Abenteuer Afrika

Reisetagebuch von Sylvia Vogel und Charly Julier (www.4x4expedition.com)

Guinea

Montag, 28.02.2005

Von den Kambadanga-Wasserfällen bis kurz vor Dalabar

Schon am Morgen hatten wir wieder Besuch. Ein Junge hatte offensichtlich viel Zeit uns beim Frühstück zu zusehen. Ein Foto – kein Problem – schnell schmiss er sich Pose. Wir fragten oft scheu die Bevölkerung, ob wir ein Foto machen dürfen, dabei hatte diese sichtlich Freude, dass man von ihnen ein Bild schiessen wollten.

Wir liefen nach dem Frühstück zum Fluss und entdeckten endlos viel Froschlaich, die in ruhigen Gewässern wie Perlenketten in einem fort aufgereiht waren. Am Tag war das Froschkonzert eingestellt und es war ruhig. Wieder kamen ein paar Einheimisch vorbei und erkundigten sich wiederum, wie es uns geht. Anschliessend palaverten wir noch etwas und wuschen dann das Geschirr ab.

Jürgen, Gabi und ich machten uns auf den Weg zu den Wasserfällen, die man nur zu Fuss erreichen konnte. Charly wollte bei den Autos bleiben, damit nichts wegkam. Wir marschierten also los und fanden einige Flusskrebse und viele, viele, viele Froschlaiche. Wir waren noch nicht allzu lange unterwegs, als wir auf den alten Mann stiessen, der mit seinem Jagdgewehr dort schon auf uns zu warten schien. Wir erklärten ihm, dass wir keinen Führer zu den Wasserfällen bräuchten. Er folgte uns trotzdem still. Nach kurzer Zeit machte er uns auf eine Hängebrücke über den Fluss aufmerksam. Wir trauten dieser Brücke nicht und unterliessen es darüber zu laufen. Wahrscheinlich hätte sie schon gehalten, aber ich wäre da sicher seekrank geworden bei dem Geschaukel.

Wir liefen weiter und der Mann und zusätzlich zwei Buben folgten uns weiterhin. Jürgen war schon ganz genervt, weil er ohne Gefolge die Landschaft geniessen wollte. Sie liefen durch den Fluss mit samt ihren Schuhen. Ich wartete am Rand bis sie wieder kamen. Die Verfolger liessen sich aber nicht abschütteln. Gabi erklärte mir, dass Jürgen keine Lust mehr hatte und umkehren wollte. Wir wollten jedoch die Wasserfälle sehen und da diese keine 10 Minuten entfernt waren, gingen wir allein hin. Der alte Mann mit seiner uralten Schrottflinte folgte uns weiterhin. Es ging immer bergauf und der Schweiss lief uns aus allen Poren. Durchgeschwitzt kamen wir oben auf einem kleinen Plateau an, welches aber durch ein kleines Gatter abgegrenzt war.

Es gab eine schon wieder halbverfallene Einrichtung für ein Restaurant und ein verwittertes Schild, auf dem die Eintrittspreise aufgeschrieben waren. Wir nahmen das Schild nicht so ernst, da alles ringsherum so unfertig aussah. Wir machten ein paar Fotos und als wir gehen wollten, wollte der Typ bei uns abkassieren für den Eintritt. Ich erklärte ihm, dass ich hier kein Geld dabei hätte und er schon wieder mit zurück zu den Autos kommen müsste. Er war sichtlich sauer, als wir ihm das Geld nicht geben wollten. 2500 Guinea Franc war der Eintrittspreis für die Aussicht auf die Wasserfälle. Wir waren nur wenige Minuten dort gewesen, weil wir unsere Männer nicht so lange haben warten lassen wollen.

Wir liefen eilig und sauer zurück zu den Fahrzeugen. Der Mann folgte uns, da er noch das Geld von uns wollte. Seine uralte Schrottflinte liess er Gott sei Dank aber oben bei den Wasserfällen.

Wieder im Camp angekommen war Jürgen ziemlich sauer, dass wir ohne ihn losgezogen waren. Ich hatte ursprünglich angenommen, dass war so mit ihm abgesprochen. Er schimpfte mit uns unvernünftigen Weibern, weil wir mit einem wildfremden Mann, der auch noch ein Gewehr hatte, mitgegangen sind. Recht hatte er ja, so weit hatten wir bei dem alten Mann gar nicht gedacht, da er doch recht harmlos aussah. Er wollte sich halt etwas dazuverdienen. Jürgen schiss auch den alten Mann zusammen, da dies jedoch auf deutsch erfolgte, konnte dieser zwar verstehen das Jürgen sauer war, aber nicht so recht warum. Zusätzlich war Jürgen auch noch sauer, dass man da oben unvermittelt auch noch Eintrittspreise verlangte. Nach einigem hin und her gab ich dem alten Mann sein Geld, der beleidigt dastand und die Welt nicht mehr so richtig verstand.

Wir packten unsere Sachen und bevor wir losfuhren schüttelte Jürgen dem alten Mann die Hand mit ein paar netten Worten. Die Mine des alten Mannes erhellte sich sofort wieder, die Welt schien für ihn wieder in Ordnung zu sein.

Wir fuhren wieder durch den Fluss, der trotz der heftigen Regenfälle der vergangenen Nacht nicht angestiegen war. Das steile Stück Piste wurde von unseren Fahrzeugen zwar langsam aber problemlos überwunden. Wir suchten auf dem Rückweg eine Abkürzung, konnten diese aber nicht finden und sind so mehrheitlich dem gleichen Weg gefolgt wie am Vortag. Wir mussten wieder die ganzen Gatter passieren, doch diesmal waren Leute da die es für uns öffneten, da es nicht regnete. Natürlich wurde wieder von einem Knaben nach einem Cadeau gefragt und Charly riss kurzer Hand eine grüne Mango vom Baum und wollte es diesem geben. Der Knabe lachte und verzichtete.

Unsere Wasservorräte waren schon bald zur Neige und wir hatten auf dem Hinweg einen guten Brunnen ausgemacht, wo auch die Dorfbevölkerung ihr Trinkwasser holte.

Am Brunnen angekommen war gerade eine ältere Frau dabei ihr Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Man musste mit dem Fuss auf ein Pedal treten und damit wurde das Wasser nach oben gepumpt. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters hatte die Frau schnell ihre Behälter gefüllt. Wir standen schon in unseren Startlöchern um auch unsere Behälter zu füllen, da nahm die ältere Frau unsere Behälter und fing für uns zu pumpen an. Trotz eindringlicher Versuche sie davon abzubringen, konnten wir sie nicht daran hindern für uns einen 20 Liter Sack zu füllen. Sie schnaufte zwar dabei aber es machte ihr sichtlich Freude. Wir hatten schon ein schlechtes Gewissen und Gabi hatte Gott sei Dank noch ein Stück Seife, welches sie ihr schenkte. Die Frau war sehr glücklich darüber und war nun leider gar nicht mehr zu bremsen. Jeder der sich an der Wasserpumpaktion beteiligen wollte wurde von ihr kritisiert. Keiner konnte es ihr recht machen, auch ein anderer Dorfbewohner konnte es nach ihr nicht gut genug.

Wir warteten dezent, bis sie ihre schweren Wassergefässe auf den Kopf hob und diese nach Hause balancierte. Inzwischen waren noch ein paar jüngere Frauen eingetroffen und ein paar Kinder hatten uns natürlich auch schon entdeckt. Alle waren sehr nett und überhaupt nicht aufdringlich. Man half sich gegenseitig mit dem Pumpen und die schweren Wasserbehälter auf den Kopf zu hieven. Die ältere Frau kam zurück und schenkte uns eine Papaya, zudem wollte sie unbedingt, dass wir ihr einen Besuch abstatten sollten. Sie sprach so gut wie kein Französisch und wir hatten keinerlei Kenntnisse von ihrer Sprache, aber wir konnten uns trotzdem verständlich machen.

Als wir endlich alle unsere Kanister gefüllt hatten, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter nach Pita. In Pita suchten wir die beiden Apotheken auf, um nochmals Brulex zu kaufen. Leider gab es keine. Wir dachten o.k., dann halt in Dalabar, dem kühlsten Ort von Guinea (1400 m), welcher früher gern von Europäern zur Erholung von der Hitze genutzt wurde. Es wurde auch schon bald wieder dunkel und wir suchten uns noch vor Dalabar auf einer abgehenden Piste einen ruhigen Ort zum Übernachten.

Der erste Platz war uns zu schräg und zu offensichtlich. Wir fuhren weiter und fanden eine hübsche Lichtung. Wir installierten uns und mussten bald darauf feststellen, dass wir unser Nachtlager nur ein paar hundert Meter von einem Dorf aufgeschlagen hatten. Bald schon erschien der erste Mann und fragte wieder wie üblich wie es uns geht. Uns geht es sehr gut antworteten wir und er fragte, ob wie Lust auf ein paar Orangen hätten. Wir hatten Lust und dachten, dass wir die paar Franc sicher noch aufbringen konnten, was er für die Orangen verlangen würde.

Es dauerte nicht lange und er kam mit einem ganz Sack voller Obst zurück. Er brachte uns eine Papaya, diverse Orangen und auch ein paar Avocados. Wir fragten ihn, was er denn dafür haben möchte und er antwortete zu unserer Überraschung, dass er uns dies schenke und er keine Geld dafür haben möchte. Wir waren sprachlos. Ich gab ihm ein paar Zigaretten, die ich für solche Gelegenheiten gekauft hatte und gab ihm Feuer. Er freute sich darüber und hielt einen kurzen Schwatz mit uns. Gabi gab ihm auch noch ein paar Kleinigkeiten u.a. auch einen Kalender. Nach kurzer Zeit brach er wieder auf, da er noch in die Stadt musste.

Wir kochten unser Nachtessen und bekamen bald wieder Besuch von ein paar Kindern, die in einem alten T-Shirt mindestens 8 Kilo Orangen anschleppten. Wir waren überwältigt über so viel Gastfreundschaft und gaben den Kindern natürlich ein paar Süssigkeiten, die wir eilig aus unserer Schatztruhe rausgekramt hatten. Die vier Kinder blieben ohne Hemmungen weiter stehen und schauten zu, was wir so machten.

Wir waren gerade mit dem Abwasch fertig, als unser erster Besucher aus der Stadt zurückkam und wieder bei uns einen Halt einlegte. Die Kinder zeigten was sie erhalten hatten und der Mann zeigte den Kalender. Er hatte diesen offensichtlich schon in der Stadt herumgezeigt, da er binnen kurzer Zeit schon abgegriffen aussah. Wer hätte gedacht, dass ein Blumenkalender so viel Freude bereiten kann. Obwohl es schon einige Zeit dunkel war, blieben unsere Besucher noch einen ganze Weile. Sie waren zwar alle ganz lieb und nett, aber als Dauerfernsehprogramm fühlten wir uns doch nicht so behaglich, besonders wenn man sich nicht gut dabei unterhalten kann. Zwischendurch kam immer wieder mal ein kurzer Regenschauer und wir waren froh, dass wir gleich die Plane aufgespannt hatten, als wir ankamen.

Dienstag, 01.03.2005

Weiter auf guter Teerstrasse über Mamou bis kurz vor Dabola

Wir sind aufgestanden und freuten uns schon auf den frischgepressten Orangensaft, den wir mit all den vielen Orangen machen wollten. Die Früchte waren süss und saftig. Dazu bereiteten wir uns ein feines Frühstück und hatten es nicht besonders eilig. Immer wieder kam der eine oder andere Dorfbewohner vorbei und grüsste uns herzlich, aber nicht ohne uns ein paar neugierige Blicke zu schenken.

Beim Abwasch war es dann soweit – ein ganzer Trupp von einheimischen Hausfrauen kam vorbei und sah uns dabei ungeniert in unsere Küche. Eine ältere Frau hatte auch Geschenke für uns dabei. Maniokwurzeln und Orangen. Wir konnten nun bald einen Handel mit Orangen aufmachen, unser 20-Liter-Eimer war randvoll gefüllt mit Orangen, trotz dem umfangreichen Orangensaft, den wir bereits zum Frühstück gepresst hatten. Wir beschlossen uns mit dem Zusammenpacken zu beeilen, bevor wir mit Orangen noch ganz zu gedeckt werden. Charly entdeckte seine Fotografierleidenschaft und machte ein paar hübsche Bilder von den Frauen. Natürlich mehrheitlich von den jungen Frauen! Eine hatte es ihm besonders angetan, auch wenn sie meiner Meinung nach einen arroganten Gesichtszug hatte. Sie wusste das sie hübsch war und Charly bestätigte sie noch darin. Männergeschmack eben!

Wir fuhren weiter in Richtung Dalabar. Der Ort war allerdings enttäuschend und entsprach überhaupt nicht unseren Vorstellungen. Rasch fuhren wir weiter. Eine Apotheke konnten wir auch nicht ausmachen. Jürgen wollte noch wegen seinem Ölwechsel fragen, doch man war für solche Sachen nicht eingerichtet und verwies auf Mamou. Dafür machten wir ein paar schöne Aufnahmen von den Frauen und Kindern die ihre Bananen in Schalen auf den Köpfen trugen und diese meistbietend zu verkaufen versuchten.

Wir fuhren weiter durch eine herrliche Landschaft, doch plötzlich waren wir von roten Heuschrecken umgeben. Überall waren die Viecher. Die Bäume waren teilweise schon kahl gefressen und grosse rote Wolken flogen durch die Luft. Der Boden war übersät mit den Tieren, ein rosa Schimmer wohin man sah. Die Bäume waren voll, Heuschrecke an Heuschrecke. Ein älterer Herr kam zu uns, hielt uns eine Heuschrecke unter die Nase und meinte: „Ce n’est pas bon!“ – das ist nicht gut. Mir taten die Leute leid, die sich bemüht hatten, dass hier etwas wächst, denn all ihre Bemühungen waren innerhalb kurzer Zeit zu Nichte gemacht worden. Auch unser Auto war voll von den Biestern und wenn man das Fenster offen hatte, so flogen diese dummen Insekten auch noch ins Wageninnere.

Die Landschaft war dennoch fantastisch, alles doch noch so grün und immer wieder massenweise Mangobäume. Es muss hier eine Art Unkraut in Guinea sein, diese grossen Mangobäume. Unterwegs kaufen wir noch ein paar Mangos, die anfänglich 3500 GF kosten sollten. Für 2000 GF kaufte ich sie schliesslich einem kleinen Mädchen ab, die sich sichtlich darüber freute ihre Mangos verkauft zu haben. Auf dem kleinen Markt entlang der guten Teerstrasse fanden wir noch Kartoffeln und Zwiebeln. Die letzteren waren aber zu überhöhten Preisen angeboten worden, weshalb wir darauf verzichteten. Wir wollen keine Wucherpreise unterstützen.

Friedlich fuhren wir weiter durch die hügelige Landschaft. Kurz vor Mamou kamen wir noch an eine Barriere, die von der Polizei errichtet wurde. Man wollte mal wieder alle Papiere sehen. Der Beamte hatte ein eigenwilliges und wenig sympathisches Aussehen. Er war jedoch korrekt und wollte mir nur eines meiner Reisebücher abschwatzen. Mit dem Hinweis, dass ich diese Bücher erstens noch brauche und zweitens dass diese auf deutsch geschrieben sind, welches er sowieso nicht lesen könnte, konnte ich ihn davon überzeugen Abstand zu nehmen. Er war nämlich der Meinung wenn jemand so viele Bücher hat (4 Stück), dann könne er eines abgeben. Nun ja, was will er mit deutschen Büchern? Schliesslich konnten wir unbehelligt weiter nach Mamou fahren.

Mamou war zwar ein Verkehrsknotenpunkt von Guinea, aber wirklich fortschrittlich war es dort auch nicht. Wir fanden nur eine einzige Apotheke und diese hatte natürlich die Brulex Salbe auch nicht vorrätig. Jürgen konnte jedoch endlich seinen Ölwechsel machen und zahlte dafür glatt nur 2500 GF, dass sind 0,50 Eurocent! Öl und Filter hatte er selber dabei und für die Arbeit zahlt man fast nichts.

Gabi und ich machten uns auf um Klopapier zu kaufen, da uns unseres bald auszugehen drohte. Wir fragten in ein paar Läden nach, bis wir zum richtigen Geschäft kamen. Einen Supermarkt gab es natürlich nicht in Mamou und die Geschäfte sind meist nur klein aber haben für ihre Grösse meist ein ansehnliches Sortiment. Das Klopapier kostete jedoch 3 bis 4 Mal soviel wie der Ölwechsel, so dass wir beschlossen notfalls Tempotaschentücher zu benutzen. Wir haben nicht mehr gross weiter gesucht und haben Mamou verlassen.

Zuerst leider in die falsche Richtung. Faranah stand auf dem Schild und da dies in Richtung Waldguinea lag, merkten wir, dass wir umkehren mussten. Wir wollten nicht entlang den Grenzen zu Sierra Leone oder Liberia fahren, da es dort viele Flüchtlinge gibt und wir uns keinem unnötigen Risiko aussetzen wollten. Der Kontrollposten machte grosse Augen und entsprechende Gesten des Unverständnisses, als wir schon nach so kurzer Zeit wieder vor ihnen standen. Mit der Erklärung, dass wir ja eigentlich nach Dabola wollten, erhellten sich rasch ihre verständnislosen Gesichtszüge wieder. Wir mussten bis zum ersten Kontrollposten zurückfahren und konnten dann rechts abbiegen nach Dabola. Es war schon wieder später Nachmittag und wir mussten schon bald wieder Ausschau halten nach einem geeigneten Übernachtungsplatz.

Der erste Weg führte uns zuerst auf eine steile Erdpiste und dann über einen kleinen Bach. Wir fanden einen ebenen Platz entlang des Baches, welcher aber Gabi ungeeignet erschien, da es dort wahrscheinlich viel Stechmücken gäbe. Wir fuhren auf dieser Minipiste weiter und kamen an einem kleinen Dorf vorbei. Die Piste wurde immer enger und schräger. Ich ging ein Stück zu Fuss um den weiteren Verlauf der Piste zu erkunden. Die Aussicht dort einen geeigneten Platz zu find war gering, weshalb wir kehrt machten und zurück zur Hauptstrasse fuhren. Wir fuhren noch ein paar Kilometer auf der Teerstrasse und fanden bald nach einem Dorf eine Piste die in gutem Zustand dort abzweigte. Wir fuhren eine Weilchen und fanden ein hübsches Plätzchen.

Leider haben wir auf dem Weg dorthin die einen der vielen kleinen scharfkantigen Baumstümpfe übersehen und hörten schon bald ein unangenehmes PFFFFFFFF! Sch.... auch das noch. Der hintere linke Reifen war an der Aussenwand beschädigt worden und wies einen Riss auf. OK – Reifenwechsel war angesagt. Charly kletterte mit seinen lädierten Schultern auf’s Dach und holte den Reifen runter. Der zweite Reifen hing hinten am Halter. Es wurden beide Hinterräder gewechselt, damit sich diese wieder gleichmässig ablaufen konnten und wir keine zusätzliche Unfallgefahr haben würden. Es war schon dunkel als beide Räder gewechselt waren und der kaputte hinten am Heck hing.

Sehr zu meiner Erleichterung waren die Blasen auf Charly Schultern weg und ein neue schweinchenrosa Haut hatte sich auf seinen Schultern gebildet. Die Brulex Salbe hatte gerade ausgereicht.

Ein spätes Abendessen wurde zubereitet und danach haben wir noch lange geplaudert, trotz Moskitos. Vor dem zu Bett gehen nahmen wir noch eine erfrischende Buschdusche, der Wassersack hing schon bereit am Heck unseres Autos. Ein absolute Wohltat.

An diesem Morgen haben wir endlich auch eine Antwort von der deutschen Botschaft aus Conakry erhalten mit dem folgenden Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Vogel,
wir möchten uns hiermit für die verspätete Beantwortung Ihrer Mail entschuldigen.
Derzeit bestehen keinerlei Bedenken für Touristen, nach und in Guinea zu reisen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag der Deutsche Botschaft, Conakry

Mittwoch, 02.03.2005

Von Dabola auf teilweise löcheriger Teerstrasse bis kurz nach Kouroussa

Wie konnte es anders sein, auch hier waren wir bald entdeckt und ein paar Kinder mussten anscheinend nicht in die Schule und guckten uns zu, was wir so machten. Einige Kinder kamen nur kurz vorbei, da sie noch zur Schule mussten, man sah es an ihren Schuluniformen. Für die anderen waren wir mal wieder das Fernsehprogramm des Tages. Ein Mann kam vorbei und begrüsste uns und fragte wie üblich wie es uns geht. Er erklärte, dass dies sein Boden sei und er hier zu Hause ist. Er war aber lange Zeit Chauffeur gewesen und hatte veranlasst, dass hier eine gute Piste entsteht. Er war nett und freute sich, dass wir da waren. Bei uns hätte wahrscheinlich einer geschimpft, wenn man sich ungefragt auf seinen Grund und Boden aufgehalten hätte, aber hier war das ganz anders.

Damit wir nicht nochmals einen Platten fuhren, haben wir uns gegenseitig rausgelotst. Wieso fragten wir uns, hatten wir nicht schon gestern diese glorreiche Idee? Schaden macht Klug, nicht wahr.

Die gute Teerstrasse verwandelte sich immer mehr zu einer unberechenbaren Löcherstrasse. Die tiefen Schlaglöcher tauchten unvermittelt vor einem auf und wehe dem, der zu schnell kam und nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, der konnte durchaus mit einem Achsenbruch rechnen. Das tückische an der Strasse war, dass sie streckenweise in einem sehr guten Zustand war und man gut 80 bis 100 km/h fahren konnte.

In Dabola fanden wir wiederum keine Brulex Salbe, denn das Sortiment in den Apotheken war ziemlich mager. Wir fuhren auf und ab und verliessen diesen primitiven Ort bald wieder, da wir noch weiter bis nach Kouroussa kommen wollten.

Unterwegs fanden wir noch ein kleines Geschäft, wo Jürgen Honig kaufen konnte. In irgendwelchen Flaschen abgefüllt, suchten wir den bestaussehensten raus.

Die Landschaft wurde immer flacher und Buschland war links und rechts zwischen den Dörfern. Ihre Rundhütten waren aus Lehm gebaut und Stroh bedeckte das Dach. Erwachsene wie Kinder freuten sich über unser Erscheinen und winkten uns frohgemut zu.

Unterwegs kamen wir mal wieder in den Regen, der aber kurz vor Kouroussa aufhörte. Wir betankten dort unseren Wagen und fuhren weiter. Die Abzweigung nach Siguiri kam schon bald ein paar Kilometer später.

Die gute Piste führte uns durch urchige Dörfer mit Mangoalleen. Ca. 30 km nach der Abfahrt fanden wir eine gute Stelle zum Übernachten, unweit der Hauptpiste. Wir konnten den Verkehr zwar hören, aber man konnte uns nicht sehen. Wieder mal spannten wir die Plane auf und machten es uns darunter gemütlich. Nach dem Abendessen und dem unvermeidlichen Abwasch gingen alle zu Bett.

Donnerstag, 03.03.2005

Von Kouroussa nach Siguiri / Tag des Überfalles

Gemütlich sind wir aufgestanden und haben uns trotz der Hitze ein gutes Frühstück gegönnt. Der Honig, den wir am Vortag gekauft hatten, war leider ungeniessbar. Charly hatte auch schon am Morgen so seine Probleme, denn irgendwie fiel ihm alles runter. Auch sein Honigbrot und dieses fiel natürlich mit der Honigseite voran in den Dreck. Der Tisch hatte auch noch was abbekommen. Wir spotteten, dass dies wohl nicht sein Tag sei und wussten nicht, wie recht wir noch damit haben sollten.

Spät sind wir erst los gefahren und zurück auf der Piste wunderten sich zwei Motorradfahren, als wir aus dem Busch gefahren kamen. Verwundert schüttelten sie die Köpfe, als wollten sie sagen: „ Die spinnen diese Touristen“. Wir fuhren auf der mit etwas Wellblech durchsetzten Erdpiste durch einige kleine Dörfer. Es war wunderschön zwischen den Rundhütten, den Frauen beim Stampfen resp. Wasserpumpen zuzusehen. Alle Dörfer hatten schöne grosse Mangobaumalleen die herrlich Schatten spendeten.

In dem kleinen Städtchen Norassoba war plötzlich die Strasse gerammelt voll. Es war Markttag und alle Bewohner aus der Umgebung brachten hier ihre Waren hin zum Verkauf. Wir mussten uns durch das Gedränge auf der Strasse mit unserem Auto vorsichtig durchtasten. Das Gemüse lag am Strassenrand und wir mussten aufpassen, dass wir es nicht aus Versehen platt fuhren. Rechts von uns waren die LKWs und die Kleinbusse geparkt, dazwischen lief eine Heerschar von Menschen geschäftig hin und her. Ein Mann schimpfte mit den Marktfrauen, weil sie ihre Ware so nah an der Strasse ausgebreitet hatten, dass wir kaum noch durchkamen. Die meisten Leute grüssten uns und wollten wissen wie es uns geht. Sie freuten sich uns zu sehen und wir mussten oft zurückwinken. Wir konnten uns kaum im Schritt-Tempo durch die Massen quälen und es war eine Erlösung, als wir endlich die Menschenansammlung hinter uns gebracht hatten.

Die weitere Piste war in einem guten Zustand und als wir zur Kreuzung bei Niandankoro kamen, staunten wir nicht schlecht. Eine neue Teerstrasse erwartete uns, die alte Fähre hatte ausgedient und wurde durch eine schöne grosse Brücke über den Niger ersetzt.

Freudig fuhren wir auf der guten Teerstrasse und auf der rechten Seite konnten wir ab und an den Niger sehen. Leider dauerte die Freude nicht lange, denn die Teerstrasse ist noch nicht fertig erstellt. Wir mussten also neben der neuangelegten Trasse fahren. Es war manchmal recht holprig und wir konnten an den Spuren lesen, dass da einige vor uns auf die Trasse raufgefahren sind. Wir taten es ihnen gleich, aber nicht lange, denn vor uns waren auf einmal die Bauarbeiter und die waren stocksauer. Wir hatten die Trasse bereits benutzt und sie waren erst dabei diese zu teeren. Eilig fuhren wir wieder runter und hörten die Leute noch, wie sie mit uns schimpften.

Gegen 15 Uhr kamen wir in Siguiri an. Dort mussten wir die Zollformalitäten erledigen, dass heisst man muss das Carnet de Passage abstempeln lassen. Der Zoll war rasch gefunden und der Beamte war freundlich, aber halt auch etwas langsam, was bei der Hitze durchaus verständlich ist. Die Papiere wurden korrekt ausgestempelt und der Beamte schickte uns zum Kommissariat. Die Erklärung des Weges dorthin erwies sich dann aber leider doch nicht so klar wie es zuerst erschien und wir verfuhren uns. Das Kaff ist aber nicht sonderlich gross, weswegen wir beschlossen zuerst noch auf dem Markt unseren Proviant aufzufüllen. Da auf das hiesige Bier Pfand erhoben wurde, wollten wir auch noch die leeren Bierflaschen abgeben. Nach einer Weile hatten wir alles erledigt und suchten erneut das Kommissariat, wo wir unsere Pässe abstempeln lassen wollten.

Im Innenhof lungerten ein paar Typen rum und es war nicht ganz klar wer hier der Spitzbube und wer der Polizist ist. Der Kommandant wurde gerufen und wir mussten ihm in ein dunkles Zimmer folgen. Er betrachtete unsere Pässe eingehend und meinte, dass diese in Ordnung sind und dass wir den Stempel erst an der Grenze kriegen. OK, dann können wir endlich aus diesem miesen Kaff raus und uns auf den Weg nach Bamako machen. Wir überlegten uns, ob wir noch bis zur Grenze fahren oder nicht. Im Reiseführer von Därr war vermerkt, dass die Grenze ab 18 Uhr geschlossen war und so waren wir überzeugt, nicht mehr rechtzeitig an der Grenze ankommen zu können und beschlossen deshalb ca. auf halben Weg ein Nachtlager zu suchen.

Wir fuhren auf der guten Teerstrasse ungefähr 47 km nach Siguiri, da sahen wir eine gute Piste die links nach Niagassola wegging, welches von dort noch 77 km weit weg war. Das Dorf wo wir abzweigten hiess Tata und war kurz vor Doko. Wir wollten nicht noch näher an die Grenze, weil wir der festen Überzeugung waren, dass diese bald geschlossen wäre. Wir folgten dieser neuen Piste ca. 15 – 20 km und bogen danach wiederum links ab. Wir fanden einen hübschen ebenen Platz, wo wir unsere Autos wie immer abfahrbereit parkierten. Wir installierten uns, das heisst wir holten die Stühle und die Tische raus.

Wir kochten die Kartoffeln, denn heute sollte es Bratkartoffeln mit unserem letzten Speck geben und dazu ein paar Eier. Ich hatte die Kartoffeln schon alle gepellt und kleingeschnitten, als wir Motorräder hörten auf der Hauptpiste rauf und runter fahren. Wir dachten uns aber nichts weiter dabei. Plötzlich hörten wir Schüsse, noch nicht so nah und wir dachten, dass müssen Jäger sein. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und wir waren der Ansicht, dass uns hier sicher niemand etwas böses will. Schliesslich hatten wir bisher mit der ganzen Bevölkerung nur die positivsten Erfahrungen gemacht.

Wir riefen den Leuten zu, dass hier ein paar Touristen sind und sie aufpassen sollten wo sie hinschiessen. Die Schüsse hörten aber nicht auf. Da Charly und Jürgen zuvor alle Lichter ausgemacht hatten, befürchteten wir, dass sie uns nicht sehen. Aus diesem Grund nahm Charly die grosse Lampe und strahlte in Richtung der Schüsse.

Plötzlich lag Charly am Boden und wir realisierten, dass es sich hier nicht um Jäger, sondern um Banditen handelt. Charly war getroffen worden und ich war geschockt, mein Herz hat fast aufgehört zu schlagen. Die Schüsse fielen weiterhin und wir sprangen alle rasch ins Auto und fuhren so schnell ab wie nur möglich. Auch Charly hat sich wieder aufraffen können und wollte nun unbedingt selber fahren.

Das Fenster auf der Fahrerseite war zuvor zertrümmert worden und der Innenraum war voller Glassplitter. Charly fuhr ab, obwohl die Treppe noch unten war und die Stauklappe zu den Wassertanks noch offen war. Die Tür zur Kabine war noch offen, doch diese schlug bei der Abfahrt zu. Jürgen und Gabi waren schon vorne weggefahren. Mit der Treppe fuhren wir den Tisch und die Stühle um und gaben dabei viel Gas, dass wir so rasch als möglich von diesem Platz wegkamen. An der Kreuzung zur Piste nach Niagassola standen die 2 Motorräder und eines lag im Gras. Charly hielt geistesgegenwärtig darauf zu und fuhr mehrmals über diese hinweg. Um sicher zu sein, dass auch das Moppet, welches gelegen hatte kaputt ist, fuhr er nochmals rückwärts darüber. Unser Snoopy wühlte sich über die Maschinen und irgendwo wären wir fast hängengeblieben.

Wir fuhren bis zur Kreuzung der Teerstrasse. Charly krümmte sich vor Schmerzen, doch musste er unbedingt noch das Klappdach runternehmen, damit dieses nicht auch noch kaputt ging. Ich fuhr so rasch es ging zurück nach Siguiri. Charly meinte er würde bald ohnmächtig und ich war ganz beunruhigt, da wir nicht wussten, was genau alles angeschossen war. Klar war nur, dass es die Leistengegend getroffen hatte. Endlos erschien uns der Weg bis wir zu einer katholischen Mission kamen. Jürgen wollte dort Hilfe holen, kam aber bald wieder raus mit der Überzeugung, dass dies nun wohl eher eine Disco sei.

Endlich in Siguiri angekommen, fuhren wir direkt zum Kommissariat. Dort wurde zuerst nicht realisiert was passiert war, doch dann wurde uns ein Mann mitgegeben, welcher uns gleich zum Spital bringen sollte.

Wir parkten im Innenhof des kleinen Spitals und wir stützten Charly, damit er in den Behandlungsraum kam. Er konnte sein linkes Bein nicht mehr richtig strecken. Auf der Pritsche ohne irgend ein Laken musste er sich hinlegen. Da es keinen Vorhang gab wurden ein paar Bretter davor gestellt. Den Arzt hielt ich zuerst für einen Pfleger, da sein Auftreten nicht gerade sehr kompetent wirkte. Gabi holte in der Zwischenzeit schon mal ihr ganzes reichhaltiges Arsenal aus ihrer Reiseapotheke raus. Sie hatte binnen kurzer Zeit Klemmen, Nadeln, sterile Kompressen, etc. angeschleppt. Ich fragte den Arzt erstaunt, ob er denn keine sterilen Sachen hätte, worauf er ein paar eingepackte Einmalhandschuhe rauszog. Die Flaschen zur Desinfektion machten keinen vertrauenswürdigen Eindruck und so bestand ich darauf, dass unser Material verwendet werden soll. Der Arzt wollte einen Rasierer, damit er die Schamhaare entfernen konnte. Gabi brachte uns einen Einmalrasierer, womit er Charly ein heissen Haarschnitt verpasste. Charly machte schon wieder einen Witz, mit der Bemerkung, dass ihm eine hübsche Krankenschwester lieber wäre.

Da die Liege klebrig war holte Gabi noch ein paar Handtücher auf die er sich legen konnte. Ich wollte auf keinen Fall, dass dieser Quacksalber auch nur 5 Minuten allein mit Charly war. Wir fragten nach einem Röntgengerät, damit man nachsehen konnte, wo die Kugel stecke. Gott sei Dank hat seine Verletzung so gut wie nicht geblutet, so dass wir davon ausgehen konnten, dass keine grösseren Gefässe verletzt worden sind. Der alte Röntgenapparat schoss ein etwas unklares Bild, aber man konnte die Kugel darauf sehen. Sie war im Beckenbereich neben dem Kugelgelenk hängengeblieben. Wir waren nun etwas beruhigt, da wir nun davon ausgehen konnten, dass weder der Darm noch die Blase getroffen worden war. Wir kontrollierten auch den Urin, ob da nicht vielleicht doch Blut beigemischt ist. Zu unserer Erleichterung war dem nicht so und so langsam konnte wir uns alle etwas beruhigen.

Die Toilette war ausserhalb des Gebäudes und alles andere als sauber. Es stand ein stinkiger Eimer davor mit dem zuvor Erbrochenes aufgeputzt worden war. Die Kakerlaken liefen munter auf dem WC wie im Behandlungszimmer umher. Der Arzt bekam Besuch und obwohl der durchtrainierte Mann in zivil war, vermute ich gemäss seinen Anweisungen, dass es wohl ein Militärarzt gewesen sein muss. Er stellte kurzen Fragen, was der andere alles gemacht hatte.

Charly durfte aufstehen, nachdem der unkompetente Doktor einen Verband zusammengeschnipselt hatte.

Man brachte uns eine Bank und zwei Stühle. Es waren ein paar Polizisten und wohl auch Militärleute da, die uns diverse Fragen stellten. Bereitwillig beantworteten wir all ihre Fragen. Jürgen hatte in der Zeit während Charly noch im Behandlungsraum lag die GPS-Koordinaten von unserem Gerät runtergeladen und dem Militärbeamten gegeben. Jürgen meinte nur, der hätte sich mehr für das Gerät als für die Koordinaten interessiert.

Mit Witzen und Sprüchen suchten wir den Weg zurück in die Normalität. Charly sass nun vor uns und wir waren alle froh, dass nicht noch schlimmeres passiert war. Beide Autos hatten in der Zwischenzeit vorne links einen Platten, den wir aber nicht mehr in dieser Nacht reparieren wollten. Wir konnten im Hof des Spitals übernachten und wir waren froh, dass wir uns nun von der Strapazen erholen konnten. Jürgen entdeckte, dass auch er einen kleinen Durchschuss an der linken Brust hatte. Die Kugel war so schräg aufgetroffen, so dass diese ein paar Zentimeter weiter wieder raus gekommen war. Eine weitere Verletzung an der Wade stammte wahrscheinlich von einem Glassplitter und wir machten ihm auf beide Verletzungen einen Verband, nachdem wir es desinfiziert hatten. Charly hatte neben dem Schuss in der Leiste noch zwei Löcher am rechten Oberarm-/ Schulterbereich. Einer vorne und einer hinten, weswegen wir glaubten, dass das ein Durchschuss war. Wir desinfizierten die Stellen und verbanden diese. Mein kleiner rechte Fusszeh schmerzte und ich humpelte, da ganz vorne die Haut weg war. Nicht weiter tragisch, aber das doofe Pflaster drückte. Die einzige die völlig unverletzt geblieben war, war Gabi. Sie hatte wohl einen Schutzengel mehr wie wir.

Spät und erschöpft legten wir uns schlafen, doch wirklich schlafen konnten wir nicht. In der Nacht wurde eine schreiende Frau eingeliefert, ein Kind schrie auch immer wieder. Ein Knabe wurde aus dem Zimmer geschleppt, damit er sich vor dem Spital übergeben konnte. Es war eine unruhige und lange Nacht, obwohl sie eigentlich nicht lange dauerte.

Charly konnte sein linkes Bein nicht strecken und suchte einen guten Platz damit er es anlehnen konnte. Mit etwas Polster ging es dann schliesslich doch irgendwie, dass auch er etwas dösen konnte.

Freitag, 04.03.2005

Der Tag danach / Von Siguri nach Bamako in Mali

Schon früh morgens waren wir hell wach. Jürgen und Charly holen ihre Reifenreparatur-Sets raus und flickten damit die platten Pneus. Unser Reifen hatte drei Löcher und er von Jürgen zwei. Wir staunten, dass wir damit doch noch so weit gekommen waren. Ein weiterer Polizist tauchte auf und wir mussten wieder ein paar Fragen beantworten. Es kamen immer mehr Leute und alle betrachteten kopfschüttelnd unser Auto. Der Polizist meinte wir müssen auf den Präfekten warten, dieser käme so gegen 10 Uhr. Das war uns zu spät, denn wir wollten so rasch als möglich nach Bamako und dort in ein besseres Spital gelangen.

Der Innenhof des Krankenhauses füllte sich zu Sehens mit neugierigen Leuten. Die Polizei wurde auch immer dreister und verlangten ein Foto von den Verletzten zu machen. Später wollten sie auch noch unsere Pässe um davon Kopien zu machen. Der Präfekt kam und entschuldigte sich vielfach und er sprach sogar etwas deutsch. Das interessierte uns aber herzlich wenig, denn wir realisierten, dass wir so schnell wie möglich aus diesem Hexenkessel verschwinden mussten.

Wir hatten zudem befürchtet, dass man uns die Rechnung für ein kaputtes Motorrad aufhalsen wollte, da sich offensichtlich der Besitzer gemeldet hatte. Das Motorrad war wahrscheinlich gestohlen worden. Wer auf Menschen schiesst, hat sicher auch keine Hemmungen Motorräder zu klauen.

Ich musste mit Nachdruck noch darauf hinweisen, dass wir die Opfer und nicht die Täter waren. Damit das klar war und keinerlei Missverständnisse auftreten und dies sagte ich ziemlich deutlich. Es gab danach keine Fragen mehr und wir konnten endlich fahren.

Die Pässe wollten wir nicht aus unsere Hände geben und folgten den Typen auf ihren Motorrädern, nachdem wir uns aus dem Innenhof gezwängelt hatten.

In einem kleinen Büro an der Strasse machten die Beamten ein paar Kopien von unseren Pässen, danach konnten wir endlich losfahren.

Für uns stand fest wir werden nochmals den Ort aufsuchen, wo es passiert war. Das Militär hatte die Motorräder die wir platt gefahren hatten eingesammelt und behauptet, dass von unseren Sachen nichts mehr da war. Irgendwie glaubten wir die Geschichte nicht, jedenfalls den Teil nicht, dass von unseren Sachen gar nichts mehr da war. Zumindest Gabis Tagebuch hatten wir erwartet.

Wir fuhren also klopfenden Herzens nochmals zu der Stelle und mussten feststellen, dass das Militär nur die Motorräder mitgenommen hatte. Diejenige Stelle an der wir attackiert worden sind, war völlig unberührt! Es lag alles noch genauso da, wie wir es verlassen hatten. Ich wartete mit laufendem Motor und beobachtete die Umgebung, während die anderen unsere Habseligkeiten so rasch als möglich zusammensammelten und ins Auto schmissen. Auch Gabis Tagebuch fanden wir wieder, eine Kartoffel war auf der Seite geklebt, an der sie gerade geschrieben hatte, als es passierte. Ich sagte, sie solle die Stelle einrahmen oder noch besser die Kartoffel einkleben, als Erinnerung. ;-)

Wir hatten alles wieder, ausser unserere Einstiegsleiter. Wir fuhren zurück zur Hauptstrasse und sahen wie uns nett ein Militärbeamter zuwinkte.

Wir fuhren bis zur Grenze und mussten erfahren, dass die Grenze die ganze Nacht über geöffnet ist und gestern noch gut hätten über die Grenze fahren können.

Die Grenzbeamten waren sichtlich erstaunt und gaben die entsprechenden Laute von sich mit hochgezogenen Augenbrauen. Es wäre mir unmöglich diese Laute des Erstaunens nachzumachen. Jeder bestaunte unsere Einschusslöcher und obwohl wir um schnelle Abfertigung gebeten hatten mit dem Verweis auf einen Verletzten, mussten wir uns überall gedulden. Der Ablauf war aber korrekt und die Beamten waren sichtlich betrübt, dass dies in ihrem Land, ja sogar in ihrer Nähe passiert war. Sie konnten es nicht fassen. Dies seien aber keine Leute von Guinea gewesen, dass waren sicher Leute von der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) meinte einer. Kann schon sein, nur wen interessiert dies im Moment?

Nachdem wir endlich alle Ausreisestempel erhalten hatten, konnten wir weiter zum Grenzposten von Mali fahren.

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