länger und man verbringt dann 2 Stunden an einem anderen Wasserfall. Ich hatte keine Lust so lange rumzustehen, zumal es zum Baden sowieso viel zu kalt war. Im Sommer sicher ein tolles Erlebnis vom Pferderücken aus schwimmen zu gehen.

Viel Touristen hätten sie nicht, erklärte Peter traurig. Die Einheimischen hätten kein Interesse und Ausländer kämen höchst selten vorbei. Sie hatten nur noch 9 Tiere, wovon 2 Maultiere waren.

Zwei der Lesotho-Ponys waren ziemlich mager, obwohl sie den ganzen Tag Gras frassen. Sie litten vermutlich an Parasiten, da wahrscheinlich das Geld für die Entwurmung eingespart wurde. Das Basotho-Pony-Project gehört dem Staat Lesotho, das sagt schon alles.

Wir ritten zurück und trieben auf dem Rückweg ein anderes Pony zurück auf den Hof. Als wir den Hof erreicht hatten, sah ich Charly wie er sich gerade durch das Toiletten-Fenster quälte. Er hatte versehentlich die WC-Tür geschlossen und konnte nun die Tür nicht mehr von innen entriegeln. Er hing schräg aus dem Fenster und ich fragte ihn verblüfft, was er denn da mache. Mit einem spitzbübischen Grinsen erklärte er mir die Situation.

Ich zahlte und verabschiedete mich von Peter, dann konnte es weitergehen. Wir fuhren nicht wie ursprünglich geplant zum Wasserfall Maletsunyane, da es schon wieder nach Regen aussah. Charly weigerte sich wieder einer dieser rutschigen Passstrassen im Regen zu fahren. Die Chancen standen vielleicht 50:50 das es regnet, doch da man auf dem Weg dorthin wieder einen 3’000ender überqueren muss, wollte er kein Risiko eingehen.

So fuhren wir an Roma vorbei und geradeaus weiter zur Hauptstadt von Lesotho – nach Maseru. Da es nichts sehenswertes gab in dieser Stadt, fuhren wir direkt zum Grenzübergang. Der Ausreisestempel war schnell im Pass, gab es doch nur wenige Passanten. Wir setzten uns ins Auto und fuhren durch den Schlagbaum, doch so einfach ging es dann doch nicht. Ein Beamter fragte uns, warum wir den runden Kleber nicht auf unserer Windschutzscheibe hätten. Jedes Fahrzeug im südlichen Afrika muss so einen Aufkleber haben, welcher besagt, wann der Wagen wieder zur Kontrolle muss. Wir erklärten ihm, dass unser Auto in der Schweiz zugelassen ist und wir folglich keinen Aufkleber hätten. So ganz zufrieden gab er sich nicht und verlangte, dass wir links rüber fahren sollen. Wir zeigten ihm unseren Fahrausweis und Charly erklärte ihm, dass das Datum der Fahrzeugkontrolle auf dem Ausweis steht und er einfach 5 Jahre dazuzählen müsse. Damit war er dann zufrieden und liess uns zur Grenzstation von Südafrika weiterfahren.

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