Abenteuer Afrika
Reisetagebuch von Sylvia Vogel und Charly Julier (www.4x4expedition.com)| Schweiz |
Dienstag, 07.12.2004
15.40 Uhr: Endlich alles gepackt und abfahrbereit. Wir verabschieden uns von Beni und Renate, welche uns liebevoll aufgenommen hatten und uns die letzten Tage in der Schweiz so richtig verwöhnt haben. Unser letztes Tagesmenü war gebratener Servelat ... hmmmmm... Der letzte für lange Zeit.
Unser nächster Stopp führte uns nochmals zu Didi und Erika. Wir dankten Ihnen nochmals das wir unser Fahrzeug bei Ihnen in der Werkstatt fertig stellen durften und auch Didi für die unzähligen Stunden die er für die vielen Spezialkonstruktionen leistete. Zum Abschied erhielten wir von Ihnen noch feine selbstgebackene Guetzlis, welche wir uns für Weihnachten aufsparen müssen gemäss Anweisung von Erika - schwieriges Unterfangen ;-)
Auch bei Familie Ainouz in Galgenen verabschiedeten wir uns noch und zeigten Ihnen noch unsere Einzimmerwohnung auf vier Rädern. Schade das Larbi nicht da war.
Anschliessend fuhren wir weiter zu Roger Vogel / V&V Cycles in Affoltern am Albis. Auch Roger wollte unser Fahrzeug nochmals vor der Reise inspizieren und bewunderte unsere Knotentechnik auf dem Gepäckträger und meinte, wir müssen wohl noch einwenig üben. Am liebsten jedoch wäre er selber eingestiegen und losgefahren.
Zu später Stunde (ca. 21.00 Uhr) sind wir dann doch noch losgefahren. Die Abfahrt war sehr nebelig und kalt. Auf dem Brünig-Pass jedoch war es klar und konnten den Sternenhimmel bewundern. Der Atem jedoch gefror fast dabei. Da wir in der Schweiz kein Münztelefon mehr finden konnten, haben wir den ersten Versuch mit dem Satellitentelefon erfolgreich durchgeführt. In Spiez haben wir uns einen Schlafplatz in der Nähe eines Fussballplatzes gesucht. Bei eisiger Kälte konnten wir Dank Standheizung in wolliger Wärme die erste Nacht in Snoopy verbringen. Charly hat jedoch nicht so gut geschlafen, da er bedenken hatte, das etwas an der Heizung verbrennen könnte, da dies unsere erste Nacht mit Heizung war.
Erstes Frühstück im Fahrzeug. Gepackt war schnell und weiter ging's Richtung Verladestation Kandersteg. Stolze 25 Franken haben wir für die Durchfahrt berappt. Das Wallis zeigte sich nochmals von der schönsten Seite bei strahlendem Sonnenschein. Herrliche Ausblicke auf die Berge.
Ankunft bei Charly's Vater am späten Vormittag. Zu unserer Überraschung begrüssten uns dort auch sein Bruder Andre und Anhang ;-). Vollen Stolzes zeigten wir ihnen unser gelungenes Werk - Snoopy. Am Abend zeigten wir Charly's Vater unsere detaillierte Route und ein paar alte Fotos von unseren letzten Afrikareisen.
Schon am frühen Morgen kam Schwesterlein Vreni vorbei um noch schon schnell Chiao zusagen und natürlich auch unser Fahrzeug zu sehen. Auf dem Weg zu Erhard mussten wir noch schnell bei einem Eisenwarenhändler vorbei und wie es der Zufall so will, fuhr gerade in diesem Moment Rene vorbei, den wir auf dem letzten Voodoo-Treff in Ins BE kennen gelernt hatten. Er fährt einen Off-Road-LKW und würde auch gerne mal eine längere Reise machen, aber mit Kinder ist das schwierig für längere Zeit so wegzufahren, meinte er.
Weiter ging es zu Charly's Bruder Erhard, um noch die angefallene Post zu erledigen und die letzten Rechnungen zu zahlen. Auch das leidige Thema Steuern haben wir Ihnen übergeben :-( . Aber da unser Einkommen im nächsten Jahr CHF 0.00 beträgt, wird es wohl nicht allzu kompliziert. Nochmals herzlichen Dank Erhard und Carmen für Eure Unterstützung.! Zu Mittag assen wir gemeinsam unsere letzte Pizza in der Schweiz und Erhard und Carmen zeigten uns anschliessend noch Ihre Halle die sie gebaut haben für Ihren Fuhrpark. Charly meinte, dass sei doch genau der richtige Ort um Snoopy nach dem langen Trip wieder auf Vordermann zu bringen für die nächste Reise ;-)
Herzlicher Abschied von den beiden und losfahren wollten wir - uups - da fuhr gerade ein Wagen an und eine Frau lächelte und winkte. Kennst Du die? Nöö. Da hatte es sich schnell rumgesprochen, dass wir da und da parkiert haben und so trafen wir Michael und seine Freunde, die gerade erst von ihrer halbjährigen Tour durch Canada zurück gekommen sind. Natürlich mussten wir da erstmal wieder fachsimpeln. Wie sich herausstellte, hat Michael unsere alte ARB-Stossstange von Casty in Trin gekauft, die wir abändern liessen wegen den Schweizer-Normen und dann doch nicht mehr wollten. Mit der Stossstange war er in Kanada unterwegs gewesen - kleine Welt!
Als wir dann endlich losfuhren wurde es schon wieder dunkel. Die Stecke durch das Wallis war sehr neblig und wir sahen die Strassen fast nicht mehr. Auf der Autobahn nach Genf ging es dann aber schon besser und so schafften wir es gut bis nach Genf zu fahren. Den Camping zu finden war allerdings schon ein kleine Kunst ohne Karte. Als wir diesen dann endlich gefunden hatten, mussten wir leider feststellen, dass dieser bis am 25. März 2005 geschlossen ist. Also beschlossen wir, dass wir auf dem Parkplatz daneben übernachten. Es war etwas schräg, aber es war schon spät und wir waren zu müde um noch weiter zu suchen. Zu allem Übel hat uns in dieser Nacht die Standheizung im Stich gelassen. Wir assen rasch die restliche Pizza vom Mittag und gingen schlafen. Charly hat gefroren wie ein Schlosshund, ich konnte es ganz gut aushalten, trotz meiner Erkältung. Ich habe mich einfach warm gehustet.
| Frankreich |
Nebelig und kalt war die Nacht, doch der heisse Kaffee brachte wieder etwas Wärme in die Hütte. Gepackt war rasch und weiter ging es über Genf nach Frankreich, aber nicht ohne vorher noch unseren Schokoladenvorrat aufzustocken.
In Frankreich wollten wir nicht auf die Autobahn bei Annemasse und haben daher unsere GPS-Strassennavigation eingeschaltet. Irgendwie waren wir plötzlich auf einer dubiosen Ministrasse zwischen Kühen und Bauernhöfen. Da haben wir Susi, unserer GPS-Tussi, nicht mehr getraut und sind umgedreht. Später meinte sie wieder wir sollten doch da links abbiegen, also haben wir das gemacht. Die Strasse wurde wieder schmaler und schmaler und steiler und steiler. Sind wir da richtig? Nebel kam wieder auf und ein Traktor mit Holz beladen schlich vor uns her - keine Chance um zu überholen oder umzudrehen, irgendwann war er dann aber auch zu Hause und wir konnten wieder etwas flotter weiterfahren. Oben auf dem Bergkamm hatten wir dann als Ausgleich einen wunderschönen Blick auf die Berge des Mont Blanc Gebietes - Sonnenschein und schneebedeckte Berge. Diese schöne Strecke N41 endete in Cruseilles. Weiter ging es über Annecy nach Chambery.
Kurz nach Chambery haben wir in einem kleinen Dorf in einer Boulangerie ein Baguette gekauft, die Verkäuferin meinte aber augenzwinkernd, dies sei eine "Flute". Egal - lecker war es. Um die nächste Ecke wartete schon die nächste Versuchung - Käse aus der Savoie und ein feiner Wein aus der Region. Da kann man doch nicht nein sagen, oder? Die Strecke war noch recht kurvenreich bis Voiron und da es schon wieder neblig und dunkel wurde, beschlossen wir auf der Autobahn noch ein Stück gen Süden zu fahren. Schliesslich wollten wir nicht schon wieder so frieren zu müssen. Wir fuhren zügig voran bis Bèziers in Südfrankreich.
In Valras-Plage hatte ich auf der Karte einen ganzjährigen Campingplatz ausgemacht. Es gab zahlreiche Campingplätze, aber leider waren diese alle geschlossen. Im kleinen Hafen fanden wir aber einen ebenen Platz und kurzentschlossen übernachteten wir dort. Zum Kochen hatten wir keine Lust und so machten wir uns über den feinen Käse aus der Savoie her, daran riechen durfte man nicht, aber geschmeckt hat der!!!!!!! und der Wein dazu war das Tüpfelchen auf dem i. Bei leichtem Meeresrauschen und schon wesentlich wärmeren Temperaturen konnten wir schnell einschlafen.
Nach einer kurzen Nacht hörten wir schon am frühen Morgen die Angler rauf und runter fahren. Wir frühstückten kurz und fuhren weiter bis nach Narbonne. Da wir noch ein paar Sachen einkaufen wollten gingen wir in den Supermarkt Geant. Ein riesen Ding aus dem man fast nicht mehr rauskommt. Viel Käse haben wir gekauft und sonst noch so einiges. Charly suchte noch einen Adapter für den Notebook. Leider ohne Erfolg. War nur als Ersatz gedacht und so war dies auch nicht weiter tragisch.
Die Sonne scheint und es ist herrlich warm, endlich können wir etwas Sonne geniessen und die dicken Jacken ausziehen. Ja - so gefällt es uns. Auf der Nationalstrasse fuhren wir weiter über Perpignan bis nach Le Boulou. Dort fuhren wir auf die Autobahn, damit wir wieder etwas weiterkamen. Nach kurzer Zeit haben wir schon die Grenze zu Spanien erreicht.
| Spanien |
So fuhren wir die langweilige Strecke am Stück runter bis nach Gandia. Wir wollten dort auf einen Campingplatz, denn so eine warme Dusche wäre nicht schlecht. Zwischen den hässlichen Hochhäusern fanden wir auch ein Schild: "Camping Naranja". Super nichts wie hin! Nach einigem Gekurve und hin und her hatten wir dann tatsächlich ausserhalb zwischen Mandarinenplantagen den Campingplatz gefunden. Leider geschlossen.
Also zurück auf die Nationalstrasse, inzwischen war es schon 23 Uhr und wir schon ziemlich müde. Wir fuhren noch durch einige Dörfer mit diversen Schildern die zu einem der vielen Campings führen sollten, aber keiner dieser komischen Campings war auffindbar. Endlich, nach weiterem hin und her Gekurve haben wir in Oliva den EuroPark Camping gefunden. OFFEN!
Zuerst musste ich den Nachtwächter durch mehrmaliges energisches Klopfen aufwecken, um nach einem Platz für diese Nacht zu fragen. Als erstes gingen wir dann zum Strand und etwas Seeluft zu schnuppern. Anschliessend wollten wir in dem gutbesuchten Restaurant noch eine Kleinigkeit essen. Leider war es eine geschlossene Gesellschaft und wir hatten keine Chance etwas zu essen dort. Also gab es wieder Brot und Käse, denn zum Kochen war ich zu müde.
Es hat ziemlich heftig geregnet in der Nacht, aber am Morgen hatten wir schon wieder Sonnenschein und so konnten wir im T-Shirt zum Duschen gehen. Herrlich! Die Dusche tat gut und nach einem ordentlichen Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen. Wir haben 23,75 Euro für die Nacht bezahlt. Schon etwas teuer für das, dass wir im eigenen Häuschen übernachten und nur einen ebenen Platz zum Schlafen und eine warme Dusche am Morgen wollten. Was soll's - weiter geht's. Auf unserem Weg zur Autobahn konnten wir der Versuchung nicht wiederstehen und klauten ein paar Mandarinen. So frisch hatten wir noch keine Mandarinen gegessen. Die ersten Zwei waren saftig und süss, aber dann kam die Strafe - die Nächste war so sauer, dass uns jeder weitere Mandarinenklau verging.
Auf der Autobahn fuhren wir weiter über Murcia nach Andra. Unterwegs mussten wir die Dieselleitung umhängen, da wir Diesel verloren. Wir hatten diese wegen der Standheizung mal geändert, welche dann aber trotzdem nicht funktionierte. Dabei haben wir bemerkt, dass auch noch die Schrauben in der unteren Türangel nicht halten. Diesen waren leider zu kurz und hatten den Ewigen. Dies haben wir aber erst heute entdeckt, schnell wurde auch dieses Problem behoben und es konnte weitergehen.
Wir fuhren weiter auf der Autobahn bis nach Adra. Dort fuhren wir auf die Nationalstrasse um ein gemütliches Plätzchen für die Nacht zu finden. Die Küste ist recht steil dort und so fuhren wir noch ein Stück in der Dunkelheit. Kurz vor Motril fanden wir einen hübschen kleinen Campingplatz in La Mamola. Wir übernachteten auf dem Camping Castillo de Baños und bezahlten 16 Euro für die Nacht. Es war herrlich lauwarm und der Strand war auch gleich nebenan. Wir hörten die ganze Nacht die sanften Wellen gegen den Strand schlagen. Zum Abendessen machte ich Ravioli mit Tomatensosse, Buitoni aus Frankreich lässt grüssen. Wir sahen noch einen ausgebauten Landrover mit der Aufschrift Kiwi-Rover mit dem offensichtlich Neuseeländer unterwegs sind, doch leider haben wir dessen Besitzer nicht getroffen.
Wir hatten gut geschlafen und nach einem guten Frühstück ging es weiter nach Süden. Wir fuhren auf der Autobahn bis nach Marbella und fuhren dort ab um etwas einzukaufen. Die Stadt ist sehr grün und es gibt viele schöne tropische Pflanzen. Das Brot war noch warm und so verschlangen wir dies noch auch auf dem Parkplatz. Ansonsten ist Marbella eher ein Ort für die Schönen und Reichen, so ganz nebenbei kann man da auch noch seinen neuen Porsche kaufen. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Ich wollte dann unbedingt noch einen Stopp machen in Gibraltar, um die Affen auf dem Upper Rock zu sehen. Schon beim Grenzübergang wurden wir informiert, dass es keinen Campingplatz in Gibraltar gibt und wir deshalb auch nicht übernachten könnten. Ja, ja - ich will ja nur die Affen sehen war meine Antwort. Wir fanden den Weg durch die engen Strassen und folgten der sehr engen und sehr, sehr steilen Strasse zum Upper Rock. Als wir jedoch fast oben angekommen waren, sagte man uns, dass wir da nicht hoch dürfen, weil wir ein Wohnmobil fahren. Ich erklärte zwar das dies eigentlich ein Pick-up sei, wir nur einen kleinen Aufbau haben und wir mit dem 4x4 keine Probleme hätten die enge steile Strasse hoch zu kommen. Der Typ war jedoch unerbittlich und alles nützte nichts, wir mussten ohne die Affen zu sehen wieder runter vom Berg. Wäre es nicht so spät gewesen, dann hätten wir auch mit der Gondel noch hochfahren können. Aber da war ich schon sauer und wollte die Affen gar nicht mehr sehen. Es wäre wirklich nicht mehr weit zu den Affen gewesen. OK - in Afrika sehe ich sicher auch noch mehr als genügend Affen. Nach Gibraltar kamen wir easy rein, aber wieder rausfahren ist eine andere Sache. Es kaufen viele Spanier zollfrei ein, dazu kam noch der Abendverkehr und so standen wir in der 4er-Kolone und warteten bis wir endlich wieder raus durften.
Wir fuhren direkt weiter nach Algeciras. Der Weg zur Fähre ist bestens ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Immer dem Wegweiser Ceuta oder Tanger folgen, je nachdem wohin man will. Da es jedoch bereits dunkel wurde, haben wir beschlossen, dass wir nicht mehr übersetzen, sondern uns nochmals in Spanien ein Örtchen zum Schlafen suchen. Einen Campingplatz suchend fuhren wir bis nach Tarifa, dem südlichsten Zipfel von Spanien. Direkt am Strand standen dort bereits diverse Wohnmobile und so stellten wir uns einfach dazu. Der Wind peitschte ganz schön und wir verkrochen uns gleich im Auto. Warm war es nicht mehr und ungemütlich war es auch draussen. Da hilft nur noch ein guter Tropfen Rotwein um die Stimmung wieder zu beleben. Snoopy hat ganz schön geschaukelt, der hatte richtig Seegang.
Geschlafen haben wir besonders gut bei dem Geschüttel. Der Wecker hat uns ausnahmsweise schon um 7 Uhr wecken dürfen und wie bei uns Zuhause der Schneepflug am Morgen den Schnee wegräumt, so räumt hier ein Pflug den Sand weg. Es gab kein Frühstück, da wir möglichst rasch zur Fähre wollten.
Also fuhren wir zurück nach Algeciras und fanden auch gleich den Weg zur Fähre. Gut - für die 9 Uhr Fähre waren wir zu spät aber für die 10 Uhr Fähre haben wir noch massig Zeit, dachten wir. Da kam auch schon jemand und erklärte uns, dass die Fähre heute Vormittag nicht mehr fahren würde. - Ähhh, wieso hatten wir den Wecker gestellt und uns so gestresst? OK Afrika muss noch warten. So gingen wir gemütlich zur Cafeteria und bestellten 2 Cafe con leche (Milchkaffee) und so schlenderten wir wieder gemütlich zurück zum Auto.
Ein rotes Ungetüm aus Dortmund stand dort, welches aber in seinem früheren Leben einmal ein ehemaliges Schweizer Feuerwehrauto war. Wer ist das denn? Nicht scheu, sprach ich die Leutchen einfach an. Sandra und Stefan hiessen die Beiden und sie hatten auch noch einen Anhang der Momo hiess, ein hübscher schwarzer Mischlingshund. Wir verstanden uns auf anhieb gut und quasselten lange miteinander. Der Mittag ging vorbei und immer noch war keine Aussicht auf eine Fähre nach Marokko, weil immer noch das Wetter zu schlecht war. Der Wind hatte doch ganz kräftig geblasen am Morgen, aber am Mittag dachten wir wieder bei Sonnenschein, dass es doch nun endlich losgehen könnte. Einige waren doch recht ungeduldig und zwängelten mit ihren Autos. Wir hatten es aber gemütlich und gingen zu viert mit Hund nochmals in die Cafeteria und assen einen Kebab.
Die Fähren von EuroFerrys fahren eigentlich stündlich, aber leider wurde wegen dem schlechten Wetter eine Fähre nach der anderen storniert. Auf dem Weg zurück zu unseren Autos trafen wir noch weitere LKW-Fahrer die rüber nach Marokko wollten. Nach einem kurzen Palaver gingen wir zurück zu unseren Autos. Sandra hat sich etwas hingelegt, da sie erkältet war und wir dachten sowieso, dass keine Fähre mehr rübersetzt.
Kaum hatten wir es uns bequem gemacht, da ging es auch schon los. Man hatte kaum Zeit alles wegzuräumen, schon standen wir vorne und mussten unser Ticket zeigen. Alle PKWs durften zuerst drauf. Da die Fähre aber nur einen Ein- und Ausgang hat, muss drinnen das Fahrzeug gedreht werden. Auch Charly durfte Snoopy auf engem Raum um 180 Grad kehren und hatte den Platz gleich vor der Rampe. Unseren neuen Freunden hatte es leider nicht mehr gereicht, da alle grossen Fahrzeuge - LKWs und grössere Wohnmobile auf die nächste Fähre warten mussten. Wobei es gar nicht sicher war ob es noch eine gab.
Die Schnell-Fähre in Form von eines Katamaran's legte ab und wir winkten Stefan und Sandra nochmals zu. Die Überfahrt war alles andere als angenehm. Die Gischt peitschte bis zum 2. Deck hoch. Der Wellengang war nicht ohne und einpaar Mal sackte das Schiff einseitig ab. Wir dachten schon BYE BYE SNOOPY oder hoffentlich hält die Klappe vom Stauraum. Wenn wir links runterschauten sahen wir direkt in die Tiefe der Wellen. Es wurde einem ganz mulmig und 2-3 Mal ging ein Aufschrei durch das ganze Schiff, die Kinder fingen an zu weinen. Die 35-minütige Überfahrt wurde für uns zu einer kleinen Ewigkeit! Charly war auffallend ruhig und ganz blass. In die Wellen durfte man nicht schauen, insbesondere wenn das Schiff wieder links wegkippte. Seekrank wurde ich nicht, aber das Wasser keine Balken hat ist mir auch bekannt...
| Marokko |
Endlich im Hafen von Ceuta angekommen, konnten wir es nicht erwarten Snoopy zu sehen. Sehr zu unserer Erleichterung war alles noch genauso wie wir es verlassen hatten. Uns fiel ein Stein vom Herzen! Da wir gleich an der Rampe standen, durften wir als erste das Schiff verlassen. Eigentlich wollten wir in Ceuta noch zollfrei einkaufen, aber da es schon wieder dunkel wurde, haben wir nur noch schnell alle Tanks mit Diesel gefüllt und sind stracks zur Grenze gefahren.
Da es den ganzen Tag keine Fähre gab, gab es auch nur wenig Leute die über die Grenze wollten. Auch für die Schlepper hatte sich der Tag wohl nicht gelohnt und so kamen wir ganz unbehelligt über die Grenze.
Der Schalter Nr. 4, der letztes Jahr noch so gross angeschrieben war, ist nun überpinselt worden und man sieht keine Nummer mehr. Da es aber nur wenige Reisende gab, fanden wir unseren Weg durch den marokkanischen Zoll problemlos.
Noch schnell die Autopapiere am blauen Schalter einholen, einem netten Zöllner noch das Innenleben von Snoopy zeigen und schon waren wir durch.
Im Dunkeln fuhren wir weiter bis kurz vor Tetouan. Dort realisierten wir, dass die Campingplätze alle in Martil sind. Also fuhren wir die 8 km wieder zurück. Dank GPS kein Problem.
Der gesuchte Campingplatz Al-Boustane (N 35°37.715' W 05°16.614') wurde dank freundlicher Unterstützung eines Marokkaners auch bald gefunden. Laut GPS fuhren wir aber bereits im Wasser und der Campingplatz lag auch im Meer. Wir wussten gar nicht, das Snoopy so geländegängig und sogar wassertauglich ist. Er hat zwar einen Schnorchel, aber so lang ist dieser nun auch wieder nicht ;-). Wir hatten den Campingplatz fast für uns alleine. Wir zahlten 40 Dirham, das sind 4.- Euro die Nacht.
Es war wieder etwas wärmer und wir haben herrlich geschlafen. Nach einer warmen Dusche haben wir unsere Sachen wieder zusammengepackt und dabei hat uns Hassan aufgesucht, ein älterer Marokkaner der hervorragend Deutsch sprach. Er wollte uns als Führer die Medina (Altstadt) von Tetouan zeigen und ausserdem hätten wir Glück, denn heute sei ein grosser Berbermarkt in Tetouan, welcher nur 1x pro Monat stattfindet. Dankend lehnten wir ab, was er sogleich akzeptierte.
Los ging es mit unserem Snoopy die erste marokkanische Stadt zu erkunden. Auf dem Weg zur Medina überholte uns ein junger Mann mit seinem Mopet. Freudestrahlend meinte er, sein Vater lebe in der Schweiz. Der Vater arbeite in Bern und er würde gerne etwas deutsch üben, ob er uns ein Stück begleiten dürfte. Also fuhren wir ihm hinterher und fanden dadurch sofort den grossen Parkplatz vor der Medina. Said, so hiess unser Begleiter, erzählte im gebrochenem Deutsch so einiges und natürlich auch von dem grossen Berbermarkt, der diesmal aber nur 1x im Jahr stattfindet. ??? Was für ein Glück wir doch haben! Wir folgten ihm durch die engen Gassen der Altstadt und er erklärte uns, dass die Eingänge zu den Moscheen verschieden sind. Runde Eingänge sind für die Männer und die eckigen für die Frauen.
Bald landeten wir in einem Teppichladen, der aber nach seiner Erklärung nur das Kunsthandwerk der Berber ausstellt. Kein Verkauf natürlich, dafür durften wir aufs Dach des Gebäudes und ein paar Aufnahmen machen. Said brachte uns auch wieder runter zum "Kunsthandwerk" und musste plötzlich dringend in eine Moschee beten gehen. Na bei dem schlechten Gewissen ist das doch klar, oder. Es wurden uns jede Menge Teppiche gezeigt. Natürlich sagte ich gleich am Anfang: "ICH WILL KEINEN TEPPICH!" Aber der Araber (Berber?) sagte gleich beleidigt: Aber Madame für was halten Sie uns - wir wollen Ihnen nur das Kunsthandwerk der Berber zeigen.
Es gab noch mehr Teppiche zu sehen. Zuerst die ganz grossen, doch mit der Zeit wurden sie immer kleiner und als wir auch keinen Gebetsteppich wollten, gab er so langsam auf. Said unser neuer Freund brachte uns dann auch so gleich zu seinem nächsten Kollegen, angeblich ein Gewürzhändler, der auch Heilkräuter verkauft. Er wollte mir eine stinkige Rosencreme verkaufen und dann Safran zu völlig überrissenen Preisen anbieten. Nö, da ist es ja in der Schweiz noch billiger. - Da soll mir noch mal einer sagen, dass es in der Schweiz teuer ist. Wirklich viel Kräuter hatte er aber nur zur Schau ausgestellt, da er bei näherem Nachfragen nur kurz meinte, dass dies wohl zu weit führen würde alle Kräuter zu erklären. Na sowas, dabei hatten wir doch diesmal echt viel Zeit. Anschliessend wollte er noch 5 Dollar gewechselt haben, was ich dann auch tat. Man ist ja kein Unmensch.
Unser lieber Said brachte uns wieder zurück zum Parkplatz und fand plötzlich, dass er ja für seine Arbeit bezahlt werden müsse und er schliesslich 2 Kinder hätte. Von Deutsch üben wusste er plötzlich nichts mehr, der Schlawiner. Wir überlegten also, ob und wieviel wir ihm geben, da kam auch schon seine Forderung von 20 Euro.
Also das war sein Geplapper nun wirklich nicht wert. Er hatte uns sowieso nur zu seinen Kollegen geführt, die uns über den Tisch ziehen wollten. Also gaben wir ihm die 5 Dollar die ich vorher dem anderen getauscht hatte. Das war ihm aber zu wenig und ausserdem auch noch die falsche Währung. Klar der Euro ist mehr wert! Wir sagten ihm er könne ja die Dollars auf der Bank wechseln gehen und wenn es für ihn nicht genug sei, so nehmen wir es gerne wieder zurück. Das wollte er nun auch wieder nicht. Charly sagte schliesslich, wenn er jetzt nicht seinen Fuss aus seiner Türe nimmt, wird er sich weh tun, denn wir fahren nun ab. Sauer schlich er von dannen.
Wir fuhren weiter durch eine gebirgige Landschaft nach Chefchaouen. Unterwegs sahen wir viele arme Esel die völlig überladen waren und zudem auch noch ihren Besitzer zu tragen hatten. Auch waren sie oft zu zweit vor einem Holzpflug gespannt oder mussten im Kreis laufen, damit aus den Oliven das Öl gepresst werden konnte.
In Chefchaouen verfuhren wir uns erstmals, weil wir kein Schild zum Camping gesehen hatten. Ein freundlicher Polizist half uns aber auf den richtigen Weg zu kommen. Chefchaouen ist sehr hoch gelegen und ganz oben ist der Campingplatz Azilan (N 35°10.511' W 05°15.977').
Als wir auf den Platz fuhren, sahen wir schon wie uns zwei zuwinkten. Es waren Stefan und Sandra, welche wir in Spanien verloren hatten, da sie nicht mehr auf die gleiche Fähre konnten. Sie hatten in Ceuta im Hafen übernachtet und sind auch erst am Morgen in Chefchaouen angekommen.
Wir stellten uns sogleich neben ihren Magirus Deutz. Sieht einwenig aus wie David und Goliath! Auch Momo, der Hund von den Beiden freut sich uns wiederzusehen.
Erst wird mal wieder palavert, z.B.: da ist ein Truck mit 14 Engländern und die haben die gleiche Route durch Afrika geplant wie wir. Es sind 2 Fahrer und der Rest sind Passagiere. Der Truck hat Probleme mit der Elektrizität und Tim der eine Fahrer vom Truck, musste sich bereits von Stefan 2 Ladegeräte ausleihen.
Die Einrichtungen des Campings sind einfach, aber sauber.
Sobald die Sonne weg war wurde es eisigkalt. Sehr zu unserer Erleichterung funktionierte plötzlich unsere Standheizung wieder. Wir sassen noch lange mit Stefan, Sandra und Momo zusammen bis wir schlotternd uns eine Erbsencremesuppe brauten und ins warme Bett abtauchten.
In der Nacht hatten wir genug heizen können, es war richtig heiss am Morgen. Wir standen erst etwas später auf, da es nicht so warm war draussen. Nach dem Frühstück und Tagebuchschreiben beschlossen wir mit Stefan, Sandra und Momo in die Stadt zu fahren. So wurde ein Taxi bestellt. Dieses kam dann auch, aber das Problem war, es dürfen max. nur 3 Leute mit dem Petit Taxi mitfahren und ein grosses Taxi war anscheinend wegen dem Markt in Chefchaouen nicht aufzutreiben. Es gab einiges hin und her. Der Fahrer liess sich nicht überreden uns vier und den Hund mitzunehmen. Er wollte ein zweites Taxi holen, fuhr leer runter und alleine wieder hoch zum Camping, wollte wieder nur drei Personen mitnehmen, da wurde es uns zu bunt und wir beschlossen zu Fuss zu gehen.
Runter geht es schliesslich immer besser wie rauf. Also liefen wir in die Stadt und wollten bei einer Bank mit der Kreditkarte Geld (Dirham) abheben. Wie kann es anders sein, klar war der Apparat defekt. Stefan wusste, dass es noch einen weiteren weiter vorne gab, also latschten wir los. An der Ecke von vielen Menschen umringt bezogen wir unsere Dirhams.
Danach sind wir sogleich in die Medina weitergelaufen. Chefchaouen wird auch die blaue Stadt genannt, weil die Häuser und Türen oft mit hellblauer Farbe angestrichen sind. Die Altstadt ist wirklich wunderschön. Durch enge Gassen geht es rauf und runter. Ich kam vor lauter gucken und fotografieren gar nicht mehr so recht vorwärts. Die anderen mussten oft auf mich warten, da ich immer wieder in die kleinen Gassen und Lädelchen schaute. Die Marokkaner waren überhaupt nicht aufdringlich, eher zurückhaltend.
In der Casa Hassan haben wir ein wunderbares Tajine (marokkanischer Eintopf) gegessen, mit Vorspeise und Dessert für 60 Dirham pro Person. Ein Marokkaner vom Camping hatte mir das Restaurant empfohlen, 6 Euro pro Person sind zwar für Marokko teuer, aber dafür hatten wir nachher auch keine Magenprobleme. Das Interieur des Lokals sah einwenig aus wie 1001 Nacht, sogar das WC hatte einen Torbogen, direkt darüber versteht sich. Gediegen!
Auf dem Rückweg kauften wir noch Brot von einem alten Mann, der die Schubkarre voller Baguettes hatte. Er sprach nur arabisch, aber wir wurden uns trotzdem einig - 1 Dirham das Brot (0,10 Euro). Das Brot war noch warm und roch zum reinbeissen. Noch schnell einen Saft und Cola kaufen und dann mit dem Taxi zum Camping zurückfahren, dachten wir uns. Nun den Saft und die Cola haben wir anstandslos erhalten, nur Taxi wollte uns keines fahren. Die grossen Taxis fahren nur längere Strecken, die hörten Campingplatz und schon lehnten sie ab. Also gingen wir zum "Petit Taxi Stand". Das Problem mit den kleinen Taxis war aber wieder, dass nur max. 3 Personen mitfahren durften und plötzlich kostete der Weg statt 10 Dirham - 15 Dirham. Die beiden jungen Taxifahrer waren mehr als arrogant in ihrem Verhalten, fast aggressiv. Der Hund sollte in den kleine Kofferraum - nö, so nicht. Hämisch grinsend meinten sie wir können ja laufen. Wohlwissend, dass der Weg steil und lang ist. Wir entschlossen uns dann halt doch zu laufen. Unterwegs trafen wir die beiden 2x wieder, wahrscheinlich wollten sie uns beobachten wie wir uns hochschleppten um sich daran zu ergötzen.
Oben auf dem Camping angekommen, haben wir uns dann sogleich einen wohlverdienten Drink gemixt. Was sein muss, muss sein. Wir quasselten noch eine Weile mit Stefan und Sandra und verkrochen uns wieder in den vorgewärmten Snoopy, als es uns wieder zu kalt wurde.
An diesem Morgen standen wir etwas früher auf, weil wir wieder weiter wollten. Bis jedoch alles gepackt war und wir uns von allen wieder losgerissen hatten, war doch wieder fast Mittag. Der Camping von Chefchaouen ist fest in deutscher Hand. Es waren einige Deutsche mit ihren LKWs oder umgebauten Kleintransportern dort. Snoopy war der kleinste zwischen all den anderen. Tim und Philip gaben wir noch unsere Webadresse, damit wir unterwegs in Kontakt bleiben können. Sie fahren wahrscheinlich aber erst 2-3 Tage später ab, da sie die Tanks an ihrem LKW noch erhöhen und auch sonst noch so diverse Sachen an ihrem Gefährt ändern wollten. Wir hätten uns dafür einen wärmeren Ort ausgesucht, denn nachts wird es in Chefchaouen empfindlich kalt.
Abfahrt Richtung Meknes kurz vor Mittag. Die gut ausgebaute kleine Landstrasse führte uns durch eine schöne hügelige Landschaft. Generell haben wir von Marokko einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Die Felder werden intensiv mit den Eseln bestellt. Ein Feld nach dem anderen und natürlich gab es auch viele, viele Olivenbäume. In den kleinen Dörfern schaute man uns interessiert nach. Wir schauten uns ihr Treiben auch mit grossem Interesse an.
Kurz vor 15 Uhr kamen wir in Volubilis an. Eine der grössten römischen Ruinen in Marokko. 20 Dirham Eintritt pro Person (2,- Euro). Wie in Marokko üblich wollte uns gleich ein Führer begleiten, aber wir lehnten ab. Gemütlich schlenderten wir zwischen den Ruinen und bewunderten die Mosaike für die Volubilis berühmt ist. Die Anlage ist recht gross und man kann sich mit etwas Fantasie vorstellen, wie es damals so gewesen sein muss. Als die Abendsonne schräg in die Ruinen blinzelte konnten wir noch ein paar gute Fotos machen und fuhren dann eilig weiter nach Meknes.
In Meknes haben wir uns erst mal verfahren - prompt in die falsche Richtung gefahren. Ein freundlicher Tankwart erklärte uns den Weg zum Camping und so kamen wir doch noch recht zügig an. Meknes ist schon recht beeindruckend wenn man so zwischen die riesigen Stadtmauern fährt. Um auf den Camping zu gelangen, mussten wir durch zwei schöne, typisch reichverzierte marokkanische Tore fahren.
Der Campingplatz International (N 33°52.870' W 05°33.365') lag hinter einer Stadtmauer und war schwer zu finden. Der Campingwärter verhalf uns noch zu einer feinen Flasche marokkanischen Rotwein, welchen wir zu unseren Spaghetti mit Tomatensosse genossen. Der Campingplatz hatte auch schon bessere Tage gesehen, aber er hatte viele schöne, grosse Bäume. Leider ist es immer noch recht frisch in der Nacht und so mussten wir auch diese Nacht wieder unsere Heizung starten.
Gemütlich aufgestanden und gefrühstückt. Ein magerer Hund sah zum Erbarmen aus, da konnte ich nicht wiederstehen und habe etwas Brot gefüttert. Charly meinte, den werde ich nicht mehr los, aber so anhänglich war er nicht.
Gegen Mittag sind wir dann zu Fuss in die Stadt gelaufen. Zuerst haben wir das Tor Bab El Mansour gesucht und sind dann über den Platz El Hedim gelaufen. Dort gab es links einen tiefergelegten kleinen Lebensmittelbazar, den wir dann auch so gleich inspizierten. Jede Menge Plätzchen (Guezlis)!, Nüsse und Oliven, aber auch Fleisch und Hühner sowie Hasen. Die Hühner und Hasen werden direkt hinter der Theke gehalten und wenn jemand sich ein Huhn oder einen Hasen ausgesucht hat, wird dieser sofort vor den Augen des Käufers geschlachtet. Etwas gewöhnungsbedürftig für uns Europäer. Da Charly später dem herrlichen Duft der Plätzchen nicht wiederstehen konnte, haben wir zum Schluss ein halbes Kilo für 24 Dirham erstanden, dazu kamen dann auch noch Erdnüsse und Mandeln. Zurück auf den Platz, genossen wir erst mal die frisch erstandene Ware. Lecker war’s!
Weiter ging es zum Souk, der durch viele kleine enge Gassen führte. Allerlei Handwerker gab es dort, denen wir bei der Arbeit zusehen konnten. Wir beobachteten, wie ein Kessel hergestellt wird, wie der Schreiner das Holz bearbeitet, wie die Salzsteine klein geklopft werden, in welchem später dann die Oliven eingelegt werden, einen Schleifer mit grossem Schleifstein, usw. faszinierend - eine ganz andere Welt. Auch die Medina erscheint uns wie aus lang vergangener Zeit, als wäre hier die Zeit stehen geblieben.
An der Hauptstrasse wird man dann aber wieder zurück in die Wirklichkeit gebracht. Wir genossen noch bei einer Cola das rege Treiben auf der Strasse. Bevor wir weitergingen, kaufte ich noch 6 Eier auf dem Markt, welche hier in kleinen Plastiksäckchen transportiert werden.
Das Mausoleum von Moulay Ismail war dann unser nächstes Ziel. Ein richtiger Prunkbau! Die reichen Verzierungen, Mosaike, ein hübscher Brunnen, Zedernholzschnitzereien und die beiden Uhren vom französischen König Louis XIV, die immer noch voll funktionierten, nahmen uns sofort in Beschlag. Hier war es ja nicht wie bei armen Leuten, schliesslich hatte Ismail mal um die Hand der Tochter des französischen Königs angehalten. Ich wollte noch ein paar Aufnahmen mit meiner Videokamera machen und Charly ging mit den Eiern schon mal nach draussen. Da hatte er Chancen wie noch nie! Die Mädchen schauten immer wieder zu ihm hin und kicherten, sie hatten wahrscheinlich noch nie einen Mann mit Eiern in der Hand gesehen. Charly hat es genossen!
Auf dem Weg zurück sahen wir noch ein Schild „Didi’s Palais“ Hey Didi die Vorwahl war sogar 055, wir wussten gar nicht, dass du hier ein Hotel betreibst.
Wir folgten dem Schild und gerieten in einen Wohnbezirk, in welchem die Wohnungen in engen Gängen in die alte Stadtmauer eingelassen wurden. Diese wurden, so wie es aussah, direkt vor ein paar Jahrhunderten so gebaut. Staun! Noch mit 2 Brot bewaffnet gingen wir zurück auf den Campingplatz. Zu unserem Entsetzen hatte man die Mehrzahl der schönen grossen Bäume einfach abgesägt. Wahrscheinlich um mehr Platz für zusätzliche Standplätze zu schaffen, dabei können sie noch nicht mal die Sanitärenanlagen bei 5 Campern halbwegs in Ordnung halten. Der Campingwärter organisierte für uns noch 4 Bier, Flag special aus Casablanca. Gebratene Spaghetti mit Speck und Eiern, dazu das Bier, hmmmm das hat sehr gut geschmeckt.
Auch an diesem Morgen wurden fleissig weitere Bäume gefällt. Das war uns zu ungemütlich und der Camping International war auch nicht so toll. Also packten wir unsere 7-Sachen und zogen weiter.
Wir fuhren zurück nach Moulay Idriss. Einer sehr alten und heiligen Stadt. Das weisse Städtchen ist auf einem Berg erbaut worden und war früher für Nichtgläubige unzugänglich. Die Grabstätte des Moulay Idriss darf auch heute noch nicht von Nichtgläubigen betreten werden. Wir machten ein paar Aufnahmen vor der Schranke aus ins Innere der heiligen Stätte.
Ein junger Bursche sprach uns an und da er uns sympathisch erschien, folgten wir ihm zur Terrasse, ein Restaurant welches ganz oben in der Stadt platziert ist. Wir mussten viele, viele Treppen hoch laufen. Die Mühe hatte sich aber gelohnt, den von dort oben hatten wir eine tolle Aussicht auf die Stadt. Wir konnten das heilige Mausoleum von oben und sogar Volubilis in der Ferne sehen. Bei einem heissen Tee haben wir die Aussicht genossen. Der junge Student führte uns noch kreuz und quer durch das Städtchen und erklärte noch dies und das. 50 Dirham wollte er für seine Dienste, welche wir ihm für seine Bemühungen gerne zahlten.
Wir fuhren zurück nach Meknes und von dort weiter nach Fès. Auf der Suche des Campingplatzes „Diamant Vert“, fanden wir den Supermarkt Marjane. Nur schnell Milch und etwas Käse und vielleicht etwas Wurst wollten wir kaufen. Als wir jedoch im Supermarkt drin waren, waren wir von der Grösse und Produktvielfalt erschlagen. Unser Einkaufswagen war randvoll und unser Geldbeutel leer, es gab aber auch so viele leckere Sachen zum Kaufen. Zum Beispiel Charlys M&M’s, ein grilliertes Hähnchen und einen ganzen Stand voller verschiedener Oliven, in allen möglichen Varianten zubereitet. Jeder klaute sich schnell die eine oder andere Olive beim Vorbeigehen, wir konnten auch nicht wiederstehen und schliesslich will man ja wissen, was man da so kauft. Unsere Kreditkarte funktionierte leider bei der Kasse nicht und so mussten wir schnellen Schrittes einem Angestellten zu einem anderen Schalter folgen. Dort gab es dann kein Problem mehr.
Draussen vor dem Auto wartet dann schon wieder so ein Guide, der uns durch Fès führen wollte. Schon vor dem Einkauf war einer so aufdringlich und jetzt schon wieder einer, wir gaben ihm ziemlich entnervt zu verstehen, dass wir seine Dienste nicht wollten, egal wie viele Schweizer Städte er aufzählte, die er angab zu kennen. Sauer meinte er, er wollte uns ja nur helfen, aber wenn wir seine Hilfsbereitschaft nicht wollen, dann halt eben nicht. War uns eigentlich egal.
Da wir so lange eingekauft hatten, mussten wir nun im Dunkeln den Campingplatz Diamant Vert (N 33°59.174' W 05°01.109') in Ain Chkeff suchen. Wir hatten Glück und fanden diesen sofort. Zu unserer freudigen Überraschung waren auch Stefan, Sandra und Momo da, obwohl sie ja eigentlich gar nicht nach Fès wollten. Ihre Freunde aus Deutschland hatten ein Problem mit dem Anlasser, der muss erst repariert werden und so fuhren sie halt nach Fès. Draussen assen wir unser Hähnchen, tranken Bier und erzählten, was wir inzwischen so alles erlebt hatten. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir in unsere geheizte 1-Zimmerwohnung und kuschelten uns in die Schlafsäcke.
Spät sind wir aufgestanden und haben uns Spiegeleier gebraten, da einige der frisch gekauften Eier einen Sprung hatten. Um 11.30 Uhr hatte Stefan einen Guide engagiert, der gleich mit einem Grand Taxi kam. Wir fuhren in die Altstadt und Assis, so hiess unser Guide, zeigte uns die verwinkelten Gassen von Fès. Auch hier fühlten wir uns um Jahrhunderte zurückversetzt. Die Esel hatten Überbreite mit ihrem Ballast. Wir mussten uns immer an die Wand quetschen oder in einen der vielen kleinen Läden flüchten, damit man aneinander vorbei kam.
Assis zeigte uns die alte Medina und die Souks, wo wir wieder den verschiedenen Handwerksbereichen bei der Arbeit zusehen konnten. Diese sind auch hier in Zünfte zusammengeschlossen und es gibt immer einen Markt der Tischler, der Kesselflicker oder der Weber, usw. Wir konnten auch eine alte Medersa (Koranschule) ansehen, welche um 700 erbaut wurde und in der teilweise sogar heute noch der Koran gelehrt wird. Uns hat es sehr gefallen den Gerbern und Färbern bei ihrer Arbeit zu zuschauen und wir waren froh, dass es Winter ist, denn im Sommer soll der Gestank unerträglich sein.
Natürlich sind wir auch wieder bei einem Teppichhändler gelandet, nachdem wir sein wunderschönes Haus aus dem 17. Jahrhundert bewundert hatten. Wenigstens hatten wir eine tolle Aussicht auf Fès el Bali von seiner Terrasse aus. Wir trotzen seiner begierigen Frage, welcher der vorgelegten Teppiche wir nun am Schönsten fanden. Wir sagten konstant, alle sind schön, es kommt nur auf die Einrichtung an, die man zu Hause hat. War nicht gelogen.
Wir kauften dafür zu überteuerten Preisen Tajine Gewürz und marokkanisches Curry sowie ganz günstig Safran. Der Safran war zwar viel günstiger als in der Schweiz, aber die Qualität ist aber auch nicht die gleiche, wie wir später feststellten. Auch die Lederbörse haben wir besucht, dort ging es sehr hektisch zu und her. Ich hatte das Gefühl, wir sind an der New Yorker Börse, nur das hier alle auf arabisch feilschten. Wir waren schon sehr müde, als wir endlich die faszinierende Medina verliessen. Assis besorgte uns ein Grand Taxi für welches wir diesmal nur 50 Dirham zu zahlen hatten, statt 100 bei der Hinfahrt. Der Grund war, dass dieses schon ein ganz alter Mercedes Benz 200 D war, BJ 1974. Assis bekam wie vorher vereinbart 120 Dirham für seine Führung durch die Medina von Fès.
Am Abend bereiteten wir uns einen grossen Topf Tajine zu und tranken ein Castel Bier dazu. Spät am Abend haben uns noch ein paar Enten besucht, die wir mit Brot fütterten. Bis fast um 23 Uhr hielten wir es aus, dann wurde es uns doch zu kalt und wir gingen schlafen.
Relativ früh aufgestanden und gefrühstückt. Aufgeräumt und gepackt, da wir ja weiter wollten. Schliesslich blieben aber Stefan und Charly bei ihren Notebooks hängen. Als sie dann fertig waren, war es schon Nachmittag und so beschlossen wir noch eine Nacht zu bleiben.
Die beiden gingen noch mit dem Petit Taxi in die Stadt um einen Akku für unsere kleine Kamera zu suchen, der leider unerwartet streikte. Auf dem Weg zur Stadt zahlten sie 17 Dirham mit dem Petit Taxi. Nach erfolgloser Suche fuhren sie mit dem Grand Taxi zurück zum Campingplatz. Da der Weg mit dem kleinen Taxi recht lang war, dachten sie sich nichts dabei als der Fahrer des grossen Taxis (Mercedes) 50 Dirham verlangte. Sehr zu ihrem erstaunen waren sie in 4 Minuten da. Da die kleinen Taxis Taxometer haben, ist dieser erst mal kreuz und quer mit ihnen gefahren und sie dachten auf dem Rückweg, wenn dass so ein langer Weg ist, sind die 50 Dirham für das grosse Taxi auch ok.
Fazit: Wieder was dazu gelernt.
Ansonsten haben wir uns heute etwas entspannt, nicht gestresst und Momo fleissig Stöckchen holen lassen.
Am Abend haben wir wieder gemeinsam gekocht, Reis mit deutschen Würstchen und Bratensosse. Lange sind wir noch in der Kälte gesessen und haben über Gott und die Welt geredet - weil wir dazugelernt haben, diesmal in Thermohosen.
Spät Abends kamen auch diesmal wieder die Enten, welche freudig den restlichen Reis verschlangen. Es war lustig ihnen zuzusehen.
Aufgestanden und zusammengepackt. Nanu, wo ist den Charly geblieben? Stefan und Sandra warteten schon und Charly wollte doch nur noch schnell duschen. Aha, bei den Schweizern ist er hängengeblieben. Er wollte nach einem Doppelstecker fragen, welchen wir leider in der Schweiz vergessen haben. Wie sich herausstellte, wollen die Beiden nächstes Jahr auch mit ihrem alten Puch nach Südafrika fahren. Ihr Auto wollen sie dann aber in Kapstadt verkaufen und nicht wie wir auf der Ostseite wieder hochfahren. Sie wollten dann noch unsere genaue Route wissen und so gaben wir Ihnen unsere Webadresse, im Fall sie noch Fragen haben, so können sie uns ein Mail senden.
Mit einer Stunde Verspätung sind wir dann zusammen mit Stefan und Sandra in Richtung Ifrane gefahren. Die Strecke ist gut zu befahren und es geht bergauf und bergauf. Oben auf über 1600 Meter suchten wir zuerst die Vittel Quelle auf, aber da gleich einer kam um für den Parkplatz abzukassieren (nur wir waren dort) und man uns unbedingt noch einen Ausritt zu Pferd aufdrängen wollte, wurde es uns doch zu viel und wir fuhren weiter. So besonders war es ausserdem auch nicht.
Weiter ging es zu den Eremiten, welche in Höhlen wohnen, doch leider fanden wir diese trotz intensiver Suche nicht, dafür wurden wir gleich von einer Schar Kinder umringt, als wir Einheimische danach fragten. Die Auskunft erschien uns nicht besonders glaubwürdig und ausserdem wollte uns der Typ dauernd seine „Auberge dort im roten Haus“ aufschwatzen.
Also haben wir uns entschlossen weiter in die Stadt Ifrane zu fahren. Die Stadt würde vom Baustil her eher in die Schweiz oder Deutschland passen, als nach Marokko. Wir suchten und fanden den Campingplatz, doch der war wie ausgestorben und zudem eiskalt. Nö - da wollen wir nicht bleiben.
So fuhren wir weiter nach Azrou. Dort gefiel es uns auch nicht besonders und so trennten wir uns von Stefan und Sandra, welche mit ihren Kollegen in Meknes abgemacht haben und welche endlich auch dort angekommen sein sollen. Anlasser sei repariert worden in Martil, wenn auch zu hohen Kosten
Wir fuhren eine steile Bergstrasse hoch und Snoopy hatte ganz schön zu keuchen. Wir fuhren in der Höhe weiter bis kurz vor Midelt und gelangen so auf den Campingplatz Timnay. Es war ar....kalt. Wir bedauerten ein Pärchen, welches sich in diese Region mit dem Zelt vorgewagt hatte. Wir hatten wenigstens unsere Standheizung, die auch die ganze Nacht über lief.
Wir sind bis spät nachts am Notebook gesessen und haben unsere Webseite aktualisiert. Konnten aber keine Satellitenübertragung starten, da es zu viele Bäume gab. Um Mitternacht gab’s dann eine feine heisse Nudelsuppe.
Nicht so früh aufgestanden, da es uns zu kalt war. Das arme Pärchen hatte schon seine Sachen gepackt und war schon weg. Wir nahmen es gemütlich. Kaum unterwegs haben wir dann nochmals eine Satellitenübertragung gestartet und diesmal auch mit Erfolg.
Wir fuhren durch die Hochebene und waren permanent auf über 1500 Meter. Die Dörfer der Berber bestehen mehrheitlich aus viereckigen Lehmhäusern. Die Region scheint sehr arm zu sein. Wir fuhren über 3 Pässe, einer davon war der Tizi-n-Talrhemt Pass der auf der Tafel mit 1907 Meter angegeben wurde, aber unser GPS zeigte nur 1904 Meter, wer hat die 3 Meter geklaut? Wir fuhren weiter auf der Hochebene und haben sehr zu unserem Erstauen Kamele auf 1500 Meter ausgemacht. Wir fuhren durch die malerische Ziz-Schlucht und haben dabei auch den Tunnel passiert, der ohne Sprengstoff von 800 Fremdenlegionäre 1927/1928 in den Granit gehauen wurde. Besonders gross war er nicht. Auf der anderen Seite des Tunnels hielt uns ein Militärposten an, aber nur um eine Mitfahrgelegenheit zu suchen. Wir dachten schon, dies sei die erste Kontrolle, denn sonst wird man als Tourist in Marokko nicht kontrolliert. Die Marokkaner selber werden im Gegensatz auf jeder grösseren Kreuzung oder vor bzw. nach einer grösseren Stadt zur Kontrolle gebeten.
Wir fuhren durch Er-Rachidia, einer aufstrebenden Universitätsstadt. Es gab zahlreiche hübsche Gebäude die neu im alten Stil gebaut wurden. Hier gibt es auch eine deutsch/marokkanische Kooperation, wie stolz auf einigen Plakaten publiziert wurde.
Uns fuhr ein Landrover lichthupend hinterher und Charly hielt an, um nach der Ursache zu fragen. Es war ein Marokkaner, der uns unbedingt auf seinen Campingplatz lotsen wollte. Nee, nee so früh wollten wir doch gar nicht auf einen Campingplatz.
Also fuhren wir weiter zur Source Bleue de Meski. Eine Quelle, die in den 30iger Jahren von den Fremdenlegionären in ein Steinbecken gefasst wurde und in der noch heute Fische schwimmen. Man verlangte 5 Dirham Eintritt und wir fragten uns für was eigentlich. Nur um ein paar Fische in einem Steinbecken schwimmen zu sehen? Der Campingplatz, der gleich bei der Quelle ist, ist zwar sehr schön mit seinen Dattelpalmen, aber uns wurden die aufdringlichen Marokkaner zuviel, die uns unbedingt etwas verkaufen wollten.
So sind wir weiter entlang der schöne Ziz-Oase gefahren. In Erfoud wollten wir auf den Campingplatz, aber da dieser weder Strom noch Wasser hatte, aber dafür 30 Dirham wollte, sind wir wieder weitergefahren in den Erg Chebbi (die höchsten Dünen Marokkos).
Es wurde schon dunkel und wir trafen die zwei deutschen LKWs aus Berlin wieder, die wir schon in Chefchaouen getroffen hatten. Sie waren etwas genervt, denn mit ihren grossen, nicht geländegängigen Fahrzeugen, konnten sie die Strecke zum Erg Chebbi nicht fahren - ihre Aussage.
Wir haben uns dann den Weg nach Merzouga im Dunkeln durch den Wirrwarr der vielen Spuren mit Hilfe von unserem GPS gesucht. Wir sind geradewegs quer durch die Steinwüste um den Erg Chebbi herumgefahren und gut angekommen. Snoopy schüttelte sich problemlos durch die mühsame Wellblechpiste.
Gegen 20 Uhr kamen wir genau bei dem Camping an, den wir im GPS gespeichert hatten. Der Platz ist zwar nicht besonders, aber das Restaurant und die Anlage als solches hat uns gefallen. Der Besitzer spricht perfekt deutsch. Er fragte uns, ob wir morgen auf eine Tour mit einen Jeep für 400 Dirham pro Person mitgehen wollten. Wir haben selber einen Geländewagen sagten wir, dann wollte er uns einen Führer für den Erg Chebbi schmackhaft machen für 100 Dirham, aber auch das wollten wir nicht.
Das Abendessen, Rösti mit Ei und Salat, nahmen wir dann auch in Snoopy ein und gingen früh schlafen.
Sehr spät aufgestanden, da wir sowieso einen Tag Ruhepause einlegen wollten. Auch das Wetter lies sehr zu wünschen übrig, denn es regnete in Strömen und dass den ganzen Tag lang. Wir verliessen Snoopy kaum und haben ein paar Sachen erledigt, die wir schon lange machen wollten. Am späteren Nachmittag gab es den feinen Glühwein, den Renate uns mit auf den Weg gegeben hatte und welchen wir uns extra für Weihnachten aufgehoben hatten. Dazu gab es noch die feinen Weihnachtsguetzli’s von Erika.
Gegen Abend haben wir dann noch ein paar SMS verschickt und anschliessend die Überraschungsgeschenke von Renate geöffnet. Danach gingen wir essen, eine Spezialität des Hauses vom Besitzer der Anlage sehr gerühmt - denn diese gäbe es nur hier in Merzouga. Den warmen Salat gab es natürlich nicht mehr, dafür erhielten wir einen „geniessbaren“ Dattelkuchen. Das Essen war nicht so besonders, aber was soll’s. Wein gab es nur für die, die ihn selber mitgebracht hatten und so bestellten wir den „Berber Whiskey“ > Tee.
Der Besitzer der Anlage sagte uns noch, dass der Pass Tizi-n-Tichka (2260m) zwischen Ouarzazate und Marrakech wegen Schnee geschlossen sei. Für uns bedeutet dies, dass wir in diesem Fall bis zur Küste fahren müssen, um von dort nach Marrakech zu gelangen. Die landschaftlich reizvolle Strecke über den Hohen Atlas werden wir wohl vergessen müssen.
Im Restaurant haben wir noch eine Frau getroffen, welche uns mitteilte, dass sie seit 12 Jahren hierher kommt und es noch nie soviel und lange geregnet hätte. Die Brücke zu Rissani könnte weggespült werden und auch die hiesigen Lehmhäuser sind einbruchgefährdet durch den andauernden Regen. Toll wenn wir hier sind kommt der Jahrhundertregen. In Tunesien hatte es schliesslich auch geregnet in der Wüste, als wir gerade dort waren.
Ich glaube es liegt an uns und wir können uns bald als Regenmacher verkaufen.
In der Nacht hat es endlich aufgehört zu regnen und am Morgen strahlte die Sonne wieder. Leider war der Boden noch ziemlich matschig und unsere Schuhe sahen ziemlich unansehnlich aus. Wir haben aber ein Zimmer bekommen, um dort anständig zu duschen ohne gleich wieder durch den grössten Matsch laufen zu müssen. Bei uns auf dem sogenannten Campingplatz standen noch ein Wohnwagen und 3 Wohnmobile, die nun über die neu geteerte Strasse von Rissani direkt nach Merzouga fahren können. Früher war es nur Off-Roader möglich die schlechten Rüttelpisten bis zum Erg Chebbi zu schaffen. Die Zeiten ändern sich schnell. Stefan bezeichnet die Wohnmobile immer als Yoghurtbecher, da soviel Plastik dran ist. Nun so gemein wollen wir nicht sein und finden es eher toll, dass sich die Rentner von heute in so ein Abenteuer stürzen.
Frisch geduscht und alles verstaut, also parat um die Welt weiter zu erkunden. Wir fuhren zuerst etwas in die Dünen um etwas Sand zwischen die Räder zu bekommen und Charly wieder mal so richtig „sändele“ kann. Leider ist aber der Untergrund so aufgeweicht, dass uns die Lust auf off-road-fahren verging. Wir hatten schlicht keine Lust zu schaufeln und im Dreck zu wühlen. Ausserdem kamen immer gleich einige Kinder, die immer etwas wollten Bonbons oder Dirham (Geld). Keine Ahnung wo die immer plötzlich her kamen, wie aus dem Boden gewachsen kamen sie immer plötzlich angerannt. Also fuhren wir noch ein Stück bis zur grossen Düne bei Merzouga. Kaum angekommen wurden wir schon wieder zum Kamelreiten eingeladen oder man wollte uns eine versteinerte Muschel verkaufen. Ein junger Marokkaner fuhr mit seinem Mopet quer durch die Dünen, dass man nur staunen konnte. Für was bitte braucht man ein Offroad-Fahrzeug, oder eines dieser hochbeinigen Motorräder? Dieser Typ fuhr die Dünen hoch mit einem Mopet Marke „URALT“ ohne die geringsten Probleme dabei zu haben! Wir liefen ein Stück die Düne hoch und kehrten danach etwas genervt zum Auto zurück, da uns die Kameltreiber einfach nicht glauben wollten, dass wir keine Lust hatten so ein Vieh zu reiten. Von unten sehen die auch viel possierlicher aus.
Wir entschlossen uns dieser Touri-Falle zu entfliehen und fuhren auf den neuen Teerstrasse in Richtung Rissani. Charly wurde es bald zu langweilig und ich wollte ja auch noch das versteinerte Korallenriff sehen, also bogen wir kurzer Hand auf einer der vielen Spuren nach rechts ab. Piste - ja das ist schon eher unser Element. Wir fuhren und kamen dem Riff gemäss GPS immer näher, dann aber lief die Piste nur noch parallel. Wir änderten den Kurs und bogen wieder rechts ab. Uppsss ohlalala! Snoopy hat ganz schön zu ackern! Der Boden ist so aufgeweicht vom Regen und die Wasserfurchen werden immer breiter nee, war wohl keine gute Idee. Folglich hiess es Kehrtwende und den eigenen tiefen Furchen folgen bis zur anderen Piste. Wir fuhren durch eine eher langweilige Gegend bis wir zu einem alten versteinerten Riff kamen. Wir stiegen hinauf und konnten nach einer kurzen Suche einige versteinerte Muscheln ausmachen. Auch Krebstiere konnten wir sehen. Die Konturen des Riffs waren noch sehr gut zu sehen und die Kanten waren scharf.
Weiter ging es nach Erfoud und von da wieder zurück die alte Piste nach Merzouga, um das andere versteinerte Riff anzusehen, welches wir bei unserer nächtlichen Fahrt zum Erg Chebbi verpasst hatten. Die Dichte der Versteinerungen und auch die versteinerten Fossilien war grösser als beim anderen Riff, aber dafür hatten wir beim ersten Riff keine Souvenirläden. Da wir bei unserer Schatzsuche viel Zeit verloren hatten und es bereits schon wieder später Nachmittag war, beschlossen wir nochmals zum Erg Chebbi zu fahren. Unterwegs begegneten wir 4 Amerikanern in einem Mietauto. Sie hatten einen gewöhnlichen Mercedes gemietet und sind prompt in einer Minidüne hängengeblieben. Wir hielten an um ihnen zu helfen. Charly hatte sowieso Freude endlich seine Seilwinde wieder mal auspacken zu können. Gleich waren auch wieder Kinder da und ein Teenager mit Fahrrad. Alle halfen gleich die Räder frei zu graben, nur sie gruben hinten und wir zogen vorne. Egal, der Mercedes war gleich wieder frei. Sie suchten die Auberge chez Michel in der Kasbah Derkaoua. Der Teenager wollte sich gleich als Führer verkaufen, aber wir hatten die GPS-Koordinaten und so konnten wir die Amerikaner bis zum Hotel führen. War auch nicht mehr weit gewesen. Die Amerikaner meinten, wir seien typische Schweizer Lebensretter, nur das Fässchen fehle noch. Naja antworteten wir, mit dem Fass könnten wir nicht dienen, aber Schnaps hätten wir schon. Danach die typische Art der Amis - wir hätten ihnen das Leben gerettet usw. später kurz Bye Bye.
Wir fuhren weiter zum Erg Chebbi, aber diesmal hielten wir uns links der Dünen. Wir fanden schnell die Kasbah Yasmina, wo wir dann auch übernachteten. Wir können, wenn uns die Campingdusche nicht zu sagt auch in einem der Zimmer duschen, da sie sowieso zur Zeit keine Gäste haben. OK hört sich gut an. Wir haben uns auch noch zu einem Abendessen überreden lassen, Brochettes Spiessli das hörte sich aber auch zu verführerisch an. Filetfleisch auch noch kann man da nein sagen? Wir stellten unser Raumschiff Snoopy in Position und starteten die Heizung, da es etwas kühl wurde. Wir nennen Snoopy inzwischen Raumschiff Orion, da die Heizung immer so heult, als wenn ein Raumschiff startet. Unsere Nachbarn lieben uns ;-). Der Himmel war voller Sterne und kein Wölkchen in Sicht. Wir haben später dann doch noch Nachbarn bekommen. Ein französisches Pärchen, irgendwo aus dem Loiretal. Nett wie sie waren, luden sie uns spontan zu einem Glas Wein ein, den sie aus Frankreich mitgebracht hatten. Wahrscheinlich hatten sie Mitleid mit uns, da wir nur Tee hatten. Der Franzose hat die Marokkaner gleich nach dem Essen angesprochen, ob sie denn keine Musik machen wollten. Kurz darauf sass eine Runde beieinander uns trommelten was das Zeug hielt. Es gab auch ein Instrument das ich noch nie zuvor gesehen habe und es hörte sich ein wenig nach Hufgetrappel an. Besonders gut trommeln konnte der Schwarze mit seinem Turban, dieser wollte mich dann auch zu einer Session einladen. Dies habe ich aber höflich abgelehnt, aus Rücksicht auf die Ohren der Anwesenden. L ! Orion war startklar und wir gingen schnarchen.
Charly ist schon am Morgen kaum zu bremsen, es zieht ihn in die Wüste. Dünen rauf und runter. Diesmal aber nicht die Touristenpfade. Ok. Erst mal haben wir uns durchgesumpft, dann nach dem Weg gefragt und konnten dann den Spuren anderer Geländefahrzeuge folgen. Leider hatten wir dabei in unserer Euphorie übersehen, dass wir mal kurz über Stacheldraht gefahren sind. Sch...., hoffentlich sind nicht gleich alle 4 Reifen platt. Um es vorweg zu nehmen, wir hatten Glück und kein Reifen hat auch nur etwas Luft verloren. Wir folgten also den Spuren. Erst war es recht harmlos steinig, dann wurde es mal wieder matschig und dann wieder sandig. Sanfte Minidünchen hoch und runter. Kinderkram! Tolles Panorama rechts erhoben sich die grössten Dünen von Marokko und ein zwei sind schon über 100m gemäss Bücher. Wir folgten dem Flussbett und dann ging es wieder etwas in die Dünen. Diesmal etwas höher und heftiger. Upsss das ging jetzt aber steil runter und ohlala schon wieder. Das hab ich dann auch gefilmt und kurz darauf beschlossen wir die Dünenfahrt zu beenden, da unser Auto doch sehr beladen ist, wir alleine unterwegs waren uns ausserdem nichts riskieren wollten. Wir wollten etwas ausserhalb der Dünen uns einen eigenen Pfad suchen, doch auch dieses Vorhaben scheiterte, da uns ein breites sehr sumpfiges Flussbett den Weg versperrte. Wir suchten noch etwas rum, ohne jedoch Erfolg zu haben. Infolgedessen drehten wir um.
Später stiessen wir auf eine Kamelmama mit Baby. So süss. Es liess sich sogar von Charly streicheln. Kurz darauf kam auch schon ein Mann mit dem Fahrrad angefahren. Ihm gehörten offensichtlich die Kamele und er hatte wahrscheinlich Angst um seine Tiere. Der Kamelmama war das rechte Vorderbein hochgebunden, damit sie nicht weglaufen konnte. War nicht so schön anzusehen und am liebsten hätte ich das Seil durchgeschnitten. Ich fragte mich, wo der Typ so schnell mit seinem Fahrrad herkam.
Wieder zurück am Rand von Erg Chebbi fuhren wir die Rüttelpiste wieder zurück nach Erfoud, einem aufstrebenden Ort der früher schon ein wichtiger Knotenpunkt war, um afrikanische Ware vom Sudan (nicht das Land Sudan gemeint) nach Europa zu verfrachten. Wir fuhren die langweilige Teerstrasse Nr. 3451 in Richtung Todra-Schlucht. Unterwegs hat es ganz schön viel Sand über die Strasse geweht. Die Dörfer auf die wir trafen, waren vom Tourismus verschont und entsprechend verhüllt waren die Frauen. Nur ein kleines Guckloch hatten sie offen gelassen um ihre Umwelt wahrzunehmen zu können.
In Tenerhir bogen wir ab zur Schlucht. Die Landschaft war grandios und da mussten wir einfach noch ein paar Bilder im Abendlicht schiessen. Die Dörfer und Kasbahs (Burg) sind aus dem gleichen Material wir ihr Umfeld und haben folglich den gleichen Farbton. Wir suchten und fanden unser Plätzchen für die Nacht, es war der Campingplatz Atlas. Ein hübscher Ort mit vielen Palmen und links und rechts rote Felswände. Wir können uns einen Platz aussuchen und stellten wir Snoopy zwischen die Palmen, da ein starker Wind blies, suchten wir uns ein Örtchen an dem wir etwas geschützt waren. Etwas später kam der Campingplatzwächter und klopfte an unsere Tür. Wir sollen uns doch da weiter vorne hinstellen, da der Wind so stark blast, dass Palmen umstürzen könnten. OK. Etwas widerwillig stellten wir Snoopy auf den offenen Platz. Es war doch so schön zwischen den Palmen. Wir kochten diesen Abend Penne mit Tomatenbasilikumsosse aus dem Glas. Buittoni gib es auch hier! Leider hat unser Wallas-Kocher mal wieder wegen Überhitzung reklamiert. Dabei hatten wir extra den Ventilator angeschaltet, damit die Wärme weggeblasen wird. Die Penne wurden folglich etwas matschig, doch mit der Sosse geniessbar. Leichter Dieselgeruch kam vom Herd, das hat uns gerade noch gefehlt. Bei nächster Gelegenheit will Charly den Herd untersuchen, woher die Abgase kommen. Eventuell ist ja nur die Schelle los oder ein kleiner Riss im Rohr. Gut geschlafen, trotz starkem Wind.
Prompt hat der Wind eine Palme umgehauen! Wir wären zwar nicht direkt getroffen worden, jedoch hätten wir zuerst die Seilwinde einsetzen müssen um wegfahren zu können. Wir haben es uns diesen Morgen ganz gemütlich gemacht und sind lange im Bett geblieben. Gemütlich gefrühstückt und dann am frühen Nachmittag in die Todra-Schlucht gefahren. Es waren ein paar Busse da, aber wirklich viele Touristen waren nicht da. Es ist schon sehr eindrücklich durch den schmalen Spalt zwischen den Felswänden zu fahren. Ein Stück Strasse fehlte aber und so mussten wir ins Flussbett fahren. Ein netter junger Marokkaner machte uns darauf aufmerksam, dass oben der Pass geschlossen sei. Kein Problem wir wollen uns ja nur die Schlucht einwenig ansehen.
Wir fuhren die Schlucht hoch und haben die Farben und Formen der Felsen bewundert. Bei einer Herde Kamele sind wir stehen geblieben um ein paar Aufnahmen zu machen, als uns ein alter Mann ansprach und um ein paar Kleider für seine Enkelin bat. Leider haben wir selber nicht soviel warme Kleidung mitgenommen, da wir uns auf ein wärmeres Klima eingerichtet haben. Wir gaben der Kleinen aber wenigstens etwas Schoki, welche sie strahlend annahm. Die Kleidung die sie trug war wirklich nur aus ein paar Wollfetzen zusammengenäht.
Wir folgten der geteerten Strasse bis Ait-Hani. Da es uns so gut gefiel, wollten wir noch nicht umkehren und so folgten wir der engen Erdstrasse in Richtung Tiidrine. Hier kommen höchst selten Touristen durch, die Kinder kommen aus den Häusern gerannt und winkten uns zu. Auch die Erwachsenen hatten Freude uns zu sehen und die Männer hielten oft den Daumen in die Luft. Die Frauen lächelten scheu und winkten uns zu.
Wir fuhren durch ein karges Hochland und die umliegenden Berge waren bereits leicht mit Schnee bedeckt. Nach dem Hochland fuhren wir durch eine Schlucht und wir konnten die Berber beobachten, die hier noch in Höhlen wohnen. Wie sie mit ihren Eseln die steile Bergwand hinaufkletterten und wie ihre Ziegen und Schafe vor ihrer Höhle grasten. Vor jeder Höhle sind Steinmauern errichtet, damit kein kalter Wind in die Behausung gelangen kann. Sogar ein Berberzelt sahen wir dort in den Felsen errichtet. Die Strasse war eng und holperig. Rechts ging es den Berg hinauf und links den Hang hinunter. Unten floss ein schmaler Fluss. Die Strasse folge dem Verlauf der Schlucht, mal ging es rauf, mal runter. Oft sahen wir in der Mitte vom nirgendwo Hirten, die ihre Ziegen und Schafe weiden liessen. Die Eindrücke die wir dort gewannen waren einmalig und wir schossen einige Fotos. Wir fühlten uns weitab von jeder Zivilisation, bis wir nach Assoul kamen. Dort waren wieder die gewohnten Lehmhäuser.
Es wurde bereits dunkel und wir wollten doch eigentlich am Abend zurück auf dem Campingplatz Atlas sein. OK, bis in die Todraschlucht würden wir es nicht mehr schaffen, aber wenigstens bis nach Goulmina hofften wir. In Assoul suchten wir den Weg nach Aouarai und fuhren dabei eine steile Strasse hinunter. Ein junger Mann zeigte uns durch Handzeichen, dass wir hier nicht weiterfahren können. Doch schon oft hatten wir Zeichen erhalten, die sich dann aber nur als Verkaufsversuch entpuppten, also fuhren wir weiter, da unser GPS uns anzeigte, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Kaum aus dem Dorf hielt uns ein älterer Mann mit seinem Moppet auf, der uns mitteilte, dass die Strasse nach Aouarai nicht befahrbar sei. Es fehlt ein Stück Strasse (wer weiss wie lange schon). Er bemühte sich uns die Umfahrung zu beschreiben und wir sahen uns schon die ganze Nacht fahren. Es wurde immer dunkler und schliesslich, als wir in die nächste Schlucht einfuhren war es finstere Nacht.
Mit unseren Scheinwerfern konnten wir Strasse vor uns gut ausleuchten, aber wenn plötzlich die Felsen über einen hängen und man nicht sieht wie weit es neben einem runter geht, dann wird es einem doch schon etwas mulmig zu mute. Die Strasse war auch sehr schmal und wir fuhren möglichst nahe der Felswand entlang, da die Seitenränder in Marokko doch oft sehr brüchig sind. Wir fuhren durch enge Lehmstädtchen die eng am Felsen klebten.
Wir überlegten schon, ob wir nicht hier unter dem Felsen oder dort neben der Strasse schlafen sollen, als wir wieder in ein kleines Dorf namens Ksar Ait-Youb einfuhren und wir ein Schild sahen mit „Camping Gite d’Etape chez Moha“. Gerne folgten wir dem Mann, der uns den Weg wies. Hinter einem Tor gab es einen kleinen Platz wo wir unser Auto parkieren konnten. Nur knapp reichte die Torhöhe. Es war eine sternenklare Nacht und ensprechend kalt. Moha lud uns noch ein, wir könnten uns bei seiner Familie etwas aufwärmen. Dankend lehnten wir ab, da wir nicht kalt sondern Hunger hatten. Die Sanitärenanlagen waren die saubersten, die wir bis dahin in ganz Marokko gesehen hatten. Da es kein Licht gab, wurde uns auf dem WC eine Kerze angezündet wie romantisch. Wir brieten uns ein paar Eier mit Schinken und Nudeln und gingen danach müde zu Bett.
Die Nacht hatten wir dank unserer Standheizung gut verbracht, aber an der Durchstiegsluke war EIS brrrrrrr SO KALT WAR DAS! Die Sonne schien und wir konnten erst jetzt sehen in welch herrlicher Gegend wir gelandet waren. Moha lud uns auf seine Terrasse ein und wir konnten das ganze Panorama geniessen. Grandiose Bergwelt! Nebenan hörten wir plötzlich weinendes Geschrei und Moha erklärte uns, dass da wohl jemand gestorben sei. Er zeigte uns noch ein paar Zimmer und Aufenthaltsräume seiner Herberge. Wie sich herausstellte, war er Bergsteiger und begleitete im Sommer oft Touristen bei Klettertouren. 20 Dirham zahlten wir für die Nacht. Da das Wasser eingefroren war konnten wir leider keine Dusche nehmen, wir waren bei diesen Temperaturen auch nicht besonders wild darauf.
Wir fuhren ein ganzes Stück der Strecke zurück, da wir in der Nacht nur hatten ahnen können, wie schön es hier sein muss. Wirklich, es hat sich gelohnt nochmals zurück zu fahren und bei Tageslicht sah die Piste auch nicht mehr so gefährlich aus. Wir fuhren durch ein paar kleine Dörfer und wieder winkten uns die Kinder zu. Die Mädchen scheu und die Buben forderten frech ihre Bonbons oder einen Stylo (Kugelschreiber).
Ein junger Mann kam auf uns zu, als wir wieder gerade einen Fotostopp machten und wollte uns unbedingt zu sich einladen zum Essen und etwas reden. Er erzählte wie schwierig es sei hier, man hätte zwar genug zum Essen, aber Geld habe man hier keines. Die Mädchen hätten es noch schlechter, den diese werden hier verheiratet und hätten gar nie die Chance in eine Stadt zu kommen.
Mühsam wurden wir ihn wieder los und konnten unserem Weg folgen. Wir fuhren noch ein Stück und kehrten danach um, schliesslich hatten wir noch eine ganze Strecke zu fahren und bei diesen Strassenzuständen konnte man nicht schnell fahren. Teilweise mussten wir unterwegs nach dem Weg fragen, da es wieder einmal eine Kreuzung aber keinen Wegweiser gab. Manchmal hatten wir das Gefühl eher auf einem Eselspfad als auf einer Strasse zu sein.
Wir fanden jedoch unseren Weg zu nächsten Schlucht. Links und rechts ragten die roten Felswände steil gen Himmel und wir mussten durch das trockene Flussbett fahren, da die Strasse irgendwann mal weggebrochen war. Dann wieder ein Stück den Felswänden entlang und wieder in das Flussbett. Die Steine wurden zeitweise recht gross und wir mussten uns zwischendurch schlängeln. Wir hielten an um auch hier ein paar Fotos zu machen und wähnten uns mutterseelenallein in dieser grandiosen Landschaft.
Doch schon kam ein Schäfer herbeigesprungen um uns nach Schuhe zu fragen. Seine zusammengenähten Ledersandalen made by Berber, sahen wirklich zum Erbarmen aus. Leider haben wir nur je 3 paar Schuhe dabei für unsere Reise und folglich leider keine zum Abgeben. Auch die geforderte Zigarette konnten wir nicht geben, da wir selber nicht rauchen. Bald kam ein zweiter Hirte hinzu und so machten wir uns möglichst rasch auf den Weg.
Unser Weg führte uns weiter durch das enge Flussbett, welches uns schliesslich in eine Oase führte. In Tadirhoust, einem kleinen Oasendorf, begann eine kleine Teerstrasse, der wir bis nach Goulmima folgten.
Zurück in der Zivilisation tanken wir bei einer grossen Ziz-Tankstelle auf. Bald merkten wir, das die Qualität nicht gerade die beste war. Der Motor hatte nicht mehr die gleiche Leistung, aber auf den geteerten Strecke die vor uns lag war das nicht weiter schlimm.
Wir fuhren zurück auf den Campingplatz Atlas in der Todraschlucht. Wir hatten schon Spässe gemacht, dass wir wahrscheinlich schon gesucht wurden, weil wir unseren Platz nicht bezahlt hatten, in der Annahme am gleichen Abend wieder zurück zu sein. Kilometermässig waren wir nicht viel gefahren, nur mit 10 bis 20 km/h kommt man halt nicht so schnell vorwärts.
Der Besitzer des Campings nahm es gelassen „Inshallah“ und freute sich, dass wir nun eine weitere Nacht auf seinem Platz verbringen. Toll - als wir kochen wollten und ich schon das Gemüse gerüstet hatte, gab unser Kocher den Geist auf. Dank dem schlechten Sprit den wir getankt hatten, konnten wir nun bei unseren Wallas-Kocher beobachten, wo überall die Abgase entwichten. Die Dichtungen sind durch. Ganze 5 Liter Diesel hatte das Teil gehalten. Wir hatten schon in den vergangenen Tagen bemerkt, dass ein leichter Abgasgeruch in der Kabine war beim Kochen. „Völlig unbrauchbar das Ding!“ - und schweineteuer! Da wir beide geladen waren, haben wir uns dann auch noch gleich gezoft. Frustriert und hungrig gingen wir schlafen.
Ohne Kaffee aber nach einer herrlich warmen Dusche fuhren wir zur Dades-Schlucht. Die Gegend hat ganz bizarre Felsformationen. Da diese Gegend sehr touristisch ist, wurden wir bei jedem Fotostopp von den Kindern angehauen Stylo, Bonbon, usw. das ganze Repertoire. Gegenüber vom kleinen Campingplatz Said gab es einen Platz, wo man gut stehen konnte. Dort machten wir eine Pause und sandten ein SMS an Stefan und Sandra um zu fragen, wann sie kommen, da wir hier zur Sylvesterfeier abgemacht hatten. Die waren jedoch erst bei den Atlas Filmstudios und teilten uns mit, dass sie erst am 31. ankommen würden.
So fuhren wir die Dades-Schlucht hoch. Erst ging es eng zwischen die Felswände durch und danach fasst wie in der Schweiz einen steilen Pass hoch. Weiter oben gab es dann nochmals einen Canyon. Die Szenerie war wiederum unglaublich schön. Die Strasse wurde oben wieder schmal und es ging neben der Strasse wieder mal ziemlich steil hinunter. Der Rand der geteerten Strasse war teilweise ausgebrochen und es wurde einem manchmal ganz schwindlig bei der Aussicht. Kurz vor Tilmi hörte die Teerstrasse auf und wir folgten der Piste.
Da wir genug Piste gefahren waren in den vergangenen zwei Tagen, kehrten wir wieder um und gingen bei Said auf den Campingplatz. Heute nahmen wir unseren Coleman Ersatzkocher vom Dach und kochten eine leckere Gemüsesuppe. Die Sanitärenanlagen waren sehr einfach und es gab auch kein Licht auf dem WC. Die Aussicht war dafür wunderbar, direkt auf die bizarren Felsen. Es war auch etwas wärmer als im Hochland und so konnten wir gut ohne Heizung schlafen.
Wir wollten nicht den ganzen Tag auf dem kleinen Campingplatz herumhängen und so fuhren wir weiter. Von Boumaine-du-Dades nach El-Kelaa-des-Mgouna. Dort fanden wir eine feine Boulangerie und kaufen Baguettes und etwas Süsses ein. Wir suchten uns den Weg zum Rosental, wie die Gegend um Bou-Thrarar genannt wird. Wir wollten dann auch noch weiter in die M’Goun Schlucht. Die holprige Piste führte an zwei schöne alte Kasbahs vorbei, von denen wir auch Fotos machten. Wir folgten dieser Strecke und fanden wieder eine bezauberten Gegend.
Die Holperpiste wurde immer steiler und schmaler und ehe wir uns versahen, waren wir auf eine Pass gelandet bei dem es wieder ziemlich steil runter ging neben der Strasse. Mir wurde ganz mulmig zu mute, da ich nicht schwindelfrei bin. Um eine Kurve musste Charly 2 mal ansetzen bis er um diese herum kam. Die Einheimischen fuhren diese Strecke vollbeladen mit ihren Mercedes-Vans ohne mit der Wimper zu zucken.
Die Aussicht vom Pass war wieder sensationell, schneebedeckte Berge des Hohen Atlas und davor rote bizarre Felsenberge. Die Strasse aber war holprig, steil und sehr eng und vor allem in unserer Strassenkarte von Marokko war überhaupt kein Pass eingetragen. Glücklich überholten wir noch ein paar Maultiere bevor wir die Ortschaft Bou-Thrarar erreichten.
Charly hatte natürlich Freude so eine Strecke zu fahren, konnte er doch wieder den Allrad einsetzen. Kaum im Dorf angekommen wurden wir schon wieder angemacht, was wir alles anschauen könnten, natürlich mit Führer usw. Wir hatten keine Lust auf diesen Kommerz. Der Typ meinte noch, dass wir die Piste nach Ait-Youl auch mit GPS nicht finden würden und wir ihn deshalb brauchen. Ne, ne, trotzdem danke nein danke! Auch keine Rosenfelder anschauen Nö. Endlich sind wir den Typ wieder los geworden, leider sind die immer so anhänglich und auch nach 20ig-mal Nein geben sie noch nicht auf. Mühsam.
So fuhren wir möglichst rasch weiter in Richtung M’Goun Schlucht, obwohl uns der Typ gesagt hat, dass man diese nur zu fuss durchwandern kann. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen um den Notebook mit der Touratech-Karte und GPS vorzukramen. Leider haben uns da wieder ein paar Buben entdeckt und drückten, gar nicht scheu, ihre Nase an der Scheibe platt. Schleunigst fuhren wir weiter.
Die Strecke führte uns aber nicht auf den gewünschten Pfad und so folgten wir einem Wegweiser auf eine abenteuerliche Strasse.
Die Einfahrt mussten wir uns schon mal verdienen, da Einheimische am Sträucher aufladen waren und wir über übles Geröll mit tiefen Furchen fahren mussten. Die Strecke wurde immer abenteuerlicher. Immer schmaler und seitlich sehr bröckelig. Daneben ging es wieder in die Tiefe und ich hatte schon wieder feuchte Hände. Hügel rauf Hügel runter.
Plötzlich eine Weggabelung. Was nun links oder rechts. Rechts habe ich entschieden, da kommen wir wahrscheinlich in das Dorf, welches wir von weitem sehen konnten. Die Richtung war richtig, die Strasse noch schlimmer als vorher, obwohl wir meinten, das wäre nicht möglich. Nun waren auch noch tiefe wirklich tiefe Furchen mitten auf der Piste ausweichen wohin. Links geht’s hoch und wenige Centimeter neben unserem rechten Rad geht es steil nach unten. Juchhui voll rein hoffentlich halten die Achsen. Die Einheimischen die wir vorhin gesehen hatten beim Sträuchersammeln liessen wir überholen, als wir endlich etwas Platz hatten. Die kennen nichts!
Unten im Tal angekommen mussten wir durch einen Fluss fahren der sicher seine 80 cm hatte. Im Dorf wurden wir angeschaut wie wenn wir von einem anderen Planeten kommen. Klar, bei den Strassen haben die sicher sehr selten Touristen. Ich fragte einen freundlichen Mann nach den Weg, welchen er mir auch mit sehr gebrochenen französisch erklärte. Er meinte nach rechts öh, da kamen wir doch gerade erst her. Auf die Frage wie weit es wohl noch wäre, antwortete er mir in seiner Berber-Sprache. Aber mit Händen und Füssen konnten wir uns doch verständigen und wir fanden den richtigen Weg.
Wieder steil den Hang hinauf, doch nun war die Sonne schon so tief, dass wir kaum noch die enge Holperpiste sehen konnten. Die Piste war gerade breit genug für ein Fahrzeug. Prompt kommt uns so ein Mercedes Van entgegen. So vollbeladen, dass einige Leute sogar oben auf dem Dach des Busses sitzen müssen und dass bei dieser Strecke. Glücklicherweise fanden wir bei einer Spitzkehre ein Miniplateau, so dass das entgegenkommende Fahrzeug um haaresbreite an uns vorbeikam. Der Fahrer hatte sichtlich Freude uns zu sehen und winkte und lachte. Charly machte die schwierige Strecke gar nichts aus und nahm es gelassen.
Da wir nicht in der Nacht auf so einer Piste fahren wollten, übernachteten wir oben auf dem Pass. Dort gab es eine ebene Fläche, wo wir unser Auto hinstellen konnten. Der Wind pfiff uns ganz schön um die Ohren, doch wir waren froh einen Platz gefunden zu haben. Wir dachten, wir wären hier allein aber es dauerte nicht lange und so kam einer mit seinem Esel vorbei und wenig später schaute ein interessierter Fussgänger Snoopy an. In Marokko ist es schwer ein einsames Plätzchen zu finden.
Doch nach einem faszinierenden Sonnenuntergang mit super Aussicht auf die umliegenden Berge wurde es bald dunkel und wir assen noch den Rest unserer Gemüsesuppe bevor wir schlafen gingen. Der Himmel war klar und wir konnten ganz viele Sterne sehen. Der Wind legte sich später und so hatten wir eine ruhige Nacht.
Früh aufgestanden, damit wir der Eselsautobahn nicht im Weg stehen. Zu spät, der erste ist schon an uns vorübergezogen. Wir hören den Motor eines Autos und wieder ist ein Mercedes Van auf dem Weg. Charly macht ein Foto und der Berber hat sichtlich Freude und hält an um zu fragen wie es ihm geht. Winkend fahren sie weiter und auch wir sind startklar. Es war am Morgen erst etwas neblig, aber dies hat sich bald gelegt.
Die Strecke ist nun nicht mehr so abenteuerlich wie gestern, aber hier und da müssen wir trotzdem vorsichtig fahren. Der Weg führt uns wieder durch einen Canyon und durch ein trockenes Flussbett. Schliesslich kommen wir gut in Ait-Youl an. In einer Kiesgrube war die Ausfahrt zum Dorf, da wären wir nie drauf gekommen, dass man hier abbiegen muss um ins nächste Dorf zu kommen.
Wir fuhren bei Said vorbei, da dieser noch nicht da war, zum nächsten Café. Wir waren die einzigen Gäste, doch man brachte so gleich eine portable Gasheizung und den bestellten Kaffee. Nach einem zweiten Kaffee meinte man, wir könnten auch auf ihrem Parkplatz gratis campieren. Dankend lehnten wir ab, da wir ja heute mit unseren Freunden Sylvester feiern wollten auf Saids Campingplatz.
Said war nun da und wir installierten uns. Das heisst wir nahmen den Tisch und die Stühle vom Dach und bereiteten uns ein gediegenes Frühstück mit Spiegeleiern. Wir hörten uns die schlechten Nachrichten aus Deutschland an. Die Katastrophe von Süd- und Südostasien. Mein Gott so viele Leute mussten sterben. Wir hatten schon von einem Seebeben und einer Springflut gehört von Moha, der neben seiner Lehmhütte eine Parabolantenne und damit Satelliten-Fernsehen hatte, doch dass es so viele sind hätten wir nie gedacht.
Bei Sonnenschein machten wir es uns gemütlich und wir hörten fast den ganzen Tag die Deutsche Welle. Endlich war es warm genug um im T-Shirt draussen zu sitzen.
Am späteren Nachmittag kam dann Stefan und Sandra mit einer ganzen LKW Meute an. War schon ergreifend, so viele Brummis. Snoopy wirkte richtig bescheiden daneben. Das Hallo war gross und jeder wurde begrüsst. Auch Nina und Daniel waren mit ihrem alten Magirus Deutz BJ 1968 dabei. Mit ihnen hatten wir bereits per E-Mail Kontakt und wollen ab und zu ein Stück gemeinsam nach Süden fahren, denn sie wollen wie wir bis nach Kapstadt runter. Sie haben auch Kontakt zu Swantje und Arthur aus Berlin, die ebenfalls mit uns mitfahren wollen.
Wir haben uns gefreut Stefan, Sandra und Momo, ihren Hund, wieder zu sehen. Es gab viel zu erzählen. Auch Nina und Daniel waren uns auf anhieb sympathisch. Erst sassen wir im Berberzelt zusammen, doch sobald die Sonne weg war, wurde es kalt und wir setzten uns zu den anderen ans Lagerfeuer. Um Mitternacht wurden ein paar Heuler und Minivulkane losgelassen. Leider hatten wir an diesem Abend auch Besuch von der Polizei, Said konnte keine Liste vorweisen mit allen Namen usw. er würde dies nachholen am nächsten Tag und mit ein wenig Bakschisch ist das kein Problem. Wir feierten und redeten bis kurz vor 4 Uhr morgens, dann mussten wir ins Bett. Said und seine Kollegen hatten während der ganzen Zeit Holz angeschleppt, so dass wir nicht frieren mussten. Dafür haben sie bei Stefan auch aus dem Whiskey-Kanister schöpfen können. Ziemlich angeheitert haben Stefan, Said und seine Kollegen bis um 6 Uhr morgens durchgefeiert.
9 Uhr aufgestanden und da wir nicht so viel getrunken hatten, ging es uns ganz gut. An diesem Morgen ist eine kleines Zieglein auf die Welt gekommen. Als die Mutter es leckte, fiel es gleich wieder um. So herzig so süss. Einige kamen und wollten es auch sehen. Wir hätten fast Eintritt verlangen können.
Gemütlich gefrühstückt mit Spiegeleiern und Käse. Bei schönstem Sonnenschein sassen wir im T-Shirt da und haben palavert. Schwupp war der Vormittag vorbei. Ich rief noch mit dem Satellitentelefon bei meiner Schwester an um allen ein gutes neues Jahr zu wünschen. Leider war die Verbindung schwierig und sehr schlecht, trotzdem war es schön mit ihnen zu sprechen.
Bald darauf haben wir unsere Sachen gepackt und haben uns von allen verabschiedet. In Richtung Ouarzazate fuhren wir los. Kurz vor Ouarzazate kamen wir gleich zwei mal in eine Geschwindigkeitskontrolle. Beim ersten Mal meinte man wir wären zu schnell gewesen. Ich meinte so mit 60 km/h, dass sei doch nicht so schnell. Der Polizist meinte daraufhin, dass wir mit 86 km/h unterwegs gewesen wären. Charly meinte so schnell sei er sicher nicht gefahren. Der Polizist meinte daraufhin, wir sollen auf unser Geschwindigkeit achten und liess uns weiterfahren.
Wenige Kilometer später die nächste Kontrolle, wieder seien wir zu schnell gefahren. Diesmal aber entschuldigten sich die Polizisten, denn es war der Pick-Up hinter uns, der zu schnell gefahren ist. Erleichtert fuhren wir weiter. Man hat ja so korrupte Geschichten aus dem Senegal gelesen, da dachten wir ok hier ist das erste Mal. Die marokkanischen Polizisten sind jedoch korrekt und es gab keinerlei Beanstandung.
In Ouarzazate fanden wir den Camping nicht gleich und auch sonst fanden wir den Ort nicht so toll, weswegen wir weiter nach Zagora fuhren. Da es jedoch schon bald wieder dunkel wurde, haben wir uns entschlossen auf dem Camping von Agdz zu übernachten. Die Landschaft auf dem Weg dorthin war wieder wunderschön und einwenig bizarr. Der Camping in Agdz liegt zwischen Dattelpalmen und wir fanden gut Platz, da wir wieder mal alleine waren auf dem ganzen Camping. 49 Dirham pro Nacht mit Stromanschluss und heisser Dusche.
Etwas länger geschlafen und ausgiebig geduscht. Charly fand die Muse sich die Haare zu schneiden und ich räumte auf in Snoopy. Die Schuhe sahen auch fürchterlich aus und nachdem wir alles erledigt hatten war es schon wieder Nachmittag. Wir entschlossen uns noch eine Nacht zu bleiben, da es eh schon spät war. Also füllten wir Wasser auf und gegrüssten unsere neuen Nachbarn. Ein älteres Ehepaar die in Marokko überwintern möchte. Wer kann es ihnen verübeln, erstens ist es billiger hier und zweitens auch noch wärmer. Es war ein sonniger warmer Tag, ein genialer Tag um Charly's Pfeife endlich einzuweihen mit dem feinwürzigen Tabak, welchen wir noch in Zürich von Mausi gekauft hatten. An dieser Stelle möchten wir uns noch ganz herzlich bei Mausi für die gute Beratung und den Tabak bedanken. Am späteren Nachmittag setzten wir uns etwas in die Sonne und lasen etwas. Gegen Abend kam Matze mit seiner Familie an in seinem alten Mercedes-LKW. Wir hatten ihn schon in Fès auf dem Camping getroffen. Gemütlicher Abend mit etwas Wein und Spaghetti.
Da wir kein Brot hatten, gab es den Stollen, den wir schon seit Frankreich mit uns rumschleppten. Charly wollte diesen für Weihnachten, nur hatten wir da keine Lust und ausserdem feine Guetzlis aus der Schweiz. Nachdem wir noch dies und das erledigt hatten, fuhren wir endlich weiter in Richtung Zagora.
Der Weg führte uns durch eine wunderschöne Oasenlandschaft und Bergen im Hintergrund. Einige schöne Kasbahs lagen ebenfalls auf dem Weg. Im Führer stand „ein wenig wie 1001-Nacht“ und wenn man die Leute so auf ihren Eseln sieht, die Frauen sind verschleiert und die vielen Dattelpalmen ja, da kann man auf diesen Gedanken kommen.
In Zagora selber haben wir nur kurz angehalten um etwas Proviant mitzunehmen und zu tanken, ansonsten hat der Ort nichts besonderes. Die ATM der beiden Banken waren leider ausser Betrieb, aber da wir noch Reserve hatten, sind wir weiter gefahren nach Mhamid. Eine schmale geteerte Strasse führt dorthin und neben Allradfahrzeugen sieht man auch ein paar wenige Standard-Wohnmobile wie zu Hause. Meist Rentner die hier der heimischen Kälte entfliehen.
Kurz von Tagounite wurden wir wieder von der Polizei angehalten. Ausweiskontrolle. Der Polizist war sehr freundlich und meinte unsere T-Shirts sehen aus wie vom Militär. Die sind auch vom Militär, das hab ich ihm aber nicht auf die Nase gebunden. Nach einem freundlichen Gespräch liess er uns weiterfahren.
Gegen Abend sind wir dann in Mhamid eingetroffen, einem kleinen Wüstenstädtchen in der Nähe der algerischen Grenze. Es sind nur wenige Touristen hier und entsprechend anhänglich sind die Einheimischen die einem eine Tour mit dem Kamel aufschwatzen wollen. Wir haben keinen Bock dazu und fahren direkt auf den Camping Mhamid Oasis.
Ein weitläufiger Campingplatz mit vielen Dattelpalmen. 30 Dirham pro Nacht mit kalter Dusche, die heisse Dusche kostet 5 Dirham extra. Es war ein schöner warmer Tag, aber sobald die Sonne weg war, wurde es kühl. Ich habe ein Tajine gekocht und es war recht lecker, nur das Fleisch war etwas zäh. Es war entweder eine alte Kuh oder ein Kamel. Eher Kuh. Am Abend haben wir noch flippige Nachbarn aus Spanien/Portugal erhalten. Ein junges Pärchen die unterwegs einen jungen Marokkaner aufgeladen haben und nun zu dritt unterwegs sind. Sie wollten uns Schuhe aus China verkaufen, dankend lehnten wir ab, aber unterhielten uns noch ein Weilchen mit ihnen. Charly meinte, die kiffen sicher auch öfters. Fast den ganzen Abend haben wir einem Trommelkonzert für Touris gelauscht. Wir mussten gar nicht hin, es war laut genug bis zu unserem Auto.
Ein wunderschöner Sonnentag weckte uns und so beschlossen wir nach dem Frühstück doch die Piste quer rüber nach Foum-Zguid zu fahren, damit wir nicht die gleiche Strecke zwei mal fahren müssen. Wir luden die GPS-Daten von der Touratech-Karte auf unser GPS und los ging’s.
Der Weg führte erst in das staubige Dörfchen Mhamid und von dort erst mal entlang des ausgetrockneten Flussbettes. Bald darauf waren wir auf der richtigen Piste. Der Wind blies und die Umrisse der Landschaft wurde leicht neblig. Wenige Kilometer sind wir gefahren und schon hatten wir Sand unter den Rädern. Mit dem Allrad ist das jedoch kein Problem. Locker nahm Snoopy die kleinen Sanddünen. Mal war der Sand härter, mal weicher, wir kamen überall problemlos durch. Der Wind wurde jedoch stärker und schon bald überholte uns unsere eigene Staubwolke. Wir mussten ein paar Mal kurz anhalten, damit wir wieder aus der Sandwolke herauskamen.
Nach dem Sand kam eine lange ebene Piste. Da es jedoch Wellblech gab, vervielfältigte sich diese sofort. Jeder fuhr seine eigene Strecke um der Rüttelei zu entfliehen. Mit unserem GPS wussten wir genau in welche Richtung wir fahren mussten und so konnte uns das Gekreuze der Pisten uns nicht weiter irritieren. Lange folgten wir der Piste und doch das starke Wellblech zwang uns immer wieder der vorgegebenen Piste auszuweichen. Wir folgten den Spuren mit möglichst wenig Wellblech.
Uuupsss! Plötzlich waren wir von unserer Piste weit entfernt. Egal für was haben wir ein Allradfahrzeug also quer rüber durch das Steinfeld. Hoppel, hoppel da muss doch irgendwo die Abzweigung zur offiziellen Piste nach Foum-Zguid kommen. Ich sah gerade noch, dass da vorne das Steinfeld ziemlich schroff in einen Dünenausläufer runter ging. Zu steil für Snoopy. Wir suchten uns einen weicheren Übergang. Dieser war dann leider so weich, dass wir darin hängenblieben.
Das hiess nun erst mal Lust aus den Reifen lassen, die Räder frei schaufeln und zu Fuss nach härterem Untergrund suchen. Die Piste konnte nicht mehr weit sein, also schalteten wir zur Untersetzung auch noch die Differentialsperren hinzu. Nach 200m fanden wir schon die Piste und gleich kam ein Buschtaxi angebraust mir Touris drin. Ein kurzer Wink ob alles okay ist und schon stob dieser wieder von dannen.
Mit unserem Kompressor erst mal wieder Luft in die Reifen lassen, da die vorliegende Piste wieder ziemlich steinig war. So fuhren wir und fuhren wir und die Piste wurde immer steiniger. Toll, mit 15 20 km/h kommt man auch irgendwann mal wieder an. Wir hofften, dass die Piste wieder besser würde, doch leider wandelte sich die Landschaft in eine Geröllwüste und die Strecke wurde noch holpriger. Zwischendurch gab es den einen oder anderen trockenen Fluss zu durchfahren. Die Ränder dieser Durchfahrten waren zum Teil recht steil und es galt so manchen grossen Steinbrocken im Schritttempo zu umfahren. Charly war schon recht genervt von der ständigen Rüttelei und vom Verschleiss der Reifen.
In Zaouia-Sidi-Abdallah-en-Nebi hofften wir gemäss Strassenkarte endlich eine bessere Piste fahren zu können. Die steinige Piste wandelte sind dort in einen grosse Ebene mit leicht salziger Oberfläche. Wir sahen tiefe Spurrillen von anderen Fahrzeugen, die hier geübt hatten, als es hier mal feucht war. Da nützt auch eine Seilwinde nicht mehr viel, da weit und breit kein Baum zu finden ist in dieser Region. Wir waren froh den trockenen See Iriqi mit trockenen Reifen hinter uns bringen zu können. Es wurde schon wieder dunkel und wir suchten uns einen Ort zum Schlafen. Vor einem Felsvorsprung fanden wir diesen und kochten unser Abendessen. Es ging ein kühler Wind, der Himmel war jedoch voller Sterne.
Eine ruhige Nacht verbrachten wir an diesem öden Ort. Nachdem unsere Sachen wieder alle an ihrem Ort waren brachen wir auf. Die Strecke wurde nicht besser, das Geholper des Vortages zog sich auch an diesem Tag weiter hin. Endlos erschien uns die Strecke. Die Piste wurde nicht besser. Einige Nomaden kamen und winkten, oder wollten irgendwas. Wir fuhren wieder durch trockene Flussbetten mit grobem Gestein, einmal mussten wir gar umkehren, da die Passage nicht ohne Risiko machbar war. Die Geröllpiste war wirklich von der ganz üblen Sorte. Endlich kurz vor Foum-Zguid wurde die Piste besser und die ersten Ziegenhirten waren wieder zu sehen. Die Einfahrt zu dieser Ortschaft ist gleichzeitig die Landepiste für Flugzeuge. Foum-Zguid scheint ein aufstrebendes Örtchen zu sein und es gab jede Menge Kinder die mit ihren Fahrrädern unterwegs waren.
Endlich konnten wir wieder auf Teer fahren, wie schön Snoopy doch dahin glitt. Die Strecke ist jedoch nicht doppelspurig geteert, so dass jeweils der schwächere auf den Schotterrand ausweichen muss. Es tat gut wieder Dattelpalmen und Eselreiter zu sehen. Nach Takenakht fuhren wir über den Tizi-n-Bachkoum (1700m). Leider war ein schwer beladener LKW vor uns und so krochen wir den Pass, da es keinerlei Chance gab zum Überholen. Auf unserer weiteren Fahrt in Richtung Ouarzazate gab es noch ein hübsches Panorama und wir konnten nicht wiederstehen ein paar Bilder zu schiessen.
20 km vor Ouarzazate fuhren wir auf den Campingplatz „Le Tissa“, ein einfacher Platz, der Wärter jedoch ist sehr lieb und brachte uns sogleich einen Begrüssungstee, welchen er dann auch zusammen mit uns trank. Später kam er noch mit 2 Hunden vorbei welche er uns noch vorstellte. Die kleine Mona, so hiess der Welpe, hat uns gleich in ihr Herz geschlossen uns war fortan bei uns. Am liebsten biss sie in Charlys Hosenbeine und Charly musste beim Laufen aufpassen, dass er sie nicht ausversehen trat. Die Anlage war einfach aber sauber. Sobald die Sonne weg war, war es auch mit der Wärme vorbei. Zum Essen verkrochen wir uns in Snoopy, nachdem wir gekocht hatten.
Leider mussten wir feststellen, dass der linke Scheinwerfer gestern von einem Stein getroffen worden war und nun das Glas mehrere Sprünge hat. So ein Pech! Die LKWs waren auf dieser Strecke rasant unterwegs und da kam der eine oder andere Stein geflogen, aber musste es wirklich unseren Scheinwerfer treffen? Charly klebte die getroffenen Stellen mit Panzerband so gut es ging ab. Unser Campingplatzwärter lud uns zum Frühstück zu einem Tee ein und war auch recht unglücklich über unser Malheur.
Als erstes gingen wir das berühmte Ait-Ben-Haddou besuchen. Gleich kam auch schon ein sogenannter Führer, der angeblich auch schon Erika Därr geführt haben will. Wir sagten zwar klar und deutlich, dass wir keinen Führer wollten, aber dieser liess sich leider nicht beirren. Auf der anderen Seite des salzigen Baches meinte er wir müssen keinen Eintritt zahlen, wenn wir ihm Folgen. Doch da kam auch schon ein zweiter sogenannter Führer und wir zogen es vor den Eintritt zu berappen und die lästigen Typen endlich los zu werden.
Der Eintritt ist jedoch nicht offiziell, sondern ein Bewohner dieser Kasbah belangt 10 Dirham dafür, dass man durch seinen Hof laufen darf. Egal, Hauptsache wir waren diese Blutsauger los. Wie liefen hinauf auf den Felsen und mussten dabei wieder durch eine Wohnung laufen. Alle Türen waren auf und gingen wir hindurch. Da kam gleich wieder eine Frau und verlangte Geld. Nö, sagten wir, wir haben schon bezahlt und gingen weiter. An diesem Ort wurden schon mehrere Filme gedreht und so ist ein kleiner Teil restauriert worden. Auch die UNESCO hat diese Kasbah unter Schutz gestellt, dennoch ist der grösste Teil der Anlage schon schwer vom Verfall gezeichnet. Nur was von der Filmindustrie gebraucht wurde ist in einem guten Zustand. Nun die Bewohner der Kasbah halten ja auch nur ihr Händchen auf um den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen, aber für den Erhalt wird absolut gar nichts getan. Schade!
Zurück beim Auto trafen wir auf einen Holländer, der unser Auto inspizierte. Er wolle auch nächstes Jahr durch Afrika fahren und war deshalb an unserem Snoopy recht interessiert.
Später fuhren wir nach Ouarzazate rein und suchten eine Bank und einen Bäcker. Daraufhin suchten wir die Atlas Filmstudios. Wir fanden diese auch, aber als wir bei dem Hotel Oscar einfuhren, beschlich uns das Gefühl schon wieder bei so einem Touristenabriss gelandet zu sein und so kehrten wir gleich wieder um. Verständnislose Blicke der Einheimischen folgten uns. Es war zudem auch schon wieder Nachmittag und wir wollten ja noch nach Marrakech weiterfahren.
Die Strecke über den Tizi-n-Techka ist wunderschön. Am Strassenrand werden überall Kristalle, Halbedelsteine sowie Fossilien angeboten. Landschaftlich fühlten wir uns teilweise wie in der Schweiz. Hohe Berge und etwas Schnee. Der Pass geht doch bis auf 2260m rauf und an schattigen Plätzen muss man schon mit etwas Eis rechnen. Wir hatten jedoch Glück kamen gut über den Pass und konnten das Panorama in der späten Nachmittagssonne geniessen. Die Strecker war weiterhin bergig und sehr kurvenreich bis nach Ait-Barka. Leider wurde es schon wieder dunkel und wir konnten keinen Ort zum Übernachten finden vor Marrakech. So mussten wir nachts nach Marrakech rein fahren.
Wir waren erst mal von dem Auto-Menschen-Moppet-Esel-Pferdekutschen-Gewimmel erschlagen. Kräftiges gehupe und gedränge. Gleich kam einer mit seinem Moppet angefahren und hat unsere Situation erfasst. Er fragte: „Camping où Hôtel“. Ich antwortete: „Camping“. Er: “Parking”. Ich “No Camping!” Okay, wir sollen ihm hinterher fahren. Da wir schon müde waren und wir uns an das Gewusel von Leuten erst noch gewöhnen mussten, folgten wir ihm willig. Er führte uns mitten durch die Medina (Altstadt) von Marrakech. Die Gassen waren sehr eng und Charly musste einige Male hin und herrangieren, bis wir durchpassten. Die Moppetfahrer, Fussgänger und Eseltreiber hatten aber alle keine Zeit und drängten geschäftig in jede kleine Nische, so dass wir höllisch aufpassen mussten, dass wir keinen platt machten. Auch mussten wir durch Torbögen fahren, bei denen wir nicht sicher waren ob die tatsächlich hoch genug waren. Ufff- Stress.
Wir fühlten uns aber auch einwenig in eine andere Zeit versetzt. Wie es wohl früher hier ausgesehen haben mag? Endlich waren wir aus der Stadtmauer raus und hielten zielstrebig auf das nächste Chaos zu. Eine Kreuzung auf marokkanisch. Alle fahren und jeder drängelt, am schlimmsten die Moppetfahrer. Abgebogen wird in 3er- oder 4er-Reihe und alle fahren gleichzeitig in eine ein- oder zweispurige Strasse. Der Schnellere respektive Frechere gewinnt. Unser Lotse bringt uns geduldig zu einem Platz. Leider ein Parking und kein Camping. Wir wollen auf diesem trostlosen Platz nicht bleiben und fahren weiter.
Trotzdem der Lotse uns mitteilte, dass der Camping geschlossen ist und der nächste 30 km ausserhalb der Stadt liegt. Nun, da Stefan hier Weihnachten gefeiert mit seinen Kollegen auf einem ca. 14 km entfernten Campingplatz, liessen wir uns nicht beirren. Natürlich war uns auch bewusst, dass der Schlepper für jeden Gast eine Provision erhält und dafür gern auch ein paar Märchen erzählt. Der Camping sei geschlossen, fingen auch ein paar andere Gäste an zu erzählen. Ja stimmt, der Muncipal-Camping ist geschlossen worden, aber der Sidi-Rahal ist offen, antworteten wir standhaft und fuhren weiter in Richtung Casablanca.
Bei McDonalds links hatte uns Stefan erklärt und tatsächlich kam auch gleich der Wegweiser nach Safi. Wir suchten und suchten, doch konnten wir die Schilder in der Nacht nur schwer lesen. Die Strasse wurde zudem noch verbreitert, was das ganze auch noch etwas erschwerte. An der Tankstelle fragten wir nach dem Camping. „Camping?“...Ahh ja, 4 km zurück und dann links. Erleichtert fuhren wir zurück. 4km kein Camping, aber eine komische Einfahrt. Dort arbeiteten ein paar Leute, welche wir wiederum nach dem Camping fragten. Kein Französisch aber der Kollege. Okay, so warteten wir. Dieser konnte uns dann Gott sei Dank den Weg sagen. 400m und dann rechts, gleich nach so einem blinkenden Licht. Okay, wieder raus aus dem Ghetto.
Nach 1,5 km sahen wir dann tatsächlich auf der rechten Seite ein blinkendes Licht. Das einer Apotheke und danach sahen wir auch gleich die Pforte zum Campingplatz. Den Wächter mussten wir erst mal mit der Hupe aus der Hütte jagen, die Speisereste hingen noch an seinen Wangen. Der holte dann den Direktor und bei dem konnten wir dann endlich die Formalitäten erledigen. Der Platz war gross und wir konnten uns hinstellen, wo wir wollten. Wir waren sowieso wieder mal allein auf dem Platz. Müde machten wir unser Essen und gingen bald darauf schlafen. Was für ein Tag.
Die ganze Nacht hat es fürchterlich gestunken. Wie in einer Mülldeponie! Charly war ganz übel geworden von dem Gestank. Auf diesem Platz wollten wir auf keinen Fall nochmals eine Nacht verbringen. Ich hatte noch so eine komische marokkanische Wurst gekauft gehabt, die wollte ich dem armen Hund auf dem Camping verfüttern. Dieser nahm aber nur ein zwei Stückchen gegen den ganz grossen Hunger und liess den Rest liegen. Nicht mal ein Hund kann die Wurst essen die hier verkauft wird. Schmeckt wie künstliches Sägemehl mit Pampe! Sachen zusammengepackt und auf zum nächsten Campingplatz, welcher 14 km ausserhalb an der Strasse nach Casablanca liegen soll.
Zuerst fanden wir eine Toyota Garage, die aber erst um 14:30 Uhr wieder öffnet und dann den Marjane Supermarkt. Den Campingplatz fanden wir kurz darauf auch gleich. Die Sanitärenanlagen waren bedeutend besser und auch der Geruch war normal. Es gab jede Menge Wohnmobile, wo von viele aus Deutschland kamen. Meist Rentner die in Marokko den Winter verbringen. Wir trafen auch auf Rolf und sein Frau mit ihrem Bimobil sowie Anhänger. Neugierig betrachteten wir ihr Fahrzeug und unterhielten uns mit ihnen. Sie wollen die Seidenstrasse machen, gehen aber erst mal wieder zurück nach Deutschland. Chapeau! Wir quatschen noch ein Weilchen und ich freute mich schon auf eine anständige Dusche. Leider gab es genau zu der Zeit mal wieder kein Wasser. Dann lass wir das doch und gehen stinkig zum Einkaufen.
Pünktlich waren wir wieder bei Toyota-Händler um nach einem Ersatzscheinwerfer zu fragen. Leider hatten sie keinen vorrätig, könnten aber einen von der Zentrale in Casablanca bestellen. Am nächsten Tag um 10 Uhr sei er dann da. Die Nummern waren nicht ganz identisch, aber vielleicht passte es ja trotzdem. Wir bestellten das Teil und vereinbarten gleich noch einen Termin für einen Ölwechsel für den folgenden Tag. Youssef war sehr geschäftstüchtig, aber nett und nicht aufdringlich. Anschliessend fuhren wir zum Marjane Supermarkt. Dieser Supermarkt war wieder riesig und wir brauchten wieder sehr lange, bis wir aus dem Laden rauskamen. Da die meisten Artikel dort Importware ist, ist auch das Preisniveau entsprechend hoch. Wiederum geschockt von der Rechnung kehrten wir zum Camping zurück.
Wir haben Nachbarn erhalten aus Deutschland. Die waren mit ihren Enduros unterwegs. Wir kamen gleich mit Hadschid (?) in Kontakt, der schon viele Länder bereist hat. Wir luden ihn ein sich in unserem Auto etwas aufzuwärmen und tranken gemeinsam Bier. Es dauerte nicht lange und wir hörten wieder Lärm vom Zeltaufstellen. Wieder Motorradfahrer die unterwegs waren. Werner und Claudia, die schön öfter in Afrika unterwegs waren mit ihren Bikes. Sie hatten vor 2 Jahren bei Alice, René und Sonja getroffen. Soviele Reisende konnte unser Miniwohnmobil aber nicht fassen, also standen wir alle draussen, erzählten und schlotterten, bis es uns zu kalt wurde und wir uns unter die warme Decke kuschelten.
Aufbruchstimmung bei den Motorradfahrern, die ich nicht beneidete bei der Kälte. Benno hatte auf seiner KTM einen Kocher installiert und fragte ob wir heisses Wasser wollten für einen Kaffee. Klar, sagten wir und sorgten auch so gleich noch dafür, dass auch Hadschid noch eine Tasse heissen Kaffee abbekam bevor er losbrauste. Bald war der Platz wieder leer, nur Benno und Kerstin hatten beschlossen noch einen Tag zu bleiben. Wir plauderten noch eine Weile, bis wir unseren Termin in der Toyota-Garage zum Ölwechsel wahrnehmen mussten.
9:45 standen wir bei der Garage. Der Scheinwerfer war gekommen, doch leider passt dieser überhaupt nicht in unser Auto. Afrikanische Version! SUPER! Okay, dann Ölwechsel. Gestern noch wurde behauptet, dass der Ölwechsel 10-15 Minuten dauert. Wir brauchten schlussendlich 2½ Stunden. Der Mechaniker liess auch den Luftfilter mehrmals leicht auf den Boden fallen, worauf Charly ihn fragte was er denn da mache. Nun der Kompressor ist kaputt und muss er halt den Filter so reinigen. Wir haben ihm dann unseren angeboten, zum Wohl von unserem Luftfilter. Der Ölwechsel musste draussen auf der Strasse vollzogen werden, da die Einfahrt in die Garage höchstens für einen PKW geeignet ist. Youssef fuhr anschliessend mit Charly noch zu diversen Händlern um ein Gitter zu kaufen, welchen wir zum Schutz für unsere Scheinwerfer haben wollten.
Gegen 14 Uhr waren wir wieder auf dem Campingplatz und setzten uns zu Benno, Kerstin, Peter und seine Frau. Die Sonne schien und es war herrlich warm an der Sonne, bald konnte es aber auch schon wieder zu warm werden. Peters Frau nahm kurzentschlossen den Regenschirm und deklarierten ihn um als Sonnenschirm. Meine Dusche musste ich heute bei den Herren nehmen, da bei den Frauen die Handwerker waren. Die einzige Dusche die funktionierte war die, die man nicht abschliessen konnte. Logisch. Am späteren Nachmittag sind wir dann mit den Frankfurtern Benno und Kerstin in die Stadt gefahren. Den Parkplatz kannten wir ja schon von unserem Lotsen und so war das Bakschisch, welches ich ihm gab doch nicht ganz umsonst gewesen.
Wir liefen zur Koutoubyia-Moschee, mit dem viereckigen Turm und dann weiter zum Platz Djamâa el- Fna. Es gab ein paar Gaukler, Schlangenbeschwörer und Musikanten. Da dies aber mit ständigem Anquatschen verbunden ist und jeder für nichts gleich ein paar Dirham will, sind wir gleich weiter in die Souks gelaufen. Die Gassen sind auch hier sehr eng, doch während in Fés es die Esel mit Überbreite sind die einem an die Wand drängen, sind es in Marrakech die Moppetfahrer. Geschäftiges Treiben in allen Gassen. Kleinste Läden in jedem Winkel. Mit Geduld aber findet man alles was man braucht. Wir haben sogar die Seifenschachtel ersetzen können, die Charly im Atlas Camping liegengelassen hat. 2 Dirham = 20 Eurocents. Im riesigen Supermarkt Marjane gab es keine und ausserdem wäre es erst noch viel teurer gekommen.
Am Abend tranken wir einen frischgepressten Orangensaft an einem Stand. Die Frankfurter genossen später als Vorspeise eine Schüssel frisch zubereitete Schnecken, die uns nicht so anmachten. Wir liefen weiter zwischen den Ständen und jeder wollte natürlich, dass wir bei ihm essen. Schliesslich fanden wir einen Stand mit allerlei marokkanischen Gerichten und setzten uns. Brot und Tomatensosse gab es gratis. Das Cola und den Salat für 5 Dirham. Das Couscous oder Brochettes 25 Dirham. Die Fleischstückchen am Spiess waren mini-mini und erst noch zäh, doch mein Couscous war okay. Kerstin bestellte noch Shrimps, war aber danach immer noch leicht hungrig. Beim Bezahlen wollte man plötzlich nicht mehr 25 sondern 65 Dirham, worauf Benno ganz exakt dem Kellner aufrechnete was er zu zahlen hat. Bei uns stellte er sich dann nicht mehr so an und wir zogen leicht genervt weiter.
Wir sahen noch kleinen Showboxkämpfen zu, oder hörten Geschichtenerzählern zu ohne auch nur ein Wort zu verstehen. Wir sahen einer alten Frau zu, die wahrsagte und dabei auf dem Boden sass bei der Kälte. Musikanten und Flaschenangeln usw. Wir probierten noch das Gewürzgetränk, welches wir zuerst für Tee hielten. Hatte einwenig den Geschmack von Punsch. Die Süssigkeiten die man dazu haben konnte, waren ebenfalls kräftig mit Gewürzen aromatisiert worden und sehr gewöhnungsbedürftig. Die Süssigkeiten erinnerten mich von der Konsistenz sehr an die Wurst, die der Hund schon nicht fressen wollte. Eine marokkanische Frau meinte, dass das Zeug gut gegen die Kälte sei. Uns war es definitiv zuviel Gewürz. Wir schlenderten noch etwas über den Platz und fuhren danach zurück zum Camping.
Die Nacht war wieder sehr kalt gewesen und die beiden Frankfurter hatten recht kalt gehabt in ihrem Zelt. Spontan luden wir sie zum Frühstück bei uns ein, damit sie sich vor ihrer Weiterfahrt noch etwas aufwärmen konnten. Bei Rührei mit Speck, meinte Kyrstin könne man nicht nein sagen und so sassen wir dann zu viert in Snoopy und haben gemütlich gefrühstückt.
Reto der Schweizer mit dem Puch wollte noch seine Fotos von der Kamera gesichert haben, woraufhin Charly den Notebook rausholte. Alle standen wir in der Runde und quatschten. Reto war irgendetwas am Motor kaputtgegangen und sorgenvoll wollte man ihm schon den ganzen Motor austauschen. Er zog es vor so in die Schweiz zu fahren, da ihm hier in Marokko so keiner wirklich helfen konnte. Die Frankfurter fuhren bald los und wir unterhielten uns noch mit Peter, der nun in seinem Wohnmobil lebt. Er erzählte von seiner schweren Krankheit und wie er das so handhabt. Charly ging es an diesem Tag nicht so besonders gut und er ruhte sich am Nachmittag etwas aus.
Gegen vier sind wir dann doch noch in die Stadt gefahren und haben uns die Koutoubyia näher angeschaut. Wir sind nochmals auf den Platz gegangen, wo wieder ein riesen Touristenspektakel ablief. Auf dem Weg zum Platz muss man an all die armen Pferde vorbeilaufen, die sich hier täglich ihr hartes Heu verdienen müssen. Ihre Beine sind schon krumm oder dick angelaufen, das Geschirr reibt das Fell weg, es ist ein Jammer das anzusehen. Den Touristen macht das aber scheinbar nichts aus. Weil wir auf dem Platz dauernd blöd angequatscht wurden, gingen wir in den Souk (Markt) und schlenderten durch die engen Gassen, bis mir die Füsse weh taten.
Auf dem Platz assen wir später feine Linsen- bzw. Bohnensuppe, als Vorspeisen nur von Einheimischen umringt und an einem anderen Stand frittierten Fisch mit Pommes. Lecker, aber viele, viele Gräten. Dieses Mal sind wir gut satt geworden. Bei den Touristenständen gestern war dies nicht so der Fall gewesen. Müde gingen wir bald darauf zurück zum Camping.
Wir sind aufgestanden und haben unsere Sachen gepackt, denn heute wollen wir weiter nach Agadir. Wir verabschieden uns von allen. Auch von Hans-Peter, der ebenfalls mit seinem Wohnmobil in Marokko seine Ferien verbracht hatte. Wir kannten ihn schon, da er unseren Aufbau in Siebnen ausgebeult und neu gestrichen hatte, nachdem die Schreierei Friedlos uns eine Beule reingefahren hatte. So klein ist die Welt! Charly fragte wieder nach einem Schweizer-Doppelstecker, doch leider konnte uns Hans-Peter auch nicht weiterhelfen.
Die Zeit wird schon etwas knapp, da wir uns ja am 12.01.05 mit den anderen in der Nähe von Laâyoune verabredet haben. Wir werden also ein paar Sehenswürdigkeiten streichen müssen, aber dass sehen wir als ein Grund nochmals nach Marokko zu fahren. Alles können wir uns sowieso nicht ansehen, sonst ist die Trockenzeit weiter unten schon wieder vorbei und auf nochmals einen Monat Marokko haben wir auch keine Lust. Es wird Zeit für ein neues Land.
Wir fahren zum Toyotahändler, da dieser uns am Samstag versprochen hat, dass er uns das Auto noch gratis schmiert am Montag. Eine viertel Stunde sollen wir warten. Die Druckluftleitung ist leider immer noch defekt und so muss der Mechaniker erst eine Handpumpe organisieren. Das dauert wieder fast eine Stunde und als er dann endlich kam, war die Pumpe leer, die musste dann erst gefüllt werden, auch der Strom war schon den ganzen Morgen weg, usw. usw. Schlussendlich haben wir wieder 1½ Stunden bei der Werkstatt verbracht. In Marokko ticken die Uhren halt etwas anders als bei uns in Europa. Das schöne ist, jeder hat Zeit für eine Unterhaltung und man wird gern mal kurz zu einem Tee eingeladen.
Nachdem endlich das Auto geschmiert war, hiess es für uns nur noch - jetzt aber nichts wie raus aus Marrakech. Leider zuerst prompt in die falsche Richtung, der Wegweiser war nicht so klar ausgerichtet. Kann öfters passieren in Marokko.
Die Strecke schlussendlich runter nach Agadir ist etwas langweilig von der Landschaft her, aber stressig von Verkehr. Viele überladene LKW’s und Eselskarren, welche den eiligen Verkehr aufhalten. Von Agadir aus sind wir 25 km nördlich gefahren, um auf den Camping Atlantic Parc zu fahren, welchen Hans-Peter uns empfohlen hatte. Dieser Campingplatz wurde erst Ende November eröffnet und alles ist noch wunderschön sauber und ordentlich. Er hat zudem einen unschlagbaren Vorteil, 3 Waschmaschinen! Die Wäsche ist so schnell gewaschen und da es hier nicht so kalt war, hofften wir, dass die Wäsche bis Mittag des folgenden Tages trocknet. Der Campingplatz war voll mit Rentnern die mit ihren Wohnmobilen hier länger unterwegs sind. Sogar aus Dänemark! Die Leute sind alle begeistert von den Sanitärenanlagen. Ich muss auch sagen, selten so einen sauberen Platz gesehen, auch nicht in der Schweiz. In ein paar Monaten ist das vielleicht schon wieder anders.
Leider hatte jemand vor uns in der Waschmaschine wohl eine Teppich oder gewaschen und folglich war unsere Wäsche voller roter Fuseln. Die hatten wir natürlich nicht gesehen am Abend als wir die Wäsche aufgehängt haben, da es ja bereits dunkel war. Schöne Überraschung! Den halben Morgen habe ich damit zugebracht die blöden Fuseln wieder zu entfernen. Charly hat aus dem Draht, den wir in Marrakech gekauft hatten, einen Schutz gebastelt für die Scheinwerfer. Noch einen Scheinwerfer wollen wir nicht riskieren. Duschen und Haare waschen ist echt nobel hier, dementsprechend haben wir es auch sehr genossen und uns ausgiebig gepflegt.
Entsprechend spät sind wir dann auch erst losgefahren, gegen 15 Uhr. Wir wollten unbedingt noch ein Stück südlich fahren, da die Strecke erstens noch recht lang ist und wir zweitens unbedingt auf den Campingplatz von Fort Bou Jerif wollten. Dort sollen sich die Wüstenfahrer treffen und es sei auch gut zum Info austauschen, hiess es im Reiseführer. Der Atlantik lag glitzernd auf der linken Seite und sanfte Wellen rollten zum Strand. Spontan wäre ich gern noch etwas hier geblieben, aber da wir ja eine Verabredung hatten am 12.01. mit den anderen, lag dies leider nicht mehr drin. Agadir machte auf uns einen sauberen, ordentlichen und teuren Eindruck. Alles, nur nicht marokkanisch. Sheraton und ClubMed sind eben überall identisch. Zum Abspannen und friedlich Ferien machen sicher nicht schlecht. Es dauerte eine ganze Weile bis wir endlich aus der Umgebung von Agadir raus kamen, da es hier viel Verkehr hatte. Merjana Supermarkt haben wir auch getroffen auf unserem Weg, doch wir hatten unsere Vorräte schon in Marrakech aufgefüllt und ausserdem ist es immer recht teuer dort, da fast alles Importware ist.
Die Strecke war nicht besonders interessant nach Guelmim, nur der Pass bot etwas Abwechslung, aber dafür konnten wir recht zügig fahren. Es gab unterwegs die eine oder andere Polizeikontrolle, welche uns aber immer freundlich durchgewunken hat. Als wir endlich in Guelmim angekommen waren, war es bereits schon wieder dunkel. Wir suchten den Weg zum Fort Bou Jerif. Zuerst fuhren wir in Richtung Tan-Tan und Sidi Ifni. Immer alles schön gerade aus, wie es angezeigt war. Gemäss Strassenkarte von Reise-Know-How World Mapping Project soll die Piste nach Bou Jerif separat kurz nach der Abzweigung nach Sidi Ifni abgehen. Gemäss Därr Reiseführer muss man aber zuerst auf die Piste nach Sidi Ifni fahren und später abbiegen, was sich später auch als richtig herausstellte. Nun wir übersahen den minimalistischen Wegweiser nach Sidi Ifni, welcher nach links wies und fuhren prompt falsch. Schön gerade aus. Nöö, die Richtung hier kann nicht stimmen, denn unser GPS zeigte uns an, dass wir hier nicht Richtig sind. Ich fragte einen Händler, der sein Geschäft noch offen hatte. Der wusste zwar auch nicht so genau wie wir zu Fort Bou Jerif kämen, aber er wusste dass wir hier falsch waren und bot uns an, bei seinem Laden zu parkieren und zu übernachten. Echt nett! Doch wir wollten ja zu den Wüstenfahrern wegen dem Infoaustausch, also haben wir umgedreht.
Auf der Weg zurück zum Stadtzentrum von Guelmim rannten uns wieder die Kinder nach, wie so oft in Marokko. Sie fordern immer einen Schreiber, einen Bonbon oder gerne auch einen Dirham (Geld). Wir waren mit unserem Weg beschäftigt und suchten nach dem nächsten Hinweisschild nach Sidi Ifni. Als wir plötzlich DONG DONG DONG hörten. Uns war gleich klar was passiert war. Die Kinder haben mit grossen Steinen nach uns geworfen und leider auch getroffen. Charly hielt sofort an und rannte den Kindern hinterher.
Er hat sich einen gemerkt und ist diesem nachgerannt. Der Bub rannte in eine Seitenstrasse, hinter dem letzte Haus der Seitenstrasse floh dieser dann in eine Baustelle. Charly immer hinterher! Die Verfolgung war da sehr schwierig, der Ort war stockdunkel und voller Bauschutt. Charly beschloss die Verfolgung hier abzubrechen und ging die nächste Seitenstrasse rein, in der Hoffnung dort einen der Übeltäter zu erwischen. Und siehe da, einer war da, welcher dann auch gleich flüchtete, sobald er Charly erkannte. Charly wieder hinterher, von einer Seitenstrasse in die andere. Der ca. 14-jährige schrie schon Mami Mami, da Charly nur noch ca. 1 Meter hinter ihm war. Scheinbar rannte er nach Hause. Charly sah wie eine Frau ins Haus rannte und die Tür hinter sich schloss. Der Junge wollte auch ins Haus, aber seine Mutter liess ihn nicht rein. Charly war erstaunt, er hatte eher damit gerechnet, dass die Mutter ihren Sohn in Sicherheit bringt.
Nach einem kurzen Schock rannte der Bub ums Haus herum. Während Charly weiterhin hinter dem Übeltäter herrannte und stolperte plötzlich über einen Stein, welcher sich in seinen Sandalen verfing. Sturzflug im Dunkeln! Gott sei Dank konnte er sich noch im Fluge zur Seite drehen und so das schlimmste verhindern. Er schürfte sich ganz böse den rechten Unterarm und auch das rechte Knie auf. Die Jeans war am Knie zerfetzt und Blut rann aus den Wunden. Der Flüchtling war natürlich danach verschwunden. Plötzlich standen ihm ca. 8 Teenager gegenüber, welche sich stark füllten. Einer hat Charly angerempelt, worauf Charly diesen am Kragen packte und auf die Seite warf. Danach traute sich keiner mehr Rambo Charly in die Quere zu kommen. Charly war so sauer, dass er sonst einem tatsächlich noch weh getan hätte. Die Meute blieb zurück und Charly ging zum Auto, wo ich auf ihn wartete. Einer muss ja beim Auto bleiben, damit wir nicht den Verlust des Autos oder weitere Beschädigungen riskieren wollten.
Immer noch geladen fuhr Charly tapfer in Richtung Sidi Ifni bzw. Fort Bou Jerif, nachdem wir kurz nach dem Intermezzo endlich den richtigen Weg gefunden hatten. Der Weg war geteert und gemäss Därr Reiseführer, muss man nach ca. 12 km links abbiegen, prompt landeten wir wieder an einem falschen Ort. Wir fragten einen jungen Mann nach dem Weg, welcher uns mitteilte, dass wir zur Teerstrasse zurück und dort links weiterfahren müssten. Kaum war seine Information fertig, da wollte er auch schon Geld für seine Auskunft. Jetzt reicht es aber! Ein ganz entschiedenes NEIN!!! Reichte um ihn verstummen zu lassen. Wir trauten der Sache nicht so und fragten kurz darauf nochmals einen älteren Mann, welcher uns die gleiche Information gab, diesmal aber ohne Geldforderung. Die Kinder und jungen Männer von Marokko sind sehr geldgierig und wollen immer für alles oder auch für nichts Geld haben. Echt ätzend auf die Dauer! Dieses Phänomen ist entstanden, weil die doofen Touristen früher den Kindern immer Bonbons, Geld und sonstiges planlos bzw. gedankenlos ohne Gegenleistung schenkten. Die Folge ist, dass die immer wenn sie einen Touristen sehen, diesen mit einer Bank gleichsetzen, welche massig Dirham spendieren.
Bitte liebe Leute unterlasst das Verschenken von Geld oder Gegenständen (Bonbons, Stylo/Stifte) an Kinder ohne Gegenleistung denn genau damit provoziert man den Steinhagel, wenn sie mal nichts bekommen und wer kann schon immer massenweise Geld verschenken?
Wir kamen schliesslich im Fort Bou Jerif an. Müde und entnervt wie wir waren, hatten wir keine Lust mehr zum Kochen. Es gab ein Restaurant und so entschlossen wir uns, nachdem ich Charly Wunden versorgt hatte, dort etwas zu essen. Der Appetit verging uns aber als wir die Preise sahen, 90 Dirham für einen Spiess mit Gemüse. Das war der teuerste Spiess von Marokko! Müde bestellten wir ein Omelett ohne Salat und ein Bier. Das Restaurant war einfach aber gepflegt. Die Besitzer sind Franzosen, die wir aber dort nicht angetroffen haben. Vor dem Schlafen verband ich noch Charly Wunden. Müde und lädiert gingen wir schlafen.
Charly hatte eine unruhige Nacht, da ihm natürlich seine Schürfwunden ordentlich weh taten. Folglich haben wir beide nicht gut geschlafen. Am Morgen sahen wir uns dann die ganze Bescherung nochmals genauer an. Eine kleine Delle an der Fahrertür, eine kleine Delle oben am Rahmen der Kabine und eine grosse spitze Beule oberhalb der Stauklappe, wo der Kompressor drin ist, also an der Wohnkabine. Toll alles getroffen. Wir trafen auf dem Campingplatz keinen einzigen Wüstenfahrer. Es gab zwei, drei Wohnmobile und einen ausgebauten Mercedes Bus, welcher einem Schweizer gehörte. Dieser kam dann auch bald darauf rüber zu uns und wir erzählten was uns passiert ist. Ah, dass sei früher noch viel schlimmer gewesen, meinte er. Wir unterhielten uns noch eine Weile, da auch er immer auf die Voodoo-Treffs in Ins geht und so hatten ein paar gemeinsame Bekannte.
Schnell war zusammengepackt, da wir keine Lust auf Frühstück hatten. Der nächste Schock kam mit der Rechnung. Das Bier 2.50 Euro und bei dem Omelett wollte er uns auch bescheissen. Da hat er doch ausversehen (klar) den Salat doch verrechnet und dann mussten wir noch 10 Dirham MWST zahlen. Hallo! In ganz Marokko gab es das nicht, aber bei den Frenschis - da wird man abgezockt. Ich war sauer, weil ich mir ziemlich verarscht vorkam. Klar geht es hier nicht um viel Geld, aber aus Prinzip fand ich, dass war ein riesige Verarscherei.
Wir fuhren zurück nach Guelmim. Dort fuhren wir zuerst an den Platz, wo wir den Zwischenfall mit den Steinewerfern am Abend zuvor hatten. Charly hoffte, es würde einer wegrennen, denn mit unserem erneuten Auftauchen würden sie sicher nicht rechnen, dachten wir. Nun es lief keiner weg. Charly lief nochmals die Strecke ab und kam zurück zum Auto. Leider hatte ich dort ziemlich mühe, da sich die Buben einen Spass daraus machten mich zu ärgern. Echt mühsam. Den frechsten haben wir dann durch eine erneute Verfolgungsjagd etwas Angst eingejagt. Unser neustes Hobby heisst: Children chasing = freche Kinder jagen.
An der Kreuzung trafen wir auf eine Verkehrspolizisten und wir erzählten ihm unser Leid. Dieser rief unverzüglich die Sicherheitspolizei mit seinem Alcatel-Handy. Hallo Alcatel lässt grüssen! Die Polizei kam dann auch innert kürzerster Zeit. Wir zeigten ihnen, wo es passiert war und dann fuhren wir zum nächsten Polizeiposten. Dort war wieder ein anderer Mann zuständig, der unser Protokoll aufnehmen sollte. Nur ist das hier nicht so einfach! Erst meinte er, wir sollen um 15 Uhr wiederkommen. Ich teilte ihm mit, dass wir noch ziemlich weit fahren müssen, da wir einen Termin hätten. Da kam die ganze Prozedur mit zuerst auf arabisch und Übersetzer und und und minimum 1½ Stunden müssen wir rechnen. Nöö, darauf hatten wir nun wirklich keine Lust, ausserdem reichten uns die 15 Minuten bei der Toyota-Garage die dann in 2½ Stunden ausarteten. Da konnten wir uns leicht ausrechnen, dass wir hier vor Abend nicht wegkommen würden.
Also bliesen die ganze Sache ab, wobei der Polizist echt unglücklich war, da er uns wirklich helfen wollte. Er würde auch seinen Vorgesetzten anrufen und man könnte doch vielleicht eine andere Lösung finden, die uns dann besser passen würden. Wir könnten ja auf dem Rückweg usw. usw. Wir wurden seine Hilfsbereitschaft fast nicht mehr los. Schliesslich überzeugten wir ihn, dass wir davon Abstand nehmen und legten ihm nochmals ans Herz, dass sie die bösen Buben unter Kontrolle bringen sollen. Wir fragten nach dem Weg nach Tan-Tan und schickte gleich einen Polizisten mit dem Roller voraus, welchem wir nur zu folgen brauchten. Wieder fuhren wir durch die Strecke, wo die Steine geworfen worden waren. Es war also keine abgelegene Seitenstrasse, sondern eine Durchgangsstrasse, eine kleine marokkanische mit Eselskarren und so. Nun wir fanden unseren Weg und fuhren die langweilige Strecke nach Tan-Tan.
Dort tankten wir ein wenig, da unser Tank fast leer war. Wir wussten, dass der Diesel in Western Sahara wesentlich günstiger sein muss und tankten deshalb nicht zu viel. Noch kurz ein Brot und schwupp, schon waren wir wieder auf der Strecke. Die Strecke bis Daoura war mehrheitlich langweilig, alles war flach und geradeaus. Ein kurzes Stück sah man ein paar schöne Sanddünen, welche teilweise ganz schön hoch waren. Ab und zu fuhren wir auch in Nähe des Meeres und konnten ein paar Schiffsfracks ausmachen. Ein paar wilde Camper haben wir auch gesehen an einer schönen Bucht. Ab Tan-Tan gab es vermehrt Polizeikontrollen und nun wird man nicht mehr durchgewunken, sondern musste seine Nationalität und den Beruf bekanntgeben. Danach konnte man weiterfahren. Nur einer wollte den Pass sehen und fragte, ob wir kurz nach Tan-Tan nicht unsere Personalien bekanntgegeben hätten? Unsere Antwort: Nein, da war niemand. - Okay, wir können weiterfahren, hiess es.
Kurz vor 18 Uhr kamen wir endlich auf den Campingplatz Le Roi des Beduines an. Eine kurze Rüttelpiste führte uns in die Wüste und wir fanden den Platz der Belgier. Dort waren auch schon alle versammelt. Daniel & Nina, Robert & Stefanie, Matthias, Swantje & Arthur. Sie hatten vorher auch wild campiert am Strand bei den Schiffsfracks und Daniel hatte sich mit seinem Magirus Deutz eingegraben. Bei der Bergungsaktion riss das Seil der Seilwinde und er musste die Seilwinde reparieren. Nach dem Hallo haben wir Abendessen gekocht, wobei Gil auf uns zu kam. Er hätte im Internet eine gute Beschreibung von November 2004 gefunden, für die Durchquerung von Mauretanien auf der neuen Teerstrecke. Er wolle aber nicht stören und käme später wieder.
Nach unserem Tajine machten wir gleich den Abwasch und schon stand Gil wieder vor der Tür. Wir baten ihn herein und wir unterhielten uns mit ihm. Er ist ein israelischer Niederländer und ist mit einem rostigen Landcruiser auf dem Weg nach Ghana. Wir erzählten ihm von unserem Vorhaben und schon war er Feuer und Flamme und meinte er würde eigentlich auch gerne nach Südafrika fahren. Erhätte nur nicht gewusst, dass man an der Westküste nun runterfahren kann. Speziell Angola machte im Angst, da sein Bruder bei der UN ist und dort scheinbar auch Minen aufgespürt hat. Er erzählte noch ein paar Geschichten von seinem Bruder und liess uns die Beschreibung für Mauretanien da.
Charly kam dann auf die Idee, statt die ganze Info abzuschreiben einfach mit der Digitalkamera zu fotografieren und siehe da, man kann die Infos gut lesen. Müde gingen wir wieder mal spät schlafen. Die ganze Nacht hörten wir das Gesurre des Windgenerators.
Da klar war, dass wir diesen Tag nicht weiterfahren, sind wir spät aufgestanden und haben gemütlich gefrühstückt. Wir verabschiedeten uns von Gil und seiner Freundin, die heute abfuhren, da sie Ärger mit dem Campingplatzbesitzer bekommen hatten. Sie hatten zwei Hunde und einer ihrer Hunde hatte sich in der Nacht in die Küche geschlichen und dort die Vorräte aufgefressen. Uupps!
Der Campingplatz Les Beduines hat nur eine Salzwasserquelle und das Wasser für den Abwasch war recht salzig und man musste sich mit abtrocknen beeilen, da sonst eine weisse Schicht auf dem Geschirr blieb. Zum Zähneputzen ging es gerade noch, aber duschen war ähnlich wie im Meer zu baden sprich klebrig. Matthias, Robert und Stefanie wollten nach Laâyoune fahren, um ein Internet Café zu finden und einzukaufen. Kurzentschlossen fuhren wir mit, also alle Mann (Frau) rein in den Renault Kangoo. Hinten sassen wir - Charly, Stefanie und ich - zu dritt auf der Schlafmatratze von Matthias, vorne sassen Robert und natürlich Matthias, dem der Kangoo gehörte.
Auf dem Weg zur Stadt mussten wir zwei Polizeikontrollen passieren und Stefanie hatte es leider versäumt hatte ihren Pass mitzunehmen. Mucksmäuschenstill verhielten wir uns hinten und der Beamte konnte uns Gott sei Dank nicht sehen, da der Kangoo hinten keine Fenster hatte. Stefanie wurde immer kleiner, besonders nachdem Matthias auch noch aussteigen und die Pässe mitnehmen musste. Wir hatten Schwein und konnten beide Kontrollen passieren. Lustige war, dass Matthias immer bei der Frage was er beruflich mache, angab er sein Chauffeur. Was denn Robert mache Matthias auch Chauffeur. Bei ihm sind immer alle Chauffeure, dass sei einfach und jeder könne sich da etwas drunter vorstellen, meinte er. Besonders lachen musste ich, als er den Beamten, die eh keinen Stress kennen, auch noch einen ruhige Arbeit wünschte.
In Laâyoune fanden wir uns schnell zurecht, da die Stadt nicht sehr gross ist und einen modernen Stadtteil hat. Schnell war ein Internet Café gefunden, wo Charly und ich endlich mal alle Mails lesen konnten. Viele Werbemails gab es zu löschen. Wir freuten uns über die Mails von zu Hause und es gab einige zu lesen. Die Stunde kostete nur 0,50 Eurocent und die Verbindung war sehr gut und schnell. Danach gingen wir im einzigen Supermarkt von Laâyoune einkaufen, bei uns wäre dieser eher als Tante-Emma-Laden bezeichnet worden. Wir konnten aber alle wichtigen Dinge kaufen und erkundigten uns noch nach Bier. Leider gib es in ganz Laâyoune keinen Alkohol zu kaufen, ausser im Hotel, aber da ist dieser natürlich sehr teuer. Wir erkundeten uns noch was der Diesel kostet und fanden heraus, dass der Diesel hier am günstigsten ist in ganz Western Sahara. Der Liter kostet hier nur 2,91 Dirham, das sind 0,291 Eurocent.
Zufrieden fuhren wir wieder zurück zum Camping und mussten dabei natürlich auch wieder die Polizeikontrollen passieren. Stefanie wurde wieder immer kleiner und wir verhielten uns sehr still im Auto. Wieder konnten wir ohne Probleme passieren.
Da beim Benzinkocher der Tank leer war, hat Charly diesen aufgefüllt. Als er den Verschluss vom Tank des Kochers nehmen wollte, fiel dieser über zwei Stufen der Treppe von Snoopy exakt in den Benzinkanister. Hätte man gezielt geworfen, hätte das sicher nie geklappt. Nun hatten wir das Problem, wie kriegen wir den Verschluss wieder aus dem Kanister ohne Benzin zu vergeuden? Der Tank war magnetisch, also hofften wir, dass der Verschluss ebenfalls magnetisch ist. Charly holte aus der Werkzeugkiste den Magnetstab und fischte damit im Tank herum. Leider ohne Erfolg!
In diesem Moment kamen auch Harald und Ursula von ihrem Stadtausflug zurück. Obwohl sie mit einem normalen Wohnmobil unterwegs sind, kochen sie ebenfalls draussen mit einem Coleman Kocher wie wir. Charly testete, ob der Deckel magnetisch ist bei ihrem Kocher. Leider ist dieser aus Messing und somit nicht magnetisch. Guter Rat ist nun teuer. Harald offeriert uns seinen 5 Liter Kanister zum umfüllen zu benützen und so konnten wir das Benzin in den Kanister umfüllen und unseren Deckel aus unserem Kanister fischen.
Bei dieser Aktion kamen wir mit unseren Nachbarn ins Gespräch und sie erzählten, dass sie letztes Jahr in Mauretanien waren mit ihrem Wohnmobil und die Möchtegernführer an den Grenze die im „Durch Afrika“ angegebenen GPS Wegpunkte, wie zum Beispiel ein ausgebrannter VW-Bus, mit Zelten oder Autos versperrt hatten und sie dadurch einen teuren Führer nehmen mussten. In Nouakchott, der Hauptstadt von Mauretanien konnten sie kein Geld abheben mit der Kreditkarte und mussten so das Land wieder schnell verlassen, da sie kein Geld mehr hatten. Also immer genügend Euros mitnehmen, cash kann man immer wechseln.
Charly gefiel ihr Backofen und das Gestell von Coleman und meinte, so was müssen wir in Südafrika auch kaufen. Später assen wir das restliche Tajine auf und setzten uns danach zu den anderen ans Lagerfeuer. Am Tag ist es zwar sehr warm, aber am Abend wird es doch recht kühl und ein Lagerfeuer ist doch was herrliches und nebenbei auch noch romantisch. Abschied von Matthias, der morgen ziemlich früh zurück nach Deutschland fahren will.
Um 8 Uhr stehen wir auf und Matthias ist tatsächlich schon weg. Er sei kurz vor Sonnenaufgang gefahren. Mit dem Fernglas konnten wir zwei Kauze auf dem kleinen Felsvorsprung ausmachen.
Da jeder sein eigenes Programm hatte, bezüglich tanken, Wasservorräte auffüllen usw. und keiner unnötig lange warten sollte, hatten wir uns entschlossen getrennt loszufahren. Wir sind wieder mal die letzten die abgefahren sind, da wir uns noch mit Harald und Ursula unterhalten haben. Unsere Tanks sind aber auch nicht so gross, wie die von den LKWs und so werden wir auch nicht so viel Zeit zum Tanken brauchen. Wir fuhren los und tankten unsere Wasservorräte auf bei einer Quelle, die gleich beim Polizeiposten ist. Danach fuhren wir weiter in Richtung Laâyoune.
An der ersten Tankstelle sahen wir dann auch Daniel und Nina, wie sie ihre vielen Tanks füllten. Der Deutz schien ein getarnter Tanklaster zu sein. Überall gab es Kanister und Tanks zu befüllen. Wir hatten schon lange unsere Reservetanks gefüllt, da waren sie immer noch dran. Wir beschlossen zu warten, da wir es nicht eilig hatten. Es gab ein kleines Hundebaby, mit welchem wir etwas spielten. Plötzlich kam ein anderer LKW angefahren, der hatte auf der Ladefläche lauter Kamele geladen. Das mussten wir natürlich fotografieren. Als Nina und Daniel zahlen wollten, fielen sie aus allen Wolken, als man ihnen erklärte, dass sie nur Bargeld nehmen und keine Kreditkarten akzeptieren. Was tun?
Wir fuhren mit Nina in die Stadt und mussten dabei natürlich wieder ein Kontrolle passieren. Das gleiche Ritual wie gestern, Pass geben, Frage woher und wohin, Beruf, etc. In der Stadt konnte Nina bei der Bank Populaire Geld abheben mit ihrer Kreditkarte. Vorgängig hatte sie es bei dem BMCE Bank versucht, wo wieder mal der Automat nicht funktionierte. Gleich sind wir wieder zurückgefahren, wieder die Kontrolle passiert und zur Tankstelle gefahren. Danach hiess es wieder durch die Kontrolle fahren, der Beamte lachte schon, da er bemerkt hatte, dass Nina nun im anderen Fahrzeug sass und meinte augenzwinkernd „You changed, ehh?“ Er meinte zu seinem Kollegen, der uns kontrollieren wollte, dass wir seine Freunde seien und passieren können.
Zusammen fuhren wir zum Internet Café, wo Charly und Nina auf den Website www.gps-database.ch einen Bericht über die neue Teerstrasse von Nouadhibou nach Nouakchott ausdruckten. Danach fuhren wir zum Supermarkt und kauften noch etwas Brot ein. Eigentlich wollten wir noch eine wiederbeschreibbare DVD kaufen, leider hatte der Laden der angeblich solches haben sollte, geschlossen. Es war 10 Minuten nach 3 und eigentlich sollte der Laden um 3 Uhr aufmachen, dass muss man aber hier nicht so wörtlich nehmen.
Also fuhren wir aus der Stadt raus. Daniel hatte gehört, dass die UN hier einen Schrottplatz hat, wo man Teile kaufen kann. Da waren auch wir interessiert und fuhren mit. Gleich nach der Stadt auf den linken Seite fanden wir den Schrottplatz. Wir sahen jede Menge Nissan Patrols, die so schlecht nicht aussahen und sicher noch lange im normalen Strassenverkehr von Afrika gebraucht werden könnten, aber die UN hat anscheinend zu viel Geld und verschrottet noch verwertbare Autos lieber, anstatt sie diese verkaufen würden oder noch weiter im Einsatz hätte.
Wir fuhren weiter in Richtung Boujdour. Die Strecke war wieder sehr flach und langweilig. In Boujdour hielten wir an, da wir noch Gemüse kaufen wollten. Nina und ich gingen zu Fuss, da man mit dem LKW nicht überall parkieren kann. Drei freundliche Polizisten gaben uns Auskunft, wo wir Gemüse kaufen könnten. Wir fanden den kleinen Gemüseladen auch bald darauf und konnte unsere Vorräte an Vitaminen aufstocken. Es wurde schon dunkel und so beeilten wir uns zu den Auto zurückzukommen. Daniel und Charly warteten dort schon auf uns und hatten sich in der Zwischenzeit einen Spass daraus gemacht die Leute zu verwirren.
Wie üblich in Marokko wird man kaum das man angehalten hat auch schon angequatscht: „Woher man käme, usw.“. Daniel und Charly haben sich nur angeschaut und sich ein Kauderwelsch erfunden, wie: Svenska Brurudo wrschka eroschliwa etc. und mit den Achseln gezuckt. Da die Marokkaner dies nicht zuordnen konnten, verschwanden sie bald wieder. Sobald diese nämlich deutsch oder englisch hören, wollen sie immer gleich was verkaufen und auf diese Art Gespräch hatten Charly und Daniel keine Lust.
Spät und als letzte kamen wir am verabredeten Treffpunkt an. Diesen hatten wir aus dem Durch Afrika Buch, welcher ca. 10 km nach Boujdour runter zum Strand ging (N 25° 58 150’ W14° 30 100’). Die anderen waren schon länger dort und hatten ihren ersten Strandspaziergang bereits hinter sich. Stefanie hatte dabei Seegurken und viele Muscheln entdeckt.
Es war sehr windig und kühl, weswegen wir uns zu einem Lagerfeuer entschlossen. Da kam mir die Idee statt auf dem Kocher die Kartoffeln zu kochen, diese mit Alufolie zu umwickeln und ins Feuer zu legen. Wir waren bald nicht mehr allein mit unseren Kartoffeln und Zwiebeln, welche wir mit unserem La-vache-qui-rit-Käse genussvoll verschlangen. Da der Wind uns allen doch ziemlich zusetzte wurde das Lagerfeuer bald danach gelöscht und wir gingen alle schlafen.
Gleich nach dem Aufstehen gingen wir zum Strand. Es gab zwei Schiffwracks und im Morgenlicht waren diese natürlich toll belichtet. Wir liefen über die kleinen Dünen zurück zum Auto und holten unsere Kameras. Stefanie trafen wir auch bald darauf bei einem Strandspaziergang. Auf unserem Weg zurück zum Auto kam uns Nina entgegen, auch sie wollte noch den Strand erkunden. Wir packten unsere Sachen und es waren alle abfahrbereit nur Nina und Daniel fehlten. Wir warteten und warteten. Arthur entschloss sich mit seinem IFA L60 den Strand runter zu fahren und die beiden zu suchen. Er donnerte über den festen Strand und fand die beiden auch bald darauf. Friedlich kamen sie zu uns zurück und wir konnten endlich mit einer Stunde Verspätung weiterfahren.
Wir hielten am Nachmittag an um eine kurze Mittagspause einzulegen. Wir assen unseren Gemüsekebab und entdeckten danach jede Menge versteinerte Schneckenhäuschen. Wir liefen zur Klippe und konnten das Meer sehen. Die Landschaft war wieder öde und langweilig. Wir schafften knapp die Strecke die wir uns vorgenommen hatten. Wir wollten eigentlich bis kurz nach Dakhla fahren, aber da es schon eindunkelte, haben wir uns entschlossen kein Risiko einzugehen und fuhren mit den letzten Sonnenstrahlen in eine Kiesgrube. Sicher hätten wir weiter zum Strand fahren können, doch der VW-Bus von Stefanie und Robert hat wenig Bodenfreiheit und ist auch sonst nicht geländegängig und so beschlossen wir die Nacht mitten im Nirgendwo zu verbringen. Trotzdem wir recht nahe der Strasse übernachten mussten, haben wir ein Lagerfeuer gemacht. Gemütlich assen wir unsere Hörnli mit Tomatensosse und Charly rauchte danach noch seine Pfeife. Während der Nacht war es sehr ruhig, den der Verkehr auf dieser Strecke ist sehr gering.
Gleich nach dem Frühstück, trockenes marokkanisches Brot mit Konfi und Honig und mit heissem Kaffee, fuhren wir los, natürlich wieder später als am Vorabend abgemacht, aber in Afrika ist Zeit sowieso nicht wichtig.
Kaum sind wir losgefahren, kamen wir auch schon in eine weitere Kontrolle. Daniel und Nina, Stefanie und Robert hatten bereits Kopien von ihren Pässen gemacht und gaben diese ab. Wir hatten keine und auch Arthur und Swantje hatten keine Kopien. Worauf der Beamte meinte wir können weiterfahren, da er zu faul war alles aus unseren Pässen abzuschreiben. Manchmal ist es doch ganz gut, nicht alles gleich vereinfacht zu haben. Zur Verwunderung der anderen fuhren wir weiter, während sie noch warten mussten.
Wir warteten aber wenig später auf sie. Während wir warteten habe ich kleine Blumen mit Tautropfen gefunden. Etwas später entdeckten wir eine schöne Bucht mit Sanddünen und die anderen konnten mit den Ferngläsern Vögel ausmachen. Wir fuhren auf das Plateau und liefen in das Tal hinunter. Es ging über eine Düne zum Strand, wo es sehr weich war und man konnte leider nicht bis zum Wasser laufen. Charly hatte die falschen Schuhe an und wollte lieber auf die Autos aufpassen. Die Landschaft war sehr imposant und ich machte einige Filmaufnahmen. Daniel hatte am Strand eine Krabbe ausgemacht und diese ausgegraben. Mit Drohgebärden kam sie aus ihrem Loch und wurde von uns gefilmt und fotografiert. Sie fand dies aber nicht so lustig und so machten wir eine Vertiefung im Sand, damit sie sich wieder vor den Vögeln verstecken konnte.
Mühselig war das zurücklaufen, ging es doch ziemlich steil hinauf auf weichem Untergrund, d.h. zwei Schritte vorwärts und einen rutscht man zurück. Keuchend und mit rotem Kopf kam ich oben wieder an. Charly meinte es sei gut gewesen, dass er dort geblieben sei, denn es waren ein paar komische Franzosen da gewesen. Es gibt in dieser Region natürlich jede Menge Autoschieber und so hatte er sicher nicht unrecht mit seinem Argwohn. Bald darauf fuhren wir weiter durch die flache Landschaft, nur der Blick auf’s Meer bot etwas Abwechslung in der eintönigen Landschaft. Arthur braucht immer eine Mittagspause und muss etwas essen, vielleicht weil er so schlank ist. Also hielten wir am Strassenrand und machten wieder einen Gemüsekebab, d.h. das runde Brot wird wie Pitabrot aufgeschnitten und Gurken, Tomaten, Zwiebeln, etwas Mayo wird reingestopft. Ohne Gemüse ist das Brot recht trocken.
Bei dieser Mittagspause haben wir uns wieder die Umgebung etwas näher angeschaut und konnten dabei jede Menge versteinerte Muscheln im Plateau entdecken. Das Plateau war stellenweise schon runtergebrochen und wir konnten uns die verschiedenen Lagen der Versteinerungen genauer betrachten. Es gab teilweise sehr grosse versteinerte Muscheln. Ein Fossiliensammler wäre hier voll auf seine Kosten gekommen. Leider hatten wir keinen Meisel dabei, aber da hier Muschel an Muschel versteinert war, wäre es ohnehin schwierig gewesen eine einzige auszulesen. Ein Einheimischer kam, der offensichtlich hier im Zelt wohnte und fragte, ob wir hier nach Fossilien suchen. Wir erklärten ihm, dass wir uns hier nur umsehen und bald wieder weiterfahren werden. Was wir auch bald darauf taten. Nina und Daniel ärgern sich später, weil sie leider ihre Tassen hier vergessen haben, die sie hier abgestellt hatten.
Wir fuhren gemeinsam bis etwa 70 km vor der mauretanischen Grenze und suchten uns eine Piste, welche zum Strand führt. Leider wurde die Piste sehr weichsandig worauf wir eigentlich beschlossen nicht bis zum Strand zu fahren, weil der VW-Bus diese Passage nie würde schaffen können. Daniel beschloss dennoch bis zum Strand zu fahren. Leider schaltete er im falschen Moment, weil der Motor zu sehr dröhnte. Prompt blieb er mit seinem Magirus Deutz hängen. Schaufeln in den Abendstunden war angesagt. Daniel lies Luft aus den Reifen, da dann die Auflagefläche grösser ist. Leider liess er zuviel Luft aus den Reifen, wobei beide Vorderreifen wegknickten beim Anfahren auf den Sandblechen. Diese hatten wir noch darunter geschoben, da die Sandpassage sehr weichsandig war und erst noch etwas bergauf ging. Also hiess es, das Auto aufbocken und damit der Knick rausging und wieder Luft in den Reifen gepumpt werden kann. Alle haben mit angepackt, die einen haben geschaufelt bis die Sandbleche drunter passten, die anderen platzierten die Bleche, andere leuchteten damit man in der Dunkelheit auch was sah und Daniel platzierte die Wagenheber. Leider war das Gewicht vom LKW sehr hoch und sein massives Holzbrett brach entzwei, welches er zur Auflage für den Wagenheben benutzte. Gott sei Dank hatte er noch Hartholzplatten, welche er nur rauskramen musste. Die Aktion war spannend und sehr schweisstreibend, aber schliesslich schafften wir es den LKW wieder flott zu kriegen und sie konnten im niedrigen Gang mit Hilfe der Sandbleche aus der Sandpassage befreien und zum Strand fahren. Dort wo der Deutz steckengeblieben war, klafften grosse Löcher im Sand. Arthur wollte es dann auch wissen und fuhr mit gutem Tempo an einer anderen Stelle problemlos zum Strand. Die beiden LKWs blieben am Strand stehen, während wir beim VW-Bus blieben. Wir wollten die beiden Sachsen Stefanie und Robert nicht nachts allein lassen.
Daniel kam dann noch und fragte nach ob das für uns so in Ordnung sei oder ob wir sauer seien, weil wir nicht zu ihnen ans Lagerfeuer kamen. Da es aber aussichtslos war, dass der VW-Bus zum Strand fahren konnte und wir die Autos nicht allein im Dunkeln stehen lassen wollten, konnten wir nicht zu den anderen gehen. Toll fanden wir die Situation nicht, wenn man zusammen fährt sollte immer auf das schwächste Fahrzeug Rücksicht genommen werden. Wir machten es zu viert gemütlich und brieten das trockene Fladenbrot über dem Feuer. Wir hatten noch einen Rest Kirsch und wir bereiteten für uns vier einen Kirsch-Cola. Die VW-ler hatten auch noch eine Flasche Wein und machten wir es uns an unserem Lagerfeuer ebenfalls gemütlich.
Plötzlich raste an uns ein Unimog in der Dunkelheit vorbei. Päng voll in das frisch geschaufelte Loch von unserer Ausgrabaktion des Magirus Deutzes. Der hat es aber eilig meinten wir und dachten, es handelt sich um einen spinnigen Touri. Der blieb kurz am Strand und kam dann wieder und wir dachten der sucht ein einsames Plätzchen für sich. Doch plötzlich hielt dieser vor uns an und drei Männer sprangen aus dem Auto und kamen auf uns zu. Beunruhigt sahen wir der Situation zu. Die Männer erwiesen sich als Sicherheitsbeamte und sie fragten uns, ob alles in Ordnung ist oder ob es Probleme gäbe, dabei wurden freundlich die Hände geschüttelt. Wir müssten uns keine Sorgen machen, sie passen schon auf uns auf, meinten sie kurz darauf und fuhren wieder im Affentempo von dannen. Wahrscheinlich wollten sie nebenbei eine Flasche Whisky abstauben. Sorry, schon alles selber gesoffen.
Neben uns lag der Plastiksack mit dem Brot und Stefanie bemerkte, dass da sich was bewegt hatte. Mit der Taschenlampe wurde der Sack näher inspiziert und bald flüchte der Übeltäter, eine hellbraune Wüstenmaus. Jöööhhh, wie herzig. Kurz darauf verfütterten wir den Rest des trockenen Brotes an die Wüstenmäuse. Wir beobachten, wie sich die scheuen Tiere über die grossen Brotbrocken hermachten. Bildlich malten wir uns aus wie sie zu zweit das halbe Baguette schulterten und dieses forttrugen. Gegen Mitternacht gingen wir schlafen.
Wir sind aufgestanden und ohne Frühstück wagten wir die weichsandige Passage zum Strand. Problemlos kamen wir an. Wir hatten schon alles gepackt und die Devisen versteckt, welche wir nicht deklarieren wollten an der mauretanischen Grenze. Zu unserer Verwunderung sassen Dani und Nina noch gemütlich beim Frühstück. Die LKWler hatten es sich überlegt, dass hier ein schöner friedlicher Ort sei und sie eigentlich gerne noch eine Nacht hier verbringen möchten. Wir fanden das eigentlich keine schlechte Sache, aber eine weitere Nacht separat von den anderen und die Autos allein weiter vorne stehen lassen, fanden wir wiederum nicht so gut. Wir offerierten Stefanie und Robert sie durch die Sandpassage zu winchen. Gesagt, getan.
Nur leider war unser Seil an der Winch nur 50 Meter lang, was wiederum zu kurz war um den VW aus dem Sand zu ziehen. Charly fuhr in die sandige Passage rein um näher am VW ranzukommen aber auch mit dem Hintergedanken selber einzusanden. Wie gedacht blieb er selber im weichen Sand hängen. Auch die anderen sind inzwischen angekommen und halfen uns, uns auszugraben. Es war eine Affenhitze und uns lief allen der Schweiss aus allen Poren. Es half nichts. Schaufeln beim Toyota schaufeln beim VW. Der IFA fuhr schliesslich zurück und wir konnten uns selber aus dem weichen Sand winchen. Durch das Gewicht, dass wir natürlich sowieso schon mit unserem Wohnaufbau hatten und wir zudem auch noch den 200 Liter Tank hinten voll hatten, hatte Snoopy natürlich ganz schön zu ackern bis er wieder aus dem Sand war. Der VW steckte immer noch ca. in der Mitte der Passage fest. Wir kehrten um und konnten nun auf festerem Boden den VW-Bus durch den Sand ziehen. Schliesslich wurde die letzte kleine Sandpassage mit Sandblechen ausgelegt und wir hatten es geschafft den VW-Bus an den Strand zu bringen.
Inzwischen war es auch schon wieder Nachmittag geworden. Geschafft und überhitzt suchten wir ein schattiges Plätzchen. Bei Tee und getrockneten Aprikosen regenerierten wir uns wieder. Arthur warf sich so gleich in die Wellen des Atlantiks. Die Wellen sind jedoch sehr stark und schwimmen ist unmöglich, man muss sogar aufpassen in der Brandung zu stehen, damit der Sog der Wogen einem nicht mit raus zieht. Daniel frönt seiner Passion angeln. Der Fisch liess auch nicht lange auf sich warten und so kämpften sie eine Weile miteinander, bis das Silch riss. Ciao Fisch, ciao Köder. Ein zweiter Versuch wurde gestartet, jedoch leider mit dem selben Misserfolg. Am Abend gingen wir noch beim Sonnenuntergang am Strand spazieren. Sobald die Sonne weg ist, geht auch die Wärme des Tages und es wird rasch dunkel. Wieder haben wir ein gemütliches Lagerfeuer entzündet und haben noch lange im Schein des Feuers gesessen.
Sorry Dieter am Morgen hab ich noch an Deinen Geburtstag gedacht, nach der Schleppaktion vom VW Bus ging dies jedoch bei mir unter.
Wir sind zeitig aufgestanden und haben alles zusammengepackt. Am Morgen kamen ein paar Fischer mit einem alten Defender an den Strand, sie suchten einen Kollegen der in der vorherigen Nacht beim Fischen ums Leben kam. Er hatte sich zu weit rausgewagt und wurde von den Wellen weggeschwemmt. Bei der starken Strömung des Meeres hatte er keine Chance mehr sich an Ufer zu retten. Seine Kollegen warteten hier, weil vermuteten, dass seine Leiche hier ans Land geschwemmt wird.
Damit die Rausschleppaktion vom VW-Bus schneller geht als die Reinschleppaktion, hat sich Arthur mit seinem IFA LKW bereiterklärt den VW an seinen LKW zu hängen. Sie kamen jedoch nicht so weit und schon sassen beide fest. Das Abschleppseil wurde demontiert und der IFA kam mit Rückwärtsfahren gleich wieder aus dem feinen Sand raus. Der VW wurde wieder montiert und diesmal nahm der IFA mehr Schwung. Gnadenlos wurde der VW durch den Sand geschleift, aber sie kamen ohne weitere Schaufelaktionen durch. Als alle wieder auf der festen Piste waren wurden die Reifen wieder aufgepumpt und weiter ging es in Richtung Grenze.
Das Wetter war heute leider nicht so freundlich wie am Vortag, denn es war bewölkt und der Sand wurde quer über die Teerstrasse geblasen. Etwas später fing es sogar an zu tröpfeln. Der Grenzposten ist auf der linken Strassenseite ca. 7 km vor der beschriebenen Stelle von „Durch Afrika“. Es waren ein paar abgetakelte, ebenerdige, quartradtische Einzimmerhäuschen. Wir parkierten Snoopy auf dem staubigen Platz vor der provisorischen Abgrenzung. Der Innenraum des Gebäudes war dunkel und der Beamte sass hinter dem einzigen Schreibtisch des Raumes. Zuerst ging Charly allein zum Zoll, doch den Pass musste ich persönlich abholen -> Gesichtskontrolle! Gerade freundlich erschien mir der Beamte nicht, aber das haben Zöllner wohl überall so an sich. Nach der korrekten, aber langsamen Abfertigung der Papiere warteten wir auf den Rest unserer Reisegemeinschaft.
Nach 7 km kamen wir an der vom „Därr Reiseführer“ angegebenen Stelle des Grenzüberganges. Dieser wird gerade neu aufgebaut und deshalb das improvisierte Lager von vorher. Hier wurden die Papiere nochmals geprüft, nur war hier der Beamte wesentlich freundlicher. Ein Windstoss nahm ein paar Blätter seiner Eintragungen mit und er musste diese wieder einsammeln, während es gerade wieder anfing zu tröpfeln. Wir haben wieder mal Regen in der Wüste. Entweder es ist gar nicht so trocken in der Wüste, wie immer alle sagen oder es muss wohl doch an uns liegen.
Nach der Kontrolle hörte dann auch sogleich die gute Teerstrasse auf und die enge Passage zur mauretanischen Grenze begann. Es kamen uns normale PKWs entgegen und so dachten wir, kann die Piste nicht so schlimm sein könne. Man muss aber unbedingt auf der markierten Piste bleiben, da hier alles vermint ist. Links und rechts waren Steinmännchen aufgebaut. Der Verlauf der Piste ist klar. Wir kamen zum ersten Autoschieberpunkt. Natürlich waren die Wegpunkte zur Piste für PKW verdeckt, damit sich die Einheimischen als Führer anbieten können und so fuhren wir nach ca. 2 km schnurrstraks auf eine weiche Sandpassage zu. Mit unserem Toyota natürlich kein Problem, aber der VW Bus blieb sogleich stecken.
Wir drehten um und gleich kamen auch schon ein paar einheimische Autoschieber herbei. Sie wollten sich als Führer verkaufen und meinten nur die spinnen, als sie den VW im Sand stecken sahen. Wir diskutierten was zu tun ist und Arthur hängte den VW wieder hinten an seinen LKW und zog den Bus durch die Sandpassage bis zur mauretanischen Grenze. Wir passierten dabei eine alte Teerstrasse, dies muss wohl die alte spanische Trasse gewesen sein. Die Piste von Marokko nach Mauretanien war eindeutig markiert und nur gerade 4 km lang. Es gibt aber links von der 4x4-Piste eine andere Piste, auf welcher die normalen PKW fahren konnten. Den Einstieg zu dieser Piste haben wir leider nicht bemerkt.
| Mauretanien |
Auf der mauretanischen Seiten waren ein paar zusammengenagelte schäbige Hütten auf der linken Seite der Strasse, welche sich als Grenzgebäude herausstellten. Wir mussten uns zuerst bei der Polizei melden und unsere Pässe zeigen. Innerhalb des ersten Gebäudes waren nur die 2 Betten der Beamten und ein abgewetzter Schreibtisch. Alle Daten aus dem Pass wurden auf ein Blatt eingetragen und zusätzlich mussten wir wieder unsere Berufe angeben. Der Beamten kassierte auch gleich mal 10 Euro ab. Da ich diesen Betrag bereits im Reiseführer und in diversen Internetseiten gelesen hatte, kam bei mir auch kein Argwohn auf und ich zahlte die 10 Euro. Danach hiess es, wir sollen doch bitte zum Zoll weiterfahren. Gesagt getan.
Der Beamte gab uns ein Devisendeklarationsformular zum Ausfüllen. Eigentlich ist es offiziell nicht mehr gefordert dieses Formular auszufüllen, jedoch können die Beamten etwas Schmiergeld rausquetschen, wenn die Angaben nicht stimmen und so wird dies natürlich von den Beamten weiterhin gepflegt. Weiter wurden wir nach dem Carnet de Passage gefragt, welches wir dem Beamten sogleich auch zum abstempeln gaben. Wieder wurden 10 Euro gefordert. So nicht, meine Herren! Ich erklärte, dass dies wohl nicht korrekt sein könne, da wir die 10 Euro ja bereits bei der vorherigen Kontrolle bezahlt haben. Der Beamte darauf cool, das sei die Polizei und dies ist der Zoll und wenn ich die Wagenpapiere zurückhaben möchte, dann muss ich die 10 Euro blechen. Ich zeigte ihm noch meine Quittung die ich für das Auto erhalten habe und teile ihm nochmals mit, dass ich für das Auto bereits 10 Euro bezahlt habe. Die Quittung ginge ihn nichts an und diese sei sowieso nichts wert. Ein Typ der auf dem Boden war, meinte noch cool: 10 Euro sei sowieso nicht viel Geld. Er mit seinen zerrissenen Hosen! Ich meinte darauf hin nur, nun ja vielleicht sei er ja so reich, dass es bei ihm auf 10 Euro nicht ankäme aber für mich seien 10 Euro viel Geld. Wütend wie ich war, musste Charly mich bremsen, da er keine Lust hatte das Auto auseinandernehmen zu lassen. Der andere Beamte meinte daraufhin, ich könne ja zurück zur Polizei gehen und die 10 Euro zurückfordern. Was wir auch taten. Erstaunt sah uns der korrupte Beamte an und hörte sich mein Anliegen an und meinte, ja wenn wir gesagt hätten, dass wir ein Carnet de Passage hätten, dann hätten wir die 10 Euro auch bei ihm nicht bezahlen müssen. Da wir aber nun eines hätten, gäbe er uns das Geld wieder zurück. Seine Kollege, der uns abgezogt hatte, war gerade beim Beten auf dem Teppich und wir bekamen anstandslos unser Geld wieder. Ich hatte wirklich mehrmals gefragt für was das Geld sei, aber die Antworten sind leider immer etwas dubios. Ich gab ihm seine Quittung wieder und wir liefen mit den zurückgewonnen 10 Euro zum Auto. Alle fanden es gut, dass wir uns nochmals in die Höhle des Löwen gewagt hatten. Die Beamten hatten die 10 Euro auch nur bei uns gefordert, aber nicht bei unseren deutschen Freunden und so sind wir ihnen natürlich gleich auf die Schliche gekommen.
Die Strasse nach Nouâdhibou ist nun voll geteert, nur die letzten 5 Kilometer geben einem noch einen Eindruck wie es wohl vorher gewesen sein muss. Eine sandige Rumpelpiste die eng an den Eisenbahnschienen vorbeigeht, auf dem man aufpassen muss damit man keine Platten einfängt. Bei der Einfahrt nach Nouâdhibou mussten wir langsam fahren und gleich kamen die Kinder aus den Slums angerannt und forderten ihr Cadeau (Geschenk). Es regnete leicht und wir waren von der Ärmlichkeit der zweitgrössten Stadt von Mauretanien geschockt. Links und rechts nur ärmliche Gebäude und durch den Regen sah alles noch schäbiger aus, als es eh schon ist. Die Teerstrasse würde bei uns als einspurig eingestuft werden, aber hier wird durchaus auch sechsspurig gefahren. Alles kein Problem. Neben Eselskarren, Mercedes Benz und Ziegen, liefen und standen die Einheimischen und schauten uns zu. Auf einem Sandhaufen stand ein kleiner Junge ca. 6 Jahre alt und hatte Sand in der Hand, welchen er nach uns werfen wollte. Geistesgegenwärtig fuhr Charly in den Sandhaufen und der Junge machte entsetzt einen riesen Sprung zur Seite. Er rannte so schnell er konnte in die nächste Seitenstrasse und schaute sich panikartig immer wieder um, ob wir ihm nicht folgten. Ich denke, dass war eine gute Lektion für ihn!
Wir fuhren weiter und suchten den Campingplatz „Baie du Levrier“, welcher ganz zentral in Nouâdhibou liegt. Wir fanden den Platz, nur war dieser leider schon voll. Die Autoschieber sind uns zuvorgekommen. Dafür konnten wir an der gleichen Ecke die Autoversicherung abschliessen und auch gleich noch 50 Euros zum Kurs von 330 UM wechseln. Der Kurs schien uns angemessen und Nina kam wenig später und meinte der Typ vom Campingplatz würde zwar auch die Versicherung machen, aber viel teuer. Die Frau bei der wir Geld gewechselt hatten, war leider schon wieder weg und so musste Nina in eine Bureau de Change gehen um ihr Geld gewechselt zu kriegen. Es war die gleiche Frau, die auch uns das Geld gewechselt hatte. Wegen der Devisendeklaration müssen wir schauen, dass wir für jeden Umtausch eine offizielle Quittung erhalten, welche wir dann bei Bedarf den korrupten Beamten unter Nase halten können.
Wir schlossen eine 10-tägige Autoversicherung ab, da dies anscheinend obligatorisch ist und ein nichtvorhandensein der Versicherung auch gerne als Vorwand für eine Geldforderung genutzt wird. Die Versicherung haben wir bei MAR Mauritanienne d’Assurance et de Réassurance abgeschlossen und total 4'382 UM (Ouguiya) bezahlt. Charly und ich sind danach gleich zu den beiden Supermärkten getigert um die Lage zu checken und mussten feststellen, dass dies kein billiges Land ist. Fast alles wird importiert und folglich ist es entsprechend teuer. Ohne war zu kaufen gingen wir zurück zum Auto.
Unterwegs suchten wir noch das Nationalparkbüro, um die Genehmigung für den N.P. Banc d’Arguin einzuholen. Leider konnten wir das Büro so wie es auf dem Stadtplan von Därr eingezeichnet ist nicht finden. Es ist nun weiter vorne und mit Hilfe eines Einheimischen konnte dies auch gefunden werden. Die beiden Berliner Swantje und Arthur, Nina und Charly machten sich auf zum Nationalparkbüro, welches bereits geschlossen war. Doch in Afrika ist dies kein Grund, man kann es ja wieder öffnen und so warteten sie bis der Beamte kam und das Büro wieder öffnete, mit dem Vermerk, dass sie Glück hätten, da morgen das grosse Hammelfest beginne und das Büro dann geschlossen sei.
Tatsächlich aber wollte er nur ein Trinkgeld rausschinden. Ich wartete währenddessen mit Stefanie und Robert bei den Autos. Es kamen ein paar Einheimische vorbei die uns Geld wechseln wollten und sich nebenbei auch noch gleich als Führer durch den Nationalpark anboten. Es kamen auch Kinder die uns anbettelten, diese wurden aber von den Erwachsenen gleich weggeschickt. Trotzdem dass sie keine Chance hatten mit uns ins Geschäft zu kommen, blieben sie freundlich und unterhielten sich weiter mit uns. In Marokko war das oft anders.
Endlich, nach langer Wartezeit, kamen die anderen zurück zu den Autos. Es wurde mal wieder dunkel und wir machten uns auf um den anderen Campingplatz namens ABBA zu suchen. Leider haben wir ihn in der Dunkelheit verfehlt und landeten bei ein Raffinerie. Wir fragten die Nachtwächter, ob wir auf dem Platz vor dem Eingangstor schlafen dürften. Er hätte wohl gerne ja gesagt, aber sein Vorgesetzter war da wohl unerbittlich, da dieser ja die Verantwortung tragen musste und wer weiss, was für schräge Typen wir sind. Wir können aber weiter vorne übernachten, nach der Pipeline hiess es.
Wir fuhren das Stück zurück und fanden einen Platz, jedoch kam sogleich einer angefahren und meinte hier bei seiner Pipeline können wir nicht übernachten, aber Mauretanien sei eine Demokratie, wir könnten sonst überall übernachten. Also fuhren wir nochmals ein Stück zurück und fanden eine ruhige Stelle hinter einem Hügel. Dort haben wir uns dann schlafen gelegt, nachdem wir unser trockenes Brot gegessen hatten. Nach gross Kochen war niemanden zu Mute, da es leider immer noch regnete und ein heftiger Wind ging. Wir waren zudem in einem neuen Land, dass wir noch nicht so richtig einschätzen konnten.
Wir verbrachten eine ungestörte und regenreiche Nacht.
Immer noch regnete es, als wir aufstanden. Da wir den Kocher nicht vom Dach nehmen wollten, baten wir Nina um zwei Tasse Kaffee, welche sie uns auch gerne gab. Wir hatten im Reiseführer gelesen, dass man am Cap Blanc die vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben beobachten kann. Also machten wir uns auf den Weg die Strasse dorthin zu suchen. Natürlich gab es weit und breit kein Hinweisschild. Wir hatten den Einstieg eigentlich schon gefunden, nur die weitere Piste übersehen, da diese ziemlich unscheinbar war. Der verrostete Pfahl, der als Wegmarkierung galt, muss wohl definitiv verfallen sein, denn er war nicht mehr da. Daniel hatte mit Argusaugen den Einstieg gefunden und so fuhren wir zum Cap Blanc.
Die LKWs wieder etwas schneller und wir zusammen mit dem VW-Bus etwas langsamer hinterher. Wie gesagt, der VW hatte nur wenig Bodenfreiheit und konnte deshalb nicht so schnell über die Rumpelpiste fahren. Kurz vor dem Leuchtturm kam dann ein sandige Passage, worauf sich die VW-ler entschieden, den Rest zu laufen. Wir fuhren zu den anderen und parkierten dort. Wir liefen zum Kliff und konnten ein wohl erst kürzlich gestrandeten Frachter sehen. Es war noch alles da und auch noch nichts verrostet. Die werden wohl den Kahn irgendwann mal wieder flott machen, denn sogar die Radarstation war noch drauf. Bei genauem Hinsehen konnten wir feststellen das sich Leute auf dem Frachter befanden.
Robben haben wir nur eine gesehen, die friedlich durch die Wellen schwamm. Der grosse Rest war wohl gerade auf Fischfang, denn ich hoffe nicht, dass alle anderen schon ausgestorben sind. Am Cap gab es auch noch eine kleine Kirche, bei der man sogar das Kreuz hat stehen lassen. Schliesslich sind wir hier in einem moslemischen Land, da ist dies nicht so selbstverständlich.
Wir verabschiedeten uns herzlich von den Sachsen, denn da sie mit ihrem VW nicht durch die Park's und auch nicht die Strandpassage fahren können, müssen sie die neue Teerstrasse nehmen. Es fehlen zwar immer noch 140 km, die noch nicht geteert wurden, aber der Rest sollte gut für sie machbar sein. Zum Abschied versprachen sie noch sich per E-Mail zu melden.
Die anderen waren schon vor einiger Zeit abgefahren und so machten wir uns auf den Weg diese einzuholen. Schon nach kurzer Zeit hatten wir Daniel und Nina mit ihrem Magirus Deutz überholt und warteten zusammen mit Arthur auf deren Ankunft. Wir fuhren wieder durch Nouâdhibou. Es sah durch den vielen Regen noch heruntergekommener aus als es eh schon ist. Arthur hielt noch bei einer Bäckerei an und ein Einheimischer kam um sich etwas mit uns zu unterhalten.
Generell haben wir trotz der Ärmlichkeit der Stadt keine schlechten Eindruck von Nouâdhibou und seinen Bewohnern. Wir haben uns nicht unsicher gefühlt. Der einzige Spiessrutenlauf den wir zu vollziehen hatten, waren wieder die Kinder aus den Slums vor der Stadt. Die kamen natürlich wieder aus ihren Häusern gerannt, als sie uns hörten und sahen. Sie forderten wieder ihre Geschenke, wie Bonbon oder Stylo (Kugelschreiber). Wer kann es ihnen verdenken, sind wir doch wahrscheinlich ihre einzige Chance so was zu bekommen. Wir können aber nicht allen etwas geben und irgendwann fliegen dann die Steine, wenn kein Geschenk kommt, wie wir ja leider schon die schmerzhafte Erfahrung machen mussten.
Wir hatten Glück und konnten kurz nach Nouâdhibou einen Zug sehen. Der berühmte lange Zug gefüllt mit Eisenerz war es leider nicht, aber uns reichte dieser auch schon. Nach der Kontrolle, diesmal ohne Frage nach Cadeau, konnten wir endlich zügig auf der Teerstrasse fahren. Leider zu zügig, denn wir haben die Einfahrt zur Piste verpasst, welche uns zum Nationalpark führen sollte. So machten wir natürlich einen grossen Umweg über Bou Lanouar.
Die Teerstrasse war bald einmal zu Ende und die Piste die dann kam, war nicht besonders gut. Oft ging es durch eine sandige Passage oder über eine rumpelige Wellblechstrecke. Arthur fuhr öfters mit Volldampf voraus und musste dann auf uns warten. Ein Mercedes Fahrer wollte einer schlechten Strecke ausweichen und fuhr weiter rechts auf einer anderen sandigen Piste, wo er prompt stecken blieb. Wir haben sie winken sehen und suchten uns eine passable Stelle um zu ihnen zu kommen. Wir fuhren zu ihnen und holten sie mit dem Abschleppseil aus der Patsche. Sie bedankten sich mehrmals und wir fuhren weiter.
Bald fanden wir auch Arthur wieder, er stand mit 2 Mercedes Kurzhaubern am Strassenrand. Es waren Dietmar und Willy. Der Sahara Willy Janssen, der trotz seiner 80 Lenze immer noch unterwegs ist und jedes Jahr Treffen veranstaltet in Deutschland. Wir erhielten von ihm eine Einladung für dieses Jahr, doch leider wird das wohl nicht klappen, da wir dann noch unterwegs sind. Hut ab Willy - weiter so!
Die Piste war weiterhin miserabel. Wieder auf der Teerstrasse, entschlossen wir querfeldein zu fahren, da wir die GPS Koordinaten zum Parkeingang hatten. Wir machten ab, dass wir zurückfahren zu der Piste die Daniel gesehen hatte. Arthur brauste wieder mal davon, nur nicht in die Richtung die wir abgemacht hatten. Wir beschlossen trotzdem zurückzufahren, da uns eine Piste sicherer erschien. Leider war die Piste aber nicht sehr lang und wir mussten ebenfalls querfeldein fahren. Es gab anfangs keinerlei Probleme, da alles Flach war. Später trafen wir auf eine weiche Stelle, die wir aber gut mit der Untersetzung und den Sperren durchfahren konnten. Wir sahen unterwegs auch ein paar Kamele die gemütlich durch die Ebenen liefen. Ab und zu gab es kleine Bäume und Grasbüschel, ansonsten war die Vegetation aber eher spärlich.
Nina und Daniel haben von weitem den IFA auf einer Düne ausgemacht. Wir fuhren weiter und trafen mit Arthur und Swantjie wieder zusammen. Wir hatten auch bald den Eingang zum Nationalpark gefunden. Nur durch eine Stange gekennzeichnet, kein Eingang, keine Kontrolle. Für was hatten wir die Tickets geholt? Wir beschlossen noch etwas in den Park reinzufahren und dort zu übernachten, denn zum Campingplatz würden wir es sicher nicht mehr schaffen, da es schon wieder dunkel wurde.
Hinter einer Düne fanden wir ein geeignetes Plätzchen. Wir stellten uns auf und fingen an zu kochen. Charly holte den Kocher vom Dach und ich kochte eine feine Tomaten-Gemüsesosse mit Reis. Da wir nicht zuviel Licht machen wollten, gingen wir bald darauf schlafen. In der Ferne konnten wir Licht sehen, welches wahrscheinlich von Nomaden stammte die hier ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Wir hatten unterwegs, als wir querfeldein fuhren bereits ein paar Zelte gesehen.
Als wir aufgestanden sind hatten wir eine schöne Überraschung. Sicher 30 Kamele sind mit ihren Jungen in der Nähe von unseren Autos durchgezogen. Ein erhabener Anblick, über den wir uns sehr freuten. Das letzte Kamel war wohl ein Träumer und blieb immer wieder stehen und blickte zu uns herüber. Es hatte es nicht eilig die anderen einzuholen.
Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir weiter auf der Piste, die sich aber schon bald in Hunderte von Spuren zerlief. Wir hatten jedoch vom Nationalparkbüro eine Karte erhalten, welche die GPS-Koordinaten vom Park enthielt. So konnten wir unseren Kurs halten. Manche Passage war gar nicht so einfach zu befahren und ohne Allrad sowie die entsprechende Wüstenausrüstung sollte man nicht in den Park fahren. Charly hielt kurz vor Mittag am falschen Ort und wir konnten danach wieder schaufeln. Der Deutz kam uns zwar zur Hilfe, aber vergrub sich ebenfalls schnell im weichen Sand. Nur mit den Sandblechen haben wir es geschafft dem Sog des Sandes zu entrinnen.
Wir kamen am frühen Nachmittag in Arkeiss an und kaum hatten wir die Motoren abgestellt, kam auch schon ein Ranger um unsere Eintrittskarten zu kontrollieren. Die Meeresbucht ist schön gelegen und es gibt nur wenig Wellenbewegung. Genial zum Baden fand Arthur und war auch schon im Wasser. Wir assen etwas Salat und machten es uns am Strand gemütlich. Da wir aber nicht im Camp übernachten wollten, brachen wir bald darauf wieder auf. Man muss leider im Camp ein Zelt mieten, auch wenn man im Auto schläft. Das war uns zu blöd, also zurück in die Wüste.
Wir folgten weiterhin den GPS-Koordinaten, wobei wir durch ein keines ärmliches Dorf kamen. Leider hatte der Deutz kurz darauf ein mechanisches Problem, denn der Auspuff ist vom Krümmer gerutscht und Daniel musste dies erst wieder flicken, da sein LKW sonst keine Leistung hat. Eine halbe Stunde waren wir schon wieder unterwegs. Arthur hatte weiter vorne auf uns gewartet. Die Piste wurde wieder zum Wellblech und Arthur beschloss nicht weiter der Piste zu folgen, sondern am Strand entlang zu fahren. Wir sahen ihn dann auch eine Zeitlang den Strand entlang donnern. Unsere Piste wurde immer dürftiger und bald einmal fuhren wir wieder querfeldein.
Wir trafen auf eine Querpiste und folgten dieser zurück zur Hauptpiste, wo wir auch bald darauf einen Wegweiser(!) antrafen. Links nach Awguej und rechts Tessot. Rechts sah ich keine Piste, nur geradeaus gab es eine und eine ging links weg. Das muss sie sein, dachte ich, obwohl die Piste schmaler war als die, die geradeaus ging. Die meisten fahren halt am Strand entlang dachten wir und nahmen die linke Piste.
Dies sollte sich bald als Fehler herausstellen, denn die Piste führte geradewegs in die Dünen. Es führten Spuren hinauf und auch wir versuchten unser Glück, doch war der Sand wieder so weich, dass wir ziemlich tief einsanken. Schande, hinter uns ging es hoch und auch vor uns ging es bergauf. Was tun. Erst mal den Anderen signalisieren, dass sie nicht mit ihrem Deutz da reinfahren und auch feststecken. Trotz meiner intensivsten Zeichen und rumgehopse bleib Daniel erst nach der Kante von der Düne zum Stehen, damit er wieder gut anfahren kann, meinte er. Leider zum Rückwärts wieder aus der Düne rausfahren nicht so optimal.
Nun hiess es erst mal wieder schaufeln und versuchen, ob wir so frei kämen. Aber leider wir hatten keine Chance, Snoopy vergrub sich gleich wieder im Sand. Fast bis zur Achse sass er hinten auf. Da helfen nur noch Sandbleche und da wir davon wohlweislich 6 Stück dabei hatten, konnten wir uns eine Sandblechstrasse bergauf bauen. So konnte Charly genug Schwung holen und kam gut wieder über den Dünenrücken. Wir schleppten die Sandbleche und die Schaufeln zum Deutz und wiederholten das Ganze noch mal. Schlussendlich stand auch der Deutz wieder auf festem Grund.
Es wurde natürlich schon wieder dunkel und wir suchten uns neben der Hauptpiste einen festen Platz wo wir die Nacht ungestört verbringen konnten. Wir spendierten das Cola und die anderen den Korn. Seit langem konnten wir das erste mal ohne Jacken draussen unter dem klaren Sternenhimmel sitzen. Wir haben es richtig genossen! Charly rauchte genüsslich eine Pfeife und wir kochten uns die Reste von gestern. Wir verbrachten eine ruhige Nacht neben der Hauptpiste, kein einziges Fahrzeug kam vorbei.
Wir sind bei Sonnenaufgang aufgestanden, d.h. so kurz vor 8 Uhr. Wir haben gefrühstückt und sind dann wohl gelaunt der vermeintlichen Hauptpiste gefolgt. Eine grosse Dünenpassage stand uns wieder im Weg und Charly und Daniel suchten erst mal zu Fuss eine fahrbare Passage, während Nina und ich die Luft aus den erst frisch aufgepumpten Reifen wieder rausliessen. Es dauerte eine ganze Weile bis wir die beiden wieder sahen und wir entdeckten, dass der Deutz plötzlich ziemlich viel Öl verliert. Nina lief gleich zu Daniel, welcher sich dann die Bescherung auch gleich ansah. Toll! - fand er.
Da sie unterwegs viele Schlangenspuren sahen von Sidewindern, zogen wir uns alle sicherheitshalber die Bergschuhe an. Mit Schwung fuhren wir die vorher abgelaufene Strecke und kamen problemlos durch die schwierige Passage. Auf festem Boden hielten wir an und liefen mit der Schaufel schon mal wieder zurück nur für den Fall der Fälle. Das Laufen war mühsam, da der Sand sehr weich war. Zum Glück hörten wir schon bald den Motor vom Deutz brummen und sahen ihn dann auch schon bald am Horizont. Nina hatte mit der Kamera Aufnahmen gemacht, deshalb ging es etwas länger und wir hatten uns schon wieder auf Schaufeln eingestellt.
Glücklich die Stelle ohne schweisstreibende Schaufelaktion geschafft zu haben, fuhren wir weiter zum GPS Punkt 11. Wir hatten keine weiteren schwierigen Passagen zu durchfahren und kamen bald in der Ebene an, wo der im „Westafrika Handbuch“ beschriebene Schrott LKW vor sich hinrostet. Gemäss Dani muss dies mal ein Kurzhauber gewesen sein. Charly setzte sich rein und ich machte ein Foto von ihm. Bald machten wir auch die Reifenspuren vom IFA aus und wussten nun, dass Arthur hier bereits durchgefahren war.
Wir fuhren aus dem Nationalpark raus und konnten wenigstens zum Schluss noch ein paar wenige Flamingos und Pelikane sehen. Von der Artenvielfalt und den vielen Vögeln, die es im Park geben soll, haben wir nichts bemerkt. Das letzte Stück führt wieder am Strand entlang und wir kommen nach Nouamghar.
Ein fürchterliches Fischerdorf und bei unserem Glück kamen alle gerade aus ihrer Moschee. Man sah uns verwundert an und bei der Ausfahrt Richtung Strandpassage wurden wir noch von einem Polizisten aufgehalten, welcher unsere Pässe sehen wollte. Charly und Dani mussten in das Hüttchen mitkommen. Dort galt das Interesse des Polizisten aber eher einem Geschenk als unseren Ausweisen. Wir beschlossen diesen unwirtlichen Ort so rasch als möglich wieder zu verlassen und fuhren auf den Strand, obwohl wir nicht wussten, ob nun die Flut oder die Ebbe kam. Das Nationalparkbüro war leider nicht geöffnet und weit und breit war auch kein Ranger zu sehen. Wir waren aber nicht unglücklich darüber, da wir unseren Aufenthalt im Park um einen Tag überzogen hatten und sicherlich zumindest die Gebühr hätten nachzahlen müssen. Ein Geschenk hätte sicherlich auch noch rausschauen müssen.
Wir fuhren ca. 30 Kilometer am Strand entlang, wobei wir immer wieder ganze Möwenscharen aufjagten. Die Wellen kamen manchmal recht nahe zum Auto ran und ab und zu erwischte uns eine kleine Welle dennoch am Hinterrad. Es lies sich leider nicht ganz vermeiden. Nach 30 km trafen wir wieder auf Arthur der seinen IFA schon auf dem erhöhten Strand parkiert hatte. Er hatte dort auf uns gewartet.
Es war bereits 15 Uhr und wir wussten nicht ob nun die Flut oder die Ebbe kam, also blieben wir dort und verbrachten den Rest des Tages mit Sonnenbaden. Endlich konnte ich mal meine kurzen Hosen montieren. Charly hatte seine Campingstuhl schon am Rand der Wellen platziert und genoss die Stimmung. Es wurde ein relaxter Nachmittag, der allen gut tat. Später donnerten 3 Allradfahrzeuge den Strand entlang und wir mussten uns mit unseren Campingstühlen in Deckung bringen. Dies war aber die einzige Unterbrechung.
Daniel hielt mal wieder die Angel rein, doch sehr zu seinem Entsetzen wurde seinem Gummifischköder mit sehr scharfen zackigen Zähnen den Schwanz abgebissen. Muss wohl ein grösserer Raubfisch gewesen sein. Arthur hatte seine Schwimmtour ja schon hinter sich, sonst wäre er wohl ins Meer gehüpft. Ich suchte Muscheln, die sich im nassen Sand vergruben. Rasch hatte ich eine Hand voll. Ich setzte sie aber wieder aus und schaute mit Charly zu, wie sie sich wieder vergruben im Sand.
Der Sonnenuntergang war leider nicht so spektakulär wie erhofft und so machten wir nur wenige Fotos. Am Abend war mal wieder Lagerfeuer angesagt. Wir hatten Kartoffeln gekocht und assen wieder mal La-vache-qui-rit-Käse dazu. Wir assen alle am Lagerfeuer und genossen den Sternenhimmel. Beim Einschlafen konnten wir noch den Wellen lauschen und schliefen ruhig und friedlich die ganze Nacht.
Es ging leider ein Wind und mit dem Wind kam auch der Sand geflogen. Mühselig musste der Sand aus Snoopy wieder rausgekehrt werden. Es war nicht so gemütlich und so packten wieder unsere 7 Sachen um weiter zu fahren. Wir bekamen aber noch Besuch, ein Fischerboot kam an und bot frisch gefangenen Fisch an. Wir hatten dies leider verpasst, doch Daniel und Arthur haben für 500 UM einen grösseren Fisch gekauft, welcher am Abend für alle im Feuer in der Alufolie gebraten werden soll. Der Fisch musste aber erst noch ausgenommen werden und so verzögerte sich unsere Abfahrt etwas.
Als wir losfuhren war es 12 Uhr 30 und die Ebbe wechselte schon wieder in Flut. Wir fuhren 29 km und kamen dann an die Stelle welche im Handbuch als steinig beschrieben war. Der Italiener der vor uns in seinem grünen Toyota Landcruiser fuhr stand bereits da und grübelte, wie er dieses schwierige Stück meistern sollte. Nach dem er die Düne abgelaufen war die den Felsen folgte, fuhr er kurzentschlossen neben dem Felsstück und wühlte sich oben knapp durch den Sand. Sein Auto war wesentlich leichter als unsere Fahrzeuge und trotzdem ist er nur knapp über die Felsen und durch den Sand gekommen.
Arthur beschloss mal wieder vorzufahren und blieb mehrmals in der schrägen Auffahrt hängen. Er konnte sich aber immer wieder rückwärts aus dem Sand graben. Schliesslich versuchte er halsbrecherisch den gleichen Weg wie der Italiener zu nehmen. Wir sahen schon den IFA kippen. Für die Passage war er nun wirklich zu breit und zu schwer. Er blieb im Felsen in Schräglage hängen. Guter Rat war nun teuer. Arthur kam auf die Idee Sand bis zum Felsen zu schaufeln, damit er sich nicht die Reifen kaputt rieb. Daniel holte den Vorschlaghammer und klopfte die scharfen Kanten zu Brei. Der Rest schaufelt und suchte Steine.
Bald war alles bereit und mit dem Sandblech drunter kam er heil wieder raus. Geradeaus und links die Düne rauf hatten wir keine Chance. Daniel hatte aber weiter zurück eine flachere Auffahrt auf die Düne bemerkt und man checkte ab, ob man nicht mit einer Sandblechstrasse den Weg rauf schaffen könnte. Die Idee war gut und alle platzierten ihre Sandbleche zur Auffahrt. Hinten die Blechen wieder wegnehmen und vorne wieder auslegen. Ja so ging es. Oben auf der Düne war der Boden wieder härte und man konnte ohne Bleche fahren. Charly fuhr als erster. Er fuhr gleich bis zum Ende der Düne, wieder zurück auf den festen Sandstrand.
Der Nächste war dann Daniel mit seinem Deutz, auch er schaffte die Passage und blieb oben auf der Düne stehen, damit wir nicht die schweren Bleche bis zum Strand schleppen mussten. Auch Arthur schaffte die Sandblechstrasse und hielt kurz hinter Daniel. Nun mussten alle Bleche und Schaufeln wieder geborgen werden, bevor es weitergehen konnte. Auf der anderen Seite der Düne galt es nun die richtige Abfahrt zu erwischen, denn zu weit rechts ging es ein kurzes Stück den Felsen runter. Problemlos wurde auch dies bewältigt.
Verschwitzt und geschafft haben wir beschlossen das reicht für heute und haben uns wieder am Strand ein Plätzchen gesucht, wo wir die Nacht verbringen konnten. Sobald alle parkiert hatten, wurden wieder die kurzen Hosen montiert. Am Abend wurde der Fisch gewürzt und in Alufolie eingewickelt. Auf dem Lagerfeuer wurde dieser gegrillt und er schmeckte sehr lecker. Die Beilagen musste jeder selber zubereiten. Schnell war der Fisch aufgegessen. Charly und ich machten noch einen kurzen Strandspaziergang, bevor wir uns schlafen legten.
Zum Frühstück gab es heute Müsli, weil uns das harte Brot ausgegangen war. Wir sahen später einige Spuren im Sand, dass wohl in der Nacht ein Schakal um unsere Lager geschlichen sein muss. Wahrscheinlich wurde er durch den feinen Fischgeruch angelockt. Die Fischreste waren jedoch unberührt, welche wir extra für ihn hatten liegen lassen.
Wir packten unsere Sachen uns brachen etwas früher auf als am vorherigen Tag. Wir hatten noch ca. 100 km nach Nouâkchott vor uns, sowie eine zweite steinige Passage. Wir hofften nicht nochmals so eine Tortour mitmachen zu müssen wie gestern. Wir konnten recht flott fahren auf dem harten Sand. Der Deutz vor uns hatte jedoch ein paar kleine Probleme und schwenkte beim Spiel mit den Wellen der hintere Teil öfters gen Meer. Auch gab es die Minidünen die hart waren und folglich auch für eine härte Landung sorgten, wenn man mal eine übersah. Wir wurden jedoch immer rechtzeitig gewarnt vom Geklapper der Sandbleche am Deutz.
Auch Charly versuchte den sanften Wellen auszuweichen, meistens gewann Charly bei dem Spiel mit den Wellen, aber manchmal gewann auch das Meer. Es lies sich nicht vermeiden, dass Snoopy ab und zu eine kleine Salzwasserdusche erhielt. Der zweiten Steinpassage ca. 62 km vor Nouâkchott konnten wir gut über eine weichsandige Spur ausweichen. Der IFA fuhr natürlich wieder unten über die Steine, wir meinten schon er wohlte uns überholen. Er blieb jedoch stehen und wartete, bis wir durchgefahren waren. Er hat ja auch mehr Bodenfreiheit als der Deutz.
Wir fuhren weiter und kamen heute schon an einigen kleinen Fischerorten vorbei. Bei einem haben wir angehalten und uns die Fische angeschaut. Charly blieb beim Auto, meinte jedoch noch, ich soll einen grossen Fisch mitbringen. Daniel und Arthur nahmen je eine Dorade, die ganz frisch aus dem rostigen Kühlschrank kamen. Die anderen Doraden waren merklich kleiner und so entschied ich mich für den Raubfisch, der ebenfalls zur Auswahl da lag. Die Kiemen waren bei allen Fische rot und so waren wir uns sicher, dass diese nicht alt sind. Unser Fisch war mit 1½ Kilo der grösste und schwerste von den den 3 Fischen die wir kauften. Das Kilo Dorade kostete 1000 UM, ca. 3 Euro und meiner kostete 1200 UM das Kilo, was ca. 4 Euro sind.
Wir wuschen die Fische an unseren Aussenduschen kurz ab und packten die Fische im Plastiksack in unsere Kühlschränke. Ich sagte noch zu Charly, wir können den Rest vom Fisch ja auch noch kalt auf dem Brot essen. Er meinte eben, der Fisch sei schon etwas gross nun ja, er hatte ja auch gesagt, dass er einen grossen Fisch haben will. Wir fuhren weiter und kamen noch an weiteren Fischerorten vorbei, wobei wir aufpassen mussten, dass wir beim überfahren ihrer Leinen nicht über einen Anker oder so was fuhren und so einen Platten riskierten.
Wir fuhren bis kurz vor Nouâkchott und schlugen ca. 10 km vor der mauretanischen Hauptstadt unser Lager auf. Um an den höher gelegenen Strand zu gelangen, mussten wir wieder die Sandbleche unterlegen, da der Sand wieder so weich war, dass man sich sofort festfuhr. Unser Toyota hat es ohne geschafft. Wir haben nun auch den hinteren Tank komplett abgepumpt und konnten mit leichterem Heck gut rauffahren. Wir halfen Daniel und Arthur aber beim Schaufeln und Bleche setzen. Kaum auf dem Platz kam auch schon der erste Typ und meinte er arbeite auf dem Tergit Campingplatz, der wäre nicht mehr weit und wir sollen doch dorthin fahren.
Da wir aber unseren Fisch auf dem Lagerfeuer grillen wollten, hatten wir natürlich wenig Lust auf einen Campingplatz zu fahren. Wir erzählten, dass der alte Deutz kaputt wäre und wir ihn erst reparieren müssten. Klug meinte der Schwarze er kenne da jemanden, der uns da helfen könne. Wir lehnten dankend ab und erzählten ihm, dass Daniel Mechaniker sei und er dies bestens selber könne. Er spielte noch stolz mit seinem Handy und verschwand bald darauf.
Endlich Ruhe dachten wir und packten unsere Stühle und Tische aus. Bald war Abendessen angesagt und die Männer machten sich daran die Fischer auszunehmen und zu entschuppen. Die Frauen schnitten Tomaten und Zwiebeln, um die Fische damit zu füllen. Charly hatte auch den Fisch am Rand der Wellen ausgenommen und was anhand seiner stachligen Flossen gar nicht so einfach war. Er wollte gerade den Fisch nochmals im Meer ausspülen, als ihn dieser in den Finger piekste, er den Fisch fallen lies, eine Welle ihm just in dem Moment den Boden unter den Füssen wegriss und er mit samt seiner ganzen Kleider ins Wasser fiel, inkl. Geldbeutel. Er ruderte um wieder Halt zu finden und stand nun ohne Fisch da. Sein Badelatschen schwamm auch fröhlich auf den Wellen. Verdutzt schaute er nach dem Fisch der nun wieder im Wasser war, dann zu seinem Badelatschen und wieder zum Fisch und so weiter. Er wusste gar nicht was er zuerst halten soll. Der Schuh wurde jedoch bald in Richtung Strand gespült und so packte er den Fisch, der Gott sei Dank mit der nächsten Welle wieder in seiner Nähe auftauchte.
Ich hatte schon in Gedanken den Fisch abgehakt und überlegte mir, ob ich Nudeln kochen sollte. Glücklich und patschnass kam er aus dem Wasser. Ich spottete nur, ob er mit Fisch nochmals Gassi gehen wollte, bevor er ihn auf den Grill wirft. Ein älteres französisches Pärchen stand ebenfalls dabei als dies geschah und sie rettete noch Charlys Schuh, bevor es ihn doch noch aufs Meer rauszog. Sie fanden es auch lustig und auch Charly nahm es mit Humor. Hatte er doch nun endlich einen Grund gefunden unsere Aussendusche zu testen, welche wir bisher noch nicht benutzten hatten um Wasser zu sparen.
Der Fisch konnte sich wehren wie er wollte, er kam doch in die Alufolie. Mit Zwiebeln, Tomaten und Kapern gefüllt, wurde er eingepackt. Dazu machte ich noch einen feinen Salat mit den restlichen Kartoffeln und Gemüse. Die Fische schmeckten alle recht lecker und im Nu waren alle restlos aufgefuttert. Auch unserer! Wir mussten uns keinerlei Gedanken mehr über die Reste machen. Wir setzten uns alle wieder um das Lagerfeuer und quasselten bis spät in die Nacht. Da wir in der Nähe einer Grossstadt waren, haben wir unser Tränengas schon mal parat gelegt. Gemäss unseren schlauen Büchern, ist die Hauptstadt Mauretaniens jedoch sehr sicher und es gibt nur sehr wenig Kriminalität hier. Mit dem Spray aber fühlten wir uns doch sicherer und schliefen daraufhin bald friedlich ein. Wir hatten eine ruhige und friedliche Nacht.
Kurz vor Sonnenaufgang sind wir aufgewacht und es war noch alles so friedlich, dass wir beschlossen noch etwas weiter zu schlafen. Als wir dann gegen halb neun wieder wach wurden, hatten uns bereits ein paar Fischer einen neugierigen Besuch abgestattet. Sie waren sehr nett und überhaupt nicht aufdringlich. Sie wunderten sich wahrscheinlich nur was die letzte Nacht hier angespült worden war.
Bald gingen sie aber wieder ihrer Arbeit nach und wir konnten in Ruhe Frühstücken, wieder Müesli mit Ovi. Charly war von so vielen Körnern hell begeistert, es half ihm aber nichts, denn was anderes gab es nicht. Da der Kocher noch auf den Dach war und er keine Lust hatte diesen dort runter zu holen, gab es kalte Ovi resp. kalte Schoki dazu. Da es bereits schon ziemlich warm wurde, war dies auch ganz lecker.
Anschliessend gingen wir auf Fliegenjagt. Es gab so viele Fliegen, das ist unglaublich. Charly baute eine Fliegenfalle aus einer leeren Pet-Flasche. Den Trick hatte gestern Dani in seinem Nehberg-Überlebenshandbuch gefunden. Erst wollten die Fliegen nicht so recht in die Pet-Flasche, trotz des leckeren Honig-Wassergemisches. Aber als die erste darauf reingefallen ist, flogen auch noch andere in die Falle. Einmal drin kamen sie nicht mehr raus.
Wir waren schon zur Weiterfahrt aufgebrochen, als wir weiter vorne die Fischer beim Rausziehen ihrer Netze aus dem Meer entdeckten. Wir konnten nicht einfach über ihre Seile fahren und so ging Nina freundlich fragen, ob sie für uns kurz die Seile runternehmen würden das wir darüber fahren könnten. Klar kein Problem. Wir wollten es uns aber nicht entgehen lassen ihnen bei der Arbeit zu zu sehen. Charly machte ein Foto und ein Mann im Parker (bei der Hitze) kam so gleich auf uns zu und meinte, es sei sehr unhöflich ungefragt einfach Fotos von ihnen zu machen. Upps recht hatte er ja. Wir fragten also höflich und unsere Männer wurden gleich zum Helfen eingeladen.
Na, dass ist doch mal ein Erlebnis. Alle zogen am Seil die Touris und die Afrikaner. Einige waren aus dem Senegal, da sie zu Hause keine Arbeit finden konnten. Besser hier Fisch essen, als zu Hause hungern. Das Netz einholen war schwere Arbeit und die Männer schwitzen in der Hitze. Als das Netz endlich eingeholt war, wurden den Helfern aus Europa auch etwas von der Beute angeboten. Daniel und Arthur sagten nicht nein, wir überlegten es uns aber wollten keinen Fisch. Erstens taten uns die zappelten Fische leid, zweitens hätte Charly wieder mit dem Fisch ins Wasser fallen können und drittens hatten wir keine Lust in Snoopy einen Fisch zu braten und die ganze Nacht Fisch zu riechen.
Wir fuhren weiter bis zum Campingplatz „Tergit Vacances“. Dort ist die Auffahrt durch weichen Sand zur Teerstrasse nach Nouâkchott. Erster Versuch scheiterte, wir kamen jedoch ohne Probleme wieder rückwärts raus. Beim zweiten Versuch nahmen wir mehr Anlauf uns schafften es den weichen Sand hoch zufahren, bis wir wieder festeren Boden unter den Rädern hatten. Daniel kam auch bald darauf und auch der IFA, der sich weiter vorne festgefahren hatte, kam die Strecke gut hinauf.
Auf der Teerstrasse angekommen, musste erst mal wieder Luft in die Reifen gepumpt werden. Gott sei Dank hatten wir alle eine Kompressor dafür. Wir fuhren am Tergit Campingplatz vorbei in Richtung Stadtmitte, denn der Tergit ist bekannt für seine desolaten WCs und der andere Platz im Stadtzentrum wurde sehr gelobt. Da wir die GPS-Koordinaten hatten, war der Platz auch bald gefunden. Nun folgte die Diskussion um den Preis. Der Besitzer wollte 1500 UM pro Person und Nacht. Das ist für Afrika viel Geld und erschien uns unglaubwürdig. Doch die Sanitärenanlagen waren sauber und das Wasser in den Duschen heiss. Der Stellplatz in der Auberge des Nomades (N 18° 05.350’ W 15° 58.689') selber war sandig und klein.
Wir fanden jedoch alle einen Platz. Ein betrunkener Franzose war mit seinem Toyota hier und laberte uns die ganze Zeit voll. Er sei erst kürzlich aus Mali zurückgekommen und fand alles ganz toll. Aus seinem Auto dröhnte gute Musik aus Mali. Wir nahmen alle ein Dusche, ausser Charly, der hatte ja erst geduscht wegen seines Spazierganges im Meer mit den Fisch. Hungrig machten wir uns in die Innenstadt und suchten in einem Schnellimbiss ein grilliertes Hühnchen und assen dies zu viert mit Pommes und Salat auf.
Satt machten wir uns auf den Weg zum „Supermarkt“. Der empfohlene Laden um die Ecke erwies sich als Delikatessen-Laden mit jeder Menge importierter Ware aus Europa. Da es uns dort zu teuer war, gingen wir in den Supermarkt um die nächste Ecke und fanden, dass es hier doch schon viel afrikanischer aussieht und kauften ein. Aber auch hier war viel importierte Ware und deshalb auch nicht so billig.
Wir liefen zurück zur Auberge. Setzten uns und quatschten einwenig. Kochen mussten wir nicht mehr, da wir keinen Hunger mehr hatten. Charly und Nina überfiel aber am späteren Abend der Heisshunger auf was Süsses und so machten sich die beiden auf den Weg. Da wo Nina das Fettgebackene gesehen hatte, gab es leider nichts mehr, doch bei der Bäckerei weiter vorne wurden sie fündig und konnten heissen Croissants kaufen, die zwar anders aussahen als unsere Croissants, aber noch warm und sehr lecker waren. Zusammen mit Nutella war das leckere Gebäck bald aufgefuttert. Es war wieder mal spät und wir legten uns schlafen. Arthur und Swantje waren diesen Abend alleine losgezogen.
Gemütlich aufgestanden und nach dem Frühstück unsere Passfotos für das Visum von Mali gesucht. Erst gegen 12 Uhr sind wir dann losgekommen und haben das Konsulat aufgesucht. Nouâkchott ist zwar die Hauptstadt von Mauretanien, ist aber nicht so gross und hat eher den Charakter einer Kleinstadt. Öfters ist eine Querstrassen plötzlich nicht mehr geteert und der Verkehr besteht aus Mercedes Benz Autos und Eselskarren.
Bei der amerikanischen Botschaft mussten wir dann doch nach dem Weg fahren und sehr zu unserem erstaunen, konnte das Wachpersonal der Botschaft kein Englisch. Das Mali Konsulat war aber nicht mehr weit und so konnten wir dieses schliesslich doch noch finden. Die Angaben gemäss Därr Reiseführer wo sich das Konsulat befindet, haben leider nicht mehr gestimmt. Die GPS-Koordinaten lauten: N 18° 06.486', W 015° 58.731'. Der Empfang im Konsulat war sehr freundlich und wir erkundigten uns über die verschiedenen Visa und was es dazu benötigt. Da Daniel aber auf dem Campingplatz geblieben war, waren wir uns über das Einreisedatum nicht schlüssig. Leider muss man bis auf 2 Tage genau wissen, wann man einreisen möchte nach Mali, d.h. man kann max. zwei Tage früher einreisen als es auf dem Visum steht. Der Preis beträgt für 1 Monat 10 Euro und für 2 Monate 15 Euro. Wir beschlossen den Antrag mitzunehmen und uns mit Daniel zu beratschlagen. Der freundlich Beamte meinte nur, dies sei kein Problem wir müssen nur bis 15 Uhr wieder zurück sein, wenn wir das Visum noch heute bekommen möchten.
Vom Konsulat sind wir dann zur Toyota Garage gefahren, welche sich in der Nähe der einzigen 4-spurigen Fahrbahn von Nouâkchott befindet. Leider hatten sie keinen Scheinwerfer an Lager. Die afrikanischen Toyotas sind mit 40 Watt Lampen ausgestattet und haben einen anderen Sockel, wie wir bereits in Marokko feststellen mussten. Trotzdem behauptete ein Typ neben Charly, dass er wisse, wo man genauso einen Scheinwerfer kaufen kann, nur 500 Meter weg von der offiziellen Toyota-Garage. Das ist einen Versuch wert, dachten wir.
Nina und ich blieben beim Auto und Charly ging mit dem Typen mit. Wir warteten und warteten. Charly kam lange nicht mehr zurück. Als er dann wieder nach langer Zeit zurückkam, war er ziemlich sauer. Der Typ hatte ihn ca. 2 km weit weg geschleppt und dort hatte man keine Ahnung vom Unterschied zwischen der europäischen und afrikanischen Version. Der Typ meinte nur, er kenne noch einen anderen Laden, wo man genau das Teil kaufen könnte. Es war ca. 35 Grad heiss und Charly hätte dem Typen fast einen Fusstritt versetzt. Zurück meinte der Typ könne man ja mit dem Taxi fahren, welches Charly natürlich zu bezahlen hätte. Charly bedachte den Typen mit ein paar netten Worten und lief zum Auto zurück.
Zurück im Campingplatz beratschlagten Nina, Daniel und ich, wann wir nun nach Mali einreisen wollen. Charly wartete so lange draussen auf der Strasse. Die Kinder waren wieder mal nicht zu bremsen und klopften gegen das Auto. Charly stieg mit der grossen Machete (grosses Buschmesser) aus. Da bekamen es die aufdringlichen Kinder mit der Angst zu tun und liefen rasch davon. Die älteren Leute ringsherum lachten über die lustige Episode.
Wir beschlossen am 25. Februar in Mali einzureisen und fuhren mit dem ausgefüllten Formular zurück zur Botschaft. Der Service war flott und sehr freundlich. Nach nicht ganz einer Stunde hatten wir alle unser Visum und konnten zurück zum Campingplatz fahren. Später tranken wir Tee und assen etwas. Daniel war immer noch am Reparieren seines Magirus Deutz. Da es so heiss war, hatten wir nicht sehr viel Motivation etwas zu unternehmen. Erst am Abend sind wir dann ins Internet Café gegangen. Die Verbindung war sehr sehr sehr langsam. Eine halbe Stunde war im Nu weg, ohne dass man seine Mail gelesen hatte. Ich wollte noch nachsehen, wie die Situation in den Nachbarländern ist, liess es dann aber, weil mir fast das Gesicht einschlief dabei.
Da wir unsere Webpage so lange vernachlässigt hatten, beschloss ich noch meine Mutter anzurufen, damit sie sich nicht unnötig Sorgen macht, wie es eben Mütter so an sich haben. Die Frage was denn so ein Gespräch kostet, wurde mit 15 UM pro Einheit angegeben. 1 Euro sind 350 UMs. Wie lange eine Einheit dauert, konnte leider nicht beantwortet werden. Nina und ich beschlossen, es zu wagen und riefen zu Hause an. Die UMs liefen nur so durch den Zähler, eine Einheit war rasend schnell weg. Günstig kann man also von Mauretanien aus nicht anrufen! Da es schon spät war, gingen wir zurück zum Campingplatz. Charly und Daniel gingen später nochmals zum Internet-Café.
Relativ spät aufgestanden da wir wussten, dass Daniel noch Teile für den Magirus kaufen musste und diesen erst dann reparieren konnte. Wir besorgten frisches Baguette und frühstückten auf dem kleinen Campingplatz. Später unterhielten wir uns mit dem spanischen Pärchen, das auf dem Weg nach Mali ist und weiter bis nach Ghana will. Den Rest den Tages verbrachte ich mit der Aktualisierung des vernachlässigten Tagebuches.
Daniel hatte von 2 Mauretaniern Hilfe bekommen bei der Reparatur des Magirus. Leider waren die beiden Typen nicht besonders gut und brachen die neu gekauften Teile entzwei. Daniel war natürlich ziemlich sauer, musste man doch nun nochmals los um neue Teile zu kaufen. Er war ziemlich geladen und Nina bekam auch ihren Teil davon ab. Der Kerl vom Campingplatz organisierte, dass einer die kaputten Teile suchen ging und tatsächlich kam dieser nach geraumer Zeit erfolgreich wieder. Charly half dann Daniel diese einzubauen. Diesmal erfolgreich.
Am Abend gingen wir zum Ali Baba, welches gleich um die Ecke lag und assen die Spezialität des Landes Chewarma. Das sind dünne Fladenbrote, in die Fleisch, Salat und Pommes rein kommen. Die schmeckten sehr lecker. Da die Männer noch Hunger hatten, beschlossen sie noch das Baguette spezial zu probieren. Im Prinzip der gleiche Inhalt, aber mit Hackfleisch anstatt Kebabfleisch. Es kamen ein paar junge Damen ins Ali Baba, die sich ziemlich herausgeputzt hatten und Charly konnte es sich nicht verkneifen mit den Augen etwas zu flirten. Wir spotteten, dass er aufpassen müsse, sonst wäre er womöglich schon bald mit einer verheiratet.
Weiterfahren in Richtung Grenze ist heute angesagt. Da wir gehört haben, dass der Diesel in Senegal teurer ist als in Mauretanien, haben wir beschlossen nochmals Euros zu wechseln und alle Tanks zu füllen. Nina und ich gingen zur Bank, wo man uns den offiziellen Kurs von 335 UMs für 1 Euro bot. Wir bedankten uns und gingen zum Bureau de Change, wo man uns im ersten Büro 345 UMs für den Euro bot. Das war uns auch zu wenig, also gingen wir in das nächste Büro und siehe da, dort bekamen wir 380 UMs für den Euro. Freudig tauschen wir ganz offiziell zu dem guten Kurs.
Zurück zum Auto und los ging es. Wie kommt man aus Nouâkchott wieder raus, war nun die Frage. Es gab keine Wegweiser und wir fuhren dem GPS nach, nur leider gab es keine wirkliche Strasse, in die Richtung die wir einschlagen wollten. So kam es, dass wir in das Slumviertel von Nouâkchott fuhren. Die ärmlichen Bretterbuden sahen wirklich fürchterlich aus und es gab diese massenweise. Nina hatte gefilmt, doch wir haben uns das nicht getraut, da wir nicht schon wieder Steine fliegen sehen wollten. Bei dieser Aktion sah man auch ganz lustiges, wie zum Beispiel man auf mauretanisch etwas am Fahrwerk repariert. Man legt das Auto auf die Seite, abgestützt auf ein paar alten Reifen und macht sich an die Arbeit.
An der grossen Total-Tankstelle beim grossen Kreisverkehr bei Stadtausgang haben wir unsere Tanks gefüllt. Leider gab es dort auch ein paar Geier von Polizisten, die unsere Papiere und die Versicherung kontrollierten, in der Hoffnung ein Geschenk rausschinden zu können. Einer war besonders hartnäckig und Charly gab ihm einen Kugelschreiber. Der meinte danach, er hätte noch einen Kollegen im Auto, der will auch noch ein Geschenk. Jetzt ist aber Feierabend sagten wir, es gibt keine weiteren Geschenke. Ein schmieriger Typ kam vorbei und meinte er sei der Chef und guckte ungeniert ins Wageninnere von Snoopy. Er war alles andere als sympathisch und ich gab ihm nicht auf alle Fragen eine Antwort. Beim Reinschauen ins Auto merkte man richtig, wie er sich überlegte, was er alles abzocken wollte. Widerlich! Er hatte kein Glück bei uns und ich sagte ihm klar, dass wir jetzt rüber zum kleinen Supermarkt fahren und einkaufen. Da musste er seine Rübe wohl oder übel wieder aus dem Auto nehmen. Im dem Miniladen wollte ich Cola kaufen, die dann mal wieder teuerer war als üblich. Ich sagte dann nur, ich kenne den Preis und ich zahle diesen und nicht mehr. Worauf ich anstandslos den üblichen Preis von 120 UMs zahlte.
Nun konnte es endlich weiter nach Süden gehen. Wir wurden unterwegs noch 2 mal zur Kontrolle gebeten, wobei das Interesse aber eher einem Cadeau (Geschenk) galt, als unseren Papieren. Einer fragte gleich ganz ungeniert als erstes nach einem Geschenk. Er schäkerte noch etwas, aber er bekam trotzdem kein Geschenk von uns.
Die Landschaft veränderte sich zusehends. Je länger wir nach Süden fuhren, desto grüner wurde es. Erst gab es vereinzelt Bäume, dann jedoch kamen immer mehr hinzu. Zwei Toyota Pick-ups überholten uns in rassantem Tempo auf der schmalen Teerstrasse und sind später prompt mit einer Kuh zusammengeprallt. Der erste Toyota Pickup sah ganz schön zerbeult aus, aber den Insassen ist Gott sei Dank nichts passiert. Die Kuh hat den Zusammenstoss leider nicht überlebt.
Rosso ist ein heruntergekommenes Städtchen, welches wir auch gleich wieder in Richtung Diama-Damm verliessen. Die Abzweigung war nicht leicht zu finden, trotz der guten Beschreibung im Reiseführer. Wir kamen an eine Art grossen Parkplatz für Busse und Buschtaxis mit ein paar Bretterbuden, dort mussten wir rechts abbiegen und nach dem Abfall und den anderen Fahrzeugen ging ganz unscheinbar eine staubige Piste nach Osten. Wir hatten rechtzeitig einen Polizisten gefragt, der uns freundlich und ohne Geschenkforderung den Weg wies.
Zwischen den Häusern liefen uns natürlich die Kinder hinterher und forderten ihre Geschenke. Kurz darauf war eine weitere Kontrollstelle mit Beamten, diese liessen uns jedoch in Ruhe. Daniel bog erst links ab, worauf die Einheimischen uns sogleich freundlich den Weg wiesen. Wir fuhren also zurück und fanden den richtigen Weg zum Damm.
In dieser Gegend kann in Mauretanien sogar Landwirtschaft betrieben werden. Wir trafen auf unserem Weg nach Senegal diverse Traktoren, Eselskarren uns sogar 3 alte Mähdrescher. Da Trockenzeit herrscht, gab es mehrere Pisten neben dem Damm. Dort war das Wellblech nicht so schlimm und wir konnten etwas zügiger vorankommen. Manchmal kam das Sumpfgebiet jedoch recht nahe an die Dammpiste, dann blieb uns leider nichts anderes übrig als uns vom Wellblech durchrütteln zu lassen. Es gab auch schöne Abschnitte, wo man viel Schilf im Wasser sah und es natürlich auch sehr viele Vögel gab.
Als es zu dämmern anfing, sahen wir uns nach einem geeigneten Plätzchen um, dabei hatten wir eine kleine Herde Warzenschweine aufgescheucht. Nun hatten wir endlich das Gefühl in Afrika angekommen zu sein. Es wurde grüner und endlich gab es auch Tiere zu beobachten. Wir fanden einen Platz, wo der Boden zum Befahren fest genug war. Leider gab es auch einige Moskitos, aber ansonsten war es ein schöner Platz mitten in der Wildnis. Es war sehr ruhig und angenehm warm, trotzdem konnten wir nicht gut schlafen.
Wir sind extra bei Sonnenaufgang aufgestanden, damit wir evtl. noch Tiere beobachten können und damit wir rechtzeitig an der Grenze ankommen. Tiere konnten wir leider nicht ausmachen, an dem Ort wo wir übernachtet hatten und so fuhren wir nach einem kurzen Frühstück weiter in Richtung Senegal. Wir begegneten unterwegs im Diawling National Park noch wilden Eselherden und ein paar Kühen. Wir konnten in weiterer Entfernung auch einige Warzenschweine beobachten. Es gab natürlich auch diverse Vögel zu sehen, aber wirklich aufregend war das Tierleben nicht. Trotzdem, erstmals fühlten wir, dass wir in Afrika angekommen sind.
Es gab auch an diesem Pistenabschnitt wieder Polizei- resp. Militärkontrollen. Die Frage nach dem Geschenk war immer präsent. Einem haben wir einen schwarzen Kugelschreiber gegeben, dieser meinte daraufhin, er hätte noch einen Kollegen und der will auch einen, aber dieser muss blau schreiben. Ansprüche haben sie auch noch diese Brüder. Ich kramte nochmals in meiner Geschenketüte und förderte wiederum einen schwarzen Kugelschreiber zu Tage. Etwas enttäuscht war er, wollte aber doch beide Kugelschreiber behalten. Weiterging es bis kurz vor die Grenze, dort legten wir eine Pause ein und tranken Tee. Wir stellten uns seelisch und moralisch auf den Stress an der Grenze ein.
An der Grenze mussten wir zuerst unser Carnet de Passage für unsere Autos ausstempeln lassen. Der Beamte forderte ganz ungeniert 10 Euro. Das sei der Preis und wenn wir nicht zahlen wollen, dann können wir ja zurück nach Rosso fahren. Hier muss man diesen Preis zahlen und dabei schmiss er unser Carnet zu uns. Etwas verdattert schauten wir den Beamten an. Wir starteten mit der Verhandlung und ich machte ihm klar, dass wir dies nicht zahlen wollen. Wir können in UMs, der mauretanischen Währung oder aber auch in Euro zahlen, war seine Antwort. Nach einigem hin und her haben wir ihn soweit gebracht, dass er für die beiden Carnets (unseres und das von Daniel + Nina) nur noch 10 Euro zu zahlen hätten, aber dafür nur eine Quittung erhalten. Die Quittung interessiert sowieso niemanden, also waren wir froh wenigstens nur die Hälfte zahlen zu müssen. Eigentlich ist das gesamte Prozedere gratis wie bei uns auch, aber leider sind eben die Beamten so korrupt und geldgierig.
Der nächste Schritt hiess zur Polizei gehen. Dieser forderte wiederum 2000 UMs pro Fahrzeug. Wir verhandelten wieder und konnten uns auf 1000 UMs sowie ein Geschenk einigen. Wir gaben ihm als Geschenk einen Kugelschreiber und Nina gab ihm eine Parfümprobe und einen Spiegel. Leider wollte er diese Sachen nicht als Geschenk akzeptieren. Wir machten ihm aber klar, dass er nicht mehr zu erwarten hätte. Es gab wieder ein nervenzerrendes hin und her, worauf wir uns dann einfach auf die Steine setzten, die da lagen. Dies war ihm offensichtlich nicht recht und wir konnten passieren.
Nun mussten wir noch zum letzten Posten auf der mauretanischen Seite, um unsere Pässe abstempeln zu lassen. Der Typ im Büro sah schon nicht besonders freundlich aus und forderte gleich auch 10 Euro für die Ausreisestempel im Pass. Wir waren nicht gewillt dies zu zahlen und so fragte ich nach dem Reglement. Er gab mir daraufhin, leicht sauer, einen Wisch, der eine Quittung darstellen sollte. Ich sagte ihm daraufhin mehrmals, das dies keine Reglement sei und wir deshalb auch nichts zahlen würden. Wir machten ihm klar, dass wir kein Geld mehr haben. Ich hatten nur noch knapp 1000 UMs, die ich ihm gerne gäbe, aber Euro hätte ich keine. Dies war zwar gelogen, aber ich hatte wirklich keine Lust dem Typ meine sauerverdienten Euros zu geben. Nina lief zum Auto um ihr Geld umzuverteilen und kam mit 1900 UMs zurück und behauptete, dass dies auch alles Bargeld sei, was sie noch hatten. Der Beamten meinte beschwichtigend, dass hätte ich ihm doch gleich sagen können, dass wir kein Geld mehr haben. Dies sei für ihn doch sehr verständlich und er sei der letzte, der dann noch so streng sei, usw. Zum Schluss meinte er, er würde sich auch mit einem Geschenk zufrieden geben. Wieder gaben wir einen Kugelschreiber, welcher er natürlich nicht als Geschenk akzepierten wollte. Wir hätten leider nichts anderes und da ich ihn so geknickt ansah und er mir ja schon eine Standpauke gehalten hatte, liess er uns gehen.
Während wir zum Auto zurückliefen, bemühten wir uns nicht zufrieden auszusehen. Wir fuhren in Richtung Schlagbaum, der bereits für uns geöffnet worden war, als der fiese Typ in seiner Uniform uns nochmals aufhielt. Er meinte er hätte gerne noch die blaue Tonne, welche wir auf unserem Dach befestigt hatten. Dies sei unsere Waschmaschine erklärten wir ihm, worauf er ganz unverfroren meinte, ja dafür würde er sie auch benutzen. Dann hätten aber wir keine mehr, erklärten wir ihm. OK, dann eben den Kanister der daneben steht, meinte er frech. Auch diesen könnten wir ihm nicht geben, da wir darin unser Benzin für den Kocher aufbewahrten und wir nicht mehr kochen könnten, wenn wir ihm diesen geben würden. Er wurde leicht sauer und erklärte uns, dass das fehlende Geld welches wir ihm nicht bezahlt hätten, er zu zahlen hätte und wir ihm dafür noch etwas geben müssten. Ich gab ihm einen kleinen Ball. Was er damit soll fragte er, immer noch recht unzufrieden. Für seine Kinder, erklärte ich ihm. Dies sei aber nicht genug. Gut ich gab ihm noch was und sagte dabei klar, dass nun aber Schluss sei, worauf wir dann endlich den Platz verlassen durften.
| Senegal |
Erleichtert und in der Hoffnung in Senegal weniger abgezockt zu werden fuhren wir über die kleine Brücke. Am Ende der Brücke gab es wieder einen Schlagbaum. Ein Mann kam und erklärte uns, dass wir 10 Euro und Nina und Daniel für ihren LKW 20 Euro Brückengebühr zu zahlen hätten. Wir erklärten dem Mann, dass wir kein Geld mehr hätten, da uns die bösen Beamten in Mauretanien alles Geld aus den Taschen gezogen hätten. Dann können wir auch nicht passieren, teilte er uns mit.
So warteten wir eine Weile und Nina verhandelte mit dem Typ. Er war eigentlich ganz nett, aber liess sich nicht dazu bewegen uns ohne Geld über die Brücke zu lassen. Zusammen mit Nina gingen wir zu den senegalesischen Grenzbeamten. Die erklärten uns ganz unverfroren, dass wir 10 Euro für die Brücke, 10 Euro für das Carnet abstempeln und nochmals 10 Euro für den Einreisestempel in beide Pässe zu zahlen hätten. Angeblich würde der Damm von dem Geld für die Brücke in Schuss gehalten. Wer’s glaubt!
Wir mussten zuerst zum Büro wo das Carnet abgestempelt werden muss, leider war der Beamte gerade beim Mittagessen. Wir suchten ihn und bald kam er auch ins Büro. Nina erklärte unsere missliche Lage und zähneknirschend erhielten wir den Einreisestempel in unserem Zolldokument gratis. Der Typ der unsere Pässe abstempeln sollte, war da härter. Es wurden Lösungen gesucht, zum Beispiel, dass wir mit dem Taxi nach St. Louis fahren könnten. Unsere Ausrede war, dass wir noch am selbigen Tag unbedingt bis nach Dakar fahren müssten. Dies sei auch kein Problem, dann könne ja jemand mitfahren, welchem wir das Geld geben könnten und dieser würde wieder zurückfahren, während wir weiter nach Dakar fahren würden.
Die Lösung gefiel uns natürlich auch nicht und so einigten wir uns auf die restlichen 15 Euros die wir glücklicherweise noch hätten. Ich erklärte ihm auch, dass ich meinen Job verloren hätte. Er fragte ganz unverschämt, ob ich denn nicht gut gearbeitet hätte. Ne, ne, man habe den Sitz des Unternehmens ins Ausland verlegt, behauptete ich. Ja, ja, dass sei nicht gut für unsere Wirtschaft, meinte er dann wichtig. Also gab ich dem schmierigen Typ die 5 Euro damit er endlich unsere Pässe abstempelte. Dem netten Typ von der Brücke hatte ich vorher schon die 10 Euro gegeben, welcher damit auch gleich in Richtung Brücke lief. Der schmierigen Typ fragte, wo denn die restlichen 10 Euro seien. Damit hätte ich die Brückengebühr bezahlt, erklärte ich ihm. Wem, war gleich seine Frage und schon stand er auf und pfiff den netten Brückenmann zurück. Dieser musste die 10 Euro sofort wieder rausrücken.
Endlich konnten wir mit unserem Auto durch den Schlagbaum fahren. An der Grenze waren noch drei Deutsche mit ihrem Auto hängengeblieben. Ihr Auto war schon älter und ohne Carnet wollte man sie nicht reinlassen, obwohl die Bestimmung nicht mehr gültig war. Sie müssten einen Begleiter bis nach Gambia mitnehmen, Nonstop durchfahren und 250 Euro zahlen. Später haben wir sie an der Zebrabar wieder getroffen. Sie mussten nicht zahlen und konnten auch ohne Begleitung durch Senegal fahren. Es war nur eine Frage des Ausharrens.
Wir fuhren die miserable Wellblechpiste bis zur Teerstrasse und freuten uns schon auf St. Louis, als wir von einem Polizisten angehalten wurden. Er wollte den Führerschein sehen und fragte uns wie schnell wir denn gefahren seien. Wir waren in einer 40iger Zone und hatten auch das Schild bei Einfahrt in die Stadt gesehen. Unsere Antwort war natürlich, wir sind 40 gefahren sind und wirklich nicht schneller unterwegs gewesen seien. Der Polizist meinte daraufhin, hier dürfe man nur 25 km/h fahren. Hhhhäää? OK, der will Geld dachten wir und Charly stieg aus. Hier kann man 40 km/h fahren und alle anderen fahren ja noch schneller als wir gefahren sind. Das stimmt nicht und wir müssen 20 Euro zahlen. Wir dachten, der hat ein Rad ab. Charly lachte ihn aus, er wurde sauer und forderte erneut die 20 Euro. Die werden wir nicht bezahlen, er soll sein Chef holen. Er sei der Chef, meinte er und Charly lachte ihn erneut aus und meinte er sei ein Vollidiot. Den Idioten hatte er leider verstanden, obwohl Charly deutsch gesprochen hatte. Nach einigem hin und her und wichtigem Getue, gab uns plötzlich der Polizist den Führerschein wieder zurück und sagte, wir sollen weiterfahren. Nochmals gut gegangen, dachten wir und fuhren weiter.
Keine zwei Kilometer später wurden wir schon wieder von einem Polizisten angehalten. Dieser fragte nach unseren Papieren und nach der Versicherung. Die hatten wir natürlich nicht an der Grenze abgeschlossen, da es dort angeblich keine Carte Brune gab. Ausserdem hatte man keine Vergleichsmöglichkeit und zusätzlich hatten wir ja behauptet wir hätten keine Euro mehr, also konnten wir auch keine Versicherung abschliessen. Wir erklärten dem Polizisten unsere Situation, dieser blieb aber unerbittlich. Wir benötigen eine Versicherung sonst können wir nicht weiterfahren. Er bot uns aber an, dass er jemanden anrufen könnte und dieser würde die Versicherung hier vor Ort machen. Ne, ne, dachten wir, das ist sicher ein Freund von ihm und er kassiert eine Prämie dafür. Wir weigerten uns und liefen ihm immer hinterher. Nach ca. einer Viertelstunde gab er nach und erklärte uns wichtig, dass man in Senegal eine Versicherung haben müsse, damit ein eventueller Schaden auch bezahlt würde. Ich glaube nicht das alle Senegalesen eine Versicherung haben, obwohl diese mehrheitlich wahrscheinlich weitaus weniger Geld haben als jeder Tourist. Heilfroh den Typ los zu sein fuhren wir geradewegs nach St. Louis und suchten uns ein Versicherungsbüro. Wir konnten eine Versicherung für 4 Monate abschliessen und haben dafür 91 000 CFA gezahlt, das sind ca. 140 Euro. Auf der Western Union Bank konnte ich auch noch Geld mit der Visakarte abheben und so konnten wir die Versicherung gleich problemlos zahlen.
Problemlos fuhren wir dann weiter zur Zebrabar. Kurz vor der Zebrabar haben wir uns dann aber doch noch verfahren und sind in einem kleinen Dorf gelandet, da der wegweisende Pfeil fehlte. Im Dunkeln durchquerten wir die Wasserfurt vor der Zebrabar und gelangten endlich zum Eingangstor. Martin, der Schweizer Besitzer, öffnete sogleich das Tor und fragte, ob wir bei ihnen essen wollen, denn dann müsse er dies noch in der Küche melden. Müde nahmen wir das Angebot an und suchten uns auf dem grossen Gelände einen ebenen Platz. In netter Gesellschaft assen wir Salat, Rösti mit Geschnetzeltem und Kuchen als Dessert. Anschliessend tranken wir noch einige Biere, denn wir hatten in ganz Mauretanien kein Bier getrunken und hatten entsprechenden Nachholbedarf. Ziemlich spät gingen wir dann schlafen.
Happy Birthday Charly. Heute hatte Charly Geburtstag! Leider hatte Charly etwas Kopfweh beim Aufstehen, denn eines der vielen Biere vom gestrigen Abend muss wohl nicht so gut gewesen sein. Wir warteten bis Daniel und Nina auch aufgestanden waren und wollten uns ein besseres Plätzchen suchen. Leider machte Charly sich ein Geburtstagsgeschenk und vergrub den Toyota im weichen Sand. An seinem Geburtstag und dann auch noch vor dem Frühstück, musste er schaufeln und die Sandbleche setzen. Nina und Daniel haben ihm leider nicht geholfen und unterhielten sich lieber mit Jens, den sie schon vorher in Deutschland kennen gelernt hatten. Wolf kam ihm dafür zu Hilfe. Wolf war ein sympathischer Mann, der schon seit Jahren LKWs nach Afrika verkauft. Er hat eine Filiale in Benin und war schon oft durch Westafrika gefahren. Da Daniel und Nina bereits am Frühstücken waren, bereiteten wir unser Frühstück ebenfalls zu. Die Sonne schien schon ziemlich stark und es war ganz schön heiss.
Der Tag war zu schön um etwas zu unternehmen und so hingen wir etwas rum und relaxten. Später lernten wir noch Werner kennen, der schon seit 20 Jahren immer wieder in Afrika unterwegs ist und viele Geschichten von Afrika erzählte.
Um 17 Uhr sollte ein Combat african stattfinden, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Nina, Daniel, Jens, Charly und ich brachen viertel nach 17 Uhr auf um ins nächstgelegene Dorf zu laufen, wo dieser afrikanische Ringkampf stattfinden sollte. An der Kasse wurden 1000 CFA Eintritt verlangt, obwohl nur 500 CFA angeschrieben war. Dies sei der Eintrittspreis für die Kinder war die Antwort auf meine Frage. Egal, wir waren schon spät dran und damit nicht alle anstehen mussten, habe ich gleich für alle bezahlt.
Der Ringkampf fand auf dem Schulhof statt und es wurde viel TamTam gemacht. Die Einheimischen gaben immer wieder ihre Kommentare ab und diskutierten miteinander. Lange Zeit war viel Show und wenig Aktion angesagt.. Erst 20 Minuten vor 19 Uhr begannen die Ringkämpfe, nachdem die Ringer ein paar mal wichtig in die Runde gelaufen waren und auch teilweise ehrfurchtserregende Grimassen gezogen hatten. Während einer dieser kurzen Kämpfe war plötzlich ein Tumult ausgebrochen und der bewaffnete Militärposten schlichtete auf dem Ringplatz die Gemüter. Rings um uns herum wurde heftig geschimpft und diskutiert. Leider waren die Bemerkungen in Wolof der einheimischen Sprache und so verstanden wir kein Wort, bemerkten aber die Aufregung der Leute. Die Gemüter beruhigten sich wieder und der Ringkampf konnte weiter gehen.
Der letzte Ringkampf fand kurz nach 19 Uhr statt, kurz bevor es dunkel wurde, da es keinen Strom und damit auch kein Licht gab. Die Lautsprecher wurden von einer Autobatterie betrieben. Als der Ringkampf entschieden war, brach eine grosse Hektik aus und die Männer sprangen über die Mauer. Innerhalb einer Minute war der Schulhof fast leer, nur wir Touristen standen noch verdattert im Hof und wussten nicht so recht was passiert ist. Anscheinend sei dies aber normal, da anschliessend irgendwo ein Essen stattfand.
Nina unterhielt sich noch mit einem Einheimischen. Wir und die anderen Touristen diskutierten darüber, was wohl jetzt passiert war, da uns das ganze Geschehen doch etwas merkwürdig vorkam. Wir gingen noch an zwei Minishops vorbei, die wirklich nur sehr kleine Wellblechhütten waren, aber alles mögliche anboten. Wir schlenderten durch das Dorf, während es immer dunkler wurde. Wir konnten leider den Schleichpfad zurück zur Zebrabar im Dunkel nicht finden und so mussten wir am sumpfigen Ufer den Weg zum Steg suchen, der uns über das Wasser brachte. Ich hatte es natürlich langsam eilig, da ich ja am Tag vorher den Schokoladenkuchen für Charlys Geburtstag bestellt hatte.
Endlich im Camp angekommen holten wir nur schnell die Taschenlampe aus dem Fahrzeug und gingen zur Bar. Nina und Daniel kamen nicht mit. Wir trafen dafür Robert und Stefanie und haben uns gut unterhalten, bis es Essen gab. Salat als Vorspeise, Curry mit Calamares und Shrimps sowie einen leckeren Bananenpudding war Charlys Geburtstagsessen. Ich dachte schon man hätte den Kuchen vergessen, als plötzlich das Licht ausging und die Mannschaft von der Zebrabar Happy-Birthday-singend den Kuchen mit den Kerzen brachte. Alle sangen mit und jeder wünschte Charly alles Gute zum Geburtstag. Spontan luden wir alle anwesenden ein, mit uns ein Stück Kuchen zu essen.
An diesem Abend lernten wir auch Jürgen und Gabi kennen. Die beiden stammen aus Gunzenhausen und sind mit einem Mitsubishi Pajero unterwegs. Später unterhielten wir uns noch mit Werner bis weit nach Mitternacht. Als wir ins Bett gingen zirpten die Grillen und ein wunderschöner Sternenhimmel sagte uns gute Nacht.
Wir sind gemütlich aufgestanden und ich lief ins Dorf um Brot zu holen. Auf der Brücke zum Dorf kamen mir drei Jugendliche entgegen. Normalerweise machen die Leute Platz, damit man aneinander vorbei kommt. Leider hatten die Jugendlichen wohl ein Problem mit ihrer Wichtigkeit und ich musste um sie herumlaufen. Ich schenkte dem Typ noch einen bösen Blick und lief weiter. Ich hörte dann noch, wie einer wichtig meinte, dass man seinen Weg gehen müsse. Wäre Charly dabei gewesen, wäre der sicher nicht „seinen Weg“ gegangen, aber bei einer einzelnen Frau kann man das schon mal ausprobieren. Die Dorfjugend ist hier nicht anders als bei uns.
Im Dorf kaufte ich im Miniladen zwei Baguettes und ging zurück zur Zebrabar. Wir frühstückten im Schatten, da es bereits schon um 10 Uhr sehr heiss ist in der Sonne. Ich hatte mir am gestrigen Tag zudem noch einen Sonnenbrand eingefangen, welcher natürlich in der Sonne schmerzte. Ich habe mich danach mit Gabi unterhalten und fand heraus, dass sie 13 Jahre bei der Alcatel SEL in Gunzenhausen gearbeitet hat und sie jetzt aber gekündigt hat, da das Unternehmen nun einer amerikanischen Firma gehört und ihr der neue Führungsstil Problem bereitete. Der Job war weniger anspruchsvoll und sie wurde zudem hin und her geschoben, bis es ihr zu bunt wurde.
Das ist ja witzig, denn ich hatte ja auch 13 Jahre bei Alcatel gearbeitet und wir kannten gemeinsam einige Leute. Der Bruno hatte immer mit ihr telefoniert, um System 12 Material zu kaufen oder verkaufen. Es ist halt schon eine kleine Welt, da fährt man nach Senegal und trifft Alcatelleute. Ihr Freund, der Jürgen und auch Charly haben ja auch einige Jahre für Alcatel gearbeitet. Wir können also schon fast einen Club aufmachen.
Nach dem Abwasch war Waschtag angesagt. Wir holten die Tonne vom Autodach und haben die Wäsche erst mal eingeweicht, da diese natürlich bei so einer Reise vor Dreck steht. Ich las etwas über Guinea und schon war der Tag vorbei. Ich verschob das Waschen damit auf den nächsten Tag.
Zum Abendessen kochte ich Spaghetti mit Thunfischtomatensauce. Die Katze hat natürlich den Thunfisch auch gerochen und wurde aufdringlich. Trotz schupsen wich sie nicht von unserer Seite. Charly musste den Fliegenklatscher holen und ihr damit mehrmals eines auf ihr Hinterteil hauen, bis sie endlich kapierte, dass dies unser Essen ist. Nach ein - zwei Bier gingen wir müde schlafen.
Zusammen mit Gabi ging ich ins Dorf und holte Brot. Auf dem Markt, der jeden Tag unter dem grossen Baum stattfindet, erstanden wir noch ein paar Tomaten und Kartoffeln. Zurück auf dem Camp wurde erst mal ausgiebig gefrühstückt und dann wurde gewaschen. Da es keine Waschmaschine gibt, muss alles per Hand gewaschen werden und dass dauert natürlich eine ganze Weile. Als die Wäsche endlich an der Leine hing gingen wir den Leguan suchen, der angeblich öfters auf dem Camp rumschleicht. Leider hatten wir kein Glück, dafür trafen wir Wolf wieder und unterhielten uns lange mit ihm.
Es wurde schon wieder dunkel, als wir den Rest vom gestrigen Tag aufwärmten. Die Katze war natürlich wieder zur Stelle und holte sich ihre Ration mit dem Fliegentatscher ab. Gemütlich bei einem Bier sassen wir später noch auf der Zebrabar. Es war ein herrlicher lauwarmer Abend, nur die Mosquitos störten uns. Jürgen musste zum Zahnarzt und kam mit einen Provisorium in seinem Zahn aus St. Louis zurück. Der Zahnarzt wollte blutbeflecktes Besteck vom Vorgänger benutzen, worauf Gabi und Jürgen protestierten. Bei den Bohrungen musste Jürgen seinen Kopf auf den Schoss vom Zahnarzt legen. Was sind wir froh, dass wir keine Zahnschmerzen haben und auch hoffen, dass wir uns diese Erfahrung sparen können.
Wieder mit Gabi ins Dorf gelaufen um Brot zu holen. Dabei mussten wir wieder über den Steg laufen und lernten „Elvis“ kennen. Eine Ziege mit einer Elvisfrisur, darum haben wir die Ziege Elvis getauft.
Kaffee gekocht und im Schatten gefrühstückt. Werner kam hinzu und zeigte uns seine alten Passbilder, vom Almöhi bis Bin Laden war alles dabei. Bis wir aus den Stühlen kamen war mal wieder Nachmittag. Charly hatte danach Stress alle Hunde und Katzen zu kraulen, denn von denen gibt es einige in der Zebrabar.
Damit ich nicht aus der Übung komme, war heute Bettwäschewaschen angesagt. Auf dem Camp gibt es Waschzuber und genügend Wasser, da muss man die Gelegenheit nutzen.
Der restliche Tag verging wie immer wie im Flug.
Am Abend habe ich einen leckeren Gemüsereis gekocht. Anschliessend liefen wir zur Zebrabar und tranken ein kühles Blondes. Es war schon fast wie ein Stammtisch, bei dem eifrig über afrikanische Länder diskutiert wird.
Heute fuhren wir mit Jürgens Auto nach St. Louis. Als erstes gingen wir natürlich zur Patisserie, wo wir feine Schokoladen-Croissants mit Café-au-lait vertilgten. Heisshungrig haben wir uns die doppelte Portion gegönnt. Anschliessend gingen wir im Supermarkt einkaufen, wo es alles gab, aber wo es leider auch sehr teuer war. Wir kauften auf der Strasse noch Bananen und Tomaten, danach ging es ins Internet-Café. Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Markt und kauften noch einiges an Gemüse, wobei die Auswahl sehr beschränkt war. Wir wollten noch Bier kaufen, doch leider waren alle Getränkehandlungen geschlossen. Nina kaufte sich noch ihr geliebtes Fettgebackene mit Kokosnuss-Geschmack und wir fuhren schon wieder in Richtung Campingplatz. Bei der Tankstelle Elton wurden wir mit dem Bier doch noch fündig und so deckten wir uns genügend Gazelle ein, wie das Bier hier heisst. Es gibt zwei einheimische Biersorten, die eine Sorte heisst Gazelle, hat über 6 dl und hat relativ wenig Alkohol. Das Flagbier ist teurer, hat dafür aber auch mehr Promille.
Zurück auf der Zebrabar wärmten wir uns den Rest vom gestrigen Essen auf und tranken gemütlich ein Bier. Werner kam vorbei und fragte, ob wir nicht auch noch zur Bar kommen. Wir waren schnell überredet und folgten ihm bald. Die Katze und die Hunde schliefen friedlich bei uns, als wir zurück zum Auto kamen.
Faulenzer-Tag eingelegt. Es war schon genug Stress Brot zu holen und dann auch noch Frühstück zu machen.
Man trifft einige Leute und hat sich immer viel zu erzählen. Später haben wir auch Günther kennen gelernt. Der Bayer in reiferen Jahren hat schon verdammt viel gesehen. War er doch nach seiner Pensionierung mit dem „Fahrradl“ durch Vietnam geradelt, letztes Jahr war er mit seinem Auto nach Wladiwostok gefahren, war mit seiner Frau auf dem Landweg nach Indien gefahren und war auch schon diverse Mal in Afrika und Südamerika unterwegs. Nun kam er gerade frisch von Guinea zurück und wir fragten ihn natürlich ein paar Löcher in den Bauch.
Auch Peter haben wir kennengelernt, den Schweizer aus dem Kanton Uri, der heute in Senegal lebt und in der Nähe von Dakar ein kleines Camp betreibt. Er meinte nur kurz, dass wir ja bei ihm auf dem Hippo-Camp in Petit Mbao übernachten können, wenn wir in Dakar sind. Klar machen wir glatt, war unsere Antwort.
Das übliche Programm, Brot holen im Dorf und gemütlich frühstücken. Wieder viele Leute getroffen und gequatscht. Wäsche aufgeräumt, etc.
Später haben wir Sepp getroffen, der pensionierte Schweizer aus dem Kanton Graubünden. Er ist trotz seines Alters, wie auch Günther, allein unterwegs mit seinem Auto. Chapeau!
Etwas Tagebuch geschrieben und Abendessen gekocht. Die Katze ist inzwischen ganz bei uns eingezogen. Jeden Tag übernachtet sie unter unserem Auto und liegt den ganzen Tag faul im Schatten neben dem Auto.
Zum Tagesabschluss ging es wieder zum Stammtisch in der Zebrabar.
Tagebuch geschrieben und gefaulenzt. Charly hat die Webseiten neu formatiert, was ziemlich viel Zeit in Anspruch nahm.
Daniel hat auf die Seitentür Afrika mit allen Grenzen aufgezeichnet. Sah toll aus. Am Abend tranken wir bei den Autos unser Bier resp. Wein aus dem Tetrapak und quatschten bis spät in die Nacht.
Heute haben wir nach dem Frühstück angefangen langsam unsere Sachen zusammen zu packen, da wir sonst wahrscheinlich noch in der Zebrabar einziehen würden. Hier war alles so einfach und schön, dass man einfach vergessen könnte weiter zu reisen. Leider haben wir es nicht geschafft zur Vogelinsel zu rudern, wir waren einfach zu faul dafür.
Charly hat dafür weiter an der Webseite gebastelt. Ich habe in der Zwischenzeit noch unsere Regenjacken gewaschen und die Schuhe geputzt. Gegen Abend kamen ein paar Einheimische vorbei und fragten, ob wir Fleisch haben möchten. Da haben wir natürlich zu geschlagen, da wir schon lange kein Fleisch mehr hatten. Wir haben 1 Kilo Warzenschwein bestellt, welches wir am folgenden Tag vor der Patisserie in St. Louis um 10 Uhr abholen konnten.
Daniel musste zu seinem Ärger feststellen, dass er einen Riss im Rahmen hatte, welchen er am Montag morgen noch schweissen lassen muss.
Die Tage in der Zebrabar sind viel zu schnell vergangen und die Tage sind nur so vorbeigeflitzt. Wir werden alle vermissen!
Heute ist definitiv der Tag der Abfahrt. Daniel ist schon früh auf und macht den Deutz fertig zum Schweissen. Auch Jürgen und Gabi sind schon früh auf und voller Tatendrang. Da wir noch etwas länger mit dem Packen haben und es uns nicht auf den 10 Uhr Termin in der Stadt reicht, machten wir mit Jürgen, Gabi und Nina später in der Stadt ab. So konnten wir uns in Ruhe fertig machen und noch eine schöne Dusche unter freien Himmel geniessen bevor wir los fuhren.
In St. Louis haben wir als erstes einen Café-au-lait getrunken und ein Schockicroissant gegessen. Danach haben wir unsere Einkäufe erledigt und wollten auch die Postkarten senden. Leider konnten wir aber keinen Briefkasten in ganz St. Louis finden und so nahmen wir die Karten wieder mit zurück zur Zebrabar. Werner hat sich bereiterklärt die Karten abzuliefern. Von Werner haben wir dann auch erfahren, dass man Sepp sein Auto in St. Louis total verkratzt hat. Daniel war auch wieder auf dem Platz, nach dem er versucht hatte ein paar Franzosen von der Strandpassage zu bergen. Doch leider gibt es dort zu viele Bäume und so kam er nicht mal bis zum Strand, da er zu hoch und zu breit war. Wir haben noch 2 VW-Synchro Busse gesehen, die gerade aus Guinea zurück kamen. Wir holten uns natürlich die Infos und die Leute gaben uns gerne Auskunft. Sie hatten auch noch Leergut von dort und so packten wir die leeren Bierflaschen ein, da man hier überall Pfand zahlen muss.
Daniel und Nina beschlossen plötzlich nun doch nicht mehr zu fahren, worauf Jürgen und Charly meinten, dass sie heute wirklich aufbrechen möchten. Man beschloss sich vorläufig zu trennen, da Daniel und Nina ja noch nach Gambia aber nicht nach Dakar rein wollen, wir aber genau das gegenteilige Programm hatten. Wir verabschiedeten uns von allen, auch von Stefanie und Robert, die immer noch auf der Zebrabar arbeiteten. Wir fuhren beim Baum, wo immer der Markt stattfand rechts ab und folgten der Piste. Es folgten ein, zwei Dörfer und leider war es im letzten Dorf so sandig, dass wir uns in den weichen Sand eingruben. Mit etwas Luft ablassen und ein wenig schaufeln, war Snoopy schnell wieder flott. Wir fuhren zwischen den Bäumen durch, wobei es manchmal recht eng wurde und Snoopy einige Kratzer abbekam. Die Piste verlief genau zwischen den Bäumen und rums, schon hatten wir einen Ast touchiert, der doch tiefer war als erwartet. Einige Äste klemmten sich am Dach fest, der grosse Rest fiel auf den Boden. Genau in diesem Moment war Gabi vor uns und machte Fotos von uns.
Nach einiger Zeit fanden wir ein herziges Plätzchen am Meer, wo es aber leider sehr windete. Wir beschlossen die Plane von Jürgen aufzuspannen. Das war ein langwieriges und schwieriges Unterfangen, da der Wind immer wieder an der Plane riss. Plötzlich standen drei Einheimische bei uns. Ein Mann und zwei Frauen, wobei eine davon ein Baby auf dem Rücken trug. Schade, denn wir hatten gedacht, dass wir diesen schönen Ort für uns allein hätten. Der Mann half uns die Plane aufzuspannen und hatte dabei sichtlich Freude, denn er lächelte unentwegt. Die Frau mit dem Baby fragte nach einen Cadeau für ihr Baby. Da wir ohne Gegenleistung jedoch nicht gerne etwas geben, lehnten wir ab. Als die Plane aufgespannt war zwischen unseren Autos, gaben wir dem Mann eines der frischgebackenen Brote, die wir in St. Louis eingekauft hatten.
Wir kochten von dem Warzenschweinfleisch ein feines Gulasch und genossen den schönen Abend am Meer.
Nachdem wir gefrühstückt und alles wieder verstaut hatten wollten wir weiterfahren. Leider hatte der Pajero ein Problem, die Öldruckanzeige war ausgefallen. Jürgen und Charly konnten die Sache jedoch bald beheben, so dass wir bald starten konnten, in der Hoffnung bald auf die Strandpassage zu treffen. Zuerst verfuhren wir uns und landeten in einem kleinen Dorf, wo sich die Bewohner über die willkommene Abwechslung freuten. Die Piste war sehr schmal und knapp neben den Reifen waren links und rechts Kakteen. Charly scherzte, jetzt einen Platten, das gibt Aktion. Wir hatten jedoch Glück und keinerlei Probleme, so konnten wir gut zwischen den Pflanzen rangieren, denn wir hatten mal wieder die falsche Piste gewählt. Die Dorfbewohner kamen aus ihren Rundhütten gelaufen und hatten viel Freude an dem ungewöhnlichen Besuch. Besonders die Kinder waren ausser Rand und Band und versuchten vergeblich sich hinten ans Auto zu hängen. Das mussten wir unbedingt vermeiden, da die Unfallgefahr zu gross war. Unter freudigen Gejohle verliessen wir das Dorf wieder, in die Richtung, die wir gekommen waren.
Zurück auf der Hauptpiste fragten wir einen Mann nach dem Weg, der gerade mit seinem Pferdefuhrwerk vorbei kam. Wir fuhren ein Stück zurück und fanden den Einstieg in die Strandpassage. Das erste Stück war mühsam zu befahren, die Räder mahlten sich durch den weichen Sand, die Motoren heulten, aber unsere Fahrzeuge schlugen sich tapfer durch. In einem der Fischerdörfer fuhren wir dann an den Spülsaum des Meeres, von dort an war der Boden wieder hart. Links Strand und Bäume, rechts Meer. Herrlich! Wir fuhren am Strand entlang, immer darauf bedacht den Wellen auszuweichen. Wir sahen einen toten Zwergwal am Strand, der schon leicht zerfallen war. Es kamen uns mehrere Pferdekutschen entgegen und auch der hiesige Busservice, mit einem Unimog. Nach einiger Zeit haben wir eine Pause eingelegt und die beiden Franken packten den Pressack und den bayrischen Leberkäse aus. Hmmm, lecker kann man da wiederstehen. Während unserer Lunchpause hielt ein 4x4 Mietauto bei uns und wie kann es anders sein, es waren Schweizer die hier ihre Ferien verbringen. Nach dem kurzen Imbiss fuhren wir weiter den Strand entlang. Bei Tiougoune verliesen wir den Strand, um Le petit desert Lompoul zu besuchen. Zuerst hiess es aber wieder Luft in die Räder zu pumpen. Die Abzweigung zur kleinen Wüste von Lompoule war schnell gefunden und so folgten wir der schmalen sandigen Piste.
Der Weg führte uns durch leicht hügelige Landschaft, wo wir vereinzelt Dünen erkennen konnten. Wieder gab es Bäume, denen es auszuweichen galt. Den einen oder anderen Kratzer konnten wir jedoch nicht vermeiden. Wir kamen an kleinen Dörfern vorbei die im landesüblichen Stil gebaut sind, d.h. kleine Hütten, manche rund, manche quadratisch mit einem Strohdach. Die Esel und Ziegen liefen frei herum. Es gab immer wieder Verzweigungen und wir folgten unserem Instinkt, mal rechts - mal links. Der Weg wurde immer schmaler und es dauerte nicht lange bis wir realisierten, dass wir auf einem Eselskarrenpfad fuhren. Bei einem grossen Termitenhügel legten wir einen kurzen Stopp ein um ein paar Fotos zu schiessen. Da es bereits fast 16 Uhr war überlegten wir uns, ob wir nicht hier übernachten wollten. Kurz vorher hatten wir jedoch eine Schlange gesehen, weshalb wir beschlossen noch etwas weiter zu fahren.
Wir fanden schliesslich eine schöne orange Düne, an deren Fuss wir übernachten wollten. Es gab einen herrlichen Baum, der uns zum verweilen einlud. Wir sammelten Holz für ein zünftiges Lagerfeuer und Charly packte die Machete aus, um Kleinholz zu schlagen. Jürgen sägte einen dörren Ast vom Baum und schon war unser Lagerfeuer gesichert.
Zum Abendessen schnetzelten wir das Gemüse und das restliche Warzenschweinfleisch um ein Tajine zu kochen. Bei einem romantischen Legerfeuer assen wir unser Abendessen. Kurz vor Mitternacht löschten wir das Feuer und gingen schlafen.
Wir glaubten uns weit von jeglicher Zivilisation, doch ganz früh am Morgen hörten wir Motorengeräusche. Aufgeschreckt schauten wir aus dem Fenster. Der Unimog des hiesigen Busses legte einen kurzen Stopp ein und liess einen hier beheimateten Einwohner aussteigen. Dieser lief dann einfach weiter in Richtung seines Dorfes, welches aber nirgends sichtbar war. Gemächlich standen wir auf und sassen in der warmen Sonne. Zum Frühstück machten wir Eier mit Tomaten, Zwiebeln und Speck. Lecker war es! Wir hatten am Morgen auch bald Besuch von zwei, drei Jungs, die in guter Entfernung uns beim Frühstücken zusahen. Geduldig sassen sie auf einem Hügel. Wir wunderten uns schon, dass sie nicht näher kamen und auf dem Hügel blieben. Als wir mit dem Morgenessen fertig waren, kamen sie doch zu uns, um kurz „Hallo“ zu sagen und neugierig auf unseren Tisch zu schauen. Kurz darauf waren sie wieder verschwunden und sassen wieder auf dem Hügel.
Wir packten unsere Autos und folgten den Unimogspuren. Wir mussten dafür über eine sehr weiche Sandpiste den Berg hochfahren, wo der Unimog am Morgen schon durchgefahren war. Wir legten den Allrad ein und fuhren hoch, als plötzlich unser Auto hinten rechts mit dem weichen Sand wegbrach. Snoopy rutschte seitlich weiter weg und kamen so in eine kritische Seitenlage. Ich sah uns schon überschlagen, aber mit Glück kamen wir zum Stehen. Charly und ich sahen uns an. Charly überlegte kurz und fuhr rückwärts die Düne runter. Ich war ganz schon geschockt, während Charly das ganze lockerer nahm.
Wir diskutierten mit Jürgen und Gabi, wobei Jürgen meinte, dass es von aussen nicht so schlimm ausgesehen hat. Gabi meinte jedoch, es sah doch ziemlich kritisch aus. Wir waren auf alle Fälle froh nochmals glimpflich davon gekommen zu sein. Jürgen und Charly schritten den Weg ab, den sie nun nehmen wollten. Nun wussten wir auch, warum die Burschen den ganzen Morgen auf dem Hügel ausgeharrt hatten. Sie wollten zu sehen, wie wir dieses Stück hochfahren und dabei etwas Aktion sehen. Nun, die haben sie bekommen.
Wir fuhren querfeldein und sind gut auf der anderen Seite der Düne angelangt, nachdem es kurz steil nach unten ging. Es gab immer wieder mehrere Pfade und schliesslich fanden wir den richtigen Weg, der uns zurück zur Strandpassage brachte. Das letzte Stück führte uns zu einem kleinen Dorf, wo uns ein grosser Baum den Weg versperrte. Wir mussten quasi durch den Garten der Rundhütte fahren. Die Frau winkte uns aber freundlich zu und so nahmen wir an, dass dies für sie nicht so tragisch war. Durch einen Tunnel aus Bäumen ging die Fahrt weiter zur Strandpassage. Gabi und ich gingen zu Fuss und machten ein paar Fotos von unseren Autos. Bald merkten wir, dass uns ein Dorfbewohner folgte. An der Strandpassage hatte er uns eingeholt und sein ganzes Anliegen war uns seine grösste Mohrrübe zu schenken. Er wollte kein Geld. Wir waren berührt und Gabi schenkte ihm dafür eine Seife mit einem kleinen Handtuch, welches sie mal als Werbegeschenk erhalten hatte.
Wieder zurück in Tiougoune verliessen wir die Strandpassage und fuhren weiter nach Kébémer. Dieses Kaff war völlig zugemüllt von seinen eigenen Bewohnern. Auf unserem Weg weiter nach Dakar sahen wir viele Boabab Bäume (Affenbrotbäume). Unterwegs wurden wir von einem unverschämten Beamten aufgehalten, der uns zu erst fragte, was das für ein Auto sei, ein Rotkreuz- oder ein Touristenauto. Verwirrt fragten wir wieso? Na, wegen des Wappens auf der Tür. Ahh, das ist die Flagge von der Schweiz und wir sind Touristen. Ungeniert lautete seine zweite Frage und wo ist mein Geschenk. Nett und konsequent weigerten wir uns ein Geschenk zu geben. Schliesslich liess er uns gehen und wir konnten endlich weiterfahren. Die Strasse war recht gut ausgebaut und wir kamen gut voran. Die Stadt Thiès konnten wir gut umfahren und wirklich verkehrsreich wurde es erst in Rufisque. Es gab eineinen Markt und viele Sammeltaxis, dazwischen jede Menge Pferdekutschen mit denen alle möglichen Güter transportiert wurden. Wir schlängelten uns durch das dicht gedrängte Verkehrsgewühl und suchten das Hippo-Camp von Peter, dem Schweizer den wir in der Zebrabar kennen gelernt hatten. Wir sahen das erste Schild an der Strasse und fanden ein Camp das so hiess, nur war dies leider das falsche Camp. Nach dem das Missverständnis geklärt war, fuhren wir weiter nach Petit Mbao. Wir kurvten und kurvten durch die engen staubigen Gässchen, konnten das Camp aber leider nicht finden. Wir fragten mehrmals und schliesslich zeigte man uns den korrekten Weg zum Camp von Peter. Wir klopften an und Peter war sichtlich erfreut uns zu sehen. Sein Hippo-Camp war recht klein und man musste zu erst Platz schaffen, dass wir dort rein fahren konnten. Bald waren die Autos platziert und wir liefen zusammen mit Peter zur nächsten Boutique, wie man hier die kleinen Lebensmittelläden nennt. Mit frischem Brot und 12 Eiern liefen wir zum Strand und schauten uns Dakar aus der Distanz an. Der Sonnenuntergang dauerte nur wenige Minuten und wir gingen zurück zum Hippo-Camp. Wir kochten selbst und tranken Bier vom Camp. Beim Kochen habe ich leider den Schlüssel von Charly im Auto liegen gelassen und meiner war noch in der kurzen Hose die kurz vorher gewechselt hatte. Schwupp war die Tür zu und alle Schlüssel waren im Auto. Sch.......!!!! Charly war stink sauer, sagte aber kein Wort. Wir versuchten an der Seitentür einen Draht rein zu schieben, doch leider oder Gott sei Dank ist da von Toyota eine Sicherung eingebaut. Was tun. Es wurde diskutiert und schliesslich fanden wir doch einen Möglichkeit in unser eigenes Auto einzubrechen ohne eine Scheibe einschlagen zu müssen. Erleichtert tranken wir auf den Schrecken einen Whisky-Cola. Gabi hatte einen leckeren Vanillepudding gemacht, der unsere Nerven wieder beruhigte. Wir unterhielten uns noch bis weit nach Mitternacht mit Peter, bis wir dann todmüde ins Bett gingen.
Wir verliessen das Hippo-Camp, da Jürgen und Gabi jemanden kannten, der aus Dakar stammt und gerade seine Familie besuchte. Wir wagten uns in die Höhle des Löwen und fuhren nach Dakar rein. Die Stadt, die für ihren chaotischen Strassenverkehr berühmt -berüchtigt ist. Wir suchten uns den Weg und es gab einiges Gedränge auf der Strasse, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Leider verfuhren wir uns, da es keine Hinweisschilder gab und landeten auf der Strasse zum Flughafen. Belustigt sahen wir zu, wie bei einem Hausbau der Zement von Stock zu Stock mit der Schaufel im Gleichtakt nach oben geworfen wurde.
Nach einiger Suche und einigen Telefonaten mit Ndiouga fanden wir schliesslich den Ort, wo wir uns treffen wollten. Ndiouga ist in Dakar geboren und aufgewachsen. Er studierte später in Deutschland, wo er auch seine Frau Karin kennen gelernt hat. Er wohnt heute in der Nähe, wo auch Jürgen und Gabi wohnen, also im schönen Frankenland.
Wir fuhren die geschilderte Strasse rauf und runter, konnten aber Ndiouga nicht finden. Schliesslich machten wir an der grossen grünen Moschee ab, die hatte aber vier Eingänge und die beiden Franken marschierten ein paar Mal um die Moschee, während wir auf die Autos aufpassten. Nach weiteren Telefonaten mit Ndiouga kamen wir schliesslich am richtigen Ort an. Jürgen und Gabi waren schon weitergefahren, als es an unserer Kabine klopfte. Es war Ndiouga, der uns schliesslich gesehen hatte und uns nachgerannt war. Er sprach uns in deutsch an und wir wussten, dass muss er sein. Er lotste uns auf den Parkplatz, welchen sein bester Freunde Assane bewachte. Er versicherte uns, dass sein Freund sehr zuverlässig ist und wir uns um unsere Autos keine Sorgen machen müssten.
Ndiouga hat eine offene, sympathische Art an sich und so lud uns gleich zu seiner Familie ein. Gespannt folgten wir ihm durch die engen Gassen. Es war für uns sehr spannend zu sehen, wie man in Dakar lebt. Wir lernten seine Mutter kennen und auch Karin seine Frau. Alle waren unheimlich lieb und aufmerksam, dass wir uns auf Anhieb wohl füllten. Sehr zu unserer Überraschung hatte man ein Mittagessen vorbereitet, dass man Thiebou Wekh nannte. Das Essen wurde in einer grossen Schüssel auf dem Boden serviert. Der Reis war bedeckt mit gegartem Gemüse, grünem Mussbällchen und gebratenen Fisch. Obendrauf streute man knusprig gebratenen Reis. Alles schmeckte sehr lecker! N’die, die Haushälterin der Mutter, hatte gekocht und als wir ihr ein Kompliment für ihre gute Küche machten, wurde sie verlegen. Ndiougas Mutter hatte wie die meisten Frauen in Senegal ein kunstvoll geschlungenes Tuch auf dem Kopf und hatte gerne dieses Holzstöckchen im Mund, womit man sich hier die Zähne putzt. Das Haus hatte einen offenen Platz vorne, das WC und die Dusche waren separat. Gegessen wurde in der guten Stube, wo es normale Postermöbel gab, einen Schrank und einen Fernseher. Der Tisch fehlte, denn man isst auf dem Boden, was für uns ungewohnt war. Alle langten in die Schüssel, wir durften Gott sei Dank mit einem Löffel essen, während die Nachbarskinder und die Mutter mit den Händen assen. Sie formten kleine Bällchen und schoben diese in den Mund. Dies war exotisch und ungewohnt für uns. Als Nachspeise schnitt Ndiougas Mutter eine Papaya auf und jeder erhielt ein Stück. Wir als Gäste erhielten sogar zwei Stück von der leckeren Frucht. Wir lernten noch Ndiougas Bruder kennen und Joe, einem Jungen aus der Nachbarschaft. Allgemein wird hier nicht auf mein und dein geschaut, so hängt zum Beispiel die Nachbarin einfach ihre Wäsche in Ndiougas Haus auf ohne zu fragen. Da wo es Platz hat wird aufgehängt und da es alle gleich machen, ist das auch für alle so in Ordnung.
Nach dem Essen brachen wir auf um in die Stadt zu fahren. Ndiouga organisierte zwei Taxis und so wühlten wir uns durch ein unglaubliches Verkehrschaos. Mit dem eigenen Auto hätten wir das wirklich nicht machten möchten. Die Taxis fahren so eng an den anderen Verkehrteilnehmern, wie Fahrradfahrern, Pferde- resp. Eselskarren, Fussgängern und anderen Autos sowie LKWs vorbei, dass kaum ein Finger dazwischen Platz gehabt hätte. Irgendwann sind wir schliesslich in der Innenstadt von Dakar angekommen und Ndiouga zeigte uns seine Stadt. Immer wieder wollte uns irgendwer irgendwas verkaufen. Ndiouga sah mit seinem jungenhaften Lächeln belustigt zu. Er lotste uns durch alle Ecken und Enden von Dakar. Wir suchten immer noch nach dem Batterie Pack von unserer Canon Digital Camera und trotz Ndiougas Hilfe konnten wir dieses Teil nicht auftreiben. Mal verschwand der eine mit dem Batterie Pack in irgendeiner Traube von Menschen, kam nach einiger Zeit zurück und erklärte, dass es leider diesen Typ hier nicht gibt. Wir liefen weiter zum Independence Platz, dem Zentrum von Dakar. Danach weiter zum Meer, welches nur einen Katzensprung entfernt lag. Der Lieblingsplatz von Karin! Wir nahmen Platz und genossen einen Café au Lait, verbunden mit einer tollen Aussicht auf die Ilé Gorée. Zurück im Zentrum von Dakar suchten wir einen Supermarkt auf, wo wir unsere europäischen Vorräte aufstocken konnten, wie z.B. Nutella.
Es wurde schon dunkel und da alle Hunger hatten, beschlossen wir etwas zu essen. Wir gingen ins Ali Baba
Essen bei Ali Baba, einen libanesischen Schnellimbiss. Wir assen Chawarma, Fladenbrot gefüllt mit Fleisch, Gemüse und Pommes. Dazu genossen wir noch den Ali Baba Salat, keine Ahnung was da drin war, schmeckte aber köstlich. Wir fuhren bald darauf mit dem Taxi zurück zu Ndiougas Haus.
Zurück beim Auto wurden wir herzlich von Assane begrüsst. Da wir noch Durst hatten, tranken wir ein Bier und gaben Joe eine Cola, da er mit uns zu den Autos zurückgelaufen war. Müde von dem anstrengenden Tag gingen wir bald darauf schlafen.
Wir sind früh aufgestanden, da wir noch zur Botschaft von Guinea wollten. Um 8:30 Uhr waren wir mit dem Taxi in der Botschaft angekommen, welche in einer Art Garage platziert war. Der Typ hatte ein ziemliches Chaos in seinen Papierbergen. Ein Stapel Pässe lag kreuz und quer im Schrank. Als erstes wurden wir gebeten einen Bittbrief an den Konsul zu schreiben, damit er uns doch das Visum geben möge. Charly und Jürgen mussten die Daten der Fahrzeuge auf einem Blattpapier aufschreiben für das Laissez passez. Zusammen mit den Pässen gaben wir die Papiere ab. Wir mussten für das Visum pro Person und für das Laissez passez (Autopapier) je 20'000 CFA zahlen. Ein teurer Spass, waren dies zusammengerechnet doch 100 Euro, wobei wir noch nicht mal sicher waren, ob es dem Konsul genehm ist und er uns auch wirklich ein Visum ausstellt.
Mit einem dieser klapprigen Taxis fuhren wir danach in die Innenstadt, wo wir zuerst in die Patisserie Galette gingen. Feine süsse Verführungen warteten da auf uns, doch leider gab es keinen Café au lait, nur einen Espresso. Die Klos aber waren super modern und super, was unterwegs sehr viel wert ist. Unser nächster Weg führte uns zur Post um endlich mal ein paar Postkarten zu verschicken, nachdem wir in ganz Mauretanien weder Postkarten noch eine Post, geschweige denn eine Briefkasten gesehen hatten. Im Internet Café haben wir unsere Mailbox angesehen und für die halbe Stunde 150 CFA gezahlt. Anschliessend beschlossen wir unserer Touristenpflicht nach zu kommen und den Kermelmarkt zu besuchen. Dieser ist in einem schönen alten Gebäude untergebracht mit vielen Torbögen. Auf den Markt konnte man neben frischem Gemüse auch Fleisch oder Fisch bzw. Meeresfrüchte kaufen. Ich machte ein paar Aufnahmen mit meiner Videokamera, als ein junger Mann plötzlich unverschämt 10 Euro forderte. Ich sagte ihm kurz meine Meinung und ignorierte ihn, da ich ja von ihm gar keine Aufnahme gemacht hatte und er einfach nur abkassieren wollte. In einem Hardware Store fanden wir endlich die hitzebeständige Silikonpaste und Kleber für meine Lowa-Schuhe, die sich nach 5x tragen bereits auflösen.
Es wurde Zeit sich ein Taxi zu suchen, um pünktlich um 14 Uhr bei der Botschaft von Guinea zu sein. Man war das ein Schrott-Auto. Jürgen meinte schon der muss in der Mitte auseinander gebrochen sein, da sich der Schalthebel so komisch weit verbog. Der junge Mann hinter dem Steuer kümmerte dies aber wenig. Er kannte den Weg zur Botschaft, da seine Familie aus Guinea stammte. Jürgen schwitzte Blut, bis wir endlich heil an der Botschaft ankamen. Dort mussten wir noch etwas warten und trafen auf eine junge Australierin die rotverweinte Augen hatte. Wir fragten, ob wir helfen könnten, doch leider lehnte sie ab. Nach einer kurzen Unterhaltung jedoch konnte sie schon wieder gut lächeln.
Unsere Visas haben wir anstandslos herhalten. Nur im Lassez-Passé von Jürgens Auto war unsere Nummernschild eingetragen. So mussten sie nochmals den chaotischen Herren behelligen. Dieser meinte, dass er nicht mehr viel Zeit hätte, da um 15 Uhr Feierabend sei. Er legte die Wagenpapiere unter seine Schreibmaschine und suchte anschliessend dieselben. Armes Guinea. Als alles erledigt war, suchten wir wieder ein Taxi, damit die Franken noch ihr Mali Visa beantragen konnten. Für diese Botschaft waren wir jedoch zu früh dran um 14:30 Uhr. Erst um 15 Uhr sei wieder geöffnet, meinte faul rumliegend ein Beamter. Da wir hungrig waren fragten wir nach einem Restaurant. Am Meeresufer fanden wir eine kleine Imbiss-Stube, wo wir ein gutes Sandwich mit Leber und Zwiebeln erhielten. Anschliessend wollte ich noch ein Omlett, doch leider war das Gas leer und somit war dieses Thema damit abgeschlossen. Gabi und Jürgen waren schon vorausgelaufen, damit sie das Visum beantragen konnten. Zu unserem Erstaunen kamen sie uns schon wieder entgegen, als wir auf dem Weg zur Botschaft waren. Die Lady, die für die Schreibarbeiten zuständig ist, war nicht da und käme auch an diesem Tag nicht wieder. Toll es war ja Freitag und am Nachmittag arbeiten in Dakar nicht mehr viele Leute.
Wir beschlossen uns ein Taxi zur Fährhafen zu suchen. Wir fanden eines, dass sogar in einem sehr guten Zustand war, wo noch alles funktionierte. Ein Typ kreuzte den Weg des Taxis, als dieses in den Fährhafen abbiegen wollte. Plötzlich ging das Geschrei los, ob dieser keine Augen im Kopf hätte, Idiot usw. fast wie bei uns, wo doch sonst die Taxifahrer in Dakar die Geduld und Nervenstärke gepachtet zu haben schienen, war dies doch etwas befremdend für uns. Nachdem wir wieder unsere üblichen 1000 CFA’s bezahlt hatten, gingen wir zum Schalter um unsere Tickets für die Überfahrt zu holen. Auf dem Schild vor dem Schalter fanden wir folgende Info. Ilé Gorée für Nichtafrikaner 5000 CFA, für Afrikaner 2500 CFA und für Einheimische 1500 CFA. Ein blonder Typ vor uns behauptete er wohne in Dakar, was im der Typ hinter dem Schalter aber nicht glaubte. Trotz des riesigen Aufstandes, musste der Typ wohl oder über die 5000 CFA zahlen, wenn er mit wollte. Wir wurden schon langsam ungeduldig, da die Fähre schon bald auslaufen sollte. Gerade noch rechtzeitig erhielten wir unsere Tickets und konnten noch auf die 16-Uhr-Fähre.
Die Überfahrt war kurz und die Ex-Sklaveninsel wurde schön von der Sonne angestrahlt. Nach der Ankunft wollten wir am Info-Schalter einen Plan oder Infos einholen, aber die wollten nur nochmals irgend eine Steuer eintreiben. Wir liefen einfach weiter, da es keinerlei Service gab und wir nur noch mehr zahlen sollten. Es gab wunderschöne alte Gebäude, die leider überhaupt nicht gepflegt werden und entsprechen verfallen aussehen. Wir liefen auf der Insel etwas herum und kamen auch zum alten Fort. Dort machte ich eine kurze Videoaufnahmen von Frauen. Diese wurden ganz zornig und schimpften ganz wild. Die Ilé Gorée ist aber eine sehr touristische Insel und ich vermute die wollten nur Geld rausschinden, denn bei so vielen Touris die hier täglich durchkommen, können die hier nicht so unbedarft sein. Wir wollten auch das Haus der Sklaven besuchen, aber da dies auch wieder so teuer war und erst noch ein Fotoverbot bestand, haben wir beschlossen uns diesen Abriss zu ersparen. Durch einen Spalt konnte ich in den Innenhof sehen und fand da ist nichts Extraordinäres, was den Aufwand lohnte.
Zurück beim Hafen tranken wir noch etwas und genossen die Sonnenuntergang. Mit der 19-Uhr-Fähre sind wir dann zurück nach Dakar gefahren. Wir waren alle sehr hungrig und so beschlossen wir ins Chez Loutcha zu gehen, wo es angeblich die grössten Portionen von ganz Westafrika gegen soll. Das Restaurant haben wir auf Anhieb gefunden und gingen rein. Es gab eine riesige Auswahl und bei süssem Popcorn bzw. Erdnüsschen, haben wir unsere Menüs ausgelesen. Wir glaubten nicht so recht an die riesigen Portionen und bestellten uns noch einen Shrimpsalat als Vorspeise. Charly nahm das Yassa-Hühnchen und ich die Yassa-Shrimps. Jürgen und Gabi nahmen den Papaya-Salat und Yassa-Calamares bzw. eine Reisgericht mit grilliertem Fisch. Wir waren zweit schon nach der Vorspeise satt, doch als der Hauptgang kam, quollen uns fast die Augen raus. So riesige Teller hatten wir noch nie gesehen und fragten uns gleichzeitig, wer denn das alles essen soll.
„Yassa“ ist die Sosse gemeint, welche mehrheitlich aus Zwiebeln mit Senfsosse besteht.
Mit dicken Bäuchen haben wir das Restaurant verlassen und suchten uns schnellst möglich ein Taxi. Leider ist das Restaurant bei den Touris sehr beliebt und die Taxifahren meinten, sie könnten uns mit 3000 CFA abzogen. Nach einigem verhandeln, konnte ich jedoch einen überzeugen uns für 1000 CFA zu unseren Autos zu fahren.
Assane war freute sich uns zu sehen und wir unterhielten uns sehr gut in englisch. Er hatte mehrere Jahre Englisch studiert und wohl auch Elektro-Technik. Heute arbeitet er als Parkwächter, da er seine Familie nicht alleine lassen möchte in Dakar. Ein wirklich kluger und sehr lieber Mann.
Es gab eine Telecenter gleich hinter dem Parkplatz und so konnte ich noch meine Mutter anrufen und da es bereits nach 21 Uhr war, war das Gespräch gar nicht so teuer. Jedenfalls wesentlich günstiger als in Nouakchott. Jürgen und Gabi mussten nochmals mit dem Taxi zurück ins Restaurant fahren, da Jürgen dort seine Jacke vergessen hatte. Nach einem kurzen Schwatz gingen wir schlafen.
Heute war weiterfahren angesagt und da wir uns noch von Ndiouga und seiner Familie verabschieden wollten, liefen wir zu seinem Haus. Sehr zu unserem Bedauern haben wir sie aus dem Bett geworfen. Sie sind aufgrund eines Familienfestes erst spät ins Bett gekommen und noch entsprechend müde. Es war uns etwas peinlich, aber Ndiouga meinte das sein überhaupt kein Problem. Seine Mutter war schon lange auf und auch die Nachbarskinder sind schon wieder bei ihnen. Spontan luden sie uns auch noch zum Frühstück ein. Es gab Brot und Käse und Wurst. Da kam Ndiouga in den Sinn, dass sie vom Vortag noch Fondé übrig hatten und wir gerne davon probieren könnten, wenn wir Lust hätten. Natürlich hatten wir Lust. N’die servierte die Hirsespeise, die mit Sauermilch angemacht ist. Erfrischend schmeckte das warme Fondé und alle langten kräftig zu.
Es war Zeit Abschied zu nehmen, da wir noch zum Flughafen wollten, um endlich unsere Nummernschilder in die Schweiz zu senden. Auch Ndiouga und Karin hatten ein volles Programm für diesen Tag, klar, wenn man nur alle zwei Jahre nach Hause kommt, gibt es viele Leute zu besuchen. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Ndiouga und seine Familie.
Bei der Abfahrt fuhr Jürgen vor und wir hinterher. Leider bog er falsch ab und wir landeten fast wieder am gleichen Ort, wo wir gestartet waren. An einer Kreuzung fragten wir einen Polizisten, der uns dann den richtigen Weg wies und dann auch noch den ganzen Verkehr aufhielt, damit wir auch abbiegen konnten. Bald darauf waren wir beim Flughafen. Wir hatten uns eine grossen modernen Flughafen vorgestellt gehabt, aber dieser erinnerte uns eher an eine Provinzflughafen. Es gab eine paar wenige billige Souvenirstände und das war alles. Die DHL-Stelle war etwas entfernt. Sehr zu unserem Bedauern war diese, da Samstag war, geschlossen. Es war schon wieder Mittag und die Hauptannahme in Dakar City schloss um 12:30. Der Typ mit dem Lieferwagen von DHL rief jedoch bei der Zentrale an und man versicherte uns, dass man bis 12:45 auf uns warten würde. Wirklich nett! Da wir mit unserem Auto jedoch nicht in die Innenstadt fahren wollten, beschlossen wir ein Taxi zu nehmen. Der Mann mit dem Lieferwagen sagte noch, dass man nicht mehr als 1500 bis max. 2000 CFA für eine Fahrt zahlen soll. Ich machte mich auf den Weg, doch die Taxifahrer hatten kein Interesse uns unter 3000 CFA zu fahren. Da waren wir so sauer, dass wir beschlossen die Sache mit DHL zu verschieben.
Auf dem Weg aus Dakar fanden wir eine Shell Tankstelle, wo wir unsere Autos mit Hochdruckreiniger vom Salz befreien konnten. Da es auch noch einen Mini-Supermarkt gab, konnte wir auch noch gleich ein paar Sachen einkaufen.
Langsam fuhren wir aus Dakar raus, vorbei an Rufisque und weiter in Richtung M’Bour.
Die Strecke war flach und es gab nur vereinzelt ein paar Baobab Bäume zu sehen. Da Jürgen und Gabi nicht viel Gelegenheit haben würden Tiere zu beobachten, beschlossen wir den Park „Reserve de Bandia“ an zu sehen. Wir fuhren zum Gate und erkundigten uns nach den Preisen. Der Eintritt war 7'000 CFA + 3'500 Führer, welcher absolute Pflicht war. Wir haben aber nicht so viel Platz, um eine dritte Person mitzunehmen. Alles verhandeln nützte nichts, auch der Vorschlag den Guide zu zahlen ohne ihn mitzunehmen wurde abgelehnt mit der Bemerkung, das dieser mitgenommen werden muss. Enttäuscht fuhren wir wieder weiter nach M’Bour. Ein fürchterliches Kaff! Wir schauten, dass wir so schnell wie möglich weiterfahren konnten. Die „Petit Côte“ ist sehr touristisch und voller Pauschaltouristen aus Frankreich, nichts für uns. Wir fuhren einer schmalen löchrigen Teerstrasse weiter nach Joal-Fadiout, in der Hoffnung irgendwo ein Plätzchen zum Übernachten zu finden. Da alles verbaut ist, beschlossen wir weiter nach N’Dangane zu fahren. Die Ausfahrt dorthin war schnell gefunden und vorbei an Mangroven verlief die Piste nach Samba Dia. Ölpalmen und Baobab durchzogen den Wegesrand. Auf Eselkarrenpfaden fanden wir unseren Weg nach N’Dangane.
Angekommen suchten wir nach einem Campingplatz, den wir auch fanden. Leider war dieser aber nicht mehr in Betrieb und es hiess nur dieser Platz ist jetzt privat und wir könnten nicht bleiben. Kaum einen Kilometer wurden wir von einem Guide aufgegabelt und wir hörten uns die üblichen Sprüche an. Morgen um 8 Uhr könnten wir mit einer Piroge (kleines Boot) zur Vogelinsel, der Preis war bei 18'000 CFA mit Pick-Nick. Boooaaahhh! Nö, sooo wichtig waren uns die Vögel nun auch wieder nicht. Der Typ meinte noch wir können ja morgen dann nochmals über den Preis reden, wir würden schon ein Lösung finden. Uns erschien der Preis überrissen und beschlossen die Pirogenfahrt zu streichen.
Wir fuhren so rasch als möglich wieder aus diesem Touri-Kaff raus und suchten uns ein Plätzchen im Grünen. In der Dunkelheit kochten wir uns Knoblauch-Spaghetti. Ein ganzes Kilo haben wir zu viert verdrückt, so lecker war es. Dazu ein gemütliches Gläschen Wein und die Welt war wieder in Ordnung.
Die Nacht war schwül-heiss und wir hatten deswegen nicht so gut geschlafen. Wir brieten uns Spiegeleier. Sehr zu meiner Verwunderung widerten mich die Eier an und hatte deshalb freiwillig darauf verzichtet. Hunger hatte ich auch keinen, jeder Bissen ging nur zäh runter. Ich fühlte mich elend und legte mich in die Kabine. Mir war übel und ich hatte starke Bauchkrämpfe. Es wurde immer schlimmer. Es kam wie es kommen musste, ich hatte bösen Durchfall und musste mich auch mehrmals übergeben. Wir überlegten, ob dies vom Essen kam oder ob wir uns irgendwo einen Virus aufgelesen hatten. Der ganze Tag war eine Bruthitze und ich bin halbtot in der Kabine gelegen, während Charly mit Jürgen den Coleman Kocher von Jürgen auseinander nahmen, da dieser nicht mehr richtig funktionierte. Am späten Nachmittag ging es mir etwas besser und bin aufgestanden. Ich war fix und fertig von den Endspurts hinters Gebüsch. Als ich mich so mit Jürgen und Gabi unterhielt, kam plötzlich keinen halben Meter von uns entfernt einen Maus an uns vorbei gerannt und hinter ihr her eine Schlange, die sie verfolgte. Beide waren so aufeinander fixiert, dass sie uns überhaupt nicht bemerkten. Hallo Schlange bleib in deinem Gebüsch. Die Maus musste aber schon gebissen worden sein, denn sie war schon deutlich langsamer als gewöhnlich eine Maus rennen kann.
Den ganzen Tag kamen Fuhrwerke und Fussgänger vorbei. Jeder grüsste und der eine oder andere hielt einen kleinen Schwatz mit uns. Kühe wurden getrieben und die Ziegen wurden bewacht. Es lief immer was. Schnell war es wieder dunkel und es war Zeit zum Schlafen.
An diesem Morgen ging es mir schon wieder viel besser, auch wenn die Bauchkrämpfe noch nicht vorbei waren. Jürgen und Gabi hatten dafür nun die gleichen Symptome wie ich gestern.
Da es beiden nicht gut ging, beschlossen wir diesen Tag nochmals zu bleiben.
Ein Veterinär kam vorbei um nach einer kranken Kuh zu schauen und unterhielt sich mit Charly. Der konnte jedoch kein Englisch und so war die Unterhaltung nur kurz. Bald darauf kam ein Mann mit dem Eselkarren und der konnte Englisch. Witzig nicht wahr! Die Vögel zwitscherten am Maorgen und am Abend wie wild und einige zeigten ihre Flugkünste. Ein paar Vögel hatten schöne lange Schwanzfedern, andere waren schön bunt. Da wir nun schon bald zum Inventar gehörten, kamen nun auch schon die ersten scheue Erdhörnchen in die Nähe unseres Autos.
An diesem Tag wurde die Büsche häufig aufgesucht, so dass es am Abend schon bald schwierig war ein unvermintes Örtchen zu finden.
Immer wieder hörten wir das Getrappel der Pferde, wenn sie wieder mit einer Kutsche durchfuhren. Am Nachmittag waren sogar französische Touristen auf der Pritsche und wir waren die Attraktion.
Da alle nicht so fit waren ausser Charly, kochten wir uns nur eine schnelle Hühnersuppe und gingen bald darauf schlafen.
Heute ging es mir noch viel besser als am vorherigen Tag, doch Charly war nun krank. Jeder hatte die gleichen Symptome, aber jeder hatte einen anderen Starttag. Es muss ein Virus gewesen sein, denn wenn es am Essen gelegen hätten, dann wären wir alle am gleichen Tag flach gelegen. Obwohl es Charly nicht gut ging, beschlossen wir weiter zu fahren, auch Charly wollte es so. Es war langsam langweilig immer an gleichen Ort und ausserdem wurde es schwierig einen Platz zum sch..... zu finden.
Nach einem Müesli, welches uns aber gar nicht gut tat, fuhren wir los. Wir wollten gar nicht weit fahren, nur bis zum Meer, welches ca. 25 km weit weg war. Wir hatten im Reiseführer gelesen, dass es dort schöne Sandstrände haben soll. Wir fuhren zurück nach Samba Dia, auf schmalen Pfaden und durch kleine Dörfer mit ihren Rundhütten. Die Strecke nach Palmarin war gut ausgeschildert und wir fanden gut unsren Weg. Nach Palmarin deckten wir uns in einem kleinen Dorf mit Gemüse, Eier und Brot ein. Dabei entdeckten wir die ersten Ferkel in Senegal. Die wühlten vergnügt mit ihren Ministeckdosen im Sand.
Die Strecke am Meer entlang war sehr enttäuschend. Wir fuhren bis nach Djifere, wo die Strasse endete und waren entsetzt über die Müllhalde die hier am Strand lag. Die Hütten waren total verwahrlost. Eilig drehten wir um und verliessen diesen unwirtlichen Ort. Wir versuchten noch irgendwo einen guten Platz zu finden, dies war jedoch aussichtslos. Wir entschieden bis kurz vor M’bour zu fahren und dort eine Ort zum Übernachten zu suchen. Am nächsten Morgen wollten wir in M’bour DHL und neue Bremsklötze für den Mitsubishi zu suchen. Wir suchten in der Nähe vom Meer und auf der anderen Seite der Strasse. Wir fuhren von einem kleinen Rundhüttendorf zum anderen. Wir wurden immer mit freundlichen Winken empfangen. Die Kinder riefen schon immer lauthals „Toubab-Toubab“. Wir fuhren durch enges Buschwerk und landeten doch wieder bei einem kleine Dorf. Es gab keine Chance vor M’bour ein geeignetes Plätzchen zu finden. Mbour präsentierte sich wieder als wildes durcheinander. Wir schauten nach DHL, konnten aber nichts finden. Wir konnten uns überhaupt nicht vorstellen, dass es hier überhaupt DHL gibt. Um dem Chaos zu entfliehen fuhren wir weiter in Richtung Kaolack. Nach ungefähr 15 km bogen wir von der guten Teerstrasse auf eine kleine Piste ab. Wir fanden ein wunderschönes Plätzchen zwischen Boabab Bäumen. Das ist es und schon waren die Autos parkiert. Gabi kochte Reis mit Gemüse und Wienerli aus der Dose zum Abendessen. Später lauschten wir dem lauten Zirpkonzert der Zikaden bei einem Gazele-Bier.
Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir weiter nach Kaolack. Wir suchten dort die Bremsbelege für den Pajero. Die gesamte Strecke war flach mit einigen kleineren Bäumen und jede Menge Savannengras; hüfthohe gelbe Stengel so weit das Auge reicht. Ansonsten war die Strecke recht langweilig. In Kaolack mussten wir an der Tankstelle warten bis Jürgen seine Bremsbeläge gefunden hatte. Es kamen einige Bettler vorbei und auch einige Frauen die ihre Ware auf den Köpfen trugen. Eine Frau wollte mir Bananen verkaufen. Da sie nicht locker lies, zeigte ich ihr meine Bananen, die ich noch hatte. Doch anstatt aufzugeben, meinte sie, ich könne ihr ja meine Bananen auch noch geben. Die waren überdies weniger schwarz als ihre, die sie noch verkaufen wollte. Später wollte sie mein Cola, also nee, jetzt ist aber Schluss. Frisches Brot gab es in der Bäckerei gegenüber, womit unser Mittagessen gesichert war. Es war heiss, um die 43 Grad!
Endlich konnte es weitergehen. Auf guter Teerstrasse fuhren wir bis ca. 50 km vor Koungheul. Da begann das Elend der löchrigen Strasse. Das Tempo musste manchmal bis auf 10 km/h reduziert werden. Ein Mercedes lag mit gebrochener Achse auf der Strasse. Zu schnell auf der Löcherpiste gefahren! Es folgte ein endloser Slalom zwischen den grossen tiefen Schlaglöchern.
Endlich in Koungheul angekommen suchten wir die Piste zu den Megalithen. Alte Steinkreise, die ähnlich wie in Irland sein sollten. Wir fragten an der Tankstelle und später auf der Piste einen alten Mann. Die Traube um das Auto wurde immer grösser, während ich hinten nach dem Notebook suchte. In dieser Zeit kam eine junge Frau oben ohne auf das Auto zu. Als sie mich sah, hat sie schnell ihren Busen verdeckt. Charly hat natürlich gestrahlt wie ein Weihnachtsmann.
Nach einigem hin und her stellte sich heraus, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Wir fuhren eine staubige kleine Piste, die einmal sogar über die Müllhalde eines kleinen Dorfes führte. Mit GPS fanden wir ungefähr den Weg zwischen den vielen Büschen. Leider waren wir aber irgendwo einer falschen kleinen Piste gefolgt und waren etwas abseits der gesteckten GPS-Punkte. Wir fuhren querfeldein und waren nicht sicher ob wir über angelegte Felder fuhren oder nicht. Schliesslich fanden wir ein hübsches Plätzchen in einer Senke und wir hofften, nicht gleich entdeckt zu werden. Kaum hatten wir jedoch die Autos abgestellt, kam auch schon ein Junge. Der setzte sich auf den Boden uns schaute uns beim Essen unserer Papaya zu. Wir gaben ihm auch ein Stück sowie eine Mandarine, die er gerne annahm.
Kurze Zeit später kamen noch ein paar Frauen, die auch neugierig waren, wer sich da in ihre Region verlaufen hatte. Da sie kaum französisch sprachen, war es schwierig ein Gespräch zu führen. Eine hatte ein kleines Baby auf den Rücken gebunden und freute sich darüber, dass ich dieses streichelte. Als die Frauen wieder gingen, kamen zwei junge Männer. Diese Burschen waren moderner angezogen und ihre Fragerei behagte uns gar nicht. Nachdem sie uns wieder verlassen hatten, hatten wir gemischte Gefühle. Jürgen meinte, selbst wenn sie uns überfallen wollten, die kriegen das nicht auf die Reihe.
Heute gab den Rest vom gestrigen Essen und so hatten wir schnell gekocht. Es war schon wieder fast finster, als ein junger Bursche mit seiner Schafherde über den Platz zog. Er hatte ein frisch geborenes Schäfchen dabei, das er an den Vorderläufen festhielt. Wir durften es streicheln und stellten fest, dass es noch gar nicht richtig trocken ist und wohl erst einige Minuten auf dieser Welt ist.
Wir unterhielten uns noch eine Weile und hörten die Trommeln vom Dorf. Wir machten noch Scherze, von wegen: „Nun ist die Gemüsesuppe fertig und wir kommen in den Topf usw.“
Bald darauf gingen wir schlafen und wachten bald wieder auf, da etwas um das Auto schlich. Es war die Pferde oder Esel des Dorfes und wir konnten beruhigt weiterschlafen. Nur das einschlafen viel uns schwer, da es immer noch 30 Grad warm war und da kann man nur schlecht wieder einschlafen.
Am Morgen hatten wir schon wieder Besuch von dem jungen Burschen vom gestrigen Abend. Er setzte sich wieder auf den Boden und schaute uns zu. Muss wohl seine Art von Fernsehen sein. Wir liessen uns nicht beirren und frühstückten gemütlich unsere Rühreier mit Tomaten, Zwiebeln und Schinken. Der Junge mit den Schafen kam auch wieder vorbei, blieb aber nicht so lange. Da sich einiges an Abfall angesammelt hatten, machten wir ein kleines Feuer und verbrannten alles. Der Rest wurde vergraben. Als alles wieder gepackt war, fuhren wir zu den Megalithen, welche nur ein-zwei Kilometer entfernt beim nächsten Dorf waren.
Wir fuhren durch das Dorf und ich fragte den Schafhirten nach dem Weg zu den Megalithen, dieser amüsierte sich köstlich, da ich doch tatsächlich dachte, dass er französische könnte. Er sagte ein paar für uns unverständliche Worte und lachte. Man zeigte uns den Weg mit Gestiken und so fanden wir kurze Zeit später die alten Steinkreise. Diese lagen kreuz und quer auf einem halbwegs eingezäunten Areal.
Kaum angekommen wurden wir auch schon wieder von den Kindern umringt. Ich wollte mit der Videokamera ein paar Aufnahmen von den Kindern machen, da stellten sie sich in Reih und Glied auf, wie zu einer Klassenaufnahme. Ich zeigte ihnen, dass das Video bewegte Bilder aufnehmen und danach waren sie kaum mehr zu bremsen. Immer wieder wollten sie die gleiche Sequenz schauen. Bei neuen Aufnahmen drängelten sich wie immer die frechen Buben vor. Charly machte ein paar Fotos von den scheuen Mädchen, die armen wussten schon gar nicht mehr, wo sie hinschauen sollten.
Wir fuhren zurück zum Dorf und alle winkten uns zu. Im nächsten Dorf sahen wir eine Stute und ein Fohlen. Da mussten wir natürlich anhalten, damit ich ein schönes Foto machen konnte. Die Tiere laufen hier generell frei herum und sind weder auf einer Koppel, noch sind sie angebunden. Kaum hatten wir angehalten, als auch schon wieder die Kinder vom Dorf angerannt kamen. Sie guckten nur und freuten sich, dass wir ein Foto von ihnen machten. Die Bevölkerung hier hatte wahrscheinlich noch nicht so viel Kontakt mit Touristen, weshalb es auch keine Forderung nach Geld oder Geschenken gab. Zurück in Koungheul, fuhren wir weiter auf der sehr löchrigen Asphaltpiste bis nach Tambacounda. Es war sehr schwer den Löchern auszuweichen und so manches Loch mussten wir durchfahren. Dadurch kamen wir nur langsam voran.
Als wir in Tambacounda ankamen, war es bereits nach 17 Uhr. Gabi und Jürgen wollten eigentlich noch auf die Bank um Geld zu wechseln, um diese Zeit war aber die Bank schon geschlossen. Wir kaufen auf dem Markt an der Strassenseite Früchte ein. Wir kauften Papayas, Mandarinen und Mangos. Im kleinen Lebensmittelladen kauften wir noch die restlichen Sachen ein. Es gab sogar noch einen Getränkeladen, wo wir uns mit Mineralwasser und Bier eindecken konnten. Weiter ging es zu Tankstelle, wo wir unsere Tanks füllten und auch unser Duschwasser wiederauffüllten konnten. Zuerst wollte der Typ von der Tankstelle 1000 CFA für das Wasser, da leerte Jürgen das Wasser gleich wieder aus. Der Tankwart kam vorbei und teilte dem anderen mit, dass wir hier für viel Geld getankt hatten und nun auch unsere Wasservorräte auftanken durften. Es waren ja nur 20 Liter Wasser, das wir brühwarm aus der Leitung zapften. Während sich die Männer um das Wasser kümmerten, bewachten wir Frauen die Autos. Eine Traube von Kindern folgte uns. Die waren ganz schön frech und jeder wollte meine Hand schütteln. Bei einigen habe ich am Anfang mitgemacht, doch mit der Zeit wurde es einfach zu viel. Jeder hatte so seine Sprüche drauf und jeder wollte natürlich sein Geschenk. Ich erklärte immer wieder, dass jetzt nicht Weihnachten sein und es deshalb auch keine Geschenke gab. Wir liefen näher zur Zapfsäule und ein junger Burschi packte plötzlich seinen Schnidel aus und lies diesen auf seinem Hosenbund tanzen. Wahrscheinlich wollte er mich schocken, aber ich fragte ihn nur, ob denn das alles sei - sehr gross sei er ja nicht. Die Kinder gröllten. Ein älterer Mann von der Tankstelle muss die Situation beobachten haben und scheuchte die Kinder mit einigen Schimpfworten davon. Wir bedankten uns bei ihm, für die Rettung vor der Rasselbande.
Unsere Männer kamen nun auch endlich zurück und wir konnten weiter zur Patisserie fahren. Wir kaufen ein paar Brote und konnten nicht wiederstehen ein paar feine Guezlis zu kaufen.
Wir hatten viel Zeit mit dem Einkaufen verbracht und es wurde schon langsam wieder dunkel.
Auf der N7, einer guten Teerstrasse, fuhren wir weiter nach Süden, da wir ja in den Niokolo Koba National Park wollten. Nach dem Dörfchen Missira suchten wir uns auf einer Seitenpiste eine Schlafgelegenheit. Es war holprig und die Erde war verkohlt, da man das Savannengras vor einiger Zeit angezündet hatte. Es war ein schönes Plätzchen zwischen den Bäumen und Büschen. Unsere Füsse jedoch waren innerhalb von kürzester Zeit schwarz vom Russ. Vor dem Essen haben wir unsere Buschdusche montiert und uns geduscht. Danach wärmten wir uns nochmals den Reis auf, während Jürgen und Gabi sich eine Brotzeit machten. Wir sassen noch einige Zeit draussen bei Kerzenschein und gingen bald darauf schlafen. Es war wieder so heiss und das Einschlafen viel schwer, da man sich von lauter Hitze immer hin und her wälzt.
Wir hatten trotz allem gut geschlafen und fuhren nach dem Frühstück weiter in Richtung Niokolo Koba N.P. Die erste Ausfahrt nach Wassadougou informierte mit einem Schild, dass man hier eine Pirogenfahrt auf dem Gambia River machen kann. Wir waren jedoch auf den Park fixiert und fuhren gleich weiter bis Dar Salam. Dort war der Parkeintritt und die Eintrittserlaubnis musste man da kaufen. 2000 CFA pro Person und Tag, einmalig 5000 CFA für das Auto und 6000 CFA für den Führer. Im Westafrika-Führer von Reise-Know-How und auch im „Durch Afrika“ Reiseführer war erwähnt, dass ein Führer nicht obligatorisch sei. Wir waren aber bereits von Werner von der Zebrabar vorgewarnt worden, dass es seit ca. 1 2 Jahren eine Führerpflicht in Senegal besteht, dass man nicht ohne Guide in die National Parks fahren darf. Wir versuchten den Ranger auf alle möglichen Arten zu überzeugen, dass wir keine Führer mitnehmen können, da wir schlicht und einfach nur für zwei Personen Platz hattn im Auto. Der Vorschlag, der Führer doch auf dem Dach zu transportieren, lehnten wir strikte ab, da uns die Verantwortung schlicht und einfach zu gross war. Den Guide zu zahlen, aber nicht mitzunehmen, lehnte wiederum der Ranger ab. Wir hatten auch keine Lust uns den Park auf diese unbequeme Art und Weise anzusehen und so beschlossen wir, dass wir den Park nicht besuchen. Jürgen hasste es sowieso, so gezwungen zu werden und war eh schon stink sauer.
Wir entschlossen uns zurück nach Wassadougou zu fahren, um dort wenigstens eine Flussfahrt auf dem Gambia zu machen. Das Camp war eher auf Pauschaltouristen ausgerichtet und es gab hübsche Rundhütten sowie ein grosses Restaurant. Auf dem Aussichtsplattform hatten wir eine tolle Aussicht auf den gegenüberliegenden Busch und den Gambia-Fluss. Sehr zu unserer freudigen Überraschung konnten wir drei Flusspferde gleich gegenüber beobachten, wie sie auf- resp. abtauchten.
Wir überlegten, ob wir eine Nacht bei diesem Campement bleiben sollten, oder ob wir die Flussfahrt gleich machen und anschliessend weiterfahren sollen. Jürgen wurde überstimmt und wir beschlossen eine Nacht in dem Camp zu verbringen. Wir zahlten 3600 CFA für die Nacht pro Auto mit der Auflage dort zu Abend zu essen. Das komplette Menu kostete 6200 CFA, nach einigen zögern wurde uns angeboten, dass wir nur das Tagesmenu nehmen, welches 4000 CFA kostete. Wir entschieden uns die Bootstour um 16 Uhr zu buchen und parkierten unsere Autos zwischen den alten Rundhütten, wo die Arbeiter des Camps schliefen, da uns dieser Platz zugewiesen worden war. Wir hatten in Tambacounda viel Obst eingekauft gehabt und uns davon einen leckeren Fruchtsalat mit Yoghurt-Sahne zubereitet. Die Zeit lief wieder mal viel zu schnell und es war viel zu heiss, über 40 Grad. Aus diesem Grund wollten wir die geplante 16 Uhr Bootstour auf 17 Uhr verschieben. Das ging aber nicht, da die Tour bereits ausgebucht war. Also beschlossen wir die Tour auf den nächsten Tag um 7 Uhr zu verschieben, da wir uns auch erhofften, in den frühen Morgenstunden mehr Tiere zu sehen.
So hatten wir endlich mal wieder Zeit Tagesbuch zu schreiben und uns gemütlich zu duschen. Jürgen hatte immer noch Magen-Darmprobleme und konnte sich hier auch etwas regenerieren. Die Duschen und Toiletten, die wir benutzen durften, waren natürlich auch die der Angestellten. Wer Camping macht, ist hier leider Tourist 2. Klasse. Die Sanitärenanlagen waren jedoch sauber und so konnten wir uns nicht wirklich beklagen. Als es langsam dunkel wurde, gingen wieder zur Aussichtsplattform um nochmals die Flusspferde zu beobachten. Eines riss das Maul so weit auf und reckte dabei den Hals voll aus dem Wasser, dass es fast aussah als ob der Oberkiefer hinten wegklappt. Wir hörten noch einige mal ihr grunzen, bevor es definitiv dunkel war.
Kurz nach 20m Uhr gab es Abendessen. Die Tische waren hübsch mit künstlichen Blumen geschmückt. Es gab Hühnchen Yassa! Lecker dachten wir, da wir ja in Dakar so fein gegessen hatten. Doch was uns da aufgetischt wurde war eine Katastrophe. Die Sosse war wässrig und viel Geschmack hatte diese auch nicht. Die Hühnerbrust war zäh und sogar der Reis schmeckte fade. Als Dessert erhielten wir eine karamellisierte Birne aus der Dose mit Dosenvanillesosse. Wääääääähhhh.
Wir verzogen uns rasch und assen etwas Schweizer-Schoki auf den Schock hin.
Noch schnell eine kühlende Dusche vor dem Zubettgehen, da es immer noch über 30 Grad warm war und man bei dieser Hitze nicht so gut schlafen kann.
6:30 Uhr klingelt der Wecker. Es ist Zeit zum aufstehen, da wir ja heute um 7 Uhr die Pirogenfahrt machen wollen. Jürgen und Gabi sind auch schon gleich fertig und stopfen noch schnell ein Stück vom süssen Zopf in den Rücksack. Ausgerüstet mit Kameras und Fernglas maschieren wir Punkt 7 Uhr zur Anlegestelle. Keine Hippos zu sehen Schade. Wir müssen ca. eine ¼ Stunde warten, bis der Bootsfahrer kommt. Dann muss er zuerst noch den Motor montieren, die Schraube befestigen und den Tank auffüllen. Mit einer halben Stunde Verspätung können wir endlich loslegen. Alle Mann (resp. Frau) ins wacklige Boot für 6 Personen. Gespannt fahren wir den Gambia Fluss hoch, die Kamaras schussbereit. Zuerst sehen wir einen schönen türkisblau-schwarzen Vogel, dann ein Baby-Krokodil und wenig später eine Horde Paviane am linken Flussufer. Kurz darauf werden wir ans Ufer gebracht, wo wir ein Stück hochliefen. Nach ein paar Metern holte uns der Bootsführer wieder ab. Danach sahen wir nur noch zwei Seeadler, die hoch oben in den Baumwipfeln auf Beute spähten. Leider konnten wir keine weiteren Tiere sehend. Dafür gab es tausende von fiesen Bremen resp. Tse-Tse-Fliegen, die uns alle plagten. Mit Vorliebe setzten sie sich in die frischgeschorenen Haarstoppel unserer Männer. Diese mussten sich ständig gegen die Biester wehren. Gabi haben sie besonders gerne in die Beine gestochen und auch bei mir fanden sie den einen oder anderen unbeobachteten Platz zum Zustechen. Auch der Bootsfahrer blieb nicht verschont.
Nach der wenig ergiebigen Tour hatten wir alle Hunger und machten uns gemütlich unser Frühstück. Ein Südfranzose war auch mit dem Auto hier und nach dem wir ihm zugewinkt hatten, gab er kurz zu einem Schwatz. Er war sicher schon älter und wahrscheinlich schon pensioniert. Wir fragten, welche Tiere er den im Park gesehen hatte. Ausser ein paar Antilopen und Wasserbüffel, hatte er auch nicht mehr gesehen als wir, aber wesentlich mehr dafür bezahlt, da dies eine Tour mit dem Auto war.
Da die Duschen ausgerechnet heute weiss gestrichen werden mussten, dachten wir schon wir könnten keine Dusche nehmen, doch man hatte erbarmen mit uns und wir konnten in der Rundhütte Nr. 3 duschen gehen. Herrlich abgekühlten packten wir den Rest unserer Sachen und fuhren weiter.
Die Hauptstrasse quert den National Park und so konnten wir unterwegs noch ein paar hellbraune Affen auf den Bäumen ausmachen. Wenig später sahen wir wie eine Horde Paviane die Strasse überkreuzten. Im Gebüsch sassen sie und sahen uns genauso neugierig an, wie wir sie. Sie verschwanden im Gebüsch, aber zwei waren dann doch zu neugierig und kamen wieder hervor. Bei einer weiteren Horde Paviane schreckten wir noch ein paar Warzenschweine auf, die sich im Savannengras versteckt hatten.
Da wir nur mit niedriger Geschwindigkeit gefahren waren, wurde es schon wieder Abend. Für uns bedeutete dies wieder ein Ort zu finden, wo wir ungestört übernachten konnten. Das Camp im Ort Niokolo Koba war nicht mehr in Betrieb und es waren nur noch ein paar Soldaten dort. Der Fluss Niokolo Koba war zudem noch völlig ausgetrocknet und somit stand fest, dass wir wieder einen Platz zum Wildcampieren suchen mussten.
Kurz bevor der National Park Niokolo Koba endete schlugen wir uns auf einer holprigen Piste in die Büsche. Ein tiefer Graben galt es zu queren, doch schon bald war die Piste beendet. Jürgen und Charly erkundeten den weiteren Verlauf, jedoch ohne Erfolg. Dies hiess umkehren und weiter suchen. Kurz darauf waren wir auch schon aus dem Park gefahren und schon waren wieder Dörfer aneinander gereiht. Die Leute winkten uns nett zu von ihren strohgedeckten Rundhütten und das obligate Geschrei der Kinder nach Geschenken, begann wieder von neuem. Im Dorf Tonboronkoto sahen wir einen schönen Brunnen und da wir nur noch ca. 20 Liter Wasser hatten, entschieden wir uns, die Wassertanks zu füllen. Wir fragten höfflich, ob die möglich sei und es wurde uns ohne Problem gewährt.
Wir mussten immer wieder warten, bis wir unsere Behälter füllen konnten, da auch die Einheimischen Frauen ihre Wasservorräte auffüllen mussten. Sie befüllten ihre grosse Waschzuber, die ca. 30 - 40 Liter Wasser fassten. Diese wurden danach auf den Kopf gehievt und nach Hause balanciert. Wir staunten, wie die schmächtigen Frauen die schweren Behälter tragen konnten. Die Männer sassen natürlich wie immer untätig herum und sahen den Frauen desinteressiert zu.
Nicht nur für die Kinder waren wir wieder eine Attraktion und so schaute uns jeder zu, wie auch wir das Wasser aus dem Brunnen pumpten. Da wir gemeinsam fast 200 Liter Wasser auftankten, fragte man uns nach einer Gebühr. Wir zahlten die 500 CFA gerne, da dieses Geld für Reparaturen für den Brunnen gedacht war. Gabi und Jürgen fanden in dem kleinen Laden noch frisch gebackenes Brot, danach fuhren wir eilig weiter, da es schon wieder dunkel wurde.
Gott sei Dank fanden wir bald darauf ein schönes Plätzchen, wo wir unser Nachtlager aufschlagen konnten. Nur die grossen Steine waren etwas eklig zum Fahren, aber ansonsten war der Platz schön flach und zwischen Büschen versteckt.
Gabi kochte Nudeln und machte die Gulaschsuppe dazu, die sie noch von zu Hause dabei hatte. Ein gemütliches Bier und friedliches Geplauder beendeten unseren Tag.
Am Morgen als wir aufwachten, stand auf der anderen Seite der Piste ein weisser Pick-up. Etwas verunsichert schauten wir rüber. Jürgen war schon seit geraumer Zeit auf und teilte uns mit, dass das Auto schon länger dort stehe. Die Männer vom Pick-Up kamen zurück und winkten uns freundlich zu. Kurze Zeit später waren sie weg. Das Frühstück gestaltete sich heute schwierig, da es so viele Bremen und kleine Mücken gab, die einem dauernd um den Kopf schwirrten. Jürgen hatte ein externes Moskitonetz mitgenommen von zu Hause und man überlegte sich wie man dieses am besten aufhängt, so dass der kleine Tisch und vier Stühle darunter Platz hätten. Wo ein Gebüsch ist, ist auch ein Weg also hängten wir das Netz am Zweig eines Baumes auf und breiteten das Netz unten aus. Mit Steinen wurden die Enden fixiert und schon konnten wir unser Frühstück wenigstens mit etwas Ruhe geniessen. Die eine oder andere kleine Mücke konnte sich zwar durch die Maschen zwängen, aber die grosse Mehrheit blieb uns vom Hals.
Wieder alles an Ort und Stelle versorgt ging es weiter nach Kedougou. Die Teerstrasse führte mit ein paar wenigen Schlaglöchern zum kleinen Grenzort. Wir fuhren die Hauptstrasse rauf und runter, wobei in Mitten des Städtchens die Teerstrasse plötzlich aufhört und nur noch eine staubige Piste weitergeht. Eine Bank suchten wir vergebens und es war sowieso Sonntag, also was tun. Wir hatten noch leer Bierflaschen, auf denen noch Pfand war (125 CFA) und so fragten wir in der Bar Calabasse nach, ob man sie die Flaschen zurück nehmen und wo man Geld wechsel kann. Der freundliche junge Mann sprach sehr gut englisch und freute sich über uns Erscheinen. Er empfahl uns, es bei dem Campement „Relais du Kedougou“ zu versuchen. Wir fuhren sofort dorthin, aber leider war der Chef nicht da und so vertröstete man uns auf 13 Uhr, dass sollte der Chef wieder da sein. Kein Problem, wir hatten sowieso noch diverse Dinge zu erledigen. Als erstes suchten wir den Grenzposten auf, wo wir anstandslos und korrekt unser Carnet de Passage ausstempeln konnten. Dieser schickte uns dann zur Gendarmerie, damit wir unsere Pässe ausstempeln sollten. Der Beamte lag träge auf seine Pritsche, als wir dort ankamen. Er erhob sich jedoch sofort und fragte freundlich was wir wollen. Er bat uns in sein Zimmer, wo noch der Fernseher lief und bat Gabi und mich auf seiner Schlafpritsche Platz zu nehmen. Charly und Jürgen musste noch ihre ausgestempelten Carnets holen. Wir Frauen sassen in der Zwischenzeit auf seiner Pritsche und Charly machte einen Witz als er zurück kam. Im Stil von: Oh lala, gleich 2 Frauen im Bett. Da musste er herzlich lachen und wurde doch etwas verlegen. Er sah sich unsere Dokumente an und teilte uns mit, dass es noch einen Polizeiposten in Segou gäbe, wo wir diePäss stempeln lassen müssen, da wir das Land nicht sofort verlassen. Auch kein Problem.
Da wir noch einkaufen mussten, fuhren wir weiter ins Zentrum des Ortes, wo es einen Markt und diverse kleine Läden gab. Wir stockten unsere Vorräte auf und Charly konnte endlich einen dicken Hammer und einen Meisel ergattern, welche er schon länger gesucht hat. Nur für den Fall, dass wir wieder mal auf Fossilien treffen wie in Western Sahara.
Anschliessend fuhren wir zurück zum Relais du Kedougou, wo die Chefin der Anlage den beiden Franken ihre Euros in CFA wechselte, Travellers Checks konnte sie leider nicht annehmen. Sie lebt bereits seit 19 Jahren in Senegal und hat hier alles mit ihrem Mann aufgebaut. Die Anlage war sehr gepflegt und es gab sogar eine Art Minizoo. Ein armes Krokodil, welches in einem kleinen Gehege gehalten wird, 4 kleine rehartige Antilopen und einen grossen Vogelkäfig mit diversen lokalenVögeln drin. Die Anlage wird überwiegend von Jägern besucht und ist entsprechend dafür eingerichtet. Als wir endlich alles erledigt hatten, suchte wir uns den Weg ins Bassari Land. Leider haben wir uns aber vorher noch richtig verfahren, da es zwar ein Schild mit den Ortnamen gab, aber leider der wegweisende Pfeil fehlte. Schliesslich fanden wir den richtigen Weg und donnerten über die Piste, als mir plötzlich in den Sinn kam Jäger ist gleich Fleisch, ist gleich Warzenschwein! Die anderen waren schnell überzeugt und drehten wir wieder um und fuhren die 5-6 Kilometer zurück zum Relais. Leider vergebens, da die Chefin uns kein Wildfleisch verkaufen wollte. Es sei zu problematisch, wenn jemand Wildfleisch besitzt aber leider kein Jagdpermit. Dafür aber schickte sie einen ihrer Angestellten, damit dieser für uns frisches Brot holen geht. Wir tranken in der Zwischenzeit eine Cola, frischgepresste Zitronenlimo, resp. Café au Lait und genossen die tolle Aussicht auf den Gambia Fluss.
Bald fuhren wir erneut los, damit wir endlich zu dem Wasserfall bei Dindéfélou fahren konnten. Die Abzweigung war schnell gefunden, aber leider war die zweite Abzweigung die falsche und wir mussten erneut umkehren, als wir auf unserem GPS bemerkten, dass wir nicht ganz in die richtige Richtung fuhren. Danach hatten wir keinerlei Probleme mehr der richtigen Piste zu folgen. Nur der Zustand der Piste, welcher im Reiseführer mit: ..auf guter Piste fährt man nach Segou“, war alles andere als gut. Es gab ziemliche Löcher und tiefe Spurrillen. Die eine oder andere Brücke gab es nicht mehr und man musste direkt durch das trockene Flussbett fahren. Bei einer Brücke legten wir kurz den Rückwärtsgang ein, da diese labile Holzbrücke keinen vertrauenswürdigen Eindruck bei uns erweckte. Die Betonbrücke neben dran war zwar teilweise auch schon ausgebrochen, aber sie erschien uns stabil genug für unser Auto. Die Piste wurde immer holpriger und es kamen uns höchstens 1-2 Autos entgegen. Der grösste Anteil an Verkehrsteilnehmern, waren die Radfahrer.
Wir suchten in Segou nach dem rechten Weg zu den Cascaden. Ein Mann sagte uns, dass diese nicht weit weg seinen und rannte voraus. Der Weg dorthin war ganz mies, er war sehr schmal und wir konnten nur in ziemlicher Schräglage über die riesigen Steine fahren.
Schnell merkten wir, dass wir auf dem Campement „Cascade du Segou“ gelandet waren. Da wir hier nicht hin wollten, fuhren wir gleich wieder weiter. Die Männer schauten uns nur etwas verdutzt an.
Der Weg zum richtigen Wasserfall führte durch das Dorf Segou und weiter auf grobsteiniger Piste nach Dindéfélou. Wir fuhren in das Dorf rein und wurden schon herzlich von einer Frau begrüsst. Sie sah mich bei der Begrüssung nicht an, was in Senegal üblich ist. Damit soll gezeigt werden, dass man nicht aggressiv ist, wie mir Karin in Dakar erklärt hatte. Für uns ist dieses Verhalten eher befremdend und hinterlässt eher das Gefühl von Desinteresse, was aber überhaupt nicht der Fall ist. Andere Länder, andere Sitten!
In der Dorfmitte gab es einen grossen Auflauf und wir mussten genau durch die Menschenmenge fahren. Es gab auch ein paar wenige Weisse darunter, die den Einheimischen bei ihren Tänzen zusahen. Wie wir später im Camp erfuhren, waren junge Männer von einem hiesigen Frauenkomitee von einem 30 Kilometer entfernten Dorf zu einem Fest eingeladen worden. Diese waren geschmückt und tanzten nun dort. Der Weg zum Weg war nochmals sehr holprig, da die Piste hochkant mit grossen Steinen gepflastert war. Auf dem Weg dorthin kam uns ein altes Geländefahrzeug entgegen, mit zwei jungen Frauen drin. Diese hielten an und fragten uns, wie lange wir den von der Schweiz hierher gehabt hatten. Es waren zwei Krankenschwestern aus Fribourg, die hier zur Zeit stationiert sind.
Endlich im Camp angekommen, konnten wir unsere Autos wieder bei den Rundhütten der Angestellten parkieren. Für 1250 CFA die Nacht konnten wir bleiben. In einer Gemeinschaftshütte nahmen wir Platz und sprachen mit den Leuten. Es war auch ein Franzose dort, der uns mitteilte das es einen Putschversuch in Guinea gegeben hatte, nach dem er erfahren hatte, dass wir dorthin wollten. Beunruhigt versuchten wir weitere Infos zu erhalten von den Einheimischen. Diese beruhigten uns aber wieder und sagten, dass dies um den 15.02.05 gewesen sei, das dieser niedergeschlagen wurde und das nun alles wieder ruhig ist. Uuuppps! Hatten wir es doch versäumt in Kedougou in ein Internet Café zu gehen und uns über das nächste Land zu informieren. Wir hatten auf der Zebrabar einige Reisende getroffen, die direkt aus Guinea zurück kamen und keinerlei Probleme hatten, weshalb wir uns keine grossen Gedanken gemacht hatten.
Wir beschlossen heute auswärts zu essen und bestellten das Tagesmenu, welches uns gemeinsam mit zwei kleinen Tischen direkt ans Auto serviert wurde. Mit Geschirr und Besteck, na wenn das kein Service ist. Den Namen des Gerichtes kenne ich leider nicht, aber es gab eine Art lokale Hirsesorte mit Tomatenölsosse und Hühnchen. Es schmeckte ganz lecker. Es wurde viel mehr in zwei grossen Schüsseln serviert, als wir vier essen konnten.
Bei einem Bier diskutierten wir unser weiteres Vorgehen. Gabi schickte ein SMS an eine Freund, der die Lage von Deutschland aus abklären sollte. Dieser bestätigte bald, dass es zu diesem Zeitpunkt Probleme gab und dass das Auswärtige Amt empfiehlt, dass man sich an die Deutsch Botschaft in Conakry wenden soll, bevor man das Land bereist. Conakry ist die Hauptstadt von Guinea.
Wir beschlossen, dass wir am gleichen Tag nichts mehr unternehmen konnten und verschoben alle weiteren Aktivitäten auf den nächsten Tag. Wir sassen und diskutierten bis Mitternacht. Danach nahmen Charly und ich noch eine lauwarme Dusche, die gerne hätte etwas kühler sei dürfen. Immer noch waren es gut 30 Grad und einschlafen fällt dann wie immer schwer.
Die ganze Nacht hatte ein blöder Hahn direkt neben unseren Autos gekickerikiet. Blödes Vieh! Noch vor dem Frühstück versuchte Gabi die Deutsche Botschaft in Conakry zu erreichen. Sie kam immer nur bis Boujour, dann war die Leitung wieder tot, oder sie hörte es rascheln aber niemand antwortete mehr. Die Telefonleitungen von Conakry sind bekannt dafür, das sie in der Regel nicht funktionieren. Nach diversen vergeblichen Versuchen, entschlossen wir uns die Schweizer Botschaft in Dakar anzurufen. Die haben aber einen „different Job“ sprich keine Ahnung, obwohl Guinea ein Nachbarland von Senegal ist. Sie wusste nur, dass die Botschaft von Côte d’Ivoire zuständig ist. Immerhin wusste man das! Also suchte ich die Nummer der Botschaft von der Elfenbeinküste. Der Mann der dort abnahm, muss ein Berner gewesen sein. Erstens wegen seinem Akzent und zweitens weil er beim Sprechen fast einschlief. Informiert war dieser leider auch nicht, aber generell tun sie schon mal warnen dieses Land zu bereisen. Sein Hauptproblem war wahrscheinlich nicht zu viel Arbeit zu bekommen. In Afrika ist es nicht anders wie überall, die Schweizer Botschaften kann man nicht brauchen.
Die Deutsche Botschaft von Dakar wusste noch nicht einmal, dass es eine Meldung im Internet vom Auswärtigen Amt gab. Na so was gibt es kein Internet in Dakar oder was? Wissen diese Leute eigentlich überhaupt etwas? Zusammengefasst - die Deutsche Botschaft in Dakar hatte auch keine Ahnung, auch "different Job" und informiert war man dort überhaupt nicht. Wir hatten nichts anderes erwartet.
Wir schickten ein Mail zur deutschen Botschaft nach Conakry, mit der Bitte uns die Sicherheitslage über die beschriebene Strecke mitzuteilen. Wir schrieben auch, dass wir am Folgetag nach Guinea einreisen wollten.
Die Einheimischen versicherten uns, dass die Lage nun ruhig ist und es keine weiteren Putschversuche geben würde. Wenn überhaupt, dann gebe es nur in Conakry Probleme, weil es die Hauptstadt von Guinea ist und dort wollten wir sowieso nicht hin. Sie hörten täglich den Radiosender von Guinea. Wieso kann das eine Botschaft nicht, die sollten doch noch ganz andere Kontakte haben?????
Wir beschlossen nach Guinea einzureisen. Wir gingen davon aus, dass wenn es gravierende Probleme gäbe, die Botschaft wohl doch etwas wissen würde darüber. Sollte es dennoch Probleme geben, würden wir dies an der Grenze zu spüren bekommen und gleich wieder ausreisen. Mit diesem Vorsatz frühstückten wir zu Ende und machten uns auf den Weg zum Wasserfall. Gute 30 Minuten galt es zu laufen. Es war brütend warm, doch da der Aufstieg zum Wasserfall durch den Wald ging, war es nicht ganz so schlimm. In den Waldlichtungen, wo es kleine Staubecken gab, wurde fleissig von den ansässigen Frauen Wäsche gewaschen. Teilweise gab es auch den einen oder anderen nackten Busen zu sehen. Die fertige Wäsche wurde anschliessend wieder in die Kübel gepackt und auf dem Kopf nach Hause balanciert.
Oben beim Wasserfall angekommen, war leider eine Gruppe Franzosen am Pick-Nicken. Sie hatten drei schwarze Führer dabei und zwei Kinder die das Material schleppten. Die Kolonialmacht lässt immer noch grüssen. Wir hätten die herrlich Lage und Schönheit besser geniessen können, wenn sie nicht auch noch so viel Lärm gemacht hätten. Das schattige Plätzchen war herrlich frisch, doch der Naturpool lockte uns nur wenig, wegen den Franzosen. Der Wasserfall fällt steil nach unten und ist nicht besonders breit. Der Felsen ist eckig abgekantet und mit viel Grünzeug bewachsen. Ein wirklich schönes Plätzchen zum Verweilen.
Auf dem Rückweg zum Camp fotografierte Charly noch zwei Frauen, die dann natürlich dafür Geld haben wollten. Leider haben wir französische Pauschaltouristen öfters dabei beobachten können, wie sie den Kindern und Erwachsenen Geld oder Geschenke gaben, ohne das diese dafür etwas tun mussten. Kein Wunder also, dass wir immer nach Geschenken und Geld gefragt werden.
Auf dem Camp bestellten wir wieder das Nachtessen, da es am Vortag ja so gut war. Sie wollten uns das gleiche zubereiten wie am Vortag, da eine neue Gruppe angekommen war und diese dieses Menu bestellt hatte. Wir wollten jedoch was anderes und ihre Idee Spaghetti zu kochen fand bei uns wenig Begeisterung, da wir diese ja auch selber machen können. Wir wollten etwas einheimisches und man sagte uns, sie machen dann halt etwas mit Reis und Erdnusssosse mit Hühnchen.
Da uns der Hahn die letzte Nacht so geärgert hatte, sagten wir im Spass, dass wir uns den Hahn zu Abendessen wünschen und lachten dabei. Der nette Typ vom Camp lachte auch und verschwand. Nach ca. 10 Minuten kam er wieder mit einem grossen Messer in der Hand und verschwand in der Rundhütte wo der Hahn und zwei Hühner waren. Uiiiii da bekamen wir aber alle ein ganz schlechtes Gewissen, als wir es flattern hörten und die armen Viecher um ihr Leben rannten. Das aufgeregte Gegacker war bald beendet und die Hühner tot. Wir hatten plötzlich gar keinen Hunger mehr.
Ein netter älterer Mann von Camp holte seine Detailkarte und erklärte uns den Weg, auf welchem wir am einfachsten nach Mali kommen. Dieser war zwar ein Umweg, aber dafür gut befahrbar meinte er. Ein junger Mann der Touristen durch die Gegend kutschiert und der die Strecke anscheinend gut kannte meinte, dass dies doch zu lang sei und wir die steile und direktere Strecke nehmen sollten. Auf die Frage wegen der Höhe des Autos gab er uns aber keine eindeutige Antwort, was uns dazu veranlasste, lieber die erste Variante zu wählen.
Eine Stunde später wurde das Essen serviert. Reis, Erdnusssosse und zähes Huhn. Es war so gut wie kein Fleisch am Knochen und von der Sosse hatten wir auch bald alle genug. So gut wie das Essen am Vortag war, so schlecht war es an diesem Tag. Wir waren enttäuscht und liessen die Teller halbvoll wieder abräumen. Nach dem Essen kam nochmals ein junger Mann, der wohl aus Guinea stammte und der beide Varianten kannte. Er erzählte uns, dass bei der steilen Strecke oben ein Stück von der Piste weggebrochen ist, die Umleitung ziemlich schräg sei und wir wahrscheinlich mit der Wohnkabine Probleme haben werden.
Anschliessend diskutierten wir vier noch eine Weile welchen Weg wir nun wählen sollten und beschlossen uns an der Grenze von Guinea nochmals zu erkundigen.
Um Mitternacht nahmen wir wieder eine kühlende Dusche. Die Sanitärenanlagen im Camp liessen jedoch zu wünschen übrig. Es erinnerte eher an einen alten Hühnerstall. Alle WCs hatten zwar einen Anschluss für eine Wasserspülung, diese war aber leider nicht angeschlossen. Das Wasser für die Spülung musste mit Eimern von einem Reservoir rübergetragen werden. Da viele Touristen zu faul waren dies zu tun, hatte die Anlage leider den entsprechenden Geruch. Die Wände in der Dusche waren verschmiert, doch mit unseren Badelatschen trauten wir uns rein. Ein dünner Rinnsaal verschaffte uns etwas Kühlung und wir konnten unsere verschwitzten Körper reinigen.
Nach dem Frühstück entschlossen wir uns nun definitiv nach Guinea einzureisen, nachdem uns weitere lokale Leute versichert hatten, dass es in Guinea keine weiteren Probleme gibt. Von der Deutschen Botschaft hatten wir leider noch keine Antwort erhalten. Wir mussten zurück nach Segou fahren und den Polizeiposten suchen. Ein dicklicher grosser Mann schlarpte heran und meinte der Posten sei auf der anderen Seite. Es stellte sich heraus, dass er der Polizist war, der unsere Pässe abstempeln sollte. Der Polizeiposten erinnerte uns eher an einen Hühnerhof im Hintergarten als an ein offizielles Gebäude. Von allein wären wir niemals auf die Idee gekommen, dort den Polizeiposten zu suchen.
Sehr zu unserer Erleichterung erledigte er die Grenzformalitäten ohne nach Geld oder einem Geschenk zu fragen. Er wollte noch kurz unser Carnet sehen und wünschte uns dann eine gute Reise. Wir fragte ihn noch nach dem Weg nach Guinea und ob wir wirklich bis zum Schild beim Afia-Schild zurückfahren müssten, wie es uns der nette Mann vom Camp erklärt hatte. Nein, nein war seine Antwort und wies uns den Weg. Hier einfach geradeaus und an der Abzweigung links halten.
Es war der gleiche enge und schräge Weg wie zu den Cascaden du Segou. Der weitere Weg war mit groben Steinen gespickt und ging bergauf. Gabi und ich stiegen aus um ein paar Fotos zu machen. Währenddessen liefen immer mehr Leute vom Dorf zusammen und folgten uns. Dies verwunderte uns zuerst, aber später wussten wir warum. Die holprige Piste wurde immer schwieriger und schmaler. Richtige Felsbrocken lagen neben- und übereinander. Der Weg wurde immer schmaler und zum Schluss war kaum noch eine Wagenbreite vorhanden und es wurde verdammt steil.
Unser Auto kletterte Rad um Rad nach oben. Hinzu kam immer wieder eine bedenkliche Seitenlage, so dass ich ein paar Mal richtig Angst bekam, die Wohnkabine kratze am Felsen. Rechts ging es steil runter, aber ein Erdwall aus Felsen und Erde stellte sicher, dass man nicht in die Tiefe rutschen konnte. Die Franken erzählten uns später, dass immer wieder ein Rad von unserem Auto in der Luft gehangen war. Wir waren heilfroh, als wir endlich oben angekommen waren. Die Dorfbewohner, die unserem Schritttempo ohne Probleme den steilen Hang folgen konnten, waren enttäuscht, dass nichts passiert war. Es muss wohl schon andere Fälle gegeben haben, gemäss ihrer betrübten Gestik. Quasi, „Schade hat es heute keine Aktion gegeben“. Wir allerdings waren froh dieses absolut mieseste Stück Weg hinter uns gebracht zu haben.
Nachdem die Steigung geschafft war, gingen die Dorfbewohner von Segou wieder zurück in ihr Dorf. Wir fuhren glücklich weiter, aber das Glück dauerte nicht lange. Es folgten noch weitere schwierige Passagen, die ein sehr gutes fahrerisches Können verlangten. Charly und auch Jürgen habe die Strecke mit Courage und einer grossen Portion Unerschrockenheit gemeistert. Wir haben auf dem Plateau zwischen den Bäumen und Büschen hellbraune Affen erspäht, die aber leider schnell davon liefen. Eine Zeit lang wussten wir nicht ob wir noch in Senegal waren oder ob wir bereits auf dem Gebiet von Guinea fahren. Dort oben gab es lange keine Hütten und keine Einwohner, nur Busch und gelbes Savannengras.
Auf einmal sahen wir auf der rechten Seite Strohhütten und bald darauf ein Dorf, doch davor war eine Kette gespannt. Wir waren an der Grenze von Guinea angelangt.
| Guinea |
Wir mussten uns etwas gedulden, bis jemand kam um die Grenzkette zu öffnen. Der freundliche Mann begrüsste uns herzlich. Bald waren auch noch ein paar Kinder anwesend. Wir wurden zum Polizeiposten geschickt, wo wir unsere Autos abstellten. In einer Hütte, die wie ein Korb geflochten war, durften wir auf einer langen schmalen Bank Platz nehmen. Wir mussten dem Beamten unsere Pässe geben und wir wurden zudem ausführlich befragt, wie der Vater und wie die Mutter heisst. Woher wir kommen und wohin wir wollen sowie was wir beruflich machen. Alles wurde akribisch von dem korrekten Beamten in ein Schulheft eingetragen. Freundlich wurden wir verabschiedet und zum Zoll geschickt. Auch dieser Beamte hatte sein Büro in so einer Hütte, wo man die geflochtene Tür einfach zur Seite hob.
Wie zeigten unser Laissez-Passer, das Zolldokument für unser Auto. Dieses Dokument wurde für gut befunden und der Beamte notierte auf der Rückseite, wann wir dort waren und wohin wir wollten. Danach fragten wir nach dem besser zu befahrenden Weg und er meinte der direkte Weg über Madina-Salambande sei wohl steil aber wenn man sehr vorsichtig fährt, sei es möglich die Strecke zu fahren. Die einfachere Piste gehe aber über Lebékere, Gaya und Holo nach Mali. Da uns noch das steile Stück Weg von Segou in den Knochen lag, beschlossen wir, die „einfachere“ Piste zu wählen.
Die Piste bog rechts im Dorf ab. Wir winkten den freundlichen Leuten nochmals zu und verliessen Lougana, wie das Grenzdorf hiess. Gemäss der Detailkarte von dem netten Mann vom Camp, waren wir also schon eine ganze Weile auf Guineagebiet gefahren, bevor der Grenzposten kam.
Die Piste war holprig und steinig, aber ganz gut befahrbar. Wir hatten jedoch bald genug für den Tag und suchten uns schon früh einen Nachtplatz. Wir fuhren zwischen den Steinen über das Savannengras zu ein paar Büschen und Bäumen. Da wir uns in der Abgeschiedenheit des Grenzbereiches befanden, war unser Nachtlager in Sichtweite der Piste.
Wir waren glücklich das Ganze heil überstanden zu haben und auch gut über die Grenze gekommen zu sein. Fröhlich packten wir unsere Stühle und auch den Tisch aus und wollten es uns gemütlich machen. Leider surrten bald Tausende von kleinen Mücken um unsere Köpfe, die uns zum Fressen gern hatten, obwohl wir dauernd um uns schlugen. Die Franken holten entnervt ihre Tropen-Hüte, die ein Moskitonetz eingenäht hatten. Wir verzogen uns in unsere Wohnkabine, trotz der Hitze. Es kamen nämlich neben den kleinen lästigen, aber harmlosen Mücken, noch Bremsen hinzu und die konnten ganz kräftig stechen.
Es dauerte nicht lange und ein Typ kam auf seinem Fahrrad des Weges. Schon stark angetrunken fragte er nach Alkohol und Zigaretten. Jürgen verneinte beides und der Typ machte es sich ungeniert in unserem Stuhl bequem, holte seinen Gin raus und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Als er nach einiger Zeit merkte, dass es bei uns nichts zu holen gab, machte es sich noch betrunkener auf den Weg. Er fiel zwar fast vom Rad, aber irgendwie hat er die Kurve dann doch gekriegt. Wir waren froh den Typ wieder los zu sein, mit seinen glasigen gelben Augen.
Wir kochten später in der Dunkelheit mit weniger Ungeziefer um unsere Ohren unsere Spaghetti mit Thunfischsosse und Kapern, dazu tranken dazu einen Wein aus dem Tetra-Pak.
Ein gemütliches Frühstück wollten wir wieder unter dem Moskitonetz vorbereiten, aber die Bremsen und Fliegen waren so aufdringlich, dass wir es bald aufgaben und trotz der beginnenden Hitze unser Frühstück zu viert in unserer Wohnkabine zu uns nahmen. Gestärkt konnte es bald darauf weiter gehen.
Die Strecke war als einfacher bezeichnet worden, aber bald merkten wir, dass es auf diesem Weg nichts einfaches gab. Die Piste, sofern man das noch so bezeichnen will, ging mal ganz steil bergauf und zwischen tiefen Furchten steil bergab. Oft fuhren wir in Schräglage und es gab einige tiefe Furten zu durchqueren. Zeitweise war die Piste so eng, dass es kaum reichte für uns unbeschadet durch zu fahren. Es fehlten oft nur wenige Millimeter. Es gab Absätze die tief runter führten und dann wieder steil bergauf gingen. Ich fragte mich, ob wir hier wirklich auf dem richtigen Weg sind. Es war schlimm! Manchmal konnten wir nicht mal mehr Schritttempo fahren. Unsere Geschwindigkeit lag bei 3 - 4 km/h. Die Hitze war teilweise unerträglich, weit über 40 Grad. Bei dem Schritttempo kamen immer wieder Bremsen rein und zerstachen uns.
Die Umgebung und die Aussicht auf die hügelige bis bergige Landschaft entschädigte uns aber für die Strapazen. Wir kamen durch Dörfer, wo wirklich höchst selten ein Tourist durchkommt. Entsprechend herzlich wurde uns zu gewunken. Sie rannten aus den Häusern um uns zu sehen, wir waren wahrscheinlich die Attraktion des Tages, wenn nicht der ganzen Woche.
Besonders die Umgebung um den Mt. Loura gefiel uns. Es war alles so tropisch grün und dazu die Berge von Guinea, da musste mal die eine oder andere Pause eingelegt werden für ein Foto.
In Lebékere bogen wir links ab und fuhren so weiter nach Gaya. Wir hofften nun endlich eine bessere Piste zu haben, da wir einen LKW sahen, aber leider wurden wir enttäuscht. Kurz nach dem kleinen Ort ging die Piste wieder bergauf und tiefe Furten mussten wieder passiert werden.
In Gaya angekommen fuhren wir geradewegs durch das Marktgeschehen. Die Aufregung das hier Weisse durchfahren war gross. Die Kinder waren ausser Rand und Band und kaum mehr vor lauter Begeisterung zu bremsen. Wir mussten höllisch aufpassen, dass uns keines unter die Räder kam. Die Erwachsenen freuten sich sich aber ebenso und wir winkten und winkten. Immer wieder: „Bonsoir, ça va?“ und freundliches Winken. Ein Mann wollte mir Bananen verkaufen, doch leider hatten wir noch keine Gelegenheit gehabt unser Geld zu wechseln und konnten deshalb keine der leckeren Früchte kaufen. Ich sagte, dass ich kein Geld hätte und er lachte und winkte. Das halbe Dorf rannte hinter unseren Autos her.
Es gab ab Gaya wieder so etwas wie Verkehr. Es gab diverse Moppets und auch Peugeots, die als Taxis benutzt wurden. Die armen Autos waren komplett überladen und oben auf dem Dach sassen oft auch noch drei bis vier Personen. Unglaublich, dass sie die steile Piste mit den tiefen Löchern so meistern konnten. Wir fragten uns schon, wozu wir eigentlich Allrad brauchen. Wir staunten nicht schlecht, wo die überall mit ihren Taxis durchkamen. Die Strecke ging immer weiter bergauf, ziemlich bergauf und es wurde wieder mal dunkel. Wir waren schon spät dran und kein halbwegs ebenes Plätzchen in Sicht. Wir erachteten die Lage als aussichtslos ein abgeschiedenes Plätzchen zu finden und fragten deshalb in Holo bei der Prävektur, einer Schule, ob wir bei ihnen im Hof übernachten dürften. Der junge Direktor kann gleich darauf hinzu und meinte, dass sei kein Problem, wir sind willkommen.
Erleichtert installierten wir uns auf dem Schulhof. Der Direktor und sein Gehilfe kamen und fragten, ob sie irgendetwas für uns tun könnten. Weiter sagte der Direktor, dass er leider noch diesen Abend nach Mali fahren müsste, er aber seinen Gehilfen angewiesen hat, uns jeden Service den wir benötigen zu leisten. Wir bedankten uns herzlich für die überaus grosse Gastfreundschaft und hatten gerade unseren Tisch ausgepackt und uns auf den Stühlen bequem gemacht, um unseren Rest Thunfischsosse vom Vortag zu geniessen, als der Direktor mit einer grossen Schüssel und vier Löffel ankam. Dies sei ein landesübliches Essen, Riz au sauce d’arachide Reis mit Erdnusssosse. Es war auch etwas Fleisch darin, mit so kleinen Knochen, dass wir wirklich keine Ahnung hatten was das wohl mal war. Egal, es hat super lecker geschmeckt. Schnell war die Schüssel von uns geleert. Wir brachten das Geschirr zurück und fragten nach den Zutaten, worauf der Gehilfe des Direktors die Köchin holte, nämlich die Frau des Direktors und dazu noch eine Schüssel mit der Grundpaste für die Erdnusssosse.
Wir genossen einen herrlichen friedlichen Abend auf dem Schulhof. Wir durften auch die Latrinen der Schule benutzen und waren über deren Sauberkeit erfreut. Der Geruch freilich lässt sich bei diesen Temperaturen nicht vermeiden. Übernachtung und Essen waren kostenlos und wir waren gerührt von der Selbstverständlichkeit mit der gegeben wurde. Als kleines Dankeschön gaben wir unser letztes Cola und ein paar Zigaretten. Der Mond schien hell und es war endlich wieder mal angenehm kühl zum Schlafen.
Wir mussten unsere vielen Stiche versorgen, die sehr juckten und uns immer wieder dazu verleiteten uns wund zu kratzen.
Wir hatten alle gut geschlafen und waren gerade dabei unser Müesli zu verspeisen, als der Gehilfe vorbei kam und uns fragte, ob wir gerne Orangen hätten. Klar hatten wir das. Er schickte einen Jungen auf den Baum und dieser pflückte einen ganzen Eimer Orangen für uns. So viele feine Orangen mit so viel Selbstverständlichkeit Wow wir waren wieder sprachlos.
Natürlich waren wir für die Kinder des Ortes wieder ein Magnet und gespannt, aber scheu schauten sie zu wie wir unsere Sachen verstauten und auf ein Bonjour von uns kam im Chor ein schulisch geübtes Bonjour zurück. Süss die Kleinen!
Wir beschlossen unsere Autos nach verschenkbaren Gegenständen zu durchforsten und legten alles in einen Eimer. Zum Abschied übergaben wir den Eimer mit einem grossen MERCI dem Gehilfen. Alle waren gekommen um uns Adieu zu sagen, es ist wirklich rührend die Herzlichkeit der Leute von Guinea.
Die Strasse nach Mali wurde immer besser. Links und rechts waren Felder angelegt. Upps, da kamen ein paar Affen über die Strasse gerannt. Schnell packte wir unsere Kameras, doch leider sind die Tier so scheu, dass wir keinerlei Chancen hatten ein paar Aufnahmen zu machen. Wir sahen noch wie sie in den Bäumen hin und her hüpften, aber näher kamen wir leider nicht ran.
In Mali angekommen, mussten wir zuerst auf Jürgen warten, da er einem Moppetfahrer etwas Benzin gegeben hatte, da diesem der Sprit ausgegangen war. Am Ortseingang mussten wir unsere Pässe und im Ortszentrum unsere Fahrzeugpapiere zeigen. Die Beamten waren wieder nett und korrekt. Die Bevölkerung winkte uns abermals überall zu.
Die Piste von Mali nach Labé lässt sich sehr gut fahren. Unterwegs trafen wir wieder auf Affen, aber leider auch dieses Mal hatten wir kein Glück ein Foto zu schiessen. Trotzdem hat es uns gefreut ihnen bei ihren Turnübungen in den Baumwipfeln zu zusehen.
Die hügelige Landschaft ist wunderschön und wir hielten mal hier und mal da an, um das Panorama zu geniessen.
In Labé angekommen mussten wir uns beeilen, damit wir noch zur Bank gehen konnten. Quasi in letzter Sekunde waren wir drin und wollten Geld wechseln. Die Frau hinter dem Schalter fragte uns was wir denn wechseln wollten. Traveller-Checks oder Cash und in welcher Währung. Uiiii, dachten wir, hier kennen die sich aus. Euro cash und US Dollar TC, war unsere Antwort. Es werden keine Travellers-Checks getauscht, war die überraschende Auskunft. Ähhh, dann eben Euro Bargeld. Gabi musste zum Auto zurück und schon war man dabei die Bank zu schliessen. Ich beschloss in der Bank zu bleiben, bis wir Guinea Franc hatten. Gabi durfte durch die Absperrung schlüpfen und kam mit drei 50 Euroscheinen zurück. Man rief in Conakry, der Hauptstadt von Guinea an um nach den Wechselkurs zu fragen. Wieder dauerte alles unendlich lang. Der Mann der mit der Bank von Conakry telefonierte hatte, erklärte Gabi, dass man leider keine 50 Euroscheine akzeptieren könne, da man davon in Conakry schon so viele hatte. Man fragte, ob man nicht einen Hunderter oder Zwanziger wechseln wolle. Komische Sitten, also musste Gabi wieder zum Auto, aber diesmal durch den Hinterausgang, da der Vordereingang bereits geschlossen war. Über den Hühnerhof gelangte sie zur Strasse und zum Auto respektive auch wieder zurück. Wir erhielten für unsere hundert Euros 369’700 Guinea Francs, wobei noch anzumerken ist, dass der grösste Schein 5'000 GF beträgt. Wir verabschiedeten uns herzlich von den Bankangestellten, die wegen uns noch Überstunden machen mussten und dies auch noch sehr freundlich taten.
Wir kauften auf dem Markt noch ganz frisches feines Brot ein und stockten unsere Lebensmittel auf, soweit dies möglich war.
Es war wieder mal spät und wir mussten uns beeilen, da wir noch zu den Chutes de la Sala wollten. Die Wasserfälle sind sehr bekannt und wir wollten unbedingt die Nacht dort verbringen. Jürgen fuhr voraus und bald hatten wir die Piste gefunden. Diese war mit tiefen Dellen versehen und ein wirklich schnelles Vorwärtskommen war nicht möglich. Mit den letzten Sonnenstrahlen fanden wir die letzte Abzweigung zu den Fällen. Ein steiler enger Weg führte hinab zu den Wasserfällen.
Es gab zwei Möglichkeiten zu Übernachtung, einmal bei den Bassins, wo man herrlich schwimmen kann, oder bei der Aussichtsplattform, die noch von der Kolonialzeit stammte. Wir wollten zu der Aussichtsplattform und mussten unter niedrigen Büschen durchfahren. Zu unserem Erstaunen waren bereits drei junge Franzosen dort, die gerade ihr Lager aufschlagen wollten. Der Platz war sehr klein und sie fühlten sich durch uns sichtlich gestört und fragten, ob wir hier übernachten wollten. Ja, war unsere Antwort und wir werden schon einen Platz finden. Wir berieten uns, wie wir die Autos platzieren wollten, damit wir halbwegs gerade stehen und gut schlafen konnten. Da packten die Franzosen ihre Sachen wieder in ihr Auto und wünschten uns freundlich noch einen schönen Abend. Verdutzt sahen wir ihnen nach, wir waren aber nicht böse, dass sie uns den Platz überlassen hatten. Wir hörten das Tosen der Wasserfälle und fanden den Weg zur Aussichtsplattform, konnten aber in der Dunkelheit nicht viel erkennen.
Wir machten einen leckeren Kartoffelsalat mit Spiegeleiern und genossen den herrlichen Abend nach dem anstrengenden Tag. Charly schlief auf seinem Stuhl ein und wurde von den Mücken oder was auch immer, total zerstochen.
Es war ein sonniger Morgen und die beiden Franken waren schon auf der Plattform und genossen die tolle Aussicht auf die Wasserfälle bei einer Tasse Kaffee. Da die Hitze schon wieder begann unerträglich zu werden und es auf der Plattform noch Schatten von den Bäumen gab, beschlossen wir das Frühstück dort einzunehmen. Eine solche tolle Aussicht beim Frühstücken hat man selten. Das Wasser stürzte sich über mehrere Felskanten in die Tiefe, ein Naturschauspiel.
Nachdem wir alles wieder zusammengepackt und verstaut hatten, fuhren wir zu den Bassins vor den Wasserfällen. Es hiess man könnte dort herrlich baden, dass kann man sich bei der Hitze doch nicht entgehen lassen, oder?
Auf dem Platz trafen wir wieder auf die Franzosen vom Vorabend, welche uns nett begrüssten und auch gleich warnten, dass es hier bereits mehrfach Diebstähle gegeben hat. Bei ihnen würde immer einer beim Auto bleiben, da meist die Scheiben eingeschlagen wurden, um Sachen zu stehlen.
Wir entschieden uns, dies ebenfalls zu tun. Jürgen und Gabi gingen zuerst zu den Bassins und kamen begeistert zurück.
Da Jürgen noch die Bremsbeläge von seinem Pajero ersetzen wollte, gingen Charly, Gabi und ich zum Schwimmen. Es war wirklich traumhaft in dieser Umgebung im kühlen Nass zu planschen, nur auf die Spinnen auf dem Felsen hätten wir gerne verzichtet.
Wieder zurück beim Auto wurde erst mal ausgiebig geduscht mit der Solardusche. Das Wasser war sehr warm, jetzt wo wir es gerne kühl gehabt hätten.
Leider entpuppte sich Jürgens Problem als schwieriger zu lösen als gedacht, denn es waren leider nicht die Bremsbeläge die runtergefahren sind, sondern dass der Pajero Bremsflüssigkeit verlor, wenn gebremst wurde. Zur Reparatur wurde eine Paste verwendet, die aushärten sollte, aber schliesslich dem Druck nicht standhielt. Die letzte Möglichkeit war mit einer Schlauchschelle nachzuhelfen, was dann auch halbwegs zum Erfolg führte.
Charly war den ganzen Nachmittag oben ohne rumgelaufen und hatte am Abend einen deftigen Sonnenbrand. Seine Schulterpartien waren besonders schlimm betroffen, da er sich diese erst kürzlich schon mal verbrannt hatte. Auch Gabi hatte sich den Rücken schlimm verbrannt, da sie im Badeanzug noch Wäsche gewaschen hatte. Am späten Nachmittag assen wir soviel Brotzeit, dass wir danach keinen Hunger mehr hatten auf ein Abendessen. In der Dämmerung kam es immer wieder zu sehr kurzen Regengüssen.
Charly brannten seine Schultern und ich rieb ihn vor dem Schlafengehen noch mit der Brand- und Wundsalbe ein.
Charlys Sonnenbrand entwickelte sich zu besorgniserregenden Brandblasen, die bis tief in die Unterhaut gingen. Gabi packte alle Medikamente aus, die sie dabei hatte. Wir staunten nicht schlecht was die Franken alles dabei hatten. Wir rätselten mal wieder, wo die das wohl alles verstaut haben, neben den ganzen feinen Wurstkonserven die sie schon immer mit uns teilten. Die Ausstattung liess jedes Tropenhospitalherz höher schlagen. Staun-staun!
Ich verarztete Charly mit der Wund- und Brandsalbe und befestigte je eine Kompresse, die wir von seiner Schwester erhalten hatten. Damit sollte die Haut feucht gehalten werden und die Kleidung konnte so nicht auf den empfindlichen Stellen reiben.
Gabi und Jürgen gingen nochmals baden. Charly hatte von mir Badeverbot erhalten, damit sich nichts entzünden kann. Wir gingen später gemeinsam mit unseren Kameras dafür auf Fotojagd. Die Schönheit dieses Ortes begeisterte uns wiederum und wir machten so manche Aufnahme.
In der Zwischenzeit waren auch ein paar Einheimische bei den Fällen eingetroffen, die sich ebenfalls in den Naturbecken tummelten und ein Pic-Nic vorbereiteten.
Es war bereits schon wieder Nachmittag als wir losfuhren, doch wir wollten noch unbedingt in die Apotheke und auch sonst noch ein wenig Gemüse und Obst einkaufen sowie Bier.
In Labé angekommen, fuhren wir auf dem Weg zum Markt an einem Getränkeladen vorbei, wo wir Bier, Mineralwasser und American Cola kauften. Auf dem Markt liefen wir zwischen den engen Ständen durch und kauften allerlei Gemüse ein.
Jürgen wollte noch eine Batterie für seine stehengebliebene Uhr auftreiben, konnte aber nichts passendes finden, dafür aber die Bremsflüssigkeit die er dringend benötigte. In einer Apotheke erkundigte ich mich nach einer kompetenteren Salbe und es wurde mir Brulex empfohlen, welche sie aber leider nicht vorrätig hätten. Die andere Apotheke hatte die Salbe und ich war froh etwas gutes gefunden zu haben. Wir kauften auf dem Markt wieder dieses unwiderstehlich feine Brot, 20 Eier und Bananen. Ich gab Gabi die Eier und sie meinte, dass sie die Eier immer zerdeppert. Ich sagte, ok - ich kann sie ja auch tragen. Ihre Antwort, nöhhh, einmal müsse sie es ja auch lernen. Beim Bananenkauf wollte sie helfen als eine Banane wegbrach und prompt zwei Eier kaputt schlug. Ich amüsierte mich über ihre Aussage.
Als alles eingekauft und versorgt war, fuhren wir weiter in Richtung Pita, da wir noch diese Nacht bei den Kinkon Wasserfällen übernachten wollten. 2 km vor Pita ging eine gute Piste weg zu den Fällen. Im Reiseführer wird empfohlen, eine Genehmigung zur Besichtigung von den Wasserfällen bei der Polizei von Pita einzuholen, doch wir beschlossen es ohne zu versuchen. Den Weg zu den Fällen hatten wir schnell gefunden, nachdem wir ein paar Mal die Bevölkerung nach der Richtigkeit des Weges gefragt hatten.
Wie bereits im Reiseführer vorgewarnt, wurde vom Militär ein Eintrittspreis zu den Fällen verlangt. Der Betrag von 10'000 GF (umgerechnet Euro 2,50) wandert in die privaten Taschen der Beamten. Anfänglich wurden 15'000 GF verlangt und ich handelte ihn auf den erwähnten Betrag runter. Sicher hätte man noch tiefer runterhandeln können, da es aber bereits wieder dunkel wurde und es schon bald anfing zu regnen, war ich mit dem Ergebnis zufrieden.
Wir fuhren den Weg hinunter und von der ehemaligen Strasse war kaum noch etwas übrig. Wir fuhren bis ganz unten zum Elektrizitätswerk. Dort war der Platz eben und wir fragten, ob wir die Nacht dort verbringen dürften. Freudig wurde unserem Anliegen zugestimmt und obendrauf wurden wir noch zu einer Besichtigung des Werkes eingeladen. Dieses E-Werk wurde Anfang der 60iger Jahre von den Chinesen erstellt. Der Chef des Werkes zeigte uns stolz die Anlage und hatte sichtlich Freude, dass er Besuch hatte. Es freute ihn noch mehr bei unserem Interesse und insbesondere, da Charly noch etwas von dem ganzen Verstand als ehemaliger Stromer. Zum Schluss mussten wir noch Platz nehmen und er erzählte, dass er aus Waldguinea stammt und in Conakry studiert hatte. Nachdem Gabi noch eine grosse Kakerlake zwischen den Beinen durchgelaufen ist, verabschiedeten wir uns höflich mit der Begründung, dass wir Hunger hätten und gerne etwas zubereiten möchten.
Zwischenzeitlich regnete es in strömen und es machte keinen Sinn etwas kochen zu wollen. Wir assen zu viert in Snoopy Brotzeit mit feiner Wurst aus dem Frankenland. Jam Jam!
Es regnete die ganze Nacht, doch schliefen wir friedlich neben den Isolatoren der Hochspannungsleitungen.
Am Morgen erwachten wir durch den Lärm, den unser Ingenieur vom gestrigen Abend machte. Er kontrollierte alles an seinem kleinen Motorrad, ob der Blinker und die Bremsen gehen, der Motor wurde hochgedreht, usw. Alles diente jedoch nur einen Zweck, nämlich dass wir wach werden und er sich noch von uns verabschieden konnte. Er freute sich über die kurze Unterhaltung fuhr danach nach Hause. Die Schlucht beim E-Werk war ganz nett, doch frühstücken wollten wir hier nicht. Wir fuhren die ehemalige Teerstrasse im Schritt-Tempo hoch zum Kinkon Wasserfall. Von einem Plateau aus konnten wir den nicht sehr imposanten Wasserfall betrachten. Die Treppen dorthin hatten auch schon bessere Tage gesehen. Wir stiegen wieder ins Auto und nach kurzer Zeit gab es nochmals eine Treppe zu einem Plateau, welches oberhalb vom Wasserfall lag. Auch dieser Ort war wenig beeindruckend. Etwas enttäuscht von dem Wasserfall fuhren wir zurück zur Piste. Der Militärposten winkte und grinste nochmals freundlichst beim Abschied, kein Wunder bei dem Wucherpreis für hiesige Verhältnisse.
Wir fuhren ein Stück in Richtung der Kambadaga Wasserfälle und suchten uns ein gemütliches Plätzchen, wo wir auch unser Frühstück zubereiten konnten. Wir machten uns Spiegeleier, während Gabi und Jürgen sich ihre Eier im Glas zubereiteten. Der Platz war schön unter einem Baum gelegen, der einzige Währmutstropfen waren die vielen Ameisen die sich bemühten uns zu ärgern. Nach dem reichhaltigen guten Frühstück habe ich Charlys verbrannte Schultern verarztet. Die Blasen waren schon etwas zurückgegangen, aber es sah nach wie vor schlimm aus.
Wir verbrannten unseren Müll und es kamen diverse Leute vorbei um nachzusehen, was wir da machen. Wir hatten uns schon daran gewöhnt, dass die Leute sehr freundlich, aber auch sehr neugierig sind. Es macht ihnen überhaupt nichts aus ganz neugierig nach zu sehen, was diese Fremden da machen. Egal ob wir am Essen sind oder den Müll verbrennen oder ganz einfach nur dasitzen, es kommen immer von irgendwo Leute her. Man ist hier nie sehr lang allein. Ein Mann kam mit seinem Fahrrad vorbei und erkundigte sich, wie hier so üblich, wie es uns geht und was wir so machen und wohin wir wollen. Er war Lehrer und hat anscheinend einen Bruder in Deutschland. Dieser sei aber schon ausgewandert als er noch sehr klein war und leider hatte er ihn nie persönlich kennengelernt. Er war sichtlich traurig darüber. Er wünschte uns noch eine schöne Weiterreise in seinem Land, auf welches er offensichtlich sehr stolz war. Wir hatte bereits diverse Male bemerkt, dass die Leute aus Guinea sehr gastfreundlich, aber auch sehr stolz auf ihre Gastfreundschaft und auch auf ihr Land sind.
Auf holpriger Piste, wenn man die Strecke so nennen will, fuhren wir weiter in Richtung der Kambadaga Wasserfälle. Im Führer wird gewarnt, dass die Piste glitschig sei, wenn es regnet. Nun als wir starteten, hat die Sonne noch geschienen. Je länger wir aber fuhren, desto dunkler und wolkenverhangener wurde der Himmel. Wir hatten schon mehr als die Hälfte der Piste hinter uns, als es zu tröpfeln begann. Die Strecke führt über Berg und Tal und wir kamen auch an so manchem kleinen Dorf vorbei. Der Regen wurde immer stärker und es regnete schon bald in strömen. Wir kamen an ein geschlossenes Gatter und hinter dem Gatter lagen ein paar Zweige mit Dornen. Zuerst wussten wir nicht wie wir dies zu deuten hatten. War die Piste weiter vorne weggespült oder diente dies nur dazu, dass die Ziegen und Schafe nicht spazieren gingen. Gabi und ich beschlossen, trotz heftiger Niederschläge die Piste zu Fuss zu erkunden. Ruck-Zuck waren wir durchnässt bis auf die Knochen. Die Piste ging normal weiter und so kehrten wir um, um das Gatter zu öffnen. In der Zwischenzeit hatte sich eine alte Frau mit grossen Regenschirm zu uns gesellt und öffnete bereiswillig das Gatter.
Wir fuhren durch und folgten der Piste. Wenige Kilometer später standen wir schon am nächsten Gatter, welches wir immer noch in strömendem Regen selber öffneten. Kaum ein paar Meter weiter mussten wir unter einem grossen Mangobaum durchfahren und es war dort nochmals ein Gatter. Ein Mann erschien und fragte was wir wollten. Wir erklärten unsere Absichten und er öffnete ohne zu zögern das Gatter. Die unreifen Mangos polterten auf unser Dach. Kurz vor den Wasserfällen ging es ein steiles Stück runter und die Piste zeichnete sich durch sehr tiefe Spurrillen aus. Einmal drin, kam man da nicht mehr raus trotz Bodenfreiheit und Allrad. Wir hatten aber keine andere Wahl und mussten uns in die Spurrillen reinrutschen lassen, da der Weg so schmal war und links und rechts Bäume und Büsche standen. Unten angekommen, mussten wir durch enges Gebüsch und dann durch den Fluss fahren, der Gott sei Dank nicht sehr hoch stand. Die Bäume kratzten etwas an der Seite und auf dem Dach, aber wir kamen gut durch.
Endlich hatten wir den ebene Platz erreicht, wo wir neben dem Fluss behaglich campieren konnten. Wir stellten flink unsere Plane zwischen unseren Fahrzeugen auf und machten es uns gemütlich unter den Bäumen. Es war wirklich ein friedliches Örtchen mitten im Wald. Wir dachten wir hätten einen Ort für uns allein, aber in der Dämmerung kamen ein paar Einheimische über den Fluss gelaufen und machten sich auf den Weg zu ihrem Dorf, aber nicht ohne uns zu fragen wie es geht und was die Familie so macht. Die übliche Konversation in Guinea halt. Wir kochten gemütlich unser Abendessen und lauschten dem Froschkonzert. Die Frösche lieferten sich die ganze Nacht einen Wettkampf, wer am lautesten quacken kann. Wir gingen mit der Taschenlampe zum Fluss und inspizierten einige der Übeltäter. In der Dunkelheit hüpfte so einiges in den Baumkronen umher, doch leider haben wir diese Wesen mit der Taschenlampe nicht erspähen können. Wir vermuten aber, dass es Fledermäuse waren. Es war friedlich und wir schliefen rasch ein, trotz ohrenbetäubendem Froschkonzert.
Schon am Morgen hatten wir wieder Besuch. Ein Junge hatte offensichtlich viel Zeit uns beim Frühstück zu zusehen. Ein Foto kein Problem schnell schmiss er sich Pose. Wir fragten oft scheu die Bevölkerung, ob wir ein Foto machen dürfen, dabei hatte diese sichtlich Freude, dass man von ihnen ein Bild schiessen wollten.
Wir liefen nach dem Frühstück zum Fluss und entdeckten endlos viel Froschlaich, die in ruhigen Gewässern wie Perlenketten in einem fort aufgereiht waren. Am Tag war das Froschkonzert eingestellt und es war ruhig. Wieder kamen ein paar Einheimisch vorbei und erkundigten sich wiederum, wie es uns geht. Anschliessend palaverten wir noch etwas und wuschen dann das Geschirr ab.
Jürgen, Gabi und ich machten uns auf den Weg zu den Wasserfällen, die man nur zu Fuss erreichen konnte. Charly wollte bei den Autos bleiben, damit nichts wegkam. Wir marschierten also los und fanden einige Flusskrebse und viele, viele, viele Froschlaiche. Wir waren noch nicht allzu lange unterwegs, als wir auf den alten Mann stiessen, der mit seinem Jagdgewehr dort schon auf uns zu warten schien. Wir erklärten ihm, dass wir keinen Führer zu den Wasserfällen bräuchten. Er folgte uns trotzdem still. Nach kurzer Zeit machte er uns auf eine Hängebrücke über den Fluss aufmerksam. Wir trauten dieser Brücke nicht und unterliessen es darüber zu laufen. Wahrscheinlich hätte sie schon gehalten, aber ich wäre da sicher seekrank geworden bei dem Geschaukel.
Wir liefen weiter und der Mann und zusätzlich zwei Buben folgten uns weiterhin. Jürgen war schon ganz genervt, weil er ohne Gefolge die Landschaft geniessen wollte. Sie liefen durch den Fluss mit samt ihren Schuhen. Ich wartete am Rand bis sie wieder kamen. Die Verfolger liessen sich aber nicht abschütteln. Gabi erklärte mir, dass Jürgen keine Lust mehr hatte und umkehren wollte. Wir wollten jedoch die Wasserfälle sehen und da diese keine 10 Minuten entfernt waren, gingen wir allein hin. Der alte Mann mit seiner uralten Schrottflinte folgte uns weiterhin. Es ging immer bergauf und der Schweiss lief uns aus allen Poren. Durchgeschwitzt kamen wir oben auf einem kleinen Plateau an, welches aber durch ein kleines Gatter abgegrenzt war.
Es gab eine schon wieder halbverfallene Einrichtung für ein Restaurant und ein verwittertes Schild, auf dem die Eintrittspreise aufgeschrieben waren. Wir nahmen das Schild nicht so ernst, da alles ringsherum so unfertig aussah. Wir machten ein paar Fotos und als wir gehen wollten, wollte der Typ bei uns abkassieren für den Eintritt. Ich erklärte ihm, dass ich hier kein Geld dabei hätte und er schon wieder mit zurück zu den Autos kommen müsste. Er war sichtlich sauer, als wir ihm das Geld nicht geben wollten. 2500 Guinea Franc war der Eintrittspreis für die Aussicht auf die Wasserfälle. Wir waren nur wenige Minuten dort gewesen, weil wir unsere Männer nicht so lange haben warten lassen wollen.
Wir liefen eilig und sauer zurück zu den Fahrzeugen. Der Mann folgte uns, da er noch das Geld von uns wollte. Seine uralte Schrottflinte liess er Gott sei Dank aber oben bei den Wasserfällen.
Wieder im Camp angekommen war Jürgen ziemlich sauer, dass wir ohne ihn losgezogen waren. Ich hatte ursprünglich angenommen, dass war so mit ihm abgesprochen. Er schimpfte mit uns unvernünftigen Weibern, weil wir mit einem wildfremden Mann, der auch noch ein Gewehr hatte, mitgegangen sind. Recht hatte er ja, so weit hatten wir bei dem alten Mann gar nicht gedacht, da er doch recht harmlos aussah. Er wollte sich halt etwas dazuverdienen. Jürgen schiss auch den alten Mann zusammen, da dies jedoch auf deutsch erfolgte, konnte dieser zwar verstehen das Jürgen sauer war, aber nicht so recht warum. Zusätzlich war Jürgen auch noch sauer, dass man da oben unvermittelt auch noch Eintrittspreise verlangte. Nach einigem hin und her gab ich dem alten Mann sein Geld, der beleidigt dastand und die Welt nicht mehr so richtig verstand.
Wir packten unsere Sachen und bevor wir losfuhren schüttelte Jürgen dem alten Mann die Hand mit ein paar netten Worten. Die Mine des alten Mannes erhellte sich sofort wieder, die Welt schien für ihn wieder in Ordnung zu sein.
Wir fuhren wieder durch den Fluss, der trotz der heftigen Regenfälle der vergangenen Nacht nicht angestiegen war. Das steile Stück Piste wurde von unseren Fahrzeugen zwar langsam aber problemlos überwunden. Wir suchten auf dem Rückweg eine Abkürzung, konnten diese aber nicht finden und sind so mehrheitlich dem gleichen Weg gefolgt wie am Vortag. Wir mussten wieder die ganzen Gatter passieren, doch diesmal waren Leute da die es für uns öffneten, da es nicht regnete. Natürlich wurde wieder von einem Knaben nach einem Cadeau gefragt und Charly riss kurzer Hand eine grüne Mango vom Baum und wollte es diesem geben. Der Knabe lachte und verzichtete.
Unsere Wasservorräte waren schon bald zur Neige und wir hatten auf dem Hinweg einen guten Brunnen ausgemacht, wo auch die Dorfbevölkerung ihr Trinkwasser holte.
Am Brunnen angekommen war gerade eine ältere Frau dabei ihr Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Man musste mit dem Fuss auf ein Pedal treten und damit wurde das Wasser nach oben gepumpt. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters hatte die Frau schnell ihre Behälter gefüllt. Wir standen schon in unseren Startlöchern um auch unsere Behälter zu füllen, da nahm die ältere Frau unsere Behälter und fing für uns zu pumpen an. Trotz eindringlicher Versuche sie davon abzubringen, konnten wir sie nicht daran hindern für uns einen 20 Liter Sack zu füllen. Sie schnaufte zwar dabei aber es machte ihr sichtlich Freude. Wir hatten schon ein schlechtes Gewissen und Gabi hatte Gott sei Dank noch ein Stück Seife, welches sie ihr schenkte. Die Frau war sehr glücklich darüber und war nun leider gar nicht mehr zu bremsen. Jeder der sich an der Wasserpumpaktion beteiligen wollte wurde von ihr kritisiert. Keiner konnte es ihr recht machen, auch ein anderer Dorfbewohner konnte es nach ihr nicht gut genug.
Wir warteten dezent, bis sie ihre schweren Wassergefässe auf den Kopf hob und diese nach Hause balancierte. Inzwischen waren noch ein paar jüngere Frauen eingetroffen und ein paar Kinder hatten uns natürlich auch schon entdeckt. Alle waren sehr nett und überhaupt nicht aufdringlich. Man half sich gegenseitig mit dem Pumpen und die schweren Wasserbehälter auf den Kopf zu hieven. Die ältere Frau kam zurück und schenkte uns eine Papaya, zudem wollte sie unbedingt, dass wir ihr einen Besuch abstatten sollten. Sie sprach so gut wie kein Französisch und wir hatten keinerlei Kenntnisse von ihrer Sprache, aber wir konnten uns trotzdem verständlich machen.
Als wir endlich alle unsere Kanister gefüllt hatten, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter nach Pita. In Pita suchten wir die beiden Apotheken auf, um nochmals Brulex zu kaufen. Leider gab es keine. Wir dachten o.k., dann halt in Dalabar, dem kühlsten Ort von Guinea (1400 m), welcher früher gern von Europäern zur Erholung von der Hitze genutzt wurde. Es wurde auch schon bald wieder dunkel und wir suchten uns noch vor Dalabar auf einer abgehenden Piste einen ruhigen Ort zum Übernachten.
Der erste Platz war uns zu schräg und zu offensichtlich. Wir fuhren weiter und fanden eine hübsche Lichtung. Wir installierten uns und mussten bald darauf feststellen, dass wir unser Nachtlager nur ein paar hundert Meter von einem Dorf aufgeschlagen hatten. Bald schon erschien der erste Mann und fragte wieder wie üblich wie es uns geht. Uns geht es sehr gut antworteten wir und er fragte, ob wie Lust auf ein paar Orangen hätten. Wir hatten Lust und dachten, dass wir die paar Franc sicher noch aufbringen konnten, was er für die Orangen verlangen würde.
Es dauerte nicht lange und er kam mit einem ganz Sack voller Obst zurück. Er brachte uns eine Papaya, diverse Orangen und auch ein paar Avocados. Wir fragten ihn, was er denn dafür haben möchte und er antwortete zu unserer Überraschung, dass er uns dies schenke und er keine Geld dafür haben möchte. Wir waren sprachlos. Ich gab ihm ein paar Zigaretten, die ich für solche Gelegenheiten gekauft hatte und gab ihm Feuer. Er freute sich darüber und hielt einen kurzen Schwatz mit uns. Gabi gab ihm auch noch ein paar Kleinigkeiten u.a. auch einen Kalender. Nach kurzer Zeit brach er wieder auf, da er noch in die Stadt musste.
Wir kochten unser Nachtessen und bekamen bald wieder Besuch von ein paar Kindern, die in einem alten T-Shirt mindestens 8 Kilo Orangen anschleppten. Wir waren überwältigt über so viel Gastfreundschaft und gaben den Kindern natürlich ein paar Süssigkeiten, die wir eilig aus unserer Schatztruhe rausgekramt hatten. Die vier Kinder blieben ohne Hemmungen weiter stehen und schauten zu, was wir so machten.
Wir waren gerade mit dem Abwasch fertig, als unser erster Besucher aus der Stadt zurückkam und wieder bei uns einen Halt einlegte. Die Kinder zeigten was sie erhalten hatten und der Mann zeigte den Kalender. Er hatte diesen offensichtlich schon in der Stadt herumgezeigt, da er binnen kurzer Zeit schon abgegriffen aussah. Wer hätte gedacht, dass ein Blumenkalender so viel Freude bereiten kann. Obwohl es schon einige Zeit dunkel war, blieben unsere Besucher noch einen ganze Weile. Sie waren zwar alle ganz lieb und nett, aber als Dauerfernsehprogramm fühlten wir uns doch nicht so behaglich, besonders wenn man sich nicht gut dabei unterhalten kann. Zwischendurch kam immer wieder mal ein kurzer Regenschauer und wir waren froh, dass wir gleich die Plane aufgespannt hatten, als wir ankamen.
Wir sind aufgestanden und freuten uns schon auf den frischgepressten Orangensaft, den wir mit all den vielen Orangen machen wollten. Die Früchte waren süss und saftig. Dazu bereiteten wir uns ein feines Frühstück und hatten es nicht besonders eilig. Immer wieder kam der eine oder andere Dorfbewohner vorbei und grüsste uns herzlich, aber nicht ohne uns ein paar neugierige Blicke zu schenken.
Beim Abwasch war es dann soweit ein ganzer Trupp von einheimischen Hausfrauen kam vorbei und sah uns dabei ungeniert in unsere Küche. Eine ältere Frau hatte auch Geschenke für uns dabei. Maniokwurzeln und Orangen. Wir konnten nun bald einen Handel mit Orangen aufmachen, unser 20-Liter-Eimer war randvoll gefüllt mit Orangen, trotz dem umfangreichen Orangensaft, den wir bereits zum Frühstück gepresst hatten. Wir beschlossen uns mit dem Zusammenpacken zu beeilen, bevor wir mit Orangen noch ganz zu gedeckt werden. Charly entdeckte seine Fotografierleidenschaft und machte ein paar hübsche Bilder von den Frauen. Natürlich mehrheitlich von den jungen Frauen! Eine hatte es ihm besonders angetan, auch wenn sie meiner Meinung nach einen arroganten Gesichtszug hatte. Sie wusste das sie hübsch war und Charly bestätigte sie noch darin. Männergeschmack eben!
Wir fuhren weiter in Richtung Dalabar. Der Ort war allerdings enttäuschend und entsprach überhaupt nicht unseren Vorstellungen. Rasch fuhren wir weiter. Eine Apotheke konnten wir auch nicht ausmachen. Jürgen wollte noch wegen seinem Ölwechsel fragen, doch man war für solche Sachen nicht eingerichtet und verwies auf Mamou. Dafür machten wir ein paar schöne Aufnahmen von den Frauen und Kindern die ihre Bananen in Schalen auf den Köpfen trugen und diese meistbietend zu verkaufen versuchten.
Wir fuhren weiter durch eine herrliche Landschaft, doch plötzlich waren wir von roten Heuschrecken umgeben. Überall waren die Viecher. Die Bäume waren teilweise schon kahl gefressen und grosse rote Wolken flogen durch die Luft. Der Boden war übersät mit den Tieren, ein rosa Schimmer wohin man sah. Die Bäume waren voll, Heuschrecke an Heuschrecke. Ein älterer Herr kam zu uns, hielt uns eine Heuschrecke unter die Nase und meinte: „Ce n’est pas bon!“ das ist nicht gut. Mir taten die Leute leid, die sich bemüht hatten, dass hier etwas wächst, denn all ihre Bemühungen waren innerhalb kurzer Zeit zu Nichte gemacht worden. Auch unser Auto war voll von den Biestern und wenn man das Fenster offen hatte, so flogen diese dummen Insekten auch noch ins Wageninnere.
Die Landschaft war dennoch fantastisch, alles doch noch so grün und immer wieder massenweise Mangobäume. Es muss hier eine Art Unkraut in Guinea sein, diese grossen Mangobäume. Unterwegs kaufen wir noch ein paar Mangos, die anfänglich 3500 GF kosten sollten. Für 2000 GF kaufte ich sie schliesslich einem kleinen Mädchen ab, die sich sichtlich darüber freute ihre Mangos verkauft zu haben. Auf dem kleinen Markt entlang der guten Teerstrasse fanden wir noch Kartoffeln und Zwiebeln. Die letzteren waren aber zu überhöhten Preisen angeboten worden, weshalb wir darauf verzichteten. Wir wollen keine Wucherpreise unterstützen.
Friedlich fuhren wir weiter durch die hügelige Landschaft. Kurz vor Mamou kamen wir noch an eine Barriere, die von der Polizei errichtet wurde. Man wollte mal wieder alle Papiere sehen. Der Beamte hatte ein eigenwilliges und wenig sympathisches Aussehen. Er war jedoch korrekt und wollte mir nur eines meiner Reisebücher abschwatzen. Mit dem Hinweis, dass ich diese Bücher erstens noch brauche und zweitens dass diese auf deutsch geschrieben sind, welches er sowieso nicht lesen könnte, konnte ich ihn davon überzeugen Abstand zu nehmen. Er war nämlich der Meinung wenn jemand so viele Bücher hat (4 Stück), dann könne er eines abgeben. Nun ja, was will er mit deutschen Büchern? Schliesslich konnten wir unbehelligt weiter nach Mamou fahren.
Mamou war zwar ein Verkehrsknotenpunkt von Guinea, aber wirklich fortschrittlich war es dort auch nicht. Wir fanden nur eine einzige Apotheke und diese hatte natürlich die Brulex Salbe auch nicht vorrätig. Jürgen konnte jedoch endlich seinen Ölwechsel machen und zahlte dafür glatt nur 2500 GF, dass sind 0,50 Eurocent! Öl und Filter hatte er selber dabei und für die Arbeit zahlt man fast nichts.
Gabi und ich machten uns auf um Klopapier zu kaufen, da uns unseres bald auszugehen drohte. Wir fragten in ein paar Läden nach, bis wir zum richtigen Geschäft kamen. Einen Supermarkt gab es natürlich nicht in Mamou und die Geschäfte sind meist nur klein aber haben für ihre Grösse meist ein ansehnliches Sortiment. Das Klopapier kostete jedoch 3 bis 4 Mal soviel wie der Ölwechsel, so dass wir beschlossen notfalls Tempotaschentücher zu benutzen. Wir haben nicht mehr gross weiter gesucht und haben Mamou verlassen.
Zuerst leider in die falsche Richtung. Faranah stand auf dem Schild und da dies in Richtung Waldguinea lag, merkten wir, dass wir umkehren mussten. Wir wollten nicht entlang den Grenzen zu Sierra Leone oder Liberia fahren, da es dort viele Flüchtlinge gibt und wir uns keinem unnötigen Risiko aussetzen wollten. Der Kontrollposten machte grosse Augen und entsprechende Gesten des Unverständnisses, als wir schon nach so kurzer Zeit wieder vor ihnen standen. Mit der Erklärung, dass wir ja eigentlich nach Dabola wollten, erhellten sich rasch ihre verständnislosen Gesichtszüge wieder. Wir mussten bis zum ersten Kontrollposten zurückfahren und konnten dann rechts abbiegen nach Dabola. Es war schon wieder später Nachmittag und wir mussten schon bald wieder Ausschau halten nach einem geeigneten Übernachtungsplatz.
Der erste Weg führte uns zuerst auf eine steile Erdpiste und dann über einen kleinen Bach. Wir fanden einen ebenen Platz entlang des Baches, welcher aber Gabi ungeeignet erschien, da es dort wahrscheinlich viel Stechmücken gäbe. Wir fuhren auf dieser Minipiste weiter und kamen an einem kleinen Dorf vorbei. Die Piste wurde immer enger und schräger. Ich ging ein Stück zu Fuss um den weiteren Verlauf der Piste zu erkunden. Die Aussicht dort einen geeigneten Platz zu find war gering, weshalb wir kehrt machten und zurück zur Hauptstrasse fuhren. Wir fuhren noch ein paar Kilometer auf der Teerstrasse und fanden bald nach einem Dorf eine Piste die in gutem Zustand dort abzweigte. Wir fuhren eine Weilchen und fanden ein hübsches Plätzchen.
Leider haben wir auf dem Weg dorthin die einen der vielen kleinen scharfkantigen Baumstümpfe übersehen und hörten schon bald ein unangenehmes PFFFFFFFF! Sch.... auch das noch. Der hintere linke Reifen war an der Aussenwand beschädigt worden und wies einen Riss auf. OK Reifenwechsel war angesagt. Charly kletterte mit seinen lädierten Schultern auf’s Dach und holte den Reifen runter. Der zweite Reifen hing hinten am Halter. Es wurden beide Hinterräder gewechselt, damit sich diese wieder gleichmässig ablaufen konnten und wir keine zusätzliche Unfallgefahr haben würden. Es war schon dunkel als beide Räder gewechselt waren und der kaputte hinten am Heck hing.
Sehr zu meiner Erleichterung waren die Blasen auf Charly Schultern weg und ein neue schweinchenrosa Haut hatte sich auf seinen Schultern gebildet. Die Brulex Salbe hatte gerade ausgereicht.
Ein spätes Abendessen wurde zubereitet und danach haben wir noch lange geplaudert, trotz Moskitos. Vor dem zu Bett gehen nahmen wir noch eine erfrischende Buschdusche, der Wassersack hing schon bereit am Heck unseres Autos. Ein absolute Wohltat.
An diesem Morgen haben wir endlich auch eine Antwort von der deutschen Botschaft aus Conakry erhalten mit dem folgenden Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Vogel,
wir möchten uns hiermit für die verspätete Beantwortung Ihrer Mail entschuldigen.
Derzeit bestehen keinerlei Bedenken für Touristen, nach und in Guinea zu reisen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag der Deutsche Botschaft, Conakry
Wie konnte es anders sein, auch hier waren wir bald entdeckt und ein paar Kinder mussten anscheinend nicht in die Schule und guckten uns zu, was wir so machten. Einige Kinder kamen nur kurz vorbei, da sie noch zur Schule mussten, man sah es an ihren Schuluniformen. Für die anderen waren wir mal wieder das Fernsehprogramm des Tages. Ein Mann kam vorbei und begrüsste uns und fragte wie üblich wie es uns geht. Er erklärte, dass dies sein Boden sei und er hier zu Hause ist. Er war aber lange Zeit Chauffeur gewesen und hatte veranlasst, dass hier eine gute Piste entsteht. Er war nett und freute sich, dass wir da waren. Bei uns hätte wahrscheinlich einer geschimpft, wenn man sich ungefragt auf seinen Grund und Boden aufgehalten hätte, aber hier war das ganz anders.
Damit wir nicht nochmals einen Platten fuhren, haben wir uns gegenseitig rausgelotst. Wieso fragten wir uns, hatten wir nicht schon gestern diese glorreiche Idee? Schaden macht Klug, nicht wahr.
Die gute Teerstrasse verwandelte sich immer mehr zu einer unberechenbaren Löcherstrasse. Die tiefen Schlaglöcher tauchten unvermittelt vor einem auf und wehe dem, der zu schnell kam und nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, der konnte durchaus mit einem Achsenbruch rechnen. Das tückische an der Strasse war, dass sie streckenweise in einem sehr guten Zustand war und man gut 80 bis 100 km/h fahren konnte.
In Dabola fanden wir wiederum keine Brulex Salbe, denn das Sortiment in den Apotheken war ziemlich mager. Wir fuhren auf und ab und verliessen diesen primitiven Ort bald wieder, da wir noch weiter bis nach Kouroussa kommen wollten.
Unterwegs fanden wir noch ein kleines Geschäft, wo Jürgen Honig kaufen konnte. In irgendwelchen Flaschen abgefüllt, suchten wir den bestaussehensten raus.
Die Landschaft wurde immer flacher und Buschland war links und rechts zwischen den Dörfern. Ihre Rundhütten waren aus Lehm gebaut und Stroh bedeckte das Dach. Erwachsene wie Kinder freuten sich über unser Erscheinen und winkten uns frohgemut zu.
Unterwegs kamen wir mal wieder in den Regen, der aber kurz vor Kouroussa aufhörte. Wir betankten dort unseren Wagen und fuhren weiter. Die Abzweigung nach Siguiri kam schon bald ein paar Kilometer später.
Die gute Piste führte uns durch urchige Dörfer mit Mangoalleen. Ca. 30 km nach der Abfahrt fanden wir eine gute Stelle zum Übernachten, unweit der Hauptpiste. Wir konnten den Verkehr zwar hören, aber man konnte uns nicht sehen. Wieder mal spannten wir die Plane auf und machten es uns darunter gemütlich. Nach dem Abendessen und dem unvermeidlichen Abwasch gingen alle zu Bett.
Gemütlich sind wir aufgestanden und haben uns trotz der Hitze ein gutes Frühstück gegönnt. Der Honig, den wir am Vortag gekauft hatten, war leider ungeniessbar. Charly hatte auch schon am Morgen so seine Probleme, denn irgendwie fiel ihm alles runter. Auch sein Honigbrot und dieses fiel natürlich mit der Honigseite voran in den Dreck. Der Tisch hatte auch noch was abbekommen. Wir spotteten, dass dies wohl nicht sein Tag sei und wussten nicht, wie recht wir noch damit haben sollten.
Spät sind wir erst los gefahren und zurück auf der Piste wunderten sich zwei Motorradfahren, als wir aus dem Busch gefahren kamen. Verwundert schüttelten sie die Köpfe, als wollten sie sagen: „ Die spinnen diese Touristen“. Wir fuhren auf der mit etwas Wellblech durchsetzten Erdpiste durch einige kleine Dörfer. Es war wunderschön zwischen den Rundhütten, den Frauen beim Stampfen resp. Wasserpumpen zuzusehen. Alle Dörfer hatten schöne grosse Mangobaumalleen die herrlich Schatten spendeten.
In dem kleinen Städtchen Norassoba war plötzlich die Strasse gerammelt voll. Es war Markttag und alle Bewohner aus der Umgebung brachten hier ihre Waren hin zum Verkauf. Wir mussten uns durch das Gedränge auf der Strasse mit unserem Auto vorsichtig durchtasten. Das Gemüse lag am Strassenrand und wir mussten aufpassen, dass wir es nicht aus Versehen platt fuhren. Rechts von uns waren die LKWs und die Kleinbusse geparkt, dazwischen lief eine Heerschar von Menschen geschäftig hin und her. Ein Mann schimpfte mit den Marktfrauen, weil sie ihre Ware so nah an der Strasse ausgebreitet hatten, dass wir kaum noch durchkamen. Die meisten Leute grüssten uns und wollten wissen wie es uns geht. Sie freuten sich uns zu sehen und wir mussten oft zurückwinken. Wir konnten uns kaum im Schritt-Tempo durch die Massen quälen und es war eine Erlösung, als wir endlich die Menschenansammlung hinter uns gebracht hatten.
Die weitere Piste war in einem guten Zustand und als wir zur Kreuzung bei Niandankoro kamen, staunten wir nicht schlecht. Eine neue Teerstrasse erwartete uns, die alte Fähre hatte ausgedient und wurde durch eine schöne grosse Brücke über den Niger ersetzt.
Freudig fuhren wir auf der guten Teerstrasse und auf der rechten Seite konnten wir ab und an den Niger sehen. Leider dauerte die Freude nicht lange, denn die Teerstrasse ist noch nicht fertig erstellt. Wir mussten also neben der neuangelegten Trasse fahren. Es war manchmal recht holprig und wir konnten an den Spuren lesen, dass da einige vor uns auf die Trasse raufgefahren sind. Wir taten es ihnen gleich, aber nicht lange, denn vor uns waren auf einmal die Bauarbeiter und die waren stocksauer. Wir hatten die Trasse bereits benutzt und sie waren erst dabei diese zu teeren. Eilig fuhren wir wieder runter und hörten die Leute noch, wie sie mit uns schimpften.
Gegen 15 Uhr kamen wir in Siguiri an. Dort mussten wir die Zollformalitäten erledigen, dass heisst man muss das Carnet de Passage abstempeln lassen. Der Zoll war rasch gefunden und der Beamte war freundlich, aber halt auch etwas langsam, was bei der Hitze durchaus verständlich ist. Die Papiere wurden korrekt ausgestempelt und der Beamte schickte uns zum Kommissariat. Die Erklärung des Weges dorthin erwies sich dann aber leider doch nicht so klar wie es zuerst erschien und wir verfuhren uns. Das Kaff ist aber nicht sonderlich gross, weswegen wir beschlossen zuerst noch auf dem Markt unseren Proviant aufzufüllen. Da auf das hiesige Bier Pfand erhoben wurde, wollten wir auch noch die leeren Bierflaschen abgeben. Nach einer Weile hatten wir alles erledigt und suchten erneut das Kommissariat, wo wir unsere Pässe abstempeln lassen wollten.
Im Innenhof lungerten ein paar Typen rum und es war nicht ganz klar wer hier der Spitzbube und wer der Polizist ist. Der Kommandant wurde gerufen und wir mussten ihm in ein dunkles Zimmer folgen. Er betrachtete unsere Pässe eingehend und meinte, dass diese in Ordnung sind und dass wir den Stempel erst an der Grenze kriegen. OK, dann können wir endlich aus diesem miesen Kaff raus und uns auf den Weg nach Bamako machen. Wir überlegten uns, ob wir noch bis zur Grenze fahren oder nicht. Im Reiseführer von Därr war vermerkt, dass die Grenze ab 18 Uhr geschlossen war und so waren wir überzeugt, nicht mehr rechtzeitig an der Grenze ankommen zu können und beschlossen deshalb ca. auf halben Weg ein Nachtlager zu suchen.
Wir fuhren auf der guten Teerstrasse ungefähr 47 km nach Siguiri, da sahen wir eine gute Piste die links nach Niagassola wegging, welches von dort noch 77 km weit weg war. Das Dorf wo wir abzweigten hiess Tata und war kurz vor Doko. Wir wollten nicht noch näher an die Grenze, weil wir der festen Überzeugung waren, dass diese bald geschlossen wäre. Wir folgten dieser neuen Piste ca. 15 20 km und bogen danach wiederum links ab. Wir fanden einen hübschen ebenen Platz, wo wir unsere Autos wie immer abfahrbereit parkierten. Wir installierten uns, das heisst wir holten die Stühle und die Tische raus.
Wir kochten die Kartoffeln, denn heute sollte es Bratkartoffeln mit unserem letzten Speck geben und dazu ein paar Eier. Ich hatte die Kartoffeln schon alle gepellt und kleingeschnitten, als wir Motorräder hörten auf der Hauptpiste rauf und runter fahren. Wir dachten uns aber nichts weiter dabei. Plötzlich hörten wir Schüsse, noch nicht so nah und wir dachten, dass müssen Jäger sein. Die Dämmerung hatte schon eingesetzt und wir waren der Ansicht, dass uns hier sicher niemand etwas böses will. Schliesslich hatten wir bisher mit der ganzen Bevölkerung nur die positivsten Erfahrungen gemacht.
Wir riefen den Leuten zu, dass hier ein paar Touristen sind und sie aufpassen sollten wo sie hinschiessen. Die Schüsse hörten aber nicht auf. Da Charly und Jürgen zuvor alle Lichter ausgemacht hatten, befürchteten wir, dass sie uns nicht sehen. Aus diesem Grund nahm Charly die grosse Lampe und strahlte in Richtung der Schüsse.
Plötzlich lag Charly am Boden und wir realisierten, dass es sich hier nicht um Jäger, sondern um Banditen handelt. Charly war getroffen worden und ich war geschockt, mein Herz hat fast aufgehört zu schlagen. Die Schüsse fielen weiterhin und wir sprangen alle rasch ins Auto und fuhren so schnell ab wie nur möglich. Auch Charly hat sich wieder aufraffen können und wollte nun unbedingt selber fahren.
Das Fenster auf der Fahrerseite war zuvor zertrümmert worden und der Innenraum war voller Glassplitter. Charly fuhr ab, obwohl die Treppe noch unten war und die Stauklappe zu den Wassertanks noch offen war. Die Tür zur Kabine war noch offen, doch diese schlug bei der Abfahrt zu. Jürgen und Gabi waren schon vorne weggefahren. Mit der Treppe fuhren wir den Tisch und die Stühle um und gaben dabei viel Gas, dass wir so rasch als möglich von diesem Platz wegkamen. An der Kreuzung zur Piste nach Niagassola standen die 2 Motorräder und eines lag im Gras. Charly hielt geistesgegenwärtig darauf zu und fuhr mehrmals über diese hinweg. Um sicher zu sein, dass auch das Moppet, welches gelegen hatte kaputt ist, fuhr er nochmals rückwärts darüber. Unser Snoopy wühlte sich über die Maschinen und irgendwo wären wir fast hängengeblieben.
Wir fuhren bis zur Kreuzung der Teerstrasse. Charly krümmte sich vor Schmerzen, doch musste er unbedingt noch das Klappdach runternehmen, damit dieses nicht auch noch kaputt ging. Ich fuhr so rasch es ging zurück nach Siguiri. Charly meinte er würde bald ohnmächtig und ich war ganz beunruhigt, da wir nicht wussten, was genau alles angeschossen war. Klar war nur, dass es die Leistengegend getroffen hatte. Endlos erschien uns der Weg bis wir zu einer katholischen Mission kamen. Jürgen wollte dort Hilfe holen, kam aber bald wieder raus mit der Überzeugung, dass dies nun wohl eher eine Disco sei.
Endlich in Siguiri angekommen, fuhren wir direkt zum Kommissariat. Dort wurde zuerst nicht realisiert was passiert war, doch dann wurde uns ein Mann mitgegeben, welcher uns gleich zum Spital bringen sollte.
Wir parkten im Innenhof des kleinen Spitals und wir stützten Charly, damit er in den Behandlungsraum kam. Er konnte sein linkes Bein nicht mehr richtig strecken. Auf der Pritsche ohne irgend ein Laken musste er sich hinlegen. Da es keinen Vorhang gab wurden ein paar Bretter davor gestellt. Den Arzt hielt ich zuerst für einen Pfleger, da sein Auftreten nicht gerade sehr kompetent wirkte. Gabi holte in der Zwischenzeit schon mal ihr ganzes reichhaltiges Arsenal aus ihrer Reiseapotheke raus. Sie hatte binnen kurzer Zeit Klemmen, Nadeln, sterile Kompressen, etc. angeschleppt. Ich fragte den Arzt erstaunt, ob er denn keine sterilen Sachen hätte, worauf er ein paar eingepackte Einmalhandschuhe rauszog. Die Flaschen zur Desinfektion machten keinen vertrauenswürdigen Eindruck und so bestand ich darauf, dass unser Material verwendet werden soll. Der Arzt wollte einen Rasierer, damit er die Schamhaare entfernen konnte. Gabi brachte uns einen Einmalrasierer, womit er Charly ein heissen Haarschnitt verpasste. Charly machte schon wieder einen Witz, mit der Bemerkung, dass ihm eine hübsche Krankenschwester lieber wäre.
Da die Liege klebrig war holte Gabi noch ein paar Handtücher auf die er sich legen konnte. Ich wollte auf keinen Fall, dass dieser Quacksalber auch nur 5 Minuten allein mit Charly war. Wir fragten nach einem Röntgengerät, damit man nachsehen konnte, wo die Kugel stecke. Gott sei Dank hat seine Verletzung so gut wie nicht geblutet, so dass wir davon ausgehen konnten, dass keine grösseren Gefässe verletzt worden sind. Der alte Röntgenapparat schoss ein etwas unklares Bild, aber man konnte die Kugel darauf sehen. Sie war im Beckenbereich neben dem Kugelgelenk hängengeblieben. Wir waren nun etwas beruhigt, da wir nun davon ausgehen konnten, dass weder der Darm noch die Blase getroffen worden war. Wir kontrollierten auch den Urin, ob da nicht vielleicht doch Blut beigemischt ist. Zu unserer Erleichterung war dem nicht so und so langsam konnte wir uns alle etwas beruhigen.
Die Toilette war ausserhalb des Gebäudes und alles andere als sauber. Es stand ein stinkiger Eimer davor mit dem zuvor Erbrochenes aufgeputzt worden war. Die Kakerlaken liefen munter auf dem WC wie im Behandlungszimmer umher. Der Arzt bekam Besuch und obwohl der durchtrainierte Mann in zivil war, vermute ich gemäss seinen Anweisungen, dass es wohl ein Militärarzt gewesen sein muss. Er stellte kurzen Fragen, was der andere alles gemacht hatte.
Charly durfte aufstehen, nachdem der unkompetente Doktor einen Verband zusammengeschnipselt hatte.
Man brachte uns eine Bank und zwei Stühle. Es waren ein paar Polizisten und wohl auch Militärleute da, die uns diverse Fragen stellten. Bereitwillig beantworteten wir all ihre Fragen. Jürgen hatte in der Zeit während Charly noch im Behandlungsraum lag die GPS-Koordinaten von unserem Gerät runtergeladen und dem Militärbeamten gegeben. Jürgen meinte nur, der hätte sich mehr für das Gerät als für die Koordinaten interessiert.
Mit Witzen und Sprüchen suchten wir den Weg zurück in die Normalität. Charly sass nun vor uns und wir waren alle froh, dass nicht noch schlimmeres passiert war. Beide Autos hatten in der Zwischenzeit vorne links einen Platten, den wir aber nicht mehr in dieser Nacht reparieren wollten. Wir konnten im Hof des Spitals übernachten und wir waren froh, dass wir uns nun von der Strapazen erholen konnten. Jürgen entdeckte, dass auch er einen kleinen Durchschuss an der linken Brust hatte. Die Kugel war so schräg aufgetroffen, so dass diese ein paar Zentimeter weiter wieder raus gekommen war. Eine weitere Verletzung an der Wade stammte wahrscheinlich von einem Glassplitter und wir machten ihm auf beide Verletzungen einen Verband, nachdem wir es desinfiziert hatten. Charly hatte neben dem Schuss in der Leiste noch zwei Löcher am rechten Oberarm-/ Schulterbereich. Einer vorne und einer hinten, weswegen wir glaubten, dass das ein Durchschuss war. Wir desinfizierten die Stellen und verbanden diese. Mein kleiner rechte Fusszeh schmerzte und ich humpelte, da ganz vorne die Haut weg war. Nicht weiter tragisch, aber das doofe Pflaster drückte. Die einzige die völlig unverletzt geblieben war, war Gabi. Sie hatte wohl einen Schutzengel mehr wie wir.
Spät und erschöpft legten wir uns schlafen, doch wirklich schlafen konnten wir nicht. In der Nacht wurde eine schreiende Frau eingeliefert, ein Kind schrie auch immer wieder. Ein Knabe wurde aus dem Zimmer geschleppt, damit er sich vor dem Spital übergeben konnte. Es war eine unruhige und lange Nacht, obwohl sie eigentlich nicht lange dauerte.
Charly konnte sein linkes Bein nicht strecken und suchte einen guten Platz damit er es anlehnen konnte. Mit etwas Polster ging es dann schliesslich doch irgendwie, dass auch er etwas dösen konnte.
Schon früh morgens waren wir hell wach. Jürgen und Charly holen ihre Reifenreparatur-Sets raus und flickten damit die platten Pneus. Unser Reifen hatte drei Löcher und er von Jürgen zwei. Wir staunten, dass wir damit doch noch so weit gekommen waren. Ein weiterer Polizist tauchte auf und wir mussten wieder ein paar Fragen beantworten. Es kamen immer mehr Leute und alle betrachteten kopfschüttelnd unser Auto. Der Polizist meinte wir müssen auf den Präfekten warten, dieser käme so gegen 10 Uhr. Das war uns zu spät, denn wir wollten so rasch als möglich nach Bamako und dort in ein besseres Spital gelangen.
Der Innenhof des Krankenhauses füllte sich zu Sehens mit neugierigen Leuten. Die Polizei wurde auch immer dreister und verlangten ein Foto von den Verletzten zu machen. Später wollten sie auch noch unsere Pässe um davon Kopien zu machen. Der Präfekt kam und entschuldigte sich vielfach und er sprach sogar etwas deutsch. Das interessierte uns aber herzlich wenig, denn wir realisierten, dass wir so schnell wie möglich aus diesem Hexenkessel verschwinden mussten.
Wir hatten zudem befürchtet, dass man uns die Rechnung für ein kaputtes Motorrad aufhalsen wollte, da sich offensichtlich der Besitzer gemeldet hatte. Das Motorrad war wahrscheinlich gestohlen worden. Wer auf Menschen schiesst, hat sicher auch keine Hemmungen Motorräder zu klauen.
Ich musste mit Nachdruck noch darauf hinweisen, dass wir die Opfer und nicht die Täter waren. Damit das klar war und keinerlei Missverständnisse auftreten und dies sagte ich ziemlich deutlich. Es gab danach keine Fragen mehr und wir konnten endlich fahren.
Die Pässe wollten wir nicht aus unsere Hände geben und folgten den Typen auf ihren Motorrädern, nachdem wir uns aus dem Innenhof gezwängelt hatten.
In einem kleinen Büro an der Strasse machten die Beamten ein paar Kopien von unseren Pässen, danach konnten wir endlich losfahren.
Für uns stand fest wir werden nochmals den Ort aufsuchen, wo es passiert war. Das Militär hatte die Motorräder die wir platt gefahren hatten eingesammelt und behauptet, dass von unseren Sachen nichts mehr da war. Irgendwie glaubten wir die Geschichte nicht, jedenfalls den Teil nicht, dass von unseren Sachen gar nichts mehr da war. Zumindest Gabis Tagebuch hatten wir erwartet.
Wir fuhren also klopfenden Herzens nochmals zu der Stelle und mussten feststellen, dass das Militär nur die Motorräder mitgenommen hatte. Diejenige Stelle an der wir attackiert worden sind, war völlig unberührt! Es lag alles noch genauso da, wie wir es verlassen hatten. Ich wartete mit laufendem Motor und beobachtete die Umgebung, während die anderen unsere Habseligkeiten so rasch als möglich zusammensammelten und ins Auto schmissen. Auch Gabis Tagebuch fanden wir wieder, eine Kartoffel war auf der Seite geklebt, an der sie gerade geschrieben hatte, als es passierte. Ich sagte, sie solle die Stelle einrahmen oder noch besser die Kartoffel einkleben, als Erinnerung. ;-)
Wir hatten alles wieder, ausser unserere Einstiegsleiter. Wir fuhren zurück zur Hauptstrasse und sahen wie uns nett ein Militärbeamter zuwinkte.
Wir fuhren bis zur Grenze und mussten erfahren, dass die Grenze die ganze Nacht über geöffnet ist und gestern noch gut hätten über die Grenze fahren können.
Die Grenzbeamten waren sichtlich erstaunt und gaben die entsprechenden Laute von sich mit hochgezogenen Augenbrauen. Es wäre mir unmöglich diese Laute des Erstaunens nachzumachen. Jeder bestaunte unsere Einschusslöcher und obwohl wir um schnelle Abfertigung gebeten hatten mit dem Verweis auf einen Verletzten, mussten wir uns überall gedulden. Der Ablauf war aber korrekt und die Beamten waren sichtlich betrübt, dass dies in ihrem Land, ja sogar in ihrer Nähe passiert war. Sie konnten es nicht fassen. Dies seien aber keine Leute von Guinea gewesen, dass waren sicher Leute von der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) meinte einer. Kann schon sein, nur wen interessiert dies im Moment?
Nachdem wir endlich alle Ausreisestempel erhalten hatten, konnten wir weiter zum Grenzposten von Mali fahren.
| Mali |
Nur ein paar Meter weiter war der Schlagbaum zur Grenze nach Mali. Auch hier mussten wir unsere Geschichte mehrfach erzählen. Ich drängte immer wieder, man solle sich beeilen, da wir einen Verletzten hatten, der grosse Schmerzen hatte. Charly und Jürgen warteten im Auto, während Gabi und ich die Grenzformalitäten erledigten.
Beim Zoll wurden unsere Carnets de Passage zügig abgestempelt und nach dem die Beamten neugierig unser Auto beäugt hatten, konnten wir rasch den Innenhof des Zolls wieder verlassen. Anders war es bei der Grenzpolizei, die für die Pässe zuständig waren.
Leider gab es unter den Beamten Kompetenzprobleme und einer meinte er sei wichtiger als der andere. Einer fing schon an die Daten von Gabis Pass in ein grosses Buch zu schreiben, als ein anderer die drei anderen Pässe schnappte und wir plötzlich wieder aus dem Büro raus mussten. Der Grenzbeamte machte es sich auf einer Liege im Schatten bequem, während wir vor ihm standen und mindestens 20 mal die gleichen Antworten wiederholten auf die gleichen Fragen. Es kam ein weiterer hinzu mit unserem Carnet, welches wir auch hatten abgeben müssen. Jeder wollte seine Fragen beantwortet haben. Welch ein Wirrwarr.
Anscheinend war der Typ, der unsere Pässe hatte, etwas höher gestellt und so wagte es keiner ihm die Dokumente wieder wegzunehmen. Alles war verwirrend und wir machten immer wieder darauf aufmerksam, dass wir einen Verletzten hätten, der in Bamako ins Krankenhaus muss. Es gab zwischendurch immer wieder ein paar Diskussionen unter den Beamten und der wichtige Typ gab schliesslich einem anderen das Papier. Unsere Angaben wurden auf einem Stück leeren Papier festgehalten, doch dieser Typ war noch langsamer und begriffsstutziger als der Vorhergehende. Wir waren genervt und durften dies aber nicht zu offensichtlich zeigen.
Ein ca. 40ig-jähriger Beamte mit Schlapphut erbarmte sich schliesslich und nahm dem Typen die Papiere aus der Hand und schieb die benötigten Daten auf das Papier, nachdem er vorher mehrmals vergeblich versucht hatte, ihm die Angaben zu diktieren. Er teilte dem anderen mit, dass er zu langsam sei, aber das störte diesen überhaupt nicht und er machte es sich auf der Liege bequem. Der Mann mit dem Schlapphut hatte rasch alles auf dem Papier aufgeschrieben und wir bekamen wie durch ein Wunder auch wieder zu unseren korrekt gestempelten Carnets. Der mit dem Schlapphut bestand darauf, dass wir nur mit einer Eskorte weiterfahren dürften und wir mussten wieder warten. Zuerst wollten sie in jedes Auto einen bewaffneten Beamten setzen, doch im Toyota hatten wir echt nur Platz für zwei und Charly so lange durch einen Beamten einquetschen lassen wollte ich auch nicht. Jürgen und Gabi opferten sich, d.h. Gabi sass hinten und unser Bewacher konnte auf dem Beifahrersitz Platznehmen. Dem Typ mit dem Schlapphut war es gar nicht recht, dass nur ein Beamter mitfuhr, denn er hatte Order von oben, dass man auf uns aufpassen sollte.
Mit nur einem Beamten und einem Maschinengewehr fuhren wir schliesslich nach geschlagenen 2 Stunden weiter. Charly war nicht glücklich über die lange Wartezeit, was ja auch mehr als verständlich war bei seinen Schmerzen.
Die Strecke nach Bamako war gut zu fahren, anfänglich war die Strasse sogar geteert, doch schon nach ca. 20 Kilometern war es vorbei mit der Herrlichkeit und wir mussten eine Piste fahren, die aber nicht so schlimm war. Die Piste verlief parallel zur neuen Trasse, an der bereits fleissig gebaut wird. Bald wird eine neue Teerstrasse nach Bamako führen. Bei der ersten Kontrolle erklärte unsere Eskorte noch schnell den Sachverhalt, an allen weiteren wurden wir nur noch durchgewunken. Ein Auto war wohl etwas zu schnell gefahren und lag im Graben, aber da die Leute unverletzt waren fuhren wir an ihnen vorbei. Wir hatten schliesslich selber einen Verletzten, den wir so rasch als möglich ins Spital bringen wollten. Gabi rief von unterwegs nochmals die deutsche Botschaft an und konnte mit ihrem Satelliten-Telefon nur ein paar kurze Infos bekannt geben. Die Frau Brinkmann hatte aber einen sehr kompetenten Eindruck bei ihr hinterlassen.
Zeitweise durften wir auf der neuen Trasse fahren, welche uns ein gutes Vorwärtskommen ermöglichte. Wir fuhren durch eine schöne Landschaft und fanden es schade, dass wir nicht die Muse hatten diese zu geniessen. Ein LKW fuhr vor uns und hielt plötzlich an, ein Mann von der anderen Strassenseite kam zum LKW und die unterhielten sich. In der nächsten Minute wurde schon der Kipper eingeschaltet; wir konnten gerade noch an ihm vorbeifahren als wir merkten was abgeht. Fast hätte er uns mit seiner Erdlast zugeschüttet! Charly schimpfte mit mir, dass man nicht so dicht hinter einem LKW halten soll, aber wer rechnet auch mit so was!
Wir kamen immer näher an Bamako ran und die Müllhalden vergrösserten sich im gleichen Masse, wie sich die Kilometer verringerten.
Der Verkehr stieg sprunghaft an, sobald wir in Bamako waren. Die kleinen Motorräder waren überall und überholen auch überall respektive links oder rechts an einem vorbei.
Mit Hilfe des Beamten fanden wir den Weg schnell zur Pasteur-Klinik, wo Frau Brinkmann schon alles organisiert hatte. Man erwartete uns dort bereits und auch ein Arzt der in Deutschland studiert hatte und deutsch sprach ist aufgeboten worden.
Frau Brinkmann von der deutschen Botschaft und Frau Bonifazi von der schweizer Botschaft erwarteten uns bereits vor der Klinik. Wir wurden herzlich begrüsst und gingen gemeinsam in die Klinik.
Die Klinik machte einen guten Eindruck, es war sauber und die rundliche nette Krankenschwester erschien uns weitaus kompetenter, als es der Arzt in Siguiri gewesen war. Es wurden nochmals ausführliche Röntgenaufnahmen von Charly gemacht. Ich liess ihn nicht aus den Augen, damit ich notfalls hätte einschreiten können. Anschliessend wurde er in das Behandlungszimmer von Herrn Dr. Diolo geführt, wo er sich hinlegen durfte. Dr. Diolo war ein mittelgrosser schlanker Schwarzer, der in Deutschland studiert und in einem Krankenhaus gearbeitet hatte. Er sprach sehr gut deutsch und der sympathische Arzt erklärte uns nach einer kurzen Untersuchung, dass er die drei Kugeln drin lassen wird. Zwei steckten in der Muskulatur unter der rechten Schulter, bei denen wir ursprünglich gedacht hatten, es handele sich um einen Durchschuss sowie die dritte Kugel, welche tief in der Leistengegend von Charly eingedrungen war und nun in der Nähe des Kugelgelenks von Charlys Oberschenkel lag.
Wir waren etwas verdutzt, aber auf der anderen Seite war es uns auch ganz recht, denn wer will schon in Westafrika operiert werden. Wir waren aber auch sehr erleichtert, dass nichts gravierendes getroffen worden war. Es fiel uns ein grosser Stein vom Herzen! Auch Jürgen ist mit seiner Brustverletzung geröntgt worden und es konnte Gott sei Dank keine Kugel bei ihm gefunden werden. Die Kugel war auf der linken oberen Brust wenige Zentimeter nach dem Eindringen wieder ausgetreten. Ein flacher Durchschuss. Meinen kleinen Zeh liess ich nicht behandeln, denn es fehlte nur ein wenig Haut an der Spitze.
Erleichtert bezahlten wir unsere Rechnungen, Röntgenbilder 25'000 CFA (egal wieviele Aufnahmen gemacht wurden) und 40'000 CFA für die Behandlung vom Arzt.
Frau Bonafazi fuhr wieder nach Hause, da es nichts mehr für sie zu tun gab und wir warteten vor der Klinik auf Gabi und Frau Brinkmann. Sie waren in der Zwischenzeit zur Einwanderungsbehörde von Mali gefahren und holten die fehlende Visas für die Franken.
Frau Brinkmann ist eine aufgestellte und humorvolle Person, die sich kompetent um uns gekümmert hat. Sie hatte veranlasst, dass der Grenzübergang, die Kontrollstellen in Mali, die Klinik und er Arzt informiert waren, und das alles reibungslos ablief. Nachdem auch die Sache mit dem Visum geklärt war, fuhr sie mit uns im Schlepptau durch Bamako, um uns zu helfen Geld zu wechseln. Wir hatten unsere letzten CFAs im Spital gelassen und der traurige Rest hätte nicht mehr lange gereicht. Wir fuhren kreuz und quer durch Bamako. Die erste Bank war bereits geschlossen, der einzige Geldautomat von ganz Mali bei der zweiten Bank funktionierte nicht und schliesslich führte sie uns zu einem 5-Sterne-Hotel, wo wir dann doch noch Geld tauschen konnten. Gabi konnte dort sogar ihre US $ Travelers-Checks einlösen. Unterwegs im Stau von Bamako wurden wir immer wieder von den Minibusfahrern angesprochen, was denn mit unserem Auto passiert sei, als sie die Einschusslöcher gesehen hatten. Während wir uns durch den Verkehr quälten, mussten wir nebenbei immer wieder die Geschichte erzählen und die Einheimischen schüttelten ungläubig ihre Köpfe mit der Bemerkung „Ce n’est pas bon“.
Erleichtert auch diese Hürde genommen zu haben, machten wir uns auf den Weg in Richtung deutsche Botschaft. In der Nähe der Botschaft befindet sich eine kath. Mission und Frau Brinkmann hatte die Idee, wir sollen doch dort mal anfragen, ob wir da übernachten könnten. Es ist sehr zentral gelegen und wir müssten dann nicht mehr so weit raus fahren. Leider war der Pater Michel nicht da und der anwesende Pater hatte nicht die Kompetenz uns Auskunft zu geben. Es wurde schon Abend und wir hatten alle so langsam richtig Hunger. Wir stellten unsere Fahrzeuge vor dem Haus von Frau Brinkmann ab und liefen mit ihr zu der von ihr empfohlenen Snack-Bar Les Amandines, um dort endlich etwas zu essen. Jürgen konnte nicht widerstehen und besorgte sich vor dem Essen noch ein Schokoladenbrötchen, von der gleichen Snack-Bar/Bäckerei.
Wir bestellten für uns Pizza und Salat, während Frau Brinkmann den lokalen Kapitänsfisch bevorzugte. Ein Arbeitskollege von ihr kam später noch kurz auf ein Bier vorbei. Eigentlich hatte sie ja mit ihm heute eine Veranstaltung besuchen wollen, aber leider wurden ihre Pläne von uns durchkreuzt. Wir wollten Frau Brinkmann einladen, doch leider konnten wir sie nicht dazu überreden. So eine SUPER-Betreuung durch eine Botschaft ist alles andere als der Normalfall und hatte vielmehr mit Ihrer Persönlichkeit zu tun. Nach dem Essen hatte Charly wieder starke Schmerzen und konnte nicht mehr länger sitzen. Wir beschlossen schon mal voraus zur Mission zu fahren. Charly und ich liefen zu den Autos, welche vor Frau Brinkmanns Haus parkiert waren. Dort passten Wachmänner darauf auf, denn bei beiden Fahrzeugen waren ja die Scheiben auf der Fahrerseite zerschossen worden.
Wir fuhren zur katholischen Mission in der Hoffnung dort in unseren Autos übernachten zu können. Als wir Snoopy dort parkiert hatten, kam schon der Nachtwächter, wir können da nicht stehen bleiben unter den Bäumen, dies sei ein Park und kein Parkplatz. Es war aber kein rasen oder so was dort, nur die Bäume in schönen Abständen, zum Parkieren dachten wir deshalb. Wir wollten den Pater Michel sprechen und hatten Glück, denn dieser wollte gerade wegfahren. Ich fragte freundlich, ob wir im Hof von der Mission übernachten dürften. Zu unserem Erstaunen war die Antwort “NEIN“, er wolle die Verantwortung nicht dafür und deshalb können wir hier nicht übernachten. NA SUPER vielen Dank lieber Pater - Diener Gottes deine Nächstenliebe hat uns gerührt.
Es blieb uns nichts anderes übrig als wieder zurück zu fahren und mit den anderen im Dunkeln zum weitentfernten Campement „Le Cactus“ zu fahren. Natürlich verfuhren wir uns auch auf unserem Weg dorthin, da es keinerlei Hinweisschilder gab.
Nachdem wir endlich heil auf dem Hof von Le Cactus ankamen, kam auch schon Kalle angelaufen. Ein junger blonder Deutscher, der den kanadischen Besitzern etwas half, welche bereits schon die 70 überschritten haben. Mit ihm war rasch ein Plätzchen gefunden, wo wir die Nacht verbringen konnten. Kalle zeigte uns noch die Bar und das einzige WC auf dem Camping. Wir tranken noch etwas und gingen danach erschöpft schlafen. Es war noch immer über 30 Grad und kein Windhauch ging.
Verschwitzt wachten wir auf und räumten unser rasch Bett weg. Diesen Tag haben wir uns vorgenommen auszuruhen, um uns von den Strapazen zu erholen.
Der Le Cactus ist ein sehr einfacher Camping, wo auch Zimmer gemietet werden können, auch stundenweise. Fliessendes Wasser gab es nicht, man musste die Toilette mit Wasser aus dem Bottich spülen, beim Lavabo gab es einen grossen eisernen Behälter mit einem kleinen Wasserhahn dran. Die Duschen waren winzig und das Wasser kam aus Kanistern, die vorher wohl als Dieselkanister gedient hatten, denn das Wasser roch immer noch danach. Wir nach der Dusche dann auch!
Die Bar war jedoch sehr gemütlich, gehalten im Stil von Safari-Camps wie in Südafrika. Unser Wasser mussten wir mit einem Kanister vom Ziehbrunnen raufholen. Der Niger war nur wenige hundert Meter weg, womit uns der eine oder andere Moskitostich sicher war.
Der Tag wurde brütend heiss, wir konnten über 45 Grad an unserem Thermometer ablesen.
Elke und Dietmar, beide in den 60igern und welche wir schon in Mauretanien getroffen hatten, waren auch dort mit ihrem Rundhauber (Mercedes Allrad-LKW). Der nun bald 80ig-jährige Sahara Willi, der sie noch in Mauretanien begleitet hatte, musste aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig umkehren. Die Hitze hatte ihm zu sehr zu schaffen gemacht. Nun waren die beiden alleine unterwegs, aber was heisst allein, sie hatten zwei Hunde und ein Katze dabei. Sie waren schon wieder auf der Heimreise und kamen gerade von Burkina Faso zurück. Dort war es auch so heiss wie in Mali. Ihr Hund Sancho erinnerte mich sehr stark an den Golden Retriever, den ich mal hatte. Er war anfangs etwas scheu, was auf seine jungen harten Welpenmonate zurück zu führen war. Bald jedoch war er etwas zutraulicher und ich hatte bald einen Narren an ihm gefressen.
Wir waren noch ganz kaputt und hatten keine Lust Wäsche zu waschen und fragten deshalb Kalle, ob es hier eine Möglichkeit gäbe die Wäsche waschen zu lassen. Auf dem Camp wurde dieser Service auch angeboten und wir nahmen diesen Service dankbar an. Wir sassen den ganzen Tag im Schatten und versuchten uns so wenig wie möglich zu bewegen. Der Hitze wegen! Da die Luftfeuchtigkeit aber sehr hoch war, über 60%, schwitzten wir trotzdem.
Am Abend assen wir im Le Cactus. Es gab eine grosse Salatschüssel, Reis und Pommes mit einer Art Gulasch. Ein grosses Bier hatten wir uns nach soviel schwitzen auch dazu verdient.
Diese Nacht war es wieder um die 32 Grad warm und wir nahmen noch rasch eine kühle Dusche aus unserer Solardusche, die wir am Nachmittag mit Brunnenwasser gefüllt hatten und an einen Ast des Baumes im Schatten aufgehängt, der vor unseren Fahrzeugen war.
Etwas abgekühlt verschwanden wir rasch im Auto. Die Einstiegsleiter, welche wir bei unserer Flucht abgefahren hatten, wurde einstweilen durch den Werkzeugkoffer von Jürgen ersetzt. Vor dem einschlafen konnten wir noch dem Quakkonzert der Frösche vom Niger lauschen.
Kaum aufgestanden, schwitzten wir schon wieder. Jede Bewegung wurde zur Qual. Auf das Frühstück wollten wir trotzdem nicht verzichten. Faul und träge hingen wir in unseren Stühlen und unterhielten uns. Charly wollte sich gerade seine Hände waschen und Gabi machte eine freche Bemerkung, was er mit einer kurzen Dusche aus unserem Wasserkanister quittierte. Bald war eine Wasserspritzorigie ausgebrochen, jeder wurde mal kurz geduscht. Keiner war jedoch böse darüber, bedeutet dies doch eine wohltuende Abkühlung.
Dietmar und Elke beschlossen aufzubrechen und weiter in Richtung Senegal zu fahren. Sie verabschiedeten sich von uns.
Wir Vier plauderten noch bis gegen 15 Uhr, dann wollten Jürgen und Gabi in die Stadt zum Einkaufen fahren. Charly blieb auf dem Campingplatz, da er sich noch nicht fit genug fühlte. Zu dritt fuhren wir in die Stadt und obwohl man uns versicherte, dass der Supermarkt offen hätte, war dieser geschlossen. (Wie wir später erfuhren, hat der Supermarkt nur bis 12 Uhr geöffnet.) Wir fuhren weiter zu Frau Brinkmann und fragten, ob wir wiederum das Auto dort parkierten dürften. Wir durften und sie gab uns auch gleich noch einen Tipp mit, auf welchem Markt wir Souvenir kaufen könnten, ohne gleich übers Ohr gehauen zu werden.
Wir fuhren mit dem Taxi zu dem Markt „Marché Golonina“, wo wir neben zu gleich noch eine gute Bäckerei ausmachten. Mit Cola resp. Café au Lait und süsser Beilage stärkten wir uns, bevor wir uns zu den Ständen begaben. Die Händler waren recht aufdringlich und man musste sich immer wieder aus ihren Fängen befreien. Ich fand bald einen hübschen Stein, Turmaline mit Perodit, den ich nach der Verhandlung für ein Drittel erhalten hatte, als zuerst gefordert. Wahrscheinlich hatte ich immer noch zuviel bezahlt, doch der Stein war gross und sah ganz gut aus. Die Ketten mit Achatsteinen waren auf den ersten Blick hübsch, jedoch waren alle Steine angeschlagen bei näherem Hinsehen. Gabi und Jürgen fanden ein paar hübsche Figuren aus Holz und Messing. Die Masken sahen alle gleich aus und besonders gut gefiel uns keine davon, deshalb haben wir dann schussendlich auch keine gekauft. Gegen Schluss fand ich noch eine Holzfigur, die einen schwarzen Mann aus dem Dogonland darstellte. Sie war recht gross, weshalb ich ihr anfänglich keine Beachtung schenkte. Gabi und mir gefiel aber die Figur trotzdem und der Händler bemerkte es natürlich auch. Wir fanden die Figur sei viel zu gross und Jürgen drohte Gabi schon mit Konsequenzen, wenn sie die Figur kaufen würde. Ich bot einen sehr niedrigen Preis und der Händler schaute mich fast entsetzt an. Ich blieb jedoch hart und er wollte das Ding verkaufen und so nahm er mich doch noch mal zur Seite und versuchte mich zu überzeugen mehr dafür zu zahlen. Ich blieb aber mit einem charmanten Lächeln hart und habe die Figur schliesslich doch zu einem sehr guten Preis erhalten. Die Franken hatten zuvor schon zwei hübsche Antilopenfiguren gesehen, die angeblich aus Silber waren. Bei der ersten Verhandlung wollte man aber noch zuviel und deshalb waren sie gegangen. Die Figuren sind ihnen aber nicht aus dem Sinn gegangen, weshalb sie nochmals den Laden aufsuchten. Der Typ im Laden war auch interessiert und man begann gerade nochmals über den Preis zu diskutieren, als der Boss von dem Geschäft kam und uns buchstäblich zum Teufel jagte. Er war beleidigt gewesen, aus irgendeinem Grund. Vielleicht hatten sie bei der ersten Verhandlung einen Ehrenkodex übertreten, den sie nicht kannten. Nach dieser Erfahrung waren sie dann auch nicht mehr interessiert und so fuhren wir mit dem Taxi zurück zu Frau Brinkmann.
Sehr zu unserer freudigen Überraschung lud uns Frau Brinkmann zu einem selbstgebackenen Käsekuchen ein. Hmmm, der war lecker! Da es für einen Kaffee viel zu heiss war, tranken wir Apfelsaft dazu. Wir zeigten ihr unsere Errungenschaften und unterhielten uns über die Arbeit einer Botschaft und wo sie schon überall war. Sie war zuvor in Tansania und Sierra Leone stationiert gewesen. Sie erzählte uns etwas von diesen Ländern und wir hörten ihr gespannt zu. Wir durften auch den Garten bewundern, den sie angelegt hat in den 7 Monaten die sie nun schon in Mali verbrachte. Der Garten war voller tropischer Pflanzen und sie erklärte uns nicht ohne Stolz, wie es vorher hier ausgesehen hatte und was sie alles gepflanzt hat. Die Zeit verging wieder wie im Flug und es wurde Zeit zum Gehen. Wir bedankten uns herzlich und fuhren mit dem Auto in Richtung Camping. Auf dem Weg dorthin mussten wir blöd über eine Kreuzung fahren und wie immer fuhren alle kreuz und quer. Ein Polizist sah natürlich seine Chance abzukassieren und trällerte auf seiner Pfeife. Wir nahmen ihn nicht weiter ernst und fuhren weiter. Wir hatten die Rechnung jedoch ohne den Wirt gemacht. Geschwind hatte der Polizist einen Kollegen herbeigerufen und verfolgten uns nun. Wir hielten an. Der Polizist schimpfte mit uns, dass sei ein gefährliches Manöver gewesen usw. Der ganze Verkehr von Bamako ist ein einziges gefährliches Manöver hätten wir am liebsten geantwortet, doch wir waren brav und hörten ihm zu. Als es uns dann doch zu bunt wurde, erzählten wir von dem bösen Überfall und den Verletzungen. Wir erklärten, dass wir nochmals aus diesem Grund zur Botschaft gemusst hatten usw. Die Polizisten wurden schlagartig freundlich und liessen uns ohne Strafe fahren, aber mit der Ermahnung künftig nicht mehr so gefährlich die Strasse zu kreuzen. Wer den Verkehr kennt von Bamako, weiss das man dort immer drauflos fährt, die Kreuzungen mehrspurig überquert werden und sich jeder durch drängelt, wo er nur kann.
Es war schon wieder spät und bereits dunkel. Ein kurzer Stopp bei einem kleinen Supermarkt und weiter ging es zum Campingplatz. Charly hat schon bereits auf uns gewartet. Wir kochten unser Abendessen und quatschten danach noch lange. Der Zugang zur Toilette war, wie jeden Abend verschlossen und auch durch energisches Rufen konnte der laut schnarchende Nachtwächter nicht geweckt werden. Es blieb nur der Weg in die Büsche. Wie jeden Abend nahmen wir eine kurze erfrischende Dusche, bevor wir uns der Hitze der Nacht ergaben.
Nach dem zeitigen Aufstehen wollten wir uns gleich auf die Suche nach einer neuen Scheibe machen. Kurz bevor wir losfuhren, haben wir jedoch noch unsere Wäsche zurück erhalten. Leider mussten wir feststellen, dass diese unangenehm roch und auch nicht sauber war. Charly zog trotzdem ein sogenanntes frischgewaschenes T-Shirt an, in der irrigen Hoffnung, dass sich der Geruch während des Tages verfliegen würde. Ohne grosses Frühstück fuhren wir in Richtung Bamako. Wir hielten bei einem kleinen Laden, der draussen den Verkauf von Originalersatzteile von Toyota und Mitsubishi angeschrieben hatte. Dieser hatte zwar die gewünschten Seitenscheiben nicht, doch wussten sie, wo sie anzurufen hatten. Bald war ein Händler gefunden, der die Scheiben hatte. Ein Mann aus dem Laden fuhr mit uns und lotste uns zu dem Händler. Die Ersatzteilhändler waren in einer kleinen ungeteerten Nebenstrasse angesiedelt, die dort in ihren Kleinstläden irgendwelche neuen oder gebrauchten Autoteile verkauften. Wir hatten Glück und er hatte für beide Autos neue Scheiben, nur war leider der Preis sehr hoch. Für unsere Toyotascheibe wollte er anfänglich 75'000 CFA. Nach einigen Verhandlungen konnten wir ihn auf sein letztes Angebot von 60'000 CFA drücken, was ca. 100 Euro sind. Doch Jürgen war die Scheibe noch immer zu teuer, da sein Mitsubishi ja schon einige Jahre auf dem Buckel hatte. Wir beschlossen die Scheiben nicht zu kaufen und uns noch etwas in Bamako umzusehen. Wir gaben unserem Begleiter ein Trinkgeld für seine Hilfe und fuhren wieder zur Botschaft, um den Mitsubishi dort zu parkieren. Da wir inzwischen sehr hungrig geworden waren, kehrten wir zuerst bei Les Amandines ein und assen ein Chawarma. Das ist ein Brotfladen, in dem gebratenes Fleisch mit Sosse, Gemüse und Pommes eingerollt werden. Das schmeckt immer sehr lecker.
Anschliessend kehrten wir zum Haus von Frau Brinkmann zurück. Wir fragten ihren Chauffeur, ob er wüsste, wo man Seitenfenster für unsere Autos kaufen könnte. Er wusste ein Geschäft, dass gar nicht weit weg war und nur Autoscheiben verkauft. Er erklärte uns den Weg, aber da wir nicht gleich verstanden, wo das war, hat er uns kurz entschlossen begleitet. Leider hatten wir Pech, denn in dem Laden gab es zur Zeit nur rechte Seitenfenster. Also fuhren wir danach zu einem Ort, wo man von Autowracks Ersatzteile kaufen konnten, doch da wollte einer für eine gebrauchte, zerkratzte Scheibe sage und schreibe 150'000 CFA. Der dachte wohl, er könne mit uns das Geschäft seines Lebens machen. Es wurden noch weitere teilweise völlig zerkratzte Scheiben angeschleppt, doch diese waren preislich gleich teuer wie neue Scheiben
Wir fuhren wieder an einen anderen Ort, wo wir schliesslich für unseren Toyota die passende Scheibe für 55'000 CFA kauften. Wir wollten nicht ohne Scheibe Bamako verlassen, da wir sonst das Auto immer offen gehabt hätten. Unser Begleiter wurde immer unruhiger und später fanden wir auch den Grund heraus, er hatte nämlich seinen Posten ungefragt verlassen und würde wohl Ärger bekommen. Wir hatten ihn zwar unterwegs ein paar Mal gefragt, ob er denn auch die Zeit hätte mit uns zu fahren, was er immer bejahte, doch ich denke er wollte einfach gastfreundlich sein und uns nicht alleine suchen lassen. Wir brachten ihn zurück zur Botschaft und bedankten uns bei ihm. Als nächstes war einkaufen angesagt, denn ganz in der Nähe gab es einen schönen grossen Supermarkt namens Azar Libre Service, wo man alles kaufen konnte was das europäische Herz höher schlagen lässt. Voll bepackt fuhren wir nochmals zu Frau Brinkmann um uns nochmals herzlich bei ihr zu bedankten und zu verabschieden.
Bis wir wieder im Le Cactus ankamen, war es schon wieder fast dunkel. Charly und Jürgen montierten trotzdem noch die Scheibe. Spät begannen wir dann zu kochen, es gab endlich mal wieder ein Stück Fleisch, welches wir im guten Supermarkt erstanden hatten.
Da wir am nächsten Tag los wollten, kochten wir noch für unterwegs Nudelsalat und Eier.
Früh sind wir aufgestanden und haben unsere Sachen zusammen gepackt. Bevor wir aber abfuhren, sind wir noch bei den kanadischen Besitzern vorbei gegangen. Wir hatten ein paar Beispiele von fleckiger Wäsche dabei. Betroffen nahmen sie die grossen grünen Flecke zur Kenntnis. Nach ein paar Rechtfertigungen erhielten wir unser Geld anstandslos zurück und dazu noch eine Flasche „Eau de Javel“, womit die Flecken wieder rausgehen sollten. Bevor wir abfuhren, machten wir noch einen kurzen Stopp beim Niger und schossen ein paar Fotos. Um in Richtung Senegal zu fahren, mussten wir quer durch die Innenstadt von Bamako. An einer kleinen Kreuzung war plötzlich ein Stau. Es hatte einen Unfall gegeben. Ein Autofahrer hat einen Motorradfahren angefahren, dieser war so wütend, dass er mit den Fäusten auf den Autofahrer los ging. Es war gleich ein grosser Menschenauflauf, doch wir schafften es gerade noch rechtzeitig uns durchzuquetschen. Der Verkehr in der Innenstadt war wieder chaotisch. Schritttempo war angesagt und Gabi wollte noch ihre Postkarten auf der Post abgeben. Mit viel Geduld schafften wir es bis kurz vor die Post, dann ging nichts mehr. Gabi und ich stiegen aus und gingen zu Fuss zur Post, während Jürgen und Charly in einer Seitenstrasse warteten. Die Post war schnell gefunden und die Briefmarken waren auch schnell gekauft. Kein Anstehen, kein Gedränge dass ist selten in Afrika. Auf dem Rückweg kaufen wir noch schnell frisches Brot und stellten mit Erstaunen fest, dass unsere Männer nicht mehr da waren. Verdutzt schauten wir umher. Ein Einheimischer machte uns Zeichen, dass diese um den Block gefahren sind und gleich wieder kommen würden. Als wir uns bedankten, sahen wir auch schon unsere Autos an der Kreuzung stehen. Wir liefen zu ihnen und stiegen ein. Polizisten hatten auf eine Weiterfahrt bestanden, da sie ein Verkehrshindernis darstellten. Ha, Ha, Ha, da mussten wir aber lachen, den in Bamako gibt es nur Verkehrshindernisse.
Jürgen fuhr voraus und fand schnell den Weg nach Kati. In Kati fragten wir bei der Polizeikontrolle nach dem schnellsten Weg nach Kayes. Der Polizist empfahl uns über Diéma zu fahren, aber auch die Piste nach Kita sei in einem sehr guten Zustand. Wir beratschlagten uns und beschlossen die Strecke über Kita zu fahren, da diese 100 km kürzer sei.
Die Piste nach Kita war wirklich in einem sehr guten Zustand, doch es gab trotzdem etwas Wellblech. Leider verführen diese breiten, guten Pisten die einheimischen Busfahrer mit ihren schlechten Reifen und miesen Bremsen zu überhöhtem Tempo und prompt fuhren wir an einen tragischen Unfall vorbei. Ein Bus war vollbesetzt mit überhöhtem Tempo in den Graben gefahren und sich dabei überschlagen. Es gab viele Schwerverletzte. Es waren schon einige Leute vor Ort die Hilfe leisteten und den Unfall auf der Piste markierten. Wir hielten an und fragten, ob wir helfen könnten, doch bei schweren inneren Verletzungen konnte auch wir nicht helfen. Wir fuhren weiter und schon nach wenigen Kilometern fuhren wir zum nächsten Unfall. Ein Pick-up, der uns kurz vorher überholt hatte, hatte ein Motorrad abgedrängt. Der Motorradfahrer und seine Sozia sind gestürzt. Die Frau sass noch auf der Piste und verdrehte die Augen. Sie sah aus, als wenn sie gleich ohnmächtig werden würde. Wir gaben etwas Wasser zum Trinken und ich deutete an, dass sie ihr den Kopf damit befeuchten sollen. Auf ruppige Art wurde Wasser auf das Haupt der Frau geleert und verstrichen. Der junge Motorradfahrer war wohl ihr Mann, aber er war nicht gerade rücksichtsvoll und behutsam. Das Leben ist hart in Afrika und ganz besonders für Frauen. Gabi holte ihr Wundspray aus dem Auto und ich sprühte ihre grosse Knieverletzung damit ein. Als sie den stechenden Schmerz spürte, kam wieder Leben in sie. Der junge Mann wollte seine Knieverletzung auch gleich behandelt haben, was wir gerne taten. Natürlich brannte das Wundspray wie die Hölle am Anfang. Er brachte seine Frau von der Piste und liess sie alleine auf einem Baumstumpf sitzen, während er sich um sein Motorrad kümmerte. Dies schien für ihn sowieso wichtiger zu sein, als seine Frau. Er hatte hinten einen Platten und Jürgen wollte ihm den Reifen mit seinem Kompressor wieder aufpumpen, doch leider war wohl die Felge verbogen oder der Reifen kaputt und konnte nicht mehr aufgepumpt werden.
Die Piste war gut bis nach Kita zu befahren, danach wurde die Strecke etwas holpriger. Es gab dann doch das eine oder andere Loch zu umfahren. Zwischendurch gab es auch eine kurze einspurige Teerstrasse mit Lücken. Landschaftlich war es eher monoton, ziemlich flach und Buschwerk links und rechts. Selten fuhren wir durch ein Dorf. Die Piste wurde wenig befahren, aber war gut zu finden. Kurz vor Manantali wurde es dunkel und in der letzten Abenddämmerung fuhren wir das steile Stück hinunter zum Damm. In der Dunkelheit fuhren wir weiter auf einer guten breiten Piste bis nach Mahina. Dort war die Strasse dann fertig. Es gab zwei Varianten, entweder wir warteten bis zum Morgen und nehmen die Fähre um über den Fluss zu setzen, oder wir nehmen die Eisenbahnbrücke. Den Weg zur Fähre haben wir im Dunkeln nicht gefunden, obwohl ein Einheimischer uns den Weg erklärte. Wir fuhren zurück und landeten in einer kleinen Nebenstrasse, wo die Leute draussen sassen und assen bzw. schwatzten. Wir hielten an und fragten wieder nach dem Weg, da der Weg vor uns unmittelbar in den Fluss geführt hätte. Sie erklärten uns den Weg zur Eisenbahnbrücke. Den Weg waren schon mal gefahren, dachten aber, dass dies nicht stimmen könne. Nun er stimmte aber und bald standen wir vor der Brücke. Wir fragten vorsichtshalber nochmals nach, ob nicht zufällig ein Zug kommen könnte, doch dies wurde lachend verneint. Der Zug Dakar Bamako fährt nicht so oft, also fuhren wir mit unseren Autos auf die Brücke. Ein Betrunkener wollte uns den Weg versperren, doch wir liessen uns nicht aufhalten und riefen ihm zu gefälligst aufzupassen. Zwei Räder zwischen den Schienen und zwei auf den seitlichen Stahlplatten, so fuhren wir über die Brücke. Es war schon ein komisches Gefühl, dack dack, dack dack, machten die Platten und wir waren froh als wir heil auf der anderen Seite ankamen. Für PKWs ist die Brücke nicht passierbar, da die Schienen eine ordentliche Bodenfreiheit verlangen. Verwundert blickte man uns auf der anderen Seite nach und wir fuhren durch eine Mangoallee in Richtung Bafoulabé. Am Rondel mit dem Hippo von Bafoulabé sahen wir einen Wegweiser, doch kam uns der Weg doch sehr seltsam vor und zudem war es auch schon sehr spät geworden. Wir kehrten also um und suchten die norwegisch-protestantische Mission, die wir auf unserem Weg durch den Ort gesehen hatten. Wir beschlossen dort mal nach zu fragen, ob man da übernachten könnte. Am Eingang mussten wir warten, da man zuerst den Pastor fragen wollte. Wir waren sehr erleichtert, als uns ein junger blonder Pastor begrüsste und wir dort bleiben konnten. Der Pastor und seine Frau waren noch sehr jung und erst wenige Monate in Mali. Wir unterhielten uns eine Weile und natürlich erzählten wir auch unsere Geschichte von den Banditen.
Von der Missionsstation konnten wir die Toilette und auch die Dusche vom Gebäude benutzen, wo man auch Zimmer mieten konnte. Für 1500 CFA pro Person stellten wir unsere Autos unter die Mangobäume und nahmen ein kleines Abendessen zu uns. Eine kleine Dusche vor dem Schlafengehen und wir konnten trotz der Wärme gut schlafen. Charly hatte den ganzen Tag über Schmerzen und auch diverse Fieberschübe, es war ihm anzusehen gewesen, dass es ihm nicht so gut gegangen war.
Schon vor 7 Uhr sind wir aus dem Bett gekrochen und ein kurzes Frühstück gemacht. Wir unterhielten uns mit dem Pastor bezüglich der Strecke nach Kayes. Er meinte, diese sei eine absolute Katastrophe. Es gäbe noch die Strecke über Sélinnkegni, aber da müssten wir mit der Fähre über den Fluss Bakoye und den Zustand kenne er nicht, da er auch erst seit 4 Monaten in Mali sei. Da diese Strecke weiter gewesen wäre, entschieden wir uns auf der linken Seite des Senegal Flusses zu bleiben. Die Strecke hatte es ganz schön in sich. Es gab einige sehr steile Steinpassagen zu überwinden, da die Piste weggewaschen war. Erst runter, später wieder rauf. Der Weg führte uns auch durch ausgetrocknete Flusswege. Die Piste wurde aber von Hochspannungsleitungen begleitet, so dass wir da einen Anhaltspunkt hatten. Auch auf die Eisenbahnschienen sind wir öfters gestossen. Einmal sind wir bei einer Abzweigung nach links einer grösseren Piste gefolgt, welche bei den Schienen plötzlich aufgehört hat und auf der anderen Seite nur noch ein kleines Dorf mit Rundhütten war. Von dort ging aber keine Piste weg, nur noch schmale Eselspfade führten weiter und zwischen den Rundhütten hatte kein Auto Platz. Wir mussten also umkehren und die richtige Piste suchen.
Auf dem ganzen Weg bis nach Diamou ist uns kein anderes Fahrzeug begegnet. Nach Diamou wurde die Piste durch eine löchrige Teerstrasse abgelöst. Die Landschaft wurde grandios, es gab mehrere Tafelberge und später fuhren wir, wieder auf einer Piste, am Senegal entlang. Ab und zu konnten wir einen Blick auf den Fluss werfen, wo neben Palmen auch Boabab-Bäume das Ufer säumten. Es war unglaublich faszinierend, dazu kamen nun auch einige kleine ursprüngliche Dörfer mit Rundhütten ja, so hatten wir uns Afrika vorgestellt.
Wir trauten unseren Augen kaum, da sahen wir doch plötzlich den grossen blau-gelben Rundhauber von Elke und Dietmar, die hier eine kurze Rast eingelegt hatten. Natürlich mussten wir anhalten und ein wenig mit den Beiden quatschen. Wir hätten nie gedacht, dass er mit dem LKW diese schwierige Strecke fährt. Er meinte nur, dass man halt etwas langsamer fahren müsse. Nun, dass haben wir auch gemusst. Chapeau, mein lieber Dietmar! Sancho war trotz der sengenden Hitze voller Energie und wollte Stöckchen holen spielen. Uns war es aber dafür definitiv zu heiss.
Bald schon fuhren alle wieder weiter. Je näher wir nach Kayes kamen, desto aufdringlicher wurden auch wieder die Forderungen der Kinder nach einem Cadeau.
Bei Médine fuhren wir an den eindrucksvollen Ruinen von Fort Tambaoura vorbei, welches von den Franzosen hier mal errichtet wurde. Auch schon vorher hatten wir diverse verlassene Gehöfte gesehen, meist an schönen Orten mit einer fabelhaften Aussicht. Nachdem aber die Eroberungspolitik von den Franzosen aufgegeben wurde, waren diese wahrscheinlich auch durch den Verfall der Strecke nach Bamako unlukrativ geworden und wurde aufgegeben.
Bei den Félou-Wasserfällen legten wir einen kleinen Stopp ein, doch die Wasserfälle konnten wir nur in der Ferne als rauschende Stromschnellen ausmachen, da der Wasserstand recht tief war. Leider bemerkten wir, dass unsere Dieselpumpe vom grossen Ersatztank ihren Dienst versagte. Wahrscheinlich war Dreck drin. Ärgerlich, weil unser Haupttank schon ziemlich weit geleert war. Wir versuchten den Tank von aussen umzupumpen, da Jürgen eine Ansaugvorrichtung dabei hatte. Der Schlauch war aber zu kurz und den zusätzlich Schlauch kriegten wir nicht dicht. Wenig Diesel haben wir geschafft umzutanken, doch es sollte bis Kayes reichten.
Da kamen auch schon Dietmar und Elke mit ihrem LKW an und erkundeten mit ihren Hunden die Gegend, da sie hier übernachten wollten.
Wir fuhren bald darauf weiter. Eine Passage war sehr eng und wir fragten uns, wie es wohl Dietmar schaffen wird hier um die Ecke zu fahren, ohne in den Fluss zu fallen. Links war ein steiler Felsen nach oben und rechts ging’s die Böschung runter zum Senegal, zudem war der Pfad sehr, sehr schmal.
Es war brütend heiss und da Jürgen beim Fahren die Aussentemperatur messen konnte, wussten wir auch das es gnadenlose 52 Grad heiss war. Am späten Nachmittag hatten wir die 130 km geschafft von Bafoulabé nach Kayes. Obwohl wir sehr früh losgefahren waren, sind wir erst spät in Kayes angekommen. Die Strecke brauchte zu viel Zeit, da der Zustand streckenweise ziemlich mies war.
In Kayes tankten wir für 50 Euro, da wir keine CFA mehr hatten. Wir haben den gleichen Kurs wie in Bamako erhalten und der Typ an der Tankstelle war mit dem Kurs auch mehr als glücklich. Zuerst wollte er natürlich verhandeln, aber ich hatte keine Lust und machte ihm klar entweder so oder gar nicht. Ich denke auf dem Schwarzmarkt kann er ein gutes Geschäft damit machen. Jürgen und Gabi kauften noch kurz Brot, dann fuhren wir auch schon wieder weiter.
Nach Kayes fuhren wir auf einer guten neuen Teerstrasse in Richtung Kidira/Senegal, doch die Freude währte nicht lange, denn die Strasse ist noch nicht fertig. Bald mussten wir auf der Piste neben der Trasse fahren, doch ist man dort rege am Bauen und die neue Teerstrasse wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Der Grenzübergang verlief problemlos auf der Seite von Mali. Die Beamten waren nett und korrekt, obwohl es inzwischen schon dunkel war, wurde nicht abgezockt. Man musste nur aufpassen, dass man nicht ausversehen an einem der unscheinbaren Posten im Dunkeln vorbei fuhr.
| Senegal |
Die Zoll-Abfertigung an der senegalesischen Grenze war korrekt und freundlich, im Gegensatz zum Grenzpolizisten der die Pässe abstempelte. Wir fuhren auf einer guten Teerstrasse mit vielen kleinen Brücken weiter bis nach Bakel. Das Campement hatten wir dort zwar schnell gefunden, doch leider war es sehr teuer und zudem laut, da die anwesenden Teenager mit ihren Soundblastern herumlungerten. Wir fuhren also in der Dunkelheit wieder zurück zur Hauptstrasse in Richtung St. Louis.
Bei unserer nächtlichen Fahrt wurden wir nur einmal gestoppt von einem leicht angetrunkenen Polizisten, der meinen Fahrausweis sehen wollte. Leicht entnervt holte ich diesen in der Wohnkabine. Als er jedoch auch noch unsere verbogene Zusatzlampe monieren wollte, stellten wir kurz klar, dass wir 4 Lampen hätten und die meisten in Senegal verkehrende Fahrzeuge nicht mal eins hätten. Wir hatten damit also immer noch 3 funktionierende Scheinwerfer. Wir sagten dies sehr bestimmt und so liess er uns ohne weitere Diskussion weiterfahren. Er hatte wohl deutlich gemerkt, dass wir keine Nerven für seine Abzocke hatten.
Wir suchten und suchten nach einem geeigneten Platz, aber irgendwie konnten wir keinen finden. Angesichts der Dunkelheit war es schwierig rechtzeitig eine Abfahrt zu entdecken und ausserdem wollten wir nicht gesehen werden. Aus diesem Grund entschieden wir uns an der nächsten Polizeikontrolle zu fragen, ob wir dort übernachten könnten. Leider kam keine mehr wenn man mal eine braucht... Um 0:30 Uhr fuhren wir schliesslich von der Strasse und campierten wild hinter ein paar Büschen. Wir waren fix und foxi und schliefen rasch ein.
Schon vor 7 Uhr sind wir aufgestanden und hatten unser Nachtlager rasch zusammen gepackt. Wir konnten diverse Geräusche von der Ferne hören und wussten, dass ein Dorf oder Gehöft in der Nähe sein musste. Wir hatten keine Lust auf ein Palaver und fuhren bald ab. Kaum losgefahren, fanden wir im nächsten Dorf eine Bäckerei die gerade frisches Brot gebacken hatte.
Wenig später riefen wir dann auf der Zebrabar an, um zu fragen, ob sie nicht einen Flug am Freitag für Charly in die Schweiz organisieren könnten. Ursula war sehr hilfsbereit und erklärte uns aber, dass das Reisebüro in Dakar erst um 9:00 Uhr öffnen würde. Während der Fahrt überlegten wir uns, dass der Abflug von Dakar am Freitag doch recht stressig wäre und Charly eventuell seinen Flug verpassen könnte. Es muss nur etwas nicht klappen und wie schnell ist das passiert. Also riefen wir nochmals an, um den Flug zu verschieben. Ursula kannte das Reisebüro in Dakar aus eigenen Erfahrungen und konnte so alles perfekt für uns organisieren.
Beruhigt fuhren wir weiter. Leider mutierte die Teerstrasse wenig später zur Löcherpiste, die nur noch wenig Teer zwischen den Löchern aufwies. Die Schlaglöcher waren gross und tief, weshalb wir bald neben der sogenannten Teerstrasse fuhren. Die Landschaft war öde und flach. Die Menschen erschienen uns nicht mehr so freundlich wie in Mali. Ein Jugendlicher zeigte uns sogar den Stinkfinger, weil er mitgenommen werden wollte, wir jedoch an ihm vorbei fuhren. Wir können und wollen nicht Taxi für jedermann in Afrika sein.
Weder in Guinea noch in Mali hatten wir so viele tote Tiere neben der Strasse liegen sehen, wie hier im Senegal. Man lässt die Tiere einfach liegen, wo sie überfahren wurden oder sonst irgendwie gestorben sind. Man läuft täglich x-mal daran vorbei, ohne sich daran zu stören. Die vielen toten Tiere sind uns richtig unangenehm aufgefallen.
Die Teerstrasse wurde wieder besser, war aber stellenweise sehr eng und LKWs konnten nur mühsam überholt werden. Gott sei Dank war der Verkehr vor Richards Toll nur gering. In Richards Toll herrschte dagegen ein buntes Treiben, ein wirres Verkehrschaos mit Pferdekutschen und LKWs. Weiter ging es an Rosso vorbei in Richtung St. Louis.
Als wir endlich in St. Louis ankamen, war es fast wie nach Hause kommen. Zuerst kam wieder der Versuch von der Polizei uns abzuzocken. Es gab aber bei uns nichts zu beanstanden und so liess man uns bei der ersten Kontrolle problemlos durch. Kaum einen Kilometer weiter kam dann die zweite Kontrolle. Dort muss die vorherige Kontrolle gepetzt haben, dass Jürgens Bremslicht auf der rechten Seite nicht funktionierte. Wie sonst hätte der Beamte am bereits stehenden Fahrzeug dies feststellen können. Jürgen kam zu uns gerannt und wir konnten ihm Gott sei Dank mit einem Lämpchen aushelfen. Der Polizist wollte aber nicht, dass die defekte Lampe ausgetauscht wird. Er wollte doch seine 20 Euro kassieren! Während Gabi ihn ablenkte, wechselte Jürgen geschwind das Lämpchen und der Polizist hatte nichts mehr zum Beanstanden. Pech gehabt!
So fuhren wir weiter nach St. Louis. Als erstes wollten wir auf die Bank, doch der erste Geldautomat funktionierte nicht. Wir fuhren also über die Brücke, die Eifel einmal gebaut hatte, zur zweiten Bank. Dort hatten wir dann mehr Glück und konnten unseren Vorrat an CFAs wieder aufstocken. Als nächstes gingen wir noch Proviant holen und fuhren anschliessend weiter in Richtung Zebrabar. Am späten Nachmittag kamen wir endlich auf der Zebrabar an. Alle kamen rasch an, um sich die Einschusslöcher anzuschauen. Werner, der schon seit 20 Jahren durch ganz Afrika gefahren ist, meinte trocken, dass einem so was passiert, sei so selten wie ein Sechser im Lotto. Ein Lottogewinn wäre uns echt viel lieber gewesen. Auch Ursula und Martin von der Zebrabar hatten von einem derartigen Vorfall noch nicht gehört, obgleich viele Reisende ihre Zebrabar aufsuchen. Die Zebrabar ist wie eine kleine Schweizer Oase im Senegal, wo man sich friedlich von den Strapazen der Reise erholen kann. Am Abend gab es Rösti mit Stroganoff und natürlich wurden auch ein paar Gazelle (Bier von Senegal) getrunken.
Am heutigen Tag wollten wir nicht viel unternehmen, da wir uns erst einmal vom Stress der Reise erholen wollten. Es gab auch immer viel zu erzählen, besonders Werner hatte immer ein paar afrikanische Episoden auf Lager.
Mit viel Überwindung haben wir es knapp geschafft die Wäsche einzuweichen, da diese immer noch ziemlich übel roch von Bamako. Wie gesagt, auf dem Campingplatz Le Cactus nicht die Wäsche waschen lassen, die riecht nachher schlimmer als vor dem Waschen. Den Rest des Tages verbrachten wir in der Hängematte und gingen am Abend wieder in der Zebrabar essen.
Nach einem guten Frühstück mit feinen Pfannkuchen machte ich mich daran die Wäsche zu waschen. Da die Wäsche in Afrika meist von Hand gewaschen werden muss, ist dies ein ziemlich zeitraubender und anstrengender Akt.
Am späteren Nachmittag mussten wir dann umziehen, da wir anscheinend vor dem Eingang zum Bungalow Nr. 1 campten und der Bungalow für das Wochenende vermietet worden war. Am späteren Nachmittag kam ein Auto aus Thiès (in der Nähe von Dakar) und brachte einen jüngeren Schwarzen und ein ältere weisse Dame mit. Diese Herrschaften haben wir aber selten gesehen, was die wohl gemacht haben? ;-)
Unser neuer Ort war zwar hübsch gelegen, doch stellte er sich bald als ziemlich windig und kühl heraus. Jürgen und Gabi kramten ihre Wollmützen raus und bald sassen wir alle in unseren Faserpelzen draussen. Wir froren trotzdem wie die Schlosshunde. Kein Wunder, in Mali hatten wir ja auch immer 40-50 Grad. Hier jedoch „nur noch“ 30 Grad und dazu immer ein kühler Wind vom Meer. Am Abend wurde es dann noch kühler, nämlich 20 Grad brrrrrr!!!
Wir kochten uns wieder einmal ein paar Spaghetti mit Knoblauch und verzogen uns danach rasch ins warme Auto.
Nach einem gemütlichen Frühstück nahm ich die Wäsche ab und wir begannen mit den Vorbereitungen für Charly Reise zurück in die Schweiz. Charly machte beim Auto noch alles klar, das heisst, er wechselte mit Jürgen zusammen den vorderen linken Reifen, da dieser trotz der Reparatur Luft verlor und schmierte alle Einschusslöcher mit SikaFlex zu, damit diese nicht zu rosten anfangen.
Gabi bereitete einen super leckeren Fruchtsalat zu, welchen wir alle genüsslich am Nachmittag verspeisten. Danach bereitete Charly unsere Fotos für Gabi vor und zusammen werkelten sie fast den halben Tag an den Fotos. Es wurde schon wieder dunkel und wir hatten Hunger, zudem war es kalt und ich machte mir Sorgen, ob auch alles Gut geht. Schliesslich hielt ich nicht mehr aus und musste spazieren gehen. Gabi und Charly kamen mich suchen. Gabi hatte in der Zwischenzweit aus ihrer Wunderkiste ein Abendessen gezaubert, aber wir hatten keinen Hunger. Es ging uns zuviel im Kopf herum. Bei einem Gazelle packten wir die Sachen von Charly zusammen und gingen anschliessend schlafen.
Um 6:00 aufgestanden und draussen war noch alles dunkel. Mit der Taschenlampe gingen wir duschen. Obwohl das Wasser noch warm war, musste Charly ganz schön frieren, da die Duschen auf der Zebrabar alle oben offen sind.
Um 7:00 war die Abfahrt geplant, doch wurde es 7:30 bis es wirklich los ging. Immer noch ein letztes - hast du dies hast du das.
Martin fuhr schliesslich mit leichter Verspätung mit dem Saurer-LKW los. Er fuhr mit dem LKW, da er ein Boot für Dakar geladen hatte. Er nahm auch eine schwarze Angestellte mit, da sie unter epileptischen Anfälle litt und zur Behandlung in einer Klinik in Dakar sollte.
Sie kamen gut in Dakar an und Charly konnte alle Abflugformalitäten gut erledigen. Nun musste er nur noch den endlos langen Flug zurück in die Schweiz hinter sich bringen.
Natürlich war ich sehr traurig nun ohne ihn zu sein, aber es war besser in der Schweiz nochmals nach dem Rechten schauen zu lassen.
Zusammen im Jürgen und Gabi suchten wir ein neues Plätzchen, da der Alte so windig und kalt war. Bald hatten wir ein geeignetes Plätzchen gefunden und rasch war alles gezügelt. Später sind wir Drei noch nach St. Louis gefahren um einzukaufen und im Internet die Mails zu lesen. Auf den Weg dorthin wurden wir wieder von einem Polizisten gestoppt, er wollte aber nicht kontrollieren oder Geld schinden, sondern ihre Adresse, damit er sie mal besuchen kann.
Wieder zurück auf der Zebrabar hat Gabi mir ihre Bilder vom Notebook auf eine CD kopiert und dazu haben wir Wein zum Abschied getrunken..
Bevor Sie jedoch abreisten, gaben sie mir noch jede Menge Proviant, damit ich nicht verhungere. Sie schenkten mir sogar noch ihren letzten Pressack, eine fränkische Spezialität. Lecker lecker!
Traurig blickte ich den Beiden hinterher, als sie dann schliesslich abfuhren. Wir hatten viel gemeinsam erlebt und uns prima verstanden. Zwei so liebe Menschen sind schwierig zu finden. Wir werden uns bestimmt irgendwo wiedersehen!
Später suchte ich mir ein gutes Buch und genoss es endlich mal Zeit zu haben um zu lesen. Die Hängematte war auch montiert und so verging der Nachmittag wie im Flug.
Am späteren Nachmittag trudelten Elke und Dietmar mit ihrem Mercedes LKW ein. Ich begrüsste sie freudig und wir hatten uns viel zu erzählen. Ihre beiden Hunde und auch die Katze fühlten sich bald wohl am neuen Ort, war es doch hier im Gegensatz zu Mali angenehm kühl. Sancho, der junge hübsche schwarze Hund erkannte mich gleich wieder und wir spielten Seilziehen und Stöckchenwerfen. Tara, die ältere Hündin und die Katze machten es sich unter dem LKW gemütlich.
Dietmar zeigte mir sein dickes Bein, welches mit zwei grossen Geschwüren verunziert war. Diese kamen vermutlich vom Lariam (Malariaprophylaxe). Zwei kleinere Geschwüre waren bereits abgeheilt.
Am Abend rief ich bei Roger in der Schweiz an, ob Charly gut angekommen war. Er war so lieb gewesen und hatte Charly vom Flughafen abgeholt und ihm ein günstiges Mietauto besorgt. Alles war in bester Ordnung und wir plauderten noch ein kurzes Weilchen.
Mit Elke und Dietmar ging ich anschliessend in der Zebrabar essen.
Da Dietmars Bein nicht gut aussieht, beschlossen die beiden das Spital von St. Louis aufzusuchen. Die behandelnde Dermatologin war Russin und die Versorgung klappte gut. Ihr war das Problem mit Lariam bereits bekannt und somit wohl kein Einzelfall.
Dafür dass ich in ihrer Abwesenheit den Hundesitter gespielt hatte, brachten mir die beiden Bananen mit.
Den restlichen Tag verbrachte ich mit einem Buch in der Hängematte.
Erster Telefon- und Mailkontakt mit Charly hat gut geklappt.
Am späten Nachmittag kamen 4 nette junge Bayern an. Sie wollen in ein paar Tagen weiter nach Gambia und ihr Auto für den nächsten Trip bei Joe in Banjul auf dem Camping Sukuta lassen.
Martin ist mit seiner Mutter, die er vom Flughafen abgeholt hatte, aus Dakar zurückgekommen. Er hatte ein Souvenir vom Strand mitgebracht ein Hundebaby, kaum zwei handbreit hoch. Es muss wohl nicht viel zu fressen gefunden haben, denn die Knochen konnte man bei der kleinen Hündin gut sehen. Sie wurde Joya getauft.
Ich verbrachte den Tag damit etwas Ordnung zu machen und das Buch weiter zu lesen. Am Nachmittag habe ich ein Plauderstündchen mit Elke und Dietmar eingelegt.
Am Abend telefonierte ich mit Charly. Er hatte immer noch keinen Termin im Krankenhaus, aber wenigstens war nun klar wo er untersucht werden sollte. Es ist von der Krankenkasse das Triemli Spital in Zürich gewählt worden, da man im Kanton Schwyz nirgends Schusswunden behandeln konnte. Charly wollte am liebsten in St. Gallen behandelt werden, da er ja da bei seiner Schwester in der Nähe von St. Gallen wohnte. Leider gab es auch dort keinen geeigneten Spezialisten.
Er erzählte mir auch wer ihn behandeln, evtl. operieren sollte - kein Witz ein Herr Dr. Metzger! Wenn das mal gut geht.
Wieder ein träger Tag, den ich mit warten und lesen in der Hängematte verbringe. Am Nachmittag wieder ein Plauderstündchen bei Elke und Dietmar eingelegt. Sancho forderte natürlich auch wieder seine Spielstunde.
Am späteren Nachmittag kam dann ein Anruf von Gabi, sie wollte wissen wie es uns geht. Sie waren in der Zwischenzeit schon in Marokko.
Der übliche Tagesablauf. Hinzu kam jedoch, dass der Schlafsack schon wieder geflickt werden musste. Kaum 4 Monate in Gebrauch und schon fliegen die Federn, die Qualität war auch schon besser. Beim Tajine auf der Zebrabar lernte ich den neuen Nachbarn kennen. Er hiess Daniel und war mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Kapstadt. Er war bereits seit Mitte Oktober unterwegs und will von Deutschland bis nach Kapstadt radeln. Der hat Nerven und muss auch ganz schön genügsam sein, denn auf seinem Rad kann er nicht viel verstauen. Trotzdem war ich erstaunt, was auf so einem Fahrrad alles Platz hat. Im Dezember will er in Namibia sein, vielleicht begegnen wir ihm unterwegs ja wieder.
Tägliches Einerlei - mal mit diesem mal jenem geplaudert. Gab nicht viel zu tun.
Habe mich heute mit Mario dem Motorradfahrer unterhalten. Er war über Guinea nach Senegal gereist und hatte von unserem Schicksal in Bamako gehört. Der Konsul von Guinea hatte ihm versichert, dass die Banditen inzwischen gefasst worden sind und er sei sehr nett gewesen. Klar bei 40'000 CFA Eintrittspreis (100 CHF), erzählt der wahrscheinlich alles. Da die Polizei, respektive das Militär aber nicht mal der Ort des Geschehens aufgesucht hatte, hatte ich so meine starken Zweifel, ob das wirklich stimmte. Ich fand es jedoch nicht besonders gut, dass er damit gleich im Sahara-Info eine Entwarnung für dieses Gebiet durchgab. Charly wollte dann auch noch wissen, wie denn dieser Konsul heisst. Wir werden diesen Angaben noch nachgehen. Mario erzählte noch, dass nun eine verstärkte Militärpräsenz in diesem Gebiet zu verzeichnen sei und dass er an der Grenze total gefilzt worden sei. Das ist halt afrikanische Logik, bei Überfall durch lokale Banditen sind die Touristen zu filzen!!! ???
Am Abend kamen Martin und Stefanie an. Sie sind mit einem Fiat Panda 4x4 unterwegs und wollen auch nach Südafrika.
Vor dem Essen habe ich noch meine Mutter angerufen, da sie heute Geburtstag hatte. Sie ist natürlich überhaupt nicht glücklich über die Situation.
Üblicher Tagesablauf - plaudern und lesen.
Charly hat endlich kurzfristig einen Termin erhalten und wurde um 7.45 untersucht. Die eingehende Untersuchung dauerte keine 5 Minuten, bei diesem überaus arroganten und sehr eingebildeten Herrn Oberarzt. Erst nach wiederholter Nachfrage konnte dieser Herr Gott in Weiss überhaupt die Zeit finden, so kurz vor Ostern was für ein Stress. Es ist schon schäbig für die Schweiz so eine lausige Behandlung.
Ein anderer Arzt meinte, in Südafrika wäre es wohl billiger und der Chefarzt, er kenne einen Arzt dort in Pietersburg. Ähhh sind wohl noch ein paar Kilometer bis dorthin, schon mal eine Afrikakarte studiert Herr Doktor? Auf alle Fälle hatten diese Personen im Spital beschlossen Charly nicht zu operieren, da die Kugel in der Leiste zu dicht bei den Nerven liegt und es ein Risiko wäre diese zu entfernen. Eventuell würde bei einer Operation ein Nerv verletzt und Charly könnte das Bein nicht mehr bewegen oder nur noch eingeschränkt benutzen.
Da nun jedoch nichts gemacht wird und nicht klar ist, ob sich die Kugeln überhaupt im Körper verschieben können, verlangte Charly nach einer Computer Tomographie (CT). Mit dieser wäre es zu einem späteren Zeitpunkt möglich genau herauszufinden ob sich die Kugeln im Körper verschoben haben. Der Chefarzt teilte mir jedoch mit, dass dieses CT 400 Schweizer Franken kosten würde, aber wenn dies mein Gewissen beruhige soll ich es halt machen.
Später habe ich die Story den Leuten auf der Zebrabar mitgeteilt und man war genauso empört über das arrogante Verhalten der Schweizer Ärzte wie ich. Für diese Super-Kurz-Untersuchung musste Charly also so lange warten und so viel Aufwand betreiben. Da war die Untersuchung von Bamako bei Herrn Dr. Diolo doch einiges intensiver und vor allem war er auch interessierter. Dafür verdient er wahrscheinlich auch nur einen Bruchteil von dem was die sogenannten Spezialisten in Zürich verdienen. Charly meinte jedenfalls, der ganze Aufwand um in die Schweiz zu fliegen habe sich überhaupt nicht gelohnt.
Dietmar hat bei der Fahrt in Senegal ein Schlagloch übersehen und dabei eine Aufhängung vom Motor verloren. Dabei ist auch noch der Kühler kaputt gegangen. Er muss den Kühler zum Reparieren nach St. Louis bringen. Elke und ich haben am späten Nachmittag ein Bierchen geteilt. Später ging ich noch zu Martin und Stefanie, den beiden Pandafahrern.
Ich habe viel Zeit mit Dietmar und Elke verbracht, auch mit Stefanie und Martin. Der Tagesablauf war mehrheitlich immer der selbe. Auto gründlich gereinigt, gelesen und geplaudert. Nach einigen Verzögerungen konnte Dietmar seinen LKW wieder in Stand stellen. Er wollte schon abfahren, war aber schon nach wenige Kilometer zurückgekommen. Die Dieselzufuhr hatte ihm doch noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. So musste er nochmals einen Tag länger bleiben. Einen Tag später konnte er dann endlich aufbrechen um zurück nach Hause zu fahren. Beide hatten genug vom Reisen und wollten wieder ihre gewohnte Umgebung in Südspanien geniessen. Auch Stefanie und Martin wollten wenige Tage später abreisen, mussten dann aber auch bleiben, da von ihrem teuren neuen Zelt 7 Stangen gebrochen waren und dass nach nur 3-monatiger Benutzung. Über 700 CHF hatten sie für das Zelt gezahlt. So mussten sie nach einer Lösung suchen, bis sie ihre Eltern Anfang Mai in Bamako treffen. Sie hatten von ATW bei einem Fahrtraining ein unten offenes Zelt geschenkt bekommen und liessen bei einem Schneider in St. Louis einen Jeansstoff als Boden reinnähen. Mit dieser Notlösung sind sie dann auch bald losgefahren.
Jens und Felix sind von Gambia zurückgekommen und arbeiten nun wieder für wenige Tage auf der Zebrabar. Jens seine Freundin kam auch für ein paar Tage auf Besuch, er war ganz happy ;-).
Am Abend habe ich mich oft Dominik, einen jungen Schweizer, unterhalten. Ich hatte ihm oft von meinen Reisen erzählt und was ich da so erlebt hatte. Er will auch noch viel von der Welt sehen recht hat er!
Kurzfristig waren auch noch 5 Landrover da. Drei davon waren aus der deutschsprachigen Schweiz und gehörten dem schweizerischen Landrover-Club an. Patrick und Jeanette, Willi und Marianne, Hans-Ueli und Ariane. Sie hatten gemeinsam eine interessante und ausgefallene Route durch Mauretanien nach Mali unternommen. Sie haben ganz bizarre Felsformationen dabei ausgekundschaftet. Sie waren echt nett. Natürlich wollten sie unser Fahrzeug und auch den Aufbau anschauen.
Als sie zwei Tage später wieder abreisen wollten, haben leider die zwei Benziner den Dienst versagt. So mussten Willi und Patrick einen Tag für Reparaturen am Fahrzeug einlegen. Der dieselbetriebene Landrover hatte hingegen keine Probleme. Wahrscheinlich war der Grund eine Salzwasserdusche, als sie die Strandpassage von Dakar nach St. Louis fuhren.
Zu den französisch sprechenden Landrover Besitzern hatte man leider keinen Kontakt, da diese sich in ihre Ecke versteckten.
Am Mittwoch, den 06.04. kamen Ute und Henry mit ihrem MAN LKW. Dieser war super ausgebaut und hat sicher einiges an Zeit und Geld gekostet. Die beiden Dresdner waren sehr nett und offen, da dauerte es nicht lange bis wir ins Gespräch kamen. Sie hatten von Dietmar und Elke erfahren was uns zugestossen war. Sie waren geschockt gewesen und hatten spontan beschlossen mich zu besuchen. Auch sie möchten mit ihrem LKW nach Südafrika und wahrscheinlich um die ganze Welt reisen. Sie werden aber immer wieder mal nach Hause fliegen, um ihre erwachsenen Kinder, ihr Haus und ihr Geschäft mal wiederzusehen.
So war auf der Zebrabar ein stetes Kommen und Gehen und es wurde mir nie langweilig.
Er hatte 66 Kilo Gepäck und da mit der Iberia nur 40 Kilo zugelassen wird, musste er ordentlich zahlen. Roger hatte ihn wieder zum Flughafen gefahren. Den Abflug hätte er aber beinahe verpasst, da er nicht über 50 CHF pro Kilo Übergepack bezahlen wollte. Die Dame beim Einchecken versuchte diverse Male einen Verantwortlichen von der Iberia zu erreichen, da aber gerade Mittagszeit war, war dies schwierig. Charly wollte einfach nicht mehr für das Übergepäck bezahlen, als man für ein reguläres Ticket zahlt. Quasi in letzter Sekunde erreichte die nette Dame doch noch einen verantwortlichen Manager von der Iberia, welcher mit einer stark reduzierten Gebühr einverstanden war. Charly rannte schnell zum entsprechenden Schalter und zahlte. Als letzter erreichte er seine Maschine doch noch. Roger hatte schon gemeint, dass Charly den Flug wohl nicht mehr schaffen würde. Doch er hatte Glück und konnte mit seinem ganzen Reparatur- und Ersatzmaterial doch noch abfliegen. In Madrid hatte er dann noch 1 ½ Stunden Aufenthalt und hat uns zum Naschen eine Flasche Amarula gekauft. Er hatte ja eh schon so viel Gepäck, da kam es auf eine Flasche auch nicht mehr an. Bei der Ankunft in Dakar bemerkte er, dass er den Impfpass bei mir auf der Zebrabar vergessen hatte. Bei fast allen Passagieren wurde der Gelbfieberimpfnachweis kontrolliert und er stand wieder mal in der falschen Schlange an, denn er war der Letzte. Doch er hatte auch dadurch Glück und musste den Impfpass nicht zeigen. Puuuuh!
Danach musste er dann nochmals lange warten, bis er von einem Taxi zur Auberge Diam Keur abgeholt wurde. Diese Auberge gehört einer Schweizerin, die in Senegal lebt und wo auch Martin von der Zebrabar immer übernachtet, wenn er in Dakar ist.
Charly trank noch ein Bier mit der Besitzerin und ging dann schlafen, da es inzwischen schon sehr spät war.
Martin musste noch ein paar grosse Röhren und ein paar andere Sachen für die Zebrabar besorgen. Charly hat ihm beim Beladen geholfen. Leider gab es dabei Ärger mit der Polizei, denn diese hatte am LKW eine Kralle montiert und behauptete, dass das Parkieren an diesem Ort nicht gestattet sei. Martin weigerte sich zu zahlen, da dies seiner Meinung nach nicht korrekt war. Die Maximalstrafe sei in Senegal nur 3000 CFA. Charly beschloss die 10'000 CFA zu zahlen, damit man endlich weiter kam. Der Polizist behaupte auch das er Deutsch könne, worauf Martin ihn mit ein paar netten Worten bedachte. Hätte der Polizist wirklich die deutsche Sprache beherrscht, hätte dieser die Worte garantiert nicht lächelnd entgegengenommen. Samira, die kleine Tochter von Martin, war auch dabei gewesen. Ein Schwarzer kam vorbei und sagte zuerst guten Tag in französisch und dann „Du blöder Weisser“ in Wolof. Samira war schockiert und meinte, dass war aber nicht nett, was der da gesagt hat. Charly sagte zu ihr, sie solle lernen was „Du blöder Schwarzer“ in Wolof heisst und dass das nächste Mal antworten.
Am frühen Morgen sind Stefanie und Robert mit ihrem VW-Bus auf der Zebrabar eingetrudelt, gerade als Ute und Henry mit ihrem MAN losfahren wollten. Da beide Parteien aus Sachsen waren und nicht sehr weit voneinander wohnten, wurde sogleich eine kurze Plauderrunde gehalten.
Stefanie und Robert waren in Guinea-Bisseau und Guinea-Conacry gewesen. Ihr VW-Bus hat trotz des hohen Gewichts und wenig Bodenfreiheit den schlechten Pisten dieser Länder standgehalten.
Kurz nach 20 Uhr war das Warten vorbei. Charly war wieder da. Geschafft und müde, aber auch glücklich wieder in Afrika zu sein. Wir haben alle gemeinsam in der Zebrabar gegessen und hatten uns viel zu erzählen.
Nach dem Essen holten wir das Gepäck von Charly vom LKW und ich staunte nicht schlecht, was er da alles mitgebracht hatte. Neben dem ganzen Reparaturmaterial für das Auto hatte doch tatsächlich auch noch Käse, Servelat, Le Parfait und Schoki ein Plätzchen gehabt, ebenso das Päckchen das mir meine Mutter aus Deutschland geschickt hatte.
Wir hatten uns vieles zu erzählen und es wurde spät, bis wir endlich einschliefen.
Charly hat sich kaum Zeit zum Ausruhen gegönnt. Den ersten Tag mussten wir erst mal eine ganze Menge Sachen verstauen, damit es etwas Platz gab.
Danach machten wir uns daran Snoopy wieder in Stand zu stellen. Es wurde die Stossstange gerichtet, der Scheinwerfer ausgebeult und die Halterung wieder gerade gebogen. Der Unterbodenschutz musste wieder gerichtet werden, das Stück Chassis das beim Überfahren der Motorräder aufgerissen worden war, wurde wieder zurechtgebogen.
Die Einschusslöcher an der Beifahrertür aufzuspachteln hat auch viel Zeit gebraucht. Die kleineren Löcher auf der Fahrerseite sowie in der Wohnkabine waren dagegen weniger problematisch. Charly hat sich wirklich viel Mühe gegeben und viel Zeit investiert um sein Erstlingswerk gut zu meistern. Gianni und Barbara, beides ganz liebe Italiener die ihr Wohnmobil in Bamako verkauft hatten, kamen ab und zu vorbei für einen kurzen Schwatz und um zu schauen wie gut Charlys Spachtelarbeit geworden war. Auch Thomas, der Freund von Martin, kam ab und zu vorbei. Gianni gab mir noch ein paar Adressen, wo man gut in Mali und Burkina Faso übernachten kann.
Nachdem alles gut gespachtelt und flach geschliffen war, kamen unsere Pinselarbeiten. Auch die sind sehr gut gelungen, für das, dass wir alles von Hand gemacht hatten perfekt. Wir hatten leider keine Autofarbe und haben mit dem Rest vom Industrielack von der Kabine gearbeitet. Charly hatte zwar beim Wohnmobil Steiner in Siebnen den Lack bestellt, doch hatte man den Lack dort nur in Yoghurtbecher abgefüllt und mit lächerlichem Abdeckband abgedeckt. Charly sagte zu Frau Steiner, wie soll ich denn die beiden Becher nach Afrika transportieren, entweder bricht das dünne Plastik, das dünne Abdeckband reisst oder die Farbe trocknet aus. Frau Steiner meinte darauf ungerührt, dass sei nicht ihr Problem und er könne sich ja ein Glas Gurken kaufen und umfüllen. Satte 120 CHF für das bisschen Farbe wollten sie und hatten nicht mal ein anständiges Gefäss zur Verfügung. Nur zwei alte ausgewaschene Yoghurtbecher mit billigem Abdeckband, dass war schon eine Frechheit aber die Antwort von dieser Frau Steiner war der Gipfel. Charly war stocksauer über so eine arrogante Art und meinte sie könne die Farbe in diesem Fall behalten. Die Profitgier dieser Leute war ihm zuwider.
So kam es, dass wir nun kratzfesten Industrielack an der Fahrerkabine aufgetragen haben und es ist sogar sehr gut geworden.
Leider mussten wir feststellen, dass auch noch die Aufhängung des 55-Liter-Ersatztankes an zwei Orten gebrochen war. Beim Ausbauen musste Charly die Auspuffanlage lösen und konnte damit knapp den Tank ausbauen. Leider war bei Extrem die Halterung mit nur sehr dünnen Material hergestellt worden. Da diese beim Anpassen auch noch rund ausgeschnitten wurde, brach diese natürlich am dünnsten Ort. Keine Verstärkung nichts. Wahrscheinlich war diese schon vor dem Überfall gerissen und wurde erst jetzt von uns entdeckt. Auf der Zebrabar kann man auch Schweissarbeiten machen lassen, doch bei unserem Glück ist genau an dem Tag die Schweissanlage kaputtgegangen. Der Mitarbeiter von Martin hatte vergessen rechtzeitig Öl nachzufüllen. Mit autogenem Schweissen konnte die Halterung aber doch noch geschweisst werden. Der Einbau des Ersatztanks war schwieriger als der Ausbau, schliesslich musste der Tank hochgehalten werden und gleichzeitig die Schrauben eingesetzt werden. Zusätzlich hatte man eine Schraube reingewürgt bei der ersten Installation bei Extrem in Beuron, welche sich nun natürlich nicht mehr so einfach „reinwürgen“ liess. Unter dem Auto war wenig Platz und ich konnte nur ein wenig von aussen helfen. Charly hätte gerne drei Hände gehabt an diesem Tag.
Ich habe ein Fliegennetz für die Eingangstür genäht und auch die Einschusslöcher im Hubdach mit Flicken zugenäht. Dabei haben wir entdeckt, dass das Hubdach an zwei Ecken zu knapp montiert worden war und es zwei kleine Löcher gab. Ich musste eine Abdeckung nähen und auch das Moskitonetz am Hubdach reparieren.
Das Gestänge des Hubdachs war durch unsere Flucht auch leicht verbogen und musste wieder gerichtet werden.
Der Ventilator den wir bei Därr gekauft hatten, rotierte nicht mehr und Charly konnte einen Konstruktionsfehler ausfindig machen. Man hatte einfach zu wenig Plastik ausgefräst, weshalb dieser nicht mehr in die Runde kam. Mit einer Feile konnte auch dieses Problem behoben werden und weil er gerade dabei war, hat er auch noch gleich das Stromkabel gekürzt.
Bei der Eingangstür hatten wir schon bald nach unserer Abfahrt gemerkt, dass zu kurze Schrauben verwendet wurden von Extrem. Charly brachte von der Schweiz neue Schrauben mit und die Tür musste ausgebaut werden um diese zu ersetzen.
Charly wollte auch noch den Reifen flicken, den wir in Guinea aufgerissen hatten. Doch den Reifen von der Felge zu kriegen nur mit dem Highlift und 2 Hebeisen war gar nicht so einfach. Gianni, der Italiener, war jedoch LKW-Chauffeur von Beruf und konnte uns helfen. Es kostete uns einige Schweissperlen, bis der Reifen runter war. Charly hatte ein paar Reparaturpads von der Schweiz mitgebracht und klebte einen davon auf die Innenwand des Reifens. Nachdem der Leim trocken war, zogen wir den Reifen wieder auf die Felge. Leider bemerkten wir beim Drucklufteinfüllen, dass dieser trotz dem Flicken Luft verlor. Sch…. Damit ging das ganze Theater mit dem Demontieren wieder von vorne los. Wir schafften es leider nicht zu zweit und mussten Gianni nochmals um Hilfe bitten. Auch er hatte dieses Mal mehr Probleme als beim ersten Mal. Der Rand vom Reifen hatte sich verkantet und konnte erst nach ein paar Anläufen über die Felge gezogen werden. Wir beschlossen einen neuen Reifen auf die Felge zu ziehen und den kaputten auf der Motorhaube zu montieren, damit wir diesen in Mali flicken lassen können. Gianni hatte dort auch einen kaputten Reifen nähen und kleben lassen und war sehr zufrieden mit der Arbeit. Mal sehen ob wir auch so viel Glück haben.
Den Elektroschrank mussten wir ausräumen, um nachzusehen, ob die eine oder andere Kugel durchgegangen ist. Wir hatten Glück und konnten keine Austrittslöcher finden.
Da gerade alles so schön ausgeräumt war, konnte auch gleich das Radio mit dem GPS-Radio von der Fahrer Kabine ausgetauscht werden. Eine CD für die Wegführung durch afrikanische Städte gibt es leider noch nicht und das andere Radio ist weniger auffällig.
Die Schiebetür musste neu eingestellt und fixiert werden.
Die beiden kleinen Schubladen gingen wegen der tropischen Wärme nur noch schwer auf und zu. Dank etwas Schleifpapier und Seife können nun beide wieder prima geöffnet werden.
Schuhe mussten geklebt, respektive genäht werden, usw. Es gab jede Menge zu tun.
Auch unsere Fotos wollten wir endlich aufschalten und Charly findet sowieso immer etwas am Computer zu tun.
Unsere Tage waren ausgefüllt mit jeder Menge Arbeit und Charly kam auf die glorreiche Idee mir die Arbeit anzuhängen, den Coleman-Kocher vom Rost zu befreien. Nach 3 Monaten waren bereits schon einige hässliche Rostblasen, wenn nicht schon blanker Rost zu sehen. Amerikanische Qualität halt, dieses Problem bestand schon vor bald 20 Jahren, als ich meinen ersten Coleman-Kocher hatte. Die Qualität ist leider nicht besser geworden! Also raspelte ich den Rost runter und bestrich die blankgescheuerten Stellen mit Grundierfarbe. Der Kocher sah nun aber ziemlich fleckig aus. Ich beschloss Martin zu fragen, ob er nicht etwas Farbe hätte. Er meint er hätte da noch die gelbe Farbe, die hat so einen komischen Deckel, die könne ich haben. Freudig machte ich mich ans Werk und malte die grünen Kocher gelb an. Ich der Nacht liessen wir den frischgestrichenen Kocher draussen und mussten mit Schrecken feststellen, dass durch die Feuchtigkeit die Farbe geschrumpelt war. Doch irgendwie auch originell, weswegen ich die untere Seite auch noch neu strich. Die Farbe trocknete aber nicht und blieb klebrig, obwohl wir den Kocher ein paar Tage an die Sonne stellten. Auf unseren Hinweis, dass wir mit der Farbe ziemlich Probleme haben, meinte Martin nur trocken, dass sie das gleiche Problem mit dem Range Rover gehabt hatten, als sie diesen damit zuerst lackiert hatten. Häääääää???? Danach war ich fluchend zwei volle Tage damit beschäftigt, die Farbe wieder vom Kocher runterzukratzen.
Nachdem alles geputzt und gewaschen war, waren wir nun wieder endlich startklar.
Wir bearbeiteten am Morgen noch unsere Webseite und haben die Mali Fotos ausgesucht, die auf unsere Webseite sollen. Am Nachmittag sind wir dann nach St. Louis gefahren und haben 3 ½ Stunden gebraucht um die Daten im Web zu aktualisieren.
Während Charly noch fleissig unsere Daten im Internet Cafe Sonatel Internet Café ins Web schaufelte, ging ich einkaufen. Schwer beladen mit einer grossen Kiste kam ich zurück. Ich surfte danach auch etwas im Internet, um die aktuelle Lage von Togo zu checken. Ein junger Holländer hatte uns mitgeteilt, dass dort kürzlich wieder ziemlich Unruhen gab, vor allem in Lomé.
Nachdem wir auf der Bank unseren CFA Bestand wieder aufgefüllt hatten, fuhren wir zum Harmattan Restaurant. Wir haben dort zu Abend gegessen, leider war das Essen nicht so besonders. Der Besitzer ist Kanadier und war sehr an unserem Auto interessiert. Es hat ihm sehr gefallen. Charly war hingegen von der schwarzen Bedienung hin und weg. Ich muss zugeben, sie war eine wirklich hübsche Frau.
Natürlich war es schon lange dunkel als wir uns auf den Heimweg machten. Ein Polizist hat uns am Rondell nach der Eiffelbrücke gestoppt und wollte mal wieder unsere Papiere kontrollieren. Da alles in Ordnung war, fuhren wir wenig später weiter in Richtung Zebrabar.
Im Dorf vor der Überfahrt zur Zebrabar bog Charly korrekt rechts ab und fuhr gleich darauf links neben dem Weg. Prompt blieben wir im Stand hängen. Fluchend stieg Charly aus und begann zu schaufeln. Auch ich schaufelte. Der Sand war so weich, dass wir ein paar Anläufe nehmen mussten, bis wir wieder auf dem richtigen Weg waren. Da es spät war, hatten wir Gott sei Dank nur einen Zuschauer.
Der Wasserstand bei der Überfahrt zur Zebrabar war zu unserem Glück sehr tief, doch konnten wir in der Dunkelheit nicht sehen, wo auf der anderen Seite der Weg weiterging. Also zog ich meine Schuhe aus und watete durch das Salzwasser. Auf der anderen Seite lief ich noch ein kurzes Stück barfuss, aber nicht lange, denn es gab unzählige Krebse und ich hatte keine Lust mich in den Zeh zwicken zu lassen. Schnell fand ich den Weg und konnte Charly lotsen. Die Hunde meldeten gleich, dass da zwei Spätheimkehrer unterwegs sind und auch der Nachwächter beleuchte uns mit seiner Taschenlampe. Spät war es wieder mal geworden und wir gingen rasch schlafen.
Um 7 Uhr aufgestanden und gleich zu Martin gelaufen, damit wir noch abrechnen konnten. Er war in der Küche beschäftigt, um für die Kinder etwas zu zubereiten. Joya, der kleine Hund, hing gleich wieder an meinem rechten Hosenbein, mit dem sie besonders gern spielt.
Heute wollten wir also abreisen. Wir packten unsere Sachen und auch die Hängematte wurde eingerollt. Brot geschmiert und Kaffee für unterwegs gekocht. Duschen und nebenbei noch etwas afrikanische Musik aufgenommen, von den Girls aus der Küche. Kurz vor 10 Uhr ging ich noch nachsehen, wie der Wasserstand ist und sagte zu Charly, dass das Wasser noch recht niedrig sei.
Bis dann alles verstaut war und wir geduscht hatten war es 11 Uhr. Freudestrahlend verabschiedeten wir uns von allen und fuhren durch das Gatter in Richtung Meeresarm. Leider mussten wir feststellen, dass die Flut inzwischen eingesetzt hatte und wir nicht mehr durch das Wasser fahren konnten. Auf der Gegenseite waren zwei junge Männer, die zur Zebrabar wollten. Es blieb uns nichts anderes übrig, als auf die Zebrabar zurück zu kehren.
Es ist sowieso einiges nicht so gut gelaufen, so dass wir uns sagen mussten, es sei besser so. Gemütlich installierten wir uns wieder und legten einen faulen Tag ein, den wir vor allem mit dem Notebook verbrachten. Am Abend gingen wir zum Essen in die Zebrabar und Martin grinste schon als er uns sah und meinte: „Ich sage nichts!“
Nach dem Essen haben wir uns noch lange mit den beiden jungen Männern aus Belgien unterhalten, die auch schon einiges erlebt hatten. Es wurden einige Stories ausgetauscht bei einem Gazelle und es ist mal wieder spät geworden.
Da wir nicht so viel ausgepackt hatten, hatten wir an diesem Morgen auch nicht viel einzupacken. Von Martin und seiner Crew hatten wir uns schon am Vortag verabschiedet und geduscht war auch rasch. Noch vor 9 Uhr waren wir abfahrbereit. Wir konnten den Meeresarm bei ganz niedrigen Wasserstand durchqueren. Wir fuhren nach St. Louis, wo wir auftankten und Snoopy den Unterboden waschen liessen. Wenigstens einen Teil vom Salzwasser wollten wir entfernen lassen. Wir holten von der Bank nochmals ein paar CFAs und konnten danach endlich wieder unsere Reise fortsetzen.
Als wir die Stadt verlassen wollten, hielten uns wieder die gleichen Polizisten auf. Zuerst der Grosse, der unsere Papiere kontrollierte und uns diese anstandslos zurück gab und danach wieder der kleine Giftzwerg, der uns schon bei unserer ersten Einreise abzocken wollte. Auch er wollte unsere Papiere sehen, doch leider waren diese in Ordnung und er konnte nichts finden um uns abzuzocken. So behielt er die Papiere und fragte frech nach einem Cadeau. Charly sagte ihm das er ihn schon kenne und er kein Geschenk bekommt. Enttäuscht gab er unsere Papiere zurück und wir konnten endlich weiterfahren.
Die Strasse nach Rosso war gut befahren an diesem Tag. In Richards Toll herrschte wieder das gleiche Chaos mit den Pferdekutschen. Ich holte nur schnell ein paar Eier und schon waren wieder auf dem Weg.
Die Hitze war unerträglich! Ein heisser Wüstenwind blies den Sand über den Teer. Die Luft war mit Wüstenstaub durchdrungen. Es schien als ob der Horizont flimmert. Leider hatten wir kein Thermometer, aber es war sicher um die 50 Grad warm. Der Fahrtwind erschien uns wie ein überhitzter Fön und brachte keinerlei Kühlung. Die löchrige Teerstrasse war leider auch immer noch die gleiche, doch nach ca. 50 km war die Strasse wieder in einem sehr guten Zustand.
Wir fuhren den ganzen Tag, es gab so gut wie keinen Verkehr nach Richards Toll und wir machten nur selten Rast. So kamen wir rasch vorwärts und schafften es knapp bis zur Grenze noch bevor es dunkel wurde.
Die Polizeistation lag auf dem Weg und wir hatten keinerlei Probleme. Mit dem Ausreisestempel suchten wir an der Kreuzung den nächsten Posten auf, der unsere Daten alle aufschrieb. Danach ging es weiter zum Zoll. Dort mussten wir etwas warten und leider war es inzwischen schon dunkel geworden. Der Beamte wusste nicht so recht was er mit unserem Carnet de Passage anstellen sollte. Ich erklärte ihm rasch was er zu tun hatte und ruck zuck hatten wir den gewünschten Ausreisestempel drin. Seinen Abschnitt riss ich für ihn raus, da er sich etwas ungeschickt anstellte. Als wir das Gebäude verliessen, fragte uns ein anderer Beamte, ob wir nicht ein Medikament für seinen Magen hätten. Da wir beide in dieser Hinsicht robust sind, konnte wir ihm da leider nicht weiterhelfen.
Weiter ging es zum Zoll von Mali.
| Mali |
Die Posten in der Dunkelheit zu finden war gar nicht so einfach. Der Zoll war aber rasch gefunden und wir erhielten in kürzester Zeit unseren Einreisestempel. Die Beamten waren sowieso am Akkordstempeln, damit die wartenden LKWs mit ihrer Fracht bald weiterfahren konnten. Was für ein Papierkrieg hier geführt wird ist unbeschreiblich.
Wir fuhren zum Grenzposten und landeten prompt zuerst beim falschen Gebäude. Die Grenzpolizei hatte nämlich überhaupt kein Licht und musste in der Dunkelheit die Pässe mit der Taschenlampe bearbeiten. So ein kleiner ekliger Typ fragte gleich scharf, ob wir unser Visum hätten. Wir hatten natürlich keines, da wir keinen Bock gehabt hatten wegen dem blöden Visum einen riesen Umweg über Dakar zu fahren. Er war etwas ungehalten und erkannte sogleich seine Chance. Natürlich wussten wir, dass man auch an der Grenze ein Visum kaufen konnte. Doch er wollte die Visum zu dieser späten Stunde nur zu einem überhöhten Preis erstellen. Er meinte, wenn es uns nicht passt, dann können wir zurück nach Senegal fahren. Frecher Typ, doch wir waren müde und hatten keine Lust uns da stundenlang mit dem Typ rumzustreiten und so zahlten wir, anstatt der 15'000 CFA die geforderten 20'000 CFA pro Person. Wir trösteten uns damit, dass uns der Weg und die Zeit nach Dakar teurer gekommen wäre. Die Umgebung lud nicht gerade zum Verweilen ein. Es schlichen ein paar kurlige Typen rum und so beschlossen wir, dass wir weiter bis nach Kayes fahren, obwohl es schon dunkel war.
Die ersten 50 km war die Strecke sehr staubig und das Wellblech schüttelt uns durch. Die LKWs zu überholen war schwierig, da man in einer Staubwolke hinter ihnen her fuhr und kaum sehen konnte was entgegen kam. Mit geschlossenen Fenstern trotz der noch bestehenden Wärme fuhren wir diese Strecke. Endlich 50 km vor Kayes kamen wir auf die neue Teerstrasse. In Kayes suchten wir im nächtlichen Verkehr das Hotel Le Khasso. Da es wie üblich keine Hinweisschilder gab, wo welche Strasse wohin führt, haben wir einen Mann an einer Kreuzung nach dem Weg gefragt. Wir fuhren trotzdem prompt falsch. Wir fuhren über die Brücke und merkten rasch, dass das nicht stimmen konnte. Also kehrten wir um. Vor der Brücke wollten wir nochmals nach dem Hotel fragen, da kam uns schon ein Mopedfahrer entgegen. Er war von dem netten Mann geschickt worden, der uns vorher den Weg erklärt hatte, als dieser merkte, dass wir falsch fuhren. Er fuhr ein kurzes Stück voraus und zeigte uns nach der Brücke, wo wir abbiegen mussten. Er hielt kurz an, um uns zum Abschied nochmals zu winken und fuhr weiter, ohne ein Trinkgeld zu erwarten.
Wir fuhren eine ungeteerte Seitenstrasse am Senegalfluss entlang, bis wir endlich beim Hotel ankamen. Wir waren froh endlich einen Ort zum Übernachten gefunden zu haben. Leider war das Hotel total belegt und man wollte uns abweisen, doch ich erklärte den netten Herren, dass wir gar kein Zimmer wollten. Wir haben schliesslich unser Häuschen und damit unser Bett immer mit dabei. Man fragte uns was wir zahlen würden, wenn wir auf dem kleinen Parkplatz übernachten dürften. Wir erwiderten 2'000 CFA. Ein Mann ging in die Rezeption und fragte nach, ob dies recht sei. Sein Chef jedoch wollte 5'000 CFA. Wir entgegneten daraufhin, dass wir damit einverstanden wären, wenn wir eine Dusche und ein WC benützen dürften. Man zeigte uns danach die Mannschaftsdusche vom Hotel, die zwar nicht besonders sauber war, aber für eine Nacht ging’s. Wir parkierten Snoopy gleich neben dem Eingang zum Nachtclub, da dies der einzig noch freie Platz war.
Endlich konnten wir uns von der langen Fahrt ausruhen. Unser nächster Weg führte uns direkt in die Openair-Bar, von welcher man schön auf den Senegal sehen konnte. Wir bestellten zwei schöne grosse Castle Biere. Der erste Schluck hat vielleicht gezischt! Ein französisch sprechender Schweizer kam auf uns zu und erzählte, dass er auf dem Weg nach Togo sei und fragte uns was wir denn so vorhaben. Wir unterhielten uns ein Weilchen und tranken ein weiteres Castle. Danach noch eines und noch eines. Dann war es Zeit ins Bett zu gehen, denn der Alkohol hatte sich bei der Wärme ganz schön bemerkbar gemacht. Vom Nachtclub haben wir nicht viel gehört, aber die Wärme machte uns ganz schön zu schaffen. Es war immer noch über 30 Grad und kein Windhauch in Sicht.
Wir wachten mit einigen Kopfschmerzen auf. Eins von den vielen Bierchen muss wohl nicht mehr so gut gewesen sein. Wir gingen zur Rezeption um unsere Handtücher zum Duschen abzuholen. Ein Schwarzer war aber schneller in der Dusche und so mussten wir uns etwas gedulden. Wir nahmen dies als Anlass, um im Restaurant das Frühstück zu uns zu nehmen. Für 1'500 CFA bekamen wir ein halbes Brot mit sehr wenig Butter und Marmelade, dazu eine Tasse Nescafé. Alles war ziemlich knapp bemessen und so waren wir rasch mit unserem Frühstück fertig, nach dem es dann endlich mal serviert wurde. Die Dusche stank nach Scheisse und es war sehr warm darin. Folglich waren wir mit dem Duschen auch ziemlich rasch fertig. So verschwitzt wie wir waren, hatten wir keine andere Wahl als uns unter das lauwarme Wasser zu stellen. Eine kalte Dusche in diesen Ländern wäre eine Wohltat, aber meistens ist das Wasser ziemlich warm.
Wir fuhren los, nach dem der Franzose der vor uns parkiert hatte ausfindig gemacht war. Wir mussten noch tanken aber leider fanden wir auf unserem Weg aus der Stadt keine Tankstelle. Wir mussten zurück in die Stadt fahren und wollten bei der ersten Shell-Tankstelle auftanken, doch der Zapfhahn war für LKWs und dementsprechend zu gross für unseren Einfüllstutzen. Wir fuhren weiter und fanden die Total-Tankstelle, bei welcher wir auf unserem Rückweg nach Senegal schon mal getankt hatten. Nachdem der Tank voll war fuhren wir wieder zurück in Richtung Nioro.
Die Strasse war sehr gut ausgebaut. Wir kamen flott voran. Wir fuhren bis Sandaré und von dort auf der gut ausgebauten Teerstrasse weiter nach Diema. Es gab nur wenig Verkehr und wir konnten flott vorankommen. Es gab in jedem grösseren Ort jeweils eine Polizeikontrolle, die wir aber ohne Stopp durchfuhren. Bei Diema war es dann vorbei mit der Herrlichkeit, die nächsten 162 km bestanden aus einer Laterit-Wellblechpiste. Wir fuhren ziemlich rasch, da uns sonst vom Gerüttel alle Zahnplomben rausgefallen wären. Leider haben wir auf dieser Strecke viele Unfälle gesehen. Meistens waren es LKWs, die mit ihrer Fracht umgefallen waren wegen der überhöhten Geschwindigkeit. Einer hatte schon seine Pritsche neben dem LKW aufgestellt und sich auf eine Buschübernachtung eingestellt. Ein anderer war erst kürzlich verunfallt und seine ganze Ladung war auf der Piste verstreut. Wir konnten noch knapp daran vorbeifahren, aber die LKWs die uns entgegen kamen hatten da keine Chance.
Bei Didjeni hatte die staubige Qual ein Ende und wir gelangten auf die gut ausgebaute Teerstrasse nach Bamako.
Bei Kati wollten wir nicht die Umfahrungsstrasse nehmen, sondern die durch das Stadtzentrum. Leider war Markttag und so gab es für uns da kein Durchkommen und wir mussten umkehren.
Bald waren wir von der Hektik der Grossstadt Bamakos umgeben und folgten dem Verkehrsfluss in die Stadt. Wir fuhren über die Roi Brücke und sahen bei der ersten Ausfahrt das Schild zum Cactus Campingplatz. Wir wollten dieses mal aber zum Colibri Campement und folgten der Strasse zum Flughafen. Gemäss Buch lag das Campement in Richtung Flughafen.
Unsere Suche war jedoch erfolglos und wir kehrten um und fuhren zum Cactus Campingplatz. Da wir die GPS Daten davon hatten und wir ja schon dort gewesen waren, hatten wir den Platz schnell gefunden. Auf dem Platz war noch ein junges österreichisches Pärchen mit einem Ford Transitbus, welches mit ihrem Gefährt über Niger Chad Zentralafrika Kongo/ex Zaire nach Ostafrika wollen.
Nachdem wir Snoopy auf seinem alten Platz parkiert haben, gingen wir in die Bar und tranken erst mal ein kühles Bier. André, der kanadische Besitzer, unterhielt sich lange mit uns über Afrika und was einem da so alles passieren kann. Er konnte schon so einige Erfahrungen sammeln, da er bereits seit über 30 Jahren in Afrika lebt, nicht nur in Mali, auch im Kongo/ex Zaire und Tansania war er zu Hause gewesen.
Leider hatte er vor unserem ersten Besuch im Cactus keine gute Zeit gehabt. Es war kurz bevor wir da waren, ein Däne bei ihm an Malaria gestorben. Er hatte die verantwortliche Botschaft informiert, welche auch beispielhaft den Rücktransport des Leichnams veranlasste. In Kati hatte jedoch ein Richter davon Wind bekommen und verklagte ihn, wegen unterlassener Hilfeleistung und dass er es versäumt hatte eine Autopsie durchführen zu lassen. Er und der Arzt waren angeklagt. Er musste für ein paar Stunden ins Gefängnis mit seinen über 70 Jahren. Es gab da zwei Klassen im Gefängnis, die VIPs die gegen Bezahlung sich frei innerhalb des Gefängnisses bewegen konnten und die armen Schweine, die den Betrag nicht aufbringen konnten und folglich eingesperrt wurden auf engstem Raum ohne Bett und WC, geschweige denn einer Dusche. Er konnte jedoch noch rechtzeitig seine Frau per Handy informieren und diese alarmierte die kanadische Botschaft. Nach 6 Stunden war er wieder frei. Der Richter wollte nur Geld schinden, hatte aber in diesem Fall keine Chance. Man hatte ihm vorallem vorgehalten, dass er eine Autopsie hätte veranlassen müssen. Gemäss europäischem Recht hätte dazu aber die Familie ihre Zustimmung gebe müssen.
Nach dieser Unterhaltung sind wir noch zu den Österreichern gegangen und haben uns mit ihnen über das Reisen im Allgemeinen unterhalten. Danach rief uns unser Bett, doch schlafen konnten wir fast nicht, da es wieder mal über 30 Grad warm war und wir deshalb nicht einschlafen konnten.
Wir sind so gegen 8 Uhr aufgestanden, da es morgens immer etwas kühler ist, lässt es sich wenigstens in den Morgenstunden gut schlafen. Nach dem Packen verabschiedeten wir uns von den Besitzern und von den Österreichern.
Wir fuhren anschliessend geradewegs zum Konsulat von Burkina Faso. Sehr zu unserem Erstaunen war dieses aber wegen dem gestrigen Feiertag geschlossen. So fuhren wir zu Les Amandines um etwas zu essen. Es war schon fast Mittag als wir dort eintrafen und wir bestellten uns eine Pizza und Salat. Der Salat war fein, aber die Pizza war nicht besonderst gut. Die übrigen Stücke wurden uns eingepackt und so konnten wir diese fürs Abendessen mitnehmen.
Anschliessend schauten wir bei der deutschen Botschaft vorbei, da wir Frau Brinkmann besuchen wollten. Leider war sie vorgestern in Ferien nach Deutschland abgereist. Pech!
Danach wollten wir einkaufen gehen, aber der Supermarkt war geschlossen bis 15:30 Uhr.
Also machten wir uns auf die Suche vom Colibis Hotel, wo man angeblich auch campen kann. Nach einiger Suche fanden wir das Colibis Hotel, doch man erlaubt kein campen mehr auf dem Gelände seit 1994. In den Därr Büchern ist dieses Hotel aber weiterhin erwähnt.
Nach all den Misserfolgen beschlossen wir wenigstens den Reifen flicken zu lassen, doch leider fragten wir wieder mal am falschen Ort. Man erklärte uns aber dass man auf dem Devida Marché den Reifen ganz sicher flicken lassen kann. Der Weg war schnell erklärt und wir machten uns auf die Socken. Wir quälten uns durch den Verkehr über die alte Brücke ins Stadtzentrum. Wir gelangten direkt zu einem Markt, wo jedoch ein totales Verkehrschaos herrschte. Einen Reifenflicker der vulkanisieren konnte, haben wir jedoch leider nicht gefunden, also fuhren wir unverrichteter Dinge zum Camping Le Cactus zurück. Der ganze Tag war ein Leerlauf gewesen.
Wieder im Le Cactus angekommen, tranken wir erst mal ein kühles Bier und unterhielten uns dabei mit Jean der Besitzerin.
Am Abend hatten die Österreicher Besuch von einem malischen Paar, welches lange in Wien gelebt hatte. Wir unterhielten uns kurz mit ihnen, da sie auch schon in Zürich waren. Da uns die Moskitos zum Fressen gern hatten, mussten wir ins Auto um lange Hosen anzuziehen. Da wir aber hungrig waren, assen wir zuerst noch die restliche Pizza auf.
Anschliessend gingen wir wieder zu den Österreichern und plauderten bei einer Tasse Tee über Gott und die Welt.
Früh aufgestanden und in der engen Dusche aus dem Kanister geduscht, nachdem Charly ihn vorher aufgefüllt hatte. Ohne Frühstück packten wir zusammen und verabschiedeten uns.
Wir fuhren als erstes zum Konsulat von Burkina Faso, wo wir 3 Anträge ausfüllen mussten und mit 3 Passfotos abgaben. Wir wollten ein Visum mit mehrfach Eintritt für 3 Monate, da wir nicht wussten ob wir durch Togo fahren können oder nicht. Wir zahlten die 30'200 CFA und man teilte uns mit, dass wir um 15 Uhr die Pässe wieder abholen können. Es war nun ca. 11 Uhr und wir dachten, es wäre gut dem Botschafter von Guinea einen Besuch abzustatten.
Das Verkehrschaos durch die Innenstadt machte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn bis wir auf der Botschaft angekommen wären, wäre es Mittag gewesen. Um diese Zeit ist das Konsulat garantiert zu und wir beschlossen uns die weitere Qual durch dieses Chaos zu sparen.
Dafür kamen wir an der Toyota Vertretung vorbei, wo wir eine Schraube und Unterlegscheibe für die Befestigung der ARB-Stossstange auftreiben konnten. Diese hatte Charly nämlich abgedreht gehabt. Wir gaben dem hilfsbereiten Mann ein Trinkgeld und fuhren weiter zum Einkaufen.
Wir hatten Glück, denn der Supermarkt schloss erst um 13 Uhr und so konnten wir das nötigste beschaffen. Punkt 13 Uhr wurden wir höflichst gebeten an die Kasse zu gehen. Wir waren wieder mal sehr hungrig und da das Les Amandines nicht weit war, haben wir dort einen feinen Salat und ein Charwarma (Fladenbrot mit Fleisch und Pommes) gegessen.
Dann war es auch schon Zeit um das Visum für Burkina abzuholen. Wir waren etwas zu früh, aber unsere Pässe lagen schon bereit. Nun konnte es endlich weitergehen, dachten wir. Auf unserer Fahrt kamen wir aber an einer Reifenreparaturwerkstatt vorbei, der vulkanisieren konnte. Wir hielten an und verhandelten den Preis. Statt 6'000 CFA zahlten wir nur 4'000 CFA. Der Reifen wurde genäht und anschliessend mit heissem Gummi aufgegossen. Ganze 2 Stunden Arbeit, die aber seriös mit einfachsten Mitteln ausgeführt wurde. Ob dies wohl halten wird? Wir werden sehen.
Nun war schon späterer Nachmittag und wir schauten auf die Michelin Karte wie weit es noch nach Ségou wäre. Nur ca. 150 km auf guter Teerstrasse, so dachten wir, dass wäre noch machbar. Leider hatte ich die Kilometer-Angabe mit der Meilen-Angabe verwechselt und so hatten wir eine entsprechend grössere Distanz zurück zu legen. Dies bemerkten wir aber erst, als wir schon ein Weilchen unterwegs waren. Als wir den Irrtum bemerkten, wollten wir nicht mehr umkehren und beschlossen weiterzufahren, obwohl es schon bald dunkel wurde.
Die Strasse war gut ausgebaut und der Verkehr hielt sich in Grenzen. Nur Esel, Kühe und Ziegen waren ein Verkehrshindernis, wie schon so oft auf unserer Fahrt. Kurz vor Ségou kamen wir an einen Polizeiposten, es war schon ziemlich dunkel. Der Beamte wollte alles mögliche wissen und da wir keine Lust hatten dieses Spielchen mitzuspielen, sagten wir auf Deutsch, dass wir keinerlei Französisch sprechen. Nach einer kurzen "Unterhaltung" liess er uns weiterfahren. Die Einfahrt nach Ségou ist pompös, links und rechts eine endlos erscheinende Lampen-Allee. Einige Einheimischen sassen unter den Strassenlampen und lasen Bücher.
Das Campement/Hotel Savane war nicht so einfach zu finden, trotz GPS-Daten fuhren wir erst mal im Kreis. Die Anlage war sehr sauber und die Angestellten sehr freundlich und hilfsbereit.
Nach diesem anstrengenden Tag führte uns der Weg geradewegs in die Bar um ein kühles Blondes Castle Bier zu trinken. Anschliessend suchten wir etwas Abkühlung unter der Dusche, doch das Wasser war warm und die erhoffte Erfrischung blieb aus. Es regte sich mal wieder kein Lüftchen und wir versuchten bei 35 Grad einzuschlafen.
Schlecht hatten wir geschlafen, die Luft stand im Auto obwohl alle Fenster und Luken geöffnet waren. Wir hofften, dass das Wasser in der Dusche am Morgen etwas kühler war, doch leider wurden wir auch diesmal enttäuscht. Der Platz war zwar sauber und ruhig, doch für ein ausgedehntes Frühstück war es uns trotzdem nicht einladend genug. So machten wir uns bald auf und verabschiedeten uns von den französischen Besitzern.
Am Ortsausgang von Ségou kauften wir etwas Brot ein, welches in Mali viel besser schmeckt als im Senegal. An den Ständen am Strassenrand erstanden wir noch Tomaten, Gurken, Bananen und zwei riesige Mangos. Zuerst wollte man mehr als den zuvor vereinbarten Preis, doch als wir die Früchte wieder hinlegten und unser Geld zurückforderten, waren sie plötzlich doch bereit uns die 100 CFA zurück zugeben. Es ist kein grosser Betrag, ca. 0.25 CHF, aber es ging uns vor allem ums Prinzip. So nicht, ein abgemachter Preis gilt und die Marktfrauen schauten etwas verdutzt, als sie merkten, dass wir dies nicht tolerierten.
Weiter ging es auf guter Teerstrasse bis zur Brücke und nochmals 12 km bis zur Abzweigung zum Teriya Bugu Camp. Nach holprigen aber gut ausgeschilderten 38 km erreichten wir das kleine Paradies von Mali. Der ehemalige Pater Bernard Verspieren hat hier sein Lebenswerk vollbracht und ist leider 2003 verstorben.
Wir waren über so viel Bäume und Blüten erstaunt. Ein für Mali völlig untypisches Bild. Viele Bäume, Büsche und Blumen sind mit ihrer lateinischen Bezeichnung angeschrieben. Es leben auch viele Vögel, Flughunde und Eidechsen in dieser grünen Oase.
Ausser uns war nur ein junges französisches Pärchen anwesend, die aber keine zahlenden Gäste waren, sondern einen Solarkocher installiert hatten und einen Bericht darüber schrieben. Es gab natürlich auch eine hübsche Bar und sogar einen Swimming Pool. Das Wasser war aber viel zu warm, so dass wir ein kühles Mineralwasser bevorzugten. Die Anlage ist irgendwie in ein Dorf eingebunden, da andauernd Einheimische durch das Camp liefen. Der Bani Fluss floss nur noch träge und war nur noch ein kläglicher Rest von seiner eigentlichen Grösse. Trotzdem waren einige Fischer mit ihren Booten auf Fischfang.
Man hätte auch ein Museum besuchen können oder ein Fischerdorf, doch die Hitze hatte auch uns träge gemacht und so bummelten wir durch die herrliche tropische Anlage.
Später stellten wir unseren Camping Tisch und die Stühle auf. Wir assen unsere Sandwiches und anschliessend eine leckere reife Riesenmango.
Kaum waren wir fertig mit unserem Vesper, da kamen auch schon grossen dunkle Wolken und blitzartig fing es an zu regnen. In Windeseile räumten wir unsere Sachen zusammen. Gerade noch rechtzeitig, denn es fing plötzlich an zu stürmen. Es stürmte so stark, dass Blätter und Äste an den Scheiben von Snoopy hängen blieben. Wir mussten sogar unser Hubdach schliessen. Doch der Regenschauer hatte auch sein gutes, denn so kamen wir in den Genuss von etwas Abkühlung.
Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, genossen wir einen weiteren Spaziergang durch die schattenreiche Anlage, dabei entdeckten wir 3 arme Äffchen, die in einem kleinen Käfig ihr Dasein fristen müssen. Sie waren sehr aggressiv. Sie drohten und als ich etwas zu nahe kam, griff plötzlich eine Affenhand nach meinem T-Shirt. Charly wurde an der Hand gekratzt, so liessen wir die Tierchen wieder allein mit ihrem Schicksal. Es wurde schon wieder dunkel und wir gingen früh schlafen. Dank des Sturmes war es angenehm „kühl“, statt 36 nur 30 Grad.
Wir hatten vor an diesem Tag weiterzufahren und packten unsere Sachen. Wir waren schon etwas spät dran und so brannte die Sonne schon erbarmungslos auf uns runter. Charly musste den Tisch und die Stühle wieder auf dem Dach befestigen und verbrannte sich mehrfach die Hände am Gepäckträger. Unglaublich die Hitze hier. Geschafft und schweissgebadet suchten wir die Dusche auf. Charly durfte zuerst unter die Dusche, doch plötzlich wurde das Wasser ganz braun. Sauber war danach nichts mehr. Er musste sich so abtrocknen und wir beschwerten uns bei einem Angestellten. Dieser besorgte dann für uns einen Schlüssel zu einem der vielen Bungalows. Dort mussten wir aber auch erst warten, bis die braune Brühe raus war und langsam klares Wasser floss. Es gab jedoch einen grossen Ventilator und so konnten wir wenigstens die Abkühlung während der Wartezeit geniessen.
Das Wasser kam dann klar und auch angenehm kühl, doch leider war der Abfluss verstopft. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig mit den Duschen fertig zu werden, bevor die ganze Sosse ins andere Zimmer floss.
Da wir eine so herrliche Dusche genossen hatten und es so schön war, entschlossen wir uns eine weiter Nacht dort zu verbringen. Wir zahlten für die Übernachtung 3'500 CFA, dass war OK. Wir machten noch einige Fotos von der Anlage, von den Fischern und von den Kindern, die sichtlich Freude hatten an uns. Ich zeigte ihnen die Videoaufnahmen die ich von ihnen gemacht hatte und sie kicherten und lachten unentwegt, als sie sich selbst auf dem Bildschirm der Videokamera sahen.
Den restlichen Tag haben wir gefaulenzt und am Computer gearbeitet. Eine weitere Dusche genossen wir am späteren Nachmittag, da wir wieder den ganzen Tag geschwitzt hatten.
Am Abend gingen wir ins Restaurant essen. Ich hatte gefüllte Tomaten mit Reis, was sehr lecker schmeckte und Charly bekam einen Flugsaurier, der mindestens durch Altersschwäche vom Himmel gefallen sein musste. So zäh, dass man kaum eine Gabel rein bekam. Tapfer ass er alles auf. Wir unterhielten uns mit den jungen Franzosen Sofie und Arneau. Ich konnte meine Französischkenntnisse dabei etwas auffrischen. Sie sprachen aber auch etwas Englisch und so konnte auch Charly am Gespräch teilnehmen. Mit der Taschenlampe bewaffnet gingen wir ans andere Ende der Anlage, wo Snoopy schon auf uns wartete.
Mit dem Einschlafen hatten wir aber wieder mehr Mühe, da das kühlende Lüftchen fehlte.
Früh aufgestanden, damit uns die Wärme nicht wieder so zusetzt. Zusammengepackt war schnell und wir fuhren mit Snoopy zum anderen Ende der Anlage um zu duschen.
Wieder bekamen wir den Schlüssel zum Bungalow B3, wo wir wieder herrlich duschen konnten und den grossen Ventilator genossen. Meine Brille, die ich am Vortag vergessen hatte, lag immer noch auf dem Tisch.
Charly probierte den Honig aus Eigenproduktion und kaufte gleich 2 Becher davon. Erstens weil er wesentlich besser schmeckt als der übliche Schrott, der hier für teures Geld verkauft wird und zweitens zweidrittel billiger ist. Wir beglichen unsere Rechnung und verabschiedeten uns von allen.
Unsere Fahrt führte uns auf einer anderen Piste nach San. Die Gegend war sehr ursprünglich, das heisst man sah die ersten Lehmbauten und die Frauen holten ihr Wasser noch aus dem Ziehbrunnen. Material wurde mit den Ochsenkarren transportiert, oder der Esel wurde eingespannt. Nach 28 km erreichten wir wieder die Teerstrasse, von wo aus wir flott voran kamen.
Am Strassenrand sahen wir schon die ersten Lehmdörfer mit ihren Speichern, die aussehen wie kleine Zwergenbehausungen. Sobald man anhielt um ein Foto zu schiessen, kamen auch schon die Kinder angerannt um nach einem Cadeau zu fragen.
An der Kreuzung zu Djenne waren wieder mal die üblichen Tonnen aufgebaut mit dem Vermerk „Halt Polizei“. Wir hielten an und man verlangte 1'000 CFA pro Person. Dies sei für die Entwicklung des Landes sagte man und war auch auf den Ticket so vermerkt. Wir zahlten nach dem wir uns versichern liessen, dass dies wirklich für Entwicklung von der Region sei. Nun ja, vielleicht heimst sich nun eine höhere Persönlichkeit das Geld ein. So ist es eben in Afrika.
Eine gute Teerstrasse führte auf einem Damm bis zur Fähre. Vom Bani Fluss war nicht mehr viel übrig, trotzdem führte der Weg zuerst über die Fähre, dann durch den Fluss. Auf der Fähre war eine grosse Kette gespannt. Man verlangte 3'000 CFA für die Überfahrt. Da das Ticket aber ein Datum vom April aufwies verweigerten wir die Bezahlung. Man soll uns ein korrektes Ticket ausstellen. Es gab einige Diskussionen und wir warteten einige Zeit. Man wollte uns natürlich zurück schicken aber so einfach lassen wir uns das auch nicht gefallen. Wir bestanden auf ein korrektes Ticket, doch leider leider war der Chef nicht da und der hat das Büchlein, bla, bla, bla. Wir einigten uns schliesslich auf die einfache Überfahrt von 1'500 CFA und fuhren ohne Ticket nach Djenne.
Wir hatten das Hotel Djenne schnell gefunden und die Anlage war zwar klein und eng aber sauber. Uns schockte nur der Preis 8'000 CFA, dass sind 20 CHF. Die Sanitäranlagen entsprachen ganz und gar nicht dem Preis und der Platz vor dem Restaurant war auch nicht besonders, also beschlossen wir uns den anderen Camping anzusehen.
Chez Baba war nur wenige hundert Meter entfernt. Welche ein Absteige HILFE. Im Hinterhof neben dem Klo sollten wir stehen. 3'500 CFA wollte man für die Nacht, dass sind etwas weniger als 9 CHF. Die Sanitäranlagen waren zum Davonlaufen. Die beiden Duschen stanken bestialisch nach Scheisse und als ich das WC anschauen wollte, sass gerade ein Schwarzer drauf und hatte die Tür offen gelassen. Das was ich sah reichte mir schon, ich musste das WC nicht mehr näher betrachten. Der Besitzer zeigte mir aber auch die neu gebauten Sanitäranlagen, welche, wenn sie fertig erstellt sind, sehr gut sein werden. Leider funktionierten die Duschen nicht, kein Wasser. Angeblich würde um 17 Uhr wieder Wasser da sein, doch auf das liess ich mich nicht ein. Wir fuhren zurück zum teuren Campement und installierten uns.
Später machten wir uns auf die Suche nach der Moschee. Diese war auch bald gefunden und wir hatten das Glück, dass gerade viele Moslems zum Gebet gingen. Wir konnten zwar nicht rein, aber auch von aussen war die Moschee und seine zahlreichen Gläubigen imposant.
Die Geier liessen nicht lange auf sich warten und schon bald hatten wir einige Schatten erhalten. Jeder wollte uns als Guide abschleppen, oder auf die Terrasse von seinem Hotel gegen Entgelt versteht sich, einladen. Auch angebliche Künstler und ein Typ meinte sogar er sei von einer Kooperativen Frauengemeinschaft. Die Typen waren nicht nur anhänglich, sie wurden auch aggressiv, wenn sie mehrfach abgewiesen wurden. Wir hatten einfach keine Lust auf die Touristenabzocke und liessen alle abblitzen.
Wir kauften noch ein Brot und machten uns langsam auf den Rückweg, denn die Anmache ging uns ziemlich auf den Geist. Kaum ist einer gegangen, kamen schon wieder zwei neue und jeder war der Beste. Mühsam!
Wir waren die einzigen weissen Touristen, deshalb haben sich wahrscheinlich auch alle gleich auf uns gestürzt. Es ist nicht Saison im Mai, da es zu heiss ist für die meisten Touristen. Nach diesen ganzen aufdringlichen Guides, die dann auch noch beleidigend oder aggressiv werden, wenn man auf ihr Geschwätz nicht eingeht, suchten wir unsere Ruhe auf dem Campement. Doch leider war hier ein ständiges Kommen und Gehen und es war bis spät Abends sehr lärmig.
Die nächtliche kühlende Dusche war leider wieder lauwarm und somit wenig erfrischend.
Durch den Lärm sind wir früh wach geworden. Wir duschten und machten uns nochmals auf um in die Stadt zu gehen. Schon nach kurzer Zeit wurden wir wieder von Möchtegern-Guides angesprochen. Wir konnten wieder kein Französisch, doch trotzdem gaben die Typen nicht auf. Wir schossen noch ein paar Fotos und hatten dann definitiv genug von Djenne und gingen zurück zum Le Campement, natürlich nicht ohne einen palavernden Schatten neben uns zu haben. Dieser war besorgt, dass wir überhaupt nichts von Djenne gesehen haben und das dass mit der Sprache ein fieser Trick sei. Wir hatten genug und mit ihrem Verhalten verkraulen sie nur die wenigen Touristen. Wir packten den Rest zusammen und waren bald startklar.
Auf dem Rückweg mussten wir wieder über die Fähre fahren. Diesmal war der Boss da und wir bekamen unser eigenes Ticket. Ausgestellt auf 3'000 CFA. Ich dachte schon der will nochmals den vollen Betrag. Zugetraut hätte ich es ihnen, doch er wollte nur die fehlenden 1'500 CFA für die heutige Rückfahrt.
Wieder auf der Hauptstrasse fuhren wir im raschen Tempo nach Mopti. Kaum in Mopti angekommen verfuhren wir uns erst mal und fuhren in eine Einbahnstrasse in die verkehrte Richtung. Gott sei Dank hat uns kein Polizist gesehen, sonst hätte es sicher eine längere Diskussion gegeben. Die Bevölkerung machte uns aber rasch auf unseren Irrtum aufmerksam und wir wendeten. Wie immer gab es kein Verkehrsschild, welches uns die Einbahnstrasse angezeigt hätte. Hier wird oft vorausgesetzt, dass man das weiss.
Die Strasse von Mopti waren überfüllt und das übliche afrikanische Chaos herrschte. Kaum haben wir irgendwo angehalten, waren schon wieder die Aasgeier da. Wir hatten die Schnauze voll von der Anmache und fuhren wieder aus der Stadt raus. Im Führer steht ja auch drin, dass man Nerven haben muss um in Mopti gut durch zu kommen. Wir hatten diesmal keine und fuhren direkt in Richtung Bandiagara.
Auf dem Weg dahin haben wir bizarre Felsformen gesehen und auch fotografiert. Die Strecke nach Bandiagara ist geteert und man kommt schnell voran. Eigentlich wollten wir auf dem Campement Togona 3 km vor Bandiagara übernachten, doch es war erst früher Nachmittag und so beschlossen wir weiter nach Sanga zu fahren.
Eine holprige Piste führte uns nach Sanga. Wir suchten dort das Campement Sanga, konnten jedoch den Weg nicht finden. Zudem kamen laufend Männer an, die alle etwas wollten; ein Hotel oder Restaurant vermitteln oder Kunst sprich Masken verkaufen, etc.
Uns war das zu blöd und so fuhren wir zum Giruyam Campement, wo wir für 3500 CFA übernachten konnten. Die Sanitärenanlagen waren sauber, obwohl an der Anlage selber noch gebaut wurde. Wir tranken gemütlich ein Bier und fragten nach dem Weg in das Städtchen. Doch man behauptete, dass man nur mit einem Führer die Stadt besichtigen kann, wegen den vielen heiligen Plätzen, die es in der Stadt gibt. Sie brachten uns sogar Brot für's Abendessen, damit wir nicht selber in die Stadt mussten.
Nach dem Abendessen arbeiteten wir noch etwas am Computer und sind anschliessend schlafen gegangen. Während der Nacht fing es plötzlich mächtig an zu stürmen. So stark, dass wir Angst um unser Hubdach bekamen und es runterlassen mussten. Durch die geöffneten Fenster stob der Staub ins Auto, ich bekam eine volle Ladung ab. Durch den starken Sturm, der von regem Wetterleuchten begleitet war, schwankte Snoopy, als ob wir auf hoher See wären. Irgendwann schliefen wir trotz der starken Schwankungen wieder ein.
Wir hatten trotz des Sturmes gut geschlafen. Snoopy stand noch, nur war das Bett mit Staub und Dreck bedeckt. Wir schüttelten alles aus und räumten zusammen. Charly schaute nach, ob Snoopy noch genügend Öl hatte und stellte fest, dass man unbedingt nachfüllen musste. Dies war bald erledigt, dann gab es ein kurzes Frühstück. Eine Dusche musste auch noch sein, bevor wir uns mit unserem Guide Mr. Kene Dolo Dit RFI auf den Weg nach Sanga machten.
Sanga, so erklärte er uns, bestehe aus 57 Dörfern und ist in diesem Sinne nicht wirklich eine einzige Stadt. Alle Leute die wir in den beiden Dörfern trafen, waren irgendwie mit ihm verwandt. Er kannte alle Personen denen wir begegneten. Es gab jedes Mal eine grosse Begrüssungs-Zeremonie, die sich ungefähr so anhörte: „ Guten Morgen wie geht es? - Danke gut und wie geht es dir? - Wie geht es Vater und Mutter? - Danke gut. - Wie geht es den Kindern? Danke gut? Wie geht es der Familie? Danke gut“. Diese Fragen werden natürlich auch an den zuerst Fragenden gerichtet. Bei einer Person geht dies ja noch, aber man stelle sich mal vor, wie viele Leute in so einem Dorf wohnen. Man kommt fast nicht voran, aber auf der anderen Seite war es recht witzig diesem Ritual beizuwohnen. Zudem hatten wir auf diese Weise genügend Zeit ein paar Fotos zu schiessen.
Ogol-Leye-Bas hiess das eine Dörflein, welches aus Lehmbauten bestand. Die Speicher waren quadratisch und hatten jeweils ein Strohdach. Diese Speicher sind typisch für das Dogonland und verleihen den Eindruck, als wäre dies eine Märchenstadt und es wohnen lauter Zwerge dort. Ein einmaliger Eindruck. Wir wanderten durch die beiden Dörfer und konnten so einmal in die Häuser der Dogons schauen. Es wurde uns gezeigt wie sie kochen und wohnen. Die Kinder folgten uns immer wieder und unser Führer hatte zu tun die Rasselbanden immer wieder fort zu schicken. Eine kleine Hand schlich sich in meine und ein kleines Mädchen folgte mir und sie liess meine Hand nicht mehr los. So schnell bekommt man hier Kinder. Natürlich wurde immer wieder nach Bonbons oder einem Stylo (Kugelschreiber) gefragt. Als alle Fragen mit einem „NEIN“ beantwortet wurden, wollte man unsere Kappen. Wir erklärten, dass dies unsere Kappen seien und wir sonst ja keine mehr hätten, wenn wir ihnen unsere gäben. Wir schauten den Frauen zu wie sie mit den schweren grossen Holzmörsern das Getreide zerstiessen. Wir sahen, wie sich die Bewohner unter grossen Bäumen gemütlich machten Vornämlich Männer, die Frauen hatten ja immer etwas zu tun.
Wir sind etwa 2 Stunden durch die beiden Dörfer gelaufen und waren ganz schön verschwitzt von der Hitze. Unser Führer hatte, eine Zipfelmütze auf und trug noch eine Weste über dem T-Shirt, dazu lange schwarze Schlapperhosen. Wir wären wahrscheinlich an Hitzschlag gestorben mit all dieser Kleidung. Zum Abschluss tranken wir ein eiskaltes Mineralwasser und erholten uns im Gebäude vom Camping von der Hitze.
Wir fragten unseren Führer nach dem Weg zu den Falaise de Bandiagara, da fuhr er voraus und wir hinterher. War eigentlich nicht schwierig, denn es gab nur eine Strasse. Diese war aber nicht überall wirklich als solche erkennbar. Am Ausgang von Sanga gab es einen guten Brunnen, weshalb wir anhielten und unsere leeren Tanks auffüllten. Wir waren im Nu von einer Bande Kinder umringt. Die Frau die gerade einen Container mit Wasser füllte, hat auch gleich unseren Ortlieb Eimer gefüllt. Natürlich waren alle neugierig, alle standen um das Auto herum und schauten zu was wir machten. Wie sie hörten, dass das Wasser in die Tanks floss, fingen sie an zu kichern. Der Eimer musste wieder gefüllt werden und die Kinder drängelten um zu pumpen.
Als die Tanks voll waren, wollten wir den Kindern ein paar Kekse geben, da sie uns ja auch geholfen hatten. Der arme Charly verteilte die Kekse und wurde fast gefressen von den kleinen Bestien. Von Ordnung und zurückstehen war keine Rede mehr, nur mühsam konnte er die Leckerei gleichmässig verteilen. Immer wieder gab es einen der sagte: „Ich habe noch nichts bekommen.“ Teilweise hatten sie aber schon die Taschen voll gestopft, während andere wirklich noch nichts bekommen hatten.
Mit vollen Tanks fuhren wir dann weiter zum Felsabbruch. Steil ging es bergab und enge Kurven galt es zu überwinden. Die Aussicht in das Tal war bombastisch. Steile Felsabhänge fielen gerade ab. In die grösseren Felsritzen wurden Häuser geklebt, die heute jedoch unbewohnt sind und langsam verfallen. Am Fuss des Felsabbruchs stehen die Häuser wie Schwalbennester an den Fels geklebt. Diese Dörfer sind noch bewohnt und wir konnten beobachten, wie zwei Frauen mit ihrer Last auf dem Kopf, nach unten zu ihrem Dorf liefen. Sah anstrengend aus, doch die Frauen liefen leichtfüssig über die Felsen. Wir mussten immer wieder einen kurzen Stopp einlegen, um die fantastische Szenerie mit dem Fotoapparat festzuhalten.
Auf halben Weg trafen wir auf das holländische Pärchen, welches wir schon in der Zebrabar getroffen hatten. Sie hatten ein Problem mit ihrem Land Rover. Sie konnten nur noch mit gesperrtem Differenzial fahren, was sich als sehr gefährlich auf harter Piste erweisen kann. Zu allem Übel, hatte ein Schwarzer, der behauptet hatte, dass er etwas von Automechanik versteht, ihm versehentlich das Getriebeöl abgelassen. Wir konnten leider nicht gross helfen. Man musste in Mopti eine grössere Garage beauftragen, einige Teile und einen guten Mechaniker zu schicken. Da dies sicher länger ginge, mussten sie sich in der nächsten Auberge einquartieren.
Wir fuhren weiter ins Dogonland. Die Häuser schmiegten sich an den Fuss des Felsabbruchs. Immer wieder sahen wir die Zipfelmützenhäuschen, die als Speicher dienten. Hier konnten wir uns vorstellen, wie jemand auf die Idee von Märchen wie zum Beispiel Herr der Ringe kommen kann. Dank GPS-Koordinaten fanden wir unseren Weg gut durch das Dogonland. In Amani wollten wir die heiligen Krokodile ansehen, doch wir sahen nur einen grossen grünen Tümpel und da man auch noch Geld dafür verlangen wollte, sind wir gleich weiter gefahren. Wir kamen an Tirelli vorbei, ein weiteres kleines verschlafenes Dorf. Da es bereits so gegen 16 Uhr war, überlegten wir, ob wir nicht gleich im hiesigen Campement bleiben wollten. Das Campement war sehr einfach und hatte nicht viel Platz im Hof. Leider wurde der Eingang zum Hof von einen Torbogen geziert, welcher für unser Gefährt zu niedrig angesetzt war. Traurig winkte man uns hinterher, als wir weiterfuhren. Waren wir doch seit langem die ersten Gäste. Mai ist die heisseste Zeit in Mali und ausser den beiden Holländer hatten wir keine anderen Touristen gesehen.
Wir fuhren weiter und wollten nach Nombori. Die Koordinaten hatten wir, nur gab es plötzlich keine Piste mehr. Wir fuhren ins kleine Dorf rein, doch man sagte uns, dass der Weg zu weichsandig wäre. Man würde uns aber als Führer den Weg zeigen. Wir hatten keine Lust auf einen Führer, denn dies bedeutet, dass ich hinten in der Wohnkabine mir einen Abschwitzen muss. Also suchten wir uns einen anderen Weg.
Wir fuhren die Sanddünen hoch, mussten aber wieder umkehren, weil wir stecken geblieben waren und zudem glaubten wir nicht das dies der richtige Weg wäre. Wieder wurden wir verfolgt und natürlich war man wieder gegen Entgelt gewillt uns den rechten Weg zu zeigen. Wieder lehnten wir ab. Wir suchten nun im Dorf nach einer Abzweigung und fanden auch bald einen Pfad. Dieser Weg war jedoch auch sehr weichsandig, so dass wir wieder stecken blieben. Dieses Mal aber mussten wir schaufeln, die Luft aus den Reifen lassen und unsere Sandbleche auspacken. In kürzester Zeit war das ganze Dorf bei uns und schaute zu wie wir wieder aus dem Schlamassel raus kamen. Wieder wurden wir angesprochen. Jeder fungiert hier als Führer, damit sie ein paar CFA verdienen können. Der Tourismus ist so ziemlich ihre einzige Einnahmequelle und so wird möglichst jeder Tourist abgezockt, dabei ist man aber nicht aggressiv.
Derjenige der uns am Meisten geholfen hatte, suchten wir als Führer aus. Dieser zeigte uns den Weg auf festen Boden und später den Weg über die Felder in Richtung Nombori. Wir mussten wirklich quer über ihre Felder fahren, die zu dieser Jahreszeit jedoch trocken und brach da lagen.
Auf der anderen Seite der Felder gab es ein „Hotel“, welches ausgerechnet unserem Führer gehörte. Er fragte ob wir dort bleiben möchten und wir sagten gerne zu. Die Einrichtungen waren ziemlich primitiv. Das WC bestand aus einem Loch mit einer Mauer die ungefähr Brusthöhe hatte. Die versprochene Dusche bestand aus einem kleinen runden Platz, einem Eimer Wasser und ebenfalls einer halb hohen Mauer. Wir waren verschwitzt und hatten heiss. Unserer Führer Jean schüttete jedem von uns einen Becher voll lauwarmen Wasser über den Kopf und gab uns ein Handtuch dazu. Wir durften auf den bequemsten Stühlen unter freien Himmel sitzen. Man bot uns an, die Matratzen auf der Terrasse zum Ausruhen zu nutzen. Doch wir wollten lieber ein kaltes Mineralwasser. Da man leider keinen Kühlschrank und auch keine Strom besass, war das Mineralwasser ziemlich warm.
Wir wollten anschliessend die Maskentänze ansehen, die die nächsten 3 Tage angeblich stattfinden sollten. Wir waren schon ein ganzes Stück das Dorf raufgelaufen, als uns ein Mann entgegenkam und erklärte, dass die Tänze für heute bereits beendet waren. Wir liefen also wieder zurück zum Hotel. Wir nahmen eine „Dusche“ und setzten uns wieder im Hof des Lehmhauses. Es kamen noch ein paar andere Dogons dazu und wir unterhielten uns ganz gut. Am fortgeschrittenen Abend erhielten wir unser Abendessen, welches aus viel Reis mit wenig dafür umso zäherem Huhn bestand. Danach unterhielten wir uns nochmals kurz und verabschiedeten uns um schlafen zu gehen.
Zurück im Auto bereiteten wir die Fotos auf und freuten uns über die gelungenen Bilder. In der Nacht fing es wieder etwas zu winden an und wir freuten uns über die Abkühlung. Wenig später fing es sogar an zu regnen und wir konnten Dank der Abkühlung gut schlafen.
Wir haben die Nacht gut verbracht und genossen die Umgebung. Wir schauten ein paar Mal durch ein Fenster und konnten doch den einen oder anderen Neugierigen beobachten. Wir machten uns ein Müsli zum Frühstück und räumten schon mal zusammen. Die Maskentänze sollten erst um 11 Uhr beginnen, so hatten wir noch Zeit für einen kleinen Spaziergang.
Wir wollten nur ein kurzes Stück laufen um ein paar hübsche Fotos vom Dorf in der Morgensonne zu machen. Unserer Führer kam gleich angelaufen und meinte, bei ihnen sei es üblich zuerst Guten Morgen zu sagen und dann gemeinsam zu laufen. Es gäbe hier sehr viele heilige Plätze und wir dürfen hier nicht alleine laufen, damit wir nicht ausversehen einen solchen heiligen Platz entehren. Zudem meinte unser Führer, sei er für uns verantwortlich und man würde ihn für unser Fehlverhalten verantwortlich machen. Ich erklärte ihm, dass wir gar nicht weit wollten und nur den Weg benutzen, den alle anderen auch benutzen. So beruhigte er sich wieder und wir liefen nun mit mehreren Einheimischen zu dem Platz, wo wir ein paar Fotos schiessen wollten.
Charly wollte danach noch zu den Tabakfeldern und anschliessend liefen wir auch noch zu dem kleinen Bach, wo alle Frauen ihre Wäsche waschen. Ich wollte noch die heiligen Krokodile sehen und so kletterten wir über ein paar Felsen. Tatsächlich konnten wir unter einem Felsen eine Krokodilsschnauze ausfindig machen. Diese Krokodil hatte aber keine Lust auf Besuch und tauchte weg. Wie dieses Krokodil in diesem kleinen Rinnsal überleben kann ist mir schleierhaft.
Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir an der Schule vorbei. Es muss wohl gerade Pause gewesen sein, denn die Schüler waren aller ausserhalb der Schule. Einer der Buben hatte sich ein kleines Feuer gemacht und brutzelte sich darauf eine kleine Eidechse. En Guete.
Im Hotel ging dann die Diskussion los bezüglich des Preises, um Fotos von den Maskentänzen machen zu dürfen. Gestern noch hatte man gesagt, dass hinge vom Ogon, dem Dorfältesten ab. Heute wollte man plötzlich 30'000 CFA, also fast 100 CHF. Nee, nicht mit uns. Der Tarif ging runter auf 5'000, doch auch dazu waren wir nicht bereit. Kurz bevor wir abfuhren, waren es dann nur noch 1'500 um ein paar Masken anzusehen. Wir hatten jedoch von der Abzocke genug und wollten nur noch weg.
Wir hatten Jean den Weg als Führer bis Nombori gestern bereits bezahlt und verlangten heute von ihm uns den Weg auch bis dorthin zu zeigen. Er willigte ein und stieg ein. Ich sass hinten in der Wohnkabine und schwitzte wie ein Schwein.
Nombori lag aber nicht auf der Piste und hätte einen Umweg bedeutet, so beschlossen wir weiter zu fahren. Jean zeigte uns noch den Weg, der über eine steile Düne führte, die wir mit den flachen Reifen gut bewältigten. Oben auf der Düne wollte er nicht mehr weiter mitfahren, da wir ihm zu wenig Geld (1'000 CFA) boten. Immerhin hatten wir ihm schon über 12'000 CFA für die mehr als bescheidene Behausung und dem einfachen Essen bezahlt. Er stieg also aus und ich konnte endlich der Hitze der Wohnkabine entkommen. Er erklärte uns noch kurz wie wir fahren sollten und lief zurück.
Wir fanden den Weg gut und waren auf den Weg zurück nach Bandiagara. Der Weg die Falaise hinauf war lang nicht so steil wie der von Sanga. Wir pumpten unsere Reifen wieder auf und schon waren wir wieder von ein paar Jungs umzingelt, die Bonbons oder einen Stift haben wollten. Man hält an und denkt, dass keine Menschenseele da ist und kaum hat man angehalten, rennen die Leute schon zum Auto um etwas zu erbetteln. Die Armut ist schon krass hier.
In Bandiagara wollte ich Brot kaufen und kaum war ich aus dem Auto geklettert, hatte ich auch schon wieder einen Schatten. Ein Mann zeigte mir, wo ich auf dem Markt Brot, Eier und Früchte kaufen konnte. Leider wird man die Leute erst los, wenn man ganz unfreundlich wird. Dazu hatte ich aber keine Lust, also gab ich ihm 200 CFA für seine Hilfe, über die er sich auch sichtlich freute.
Wir wollten über eine Piste nach Niangari fahren und mussten dafür wieder ein Stück in Richtung Sanga. Wir fanden die Piste auch, aber leider war diese in einem schlechten Zustand, so dass wir für die 125 km etwa 3 Tage gebraucht hätten. Also fuhren wir wieder zurück nach Bandiagara und campierten 3 km ausserhalb in Togona Campement.
Die Anlage war für afrikanische Verhältnisse ganz nett. Die Dusche und das WC waren „OPENAIR“ was bei dieser Hitze nur von Vorteil war. Man brachte uns zwei Stühle und sogar einen Tisch, damit wir es uns etwas gemütlich machen konnten. Wir wuschen etwas Wäsche und kochten anschliessend Spaghetti. Da es aber so heiss war, verzichteten wir auf den Wein.
Die Wohnbaracken der Angestellten waren genau gegenüber von unserem Platz und als es Dunkel wurde, stellten sie den Fernseher für das Abendprogramm nach draussen. Alle suchten sich einen Stuhl und schauten Terminator 2. In der Nacht konnten wir trotz der Wärme gut schlafen. Wir hatten 36 Grad, doch es ging ein leichter Wind und damit konnte man es aushalten, nach einer warmen Dusche. Kaltes Wasser gibt es leider nicht zur Zeit, die Hitze ist zu gross.
Charly hat noch vor dem Frühstück die Dieselpumpe von unserem grossen Ersatztank gewechselt, da die "alte" Pumpe so gut wie gar nicht mehr schöpfte. Bei der ständigen Hitze funktioniert plötzlich das eine oder andere Teil nicht mehr. Auch die Notebooks gehen plötzlich nicht mehr, weil es einfach zu heiss ist.
Wir hatten jedoch ein schattiges Plätzchen und so konnten wir noch gemütlich unsere Honigbrötchen mit Mangostücke verzehren. Die riesigen Mangos die es hier gibt sind super lecker, haben viel Fruchtfleisch und sind nicht so faserig wie die kleinen Brüder.
Bis wir alles soweit parat hatten, war es doch wieder fast Mittag. Wir fuhren auf der guten Teerstrasse zurück nach Sévaré und danach weiter in Richtung Gao. Die Strecke war eintönig bis Douentza. Die Strasse wurde auch immer schlaglochreicher, je weiter wir uns von der Touristenregion Mopti entfernten.
Bei Douentza begannen die Berge von Hombori und wir mussten einige Male stoppen, um ein paar Fotos zu schiessen.
Die Strecke von Douentza nach Hombori ist wunderschön, leider hatten wir aber keine klare Sicht. Es war alles etwas milchig eingefärbt, so dass wir nicht die ganze Farbenpalette auf unseren Fotos festhalten konnten. Schade. Bei jedem Stopp ist es wie bei einem Spiessrutenlauf. Kaum halten wir an, kommen schon ein paar Leute und Kinder gerannt. Also beeilten wir uns, damit wir fertig wurden, bevor die Leute eintrafen.
Fatimas Hand, eine Felsformation kurz vor Hombori, hat uns sehr beeindruckt und wir haben trotz des schlechten Lichtes einige Fotos gemacht. Generell hat uns die Landschaft hier stark an das Monument Valley in den USA erinnert, nur die Farbintensität ist nicht so enorm wie in den USA. Ferner passen die Kamele nicht ins Bild.
Je näher wir uns Hombori nähern, desto mehr Männer sehen wir, die mit Gewehren bewaffnet auf ihren Fahrrädern fahren. Wahrscheinlich gehen sie zur Jagd, aber wir hatten ja schon schlechte Erfahrungen gemacht und fühlten uns deshalb nicht so wohl.
In Hombori angekommen, fanden wir so gleich das Campement Chez Lele, doch leider gab es über der Einfahrt einen Torbogen. Dieser war zu wenig hoch für uns und so bot sich der Besitzer an, uns ein anderes Plätzchen zu zeigen. Der Besitzer Lele führte uns zum nächsten Campement/Restaurant, welches nur ca. 200 m von seinem Platz entfernt lag. Wir tranken ein kühles Bier und unterhielten uns mit den Leuten. Lele trank ein Cola, welches auf unsere Rechnung ging, wie wir später feststellen durften.
Einer der anderen Männer hatte einen Ski dabei. Wir fragten was er denn mit dem Ski anstelle, da antwortete er: „ Für die Touristen, die mit den Skiern die Dünen runter fahren möchten. Die Höhe der Düne hängt vom Wind ab, erklärte er uns dann noch. Er hätte 4 Paar, ob wir Lust hätten auf der Düne Ski zu fahren. Wir antworteten, dazu braucht man einen Lift um wieder auf die Düne rauf zu kommen. Der schlaue Malier meinte, dass sei kein Problem, denn dafür hätten sie Kamele. Wir lehnten trotzdem ab, es ist einfach zu heiss für Sport.
Kaum hatte Lele uns mitgeteilt, dass Moslems kein Bier trinken, kam ein Araber und war sturz betrunken. Lele mochte den besoffenen Araber offensichtlich nicht und drehte aggressiv den Kopf weg.
Später gingen wir noch auf den Markt um Brot zu kaufen, doch kaum hatten wir den Hof verlassen, hatten wir auch schon wieder ein paar Schatten. Drei Kinder folgten uns und zeigten uns, wo wir Brot kaufen konnten. Es gab auch diverse Stände auf dem Markt, wo Fleisch grilliert wurde und man fragte uns, ob wir nicht ein Stück Fleisch wollen, doch wir hatten keine Lust auf warmes Essen. Unterwegs auf dem Markt wuchs die Schar unserer Anhänger und jeder war irgendwie der Bruder oder Cousin von irgendeinem von unserer anfänglichen Gefolgschaft.
Zurück beim Auto assen wir die restlichen Spaghetti gekühlt, denn kalt ist hier gar nichts. Leider arbeitet unsere Engel Kühlbox nicht mehr richtig. Wahrscheinlich überfordert von der Hitze. In der Wohnkabine ist es unerträglich heiss, 37 Grad in der Nacht und kein Lüftchen weit und breit. Uns läuft der Saft aus allen Poren.
Schon am frühen Morgen hatten wir 36 Grad und man mag sich gar nicht mehr bewegen. Alles ist nass geschwitzt. Trotzdem raffen wir uns auf und packen unsere Sachen zusammen. Kaum ist Charly in Richtung Dusche marschiert, kommt der junge Mann wieder, dem wir gestern 2 Batterien geschenkt hatten für seinen Walkman. Er wollte uns schon gestern die ganze Zeit eine Taschenlampe abschwatzen, seine Bemühungen blieben aber erfolglos. Heute kam er wiederum um ein Geschenk zu erbetteln. Ich klärte ihn auf, dass unser Auto kein Geschenkladen sei, doch er blieb hartnäckig. Charly hatte ihn schon entdeckt und scheuchte ihn mit kurzen Worten weg. Er hatte sich gestern nicht mal für die Batterien bedankt und war nur auf Abzocke aus, denn er sah nicht wirklich bedürftig aus mit seinen Safarihosen und teuren Sandalen, die er wahrscheinlich anderen Reisenden abgeschwatzt hatte.
Geduscht, jedoch schon wieder schwitzend machten wir uns auf den Weg nach Boni. Wir hatten zuvor im Reiseführer gelesen, dass man dort die Zollformalitäten erledigen kann. Auch in Hombori gibt es eine Zollstation, doch wir dachten, dass wir alles in Boni erledigen und nicht noch mehr Aufsehen in Hombori erzeugen wollten. Wir sind wieder einmal die einzigen Touristen weit und breit.
Bei unserer Fahrt nach Boni fuhren wieder an der extravaganten Felsformation „Die Hand der Fatima“ vorbei. Wieder konnten wir nicht widerstehen ein paar Fotos von dem hochaufragenden Felsen zu machen, der in der kühleren Saison von Kletterspezialisten als Herausforderung angesehen und erklommen wird. Auch auf der weiteren Fahrt nach Boni stoppten wir diverse Male um Fotos zu machen, obwohl die Sicht wieder diesig war.
Die ca. 62 km zurück nach Boni waren schnell hinter uns und wir suchten im Dorf Boni zuerst den Polizeiposten auf. Der freundliche Mann studierte unsere Pässe und war etwas umständlich bei der Abfertigung. Er war jedoch korrekt und mit etwas Geduld hatten wir bald den gewünschten Ausreisestempel im Pass. Leider verbrauchte er eine ganze Seite pro Pass, um das Datum und die Uhrzeit unserer Ausreise sowie seine Unterschrift in unseren Pässen festzuhalten. Wir fragten wo es nun zur Zollstation gehe, oh es gibt keine in Boni. Aber im Reiseführer stehe, dass es in Boni eine Zollstation gäbe. Welcher Führer das gewesen sei, fragte er anschliessend. In unserem deutschen Därr Reiseführer, war unsere Antwort. Er meinte daraufhin achselzuckend, dass wir zurück nach Hombori fahren müssen, um die Zollformalitäten zu erledigen. Wir waren vielleicht sauer über den Scheiss, den wir in dem Därr Reiseführer gelesen hatten.
Wütend fuhren wir zurück nach Hombori. Das Abstempeln des Carnet de Passage ging flott und korrekt vonstatten. Die Falschinformation kostete uns eine halbe Tankfüllung, zudem mussten wir zwei mal die löchrige Teerstrasse fahren. In Hombori wollten wir nicht tanken, da an der einzigen Tankstelle dort aus Fässern getankt wird. Wir hatten keine Lust schlechten oder verdreckten Diesel einzufüllen und fuhren lieber mit knapp bemessener Tankfüllung in Richtung Burkina Faso.
Wieder in Boni nahmen wir an der einzigen Abzweigung den falschen Pfad und fuhren mitten durch die enge Gasse, wo die Einheimischen gemütlich draussen sassen und palaverten. Eine Kuh kam uns mit mächtigen Hörnern entgegen und wir hatten nur noch knapp Platz zum Umkehren, die Kuh störte dies aber überhaupt nicht. Bald war der rechte Pfad gefunden und wir folgten dem Eselspfad, der gerade mal so breit war wie unser Auto. Da alles aber flach und wenig bewachsen war, konnten die entgegenkommenden Eselskarren gut ausweichen.
Link von uns begleiteten uns noch ein paar Tafelberge. Wir kamen durch ein paar einfache Dörfer, die nur aus Strohhütten bestanden. Den Weg selber fanden wir ohne Probleme, dank Kompass und Grenzlinie im GPS-Gerät. Die Piste war stellenweise sehr weichsandig, so dass wir nicht immer auf der Piste, sondern stellenweise neben der Piste fuhren. Bei einer Düne liessen wir dann doch Luft aus den Reifen, da wir so besser den weichen Sand befahren konnten, dank grösserer Auflagefläche. Ohne Allrad ist diese Strecke nur mit viel Aufwand zu bewältigen. Je weiter wir in Richtung Süden fuhren, desto mehr Bäume und Büsche säumten unseren Weg.
In Mondoro, kurz vor der Grenze nach Burkina Faso, wollte die Polizeistation nochmals unsere Pässe sehen und schrieb alles feinsäuberlich in ein Schulheft, dass auch schon bessere Tage gesehen hatte. Viel Verkehr gibt es hier nicht, denn der letzte Eintrag stammte vom März 2005. Man fragte noch nett nach, ob wir nicht ein Journal für sie zum Lesen hätten, doch leider konnten wir den armen gelangweilten Beamten nicht helfen. Sie waren sehr freundlich und korrekt und freuten sich offensichtlich, dass endlich mal wieder jemand vorbei kam.
Charly war schon zum Auto zurück gelaufen und als ich auch endlich mit den Formalitäten fertig war, entdeckte ich ihn in Mitten einer Horde von Kindern. Alle hatten natürlich anfänglich ein Geschenk gefordert, doch Charly hatte die Bande schnell im Griff in dem er nachfragte, was sie alles in der Schule lernen und einer konnte sogar ein wenig englisch. Das war gut für Charly, denn sein französisch ist miserabel (Sylvia ist soo gemein).
Nach dieser Ortschaft wurde der Weg immer schlechter und teilweise schwierig zu finden, doch wir hielten uns an unser GPS-Gerät und fanden immer wieder die richtige Piste nach Süden. Nach Mondoro wurde die Piste immer schlechter und wir mussten einige Schlammlöcher durchqueren.
| Burkina Faso |
Das wir die Grenze überschritten hatten, erkannten wir nur auf unserem GPS. Wir folgten den Spuren unserer Vorgänger, mal links um die Bäume mal rechts durch das Gebüsch. Der Pfad war nun in einem noch schlechteren Zustand. Teilweise mussten wir durch tiefe Schlammlöcher fahren, die zu allem Übel auch noch ziemlich stanken. Armer Snoopy! Mit unseren Schlammreifen hatten wir dem ungeachtet keinerlei Probleme diese zu durchfahren, aber der Geruch den Snoopy nachher verbreitete war abscheulich.
Wir zwängten uns durch das Gebüsch, wann immer es ging um den unappetitlichen Schlammlöchern zu entgehen.
Die ersten für uns namenlosen Dörfer, bestanden aus armseligen Lehmhäusern. Die Dörfer waren durch eine Mauer geschützt. Kühe, Hühner und Schafe liefen und standen in den Dörfern herum. Die Wasserversorgung wurde durch Ziehbrunnen gewährleistet, wobei man Lederbeutel benutzte, um das Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Die Menschen waren freundlich und ursprünglich. Wir fühlten uns wie ins 16. Jahrhundert zurückversetzt. So muss es wohl auch bei uns ausgesehen haben zu jener Zeit.
Bei Diguel folgten wir dem schmalen Eselspfad nach Süden, aber da der Weg zwischen den Feldern so eng war, fragten wir einen Einheimischen nach dem Weg. Ja, ja meinte dieser in seiner Sprache, das ist der Weg nach Baraboulé. Die Gesten waren klar und so fuhren wir weiter und kamen nachfolgend wieder auf eine breitere Piste.
In Baraboulé sahen wir auf der linken Seite den Polizeiposten, wo man schon zu uns herüber winkte. Wir fuhren zum Posten und wurden überaus freundlich empfangen. Man stellte zwei Bänke hin, eine zum Sitzen und eine zum Schreiben. Im Gebäude sei es viel zu heiss, erklärten die Männer lächelnd. Ein freundlicher Beamte gab uns seinen Kugelschreiber und seine Unterlage, damit wir die Einreiseformulare besser ausfüllen konnten. Die Beamten waren nett und fragten freundlich wie der Weg war und ob ich auch mit dem Toyota fahre. Unser Auto gefiel ihnen offensichtlich und sie bestaunten ausgiebig unser Fahrzeug, ohne dabei aufdringlich zu sein.
Nachdem alle Formalitäten korrekt erledigt waren, erklärte man uns noch den Weg zur Zollstation in Djibo.
Die breite Lateritpiste liess nun eine höher Geschwindigkeit nach Djibo zu. Wir waren froh darüber, denn es wurde schon wieder dunkel. Der Harmattan blies zudem und wir wurden bald vom sandigen Nebel umhüllt. Die Sicht war schlecht und ein starker Wind erschwerte den Ortsansässigen das Fortkommen noch mehr als uns.
In Djibo kamen wir mit dem letzten Licht des Tages an. Leider konnte uns der Zöllner nicht das Carnet abstempeln, da sein Kollege oder Vorgesetzte die Stempel mit nach Hause genommen hatte. Er machte auch auf uns den Eindruck, als ob er nicht wirklich wüsste, was er mit dem Carnet de Passage tun müsste. Da wir sowieso vor hatten in Djibo zu übernachten, erklärten wir dem netten Beamten, dass wir am folgenden Morgen nochmals kommen würden. Sichtlich erleichtert hielt er unsere Daten auf einem Stück Papier fest.
Durch dunkle Gassen zwischen Bretterbuden suchten wir den Weg zum Hotel Massa, welches gegenüber dem Polizeiposten lag. Das Hotel war leider nicht zum Übernachten für uns geeignet, da es einen zu kleinen Innenhof und einen zu niedrigen Torbogen als Einfahrt hatte. Was tun? Die Polizeistation gegenüber hatte einen riesen Innenhof und so kamen wir auf die Idee, dort mal nach zu fragen.
Die Beamten sassen alle draussen auf Bänken vor dem Fernseher und schauten intensiv dem Fussballspiel Côte d’Ivoire gegen Nigeria zu. Ich sprach einen grossgewachsenen Polizisten an und erklärte ihm unser Anliegen. Er erklärte uns, dass er da zuerst seinen Chef fragen müsse, dieser aber zur Zeit nicht anwesend sei. Wir sollen uns eine halbe Stunde gedulden, dann sei er wieder da. Also liefen wir zurück zum Auto, welches direkt vor dem Polizeiposten parkiert war.
Auf der anderen Strassenseite konnten wir dem Treiben auf der Tankstelle zuschauen und den grossen LKWs, wie sie ihre Ladung von Kühen kontrollierten. Wir holten uns eine Cola und sahen interessiert dem Treiben der ärmlichen Garnisonsstadt zu.
Als der Chef der hiesigen Polizei wieder da war, erklärten wir ihm unser Anliegen. Er meinte wir können ja auch zur Auberge gehen, welche im Süden der Stadt liegt. Wir fanden aber, dass wir uns nicht auskennen und es schon dunkel sei und wir deshalb lieber in ihrem Hof übernachten würden.
Wir können dies tun, aber wir müssten unsere Pässe und den Fahrausweis vom Auto auf dem Posten deponieren. Man versprach uns, dass wir die Papiere am folgenden Morgen wieder zurück bekommen würden. Nein - Nein, auf so was wollten wir uns nun ganz und gar nicht einlassen, zumal die Beamten ziemlich nach Alkohol rochen und einer war auch nicht mehr so standfest. Die hätten uns wahrscheinlich ganz schön abgezockt am anderen Tag, denn ohne Papiere sind wir in einem fremden Land der Willkür der Beamten ausgesetzt und darauf hatten wir keinen Bock. Ein Beamter hatte nämlich was von Gebühr gefaselt, da heisst es sofort aufpassen. Ich tat so, als ob ich ihn nicht verstanden hätte und fragte noch mal naiv nach, doch er verplapperte sich kein zweites Mal.
Wir folgten der kurzen Wegbeschreibung zur Auberge Populaire, welche in Richtung Süden auf dem Weg nach Kongoussi lag. Die Anlage war grosszügig und man begrüsste uns freudig. Der junge Besitzer war überaus nett und hilfsbereit. Wir können zahlen was wir wollen, wir sollen es uns erst mal bequem machen. Schliesslich sind wir hier in Afrika, meinte er. OK dachte ich, der Platz ist grosszügig und man bot uns die Benützung der Dusche und von der Toilette an. Wir installierten uns und bestellten anschliessend zwei kalte Bier. Ein Genuss bei der Hitze.
Die Sanitärenanlagen waren sehr heruntergekommen. Von 4 Duschen fehlte bei dreien der Wasserhahn, doch man hatte schon vorsorglich Wassereimer bereitgestellt.
Wir hatten gerade erst ein paar Schluck von unserem ersten Brakina (Bier in Burkina Faso) genommen, als ein Mopedfahrer mit Sozius ankam. Das Licht schaltete er mehrmals auf und ab. Ein Mann stieg ab und kam auf uns zu. Es war Lele aus Hombori. Er hatte unser Auto beim Polizeiposten gesehen und war uns gefolgt um Hallo zu sagen. Wir waren erstaunt, da war der Typ mit seinem Moped von Hombori (Mali) direkt nach Djibo gefahren. Was für ein Zufall und auch irgendwie komisch! Nach einem kurzen Gespräch setzte er sich wieder auf das Moped und fuhr mit seinem Kollegen zurück in die Stadt. War er uns gefolgt? Wohl kaum, denn mit seinem Moped hatte er 8 ½ Stunden zu fahren auf der schlechten Piste von Hombori nach Djibo. Wir beruhigten uns wieder und tranken unser Bier aus.
Da es immer noch so heiss war, hatten wir keinen besonders grossen Hunger und so bereitete ich einen Thonfischsalat mit Tomaten zu, welchen wir mit unserem restlichen Brot aufassen.
Öfters in der Nacht hörten wir Autos kommen und gehen, wahrscheinlich waren wir im Stundenhotel von Djibo gelandet. Wir konnten wegen der Hitze und dem ständigen Kommen und Gehen nicht sehr gut schlafen.
Früh waren wir wach, wegen der Hitze und dem Lärm. Wir waren wieder total verschwitzt und die Bettlaken und Kissen waren nass von unserem Schweiss.
Charly stand auf und entdeckte sogleich einige Geier im Innenhof der Auberge.
Wir packten unsere Sachen zusammen und suchten die Dusche auf. Wir fanden sogar eine mit Wasserhahn, wo jedoch nur ein dünner Rinnsal Wasser heraus kam. Wir duschten in dieser unwirtlichen Umgebung, obwohl es alles andere als angenehm war und es leicht nach Urin roch. Das Wasser regenerierte dessen ungeachtet unsere Lebensgeister wieder und so waren wir bald wieder abfahrbereit.
Wir fuhren geradewegs zum Zollposten zurück und hatten diesmal Glück. Der Beamte kannte den Umgang mit dem Carnet de Passage zwar auch nicht, doch mit Hilfe von uns waren die Formalitäten schnell erledigt. Der Beamte entschuldigte sich noch, dass er sich nicht so gut damit auskannte, da man hier normalerweise mit den Laissez Passer arbeitet und zeigte uns seinen Formularblock. Der Beamte war nett und ehrlich. Keine Frage nach Geld trübte das Gespräch.
Wir fuhren zur Total-Tankstelle und tankten auf. Ein paar Kinder kamen und fragten scheu nach einem Geschenk, doch nach einem klaren NEIN erfolgten keine weiteren Forderungen mehr. Welch eine Wohltat nach Senegal und Mali, wo uns die aggressive Bettelei mit der Zeit ziemlich auf den Geist ging.
Die Lateritpiste nach Kongoussi war grauenhaft. Wellblech von der schlimmsten Sorte und dazu noch steile Oued-Durchfahrten (ein Oued ist ein Flussbett, welche hier betoniert sind). Wir sahen einen LKW, dessen Hinterreifen der Belastung nicht mehr standgehalten hatten und alle zerfetzt waren.
Die grösste Gefahr waren aber die Tiere die herumstreunten. Die Kühe bemühten sich wenigstens noch rechtzeitig über die Strasse zu kommen oder warteten, wenn man hupte. Die Schafe und Ziegen sprangen in wilder Flucht über die Piste. Die Esel aber blieben einfach stehen und man konnte ihnen fast die Ohren oder den A... abfahren, ohne dass sie sich bewegten.
Wir kamen wieder an ursprünglichen Dörfern vorbei, wo riesige Körbe vor den Häusern aufgebaut waren und diese offensichtlich als Vorratskammern benutzt wurden.
Die Strecke war sehr anspruchsvoll und Charly musste eine hohe Geschwindigkeit fahren, damit es uns nicht die Zahnplomben rausfielen von der Schüttlerei.
In Kongoussi hielten wir kurz an und kauften Brot und Tomaten auf dem Markt. Auch hier waren die Leute freundlich und zurückhaltend. Keine Schar von Kindern, die uns gleich umzingelten und um Geschenke bettelten. Wir genossen es auf dem Markt herumzuschlendern und dabei in Ruhe gelassen zu werden. Man pries uns die Waren an, aber nach einem kurzen Kopfschütteln war Ruhe.
Die anschliessende Piste in Richtung Ouagadougou, kurz Ouaga genannt, war noch schlimmer mit Wellblech versehen als der erste Teil von Djibo. Zu dem extremen Wellblech, kamen nun noch Schlaglöcher hinzu. Die Piste erforderte hohe Konzentration.
Auf dem Weg sahen wir wieder eine schöne Aufstellung von diesen Speicherkörben und ich wollte ein Foto machen. Doch man wollte Geld dafür und so unterliess ich es verärgert. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch Verständnis, war dies wahrscheinlich doch eine der wenigen Möglichkeiten der Bevölkerung um an Geld zu kommen.
Auf unserem weiteren Weg kamen uns viele vollgeladenen Eselskarren entgegen, dem Verkehrmittel Nr. 1 der ländlichen Bevölkerung. Die leeren Eselskarren werden mit Stoff bespannt und der Besitzer liegt gemütlich hinten im Karren und lässt sich von seinem Esel nach Hause bringen. Der Esel kennt ja den Weg!
Auch einige heillos überladene Fahrräder haben wir angetroffen.
Wir zwängten uns durch die Vororte von Ouaga und konnten dank GPS-Koordinaten relativ rasch den Weg zum Hotel OK Inn finden. Ouaga selber hatte eher einen Dorfcharakter, nur dass es hier mehr Autos und Mopeds gab.
Auf dem Gelände vom Hotel durften wir gratis campieren, sofern wir im Hotelrestaurant essen. Man zeigte uns die Duschen und WCs beim Swimmingpool, welche wir benutzen durften.
Auch den Pool dürften wir benutzen, hiess es. Im Swimmingpool war allerdings gerade eine Horde Kinder beim Schwimmunterricht, so dass es uns nicht reizte ins kühle Nass zu springen.
Wir bauten unser neues Domizil auf und gingen anschliessend in der klimatisierten Bar ein kaltes Bier trinken.
Unser Kühlschrank hatte leider in Mali den Geist ganz aufgegeben. Er läuft zwar, jedoch kühlt er überhaupt nicht mehr.
Anschliessend nutzte ich die Gelegenheit mal wieder einen Fernseher zu haben und schaute den Rest von einem Film in französisch an. Der Film hiess Biker Boyz. Charly war schon zum Auto gelaufen, da er sowieso nichts verstand und auch keine Lust hatte einen Film zu sehen.
Gemeinsam wählten wir die Fotos von Mali aus, die später auf unserer Webseite aufgeschalten werden sollen. Gar nicht so einfach manchmal - die Qual der Wahl...
Wir wurden knapp vor dem Abendessen fertig und bestellten ein Fondue Bourgingnon für zwei, mit Salat und Dessert. Das Fondue war gar nicht so schlecht und die Cocktail- und Knoblauchsauce fanden wir für afrikanische Verhältnisse ausgezeichnet.
Mit dicken Bäuchen liefen wir zurück zum Auto und bearbeiteten die Fotos von Mali. Der Schweiss floss wieder in Strömen, kein Windhauch weit und breit. Zudem hatten wir fast die ganze Nacht den Sound von der gegenüberliegenden Disko, was uns das Schlafen noch zusätzlich erschwerte.
Kurz vor 7 Uhr sind wir aufgestanden und haben uns fertig gemacht für die Botschaft von Ghana. Das heisst, 4 Fotos, die Pässe und genügend Geld dabei haben.
Da wir uns nicht stressen wollten, bestellten wir an der Rezeption ein Taxi. Der Fahrer war aber leider nicht da und so mussten wir uns ein kurzes Momentchen gedulden. Ein älterer schwarzer Mann mit einigen Narben im Gesicht kam schliesslich auf uns zu und fuhr uns mit seinem alten Mercedes zur Botschaft. Die Narben die er hatte, stammten wahrscheinlich von seinem Stamm. Wir unterliessen es nach der Bedeutung zu fragen. Es waren 3 Ringe vom Kinn zur Stirn und wieder zum Kinn.
Wir zahlten die 2'000 CFA und gingen in die Botschaft. Wir mussten 4x das gleiche Formular ausfüllen und anschliessend 4 Passfotos abgeben. Zuerst wollten wir ein Multiple-Entry-Visum, doch das kostete 36'500 CFA. Schweine teuer fast 100 CHF! Also entschieden wir uns für ein Single-Entry-Visum für 15'000 CFA. Die Frau am Schalter erklärte uns, dass wir die Pässe am Montag wieder holen könnten. Wir müssen wohl sehr geschockt ausgesehen haben, denn sie meinte kurz darauf, dass wir vielleicht Glück hätten und der Konsul doch noch in die Botschaft käme. Wir warteten draussen ein Weilchen und man teilte uns mit, dass wir um 15 Uhr unsere Pässe wieder abholen könnten. Alle waren sehr nett und freundlich und so bedankten wir uns für ihre Bemühungen.
Wir liefen ins Zentrum der Stadt und erreichten dieses nach ca. 15 Minuten. Es war heiss wie in einem Backofen und wir scherzten, wer wohl vergessen hätte die Heizung abzuschalten. Der erste Weg führte uns in eine Bäckerei mit Café, wo wir ein kaltes Mineralwasser bestellten und dazu ein süsses Gebäck assen. Der Ventilator über uns verhalf uns zu etwas Abkühlung.
Wir streunten etwas durch die Gassen, doch gab es wenig sehenswertes und so beschlossen wir ins Internet Café zu gehen. Im ersten Internet Café war die Klimaanlage nur für den Besitzer eingestellt und zu allem Übel war auch die Leitung unsagbar langsam. Charly war ganz schön ungeduldig und genervt. Die französische Tastatur brachte ihn regelmässig zur Verzweiflung.
Wir lasen unsere Mails und suchten nach einer Möglichkeit den Kühlschrank wieder zu reparieren. Die Stunde verging, ohne dass wir wirklich viel hätten surfen können. Die 350 CFA, ca. 80 Rappen, war es uns nicht wert gewesen.
Wieder draussen schlug uns die Hitze fast K.O. Nebenan gab es ein weiteres Internet-Café, welches wir erst jetzt entdeckten und gingen hinein. Hier war es angenehm kühl und die Dell Computer waren alle neuerem Datum. Für 400 CFA, also ca. 1 Franken pro Stunde, konnten wir die Zeit in angenehmer Kühle verbringen. Erst als es Zeit war wieder zurück zur Botschaft zu laufen, verliessen wir die kühle Oase.
Unsere Pässe waren noch nicht fertig, da wir etwas zu früh dran waren. Wir warteten geduldig und schon bald konnten wir unsere Pässe wieder in Empfang nehmen. Das Visum war für 3 Monate gültig, das war genügend Zeit um Ghana anzusehen und um Dinge zu erledigen, die auf unserer To-Do-Liste stehen.
Zurück zum Hotel nahmen wir wieder ein Taxi, diesmal verlangte man nur 500 CFA. Ich hatte schon gelesen, dass die Taxis in Ouaga billig sind und für 1.25 CHF liessen wir uns in dem holprigen Fahrzeug zum Hotel bringen.
Charly baute anschliessend die Kühlbox aus, um nachzusehen, was kaputt sein könnte. Ein Stecker war krumm drauf, doch leider war dies nicht das Problem. Er tüftelte, werkelte und fluchte, dabei rann ihm der Schweiss aus allen Poren. Ich half, wo ich konnte, doch viel war es nicht.
Ich konnte noch gerade den Schrank einräumen, als es schon wieder Zeit war zum Abendessen. Diesmal wollten wir das Menu, aber leider war dies bereits Mittags ausverkauft gewesen. Wir bestellten uns ein gutes Stück Fleisch, teilten uns einen Salat und verzichteten auf das Dessert, denn am Tag zuvor war es uns nicht mehr so wohl gewesen, weil wir zuviel gegessen hatten.
Danach liefen wir zu Snoopy zurück und gingen früh schlafen. Schlafen konnten wir aber kaum, da der Lärm von der Disko und die Hitze uns immer wieder aus dem Schlaf riss.
Die Hitze hat uns wieder früh aus dem Schlaf gerissen. Wir räumten den Rest von dem gestrigen Reparaturversuch auf und machten uns startklar. Als Charly mit Casty in der Schweiz telefonieren wollte, begann man ausgerechnet dann Bäume mit der Motorsäge abzuholzen. Wir hatten wieder ein gutes Timing. Schliesslich klappte es doch noch, aber viel Hoffnung konnte uns Casty nicht machen. Da zahlt man fast 1'000 CHF für die Engel-Kühlbox, die angeblich auch expeditionstauglich und robust sei und dann steigt das Ding schon nach 5 Monaten mitten in Afrika aus. SUPER!
Wir haben die Temperatur hinter der Box gemessen, da wir einen Temperaturstau vermuteten, doch die Temperatur war nicht höher als im Rest der Kabine.
Anschliessend gingen wir Frühstücken, was zwar teuer war für die hiesigen Verhältnisse, aber nach dem ganzen Ärger wollten wir uns etwas Gutes tun.
Wir waren froh als wir wieder die Stadt mit ihrem ganzen Lärm verlassen konnten und uns wieder eine ländliche Idylle umgab.
Auf unserem Weg nach Bobo Dioulasso nahmen wir die N1, eine Teerstrasse mit wenig Schlaglöchern. An der Mautstelle mussten wir 1'000 CFA Strassengebühr bezahlen und erhielten dafür auch eine Quittung. Vor der Mautstation gab es einige Strassenhändler, die von einer dicklichen, grimmig dreinschauenden Polizistin regelmässig vertrieben wurden. Kaum kehrte sie den Händlern den Rücken zu, waren sie auch schon wieder da und boten wie gewohnt ihre Waren an.
Wir kamen gut voran auf der Teerstrasse und hatten leider ein schlechtes Erlebnis dabei. Ein Bus der vor uns fuhr, fuhr hupend und ungebremst 2 Schafe über den Haufen. Die armen Tieren flogen nur so durch die Luft und blieben blutend auf der Strasse bzw. am Strassenrand liegen. Wir waren ganz geschockt, denn der Busfahrer hatte eine gerade Strecke vor sich und muss die Tiere schon von weitem gesehen haben. Gleichgültig überfuhr er im vollem Tempo die armen Viecher.
Bei Sabou suchten wir den Eingang zum Mare aux crocodiles, um die heiligen Krokodile zu sehen. Der kleine See war nicht weit von der Hauptstrasse entfernt und rasch waren wir da. Die Ortsansässigen bemühten sich die Krokodile aus dem Wasser zu locken, was ihnen mit Hilfe eines Seiles auch gelang. Ein Mann war recht furchtlos und schleifte die Tiere am Schwanz durch die Gegend. Wenn ein Tier zu nahe kam, gab er Befehle, welches von dem Tier erstaunlicherweise auch sofort befolgt wurde. Er setzte sich sogar auf ein Krokodil und meinte ich könne, wenn ich wolle, auch gerne mal draufsitzen. Ne, ne, das liess ich lieber sein. Mir reichten schon die dumpfen Klappgeräusche, wenn sie nach dem Seil schnappten.
Wir machten ein paar Aufnahmen und zahlten die geforderten 1'500 CFA.
Die kalte Cola, auf die wir uns anschliessend gefreut hatten, mussten wir leider vergessen, denn es waren einige Französinnen da, welche die kühlen Getränke schon alle geleert hatten. Es waren Krankenschwestern aus Frankreich und sie machten eine Art Weiterbildung in Ouaga. Dies sei eine Art Wochenendausflug. Mit einer unterhielt ich mich länger, da sie offensichtlich Freude an unserem Auto hatte und von Freunden erzählte, die 4 Jahre mit ihrem Land Rover durch die ganze Welt gefahren waren.
Bald darauf ging es weiter nach Boromo, wo wir dann abzweigten zum Park „Forêt des Deux Balé“.
Zuerst sind wir wieder mal zu weit gefahren, doch beim zweiten Versuch fanden wir sogleich das Büro de l’Environement et des eaux et forêt. Man muss jedoch heute gar nicht mehr dieses Büro aufsuchen, wie wir später feststellten. Ich fragte auf der gegenüberliegenden Polizeiposten nach. Nachdem der überaus nette Beamte endlich meine Hand losliess, erklärte man mir, dass man direkt den weissen Pfeilen an den Bäumen mit einem K darüber zum Camp folgen kann.
Das Camp Le Kaicedra war klein und es gab nur wenige Bungalows. Wir waren wieder die einzigen Touristen. Wir bekamen einen Bungalow zugeteilt, wo wir die Dusche und das WC benutzen durften.
Wir positionierten Snoopy unter ein paar Bäumen und setzten uns auf der grossen Terrasse auf eine Bank. Wir bestellten ein kaltes Mineralwasser und sahen auf den schwarzen Volta. Es gibt einen schwarzen, einen roten und einen weissen Volta. Während der Trockenzeit hat aber nur der schwarze Volta Wasser.
Wir genossen die Ruhe und schauten zwei kleinen Äffchen zu, die offensichtlich zum Camp gehörten. Wir hatten schon ¾ von unserer Wasserflasche geleert und Charly wollte schon zurück zum Auto, als ein kleine Gruppe von 9 Elefanten plötzlich aus dem Gebüsch kam. Hellbegeistert holte ich die Kameras aus dem Auto und wir filmten und fotografierten was das Zeug hielt. Es gab sogar ein Junges, das gemäss Aussage eines Camparbeiters erst zirka 14 Tage alt war. Es wusste noch gar nicht recht, was es mit seinem Rüssel anstellen sollte. Die anderen Elefanten standen immer dicht neben dem Kleinen. Die Mutter strich öfter zärtlich mit dem Rüssel über den Kopf des Babys. Das erfrischende Bad dauerte aber nicht lange für die Herde, dann kamen sie auch schon wieder aus dem Wasser und versteckten sich genau uns gegenüber im Gebüsch. Irgendwann gab das Leittier wohl den Befehl zum Aufbruch und alle liefen zurück zum Fluss und durchquerten diesen. So schnell wie sie gekommen waren, so schnell waren sie wieder weg.
Charly strahlte wie ein Weihnachtsmann, die ersten Elefanten auf unserer Reise.
Nach dem Spektakel gingen wir zurück zum Auto und hatten endlich die Zeit etwas zu essen. Was für ein Stress auch immer!
Am späteren Nachmittag trudelte ein älteres holländisches Ehepaar ein, welches nun schon 5 Jahre in Burkina lebt. Sie waren schon fast überall auf der Welt zu Hause und erzählten stolz, dass ihre Tochter bei der UN arbeitet und zur Zeit in Afghanistan sei. Es war sehr interessant sich mit ihnen zu unterhalten, da sie u.a. auch 10 Jahre in Kenia gelebt hatten. Auch in Zürich waren sie schon öfters gewesen.
Die Affenkinder wollten immer was bei ihnen zum Essen klauen und sie mussten die kleinen Biester mit der Zeitung vertreiben.
Leider haben wir keine weiteren Tiere mehr gesehen, obwohl wir auf der Terrasse blieben, bis es Dunkel war.
Sind zwar früh aufgestanden, hatten aber einiges zum Aufräumen und den Abwasch vom Vortag mussten wir auch erst noch erledigen. Im Camp Le Kaicedra waren die Leute sehr flott, denn sie öffneten wieder den Bungalow Nr. 6, damit wir dort die Dusche benutzen konnten. Es war angenehm kühl in dem Bungalow, da überall Luftlöcher eingebaut waren. Die schönsten Bungalows aber waren diejenigen, die direkt am schwarzen Volta lagen. Man konnte direkt auf den Fluss sehen und Tiere beobachten. Sehr luxuriös sind diese jedoch auch nicht ausgestattet für europäische Verhältnisse.
Als alles erledigt war, gingen wir wieder auf die Terrasse und konnten gleich wieder Elefanten beim Baden beobachten. Zwei jüngere Elefanten wollten sich einer kleinen Gruppe anschliessen, der eine wurde aufgenommen, den anderen schupsten sie wieder in den Fluss. Dieser genoss jedoch das erneute Bad und setzte sich ins Wasser und hielt den Rüssel nach oben. Es war herrlich die Tiere zu beobachten.
Nachdem wir uns mit dem holländischen Pärchen noch etwas unterhalten hatten, fuhren wir zurück nach Boromo und kauften wie am Vortag wieder vom feinen Brot. Anschliessend ging es weiter in Richtung Bobo Dioulasso. In Houndé überlegten wir kurz, ob wir die Piste über Bereba nach Sara zum Mare aux Hippopotamos oder doch lieber die Teerstrasse bis Bobo und von dort die Laterit-Piste N10 zu den Hippos nehmen. Wir entschieden uns für die letztere Variante, da die Pisten in Burkina Faso oft übles Wellblech aufweisen und man nur sehr langsam vorankommt, beziehungsweise sich die Plomben aus den Zähnen schüttelt.
In Bobo Dioulasso erwartete uns das übliche afrikanische Durcheinander, jeder lief auf der Strasse, die Eselskarren vollbepackt, die Mopedfahrer fuhren kreuz und quer, dazu noch einige Autos die sich durch die engen Strassen drängelten. Nicht alle Strassen sind geteert in Bobo, viele Querverbindungen sind Pisten. Wir fanden unseren Weg mit Hilfe von GPS Koordinaten problemlos, nachdem wir den Einstieg zur richtigen Piste gefunden hatten. Auf einer sehr holprigen und löchrigen Wellblechpiste fuhren wir nach Satiri und bogen dort zu den Hippos ab.
Das Camp selber bestand aus einer einfachen offenen Hütte, wo die Männer schliefen, die auf das Camp aufpassten. Wir fuhren erst einmal geradeaus und mussten feststellen, dass der Weg einfach in den Sumpf führte. Wir machten gerade rechtzeitig kehrt und fragten bei der Hütte, wo wir übernachten könnten. Der Mann meinte hier auf dem Parkplatz. Dieser Platz gefiel uns aber gar nicht und so fragten wir weiter, ob wir nicht näher beim See schlafen könnten. Eigentlich nicht, aber mit etwas Hartnäckigkeit erreichten wir es schliesslich doch. Ein Mann zeigte uns den Weg und rief gleich seinen Kollegen und meinte dann, wir können gleich zu den Hippos raus fahren. Ursprünglich wollten wir erst am nächsten Tag, früh am Morgen die Tour machen, doch da sie schon mal da waren und die Sonne so schön ins Wasser schien, beschlossen wir die Tour sofort zu unternehmen.
Wir stiegen in ein Stahlboot und wurden von zwei Männern durch See gestakst. Der See roch schwer und war voller Pflanzen. Wie ein dicker Teppich wirkten all die Pflanzen auf uns. Vögel mit breiten Füssen liefen darauf herum, eine Wasserschlange verharrte regungslos auf dem Pflanzenmeer. Wir machten Aufnahmen von dem Tier und als wir aufhörten zu filmen, fragte uns einer der beiden Männer ob wir fertig seien. Wir bejahten und er erschlug die Schlage mit der Stange. Wir waren bestürzt, hatten wir doch nicht damit gerechnet.
Einige Hippoköpfe lugten zwischen den Pflanzen hervor. Leider konnten wir nicht allzu Nahe an die Tiere heran, da das Wasser dort zu tief war und die Stangen mit denen die Männer die Boote fortbewegten nicht lang genug waren. Vielleicht erzählten uns die Männer das auch nur, damit wir nicht zu dicht an die Tiere heran wollten. Egal, in der abendlichen Sonne spiegelte sich die tropische Vegetation und wir genossen die Stimmung. Die Flusspferde schnauften, sie tauchten unter und wieder auf. Wir konnten öfters ihre typischen Laute vernehmen. Das war herrlich!
Wir waren wieder mal die einzigen Touristen. Man erzählte uns, dass sowieso nur selten Touristen hier her kommen, weil es so weit weg ist und die Piste ziemlich schlecht ist.
Die Zeit verging wieder einmal viel zu schnell und schon kehrten wir wieder um.
Wir fragten nochmals ob wir hier neben dem See schlafen dürften, zögerlich wurde es uns erlaubt. Wahrscheinlich hatte man Angst, da die Tiere nachts aus dem Wasser zum Fressen an Land gehen. Wir versicherten, dass wir die ganze Nacht im Auto verbringen würden und so schliesslich konnten wir doch die Nacht in Mitten dieser bezaubernden Natur verbringen. Mit den letzten Sonnenstrahlen kochten wir noch rasch unser Abendessen.
Einer der Fischer kehrte zurück und wollte uns nochmals dazu überreden, doch bei ihnen auf dem Parkplatz zu übernachten. Ich erklärte ihm, dass wir gerne den Lauten der Flusspferde lauschen wollten, da es bei uns keine Hippos gäbe. Das verstand er und scheu fragte er nach einem Geschenk und zeigte auf seine ganz zerrissenen Hosen. Wir gaben ihm ein paar Shorts und er strahlte und lachte. Ich habe noch nie jemanden sich so freuen sehen.
Er fuhr mit seinem Fahrrad zuerst in die eine, dann in die andere Richtung, dabei lachte er, hielt die Shorts fest an sich und blickte zum Himmel. So viel Freude über ein paar alte Shorts hatten wir nicht erwartet.
In den Abendstunden konnten wir noch lange den Lauten der Hippos lauschen, aber auch den der Frösche. Nur der Ventilator störte die Idylle, aber ohne ihn wären wir wahrscheinlich im eigenen Schweiss ertrunken.
Charly hatte die ganze Nacht fast kein Auge zu getan, da er Lungenschmerzen hatte. Er konnte den Moskitos zuhören, wie sie um unser Auto schwirrten und vergeblich versuchten unsere Moskitonetze zu überwinden.
Ich hatte dagegen tief und fest geschlafen und von der ganzen Sache nichts mitbekommen. Wir dachten, dass seine Lungenbeschwerden von dem Insektenmittel gekommen wäre, mit dem wir uns am Abend vorher im Auto eingesprayt hatten. Ich hatte da wohl eine rechte Wolke hinterlassen.
Wir verliessen den idyllischen Ort nur ungern, doch auf der anderen Seite gab es zu viele Moskitos, um nochmals eine Nacht dort zu verbringen.
Wir fuhren durch all die Dörfer wieder zurück auf die N10. Die Menschen winkten uns zu, begrüssten uns und fragten wie es uns geht. In Satiri hielten wir kurz an um ein zwei Mangos zu kaufen. Ich dachte ich seh nicht richtig, als die Marktfrau mir für 100 CFA (25 Rappen) einen ganzen Korb voll gab. Mangos überall - massenweise!
Auf dem Weg zurück nach Bobo Dioulasso bemerkte ich, dass Charly Fieber hatte. Er hatte auch Halsweh und dachte, dass er sich wahrscheinlich wegen der Klimaanlage und/oder dem Ventilator erkältet habe.
In Bobo fuhren wir geradeswegs auf das Campement Casa Africa. Die Sanitärenanlagen waren so lala, aber da Charly sich etwas erholen sollte, suchten wir nicht weiter. Er hatte inzwischen eine recht heisse Stirn bekommen und wir begannen Fieber zu messen.
Jede halbe Stunde wurde gemessen, zuerst hatte er 38,5° C, dann 38,8° C, dann 39° C. Wir beschlossen ins Krankenhaus zu gehen, um einen Malariatest machen zu lassen. Da es gerade kurz vor 12 Uhr war und Charly sich noch etwas ausruhen wollte, wartete ich draussen im Schatten und suchte nach einem passenden Spital.
In dem Moment kam ein Range Rover herein gefahren, mit einem Franzosen und seiner schwarzen Frau. Sie wohnten in Ghana und wir unterhielten uns kurz. Er war gerade vom Spital gekommen, wo seine Frau irgendeinen Test hatte machen lassen und er selber fühlte sich auch nicht so gut und hatte Malariatabletten organisiert. Er hatte zwar kein Fieber, litt aber unter Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Ich erzählte ihm, dass ich vermutete, dass Charly auch Malaria bekommen hat, weil sein Fieber so schnell gestiegen war. Der Franzose empfahl mir die Privat Klinik Espace Medical de Sya, wo auch er gewesen war und meinte, dass man dort ganz kompetent sei. Ich bedankte mich für die Adresse und schon waren sie wieder weg. Ich ging zu Charly und wir machten uns fertig.
Mit dem Taxi ging es zur Klinik. Der Fahrer behauptete zwar beim Einsteigen er wisse, wo die Klinik sei und fuhr prompt falsch. Leicht verärgert meinte er, er hätte nicht gedacht das es soweit draussen sei. Da der Preis mit 300 CFA pro Person, also 75 Rappen, eh günstig war, liessen wir uns erweichen und zahlten 400 CFA. Wir hatten auch nicht die Lust in dieser Situation um 25 Rappen zu feilschen.
Schlussendlich doch im Krankenhaus angekommen wurde der Bluttest im 2. Stock durchgeführt, wo sich das Labor EXALAB Laboratoire d’Analyses Biomedicales befand. Die Einrichtung in der Klinik war schon ziemlich alt und einfach, aber es war sehr sauber und für die Blutabnahme wurden sterile Einmallanzetten verwendet.
Für den Test benötigte man nur einen Blutstropfen vom Finger. Innerhalb einer ¼ Stunde wussten wir Bescheid, Charly hatte Malaria - der Test fiel positiv aus.
Da wir nur 2'500 CFA für den Test bezahlen mussten, beschloss ich kurzerhand auch einen Test durchführen zu lassen, obwohl ich mich überhaupt nicht krank fühlte. Die Schwarzen lachten mich aus und neckten, ob ich wohl denke, dass Charly mich angesteckt hätte. Doch so hatten wir wenigstens Gewissheit für den Moment und ich machte den Test.
Charly sass mit seinem hohen Fieber da und er Laborant meinte, wir sollen schon mal ins Erdgeschoss gehen und uns beim Arzt anmelden, was wir auch sofort taten.
Im Erdgeschoss sass hinter der Anmeldung ein ziemlicher Drachen nicht alt, aber streng. Wir sollen am Abend wieder kommen, meinte sie. Ich erwiderte, wir bleiben hier und der Arzt soll Charly so rasch als möglich ansehen. Der Arzt war aber noch nicht im Hause und so mussten wir uns im Wartesaal bis 14 Uhr gedulden. Die Wartezeit war nur 20 30 Minuten, die wurden uns aber ganz schön lang, da Charly immer mehr in sich zusammen sank. Ich fragte öfters nach, ob der Arzt noch nicht da sei, da 14 Uhr bereits vorbei war. Endlich erkannte auch der Drachen, dass es Charly nicht so gut ging, nachdem ich es ihr nochmals eindringlich mitgeteilt hatte. Sie hatte erbarmen und brachte uns in ein Behandlungszimmer, wo Charly sich auf eine Pritsche legen konnte. Charly legte sich dankbar hin.
Es dauerte eine ganze Weile bis der Arzt kam. Als der Arzt dann endlich das Zimmer betrat, hatten wir sofort ein gutes Gefühl. Der Arzt war schon älter, sehr ruhig und machte einen kompetenten Eindruck. Er untersuchte Charly kurz und erklärte uns, dass wenn wir eine wirklich gute Behandlung möchten, dann müsste man eine Infusion durchführen. Tabletten werden oft wieder erbrochen und zudem ist die Wirkung viel langsamer.
Wir schluckten ganz schön, denn natürlich wollten wir die optimale Behandlung von Charly, aber auf der anderen Seite hatten wir natürlich auch unsere Bedenken in Bezug auf die Hygiene resp. der Sterilität der Instrumente.
Der Arzt kannte das Problem wohl schon und muss wohl meinen Zwiespalt bemerkt haben, da er mir sogleich versicherte, dass man die Instrumente nur einmal in dieser Klinik benutzen und er diese vor meinen Augen auspacken würde. Charly hatte inzwischen schon 39,8° C und so willigten wir mit gemischten Gefühlen ein.
Das Infusionsset, die Einmalspritzen, die Kanülen alles war steril verpackt und wurde mir gezeigt bevor es geöffnet wurde. Fachmännisch legte der Arzt die Infusion an und spritzte zusätzlich Novalgin, ein Schmerzmittel in die Infusionskanüle rein. Ein weiterer Arzt erschien, half und beobachtete. Nach seinem Benehmen, muss er wohl der Chef der Klinik gewesen sein. Zusätzlich wurde Charly noch ein Mittel verabreicht, dass verhindern sollte dass ihm Übel würde. Das Chinin wurde direkt in die Glukoselösung gespritzt, welches nun tröpfchenweise in den Blutkreislauf von Charly floss.
Die Infusion wurde um 14:30 gelegt und dauerte bis 18 Uhr, ab und zu kam der Praktikant vorbei und fragte wie es geht. Von dem Novalgin hatte Charly den Eindruck ganz schwer zu werden, aber seine starken Rückenschmerzen liessen nach. Die Infusion verlief problemlos. Manchmal ist Charly auf der harten Pritsche kurz eingeschlafen.
Das hohe Fieber verging und er fühlte sich schon bald etwas besser. Er klopfte schon bald wieder ein paar freche Sprüche, obwohl er noch immer starke Rücken- und Halsschmerzen hatte.
Um 18:30 Uhr fühlte er sich recht fit und ging auf die Toilette, wobei ihm dann doch wieder sehr schwindlig wurde. Freiwillig legte er sich wieder hin.
Gegen 19:30 Uhr kam dann der Arzt nochmals zu uns. Er verschrieb das Malariamittel Arinate 100 mg Artesunate, von welchem Charly am nächsten Tag 2 Tabletten nehmen sollte und in den folgenden 4 Tagen jeweils nur noch eine.
Der Arzt notierte noch auf, was alles gemacht worden war, welches Mittel gegeben wurde und übergab mir den Zettel. Er versicherte mir, dass wir sofort wiederkommen dürfen, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten geben sollte.
Wir hatten von dem freundlichen, älteren, leicht untersetzten Arzt einen sehr kompetenten Eindruck erhalten, der genau wusste was zu tun war ohne dabei aufdringlich oder arrogant zu sein. Ich wünschte, wir hätten in der Schweiz mehr von dieser Sorte Arzt!
Der Einstich von der Infusion war schon nach wenigen Minuten nicht mehr sichtbar und es gab keinerlei Schwellungen oder Blutergüsse.
Wir gingen zu Kasse und ich machte mich auf einen höheren Betrag gefasst, da dies ja eine Privatklinik war. Der Betrag versetzte mich ins Staunen, die ganze Untersuchung, die Infusion und alle Medikamente kosteten nur 15'200 CFA (ca. 38 CHF).
Glücklich, dass alles so gut gelaufen war, fuhren wir mit einem Taxi zurück zur Casa Africa. Auf unserer Fahrt dorthin wurde von unserem rumpelnden Taxi ein Schaf angefahren, dass auf der Strasse gelegen hatte. Das Schaf lief zwar anschliessend kreuz und quer über die Strasse, aber bei dem Schlag hatte es sicher eine Verletzung davon getragen. Auf dieses Erlebnis hätten wir gerne verzichtet.
In der Casa Africa trafen wir auf den Japaner, den wir in der Nähe von Bandiagara schon einmal in der Mittagszeit unter einem Baum hatten sitzen sehen. Es war auch noch eine Engländerin da. Wir unterhielten uns kurz und tranken eine Cola dazu.
Plötzlich fing es ganz heftig an zu regnen. Wir warteten eine Regenpause ab und liefen dann zum Auto. Das Bett war schnell gemacht und bevor wir schlafen gingen, habe ich nochmals die Temperatur von Charly gemessen 37° C.
Beruhigt legten wir uns schlafen. In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter und es wurde kühl, erstmals seit der Zebrabar fiel die Temperatur auf unter 30° C. In der Nacht hatten wir nur noch 27° C. Ich fror wie ein Schlosshund und packte den Schlafsack aus.
Gegen 8 Uhr sind wir aufgewacht und haben gleich Charlys Temperatur gemessen. Konstant 37° C. Er fühlte sich auch schon wieder ganz gut, er hatte nur noch Halsweh.
Wir assen je eine von diesen Monster-Mangos und gingen anschliessend duschen. Nach der Dusche waren schon wieder ein paar Männer da, die uns das Geld aus der Tasche ziehen wollten. Ich hatte Charly vorgeschlagen wenigstens für ein-zwei Tage in ein gutes Hotel mit Klimaanlage zu gehen, doch Charly wollte nicht, also beschlossen wir zum anderen Camping Le Pacha zu fahren.
Wir musste vorher unbedingt noch das Malariamittel in der Apotheke holen und Charly wollte zudem die Koordinaten von der Klinik ins GPS Gerät eingeben. Auf dem Rückweg kauften wir noch kurz Butter, Käse und Brot für ein gutes Frühstück. Später steuerten wir das Campement Le Pacha an, welches einem französisch sprechenden Schweizer gehört. Der Patron war nicht da, doch sein Angestellter zeigte uns die kleine Anlage. Es war sauberer und aufgeräumter, als auf Casa Africa, doch der Preis war stolz für afrikanische Verhältnisse.
Wie immer wollten wir zuerst die Sanitärenanlagen anschauen, bevor wir uns eincheckten. Die Dusche war einfach aber ok, aber das WC war eine absolute Frechheit. Wie bei den Einheimischen gab es einfach nur im Hinterhof in einem offenen viereckigen Platz ein Loch in der Mitte, welches auch entsprechend roch. Dieser geldgierige Typ verlangt 6'000 CFA für dieses Loch ne, aber nicht mit uns. Wir verlangten den Chef zu sprechen, doch zu seinem Glück war er nicht da. Wir hatten schon von Gianni gehört, das die Preise gesalzen sind im Le Pacha und zudem hatte er uns noch vor der Unfreundlichkeit des Schweizers gewarnt. Nun, wenn man sich dauernd für seine überzogenen Preise rechtfertigen muss für die primitive Anlage, da wird man wohl so.
Wir hatten keine Lust länger in dem Gewusel von Bobo zu bleiben und beschlossen uns ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. In der Nähe von Banfora waren zwei neu eröffnete Campements im Reiseführer erwähnt. Dort, so dachten wir, finden wir bestimmt ein hübsches Örtchen, wo Charly sich etwas entspannen und erholen kann.
Wir fuhren also die 80 Kilometer nach Banfora auf guter Teerstrasse. Die Umgebung wurde immer grüner und es war auch landschaftlich sehr reizvoll. Wir sahen neben den Unmengen von Mangobäumen und Mangoverkäufern auch riesengrosse Zuckerrohrfelder.
In Banfora sollte der neue Campingplatz am Ausgang des Ortes in Richtung Elfenbeinküste liegen. Wir fuhren hin, aber konnten trotz Suche kein Campement Le Balafon finden.
Im „Durch Afrika“ von Därr wird ein weiterer neuer Campingplatz in Téngréla erwähnt, namens „Farafina“. Wir suchten und fanden die Piste nach Téngréla, wo es auch einen weiteren See mit Hippos gab. Wir fanden das Campement Farafina, der Preis war mit 2'000 CFA bescheiden, doch gab es keinerlei Schatten für unser Auto und die Sanitärenanlagen waren eine Katastrophe. Der Typ mit seinen Rastanlocken gab auch Trommelkurse und wenn man genug bekifft ist, ist es wohl auch recht sympathisch dort, doch wir machten uns so rasch als möglich vom Acker.
Wenige Meter weiter gab es noch ein weiteres Campement, doch das sah leider von aussen auch nicht besser aus.
Wir fuhren weiter zum See und hofften, dort wild campieren zu können. Den Eintritt von 1'000 CFA hätten wir gerne gezahlt und wären vielleicht nochmals zu den Hippos raus gefahren, doch kamen schon wieder ein paar Typen an, die uns alles mögliche verkaufen wollten. Es lagen einige Männer dort rum und so war uns der Platz auch nicht sehr sympathisch.
Wir fuhren weiter zum Wasserfall Karfiguéla und weil wir nicht wieder zurück bis ganz nach Banfora auf dieser miesen Wellblechpiste fahren wollten, entschieden wir uns die Kanalstrasse als Abkürzung zu benützen.
Wenn wir vorher gewusst hätten wie mies diese Strecke ist, wären wir gerne zurück bis nach Banfora gefahren. Die Piste war eigentlich eher ein schmaler Esels- oder Fahrradweg. Tiefe schlammige Löcher galt es zu durchfahren und Charly meinte, mit mir landet er immer auf abenteuerlichen Strecken, abseits der normalen Pisten.
Eine Brücke war teilweise bereits eingefallen und ich meinte schon da kommen wir nie durch. Charly bestand aber darauf, dass ich aussteige und ihm den Weg weise. Knapp hat es dann doch gereicht. Der Weg wurde nicht besser, im Gegenteil.
Wir kamen an Frauen vorbei die sich wuschen und dabei ohne Scham ihre Brüste zeigten. Meist ziemlich schlaffe Dinger Kunststück nach so vielen Kindern.
Wir holperten durch die schlammigen Löcher und hofften nicht umkehren zu müssen. Wir hatten Glück und kamen genau bei der Zahlstation zum Wasserfall raus.
Ein grosses Schild gab bekannt, dass pro Person 1'000 CFA zu zahlen wäre und dass nicht campiert werden darf. Ich fragte trotzdem nach und als ich versicherte, dass wir auf dem Parkplatz übernachten wollten, willigte man ein.
Auf dem Parkplatz kam uns gleich ein jüngerer Mann entgegen, den ich dann auch gleich fragte, ob wir da übernachten könnten. Kein Problem, den Preis aber wollte man erst später besprechen.
Da wir nun schon mal da waren, gingen Charly und ich zum Wasserfall. Der Weg führte uns durch meterhohe Bäume mit einem kühlen Blätterdach. Wir gingen weiter zum Wasserfall, doch von unten war nicht viel vom Wasserfall zu sehen. Es war nicht weit gewesen zum Laufen, doch Charly hatte Probleme wegen der Hitze. Seine Malaria machte sich bemerkbar, sobald er sich etwas körperlich anstrengte.
Wir kehrten schnell zurück in den Schatten, wo man Betonbänke unter den riesigen Bäumen aufgestellt hat und wo wir uns hinsetzen konnten. Die Ameisen und Moskitos liessen uns aber keine Ruhe.
Bald ging es Charly wieder besser und wir machten uns auf den Weg, den oberen Teil des Wasserfalles zu inspizieren. Der Weg war kurz aber steil. Charly hatte wieder Schweissausbrüche und wir ruhten uns oben aus. Wir hatten eine fantastische Aussicht auf die weite Ebene und konnten den Wasserfall aus nächster Nähe beobachten.
Wieder unten angekommen, bestaunte wir die Natur, da hier alles so wunderbar grün war.
Assan, der junge Mann von vorhin, wartete schon auf dem Parkplatz auf uns. Der Parkplatz allein kostet 300 CFA, doch da wir hier übernachten wollten, werden wir wohl mehr bezahlen müssen. Wenigstens stand Snoopy unter einem grossen Baum im Schatten, so dass wir eine angenehme Temperatur in der Wohnkabine hatten.
Wir gingen mit Assan in einen mit Blättern abgedeckten Unterstand, setzten uns an einen Tisch und tranken eine Cola. Assan lud uns nach einem kurzen Gespräch zu der Hochzeit seines Bruders am kommenden Freitag ein und beschrieb ein wenig den Ablauf der Zeremonie. Das war sehr nett von ihm, doch wir hatten keine Lust 3 Tage hier rumzuhängen.
Da Charly müde war und sich ausruhen wollte, gingen wir bald zurück zum Auto. Nett war, dass man sich bei uns abmeldete, wenn jemand ging. Später gingen alle Männer zum Essen und teilten uns dies auch mit, wobei sie uns fragten, ob wir zuerst noch einen Tee wollten. Sie hatten ein Feuer gemacht und wir setzten uns dort in die Nähe.
Zu unserer Verwunderung war kein Mensch weit und breit, also sind wir wieder zurück zum Auto gegangen.
Später klopfte man an unsere Tür und meldete, dass man wieder da sei und ob wir nun einen Tee wollten. Irgendwie mussten wir uns missverstanden haben. Wir hatten keine Lust uns nochmals anzuziehen und ich wollte auch das Tagebuch noch fertig schreiben, also sagten wir dankend ab.
Wir sind schon früh aufgestanden und verabschiedeten uns von unserem nächtlichen Bewacher. Ich gab ihm die vereinbarten 2'000 CFA gerne, hatte der arme Mann wegen uns doch die ganze Nacht auf einem harten Stuhl verbracht.
Assan trafen wir auf dem Weg nach Banfora. Er hatte Brot geholt und schenkte mir zum Abschied eine kleine Maske als Andenken. Er war wirklich ein sehr lieber Mensch und überhaupt nicht aufdringlich, obwohl er mindestens so arm war die Leute in Mali.
Von Banfora fuhren wir weiter zu den Steinformationen von Sindou. Die Piste dorthin war teilweise sehr stark mit Wellblech und Löchern versehen.
Kurz vor Sindou standen plötzlich die steilen Felsnadeln von Sindou vor uns. Wir hielten noch vor der Ortschaft an und machten ein paar Fotos. Ein Mann folgte uns und wollte Geld für den Eintritt sowie für die Fotografiererlaubnis haben.
Wir verweigerten die Zahlung, denn wir waren noch gar nicht in Sindou und eine Zahlstation hatten wir auch noch nicht gesehen und jedem zahlen wir nicht einfach einen Betrag. Der Mann meinte, wir müssten dann aber länger warten an der Zahlstation, da gleich eine Militäreskorte käme. Wir erwiderten, dass wir genug Zeit hätten, worauf er endlich abzog.
Wir schossen noch ein paar Fotos von den bizarren Felsen, da hörten wir schon die Sirenen des Militärkonvois. Schleunigst liefen wir zurück zum Auto.
Der Gouverneur hatte beschlossen dieser Region heute einen Besuch abzustatten. Wir mussten wie bereits angekündigt an der Zahlstation kurz warten, aber lange war es nicht. Der Eintrittspreis für die Besichtigung der Felsen betrug 1'000 CFA/Person plus je 1'000 CFA für die Fotoerlaubnis. Ganz schön teuer dafür, dass man keinerlei Hinweisschilder oder Wegweiser aufstellte. Einen Plan bekommt man sowieso nicht. Wir verpassten die Abzweigung im Dorf und fuhren zu weit und mussten umkehren.
Wir sind dann auf Eselspfaden quer durch die Ortschaft gefahren, um zu den Felsen zu gelangen. Eine einfache sandige Piste führte von dort zwischen den Felsen hindurch.
Wir stiegen mehrmals aus und bestaunten die grandiose Landschaft. Es war sehr imposant zwischen den steilaufragenden Felsen mit ihren bizarren Formen zu laufen. Leider hatte Charly wegen seiner Malaria immer wieder Schweissausbrüche, so dass wir nicht allzu weit laufen konnten.
Nachdem wir genug Fotos geschossen hatten, kehrten wir um und fuhren zurück nach Banfora und weiter nach Bobo Dioulasso.
Auf dem Weg nach Bobo Dioulasso kamen wir wieder an den Obstständen vorbei, die massenweisse Mangos gestapelt hatten. Ich wollte ein Foto von der Strasse aus machen, doch die Marktfrauen fingen gleich an wie wild zu schimpfen, so dass ich es unterliess.
In Bobo Dioulasso angekommen fuhren wir wieder zum Campement Casa Africa. Wir richteten uns unter den Mangobäumen ein und tranken anschliessend eine kalte Cola (denn Bier durfte Charly leider immer noch nicht trinken - Verordnung von Sylvia). Nett fragte man uns, ob wir eine schöne Reise gehabt hätten, liess uns aber ansonsten in Ruhe.
Den restlichen Tag haben wir nicht mehr viel unternommen. Das Klima in Bobo Dioulasso ist wesentlich angenehmer und kühler als in Ouagadougou. Es war nicht so heiss und ab und zu blies ein kühlender Wind.
Charly ging es schon wieder besser, trotzdem wollten wir einen Ruhetag einlegen.
Zum Frühstück gab es wieder feine Riesen-Mangos.
Den restlichen Tag verbrachten wir mit dem Aktualisieren der Webseite und Ausruhen.
Heute verabschiedeten wir uns von der Casa Africa, mit den leicht unsauberen Sanitärenanlagen, aber gut funktionierender Dusche.
Leider hatten uns beim Packen wieder ein paar Bettler und Strassenverkäufer aufgestöbert und klebten an uns wie Kletten. Unerfreulicherweise reicht es nicht aus ein paar Mal strickt „NEIN“ zu sagen, um sie los zu werden. Leider muss man da ziemlich energisch und unfreundlich werden, damit man in Ruhe seine Sachen zusammenpacken kann. In Burkina Faso gibt es jedoch nur in Bobo Dioulasso diese aufdringlichen, klebrigen Strassenverkäufer und Bettler. Im restlichen Land gibt es nur wenig Tourismus und somit auch nicht diese Auswüchse. Im Verhältnis sind die Leute auf dem Land noch ärmer, doch sind die Einwohner von Burkina sehr fleissige Leute und bestellen in mühseliger anstrengender Weise ihre Felder. Ihre Ernährung ist damit sichergestellt, obwohl Burkina zum drittärmsten Land der Welt gehört.
Wir kauften noch etwas Proviant und holten in der Boulangerie La Bonne Miche noch Gipfeli und Brot.
Kaum waren wir in einem Restaurant abgesessen um eine Cola zu trinken, als man uns schon wieder diverse Sachen verkaufen wollte. Wir beeilten uns mit der Cola und verliessen Bobo Dioulasso so rasch als möglich.
Die Strecke zurück nach Ouagadougou war langweilig und man konnte schon kurz hinter Bobo bemerken, wie die Umgebung dürrer wurde und die Bäume immer spärlicher wuchsen.
In Ouagadougou angekommen, wollten wir diesmal im Campement „Le Pharao“ übernachten. Da wir die GPS Koordinaten hatten, fanden wir schnell den Weg zum 15 km ausserhalb der Stadt liegenden Campingplatz.
Der Platz hatte auch schon bessere Tage gesehen, trotzdem wollten wir bleiben. Man liess uns warten, da die Besitzerin gerade beschäftigt war und man uns keinen Preis nennen konnte. Das Establishment war inzwischen zu einem billigen Stundenhotel heruntergekommen, was die diversen Malereien und Werbungen für Kondome bezeugten. Als die Madam dann endlich kam, verschlug es uns die Sprache bei ihrer Forderung von 10'000 CFA für eine Nacht.
Wir fuhren trotz der einbrechenden Dämmerung wieder zum uns bekannten Hotel OK INN. Wieder konnten wir gratis auf dem Platz campieren, wenn wir dafür im Restaurant zu Abend essen würden. Wir waren nur zu gerne bereit und bestellten Filet mit Basilikumsauce resp. Spiessli mit Reis.
Die Hitze war wieder unerträglich. Bei 37° C und kein bisschen Wind, liessen wir fast die ganze Nacht den Ventilator laufen. Hinzu kam wieder die afrikanische Musik von der nahen Disko, die fast die ganze Nacht über zu hören war mit einem Wort, wir taten fast kein Auge zu.
Vom Lärm und der Hitze sind wir früh wach geworden. Die erhoffte Abkühlung in der Dusche fiel wegen zu warmen Wasser aus. Wir packten raschmöglichst unsere Sache und fuhren ab.
Gleich bei der Ausfahrt vom Hotel gab es eine Shell-Tankstelle, doch wir dachten, dass es wohl auf dem Weg aus der Stadt noch weitere Tankstellen geben würde. Doch wie es immer so ist, wenn man wenig Treibstoff im Tank hat, kam natürlich keine Tankstelle mehr. Obwohl es in Burkina ein gut ausgebautes Tankstellennetz gibt, gab es genau auf unserem Weg natürlich keine mehr.
Wir kamen zur Zahlstelle, wo wir 400 CFA Strassengebühr bezahlen mussten. Es war ein ziemliches Durcheinander dort, da jeder irgendwo parkierte und zur Zahlstelle laufen musste. Die entgegenkommenden Autos konnten nicht mehr fahren, da ihre Fahrspur ebenfalls mit parkierten Autos versperrt war.
Trotz knappen Dieselreserven fuhren wir weiter, da in den Reiseführern Westafrika Sahelländer und im Durch Afrika sowie in der Strassenkarte von Burkina Faso eine Tankstelle in Kombissiri erwähnt wurde. Die Kleinstadt war ca. 35 km von Ouagadougou entfernt. Leider mussten wir dort feststellen, dass die Zapfsäulen an der einzigen Tankstelle demontiert waren.
Die restlichen Minitankstellen verkauften nur die Treibstoffmischung für die Mopeds oder hatten den (wahrscheinlich geschmuggelten) Treibstoff in Flaschen abgefüllt. Es gab wohl auch noch das eine oder andere Fass aus dem getankt werden konnte, doch wir zogen es vor, wieder zurück nach Ouagadougou zu fahren. Charly war ziemlich sauer.
Wenigstens mussten wir die Strassengebühr nicht nochmals bezahlen, nachdem wir dem erstaunten Mann an der Barriere erklärt hatten, weshalb wir zurück kamen.
Mit vollem Tank und Ersatztank brausten wir wieder in zurück in Richtung Ghana.
Erst in Pô sahen wir die nächste Tankstelle, gut waren wir zurückgefahren, denn so weit hätte unser Dieselvorrat nicht mehr gereicht.
An der Grenze wollten wir das Carnet de Passage ausstempeln lassen, doch man wusste nicht wie man mit dem Papier umzugehen hatte. Niemand fühlte sich zuständig und man schickte uns von einem Büro zum nächsten. Schliesslich erbarmte sich ein Beamter und setzte wenigstens den Stempel an der richtigen Stelle für die Ausreise. Die Unterschrift und die weiteren Angaben würde dann der Beamte der die Pässe bearbeitet, erledigen, versicherte man uns.
Wir fuhren also zur Grenzpolizei, wo uns der Beamte die Pässe rasch und korrekt ausstempelte. Die Angaben des Fahrzeuges wurden auf einem anderen Schreibtisch in ein Buch eingetragen, doch die Angaben und die Unterschrift in unserem Carnet Heft wollte er nicht machen. Da wir aber den gewünschten Stempel erhalten hatten, werden wir den Rest wohl oder übel selber bearbeiten müssen. Wir hofften nur, dass wir beim ghanaischen Zoll damit keine Schwierigkeiten bekommen würden.
| Ghana |
Wenige Meter weiter war der Grenzposten von Ghana, welcher eine grosse Baustelle war und man um die Baustelle herumgehen musste, um die Formalitäten in einem der kleinen Unterstände zu erledigen.
Während wir den Papierkrieg erledigten, lief der Fernseher unentwegt, wo gerade ein Fussballspiel angesagt wurde. Die Stempelkissen sind in Ghana genauso ausgetrocknet wie bei den anderen westafrikanischen Ländern, die wir nun schon bereist hatten.
Ein Mann kam und wollte Geld tauschen, wie so viele andere auch. Er erschien uns sehr nett und so vertrösteten wir ihn auf die Zeit, sobald alle Grenzformalitäten erledigt wären. Auf diese Art und Weise half er uns möglichst rasch alle Dienststellen zu finden.
Nachdem wir 60 Tage Aufenthaltsbewilligung in unseren Pässen hatten, konnten wir mit unserem Auto durch die Barriere fahren. Dort wurde als nächstes die Gelbfieberimpfung kontrolliert und natürlich alle unsere Daten in ein grosses dickes Buch eingetragen.
Danach ging es weiter zum Zoll. Ein dicklicher Beamter war für uns zuständig und füllte umständlich aber korrekt unser Carnet aus. Zumindest wusste er, wie man mit dem Zolldokument umzugehen hat. Neben dran lief der Fernseher und die meisten Anwesenden waren wohl nur da, um das Fussballspiel zu sehen. Unser Beamter füllte für die temporäre Einfuhr noch einen Wisch aus, wo er nochmals alle Daten des Fahrzeugs vom Carnet in ein Buch mit diversen Durchschlägen eintrug. Am Ende der langen und umständlichen Prozedur erhielten wir das Original der Durchschläge mit dem Verweis, dass wir dieses beim Verlassen von Ghana dem Zollposten abzugeben hätten. Im Zollgebäude konnten wir uns gleich auch noch über den Kurs von Euro zu Cedi informieren, womit wir einen Anhaltspunkt zum Wechseln hatten. Der Beamte wollte dann noch die Fahrgestellnummer mit der in den Papieren vergleichen, doch als er bemerkte, dass wir dafür das Ersatzrad von der Haube nehmen mussten, liess er es sein, denn sonst hätte er wohl das Fussballspiel versäumt. War uns auch recht so!
Vor dem Zollgebäude war nochmals ein Posten, welcher wiederum unsere Daten in eine dicke Kladde eintrug. Endlich waren die Grenzformalitäten abgeschlossen und wir konnten uns nun dem Geldwechseln widmen.
Der Mann hatte so geduldig gewartet und so bevorzugten wir ihn zum Geldwechseln. Im Zollgebäude war ein Kurs von 1 Euro = 11'465 Cedi angeschlagen. Wir erhielten von dem Mann trotz Protest von unserer Seite nur 11'000 Cedi für einen Euro. Nun bei diesem Kurs wechselten wir dann halt nur einen kleineren Betrag, denn die anderen Geldtauscher waren auch nicht bereit mehr zu bezahlen.
Die Strassen waren sehr gut ausgebaut, es gab sogar Leitplanken wie in Europa und wir kamen gut voran. Ein Polizeiposten hielt uns an und da ich gerade fuhr, hatte er seine Freude. Er wollte mir unbedingt seine Adresse und Telefonnummer geben, damit ich ihm eine Postkarte aus der Schweiz schicken kann. Charly reklamierte schon, kaum lass ich Dich fahren schon bist du am Flirten und lässt dir Adressen von fremden Männern geben (sonst war es immer er, der von den Frauen angelächelt wurde).
Gegen 17 Uhr erreichten wir Tamale. Wir überlegten, ob wir hier übernachten sollten oder ob wir es riskieren doch noch bis zum Mole Nationalpark zu fahren. Wir kauften Brot und entschieden uns für die letztere Variante.
Nachdem wir das übliche afrikanische Verkehrschaos von Tamale hinter uns gelassen hatten, fuhren wir auf guter Strasse weiter bis über den Weissen Volta. Bei der Überquerung von Brücken mussten wir immer 800 Cedis bezahlen, dass entspricht ca. 7 Eurocent. Der Aufwand für die Zahlstationen und den Angestellten war bestimmt höher als die Einnahmen, insbesondere da es nur sehr wenig Verkehr gab.
Als wir endlich die Lateritpiste zum Mole Nationalpark erreichten, fing es bereits an zu dämmern. Leider war die Piste in einem sehr schlechten Zustand, so dass wir nur noch langsam vorankamen.
Schon bald war es ziemlich dunkel und wir konnten die Fahrradfahrer, die alle ohne Licht fuhren, immer erst kurzfristig erkennen. Da wir aber nur langsam fahren konnten, war dies nicht wirklich ein Risiko. Die Schweine und Ziegen lagen auf der Piste, wenn wir durch ein Rundhüttendorf fuhren. Die Menschen hatten keinen Strom und oft erkannten wir die Dörfer nur durch ihre Lagerfeuer.
Als wir vor Damango an dem Schild „Catholic Guesthouse“ vorbeifuhren, hatten wir zwar nur noch 20 Kilometer zu fahren bis zum Park, doch wir entschieden uns im Guesthouse zu bleiben, da die Strasse schlechter wurde, wir zu müde waren und wir auch nicht wussten, ob wir nachts in den Park noch reinfahren konnten.
Wir fragten und nach anfänglichem zögern erlaubte uns der Nachtwächter vom Guesthouse das wir bleiben könnten. Er würde seinem Boss einiges zu erklären haben, meinte er nur. Wir würden gerne mit ihm reden, erwiderten wir, doch leider war sein Boss nicht anwesend. Auf unsere Frage, was wir denn zu zahlen hätten, meinte er, dass wir ihm geben könnten, was wir für richtig finden würden.
Anschliessend gingen wir in die Bar ein Bier resp. ein Mineralwasser trinken und waren mal wieder die einzigen Gäste. Das Radio war ziemlich laut aufgedreht und ging uns auf die Nerven. Die Schwarze, die uns bediente, war auch nicht gerade hoch motiviert und das Mineralwasser schmeckte ziemlich nach Chlor.
Unser Aufenthalt war entsprechend kurz. Auf dem Parkplatz vom Guesthouse durften wir übernachten, aber ruhig war es dort nicht. Der Fernseher und später das Radio waren sehr laut eingestellt gewesen.
Wegen dem hohen Geräuschpegel hatten wir nur sehr schlecht geschlafen. Früh morgens so gegen 5 Uhr, hörten wir schon wieder das Radio oder den Fernseher sowie lautes Palavern der Angestellten.
Um 6:30 schmiss ich Charly aus dem Bett und wir packten rasch zusammen. Wir bedankten uns nochmals, dass wir dort hatten übernachten dürfen und gaben dem Nachtwächter ein Trinkgeld, über das er sich sehr freute.
Auf dem Markt kauften wir nochmals Brot, weil wir nicht wussten wie lange wir im Nationalpark bleiben würden.
In Lambara, dem letzten Dorf vor dem Park, kauften wir noch Eier und wurden gleich von einigen Einwohnern des Dorfes belagert. Einer fragte nach einer Münze aus der Schweiz, welche wir ihm gerne gaben.
Der Eingang zum Park war schnell gefunden. Für den Eintritt mussten wir 40'000 Cedis pro Person zahlen, plus 4'000 für das Auto und 2'000 für die Fotografiererlaubnis.
Auf der kurzen Strecke zum Hotel sahen wir schon unsere erste Antilope. Im Hotel war man nicht so motiviert und wir mussten der Angestellten alles aus der Nase ziehen. Wir konnten schliesslich für 20'000 Cedis pro Person und Nacht campieren.
Kurz vor dem Abhang unter einem grossen Baum fanden wir ein geniales Plätzchen, wo wir nun ein paar Tage ausspannen wollten. Wir konnten in die Ebene sehen und dabei den Elefanten bei ihrem Bad zusehen. Wir zoomten, damit wie die Tiere möglichst gross auf den Fotos haben, bis wir bemerkten, dass im Camp ebenfalls 3 Elefanten spazieren liefen und gemütlich dabei an den Bäumen zupften. Sie waren keine 100 Meter von uns entfernt und schauten gelegentlich zu uns herüber.
Von unserem Platz aus konnten wir auch Meerkatzen und Paviane aus nächster Nähe beobachten. Manchmal kam ein Pavian auch etwas zu nahe.
Am Nachmittag kam ein Bus mit Leuten an, von einer ghanaischen Poliklinik, die eine kurze Besichtigungstour machten. Ruck-Zuck waren wir von vielen schwarzen Touristen umgeben. Witzig war, dass sie Fotos von uns machten, anstatt von den Tieren. Viel Zeit und Geduld hatten sie aber nicht und so waren alle schon bald wieder verschwunden. Die Mangos, die sie nur teilweise gegessen hatten, haben sie einfach liegen lassen.
Die Warzenschweinfamilie roch diese schon bald und kam mit hochaufgerichteten Schwänzen auf uns zugerannt. Freudig mit wohligem Grunzen machten sie sich über die Mangos her und wir hatten die Chance direkt vor unserer Hütte tolle Aufnahmen zu machen.
Mana und Osma, zwei Buben aus dem Nachbardorf, kamen uns besuchen und plapperten unentwegt. Alles wollten sie wissen!
Die Kinder und Frauen aus den umliegenden Dörfern müssen den Hang hier hinunter gehen, um im Pool der Elefanten ihr Wasser für die Wäsche zu holen, da es in den Dörfern nicht genügend Wasser gab. Alle mussten abwarten bis die Elefanten endlich ihr Bad beendet hatten, damit sie waschen konnten. Die Krokodile im Teich haben sie dabei wenig gestört.
Wir haben auch eine deutsche Volontärin (Gianna) getroffen, die im Busch in einem Krankenhaus als einzige Weisse arbeitete. Sie hatte einige Episoden zu erzählen und wir zeigten ihr stolz unseren Snoopy, da es sie interessierte.
Der Tag war schnell vergangen und wir haben später bei einem Bier noch Pauline und Cederick, ein belgisches Pärchen, kennen gelernt. Sie sind mit einem alten Landrover unterwegs und wollen ausschliesslich Westafrika durchfahren und evtl. ihr Auto in Bamako verkaufen.
Unser Abendessen haben wir im Restaurant eingenommen, da wir zu faul zum Kochen waren.
Den Weckdienst übernahm heute ein grosses Pavianmännchen, der auf dem Dach von Snoopy herumturnte und sich unsere Tonne als Aussichtsturm ausgesucht hatte. Das Auto schaukelte von dem Gewicht des Tieres und wir konnten ihn beobachten, wie er an allem herumzupfte.
Etwas später beobachteten wir, wie auf dem Landrover gegenüber ein anderes Pavianmännchen geklautes Brot auf dem Dach genüsslich verspeiste.
Wir standen auf und bereiteten unser Frühstück zu. Wir sassen so da und tranken unseren Kaffee, als plötzlich ein grosses hellbraunes Affenmännchen (Husaren-Affe) zu uns kam und sich gegenüber an unserem Tisch kurz bequem machte. Er schaute uns an, wir schauten ihn an und SCHWUP hatte sich das Vieh unser Brot geschnappt und weg war er damit. Ich konnte nur noch entsetzt „HEY“ rufen und dem Affen hinterschauen. Wir hatten zwei Sorten von Brot gekauft und der Affe hatte sich natürlich das grössere geschnappt. So dumm sind Viecher gar nicht.
Wir unterhielten uns mit den Belgiern noch ein kurze Weile und verabschiedeten uns danach von ihnen, da sie heute weiterfuhren.
Wir waren den ganzen Tag damit beschäftigt die Tiere in der Ebene sowie auf dem Hotelareal zu beobachten. Ich blickte angestrengt zu den Elefanten im Pool hinunter, als ich plötzlich einen Elefanten direkt hinter unserem Auto durchmarschieren sah. Er war vielleicht 1 2 Meter vom Auto entfernt und Snoopy wirkte winzig im Verhältnis zum Elefanten.
Am Nachmittag unterhielten wir uns mit Chris aus Benin und seiner befreundeten deutschen Familie. Chris war vor 6 Jahren aus Deutschland nach Benin gekommen und hat sich dort eine Existenz aufgebaut. Sie hatten Probleme, da im Hotel keine CFA akzeptiert wurden und sie weder Kreditkarten noch Cedis hatten (einheimische Währung von Ghana). Sie fragten uns, ob wir ihre Rechnung auf unsere Kreditkarte übernehmen könnten und sie würden uns dafür CFA geben. Wir hatten jedoch selber schon zu viel CFA und wollten lieber nicht noch mehr davon haben. Sie fanden dann aber eine Lösung, indem ein Angestellter vom Hotel mit den CFAs nach Tamale zum Wechseln fuhr. Das Hotel will zwar international sein, aber wechseln kann man hier nicht.
Später schwamm Charly ein Runde im Swimming Pool. Ich hatte keine Lust dazu, weil ich mir wieder einmal die Schultern verbrannt hatte.
Am Abend kochten wir uns Hörnchen mit Tomatensauce, welche wir umgeben von einer Warzenschweinfamilie und bei Mondschein assen.
Heute haben uns die Affen am Morgen in Ruhe gelassen und so konnten wir mal wieder ausschlafen.
Nach dem Frühstück kam ein Angestellter des Hotels und hat sich ganz lange mit uns über die Situation der Einheimischen in Ghana sowie über den Mole N.P. unterhalten. Leider gibt es auch hier einige Wilderer. Er erzählte auch, dass letztes Jahr ein alter Löwe viele Ziegen und Kühe gerissen hätte, worauf die Bevölkerung den Löwen erschossen und diesen anschliessend verzerrt habe. Das Fleisch sei gut, aber süss gewesen, meinte er noch. Nun ja, unser Geschmack wäre es nicht gewesen.
Gerne sassen wir auf dem Plateau, direkt vor unserem Auto und beobachteten die Tiere. Affen kamen auch wieder vorbei und natürlich mussten wir wieder ein paar Paviane vom Auto runter jagen.
Ich schrieb anschliessend etwas Tagebuch, während Charly in die Hotelanlage ging und ein Bier trank.
Ich wollte etwas später nachkommen, sobald ich geduscht hatte. Leider gab es wieder einmal kein Wasser. Sauer ging ich zum Hotel und Charly meinte, dass es bei den Herren Wasser gegeben hätte. Er hatte schliesslich kurz vorher ausgiebig geduscht. Nachdem ich meinen Ärger mit einem Bier runtergespült hatte, liefen wir beide zur Herrendusche. Dort kam auch nur noch spärlich Wasser, aber es reichte knapp zum Haare waschen und duschen. Charly bewachte solange die Badezimmertür, wurde aber von den Elefanten und Warzenschweinen vor dem Gebäude abgelenkt und musste auch zwischendurch wieder mal ein paar Affen vom Auto vertreiben. Ganz schön stressig!
Nach der Dusche beobachtete auch ich, wie der Elefant im Garten vor den Zimmern genüsslich die Pflanzen ausriss und verspeiste, während Familie Warzenschwein auf den Knien den Rasen pflegte.
Charly holte seine Kamera mit dem grossen Objektiv und machte sich auf die Pirsch. Er schlich sich an den Elefanten heran und konnte ein paar Fotos schiessen, wie dieser den Garten zerpflückte. Später setzte er sich weiter unten, über 50 Meter entfernt, auf einen Stein und konnte beobachten, wie der Elefant sich streckte musste, damit er die Blätter in den Bäumen fressen konnte. Der Elefant kam bei seinem Fressgelage immer näher zu Charly hin und Charly hätte das Zäpfchen im Rachen des Elefanten fotografieren können, so nahe kam der Elefant. Nachdem er weniger als 5 Meter weg war, musste ich Charly doch rufen, dass er nicht so Nahe an den Elefanten ran soll. Unschuldig behauptete er, der Elefant sei schliesslich zu ihm gekommen und nicht umgekehrt. Ich denke er hatte Glück ein gutmütiges Tier erwischt zu haben, dass auf den Hinterbeinen kehrt machte, als Charly aufstand. Der Elefant war nämlich so mit Fressen beschäftigt gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass ein Mensch in seiner Nähe war.
Natürlich hatten wir wieder diversen Affenbesuch, neben den scheuen Meerkatzen gesellten sich Paviane und später auch die hellbraunen Brotklauer.
Wir beschlossen schwimmen zu gehen und gingen zum Pool. Chris und seine Freunde waren auch da. Nach ein paar gemütlichen Runden stiegen wir wieder aus dem warmen Pool. Wirklich erfrischend war das Bad aber nicht gewesen. Anschliessend wollte ich duschen und wieder gab es kein Wasser. Ich suchte einen Angestellten und erklärte ihm mein Anliegen und siehe da, in kürzester Zeit gab es Wasser. Um Wasser zu sparen wird nämlich immer der Haupthahn zugedreht.
Nach der Dusche konnten wir dafür wieder die afrikanische Logik bewundern, denn der Schlauch, der den Tank befüllen sollte, war höchst undicht und massenweise spritzte Wasser nach allen Seiten. Ein amerikanisches Girl hatte kurzerhand ihre Dusche dort genossen, da auch beim Pool die Duschen kein Wasser hatten.
Unser Abendessen hatten wir im Hotel bestellt. Es gab wieder mal keinerlei Gemüse, so dass ich keinen spanischen Reis bestellen konnte. Das Steak mit Paprika und Zwiebeln wäre nur ohne Paprika möglich und zu Charlys Entsetzen, gab es nicht mal seine geliebten Pommes. Jam, eine einheimische Knolle, wurde als Ersatz angeboten. Diese war leider etwas trocken und kann den Pommes nicht das Wasser reichen. Nun ja, das Fleisch und die Sauce waren fein und mit Bier zum Spülen brachten wir auch die Jam Friten runter.
Wir sassen bei Chris und seinen Freunden und unterhielten uns noch eine ganze Weile. Chris hatte noch ein paar gute Tipps für uns, wo wir übernachten konnten, wo es in Togo deutsche Wurst und Brot gab und was in Ghana noch so alles sehenswert ist.
Die Hotelangestellten hatten schon um 22 Uhr den Laden dicht gemacht, dafür konnten wir dem Nachtwächter, mit seinem übergrossen Robin-Hood-Hut, bei seinen Reggaeübungen zusehen.
Im Morgengrauen kurz nach 5 Uhr kam eine Rasselbande von Paviane und nahmen unser Auto unter Beschlag. Ein frecher Affe guckte durch ein Fenster in unsere Kabine, ein anderer turnte auf der Tonne herum. Das ganz Auto wackelte mal wieder. Charly wurde es zu bunt und versuchte die Affen vom Auto zu verscheuchen. Die Betonung lag auf „VERSUCHTE“, denn die Affen nahmen die Angelegenheit nicht so ernst und schon bald sass wieder ein Affe auf dem Auto.
Andere Touristen kamen und sahen dem Spektakel zu. Sie setzten sich am Abhang auf ein paar Steine und beobachteten die Affen bei ihrem Spiel. Ein Affe setzte sich ihnen ganz frech gegenüber und beobachtete die Touristen ungefähr mit gleichem Gesichtsausdruck. Wir mussten alle lachen über die Dreistigkeit der Tiere.
Ihre Babys turnten an den Ästen herum und ritten mal schnell ein Stück bei Mama auf dem Rücken mit bzw. klammerten sich an deren Bauch fest. Es war ein richtiger Kindergarten mit ca. 8 Jungtieren.
Die Fellpflege kam auch nicht zu kurz, sie lausten sich gegenseitig in allen möglichen Posen.
Impalas grasten am Ende des Abhangs und die ersten Elefanten kamen zum Baden. Da um 7 Uhr die Fusssafari losging, hatten wir die Aussicht bald wieder für uns allein.
Es kamen immer mehr Elefanten, die je näher sie zum Wasser kamen desto eiliger hatten. Sie stürzten sich ins kühlende Nass und spielten U-Boot, rangelten mit den Rüsseln oder ärgerten sich gegenseitig, in dem einer den anderen untertauchen wollte.
Chris und seine Freunde verabschiedeten sich, da sie heute über Burkina Faso nach Benin zurückfahren wollten.
Wir gingen anschliessend eine kühle Cola trinken und genossen dabei die Aussicht vom Hotel aus. Den Rest von meiner Cola gab ich einem kleinen Mädchen, welche das Getränk scheu nahm und genüsslich langsam leer trank.
Wieder beim Auto waren wir bald wieder umzingelt von den Jungs, die im Elefantenpool ihr Waschwasser holen mussten. Auch Mana und Osma, die beiden Jungs aus dem Nachbardorf waren wieder dabei. Gemäss ihrem Lehrer hatten sie einen Feiertag, aber keiner wusste was für ein Feiertag das sei.
Das restliche Weissbrot schmeckte uns nicht und so braute ich uns eine Suppe zum Frühstück.
Charly war müde von der morgendlichen Aktion und schlief danach bis am Nachmittag, während ich wieder einmal unser Tagebuch pflegte.
Mana schlich sich in unser Auto und wollte es sich gerade bequem machen, als Charly ihn rausschmiss, mit der Bemerkung, das ist ein frecher Siech.
Am Nachmittag erhielten wir wieder ausgiebigen Affenbesuch. Auch die Mütter mit ihren Kleinen kamen vorbei. Die Affen tollten herum und natürlich war Snoopy wieder ein magischer Anziehungspunkt für sie. Schnell erklomm mal dieser, mal jener Pavian das Dach unseres Gefährtes und wir waren ständig damit beschäftigt sie wieder vom Auto runter zu jagen. Ein frecher, jüngerer Pavian meinte er müsse mir drohen, doch mit einem grossen Stock flösste ich ihm dann doch Respekt ein. Fasziniert schauten wir dem Spektakel zu.
Wir lernten Eva von Belgien kennen, die hier in Ghana ein halbes Jahr als Physiotherapeutin in einem Krankenhaus in der Nähe von Kumasi arbeitet. Ebenso lernten wir Margret aus Neuseeland kennen, die als Krankenschwester bis Ende Oktober in Liberia ihr Bestes gibt.
Uns ist aufgefallen, dass es in Ghana sehr viel junge Leute gibt, die für 6 Monate als Volontäre arbeiten.
Charly unterhielt sich ausführlich mit Eva und zeigte ihr anschliessend unser Fahrzeug. Von so einem Fahrzeug hätte sie schon immer geträumt, meinte sie und es sei gut zu wissen, dass es so was gibt.
Nachdem sich die Affenbande verzogen hatte, gingen wir alle im Hotel ein Bier trinken. Die Angestellten im Hotel waren alle sehr nett und zuweilen auch zu einem Scherz aufgelegt. So unfreundlich wie es im Reiseführer beschrieben wurde, haben wir die Leute hier nicht erlebt.
Als das Essen von Eva und Margret kam, verzogen wir uns in unser Gefährt und kochten unser Abendessen.
Später gingen wir nochmals zum Hotel, doch da keiner mehr da war, kehrten wir wieder um. Auf dem Rückweg wären wir fast über Familie Warzenschwein gestolpert, die wir aus ihrem Schlaf aufschreckten. Mama Warzenschwein drohte und ihre Zöglinge liefen aufgeregt davon.
Früh um 5:30 Uhr wurden wir schon wieder von den Pavianen geweckt, da sie wieder auf Snoopy herumturnten. Charly blieb nichts anderes übrig als die Plagegeister mit einem Stock vom Auto zu vertreiben.
Die Elefanten machten sich schon wieder auf den Weg ihr Bad im Teich zu nehmen, einige Antilopen grasten in der Ebene - welch ein friedliches Bild sich uns da bot!
Eva und Margret sowie weitere Touristen kamen auch bald hinzu, um die morgendliche Szenerie des Nationalparks zu geniessen.
Auf dem Platz vor dem Hotel waren wieder 2 Elefanten auf Futtersuche und wir erfreuten uns an ihrem gemütlich Anblick.
Um 7 Uhr begann wie jeden Morgen die Walking Tour mit dem Ranger und wir hatten unser herrliches Plätzchen wieder für uns allein.
Wir stellten den Tisch wieder in Position und konnten so bei unserem Frühstück in die Ebene schauen und die Tiere beobachten. Wie Sonntag morgens zu Hause, da haben wir auch immer Tierfilme im Fernseher angeschaut, nur dass wir hier life die Tiere beobachten konnten.
Es war schwierig, doch es gelang uns, uns auf zuraffen und wir packten unsere Sachen zusammen. Bis wir fertig waren, kamen auch schon die ersten Ausflügler von ihrer Tour zurück.
Wir beeilten uns, dass wir unter die Dusche kamen, bevor es wieder kein Wasser gab. Unter der Dusche war es jedoch wie fast jeden Tag. Das Wasser kam nur sehr spärlich als dünner Rinnsal aus der Brause und wenn man den Duschkopf zu hoch hielt, dann tröpfelte das Wasser nur noch. Irgendwie haben wir es geschafft uns trotzdem zu duschen.
Das Zahlen an der Rezeption erwies sich als gar nicht so einfach, da uns drei Cheeseburger verrechnet worden waren, die wir gar nicht hatten. Die Verwirrung der Angestellten war gross, doch da jede Rechnung unterschrieben werden musste, konnten wir gut nachweisen, dass dies nicht unser Konsum war. Die Steuer wird in Ghana vom Betrag zurückgerechnet und so hatte die nette Lady an der Rezeption eine ganze Weile zu tun, bis sie die neue Rechnung von Hand ausgestellt hatte. Natürlich wurden wieder X Kopien angefertigt, wie es halt so ist in Afrika.
Schliesslich konnten wir unsere Rechnung mit der Kreditkarte begleichen und liefen zurück zum Auto.
Die Wolken hinge heute tief und es sah nach Regen aus. Wir fuhren los und machten noch einen kurzen Stopp in Larabanga. Wir fotografierten die alte Moschee, welche im sudanesischen Lehmbaustil erbaut wurde. Gleich waren wir wieder unter Beschlag genommen worden von der jungen lokalen Bevölkerung. Man fragte aber höchstens nach ein paar Stiften für die Schule, ansonsten waren sie einfach nur neugierig, woher wir kamen und wie wir hiessen.
Bald erblickten wir Eva und Margret, die hier mit ihren gemieteten Fahrrädern unterwegs waren und jede von ihnen hatte 3-4 kleine Kinder an der Hand. So schnell geht das in Afrika. ;-)
Wir verabschiedeten uns von ihnen und fuhren auf der Piste die 87 km zurück zur Teerstrasse.
Die Piste war in einem sehr schlechten Zustand, das Wellblech war sehr hoch und wir mussten teilweise sehr langsam fahren, da es uns sonst von der Strasse gerüttelt hätte. Wir dachten schon unser Snoopy fällt bald auseinander. Zu allem Übel begann es auch noch zu regnen und es war schwierig die Tiefe der Schlaglöcher zu erkennen.
Die Dörfer am Wegesrand waren wie ausgestorben, nur wenige waren bei diesem kräftigen Regenschauer unterwegs. Dümmer war es für die unterwegs liegengebliebenen LKWs. Wieder sahen wir einen umgestürzten LKW, der wahrscheinlich wegen der überhöhten Geschwindigkeit auf der Wellblechpiste umgekippt war.
Als wir endlich die Teerstrasse erreichten, war dies für uns eine richtiggehende Erlösung. Es regnete immer noch, jedoch nicht mehr so stark. Charly pumpte also am Strassenrand die Räder wieder auf, damit wir mit höherer Geschwindigkeit weiterfahren konnten. Auf schlechten Pisten ist es besser etwas Luft aus den Reifen zu lassen, damit wird die Fahrt angenehmer.
Kurz vor Kintampo besuchten wir den Wasserfall. 30'000 Cedis kostete der Eintritt für uns beide. Wir hatten Glück, hier hatte es noch nicht geregnet. Die Wolken aber zeigten, dass es nicht mehr lange dauern würde. Wir beeilten uns und liefen zuerst zu dem kleinen Wasserfall, der über eine Steinkante und diversen Löchern nach unten fiel. Dort aber verschwand das Wasser spurlos zwischen den Felsen und man konnte dem Wasserlauf nicht folgen.
Wir liefen zurück zum Kiosk und weiter zum grossen Wasserfall von Kintampo. 152 Stufen mussten wir hinunterlaufen. Das Wasser fiel zwischen dem tropischen Grün in die Tiefe. Einige junge Einheimische sassen unter dem Wasserfall und nutzen diesen als Wasserrutsche und Dusche.
Auf dem Weg zurück zum Auto fing es an zu regnen. Beim Kiosk bot man Mangos an und da wir nicht die ganze Kiste für 20'000 Cedis kaufen wollten, schenkte man uns die zwei Mangos die wir haben wollten. Wir hatten beim besten Willen keinen Platz für so eine grosse Kiste voller Mangos, auch wenn man dafür nur 2 Euro verlangte.
In Kintampo hielten wir kurz an und kaufen Brot und Bananen. Die Bananen waren soooooo lecker! - dazu assen wir von dem frischen süssen Brot - igit!
Gleich nach dem Ort, war auch schon unser nächstes Reiseziel ausgeschildert. Wir wollten den Affen von Boabeng-Fiema Monkey Sanctuary einen Besuch abstatten. Dorthin führte wieder eine Piste, diesmal aber in einem guten Zustand. Nur eine Holzbrücke liess uns etwas zögern.
Die Einwohner der Dörfer durch die wir fuhren, freuten sich über uns. Alle winkten und einer meinte sogar, wir sollen doch bei ihm essen. Die Bevölkerung von Ghana ist wirklich sehr lieb und kontaktfreudig, ohne dabei aufdringlich zu sein.
Im Reservat angekommen, hiess es gleich das einzige Guesthouse ist ausgebucht. Kein Problem für uns, da wir unser Bett ja immer dabei haben. 40'000 Cedis pro Person kostet der Eintritt und 15'000 der Camping pro Person.
Die erste Tour zum Dorf Boabeng wird von einem Ranger begleitet und er zeigte uns den Weg zum Dorf und erklärte noch so einige Besonderheiten der Vegetation sowie über die beiden Affenarten, die es hier gibt. Die kleineren braun-bunten Affen werden Mona-Affen genannt, sind oft im Dorf und klauen den Bewohnern die Lebensmittel. Die schwarz-weissen Colobus-Affen sind etwas scheuer und meist ausserhalb des Dorfes, in den Baumwipfeln zu finden.
Fasziniert schauten wir im Dorf den Mona-Affen zu, wie sie die (geklauten?) Mangos frassen und ableckten. Einige waren keck und machten sich über die Vorräte eines Dorfbewohners her. Die Clique liess sich nur schwer vertreiben.
Eine junge Frau war gerade dabei geraspelte Jams zu rösten. Diese werden mit Milch und Zucker gerne wie bei uns Haferflocken gegessen, aber man kann auch mit Wasser und Salz eine Art Suppe daraus machen. Leider erlaubte es uns die junge Frau nicht ein Foto zu machen, wie sie die Flocken über offenem Feuer röstete.
Wir liefen zurück in den Wald, wo einige Pfade mit Namen angelegt waren. Viele Bäume hatten kleine Namenschilder, die anzeigten wie der Baum in Twi und in lateinisch heisst.
Wir konnten in den Baumwipfeln einige Colobus-Affen beobachten.
Auf unserem Rückweg kamen wir auch an dem Affenfriedhof vorbei, wo die Einwohner die heiligen Tiere beerdigen. Neben den Affen war auch der älteste Mann, ein Priester, beerdigt. Er war 120 Jahre alt geworden. Neben ihm lag ein Fetischpriester, der bereits mit 50 Jahren gestorben war.
Zurück beim Auto gaben wir dem Ranger ein Trinkgeld. Da es beim Guesthouse mangels Kühlschrank keine kühlen Getränke gab, liefen wir zurück zum Affendorf. Dort fanden wir Martha, die einen kleinen Getränkeladen führt. Wir tranken zwei kühle Star-Biere bei ihr.
Einige Dorfbewohner kamen vorbei um kaltes Wasser in Beuteln zu kaufen, dabei wurde dann gerne ein kleiner Schwatz abgehalten. Der eine oder andere fragte interessiert, wo wir herkommen und wie lange wir schon unterwegs sind, usw. Ein jüngerer Mann sprach uns sogar in Deutsch an. Er hatte mehrere Jahre in Deutschland, Holland und Belgien gearbeitet. Alle waren sehr nett und keinem kam es in den Sinn uns anzubetteln, welch eine Wohltat. Friedlich konnten wir dem Dorfleben unsere Aufmerksamkeit schenken.
Auf dem Rückweg wurde es dann schon dunkel und wir waren froh eine Taschenlampe mitgenommen zu haben.
In der Dunkelheit kochten wir unser Abendessen, Rösti mit Eier, die wir zuvor im Dorf gekauft hatten.
Ein Bus kam und entlud eine Bande junger Kanadierinnen, die hier bereits seit 5 Wochen die Primaten studierten. Wir hatten sie bereits im Mole National Park getroffen. Wie klein die Welt doch ist.
Später setzte sich ein Mann gegenüber von unserem Auto und es stellte sich heraus, dass er unser Nachtwächter war.
Bevor wir zu Bett gingen, nahmen wir noch eine Dusche, welche das erste Mal so richtig erfrischend, ja fast kalt war.
Schon vor 7 Uhr waren wir wach und konnten es nicht erwarten, nochmals die lebhaften flinken Affen zu sehen.
Wir hatten aber gar nicht gut geschlafen, obwohl es herrlich kühl war mit 26°C. Wir waren beide übersäht mit stark juckende Stichen an Beinen und Armen. Wir waren überzeugt, dass uns die Paviane vom Mole National Park ein paar Souvenirs, namens Flöhe, hinterlassen hatten. Wir kratzten was das Zeug hielt, trotz Insektenmittel hatten wir wieder neue Stiche bekommen. Auch der nächtliche elektrische Mückenschutz hatte nicht geholfen.
Wir machten uns noch vor dem Frühstück auf den Weg zum Affendorf Boabeng. Wir liefen das Stück durch den Wald zum Dorf.
Es waren viele kleine Mona-Affen zu sehen, die alle an ihren Mangos leckten. Zwischendurch ärgerte der eine Affe den anderen und die Jungtiere spielten Fangen. Wir setzten uns auf ein Brett am Boden und sahen dem Treiben begeistert zu. Charly machte viele Fotos, leider hatte ich vor lauter Vorfreude vergessen ein neues Band mitzunehmen und so war ich schnell am Ende mit meiner Filmerei.
Drei kleine Kinder kamen auf uns freudestrahlend zu und forderten uns auf „Mister - make picture“. Nach anfänglicher Skepsis folgten wir ihrer Aufforderung und erwarteten danach die Aufforderung Geld zu geben, doch die blieb aus. Die kleinen Rotznasen wollten wirklich einfach nur fotografiert werden.
Wir liefen noch einwenig durch das Dorf, doch konnten wir keine weiteren Affen entdecken und so gingen wir zurück in den Wald um die schwarz-weissen Colobus-Affen zu suchen.
Wir wurden bald fündig. Auch die Kanadierinnen waren schon mit ihren Schreibtafeln da und notierten diverse Sachen. Leider waren die Affen ziemlich hoch in den Baumwipfeln und oft hatten wir auch noch Gegenlicht, so dass wir anfänglich gar keine guten Bilder machen konnten.
Wir liefen den Mango-Trail (-Weg) weiter und hatten bald eine ganze Affenhorde entdeckt. Die schwarz-weissen Affen hatten lange weisse Schwänze und einen weissen Kranz um das Gesicht, der Rest war schwarz. Ihr langen Eckzähne waren in den Mundwinkeln sichtbar. Eine ganze Schar sprang in atemberaubendem Tempo von Baum zu Baum. Es wurde einem ganz schwindlig ihnen bei ihren Eskapaden zu zusehen.
Wir liefen den Weg immerweiter und man konnte an den zahlreichen grossen Spinnennetzen deutlich erkennen, dass hier schon lange keiner mehr entlang gelaufen war. Die Netze waren mit sehr stabilen Fäden gesponnen und zerrissen nicht einmal, wenn man hineinlief. Charly hatte natürlich wieder einmal mehr Probleme, denn wo ich noch bequem unten durch schlüpfen konnte, blieb er mit der Stirn hängen. Die Spinnen fanden dies natürlich überhaupt nicht toll und setzten sich jeweils drohend in die Netzmitte. Da wir keine weiteren Affen sahen und uns der Weg immer seltsamer vorkam, kehrten wir um.
Später konnten wir doch noch ein paar hübsche Nahaufnahmen von den Colobus-Affen machen, da sie sich nun etwas zutraulicher näherten. Man musste nur aufpassen, dass ihre Exkremente nicht auf uns herunterregneten. Wir hörten nur zu deutlich ihre morgendlichen Toiletten-Geräusche.
Auf dem Rückweg zum Guesthouse haben wir den mächtigen Baum fotografiert, von welchem Latex, also Gummi, gewonnen wird. Die Kerben waren deutlich zu sehen.
Zurück beim Auto bereiteten wir hungrig unser Frühstück zu. Rühreier, hmmm!
Den restlichen Tag verbrachten wir mit der Aktualisierung unserer Webseite, welche wir in Kumasi, der zweitgrössten Stadt von Ghana aufschalten wollten.
Bevor wir schlafen gingen, genehmigten wir uns noch eine herrlich erfrischende Dusche und fanden anschliessend unseren Nachwächter laut und selig schnarchend auf der Veranda des Besucherzentrums. Grinsend liefen wir an ihm vorbei.
Wieder haben uns die „Flöhe“ vermöbelt und wir waren noch mehr verstochen als vorher. Doch die Freude heute nochmals die Affen zu besuchen überwog. Schon kurz nach 7 Uhr waren wir auf dem Weg.
Im Dorf mussten wir aber feststellen, dass die Affen keine Frühaufsteher sind und so konnten wir nur wenige Mona-Affen im Dorf entdecken. Aus diesem Grund liefen wir bald wieder in den Wald und fanden die Colobus-Affen hoch oben in den Baumwipfeln. Etwas enttäuscht, dass ich mit meiner Videokamera keine gute Aufnahmen machen konnte, liefen wir weiter.
Die Dorfbevölkerung war auch schon fleissig und sie trugen alle möglichen Sachen auf dem Kopf durch den Wald.
Wir hörten es immer häufiger verdächtig rascheln und siehe da, die Colobus-Affen sprangen von Baum zu Baum und kamen immer näher. Zum Schluss waren sie sogar auf dem Boden und spielten auf dem Weg. Sie sprangen und hüpften, wobei sie sich auch ein paar Schaukämpfe mit einigen Mona-Affen leisteten. Es war fantastisch und wir konnten uns gar nicht satt sehen. Die Geschwindigkeit die dabei gezeigt wurde, war berauschend. Wir konnten kaum mit unseren Kameras folgen.
Schliesslich hatten wir genug von dem Affentheater, da unsere Mägen schon knurrten und liefen zurück zu Snoopy.
Wir lasen und wuschen Wäsche, wobei man das Wasser vom Brunnen heraufpumpen musste. Eine mühselige und zeitraubende Angelegenheit. Die Wäsche hing schliesslich sauber zwischen dem Mangobaum und Snoopy. Verschwitzt wie ich war, genehmigte ich mir anschliessend eine ausgiebige kühle Dusche.
Die letzte wie es sich bald herausstellte, denn der grosse Wassertank war leer. Die zuständige Person war leider nicht aufzutreiben und so wurde einfach ein Schild vor dem WC platziert mit der Aufschrift: „Geschlossen kein Wasser.“ Die Wasserspülung funktionierte nämlich auch nicht mehr, da das Wasser aus dem gleichen Tank stammte. Armer Charly keine Dusche heute. Die afrikanische Lösung war kein Wasser kein WC. Gott sei Dank hatten wir kein Bedürfnis zu der Zeit.
Später kam der Guesthouse-Verwalter und bot uns an, die Duschen und WCs vom Guesthouse zu benutzen. Nett von ihm - nur die WCs und Duschen hatten auch dort kein Wasser und man muss vorher mit dem Eimer Wasser vom Brunnen holen. Nun ja, besser als nichts.
Wir sind jedoch gut ausgerüstet und füllten am Abend die Solardusche mit Wasser und Charly konnte trotzdem seine Dusche geniessen.
Nach einem kurzen Müsli, wurde Snoopy startklar gemacht. Wir zahlten pro Tag und Person 15'000 Cedis und wurden herzlich verabschiedet vom Camp.
Wir fuhren auf der holprigen Piste nach Nkoranza. Wir waren erstaunt, dass dieses Städtchen hier im Nirgendwo so gross und modern war. Doch der Grund war schnell gefunden, denn ein Hinweisschild informierte uns darüber, dass hier Tabak angebaut wird und entsprechend auch ausländische Investoren da waren.
Die Leute freuten sich über unser kommen und winkten uns von allen Seiten zu.
In der Stadtmitte mussten wir dann abbiegen nach Techiman. Die Strasse war nun seit Ortsbeginn geteert und in einem guten Zustand.
Ein paar Jungendliche sassen vor einer Hütten und riefen zu mir herüber „Fuck you, woman.“ Ich dachte zuerst ich hör wohl schlecht. Wir hielten an und setzten zurück. Ich fragte den Halbstarken, was er denn da eben gerufen habe. Dieser erzählte nun eine ganz andere Geschichte, er hätte gesagt der Stadtkern sei dort und zur Ortschaft sowieso müsse man da lang. Ich sagte ihm gerade raus, dass er lügt und beschimpfte ihn. Da er frech zu lachen anfing, öffnete ich grimmig die Tür und er rannte weg. Sehr zum Gespött seiner Kumpane. Eine ältere Frau gesellte sich hinzu und ich fragte sie erbost, ob dies ihre Erziehung hierzulande sei, nachdem ich sie vorher kurz aufgeklärt hatte. Die Frau wusste nichts zu antworten.
Zufrieden den gemeinen Teenager in die Flucht geschlagen zu haben, fuhren wir weiter. Die Landschaft war hügelig und sehr grün. Die Menschen waren fleissig dabei ihre Waren vom Feld zu holen und auf dem Kopf balancierend abzutransportieren.
In Techiman bogen wir ab und fuhren in Richtung Kumasi. Die Strecke war im Reiseführer mit miserablen Schlaglöchern beschrieben worden, doch ausser das die Ränder ausgebrochen waren am Strassenrand, fanden wir, dass die Teerstrasse gar nicht so schlecht war.
Einige LKW galt es im rasenden Tempo zu überholen, doch man liess uns immer gut vorbeifahren.
In Kumasi fanden wir dann das beschriebene Strassenverkehrschaos mit riesigen, sehr tiefen Schlaglöchern. Der Verkehr zwängte sich zwischen den Löchern durch und auch wir quetschten uns durch das Chaos, zwischen den Bussen und LKWs und am Markt vorbei.
Wir wollten ursprünglich zu Roses Guesthouse, doch nachdem wir es endlich gefunden hatten, mussten wir feststellen, dass es renoviert wurde. Nächste Woche wäre es wieder geöffnet, meinte ein Arbeiter. Charly antwortete: „Ne, ne vielleicht in 10 Jahren“. Der Mann antwortete erstaunt: „Ne - nächste Woche wären sie bestimmt fertig“. Er hatte nicht verstanden, dass wir nicht so lange in der Stadt sein würden und wir lachten.
Schliesslich fanden wir das Presbyterian Guesthouse, dass zu einer Mission gehörte und wo wir im grossen Vorgarten unter einer Palme ein schattiges Plätzchen gefunden hatten.
Sogleich machten wir uns auf die Suche nach Brot und konnten dies auch an einem Strassenstand zwei Blocks weiter kaufen.
Wir hatten so Hunger, dass wir unverzüglich mit dem Brot auch unsere Wurst-Vorräte plünderten.
Da Sonntag war, war alles geschlossen auch das Restaurant in der Mission. Es gab kein Bier und so machten wir uns am Abend auf den Weg zur Bar „Eclipse“. Wir sassen draussen und tranken unser Bier und schauten zu, wie immer mehr Essensstände am Strassenrand aufgebaut wurden. Eine junge weisse Frau kam zur Bar und ging anschliessend zu einem Essensstand und kaufte sich Nudeln mit einer Art Gulasch. Das Essen wurde ihr in die Bar getragen, wo sie eine Fanta bestellte.
Erstaunt verfolgten wir den Vorgang und waren gleich motiviert, ihr es gleich zu tun. Ich lief also über die Strasse und bestellte das gleiche Essen.
Der Teller wurde gefüllt und eine Frau trug neben mir den Teller zur Bar. Das Essen war zwar schon kalt aber sehr lecker.
Das Essen kostete nur 7'000 Cedis (nicht mal 70 Eurocents). Ich gab 10'000 Cedis und der Mann meinte, die Frau bringe mir später das Wechselgeld. Da es kein hoher Betrag war, dachte ich, dass ich es riskiere und abwarte, ob man mir wirklich das Geld bringen würde. Nach dem Essen kam die Frau und putzte den Tisch, gab mir aber kein Wechselgeld. Ich hatte schon das Geld abgeschrieben, als die Frau wiederkam und mir das fehlende Geld gab. Ich freute mich über die Ehrlichkeit und gab ihr ein Trinkgeld.
Wir liefen zurück zur Mission und trafen dort bald darauf die junge weisse Frau wieder. Sie hatte uns schon im Mole Park und auch bei dem Affendorf gesehen, da sie zusammen mit den Kanadierinnen ein Stück gemeinsam unterwegs war. Es sei ihre erste Reise in ein Drittweltland meinte sie und wir erzählten ihr, dass wir Ghana als eines der zivilisiertesten Länder in Westafrika bis anhin erlebt hatten. Vielleicht sehen wir sie wieder, denn wie will nach Pobe in Benin, wo sie Ärzten helfen will eine Art Optikereinrichtung in diversen Dörfern zu installieren. Eigentlich studierte sie Jura und hat diesen Job nur wegen ihren guten Französischkenntnissen erhalten. Anschliessend will sie nach Tansania und dann weiter nach Südafrika. Wir verabredeten uns spasseshalber in Kapstadt.
Gefrühstückt haben wir heute in der Mission, wo man für wenig Geld wenig frühstücken kann.
Da unsere Versicherung am 27.05.2005 abgelaufen war, kümmerten wir uns zuerst um eine neue Versicherung und Carte Brune. Nach einiger Suche fanden wir die Versicherung Vanguard.
Für Ghana mussten wir eine separate Versicherung abschliessen, da die Carte Brune erst ausserhalb von Ghana ihre Gültigkeit hat. Die Carte Brune gilt immer erst im nachfolgenden Land, deshalb muss im Land, wo die Versicherung abgeschlossen wird, eine einheimische separate Versicherung abgeschlossen werden.
Wir schlossen einen Monat für Ghana und zwei Monate für die Carte Brune ab, wobei man uns das Startdatum auf den 13.06.05 setzte, damit wir zusätzlich Zeit gewinnen. Die Herren waren sehr zuvorkommend, trotz der anfänglichen Diskussion und Verwirrung wegen der Abdeckung in Ghana. Wir zahlten für 2 Monate Carte Brune 300'000 Cedis und für die Ghana-Versicherung 184'000 Cedis, was zusammen ca. 45 Euros entsprach. Das sollte reichen bis Tschad, wo wir dann wiederum eine neue Versicherung abschliessen müssen, genannt Carte Rose.
Da wir unseren Cedi-Vorrat damit schon wieder fast aufgebraucht hatten, gingen wir gleich anschliessend zur nahegelegenen Barclays Bank.
Am Schalter waren nur ca. 4-5 Personen vor uns, doch das Prozedere dauerte. Ein Sicherheitsbeamter bewachte die Reihenfolge und beobachtete jeden misstrauisch. Nach langer Wartezeit verliessen wir mit einem dicken Bündel Banknoten schliesslich die Bank. Uns war mit so viel Geldnoten nicht wohl und so kehrten wir zum Auto zurück, wo wir das Geld aufteilten und versteckten.
Da wir hungrig waren suchten wir den Schnell-Imbiss Quick-Bite und liefen zunächst leider in die falsche Richtung. Unterwegs wurden wir seit langem wieder mal von einem Strassenhändler angehauen. Es stellte sich heraus, dass der anhängliche Typ aus Mali stammte. Alles klar! Wir wurden ihn schliesslich doch wieder los und fanden bald darauf auch das Restaurant. Im Quick-Bite sassen nur Einheimische und wir setzten uns zu einer jungen Frau. Die Menukarte war nicht sehr umfangreich, doch war die tatsächliche Auswahl noch viel geringer als auf der Karte. Schlussendlich assen wir das gleiche wie alle, nämlich Fried Rice und Hühnchen - Fried Kentucky Style! - mit etwas Salat. Das Essen war ganz gut und gestärkt machten wir uns mit dem Notebook im Rucksack auf die Suche nach einem geeigneten Internet Café.
Über der Shell-Tankstelle fanden wir das Ghana Internet Café, welches auch im Reiseführer erwähnt war. Leider waren die Anschlüsse für das Notebook schon ziemlich lädiert und verloren immer wieder den Kontakt zum Notebook. Zusätzlich hatte das Internet-Café mit ca. 20 PCs nur eine 64KB-Leitung und die Verbindung war entsprechend langsam. Entnervt gaben wir bald auf und konnten ohne Bezahlung wieder gehen.
Wir hatten im Reiseführer gelesen, dass es in der Nähe des Kejetia-Market ein Internet Café namens JCS mit schnellem Anschluss gäbe.
Wir nahmen also ein Taxi, weil dieses Café ziemlich weit weg war. Der Taxifahrer behauptete wieder einmal, dass er wisse, wo sich das Café befindet. Nach einigem Rumgekurve und nachfragen landeten wir wieder in der Nähe von der Barclays Bank.
Das war natürlich nicht richtig und wir scheuchten unseren Taxifahrer weiter. Der Verkehr in Kumasi ist ein Horror und wir waren froh nicht selber fahren zu müssen. Er zwängte sich durch die engen Strassen und zwischen den anderen Autos hindurch. Wieder musste er anhalten und nachzufragen, wo das Internet-Café sei. Schliesslich kam ein junger Mann zu uns ins Taxi, der die Aufgabe des Fragens übernahm und den Taxifahrer lotste. Schliesslich fanden wir im 3. Stock gegenüber des Kejetia-Markets das gewünschte Internet-Café.
Hoch motiviert liefen wir die Stufen hinauf, zwischen Händlern und den Näher/-innen fanden wir den Eingang. Jeder Platz wird in Afrika genutzt um ein Geschäft zu eröffnen, auch Eingänge und Treppenhäuser.
Die PCs im Internet-Café waren alle schon ziemlich alt, aber der Ort war gut besucht. Der junge Mann half uns, uns zu installieren. Sehr zu unserem Bedauern war jedoch die Verbindung hier genauso langsam wie im vorherigen Internet-Café. Von wegen schnell! Charly konnte nicht mal die Mails runterladen, da konnten wir es vergessen unsere Webseite zu aktualisieren.
Nach ca. 1 Stunde gaben wir entnervt auf. Der nette junge Mann verzichtete sogar auf eine Bezahlung, da wir nicht den gewünschten Erfolg hatten. Er faselte etwas von Dynamic Internet-Café, unpräzise und wage war auch seine Beschreibung dorthin.
Als wir das Café verliessen, bemerkten wir, dass es in Strömen regnete. Wir warteten zuerst auf dem Gang und schauten interessiert dem Treiben auf der Strasse und dem Kejetia-Markets zu. Junge Männer schleppten schwere Kartons auf dem Rücken über die Strasse, die Frauen trugen voluminöse Behälter mit schwerem Inhalt auf dem Kopf zum Markt und dazwischen der endlose Verkehr. Ein Wirrwarr auch bei strömenden Regen.
Nach einer Weile liess der Regen etwas nach und wir meinten, wir könnten es wagen das Dynamic Internet-Café zu suchen. Doch schon bald waren wir durchnässt und unsere Füsse stampften von einer Pfütze zur nächsten. Die Regentropfen waren gross und schwer und schon bald hatten wir keine Lust mehr weiterzusuchen, so nass wie wir waren.
Wir hielten ein Taxi an und feilschten um den Preis. Ich wollte schon wieder aussteigen, da willigte er dann doch ein, uns für 15'000 Cedis zurück zum Hotel zu fahren. Auch ihn mussten wir zur Presbyterian Mission lotsen, da er nicht wusste wo die Mission Road war. Eigentlich ein bekannter Ort in Kumasi, komisch diese Taxifahrer in Ghana.
Zurück bei Snoopy trockneten wir uns erst mal ab und versorgten das Notebook. In der Zwischenzeit hatte es aufgehört zu regnen und wir machten uns auf zum Eclipse, um ein Bier zu trinken.
Wir waren fast die einzigen Gäste und konnten bei guter Musik unser Bier in Ruhe trinken.
Danach hatten wir noch keine Lust nach Hause zu gehen und schlenderten die Strassen entlang. Plötzlich standen wir vor Vic Baboo's Café Restaurant und kurzentschlossen gingen wir hinein. Wir hatten nicht viel Hunger und so bestellte ich einen Burger Royale und Charly eine Pizza. Die Portionen waren mini-mini und wir waren nicht mal sauer darüber.
Dieser Ort wird von einigen anderen Weissen frequentiert und so waren wir mal nicht die einzigen Weissen.
Danach waren wir ziemlich müde und wollten schlafen gehen. Im Guesthouse suchten wir wie immer vor dem Schlafengehen das Badezimmer auf.
Charly stand schon draussen und wartete auf mich. Er machte: „pspspspsps Mieze pspspspsps. Blöde Katze, die bewegt sich nicht mal, wenn man sie ruft.“
Ich daraufhin auch: „Mieze pspspspsps tsstssssss“.
Keine Regung von dem Tier!
Charly argwöhnte noch, die sieht aber ziemlich mager aus und lief darauf zu. Er brach bald darauf in lautes Gelächter aus und auch ich sah, wem wir da gerufen hatten. Zwei Besenstile mit einem Tuch darauf, dass von weitem einer dünnen Katze glich. Wir lachten uns halb kaputt über unsere Kurzsichtigkeit.
(Nebenbei bemerkt, die Katzen in Afrika sind in der Regel spindeldürr, es sei den sie gehören Europäern.)
Heute wollten wir uns dem kulturellen Teil der Stadt widmen und das National Cultural Center besuchen. Gemütlich frühstückten wir aber zuvor in der Mission.
Mit dem Taxi fuhren wir wieder mal quer durch das Verkehrschaos von Kumasi zum besagten Zentrum.
Leider war das Ganze ein totaler Reinfall. Nichts konnte einem hier von der Kultur der Ashanti gezeigt werden, mit der Ausnahme von einem Minimuseum. Dieses „Museum“ hatte nur 4 Räumlichkeiten, aufgebaut wie kleine Schaufenster. Dort lagen etwas unordentlich ein paar alte Reliquien hinter Glas, wo auf einem kleinen Zettel kurz angegeben war, was dieses und jenes darstellte. Enttäuscht verliess ich das Museum wieder.
Charly hatte keine Lust gehabt ins Museum zu gehen und hatte sich lieber mit der Museumswärterin unterhalten. Ich bezahlte die 15'000 Cedis und die Frau meinte, sie würde mir gerne auch noch einiges dazu erklären, nachdem sie bemerkt hatte, dass ich enttäuscht war. Ich verzichtete, da ich keine Lust hatte noch mehr Zeit zu investieren.
Wir suchten anschliessend die im Reiseführer gelobten Werkstätten auf, wo man den Künstlern bei der Arbeit zusehen kann. Wir sahen effektiv nur einen Mann an einer Holzfigur lustlos herumschnitzen und ein paar junge Männer waren dabei die gegossenen Bronzefiguren von ihrer Schale zu befreien. Von der Weberei oder Batikarbeiten sahen wir gar nichts.
Enttäuscht schauten wir uns noch ein paar Souvenirshops an, doch auch dort konnten wir keine besonderen Sachen entdecken.
Wir verliessen das Areal wieder, dass wohl vor einiger Zeit besser ausgesehen haben muss. Mittlerweile ist es aber schon ziemlich heruntergekommen und kein Besuch mehr wert.
Unser nächstes Ziel war der pulsierende Kejetia-Markt von Kumasi. Da es hier im Gedränge des Marktes Taschendiebe geben soll, haben wir unsere Wertsachen umverteilt.
Wir liefen quer über den Busbahnhof, wo viele Strassenverkäuferinnen ihre Waren in grossen Schüsseln auf dem Kopf trugen.
Auf dem Markt wurde das Gedränge dann stärker und unendlich viele Menschen strömten in die engen Gassen des Marktes. Auch wir liessen uns eine Weile von der Masse mittragen, doch als das Gedränge immer grösser wurde, fragten wir uns, ob wir uns das wirklich antun sollen. Wir beantworteten unsere Frage eindeutig mit „NEIN“ und quetschten uns gegen den Strom wieder nach draussen. Die Wellblechhütten und die engen Gassen sind wohl ein Erlebnis, aber auch ein ziemlicher Stress. Wir blieben lieber noch ein wenig am Rand des Marktgeschehens und sahen dem Treiben zu.
Wir liefen noch etwas am Rand des Marktes entlang und konnten auf eine Balustrade rauf. Die Treppen hinauf waren wieder belagert von kleinen Miniläden. Oben reihten sich viele uralte Singer-Nähmaschinen aneinander und vornämlich Männer nähten hier Kleidungsstücke. Sie hoben nur kurz den Kopf von ihrer Arbeit als sie uns bemerkten, waren aber schon bald wieder in ihrer Arbeit vertieft.
Nach dem Markt liefen wir zur Kirche hoch und weiter zu einem anderen kleineren Markt. Dort kaufte ich Tomaten und Zwiebeln und die Verkäuferin machte wohl mit ihren Kolleginnen ihre Witze wegen mir, da ich nur die „harten“ Tomaten wollte.
Ausserhalb den Marktes kamen wir noch einen Eierladen vorbei, wo massenweise Eier verkauft wurden. Ich erwarb unsere 6 Frühstückseier und wir marschierten weiter.
Im angeblich modernen Supermarkt A-Life kauften wir wenige Konserven ein und machten uns auf den Heimweg.
Beim Auto angekommen, waren wir so hungrig, dass ich erst mal einen feinen Tomatensalat machte. Anschliessend ruhten wir uns von der strapaziösen Wanderung durch Kumasi aus.
Am Abend gingen wir wiederum ins Vic Baboo's Café Restaurant und wir assen diesmal Fried Noodles und Fried Rice mit Hühnchen süss/sauer. Wie immer tranken wir ein Bier zum Essen, nur diesmal war mein Bier zum Kot...... Auch Charly meinte sein Bier sei komisch, doch so schlimm wie meines war es nicht. Wir sahen nach, dass Verfallsdatum war noch nicht abgelaufen. Frustriert liefen wir zurück und gingen schlafen.
Heute brechen wir auf, um zum Bosumtwi Kratersee zu fahren. Als wir gepackt hatten und schon los fahren wollten, kam ein junges Holländer Paar auf uns zu. Ihnen gehörte der Mercedes Bus, den sie in Ghana verkaufen wollten. Sie waren seit 8 Monaten in Westafrika unterwegs und wollen nun zurück nach Holland. Leider kann man das Auto in Ghana wegen den hohen Steuern nicht so einfach verkaufen, auch wenn der Verkaufspreis eigentlich in Ordnung ist. Ein Ghanaer hatte sich ihrer angenommen und versuchte nun in Accra die Steuern irgendwie umgehen zu können. Sollte dies misslingen, werden die Armen wohl zurück nach Burkina Faso fahren müssen, damit ihr Carnet de Passage ausgestempelt wird und in Ouagadougou erneut versuchen ihr Auto zu verkaufen.
Sie erzählten uns von der Green Turtle Lodge, welche wir bereits von Arthur und Swantje kannten und welche auch im Mole N.P. im Aushang empfohlen wurde. Es hatte ihnen so gut gefallen, dass sie satte 3 Wochen dort geblieben waren.
Wir unterhielten uns noch ein Weilchen, dann fuhren wir los. Zuerst noch schnell tanken und dann zum See.
Die Beschilderung zum Kratersee war nicht sehr gut, trotzdem haben wir ihn rasch gefunden. Der Eintritt betrug 5'000 Cedis pro Person. Wir fuhren die steile Teerstrasse hinunter zum See und genossen das tiefe Grün der Umgebung. Ab und zu konnten wir einen Blick auf den See erhaschen.
Am See angekommen, suchten wir das Lake Point Guesthouse. Auf einer schlechten engen Piste mit Matschlöchern fuhren wir zur Bungalowanlage. Leider war die österreichische Besitzerin nicht da und leider leider konnten wir nicht campieren dort.
Wir fuhren zurück zum Rasta-Man. Isaac war sein Name und er besass ein heruntergekommenes Café/Restaurant, wo man campieren konnte. Es gab ein WC aber keine Dusche. Wir parkierten unser Auto und fragten seine schwangere Frau nach ihm. Er hätte im Dorf etwas zu erledigen, käme aber gleich wieder, war ihre Antwort.
Wir nutzten die Zeit um uns den See etwas anzuschauen. Ein paar Fischer waren auf Holzbooten dabei ihre Netze auszuwerfen, die Boote glichen aber eher Balken als Booten. Wir schauten dem Treiben zu und machten auch ein paar Aufnahmen. Ein Fischer kam und wollte uns seine Fische zeigen, doch da wir heute keine Lust auf Fisch hatten, lehnten wir dankend ab.
Wir sassen so am See und die Wolken schlossen sich immer mehr zusammen, so dass es wohl bald regnen würde. Es machte uns keinen Spass bei Regen hier herumzusitzen und so entschieden wir uns, dass wir weiter zum Meer fahren.
Gerade als wir aus dem Areal herausgefahren waren, kam auch schon der Rasta-Mann und fragte verwundert, ob wir nicht bleiben oder wenigstens ein paar seiner Ketten resp. Schmuckstücke kaufen wollten. Wir erklärten ihm, dass wir unbedingt an den Palmenstrand möchten und deshalb nun zum Meer fahren. Enttäuscht liess er uns ziehen, der nette Rasta-Mann.
Wir fuhren auf miesester Piste zur Hauptstrasse und folgten der löchrigen Teerstrasse nach Süden. Dadurch, dass die Strasse so schlecht war, kamen wir natürlich nicht so schnell voran und so wurde es Abend bis wir bei Cape Coast ankamen. Gross weiterfahren hätte nicht viel gebracht und so entschieden wir uns zum Biriwa Beach Hotel zu fahren.
Unterwegs wurden wir jedoch noch von einer Polizeikontrolle aufgehalten, der erste Polizist fragte freundlich das Übliche wohin und woher und winkte uns durch, doch sein Kollege keine 100 Meter weiter, war griesgrämig und wir mussten nochmals anhalten, die Papiere zeigen und schliesslich wollte er auch noch ins Auto schauen. Charly schloss die Tür zur Wohnkabine auf und er blickte neugierig hinein. Wortlos gab er Zeichen, dass wir weiterfahren können.
Das freundliche ältere deutsche Ehepaar, welches nun schon seit 30 Jahren in Ghana lebt und dieses Hotel betreibt, hat uns herzlich aufgenommen. Ihre Tochter gab uns sogar den Schlüssel für ein Zimmer für die Dauer unseres Aufenthaltes, damit wir dort duschen konnten.
Hoch motiviert marschierten wir zum Restaurant, denn die gute Küche des Hotels ist bekannt.
Ich konnte nicht widerstehen und bestellte Lobster-Cocktail und anschliessend grillierten Lobster (Langusten). Charly war mit seinen Meeresfrüche Salat und dem Pfeffersteak dagegen recht bescheiden. Das Essen war vorzüglich!
Mit vollem Bauch erkundigten wir uns nach dem Internet-Anschluss und siehe da, man hatte eine direkte Satelliten-Verbindung über Südafrika, da die örtlichen Verbindungen katastrophal seien.
Charly holte sogleich seinen Notebook und wir konnten endlich unsere Webseite aktualisieren. Nachdem schon in Ouagadougou die Verbindung entweder schweineteuer oder viel zu langsam war, hatten wir in Ghana auf bessere Verbindung gehofft. Nun endlich hatten wir sie gefunden und verbrachten den restlichen Abend hinter dem PC.
Wir haben ein gutes Frühstück auf der Terrasse mit Meeresblick genossen, nur die süssen Brötchen waren schon älteren Datums. Der Orangensaft war frischgepresst und die Spiegeleier so, wie wir sie gerne haben.
Wir hatten bald Besuch von einem Eidechsenweibchen, die um Charlys Beine schlich. Charly gab ihr etwas von dem alten Brot und ich sagte noch zu ihm, dass Eidechsen sicher kein Brot, sondern Insekten fressen. Kaum hatte ich das ausgesprochen, stürzte sich das Tier auf das Brot und verschlang es. Ich traute meinen Augen nicht! Ein wenig später hatte auch ein farbiges Männchen das Brot entdeckt und Charly fütterte mit Vergnügen die Mini-Drachen.
Wir überlegten, ob wir heute weiterfahren sollten, doch die Möglichkeit den ganzen Tag gratis im Internet surfen zu können, war für Charly zu verlockend. Es gab noch so vieles das er herunterladen und aktualisieren wollte und so blieben wir. Charly, der „Computoholic“, konnte sich mal wieder so richtig seiner Sucht hingeben. Er hatte unterwegs schon massive Entzugserscheinungen gehabt ;-)
Wir blieben fast den ganzen Tag vor dem Computer und hatten die gesamte Anlage für uns allein, denn wir waren mal wieder die einzigen Gäste.
Die Besitzerin ist mit ihren 76 Jahren noch voll fit, nur wegen der Malaria die sie zur Zeit auskurierte, war ihr manchmal schwindlig. Malaria ist hier wie eine Grippe in Europa und wenn man merkt, dass man eine Malaria bekommt, nimmt man die Medikamente. Nach einer Woche ist alles vorbei. Nur verschleppen darf man eine Malaria nie, dann wird es schlimmer und man hat länger bis sie wieder weg ist, meinte sie. Die Europäer machen viel zu viel Aufstände wegen der Krankheit, fügte sie noch hinzu.
Das Ehepaar ist wirklich noch voll drauf und haben stets neue Pläne zur Verbesserung ihres Unternehmens. Er hat mit seinen 71 Jahren noch einen vollständigen Tourenkatalog zusammen gestellt und vermarktet seine Hotelzimmer und die Tour mit einem supergünstigen Flug direkt von Hamburg oder Düsseldorf.
Am Abend assen wir wieder im Restaurant, da wir vor lauter Computerarbeit keine Zeit zum Kochen hatten. Ich bestellte scharfe Langustenschwänze und Red Snapper Fisch in Tomaten-Knoblauch-Sauce. Charly blieb seinem Meeresfrüchtesalat treu und bestellte diesmal ein Stroganoff und wie gestern wieder mit einer extra Portion Pommes.
Heute war jedoch eine junge Frau am servieren und nach kurzer Zeit wusste sie schon nicht mehr, ob ich den Reis oder die Pommes haben wollte zu meinem Fisch. Später vergass sie Charly seine Extraportion Pommes und ich habe zwei ziemlich kleine Fische bekommen, bei denen ich recht bezweifelte, ob dies wirklich Red Snapper waren. Charly musste auf seine Pommes warten und sein Stroganoff wurde kalt. Ich war etwas ungehalten und schnauzte sie an. Wir waren die einzigen Gäste und sie konnte nicht mal zwei Menüs im Kopf behalten, nachdem sie alles auch noch auf einem Notizblock aufgeschrieben hatte.
Charly nahm sie natürlich in Schutz, da sie ziemlich jung und ziemlich hübsch war.
Nachdem wir gegessen hatten, unterhielten wir uns noch eine ganze Weile mit dem deutschen Ehepaar und sie erzählten uns viel von ihren Erlebnissen, die sie in den 30 Jahren gemacht hatten. Wir waren wiederum erstaunt wie fit und motiviert die Beiden sind.
Wir hatten erneut ein gemütliches Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf das Meer und fütterten nebenbei wieder die Eidechsen mit Brot.
Nach einer ausgiebigen warmen Dusche gaben wir den Schlüssel vom Zimmer ab und unterhielten uns wieder mit der Seniorchefin. Sie zeigte uns das Tourenbuch, welches ihr Mann zusammengestellt hatte und wir waren erstaut über die gute Computerarbeit des 71-Jährigen. Sie erstellte unterdessen mit ihren 76 Jahren munter unsere Rechnung auf dem Computer. Wir staunten immer wieder mit welcher Selbstverständlichkeit dieses Paar die neuen Technologien nutzten.
Wir fuhren gegen Mittag ab und liessen alle Forts bei Seite, da wir uns die Besichtigungen dieser alten Gemäuer für den Rückweg aufsparen wollten. Zudem freuten wir uns auf ein paar Tage ausspannen am Meer in der Green Turtle Lodge, von der uns schon einige Reisende vorgeschwärmt hatten.
Die Strasse war geteert und in gutem Zustand, so dass wir rasch voran kamen. Unterwegs wurden wir 2 Mal von der Polizei angehalten, aber anstatt einer Kontrolle durchzuführen, wollten sie nur mit uns plaudern. Das Übliche, woher wir kommen und wohin und wie lange usw. Ein junger Polizist meinte ganz ernst, wir sollen ihm unser Auto schenken, er könnte es gut gebrauchen. Wir auch, war unsere Antwort und wir lachten über so viel Unverschämtheit.
Kurz vor Takoradi überholte Charly einen Minibus, der plötzlich nur noch 30 km/h fuhr. Während wir überholten, wussten wir auch wieso er so langsam fuhr die Polizei führte eine Geschwindigkeitskontrolle durch und hatten dafür sogar eine Speedgun, mit der sie per Radar die Geschwindigkeit entgegenkommender Fahrzeuge erfassten.
Wir wurden prompt raus gewunken, doch wollte die resolute gewichtige Dame nur Charlys Fahrausweis sehen und liess uns danach weiterfahren. Wir waren auch nicht mehr als die 50 km/h gefahren und so hatten wir auch kein schlechtes Gewissen. Aber in Afrika weiss man nie, ob nicht ein korrupter Polizist wieder seinen Zahltag aufbessern will.
Wir fuhren durch Takoradi und konnte die erste Abzweigung nach Dixcove nicht finden, da diese nicht ausgeschildert war. So fuhren wir weiter bis zur Kreuzung Agona und bogen nach links ab.
Die Strasse war schmal und wies einige Löcher auf, war aber geteert. Wir fuhren durch einige kleine ursprüngliche Dörfer, bevor wir endlich im Fischerdorf Dixcove ankamen.
Die Einwohner wiesen alle in eine andere Richtung, da blieben wir verwirrt stehen. Ein Mann kam und fragte nett, wo wir denn hin wollen. Wir antworteten zur Green Turtle Lodge. Der Mann lachte und zeigte in die umgekehrte Richtung.
Wir folgten seinen Angaben und befanden uns bald darauf auf einer schmalen Piste, die uns schliesslich zur Lodge führte.
Freundlich wurden wir von den Besitzern Tom und Jo begrüsst. Sie zeigten uns ein Plätzchen direkt am Strand, wo wir Snoopy parkieren durften. Herrlich - Palmen, Strand und Meer.
Leider war die Brandung vom Meer so stark, dass wir uns nicht in die Fluten wagten. Stattdessen marschierten wir den Palmenstrand hinauf und fanden reife Kokosnüsse am Boden. Charly legte gleich los in seiner neuen Disziplin, Kokosnüsse mit anderen Kokosnüssen von der Palme runterholen. Er warf die Kokosnuss und traf oder auch nicht, ich musste einfach schauen, dass ich ausserhalb seiner Wurfweite stand. Ich habe es auch versucht, war ganz schön anstrengend. Doch Charly war erfolgreich und wir konnten zwei frischgeschlagene Kokosnüsse mit zurück nehmen.
Vor dem Lodge sind 4 hübsche kleine offene Hütten direkt am Strand errichtet worden, wo Tische und Stühle bereitstanden für Leute die Essen wollten.
Wir nahmen Platz und genossen die Aussicht und hörten dabei dem Donnern der Brandung zu. Charly ass Jollof Reis (würziger Tomatenreis) mit gebackenem Hühnchen und ich hatte Mango-Avocado-Salat mit Frühlingszwiebeln, dazu weissen Reis und ebenfalls gebackenes Hühnchen. Alles schmeckte sehr lecker.
Die schwarze Katze mit den weissen Pfoten machte sich sehr aufdringlich bemerkbar, in dem sie immer auf meinen Stuhl sprang und mir hinter dem Rücken hin und her strich. Obwohl wir sie dauernd vom Stuhl schubsten, war sie wenige Sekunden später wieder da.
Schliesslich setzte sie sich auf den leeren Stuhl neben mir und wollte gerade auf den Tisch klettern, als Charly sie anfauchte und die Hände drohend in die Höhe riss. Entsetzt und verstört sprang sie in Panik davon. Wir lachten uns kaputt über das entsetzte Katzengesicht. Das Hühnchen roch aber zu verlockend und so war sie bald wieder da. Die Katze hatte gesiegt und Charly akzeptierte sie unter dem Tisch, wo ich ihr die Reste vom Hühnchen gab.
Zufrieden tranken wir unser Bier aus und gingen schlafen.
Ich bin gemütlich aufgestanden und Charly war noch im Bett. Ich setzte mich auf einen Stuhl und genoss die Sonne und das Meer.
Ich hörte es Rumoren und sah auch bald darauf Charly hinter dem Auto hervor kommen. Er hatte unterdessen mit dem Buschmesser eine Kokosnuss gekillt und kam grinsend auf mich zu. Charly Crusoe, nannte ich ihn und es gefiel ihm.
Wir machten uns über die frische Kokosnuss her und bald war alles aufgefuttert.
Später hatten wir jedoch Lust auf ein richtiges Frühstück und setzten uns wieder auf den gleichen Platz wie am Tag zuvor. Frühstück mit Blick aufs Meer - das ist doch toll, oder. Wir bestellten unsere Spiegeleier und dazu einen richtigen Kaffee. Welcher auch wirklich mit „Real Coffee“ angeschrieben war, dass konnten wir nach so vielen Monaten Nescafé doch nicht verpassen.
Die Eier waren perfekt, das Brot wie üblich alt, aber getoastet und der Kaffee war ungeniessbar. So eine Enttäuschung! Für den Rest unserer Reise werden wir doch lieber bei Nescafé bleiben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Besitzer ein junges Engländer-Pärchen ist und folglich eher Tee- als Kaffee-Kultur kennt.
Während Charly die Bilder von Ghana bearbeitete, setzte ich mich im Bikini auf den afrikanischen Liegestuhl. Dieser war ziemlich hart, aber irgendwie trotzdem bequem.
Ich las etwas über Togo und Benin und bemerkte, dass plötzlich sehr viele Einheimische am Strand vorbei liefen und mich neugierig und ungeniert musterten. Einigen hatten die benachbarten Tische und Stühle in Beschlag genommen. Das war mir dann doch zu viel und ich packte meine Sachen und verschwand in Snoopy. Ruck-Zuck war der Platz wieder leer.
Am Nachmittag bereitete ich einen Thonfischsalat zu, welchen wir hungrig vertilgten.
Wir waren den restlichen Tag über faul, ausser dass wir die Bilder von Ghana bearbeitet und Tagebuch geschrieben haben.
Das Wetter wurde leider immer schlechter und so machte uns ein weiterer Strandspaziergang nicht an.
Am Abend bestellte ich wieder Hühnchen mit Reis und einer grünen Sauce. Dabei lernten wir ein älteres Pärchen kennen, die aus Südafrika kamen. Ihr Sohn arbeitet zur Zeit bei einer Schweizer Firma in Accra und sie wollen gemeinsam mit ihm eine kurze Tour durch Westafrika machen.
Die Regenwolken wurden immer dicker und wir hatten es gerade noch rechtzeitig geschafft vor dem grossen Regen ins Bett zu kommen.
Es regnete heftig die ganz Nacht.
Wir wurden am Morgen vom ungestümen Trommeln der Regentropfen geweckt. Wir hatten die unteren Fenster in der Schrägstellung offengelassen und mussten nun zu unserer Bestürzung feststellen, dass Charlys Kopfkissen und die Matratze total durchnässt waren.
Es tropfte nur so, als wir die Kissen hochhielten. Es muss in der Nach ziemlich schräg reingeregnet haben und ist dann am Moskitonetz runtergelaufen.
Was für eine Schweinerei! Alles musste getrocknet werden, doch das ist schwierig bei 88% Luftfeuchtigkeit.
Wir stellten die Heizung an, da wir diese sowieso schon lange mal wieder hätten laufen lassen sollen, aber bei einer Aussentemperatur von 28°C hielten wir das nicht lange aus.
Wir beschlossen, diesen Tag nochmals in der Lodge zu bleiben, damit alles etwas trocknen kann und wir die nassen Betttücher, Matratzen und Kissen so nicht zusammen packen konnten.
Wir verteilten die nassen Sachen in Snoopy, in der Hoffnung, dass diese bis am Abend trocken sein würden.
Frühstück nahmen wir wegen des Regens in Snoopy ein. Es gab mal wieder Charlys Lieblingsfrühstück gesundes Müsli. Nun ja, mit Ovomaltine und genug Zucker kriegte er es runter.
Später bereitete Charly die 2. Kokosnuss zu und hätte fast eines unser Messer gekillt dabei. Lecker war auch die zweite Nuss, geklaut schmeckt sie einfach besser.
Den restlichen Tag verbrachten wir am Computer oder lasen im Überlebenshandbuch des Lodge-Besitzers. Interessant was man so alles machen kann!
Vor dem Abendessen spielten wir ein kurzes Match Tischtennis, bei dem wir viel Spass hatten.
Das Abendessen nahmen wir wieder unter einem der offenen Unterstände ein und genossen das nahe Rauschen des Meeres. Die Katze hatte wieder ein perfektes Timing, so bald das Hühnchen serviert war, war sie auch schon anwesend.
Heute war es endlich mal nicht so regnerisch und so packten wir die halbwegs trockenen Sachen zusammen und bestellten unser Frühstück. Dieses vertilgten wir wieder mit einer grandiosen Aussicht auf Palmenstrand und Meer. Leider war das Brot schon etwas älter, doch der Nescafé war gut.
Anschliessend gingen wir wieder in der Open-Air Dusche duschen, welche wir am vorherigen Tag hatten ausfallen lassen mussten, d.h. duschen hätten wir schon können bei strömenden Regen, aber wie abtrocknen?
Die Besitzerin Jo verabschiedete uns noch herzlich bevor wir endlich abfuhren.
Zuerst fuhren wir ins nahegelegene Fischerdorf, doch die Strasse führte nicht weiter und so fuhren wir zurück nach einem kurzen Stopp. Wir trafen im Dorf einen der netten Mitarbeiter von der Lodge und unterhielten uns noch kurz mit ihm. Ich konnte noch ein zwei Fotos schiessen und dann waren wir auch schon wieder auf dem Weg.
An der Kreuzung zum Cape Three Point bogen wir an der Kreuzung ab, in der Annahme, dass wir die Küste entlang bis max. Axim fahren könnten. Die Dörfer waren ursprünglich und die Einwohner hatten wohl noch nicht so viele Touristen gesehen. Die Kinder sprangen gleich auf und kamen schreiend und winkend auf uns zu gelaufen. Die Erwachsenen freuten sich uns zu sehen und winkten uns eifrig zu, wobei wir natürlich auch zurück winkten.
Die Strasse war nun eine Piste und diese war anfänglich ganz gut ausgebaut, doch das änderte sich bald. Die Piste war teilweise unter Wasser, oder wies grosse Schlammstrecken auf. Der Weg war stellenweise sehr eng und steil. Snoopy wühlte sich anstandslos durch die Schlammbecken und rutschte mit dem Hinterteil hin und her.
Wir fuhren an vielen emsig arbeitetenden Leuten vorbei, die uns alle zu winkten sobald sie uns kommen sahen. Wir fuhren auch durch eine Kautschukplantage und wir konnten sehen, wie Gummi gewonnen wird. Die Bäume erhalten Kerben in Form von schmalen Rillen und der Saft der Bäume läuft an den Rillen entlang in einen Behälter, der die weisse Flüssigkeit auffängt.
In Cape Three Point fuhren wir zuerst zum Leuchtturm und sahen auf die tobende Brandung der Steilküste hinab. Draussen auf dem Meer konnten wir Fischer beobachten, wie sie paddelnd mit ihren Einbäumen die Klippen umfuhren.
Später im Dorf fragten wir nach dem Weg nach Princess Town. Sehr zu unserer Bestürzung teilte uns ein Dorfmitglied mit, dass die 4 Kilometer nicht mit dem Auto befahrbar sind und nur ein schmaler Fussweg dorthin führt.
Also mussten wir den ganzen schlammigen Weg zurückfahren. Diesmal trafen wir auf mehrere Schulklassen, die auf dem Heimweg waren und die Freude war gross, als sie uns entdeckten. Schnell brachten die einen oder anderen noch schnell die wenigen englisch Kenntnisse an, die sie in der Schule gelernt hatten. Geld wurde so gut wie keines gefordert.
Wieder auf der Hauptstrasse in Richtung Accra wurden wir von einer Polizeikontrolle gestoppt. Der Beamte fragte nett woher wir kämen und was wir für ihn mitgebracht hätten. Das hatten wir seit Senegal nicht mehr gehört und wir waren etwas verwundert. Ich antwortete wir haben nichts mitgebracht. Der Beamte war etwas enttäuscht, doch nachdem ich ihm dafür einen wunderschönen Tag gewünscht hatten, hellte sich seine Mine wieder auf und wir durften weiterfahren.
Unterwegs wollten wir noch ein paar Orangen kaufen und wir hielten an einem der vielen Obststände an. Gleich stürmten die Marktfrauen unser Auto. Sie hielten uns die Schüsseln gefüllt mit frischen Ananas oder Orangen ins Auto. Charly sagte noch zu mir ich solle aussteigen, aber das habe ich tunlichst vermieden, denn die Frauen hätten mich gefressen oder mit Orangen zu geschüttet. Der Preis war anfänglich bei 5'000 Cedis, doch nach dem ich 2'000 aus dem Geldbeutel genommen hatte, sanken die Preise rasch auf den gezeigten Betrag. Eine ganze Schüssel voll Orangen für umgerechnet nicht mal 20 Eurocent, da kann man nicht meckern.
Unser Tagesziel Brenu Beach Resort war dann auch nicht mehr weit und am späteren Nachmittag trudelten wir ein. Ausser uns war eine Frau mit ihren beiden Kindern sowie ein rothaariger junger Engländer, ebenfalls Gäste des Resorts.
Man war sehr freundlich im Camp und man zeigte uns den besten Platz zum Campen und schloss gleich die Duschen und WC-Räume auf. Wir waren die einzigen Camper, die anderen Gäste wohnten im Gästehaus.
Anschliessend zeigte man uns, wie man Kokosnüsse von hohen Palmen runterholte. Ein junger Bursch kletterte schwupp-di-wupp einfach die lange gerade Palme hoch und trat mit den Füssen auf die Nüsse. Eine Nuss folgte der anderen. Die Männer unten lasen die Nüsse auf und einer hackte eine Nuss für uns auf und so konnten wir den Saft trinken. Anschliessend schnitt man mit Hilfe des Buschmessers einen kleinen Löffel aus dem Mantel der Kokosnuss, womit wir das Fruchtfleisch herauslöffeln konnten. Gewusst wie - ist alles.
Wir bestellten uns ein Bier und genossen den herrlichen Palmenstrand. Das Meer kommt hier bis zu den Palmen, wenn Flut ist.
Am Abend assen wir fein im Restaurant. Ich konnte nicht widerstehen und bestellte den Lobster Thermidor, welchen ich anfänglich fälschlicherweise als Terminator bezeichnete. Charly fand das natürlich wieder witzig, für mich war die Bezeichnung gar nicht so falsch. Lobster in einer feinen cremigen Sauce bis zum Abwinken. An dem Abend hätte keine einzige Languste mehr Platz gehabt in meinen Bauch. Auch Charly hatte mit seinem Meeresfrüchtesalat und dem Pfeffersteak mit der Extra-Portion Pommes mehr als genug gegessen.
Mit dicken Bäuchen machten wir uns auf den Weg zum Auto. Da wir so viel gefuttert hatten, wollten wir nur noch liegen und gingen zu Bett.
Um Mitternacht wurden wir wach vom Geräusch, als ob jemand Kokosnüsse mit einem Buschmesser öffnete.
Charly sah aus dem Fenster und sah eine Frau, wie sie Kokosnüsse von den niedrigen Palmen um uns herum klaute. Sie öffnete diese mit dem Buschmesser und trank gierig den Saft.
Schlimm wurde es erst, als die Frau versuchte in unser Auto einzudringen. Sie machte sich an allen 3 Türen zu schaffen, doch als sie merkte, dass alle geschlossen waren, kam sie zu den Moskitonetzen und wollte diese eindrücken. Das war zuviel und Charly schrie sie an, dass sie das gefälligst sein lassen sollte.
Die Frau packte die geklauten Nüsse und verschwand erschrocken. Charly stieg aus und rannte der Frau hinterher. Er rief, dass sie stehen bleiben soll, was sie dann auch tat. Die ca. 20-jährige Frau dachte schon, dass sie nun eine Tracht Prügel beziehen würde, doch Charly las ihr nur die Leviten. Er erklärte, dass es ihm egal sei, wenn sie Kokosnüsse klaue, aber am Auto hätte sie nichts zu suchen.
Der Platz war gut beleuchtet, doch der bewaffnete Nachtwächter war nirgends zu sehen. Dafür entdeckte Charly auf dem Herren-WC ein Pärchen, das dort auf dem harten Boden schlief.
Die restliche Nacht haben wir dann nicht mehr so gut geschlafen.
Wir haben uns am Morgen überlegt, ob wir weiterfahren sollen oder nicht. Der tolle Palmenstrand liess uns aber nochmals einen Tag bleiben.
Wir pressten die Orangen aus und hatten so einen ganz frischen Fruchtsaft, dazu schnitt ich noch die Ananas auf, womit wir ein gesundes Frühstück hatten.
Die Schafe draussen vor dem Auto hatten die Fruchtschalen schnell gerochen und der Plastiksack war schnell unter Beschlag genommen.
Ich dachte, da könnte ich doch gleich das blöde süsse Brot füttern, doch so blöd waren die Viecher dann auch nicht, nach ein paar Bissen liessen sie es sein.
Nur der Engländer von gestern mochte das komische Brot, wahrscheinlich muss man in England aufwachsen um das Brot gut zu finden. Schliesslich waren es ja auch die Engländer, die der hiesigen Bevölkerung beibrachte, wie dieses Brot hergestellt wird.
Gegen Mittag liefen wir zum Restaurant um etwas zu essen. Wir trafen dort die Besitzerin und sie fragte wie es uns geht. Da erzählte ich ihr von unserer nächtlichen Besucherin und sie war echt betroffen. Sie fragte, ob den niemand von ihrer Crew da gewesen wäre und auch nach dem bewaffneten Nachtwächter.
Sie war eine Schwarze und meinte nur lapidar, dass die Frau des Nachwächters wahrscheinlich ihren Mann besucht hatte. War dass das Pärchen vom Herren WC?
Charly bestellte ein Sandwich und ich ein Omelett mit Brot. Wie immer dauerte es furchtbar lange bis das Essen kam. Auch das Omelett kam, nur das Brot dazu fehlte. Die Eier waren schon kalt und Charly ging für mich reklamieren. Statt nur ein Toastbrot brachte man mir dazu auch noch Butter und Marmelade. Ich hatte das gar nicht bestellt, aber leider war dies das einzige Brot auf der Karte. OK Afrika lässt mal wieder grüssen.
Am Nachmittag ging ich an den nahen Strand und las über Niger, der Buchteil ist nicht sehr gross, doch reichte es aus um sich einen Sonnenbrand zu holen.
Wir räumten etwas auf und so verging der Tag wie im Flug.
Am Abend waren wir wieder im Restaurant, da es uns zu windig war zum Kochen. Die Wolken hingen auch schon wieder schwer und dunkel am Himmel. Ausserdem gab es wieder Lobster für mich und Pfeffersteak für Charly.
Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück packten wir unsere Sachen und wollten losfahren. Die Restaurant-Rechnung war schnell beglichen, aber den Campingplatz konnten wir nicht bezahlen, da der gute Mann an der Eingangspforte nicht anwesend war. Nach einer Weile sagten wir, jetzt hupen wir noch einmal, dann fahren wir. Der Typ hatte Glück und kam endlich angerannt. Wir zahlten und machten uns auf den Weg.
Wir fuhren zum Elmina Castle, welches bereits 1482 erbaut wurde und mehrmals von anderen europäischen Seemächten erobert wurde. Die letzte Kolonialmacht war England.
Kaum als wir ausgestiegen waren aus unserem Auto, kamen auch schon zwei junge Typen angerannt, angeblich Studenten.??? Diese wollten unbedingt wissen wie wir heissen. Da wir unsere Erfahrungen bereits machen durften, waren wir nicht so kontaktfreudig. Wir wimmelten sie schliesslich ab und konnten zur Festung laufen. Leider wird das Gemäuer nicht sehr gepflegt und das Meer mit der salzhaltigen Luft tut das übrige dazu. Der Eintritt sollte 50'000 Cedis pro Person kosten, doch wir waren damit nicht einverstanden. Danach konnten wir ohne Führer für 25'000 Cedis das historische Gebäude besichtigen, dass war uns sowieso lieber so. Wir schlenderten durch die Festung und waren von der brutalen Art, wie die Sklaven gefangen gehalten wurden, erschüttert. Eng und dunkel, kaum ausreichend Luft zum Atmen. Die Notdurft wurde auf dem Boden verrichtet, die vielleicht ab und zu mal mit etwas Wasser weggeschwemmt wurde. Die dünnen Rinnen, die in den Boden eingelassen waren, zeugten davon.
Die Todeszelle war besonders schlimm, kein Lufthauch und kein bisschen Licht im Raum, sobald die Tür geschlossen wurde. Hier haben wahrscheinlich viele Menschen ihr Leben lassen müssen, wenn sie gegen die bestialische Haltung aufbegehrten. Die verzweifelten Menschen hatten einige Rillen in den Steinboden geritzt.
Ein kleines Museum war ebenfalls in der Festung, doch leider war dieses nicht sehr informativ. Eher schlampig und teilweise schon ziemlich heruntergekommen, war unser Eindruck.
Wir liefen um die ganze Festungsanlage herum und konnten die feudalen Räume der Besatzer besichtigen. Die Anlage war wohl vor nicht allzu langer Zeit als Wohnraum benutzt worden, bevor man es für die Touristen freigab. Die Stromleitungen mit den teilweise angesenkten Steckdosen zeugten davon.
Schade, dass dieses Denkmal nicht besser gepflegt wird, doch Ghana hat wohl andere Probleme.
Wir konnten von der Festung aus den Fischern bei der Arbeit zusehen. Wir sahen das Meer und die starke Brandung. Wir hatten auch eine gute Aussicht auf die Ortschaft Elmina.
Wir verliessen die Festung und wurden prompt von unseren angeblichen Studenten angequatscht. Sie wollten uns eine Muschel schenken, wo sie unsere Namen eingeritzt hatten. Sie wollten dafür eine Spende für die Schule, aber so dumm dass wir das glauben sind wir schon lange nicht mehr.
Wir fuhren weiter nach Cape Coast, wo wir zuerst Geld vom Automaten holten und anschliessend zum Cape Coast Castle fuhren. Heute ist unser Kulturtag.
Der Preis ist der gleiche wie beim Elmina Castle, nur mussten wir hier zusätzlich für die Kamera zahlen. Die Festung ist besser gepflegt und man war gerade dabei wieder ein Stück zu restaurieren. Eben auf ghanaische Art, nämlich einfach drüber pinseln.
Die Räume in denen die Sklaven gehalten wurden waren hier viel grösser und wahrscheinlich wurden hier die Sklaven gesammelt und verschifft. Die Bedingungen hier waren nicht besser als am anderen Ort, nur die Masse an Sklaven war grösser.
Dunkel und muffig waren die Gewölbe in denen die Sklaven gehalten wurden, nur kleine Spalten liessen etwas frische Luft hinein. Auch die Todeszelle war grösser, aber nicht besser.
Wir schauten uns auch die vielen Kanonenrohre an und die Eisenkugeln. Leider waren diese nicht in einem guten Zustand und eher lieblos aufgereiht. Schade, es wäre doch schön wenigstens eine restaurieren zu lassen und dem Publikum zu zeigen.
Informativ und gut aufgebaut war das Museum, in welchem wir viel über die damalige Zeit erfahren haben.
Von der Festung aus konnten wir direkt in die Elendsviertel der Fischer schauen. Wie sie dort hausten, ohne Wasser oder Stromanschluss. Vor ihren trostlosen Wellblechhütten kochten die Leute ihr Essen auf offenem Feuer.
Als wir unseren Rundgang beendet hatten, fuhren wir in die Stadt um Amarula zu kaufen. Wir hatten vom Biriwa Beach Hotel die Adresse erhalten, wo man diesen feinen Likör kaufen kann. Doch leider war es nicht so einfach den kleinen Supermarkt Sontrunk zu finden. Wir fanden ziemlich rasch das Lager, doch leider nicht den Supermarkt. Wir fragten einige Leute und man schickte uns in Richtung Markt, doch herrschte dort ein unüberschaubares Verkehrschaos. Wir fragten diverse Leute und jeder schickte uns in eine andere Richtung. Auch ein Polizist schickte uns in die verkehrte Richtung, nur weil er nicht zugeben wollte, dass er es nicht weiss. Wieder zurück im Verkehrsgewusel hielten wir an einer Kreuzung an, um wiederum nach dem Weg zu fragen. Da kam die korpulente Polizistin gleich zu uns und schiss uns zusammen. Hier dürfen wir nicht anhalten, sagte sie streng. Wir hatten aber wahrscheinlich einen verzweifelten Eindruck auf sie gemacht und sie erklärte uns schliesslich doch den richtigen Weg zum Supermarkt.
Leider gab es keinerlei Parkmöglichkeiten und so musste Charly mit dem Auto auf der Strasse warten, während ich einkaufen ging. Die anderen Autofahrer waren natürlich sehr verärgert, da er die enge Strasse blockierte, aber es gab keine andere Möglichkeit.
Im Supermarkt gab es leider nur noch die ganz kleinen Flaschen. Ich fragte nach den grösseren Flaschen, aber es gab leider keine mehr. Ich könne ja zwei kleine Flaschen kaufen meinte man dann nur. Ich wollte aber zwei grosse Flaschen kaufen, war meine Antwort. Lachend und achselzuckend lief der Angestellte davon. OK, da blieben mir halt nur die zwei kleinen Flaschen.
Später fuhren wir dann wieder in das Biriwa Beach Hotel, wo man sich über unseren erneute Besuch sehr freute. Wir bekamen wieder ein gutes Zimmer, wo wir uns Duschen konnten.
Am Abend unterhielten wir uns wieder lange mit der Besitzerin.
Wir sind an diesem Tag wieder mal nach einem guten Frühstück im Biriwa Beach Hotel hängen geblieben. Das Internet war zu verlockend. Wir konnten unsere Webseite aktualisieren und Charly konnte sich als Computoholic einfach nicht vom PC lösen.
Auch ich las im Internet den ganzen Tag einige Reiseberichte von Leuten die zur Zeit in Afrika unterwegs sind.
Der Tag verging wie im Flug.
Aufbruch zum Kakum National Park. Auf unserem Weg nach Cape Coast wurden wir wieder vom gleichen Polizeikontrollposten angehalten, wie immer. Etwas unsicher fragte mich der Polizist nach einer freundlichen Begrüssung, ob wir seinem Chef eine Cola zahlen. Hääääh? Nö, war unsere Antwort, wieso denn. Charly sagte ihm noch, dass sein Chef schon selber fragen soll, wenn er etwas haben möchte. Geld gibt es nur gegen Leistung. Etwas enttäuscht liess uns der Polizist weiterfahren. Wir fuhren weiter und bogen an der einzigen Kreuzung mit Rotlicht nach rechts ab, um zum Kakum National Park zu gelangen.
Wieder wurden wir von einem Polizisten an einer Kontrollstelle angehalten. Wieder hatte dieser wenig Interesse an unseren Papieren, aber umso mehr was wir ihm denn schönes aus Europa mitgebracht hätten. Na, das wird ja immer schöner! Nichts war unsere Antwort und er erwiderte, dass wir doch etwas mitzubringen hätten. Haben wir aber nicht. Wir sollen ihm dann halt Geld geben. Unverschämter geht es fast nicht mehr. Wir blieben freundlich, aber wiesen alle Forderungen ab. Wir sollen es uns überlegen, was wir ihm auf dem Rückweg geben könnten. Ja, ja, antworteten wir schnell, damit wir endlich weiterfahren konnten. Wann wir wiederkämen, konnten wir ihm aber leider, leider nicht sagen. Das hängt davon ab wie es uns gefällt. Morgen oder übermorgen, vielleicht auch später.
Endlich konnten wir weiterfahren. Im Park angekommen mussten wir erst mal 2'000 Cedis pro Person zahlen, für Wasser und WC Benützung. Auf eine Antwort wir hätten unser eigenes Wasser und WC dabei, wurde nicht reagiert. Wir zahlten den Betrag und erhielten auch eine offizielle Quittung dafür. Wir fuhren weiter auf den Parkplatz, welcher mit 6 Schulbussen bereits gut belegt war.
Charly hatte schon am morgen geklagt, dass er sich einen Nerv im Rücken eingeklemmt und nun ziemlich Schmerzen hatte. Wir gingen zuerst ins Museum, wo die Struktur des Regenwaldes mit seiner Fauna und Flora gut beschrieben war. Man konnte gut sehen, das der Park von Kanadiern erstellt worden war. Die lehrreichen Klappen, die auf Fragen zum Urwald die Antworten enthielten, sahen leider schon ziemlich mitgenommen aus. Die Anschauungsobjekte waren auch nicht mehr so schön, da sie jeder begrabschte. Wir beobachteten die vielen Schulkinder im Museum und wunderten uns nicht mehr, wie man in so kurzer Zeit so viel kaputt machen kann.
Der Eintritt betrug 90'000 Cedis, ganz schön teuer und im Gästebuch stand oft geschrieben, dass das Preis/Leistungs-Verhältnis hier nicht stimmt.
Wir wollten nicht gleich zahlen und probierten erstmal, ob Charly überhaupt so weit laufen kann. Und wir taten gut daran, denn nach einer kurzen Strecke mussten wir wieder um kehren. Charly hatte so starke Schmerzen, dass er kaum noch atmen konnte. Er lief zurück zum Auto und legte sich hin. Ich trank ein Cola und beobachtete die vielen, vielen Schulkinder.
Tiere hätten wir bei dieser lärmenden Rasselbande sowieso keine gesehen und ich bin auch nicht schwindelfrei, so war ich gar nicht so unglücklich die Hängebrücken in 30m Höhe nicht überqueren zu müssen. Zudem begann es noch heftig zu regnen und damit war das Thema ganz gestrichen.
Unangenehmerweise war nun eine ganze Klasse um unser Auto versammelt und wie sie es eben so haben, wurde alles angefasst. Ein bisschen gekratzt und begrabscht. Es wurde uns zuviel und wir verliessen den Ort so rasch als möglich.
Wieder auf dem Weg zurück nach Cape Coast hatten wir wieder das Glück von einem Polizei-Zockpunkt angehalten zu werden. Dieser fragte diesmal aber nur freundlich nach, ob wir ihm nicht eine Zeitschrift hätten. Wir haben nur deutsche Bücher antworteten wir und konnten weiterfahren. Kurz nach Cape Coast kam dann auch schon der nächste Zockpoint, wo man uns schon am Morgen die Cola abschwatzen wollte. Wieder mussten wir anhalten und diesmal war ich sauer. Dauernd diese Abzocke. Ich beschimpfte den Polizisten, was denn das soll, dauernd diese Kontrollen, ob man uns Touristen hier diskriminieren will. Immer dürfen die lokalen Autos durchfahren und wir werden immer angehalten. Wir wurden an dieser Kontrolle jedes Mal kontrolliert, ob sie denn meinen ob sich etwas an unseren Papieren geändert hätte.
Der Polizist war völlig verwirrt und stotterte, dass man eben hier die Papiere kontrollieren muss. Auch ob die Insassen die gleichen sind. Ha, dass ich nicht lache. Keiner hatte uns nach den Papieren oder sonst was gefragt, immer wollte man Profit aus uns herausholen. So drastisch konnte ich ihm das aber nicht sagen. Er lies uns auch gleich weiterfahren, ohne weitere Fragen oder Forderungen.
Wir fuhren nochmals ins Biriwa Beach Hotel, um noch die Campinggebühren zu zahlen, die versehentlich und vor lauter Abschied vergessen gegangen waren. Die Leute waren so lieb dort und man muss auch dort mit jedem Cedi rechnen.
Die Besitzerin wollte uns gleich zu einem frischgebackenen Brötchen einladen, doch wir wollten endlich weiterfahren und lehnten dankend ab.
Wir überlegten uns, ob es klug war. Die Distanz nach Accra war doch noch ziemlich gross. Wo wollten wir übernachten, wenn es nicht mehr reichte bevor es dunkel wurde, usw. Die Strasse war ziemlich mit Schlaglöchern gesegnet und der LKW-Verkehr hielt uns auch noch zusätzlich auf.
Wir fuhren trotzdem weiter und kauften unterwegs noch eine feine frische Ananas, an einem der zahlreichen Obststände am Strassenrand. Der LKW hinter uns hatte nicht so Freude, musste er doch wegen uns abbremsen und warten bis der Gegenverkehr durch war. Aufgeregt fuchtelte er mit den Händen. Aber so geht es uns ja auch immer, also was regte der sich so auf. Er macht es schliesslich genauso.
Wir schafften es noch gut vor der Dunkelheit nach Kokrobite Beach zu kommen. Die holprige Piste führte uns zu Big Milly’s Backyard.
Wow, so viele Weisse an einem Platz hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Die meisten waren Volontäre, die dafür bezahlten um für 3 6 Monate in Ghana unentgeltlich arbeiten zu dürfen.
Als wir auf unseren Platz fuhren, sahen wir sehr zu unserer Freude den Fiat 4x4 Panda von Martin und Stefanie. Leider waren sie gerade nicht da und ich konnte es kaum abwarten sie zu sehen.
Wir bestellten unser Essen und tranken an der Bar gerade ein Bier, als sie eintrudelten. Die Freude war auch auf ihrer Seite und wir hatten uns viel zu erzählen.
Das Abendessen wurde am Strand eingenommen, wo man Bänke und Tische aufgestellt hatte. Eine Musikgruppe trommelte und vier Tänzer zuckten im Rhythmus der Trommeln. Die Leute schauten begeistert zu.
Wir gingen trotzdem nach dem Essen zurück, um weiter mit Martin und Stefanie reden zu können.
Bei der zweiten Runde Bier trafen wir wieder auf Eva, die belgische Contrabass-Spielerin, die wir bereits in Mole N.P. getroffen hatten. Da sie mit zwei anderen Jungs unterwegs war, sah sie uns nicht gleich. Charly stupste sie an und sie hat sich so gefreut, dass sie ihm gleich um den Hals fiel. Charly strahlte wie ein Honigkuchenpferd, war aber auch ziemlich verduzt.
Wir bereiteten uns vieren ein wunderbares Frühstück mit frischgepressten Orangensaft. Clara gesellte sich dazu, eine Schweizer Krankenschwester aus Luzern, die für ein halbes Jahr in Liberia arbeitet. Auch sie hatte viel zu erzählen und so sassen wir bis Nachmittags am Frühstückstisch. Mit einer frischen Ananas begannen wir den Nachmittag und hatten es kaum geschafft uns vom Tisch fort zu bewegen. Auch Paul der zusammen mit seiner Freundin Renate bis Oktober Big Milly’s Backyard managed, gesellte sich zu uns. Afrika war natürlich unser grosses Thema. Die beiden Holländer sind nun schon seit fast vier Jahren in Afrika unterwegs und wären nicht abgeneigt so einen Platz wie hier zu übernehmen oder aufzubauen. In Südafrika hatte man ihnen schon mal angeboten eine Lodge zu übernehmen, doch die war ihnen zu vornehm. Angola wäre auch etwas, da dort nun die ganze Infrastruktur neu aufgebaut wird und man gerne den Tourismus ausbauen möchte. Einige Südafrikaner sind da schon dran.
Am späteren Nachmittag gesellten sich Eva und ihre beiden Freunde auch zu uns. Den ganzen Tag verbrachten wir mit Quatschen. Jeder erzählte wie es ihm so ergangen ist und was man alles so erlebt hatte. Spannender als Fernsehen.
Gegen Abend begann es ziemlich heftig zu regnen und alle verkrochen sich.
Das Abendessen nahmen wir alle zusammen im Restaurant ein. Trotz Regen hatten wir eine tolle Stimmung.
Clara und Stefanie bestellten Banku mit Stew. Das Banku ist aber ein ziemlich säuerlicher Teig, der schon fast wie halb vergammelt schmeckte. Sie konnten den Teig anstandslos gegen Reis umtauschen. Banku muss aber anscheinend so schmecken, wie uns Renate und Paul später aufklärten. Nun ja, andere Länder ...
Da Stefanie und Martin Tomaten und Eier am Vortag gekauft hatten, gab es wieder ein feines Frühstück. Wieder sassen wir lange am Tisch und auch Paul war wieder dabei, während Renate sich um das Management des Camps kümmerte. Sie wollte schliesslich den Job, meinte er. Er hatte schon sein eigenes Geschäft gehabt und konnte es gut verkaufen. Er war lange genug Manager, meinte er lächelnd. Er muss es nicht mehr haben.
Leider haben wir gehört, dass am Samstag Abend dreimal Touristen von Banditen am Strand ohne Waffengewalt überfallen und ausgeraubt wurden. Gar nicht weit von unserem Camp. Leider ein häufiges Problem in dieser Region. Ja, wo es viele Touristen gibt, gibt es auch viele Räuber.
Clara kam sich verabschieden, denn sie musste zurück nach Liberia. Auch Eva verabschiedete sich später. Dafür kamen Bekannte von Martin und Stefanie. Reni und Emil, die einen Campingplatz in der Nähe von Cape Coast leiten wollten. Leider war die deutsche Besitzerin unendlich geizig und die Anlage konnte nicht den Ansprüchen der Touristen entsprechen. Was nützt es zu sparen bis man keine Gäste mehr hat?
Wir spielten am späteren Nachmittag Tischtennis. Der Tisch, der Ball und die Schläger waren schon ziemlich havariert, doch uns machte es trotzdem Spass.
Auch Stefanie und Martin gesellten sich hinzu. Wir machten ein Match und verloren. Nun, wir werden nun hart trainieren bis Südafrika und sie neu herausfordern. ;-)
Ein letztes gemeinsames Frühstück, denn Stefanie und Martin wollten heute zu Reni und Emil. Sie werden dort übernachten und ein Schiff nach Südafrika suchen. Am frühen Nachmittag fuhren sie dann los und wir setzten uns zu Renate und Paul.
Die Hunde Spotty, Jacky und Gil folgten Renate, wo immer sie hin ging. Später folgte ihr auch Poppey, die kleine Katze. Sie kümmerte sich intensiv um die Tiere und sie dankten es ihr auf diese Weise. Paul meinte nur, es sei ein Wunder, dass ihr die schwarzen Angestellten nicht auch noch so folgten. Sie nahm sich oft Zeit für ein Gespräch, wenn etwas nicht klappte oder wenn es Probleme gab.
Am Nachmittag habe ich dann Wäsche gewaschen und aufgehängt. Da die Luftfeuchtigkeit aber sehr hoch war, wurde die Wäsche nicht so schnell trocken. Das Wasser zum Waschen mussten wir vom Wasserbecken mit Regenwasser holen, da es bei Big Milly’s Backyard kein fliessendes Wasser gab.
Am Abend assen wir wieder im Restaurant, wo das Essen wie immer ausgezeichnet schmeckte.
Wir waren nicht so früh wach geworden und überlegten uns, ob es noch Sinn mache nach Accra reinzufahren. Paul meinte jedoch, dass es nach 9 Uhr morgens viel besser sei, da dann der grössten Morgenverkehr bereits durch sei. Wir waren schnell überzeugt, packten unsere Sachen zusammen und fuhren los. Tatsächlich war der grösste Stau gleich an der Kreuzung von Kokrobite Beach nach Accra, da dort die Strasse grosse Schlaglöcher aufwies fuhren alle recht langsam. Beim Markt war dann nochmals so ein Knotenpunkt und schon waren wir in der Stadtmitte. Wir fuhren immer dem GPS-Punkt entgegen, um zur Togolesischen Botschaft zu finden. Wir wussten zwar wo die Botschaft war, nur sind wir auf unserem Weg dorthin in kleine Gassen geraten. Nur langsam kamen wir voran. Endlich so gegen 11 Uhr hatten wir nach einer zweistündigen Fahrt unser Ziel erreicht. Wir füllten die Formulare aus und erkundigten uns nach der Situation in Togo. Man versicherte uns, dass nun alles wieder ruhig ist und wir getrost nach Togo fahren könnten.
Wir schafften es gerade noch vor der Mittagpause unseren Antrag einzureichen und bezahlten die 10'000 CFAs pro Visum. Man teilte uns mit, dass wir um 14 Uhr unsere Pässe mit dem Visum abholen könnten.
Wir wollten die Zeit nutzen und fuhren sogleich zum Max Market, wo wir einkaufen gegangen sind. Die Preise waren jedoch sehr hoch und spezielle Lebensmittel haben wir auch nicht gefunden und so war unser Einkauf auch schon bald wieder beendet.
Da wir beide hungrig waren gingen wir zu Nando, eine Fast-Food-Kette, wo man allerlei Hühnchengerichte oder Pizza haben konnte. Wir entschieden uns für Pizza. Charly wollte ein grosse Pizza mit Meeresfrüchte, doch leider hatten sie keine Meeresfrüchte und so bestellte er eine andere Pizza. Natürlich dachte er bei der Bestellung an die feine Pizza von zu Hause, doch leider war die Pizza fade und nur spärlich waren Schinken, Pilze und Gemüse drauf. Meine Steakpizza war auch nicht viel besser und wir waren froh, dass wir doch nur eine mittlere Pizza genommen hatten.
Danach war es auch schon wieder Zeit um aufzubrechen. Wir kamen etwas zu früh an, doch konnten wir unsere Pässe von dem freundlichen Beamten schon entgegen nehmen.
Wir freuten uns Zeit gespart zu haben und machten uns rasch auf den Weg zur Botschaft von Benin. Die war gar nicht weit weg und um 14 Uhr waren wir schon dort.
Der Typ am Empfang drückte sich schon so komisch aus und konnte keine klare Angabe machen, ob wir das Visum noch am gleichen Tag erhalten könnten. Wir erklärten ihm, dass wir schliesslich einen weiten Weg hätten und uns dann auch nochmal durch das Verkehrschaos von Accra kämpfen müssten. Wir fragten nochmals nach, ob es nicht möglich sei. Wir hätten von anderen Reisenden gehört, dass sie das Visum am gleichen Tag erhalten hätten.
Er würde nachsehen, ob sich was machen liesse, meinte der junge Mann. Uns war schon klar, dass er auf Geld aus war, doch wir sagten, dass wir im Wartezimmer seien und warten würden. Nach einer kurzen Zeit kam der Typ mit unseren Pässen zu uns und meinte, wenn wir ihm 10 US$ gäben, könnten wir auf das Visum warten. Wir verneinten die Forderung, worauf er meinte: „oder sonst ein Betrag, den wir zahlen wollen.“ Nein, nein, wir hatten keine Lust unser Geld zum Fenster raus zu werfen und erklärten ihm, dass wir in diesem Falle wohl oder übel nochmals kommen müssten. Der Unterkiefer des Typen ging schlagartig nach unten, denn damit hatte er überhaupt nicht gerechnet.
Verärgert verliessen wir die Botschaft und machten uns auf den Weg, um die Niger Botschaft zu suchen. Diese fanden wir schliesslich im zweiten Anlauf an der Independence Avenue.
Es war kurz vor 15 Uhr als wir ankamen und der Beamte sass bereits in seinem Auto. Eigentlich schliesse die Botschaft um 15 Uhr, doch weil wir nur das Formular zum Ausfüllen und die Konditionen der Visumsbeschaffung wissen wollten, stieg der Mann nochmals aus und brachte uns zu seinem Büro. Er gab uns vier Formulare mit der Bemerkung, dass wir für ein Visum 25'000 CFA und für das Formular nochmals je 15'000 Cedis zu zahlen hätten.
Wir waren sehr erstaunt, dass wir für die Abtragskopien zahlen mussten. Wir nahmen jedoch die Formulare und gingen wieder.
Auf unserem Weg zurück machten wir Halt bei der Toyota Garage. Charly wollte sich erkundigen, was der Ölwechsel kosten würde, plus Öl- und Dieselfilter wechseln.
Die Tante hinter dem Schreibtisch war aber leider nicht die Hellste. Sie wollte uns doch glatt für 2 Mio. Cedis (ca. 180 Euro) einen ausführlich Service aufschwatzen, der wäre so teuer, weil wir noch nie in ihrer Werkstatt gewesen waren. Geduldig erklärten wir ihr nochmals unser Anliegen und dass der Betrag viel zu hoch sei. Sie antwortete nur, dass sie uns nur bis 1,8 Mio. Cedis entgegenkommen könne. Sie wollte einfach nicht begreifen was wir wollten. Das war irgendwie nicht in ihrem Programm. Sie müsse die Motornummer überprüfen. Charly öffnete ihr die Motorhaube und liess sie die Nummer suchen. Irritiert schaute sie in den Motor und fand schliesslich nach langer Suche die gewünschte Nummer. Am Schluss teilte Charly ihr mit, dass sie für die Ersatzteilsuch die Fahrgestellnummer benötige und nicht die Motornummer.
Zurück im Office fragte Charly welches Öl sie den verwenden. Sie darauf Mobil Öl. Charly: Ne, welche Sorte Öl. Sie wieder: Mobil Öl. Charly nun schon leicht genervt von der Tussi: Was für ein Öl, Mineralöl, synthetisches oder halbsynthetisches Öl. Sie war völlig überfragt und es kam ein Verkäufer hinzu, der uns nun bestätigen konnte, dass sie nur Mineralöl verwenden.
Mit dieser Aussage hatte sich der ganze Ölwechsel bei Toyota sowieso erledigt, denn wir wollten dieses billige Motorenöl nicht.
Der Mann aber versicherte uns, dass man an der Mobil-Tankstelle halbsynthetisches Öl kaufen könne. Bei der Ausfahrt rechts und dann am 3. Rotlicht rechts sei eine grosse Tankstelle. Wir bedankten uns für den Hinweis und verliessen die Toyota-Vertretung von Accra.
Da es nun schon spät war, quälten wir uns durch den Verkehr und fuhren zurück zu Big Milly’s Backyard.
Wir erzählten Paul und Renate von unseren Erlebnissen. Beide meinten, ja dass ist Afrika. Sie hätte aber auch in Ostafrika schon für ein Antragsformular zahlen müssen und es könne schon sein, dass dies korrekt sei. Nun wie auch immer, wir haben einen gemütlichen Abend verbracht mit den beiden und gut im Restaurant gegessen.
Da wir ein ausgefülltes Programm hatten, sind wir früh aufgestanden. Wir bestellten unser Abendessen bevor wir losfuhren und waren dann bald auf der Strasse nach Accra. Es war aber keine gute Idee gewesen so früh nach Accra reinfahren zu wollen. Die Strassen waren total verstopft und zwar schon von der Kreuzung von der Kokrobite Beach weg. Die Ringstrasse war total zu und wir standen natürlich mitten drin. Wir konnten dafür die Strassenverkäufer bei ihrer Arbeit beobachten. Die wollten einem alles mögliche andrehen, von Esswaren und Obst über Aufkleben, Spielzeugrevolver bis zum Bauchmuskeltrainer war alles dabei.
Später wussten wir auch wieso der Verkehr überhaupt nicht lief, ein Auto war liegen geblieben und jeder wollte zuerst vorbei fahren. Dadurch kamen nur die wenigsten wirklich an dem Verkehrshindernis vorbei. Toleranz und Reissverschluss sind den Leute fremd. Nachdem auch wir es geschafft hatten uns an dem Auto vorbei zu quetschen, konnten wir flott zur Botschaft von Benin fahren. Kurz nach 10 Uhr waren wir endlich da und konnten unsere Pässe gleich am Empfang entgegennehmen. Wir freuten uns, dass man uns für die 15'000 CFA pro Person ein Multiple Entry Visum ausgestellt hatte.
Wir fuhren sogleich zur Niger Botschaft und wurden auch gleich vorgelassen zum 2. Sekretär des Botschafters. Wir gaben unsere Anträge ab, wobei Charly ein Formular noch ausfüllen musste, da der Beamte uns am Vortag eine falsche Kopie mitgegeben hatte.
Der Sekretär begutachtete unseren Antrag und setzte kurze Zeit später den Stempel in unseren Pass. Dabei legte er die grösste Sorgfalt an den Tag, damit der Stempel auch gerade und gleich ausgerichtet war in unseren Pässen. Danach musste er unsere Daten und die Dauer des Aufenthaltes noch von Hand eintragen. Wir freuten uns schon, dass alles so schnell und reibungslos verlief. Er verlangte das Geld und machte sich auf den Weg zum Botschafter mit der Bemerkung, dass wenn wir Glück hätten, wir unser Visum in 15 Minuten hätten.
Wir hatten leider kein Glück, denn der Botschafter hatte gerade Besuch von Indien und war folglich im Moment nicht erreichbar.
Der Beamte gab sich Mühe und fragte wie es denn in der Schweiz sei, und dass er auch gerne einmal nach Europa fahren würde. Quasi in Europa ist alles Besser und das Geld wächst auf den Bäumen. Auf unseren Einwurf, dass man dafür aber hart zu arbeiten hat, ging er nicht weiter ein. Immer wieder schaute er mal nach, ob unsere Pässe in der Zwischenzeit unterzeichnet wurden. Einige Männer betraten den Raum und freudig wurden sie von unserem Beamten begrüsst. Auch wir wurden zu unserem Erstaunen herzlich begrüsst. Anschliessend erfolgte ein kurzes Palaver. Ein älterer Moslem betrat etwas unsicher den Raum. Er wollte einen Pass und musste dafür gemessen werden, da er nicht wusste wie gross er war. Oft hatte er so einen Antrag wohl noch nicht gestellt.
Während wir warteten, fing es heftig an zu regnen. Es schüttete wie aus Kübeln. Ja super, genau das hatte uns noch gefehlt. Unsere Pässe liessen weiter auf sich warten. Der Beamte bemühte sich weiterhin sich mit uns zu unterhalten. Er erzählte, wo er herkam und wo es schön sei im Niger. Er gruschelte eine alte Landkarte vom Niger heraus und zeigte uns, wo die Sehenswürdigkeiten sind. Die Karte war wirklich schon sehr betagt, denn auf dieser Karte wurde Burkina Faso noch als Haute Volta bezeichnet. Wir mussten schmunzeln.
Endlich kurz vor 12 Uhr erhielten wir unsere Pässe mit dem Visum zurück. Wir bedankten uns und verliessen sogleich das Gebäude. Leider regnete es immer noch in Strömen. Snoopy stand dabei mitten in einer riesigen Wasserpfütze, schon fast ein kleine See. Charly hatte erbarmen mit mir und lief zum Auto. Ich konnte so lange unter dem Dach den Ausgangs warten. Er fuhr vor und ich konnte fast trockenen Fusses einsteigen. Das nenn ich Service. Seine Füsse und Schuhe waren aber durch und durch nass.
Da wir noch so früh dran waren machten wir uns auf die Suche nach der Botschaft von Nigeria. Wir hatten GPS-Koordinaten von Reisenden, die 2003 hier waren und fuhren dahin. Leider war die Botschaft aber nicht mehr dort und wir fragten in einem Haus nach, wo die Botschaft den nun wäre. Der nette Mann kam mit mir trotz Regen auf die Strasse und erklärte mir den Weg. Auch in einem Buch war die Nigeria Botschaft in der Nähe von der Benin Botschaft eingezeichnet. Wir fuhren und fuhren, konnten aber die Botschaft nicht finden. Wir fragten auch nach, doch jeder schickte uns in eine andere Richtung.
In der Zwischenzeit waren wir entnervt und hungrig. Da wir nicht weit vom Max Market weg waren, beschlossen wir dort etwas zu essen und dann weiter zu suchen. Diesmal assen wir Hühnchen, doch viel besser als die Pizza war es auch nicht.
Anschliessend setzten wir unsere Suche fort. Nach langer Sucherei fanden wir schliesslich das Gebäude, doch war man inzwischen schon wieder umgezogen. Es hing nur noch ein Zettel am Eingangstor mit der neuen Adresse drauf.
Neu war die Botschaft in der Airport Residential Area, an der Akosombo Road Nr. 19. Da es erst früher Nachmittag war, machten wir uns auf den Weg. Zuerst sind wir einmal zu früh abgebogen, doch bald darauf fanden wir die Botschaft.
Der Wächter am Eingang erklärte uns, dass heute kein Visumstag sei und wir auch keine Anträge stellen könnten. Wenigstens das Formular und die Konditionen wollten wir haben, nachdem wir fast 3 Stunden verbraten hatten um die Botschaft zu finden. Der Wächter freute sich, dass wir sein Land besuchen wollten und liess uns trotzdem zum Sekretariat vor.
Die Dame am Schalter war sehr freundlich und rief sofort den zuständigen Beamten. Dieser war dann aber ganz und gar nicht freundlich. In einem ziemlich forschem Ton erklärte er mir was wir alles zu bringen hätten, wenn wir ein Visum haben wollten. Jeweils eine Kopie vom Fahrzeugausweis, dem Führerschein, vom Pass mit dem Foto und vom Ghana Visum. Das ganze kostete dann stolze 56 US$. Ufff! Wir müssten dazu noch Referenzen angeben oder ein Schreiben von der Firma, wo wir arbeiten würden. Ich versuchte ihm freundlich zu erklären, dass wir ja noch nie in Nigeria waren und somit auch keine Referenzen angeben könnten und eine Arbeitsstelle hätten wir auch nicht. Ja was wir denn dann in Nigeria wollten, war seine Frage. Ich sagte, wir sind auf dem Weg nach Kamerun. Ja dann, dann bekämen wir sowieso nur ein Transitvisum für 7 Tage, der Preis sei aber der gleiche. Wenn ich ein Visum wolle, dann müsste ich am Donnerstag pünktlich um 10 Uhr hier erscheinen. Ich glaub ich spinn! Was für ein arrogantes A.....
Ich nahm brav alle Dokumente und verliess das Gebäude. Wieder bei Charly, sagte ich, ich glaub wir lassen das mit dem Nigeria Visum, die Typen da sind zu arrogant.
Wir verliessen das Gelände und fuhren zurück zu Big Milly’s Backyard.
Da es noch nicht so spät war, als wir ankamen, hat Charly die beiden Vorderräder demontiert, die Bremsen zerlegt und gereinigt.
Abendessen gab es wieder im Restaurant, wo wir uns gut mit den beiden australischen Frauen aus Melbourne unterhielten. Heather war die Mutter und arbeitete zur Zeit als Hebamme in der Elfenbeinküste. Die Tochter Melanie war auf der Durchreise und wollte nachher weiter nach Italien. Ihr Freund war Sizilianer und zudem hatte sie eine Freundin Rom, die sie ebenfalls besuchen wollte.
Da wir beschlossen hatten das Nigeria Visum nicht zu beantragen, wollten wir uns heute nach dem Stress in Accra ausruhen.
Charly wollte heute den Kühlschrank reparieren und baute dafür das Gerät aus. Wir versuchten den ganzen Tag jemanden von Südafrika oder Robert Kotei Ventures von Accra zu erreichen. Er war uns als Vertretung von Engel Kühlboxen angegeben worden.
Leider ohne Erfolg, weder der eine noch der andere Anruf war erfolgreich. Wir nahmen den ganzen Kühlschrank auseinander und Charly mass die Spannungen des Inverters und notierte diese. Ich konnte nun auch hinter den Kühlrippen putzen, das war aber dann auch schon der ganze Erfolg. Frustriert bauten wir das Teil wieder ein, denn reparieren konnte man nichts.
Charly sah nach der hinteren rechten Bremse, d.h. er demontierte das Rad, zerlegte die Bremse, reinigte sie und sah nach dem Lager.
Am Nachmittag kam Gianna aus Deutschland an, welche wir schon im Mole N.P. kennen gelernt hatten. Sie hatte gerade eine Portion Kenke und liess uns probieren. Der fest Brei erinnerte entfernt an ziemlich trockenen Kartoffelbrei. Dazu hatte sie in einer kleinen Plastiktüte eine scharfe Sauce erhalten. Die war dann aber wirklich scharf!
Der Tag verging wie im Flug. Wir unterhielten uns auch ganz oft mit Carlie, eine Holländerin, die nachträglich ihr Soz-Studium machte, da nun die Kinder gross waren.
Sie hatte im Norden von Ghana Strassenkinder unterrichtet. Sie erzählte uns, dass die Lehrer im Unterricht schliefen und die Kinder sich dabei ganz ruhig zu verhalten hätten, sonst setzt es Hiebe. Sie sprach den Lehrer daraufhin an und dieser meinte nur, dass er vom Staat nur sehr wenig Geld bekomme und somit auch nicht die volle Leistung erbringe. Tja, so haben die Kinder zwar Schulpflicht und wenn die armen Eltern auch das Schulgeld aufbringen können, haben die Kinder trotzdem keine gute Ausbildung. Was für ein Blödsinn. Und wenn das Schulgeld nicht bezahlt werden kann, werden die Kinder sowieso vom Unterricht nach Hause geschickt.
Die Erziehung der Kinder beruht hauptsächlich auf Schläge, wobei sich Carlie dagegen vehement wehrte. Sie hatte trotzdem Erfolg und man sah ihr an, dass es ihr Freude bereitet hatte dort zu arbeiten. Sie erzählte auch von ihrem Krankenhausaufenthalt. Sie hatte zu hohen Blutdruck und musste im Spital bleiben. Alle Dorfbewohner kamen sie besuchen, auch die Frau bei der sie immer ihr Wasser holte. Der Weg war weit und die Leute mussten lange laufen und doch hatte sie mehr Besuch als es ihr lieb war.
Sie erzählte von der Beerdigung eines Mannes, der in einem anderen Dorf gestorben war als in dem er geboren war. Man setzte seinen Sarg einfach auf das Dach eines Tro-Tros (Sammeltaxi) und nahm den Leichnam neben den lebenden Gästen einfach auf dem Dach mit. Völlig unkompliziert, denn sterben gehört in Afrika zum Alltag. Danach war natürlich wieder 3 Tage Beerdigungsparty, wobei sich die Angehörigen in der Regel hohe Schulden machen.
Wir haben wieder versucht den Robert Kotei zu erreichen, wieder ohne Erfolg. Doch diesmal hatten wir Glück in Südafrika. Charly konnte mit einem Techniker reden, doch glaubte er den Aussagen desselben nicht.
Er fragte nochmals nach der Adresse und Telefonnummer von Robert Kotei. Da hat er von Marilu eine ganz andere Telefonnummer erhalten, als von ihr beim letzten Mail. Wir versuchten sofort den guten Mann zu erreichen und hatten diesmal Glück. Der Mann am Telefon muss aber ein Schwarzer gewesen sein, denn seine Aussprache war nur schwer verständlich. Er versicherte uns, dass er die Kühlbox reparieren könne, aber keine Ersatzteile hätte. Da wir keinen guten Stadtplan von Accra hatten und ich den Typ so schlecht verstand, machten wir ab, dass er am Samstag vorbei käme und die Kühlbox reparieren würde.
Charly war mit dieser Abmachung aber gar nicht glücklich und rief später selber noch einmal an. Wir lehnten uns von Paul und Renate einen Stadtplan aus und fuhren los.
Wir fanden das Geschäft von dem Kotei sofort und Charly demontierte die Kühlbox. Er trug das Teil in die Werkstatt, wo er dann aber feststellen musste, dass der Typ keine Ahnung hatte. Der wusste noch nicht mal welche Schrauben er auf der Rückseite lösen musste. Enttäuscht und sauer schraubte Charly die Kühlbox wieder zusammen und brachte diese zurück ins Auto.
An der Toyota Garage hatte man uns für das halbsynthetische Öl an eine Mobil Tankstelle verwiesen. Die Hauptstrasse runter und nach der 3. Ampel auf der rechten Seite hiess es. Doch wir fuhren und fuhren, aber eine Mobil-Tankstelle konnte wir weit und breit nicht finden.
Wir drehten eine Runde in der Stadt, jedoch ohne Erfolg. Wir hielten unterwegs an zwei Wechselstuben an, Forex-Bureau genannt. Die Wechselkurse waren aber derart schlecht, dass wir unverrichteter Dinge wieder weiterfuhren.
Da wir nun schon in der Stadt waren, wollten wir noch zum Koala Markt und zur Bank.
Der Koala Supermarkt hatte eine viel bessere Auswahl als der Max Markt. Wir fanden sogar richtiges deutsches Schwarzbrot. Lecker! Dazu kauften wir einen leckeren Weichkäse. Die Preise waren aber auch in diesem Laden gesalzen, so dass sich unsere Einkaufsliste im Rahmen hielt.
Auf der Bank hatten wir dann weniger Glück, war doch ausgerechnet der Automat kaputt, welcher 800'000 Cedis ausspuckte. Da wir für jede Transaktion bezahlen müssen auf unserer Schweizer Bank, hoben wir nicht vom anderen Automaten ab, denn dieser spuckte nur max. 400'000 Cedis aus. Die Bank war natürlich schon geschlossen, doch der Sicherheitsbeamte versicherte uns, dass der Kasten gleich repariert würde. Wir warteten ein Weilchen, sahen dann aber ein, dass dies sinnlos war. Wir liefen zum Forex-Bureau auf der gegenüberliegenden Strasse um dort Euro zu wechseln. Leider hatte man dort nur kleine Scheine und wir hatten keinen Bock mit so einem grossen Paket Bargeld rumzulaufen. Der grösste Geldschein (20'000 Cedi) in Ghana hat einen Gegenwert von nur 1.8 Euro.
Wir fuhren wieder in Richtung Kokrobite Beach und kamen an einer Mobil-Tankstelle vorbei. Charly wollte trotz einbrechender Dunkelheit schnell nachsehen, was für Öl man hier verkaufte und was es kostete. Ich blieb unterdessen im Auto und passte auf.
Mit einiger Verspätung trafen wir dann wieder bei Big Milly ein. Das Essen war natürlich schon seit einiger Zeit fertig und Paul arrangierte gleich, dass unser Essen nochmals im Ofen aufgewärmt wurde.
Wir setzten uns an den Strand, da heute wieder die Trommler und Tänzer dort ihr Bestes gaben. Carlie sass zuerst am Tisch, doch durch Spielerei der Kinder kippte eine Bank um und traf ein kleines Mädchen. Diese fing natürlich sofort an zu weinen. Sie setzte sich auf den Boden und nahm die Kleine in den Arm. Sofort war die Kleine still und war bald darauf in ihren Armen eingeschlafen. Soviel Zuneigung kennen die Kinder hier nicht.
Die Tänzer und Trommler gaben ihr Bestes, doch die grosse Show hatte ein kleiner Junge. Der ca. 5 Jährige tanzte besser als die Erwachsenen und war dabei so verzückt, dass er gar nicht bemerkte, wie ihm seine Hose beim Hinternwackeln über die Hüften rutschte. Er tanze einfach weiter. Er liess sich auch nicht beirren, als ein Teenager kam und ihm die Hosen beim Tanzen wieder hoch zog. Die Leute waren begeistert von dem Kleinen.
Seinen Hosenladen konnte er nicht schliessen, da dieser offensichtlich kaputt war, aber auch dass schien ihn nicht im geringsten zu stören. Die Leute lachten und applaudierten ihm.
Am Schluss der Vorstellung kamen die Tänzer und baten um ein Trinkgeld.
Später kam auch der kleine Junge, und auch ihm gaben die Leute gerne ein Trinkgeld. Leider hatte er dieses Geld nicht lange, denn die Halbwüchsigen hatten es ihm schnell wieder abgenommen. Das störte ihn aber auch nicht weiter, schliesslich war das Tanzen seine Leidenschaft. Der Kleine war wirklich die grosse Show und war kaum zu bremsen, auch als die Trommler aufgehört hatten, tanzte er noch vergnügt weiter.
Heute wollte Charly endlich den Ölwechsel machen und so sind wir gegen Mittag zur Mobil-Tankstelle gefahren. Der Typ der für den Ölwechsel zuständig war schnarchte aber friedlich auf seinem Stuhl dahin. Charly rief ihm zu, aber keine Reaktion erfolgte darauf. Da ging Charly auf ihn zu stiess ihm mit dem Fuss an. Der Mann fuhr hoch und wusste im ersten Moment gar nicht wo er war. Bald jedoch realisierte er, dass er Kundschaft hatte.
Charly wollte aber nicht, dass die Ölablassschraube vermurkst würde und wollte deshalb den Ölwechsel selber machen. Er löste die Ablassschraube mit dem eigenen Schlüssel, da das Werzeug der Garage schon bessere Tage gesehen hatte und lies den Angestellen die Schraube von Hand rausdrehen. Glatt wurde dieser von Snoopy mit einer Öldusche bedacht. Bei 10 Liter Öl ist da schon Druck drauf. Den Rest machte Charly selber und die Typen von der Tankstelle kam alle hinzu und schauten ihm interessiert zu. Unser Werkzeug hat ihnen imponiert, insbesondere die Kralle mit der man den Ölfilter lösen kann. Einer meine auch andauernd: I like your car. Nun, wir geben Snoopy nicht her und wenn er es hundertmal sagt.
Wieder zurück bei Big Milly hatte Charly noch die hintere linke Bremse zerlegt und gereinigt. Er hatte dabei starke Schweissausbrüche. Das man so schwitzen kann, dabei war die Arbeit doch gar nicht so anstrengend, meinte er noch. Wir schoben den Schweissausbruch auf die hohe Luftfeuchtigkeit und dachten nicht weiter darüber nach.
Am Nachmittag kam dann die Hiobsbotschaft, dass zwei junge Deutsche am Strand von 15 jungen Schwarzen überfallen worden sind und nun total verstört da sassen. Wir gingen zu ihnen, um mit ihnen zu reden und um sie zu beruhigen.
Einer war bei der Schweizer Vertretung von Hilti und der andere arbeitete bei einer Software-Firma, die Verkaufsprogramme erstellte.
Einer der Beiden meinte, dass sei vielleicht gar nicht so schlecht, dass ihnen das passiert sei. So hätten sie die rosarote Brille verloren, die sie vor dem Überfall noch auf hatten. Die Rucksäcke haben sie behalten dürfen, nur der Inhalt war weg.
Renate hatte ihnen eine Gratisübernachtung in einem Bungalow angeboten, doch die Beiden wollten nur wieder zurück nach Accra um sich von dem Schock zu erholen.
Am Abend assen wir zusammen mit Renate und Paul. Charly fühlte sich gar nicht wohl und mochte noch nicht mal sein Abendessen. Er nahm nur ein paar Bisse und ging anschliessend ins Auto.
Ich ging nach dem Essen zu ihm und bemerkte, dass er wieder Fieber hat. Gleich gab ich ihm ein Artesunate.
Da Charly schlafen wollte, ging ich zurück zu den anderen. Ich wollte mich noch mit dem Engländer, der auch Paul hiess, über Togo unterhalten. Er war 3 ½ Wochen in Togo gewesen und dass war natürlich interessant für uns, wie er das Land erlebt hatte. Er war durchweg begeistert von der Berglandschaft und der Bevölkerung im Norden. Es sei nun alles wieder in grünen Bereich und wie könnten ohne weitere Bedenken nach Togo einreisen, meinte er.
Später ging ich zurück zu Charly, der immer noch 38°C Fieber hatte.
Eigentlich hatten wir vorgehabt am Sonntag abzufahren, doch das haben wir nun verschoben.
Charly hatte auch am Morgen noch Fieber und lag den ganzen Tag mit 38,5°C Fieber im Bett. Da er rechtzeitig die Artesunate Tabletten bekommen hatte, stieg sein Fieber nicht weiter.
Ich habe den ganzen Tag mit der Planung der weiteren Reiseroute verbracht. Durch Niger oder durch Nigeria, war die Frage. Durch Niger zu fahren ist zwar ein riesiger Umweg, aber dafür können wir den fantastischen Norden von Kamerun sehen und vielleicht auch den Tschadsee. Renate und Paul hatte es gut gefallen in Niger, sie waren immer noch begeistert.
Spooky, die kleine magere Katze lag den ganzen Tag auf meinen Schoss und schlief. Leise schnurrte sie, wenn ich sie kraulte. Am Nachmittag machte ich eine Dose Leberpaste auf und gab der kleinen Mieze ein wenig. Sie ass etwas, aber nicht viel.
Zwischendurch ging ich immer wieder nachschauen, wie es Charly ging. Das Fieber kam langsam gegen Abend auf 37°C und er fühlte sich schon etwas besser.
Am Abend ging es Charly schon wieder so gut, dass wir wieder gemeinsam mit Renate und Paul Abendessen konnten.
An diesem Tag ging es Charly besser und er hatte auch wieder seine üblichen frechen Sprüche drauf. Ein gutes Zeichen. Wir wollten diesen Tage aber nichts unternehmen, damit er sich von seiner Malaria erholen konnte.
Wir schafften es gerade mal eine Bucket-Shower zu nehmen. Das ist ein Eimer Wasser und ein Gefäss mit dem man sich das Wasser über den Körper schüttet, denn fliessendes Wasser gab es bei Big Milly’s Backyard nicht.
Charly fühlte sich heute schon wieder so fit, dass wir kurzentschlossen doch nach Accra fuhren, um das Nigeria Visum zu beantragen. Denn wenn wir nicht über den Tschad fahren können, müssten wir über Nigeria nach Kamerun einreisen. Ohne Visum müssten wir dann wieder zurück nach Niamey fahren, die Hauptstadt von Niger und dies würde bedeuten 1'500 km hin und 1'500 km wieder zurück. Da zahlen wir lieber 56 US$ und haben das Visum bereits in der Tasche und können dieses gegenenfalls verfallen lassen.
Wir fuhren in die Stadt und machten unterwegs noch die benötigten Kopien. Das Geld war parat und die Formulare ausgefüllt. Nur leider hatten wir immer noch keine Referenzen. Wir schrieben halt „keine“ rein. Man wird sehen was passiert.
Am Eingang wollte uns der Wächter gar nicht rein lassen, denn es war wieder einmal kein Visumstag. Wir durften trotzdem zum Sekretariat.
In der Botschaft kam der nächste Rüffel. Der gleiche arrogante Typ von letzter Woche schimpfte, er hätte mit doch gesagt, dass nur am Montag und Donnerstag ein Visum beantragt werden könnte. Entschuldigung, aber dass hatte ich wohl nicht so richtig verstanden, antwortete ich ihm ruhig. Ich könne gut englisch und er glaube mir das nicht. Nun so war es aber. Ich hatte nur verstanden, dass ich am Donnerstag um Punkt 10 Uhr zu erscheinen hätte, dass nur an zwei Tagen Visum erstellt werden, hatte mir keiner erzählt.
Trotzdem nahm er sich unseren Antrag an und las diesen durch. Wieso da keine Referenzen stehen, fragte er giftig. Weil wir noch nie in Nigeria waren und folglich auch noch niemanden kennen. Eine Einladung konnten wir auch nicht vorweisen. Er anwortete, er müsse die Konsulin fragen, wir sollen warten und verschwand mit unseren Unterlagen.
Er kam wieder und teilte uns mit, dass wir die Hotels angeben sollen, wo wir reserviert hätten. Hey Mann, wir sagten doch schon, dass wir mit dem Auto unterwegs sind und campen. Ja, wenn wir keine Hotel vorweisen können und nicht wissen würden wo wir durchfahren wollen, dann kann er uns auch kein Visum ausstellen. OK, dachten wir, dann holen wir den Reiseführer und suchen zwei Hotels raus, die ungefähr auf unserer Route liegen.
Später wurden wir zum Schalter gerufen und diesmal war eine dicke Mama dabei. Diese war noch giftiger als der Typ. Wieso wir keine Referenzen hätten und so weiter und so fort. Wir müssen doch wissen wo genau wir durchfahren und zudem werden die Anträge von Nigerianern bei der Schweizer Botschaft in Nigeria immer abgelehnt. Aha, antwortete ich etwas vorlaut, dann war dies wohl die Rache. Uppps, das hätte ich besser nicht gesagt. Jetzt war sie erst recht sauer.
Eine regelrechte Schimpftirade mussten wir über uns ergehen lassen und ich wurde immer röter im Gesicht vor lauter Zorn. Wenn Charly nicht beruhigend eingegriffen hätte, hätten wir uns wahrscheinlich zerfleischt. Er entschuldigte sich und erklärt treuherzig im ruhigen Ton, dass es wohl sein Fehler gewesen sei. Er hätte nicht gewusst, dass man auch Hotels als Referenz angeben kann und hätte aus diesem Grund nichts hingeschrieben.
Die Entschuldigung verfehlte ihre Wirkung nicht und die doofe Kuh beruhigte sich wieder. Ja, er würde sie verstehen und ich nicht, meinte sie. Charly schupste mich ein paar Mal mit dem Fuss dass ich endlich die Klappe zuhalten sollte, was ich auch tat. Egal, Hauptsache sie lenkte ein und wir konnten endlich den Antrag stellen. Sie erklärte aber noch, dass sie durchaus das Recht hätte uns so zu interviewen. Ja, ja, - gib uns nur das Visum. Endlich willigte sie ein und gab dem jungen Typen die Anweisung uns je ein Visum auszustellen. Morgen zwischen 12 und 14 Uhr können wir es abholen. Wir zahlten und verliessen den unfreundlichen Ort.
Der Wächter wollte auch noch seine Bezahlung, da er uns vorgelassen hatte und nun eine auf den Deckel gekriegt hatte. Wir waren müde und gaben ihm das Geld für eine Cola.
Wir hatten die Nase voll und Charly sollte sich noch etwas ausruhen, weshalb wir zurück zu Big Milly’s Backyard fuhren.
Den restlichen Tag verbrachten wir gemütlich und haben uns mit Paul und Renate unterhalten, über ihre Erlebnisse in der Nigeria Botschaft in Niger.
Wir kamen zu der Schlussfolgerung, dass die dicke Mama wohl nun nach Accra versetzt worden war, denn ihre Geschichte war ganz ähnlich wie unsere. Sie hatten aber mehr Glück gehabt, da sie vorher den Konsul persönlich getroffen hatten und ein Visitenkärtchen von ihm hatten. Als die dicke Mama sie dann schikanieren wollte und sagte, dass sie jeden Tag vorbei zu kommen haben, aber nicht sicher ist ob sie ihr Visum kriegen, zückten sie kurz das Kärtchen und fragten nach dem Konsul. Die Dame war danach ganz kleinlaut und sie bekamen ihr Visum noch am gleichen Tag.
Wir sind nicht so früh aufgestanden, da wir erst um 10 Uhr losfahren wollten. Da heute aber irgendwie wenig Verkehr war, waren wir viel zu früh in der Stadt. Wir hatten Hunger und gingen mal wieder so eine üble Pizza essen. Besser als nichts, dachten wir uns. Pünktlich um 12 Uhr waren wir dann an der Botschaft. Der Wächter machte gar keinen glücklichen Eindruck, er schien nun tatsächlich eine aufs Dach bekommen zu haben. Er sagte kaum guten Tag. Wir konnten leben damit, schliesslich hatte er uns gestern auch abgezockt.
In der Anmeldung kam auch bald wieder der arrogante Typ und brachte uns unsere Pässe. Gespannt schauten wir rein und freuten uns, dass wir für unsere 56 US$ doch 30 Tage Aufenthalt bekamen. Innerhalb von 3 Monaten mussten wir aber wieder draussen sein. Wir bedankten uns kurz und verliessen den Ort.
Wir fuhren direkt zum Koala Markt, weil dort auch eine Barclays Bank war. Leider erklärte man uns dort, dass wir nur am Hauptsitz in der Highstreet mit der Visakarte Geld beziehen konnten. Also fuhren wir ins Zentrum zum Hauptsitz. Parkplätze gab es angeblich nur im Parkhaus. Ich fragte mich nur, wieso dann hier so viele Auto parkiert waren.
Schliesslich zeigte uns ein anderer Wachmann, wo wir das Auto stehen lassen konnten. Der Ort war aber Charly nicht so geheuer und so ging er allein in die Bank. Er konnte aber nur einen Teil des gewünschten Betrages abheben, denn man hatte ein Limit gesetzt auf Bezüge mit der Visakarte. Eigentlich war der Betrag gar nicht so hoch, aber da man am Automaten auch nur maximal 800'000 Cedis bekam, was ungefähr 70 Euro entspricht, wunderte es uns nicht weiter.
Anschliessend fuhren wir zurück auf die Ringroad, da wir dort das Busy-Internet Cafe gesehen hatten. Wir hatten Glück und fanden das Internet sofort. Die Parkplätze waren sogar bewacht. Wir staunten nicht schlecht, als wir rein gingen. Eine grosse Halle mit vielen, vielen Computern war vor uns und noch immer standen mindestens 20 Personen Schlange.
Wir fragten nach, ob wir unseren Notebook hier anschliessen könnten und man schickte uns in die VIP Lounge. Dort mussten wir nicht lange warten bis ein Platz frei wurde, da hier die Gebühren natürlich höher waren.
Angeblich sollte die Verbindung sehr schnell sein, doch da der Typ neben uns MP3 runterlud und wahrscheinlich nicht der Einzige war, ging es nicht lange bis Charly wieder über die langsamen Leitungen fluchte. Nach 2 Stunden hatten auch wir es geschafft und wollten zurück zum Camp fahren.
Meine Güte so viel Verkehr ist ja Wahnsinn. Natürlich standen wir wieder in der langsamsten Kolonne. Der eine oder andere reparierte nebenbei den Motor. So bald sich die Kolonne etwas bewegte, wurde gedrängelt ohne Rücksicht auf Verluste. Der eine fuhr in den anderen rein, es wurde gefuchtelt und geflucht. Vor unserer Nase quetschte sich ein dicker Bus ganz nah und frech rein. Da fuchtelte und fluchte ich dann auch mit.
Da wir wieder mal so spät zurück kamen, war unser Essen natürlich wieder nur lauwarm. Renate hat uns dann auch gleich mit einer schlechten Nachricht empfangen. Spooky, das kleine dürre Kätzchen liege im Sterben. Da ich jedoch noch etwas essen wollte, gingen wir zuerst ins Restaurant bevor wir zur Katze gingen. Ich hatte im Koala extra feines Whiskas Futter gekauft für sie, nun würde sie es nicht mehr brauchen. Als wir das Häufchen Elend sahen, schnürte sich unser Herz zusammen. Die Kleine hatte so Schmerzen, dass sie miaute und sich zusammenkrampfte. Sie tat uns so leid, aber sie umbringen, brachte auch keiner von uns übers Herz. Wir blieben noch ein Weile und streichelten sie, denn das schien sie etwas zu beruhigen.
Am Morgen erzählte uns Renate, dass Spooky tot sei. Das war traurig, aber für das kleine Kätzchen wohl besser so. Sie hatte schon längere Zeit nicht mehr richtig gefressen und war deshalb nur noch Haut und Knochen. Nicht einmal die leckere Leberpaste frass sie ganz auf.
Eigentlich wollten wir heute definitiv abfahren, doch hatte ich die ganze Nacht Durchfall und es ging mir nicht so besonders gut. Zusätzlich hatte ich schmerzhafte Bauchkrämpfe, weshalb wir alles wieder auspackten. Charly hatte sogar die Hängematte für mich aufgestellt. Ich legte mich gerne hinein und schlief etwas. Auch Charly war müde und schlief im Auto.
Wir verpennten fast den ganzen Tag, aber dafür ging es mir am Abend wieder ganz gut.
Ein zusätzlicher Ruhetag hatte Charly sicher auch nicht geschadet mit seiner Malaria.
Am Nachmittag und Abend haben wir uns viel mit Paul und Renate unterhalten. Wie immer war Afrika unser Hauptthema.
Mit geht es heute viel besser und habe fast keinen Durchfall mehr. Die Bauchkrämpfe sind fast weg. Heute werden wir nun endlich definitiv abfahren.
Wir haben uns herzlich von Renate und Paul verabschiedet. Adam aus Neuseeland packte seine grosse Trommel in unser Auto und wir fuhren gemeinsam nach Accra. Bei der Hauptpost stieg Adam wieder aus und wir wünschten ihm eine gute und nicht allzu strenge Zeit für die restlichen 3 Monate in Liberia, wo er gemeinsam mit Clara im Krankenhaus arbeitete. Natürlich sollte er auch Clara in Liberia herzlich von uns grüssen, die wir ja in der vergangenen Woche getroffen hatten.
Wir fuhren weiter zur Bank, doch leider war mal wieder der Geldautomat (ATM) defekt. Wir fuhren weiter in Richtung Flughafen und fanden eine Mobil-Tankstelle, wo auch ein Geldautomat von der Ecobank installiert war. Froh nun genügend Cedis zu haben, füllten wir alle Tanks und kauften Motorenöl. Nun waren wir startklar und verliessen Accra auf schnellstem Weg.
Die Strasse führte uns zuerst durch eine flache Landschaft und der Verkehr wurde immer weniger. Unterwegs sahen wir immer wieder Riesen-Mangos und wir hielten an um welche zu kaufen, doch der Preis war zu hoch. 20'000 Cedis für eine Mango, das ist zuviel gewesen und verhandeln wollte man nicht, also fuhren wir weiter. Später sahen wir wieder Mangostände und dort konnte ich vier etwas kleinere Mangos für 10'000 Cedis kaufen.
Weiter ging es in Richtung Akosombo. Eigentlich wollten wir den Damm ansehen, doch waren wir wieder so spät dran und da wir nicht mehr in der Dunkelheit fahren wollen, fuhren wir direkt weiter nach Hohoe.
Die Landschaft war nun sehr grün und hügelig. Eine relativ gute Strasse führte uns bis kurz vor Hohoe. Leider verwandelte sich diese dann ca. 10 km vor Hohoe in eine Baustelle und damit in eine sehr holprige, staubige Piste.
In Hohoe fanden wir schnell die Abzweigung nach Wli, wo wir dann in der Waterfall Lodge übernachten wollten.
Bei der Ankunft in der Waterfall Lodge wurden wir herzlich von Bernhard begrüsst. Wir setzten uns zu den anderen Gästen in die offene Rundhütte und tranken ein Bier. Dabei lernten wir auch Sabine kennen, die zusammen mit Bernhard hier dieses wunderschöne Fleckchen Erde aufgebaut hatte.
Wir unterhielten uns auch gut mit Charlie, einer junge Frau aus Ratzeburg. Auch Sabine stammt aus Schleswig Holstein genauer gesagt aus Neumünster. So viele Nordlichter gibt es hier, denn wie wir hörten, wird auch im Hotel Geduld Hamburger Plattdeutsch gesprochen.
Wir hatten eine lustige Runde bei einander und lachten viel. Nach dem Abendessen tranken wir noch ein paar Bierchen und hatten es sehr gemütlich.
In der Nacht musste Charly plötzlich mehrmals aufstehen, da er stark Durchfall hatte. Er bekam Schüttelfrost und Fieber. Ein Malaria Rückfall dachten wir und ich gab ihm ein Artesunate. Es ging ihm sehr schlecht, denn trotz Schlafsack fröstelte er die ganze Nacht vor sich hin. Seine Hände und die Stirn waren nasskalt. Die Temperatur blieb aber mit 38,5°C stabil.
Gleich am Morgen fragte ich Sabine, ob sie nicht ein Zimmer für uns hätte, denn Charly hatte wieder Malaria. Sie gab sogleich die Anweisung an ihre Damen, dass sie das hintere Zimmer für uns parat machen sollen. Dies sei ihr ruhigstes Zimmer meinte sie. Sie bot uns auch gleich Zitronengrastee an, welches das Fieber senken sollte. Ausserdem bereitete sie für uns noch einen Sud aus Mangorinde, welcher gut gegen seinen Durchfall und die Bauchkrämpfe war. Ich war froh das Sabine uns gleich so tatkräftig half. Sie meinte noch, wenn das Fieber nicht sinkt, dass machen wir Wadenwickel. Sie hat das Herz schon auf den rechten Fleck.
Ich zog mit Charly um und wir parkierten das Auto oben bei der Lodge, damit der Wachmann besser darauf aufpassen konnte. Auch mit Fieber und Bauchkrämpfe liess es Charly sich nicht nehmen unser Auto umzuparkieren.
Anschliessend war er aber froh in einem grossen bequemen Bett liegen zu können. Ich flösste ihm den Tee und den Sud ein. Danach schlief er eine Weile und ich beriet mich mit Sabine.
Sie zeigte mir ihre Malariatabletten Artenex, welche erst seit kurzem erhältlich sind. Diese Tabletten werden in Ghana hergestellt und beinhalten 200 mg Artesunate. Diese sind wahrscheinlich besser für Charly geeignet, da er über 80 kg wiegt. Vermutlich waren die 100 mg Artesunate in Arinate zu schwach für ihn. Wir vermuteten, dass er wohl aus diesem Grund den Rückfall erlitten hatte.
Ich sah immer wieder nach ihm und flösste ihm den Tee ein. Am Abend bestellte ich für ihn eine Gemüsesuppe, welche er jedoch kaum anrührte.
Ich hatte Kartoffeln mit Spinat und Eier. Da die Suppe etwas scharf war, gab ich ihm die Kartoffeln mit ganz wenig Spinat. Nach einer Kartoffel hatte er aber auch genug und wollte nur noch liegen und schlafen.
Charly hatte auch heute über 38°C Fieber und mochte kaum zum Frühstück aufstehen. Ich bestand aber darauf, dass er etwas ass, damit ihm nicht der Kreislauf zusammenbrach. Gleich anschliessend ging er aber wieder in Bett und war froh ein grosses Bett zu haben.
Wieder gaben wir ihm zusätzlich zu den Malariatabletten den Zitronengrastee. Mit dem Durchfall ist es nun besser geworden, nur der Bauch zwickte immer noch. Auch wenn er den Sud aus Mangobaumrinde scheusslich fand, überredete ich ihn doch immer wieder mal ein Schlückchen zu nehmen. Bernhard und Sabine schwören darauf.
Ich kümmerte mich den ganzen Tag um Charly und las mal wieder deutsche Magazine, die andere Touristen bei der Sabine gelassen hatten.
Am Abend ging es Charly etwas besser und er mochte auch zum Abendessen aufstehen.
Nach zwei Tagen Bettruhe, war er froh wieder etwas auf den Beinen zu sein. Wir unterhielten uns mit anderen Gästen sowie mit Bernhard und Sabine. Es wurde später. Plötzlich kam der erste Schwarm Insekten, wahrscheinlich Termiten, auf die Beleuchtung der Rundhütte. Der Schwarm wurde immer grösser und grösser. Überall waren die Viecher! Der ganze Boden lebte und bewegte sich. Wie in Indiana Jones scherzten wir. Die Tiere waren an der Kleidung, in den Haaren und an den Beinen. Wir liessen uns aber nicht stören, hielten unsere Füsse hoch und betrachteten das Naturschauspiel. Bald warfen die Tiere ihre vier Flügel ab und krochen hintereinander her. Der ganze Boden war übersät mit den abgestossenen zarten Flügeln der Tiere.
Irgendwann wurde es uns doch zu bunt und wir gingen schlafen. Für Charly war es sowieso schon lange Zeit.
Charly ging es heute wieder etwas besser, aber leider immer noch nicht gut. Wir machten uns Gedanken, was wohl die Ursache dafür sein könnte. Charly holte nach dem Frühstück den Notebook und studierte die Doktorarbeit eines Studenten, der im Internet seine Arbeit über Malaria veröffentlicht hatte. Er las fast den ganzen Tag. Er lernte, dass es mehrere Plasmodium Arten gibt, jede Art verursacht eine andere Malaria. Aber welchen Erreger hat Charly? Wir beschlossen am nächsten Tag mit Charly nach Hohoe zu fahren und einen richtigen Bluttest machen zu lassen.
Am Abend mochte Charly schon wieder ganz gut essen und es ging ihm besser, aber noch lange nicht gut. Er war immer noch sehr blass und es war im schwindelig. Das Fieber war zwar gesunken, doch ganz weg war es noch nicht.
Nach dem Frühstück sind wir zusammen mit Sabine in die Stadt gefahren. Wir fuhren als erstes zum Hospital von Hohoe. Sabine kannte die Angestellten vom Labor und meinte, vorher einen Arzt aufzusuchen sei hier nicht ratsam, man gehe besser direkt zum Labor und lasse den Test machen. Der Arzt sei meist sowieso nicht da. Bei einem Verdienst von ca. 1,5 Mio. Cedis, das sind weniger als 150 Euro pro Monat, sei dies auch nicht verwunderlich. Vor dem Labor war viel los. Viele Menschen sassen geduldig auf der Bank und warteten bis sie aufgerufen wurden.
Sabine kannte die Ladies vom Labor und wurde gleich herzlich begrüsst. Auch wir wurden ganz lieb empfangen. Wir besprachen, was für Tests wohl sinnvoll wären und Charly durfte gleich als erster Platz nehmen.
Die hübsche junge Jane mit der asymmetrischen Zopffrisur zog sich ihre Gummihandschuhe straff und machte die Spritze parat. Charly sollte eine Faust machen und da er dumme Sprüche machte, wurde Jane etwas unsicher und stach prompt daneben. Selber Schuld! Sie konnte aber trotzdem Blut abzapfen, da sie gleich darauf die Vene gefunden hatte.
Anschliessend durfte auch ich auf dem Stuhl Platz nehmen und die Blutabnahme verlief sehr feinfühlig.
Auf dem Tisch lag viel herum, unter anderem ein Schwangerschaftstest. Ein Wunder, dass man hier doch noch alles dem richtigen Patienten zuordnen konnte. Schon 1 Stunde später sollten wir einen Teil unserer Ergebnisse abholen.
Unterdessen fuhren wir mit Sabine zur Apotheke um unsere Malaria Tabletten wieder aufzustocken. Der Typ in der Apotheke war aber echt doof, denn er verlangte für 3 x 53'000 Cedis 109'000 Cedis als Gesamtbetrag. Trotz wiederholtem Nachfragen blieb er bei dem Betrag und Charly meinte, so viel Dummheit gehört bestraft und machten den guten Mann nicht auf seinen Rechenfehler aufmerksam. Sabine und Charly liefen zusammen zurück zum Auto, wie zwei Lausbuben die gerade etwas ausgefressen hatten. Gib Gas, meinte Sabine aufgeregt, bevor er es doch noch merkt. Der aber kam nicht und hatte wahrscheinlich immer noch nicht gemerkt, dass er sich selber um 50'000 Cedis beschissen hatte.
Anschliessend wurde noch ein paar Sachen für Sabine und Bernhard eingekauft.
Zurück im Krankenhaus wurde festgestellt, dass Charly Plasmodium vivax also Malaria Tertiana Erreger im Blut hatte. Zusätzlich aber auch noch Typhus festgestellt wurde. Die restlichen Blutwerte waren in Ordnung.
Ich hatte überall gute Werte und es wurden keinerlei Malaria oder Typhus Erreger in meinem Blut gefunden. Charly haderte wieder mal mit seinem Schicksal: „Immer muss ich alles haben“.
Wir sind anschliessend in eine Apotheke gefahren um entsprechende Medikamente gegen den Typhus zu kaufen. Diese Medikamente sind jedoch sehr teuer hier (ca. 50 Euro pro Packung) und so wollte Charly erst mal im Buch "Wo es keinen Arzt gibt" nachschauen. Es stellte sich dann heraus, dass man Amoxicillin (Antibiotika) nehmen soll. Dieses Medikament hatten wir noch in unserer Boardapotheke (Augmentin). So mussten wir das hiesige teure Medikament nicht kaufen.
Wieder verbrachten wir einen netten Abend zusammen mit Sabine und Bernhard.
Heute fuhren wir alle gemeinsam nach Hohoe. Wir luden die leeren Bierkästen ein und fuhren los. Es gab einiges zum Einkaufen.
In Hohoe fuhren wir zuerst zum Spital um unsere restlichen Ergebnisse der Blutuntersuchung abzuholen. Wieder sassen viele Leute vor dem Labor und warteten geduldig, bis sie an der Reihe waren.
Sabine ging gleich hinein und begrüsste alle auf ihre herzliche Art. Sofort erhielte wir unsere Karten. Die Blutsenkung war bei uns beiden in Ordnung und auch der Hepatitis Test viel negativ aus. Den Hepatitistest hatten sie schon am Vortag gemacht, jedoch vergessen auf der Karte zu vermerken.
Bernhard musste sich nun auch hinsetzen, damit ihm Blut abgenommen werden konnte. Es war ihm gar nicht wohl, das konnte man ihm ansehen. Doch die hübsche junge Jane nahm ihm das Blut mit viel Feingefühl und es war doch gar nicht so schlimm wie er sich das zuerst vorgestellt hatte. Seine Ergebnisse wird er am Freitag bekommen, da Jane uns am Freitag bei der Waterfall Lodge besuchen kommt.
Wir fuhren anschliessend zur Post, um das Paket aus Deutschland abzuholen. Wir mussten eine ganze Weile warten, bis die beiden das Paket aus dem Zoll hatten. Strahlend kam Sabine und brachte die drei Zelte. Danach kam nochmals ein Paket und ein Sack. Viele schöne Sachen waren gekommen, wie zum Beispiel Lakritze und deutsche Fischdosen. Es war für sie wie Weihnachten.
Wir holten anschliessend das Bier, wo wir den Standesbeamten von Bernhard und Sabine trafen. Dieser war überaus neugierig und schaute frech in unser Auto. Sabine wollte ihn ablenken, doch er liess sich nicht irritieren. Anschliessend fuhren wir weiter zum Markt. Dort war Sabine bei einigen Marktfrauen schon recht bekannt und so konnten die Einkäufe schnell erledigt werden. Auch für Dolfi wurde ein Knochen gekauft, der soll auch Weihnachtnachten haben, meinte Sabine grinsend.
Auf dem Weg zurück zum Auto begegnete uns ein junger Mann, der uns nett willkommen hiess und meinte, dass wir nicht mehr wegfahren sollten, wir sollen doch da bleiben in Ghana.
Lieb gemeint, doch uns zieht es doch weiter nach Südafrika.
Wir fuhren zurück zur Waterfall Lodge, wo Sabine und Bernhard die Pakete richtig auspackten und dabei strahlten sie um die Wette.
Charly war etwas müde und so gingen wir auf unser Zimmer, wo wir uns etwas hinlegten.
Am Abend haben wir gemeinsam „Die Siedler“ gespielt und dazu ein paar Bierchen getrunken. Obwohl wir dieses Spiel nicht gekannt hatten, hatte ich gewonnen und Sabine meinte, nun sei fertig, sie helfe mir nicht mehr. Es war ein schöner und unterhaltsamer Abend.
Schwerer Nebel hing über den grünen Hügeln der Berge und auch der Wasserfall steckte im Wolkenband. Wir hörten Sabine draussen mit dem Hund Dolfi reden und gingen zu ihr auf die Veranda.
Später machten Bernhard und Sabine ein leckeres Frühstück, genannt à la Chef, da dies Bernhards Lieblings Frühstück war. Toastbrot mit Spiegeleiern und Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Chili gebraten darüber. Lecker!
Faul gingen wir auf die Couch und unterhielten uns eine Weile. Irgendwie waren wir alle noch müde und beschlossen so gegen Mittag uns für eine Stunde hin zu legen.
Plötzlich wurden wir von einem Aufschrei von Grace geweckt und hörten viel Radau bzw. wie sie nach David und Happy rief. Die zwei Angestellten von der Waterfall Lodge kamen sogleich und suchten nach der Ursache des Aufruhrs. Es war eine grüne Mamba, die sich in einer Plastiktüte versteckt hatte.
Die Männer angelten mit dem Besenstil nach dem Plastiksack und schlugen mehrmals mit dem Stil auf diesen ein. Sie trugen mit dem Stil den Sack auf den Rasen und schlugen nochmals darauf ein. Sie leerten den Sack mit dem Besenstil und die grüne Mamba fiel heraus. Grace war noch ganz geschockt. Nochmals schlugen die Männer auf die Schlange ein und nahmen diese danach mit spitzen Fingern am Schwanz auf. Sie trugen sie ins Haus und legten sie auf den Tisch. Bernhard kam aus dem Schlafzimmer und begutachtete die Schlange gleich. Auch Charly musste natürlich seine Nase ganz nahe an das Vieh halten. Die Schwarzen meinten sie tragen nun die Schlange in das Schlafzimmer von Sabine, um sie zu erschrecken.
Sabine war aber inzwischen auch aufgestanden und ging vorsichtig auf die Veranda. Die anderen sagten nichts und wollten sich an ihrem Schock erfreuen, wenn sie die Schlange auf dem Tisch sah. Doch Sabine tat ihnen den Gefallen nicht und ich warnte sie draussen, da sie solche Panik vor Schlangen hatte.
Die Schlange wurde mit dem neuen Schlangenbuch verglichen und es war wirklich eine grüne Mamba. Mit spitzen Finger trug Happy die Schlange aus dem Haus und Sabine lief davon.
Nach dieser Aufregung brauchten wir erst einmal eine Cola.
Da es Charly immer noch nicht so gut ging, gingen wir anschliessend wieder ins Zimmer und beschäftigten uns mit dem Notebook. Ich wollte das Tagebuch weiterführen, doch war das Dokument leer. Ich hatte wohl beim Abspeichern versehentlich alles gelöscht. Sch......
Charly versuchte noch, ob er irgendwo den letzten Update vom 23.06.05 finden konnte, doch ich hatte Pech die ganze Arbeit war umsonst und ich muss nun nochmals alles neu schreiben. Ich hoffe, ich kriege alles wieder auf die Reihe von Brenu Beach bis Wli Waterfall Lodge.
Charly und Bernhard wollten frische Pilze auf einer Pilzfarm holen, doch leider gab es keine. Dafür sah er arme Grascutter, die in engen Käfigen gehalten wurden. Grascutter sehen aus wie überdimensionale Meerschweinchen mit Schwanz.
Sabine und ich genossen in der Zwischenzeit ein Bierchen auf der Veranda.
Am Abend kochten wir gemeinsam und als das Essen gerade fertig war, kamen Gäste. Ein Amerikaner mit seiner Deutschen Frau und 5 Kinder. Mit Ruhe war es damit fertig.
Nach dem Essen, spielten wir wieder bis Mitternacht „Die Siedler“. Charly hat uns alle an die Wand gespielt. Es geht ihm nun schon wieder viel besser.
Kaum aufgestanden hatten wir schon das nächste Abenteuer. Ein riesiger Nashornkäfer wurde von Sabine in unser Zimmer gebracht. Charly war ganz fasziniert, platzierte das Tier auf unser Bett und fotografierte es von allen Seiten.
Wir hatten gerade fertig gefrühstückt, als zwei Autos kamen. Es waren die zwei Deutschen Frank und Helmut. Helmut lebt seit 12 Jahren in Ghana und hat sich hier einiges aufgebaut. Ein richtiger Schwabe, schaffe schaffe Häusle baue. Er erzählte von seiner Papayafarm und die vielen Tonnen Obst, die er jährlich nach Deutschland exportiert. Wie heikel die deutsche Kundschaft ist und welche Schwierigkeiten man hier mit dem schwarzen Personal hat, da diese natürlich eine andere Arbeitsmoral haben. Man muss hier schon sehr strikt sein und eine klare Linie fahren, ansonsten wird man übers Ohr gehauen. Auch Sabine erzählte, wie sie anfangs die Essensreste den Angestellten mitgab und wie dann plötzlich immer grössere Reste übrig blieben. Leider musste sie das unterbinden, da sonst ihre Vorräte zu sehr geplündert würden.
Wir unterhielten uns alle auch über das Reisen, denn Frank und Helmut waren früher auch durch Afrika gefahren.
Sabine lud uns zu einem feinen Dessert ein, Vanilleeis mit selbstgemachten Waffeln. Hmmm, war das lecker!
Wir hörten schon am Morgen die Trommeln und die Schüsse vom Nachbarn, denn es wurde eine Beerdigung gefeiert. Ganz anders als bei uns werden hier Beerdigungen abgehalten. In der Regel wird 3 Tage lang durchgefeiert, mit Musik, Tanz, Kirche, Bestattung, viel Alkohol, Party. Dabei geben die Angehörigen meist mehr aus, als sie verdienen. Oft verkaufen sie sogar Land, damit sie die Kosten dafür tragen können.
Charly fuhr am Nachmittag mit Bernhard nach Hohoe ins Internet Café und ich räumte mal unser Zimmer auf.
Als die Beiden zurückkamen, hatten sie leider keine gute Nachricht. Charly war beim Rückwärtsfahren in ein anderes Auto reingefahren. Dieser hatte gerade dann hinter ihm parkiert, als er losfuhr. Pech! 600'000 Cedis kostete der Spass. Da unsere Autoversicherung gerade am 29.06.2005 abgelaufen war, machte Charly kein grosses Theater und zahlte nachdem er den Typen von 700'000 Cedis runter gehandelt hatte. Bernhard lieh Charly das Geld, da er nicht so viel dabei hatte.
Am Abend assen wir zusammen feine Spaghetti Bolognese und spielten anschliessend bis morgens um 3 Uhr. Schlafen konnten wir sowieso nicht, da nebenan wegen der Beerdigung immer noch Diskomusik dröhnte. Die Musik lief die ganze Nacht in voller Lautstärke, als ob man den Toten damit wieder zum Leben erwecken wollte?
Nach 3 Uhr und mit Ohrenstöpsel schafften wir es schliesslich doch noch einzuschlafen.
Schon früh wurde ich wieder wach. Die Beerdigung wurde immer noch lautstark gefeiert. Am Morgen kam noch hinzu, dass man oft in die Luft schoss. Diese Knallerei hatte mich dann definitiv aus dem Bett gescheucht.
Sabine war schon wieder seit 6 Uhr morgens auf den Beinen, da sie dem Wachmann frei gegeben hatte, damit dieser sein Kind mit Gelbsucht ins Krankenhaus bringen konnte.
Irgendwann nach 10 Uhr kam auch Charly aus dem Bett gekrochen.
Leider hörte weder die lautstarke Musik noch die Ballerei auf, so dass der arme Hund Dolfi sich panikartig unter dem Bett von Sabine und Bernhard verkroch.
Ein Togolese kam vorbei und wollte Bernhard überzeugen, eine Organisation zur Befreiung und Demokratisierung von Togo zu unterstützen. Ich erklärte ihm, dass man im Waterfall Lodge einige Flüchtlinge aufgenommen hatte, als es in Togo kritisch wurde. Ausserdem gäbe es Sprachprobleme, da Bernhard kein französisch spricht.
Gut meinte der Mann, er käme wieder mit jemandem der gut englisch spricht und er würde nun englisch lernen.
Wir checkten später unseren Ölstand und füllten das in Accra gekaufte Öl um. Godsway, der Junge der bei Sabine und Bernhard ab und zu arbeitet und dafür die Schulgebühren bezahlt bekommt, schaute uns interessiert zu. Gerne hätte er die leeren Kanister bekommen, doch auch Bernhard hatte Verwendung und so gaben wir sie Bernhard. Recycling ist in Afrika kein Problem, denn alles wird mehrfach verwendet.
Charly ging es nach all den Medikamenten und Pflege nun wieder sehr gut, so dass er schon wieder seine üblichen frechen Sprüche klopfte.
Nach dem Abendessen haben wir wieder gemeinsam Siedler gespielt. Diesmal in der Rundhütte, da das Wohnzimmer von Gästen, junge Volontäre, besetzt war. Wir dachten schon, dass wieder diese fliegenden Termiten kommen, doch hielt sich deren Zahl diesmal im Rahmen.
Nach einem wunderbaren Frühstück à la Chef rafften wir uns endlich auf, nun auch mal den Wasserfall anzuschauen. Dolfi war ganz aufgeregt, als er mitbekam, dass wir seine Leine in der Hand hatten. Er lief aufgeregt hin und her und winselte was das Zeug hielt. Alles ging ihm viel zu langsam. Freudig verliess er mit uns den Platz.
Der Eingang zum Wasserfall war ja nur gerade um die Ecke und Charly holte die Eintrittskarten. Dolfi war sehr ungeduldig und Sitzfleisch hatte er schon gar keins.
Wir marschierten bald durch das dichte Grün und bewunderten immer wieder die Schönheit dieser Region. Saftige grüne Hügel erspähte man zwischen den Blättern und Bäumen. Der Weg war relativ eben und wir konnten ohne grössere Anstrengung dem Pfad folgen. Dolfi verschwand immer wieder im dichten Gebüsch, immer seiner sensiblen Nase folgend. Hops und wieder war er im Gebüsch. Raschel raschel und schwup kam er wieder angerast. Wir mussten aufpassen, dass er uns vor lauter Eifer nicht über den Haufen rannte. Er hatte sichtlich Freude und war kaum mehr zu bremsen. Unterwegs begegneten wir auch vielen Schwarzen, die ebenfalls den Wasserfall besuchen wollten. Diese waren Dolfi aber nicht geheuer und er suchte stets Schutz bei uns. Er muss wohl früher von Schwarzen geschlagen worden sein, dass merkte man ihm deutlich an.
Am Wasserfall selber waren viele Schwarze, die im kleinen See badeten und planschten. Dolfi war es überhaupt nicht wohl und ohne Leine wäre er wohl abgehauen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis wir unsere Fotos gemacht hatten. Ungeduldig nagte er immer wieder an der Leine. Wir hielten uns nicht allzu lange dort auf, denn auch die kleinen schwarzen Fliegen hatten uns entdeckt und dachten wohl hmmm Frischfleisch.
Auf dem Rückweg war Dolfi wieder voll in seinem Element und jedes Flussbett und jedes Gebüsch wurde gründlich von ihm inspiziert.
Wieder zurück in der Lodge hatte Sabine schon alles parat für den Grillplausch. Fleisch, Hühnchenkeulen, Gemüse mit Käse und Kartoffeln. Es war richtig lecker und wir konnten sogar die Abendsonne geniessen. An der Sonne war es sehr warm und die Bierchen waren doppelt so gut.
Am Abend spielten wir Kniffel und Mensch ärger dich nicht bis kurz vor elf. Todmüde gingen wir in unser riesengrosses Bett. Ein letztes Mal streckten wir genüsslich alle Viere von uns.
Heute ist der Tag des Abschieds. Wieder bekamen wir ein wunderbares Frühstück und Sabine fielen alle möglichen Varianten ein, warum wir länger bleiben sollten. Wir waren nun doch schon lange am gleichen Ort und es zog uns weiter. Natürlich hatte sie Verständnis, waren die Beiden doch selber bis 2001 öfters auf Reisen gewesen. Wir haben so gut harmoniert, wir hätten sicher auch gut gemeinsam reisen können.
So packten wir unsere Sachen und verabschiedeten uns herzlich von den Beiden sowie von ihrem Hund Dolfi. Am liebsten hätten wir ihn mitgenommen.
Wir fuhren direkt in Richtung nach Dafor. Unterwegs kamen wir an einem guten Brunnen vorbei, wo wir unseren Wasservorrat auffüllten. Die Leute waren unheimlich nett und wieder hatten wir keine Chance das Wasser selber in den Behälter zu pumpen. Die Frauen wechselten sich ab, bis wir unsere 110 Liter aufgetankt hatte. Leider ist Charly bei der Umpumpaktion der Ortlieb-Eimer weggekippt und das Wasser lief aus. Der ganze Boden in der Wohnkabine war voller Wasser und auch in die Fahrerkabine floss es. Fluchend wischte Charly die Bescherung auf. Ich kümmerte mich um die Fahrerkabine und ein Schwarzer schaute mir über die Schulter und erzählte den anderen, was alles im Auto eingebaut war. Die Klimaanlage war dabei von besonderem Interesse. Zum erstaunen sahen wir einen Mann der sich mit einer Schere rasierte. Er schnipselte mit der Schere immer an seinen kurzen Bartstoppeln herum.
Freundlich verabschiedeten wir uns von den Leuten im Dorf und fuhren anschliessend weiter auf einer Piste in Richtung Grenze.
Kurz vor dem Grenzübergang kamen wir wieder auf eine Teerstrasse.
Zuerst kamen wir zum Zoll von Ghana und wir erhielten problemlos unseren Ausreisestempel ins Carnet. Die Leute waren freundlich und sehr korrekt.
Weiter ging es den Berg hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Dort war dann die Grenzpolizei. Wir mussten warten, da gerade andere Touristen ihren Einreisestempel beantragten. Wir füllten in der Zwischenzeit das Formular aus und konnten kurze Zeit später auch in das kleine Häuschen. Dort wurde unser Pass intensiv angeschaut und man machte den Ausreisestempel. Ein Beamter fragte ungeniert nach Geld, doch Charly antwortete, dass dieser selber genug Geld in seiner Schublade hätte. Wir hatten nämlich beobachtet, wie Einheimische den Beamten immer wieder Geld gaben. Unsere Papiere waren alle in Ordnung und wir hatten keine Lust diesen korrupten Beamten auch noch Geld zu geben. Man nörgelte noch ein wenig herum, doch wir konnten mit unseren abgestempelten Pässen das Gebäude verlassen.
| Togo |
Auf der anderen Seite in Togo hatten wir den Eindruck, dass die Bevölkerung ärmer sei als in Ghana. Die Beamten waren jedoch mustergültig und sie stempelten unsere Pässe korrekt und problemlos ab.
Eine holprige, löchrige (Teer-?) Strasse führte uns durch eine grandiose Landschaft. Viel tropische Vegetation und eine sehr hügelige Landschaft begleitete uns auf der nun neuen Strasse. Nach 16 km kamen wir an die nächste Absperrung. Der Zollbeamte kam aus dem Häuschen und wir folgten ihm ins Gebäude. Dort begutachtete er unser Carnet und war etwas unsicher in der Bearbeitung. Wir unterstützen ihn beim Ausfüllen und welcher Teil er nun behalten durfte. Zuerst wollte er noch alle Daten von Hand eintragen, doch wir zeigten ihm, dass in dem Teil den er behalten durfte, bereits alles aufgeführt war. Zufrieden stempelte er korrekt unser Carnet ab und wünschte uns eine gute Weiterreise.
Kurz nach dem Zoll mussten wir bei einer Polizeikontrolle unsere Dokumente nochmals zeigen. Der Beamte wollte unsere Wohnkabine inspizieren und Charly zog sich seine Schuhe aus und stieg ein. Der Beamte zog auch seine Schuhe aus und folgte ihm widerwillig. Ein kurzer Blick befriedigte aber seine Neugier und wir konnten anschliessend unbehelligt weiterfahren. Die Strasse war in einem guten Zustand und Baumalleen säumten unseren Weg. Alles war wunderbar grün. Dies ist auch die Region, wo Kaffee und Kakao angepflanzt werden. Leider konnten wir keine Plantage von der Strasse aus sehen.
Bald waren wir in Kpalimé angekommen, einer Kleinstadt mit Charme. Den Berg Agou konnten wir leider nicht vollständig sehen, da sich die Spitze in Wolken hüllte. Ein Ausflug auf den Berg hatte sich damit erübrigt.
Die Togolesen scheinen ein recht fleissiges Völkchen zu sein, denn Obst und Gemüse wurden reichhaltig an den Ständen angeboten. Auch Kartoffeln, welche ja in Ghana Mangelware zu sein scheinen.
Auf unserem Weg nach Lomé fuhren wir auf einer wunderbaren Teerstrasse und kamen gut voran. Unterwegs mussten wir ca. 3 mal anhalten, da die Polizei Strassensperren errichtet hatten und die Papiere kontrollierten. Einer wollte unser Laissez passer sehen, worauf wir ihm unser Carnet gaben. Diese Dokument sein nicht gültig meinte er kurz. Ich zeigte ihm jedoch auf der Rückseite vom Carnet die aufgeführten Länder, wo auch Togo erwähnt war. Ich erklärte ihm zusätzlich, dass das Carnet international während das Laissez passer nur national gültig sei. Darauf hin wollte er noch unsere Pässe sehen und liess uns anschliessend ohne weiteres passieren. Die anderen Kontrollen waren weniger intensiv. Meist wurden wir nur gefragt was in unserer Wohnkabine drin sei und man gab sich mit unserer mündlichen Aussage zufrieden.
Je näher wir nach Lomé kamen, desto weniger Strassenkontrollen fanden statt.
In Lomé wühlten wir uns durch den Verkehr und fanden bald die Strasse die am Strand entlang führte. Die Einheimischen hatten zwischen den Palmen ihre Geschäfte installiert und so konnten wir unter anderem beobachten, wie die Haare geschnitten oder diverse Sachen verkauft wurden.
Auf der Suche nach der Strasse nach Benin landeten wir zuerst im Hafen, konnten aber anschliessend den richtigen Weg finden.
Am späten Nachmittag kamen wir dann bei Chez Alice an. Der Platz war verwaist, wir schienen die einzigen Gäste zu sein.
Nach dem wir uns installiert hatten, gingen wir durch die grosse Rundhütte und trafen die Alice im hinteren Teil der Anlage. Dort waren Affen und Papageien anzutreffen. Ein Husarenaffe war von dem Pavianweibchen so doll verletzt worden, dass dieser zum Tierarzt musste. Nun lag dieses Häufchen Elend im Käfig, wimmerte und zitterte vor sich hin. Auch die Streicheleinheiten von Alice konnten das Tier nicht beruhigen.
Anschliessend tranken wir ein Bier. Ich konnte seit langem endlich mal wieder ein EKU-Bier aus Kulmbach trinken. Die Gelegenheit nahm ich natürlich war. Wir hatten schon ein Werbeplakat gesehen auf unserem Weg durch Lomé und ich freute mich bei Alice nun wieder mal ein Bier aus der Heimat trinken zu können.
Alice wusste viel zu erzählen und fragte, ob es an anderen Plätzen auch so ruhig sei wie bei ihr. Wir konnten ihr dies nur bestätigen, ausser den Volontären in Ghana haben wir nur wenige Reisende getroffen, die auch mit dem Auto unterwegs waren.
Sie fragte uns auch, wie wir nun weiterfahren wollen und meinte anschliessend, dass es gut sei nicht über Nigeria zu fahren als Schweizer. Der Schweizer Bundesrat Blocher hatte nämlich veranlasst, dass alle Nigerianer die illegal in der Schweiz waren oder um Asyl nachsuchten ausgewiesen wurden. Nun wie wir schon in der Botschaft von Nigeria in Accra bemerkten, sind die Nigerianer sehr rachsüchtig und vergelten gern eins zu eins. Alice bestätigte den Eindruck und so war nun klar für uns, dass wir über Niger und Tschad nach Kamerun fahren werden. Wer weiss, vielleicht hätte der eine oder andere Beamte den wir unterwegs getroffen hätten einen Verwandten gehabt, der aus der Schweiz raus musste und in so eine Situation möchten wir nun wirklich nicht reingeraten. Ausserdem hat uns jeder bestätigt, das Niger ein schönes Land ist, mit freundlichen Leuten und wenig Kontrollen. Wir werden sehen, die Situation in Afrika kann schnell ändern.
Beim Abendessen mit Alice kam später noch Werner hinzu mit seiner jungen schwarzen Freundin. Er ist Deutscher, hatte aber viele Jahre in Langnau am Albis gelebt. Klein ist die Welt. Er wusste viel zu erzählen unter anderem auch, dass er nun in Togo bleiben wolle und gut mit seiner Rente hier leben könne. Auch ein Togolesischer Zollbeamter vom Hafen gesellte sich hinzu. Alle schienen ihn gut zu kennen und Alice machte erst mal ihrem Ärger Luft, der sich angestaut hatte bei der Antragstellung des Passes ihres Adoptivsohnes. Der Antrag wurde immer wieder verschleppt und sie hatte nun endgültig genug.
Später kam noch ein Pärchen, er schon um die 60 und sie um die 25 Jahre.
Alice hatte einen Fernsehen und erstmals seit einem halben Jahr kamen wir wieder in den Genuss Nachrichten zu sehen. Überschwemmungen in Nordeuropa und Indien. Es regnete also nicht nur in Ghana so viel.
Der Zollbeamte ereiferte sich später über die brutalen Sitten der Moslems, wie zum Beispiel die Sharia und meinte, dass die Moslems Barbaren seien. Er verstehe auch nicht, warum man in Nigeria nicht in Frieden zusammen leben könne mit den Moslems, schliesslich gäbe es seiner Ansicht nach sowieso nur einen Gott und im Norden von Ghana und Togo ginge ein friedliches Zusammenleben ja auch, usw.
Wir hatten bald einmal genug und gingen schlafen. Der Strassenlärm störte uns nur wenig und bald sind wir friedlich eingeschlafen, in dem Bewusstsein, dass neben uns der Nachtwächter sein Domizil hatte.
Am Morgen haben wir erst mal bei Alice gefrühstückt und uns wieder dabei mit ihr unterhalten. Sie hatte es aber eilig, da sie noch Grosseinkauf machen musste für die Gäste die am folgenden Tag ein grosses Abschieds-Buffet bei ihr machen wollten.
Charly plant anschiessend mit der Navigationssoftware (Touratech) die Strecke zum Jardin Helvetica in der Nähe von Cotonou, wo ein Schweizer eine Anlage mit Campingmöglichkeit anbietet.
Nach der Dusche waren wir abfahrbereit und fuhren zuerst mal in die Stadt um einzukaufen. Wir hatten von Chris gehört, dass man gute deutsche Wurstwaren im Marox einkaufen kann. Leider fanden wir den Laden nicht, dafür aber den Supermarkt Ramco, den uns Alice empfohlen hatte. Leider war das Angebot an Dosenwurst nicht besonders gut und frische Wurst konnten wir vergessen, da unser Kühlschrank ja immer noch defekt war.
Unser Einkauf war schnell erledigt und wir kauften in der Apotheke noch das Coartem Malariamittel von Novartis, welches uns Alice noch empfohlen hatte. Später stellten wir fest, dass dieses Mittel vor allem bei der Malaria Tropica wirkt und weniger für die Malaria Tertiana geeignet ist. Egal, wer weiss welche Malaria uns als nächste heimsucht. Denn gegen alle Moskitostiche kann man sich beim besten Willen nicht schützen, man kann höchstens die Anzahl der Stiche eindämmen mit Kleidung und Insektenmittel wie Anti-Brumm. Den totalen Schutz gibt es aber nicht.
Als wir alles erledigt hatten, entflohen wir dem engen Strassenchaos von Lomé und fuhren auf dem schnellsten Weg in Richtung Benin.
Die Landschaft war flach und wir sahen immer wieder die kleinen Gärten, die von den Togolesen angepflanzt und bewässert wurden.
Die Stadt Anecho hinterliess bei uns keinen bleibenden Eindruck und bald waren wir an der Grenze zu Benin angelangt.
Die Bearbeitung vom Carnet und unseren Pässen verlief reibungslos und korrekt. Innerhalb von einer ½ Stunde waren die Formalitäten erledigt und wir konnten durch das Gate fahren zur Grenzstation von Benin.
| Benin |
Die Distanz vom Grenzübergang Togo nach Benin betrug nur wenige Meter und schon fuhren wir durch die Barriere. Zuerst mussten wir unser Auto und den Fahrer registrieren lassen. Anschliessend wollten wir unser Carnet abstempeln lassen, wo man das Laisser Passez ausstellt. Leider waren wir dort falsch und man gab unser Carnet einem Hilfsangestellten, der uns dann zur richtigen Stelle brachte. Unsere Daten wurden mal wieder in dicke Bücher eingetragen, was natürlich wieder viel Zeit in Anspruch nahm, aber alles wurde anschliessend korrekt abgestempelt.
Während wir warteten, bemerkten wir, dass ein Typ immer um unser Auto schlich. Ich ging rüber und bemerkte, dass die Sicherheitsbeamten dies wohl auch bemerkt hatten und nun eine dicke Mama mit Maschinengewehr hinter Snoopy postiert hatten. Beruhigt ging ich zurück zum Zoll.
Auf der gegenüberliegenden Seite mussten wir dann noch unsere Pässe abstempeln lassen, was auch problemlos verlief. Man musste einen Standort angeben und den Beruf und schon hatten wir den Stempel im Pass. Die Beamtin war höflich und korrekt.
Froh die lästigen Formalitäten so rasch hinter uns gebracht zu haben, fuhren wir auf der guten Teerstrasse in Richtung Cotonou.
Auf der rechten Seite konnten wir die Palmenstrände und unzählige Fischerdörfer mit ihren Strohhütten erkennen.
In der Nähe von Cotonou am Strassenrand bemerkten wir viele Stände, die den geschmuggelten Diesel bzw. Benzin aus Nigeria in Flaschen anboten.
Auch Cotonou hatte seinen leicht chaotischen Verkehr, insbesondere musste wir auf die vielen Moped-Fahrer aufpassen, die sich in die Zwischenräume des Verkehrs zwängten und manchmal doch recht knapp vor einem rein fuhren.
Wir suchten und fanden in der Nähe vom Flughafen die Route de Pecheur, wo in 11 km Distanz der Campingplatz Jardin Helvetica war. Eine holprige Sandpiste führte uns am Meer entlang durch viele kleine Fischerdörfer. Die Kinder schrieen aggressiv nach Cadeaux, was uns unangenehm an Mali und Senegal erinnerte.
Endlich erblickten wir den Campingplatz, doch zu unserer Enttäuschung war der Platz geschlossen. Eine schwarze Frau zeigte mir zwar den Platz, wo wir trotzdem hätten übernachten können sowie die Sanitärenanlagen. Doch leider gab es kein Wasser und der Versprechung, dass es dann am Abend wieder funktionieren sollte, war uns zu wage. Der Platz war auch sonst ein wenig verlassen und trostlos. Das Restaurant war ebenfalls geschlossen, doch Getränke hätten wir wohl bekommen. Der Schweizer Besitzer sei in der Stadt hiess es und käme so gegen 16 Uhr zurück. Meine Antwort es sei bereits nach 16 Uhr wurde mit einem, dann halt um 17 Uhr quittiert. Uns gefiel der Ort gar nicht und so beschlossen wir den im Reiseführer empfohlenen Campingplatz Ma Campagne zu suchen.
Um nicht wieder über Cotonou fahren zu müssen, folgten wir der Piste bis nach Ouida. Beim Tor der Sklaven machten wir einen kurzen Fotostopp und fuhren weiter. Unterwegs sahen wir eine Lagune, wo viele Reusen aufgestellt waren. Da das Abendlicht so schön war machte ich zwei Fotos und schon kamen zwei Männer und behaupteten, dass man keine Fotos hier machen dürfe. Ich ignorierte die Behauptung verärgert, denn wieder einmal hatte man es aufs Geld abgesehen. Ich lies die Typen links liegen und wir fuhren weiter zurück zur Hauptstrasse.
Angeblich soll der Campingplatz 13 km vor Cotonou an der Strasse von Lomé liegen, doch konnten wir den Platz trotz intensiver Suche nicht finden.
Kurz darauf waren wir auch schon wieder im Verkehrsgewühl von Cotonou, doch nun kannten wir den Weg und fuhren wieder zum Jardin Helvetica.
Kurz vor dem Jardin fanden wir eine Auberge, genannt Café Cauris Coquillage. Kurz entschlossen bogen wir ab und fragten nach, ob wir hier auch campieren dürften. Wir durften! Froh einen Platz gefunden zu haben, stationierten wir unser Auto im weichsandigen Hinterhof. Charly wäre fast steckengeblieben, doch mit Allrad war es dann kein Problem mehr.
Zuerst wollte man 3'000 CFA pro Person für die Nacht, doch konnte ich den Mann auf 2'000 CFA runterhandeln, da wir ja sowieso keinen Swimmingpool benutzen wollten.
Nach einem kühlen Bierchen assen wir feinen Fisch respektive Nudeln mit Meeresfrüchten. Beides war sehr gut und die Teller waren ratz-fatz leer.
Wir lernten an diesem Abend auch die Besitzerin Rada Sachs kennen. Eine etwas flippige ältere Frau, die sich aber lieb um ihre Gäste kümmert. Sie war früher oft mit ihrem Mann durch die Sahara gefahren, was sie uns natürlich so gleich gern erzählte.
Später wiegte uns leises Generatorengesurre in den Schlaf.
Heute wollten wir versuchen Chris wiederzusehen, den wir in Ghana im Mole N.P. kennen gelernt hatten. Nachdem wir unsere Sachen im Snoopy aufgeräumt hatten, riefen wir ihn an. Er war sofort am Telefon, doch war die Satellitenverbindung sehr schlecht und riss dann ganz ab. Ich musste mir einen besseren Standort suchen und konnte danach einwandfrei mit ihm telefonieren. Wir machten gegen 11 Uhr beim Flughafen ab.
Nach einem Kaffee und einer Dusche machten wir uns auf den holprigen Weg.
Es klappte alles wunderbar und wir trafen Chris, der uns sofort zu sich nach Hause einlud (vielen Dank nochmals Chris). Da seine Freundin bei der deutschen Botschaft arbeitet, hatten sie ein schönes grosses Haus mit Wächter zur Verfügung.
Chris ist ein ganz unkomplizierter, liebenswürdiger Mensch, der uns schon im Mole N.P. auf Anhieb sympathisch war. Vom Aussehen her erinnerte er uns sehr stark an unseren Freund Martin in der Schweiz, insbesondere wenn er lacht.
Zum Mittagessen fuhren wir zum Chinesen Hong Kong, wo wir auch bald seine Freundin Katharina kennen lernen durften. Sie brachte noch ihre Arbeitskollegin Doretta mit und wir hatten alle ein feines Mittagessen.
Anschliessend fuhren wir zu ihrem Haus, wo uns Katharina einen guten Kaffee zubereitete. Charly versuchte herauszufinden, warum der alte PC von Chris immer abstürzte. Vieles wurde angepasst, doch leider trat das Problem immer noch auf.
Bald darauf brachen wir auf, da wir noch in die von Chris empfohlene Klinik wollten, um nochmals einen Bluttest bei Charly machen zu lassen. Da er nun die ganzen Medikamente gegen die Malaria und den Typhus genommen hatte, wollten wir wissen, ob noch Parasiten im Blut sind.
Die Klinik hatten wir schnell gefunden, da uns Chris die Klinik auf dem Weg zum Restaurant gezeigt hatte. Das Labor der Klinik lag im Hinterhof, wohl in einer ehemaligen Garage. Die Einrichtung war nicht mehr die neuste, doch war alles sauber und aufgeräumt. Die Laborgeräte waren alle abgedeckt und auch das Labor war peinlich sauber. Nicht so ein Chaos wie in Hohoe.
Die schwarze Krankenschwester zapfte bei Charly routiniert das Blut von der Vene. Um 18.30 Uhr könnten wir das Ergebnis abholen, doch da wir nicht so lange in der Stadt rumhängen wollten, verschoben wir das ganze auf den Morgen den folgenden Tages.
Anschliessend fuhren wir zurück zu Rada Sachs. Auf dem Platz reparierte Charly zuerst den Einfüllstutzen vom Tank, da der Tankdeckel nicht mehr geschlossen werden konnte. Die Türfalle an der Eingangstür funktionierte auch nicht mehr richtig. Der Keilriemen von der Klimaanlage machte zirpende Geräusche und deshalb hatte Charly fester gespannt, in der Hoffnung nun dieses lästige Geräusch los zu sein.
Ich war unterdessen mal wieder fleissig am Tagebuch schreiben. Chris hat gegen Abend bei Rada Sachs angerufen und mitgeteilt, dass nun der PC gar nicht mehr laufe. Wir werden ihn dann morgen nochmals besuchen und Charly wir dann checken was los ist.
Da wir so ein tolles und reichhaltiges Mittagessen hatten, mochten wir am Abend gar nichts mehr essen. Ein Bier und ein paar Salzstangen genügten uns voll auf.
Wir mussten vor dem Schlafengehen unseren Snoopy weiter nach vorne parkieren, da dauernd so ein Vieh im Baum die Früchte frass und die angenagten harten Dinger auf unser Dach plumpsen liess. Dong - und wir waren wieder erschrocken. Ne, so konnte wirklich kein Mensch schlafen.
Wir hatten eine kurze aber gute Nacht hinter uns. Wir versuchten Chris zu erreichen, um einen Termin mit ihm abzumachen. Die erste Verbindung hielt nicht lange und es dauerte eine ganze Weile bis ich wieder genug Empfang für einen Anruf hatte.
Wir machten eine Stunde später bei Chris ab und gingen gleich Duschen. Da uns der Hunger nun plagte, haben wir noch schnell bei Rada gefrühstückt.
Los ging’s. Die miese Piste wurde heute neu geschoben und nun waren die Löcher und Unebenheiten nicht mehr so schlimm. Man konnte etwas schneller fahren. Wir wollten heute eine andere Strecke ausprobieren und nicht die ganze Piste bis zum Flughafen fahren. Prompt mussten wir auf guter Strasse einen riesigen Bogen durch die Stadt fahren. Trotz der Verspätung gingen wir zuerst zum Spital um die Ergebnisse abzuholen.
Alles war wieder in Ordnung, weder Typhus noch Malaria-Erreger waren im Blut gefunden worden. Charly konnte das gar nicht so recht glauben, da normalerweise das Plasmodium vivax in der Leber ein Ruhestadium einlegt und dort lange überleben und wieder unverhofft ausbrechen kann. Doch der Laborant versicherte uns, dass keinerlei Parasiten gefunden wurden und auch keine mehr in der Leber wären. Ob das Amoxicillin wohl da auch geholfen hatte?
Anschliessend fuhren wir zu Chris. Charly konnte Gott sei Dank seinen PC schnell wieder in Stand setzen. Er half uns dafür aus und gab uns zwei Glassicherungen, die wir zu Hause vergessen hatten mitzunehmen. Wir verabredeten uns zum indisch Essen am Abend und fuhren zurück zu Rada Sachs. Wir hatten allerlei zu tun und so verging der restliche Nachmittag rasch. Um 19 Uhr hatten wir abgemacht und trafen leider mit etwas Verspätung ein. Macht nichts, meinte Chris. Es käme sowieso noch Jörg mit und dieser hätte erst um 19:30 Uhr Zeit. Bei unserer Ankunft begrüsste uns auch der kleine Hund von Chris und Katharina. Ein Bodensurri mit viel Temperament. Er hüpfte und sprang um uns herum, bis Charly sich erbarmte und mit ihm spielte. Er drehte den kleinen Feger auf dem Boden ein paar Mal um die eigene Achse und es gefiel ihm. Wenn der kleine Hund dann so auf dem Rücken lag, glich er eher einer Fledermaus als einem Hund.
Wir gingen anschliessend zum Inder Indiana und haben dort hervorragend gegessen. Jörg erzählte von seiner Zeit in Nicaragua. Er war erst vor wenigen Tagen an die deutsche Botschaft von Cotonou versetzt worden. Katharina und Jörg erzählten uns von ihrer Arbeit, was für uns natürlich sehr interessant war.
Nach dem reichhaltigen Essen sind zurück zu Chris gefahren, da wir dort unser Auto sicher parkieren konnten.
Wir verabschiedeten uns herzlich von den beiden, da sie am Freitag nach Ghana fahren wollten um Sabine und Bernhard zu besuchen. Katharina hatte schon eine Portion Kartoffeln für sie gekauft, da diese in Ghana Mangelware sind.
Bald darauf brachen wir auf und fuhren die holprige Piste zurück zu Rada.
Heute wurde ich mit einem „Alles Gute zum Geburtstag“ geweckt. Wir frühstückten gemütlich bei Rada und haben den restlichen Tag mit der Zusammenstellung unserer Fotos für unsere Webseite verbracht.
Am Nachmittag bekamen wir wieder Hunger und wir genehmigten uns einen Kokosnuss-Kuchen. Dieser war ganz lecker und ganz schnell weggeputzt.
Am Abend genoss ich dafür meine heissgeliebten Crevetten in einer Knoblauch-Kräutersauce mit Reis. Charly bestellte wieder einmal die Tagliatelle mit Meeresfrüchte. Beides war sehr lecker. Dazu ein Bierchen und Meeresrauschen mit Aussicht auf Palmen.
Rada ist mit ihren 72 Jahren noch voll fit und ging mit der Polin nach Cotonou in den Ausgang. Karaoke, Musik und Tanz waren angesagt. Aber erst ab Mitternacht begann die Party.
Erst so gegen 6 Uhr morgens hörten wir die Beiden zurückkommen.
Nach einem kurzen Frühstück wollte wir uns wieder an die Arbeit machen. Rada wollte uns jedoch überreden, heute Abend mit ihnen in den Ausgang zu gehen. Es war wieder Karaoke, Musik und Tanz angesagt und ich fragte mich, wie die Frau das macht. Da feiert sie die ganze Nacht und kommt erst im Morgengrauen zurück, dann ist sie noch vor uns wach und schon wieder voll im Business. Mein Gott, wenn ich mir die Leute bei uns in dem Alter vorstelle, da möchte ich gerne ein paar zu Rada schicken, damit sie auch etwas Lebenslust tanken können.
Nebenbei hat sie noch einen kleinen schwarzen Pflegesohn von ungefähr 5 Jahren, der ihr keine 5 Minuten Ruhe lässt. Ständig rief er Rada Rada Rada. Mein Gott was für ein kleiner, frecher Tyrann. Rada ist dabei geduldig und ruhig. Sie nimmt alles gelassen mit ihrem sonnigen Gemüt. Nur das ihr Mann vor 7 Jahren gestorben ist, vermag sie nicht so richtig verwinden. Mit ihm wäre sie bis zum Mond gefahren, meinte sie und erzählte strahlend von ihren Reisen durch die Sahara.
Danach machten wir uns an die Arbeit. Heute war das Tagebuch dran. Wir brachten alles in das richtige Format und lasen es nochmals aufmerksam durch. Beim Schreiben passieren einem schnell ein paar Fehler, insbesondere wenn man mal wieder im Rückstand war und einiges aufzuholen hatte.
Wir verbrachten den ganzen Tag damit alles für unsere Webseite zu aktualisieren und erst kurz vor dem Abendessen wurden wir fertig. Wir hatten keine Lust dann noch zu kochen und weil es so gut und bequem war, ging wir wieder bei Rada essen.
Rada und die Polin fuhren wieder gegen 23 Uhr in die Stadt und kamen erst früh morgens zurück.
Wir hatten nun alles parat und wollten heute aufbrechen, nahmen es aber gemütlich. Es musste noch dieses und jenes gemacht werden. Kurz - es war schon wieder Mittag bis wir los kamen. Wir verabschiedeten uns von Rada und ihren Angestellten, mit den Worten, vielleicht kommen wir heute Abend schon wieder. Rada wollte uns aber so nicht gehen lassen und wir mussten noch ein kleines Bierchen mit ihr trinken. Ein Abschiedsfoto und los ging’s.
Wir fuhren zu dem Internet Cafe, welches uns Chris empfohlen hatte. Auch Rada kannte es und beide sagten, dass es eine schnelle Verbindung hat.
Wir fuhren also in Richtung Stadt und waren erstaunt über die vielen Leute am Strand. Klar, heute ist ja Sonntag und da fahren die meisten Einheimischen auch an den Strand.
Es gab ein paar besonders Schlaue, die stellten sich an die Strasse und spannten ein Seil um abzukassieren quasi Wegzoll. Da waren sie bei uns aber an der falschen Adresse. Beim ersten hielten wir kurz und als er das Seil fallen lies, sind wir weitergefahren. Der fluchte nicht schlecht hinter uns her. Der zweite sah unsere massive Stossstange und liess das Seil gleich fallen.
In Cotonou fanden wir rasch das Internet Cafe, da wir nun die Strasse gut kannten, wo es lag. Die anfänglich gute Verbindung per Satellit war leider später nicht mehr so rasant und wir brauchten ganze 3 Stunden, bis wir alle Bilder und Daten aufgespielt hatten. Ich sah inzwischen das Desaster von London an. Ich las eine Zürcher Zeitung und checkte was los ist in den noch kommenden Ländern. Alles war im grünen Bereich.
Da es nun schon wieder so spät war, sind wir zurück zu Rada gefahren. Was für ein Hallo. Sie war gerade mit ein paar anderen im Swimming Pool und tanze im Wasser zum Rhythmus der Trommel. Heute spielte die Band, welche uns am Vortag schier zur Verzweiflung gebracht hatte. Rada dann gleich, wir sollen doch auch in den Pool springen. Doch wir hörten lieber im Trocknen bei einem Glas Bier der Musik zu.
Einige Schwarze tanzten - nur Männer > europäische Männer, nehmt euch ein Beispiel!
Kein Gramm Fett auf den Hüften und ein tolles Rhythmus Gefühl beim Tanzen.
Die Polin musste heute leider spät am Abend nach Hause (Berlin) fliegen. Sie war ganz traurig, besonders da sie hier ein Lover gefunden hatte.
Als erstes planten wir die Route von Cotonou nach Niamey, dann gingen wir Frühstücken. Nach einer letzten ausgiebigen Dusche verabschiedeten wir uns von den Angestellten. Leider war Rada nicht da.
Wir fuhren als erstes zu der Total Tankstelle, wo wir den Motor und den Unterboden waschen liessen. Charly hoffte, dass damit das zirpende Geräusch verschwindet. Doch leider war dies nicht der Fall, wie es sich später herausstellte. Da wir nun so lange am Meer entlang gefahren waren, wollten wir unserem Auto etwas Gutes tun und das Salz wegwaschen. So ein richtiges Hochdruckgerät gab es hier natürlich nicht, aber wenigstens war das Gröbste weg. Sie verstanden natürlich nicht, dass wir den Rest so beliessen. Wir wollten einfach nicht auch noch glänzen und damit noch mehr auffallen.
Danach fuhren wir weiter nach Abomey-Calvin. Wir haben ein Boot ohne Motor gemietet für 4'050 CFA mit Führer und sind nach Ganvie, dem angeblich grössten Stelzendorf Afrikas gefahren. Auf dem Hinweg 8 Kilometer halb gepaddelt halb primitive Segel gesetzt.
Die Leute unterwegs auf den Booten waren ganz und gar nicht freundlich, sobald sie bemerkten, dass man sie fotografieren wollte. Eine schlug sogar mit dem Paddel nach uns. Unser Führer sagte etwas in ihrer Sprache, doch das grimmige Gesicht der Frau blieb, obwohl wir kein Foto von ihr gemacht hatten.
Das Stelzendorf war mit seinen 25'000 Einwohnern wirklich gross. Es gab eine Strasse der Liebenden und eine Strasse der Fischer. Dazwischen viele, viele Stelzenhäuser. Einigen waren schon sehr windschief und wir wunderten uns über den Mut der Leute, darin einfach wohnen zu bleiben. Wahrscheinlich aus Bequemlichkeit wird erst dann ein neues Haus gebaut, wenn das alte definitiv zusammenbricht.
Es gab auch einen schwimmenden Markt zu sehen, dieser kann aber nicht mit der Schönheit und Vielfalt des thailändischen Marktes schritthalten.
Mit dem kleinen Boot konnten wir auch durch die kleinen engen Flussgassen fahren und den Leuten buchstäblich in die Küche schauen.
Den ersten Souvenirladen hatten wir eilig durchschritten und sind auf der anderen Seite wieder raus aufs Boot. Beim zweiten sind wir auf eine Cola geblieben und haben auch unsere Begleiter dazu eingeladen. Wir hatten von dort einen guten Blickwinkel auf den schwimmenden Markt und konnten gut dem Treiben auf dem See zu schauen.
Bald war es schon wieder Zeit zurück zu paddeln. Unterwegs trafen wir wieder viele Boote, die mit allen möglichen Zeug bepackt waren. Lustigerweise haben wir im Dorf und auch auf dem See einige Männer getroffen, die Weihnachtsmützen auf hatten. Zuerst guckten wir ganz schön dumm und dachten an einen Geck, doch dann haben wir mehrere davon gesehen und wahrscheinlich ist dies wieder mal eine Art afrikanisches Recycling.
Eine Frau kam in ihrem Boot oben ohne vorbei. Wir beobachteten Fischer, wie sie ihre Netze auswarfen oder im Wasser waren, um die Netze zu bergen.
Der Guide hatte uns natürlich schon bearbeitet wegen seinem Trinkgeld. Als wir wieder an Land waren, gaben wir ihm und dem Chef-Paddler je 1'000 CFA. Unser Guide schien gar nicht glücklich zu sein und meinte das sei verrückt, es sei so viel Arbeit gewesen uns rüber zu paddeln. Nun wir hatten schliesslich dafür auch unser Eintrittsgeld bezahlt. Ich blickte ihn erstaunt und eindringlich an. Er war sofort ruhig und nahm das Geld.
Wir fuhren durch das Gewühl zurück zur Hauptstrasse und machten uns auf den Weg nach Abomey. Die Strasse wurde immer löchriger, je weiter wir uns von Cotonou entfernten.
Kurz vor Abomey sind wir eine Strasse zu früh abgebogen, da dies am Rondell so angeschrieben war. Prompt landeten wir wieder mal auf einer abenteuerlichen Piste, die uns nach Abomey führen sollte. Da die Piste immer kurioser wurde, suchten und fanden wir eine Querverbindung zur Hauptstrasse.
Chez Monique war schnell gefunden. Der Garten in der Auberge war riesig, hatte aber nur für ein bis zwei Autos Platz. Wir waren froh eine Bleibe gefunden zu haben und spazierten durch die Anlage. Es gab kleine Antilopen, Krokodile und ein Affe. Die Tiere taten uns leid, wie sie da traurig in ihren Käfigen dahin vegetierten. Besonders den Affen neben uns hörten wir öfters jammern. Die Besitzerin ist nicht wie zuerst vermutet aus Europa, sondern aus Benin. Die Übernachtung kostet 3'500 CFA sagte man uns und man versprach uns, dass wir den Schlüssel für ein Zimmer bekommen würden. Doch später war das Zimmer plötzlich belegt. Die Frau ging mit mir in ein anderes Zimmer, welches ebenfalls belegt aber nicht abgeschlossen war. Sie meinte fröhlich, wir könnten da sicher schnell duschen. Halloooo? Wir gehen doch nicht in ein fremdes Hotelzimmer zum Duschen und kennen den momentanen Benutzer gar nicht und obendrein wurde dieser noch nicht mal gefragt.
Schliesslich zeigte man uns die angebliche Dusche des Patrons, welche wir grosszügigerweise benutzen durften. Wir waren eher der Meinung, es war die Mannschaftsdusche der Angestellten. Egal nach all der Aufregung erst mal ein kühles Blondes trinken. Doch da erwartete uns schon das nächste Desaster, denn das Bier war gefroren. Zu unserem Glück gab es wenigstens noch ein paar keine Flaschen, die nicht gefroren waren.
Charly wollte im Motor nachsehen, was da kaputt sein könnte, denn seit kurzem wurde das anfängliche Zirpen immer lauter und es wurde zu einem unangenehmen Quietschen.
Ich hörte auch was quietschen, nämlich ein kleines Hündlein, gerade mal einen Monat alt. Ich hob es auf und trug es ins Auto. Charly meinte nein nein, kommt gar nicht in Frage.
Das kleine Wesen versteckte sich so gleich hinter Charlys grossen Schuh.
Später brachte ich den Hund zurück und fand noch weitere 9 Welpen vor. Einer süsser als der andere, ich konnte nur schwer widerstehen einen einzupacken.
Kaum dachten wir, dass wir nun relaxen könnten, da kam auch schon wieder ein Guide, der uns zu einem Voodoo Fest führen wollte, welches ausgerechnet heute stattfinden sollte. Was für ein Glück wir aber auch wieder haben. Charly meinte, dass sei wieder nur so eine Touristenabzocke und lehnte dankend ab. Da der Typ zwar freundlich aber doch sehr hartnäckig war, musste Charly etwas deutlicher werden. Der Guide meinte daraufhin, dass er wohl sehr müde sei und morgen wieder käme.
Schon am frühen Morgen schlich unser Guide in der Nähe von unserem Auto rum. Wir frühstückten jedoch erst mal gemütlich, dann nahmen wir eine Dusche und packten unsere Sachen zusammen. Wir waren noch nicht fertig, da fing unser Guide an zu stürmen, da hatte Charly genug, schimpfte und schickte ihn weg. Wir hatten sowieso keine Lust mit einem Guide durch die Strassen zu ziehen. Der Guide war beleidigt und war nicht mehr gesehen.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Königspalast. Gemäss Plan im Buch, wäre dieser ja gar nicht so weit weg. Also beschlossen wir zu Fuss zu gehen. An der nächsten Kreuzung fragte ich nach dem Weg und ein netter Soldat erklärte mir wo der Palast sei. Gar nicht schwierig zu finden, aber ein langer Fussmarsch quer durch den Ort. Wir dachten schon wir wären falsch und fragten nochmals nach, doch die Angaben stimmten überein.
Endlich am Palast angekommen, mussten wir erst mal 1'500 CFA Eintritt zahlen, dann nochmals je 1'000 CFA für eine Art Kurtaxe. Die zweite in Afrika!
Danach mussten wir mit einem Guide mitgehen, welcher aber nur französisch sprach. Schlecht für Charly. Ein paar Brocken englisch konnte er aber doch und wir liefen los. Der Mann schloss uns die erste Räumlichkeiten auf und erzählte uns etwas über die Geschichte, zeigte die Königsstühle und eine Art Zepter, welche jeweils zu einem Herrscher gehörten. Während wir uns weiter die Ausstellungstücke anschauten, kam eine weitere Gruppe hinzu. Leute aus Benin, der Mann war wohl ein hohes Tier, da unser Guide gleich eiligst hinlief, um diesen und seine Familie zu begrüssen. Uns hatte er dabei ganz vergessen, also verliessen wir das Gebäude und machten uns allein auf den Weg. Auf diese Art und Weise konnten wir ein paar Fotos machen, was ja eigentlich verboten ist, aus was für Gründe auch immer. Charly meinte, damit niemand sieht was für ein Blödsinn das ist. Da würde ja niemand mehr kommen wollen.
Ein anderer Museumsangestellter stöberte uns auf und brachte uns zur Gruppe zurück. Widerwillig liefen wir mit, doch hatten wir nun auch wieder etwas Aufmerksamkeit vom Guide, nachdem ich ihm die Meinung gesagt hatte. Bei der Führung kamen wir auch an dem Thron vorbei, welcher auf vier Totenschädeln seiner Feinde aufgebaut war. Auch ein Fliegenwedel bestand aus einem Schädel und dem Schweifhaar seines Pferdes.
Wir kamen zu einer grossen Rundhütte, wo der König geschlafen hatte und angeblich auch seine Gebeine sein sollen. Alle sollten ihre Schuhe ausziehen, bis auf den Guide und dem Geschäftsmann. Charly war das zu blöd und verzichtet darauf hinein zu gehen. Er hatte gar nichts verpasst, denn ausser einem alten, vergammelten, baufälligem Bett war nur eine Schale, in die man Geld hineinwerfen sollte. Alle mussten aus Respekt vor dem ehemaligen Herrscher einmal ums Bett laufen und dann einmal um die Hütte.
Wir waren reichlich enttäuscht von dem Palast und auch von unserem Guide. Da der Typ aber so klebrig war beim Abschied, gab ich ihm dennoch ein kleines Trinkgeld. Charly meinte anschliessend, mich bringst Du nicht mehr in ein Museum in Afrika. - Mal sehen.
Wir liefen den gleichen Weg wieder zurück zur Auberge Chez Monique. Wir wollten nur noch schnell zahlen und abfahren. Doch es ergab sich dann noch eine längere Diskussion bezüglich des Preises. Plötzlich verlangte man 3'500 CFA pro Person für die schäbige Dusche und der Restauranttoilette. Ne, ne, da hab ich denen mal kurz die Meinung gesagt und sieh an, ausnahmsweise würde man uns nur 3'500 CFA für beide verrechnen. Ehrlich gesagt mehr ist der Ort auch nicht wert. Im Kopf haben die Leute schon was sie gerne verlangen, nur der Service und Leistung dahinter stimmt so gut wie nie.
Wir fuhren ab und verliessen Abomey auf schnellstem Wege. Sogar beim Brot zockte man uns noch ab, denn statt der 110 CFA kostete das Brot mal kurz 150 CFA. Kein grosser Betrag, doch gefiel es uns nicht über den Tisch gezogen zu werden.
Wieder auf der Strasse begegneten uns viele, viele uralte Peugeots. Diese waren nur noch wacklig auf den Rädern und vollbeladen bis obenhin. Wenn sich jemand fragt, wo die ganzen alten Autos aus Europa geblieben sind, muss er mal nach Benin kommen. Hier wird alles am Leben erhalten, denn Geld für ein neueres Modell haben die wenigsten.
Am Strassenrand sahen wir, wie in ganz Benin, grosse und kleine Flaschen mit geschmuggeltem Treibstoff aus Nigeria. Die grossen Flaschen waren wahrscheinlich einmal Gianti-Flaschen. Da hat vermutlich einer ein grosses Geschäft mit leeren Gianti-Flaschen gemacht.
In Dassa kamen wir an der Grottenkirche vorbei und dem 305m hohen Berg Bafo. Wir machten nur einen kurzen Fotostopp und wollten noch tanken, doch leider gab es keinen Diesel. Gut hatten wir vorgesorgt und konnten so unbesorgt weiterfahren. Dassa wird auch die Stadt der sieben Hügel genannt, da hier ein paar Felsen in eine bescheidene Höhe ragen.
Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Parakou durchfuhren wir auch Savé, wo es aber ausser dem billigen Treibstoff aus Nigeria keinen Grund zum Anhalten bot.
Auf unserem weiteren Weg sahen wir auch Steinklopfer, dort werden die Steine von Hand mit einem Hammer zerkleinert. Eine zeitraubende und anstrengende Arbeit. Wir fühlten uns um Jahrhunderte zurückversetzt. Unterwegs begegneten wir auch immer wieder barbusigen Frauen am Strassenrand, die ihre tägliche Hausarbeit verrichteten. Ein ungewöhnlicher Anblick. Doch für Charly war nicht viel zu sehen, den die Frauen waren alle schon reiferen Alters und nach den vielen Kindern .....
9 km nach Parakou hatten wir gelesen, dass es einen Campingplatz gäbe. Der Besitze spräche sogar deutsch. Wir suchten und suchten, doch wir konnten den Platz nicht finden. Wir fragten einen Einheimischen, welcher zwar den Ort nicht kannte, doch empfahl er uns die Mission Monastere Cistercien Etoile Notre-Dame. Wir hatten das Schild bei der Einfahrt schon gesehen und beschlossen nun dort hinzufahren.
In der Mission aber waren alle gerade in der Kirche am beten und singen. Wir fragten einen Schwarzen, der vor dem Eingang sass und dieser schickte uns zu einer Farm. Doch auf halben Weg kam uns schon ein Pater entgegen und fragte uns verwundert, was wir denn auf seiner Hermitage machen wollten. Wir erklärten unser Anliegen, nämlich dass wir nach dem Camping Chez Mimi suchen. Dieser antwortete darauf hin, dass unser Buch wohl nicht mehr so aktuell sei und der Platz schon seit längerem geschlossen hat.
Wir kehrten also um und begegneten dem Einheimischen nochmals und dieser meinte das der Platz noch existiert und schickte uns nun auf die Teerstrasse zurück. Beim nächsten Dorf links rein. OK. Wir fuhren auf die Teerstrasse und fragten dort nochmals nach. Der freundliche Mann erklärte uns, dass der Platz schon seit längerer Zeit nicht mehr existiert.
Wir fuhren zurück zur Mission und ich fragte einen Pater, ob wir dort übernachten könnten. Dieser meinte aber, das er nicht zuständig sei, mich aber begleiten würde, damit ich die richtige Person finde. Er zeigte dann bald auf eine kleine schwarze Nonne und sagte augenzwinkernd ich solle sie fragen, er sei nicht sicher, doch wahrscheinlich hätte ich gute Chancen. Ich dankte dem netten Pater und lief zur Nonne. Diese war auch überaus nett. Kein Problem meinte sie und zeigte uns verschiedene Orte, wo wir uns hinstellen könnten. Ihr Gesicht war von vielen, feinen Rasterlinien gezeichnet, welche wahrscheinlich eine Stammeszugehörigkeit anzeigten.
Am Besten wäre der Ort bei den Zimmern sagte sie und sie würde uns auch die Toilette aufschliessen. Na, das war aber ganz lieb. Sie hätte uns auch einen Zimmerschlüssel gegeben, doch so viel Aufwand wollten wir ihr nicht bereiten, denn sie wollte kein Geld von uns. Sie meinte nur, wenn wir etwas geben wollen sei es gut, wenn nicht ist auch gut. Sie erzählte uns auch, dass vor einigen Monaten ein alter Militär-LKW (IFA) mit der gleichen Farbe wie unser Snoopy hier war, der Beschreibung nach waren das wohl die Zuckermänner.
Wir richteten uns ein und brieten uns ein Rösti aus der Packung und dazu ein paar Eier. Diese waren leider zur Hälfte schon hinüber, wegen den hohen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit.
Wir schliefen hervorragend an diesem idyllischen und friedlichen Ort.
Wir sind ganz früh aufgestanden und haben gleich unsere Sachen zusammengepackt. Ich suchte noch die kleine Nonne vom Vortag und gab ihr eine kleine Spende. Wir verabschiedeten uns herzlich und fuhren weiter nach Norden.
Ursprünglich wollten wir noch in den Park du W, doch da es in der Nacht heftig geregnet hatte, waren die Wege eh alle versumpft und auf eine geführte Tour hatten wir keine Lust. Wir dachten uns, dass wir im südlichen Afrika noch genügend Elefanten sehen werden. In der Regenzeit ist sowieso alles Gras und Gebüsch hoch und somit schwierig die Tiere zusehen. Wir sparten uns die Zeit und das Geld und fuhren trotz der verlockenden Schilder am Strassenrand weiter nach Norden.
Im Nordosten von Benin liegt die Grenzstadt Malanville. Wir erledigten dort die Grenzformalitäten. Bei den netten Beamten verlief alles rasch und reibungslos. Bald standen wir vor der Brücke, welche uns über den Nigerfluss bringen sollte. Dieser war breit und braun von den vielen Regenfällen.
| Niger |
Wir fuhren über die grosse Brücke über den angeschwollenen Nigerfluss. Die Grenzformalitäten verliefen auch hier völlig korrekt, freundlich und zügig. Für die beiden Grenzen brauchten wir nicht einmal eine Stunde. Wir hatten gerade alle Formalitäten hinter uns gebracht, als es fürchterlich anfing zu regnen. Ich konnte mich gerade noch vor den dicken Regentropfen in Sicherheit bringen, doch Charly hatte weniger Glück. Ein Beamter wollte trotz heftigem Regen in die Wohnkabine schauen. Es war nur ein kurzer Blick, doch es reichte um nass zu werden.
Der Strassenverlauf war etwas verwirrend und wir hatten schon Bedenken, dass wir ausversehen an den Grenzposten von Nigeria kommen würden. Wir hatten uns aber umsonst Sorgen gemacht. Die unebene Teerstrasse führte ein Stück am Niger entlang und wir konnten die überfluteten Ufer des Nigers sehen.
Bald waren wir in Gaya und sahen gleich, dass die Leute in Niger bedeutend ärmer sind als in angrenzenden Ländern, welche wir schon besucht hatten.
In Gaya fuhren wir an einem Posten vorbei, welcher mit Peage angeschrieben war. Da das Seil am Boden lag fuhren wir durch. Es regnete immer noch in Strömen und wir konnten nicht viel sehen. Die Strasse nach Dosso wurde aber immer besser und so kamen wir trotzdem gut voran. Wir trafen wieder auf die schönen Speicherhäuschen, welche mich schon in Burkina Faso immer so fasziniert hatten.
Vor jeder Ortschaft, innerhalb und am Ortsaustritt ist jeweils Vorsicht geboten, da hier grosse Bodenwellen eingebaut wurden. Diese sind manchmal recht hoch und können durchaus der einen oder anderen Achse den Rest geben. Wir kamen durch einige Dörfer, wo die Leute in Lehmhäusern wohnen. Manchmal sind sie rund mit Strohdächern und machmal Flachdachbauten. Ganz oft werden um die Häuser und die Getreidespeicher auch Zäune aus geflochtenem Stroh oder auch Lehmmauern gezogen.
Je weiter wir nach Norden fuhren, desto heller wurde der Himmel. Es hörte dann bald auf zu regnen und die Sonne kam wieder zum Vorschein.
Kurz vor Dosso kamen wir wieder an einen Peage-Posten und dieser war schön sauer auf uns, da wir kein Ticket hatten. Barsch fragte er uns wo wir herkommen und wohin wir wollen. Erst hatte er etwas von 400 CFA Strassenbenutzungsgebühr erzählt, dann kostete es plötzlich doppelt so viel. Wir dachten schon, der will uns abzocken, doch dann sahen wir auch den Grund dafür auf dem Ticket. Die ersten 400 CFA waren für die Strecke von Gaya nach Dosso und und die zweiten 400 CFA für die Strecke von Dosso nach Niamey. Da wir korrekte Tickets bekamen, auf welchen die Strecke und unsere Fahrzeugnummer ordentlich vermerkt waren, zahlten wir bereitwillig den geforderten Betrag. Ich erklärte nochmals deutlich, dass wir noch keine 2 Stunden in Niger seien und uns noch nicht mit den Gegebenheit hier auskennen würden. Der Militärheini meinte beschwichtigend, dass sei ja klar und auch nicht unsere Schuld. Mein Ego war nun wieder in Ordnung und wir konnten weiterfahren.
Die Teerstrasse von Dosso nach Niamey war absolut super, keine einzige Unebenheit. Wir fuhren nun mit zügigem Tempo in Richtung Hauptstadt.
Ungefähr in der Mitte der Strecke winkte uns ein kleiner Hirtenjunge aufgeregt zu und zeigte nach rechts. Da sahen auch wir, was er uns mitzuteilen versuchte. Es waren zwei Gruppen Giraffen in einiger Entfernung zu sehen. Wir wollten aber nicht zu spät in Niamey ankommen und fuhren weiter, in der Gewissheit in Süd- und Ostafrika noch genügend Giraffen zu sehen.
Kurz vor Niamey sahen wir dann seit langen wieder einmal ein Kamel, welches bepackt am Strassenrand entlang lief.
In Niamey erwartete uns das übliche Chaos. Mit den gespeicherten GPS-Daten fanden wir aber rasch zum Yantala Campingplatz. Was für ein fürchterlicher Platz. Zwar ist der Platz riesen gross, doch trifft man sich hier am Abend auf ein Bier und dazu wird die Musik voll aufgedreht. Besonders schlimm fanden wir, dass man uns den Platz direkt neben der Müllverbrennung geben wollte.
Ne, auf den Gestank hatten wir keine Lust. Wir suchten uns am anderen Ende auf einem Parkplatz einen Stellplatz.
Die Dusche und das WC war ziemlich verlottert und schmutzig. Man versicherte uns aber, das man sofort mit Seife beides putzen würde. Tatsächlich hatte das stille Örtchen nachher eine besser Geruchswolke, aber wirklich sauber ist etwas anderes. Nun wir sind ja nun schon eine Weile in Afrika unterwegs und schon einiges gewohnt. Man gab uns den Schlüssel, damit niemand ausser uns die Dusche und das WC benutzen konnte.
Wir holten uns ein Bier aus der lautstarken Bar und fingen anschliessend an zu kochen. Ich rührte gerade im Risotto, als ein kleiner überaus freundlicher Moslem kam. Er war sehr gesprächig und es stellte sich heraus, dass er aus Mali kommt. Er bemühte sich mir die Strecke von Niger nach Mali zu erklären und wo sein Heimatdorf sei. Schlussendlich stellte es sich heraus, dass er ein Bier wollte. Er war so anhänglich und wir konnten ihn einfach nicht auf eine nette Art und Weise los werden. Also lief ich mit ihm zur Bar und spendierte ihm ein Bier, froh endlich in Ruhe essen zu können lief ich zurück.
Die ganze Nacht dröhnte die Diskomusik und schlafen war fast unmöglich. Charly hatte kein Auge zugetan. Um 3 Uhr morgens beendete ein stürmisches Gewitter mit starken Regenfällen die Disko und wir konnten endlich etwas schlafen.
Trotz der fast durchwachten Nacht waren wir früh wieder auf den Beinen, denn schliesslich wollten wir heute ein paar Visum einholen und mussten vorher noch zur Bank.
In der ECO-Bank stand man schon wieder Schlange. Ich fragte die Dame, ob man hier Euro wechseln könnte und sie bejahte, sagte aber weiter nichts. Ich musste nochmals nachfragen, wo an welchem Schalter. Hier bei ihr, antwortete sie. Das hätte sie auch gleich sagen können. Wir kramten unsere Euros raus und wechselten zu einem Kurs von 1 Euro zu 650 CFA. Zusätzlich wurden uns noch Gebühren aufgebrummt, so dass wir keinen guten Tausch gemacht hatten. Doch was soll’s.
Als nächstes fuhren wir in Richtung Tschad Botschaft. Wir fuhren und fragten, doch wir konnten beim besten Willen kein Botschaft finden, wo sie eigentlich sein sollte. Wir fragten den Gärtner, welcher unsere Vermutung dann auch bestätigte, die Botschaft war umgezogen. Er erklärte mir den Weg und nach einem kurzen Verfahrer fanden wir wie angegeben die Botschaft gegenüber vom Ministere de la Santé.
Gespannt gingen wir in die erste Etage ins Sekretariat. Ein ca. 55-jähriger Mann sass da hinter seinem akkurat aufgeräumten Schreibtisch. PC, Drucker und Kopierer sauber aufgereiht. Wir staunten, dass man hier so modern war. Der Mann lächelte und gab uns bald darauf die Formulare, welche wir auszufüllen hatten, mit Durchschlagspapier. Der überaus freundliche Mann half uns die Vorder- und Rückseite des Antrags korrekt auszufüllen. Wir gaben zwei Passfotos und je 15'000 CFA. Während er die Anträge bearbeitete, erzählte er uns, dass er auch schon in der Schweiz gelebt hätte. Zwei Jahre war er in Bern und hatte eine Schweizerin geheiratet. Bei seinem Aufenthalt in der Schweiz, so erzählte er uns, hatten Kinder ihn gefragt, ob das braune Creme sei was er auf seine Haut aufgetragen hätte. Er lächelte und erzählte weiter, wie er den Kindern erklärte, dass das alles natürlich sei und nichts angemalt sei.
Er zog dabei den Bostich vor und tackerte die Passbilder gewissenhaft an die Anträge. Danach wurde der Bostich fein säuberlich wieder in der Original-Kartonschachtel versorgt. Er holte die Stempel aus dem Plastiksack, die er darin verstaut hatte, damit diese nicht austrocknen konnten. Die Stempel wurden exakt im Pass platziert. Soviel Sorgfalt und Ordentlichkeit hatten wir in ganz Afrika noch bei keinem Konsulat oder Grenzstelle gesehen. Innerhalb einer Stunde hatten wir unser Visum für den Tschad, wieso kann es nicht immer so sein?
Wir freuten uns schon, es noch rechtzeitig zur Französischen Botschaft zu schaffen. Diese war auch gar nicht weit und wir hatten sie schnell gefunden. Doch dann kam der Tiefschlag. Heute war ja der 14. Juli und damit Nationalfeiertag der Franzosen. Heute war geschlossen und da heute Donnerstag war, wurde auch gleich noch der Freitag dicht gemacht. Scheibenkleister!
Eigentlich wollten wir unser Visum für Gabon und Kongo Brazzaville hier holen, doch ganze 4 Tage hier rumhängen, ne, dazu hatten wir bei dem super Campingplatz absolut keine Lust. Wir werden unsere Visa dann halt in Kamerun einholen.
Wir wollten noch unsere Mail anschauen resp. unsere neue Position durchgeben und suchten nach dem Internet-Café. Der Besitzer war leider krank und deshalb war geschlossen.
Da wir gerade neben dem Supermarkt parkiert hatten, gingen wir dann halt einkaufen. Das Angebot war reichhaltig und konnte durchaus mit einem normalen europäischen Supermarkt schritthalten. Wieder draussen wurden wir von Händlern umzingelt, welche uns Obst und Gemüse anboten. Wir wollten aber zuerst unsere Sachen im Auto verstauen, bevor wir beim Gemüsemarkt einkaufen.
Ein Schwarzer war ganz aufdringlich und wollte mir Mangos verkaufen. Der Preis war hoch und ich handelte ihn für 2 Mangos auf 800 CFA runter. Das war immer noch schweine-teuer, aber es waren die grossen Mangos. Kaum hatten wir die Mangos eingepackt, da kam er auch schon wieder an und wollte die Mangos wiegen. Nun wir hatten keine Lust nochmals die Mangos auszupacken und als er nicht locker liess, sagte ich ihm, dass er seine Mangos behalten könne und er mir die 800 CFA zurückgeben soll. Er war einverstanden und so gaben wir die Mangos zurück. Er wog die Mangos und stellte fest, dass beide fast ein Kilo wogen und der Preis mehr als korrekt war. Nun wollte er mir die gleichen Mangos wieder verkaufen, aber dazu hatte ich nun ganz und gar keine Lust mehr. Ich sagte ihm klipp und klar, dass ich nicht mehr an seinen Mangos interessiert war. Er verstand die Welt nicht mehr. Er behauptete, es war sein Kollege, der auf das Wiegen der Früchte bestanden hätte. Egal, ich wollte seine teuren Mangos nicht mehr, schon aus Prinzip.
Wir liefen zum Gemüsemarkt und wurden dabei von den Strassenhändlern regelrecht aufgefressen. Sie kamen so nahe, dass wir schon an Taschendiebe dachten. Wir hatten gerade mal ein paar Kartoffeln gekauft, dann hatten wir auch schon genug von dem Theater. Wir machten uns auf den Rückweg zum Auto und die ganze Meute folgte uns. Der eine wollte uns Mohrrüben verkaufen, der andere Tomaten, usw. Die geforderten Preise waren aber alle samt zu hoch und somit hatten wir kein Interesse. Klar, sind hier die Leute sehr arm und es wird ausser Mais auch nicht viel angebaut und so wird das Meiste importiert. Damit sind die hohen Preise schon zu erklären, nur die aggressive Art hatte uns vertrieben. Auch als die Tür vom Auto schon geschlossen war und wir abfahren wollten, wurde immer noch versucht uns das teure Obst und Gemüse zu verkaufen. Charly ist fast ausgeflippt, denn auch nach dem er schon mindestens fünfzig Mal energisch gesagt hatte: „Nein und jetzt ist aber fertig! Wurde das einfach ignoriert.
Wir waren froh dem Hexenkessel entronnen zu sein und fuhren zur Toyota Garage. Da das zirpen immer lauter wurde und nun schon ein Quietschen war, wollte er neue Keilriemen kaufen. Doch die Riemen waren auch viel zu teuer, man wollte über 100 CHF dafür. In der Schweiz zahlt man vielleicht 25 CHF. Wir liessen es sein, denn wir hatten ja noch unsere Ersatzriemen dabei und fuhren auf der guten Teerstrasse wieder in Richtung Dosso.
Von Dosso führte eine ebenso gute Teerstrasse nach Dogondoutchi. Somit waren wir schnell im Hotel Magama angekommen. Es war eines kleines Hotel mit vielleicht 15-20 runden Bungalows. Das WC war wieder ein typisch französisches Stehklo. Für die Dusche offerierte man uns ein Zimmer, welches sehr bescheiden und nicht besonders sauber war.
Der Hotel-Besitzer war gleichzeitig auch der Bar-Besitzer von nebenan. Nach all dem Stress liefen wir über die staubige Strasse und gingen ein Bier trinken. In den Buvettes, wie hier die Bars genannt werden, trifft man immer auch einige Einheimische an, die gerne ihr Bier trinken, trotz ihres Glaubens. Diese Buvettes sind aber immer von der Öffentlichkeit abgeschirmt, um nicht zu sagen, versteckt. Man trinkt halt im Verborgenen, ob es Allah dann wohl nicht sieht? Wir hatten einige freundliche kurze Gespräche und fühlten uns schnell wohl. Man erklärte uns, dass Dogondoutschi langer Berg heisst.
Nach dem Bier gingen wir zurück zum Auto, da Charly die 3 Keilriemen beim Motor wechseln wollte. Ich räumte unterdessen mal die alten Papiersachen auf.
In der Nacht finge es wieder an stark zu regnen, aber wenigstens stürmte und blitzte es diesmal nicht.
Am Morgen kurz nach 7 Uhr sind wir losgefahren, da heute ein langer Weg vor uns lag. Wir mussten wieder am Peage-Posten die Strassengebühr entrichten. Von Dogondoutchi nach Zinder kostet es diesmal 1'700 CFA.
Anfänglich war die Strasse noch gut, doch bald kamen wir an eine total überflutete Stelle. Ein langes Stück war völlig unter Wasser, doch halfen uns viele Lotsen unentgeltlich den richtigen Weg zu finden. Sie rannten vor dem Auto und winkten, wo man durchfahren sollte. Leider gab es manchmal zu viele die winkten und so waren wir nicht immer sicher, ob wir auch dem richtigen folgten.
Die Brücke war ebenso total von den Wassermassen überflutet, man sah gerade noch das Geländer. Auf der anderen Seite angekommen, applaudierten sie uns. Wir mussten lachen über die Begeisterungsfähigkeit der Leute. Nachdem die ganze Anspannung weg war, realisierten wir, dass wir völlig vergessen hatten Fotos zu machen. Zu dumm!
Die Teerstrasse war bis Maradi in einer sehr guten Verfassung und wir kamen schnell voran. Leider wurde war die Strasse danach schmäler und etwas löchrig. Anschliessend wechselten sich die guten Strassenabschnitte mit den schlechten ab, mehrheitlich liess es sich jedoch gut fahren.
Links und rechts war fleissig Mais angebaut worden und wir erlebten Niger als ein sehr grünes und fruchtbares Land. Die Leute bearbeiteten ihr Land fleissig mit kleinen Haken. Eine anstrengende Arbeit, die in gebückter Haltung verrichtet wurde.
In der Nähe von Zinder haben wir auch wieder einmal Kamele gesehen, die in kleinen Herden durch die Gegend zogen. Eine Frau in ihrer traditionellen Kleidung kam etwas näher und amüsierte sich, dass ich die Kamele fotografierte. Ich fragte, ob ich von ihr auch ein Foto machen dürfte. Ich konnte nur Zeichen geben, da sie kein Französisch sprach. Sie willigte ein und meinte „Foto für Europa“, danach war ihr Wortschatz aber leider auch schon erschöpft. Wer ihr das wohl beigebracht hat? Ich ging nicht allzu nahe an sie heran, da ich nicht so aufdringlich sein wollte und schoss ein Foto von ihr.
Wir nutzten die kleine Pause um etwas zu essen und schwitzten dabei in der trockenen Hitze.
Rinderherden gehörten zum täglichen Anblick und zu unserer Verwunderung sahen wir Buben auf Kühen reiten. Ein ein völlig ungewohntes Bild für uns. Die Kühe gehorchten den Jungs jedoch gut und wir sahen sie oft am Strassenrand stehen.
Generell waren die Leute sehr freundlich und man winkte uns oft mit einem Lachen freudig zu.
Unterwegs wurden wir zweimal intensiver von der Polizei befragt und man kontrollierte eingehend unsere Papiere, mehrheitlich wurden wir aber freundlich durchgewunken.
Sobald wir Zinder erreicht hatten suchten wir umgehend eine Garage, da die Quietschgeräusche von der Hinterachse nicht mehr zu überhören waren. Es hörte sich an, als ob Metal auf Metal reibt, aber nur bei einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 90 Km/h.
An der Total-Tankstelle fragten wir nach einer kompetenten Toyota-Garage. Leider gab es keine Toyota-Garage, aber eine Hinterhofgarage, wo man sich auf Toyotas spezialisiert hatte. Es gab schliesslich genügend Toyota Landcruiser in dieser Gegend und so hofften wir eine fachkundige Garage gefunden zu haben.
Ein Mechaniker fuhr mit Charly ein Stück mit, um das Geräusch zu erkunden. Bei der Rückkehr meinte er, es sei das hintere linke Radlager. Alle machten sich an die Arbeit. Charly musste die speziellen Radmuttern und das Rad demontieren. Er hatte bei der Aktion ganz schön stress, denn er musste aufpassen, dass nichts beschädigt wurde sowie dass sein Werkzeug anschliessend noch vollständig war. Nicht das man böse Absichten gehabt hätte, aber bei so vielen Leuten um einen herum, könnte der eine oder andere vielleicht etwas einpacken was nicht ihm gehört, sei es auch nur aus Versehen. Wir mochten gar nicht hinsehen, als man auf die Trommel mit dem Hammer einschlug, da sie sich sonst nicht lösen lies. Die Achse wurde vorsichtig entnommen und etwas achtlos auf den Boden gestellt. Das Lager wurde demontiert und es wies keinerlei Schäden auf. Der Mechaniker fettete das Lager mit unserem Fett und anschliessend wurde alles wieder montiert. Die Hoffnung nun endlich das Problem behoben zu haben, wurde jedoch bei der anschliessenden Probefahrt vernichtet. Das Geräusch war nach wir vor da.
Da es schon spät war wollten wir nicht noch länger in der Hinterhof-Garage verweilen und machten einen Termin für den nächsten Tag ab. Da es schon langsam dunkel wurde, suchten wir uns ein Örtchen zum Schlafen.
Das erste Hotel am Ortseingang war so offen, dass jede Menge Leute ein und aus gingen. Das war nichts für uns, also machten wir uns auf die Suche zum Hotel Central.
Als wir das Hotel gefunden hatten, meinten wir schon, dass das wohl ein Scherz sein, denn die Einfahrt war für ein Fahrzeug viel zu schmal, doch ein vifer Typ erschien und zeigte uns den Weg zum Hinterhof. Einmal um das Viertel herum und dann war da ein grosser Hof. Die ehemalige Patisserie war inzwischen geschlossen worden, so werden wir wohl kein frisches Brot haben am nächsten Tag. Der Preis wurde zuerst mit 6'000 CFA veranschlagt. Das war eindeutig zu teuer und ich konnte den Typ auf 4'000 CFA runterhandeln, doch als ich das schäbige WC und die lausige Dusche sah, beschloss ich, nicht mehr als maximal 3'000 CFA zu zahlen. Dies war nicht mehr in seiner Kompetenz und er müsse da den Patron fragen, welcher aber wie in solchen Fällen immer gerade nicht anwesend ist.
Wir gingen mit dem Typ zum Hotel und siehe da, an der Tafel war der Campingpreis mit 2'000 CFA pro Person vermerkt. So ein Schlitzohr, da wollte der uns doch glatt zusätzlich 2'000 CFA ausreisen. Wir warteten und tranken in der Zwischenzeit ein kleines Bier. Der Preis war mit 1'000 CFA bei weitem überteuert. In Dogondoutschi hatten wir etwas mehr als 500 CFA für eine grosse Flasche gezahlt und hier verlangten sie für eine kleine Flasche schon 1'000 CFA teurer Laden und leider entspricht weder die Anlage noch das Personal den Preisen.
Nach dem Bier gingen wir zurück zum Auto und bereiteten unser Abendbrot zu. Der Typ kam nochmals vorbei und bot uns an unsere CFA von Westafrika in zentralafrikanische zum Kurs von 1:1 zu wechseln. Wir hatten jedoch keine Lust, nach dem er uns schon vorher versucht hatte übers Ohr zu hauen.
Zirka eine Stunde später kam der Patron mit seinem Moped und wir hatten nur eine kurze Unterhaltung. Ich erklärte kurz und klar, dass mehr als 3'000 CFA für diese miesen Sanitären-Anlagen nicht drin liegt. Er sagte nur kurz, ist in Ordnung und weg war er auch schon wieder.
Wir wollten so gegen 23 Uhr schlafen gehen und hatten gerade unser Bett hergerichtet, als die Disko von gegenüber in voller Lautstärke begann. Die Livemusik war nicht gerade der Hammer aber dafür umso lauter. Wir konnten trotz der Ohrstöpsel die Musik mitverfolgen.
Gut schlafen liess es sich diese Nacht nicht.
Die Band hatte bis morgens um 3 Uhr gespielt und so hatten wir eine kurze, lange Nacht.
Nach einem kurzen Frühstück wollten wir duschen gehen und da man vergessen hatte das WC zu spülen, drückte Charly auf den Knopf. Ich wollte mich gerade unter die Dusche stellen und bemerkte, dass kein Wasser kam. Kurzentschlossen wusch ich mich im Lavabo. Kaum hatte ich die Katzenwäsche beendet und hatte mich angekleidet, drehte Charly nochmals am Hahn. Siehe da und bei ihm kam Wasser. Ich war baff. Charly hatte natürlich seine Schadenfreude und meinte, er wisse nicht wieso ich mich so kompliziert im Lavabo gewaschen hätte. Ha ha. Er zog sich genüsslich aus und duschte. Ich war sauer, aber so einfach liess ich mir das nicht gefallen, denn als er fertig war, zog ich mich nochmals aus und duschte ausgiebig. Die Anlage war zwar ziemlich schäbig, aber einer kühlen Dusche nach einer verschwitzten Nacht kann man einfach nicht widerstehen.
Wir zahlten unseren Obolus und verliessen den unfreundlichen Ort. Der Nachtwächter war zwar ein lieber Mann, aber der Rest war nicht nach unserem Geschmack.
Wir fuhren unseren Snoopy warm und lauschten, ob das Geräusch noch da ist. Es dauerte etwas länger, aber es war nach einiger Zeit leider wieder zu hören. Unser Vertrauen in die Werkstatt war aber nicht gerade gross und so meldeten wir uns dort ab. Wir zahlten 5'000 CFA und gingen.
Auf der Suche nach der Altstadt kamen wir an wenigen verzierten Häusern vorbei, die aber nicht mehr den Glanz ihrer alten Tage hatten. Wir machten dafür ein paar Aufnahmen vom Strassengeschehen und verliessen anschiessend die Stadt.
Wir dachten schon, dass wir die falsche Strasse erwischt hätten, als wir an einen Polizei- und Zahlposten vorbeikamen. Der Polizist war ziemlich unfreundlich, jedoch korrekt. Wir mussten alle Papiere zeigen und nach eingehender Einsicht gab er uns diese zurück. Für die Weiterfahrt nach Nguigmi hatten wir eine Strassengebühr in Höhe von 1'500 CFA zu zahlen. Die Barriere wurde geöffnet und wir bogen gleich nach links ab in Richtung Gouré.
Die Strasse war anfangs noch in ordentlichem Zustand, doch dies sollte sich schon bald ändern.
Keine 3 Kilometer später war wiederum ein Polizeiposten und wieder mussten wir alle Papiere vorweisen. Dieser Typ meinte es aber ganz genau und war noch unfreundlicher als der letzte. Als Erster akzeptierte er unsere Kopie vom Fahrzeugausweis nicht und verlangte streng nach dem Original. Wir wollten zuerst unsere anderen Papiere zurück, was er uns aber strikt verweigerte. Wir wollten aber unsere Papiere zurück haben, denn wir hatten ja schon unsere üblen Erfahrungen in Senegal gemacht. Leider blieb der Typ stur und so blieb uns nichts anderes übrig. Mit gemischten Gefühlen gaben wir im das Original. Er sah streng hinein und konnte nichts bemängeln. Er übergab uns anschiessend alle Papiere und wir konnten diesen „netten“ Herren den Rücken kehren.
Die Teerstrasse war bald darauf nur noch eine Rüttelpiste, welche nur noch maximal 20-30 km/h erlaubte. Die Umgebung wurde immer trockener und die Strasse war machen Ortes von Sandwehen zugedeckt. Die Löcher waren in der Überzahl und wir hatten keine Chance allen auszuweichen. Die 166 km nach Gouré mussten mühsam erkämpft werden.
Wir kamen durch ein paar kleine Oasenstädtchen und wir wunderten uns, wie die Leute hier überleben konnten. Entlang der staubigen Strasse gab es ein paar bescheidene Läden und einige Männer schauten am Strassenrand gelangweilt dem wenigen Verkehr zu.
Die Gegend war aber Dank der Regenzeit gar nicht so trostlos und oft überzog ein dünner grüner Teppich die Landschaft. Ein paar Mal wurden wir von völlig überladenen Buschtaxis überholt. Die Leute wurden in kleine Minibusse gezwängt oder fuhren unbequem hinten auf der Landefläche eines Pick-ups oder LKWs mit. Bei dieser holprigen Piste eine Tortur.
Die ersten Sanddünen waren zu sehen und wir verfolgten weiter die obermiese Piste. Es war eine Frechheit dafür auch noch Geld zu verlangen! Da wir auf dieser schlechten Strasse nicht vorwärts kamen, beschlossen wir in Gouré zu bleiben und am folgenden Tag früh morgens weiter zu fahren.
Es war erst kurz nach Mittag, als wir in Gouré eintrafen. Bald hatten wir das Kulturzentrum erreicht, wo man campieren konnte. Es war ein grosser Platz mit einem Gebäude, wo sich Jugendliche treffen konnten. Ein kleiner Bub öffnete uns erstaunt das Tor und liess uns ein. Er fragte was wir wollten und wir fragten nach den Patron. Natürlich war dieser wieder einmal nicht da und so mussten wir uns gedulden. Wir hatten Durst nach dieser staubigen Rumpelpiste und tranken im Restaurant nebenan eine Cola. Was heisst Restaurant, es war einfach ein offener Platz mit Plastikstühlen und Tischen unter Strohdächern. Die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Man meinte, dass wir sicher hier übernachten könnten und so stellten wir anschliessend Snoopy auf den Schotterplatz, wo Charly bei Snoopy alles schmieren wollten.
Ich hatte eigentlich vorgehabt das Tagebuch à jour zu bringen, doch es wurde nichts daraus. Der kleine Junge, der das Tor geöffnet hatte, hatte sich einen Zeh schwer verletzt. Dieser war nun mit Dreck total verkrustet. Da man hier keinerlei Verbandsmaterial hatte, beschloss ich dem Kleinen zu helfen. Ich suchte mit seinem grossen Bruder nach einem Eimer mit Wasser. Dem Wasser fügte ich noch Salz hinzu und der Junge musste seinen Fuss hinein tun. Die Kruste löste sich nur langsam auf. Immer wieder schaute ich nach, ob sich der Dreck schon auflöst, doch dieser war hartnäckig. Nach einiger Zeit konnte ich jedoch die Wunde reinigen und desinfizieren. Charly rief mich auch immer wieder, da ich ihm dieses oder jenes bringen musste, als er unter dem Auto lag. So war ich vollauf beschäftigt mit Hilfsdienst und Handlangerdienst.
Ich hatte den Zeh des Jungen noch nicht fertig verbunden, als ein paar Mädchen kamen. Die eine zeigte mir ihre Brandwunde an der rechten Wade. Beim Mopedfahren hatte sie sich am Auspuff verbrand. Die Wunde war mehrheitlich noch geschlossen und so suchte ich im Verbandskasten nach einer guten Brandsalbe. Ich tat reichlich von der Salbe auf die Wunde und verband anschliessend ihr Bein. Da kam schon die nächste und meinte sie hätte so viele Pickel im Gesicht und ich soll ihr doch das Geld für eine spezielle Seife geben. Ich erwiderte darauf nur, dass das in ihrem Alter völlig normal sei und sie ihre Pickel auch ohne Seife wieder los wird, sobald sie erwachsen sei. Sie war nicht so glücklich über meine Antwort, liess mich aber in Ruhe. Das Pflaster am Verband des Jungen löste sich immer wieder, da er keine Schuhe trug und so Dreck rein kam. Der Verband selber aber hielt. Ich erneuerte das Pflaster ein paar Mal, doch war dies nach kurzer Zeit wieder ab.
Charly hatte in der Zwischenzeit alles geschmiert und hatte auch Fett an der Stirn. Ob er damit wohl seine Hirnzellen auch schmieren wollte ;-)
Er war ziemlich schmutzig und verschwitzt und wollte gerne eine Dusche, doch Duschen gab es hier offiziell keine. Der grosse Bruder des kleinen Jungen wusste aber eine Lösung. Er holte einen grossen Eimer Wasser und hinter dem Gebäude war ein kleine Nische, wo man Reste von Plastiksäcken als Duschvorhang missbrauchte. Dort konnte er ungestört duschen, während dem ich ihm die Plastiksäcke vom Leib hielt. Unser Ansprüche bezüglich Duschen wurden immer bescheidener.
Wir schenkten dem Buben für seine Dienstleistung einen kleinen Beutel mit Erdnüsse, über den er sich sichtlich freute. Er war so dünn und machte einen kränklichen Eindruck auf uns.
Er und sein Bruder liessen uns den ganzen Tag nicht aus den Augen, aber ohne Aufdringlich dabei zu sein.
Der Patron, sprich der Schulleiter, kam und wir unterhielten uns kurz mit ihm. Es sei doch selbstverständlich, dass wir hier übernachten können und zahlen bräuchten wir nichts, dies sei afrikanische Gastfreundschaft und somit sei es kostenlos. Nur wenn wir einen Nachtwächter bräuchten, dann sollten wir diesem eine kleine Entschädigung geben. Er hatte es danach eilig, denn er musste noch in die Bibliothek.
Wir waren inzwischen ziemlich hungrig und durstig. Wir fragte im Restaurant nach, ob man etwas bestellen könnte. Wir bestellten Steak mit Pommes. Es dauerte eine ganze Weile und unser Bier war schon halb getrunken, als endlich das Essen kam. Über das Steak hatte man noch Gemüse gegeben. Die Pommes waren frisch zubereitet worden. Das einzige was uns komisch vorkam war das Steak. Das war kein Rindfleisch. Wir waren überzeugt Kamelsteak bekommen zu haben. Es war zwar nicht ganz so zäh wie das in Tunesien, aber von der Konsistenz her vergleichbar. Im grossen und ganzen war das Essen gut und wir hatten bald unsere Teller brav leer gefuttert.
Anschliessend gingen wir zurück zum Auto und parkierten dieses um, denn auf dem Schotterplatz sollte offensichtlich am Abend ein Event stattfinden.
Der erste Platz war mir zu Nahe an der Abfallgrube, der zweite war beim Klo, welches fürchterlich stank und so bevorzugten wir dann doch die Abfallgrube, nur mit etwas mehr Distanz. Als wir endlich unser Nachtquartier gefunden hatten, machten wir uns auf die Suche nach der Buvette. Das ist eine Bar, wo die Moslems in Niger ihr Bier geniessen, ohne das es Allah gleich sieht.
Die Bar war gleich nebenan. Wir wurden neugierig begafft, doch schon bald hatte man sich wieder im Gespräch vertieft. Wir bestellten ein grosses und ein kleines Bier. Wir hatten schon bald unser Bier getrunken und unterhielten uns, als plötzlich zwei neue Biere da waren. Ein netter Herr vom Nachbartisch hatte uns eingeladen. Nanu! Wieso denn, fragten wir. Der nette junge Mann hatte heute Geburtstag und hatte ein paar Freunde eingeladen. Wir bedankten uns bei ihm und gratulierten ihm. Da Charly sowieso seine langen Hosen anziehen musste wegen den Moskitos, brachte er auch noch gleich ein kleines Gastgeschenk mit. Wir gaben den Mann ein Schächtelchen mit Parfüm und Balsam, welches wir gratis von einer Drogerie erhalten hatten. Der Mann hatte sich sehr darüber gefreut. Es stellte sich heraus, dass er der Kommissar und der Freund gegenüber der Arzt und der nebenan der Gendarm der Region war. Wir hatten also die ganze Dorfprominenz hier versammelt. Es wurden einige freundliche Worte gewechselt und die braven Moslem becherten nebenbei ganz schön.
In der Mitte der Bar sass eine Frau mit Emailleschüsseln auf dem Boden, wo sie Essen verkaufte. Der kleine Junge vom Nachmittag schaute hungrig drein und ich lud ihn ein etwas zu essen. Es kostete nur 100 CFA als nur 25 Rappen, doch der Junge hatte zwei Stück vom Huhn und war ganz glücklich über das Essen. Gleich anschliessend verschwand er aber aus der Bar, denn Kinder hatten dort nichts zu suchen.
Der grosse kam nach einiger Zeit auch, doch hatte dieser nicht so viel Glück, denn sein Vater war ebenfalls anwesend und dieser haute ihm erst mal eine, da er hier nichts zu suchen hatte. Der Junge hatte aber auch Hunger und wollte zudem etwas Anschluss an uns haben. Dem Bub liefen die Träne runter und er verstand die Welt nicht mehr. Wir waren nicht gerade begeistert von der Grobheit seines Vaters und der Kommissar von nebenan erklärte uns, dass der Mann eben sein Vater sei und der Bub nichts in der Bar zu suchen habe. Ich erklärte dem Vater, dass sein Junge uns am Nachmittag geholfen hatte und wir ihn desshalb eingeladen hätten. Er erlaubte dem Jungen zu bleiben und zum Trost luden wir den Jungen zu einer Cola ein, welche er verbittert trank. Der Kommissar gab dem Jungen Geld, damit er sich etwas zu essen kaufen sollte. Der Vater war gut im Verteilen von Schlägen, doch ernähren tut er seine Kinder nicht. Wie so viele Männer in Afrika, hat er zwar viele Kinder in die Welt gesetzt, doch um deren Erziehung, Ausbildung oder auch nur das leibliche Wohl seiner Nachkommen kümmerte er sich nicht.
Wir gingen bald darauf zum Auto und der Bub wollte sich als Nachtwächter anbieten, damit er etwas Geld verdienen könne. Wir lehnten jedoch ab und schickten ihn nach Hause.
Viel schlafen konnten wir auch diese Nacht nicht, denn es war Samstag und damit Disko-Nacht. Gerade als wir uns schlafen legen wollten, begann die Diskomusik und dauerte bis weit nach Mitternacht an. Gut schlafen konnten wir folglich nicht.
Unausgeschlafen standen wir auf und packten unsere Sachen. Der kleine Junge war schon wieder auf den Beinen und schwirrte um uns herum. Er zeigte immer auf seinen Zeh und dass der Verband abgegangen sei. Wir hatten ein paar Abfälle unter anderem auch Kartoffeln, die wir in Niamey gekauft hatten und nun leider schon faul wurden. Wir schmissen die Sachen in die Abfallgruben, worauf die Jungs gleich hinterher hüpften und unseren Abfall sortierten. Die Kartoffeln wurden als noch gut befunden und sogleich nach Hause getragen.
Bevor wir los fuhren, habe ich dem Kleinen nochmals den Zeh mit Wundsalbe behandelt. Ein neuer Verband und schon strahlte er wieder. Humpelnd öffnete er das grosse Tor und ich half ihm noch den grossen Stein auf die Seite zu tun, mit welchem das Tor verschlossen wurde. Wir verabschiedeten uns von den beiden Buben und fuhren weiter in Richtung Osten.
Die Teerstrasse war die ersten vierzig Kilometer in einem super guten Zustand, doch danach hatte die Strasse den Namen nicht mehr verdient. Ein Schlagloch nach dem anderen und teilweise fehlte die Hälfte des Belages. Manches Stück hatte auch gar keinen Teer mehr und von der Regenzeit hatten sich dort kleine Seen gebildet. Die Esel und Kamele fanden das prima, denn so konnten sie doch das eine oder andere Bad geniessen. Wir aber mussten uns einen Weg um die riesigen Löcher suchen. Wir kamen so natürlich nur noch langsam voran. Eine so üble Strasse sind wir schon lange nicht mehr gefahren und zu allem Übel wurde dafür auch noch Geld verlangt. 1'500 CFA ca. 3.75 CHF. Die spinnen!
Gegen Mittag suchten wir uns ein schattiges Plätzchen und assen etwas. Es war ziemlich heiss und mir lief der Schweiss nur so runter, bis ich auch nur ein Sandwich vorbereitet hatte. Gegessen war es dann schnell.
Weiter ging es mit der Rüttelei und durch die tiefen grossen Schlaglöcher. Meist fuhren wir schon neben der sogenannten Strasse, da auf der Strasse selber kein Fortkommen mehr war. Die Strecke wurde immer noch schlimmer und wir fragten uns das erste Mal, wie Rüdiger und Gisi, die zwei Österreicher mit ihrem Ford Transit das so alles gemeistert haben.
Gegen 16 Uhr erreichten wir dann Nguigmi. Gleich rechts beim Dorfeingang war der Zoll. Wir konnten unser Carnet dort problemlos abstempeln lassen. Wir fragten, ob wir im Hof übernachten könnten, doch leider war dies nicht möglich. Man schickte uns statt dessen zum gegenüberliegenden Polizeikontrollposten. Wir sollen da nachfragen, was wir auch gleich darauf taten. Der freundliche Polizist hörte sich unser Anliegen an und schickte uns zur Grenzpolizei. Dort so sagte man uns, können wir bleiben. Wir fuhren weiter zum Posten der Grenzpolizei und erledigten die Ausreiseformalitäten bei einem freundlichen Beamten. Es gab nur einen schäbigen Stuhl und einen Tisch, auf welchem sich die Papiere unordentlich stapelten. Im Schrank nebenan, lag ein vergammelter Impfausweis zwischen den Spinnweben.
Als er alle unsere Daten in ein Schulheft eingetragen hatte, nahm er unsere Pässe und brachte es ins Nebenbüro, wo der Kommissar des Distriktes schon auf uns wartete. Er begrüsste uns nett und fragte uns allerlei Sache, wie woher und wohin, wie lange und wie die Schweiz doch sei. Er erzählte von seiner Frau, die schon in der Schweiz war. Sie sei Umweltbeauftragte und so konnte sie schon einige Male nach Europa reisen. Er war ziemlich stolz auf sie, das merkte man ihm an. Was uns an dem Kommissar irritierte war aber seine nervösen Fingerbewegungen und wir fragten uns ständig, wann er endlich die Frage nach Geld oder Geschenk stellen würde. Doch nichts der gleichen passierte. Er übergab uns unsere Pässe und wir bemerkten, dass der Ausreisestempel noch fehlte. Der Kommissar liess sofort den netten Beamten kommen und übergab ihm die Pässe zur Bearbeitung. Da aber keine Stempel vorhanden waren, wurde einfach ein Handeintrag gemacht. Vielleicht sind die Stempel auch verloren gegangen in dem Chaos.
Wir fragten nett, ob wir hier die Nacht verbringen könnten und man erlaubte es uns freundlich. Die Beamten im Hof sassen alle beim Tee und wir spendierten ihnen eine Packung Erdnüsse dazu, über die sie sich sehr freuten.
Wir hatten inzwischen Lust auf ein Bier und gingen in die Buvette, welche nicht weit weg war. Wir tranken dort zwischen den Eidechsen unser Bier und sind anschliessend wieder zurück zum Auto gelaufen, da es anfing ein wenig zu regnen. Die paar Tropfen waren aber gleich wieder trocken und von Regen konnte man nicht wirklich sprechen.
Wir assen im Auto etwas und anschliessend haben wir am Notebook gearbeitet. Wir hatten gar nicht bemerkt wie schnell die Zeit vergangen war und legten uns nach Mitternacht ins Bett. Wir waren gerade eingeschlafen, als wir laute Stimmen hörten. Die Metalltür wurde mehrmals auf- und zugeschlagen. Es polterte und ein Polizist verhörte lautstark einen Verdächtigen. Dieser war wohl aufgegriffen worden, als er Weisse bestehlen wollte. Anfangs war der Verdächtige sehr ruhig und sagt fast nichts, während der Beamte tobte und immer wieder aufs Metall schlug. Es war ein fürchterlicher Lärm. Der Beamte fragte mehrmals nach woher er käme und wohin er wolle. Keine Antwort. Schliesslich nach langer Zeit hatte der Polizist Erfolg. Der Verdächtige fing an sich zu rechtfertigen. Die Weissen seien sowieso so böse und sie gäben nie etwas, dabei seien sie doch so reich, usw. Nun war der Polizist leise und der Verdächtige erzählte und erzählte. Ich spitzte meine Ohren, konnte aber leider nicht alles verstehen. Als der Verhaftete endlich fertig war mit seinem Geständnis, kamen Spanier, die offensichtlich von dem Mann bedroht worden waren. Es fand nun ein lautes Palaver vor unserem Auto statt. Es hatte sich alles beruhigt, als der Gefangene plötzlich zu realisieren begann, dass er eingeschlossen war. Er heulte und schrie, aber das nützte ihm wenig. Uns kostete dies auch noch den letzten Rest unseres Schlafes. Als endlich alles ruhig war, begann der Hahn zu krähen.
Die Nacht war wieder einmal eine durchwachte Nacht.
Da wir eh nicht mehr schlafen konnten, sind wir um 6 Uhr aufgestanden. Ein netter Beamter fragte, ob wir gut geschlafen hätten. Ich hätte ihn erwürgen können, doch ich antwortete freundlich „Nein“. Er nickte verständnisvoll, wusste aber nicht was sagen.
Wir hatten schnell unsere Sachen parat und fragten nach dem Weg in den Tschad. Der Beamte war so nett und fuhr mit seinem Moped voraus und zeigte uns die Piste.
Zuerst sind wir dann aber bei einem abgesperrten Areal gelandet. Wir fragten nochmals nach dem Weg und es stellte sich heraus, dass die Piste um das Areal herum geht und dann immer den Spuren folgen.
Tiefe Rillen von LKWs deuteten auf eine Piste hin. Wir folgten den Spuren in der Hoffnung die richtige Piste erwischt zu haben. Wegweiser gibt es hier nicht. Die Daten die wir vom Touratech auf unser GPS geladen hatten, waren für die obere Piste, doch den Eingang dorthin konnte uns keiner sagen. Diese Strecke schien den Leute völlig unbekannt zu sein. Wir hatten uns sowieso entschlossen die Strecke zu wählen, welche am häufigsten benutzt wird. Wir hatten jedoch auch die GPS Punkte von dieser Strecke, die vor Jahren mal ein Motorradfahrer gefahren ist. Wir hatten aber vermutet, dass diese Strecke in der Regenzeit unpassierbar sein würde. Wir hofften, dass dies nicht der Fall sein wird und folgten den LKW-Spuren.
Gleich am Anfang hatten wir tiefen feinen Sand und wir haben gleich Luft aus unseren Reifen gelassen. Mit Allradantrieb ging es dann problemlos durch den Sand.
Ab und zu galt es ein Sumpfloch zu umfahren, doch dies war weiter nicht problematisch.
Wir begegneten unterwegs einigen Nomaden, die mit ihren Eseln und Kamelen unterwegs waren.
Wir hatten schon eine ganze Strecke hinter uns gebracht, als wir ein Nomadendorf vor uns sahen. Ich wollte gerade ein Foto schiessen, als ein Mann mit Maschinengewehr auf die Piste trat und uns aufforderte anzuhalten. Was ist das jetzt? Polizei, Militär oder Banditen? Der gute Mann hatte nämlich keine Uniform an. Einen roten Pulli und eine coole Sonnenbrille, dass kann auch ein Bandit sein, aber so direkt mochte ich ihm dies nicht mitteilen, weshalb ich ihn vorsichtshalber fragte, was er denn nun sei - Polizist oder Militär. Militär natürlich, antwortete er. Uns fiel ein Stein vom Herzen, denn in dieser Gegend hätte es auch was anderes sein können.
Wir mussten nur die Daten von uns in ein Buch eintragen lassen, danach war die ganze Prozedur auch schon vorbei.
Wir fuhren weiter durch das Niemandsland und die öde Landschaft passte dazu.
Irgendwo haben wir den Grenzstein zum Tschad passiert, konnten dies aber nur anhand vom GPS bemerken.
| Tschad |
Den Grenzstein hatten wir passiert ohne es wirklich zu bemerken. Wir waren nun im Tschad, gemäss GPS-Koordinaten. Wir fuhren durch Gebüsch und an schlammigen Löcher vorbei, dann wieder begleiteten Sanddünen unseren Weg.
An einer schönen Dünen legten wir einen Stopp ein und machten eine kurze Pause. Danach ging es auf teilweise sehr weichsandiger Piste weiter nach Osten. Die Fahrzeugspuren waren mehrheitlich klar zu erkennen. Es gab nur eine Kreuzung, wo wir zögerten und dann den Spuren nach rechts folgten, da diese uns ausgefahrener erschienen.
Danach meinten wir schon, oh war wohl doch die falsche Spur gewesen. Doch dann bog die Piste doch noch in die richtige Richtung ab. Der nächste Waypoint sollte ein Brunnen sein, welchen wir aber nicht sahen. Gemäss unserem GPS waren wir aber auf dem richtigen Weg. Es gab vereinzelt kleine Tümpel, aus denen die Kamele und Esel tranken. Wir sahen viele Kamele und ganz selten ein paar Nomaden vorbeiziehen.
Es gab durchaus auch die eine oder andere anspruchsvolle Strecke zu meistern, doch für unseren Snoopy war dies überhaupt kein Problem. Wir folgten den GPS Angaben vom Buch Durch Afrika und fanden schliesslich auch die Grenzstation Daboula.
Nach dem Schlagbaum mitten in der Wüste, mussten wir bei den einfachen Lehmhäusern parkieren. Die Beamten freuten sich, mal wieder jemanden zum Reden gefunden zu haben.
Zuerst mussten unsere Angaben in ein Schulheft eingetragen werden, danach wurden sie ordnungsgemäss abgestempelt. Anschliessend hatten wir einen Zettel mit unseren persönlichen Daten auszufüllen und natürlich wurde auch wieder gefragt, woher wir kommen und wohin wir fahren. Mama und Papa mussten natürlich auch wieder erwähnt werden, wie in so vielen anderen afrikanischen Ländern auch. Sehr zu unserer Verwunderung wurden zu dem Formular auch noch 2 Passfotos verlangt. Nachdem wir alles ordnungsgemäss ausgefüllt hatten, wurden die Passfotos und das Formular in eine grosse Kiste geschmissen, wo sich schon diverse andere Formulare und Fotos in wildem Durcheinander zeigten. So viel Bürogratie und dann diese Unordnung. Das Ganze schaut eh keiner mehr an, nachdem die grosse Kiste mit dem roten Kreuz geschlossen wurde.
Wir wurden anschliessend mehrfach nach Medikamenten gefragt. Ich hatte noch ein paar Aspirin übrig, welche ich ihnen gerne gab. Man wollte natürlich mehr. Einer fragte nach Augentropfen, der andere wollte was gegen Schnupfen, ein anderer wiederum klagte über Fieber und hielt meine Hand auf seine Stirn, zudem wurde auch noch nach Ohrentropfen gefragt. So viele Kranke auf einmal? Die hätten unsere ganze Apotheke geplündert, wenn wir sie gelassen hätten. Ich rückte noch mit ein paar Pflaster raus, doch sehr zu meinem Erstaunen wussten sie nicht einmal was das ist und für was es gut ist bzw. wie man es anwendet. Kaum zu glauben.
Ein Mann kam ganz wichtig und verlangte erneut unsere Pässe und wollte schon damit verschwinden. Charly sollte in diesem Moment gerade mit dem Carnet zum Zoll. Da wir unsere Pässe nicht alleine lassen wollten, entschieden wir uns zu trennen. Ich folgte dem Mann mit unseren Pässen, der natürlich am anderen Ende der Ortschaft sein Büro hatte. Dort trug er unsere Daten nochmals in ein Buch ein und nebenbei fragte er auch noch nach einer Zeitschrift bzw. einem Geschenk. Ich verneinte beides und da kam auch schon sein Gehilfe, bzw. der Security Mann. Dieser löcherte mich, denn er wollte unbedingt ein Mittel gegen sein Fieber. Er sah mir aber gar nicht fiebrig aus und auch als er meine Hand erneut auf seine Stirn legte, hatte ich nicht das Gefühl er hätte Fieber. Ich liess mich nicht breit schlagen und blieb hart. Ich hatte ja schon die Aspirin an seine Kollegen verteilt und teilte ihm mit, er könne die Tabletten mit seinen Kollegen ja teilen. Er war nicht sehr glücklich mit meiner Antwort. Er hätte schon seit über 45 Tagen Fieber, sagte er und ich antwortete, dann müsse er sowieso zum Arzt um nachsehen zu lassen. Ich könne ihm doch nicht einfach ein Medikament geben, ohne zu wissen was er hat. Vielleicht Malaria, vielleicht Typhus, vielleicht eine Infektion nur ein fiebersenkendes Mittel hilft da nicht, man muss schon die Ursache bekämpfen. Er verstand das nicht so ganz.
Charly kam herein. Er fragte ob wir über Mao fahren oder über Bol, denn wenn wir über Bol fahren, würde man die Formalitäten hier erledigen. Ich erwiderte, ja wir fahren über Bol und Charly lief zurück zum Zollbeamten. Kurze Zeit später stand er wieder da, der Typ vom Zoll wollte ein Geschenk und die Formalitäten müssten wir in Bol erledigen. Was für ein Blödsinn. Ich denke der war beleidigt, weil er kein Geschenk bekommen hatte und dachte, dann können die Touristen ihre Formalitäten auch dort erledigen. Kein Problem.
Der junge Mann von der Security und auch der ältere Mann, der die Augentropfen haben wollte, liessen nicht locker. Wir hätten aber unsere ganze Kiste ausräumen müssen um die Augentropfen zu holen und wer weiss, was ihnen da sonst noch alles eingefallen wäre. Wir blieben also hart und konnten endlich weiterfahren.
Die Strecke ging weiter durch weichen Sand und es gab durchaus die eine oder andere kleine Düne zu passieren. Im allgemeinen aber war die Umgebung nun nicht mehr so trocken und es wurde immer grüner. Bäume und Gras, dass hatten wir hier nicht erwartet. Die Landschaft war abwechslungsreich und wir kamen auch an ein paar urchigen Nomadendörfern vorbei.
Ein kleines Mädchen kam in ihrer traditionellen Kleidung angerannt und wollte ein Geschenk, doch da waren wir schon vorbei gefahren.
Wir fanden in einer kleinen Niederung zwischen grossen Bäumen ein nettes Fleckchen und machten eine Mittagspause. Ich bereite uns schnell einen Thunfischsalat zu, welchen wir dann im Schatten assen. Die blöden Fliegen hatten uns leider auch bald entdeckt und nervten uns extrem.
Auf sandiger Piste fuhren wir weiter. In Lioua fuhren wir durch das Dorf und hielten kurz an, um uns zu orientieren. Schon kamen zwei nette Männer in ihren Kaftanen (langes Nachthemd ;-) ) vorbei und fragten höflich, ob sie uns behilflich sein könnten. Wir fragten nach dem Weg, welcher uns auch gleich gezeigt wurde. Man wünschte uns ein schöne Reise und schon waren wir wieder auf dem Weg. Die Leute waren alle sehr erfreut über unseren kurzen Besuch und man winkte uns von überall her zu.
An der nächsten Weggablung standen 2 Pferde und vor lauter Pferde, hatte ich vergessen welchen Weg wir fahren und schon waren wir auf der falschen Piste. Charly merkte es aber am GPS Gerät, dass wir vom Weg abgekommen waren und wir kehrten um. Es war nur ein kleiner Umweg, wegen einer kleinen Unachtsamkeit tja, so schnell ist man auf dem falschen Weg.
Wir fuhren weiter durch die grüne Landschaft vom Tschad und trafen immer mal wieder auf Nomaden und deren Vieh. Viele Ziegen, Kühe und Schafe kreuzten unseren Weg.
Der Weg war weiterhin sandig aber gut passierbar. Eine Düne war im Buch Durch Afrika mit einer Umfahrung vermerkt und wir dachten schon es handelt sich um eine grosse Düne, doch in Wirklichkeit war es kaum eine Erderhebung.
Wir fuhren weiter bis wir an die Kreuzung mit der grossen breiten Piste gelangten. Dort wurde in Durch Afrika beschrieben, käme die einzig schwierige Strecke, denn nun müsse man querfeldein fahren, um nach Bol zu gelangen. Wir glaubten das einfach nicht. Wir holten unser Notebook raus, doch die Touratech-Karte zeigte auch nicht so genau an, wo es nun weiter ging. In diesem Moment kam uns ein uralter Toyota-Landcruiser entgegen, welcher voll mit Leuten beladen war. Ich gab ein Handzeichen und der Fahrer hielt gleich an.
Er fragte mich freundlich, wie er mir helfen könnte und ich fragte nach dem Weg nach Bol. Der Mann lachte und zeigte auf die breite Piste, welche wir ja schon in die richtige Richtung gefahren waren. Ich musste auch lachen und man verabschiedete sich herzlich.
Die Piste, falls man die Überreste davon von so betiteln möchte, war eine wahre Katastrophe. Aus diesem Grund gab es links und rechts von der breiten Piste auch schon ausgefahrene Spuren. Charly meinte, die Piste sieht aus, als ob die Römer sie erbaut hätten. Er hatte gar nicht so unrecht.
Wir kamen nur langsam voran und es begegneten uns immer wieder diese uralten Toyata-Landcruiser. Sie waren vollbeladen mit Menschen, die wie Touaregs ihre Turbane trugen. Alle winkten uns immer erfreut zu, wenn sie uns Touristen erblickten.
Kurz vor Bol kamen wir überhaupt nicht mehr vorwärts, da die Strasse von Rindern blockiert wurde. Die Rinder wurden zur Tränke getrieben. Sie hatten unvorstellbar grosse Hörner. Gemäss unserem schlauen Reiseführer, würden die Hörner auch als Schwimmhilfen im See dienen.
An einer Wasserstelle waren viele, viele Rinder und wir hielten an um ein paar Fotos zu machen. Ich hatte mich schon positioniert, als zwei Bullen gleich neben mir anfingen mit den Hörnern zu rangeln. Ich entschied mich, doch etwas mehr Abstand zu lassen. Doch im Allgemeinen sind die Rinder und auch die Bullen in Afrika so was von friedlich, klar die sind auch den ganzen Tag in Bewegung und haben darum keinen Bewegungsmangel, wie die Rinder bei uns zu Hause.
Wir waren froh, als wir endlich die Kreuzung nach Bol erreicht hatten und konnten ohne Kontrolle weiterfahren.
Zuerst hatten wir noch zur Zollstation fahren wollen, doch wir waren zu müde. Wir fuhren vorbei an all den farbenprächtigen Frauen, die auf ihren Eseln ritten, wie noch zu Christus Zeiten. Ein paar stolze Kamelreiter kamen auch vorbei und sie erinnerten mich an die tollen Fotos, die ich schon von den Touaregs gesehen hatte. Leider habe ich keine Fotos machen können.
Endlich kamen wir zur landwirtschaftlichen Forschungsstation, welche einmal von den Italienern aufgebaut wurde. Der im Durch Afrika erwähnte Dr. Th..... war leider nicht mehr dort, da er mit seiner deutschen Frau nach N’Djaména umgezogen ist. Ohne grosse Umstände erlaubte man uns dort zu übernachten. Charly war so müde, dass er sich sogleich hinlegte. Ich unterhielt mich unterdessen noch mit ein paar netten Angestellten, bis diese nach Hause fuhren.
Charly ging es gar nicht gut, er hatte wieder Fieber und wir waren sicher, dass er wieder Malaria hatte. Diesmal gab ich ihm die Tabletten von Ghana, welche 200 mg Artesunate beinhalteten. Da Charly früher immer 2 Tabletten mit je 100 mg gewohnt war, überdosierte er das Artesunate in dem er 2 x 200 mg einnahm. Gott sei Dank zeigten sich keinerlei Nebenwirkungen. Die Magenschmerzen hatte er schon bei seinen vorherigen Malariaanfällen.
Die Nacht war wieder sehr unruhig. Eigentlich wäre es herrlich ruhig gewesen, wenn die blöden Hunde nicht die ganze Nacht gekläfft hätten.
Am Morgen ging es Charly schon wieder etwas besser und das Fieber war dank der Tabletten nicht so hoch gestiegen. Wir waren aufgrund des morgendlichen Lärmes auf der Farm schon früh wach und hatten unsere Sachen rasch parat für die Weiterfahrt.
Wir fuhren zuerst weiter nach Bol, da wir dort unser Carnet noch abstempeln lassen mussten. Die Leute am Strassenrand winkten uns wieder freundlich zu und hiessen uns herzlich Willkommen.
Die Zollstation war aber nicht so einfach zu finden. Wir stoppten bei einer Gendarmeriestation und fragten nach dem Weg. Ein hoher Beamter, der einwenig aussah wir Gaddafi, erklärte uns hilfsbereit den Weg. Es war gar nicht weit weg, da Bol nicht besonders gross ist. Alles gerade aus bis zum Seeufer und dann links weg. Der Weg war nicht geteert und die Abfälle stauten sich auf der „Fahrbahn“. Das Zollgebäude war bald gefunden, obwohl wir zuerst dachten, dass das Gebäude niemals hinter diesen Abfällen stecken könnte. Tat es aber.
Der Zollbeamte war noch nicht da und man erklärte uns freundlich, dass wir uns noch ein wenig gedulden müssten. Wir spazierten während der Wartezeit zum Seeufer. Viel sehen konnten wir aber nicht, da hier viele kleine Inseln vorgelagert sind.
Wir setzten uns auf eine Stufe und warteten bis ein Beamter mit dem Moped kam. Dieser schloss das Gebäude auf und hiess uns freundlich Willkommen. Wir sollten uns doch setzen, aber beide Stühle waren nur noch bruchstückweise erhalten. Widererwartend hielten sie jedoch unserem Gewicht stand.
Der junge Beamte nahm unser Carnet entgegen und füllte sogleich die Daten ein. Leider war er aber nicht unterschriftsberechtigt und so mussten wir auf seinen Chef warten. In der Zwischenzeit gab er uns ein Pack mit alten Carnet-Abschnitten von anderen Reisenden. Ein paar Jahre hatten man die Dinger schon gesammelt und wir fragten uns, was die wohl mit den Dingern schlussendlich tun. Wahrscheinlich wird das Ganze irgendwann mal im Abfall landen. Im verschlossenen Schrank, wo sie aufbewahrt wurden, herrschte ein unendliches Durcheinander, während das restliche Büro einen aufgeräumten Eindruck hinterliess.
Wir durchstöberten das Pack, fanden aber den Abschnitt von Rüdiger und Gisi nicht. Wir fragten uns schon, ob sie irgendwo mit ihrem Ford Transit hängen geblieben waren.
Schliesslich kam der Chef und das Dokument war schnell unterschrieben. Wir wollten schon weiter, als ein junger arroganter Typ auf uns zukam und behauptete, dass wir uns noch bei der Grenzpolizei in Bol zu melden hätten. Wozu? Wir hatten unseren Einreisestempel bereits in Daboua erhalten und dort hatte man uns auch erklärt, dass wir keine weiteren Einreiseformalitäten zu machen hätten. Der Typ aber beharrte darauf, dass wir uns dort melden müssten.
Ich wollte aber zuerst noch ein paar Fotos vom Tschadsee schiessen und nahm mir auch die Zeit. Der Typ sollte warten.
Wir fuhren zu Gaddafi zurück und fragten nach dem Weg. Das zuständige Amt war schräg gegenüber. Wir fuhren hin und da kam auch schon der unsympathische Typ um die Ecke. Er geleitete uns in ein Büro, wo wir wieder einmal ein Formular auszufüllen hatten. Das übliche, Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, Mama und Papa, Passnummer, Visanummer, woher und wohin. Immer und überall dasselbe. Wieder wollte man ein Passfoto von uns, doch da weigerten wir uns. Hatten wir doch beim Konsulat in Niamey zwei Fotos und dann nochmals in Daboua bei der Einreise nochmals zwei Fotos hinterlegen müssen. Jetzt reicht es aber, sollen die sich das Foto doch in Daboua holen. Wir behaupteten, dass wir nun keine mehr hätten. Der arrogante Typ meinte, dass wir dann halt gleich hier um die Ecke welche machen könnten. Wir weigerten uns rigoros und konnten ohne Foto gehen. Danach wollten man nochmals, dass wir ein Formular in einem anderen Büro ausfüllen. Wir mussten nochmals dem arroganten Typ folgen weil dieser unsere Pässe mitgenommen hatte. In dem Büro war ein freundlicher älterer Herr und er übergab uns die gleichen Formulare, wie wir sie schon an der Grenze aufgefüllt hatten. Wir weigerten uns erfolgreich nochmals den blödsinnigen Wisch auszufüllen und nochmals 2 Passfotos abzugeben. Die Bürokratie im Tschad ist der blanke Wahnsinn. Die Männer verstanden gar nicht wieso wir uns so aufregten, schliesslich war doch das Ganze ohne Kosten für uns. Die Zeit die wir verloren, interessiert hier sowieso keinen.
Endlich hatten wir die doofe Prozedur hinter uns und konnten endlich weiterfahren. Wir fuhren wieder durch Bol und wurden wieder öfters freundlich Willkommen geheissen. Das gleiche Stassenbild wie vorher - Männer palavern wichtig und die Frauen arbeiten.
Wieder an der Kreuzung bogen wir nach rechts ab und folgten der mässigen Piste in Richtung Ngouri. Die Piste war recht gut, da man nun daran war diese auszubessern. Mit grossen Baumaschinen wurde die Piste neu eingeebnet und die Arbeiter winkten uns fröhlich zu.
Wir legten nach einer Weile ein kleine Pause ein, um etwas zu essen und damit Charly sich etwas hinlegen konnte. Es kamen wenige Fahrzeuge vorbei, aber die, die kamen waren alle vollbesetzt mit Menschen. Es waren ausschliesslich Toyotas, die uns begegneten.
Eine Frau in einem schönen landestypischen Gewand kam auf ihrem Esel dahergeritten. Sie legte bei uns einen kurzen Stopp ein und ich fragte sie, ob ich von ihr ein Foto machen dürfe. Ich durfte und ich freute mich darüber. Sie hatte einen goldenen Nasenring und ein grosses Tuch um den Kopf, so wie alle Frauen hier. Danach ritt sie friedlich weiter auf ihrem Esel, denn sie wollte auf den Markt nach Bol.
Später kam ein Hirtenjunge mit seinen Ziegen vorbei und begutachtete unser Auto aus respektvoller Distanz. Es war sehr angenehm hier nicht so aufdringliche Einwohner anzutreffen. Touristen sind hier selten und das merkt man an der Art, wie sich die Leute verhalten.
Wir fuhren bald darauf weiter. Die Piste war in einem passablen Zustand und so kamen wir ganz gut voran.
Die Hauptpiste von Mondo nach Massakory war bald erreicht, aber anstatt sich zu verbessern, wurde die Strecke unangenehm. Die breite Piste war von tiefen, sumpfigen Löcher übersät und wir kamen nur noch sehr langsam voran. Wir fuhren mehrheitlich neben der Piste, da die Piste selber nicht mehr befahrbar war.
Im Schritttempo quälten wir uns bis nach Massakory, wo wir dann endlich auf die Teerstrasse gelangten. Wir bogen auf der Teerstrasse ab und passierten einen Kontrollposten. Diese waren gerade am Schwatzen und bemerkten uns erst, als wir schon vorbeigefahren waren. Sie pfiffen uns noch auf ihrer Trillerpfeifer hinterher, doch wir überhörten sie einfach. Wir hatten keine Lust noch Zeit für weitere Bürokratie zu verlieren. Die Teerstrasse war in einem sehr guten Zustand und wir suchten uns einen Platz, wo wir die Reifen wieder aufpumpen konnten.
Vor uns war ein Pick-up parkiert und wir stellten uns in einiger Entfernung dahinter. Wir waren gerade dabei die linken Reifen aufzupumpen, als wir einen Schuss hörten. Wir sahen einige Männer um etwas herumstehen und wir packten so schnell als möglich unsere Sachen zusammen und brausten davon. Schlechte Erfahrungen hatten wir ja diesbezüglich schon genug gesammelt. Wer weis auf welche Ideen die Typen plötzlich mit ihren Gewehren kommen.
Wir fuhren mit den ungleichmässig aufgepumpten Reifen, bis wir in einer guten Entfernung ein neues Plätzchen gefunden hatten. Dort wurden wir sogleich von zwei Mädchen entdeckt, die scheu nach einem Geschenk fragten. Ich ging auf sie zu und das kleinere Girl wollte schon vor lauter Angst davonlaufen. Die Grössere hielt sie aber zurück. Da sie so scheu waren und sie sicher selten mal einen Keks bekamen, konnte ich nicht anders und gab ihnen welche. Die Mädchen waren überglücklich. Eigentlich sollte man das nicht tun, da der nächste Tourist dann sicher auch wieder angebettelt wird. Diesmal war es mir aber egal, da sie so nett und überhaupt nicht aufdringlich waren.
Die weitere Fahrt nach N’Djaména verlief fast ereignislos, mit der Ausnahme, dass wir fast einen Unfall gehabt hätten. Es war ein Unfall passiert und einige Fahrzeuge hatten am Strassenrand parkiert. Einige Buschtaxis waren auch dabei. Es wurde mehr geguckt als geholfen. Ein Buschtaxi fuhr gerade an und zog auf unser Fahrbahn. Charly konnte gerade noch ausweichen. Nur wenige Millimeter hatten gefehlt! Leider ist es hier nicht üblich in den Rückspiegel zu schauen, bevor man anfährt. Sofern überhaupt einer vorhanden ist.
Charly stieg aus und schimpfte mit dem Idioten, dieser aber schien überhaupt nicht zu wissen um was es überhaupt ging und wieso er sich so aufregte. Die umstehenden Männer waren überzeugt, dass doch noch genug Platz gewesen wäre, obwohl sie überhaupt nicht gesehen hatten was los war.
Ohne weitere Vorkommnisse fuhren wir weiter in die Hauptstadt vom Tschad. Das Verkehrschaos war wieder einmal vollkommen und jeder quetschte sich in jede noch so kleine Lücke. Man musste höllisch aufpassen, dass man nicht ausversehen einen Fahrradfahrer, Fussgänger oder Mopedfahrer überfuhr. Langsam rollten wir uns durch das Gewühl aus Leuten und Fahrzeugen.
Wir suchten und fanden das Novotel, wo wir campieren wollten. Wir hatten gelesen, dass man dort auch den Pool benutzen durfte und ausserdem war das Hotel in der Nähe von der Botschaft von Kamerun.
Wir fuhren auf den vornehmen Parkplatz des Novotel und Charly hatte schon Bedenken, ob wir hier wirklich bleiben könnten. Wir gingen an die Rezeption und fragten die Lady dort. Diese schickte uns zum Poolmeister. Dieser meinte dann leicht unfreundlich auf gar keinen Fall, aber wir sollten die Leute von der Security fragen. Also liefen wir zum Büro vom Sicherheitschef und siehe da, dieser kannte unser Anliegen und lief mit uns zum Hinterhof, wo man gratis campieren durfte.
Zu unserer freudigen Überraschung entdeckten wir dort auch den Ford Transit von Gisi und Rüdiger. Sie waren also heil um den Tschadsee gekommen. Kurz nachdem wir uns installiert hatten, kamen die beiden auch schon durch das Tor gelaufen. Das Hallo war gross und wir hatten uns viel zu erzählen. Sie kannten sich auch schon etwas aus, da sie schon seit vier Tagen da waren. Sie wussten schon wo man Bier kaufen konnte und leider auch, dass man den Pool als armer Camper nicht benutzen durfte.
Es nahm uns natürlich Wunder, wie die Beiden die Strecke um den Tschad gemeistert hatten mit ihrem Ford Transit. Ohne Allrad hatten sie kräftig schaufeln müssen und hatten Glück gehabt, dass auch das Militär sie einmal rausgezogen hatte. Sie hatten für die Strecke satte 16 Tage gebraucht. Leider waren sie auf die Angaben im Durch Afrika hereingefallen und sind an der Kreuzung bei der breiten Piste geradeaus gefahren. Sie sind dort querfeldein durchs Gebüsch und hatten dort besonders viel schaufeln müssen, bis sie endlich Bol erreicht hatten.
Es war schon nach Mitternacht, bis wir endlich schlafen gingen. Charlys Malaria war Dank der Überdosierung fast weg. Nichts desto trotz musste er seine Medikamente weiter einnehmen, wenn er keinen Rückfall haben wollte.
Wir sind erst spät aufgestanden. Wir waren noch etwas geschafft von der Strecke und vom gestrigen Abend. Charly sollte sich auch etwas von seiner Malaria erholen.
Rüdiger und Gisi waren schon beim Frühstück. Wir setzten uns dazu mit unserem Müsli und dem Kakao. Die Sonne brannte schon stark auf uns herab und bald mussten wir uns ein schattigeres Plätzchen suchen, was gar nicht so einfach war. Die Äste und Blätter der Bäume waren alle rundum kurz abgehauen und spendeten fast keinen Schatten. Unsere Autos bildenden den grössten Schatten und so pressten wir uns an die Autos, um noch etwas Schatten zu finden. Nach dem Frühstück mit reichlichem Palaver über unsere Erfahrungen, schafften wir es schliesslich uns fertig zu machen, um die Botschaft aufzusuchen. Leider hatte ich in der Nacht plötzlich Durchfall bekommen und hatte es ein paar Mal eilig auf eine Toilette zu kommen. Wahrscheinlich lag es an der Nektarine, die ich am Vortag gegessen hatte. Die hatte ich noch in Niamey gekauft und obwohl ich sie gut gewaschen hatte, war wohl noch ein Erreger dran gewesen.
Wir machten uns auf den Weg. Wir wollten zuerst ein Taxi nehmen, da wir dachten, dass die Botschaft weit entfernt lag und ich mit meinem Durchfall nicht so lange laufen wollten. Charly ging es schon wieder sehr gut und hatte keine Probleme wegen der Hitze. Der Taxifahrer kannte leider die Botschaft nicht und wir erklärten ihm lange den Weg. Er begriff aber nicht, wo er lang zu fahren hatte, da sein Französisch noch schlechter war als unseres. Ein anderer Passant kam vorbei und übersetzte dem Taxifahrer den Weg. Dieser wollte nun 5'000 CFA für die Strecke, was völlig überteuert war. Handeln wollte er auch nicht und so liefen wir zu Fuss. Da die Österreicher die Stadt schon einwenig kannten, fanden wir uns schnell zurecht und konnten so die Botschaft bald erreichen. Die Sonne brannte hernieder und ich hatte einen hochroten Kopf von der Hitze und weil es mir nicht so gut ging.
In der Botschaft herrschte eine angenehme Atmosphäre. Nach einer kurzen Wartezeit erhielten wir den Antrag für das Visum. Anschließend gaben wir das Formular ab und bekamen grosse Augen, als wir den Preis in Höhe von 50'000 CFA hörten. Gisi und Rüdiger entschieden sich sofort für ein Transitvisum, als sie den Preis hörten. Dieses war gratis für 72 Stunden. Wir bissen in sauren Apfel, aber nicht ohne zu bemerken, dass dies das teuerste Visum war, welches wir bis anhin beantragten. Die Dame hinter dem Schreibtisch meinte daraufhin ungerührt, dass ich meinen Pass ja wieder haben könnte. Nett! Ansonsten verlief die Antragstellung aber problemlos. Die Dame erklärte uns, dass wir am nächsten Tag unsere Pässe mit dem Visum dann abholen könnten.
Wir verliessen daraufhin die Botschaft und machten uns auf den Weg zur Charles de Gaulles Strasse. Dort assen wir im Glacier de N’Djaména mit Gisi und Rüdiger einen Croque Madame. Einen Toast mit Schinken und Käse überbacken sowie ein Spiegelei darüber. Der Raum war angenehm kühl und auch das WC entsprach europäischem Standard.
Anschliessend suchten wir das Internet Cafe auf und lasen unsere Mails. Die Verbindung war sehr, sehr langsam. Nach einer halben Stunden gaben wir auf, denn wir hatten keine Lust noch mehr Zeit und Geld zu investieren.
Auf unserem Rückweg zum Hotel kauften wir noch ein paar wenige Sachen ein. Zurück im Hotel suchten wir uns ein schattiges Plätzchen und plauderten bei einem kühlen Bier. Wir hatten kaum Zeit für das Abendessen, soviel hatten wir uns zu erzählen.
Gegenseitig tauschten wir unser Abendessen aus und so hatte jeder eine Vorspeise. Es wurde wieder einmal spät, bis wir es ins Bett schafften. Charly ging es nun wieder sehr gut, er spürte seine Malaria fast nicht mehr.
Wieder einmal spät aufgestanden und gemütlich gefrühstückt. Mein Durchfall ist inzwischen schon viel besser geworden.
Zusammen mit Rüdiger und Gisi sind wir dann anschliessend zur Botschaft gelaufen. Wir konnten unser Visum gleich in Empfang nehmen. Leider hatte man das Ausreisedatum auf den 19.08.2005 gelegt und ich sagte der Lady hinter dem Schreibtisch, dass ich nun 2 Tage weniger in ihrem schönen Land verbringen kann und dass das doch sehr schade sei, weil es doch so viel zu sehen gäbe. Sie kam meiner Bitte nach und sie überschrieb einfach das eingetragene Datum. Jeder Fälscher hätte sich aber mehr Mühe gegeben, wir hofften nur, dass wir unterwegs keine Probleme bekommen würden. Nun konnten wir also bis zum 22.08.2005 in Kamerun bleiben.
Rüdiger und Gisi hatten ein Transitvisum für 5 Tage erhalten, gültig ab Einfahrt in Kamerun. Sie haben sich sehr über die zusätzliche Zeit und dass das Visum gratis war gefreut.
Da wir danach schon wieder hungrig waren, liefen wir wieder zum Le Glacier de N’Djaména und assen, weil es so fein war, wieder einen Croque Madame. Ausser Charly, welcher mit seinem Kebab aus der Reihe tanzte.
Die Österreicher gingen anschliessend wieder ins Internet Cafe um ihre Webseite zu aktualisieren. Wir hatten keine Lust die Zeit dort totzuschlagen und liefen zurück zum Hotel. Da Rüdiger uns gestern die Messer gezeigt hatte, die er auf dem Kunsthandwerksmarkt in der Nähe des Hotels gekauft hatte, wollten wir nun auch mal dort reinschauen. Es waren einige Stände, die mehr oder weniger alle das Gleiche verkauften. Wir hatten rasch auch die Messer entdeckt, die in schönen Lederetuis steckten. Wir schauten uns trotzdem weiter um. Es wurden auch antike Messer angeboten und welche mit Schlangenlederetuis. Ich hätte fast ein Messer mit Schlagenlederetui gekauft, doch Charly war dagegen. Schliesslich kann es bei der Rückkehr in die Schweiz zu Problemen führen. Die Schlagen werden aber sowieso getötet, aber nicht wegen ihrer Haut, sondern wegen der Gefahr die von ihnen ausgeht.
Man konnte gut über den Markt schlendern, denn die Händler waren nicht aufdringlich. Sie freuten sich natürlich, wenn man ihren Stand betrat und wollten auch unbedingt etwas verkaufen. Schliesslich gab es ja nicht so viele Touristen und sie waren froh über jeden der etwas kaufte.
Schliesslich kauften wir ein schönes Messer so ziemlich beim ersten Stand, wo wir angefangen hatten. Der Stand nebenan hatte noch ein Schwert mit dem gleichen schwarzroten Etui, doch waren die 60'000 CFA viel zu teuer und ausserdem, wo hätten wir das wieder verstaut.
Ein kühles Bierchen holten wir wieder in der Offiziersmesse schräg gegenüber und liefen zurück zum Hotel.
Gisi und Rüdiger kamen auch bald zurück und wie jeden Tag unterhielten wir uns lange über dieses und jenes. Zum Abendessen wieder das gleiche Prozedere, Austausch des Essens. Sie kochten etwas asiatisches, während wir Spaghetti mit Thunfischsauce und Kapern machten.
Es wurde mal wieder Mitternacht, bis wir in Bett kamen.
Rüdiger und Gisi waren schon früh zum Internet Cafe gelaufen, während wir es etwas gemütlicher nahmen. Etwas zu gemütlich wie wir später feststellten.
An der Rezeption konnten wir im Telefonbuch nach den Autoversicherungen suchen. Wir fanden zwei, einmal die National Star und weiterweg die Safar. An der Rezeption erklärte man uns freundlich den Weg zu den Versicherungen.
Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns herab und wir schwitzten sehr auf unserem Weg zur Bank. Leider hatten wir nicht daran gedacht, dass heute Freitag ist und damit quasi Sonntag für die Moslems.
Die Bank hatte um 11 Uhr geschlossen und wir standen vor verschlossen Türen. Die Leute wiesen uns den Weg zum Geldautomaten, doch leider war dieser nicht für unsere Visakarte gültig. Man erklärte uns freundlich, dass nun so ziemlich alle Geschäfte geschlossen wären. Sch..... Sollten wir nun noch die Autoversicherung aufsuchen oder nicht? Wir wollten nicht das Geld für ein Taxi ausgeben und schliesslich doch nur vor verschlossener Tür zu stehen. Wir gingen also ins Internet Cafe, wo wir nach den beiden Österreichern suchten. Sie waren soeben fertig geworden und wir gingen gemeinsam zum Essen. Wieder stand Croque Madam auf unserem Speiseplan.
Auch alle Läden hatten bis 15 Uhr geschlossen und so liefen wir anschliessend zurück zum Hotel und machten uns einen gemütlichen Tag. Eigentlich hätten wir die Versicherung und die Bankangelegenheit schon in den letzten zwei Tagen erledigen können, doch wir sind wahrscheinlich schon zu sehr afrikanisiert. Alles nur nicht so hektisch nehmen und morgen ist schliesslich auch noch ein Tag. Was wollen wir uns da stressen. Nun jetzt mussten wir bis Montag warten, bis die Geschäfte wieder geöffnet sind.
Gisi war ein Goldschatz und beschwatzte den Poolwärter. Sie hatte Glück und er erlaubte ihnen und uns einmal den Pool zu benutzen. Wir zogen uns sogleich um und machten uns auf den Weg zum schönen Pool vom Novotel. Sie spendierten dem Bademeister eine Cola, schön garniert mit einer Limette.
Bevor wir in den Pool hüpften erklärte der Bademeister mir aber noch, dass es keine weitere Ausnahmen gäbe, weder morgen noch übermorgen. Ja, ja erklärte ich und stieg in den Pool. Es waren sowieso nicht so viele Gäste da, also was sollte das Ganze? Wir wollten aber nicht böse sein, denn schliesslich konnten wir gratis auf dem Areal vom Novotel stehen und die Dusche und das WC der Poolgäste benutzen.
Nach ein paar Runden, als die Sonne schon am untergehen war, stiegen wir wieder aus dem Wasser. Wir duschten uns ab und gingen zurück zu den Autos. Wir kochten unser Abendessen und schwatzten wieder mal den ganzen Abend.
Nach dem Frühstück machte ich mich an die Wäsche. Es war schon eine Weile her seit der letzten Wäsche und so hatte ich einiges zu tun. Charly spannte die Wäscheleine um die Bäume und verkroch sich bei der Hitze im Auto. Er beschäftigte sich mit dem PC und hielt sich mit dem Ventilator kühl.
Ich war schon fast fertig mit der Wäsche, als Rüdiger und Gisi vom Internet Cafe zurückkamen. Man hatte ihnen versprochen, dass die Verbindung am Wochenende besser sei. Leider war dies nur am Anfang der Fall gewesen, danach war die Verbindung langsam wie immer. Am Sonntag aber soll es dann wirklich besser sein. Wir hatten da so unsere Zweifel.
Als die Wäsche endlich an der Leine hing, war es schon wieder Nachmittag und wir setzten uns in den Schatten. Ich hatte mal wieder vergessen mich einzucremen und hatte mir folglich die Schultern verbrannt. Im Schatten von Snoopy genossen wir ein kühles Blondes und quasselten wieder lange über dieses und jenes.
Am Abend war die ganze Wäsche trocken und wir konnten alles wieder einräumen. So trocken war es schon lange nicht mehr gewesen. An der Küste von Ghana und Benin war es so feucht, dass man die Wäsche über mehrere Tage nicht richtig trocken brachte.
Am Abend waren wieder die Webervögel lautstark dabei ihre Nester zu bauen. Ein paar Reiher hatten in der oberen Etage ihre grossen Nester befestigt.
Am Abend hörten wir von der anderen Seite des Chari-Flusses Trommeln und Gesänge. Es kam wohl von Kamerun, welches wir auf der anderen Seite den Flusses vermuteten. Afrika wie man es sich vorstellt.
Die Österreicher waren schon früh aufgebrochen, um wieder ins Internet Cafe zu gehen.
Wir verbrachten einen faulen Tag. Ordneten dieses und jenes. Charly verbrachte seinen Tag wieder hinter dem PC, während ich über unsere weitere Route im Kamerun Buch las. Es war brütend heiss und schwupp hatte ich mir meine Knie verbrannt, obwohl ich die ganze Zeit dem Schatten mit meinem Stuhl folgte.
Heute hatten Gisi und Rüdiger eine sehr gute Internetverbindung. Es waren keine Kinder im Internet Cafe, die Musik über das Web runterluden. Da hatten wir schon mal reklamiert, den die blockieren damit die Leitungen und können erst noch gratis surfen. Andere Geschäfte die angeschlossen waren, hatten auch geschlossen und so konnten sie endlich ihre Webseite updaten.
Gisi fragte nochmals an, ob wir im Pool schwimmen dürften. Diesmal war aber ein anderer zuständig und dieser antwortete muffig, dass das nicht ginge. Wir hätten schliesslich nur im Hinterhof parkiert.
Pech, doch bei einem kühlen Blonden hielten wir die Hitze dann trotzdem gut aus.
Am Abend genossen wir ein gutes Glas Wein aus dem Tetrapak. Man wird ja bescheiden ;-).
In der Nacht hörten wir wieder die Trommeln und Gesänge vom anderen Ufer des Charis.
Wir machten uns heute früh auf den Weg zur Bank, damit wir nicht nochmals einen Tag verlieren. Wir verzichteten auf unser Frühstück und liefen bald in Richtung Bank.
Die Bank war voller Leute. Viele standen aber auch nur rum und quatschten uns an, ob wir Dollar oder Euro tauschen wollten. Charly antwortete schlagfertig, ob sie auch Visakarte nehmen. Ein Lächeln und weg waren sie.
Am Schalter vor uns war ein Norweger, der ebenfalls Geld von seiner Kreditkarte beziehen wollte. So war es einfach für uns, denn wir mussten nur ihm folgen. Wir wollten das Maximum abheben, da bei jeder Transaktion die Gebühren sehr hoch sind. Leider wurde der maximal Betrag nicht gewährt, doch reichte die gewährte Summe auch aus.
Nachdem der Mann am Schalter sich telefonisch rückversichert hatte, mussten wir die Beleg unterschreiben und dann an einem anderen Schalter anstehen. Die Leute dort hatten alle einen Zettel mit einer Nummer drauf. Am Schalter war ein grosses Display, welches die nächste Nummer anzeigte. Leider war trotzdem ein Gedränge am Schalter. Der Norweger stand vor uns, konnte aber auch wie wir den Schalter der die Nummern verteilte nicht finden. Ein Schwarze drängte sich vor und meinte auch sie, die Schwarzen seien zivilisiert. Upps!
Der Schwarze musste trotzdem warten, denn der Mann hinter dem Schalter bediente zuerst den Norweger und anschliessend uns, trotz fehlender Nummer. Wir verteilten unser Geld und liefen schnell aus der Bank. Wir machten uns auf den Weg zum Internet Cafe, wo wir Gisi und Rüdiger vermuteten. Leider waren sie nicht mehr dort.
Die hatten sicher Hunger, dachten wir und liefen hinüber zum Le Glacier de N’Djaména. Leider waren sie auch dort nicht zu finden und so machten wir uns auf den Weg zur Autoversicherung. Kaum waren wir drin und hatten gerade nach dem Betrag für die Carte Rose gefragt, als die Beiden ebenfalls das Gebäude betraten. Sie hatten wieder einmal vergeblich versucht die Schifffahrtsgesellschaft in der Zentralafrikanischen Republik zu erreichen. Sie wollten doch wissen, wann das nächste Schiff den Kongo runterfuhr. Sie wollten ihren Ford Transit auf das Schiff verfrachten und bis Brazzaville oder Kinshasa runterschiffen. Nun, trotz mehrmaliger Versuche konnten sie die Gesellschaft nicht erreichen.
Der Betrag in Höhe von 47'000 CFA der uns der Angestellte von der National Star Versicherung angab, erschien uns zu hoch und so beschlossen wir, die Safar Versicherung zu suchen. Die Angaben waren aber leider zu ungenau gewesen, so dass wir die Versicherung nicht fanden. Wir fragten zwar diesen und jenen, doch leider wussten sie nicht wo die Versicherung war.
Wir liefen eine Querstrasse entlang, wo man uns versichert hatte, dass die Versicherung dort zu finden sei. Wir fragten wieder einmal nach dem Weg und hatten Glück, denn ein Mann begleitete uns und schob dabei sein Moped nebenher. Er brachte uns auf direktem Wege zur Versicherung. Er lies es sich nicht nehmen, bei dem Versicherungheini zuerst reinzuschauen, obwohl es uns gar nicht passte. Wollte er noch Provision?
Wir fragten im angenehm klimatisierten, aber ansonsten sehr einfach eingerichteten Büro nach der Höhe des Betrages für eine Versicherung für 3 Monate.
Diesmal wurde aufgrund unserer Angaben ein Betrag von 48'000 CFA berechnet. Wir sagten dem netten Mann klar, dass dies zu teuer sei und wir wohl zur National Star zurückgehen würden, wenn er nicht einen besseren Vorschlag bringen könnte. Ich sagte, er soll doch nochmals nachrechnen, ob es nicht eine bessere Variante gäbe. Er rechnete erneut und siehe da, er konnte uns die Versicherung nun für 40'000 CFA anbieten. Auch Rüdiger und Gisi schlossen ihre Versicherung hier günstiger ab, als bei der National Star.
Zufrieden verliessen wir die Versicherung wieder und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant. Wir hatten alle nicht gefrühstückt und waren folglich sehr hungrig. Wir gingen zu einem Restaurant in der Nähe der Moschee, welches im Lonely Planet erwähnt war. Die hygienischen Verhältnisse erschienen uns aber nicht so gut und da wir keine Experimente mit weiteren Durchfällen machen wollten, verliessen wir umgehend das „Restaurant“ im Hinterhof wieder.
Mit dem Taxi liessen wir uns zum Le Glacier de N’Djaména bringen. Ich wollte noch schnell vorher Butter kaufen, da die Läden um 13 Uhr schlossen. Leider hatten wir kein Glück. Rüdiger und Gisi sind in der Zwischenzeit die Pizzeria inspizieren gegangen. Wir hatten uns schon auf eine gute Pizza gefreut, doch war diese nun ein vornehmeres französisches Restaurant und die Preise entsprechend angehoben worden.
Rüdiger meinte „Never change a winning team“. Wir gingen also wieder ins Le Glacier de N’Djaména und bestellten dort unsere Pizza, während die Österreicher bei ihrem Croque Madam blieben. Die Pizza war nicht schlecht, doch leider war der Teig nicht ganz durch.
Anschliessend liefen wir zurück zum Hotel. Wir holten wieder einmal ein kühles Blondes, welches wir in einem schattigen Plätzchen genossen.
Später machten wir uns daran uns so langsam wieder startbereit zu machen, damit wir am Dienstag nicht so viel Zeit verlieren würden.
Nach einem kurzen herzlichen Abschied von Rüdiger und Gisi sowie einer letzten Dusche im Novotel brachen wir ohne Frühstück auf. Wir beschlossen erst in Kamerun zu tanken, da im Tschad der Liter Diesel stolze 550 CFA kostete (ca. CHF 1.35).
Wir nahmen die Strasse, welche dem Fluss folgte. Die Brücke musste da irgendwo sein. Bei einem Rondell wies zuerst der Wegweiser gerade aus, doch im Rondell entdeckte ich ein Schild, welches nach rechts wies. Wir bogen ab und alle fingen an zu gestikulieren. Es war eine Einbahnstrasse, doch leider gab es kein Schild das darauf hinwies. So mussten wir umkehren und der anderen Strasse weiter folgen. Schliesslich kamen wir zu einer weiteren Brücke, wo wir dann auch den Fluss überqueren konnten. Entgegen unserer Annahme, wurden hier keine Grenzformalitäten erledigt.
Wir fuhren auf der anderen Seite weiter und wussten nicht so recht, ob wir nun schon in Kamerun waren oder nicht. Wir waren es nicht. Die Grenze war erst bei der zweiten Brücke.
Das Douane-Gebäude war gross angeschrieben und wir fuhren dort auf den Hof. Viele LKWs standen dort und warteten auf ihre Abfertigung. Wir fragten nach dem zuständigen Büro und wurden zu einem kleineren Häuschen geschickt. Dort mussten wir um das Gebäude herumlaufen, was Charly gar nicht so recht war, denn wir konnten nun das Auto nicht mehr im Auge behalten.
Die Beamtin wusste nicht so recht was sie mit unserem Carnet anfangen sollte und fragte ihren Nachbarn. Dieser gab ihr kurze Anweisungen und sie machte sich daran das Zolldokument auszufüllen. Schliesslich riss sie noch ihren Teil raus und machten einen komischen Stempel rein. Dieser besagte nur, dass wir den Tschad am 26.07.05 verlassen hatten. Doch mit ihrer Unterschrift wird dies wohl ausreichen. Wir wissen ja nicht welche Stempel in welchem Land verwendet werden.
Für die Grenzpolizei mussten wir ein Stück weiterfahren, bis kurz vor die Brücke. Dort erledigten wir die Ausreiseformalitäten. Wieder einmal galt es ein Papier auszufüllen mit den üblichen Daten. Danach wurde der Pass in ein anderes Büro getragen und schliesslich nach einiger Wartezeit erhielten wir den Ausreisestempel.
Wir machten uns sogleich auf zum Auto. Wir hörten zwar noch einige Zischlaute, doch kümmerten wir uns nicht weiter darum. Wir fuhren zu Brücke, wo man uns 1'500 CFA abknöpfte für die Überfahrt nach Kamerun. Ein kleiner giftiger Beamter kam angerannt und schimpfte mit uns, denn wir hätten den Zoll nicht beachtet. Ich erklärte ihm, dass wir das schon vorher im Hauptgebäude erledigt hätten. Er war sauer und ich musste ihn beschwichtigen. Wir liefen also widerwillig mit ihm zurück zum Zoll. Der Beamte dort war schon leicht säuerlich. Wir zeigten ihm unser Carnet und dass dieses ordnungsgemäss abgestempelt war. Er meinte, dass das nicht deren Aufgabe sei und sie dafür zuständig seien. Nun, als Ausländer könnten wir das ja nicht wissen, gab ich ihm zu bedenken, worauf er schliesslich etwas freundlicher wurde. Der Tschad ist so was von bürokratisch, woher sollen wir wissen wer wofür zuständig ist oder auch nicht. Wir hofften, dass es keine Schwierigkeiten geben würde und der „Mister Wichtig“ nicht nochmals das Ausreiseprozedere wiederholen wollte, denn dann hätten wir ein Problem mit dem Carnet. Zwei Ausreisen und nur eine Einreise würde in der Schweiz sicher nicht auf Verständnis stossen. Schliesslich fragte mich der Mann, ob wir etwas bezahlt hätten. Ich verneinte und wir konnten mit dem komischen Stempel unser Carnet wieder in Empfang nehmen. Man wünschte uns eine gute Weiterreise und wir verliessen erleichtert das Zollgebäude.
Zurück beim Auto fragte der kleine Giftzwerg noch nach einem Geschenk, welches wir aber freundlich zurückwiesen.
Weiter ging es über die Brücke und somit nach Kamerun.
| Kamerun |
Wir hatten die Brücke gerade überquert, als schon die Grenzformalitäten für die Pässe erledigt werden mussten. Der Beamte war sehr nett und die Formalitäten waren rasch beendet. Nicht so ein Aufwand an Bürokratie wie im Tschad. Wir mussten nochmals ein Büro aufsuchen, wo ein sehr aufgestellter Beamter bei Musik fröhlich unsere Daten in ein Heft eintrug. Er wünschte uns fröhlich eine gute Weiterreise und wir fragten uns, was der sich da wohl eingeworfen hatte.
Der Zoll war auch nicht weit und zu unserer Überraschung waren zwei Damen dafür zuständig. Sie wiesen uns freundlich in ihr Büro und das Carnet war ruck-zuck ausgefüllt.
Weiter ging es nach Kousséri, wo wir tankten. Der Diesel war aber auch hier teuer. Man verlangte 530 CFA für den Liter Diesel, nicht ganz so teuer wie im Tschad, aber immer noch höher als in anderen Ländern.
Wir kauften unterwegs noch Brot ein, wobei wir wieder einmal auf das Problem trafen, dass die Leute kein Kleingeld hatten. Der erste Versuch Brot zu kaufen scheiterte, weil man nicht wechseln konnte. Beim zweiten Brotstand hatte ich dann mehr Glück und konnte frisches Baguette kaufen.
Weiter ging es auf einer guten Teerstrasse nach Süden. Wir kamen an vielen Dörfern vorbei, wo die Leute noch in ihren Rundhütten lebten. Auf der Strasse kamen uns völlig überladene LKWs entgegen. Einige sind unterwegs ihrer schweren Last erlegen und die Fahrer versuchten sich als Mechaniker.
Die Landschaft war flach und die Dörfer bildeten die einzige Abwechslung. Bald schon trafen wir an die erste Zahlstation, wo wir 500 CFA zu entrichten hatten.
Bei Waza wurden nach unseren Papieren gefragt. Nachdem wir aber nach dem Park gefragt hatten, war man erfreut und liess uns rasch weiterfahren.
Wir fuhren zum Parkeingang. Am Empfang des Parks wurden wir freundlich empfangen. Der Park war entgegen den Angaben unserer Bücher offen und man konnte den Park auch während der Regenzeit besuchen. Leider hatten wir hier das gleiche Problem wie überall in Westafrika, ein Führer war obligatorisch und somit war für uns ein Besuch des Parks hinfällig. Wir wollten und konnten keine zusätzliche Person mitnehmen. Der Direktor suchte noch nach einer Lösung und lief mit zu unserem Auto. Er meinte, ob wir nicht ein grosses Kissen in die Mitte tun könnten, oder der Führer könnte auch auf der Fahrzeughaube sitzen. Wir liessen uns aber nicht darauf ein und fuhren weiter.
Der Park hatte viel Buschwerk und Wald, wir konnten uns schon ausrechnen, dass wir dort nicht viele Tiere in der Regenzeit sehen würden. Die Strasse verlief noch ein Stück durch den National Park, aber Tiere sahen wir nur auf den Hinweisschildern.
Wir fuhren weiter bis nach Mora. Dort wollten wir die Piste über Koza nehmen, da diese noch viele ursprüngliche Dörfer aufwies und ausserdem landschaftlich sehr schön sein sollte.
Wir bogen ab und rumpelten durch Mora. Am anderen Ende der Stadt fragten wir nach dem Weg nach Koza. Wir hatten leider die falsche Piste gewählt, denn diese führte nach Nigeria, wo wir nun nicht hin wollten. Eine schmale Piste führte quer zur Piste nach Koza. Wir folgten dieser und waren bald auf dem richtigen Weg. Charly fluchte über den schlechten Zustand und je weiter wir fuhren, desto schlammiger wurde die Strecke. Wir kehrten schliesslich um und fuhren zurück zur Teerstrasse. Die gute Teerstrasse führte uns nach Maroua. Dort erkannten wir, dass es eine gute Entscheidung gewesen war die Piste über Koza nicht zu nehmen. Die ganze Stadt war überschwemmt. Viele Plätze standen komplett unter Wasser, da es in letzter Zeit sehr viel geregnet hatte.
Wir suchten nach dem Hotel Relais Ferngo, wo wir campieren konnten. Unterwegs wurden wir jedoch noch von einer Polizeikontrolle aufgehalten, welche wir dann gleich noch nach dem Weg fragten.
Das Hotel war nur noch zwei Querstrassen weiter und wir waren froh einen Platz gefunden zu haben. Der Campground war hinter der Bar platziert und wir mussten durch Bambusgebüsch fahren. Leider hingen die Stauden so tief, dass wir zu Dritt die Pflanzen anheben mussten, damit Snoopy darunter passte.
Die Sanitären Anlagen waren alles andere als sauber, doch man versprach uns, diese gleich zu reinigen. Die Dusche wurde einfach kurz rausgewischt und das WC schien die öffentlich Toilette von Maroua zu sein. Ein anderes WC funktionierte gar nicht mehr und verbreitete entsprechende Gerüche.
Wir waren jedoch froh nun einen Ort gefunden zu haben, wo wir übernachten konnten und störten uns nicht weiter an den Umständen. Die Bar war nicht weit und wir freuten uns auf unser erstes Bier in Kamerun. Ich nahm ein 33 und Charly wie immer sein Castel.
Anfangs hörten wir noch Musik aus der Nachbarschaft, doch im Laufe des Abends wurde diese abgestellt und es war sehr ruhig zum Schlafen.
Wir sind früh aufgestanden und haben gefrühstückt. Anschliessend gingen wir duschen, leider waren die Wände übersät mit vielen Schnecken. Wir liessen uns aber nicht abschrecken und duschten trotzdem. Die Schnecken störten sich schliesslich auch nicht an uns. Zuerst ging natürlich wieder einmal das Wasser nicht. Ich hatte mich schon halb wieder angezogen, als die Dusche dann doch funktionierte. Es hatte wohl jemand den Haupthahn aufgedreht.
Charly hatte noch in N’Djaména mit IBS in der Schweiz telefoniert, weil unsere Engel Kühlbox immer noch defekt war. In Südafrika hatte man keine Ahnung was zu tun war und so versuchte er hier nochmals sein Glück in der Schweiz. Man versprach ihm ein Manual zu schicken, doch war die Datei für unsere Satellitenverbindung zu gross und wäre uns teuer zu stehen gekommen. Wir mussten nun als erstes nach einem Internet Cafe suchen, wo wir die Datei runterladen konnten. Wir fanden das MarouaNet Internet Cafe und Charly lief mit Diskette und CD hinein. Er kam einige Zeit später zurück und hoffte die Datei auf die Diskette geladen zu haben. Leider Fehlanzeige. Er packte nun seinen Notebook und verschwand erneut für lange Zeit im Internet Cafe. Ich wartete solange im Auto, da uns die Umgebung nicht so sicher erschien.
Charly kam zurück und fluchte über die Idioten, die einen Proxiserver und zwei Firewalls hintereinander so installiert hatten, dass man gar nichts runterladen konnte. Nachdem er lange versucht hatten dem Typ das Problem klar zu machen, gab er schliesslich entnervt auf.
Wieder im Auto suchten wir vergeblich nach dem zweiten Internet Cafe WazaNet. Wir fanden den CGD Supermarkt, doch dieser war geschlossen. Wir kauften ein paar Baguettes und machten uns auf den Weg nach Rhoumsiki.
An der Ausfahrt wurden wir wieder einmal von einem Mister Superwichtig geprüft. Er wollte alles sehen, auch unsere Versicherung. Pech gehabt, wir hatten ja eine abgeschlossen und somit hatte der Typ keine Chance. An der Kreuzung nach Mokolo mussten wir wieder einmal 500 CFA Strassengebühr bezahlen, konnten dann aber auf einer guten Teerstrasse weiterfahren.
Es war früher Nachmittag und wir fuhren weiter auf einer sehr schlechten Rumpelpiste in Richtung Rhoumsiki. Die Kinder schrieen aggressiv nach einem Geschenk, sobald sie uns erblickten. Auch die Erwachsenen erschienen uns in dieser Region nicht so freundlich. Charly gefiel die Gegend überhaupt nicht. Es war ihm eindeutig zu Nahe an Nigeria. Er meinte, zuerst fahren wir soviel Umweg um nicht über Nigeria zu fahren und dann fahren wir hier an die Grenze. Ich wollte aber die bizarren Berge sehen und beruhigte ihn. Die Strecke war wirklich schlecht zu befahren und die aggressiven Kinder luden auch nicht gerade zum Wohlfühlen ein.
Schliesslich erreichten wir die Ebenen, von wo aus wir einen schönen Überblick auf die bizarren Berge hatten. Kaum angehalten, stürmten schon wieder die Kinder auf uns zu. Auch ein Erwachsener hielt mit seinem Moped an und fragte nach einem Geschenk. Charly schenkte ihm ein paar Luftballons. Er guckte erst etwas verduzt und lachte dann. Die Kinder stürmte dann auf ihn ein, während wir weiterfuhren.
In Rhoumsiki fuhren wir gleich zum Campement und fragten, ob wir dort campieren dürften. Wir konnten dort bleiben und man gab uns den Schlüssel für ein Boukarou, eine Rundhütte. Es war ein herrliches Fleckchen Erde und wir hatten einen tollen Ausblick auf den Zivi. Ein schroffer Berg, der ursprünglich einmal ein Vulkanschlot gewesen war. Wir hatten auch noch Glück und der verhangene Himmel klärte sich auf und etwas Sonnenlicht strahlte den Berg an. Wir machten einige Aufnahmen.
Wir wollten anschliessend das Dorf Rhoumsiki auskundschaften und der Führer vom Hotel schickte sich schon an uns zu begleiten. Nicht das er Geld wollte, nein es war wegen den aggressiven Kindern. Wir erklärten ihm, dass wir mit den Kindern schon fertig werden und konnten alleine zum Restaurant Casserole laufen.
Kaum waren wir aus dem Tor des Hotel gelaufen, hatten wir auch schon ein paar kleine Ratten an unsern Fersen. Sie löcherten uns, was das Zeug hielt. Es sei unfähr, dass man nur dem Hotel Geld gebe und dass sie gerne als Führer für uns arbeiten möchten, usw, usw. Wir wehrten uns und ich erklärte, dass Kinder in die Schule zu gehen hätten und nicht als Führer arbeiten sollten.
Das Restaurant Casserole war leer und es machte uns nicht so an dort zu essen, also kehrte wir um. Wir hatten bei der Einfahrt ein kleines Restaurant entdeckt, welches Pizzas anbot. Wir konnten natürlich nicht alleine dorthin laufen. Die Buben folgte uns und es kamen noch zwei hinzu. Jeder wollte uns etwas verkaufen oder sich als Führer verdingen. Wir lehnten alles ab, die Kinder liessen sich aber nicht entmutigen.
In der „Pizzeria“, holte ein Bub die Speisekarte und wollte uns zum Essen überreden. Ich fragte, ob er denn überhaupt schon lesen könne und er las mir brav die Menukarte vor. Seine Kenntnisse waren aber leider nicht seinem Alter entsprechend. Er liess jedoch nicht locker und wollte sich weiter als Führer verkaufen. Wir hatten keine Lust mehr auswärts zu essen und liefen zurück zum Hotel. Die Kinder folgten uns bis zum Eingangstor und einer wollte mir dort unbedingt noch eine Kugelschreiben ausreisen. Wir blieben aber hart, denn jeder Gegenstand würde zu weiteren Bettelei führen. Die Eltern sollen die Kinder sogar ermutigen, die Touristen zu bearbeiten, anstatt die Schule zu besuchen und dass wollen wir auf gar keinen Fall fördern.
Zurück beim Auto kochten wir uns eine Suppe und assen Brot dazu.
Die Nacht war herrlich ruhig und wir konnten mal wieder richtig gut schlafen. Es war jedoch kalt und wir mussten seit langem wieder einmal unseren Schlafsack auspacken.
Nach einem kurzen Müsli Frühstück und nachdem alles wieder startklar war, gingen wir wie vereinbart zu dem Hotel eigenen Führer. Wir hatten gestern mit ihm ausgemacht, dass er uns die Besonderheiten des Dorfes zeigen würde. Wir verliessen die Hotelanlage und wurden wieder von den Kindern verfolgt. Unser Guide hielt uns die Plagegeister aber einiger Massen vom Leib. Er erklärte uns welche Bäume welche Bedeutung hatten. Unter dem einen Baum sass ein alter Mann und er erklärte uns, dass dieser Mann dazu da sei, um bei Problemen zu beraten. Zum Beispiel wenn Mann und Frau Streit hatten, aber auch bei allen anderen Problemen des täglichen Lebens. Ein anderer Baum war für Frauen bestimmt, wieder ein anderer für junge Männer bis 40 Jahre.
Er führte uns durch die engen Gassen an den Rundhütten der Einheimischen vorbei. Diejenigen mit der Steinmauer, seien Anemisten, also solche die an Naturgeister glaubten. Diese könnten bis 10 oder 12 Frauen haben. In den Lehmhütten wohnten hingegen die Moslems, welche vergleichsweise bescheiden, nur 2 bis 4 Frauen haben dürften. Die Christen hingegen nur eine einzige Frau, fügte er hinzu. Wir liefen weiter im Dorf und landeten schliesslich beim Krabbenorakel. Ein alter Mann mit 77 Jahren war von den Krabben auserkoren worden, die Zukunft vorherzusagen. Seit sein Vater vor 4 Jahren gestorben war, sagt er nun alleine die Zukunft voraus.
Für 2'500 CFA setzte er schliesslich seine Krabben in das zuvor präparierte Tongefäss. Er liess die Krabbe im Dunkeln durch die Steine wandern. Nach einer kurzen Zeit öffnete er das Gefäss wieder und deutete die Spuren. Jeder Stein hatte eine Bedeutung, einer war für die Fahrt, einer für die Lieben zu Hause, einer für unsere Beziehung uns so weiter und so fort. In der Mitte waren diverse Steinscheiben aufgereiht und so wie diese gefallen waren, sagte er uns eine gute Weiterfahrt ohne jegliche Probleme voraus. Wir werden wieder gut zu Hause ankommen und es wird uns gut gehen. Nun ja, so grossartig das auch klingt, ein bisschen allgemein war die Aussage schon. Ehrlich gesagt hatte ich auch nicht mehr erwartet, aber es war interessant dem Alten zuzusehen.
Am Schluss wurde ich noch mit einem Stein aus dem Gefäss geweiht, damit auch wirklich alles gut geht. Nun kann ja nichts mehr schiefgehen. Unser Führer übersetzte was der Alte sagte, da dieser kein Französisch sprach. Er sagte noch, dass ein Deutscher vor zwei Jahren zurückkam um sich für dessen Vorhersagen zu bedanken. Es sei alles so eingetroffen, wie es ihm vorhergesagt wurde. Nun so allgemein wie unsere Vorhersage war, war es sicher nicht so schwierig die richtige Aussage zu machen. Charly hielt sich währenddessen aus allem raus und fotografierte die Umgebung.
Weiter ging es zur Pottery, wo die Tongefässe hergestellt wurden. Eine junge Frau demonstrierte wie sie diese herstellten. Unser Guide erklärte die Bedeutung bzw. den Nutzen der einzelnen Gefässe. Eines war für das Alter eines Kindes. Da die Eltern in der Regel nicht so genau wussten, wann ihre Kinder geboren wurden, sammelten sie jedes Jahr bei der Ernte ein Korn in dem Gefäss. Wenn die Kinder dann 18 Jahre zählten, wurden die Mädchen verheiratet und die Jungen wurden durch Tanz mit dem Speer zum Mann. Dies war eine grosse und wichtige Festlichkeit für jeden Jungen.
Anschliessend liefen wir zu den Webern. Dort hatte man ein Holzgerüst erstellt, welches sich dann als eine Art Webstuhl entpuppte. Zwei Männer demonstrierten uns, wie sie die Stoffbänder webten, welche dann später zusammengenäht wurden. Daraus werden Decken und Kleidung hergestellt. Ein Frau spann mit einer Spindel einen Faden. Es war interessant ihr zuzusehen. Natürlich wollte man anschliessend ein Trinkgeld und nebenbei noch gerne was verkaufen. Wir gaben jedem 100 CFA und verliessen die Weberei.
Die Buben, die uns schon die ganze Zeit begleitet hatten, wollten immer etwas vorsingen und dazu die landesspezifische Gitarre spielen. Sie hatten meine Videokamera gesehen und wollten wenigstens so etwas Geld mit uns machen. Einfallsreich waren sie, das muss man ihnen lassen. Trotzdem haben sie kein Glück mit uns gehabt.
Die Führung war nun vorüber und wir gingen zurück zum Hotel. Bevor wir das Hotel verliessen, schenkte uns unser Guide zum Abschied noch einen Anhänger, der uns Glück auf unserer Weiterreise bringen sollte.
Wir fuhren zuerst in Richtung Garoua, doch kehrten wir bald um. Ich erinnerte mich, dass gemäss unserer Bücher die Piste zwischen Dourbeye und Garoua wegen häufiger Überfälle geschlossen war. Wir wollten kein unnötiges Risiko eingehen und drehten deshalb um. Verwundert blickte man uns in Rhoumsiki nach, als wir wieder durch das Dorf fuhren.
Es hatte sich aber gelohnt umzukehren, so konnten wir heute bei besserem Wetter nochmals die bizarren Berge bewundern. Leider war es wieder sehr schlimm mit den bettelnden Kindern. Kaum hatten wir angehalten, kam auch schon wieder eine Schar Kinder angerannt. Wir gaben aber nichts, damit wir diese üble Sitte nicht noch mehr unterstützten.
Wir fuhren weiter und die Wolken ballten sich am Himmel. Schnell wurde es richtig dunkel und es begann heftig zu regnen. Wir holperten über die üble Piste zurück bis nach Mokolo.
Von Mokolo nach Maroua hatten wir wieder die gute Teerstrasse. Natürlich wurden wir wieder an jeder Polizeikontrollstation angehalten und es wurden alle unsere Papiere kontrolliert. Die Einheimischen konnten unterdessen fröhlich weiterfahren.
Bis jetzt wurden wir an jedem, wirklich an jedem Posten gestoppt. War es nur um nach Medikamente oder einem Journal zu fragen. Da kam mir schon ab und zu ein Schweizer Lied, in einer etwas abgewandelten Form in den Sinn: „Sind wir Gottfried Stutz ein Kiosk oder sehen wir aus wie ’ne Bank...“
Wieder zurück in Maroua wollten wir nicht mehr in das Relais Ferngo und dort wieder mit den vielen Schnecken duschen gehen. Wir suchten deshalb das bekannte Relais de la Porte-Mayo auf. Wir fragten nach, ob man dort ebenfalls campieren dürfte, doch leider gab man uns eine negative Antwort und man verwies auf das Relais Ferngo. Dort könne man campieren wurde uns erklärt, aber das wussten wir ja schon. Ja essen hätten wir dort schön können, aber da wir dort nicht übernachten konnten, hatten wir auch kein Interesse viel Geld für das Abendessen auszugeben.
Im Relais Ferngo mussten wieder die Bambusstauden hochgedrückt werden, damit wir mit Snoopy auf das Campingareal fahren konnten. Sauberer war es in der Zwischenzeit nicht geworden. Wir installierten Snoopy und gingen in die Bar ein Bier trinken.
Nach dem Abendessen waren wir so müde, dass wir früh schlafen gingen. Nachts hörten wir ab und zu etwas von den Bäumen auf unser Autodach fliegen. Klock, machte es dumpf und dazu ein paar undefinierbare Laute. Was das wohl für Viecher waren?
Am Morgen nahmen wir wieder unsere Schnecken-Dusche. Danach verabschiedeten wir uns von der freundlichen Frau von der Bar. Sie war schon einmal in der Schweiz gewesen und freute sich Schweizer zu treffen.
Wir fuhren wieder zum MarouaNet Internet Cafe, in der Hoffnung, dass man dort nun in der Zwischenzeit das Problem behoben hatte. Ich wartete wieder im Auto, während Charly sich im Internet Cafe ärgerte. Er setzte seinen Kopf wieder einmal durch und konnte endlich die Datei auf unser Notebook laden.
Der Einkauf im CGD Supermarkt fand nicht statt, da dieser immer noch geschlossen war. Ich fragte nach, warum denn der Supermarkt noch immer zu sei und man antwortete mir, dass der Chef gestorben sei. Er war Deutscher gewesen und wir hatten uns auf einen gutsortierten Supermarkt gefreut gehabt. Sogar Campingausrüstung und Camping Gas soll dort verkauft worden sein.
Auf dem Weg aus der Stadt wurden wir wieder von Polizisten aufgehalten. Sein Kollege habe Bauchkrämpfe, ob wir kein Antibiotikum für ihn hätten. Ne, ne, so einfach kann man dieses Medikament nun wirklich nicht verteilen. Wir kaufen unser Antibiotikum immer frisch in der Apotheke erklärten wir und man lies uns danach auch brav weiterfahren.
Kaum aus dem Städtchen war auch schon die nächste Kontrolle. Wieder alle Papiere zeigen.
Die Strecke zwischen Maroua und Garoua war sehr reich an Schlaglöchern. Man musste sich höllisch konzentrieren um möglichst vielen Schlaglöchern zu entkommen, was leider nicht immer klappte. Unterwegs wurden wir auch x-mal angehalten und immer wieder mussten wir unsere Papiere zeigen. Auch nach unserer Autoversicherung wurde wieder gefragt. Pech gehabt, wir hatten eine.
Die Landschaft auf dieser Strecke war eher monoton und flach. Nur die Rundhüttendörfer boten etwas Abwechslung. Eine Brücke war in der Höhe limitiert und es reichte wegen unserer Wäschetrommel nicht. Wir wollten das Ding nicht demontieren und fuhren rückwärts zurück bis zur Einfahrt für LKWs. Wir fuhren wie die LKWs durch den Fluss und konnten dabei den Einheimischen beim Baden zusehen. Scham war nicht vorhanden. Weiter ging es auf der schlechten Teerstrasse bis nach Garoua, danach wurde die Teerstrasse wieder etwas besser.
Von Garoua aus war es nicht mehr weit zum Stausee Lagdo. Wir hatten im Reiseführer für Kamerun gelesen, dass ein neues Bungalow-Hotel „Lagon Bleu“ unter deutscher Leitung eröffnet worden sei und dass es sehr schön sein soll.
Ich hatte nicht richtig gelesen und hatte angenommen, dass die Anlage 19 km nach der Kreuzung zum Stausee sei. Da kam aber kein Hotel. Also fuhren wir wieder zurück, denn gemäss Reiseführer musste das Hotel vor der Kreuzung kommen. Da war aber auch kein Hotel oder eine Einfahrt. Die Beschreibung im Buch Kamerun war völlig irreführend und absolut unklar. Schliesslich fuhren wir in Richtung Lagdo und tatsächlich war dort das Hotel ausgeschildert. Wir folgten den Wegweisern und fuhren durch etliche kleine Gassen und fanden schliesslich ganz am Ende des Dorfes das Hotel.
Die Anlage war an einem idyllischem Ort gelegen und wir freuten uns schon auf einen gemütlichen Abend. Der Schock kam dann, als wir nach dem Preis fragten. Im Reiseführer war der Camping noch mit 1'000 CFA pro Person angegeben, doch hat das Hotel inzwischen einen neuen Besitzer, welcher nun unverschämte 15'000 CFA verlangte. Es war alles irgendwie komisch an diesem Ort. Der neue Besitzer war ein arroganter Schwarzer, doch im Empfang befanden sich noch persönliche Gegenstände und Fotos des Vorbesitzers. Charly meinte noch, etwas stimme hier nicht, vielleicht hatte man den Vorbesitzer einfach verschwinden lassen. Offiziell sei er wegen einer Fiebererkrankung nach Deutschland zurück. Die unverschämte Forderung wurde noch verstärkt, in dem man uns nur bleiben lassen wollte, wenn wir auch zu Abend essen. Wir müssten dann nicht mehr so viel für das Übernachten blechen, meinte der arrogante Typ noch wohlwollend. Wir hatten aber genug von dem üblen Typ und verliessen die Anlage auf schnellstem Wege.
An der nächsten Kreuzung hielten wir bei einer Militäranlage und fragten nach einer Übernachtungsmöglichkeit, da uns das Hotel Lagon Bleu zu teuer war. Verständnisvoll erklärte man uns den Weg zum Beau Rivage. Dieses war zwar ganz und gar nicht idyllisch gelegen, aber man freute sich über unseren Besuch und war bereit uns dort übernachten zu lassen. Man wusste nicht so recht was man für die Übernachtung verlangen sollte und wir schlugen 3'000 CFA vor. Die Duschen und WCs waren sauber und es gab auch eine Bar. Das Restaurant war allerdings während der Regenzeit geschlossen. Zuwenig Gäste.
Wir installierten uns und setzten uns zum jungen französischen Pärchen, das ebenfalls mit ihrem Führer einquartiert war. Ihr Guide hiess Marcel und er erzählte uns, dass das Lagon Bleu früher ein schöner Ort zum Verweilen war, doch seitdem ein Millionär aus Douala die Anlage übernommen hätte, sei es dort fürchterlich. Der Leiter der Anlage sei ein Widerling, nun wir konnten da nur zustimmen.
Wir tranken unser Bier und da wir uns alle gut verstanden, nahm uns das Pärchen mit ins Dorf. Dort hatten sie am Vorabend bereits leckeren grillierten Fisch gegessen. Wir gingen gerne mit und genossen am Abend das quirlige Ambiente zwischen den Menschen.
Marcel suchte einen geeigneten Stand, wo man für uns die ausgewählten Fische grillierte. Leider gab es keine Bâtons de Maniok mehr und wir mussten Brot zum Fisch essen. Wir suchten uns eine Bar aus, wo uns dann der Fisch serviert wurde, nachdem er fertig zubereitet war. Der Fisch von Heri und Amondine war leider noch nicht ganz durch und Marcel brachte ihn zurück. Unser Fisch war super lecker und wir assen den Fisch mit den rohen Zwiebeln und der Chilipaste mit den Fingern. Besteck gab es keines, aber eine Schüssel, wo man seine Hände waschen konnte. Es war ein schöner und gemütlicher Abend.
Als wir das Restaurant verliessen, hörten wir wieder das Rascheln in den Bäumen und die komischen Laute, die wir schon in Maroua gehört hatten. Marcel hatte eine starke Taschenlampe dabei und leuchtete in die Äste. Nun sahen wir auch die Übertäter des nächtlichen Lärmes. Es waren Flughunde, die sich über die Früchte der Bäume hermachten. Mit ihren kleinen Krallen an den Flügeln hangelten sich von Frucht zu Frucht .
Wir liefen zurück zum Hotel Beau Rivage und gingen bald schlafen. Es war ein friedlicher Ort, an dem man sich schnell wohlfühlte.
Leider hatte es in der Nacht geregnet und es war alles ziemlich nass draussen. Ich war schon früh auf und habe mir von Marcel die Strassenzustände erklären lassen. Er kannte als gutausgebildeter, staatlich anerkannter Führer die Gegebenheiten und Besonderheiten seines Landes. Er zeigte mir auch diverse Fotos von ihm an verschiedenen Sehenswürdigkeiten von Kamerun. Marcel erklärte mir, dass das Campement des Elephantes inzwischen unter neuer Leitung wiedereröffnet worden war, entgegen den Angaben unseren Büchern also nicht geschlossen war. Er machte einen aufgeweckten und sehr seriösen Eindruck auf mich. Seine Beschreibung der Strassenzustände stimmte genau, wie es sich später herausstellte.
Heri und Amondine fragten uns noch, ob wir nicht mit ihnen den Fischmarkt besuchen wollten. Es begann erneut zu regnen und wir wollten lieber weiterfahren.
Die Strecke war bis zur Hauptstrasse miserabel. Irgendwann war es mal geteert worden, doch war nicht mehr viel davon übrig. Der Rest war Schlagloch an Schlagloch. Die 19 km hatten wir schnell hinter uns gebracht und fuhren weiter in Richtung Ngaoundére. Die Landschaft war wieder monoton, nur am Horizont nach Westen sahen wir weit entfernt Berge.
Unterwegs gab es etliche Kontrollen und Zahlstationen. Die Kontrollen waren allesamt korrekt, nur einmal wurden wir fragt, was wir den Schönes aus der Schweiz mitgebracht hätten. Nach unserer Antwort „NICHTS“, liess man uns aber ohne weitere Anstände weiterfahren.
An jeder Zahlstation mussten wir 500 CFA zahlen, ich weiss gar nicht mehr viele wir heute hinter uns gebracht hatten.
Vor Ngaoundére mussten wir über einen Pass fahren, der recht steil nach oben ging. Wieder eine Zahlstelle.
Bei unsere Weiterfahrt entdeckten wir, dass hier Kartoffeln angebaut wurden. Wir hielten an einem Ort, doch leider war ausgerechnet hier niemand, der die schönen aufgereihten Erdäpfel verkaufen wollte. So stieg ich wieder ins Auto und wir fuhren weiter.
Am frühen Nachmittag kamen wir dann endlich in Ngaoundére an. Hier hielten wir uns nicht lange auf, nachdem wir getankt und frisches warmes Brot gekauft hatten, machten wir uns auf den Weg nach Tibati.
Die Piste war anfangs in einem sehr schlechten Zustand. Grobes Wellblech wechselte sich mit einigen Sumpflöchern ab. Damit uns Snoopy nicht ganz auseinander fällt, liessen wir Luft aus den Reifen. Somit wurde die Fahrt markant angenehmer. Wir kamen auf den holprigen Strassen nicht sehr schnell vorwärts und konnten maximal 40 50 km/h fahren.
Kurz nach Bekel bogen wir in Richtung Léwa ab. Die Piste war in einem guten Zustand. Leider kamen uns unterwegs einige LKWs mit horrendem Tempo entgegen. Man musste schon zusehen, dass man rechtzeitig Platz machte. Einige LKWs waren auch wieder liegengeblieben und die Fahrer versuchten die Maschinen in der Wildnis wieder zum Laufen zu bringen.
Bei Léwa schlugen wir die befahrene Route nach Tekel ein.
Da wir es aufgrund der schlechten Strassenverhältnisse sicher nicht mehr bis nach Tibati schaffen würden, suchten wir uns einen entlegenen, ruhigen Ort zum Schlafen. Das war wegen den vielen Viehhirten gar nicht so einfach. Schliesslich fanden wir kurz vor Tekel einen Platz, wo man Erde für die Piste abgetragen hatte. Dort konnten wir uns hinter ein paar Bäumen und Büschen gut verstecken. Es donnerten bis in die Abenddämmerung noch einige LKWs an uns vorbei, doch während der Nacht war es ruhig.
Wir kochten uns ein paar Ravioli aus der Dose und tranken unseren letzten Wein dazu.
Früh legten wir uns schlafen.
Kurz nach 6 Uhr waren wir schon wieder wach. Wir fuhren weiter über Tekel in Richtung Teerstrasse. Der letzte Rest der Piste stimmte nicht mit unseren Karten überein, die Richtung jedoch stimmte. Kurz bevor wir die Teerstrasse nach Tibati erreichten, wurden wir von einer Regenbarriere aufgehalten. Wir fuhren an den LKWs vorbei und stellen uns vor der Schranke hin. Der zuständig Mann würde bald kommen, hiess es in dem kleinen Laden nebenan.
Die Leute waren alle sehr freundlich und sie begrüssten uns alle. Ein alte Frau vor dem Laden hatte besonders viel Freude an uns, auch wenn sie fast kein Französisch sprach. Sie sprach einfach in ihrer Sprache mit uns und ich antwortete ihr in Deutsch. Wir verstanden uns leider nicht, doch unser Lächeln sagte sowieso mehr aus.
Der zuständige Mann wurde schliesslich mit einem Pick-up zur Barriere gebracht. Dieser wollte die Schranke aber nur öffnen, wenn wir ihm einen Saft im kleinen Laden kaufen würden. Wir liessen uns aber nicht erpressen und seinem Kollegen war es offensichtlich auch peinlich. Dieser war nämlich sogleich bemüht die Schranke so schnell als möglich zu öffnen. Wir verabschiedeten uns von den lieben Leuten und auch der Möchtegern-Erpresser winkte uns freundlich hinterher.
Warum die Barriere unten war, war uns schleierhaft, denn gleich danach begann die sogenannte Teerstrasse. Diese glich aber eher einer Mondlandschaft, als einer Teerstrasse. Die Schlaglöcher waren die reinsten Bombenkrater. Nur mühsam und sehr langsam fanden wir unseren Weg zwischen all den grossen Löchern.
Der Gipfel aber war, dass man doch tatsächlich auch noch ein Zahlstelle unweit von Tibati errichtet hatte, wo man 500 CFA verlangte. Wir lachten den Typen zuerst aus. Uns war jedoch klar, dass er ja auch nur seinen Job machte. Widerwillig zahlten wir die 500 CFA und fuhren weiter.
In Tibati suchten wir vergeblich nach einer Bäckerei und suchten anschliessend den Weg nach Banyo. Ein grosses Schild wies den Weg nach Yaounde, aber dort wollten wir ja noch nicht hin. Im Reiseführer steht ausserdem, dass die Piste nur eine Wagenbreite hätte und man Probleme mit dem Gegenverkehr hätte, insbesondere mit LKWs!
Wir hatten die Piste nach Banyo bald gefunden und natürlich waren wir wieder von einem Polizisten aufgehalten worden, welcher uns aber nur fragte, woher wir kämen und wohin wir fuhren. Nebenbei fragte er, ob wir ihn nicht ein Stück mitnehmen könnten. Wir verneinten, denn wir hätten nur Platz für zwei Personen. Der Polizist hatte Verständnis und meinte: „Pas de Problem“.
Die Piste war enger als zuvor und wir hatten bei Gegenverkehr immer rechtzeitig nach einer geeigneten Ausweichmöglichkeit zu suchen. Die LKWs fuhren wegen uns nicht langsamer.
Nach einer Weile kam wieder so eine Regenbarriere und wir fuhren wieder an den wartenden LKWs vorbei. Nach einer kurzen Wartezeit kam ein junger Mann und fragte, ob wir passieren wollten. Natürlich wollten wir. Er öffnete die Barriere und liess uns durchfahren. Auf der anderen Seite bot sich das gleiche Bild. Viele LKWs standen da und warteten, bis sie durchgelassen werden. Leider war die Piste nach dem Rank nun schmäler und viele LKWs hatten in der Mitte der Piste parkiert.
Charly war ungeduldig und wollte nicht warten. Der Platz auf der Piste war nun aber sehr eng für uns bemessen. Bei einem LKW mussten wir schon den Rückspiegel auf der Fahrerseite einbiegen, damit wir vorbeikamen. Es wurde noch enger und Charly stieg aus um die Situation zu begutachten. Er meinte, riskieren wir's und fuhr mit einem Reifen auf der Piste und mit dem anderen auf der anderen Seite des Grabens. Er hatte leider nicht berücksichtigt, das der Graben breiter und tiefer wurde. Es kam wie es kommen musste. Rumps machte es und wir lagen im Graben.
Die Erde ist so rutschig, wenn sie nass ist. Armer Snoopy! Ich konnte nur noch durch das Fenster aussteigen. Charly konnte bei der Schräglage kaum die Türe öffnen. Natürlich waren wir sofort im Mittelpunkt des Dorfgeschehens. Es standen alle um uns herum und schauten was passiert war. Snoopy lag voll im Graben. Mir drehte sich der Magen um bei dem Anblick. Charly packte die Seilwinde aus und wollte sich vorwärts rausziehen. Das linke Vorderrad war total in der Luft und der Graben wurde immer tiefer. Keine Chance sich noch vorne von alleine wieder rauszuziehen.
Die Afrikaner sind Gott sei Dank liebe und hilfsbereite Menschen und schnell war ein LKW-Fahrer bereit uns rückwärts rauszuziehen. Charly holte das lange Abschleppseil raus und wir befestigten es rasch am LKW. Dieser zog schon an, obwohl Charly noch gar nicht parat war. Ich schrie lauthals stopp und es dauerte eine Weile, bis mein Schrei beim Fahrer ankam.
Beim zweiten Versuch halfen dann auch die umstehenden Dorfbewohner mit und stemmten sich gegen Snoopy, so dass er nicht kippen konnte. Wir waren froh, dass ein Einheimischer uns so rasch bei Seite stand und mit den Leuten in ihrer Sprache sprach.
Der LKW zog Snoopy rückwärts aus dem Graben und einem Moment sah es wirklich schlimm aus und ich sah ihn schon auf der Seite liegen. Wir hatten jedoch Glück und es lief alles gut. Snoopy stand bald wieder auf seinen vier Rädern. Wir machten sogleich Platz, damit die restlichen LKWs passieren konnten, denn inzwischen war die Regenbarriere geöffnet worden!
Der LKW Fahrer, der uns geholfen hatte war inzwischen schon weitergefahren und so konnten wir uns gar nicht so richtig bei ihm bedanken. Unserem Koordinator gaben wir ein Trinkgeld für seine Hilfe, über das er sich sehr freute. Als die anderen bemerkten, dass wir ihm Geld gegeben hatten, fand eine regelrechte Völkerwanderung statt. Ich befürchtete schon das schlimmste, doch keiner forderte etwas von uns. In Afrika wird einem schnell geholfen und es ist selbstverständlich. Da die Leute arm sind, sind sie aufeinander angewiesen und sie helfen gerne.
Wir bedankten uns bei allen ganz herzlich und setzten unsere Fahrt fort. Nach ein paar Kilometer machten wir Rast, damit wir den Schaden etwas genauer ansehen konnten. Charly wollte meinen Autoschlüssel, da er seinen bei der ganzen Aktion abgebrochen hatte. Er hatte beim eiligen Öffnen des Schekels den Schlüssel benutzt und verbogen. Als er ihn wieder geradebiegen wollte, ist er dann abgebrochen.
Die Schäden waren auf den ersten Blick nicht gravierend. Das Trittbrett war nach oben verbogen und hinten das Aluminium-Riffelblech zum Rad hin gebogen. Dieses konnte Charly aber von Hand schon etwas rausbiegen. Noch einmal Glück gehabt!
Die LKWs die vorbei fuhren hupten alle und winkten. Unsere Geschichte hatte wohl schon die Runde gemacht.
Wir fuhren weiter auf der guten aber schmalen Piste. Die Landschaft war wunderschön, doch leider war das Wetter nicht so toll. Wir fühlten uns schon fast wie zu Hause.
Kurz vor Banyo war dann wieder eine Regenbarriere. Diese war wieder geschlossen und ein Mopedfahrer sagte mir, dass ich ins Gebäude auf den Hügel hinauflaufen müsse, um die Barriere öffnen zu lassen. Ich lief also hinauf. Das Gebäude hatte viele Türen, doch alle waren verschlossen. Nur der technische Raum war offen, doch dort herrschte ein heilloses Durcheinander. Ich rief laut, ob jemand da sei. Ein Mann kam zittrig aus der Toilette und erklärte, dass er krank sei. Er hätte etwas schlechtes gegessen und könne kaum mehr laufen. Er gab mir den Schlüssel und ich lief zurück zur Barriere. Nachdem wir durchgefahren waren, brachte ich den Schlüssel zurück. Ein Mopedfahrer kam und ich sagte ihm, dass es dem Mann nicht gut ging. Er kam mit und sah nach ihm.
In Banyo suchten wir die Katholische Mission. Nachdem wir ein paar Mal in die falsche Richtung gefahren waren, fanden wir schliesslich die Mission. Wir hatten zwar mehrmals nach dem Weg gefragt, doch wurden wir leider mehrmals in die falsche Richtung geschickt. Schliesslich hatten wir die Mission gefunden und fanden diese ziemlich verweist vor.
Wir suchten und fanden das Haus des Pastors und klingelten. Ein etwas merkwürdiger älterer Mann öffnete uns die Tür. Er war Holländer und seit einem Jahr für die Mission in Banyo zuständig. Wir fragten, ob wir in der Mission eine Nacht verbringen dürften und nach dem er uns dies erlaubt hatte, lud er uns noch auf einen Sprung zu sich ein. Wir betraten die einfach eingerichtete Wohnung. Man konnte von der Terrasse herrlich auf die umliegenden grünen Hügel schauen. Wir nahmen Platz und hatten gerade begonnen uns zu unterhalten, als die Nachbarin vom Pastor hereinkam. Sie war aus Florida und freute sich, als sie mein T-Shirt aus Florida sah. Sie hatte dem Pastor ein Stück Kuchen gebracht, doch ihr Hauptanliegen war wohl ihre Neugier, wer da gekommen war. Sie arbeitete für ein Jahr in einem Projekt, welches helfen soll AIDS einzudämmen. Leider war das Projekt, wie so viele in Afrika, noch nicht mal richtig gestartet worden und schlecht organisiert. Es blieb ihr nichts anderes übrig als auf privater Basis etwas zu unternehmen. Natürlich ist dies nicht so effizient wie in einer Organisation, doch besser als nichts zu tun, meinte sie.
Sie erzählte noch, dass sie heute eine grosse, schwarze Schlange in ihrem Haus hatte und das ein Angestellter sie totgeschlagen hat. Der Pastor meinte daraufhin, dass er auch schon 3-4 Schlangen in seinem Eingang erschlagen hatte. Die Schlangen fressen die Frösche, die in den Stauden vor dem Haus gepflanzt sind und folglich gibt es dann auch ab und zu mal Besuch.
Bald verabschiedete sich die Nachbarin und auch wir wollten einen Platz für unser Auto suchen. Der Pastor begleitete uns noch, um uns die Duschen zu zeigen. Diese waren schon seit längerer Zeit nicht mehr gereinigt worden und die Spinnweben hingen tief. Nach afrikanischem Stil waren in den Toiletten jeweils ein Schlitz im Betonboden, welcher mit einem Holzstöpsel abgedeckt wurde. Die Geruchsbelästigung war entsprechend, aber da es nicht so warm war, gab es wenigstens nicht so viele Fliegen.
Wir waren von den Ereignissen des Tages geschafft und gingen nach dem Abendessen schlafen.
Am Morgen waren wir schon früh wach und wir beeilten uns zu duschen, bevor die Kinder in die gegenüberliegende Schule gingen. Das Wasser war kalt. Jetzt da es kalt war (24°C), hätten wir uns über eine warme Dusche gefreut. Aber wie das immer so ist, gibt es die warmen Duschen nur wenn es eh schon heiss ist und die kalten wenn es eh schon kalt ist. Das Wasser wird so verbraucht, wie es aus der Leitung kommt. Wir hätten uns mit der Dusche aber gar nicht so beeilen müssen, denn in die Schule gingen keine Kinder. Die gesamte Anlage lag wegen den Schulferien wie ausgestorben da.
Wir verabschiedeten uns von dem Pastor mit dem eigenartigen Verhalten. Er war nett und freundlich zu uns, aber trotzdem war sein Verhalten irgendwie komisch. Wir zahlten und er fragte uns, ob wir nicht einen Brief für die Mission in Bankim mitnehmen könnten. Die Mission liege gleich hinter dem Markt an der Strasse nach Foumban. Natürlich erklärten wir uns bereit den Brief abzugeben und fuhren bald darauf los.
An der Ausfahrt von Banyo gab es wieder einen Kontrollposten. Der Beamte dort war aussergewöhnlich aufgestellt und fröhlich. Er wünschte uns eine gute Fahrt und lachte übers ganze Gesicht.
Die Strecke war nur teilweise geteert. An Berghängen war die Strasse geteert, der Rest war eine gute Piste. Wir hatten Glück, denn die Sonne lachte und wir konnten die schöne Umgebung bewundern. Grüne saftige Hügel und Täler mit viel tropischer Vegetation. Wir passierten bei Mayo Darlé einen hohen Pass, welcher vollumfänglich geteert war. Von dort hatten wir einen schönen Ausblick auf die Tikar-Ebene.
Zwischen Mayo Darlé und Bankim fuhren wir durch ein Dorf, wo es bei der Ausfahrt eine überschwemmte Betonbrücke gab. Wir fuhren durch das tiefe Wasser und RUMPS - fielen wir hinten rechts in ein tiefes Loch. Da alles betoniert war, war auch der Aufschlag entsprechend hart. Es blieb uns nichts anderes übrig als weiter durch den Fluss zu fahren. Auf der anderen Uferseite begutachteten wir den Schaden. Eine M10 Schraube war am hinteren rechten Auffahrschutz durch den Aufschlag abgebrochen. Nun hält dieser nur noch an einer Schraube. Gott sei Dank war der Schutz da, sonst wären wir mit an der Aufhängung der Blattfedern aufgeschlagen. Das hätte dann ziemlich Probleme verursacht. Wir waren froh, wieder einmal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein.
In Bankim fanden wir nach einer kurzen Rückfrage die Katholische Mission. Dort wurden wir herzlich Willkommen geheissen. Wir übergaben dem Pater den Brief und fuhren bald darauf weiter. Einen Brief für eine religiöse Einrichtung zu transportieren ist auch sehr hilfreich, denn bei jeder Kontrolle sagten wir, dass wir für die Katholische Kirche etwas zu erledigen hätten und wir wurden sofort respektvoll durchgelassen.
Die anschliessende Piste war wieder von der schlimmeren Sorte. Ausser Wellblech und Schlaglöcher, hatten wir auch ein paar schlammige Abschnitte zu meistern. Für Snoopy war das kein Problem.
Kurz vor Foumban wurde die Strecke wieder sehr bergig und wir begegneten auch LKWs, die am Hang steckengeblieben waren. Der Boden war so schmierig, dass die Räder der LKWs durchdrehten. Kinder halfen am Pistenrand Erde abzutragen und unter die Räder zu werfen. Man wollte uns auch an einem LKW vorbei lotsen, aber da es wieder mal so knapp am Pistenrand vorbei ging, haben wir lieber gewartet, als dass wir nochmals im Graben landen.
Ein paar Hügel weiter meinte Charly, schau mal die vielen Hunde. Doch bei genauerem Hinsehen stellte es sich heraus, dass es Husaren-Affen waren. Hunde die auf Bäume klettern ;-)
Leider begann es immer mehr zu regnen und die Regenbarrieren waren nun verschlossen. Man liess uns aber immer anstandslos passieren, nachdem wir nett gefragt hatten. Schliesslich haben wir ein Allradfahrzeug und konnten die schwierigen Passagen ohne weitere Vorkommnisse befahren.
Endlich in Foumban kamen wir wieder in die Zivilisation und die Teerstrasse war in einem sehr guten Zustand. Es war gegen 16 Uhr und wir wollten eigentlich auf dem Areal vom Hotel Le Refuge übernachten, welches 5 km ausserhalb von Foumban liegen sollte. Leider haben wir das Hotel nicht gefunden und da wir nicht zurückfahren wollten, beschlossen wir in Foumbot zu übernachten. Es waren ja nur ca. 35 km zu fahren. In Foumbot sollte es einen kostenlosen Campingplatz geben, in der Nähe der Werkstätte „Terres Noires“ eines französischen Paares. Wir fanden leider die Werkstätte nicht und wollten nicht noch viel Zeit mit Suchen verlieren, da es schon langsam spät wurde. Da Bafoussam eine grössere Stadt ist und nur noch ca. 30 km entfernt lag, hofften wir dort bei einem der Hotels übernachten zu dürfen.
Die Stadt war natürlich wieder mal ein Verkehrschaos. Wir fanden trotzdem schnell unseren Weg zum Bungalow Hotel Le Sare. Leider erlaubte man uns nicht dort zu stehen, obwohl man keine anderen Gäste hatte. Natürlich hätten wir in dem Restaurant essen können, aber da wir dort nicht übernachten konnten, wollten wir auch nicht dort essen. Das Restaurant sah eh aus wir eine grosse Baustelle, da man die Terrasse davor gerade restaurierte.
Wir fuhren also weiter und es wurde immer dunkler. Wir hatten ein Schild gesehen mit dem Hinweis zu einer Katholischen Mission und wir folgten dem schmalen Pfad. Dieser war nicht geteert und da es regnete war er auch ziemlich glitschig. Wir fragten nach dem Weg, bevor wir wieder irgendwo hineingeraten. Der Weg zur Mission war gerade einmal wagenbreit schmal, löchrig und glitschig. Die Mission war nur ein Kirchengebäude, welches völlig ungeschützt in einer komischen Umgebung stand. Wir fühlten sofort, dass ist kein Platz zum Bleiben. Wie aber auf diesem schmalen und glitschigen Weg umkehren, ohne noch weiter in den Sumpf zu geraten.
Eine Querpiste war gefunden und ich stieg aus und wollte Charly lotsen. Um in die Piste einzubiegen musste ein Hocker überwunden werden und man musste aufpassen, dass man nicht in einer der ausgebrochene Gräben rutschte. Ich hatte ein Loch bei den Vorderrädern übersehen, doch Charly sah es rechtzeitig, war aber mir gegenüber nun recht ungehalten. Verärgert fuhr er davon und wendete weiter vorne bei einem Gebäude. Auch dort war ein glitschiger Erdhocker zu überwinden. Er fuhr rückwärts rein und knallte irgendwo mit dem Hinterteil von Snoopy hinein. Das kommt davon, wenn man so ungeduldig ist. Er war wütend und mit der ganzen Welt böse. Es wurde nun schon recht dunkel und wir hatten immer noch keinen Schlafplatz gefunden.
Ich hatte im Buch Kamerun ein weiteres Hotel in der Nähe ausgemacht. Das Hotel Jardin des Coopérants. Wieder mussten wir in eine schmale, schmierige Piste einbiegen und Charly schimpfte mit mir, wo ich ihn da wieder hinführen würde. Das Hotel war versteckt gelegen, doch nachdem wir das demolierte, verbleichte Schild für die Einfahrt gefunden hatten, hatten wir auch bald die Hotelanlage gefunden. Es war nun dunkel und wir hatten einen rechten Schock, auf was für einer Baustelle wir hier gelandet waren. Wir waren nicht mal sicher, ob das Hotel überhaupt geöffnet war.
Ich wollte trotzdem fragen und stieg aus. Es kamen gleich ein paar Leute und man versicherte uns, dass die Anlage geöffnet sei. Ich fragte, ob wir im Hof campieren dürften. Der Mann war nicht sicher und wollte an der Rezeption nachfragen. Ein Frau kam und wir gingen zusammen zur Rezeption, welche im hinteren Bereich der Anlage war. Durch aufgeweichten, rutschigen Boden folgte ich der Frau zur Rezeption. Dort hörte man sich unser Anliegen an und verweigerte erst die Möglichkeit dort zu stehen. Erst nachdem ich versicherte, dass wir nicht gratis dort stehen wollten, wurde man interessiert. Ich merkte, wie sich die Frau hinter dem Tresen sammelte und schliesslich 5'000 CFA forderte. Ich erwiderte, ist in Ordnung, wenn wir dafür eine Dusche und ein WC bekommen. Die beiden Damen in der Rezeption berieten sich. Die Variante von der Mannschaftsdusche, wurde rasch wieder verworfen, stattdessen erhielten wir den Schlüssel vom Zimmer 101. Ich war froh einen Ort zum Übernachten gefunden zu haben und ging gerne das Zimmer anschauen.
Das Bett war nicht gerade unseren Vorstellungen entsprechend, doch gab es einen Fernseher im Zimmer und auch das Badezimmer erschien im ersten Augenblick sauber zu sein.
Ich ging zurück zum Auto und wir parkierten Snoopy, so dass wir gut schlafen konnten. Anschliessend gingen wir in der Hotelbar ein Bier trinken. Nach einer Weile wussten wir, dass wir in einem Hotel gelandet waren, wo auch stundenweise die Zimmer vermietet wurden. Ein Mann wusste gleich, dass er das Zimmer Nr. 14 wollte. Die Dame wartete so lange im Auto.
Als Abendessen machte ich einen Salat mit Mais und Bohnen. Kurz danach war es Charly übel. Er bekam starken Durchfall und musste mehrmals in der Nacht den schlammigen Hof zum Zimmer überqueren. Er bemerkte dabei, dass es im Badezimmer nun Besucher gab. Lange, schwarze Fadenwürmer krochen auf dem Boden herum.
Ich hatte keinerlei Probleme vom Essen bekommen, obwohl wir doch das gleiche gegessen hatten!? Charly hatte Schüttelfrost und leichtes Fieber. Wieder Malaria? Wir wollten abwarten mit den Medikamenten, bis das Fieber steigen würde.
Die Nacht war ziemlich unruhig für uns und wir hatten entsprechend schlecht geschlafen.
Am Morgen ging es Charly schon wieder etwas besser, er hatte kein Fieber mehr und auch der Durchfall war besser geworden. Leider hatte er aber wie bei einem Malariaanfall starke Rückenschmerzen.
Er telefonierte mit IBS einer Schweizer Firma, um nachzufragen ob man schon das Problem unserer Engel Kühlbox erkannt hätte aufgrund unseren Angaben, die wir per Mail geschickt hatten. Beat versprach sich gleich darum zu kümmern. Wir assen unser Müsli und riefen dann nochmals an.
Richtig herausgefunden, was nun defekt ist konnte man aber nicht. Trotz Manual und Mails, keine Chance das Ding hier zum Laufen zu bringen. Angeblich gäbe es sonst keinerlei Problem mit diesen Kühlboxen, wir hatten wie immer wieder einmal ein Montagsmodell erwischt.
Auf die Dusche verzichtete wir freiwillig, da sich unsere Besucher noch immer recht wohl in der feuchten Umgebung fühlten.
Wir fuhren quer durch die schmuddelige Stadt Bafoussam mit dem üblichen Verkehrschaos. Ich wollte in Bandjoun die Chefferie (lokale kleine Stammespaläste) anschauen, weil diese in den Büchern als eine der besterhaltenste beschrieben wurde.
Zuerst haben wir natürlich wieder die Ausfahrt verpasst. Wir fuhren ein paar Mal hin und her und schliesslich fand ich einen netten Mann, der mir einen kleinen Plan zeichnete. Bei der beschriebenen Abfahrt fanden wir dann auch ein kleines Hinweisschild, welches man aber erst aus nächster Nähe erkannte. Die Polizeikontrolle liess uns auch in Ruhe, als wir sagten, dass wir die Chefferie besuchen wollten.
Nun war die Einfahrt zur Chefferie schnell gefunden und wir folgten der Piste. Auf dem Hof der Chefferie standen viele schwarze Jungendliche.
Charly wollte sich hinlegen, während ich die Chefferie inspizieren wollte. Man war fleissig dabei lange Bambusstangen runter zu tragen. Man war offensichtlich mit dem Bau des abgebrannten Hauptgebäudes beschäftigt. Ein Mann mit Bambusstangen auf dem Kopf balancierend bat mich ein Foto von ihm zu machen. Verwundert und erfreute folgte ich seiner Aufforderung. Er bedankte sich und lief weiter. Komisch! Ich bewunderte die Bambushäuser und fotografierte die Schnitzereien. Auf meinem Rückweg zum Auto kamen mir die Jungendlichen entgegen. Ich fragte, ob sie auch Touristen seien. Sie lachten und sagten nein, sie seien die Kinder des Fon (Stammesoberhaupt). Wau, so viele. Nun gemäss Buch hatte der Fon 60 Frauen, da kommen schon ein paar Kinder zusammen.
Einer hatte grüne Augen und war wahrscheinlich das Kind, welches er zusammen mit seiner französischen Frau hatte. Gemäss Reiseführer hat diese ein Buch über ihr Leben bei Hofe des Fon geschrieben. Die Kinder des Fon wollten alle fotografiert werden. Erfreut liess ich mit das natürlich nicht zweimal sagen. Ein Foto mit mir musste auch noch sein. Okay, gern.
Charly war enttäuscht, als ich nach kurzer Zeit schon wieder zurück war. Er hatte sich schon auf eine Stunde Wartezeit eingerichtet, da es ihm noch nicht so gut ging. Da ich aber das Museum nicht besuchen wollte, war ich schnell fertig mit meinem Rundgang.
Bei der Ausfahrt schoss ich nochmals ein paar Fotos von den Schnitzereien und von Snoopy im Eingangstor. Ein Gebäude weiter unten war voller Schnitzereien und ich machte ein Foto von den vielen Gesichtern, die dort hinein geschnitzt worden waren.
Wieder zurück auf der Hauptstrasse ging es zuerst hügelig weiter nach Bafang und dann nach Nkongsamba. Die Ekom-Wasserfälle haben wir nicht besichtigt, obwohl diese eine der schönsten von Zentralafrika sein sollen. Dort wurde der Film „Greystoke“ (Tarzan) gedreht. Später kamen wir in eine fruchtbare Ebene. Endlose Bananen-Plantagen wechselten sich mit Papaya-Plantagen und Ananas-Plantagen ab. Am Strassenrand wurden massenhaft diese Früchte angeboten.
An einem Ort sahen wir schöne Mohrrüben und hielten gleich an, da wir auf eine Gemüsesuppe Lust hatten. Leider haben wir auf unserem weiteren Weg keine Kartoffeln gefunden. Nur die üblichen Knollen wie Jam und Süsskartoffeln, neben Papayas, Ananas, Passionsfrüchten, Bananen und nochmals Bananen.
Kurz vor Douala bogen wir auf die N3 in Richtung Limbe ab. Nach einer Polizeikontrolle war ein Umweg ausgeschildert. Gleich war klar wieso, die Brücke war eingestürzt und nun wurde der Verkehr auf ein Provisorium umgeleitet. Die Brücke muss aber schon vor einer ganzen Weile eingebrochen sein.
Bald kamen wir wieder an endlosen Bananen-Plantagen vorbei. Diesmal von Del Monte, wie wir Dank eines Hinweisschildes erfuhren. Nun wissen wir, wo die Bananen wachsen, welche wir zu Hause teuer einkaufen. Hier zahle ich für den Bund Bananen nur 100 CFA, ca. 25 Rappen.
Kurz nach Tika fanden wir auch ohne Hinweisschild die Strasse nach Buea. Die Teerstrasse stieg steil an und Snoopy kletterte wie eine Bergziege hinauf. Ab und zu sahen wir ein paar verrostete Fahrzeugskelette im Abhang neben der Strasse. Ein Typ rannte neben unserem Auto her und strahlte uns an. Wir waren sicher, der hatte sich irgendwas eingeworfen, da er so komische Augen hatte. Er hielt sich an unserem fahrenden Auto fest und rannte nebenher. Wir riefen ihm zu, er soll aufpassen und als Dank verbog er unseren Aussenspiegel.
Auch in Buea stieg die Strasse weiterhin steil an. Wir wollten zuerst im Hotel Buea Mountain übernachten, doch die Fenster des Gebäudes waren eingeworfen und die Eingangsbarriere war völlig verbogen. Hier übernachtete niemand mehr.
Wir fuhren zur Presbyterian Kirche und fragten dort nach, ob wir übernachten könnten. Ein netter Referent begleitete uns und zeigte uns den Weg zum Guesthouse.
Dort wurden wir freundlich von einer älteren kleinen Frau empfangen. Wir konnten campieren und dabei die Einrichtungen des Hauses benutzen. Die Duschen hatten nur kaltes Wasser, doch war alles sehr sauber. Auch die Küche durften wir benutzen, was bei dem Dauerregen hier sehr wertvoll war. Wer kocht da schon gerne draussen. Unser Coleman Kocher hatte nun Ferien, denn wir benutzten nun den Gaskocher in der Küche vom Guesthouse. War trockener für uns.
Für die Übernachtung verlangte man nur 1'000 CFA pro Person. Für die Zeit die wir hier waren erhielten wir einen Schlüssel für die Haupttür, damit wir ungehindert rein und raus konnten.
Seit langem haben wir wieder unsere Schlafsäcke auspacken müssen, hatten wir doch seit langem wieder einmal unter 25 °C bei einer hohen Luftfeuchtigkeit.
Es hatte die ganze Nacht geregnet und dicker Nebel lag in Buea unter uns. Wir waren bei diesem Sauwetter nicht so früh aufgestanden und genossen anschliessend schlotternd die eiskalte Dusche des Guesthouses.
Wir frühstückten und machten uns anschliessend an die Arbeit. Die Webseite musste mal wieder aktualisiert werden und auch das Tagebuch war nicht mehr auf dem neusten Stand.
Im Guesthouse waren auch drei Kanadierinnen beheimatet, welche hier in einem Projekt mitarbeiteten, welches mit Augenoptik zu tun hatte.
Als sie nach ihrer Arbeit zurück ins Guesthouse kamen, fragten sie erfreut, ob wir hier Internet hätten, weil wir so fleissig in unsere Notebooks schauten. Ne, nur normale Notebooks, antworteten wir. Ihre Begeisterung war dahin.
Am Tag nervte uns der Fernseher, da nur eine blöde kitschige Sendung nach der anderen kam. Die schwarze Angestellte sah aber fasziniert zu. Wir hofften nur, dass sie nicht alles glaubte was ihr da vorgegaukelt wurde. Kein Wunder glauben die Schwarzen, dass alle Weissen unendlich reich sind.
Am Abend wollte ich schauen, ob wir Nachrichten sehen könnten. Doch statt Nachrichten sah ich den Film „The Rock“ in französisch. War mal wieder spannend so ein Aktionfilm.
Anschliessend arbeiteten wir bis spät in die Nacht. Es gab viel zu tun, da wir viel erlebt hatten und abends zu müde waren um noch fleissig zu sein.
Da die Einrichtungen im Guesthouse so angenehm und die Leute sehr freundlich zu uns waren, haben wir uns entschlossen nochmals einen Tag zu bleiben.
Da uns das Brot ausgegangen war und wir keine Lust hatten in die Stadt zu fahren, assen wir Milchreis mit Bananen zum Frühstück.
Danach klemmten wir uns wieder hinter unsere Notebooks und machten uns an die Arbeit.
Den Mount Cameroun konnte man bei dem Sauwetter sowieso weder sehen noch besteigen. Es werden in der Regenzeit keinerlei Bergtouren durchgeführt, da der Boden dann so glitschig und die Sicht gleich Null ist.
Buea hüllte sich auch den ganzen Tag in Nebel und so hatten wir uns wieder auf unsere Arbeit konzentriert. Wir sassen mit Socken und dicken Jacken hinter dem Computer und tranken viel Tee. Da schmeckt einem nicht einmal mehr das Bier. Seit Marokko hatten wir nun das erste Mal wieder Socken an. Komisches Gefühl.
Am Abend hatten wir dann genug von der Schreiberei und relaxten noch etwas, bevor wir wieder unter unsere Schlafsäcke krochen.
Am Morgen wieder das gleiche Bild, Buea im Nebel und Dauerregen. Unsere Chancen den Mount Cameroun zu sehen waren gleich Null und so beschlossen wir heute nach Limbe weiterzufahren. Wir wurden herzlich verabschiedet und fuhren im Regen die steile Teerstrasse hinunter.
Je weiter wir uns von Buea entfernten, desto weniger regnete es. Ich kaufte an einem der vielen Bananenständen ein paar Bananen, die unser Frühstück waren, da wir immer noch kein Brot hatten. Die ca. 10 Bananen kosteten nur 25 Rappen und waren erst noch viel besser als zu Hause.
In Limbe angekommen, wollten wir in den Supermarkt. Leider konnten wir diesen trotz intensiver Suche nicht finden. Ein kleiner lokaler Markt entschädigte uns aber dafür und wir kauften kräftig Gemüse ein.
Eigentlich wollten wir noch das Wildlife Center in Limbe anschauen, doch haben uns die engen Käfige, die wir schon von aussen sehen konnten, davon abgehalten. Viel Gefühl hat man in Afrika nicht, was Tierhaltung anbelangt.
So fuhren wir weiter zum Sema New Beach Hotel, in der Hoffnung nun dem Regen entronnen zu sein. Für 2'000 CFA pro Person (ca. 5 CHF) durften wir auf dem Parkplatz in der Nähe des schwarzen Strandes campieren. Leider war das Wetter wieder schlechter geworden und bei leichtem Nieselregen hat uns das Meer nicht gelockt.
Wir sassen trotzdem ein Weilchen am Strand und schauten den Wellen zu. Ein schwuler Engländer mit seinen zwei schwarzen Freunden konnte das kühle Wetter und der leichte Regen jedoch nicht schrecken und flirtete ungeniert mit seinen Liebhabern. Er war ganz nett, aber auch ein bisschen eigenartig.
Als es stärker anfing zu regnen, verkrochen wir uns wieder in unserem Eigenheim.
Da wir zum Standplatz wieder einen Zimmerschlüssel erhalten hatten, wollte ich später ein bisschen Nachrichten schauen. Unser Zimmer 142 war so muffig und roch unangenehm nach Schimmelpilzen. Da konnte man es nicht lange aushalten und ich war froh meine eigenen vier Wände dabei zu haben.
An frühen Abend klopfte es dann plötzlich an unserer Tür. Erstaunt öffneten wir und ein holländischen Paar stand vor uns, die ebenfalls auf dem Weg nach Südafrika waren. Der Clou war, dass sie ihre Reise mit einem 2CV Citroën (Ente) machten. Wir verabredeten uns zum Nachtessen im hoteleigenen Restaurant, da es immer noch regnete.
Sie erzählten uns, dass sie nun schon 2 Jahre unterwegs seien. Sie sind aber nicht wie wir am Stück unterwegs, da Bo selbständig ist und seine Arbeit sehr liebt. Sie fahren immer eine geplante Etappe, stellen dann die Ente irgendwo unter und fliegen für ein halbes Jahr wieder nach Hause. Bo ist aber sowieso viel in Afrika unterwegs, da er sich mit Bio-Landwirtschaft beschäftigt.
Sie wollten nun bis Ende August über Gabun nach Point Noire in Kongo-Brazzaville fahren und die Ente dort abstellen, um anschliessend wieder nach zu Hause fliegen.
Wir haben uns gut unterhalten und gut, aber teuer zu Abend gegessen. Es gab wieder einmal meine Lieblinge Shrimps.
Generell war das Hotel sehr teuer. Ein kleines Bier kostete satte 1'300 CFA (über 3 Franken), da verging einem der Durst. Normal kostet eine grosse Flasche 450 600 CFA, also 1 1,50 CHF. Bei den muffigen Zimmern sollten die Preise auch dem Verhältnis entsprechen. Allerdings muss man ihnen zu Gute halten, dass in der Regenzeit alles sehr schnell grau wird. Da muss halt mehr geputzt und gelüftet werden, aber dass entspricht nicht der schwarzen Mentalität.
Zum Abschluss begutachteten wir noch die Ente im Dunkeln und bevor wir vor dem Regen ins Auto flüchteten.
Am Morgen war es immer noch regnerisch und das mufflige Zimmer lud auch nicht zum Verweilen ein. Wir entschlossen uns, weiter nach Yaounde zu fahren. Zuerst aber schauten wir zu, wir die Ente wieder flott gemacht wurde. Bo und Ingrid waren ja erst seit 2 Tagen wieder in Kamerun und die Ente bockte noch ein wenig. Zwei Schwarze halfen die Zündspüle zu wechseln und Bo erzählte uns, dass man ihm gestern die Batterie in einer Garage entleert hatte, um diese anschliessend wieder mit destilliertem Wasser aufzufüllen. Damit sie besser lud !??? Afrikanische Logik.
Bo wollte sein altes Autowrack besichtigen. Er hatte eine Ente vor vielen Jahren hier verkauft und nun liegt diese schon seit einiger Zeit irgendwo im Gebüsch und rostet vor sich hin. Entsorgung auf afrikanisch, wie wir es schon oft gesehen haben. Auf dem Weg nach Buea sahen wir zum Beispiel, dass die alten unbrauchbaren Autos einfach den Hang runter gestossen wurden und liegen gelassen werden bis sie verrottet sind, oder man lässt sie dort, wo sie den Geist aufgegeben haben.
Wir halfen die Ente noch anzuschieben, bevor wir uns zur Weiterfahrt fertig machten. In der Hoffnung dem Regen nun zu entkommen, machten wir uns den Weg nach Douala.
Die Strasse war gut und wir kamen gut voran. Kurz vor der Brücke nach Douala, wurden wir mal wieder von einem Polizisten aufgehalten, der wieder alles ganz genau wissen wollte. Wir waren leicht genervt, aber ändern lässt sich es nicht. Wir konnten bald weiterfahren, da unsere Papiere alle in Ordnung waren. Hä,Hä sogar Versicherung - nix Kohle.
Wir würgten uns wieder in den Verkehrsfluss hinein und verpassten nach der leicht baufälligen Brücke über den Wouri die Ausfahrt zum Flughafen. In der Kamerunkarte sah ich zwei Strecken die mit Yaounde angeschrieben waren. Eine ging oben und die andere unten am Flughafen entlang. In der Annahme, dass diese sich am Ausgang der Stadt wieder treffen, fuhren wir mit dem Verkehr nördlich von West nach Ost.
Die „Strasse“ war eine absolute Frechheit. Es sah aus wie nach einem Krieg. Tiefe Krater machten dem Verkehr zu schaffen. Nur sehr, sehr langsam konnte man über die markanten Absätze in die tiefen Löcher fahren. Alle Taxifahrer fuhren kreuz und quer ohne Rücksicht. In den Rückspiegel schaut hier sowieso keiner und so muss man immer höchst konzentriert den Rundumblick haben, damit nicht noch ein Unfall passiert. Jeder fährt oder hält oder macht einen Bogen, wie es ihm in den Sinn kommt. Verkehrsregeln was ist das bitte schön?
Die Taxifahrer stoppten immer abrupt ohne zu blinken, um Passagiere mitzunehmen oder aussteigen zu lassen. Es wurde nie nach hinten oder seitwärts geschaut bevor losgefahren wurde. Wir kannten dieses Verhalten schon von anderen afrikanischen Ländern, doch so extrem wie hier war es noch nirgends.
Wir fahren weiter und kommen in ein noch grösseres Gedränge, denn nun war auch noch Markt und damit ist fast kein Weiterkommen mehr möglich. Vor den riesigen Löchern gab es fast kein Entrinnen mehr. Wir quetschten uns durch und hofften auf eine bessere Teerstrasse, wie es in der Karte verzeichnet war. An der Abzweigung nahmen wir die rechte Abfahrt. Falsch wie man uns erklärte und mussten umdrehen. Die andere Strasse sah nicht wirklich toll aus, kann doch nicht sein.
An der nächsten Polizeikontrolle wurden wir natürlich wieder rausgewunken. Wir nutzten die Gelegenheit und fragten freundlich nach dem Weg. Der Beamte der zuerst so grimmig fragte, was wir hier wollten, wurde plötzlich freundlich und hilfsbereit. Dies sei die alte Strecke nach Yaounde, erklärte er uns. Die neue gut geteerte Strasse führt beim Flughafen vorbei, wir müssten zurückfahren oder die alte Strecke nehmen. Bei den Strassenverhältnissen, beschlossen wir sofort, lieber die künftigen Schlaglöcher auf einer kleinen Strasse in Kauf zu nehmen, als nochmals durch die Bombenkrater und dem Verkehrs-Irrsinn zu fahren. Ohne Kontrolle durften wir weiterfahren und der Beamte wünschte uns noch eine gute Fahrt.
Die nächste Kontrolle war aber nicht weit und nun hatte man sogar Nagelbretter auf dem Boden gezogen, damit wir auch ja nicht einfach weiterfahren konnten. Wieder die grimmige Nummer. Alle Fahrzeugpapiere und so weiter und so fort. Ein kleiner Beamter bemerkte, „Suisse“ ahh Basel Presbyterian Kirche“. Ja, ja antwortete ich, Sie kennen sich gut aus und wir fahren heute weiter nach Yaounde und gehen zur Presbyterien Mission. Hoch erfreut liess uns der Gute sofort passieren. Das Nagelbrett wurde zur Seite gezogen und wir konnten weiterfahren.
Das nächste Verkehrshindernis war ein LKW und ein PKW, die in entgegengesetzter Richtung auf gleicher Höhe parkiert hatten. Die Strasse war aber so schmal, dass man da nicht mehr durchkam. Ein Schwarzer war sogleich hilfsbereit und winkte und meinte, da kommen wir schon durch. Keine Chance war unsere Meinung und blieben stehen. Der andere winkte und meinte, wenn er winke, dann passe das schon. Ne, ne mein Lieber bei einem Schaden müssten wir neben dem eigenen Schaden dann auch noch für die parkierten Fahrzeuge blechen. Das Risiko war zu hoch! Der Grabenrutscher hatte uns Geduld gelehrt.
Ein anderer Schwarzer erbarmte sich und schob den PKW einfach auf die Seite. Charly hatte dafür aber etwas nach hinten rechts fahren müssen und das Warndreieck vom LKW übersehen, welches mitten auf der Strasse stand. Wir wollten schon passieren, als sich zwei Männer vor unserem Auto aufbauten und uns nicht passieren lassen wollten. Die Stimmung war uns zu aggressiv und wir fuhren langsam aber bestimmt, bis alle beiseite waren. Charly war eh schon genervt von dem ganzen Verkehrsverhalten.
Wir fuhren weiter und kamen nun in eine schöne Gegend, wohin es offensichtlich selten Weisse verschlägt. Wir hörten immer wieder die erstaunten Ausrufe. „Les Blancs“, was übersetzt „Weisse“ bedeutet.
Die Leute lebten in sehr bescheidenen Holzbretterbuden, aus denen Rauch aufstieg. Geheizt und gekocht wurde, wie in fast überall in Schwarzafrika, noch immer mit Holzfeuer.
Dichtes Buschwerk und Bäume wechselte sich mit Bambuswälder ab. Die Bambusstängel waren hoch gewachsen und bildeten regelrechte Tunnel, unter denen man durchfahren konnte.
Die alte Strasse bedeutete natürlich auch einen Umweg und wegen den zahlreichen Schlaglöchern im Teer, kamen wir auch nicht so recht voran. Ein Kontrollposten hielt uns kurz vor Edéa auf, wieder mit Nagelbrett und ein junger Schnösel wollte irgend etwas. Wir hatten keine Lust uns auf ihr Spiel einzulassen und beschlossen nur noch Englisch zu können. Da unser Kontrolleur nur Französisch sprach liess er schliesslich von uns ab und wir konnten unbehelligt weiterfahren.
Es war schon später Nachmittag, als wir endlich in Edéa ankamen.
Diese Stadt war ursprünglich von Hamburger Kaufleuten 1885 als Handelsposten gewählt worden. Leider sah man keine alten Kolonialbauten mehr. Nur die alte Brücke über den Sanaga Fluss, die 1914 fertig gestellt wurde, war noch erhalten. Diese wird heute aber nur noch von Fussgänger und Radfahrer benutzt.
Wir machten uns auf die Suche nach der Katholischen Mission, welche in hübscher Lage am Ufer des Sanaga Flusses liegt. In unserem Reiseführer war die Mission erwähnt worden mit gut unterhalten, sehr freundlicher Empfang, Bademöglichkeit im Fluss und Camping möglich.
Genau richtig für uns. Die Suche gestaltete sich mal wieder schwierig. Es gibt nämlich zwei Katholische Missionen in Edéa, aber bald war klar, dass nur eine am Fluss liegt.
Wir fragten nach dem Weg und da die Beschreibung so kompliziert war, fragte eine junge Frau, ob sie mitfahren und uns den Weg zeigen soll. Da wir ziemlich müde waren, willigten wir gerne ein. Zu dritt fuhren wir eingequetscht zur Mission. Der Weg war wirklich nicht einfach und sogar unser Fräulein irrte sich und schickte uns auf einen Weg, den schon lange keiner mehr benutzt hatte und tiefe grosse Wasserlöcher aufwies. Der Weg war so schmal, dass Snoopy mit Allrad gerade durchkam. Irgendwo fanden wir eine breitere Stelle und konnten umkehren. Der richtige Weg war dann einfach zu fahren und die Mission war schnell gefunden.
Wir sprangen aus dem Auto und wollten wegen der Übernachtung fragen. Leider war gerade eine Hochzeit und wir mussten uns gedulden. Wir brachten die junge Frau zurück und fuhren anschliessend wieder zur Mission.
Die Hochzeit war immer noch im vollen Gange. Wir liefen zum Kollegium, wo ein paar junge Männer auf dem Balkon ein Lied einübten. Auf unsere Frage, wo man hier wegen der Übernachtung nachfragen könnte, verwies man uns auf das gegenüberliegende Gebäude. Eine ältere, dünne, kleine Frau war dort in der Küche am Werken.
Hilfsbereit führte sie uns zu einer Frau, die mit Fernsehen beschäftigt war. Die dicke Frau machte einen weitaus weniger freundlichen Eindruck. Während sie mit uns redete, schaute sie dauernd zum Fernseher hin. Richtig Bescheid wusste sie aber auch nicht. Wir müssten warten, bis der Pater zurück sei. Wir mussten aber beide dringend auf die Toilette und so fragten wir danach. Leicht widerwillig führte sie uns zu einer Abstellkammer, wo auch eine Toilette und eine Dusche untergebracht war. Die alten Kartonschachteln lagen mit sonstigem Gerümpel kreuz und quer. Wir schlängelten uns zum WC durch. Wasser ging natürlich auch nicht, dafür aber brachte man uns einen Eimer Wasser.
Wir mussten Snoopy umparkieren und beschlossen im Auto auf den Pater zu warten. Im Auto haben wir das Bier getrunken, welches wir unterwegs noch schnell gekauft hatten und haben dazu etwas Brot gegessen. Wir standen direkt neben dem Eingang zur Mission und warteten und warteten.
Die Hochzeit war kaum aus, als schon das nächste Programm gestartet wurde. Ein Chor begann zu singen. Der Pater war auch wieder voll engagiert. Wir hatten keine Gelegenheit ihn zu fragen. Es war ohnehin schon dunkel und so beschlossen wir einfach dort zu bleiben. Es störte offensichtlich niemanden.
Wir hörten den Gesängen des Chors zu und waren erstaunt über das vielfältige Repertoire der Lieder und wie gut es klang. Dabei wurde geklatscht, gejohlt und gelacht. Charly meinte, soviel Stimmung hätte er noch nie in einer Kirche erlebt. Es gäbe sicher mehr Kirchgänger bei uns, wenn man etwas von der hiesigen Lebensfreude zu uns rüber bringen könnte.
Am späteren Abend sind wir dann auch in die Kirche gegangen und haben auf einem Bänkchen platzgenommen. Wir lauschten dem Chor und schauten vergnügt zu, wie die Menschen da vorne tanzten, sogar den Pfarrer aufforderten und dabei herrlich sangen.
Andere Teilnehmer sahen zu uns herüber und freuten sich, dass wir da waren. Schön!
Anschliessend ein kleines Gebet und weiter wurde gesungen und getanzt. Irgendwann schlichen wir uns wieder davon, denn wir waren müde von der anstrengenden Fahrt.
Früh am Morgen sind wir schon wieder von der Betriebsamkeit der Kirche geweckt worden. Der Gottesdienst hatte schon um 7 Uhr begonnen und im Halbschlaf konnten wir wieder dem Gesang lauschen. Eine halbe Stunde später rafften wir uns auf und packten unsere Sachen.
Wir fuhren los und gaben in Edéa unsere Bierflaschen zurück, damit wir unser Pfandgeld wieder bekamen. Immerhin 200 CFA (50 Rappen) pro Flasche.
Die Strasse war sehr gut geteert und führte durch eine hügelige sehr grüne Landschaft. Am Strassenrand wurde alles mögliche angeboten. Auch Bushmeat Fleisch von Tieren aus dem Busch. Ein schwarzer toter Affe hing an einem Holzpfahl. Eine Art Gürteltier am nächsten und eine Buschratte am darauffolgenden. Zwischendurch hielt ein Mann ein unbekanntes Tier in die Luft. Alles essbar in Afrika! Da waren uns die Obst- und Gemüseverkäufer an den Zahlstellen schon wesentlich sympathischer.
Unterwegs galt es ein paar wenige LKWs zu überholen, aber generell war wenig Verkehr, da heute Sonntag war. Die Laster im Gegenverkehr transportierten fast ausschliesslich Tropenholz nach Douala. Dort wird das Holz nach Europa, Amerika oder Asien verschifft. Wofür Blödsinn. Da werden die letzten Reserven schon abgeholzt und wenn dass so weitergeht, werden wir die letzten Lungen der Erde vor lauter Raffgier zerstören. Ich bin überzeugt, dass die Leute bei uns weniger Tropenholz kaufen würden, wenn sie das Waldsterben mit eigenen Augen sehen könnten. Nicht einmal am Sonntag hat der Regenwald seine Ruhe.
In Yaounde angekommen, machten wir uns gleich auf die Suche nach den Botschaften. Gabun, Kongo-Brazzaville und Kongo-Kinshasa standen auf unserer Liste.
Gabun war nach einer kurzen Frage nach dem Weg rasch gefunden. Wir fragten den Security-Menschen wo die Botschaft vom Kongo sei und fanden die Botschaft von Kongo-Kishasa. Die Botschaft von Kongo-Brazzaville gestaltete sich dagegen schon etwas schwieriger, lag sie doch versteckt in einer Nebenstrasse, die nicht geteert war oder bessergesagt ab und zu etwas Teerreste aufwies. Wir hatten alle Botschaften in unserem GPS-Gerät gespeichert und machten uns auf die Suche nach der Presbyterien Mission. Zuerst fuhren wir zu weit, dann landeten wir in einem Marktviertel. Unsere Gemüter waren erhitzt und wir diskutierten, wohin, wie dahin usw. Ein Mann kam und fragte nett, ob er uns behilflich sein könnte. Hilfsbereit sind sie die Afrikaner, das muss man ihnen lassen.
Genau konnte er uns nicht sagen, wo die Mission liegt, aber ungefähr welche Richtung. Dort fuhren wir, wie meistens in solchen Fällen, zur Tankstelle und fragten wiederum nach dem Weg. Sofort kam einer nach dem anderen und alle beratschlagten, wie wir am besten dorthin kämen. Einer meinte hilfsbereit er fahre mit und zeigt uns den Weg. Charly wollte aber nicht und so erstellte er rasch einen Plan auf einem kleinen Zettel. Wir folgten dem Plan und kamen tatsächlich innerhalb von wenigen Minuten dort an. Alles war gut beschrieben worden. Bis zur Patisserie Select und dann kurz vor dem grossen Abfallcontainer links rauf. Dort ist das sogenannte Chateau, was aber kein Schloss ist, sondern 4 alte Wasserspeicher. Dort war dann schnell das Gasthaus der Mission gefunden.
Ein netter junger Mann zeigte uns das Badezimmer im Haus und die Toilette draussen. Ersteres war schon ziemlich schmuddelig und letztere war dann ganz schlimm. Unsere Schweine zu Hause haben es da sauberer.
Tagsüber kann das Badezimmer im Haus benutzt werden, doch nachts hat man auf die äussere Toilette zu gehen. Kein Licht, kein Wasser - nur ein stinkendes Loch, wo schon viel daneben ging. Holzdeckel drauf und fertig, in einem kleinen Häuschen, wo man die Tür nicht schliessen kann.
Wir waren müde und hatten keine Lust noch weiter in Yaounde herumzuirren und beschlossen trotz der frechen 3'000 CFA zu bleiben. Die Grünfläche, wo wir parkieren konnten war schön gross und sauber. Ein paar schattenspendende Bäume waren auch auf dem Areal, nur brauchte man diese bei dem grauen Himmel nicht. Ein junger Hund hatte uns dafür schon bald entdeckt und wollte unaufhörlich spielen. Das hiess er biss in alles was er erwischte. Der Besitzer von nebenan rief ein paar Mal „Leon“, doch dieser war mit uns viel zu beschäftigt. Wir konnten uns den kleinen Kerl fast nicht vom Leib halten.
Wir wollten die Umgebung etwas erkunden und hatten die Bäckerei Select bald gefunden und auch das chinesische Restaurant. Dieses hatte leider noch nicht geöffnet, aber ein Bier gab man uns trotzdem.
Auf dem Rückweg kauften wir Brot und konnten uns gar nicht satt sehen, was für Leckereien da angeboten wurden.
Zurück in der Mission kochte ich uns eine feine Gemüsesuppe, mit dem Gemüse, welches wir schon seit Limbe mit uns herumfuhren.
Wir trafen auf dem Areal der Mission auch Adrian, einem Venezolaner, der hier bei einem AIDS-Projekt mithalf. Er spielte gerade mit ein paar Rastamänner und -frauen Fussball.
Wir unterhielten uns in den Fussballpausen über alles mögliche.
Später sind wir dann nochmals die Strasse runter und haben in einer der vielen Bars ein Bier getrunken. Natürlich war die Musik wieder bis zur Schmerzgrenze aufgedreht. Bei einer Bar musste ich mir definitiv die Ohren zu halten, zu laut dröhnte es.
Anschliessend hatten wir dann auch genug und gingen zurück zur Mission.
Wir sind zeitig aufgestanden, da wir heute um 9 Uhr an der Botschaft von Gabun sein wollten. Die Botschaft war in wenigen Minuten erreicht, doch leider wurde diese erst um 9:30 Uhr geöffnet. Bo und Ingrid sassen schon seit einer halben Stunde dort. Tja, die Botschaften öffnen spät und schliessen früh in Afrika. Wir hatten Freude die beiden wiederzusehen und die Wartezeit war schnell vorüber. Pünktlich um 9:30 Uhr kam eine Frau, welche von anderen Wartenden freudig begrüsst wurde. Kurz darauf wurden auch wir eingelassen. Hier mussten wir in einem grossen, offenen Saal warten. Die Wartezeit war aber kurz und schon bald wurden wir von der Dame empfangen. Sehr zu unserem Erstaunen mussten wir hier kein Formular ausfüllen und auch kein Passfoto abgeben. Lediglich unsere Pässe und 35'000 CFA. Die Dame erklärte uns nett, dass wir um 14:30 Uhr unsere Pässe wieder abholen könnten. Super, dann könnten wir unsere Pässe ja heute noch zur Botschaft Kongo-Brazzaville bringen.
Hoch erfreut beschlossen wir vier, gleich noch zum Kongo-Brazzaville Konsulat zu gehen, um die Konditionen zu erfragen und schon mal das Formular zu holen. Das Konsulat war nicht weit weg, im Prinzip gleich um die Ecke. Charly fuhr und ich lief mit den Holländern. Wenige Minuten später waren wir auch schon dort.
Ein netter, älterer Herr war Portier, welcher uns einliess und uns den Weg zum Sekretariat wies. Die ältere, rundliche Dame war sehr nett und gab uns auch gleich die gewünschten Formulare. Die von ihr geforderten 60'000 CFA lies uns aber doch kurz die Luft anhalten. Das war wohl der unverschämteste Preis der bis anhin für ein Visum gefordert wurde. Das sind satte 150 CHF! Nur für die 5 Tage die wir brauchen würden, um dieses Land an der Küste entlang zu durchfahren. Es spielte keine Rolle wie lange oder ob eine einfache oder mehrfache Einreise gewünscht wurde. Sogar für das Transitvisum verlangte man den gleichen Preis. Auch von Bo und Ingrid wurde der gleiche Betrag gefordert, wobei sie ein Visum für 6 Monate mit mehrfacher Einreise verlangten. Alles der gleiche Betrag. Wir gingen wieder und Charly regte sich ein wenig wegen des Betrages auf, aber was will man machen. Eine Schiffung wäre noch weit aus teurer und das ist denen auch klar.
Wir fuhren anschliessend weiter zur Toyota-Garage am anderen Ende der Stadt. Mitten in der Stadt gab es einen Platz wo alle um einen Platz im Kreisverkehr fuhren. Es gab jedoch auch eine kurze Strasse geradeaus und diese nahmen wir auch. Auf der anderen Seite kamen schon zwei Polizisten pfeifend auf uns zu gelaufen. Sie schimpften fürchterlich mit uns und uns war anfangs gar nicht klar, um was es überhaupt ging. Wir hatten keinerlei Verbotsschilder gesehen, nur ein uneingeschränktes Halteverbots-Schild war am Strassenrand zu sehen.
Der Polizist war stocksauer, dies sei die Strasse des Präsidenten und keiner hätte das Recht hier zu fahren, ausser ihm. Charly antwortete leicht gereizt, dass es hier kein Schild gäbe, welches einem Fremden mitteilt, dass er hier nicht fahren dürfe. Der Polizist sagte sauer, dass er auf der anderen Seite auf dem Parkplatz parkieren soll.
Die Polizisten hielten den Verkehr auf, damit wir die Kreuzung passieren konnten. Charly sagte noch sauer: Die kriegen kein Geld und ich bin im Recht. Dann stieg er aus und ging zum Polizisten. Ich zögerte noch und folgte ihm dann. Der Polizist und Charly hatten sich schon in der Wolle und der Polizist meinte, wenn er so uneinsichtig sei, dann werde er ihm ein Strafmandat ausstellen und wir müssten dann zum Kommissariat. Uupps! Charly hatte schon Recht, aber hier werden die uneingeschränkten Halteverbotsschilder als Durchfahrtsverbot missbraucht, aber woher soll man das wissen?
Ich schlichtete den Streit zwischen den beiden Männern und liess den Polizisten reden. Er beklagte sich, dass er durchaus wisse, dass wir Ausländer sind und dies nicht wissen konnten, doch hatte er erwartet, dass man ihm zuhöre, wenn er erklärte was falsch war und nicht gleich so aufbrausend sei, wie es Charly ihm gegenüber war.
Ich erklärte ihm, dass wir uns zuvor im Auto gestritten hätten und er deshalb so übellaunig war. Das war zwar gelogen, doch der Polizist hatte ein Einsehen und zog den Strafzettel zurück. Schwein gehabt. Was soll’s, zwischen Recht haben und Recht bekommen gibt es immer noch einen Unterschied, aber wir wären am kürzeren Hebel gewesen.
Endlich konnten wir weiterfahren und waren bald bei der Toyota-Garage. Dort wurden wir von einem jungen Mann betreut, der Moses hiess. Wir unterhielten uns mit ihm über unser Problem, nämlich dass wir ein Quietschen beim Fahren hören. Immer wenn wir eine Weile gefahren sind, fängt es zwischen 40 und 80 km/h zu quietschen an. Egal ob der Motor läuft oder nicht, ob die Kupplung durchgetreten ist oder nicht. Wir vermuteten, dass evtl. ein Lager defekt ist, aber welches? Da es schon nach 11 Uhr war und von 12:15 Uhr bis 14:30 Uhr Mittagspause war, verabredeten wir einen Termin auf Dienstag gleich um 8 Uhr.
Wir fuhren zurück in die Stadt, wo wir anschliessend im Score Supermarkt einkaufen gingen. Es gab alles, was man als Europäer so haben möchte. Sogar feine italienische Salami, französischer Käse, Barilla Nudeln, usw. Leider sind aber die Preise so gesalzen, dass man da schnell wieder bescheiden und sparsam wird.
An der Kasse kam dann trotzdem das böse Erwachen. Satte 150 CHF und der Wagen war nur halb voll. Fast wie zu Hause. Leider akzeptierte man keine Kreditkarten, wie es in anderen Ländern in grossen Supermärkten üblich war. Doch ein junger Mann begleitete uns zur gegenüberliegenden Bank, wo wir vom ATM-Geldautomaten Geld abheben konnten.
Anschliessend fuhren wir zurück zur Mission und assen etwas. Um 14 Uhr machten wir uns schon wieder auf dem Weg zur Botschaft von Gabun. Bo und Ingrid waren auch schon dort und warteten auf ihr Visum. Leider hatte der Herr Konsul Verspätung und wir mussten uns gedulden. In der Zwischenzeit haben wir uns die Karte von Gabun angeschaut und wo man was anschauen könnte. Kurz vor 15 Uhr erhielten wir schliesslich unsere Pässe mit dem Visum zurück. Schnell machten wir uns auf den Weg zum Kongo-Brazzaville Konsulat. Wir waren genau um 15:01 Uhr dort, doch das Konsulat war bereits geschlossen. Der freundliche Portier meinte entschuldigend, dass hier immer Punkt 9 Uhr geöffnet und Punkt 15 Uhr geschlossen wird. Da das Büro bereits geschlossen und alle Botschaftsangestellten das Gebäude bereits verlassen hatten, nahme wir an, dass man an diesem Tag die Botschaft „überpünktlich“ geschlossen hatte.
Wir verabredeten uns mit Bo und Ingrid zum Abendessen bei Chez Wou, einem bekannten China-Restaurant in Yaounde und fuhren zurück zur Mission.
Charly hatte noch ein paar Sachen gerade zu schlagen die sich verbogen hatten bei unserem Grabenrutscher auf dem Weg nach Banyo. Das Trittbrett war vorne rechts schräg und hinten rechts war noch der Kotschutzlappen verbogen.
Um 19 Uhr hatten wir mit Bo und Ingrid abgemacht und mussten uns zum Schluss noch beeilen, damit wir nicht zu spät kamen. Wir nahmen ein Taxi, welches uns zum Restaurant brachte. Das Restaurant sah von aussen schon sehr gut aus und von innen hätte es genauso gut auch in Zürich oder Hamburg stehen können.
Wir haben sehr gut gegessen, mit Vorspeise, Hauptgang und für Charly sogar noch ein Dessert. Der Preis war dann auch dem Ambiente angepasst. Es war ein schöner Abend. Wir verabschiedeten uns von den beiden Holländern und fuhren mit einem Taxi zurück zur Mission. Diesmal wollte der Taxifahrer unverschämte 2'000 CFA haben, da es nun schon dunkel sei. Wir gaben ihm die Hälfte und er war damit auch zufrieden. Wahrscheinlich haben wir immer noch zuviel bezahlt, aber es gab nicht so viele Taxis beim Restaurant und für 2,50 CHF wäre ich nur ungern durch die dunklen Gassen gelaufen.
Zurück bei der Mission sah ich, dass noch Licht brannte und klingelte, damit ich nochmals auf die Toilette gehen konnte. Schnell wurde das Licht ausgeschaltet und beim zweiten Klingeln, wurde Tür geöffnet und ich wurde zusammengeschissen, was mir einfällt um diese Zeit noch auf die Toilette zu wollen. Ich erklärte der wenig netten Dame, das ihr Sohn uns am Sonntag mitgeteilt hätte, dass wir bis Mitternacht die Toilette im Hause benutzen dürften, da die Aussentoilette so schrecklich stinkt. Die Dame war ganz und gar ungehalten und schimpfte, ob ich den meine ich könne die ganze Nacht hier klingeln und so weiter und so fort. Ich war sauer, doch sie lies mich nicht rein. Ich ging zum Auto und erzählte es Charly. Zusammen gingen wir nochmals zu der Schreckschraube. Sie wollte uns schon wieder so abkanzeln, da war Charly dann auch sehr unhöflich und es entstand ein regelrechter Streit. Sie holte ihren Sohn, welcher mir sofort die Tür öffnete, damit ich endlich auf die Toilette gehen konnte.
Die Ziege war nun noch aufgebrachter, doch wir kümmerten uns nicht mehr darum. Welch gastfreundlicher Ort! Jedes Mal, wenn man aufs WC musste, musste geklingelt werden. Ich kam mir immer vor wie ein Hund, der winseln musste damit er eingelassen wurde.
Wie verabredet waren wir kurz vor 8 Uhr in der Toyota-Garage. Moses nahm ein Protokoll auf. Alle Daten des Autos, dessen Inhalt und was zu machen sei. Gestern wurde noch gefordert, dass wir den Radio und den Zigarettenanzünder sowie alle Utensilien aus der Fahrerkabine rausnehmen müssten. Heute konnten wir alles drin lassen, da Charly beim Auto bleiben würde. Moses hatte erkannt, dass er sich gut mit unserem Fahrzeug auskennt und es besser war, wenn er dabei sei.
Ich durfte die ganze Zeit in der Rezeption warten. Ich hatte mir ein paar Reisebücher mitgenommen und hatte genügend Literatur bis zur Mittagspause.
Nach einer kurzen Probefahrt, wurden in der Werkstatt beide hinteren Steckachsen demontiert und die Lager kontrolliert. Hinten links war alles ok, dass war die Achse, die wir schon mal in Zinder ausbauen liessen. Aber bei der rechten Seite war der Wellendichtring bei der Hinterachse defekt, wodurch Öl vom Differenzial ins Lager lief. Das innere und äussere Lager hatten gar kein Fett mehr.
Zusätzlich stellte man beim vorderen linken Rad fest, dass die Radeinstellmuttern zuviel Spiel hatten und dass zusätzlich die Kupplung eingestellt werden muss.
Wir hofften nun den Fehler gefunden zu haben und gingen frohen Mutes in die Mittagspause. Moses war so nett und nahm uns zum Restaurant mit, welches dann aber leider geschlossen hatte. Wenig später hatten wir dafür ein anderes entdeckt und er lies uns dort aussteigen. Charly und ich assen Fischfilet mit Reis, respektive mit Pommes. Es war erstaunlich gut.
Wir schlugen die Zeit tot, bis es 14 Uhr war, dann liefen wir zurück zur Garage. Für mich begann wiederum ein langweiliges warten, da nur Charly in die Garage durfte.
Am Nachmittag kam dann auch endlich der neue Wellendichtring und man konnte die Arbeit beenden. Anschliessend wurde noch Öl gewechselt vom Differenzial vorne und hinten, vom Wechsel- und vom Verteilergetriebe. Zusätzlich wurde alles gefettet und auch die Kupplung geschmiert.
Es war schon später Nachmittag, als alles fertig war und Charly nochmals mit dem Mechaniker auf Probefahrt ging. Die Enttäuschung war gross, denn das Quietschen war immer noch da. Der Mechaniker hatte aber wie schon vorher kein Geräusch gehört. Da in Afrika aber alle Autos quietschen und rasseln, ist man sich das hier wahrscheinlich schon gewohnt. Knapp vor Feierabend wurde man fertig mit dem Auto und die Rechnung von 117'515 CFA (zirka 295 CHF) wurde ausgestellt. Wir hatten dazu noch so ein paar Fragen, aber da es nun schon nach 18 Uhr war, wollten natürlich alle nach Hause. Die Lady am Schalter war schon leicht ungehalten, uns war das aber egal, da wir zuerst noch wissen wollten, für was wir da alles zahlen. Gut, in der Schweiz hätten wir sicher mehr als 17,50 CHF für den Mechaniker in der Stunde bezahlt, aber dafür hätte dieser auch die bessere Ausbildung und das bessere Werkzeug gehabt. Charly war erstaunt über das schlechte Werkzeug in der offiziellen Toyota-Vertretung. Die Mechaniker hatten wirklich alles gegeben, aber was an tieferem Wissen fehlte wurde durch afrikanische Erfahrung ersetzt.
Im Grossen und Ganzen waren wir zufrieden und fuhren zurück zur Mission. Eigentlich hatten wir den Standort wechseln wollen, doch da es nun schon so spät und dunkel war, als wir ankamen, beschlossen wir noch zu bleiben.
Auf dem Weg zur Botschaft hätten wir an diesem Morgen fast einen Unfall gehabt. Gott sei Dank hatte Charly ein gutes Reaktionsvermögen und konnte gerade noch rechtzeitig dem ausscherenden Taxi ausweichen. Man muss wissen, dass hier die Autofahrer weder in den Rückspiegel (sofern überhaupt vorhanden) noch über die Schulter schauen, bevor sie auf die Strasse fahren. Am schlimmsten und rücksichtslosesten fahren aber die Taxis. Ich war so erschrocken und schimpfte lauthals über den blöden Taxifahrer. Dieser tat so als sei ich gar nicht da, dafür meinte ein nachfolgender Kollege, ob wir nicht richtig fahren können. Hat man da noch Töne. Oft konnten wir beobachten, dass der Taxifahrer nach rechts schaut, ob noch jemand einsteigen möchte und dabei friedlich nach links ausschert.
Es wäre nicht einmal eine Beleidigung, wenn man die Autolenker fragen würde, ob sie den Führerschein in der Lotterie gewonnen haben, denn dieser wird hier tatsächlich einfach gekauft!!! Auch ohne eine Fahrstunde möglich.
Pünktlich um 9 Uhr waren wir an der Botschaft von Kongo-Brazzaville und gaben unsere Pässe mit dem Formular, je 2 Passfotos und den gesalzenen 60'000 CFA pro Person im Sekretariat ab. Die Dame sagte uns, dass wir unsere Pässe um 14:30 Uhr wieder abholen könnten. Wir freuten uns, dass wir für den stolzen Preis wenigstens die Visa noch am gleichen Tag erhielten.
Wir fuhren anschliessend zur Botschaft Kongo-Kinshasa, um die Konditionen zu erfragen und das Formular zum Ausfüllen abzuholen. Danach ging es zurück zur Mission.
Wir hatten Hunger, da wir noch nicht gefrühstückt hatten und holten uns frisches Brot von der Bäckerei bzw. kühlen Orangensaft. Wir machten uns endlich mal wieder ein ausgiebiges Frühstück - Rühreier mit Tomaten und Zwiebeln.
Charly hatte noch etwas am Auto zu richten und legte sich unter das Fahrzeug. Der kleine Hund von nebenan, hatte mich schon eine ganze Zeit in Atem gehalten, als Charly wissen wollte, wie spät es war. Ich ging in die Wohnkabine um nachzusehen, unterdessen wusste der Welpe nichts besseres als Charly vor lauter Übermut zuerst in den Hinterkopf und dann ins Ohr zu beissen. Charly war stink sauer und mochte nun den kleinen Hund nicht mehr. Blöder Köter! Tatsächlich hatte er am rechten Ohr eine Schramme und blutete.
Binnen kurzem war es schon wieder 14 Uhr und somit Zeit um auf die Botschaft zu fahren. Wir beeilten uns, damit wir rechtzeitig fertig wurden und machten uns auf den Weg. In der Botschaft ging alles gemächlich seinen Gang und sehr zu unserer Enttäuschung waren unsere Pässe nicht fertig. Der Herr Konsul hatte eine Einladung erhalten und war nicht mehr in seinem Büro erschienen. Toll! Wir sollten am nächsten Tag nochmals um 8:30 Uhr vorbeikommen, dann seien die Pässe fertig. Wer’s glaubt... Unverrichteter Dinge fuhren wir wieder zur Mission und erledigten die Dinge die noch zu tun waren.
Wie jede Nacht hörten wir wieder einen Mann lauthals fluchen und böse Sachen sagen. Das ging sogar soweit, dass wir um 2 Uhr morgens aufgestanden sind und beunruhigt aus dem oberen Fenster sahen. Wir sahen wie der Nachbar dem Mann eine Decke gab, worauf dieser bald stiller wurde.
Da wir ja schon wussten, dass man in Afrika Terminangaben nicht so wörtlich nehmen darf, erschienen wir erst gegen 9 Uhr auf der Botschaft. Leider waren unsere Pässe immer noch nicht unterzeichnet worden, da der Herr Konsul noch nicht erschienen war. Als er dann später kam, war er gleich mit einem anderen Herren verabredet und wir mussten wieder warten.
Unterdessen konnten wir im Fernsehen im Eurosport-Kanal zuerst das Springreiten und später das Segelbootrennen verfolgen. Eine geschlagene Stunde mussten wir warten, bis wir endlich unsere Pässe in Empfang nehmen konnten. Für diese Unpünktlichkeit muss man dann auch noch so viel bezahlen!
Wir fuhren anschliessend gleich zur Botschaft von Kongo-Kinshasa. Die Dame dort machte einen sehr guten und modernen Eindruck auf uns. Wir konnten unsere Pässe, die Fotos und die 45'000 CFA pro Person bei ihr abgeben. Unsere Pässe könnten wir am Freitag um 11 Uhr wieder abholen, sagte sie.
Unser nächstes Ziel war wieder die Toyota Garage, da wir noch ein paar Fragen zur Rechnung hatten. Auf unserem Weg dorthin wurden wir wieder am gleichen Platz von einem Polizisten aus dem Verkehr geholt, wie wir schon mal angehalten wurden wegen der privaten Präsidenten-Strasse. Diesmal wurde uns vorgeworfen, dass wir ein Rotlicht übersehen hätten. Wir erklärten dem jungen Polizisten, dass wir mit dem Verkehr gefahren sind und kein Rotlicht übersehen hätten. Der junge Polizist mochte sich in Englisch nicht so gut ausdrücken und wir konnten unbehelligt weiterfahren. Der wollte bestimmt einfach nur abkassieren und in so einem Fall ist es immer praktisch kein Wort Französisch zu können. Das ist dann zu anstrengend für die Typen und sie lassen einem dann eher in Ruhe.
In der Toyota-Garage erklärte man uns die Bedeutung der unklaren Posten. Das meiste war in Ordnung, doch bei den verrechneten 9 Liter Öl war Charly nicht einverstanden. Man hatte nämlich das Öl vom Verteilergetriebe nicht gewechselt und da das gesamte Fassungsvermögen max. 9.2 Liter für alles beträgt, muss man nun den fehlenden Ölwechsel nachholen. Es gab eine lange Diskussion mit Moses, welcher auch der Stellvertreter des Geschäftsleiters war. Er holte den Mechaniker, welcher meinte, nun dann wechseln wir das Öl halt. Moses war nicht zufrieden und holte einen anderen Mitarbeiter, der ihn dann unterstützen sollte. Schliesslich einigten wir uns darauf, das wir einen Liter Öl zahlen und den anderen die Garage übernehmen würde. Mit der Begründung, dass man bei Toyota in Kamerun keine halben Liter Öl verkaufe und es schliesslich dadurch zu den 9 Litern gekommen sei. Anschliessend wurde der Ölwechsel gemacht, was eine kurze Sache war und siehe da, Moses schenkte uns den Liter dann doch.
Danach fuhren wir wieder zurück zur Mission. Wir hatten am Morgen entdeckt, dass die Matratze anfing grau zu werden und auch der Zeltstoff von unserem Hubdach. Die ständig hohe Luftfeuchtigkeit forderte ihren Tribut. Nun hiess es Matratzenbezug waschen und Hubdach schrubben. Schweisstreibende Tätigkeiten.
Der Sohn von der Ziege kam sogleich und teilte uns mit, dass wir das Wasser von dem Hahn ausserhalb des Gebäudes nicht benutzen dürften, da das Wasser nicht zur Mission gehörte.
Kaum war der Matratzenbezug auf der Leine, hatte der liebe Nachbar nichts besseres zu tun, als seinen Kehricht genau jetzt zu verbrennen. Das stank fürchterlich und wir zogen es vor, uns einen neuen Standplatz weiter hinten zu suchen. Kaum standen wir auf dem Platz, kam auch schon wieder der Jüngling vor uns und erzählte uns, dass dieser Teil des Grundstückes seinem Onkel gehöre und nicht mehr zur Mission. Wir erklärten, dass der Gestank weiter vorne nicht zum Aushalten sei, worauf er es gut sein liess. Wenig später kam dann sein Onkel und teilte uns nochmals mit, dass wir uns auf seinem Grundstück befinden. Wir erklärten auch ihm die Situation und baten, diese Nacht doch hier stehen bleiben zu dürfen. Er willigte ein und wir beschlossen, diese Mission so rasch als möglich zu verlassen.
Der kleine Hund hatte auch schon wieder auf uns gelauert und kaum waren wir ausgestiegen, hing er auch schon wieder an unseren Hosenbeinen. Hier saubere Hosen zu behalten, war ein Ding der Unmöglichkeit.
Der Abend war hereingebrochen und wie jede Nacht begann auch heute wieder der Lärm. Ein Mann schimpfte lauthals über die Weissen, über Gott und die Welt. Er benutzte dabei wenig nette Worte. Diesmal hatten wir aber Glück, denn er hörte um Mitternacht auf und wir konnten endlich mal durchschlafen. Wir hatten schon gestern bemerkt, dass der Mann offensichtlich geisteskrank war.
Wir hatten diesmal eine ganz friedliche Nacht gehabt und konnten ausgeruht unsere Sachen packen. Nach einer kalten Dusche fragte ich den Sohn der Verwalterin, was denn da los sei, dass jede Nacht ein Mann so lautstark fluchen würde. Er lächelte und meinte, dass sei ein Pastor. Dieser war ein sehr intelligenter Mann gewesen, der auch mehrere Sprachen sprach, was erklärte, wieso dieser Mann in Englisch, Französisch sowie in der einheimischen Sprache fluchte. Eines Tages sei er übergeschnappt und keiner weiss wieso. Er wird aber von den Ansässigen betreut, wie wir beobachten konnten. Bei uns wäre er einfach irgendwo in der Klapsmühle verschwunden.
Bis wir alles beieinander hatten war es schon wieder Zeit für uns auf den Weg zur Botschaft zu machen. Tatsächlich zückte die Dame so gleich unsere Pässe, als sie uns sah.
Glücklich, dass wir nicht noch mehr Zeit verloren, fuhren wir zur nächsten Tankstelle und anschliessend verliessen wir Yaounde. Der Verkehr war wieder das blanke Chaos und so schnell wie gedacht, liess uns Yaounde nicht los. Ein Gedränge und Gehupe, bis wir endlich nach Ebolowa abzweigen konnten.
Die Strasse führte durch leicht hügelige Landschaft. Unterwegs gab es wieder blödsinnig viele Kontrollposten, Polizei, Militär und Verkehrssicherheit meist kurz hintereinander aufgestellt. Diese waren lästig aber uns gegenüber korrekt. Die rot-weiss-gestreiften Aufkleber wurden von uns nirgends verlangt. Ich hatte noch in Yaounde bei der Tankstelle nachgefragt, wonach jeder diese Aufkleber oder Platten am Auto haben muss. Doch da wir Touristen sind, ist das nicht so schlimm und wenn einer blöd tut, so soll ich diesem dezent 1'000 CFA rüberschieben. Ich bezweifelte, dass der Polizist sich bei einem Touristen mit diesem Betrag zufrieden gegeben hätte.
Gegen 15 Uhr haben wir dann Ebolowa erreicht. Charly wollte eigentlich weiterfahren, da gemäss GPS die Entfernung zur Grenze nicht mehr gross sei und damit wären wir schnell in Gabun gewesen. Doch ich fand es besser, nun geruhsam einen Ort zu suchen, wo wir bleiben könnten. Ich hatte keine Lust so kurz vor der Grenze wild zu campieren, da hatten wir schon mal schlechte Erfahrungen gesammelt.
Wir suchten und fanden das Hotel Le Ranch. Eine ziemlich heruntergekommene Herberge, wie wir bald feststellten. Wir hatten aber beide keine Lust noch gross rumzusuchen und blieben. Für 4'000 CFA erhielten wir einen Schlüssel für ein Zimmer, wo wir die Toiletten und die Dusche benutzen konnten. Den Preis musste ich aber zuerst von unverschämten 8'000 CFA runterhandeln.
Das Hotel hatte keinen Strom und somit auch kein kühles Bier. Natürlich wurde die einzige Frau im Hotel zum Bier holen geschickt.
Am Abend stellten wir dann fest, dass das gesamte Hotel kein Licht hatte und Charly meinte, die haben sicher die Rechnung nicht bezahlt.
Wir kochten unsere Nudeln mit Tomatensauce und gingen relativ früh schlafen.
Eigentlich wollten wir um 7 Uhr aufstehen, doch waren wir zu faul dazu. Die Nacht über hatte es geregnet und die Hügel hüllten sich in einen weissen Schleier. Das hat uns nicht motiviert so früh aufzustehen.
Nachdem wir unsere Haferflocken aufgegessen und die kalte Dusche hinter uns gebracht hatten, fuhren wir weiter in Richtung Gabun. Die Vegetation wurde immer dichter und wieder nieselte es. Okay, schliesslich sind wir ja auch im Regenwald, aber so wörtlich wollten wir diesen gar nicht kennenlernen.
Eine kurvenreiche Strecke, die aber gut ausgebaut und geteert ist. Wir wären gut vorangekommen, wenn wir nicht andauernd von Mister Superwichtig angehalten worden wären. Kurz nach Ebolowa mussten wir innerhalb von nur einem Kilometer 4 Kontrollen über uns ergehen lassen. Einer wichtiger als der andere und alle fragten das Gleiche und wollten immer die gleichen Papiere sehen. Was für ein Blödsinn!
Kurz vor Ambam trafen wir dann aber den blödsten Typen. Der wollte unsere Impfausweise sehen und meinte stinkwichtig, die wären nicht in Ordnung. Meine Gelbfieberimpfung von 1986 sei bereits abgelaufen, dabei war die neue Impfung von 2004 genau darunter. Danach behauptete er, wir hätten nicht alle Impfungen gemacht, es müssen 7 Impfungen eingetragen sein. Welche Impfungen er denn meine, konnte er aber nicht beantworten. Charly ging mit ihm das Impfbuch durch und kam auf je über 20 Impfungen. Er fragte den blöden Typen, ob ihm das nun reichen würde. Also so doof wie der, war bis jetzt noch keiner gewesen. Der hatte einfach krampfhaft nach etwas gesucht, damit er uns abzocken kann. Pech gehabt!
Kaum einen Kilometer weiter wurden wir schon wieder angehalten und wieder mussten wir unsere Ausweise zeigen. So oft wie in Kamerun, mussten wir noch nirgends unsere Papiere zeigen. Impfungen wurden erst heute auf unserem Weg nach Gabun verlangt. Bei der Einreise hat das kein Schwein interessiert.
Der nächste Kontrollposten war nicht weit und diesmal war der Typ schon morgens um 10:30 Uhr besoffen. Er roch ganz stark nach Alkohol, war aber korrekt und freundlich.
Wir waren froh endlich den Spiessroutenlauf in Kamerun beenden zu können. Die Grenze war erreicht und bei der Immigration wurde uns der Ausreisestempel im Pass verewigt. Der Beamte meinte zum Schluss noch, dass wir quasi seine Schwester respektive Bruder seien, da seine Schwester in der Schweiz verheiratet ist. Danach zählte er die Sprachen der Schweiz auf und war ganz glücklich über so viel Wissen.
Der Zoll war schräg gegenüber und die Formalitäten waren dort schnell und korrekt erledigt worden.
Nun lag der Fluss Ntem vor uns. Die neue Brücke ist schon ein Weilchen fertig, doch wer über den Fluss will, muss die Fähre nehmen. Diese ist kostenlos und die Abfertigung geht rasch von Statten. Bye Bye Cameroon.
| Gabun |
Der Fluss war nicht breit und so waren wir schnell auf der anderen Seite in Gabun angelangt.
Es gab viele Essensstände auf beiden Flussufern, wo man Fleischspiesse, gekochte Eier, gebratene Bananen oder vieles mehr hätte essen können.
Gleich nachdem wir die Böschung oben waren, führte die Strasse zum Polizeiposten. Wir zeigten unsere Papiere, während die Einheimischen durchfuhren. Man erklärte uns aber, dass wir den Einreisestempel erst in Bitam erhalten würden.
Wir folgten der Strasse bis zum Zoll, wo unser Carnet rasch und problemlos gestempelt wurde.
Die gute Teerstrasse schlängelte sich bergauf und bergab durch dichten überwucherten Wald. Wir hatten wenig Verkehr, doch kam uns das eine oder andere Fahrzeug dennoch gerne in einer Kurve mal auf unserer Seite entgegen.
Wir hatten gehofft, dass wir in Gabun nun von dem Kontrollblödsinn verschont werden, doch leider wurden wir auch hier oft angehalten und mussten unsere Papiere zeigen. Die Beamten waren oft grimmig, damit sie wichtiger erscheinen. Bei einer Kontrolle mussten wir aussteigen, weil der Beamte zu dick und faul war, um an der Strasse zu kontrollieren. Dafür hatte er einen älteren Mann angestellt, der uns freundlich den Weg zum Häuschen wies.
In Oyem hielten wir kurz an um Brot und Gemüse zu kaufen. Ansonsten hatte der Ort keine Bedeutung.
Wir fuhren weiter auf der guten Teerstrasse, welche mit grossen, grünen Strassenschilder und sogar Parkschilder ausgestattet war. Charly meinte, die Strasse wurde sicher von Deutschen oder Österreichern erbaut worden. Sie war zu perfekt mit ihren Seitenstreifen, Distanzangaben bis zum nächsten Parkplatz und den grossen Wegweisern. Der Rand der Teerstrasse war nicht ausgebrochen, wie es sonst häufig in Afrika anzutreffen ist.
Wir fuhren bis Mitzic, wo wir in der Katholischen Mission übernachten wollten. Leider war der Pater gerade nicht da und man sagte uns, dass wir zwei Stunden warten müssten. Jedoch kam ein junger, sympathischer Mann vorbei und fragte uns, ob er uns helfen könnte. Er fuhr einen Toyota der ursprünglich aus Österreich stammte. Am Toyota klebten noch die Vignetten von Österreich, wir mussten lachen. Er fuhr uns zum Ort, wo der Pfarrer gerade einen Gottesdienst abhielt. So konnten wir ihn leider nicht fragen, ob wir bleiben dürften oder nicht. Der nette, junge Mann fuhr uns wieder zurück zur Mission und wir beschlossen in der Zwischenzeit schon mal unsere Kartoffeln aufzusetzen.
Wenig später kam ein junger Geistlicher, der uns erzählte, dass der Pater nun bald käme und wir uns dann gegenseitig kennenlernen könnten. Er entschuldigte sich, dass er nicht länger bleiben könne und fuhr wieder ab.
Gerade als unsere Kartoffeln fertig waren, kam der Pfarrer zurück. Ich wartete eine Weile, da ich ihn nicht gleich überfallen wollte und fragte ihn dann, ob wir auf dem Missionsgelände übernachten könnten. „Selbstverständlich“, war die Antwort, „wie alle anderen auch“.
Er lud uns noch zum Gottesdienst am Sonntag ein. Charly erklärte gleich, dass wir am kommenden Tag um 7 Uhr schon weiter nach Libreville fahren wollten. Der Geistliche meinte daraufhin nur, dass es für uns vielleicht interessant wäre. Er war schon in Paris und Rom gewesen und kennt daher sicher die Situation der Kirche in Europa.
Später kamen zwei junge Mädchen sich verabschieden, nachdem sie schon eine Weile um unser Auto geschlichen waren. Elsa und Melissa waren ihre Namen. Sie waren zurückhaltend und freundlich, wie alle in der Mission.
Am Abend wurde dann noch ein Gottesdienst abgehalten, wobei wieder viel gesungen und geklatscht wurde.
Wir waren schon kurz nach 6 Uhr wach und haben gleich unsere Sachen gepackt. Wir verabschiedeten uns vom Pastor und kauften noch rasch im Dorf ein frisches Baguette für unterwegs.
Am Ausgang von Mitzic gab es noch eine Kontrollstation, wo wir auszusteigen und zum Häuschen zu laufen hatten. Der Beamte war aber nicht ausserordentlich arbeitswillig und machte ein Zeichen, dass wir weiterfahren könnten. Auch recht!
Die Strasse war immer noch sensationell gut ausgebaut und schon bald führte uns diese durch herrlichen tropischen Regenwald. Das Wetter war aber leider nicht so toll, denn es ist Trockenzeit und deshalb klart der Himmel nicht auf. Es bleibt ständig stark bewölkt und teilweise wurden wir von feinem Sprühregen begleitet. Wäre nicht die hohe Luftfeuchtigkeit und die angenehme Temperatur, hätte man fast meinen können, dass es Herbst ist wie in Europa.
Die Strasse führte durch ein hügeliges Gebiet, in dem es ständig kurvenreich bergauf und bergab ging. Immer wieder erhielten wir einen kurzen, wunderschönen Ausblick auf den unendlich wirkenden Tropenwald.
In Lalara war es dann aber für ca. 10 Kilometer aus mit der Herrlichkeit. Die gute Strasse endete abrupt und eine holprige, löchrige Schmierseifen-Piste begann. Eine Baustelle reduzierte die Fahrbahn auf eine Spur und genau dort hatte mal wieder einer einen platten Reifen. Logisch! Es gab nicht viel Verkehr, aber es war eng. Es reichte uns gerade noch, um uns vorbei zu quetschen.
Wenig später hatten wir dafür einen schönen Ausblick auf den Fluss Okano. Bald schon war die Strasse wieder geteert, nun aber ohne Markierungen.
Unterwegs hielten wir an einem Pumpbrunnen an, wo wir fragten, ob wir hier unsere Wasserreserven auffüllen dürften. Selbstverständlich hiess es wieder und so machten wir uns ans Werk. Es kam ein junger Mann in leicht angetrunkenem Zustand zu uns und fragte nett nach Medikamenten. Ich erklärte ihm, dass wir nicht vom Roten Kreuz sind, sondern aus der Schweiz. Er hatte nämlich unser Schweizerabzeichen auf der Seite gesehen. Er blieb noch und ein anderer gesellte sich hinzu. Sie waren aber ganz und gar nicht aufdringlich und so fuhren wir mit unserer Pumpaktion fort. In Mali wären wir schnell von mindestens 20 Kinder umringt gewesen, aber hier kam es keinem in den Sinn uns zu zuschauen. In Gabon sind die Leute sehr freundlich und hilfsbereit, lassen einem aber in Ruhe, wenn man sie nicht anspricht.
Nicht weit entfernt trafen wir dann endlich auf den Äquator. Genau bei N 00° 00.000' hielten wir an und gratulierten uns, dass wir es geschafft hatten. Dann rollten wir einen halben Meter weiter auf S 00° 00.000' und stiessen kurz mit einer Cola an. Leider gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass man sich hier am Äquator befindet und auch ein Rastplatz war nicht vorhanden. So konnten wir nicht lange an dem Ort verweilen, da wir uns kurz vor einer Rechtskurve befanden. Die Einheimischen werden sich sicher wundern, warum alle Ausländer hier anhalten. Es kam schon wieder das nächste Auto und so machten wir uns weiter auf den Weg.
Die tolle Teerstrasse endete aber bald danach und eine alte, löchrige, enge Teerstrasse führte uns weiter nach Süden. Die Bambusstauden hatten die Strasse schon überwuchert und man fuhr durch ein paar schöne Bambustunnel.
Es gab wenig LKW Verkehr. Die Holztransporter waren alle parkiert worden, da nun eine Feierwoche vor ihnen lag. Richtig gelesen - Feierwoche, denn am 15. war ein katholischer Feiertag und am 17. August ist der National-Feiertag von Gabon. Zwei Tage werden dann auf die ganze Woche ausgedehnt. So hatten wir Glück nicht so viele rasende LKWs anzutreffen, deren liebstes Hobby es ist, die unübersichtlichen Kurven zu schneiden. Es kamen uns dafür ein paar Pick-ups und PKWs auf unserer Seite entgegen, doch hatten die etwas mehr Respekt vor uns und machten immer gleich Platz.
Von Alèmbé bis nach Ndjolé war die Strasse dann ganz schlecht. Insbesondere kurz vor Ndjolé. Riesen grosse Löcher erschwerten die steile Fahrt zur Stadt, welche in typisch afrikanischem Stil wuselte.
In Ndjolé gelangten wir wieder auf eine passable Teerstrasse, welche zwar immer wieder Schlaglöcher aufwies, aber ein anständiges Fortkommen ermöglichte.
Bei Bifoun war dann die grosse Kreuzung oder besser gesagt das Strassenschild war riesengross, jedoch der Strassenzustand hat sich nicht geändert. Weiter ging’s rechts ab nach Libreville und wieder überquerten wir den Äquator. Die Strecke führte ein kurzes Stück den Äquator entlang und so haben wir an diesem Tag den Äquator mehrmals überquert.
In Libreville angekommen, erwartete uns das übliche Verkehrschaos. Wir schlängelten uns zwischen den Minibussen und Taxifahrern durch, bis wir ans Meer kamen. Dort fanden wir dann auch gleich die Mission St. Marie, wo wir hofften einen Standplatz zu erhalten. Leider wurden wir enttäuscht, denn ein Pater erklärte uns, dass er uns hier nicht stehen lassen könne. Das Sicherheitsrisiko sei angeblich zu hoch. Was tun? Wir wollten nicht noch lange durch die Stadt irren und die Maison Libermann suchen, wo man angeblich auch campieren könnte.
Wir entschlossen uns deshalb gleich zum Cap Esterias zu fahren. Die Strasse ausserhalb von Libreville war wieder miserabel und wir kamen nur sehr langsam vorwärts. Endlich am Cap angekommen fragten wir uns zur Auberge du Cap durch. Wir wollten schon wieder umkehren, als ein Farbiger mit blond gefärbten Haaren und seine weisse Frau uns zu winkten. Wir sollen doch bei ihnen rein fahren. Ne, ne dachten wir, wer weiss wo wir da landen. Wir fragten zwei Männer, die gerade am Strassenrand sassen nach der Auberge und siehe da, es war der Ort, wo uns der Farbige gewunken hatte. Wir kehrten und fuhren zu ihnen zurück auf den Hof. Der Name hatte geändert, denn nun heisst die Auberge du Cap La Maree. Vor zwei Jahren schon ist der Name geändert worden, doch in den Reiseführern ist immer noch der alte Name drin. Françoise und ihr Mann Jule, hiessen uns überaus freundlich willkommen. Jule holte gleich einen Zimmerschlüssel, wo wir duschen konnten.
Bald hatten wir die beiden Schimpansenkinder Jeff und Lolita entdeckt, die dort in ihren Käfigen hausten. Jeff war 6 Jahre alt und ein richtiger Lausbub. Er streckte immer die Hand aus dem Käfig, zum Händeschütteln. Ist man dann darauf hereingefallen, hat er fest zugepackt und gezogen wie ein Wilder. Rotzlöffel. Seine Schwester war da schon einiges scheuer mit ihren 1 ½ Jahren. Die Kleine mochte es aber von uns am Rücken gestreichelt zu werden. Später stülpte sie ihre Lippen vor, als wie wenn sie einen Kuss geben wollte. Wir haben ihre Oberlippe gekrault und plötzlich war es ihr wohl doch zu viel gewesen und Schwupps, hat sie mich in den Finger gebissen. Kleines Luder! Verletzt hatte sie mich nicht, aber gemerkt hatte ich es schon.
Zu Abend gegessen haben wir dann im Restaurant, von wo aus wir einen herrlichen Ausblick auf das Meer und einen schönen Sonnenuntergang hatten. Wir hatten uns die feine Vorspeise Muscheln mit Petersilie geteilt und anschliessend grillierten Fischspiess bzw. Scampis gegessen. War super gekocht, ganz lecker. Wir hatten für 3 Bier und das Essen 21'000 CFA zu zahlen, was ungefähr 50 CHF entspricht. Charly meinte eine teure Übernachtung, doch ich war zufrieden, denn so gut hatten wir schon lange nicht mehr gegessen.
Bevor wir zu Bett gingen, mussten wir natürlich erst noch einmal nach den Affen schauen. Beide schliefen schon fest. Sie waren uns Menschen dabei so ähnlich.
Wir hatten in der Nacht gar nicht gut geschlafen, da die ganze Nacht der Generator lief. Es war mühsam. Aus diesem Grund konnten wir hier nicht bleiben und beschlossen zurück nach Libreville zu fahren und die Mission Libermann respektive das gegenüberliegende Petit Seminaire St. Jean zu suchen. Wir machten gerade unseren Snoopy wieder start klar, als Françoise kam und mitteilte, dass eine dicke Frau in bunten Kleidern uns gerne sprechen würde.
Wir gingen zu der Frau am Strand und unterhielten uns eine ganze Weile mit ihr. Sie war Französin, welche aber quasi in Afrika aufgewachsen war. Sie war zusammen mit ihrem Mann hier. Sie fragte uns über unsere Reise aus und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile bei einer von ihnen spendierten Cola. Sie gaben uns noch so ein paar Reisetipps und zeigten uns die Orte auf der Karte. Sie war recht gesprächig und ganz lieb. Leider war mein Französisch etwas holprig, das störte sie aber überhaupt nicht. Auf unsere Bemerkung, dass es schwierig sei einen Standplatz in Libreville zu finden, meinte sie ganz spontan, dann könnten wir ja auch bei ihnen auf dem Platz übernachten. Gerne hatten wir zugesagt. Später kamen noch andere Franzosen und es ergab sich eine rege Unterhaltung. Mir brummte bald der Schädel bei der Geschwindigkeit mit der sie sich unterhielten.
Wir zogen uns zurück und spielten noch etwas mit den Affenkindern. Ihre Grimassen und Turnübungen waren einfach zu drollig. Es fiel uns schwer sie wieder zu verlassen. Als die Franzosen fertig gegessen und auch ihr feines Dessert verschlungen hatten, brachen sie auf und wir konnten ihnen hinterher fahren. Die Strasse erschien uns heute besser als gestern. Wahrscheinlich weil wir gestern so müde gewesen waren.
Wir fuhren nach Libreville, wo sie in einem Mehrfamilienhaus wohnten. Ähnlich wie bei uns, nur dass hier der Portier auch gleich noch den Wagen wäscht. Wir konnten unser Auto hinter dem Gebäude platzieren und sie schickten den Portier uns zu zeigen, wo das Internet Cafe war.
Wir folgten dem Mann und fanden ein passables Internet Cafe. Die Übertragungsrate war aber leider nicht so schnell, wie wir es für unsere Fotos gebraucht hätten, um sie auf unsere Webseite zu speichern. So luden wir nur unsere Mails runter und aktualisierten die Frontseite.
Wir kauften Brot und assen Salami dazu. Wir verbrachten den Abend in unserer Einzimmerwohnung Snoopy.
In der Nacht hörten wir Lärm. Jugendliche waren in der Nähe des Geländes und der Wachmann musste mit der Polizei drohen, bis sie abzogen. Danach war Ruhe.
Wir hatten wieder einmal nicht so gut geschlafen und waren schon früh wach. Wir packten gleich unsere Sachen und schrieben eine kleine Nachricht an unsere Gastgeber, worin wir uns nochmals bei Ihnen bedankten.
Danach machten wir uns auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Wir fragten unterwegs einen Mann nach der Maison Libermann, welcher uns gleich hilfsbereit anbot ihm hinterher zu fahren. Zuerst fuhren wir aber in die falsche Richtung, da uns eine andere Einheimischer dorthin geschickt hatte. Erst als ich ihm sagte, dass das Haus gegenüber vom Petit Seminaire St. Jean lag, war dem Mann klar, wo wir hinzufahren hatten. Liebenswürdigerweise fuhr er wieder voraus. So haben wir recht schnell die Mission gefunden. Wir fragten einen betagten schwarzen Pfarrer, doch leider gestattete er es uns nicht auf dem Grund von der Maison Libermann zu campieren. Aus einem Reisebericht im Internet hatten wir erfahren, dass diese im Petit Seminaire St. Jean campieren konnten. Dieses lag auf der anderen Strassenseite, also lief ich über die Strasse und fragte dort nach. Ich fragte den Verantwortlichen Pastor Patrick und erhielt leider wieder eine Absage. Er könne aus internen Gründen keine Camper mehr zu lassen. Es waren ein paar Deutsche, Italiener und Engländer hier gewesen, die recht gefeiert und auch ihre Wäsche überall aufgehängt hatten. Dies sei aber in der Mission nicht erwünscht. Ich versicherte, dass wir ruhig seien und keine Wäsche waschen würden. Doch es nützte alles nichts. Er blieb hart und erklärte, dass wir in der Maison Libermann ja ein Zimmer mieten könnten. Merci - ihr lieben Touris, habt ihr auch eine schöne Zeit gehabt, so können nun die nachfolgenden Reisenden die Suppe auslöffeln und haben nun keinen Stellplatz mehr in Libreville.
Wir fuhren anschliessend zum grossen Supermarkt Mbolo. Dort konnte ich mal wieder ein paar Postkarten ergattern. In den Supermarkt selber gingen wir aber nicht rein, da wir zuerst noch die Botschaft von Angola suchen wollten. Die Suche gestaltete sich recht aufwendig. Schickte man uns doch von einer Ecke in die andere. Schliesslich trafen wir an einer Tankstelle einen Angolaner, der uns genau den Weg erklärte. Gar nicht so kompliziert, wenn man weiss, wo sie ist.
Die Botschaft war natürlich geschlossen, wegen der Feierwoche. Gestern war ein katholischer Feiertag und morgen ist der Nationale Feiertag von Gabun, also ist die ganze Woche geschlossen. Wir hatten uns da schon gar keine grossen Hoffnungen gemacht. Da erschien der Wachmann von der Botschaft und sagte, er werde versuchen, dass am Donnerstag um 9 Uhr jemand da sei und wir eventuell unser Visum doch noch diese Woche erhalten könnten. Super wir freuten uns und bedanken uns bei dem Mann.
Danach fuhren wir zurück zur Maison Libermann und mieteten ein Zimmer für 7'000 CFA. Zuerst hiess es, es sei alles belegt und wir sollen am Nachmittag wiederkommen. Doch dann hiess es warten bis 12 Uhr und danach könnten wir ein Zimmer bekommen. Das Zimmer war gross und hatte zwei Tische und drei Betten drin, aber nur einen Stuhl. Den fehlenden Stuhl erhielten wir aber rasch von dem jungen Mann. Der Pater Jean-Luis, der wie sich später herausstellte für die Herberge verantwortlich ist, ist auch aus der Schweiz. Es stellte sich heraus, dass er auch aus dem Wallis kam, aber aus dem französischen Teil. Er freute sich einen Walliser in seiner Herberge begrüssen zu können. Wir bezogen unser Zimmer und machten uns an die Arbeit. Tagebuch aktualisieren, Mail schreiben etc.
Später machten wir uns auf den Weg einen ATM-Schalter zu finden, um Geld mit der Visakarte abzuheben. Wir fuhren in die Innenstadt und fanden auch eine grosse BICIG-Bank mit 7-8 Geldautomaten. Leider hatte man dort ein Netzwerkproblem, so dass wir ohne Geld weiterfahren mussten. Charly hatte mehrere Automaten ausprobiert und war froh, dass er seine Kreditkarte beim letzten Automaten wieder rausfummeln konnte. Glück gehabt! In Libreville gibt es aber genügend ATM-Schalter und so machten wir uns auf die Suche nach dem nächsten. Bei der nächsten Bank wurde keine Visakarte akzeptiert und man schickte uns zum Flughafen, dort könne man immer Geld abheben, hiess es. Wir fuhren also zum Flughafen und fanden unterwegs nochmals eine BICIG-Bank. Dort war aber leider das gleiche Problem wie in der Innenstadt Netzwerkprobleme. Im Flughafen gab es wiederum einen ATM-Geldautomaten von der BICIG-Bank, wo wir dann endlich Glück hatten und genügend Geld abheben konnten.
Glücklich und hungrig machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Im Le Dakota in der Nähe des Flughafens assen wir dann ganz gut zu Abend.
Anschliessend machten wir uns auf den Weg zurück zur Maison Libermann. Unterwegs gab es nur sehr wenig Verkehr, da alle Geschäfte wegen dem Nationalfeiertag am 17.08. schon am frühen Nachmittag geschlossen hatten.
Das Zimmer war spartanisch aber sauer, doch am späten Abend haben uns dann die Moskitos im Zimmer entdeckt und so sind wir dann schnell zu Snoopy umgezogen. Da weiss man was man hat, Zuhause ist es eben doch am Schönsten.
Die Nacht war vom Lärm des Verkehrs erfüllt, von Nachtruhe hat hier noch niemand etwas gehört.
Gemütlich aufgestanden und gefrühstückt. Da heute National Feiertag von Gabun war, hatten wir heute genügend Zeit gefunden uns um unsere Webseite zu kümmern. So war die Zeit wenigstens gut genutzt.
Am National Feiertag von Gabun steht alles still, nur einige wenige kleinen Läden hatten geöffnet.
Am Nachmittag machte ich uns einen Thunfischsalat wozu wir unser altes Brot assen.
Der ständige Strassenverkehr liess uns auch diese Nacht nicht richtig schlafen.
Pünktlich um 9 Uhr standen wir geschniegelt und gestriegelt vor der angolanischen Botschaft, denn am Dienstag hatte uns der Portier gesagt, dass eventuell am Donnertag die Botschaft geöffnet sei. Wir hatten uns extra fein gemacht, da wir von anderen Reiseberichten gehört hatten, dass die Angolaner darauf sehr viel Wert legen. Reisende die dies nicht befolgten, hatten mit langen Wartezeiten zu rechnen. Wir wurden vom Portier auf 10 Uhr vertröstet, da noch niemand in der Botschaft war.
Also fuhren wir zurück zum Mbolo und suchten ein Internet Cafe. Leider wurde uns nicht erlaubt im TWT Internet Cafe den eigenen Notebook zu benutzen, aus was für Gründen auch immer. Charly hatte noch ein anderes Internet Cafe gesehen, welches in der Nähe der angolanischen Botschaft lag, also fuhren wir hin. Auch dort mussten wir den Angestellten erst überzeugen, dass wir den eigenen Notebook benutzen durften. Nach einigen Minuten Diskussion war es dann doch möglich. Charly installierte alles und wir konnten endlich unsere Bilder von den letzten Ländern aufschalten. Die Verbindung war aber recht langsam, trotz ADSL.
Zwischendurch lief ich zur Botschaft und fragte nach, ob nun geöffnet sei. Der Portier erklärte, dass er immer noch alleine sei und heute wohl die Botschaft doch nicht geöffnet werden würde. Er vertröstete uns auf morgen, da sei dann bestimmt offen. Wir waren skeptisch.
Zurück im Internet Cafe schaute ich nach, was es alles an Neuigkeiten gab von zu Hause und von den noch vor uns liegenden Ländern. Nach 2 Stunden hatten wir genug von der schlechten Verbindung und gingen.
Da unser Auto immer noch die Quietschgeräusche von sich gab, suchten wir nach der Toyota-Vertretung. Diese war in Oloumi gelegen. Auf unserer Suche fanden wir auch einen richtig guten Baumarkt, der eine gute Auswahl hatte. Wir stöberten etwas in dem Laden herum und es gab sogar eine Ecke, wo man Toyota Ersatzteile kaufen konnte. Das passende Lager für unsere Hinterachse hatten sie aber leider nicht.
Wir suchten weiter nach dem Toyota Hauptimporteur von Gabun und fanden diesen bald. Die Garage war sehr modern und sogar geöffnet. Ein junger Mann kümmerte sich um uns. Er lief mit Charly zum Auto und anschliessend gingen sie in die Garage, um mit einen Mechaniker zu reden. Dieser meinte man könne das Problem hier beheben und Charly soll in die Garage fahren. Dies nützte uns aber nichts, da das Geräusch erst auftritt, wenn das Auto warm gefahren ist. Charly fragte, wie lange die Garage noch geöffnet sei und man antwortete ihm bis um 16 Uhr. Charly hatte so seine Bedenken, ob die Zeit ausreichen würde, da es bereits 13:40 Uhr war. Doch man versicherte ihm, das sei kein Problem.
Wir fuhren also auf der doppelspurigen Umgehungsstrasse von Libreville unser Auto warm und kamen dabei an einen Polizeiposten vorbei, der uns wieder einmal kontrollierte. Der Beamte war nett und wollte unsere Pässe und die Fahrzeugpapiere sehen. Die Autoversicherung mussten wir auch vorzeigen. Gut hatten wir eine.
Kurz vor 14 Uhr waren wir wieder zurück bei der Toyota Garage und plötzlich hatten sie nur noch bis 14 Uhr geöffnet. Wir mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen und wir kamen uns ziemlich verarscht vor!
Wir waren hungrig und fuhren wieder zum Le Dakota Restaurant uns assen eine Pizza bzw. eine Galette mit Meeresfrüchten, eine Art Pfannkuchen mit dunklem Mehl.
Anschliessend fuhren wir zum Mbolo und wollten einkaufen. Wir hatten gerade unser Auto parkiert, da sahen wir einen anderen Toyota aus Belgien auf uns zu fahren. Es waren Reisende wie wir und schnell hatten wir uns auf dem Parkplatz in ein Gespräch vertieft. Isabelle und Filip waren auf dem Weg von Südafrika nach Marokko, fuhren also in die ungekehrte Richtung wie wir. Wir waren natürlich sehr an ihren Erzählungen interessiert und es war schön mal wieder andere Reisende zu treffen. Da es aber schon spät war und sie noch keine Übernachtungsmöglichkeit hatten, dauerte unser Gespräch leider nicht allzu lange.
Der Supermarkt Mbolo war ungeheuer gross und man konnte sich darin fast verlaufen. Die Regale waren mit allen möglichen Produkten aus Europa gefüllt. Die Vielfalt erschlug uns fast. In einen Kaufrausch konnte man aber bei den gesalzenen Preisen nicht verfallen. Die Produkte kosteten ungefähr 2 3 mal soviel wie bei uns. Da überlegt man sich schon, was man wirklich braucht.
Generell ist Gabun ein teures Pflaster. Auch die National Parks sind überrissen teuer. Eine Pirsch- oder Pirogenfahrt im Lopé-Okanda kostet mal kurz 105'000 CFA, dass sind satte 250 CHF pro Person für einen 3-4 Stunden Ausflug. Da sparen wir uns lieber die 500 CHF und warten bis Südafrika, denn dort werden wir noch genügend Tiere sehen.
Nach unserem Einkauf fuhren wir zurück zur Maison Libermann und tranken Cuba Libre (Cola mit Ruhm) auf unserem Zimmer.
In dieser Nacht benutzte ich die Ohrenstöpsel und konnte halbwegs gut schlafen im Gegensatz zu Charly, denn er konnte diese nicht leiden.
Wieder um Punkt 9 Uhr standen wir vor der Botschaft. Wieder hatten wir uns schick gemacht, obwohl Charly pessimistisch war. Doch wir hatten Glück und die Botschaft hatte geöffnet. Wir mussten dem Portier unsere Namen angeben und erhielten einen Eintrittszettel, welcher uns berechtigte die Botschaft zu betreten. Anschliessend begleitete uns der Portier zum Sekretariat.
Die Dame dort war elegant, afrikanisch gekleidet und in einem privaten Telefongespräch vertieft. Als sie uns sah, beendete sie aber rasch das Gespräch. Freundlich empfing sie uns und gab uns unsere Antragsformulare. Wir unterhielten uns nett mit der charmanten Dame, welche eine Zeit lang in Deutschland (Tübingen) studiert hatte. Sie hatte damals auch die Schweiz besucht gehabt und so hatten wir ein gutes Thema. Sie bemühte sich um ein paar deutsche Sätze und freute sich über unsere Begeisterung.
Sie fragte auch nach unserer Reiseroute und bemerkt, dass wir dann ja 2 Eintritte für Angola benötigen würden und schon wies sie uns an, wo wir auf dem Antragsformular diesen Hinweis zu vermerken hätten. Danach kontrollierte sie nochmals aufmerksam unsere Anträge. Wir bezahlten je 60'000 CFA (ca. 150 CHF) und man versprach uns, dass wir die Pässe um 13:30 Uhr wieder abholen könnten. Wir freuten uns über die rasche und freundliche Bearbeitung und verliessen die Botschaft.
Wir fuhren zum Mbolo und kauften ein Schinkensandwich. Charly schaute sich noch in den vielen kleinen Läden vor dem Supermarkt die DVDs an, doch alle waren in französischer Sprache und Raubkopien.
In der Maison Libermann verbrachten wir die restliche Zeit bis es endlich 13 Uhr war und wir uns wieder auf den Weg zur Botschaft machten. Leider hatten wir uns zu früh gefreut, denn in der Botschaft teilte man uns mit, dass die Botschafterin zu viel zu tun hätte und deshalb den Antrag heute nicht mehr bearbeiten könnte. Wir waren enttäuscht. Die nette Lady vom Sekretariat versprach uns aber, dass wir den Pass morgen am Samstag um 10 Uhr erhalten würden. Am Samstag? Wir hatten so unsere Zweifel, doch was konnten wir tun.
Wir suchten uns anschliessend ein neues Internet Cafe und fanden das Club Internet, wo wir wieder einmal ein paar Sachen aktualisieren wollten. Charly war begeistert über die Übertragungsgeschwindigkeit und machte sich sogleich an die Arbeit. Während er mit dem Computer beschäftigt war, sah ich mich um und sah, dass es Telefonkabinen gab. Ich freute mich auf IP-Telefonie, doch konnte mir der junge Bursche nicht sagen, ob sie dies hätten oder nicht. Der Preis war auch nicht zu erfahren, aber er verwies mich auf die Zähler die an der Wand installiert waren. Ich rief also meine Mutter in Deutschland an. Das Gespräch dauerte auch nicht allzu lange, als der Bursche hereinkam und auf einen der Zähler zeigte. Er zeigte satte 25'000 CFA an und nur schon die Abschiedsgrüsse kosteten weitere 5'000 CFA. Das kann nicht stimmen dachte ich. Doch wir wurden eines besseren belehrt. Das ca. 5-10 Minuten Gespräch kostete unglaublich 30'400 CFA!!!!! Das sind fast 75 Schweizer Franken!
Wir waren geschockt und glaubten, der Typ will uns voll abzocken. Wir weigerten uns den Betrag zu zahlen. Wir erklärten, wir würden maximal 10'000 bis 15'000 CFA zahlen. Der Geschäftsführer bestand aber auf die 30'400 CFA und drohte die Polizei zu holen und ausserdem hätten wir die Zeit während dem sein Laden geschlossen ist ebenfalls zu zahlen. Der spinnt doch! Wir stritten und diskutierten. Dann soll halt die Polizei kommen, dieser Betrag ist garantiert nicht korrekt. Die Polizei war dann aber nicht erreichbar und wir sollten hinfahren. Der Typ wollte von uns ein Pfand, welches wir ihm als Garantie im Geschäft lassen würden. Nö, so blöd waren wir nicht. Die Diskussion zog sich hin und er hielt an dem Betrag fest. So standen wir schon eine ganze Weile am Strassenrand und warteten auf die Polizei. Für uns stand fest, dass ist ein Gauner und der will uns über den Tisch ziehen. Leider hatte ich aber keine Uhr gehabt und konnte so nicht nachweisen, wie lange ich telefoniert hatte. Der Zähler konnte angeblich auch nur den Betrag ausweisen, die gesprochenen Minuten aber nicht. Es verging viel Zeit und es wurde uns zu blöd. Wir hatten auch ungeschickt am Strassenrand parkiert gehabt und fürchteten, dass wir zusätzlich eine Busse einfangen. Widerwillig bezahlten wir den Betrag und verliessen dieses Gangster Internet Cafe.
Zurück in der Maison Libermann fragten wir den schweizer Pater Jean-Luis, ob das Telefonieren in Gabun wirklich so teuer sei. Es sei sehr teuer, meinte er, aber nicht so teuer. Die Minute kostet über 5 CHF. Er lief noch mit uns über die Strasse, da dort eine Telefonboutique stand. Wir fragten dort nach was die Minute nach Deutschland kostet und kamen zum gleichen Ergebnis. Wir hatten keine Lust uns weiter zu Streiten und liessen das Ganze auf sich beruhen. Charly meinte noch ich sei eine teure Frau :-(
Am Abend sind wir deswegen trotzdem Pizza essen gegangen. Da hatten wir mehr Glück. Mit dem Taxi fuhren wir für 100 CFA p.P. zum Pier und gingen ins Dolce Vita. Wir erhielten einen schönen Platz und hatten eine schöne Aussicht auf das Meer und auf Libreville. Die Preise waren moderat und Charly genehmigte sich noch ein Tiramisu-Dessert. Dieses war zwar nicht so gut wie selbst gemacht, aber auch nicht schlecht.
Da sich ab 21 Uhr die Taxipreise verdoppeln in Libreville, zahlten wir auf dem Rückweg 200 CFA. Das sind 50 Rappen und damit lässt es sich in den klapprigen Taxis gut fahren.
Um 10 Uhr standen wir wieder vor der Botschaft, doch war wieder nur der Portier dort und die Pässe waren auch nicht wie versprochen bei ihm deponiert worden. Charly hatte schon vorher seine Zweifel gehabt und geunkt, dass das sicher nicht klappen würde. Wir hatten jedoch die Telefonnummer von der charmanten Lady im Sekretariat erhalten und nutzten nun diese. Wir riefen sie an und sie war bestürzt, dass es nicht geklappt hatte. Sie entschuldigte sich und sagte, dass wir dort warten sollen. Es käme später eine Frau, die uns die Pässe bringen würde.
Wir warteten 45 Minuten und es kamen verschiedene Botschaftsangestellte mit dem Auto. Entgegen Charlys Pessimismus, kam tatsächlich eine elegante Frau und übergab uns unsere Pässe mit dem Visum. Wir hatten ein 30-Tage-Visum mit 2 Eintritten erhalten. Wir freuten und bedankten uns. Das man uns am Samstag tatsächlich ein Visum gibt, hatten wir nicht wirklich erwartet. Wir waren erstaunt. Die nette Lady vom Sekretariat hatte da wahrscheinlich Druck gemacht, ansonsten hätte man uns sicher vor der Tür stehen lassen.
Danach fuhren wir wieder einmal zum Mbolo, wo wir uns zwei heisse Hühnerschenkel und heisse Schinken-Käse-Brote kauften. Anschliessend wollten wir aus dem ATM-Geldautomaten Geld mit der Visakarte abheben. Sehr zu unserem Schreck wurde zwar die Karte bearbeitet und das Display zeigte alles schön an, doch kam am Schluss weder Geld noch eine Quittung raus. Sch....eibenkleister! Was tun? Ich fragte einen Angestellten vom Mbolo, doch dieser konnte uns auch nicht helfen, ausser das er uns riet, doch am Montag nochmals vorbei zu kommen. Am Samstag sei niemand hier, der uns helfen könnte. Tja, da wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben.
Wir fuhren zurück zur Maison Libermann, wo wir unser Mittagessen rasch mit einem Bier verspeisten. Anschliessend waren wir so müde, dass wir uns etwas hinlegten. In der Nacht ist immer so viel Strassenverkehr, dass man nur wenig zum Schlafen kommt.
Die Zeit war rasch vergangen und waren schon spät dran, denn wir hatten mit den Belgiern abgemacht. Diese waren noch nicht da, als wir zum Auto liefen, doch dafür trafen wir Beatrice, die uns freudig begrüsste. Sie sagte, da bin ich noch gestern mit dem Zug von der Innerschweiz zum Flughafen gefahren und treffe nun hier wieder Schwyzer. Sie war allein unterwegs und wollte wissen, was nun mit den neuen National Parks geschieht und den Minister überzeugen, dass die Preise für die National Parks zu hoch angesetzt sind. Sie hatte schon Kontakt aufgenommen und es hatte sich tatsächlich ein Freund des Ministers schon bei ihr gemeldet. Sie hatte noch gar nicht geschlafen, da sie gleich nach der Ankunft zu zwei Hochzeiten eingeladen war. Eine aktive Frau.
Die Belgier waren in der Zwischenzeit auch da und so konnten wir uns intensiv um den Informationsaustausch kümmern. Es wurde aber immer dunkler und so beschlossen wir gemeinsam in ein Restaurant zu gehen. Das Restaurant gegenüber war leider geschlossen und so machten wir uns erneut auf den Weg zum Dolce Vita.
Wir assen wieder feine Pizzas und fuhren anschliessend mit dem Informationsaustausch fort. Filip und Isabelle erzählten uns von den Strassenzuständen und von ihren Erlebnissen, so wussten wir nun, was uns erwarten wird. Sie sind allerdings die Strecke vom Kongo über Ndindi nach Mayumba gefahren, wo die Beamten an der Grenze wieder einmal von der Marke „Korruptus Totalus“ waren. Sie berichteten weiter, dass es eine abenteuerliche Piste gewesen sei, wo sie Bäume aus dem Weg räumen und durch tiefe Löcher fahren mussten.
Später fuhren wir gemeinsam wieder mit dem Taxi zurück und verabschiedeten uns, da sie morgen früh weiterfahren wollten.
Morgens haben wir es gemütlich genommen und sind erst einmal ins Zimmer gegangen. Nachdem wir einige Seite im Tagebuch korrigiert hatten, plagte uns der Hunger und wir gingen zurück zum Auto, um dort unser Müsli Frühstück einzunehmen.
Anschliessend haben wir uns wieder um die Tagebücher gekümmert und die Webseite verbessert. Der Tag war bei der Arbeit schnell vergangen.
Am Abend hörten wir, wie ein paar Autos auf der Strasse in einander rein geknallt waren. Da war sicher nicht mehr viel heil geblieben. Kein Wunder bei der Fahrweise!
Nach einem einfachen kalten Abendessen gingen wir schlafen.
Wir hatten schon alle unsere Sachen gepackt und wollten gerade losfahren, als Beatrice erschien. Wir redeten eine Weile und sie erzählte, dass sie eventuell doch den Minister sprechen könnte wegen den National Parks. Kein Wunder sind die Besucher rar bei diesen Preisen. Die wenigen Touristen werden eingeflogen, da ist für Touristen mit einem kleinem Geldbeutel wie uns kein Platz vorgesehen. Beatrice bestätigte unsere Meinung und sagte, dass ihr dies die meisten Touristen erzählen. Falls sie es nicht schaffen würde, den Minister zu sprechen, hatte sie aber schon ihre Pläne das Land auf eigene Faust via Buschtaxi zu bereisen. Sie war voller Ideen und hoch motiviert.
Leider war ihre Nikon Kamera bei der Anreise kaputt gegangen, erzählte sie. Die Linse sei zersprungen, trotz Polsterung hatte das Objektiv irgendwie einen Schlag abbekommen. Charly wollte die Kamera sehen und Beatrice brachte diese sogleich. Sie hatte Glück im Unglück, denn zum Schutz des Objektivs hatte ihr Mann einen UV-Filter aufgeschraubt gehabt. Durch den Schlag wies dieser nun mehrere Sprünge auf. Beatrice war ganz erleichtert, dass nicht das ganze Objektiv defekt war. Charly versuchte den Filter zu entfernen, doch durch den Schlag hatte der Ring eine Eindellung, dadurch war aber so viel Spannung entstanden, dass man diesen nicht mehr abschrauben konnte. Er versuchte den Filter zu demontieren, doch soviel Kraft er auch aufwandte, er konnte den Schraubverschluss nicht lösen. Beatrice sagte noch, dass man ihr einen einheimischen Fotograf empfohlen hatte. Charly zweifelte aber an dessen Feinfühligkeit und wir versuchten nun mehrmals zu zweit den Filter vom Objektiv zu lösen. Ohne Erfolg. Charly holte schliesslich eine Zange und bog den Rand des UV-Filters solange, bis sich dieser abschrauben liess. Beatrice war überglücklich ihre Kamera unbeschadet zurück zu bekommen. Charly empfahl ihr zum Schutz nun den Pol-Filter zu installieren. Beatrice strahlte wie ein Maienkäfer und fragte mich augenzwinkernd, ob Charly noch zu haben sei. Na wenn das kein Kompliment ist ;-)
Wir hatten schon viel Zeit verloren und waren auch nicht besonders motiviert, weshalb wir uns entschieden nochmals einen Tag in Libreville zu verbringen. Es gab noch so vieles zu erledigen. Wir fuhren zuerst zum Mbolo Supermarkt, wo wir am Samstag Geld aus dem ATM-Geldautomaten holen wollten. Die Karte war zwar bearbeitet worden und es erfolgte eine Bestätigung, aber Geld und Quittung hatten wir nicht erhalten. Im Mbolo war aber wieder niemand zuständig und man schickte uns zum Hauptsitz der Union Gabonaise Bank im Stadtzentrum.
Wir fuhren also ins Zentrum, wo heute alle Läden wieder geöffnet hatten. Entsprechend war auch mehr Verkehr in der Stadt, als in der vergangenen „Feierwoche“.
Wir fanden schliesslich den Hauptsitz und meldeten unser Problem an der Rezeption. Nach einer kleinen Wartezeit, kam ein gutangezogener Herr zu uns, der uns versicherte, dass alles im Automaten protokolliert wird und in so einem Fall der Betrag sofort wieder gutgeschrieben würde, falls er tatsächlich belastet wurde. Wir waren skeptisch, aber leider hatten wir keine andere Wahl als zu glauben, was uns da versichert wurde und unserer Bank ein Mail zu schreiben.
Wir wollten anschliessend in der nächsten Bank am Automaten Geld abheben und hatten wieder Probleme. Der Automat hatte ein Kommunikationsproblem und PING, war der Bildschirm dunkel. Wir hatten Glück und konnten die Kreditkarte gerade noch aus dem Automaten fischen. Wir beschlossen nun den sicheren Weg zu gehen, nämlich zum Flughafen raus zu fahren und dort Geld zu holen. Dort hatten wir schon letzte Woche erfolgreich Geld abgehoben.
Bevor wir aber losfuhren, hatten wir im Score Supermarkt noch ein paar Besorgungen zu machen. Dieser war auch sehr gut sortiert und wir konnten feinen teuren Käse und leckere italienische Salami für unterwegs kaufen. Wir waren schon auf den Weg zum Flughafen, als wir Beatrice auf der Strasse sahen. Schnell hielten wir an und unterhielten uns. Sie wollte in der Stadt nach einem neuen UV-Filter schauen und sich noch über die Verbindungen nach Franceville erkundigen. Für die Züge hatte sie einen guten Fahrplan erhalten. Sie erzählte auch, dass die Dame bei der Gabon Air dermassen desinteressiert war, wie sie es noch nirgends erlebt hatte. Sie fragte uns, ob wir nicht auch am Abend in der Maison Libermann essen wollten. Natürlich wollten wir, denn sie hatte uns erzählt, dass sie am Vorabend für 2'500 CFA sehr gut und reichhaltig gegessen hatte. Wir machten ab, derjenige der zuerst zurück ist, meldet den anderen an. Uns erschien es etwas merkwürdig, dass uns niemand in der Maison Libermann darauf aufmerksam gemacht hatte, dass man dort essen konnte. Insbesondere irritierte es uns, dass das Frühstück im Preis des Zimmers eingeschlossen war, uns dies aber auch niemand mitgeteilt hatte. Mittagessen wurde für 3'500 CFA und Abendessen für 2'500 CFA angeboten. Komisch!
Im Flughafen wussten wir ja schon wo der Geldautomat stand und steuerte geradewegs darauf zu. Leider hatte Charly wieder Schwierigkeiten mit seiner Kreditkarte, weshalb wir meine holten. Mit dieser konnten wir dann ohne Probleme den gewünschten Betrag abheben. Auf dem Rückweg in die Stadt kamen wir wieder einmal in eine Kontrolle. Diese war aber korrekt und wir konnten problemlos weiterfahren.
An der Totaltankstelle tankten wir unsere Tanks voll, wobei sich die Dame die dafür zuständig war ziemlich dämlich anstellte. Charlys Reaktion war entsprechend und sie war beleidigt. Unsere Reserve-Tanks wären eben schwierig zu befüllen, meinte sie lapidar. Charly antwortete: nach 8 Monaten Afrika, sei sie die Erste die Probleme hätte.
Mit vollen Tanks fuhren wir zum Planete Internetcafe, welches schräg gegenüber vom Mbolo Supermarkt liegt. Dort hatten wir immer eine schnelle Verbindung gehabt, weshalb wir nun unsere Tagebücher von Tschad und Kamerun aufschalten wollten. Heute war zwar die Verbindung nicht ganz so schnell wie am Samstag, doch mit ADSL immer noch schnell genug für unsere Bedürfnisse. Charly suchte noch diesen und jenen Update. Ich informierte mich mal wieder was alles so zu Hause läuft. Viel Regen und Überschwemmungen in der Schweiz, so dass sogar im Aargau von Evakuierungen gesprochen wurde. Auf der AllAfrica-Webseite fand ich keine schlechten Neuigkeiten über die nun bevorstehenden Länder. Also grünes Licht für die Weiterreise. Wir verbrachten einige Stunden im Internet Cafe und es war bereits später Nachmittag, als wir gingen. Für 1 ½ Stunden surfen verlangte man nur 800 CFA (2 CHF), dass war nicht zu teuer.
Charly fühlte sich nicht so wohl, weshalb wir in die Apotheke nebenan gingen, um einen Malaria-Schnell-Test machen zu lassen. Doch als Charly den Preis in Höhe von 8'500 CFA hörte und die Dame gänzlich unmotiviert war, wollte er den Test nicht mehr machen lassen. Zur Erinnerung in Burkina Faso hatten wir nur 2'500 CFA bezahlt.
Schliesslich fuhren wir zurück zur Maison Libermann. Ich fragte nochmals beim Pater Jean-Luis nach, wo denn das Abendessen stattfindet. Er erklärte mir den Weg und bestätigte nochmals die Preise, die uns bereits Beatrice genannt hatte. Er bemerkte noch, dass es schon ein wenig spät sei für eine Anmeldung. Ich erklärte ihm aber, dass Beatrice uns schon in der Küche angemeldet hätte. Kein Problem, doch leider könne er heute Abend nicht mit uns zusammen essen. Das war schade, da er ja auch Walliser war wie Charly, aber eigentlich hatten wir ja mit Beatrice abgemacht gehabt.
Wir gingen auf unser Zimmer und waren um Punkt 7:15 Uhr im Speisesaal. Der junge Mann, welcher uns am ersten Tag unser Zimmer gegeben hatte, wartete schon auf uns. Er erklärte, dass Beatrice eine Einladung bekommen hatte und nicht mit uns essen würde. Wir waren etwas enttäuscht, doch die reichhaltige Tafel entschädigte uns. Beatrice kam bald darauf doch noch schnell vorbei, um mit uns zu reden. Wir hatten gerade etwas Salat und vom grillierten Fisch genommen, als der Chef Pater Nikola von der Maison Libermann hereinkam. Dieser schimpfte erst einmal mit uns, dass dies kein öffentliches Restaurant sei und man hier nicht so einfach essen könnte. Dazu hätten wir ein ganz schlechtes Benehmen gezeigt, denn wir hätten uns nicht persönlich angemeldet. Wir erklärten, dass uns ja schliesslich Beatrice angemeldet hätte und dass wohl ausreichen würde. Dieser wetterte weiter, dass wir ein schlechtes Benehmen hätten. Ich erwiderte, dass ich den Bruder Jean-Luis sehr wohl informiert hätte. Sein ganzes Problem war jedoch, dass wir ihn nicht persönlich informiert hatten. Für ihn war es wichtig persönlich informiert zu werden. Der Mann hatte ein Persönlichkeits-Problem, wie wir schon bemerkt hatten. Er ging und bald darauf auch der junge Mann. Beatrice und wir sahen uns an. Wir verstanden die Welt nicht mehr und uns war der Appetit gründlich vergangen, nach der unhöflichen Attacke des Alten.
Als Beatrice gegangen war, hielten auch wir es nicht mehr lange am Tisch aus, obwohl das Essen ausgezeichnet war.
Wir liefen lieber runter zur Total-Tankstelle und holten uns ein Bier, welches wir dann gemütlich auf unserem Zimmer zum Abschluss des Tages tranken.
Schon am frühen Morgen hörten wir wieder den Alten wettern. Er schimpfte wie ein Rohrspatz mit den Leuten, die am Eingang warteten. Die Segnung des Wassers sei erst um 10 Uhr, nicht schon jetzt. Auch Touristen müssten warten, etc., etc.
Nach der unangenehmen Erfahrung vom Vorabend hatten wir beschlossen heute definitiv abzureisen. Wir waren schon so gut wie abfahrbereit, als Beatrice wieder erschien. Sie hatte schon mit Jean-Luis gesprochen, dem die Attacke des Alten am Vorabend überhaupt nicht recht war. Sie erzählte auch, dass der Alte das Wasser segnen würde, weil die Leute daran glaubten, dass wenn sie dann das Wasser trinken oder sich damit waschen, sie von ihren Krankheiten befreit werden. Jean-Luis hatte ihr von den eigenwilligen Heilverfahren des Alten mit einem leichten Schmunzeln berichtet.
Während wir uns unterhielten, steckte auch Jean-Luis seinen Kopf zu unserer Tür herein und meinte grinsend, ob wir trotzdem gut geschlafen hätten. Er war ein netter und liebenswürdiger Mann, der die Fäden in der Maison in der Hand hatte, doch leider war der Alte immer noch der Chef. Da dieser aber immer wieder so Schwierigkeiten machte, lief nun halt vieles an ihm vorbei. Beatrice meinte, dass es wohl eine Portion Schlitzohrigkeit brauche bei so einem Chef.
Später als wir unsere Rechnung bei Jean-Luis beglichen, stellten wir fest, dass er uns das Abendessen geschenkt hatte. Er erklärte mit einem Lächeln, dass dies doch wohl das Mindeste sei. Wir unterhielten uns noch kurz, dann brachen wir auf.
Wir fuhren zuerst noch zur Post, da ich noch ein paar Postkarten geschrieben hatte, dann aber machten wir uns definitiv auf den Weg nach Süden.
Es war keine Feierwoche mehr und so gab es wieder viel Verkehr. Schliesslich hatten wir aber Libreville hinter uns gelassen und fuhren wieder in Richtung Äquator. Viele grosse, schwerbeladene Holztransporter kamen uns entgegen und einige fuhren gar im Konvoi.
Wir näherten uns wieder dem Äquator und wir hofften für lange Zeit zum letzten Mal. Wir hatten gerade ein paar Mal den Äquator gekreuzt, als wir an zwei englischen Motorradfahrern vorbei kamen. Diese hatten ihre Maschinen in der Kurve am Strassenrand abgestellt. Wir hielten an, um nach zu fragen, ob sie eventuell Probleme hätten. Ich stieg aus und fragte nach. Doch die beiden jungen Männer lachten und meinten, dass sie nur den Äquator besichtigen. Ich wollte schon wieder einsteigen, als mir einer nachrief, ob wir nicht eine Karte von Gabun hätten. Doch hatten wir und wir zeigten ihnen, wo sie sich gerade befanden. Sie waren von England vor 3 Monaten gestartet und waren ebenfalls über Niger und Tschad nach Kamerun gereist. Mit Kartenmaterial waren sie aber offensichtlich schlecht ausgerüstet, doch kamen wir so gut ins Gespräch. Ich erklärte ihnen noch wo man gut essen und übernachten kann. Sie fragten uns noch über die angolanische Botschaft aus.
Sehr zu unserer Bestürzung erkannten wir, dass ein LKW auf uns zuraste, während auf der Gegenfahrbahn ein Pick-up in rasanten Tempo ankam. Wir standen natürlich genau am blödsten Ort. Wir hatten zwar die Warnblinkanlage eingeschaltet, doch kümmerte dies weder den einen noch den anderen. Wir versuchten noch durch Winken und Zeichen geben die Fahrer aufeinander aufmerksam zu machen, doch war die Reaktion vernichtend gering. Genau bei Snoopy trafen sie sich und wir fürchteten schon das es nun fürchterlich knallt. Doch wir hatten einen Riesen Dusel. Es hatte gerade noch mal gereicht und der LKW ist um haaresbreite an Snoopy vorbeigedonnert. Blieb aber gleich danach quer auf der Strasse stehen, während der Pick-up munter weiterfuhr. Wir waren alle vor Schreck erstarrt und waren noch immer sprachlos, als der Fahrer vom LKW wütend ausstieg. Uns war schon klar, dass wir wohl am dümmsten Ort standen. Abgesehen davon, hatten wir auch nicht damit gerechnet so lange bleiben. Der Mann kam aber nicht allzu nahe und schimpfte kurz etwas, was wir nicht verstanden. Wir konnten uns aber lebhaft vorstellen, was wir gesagt hätten. Für ein Mal waren wir nun das Verkehrshindernis gewesen, welches blöd parkiert hatte. Sonst waren wir es gewesen, die sich immer über die Fahrer aufregten, die da ihr Fahrzeug so idiotisch abgestellt hatten. Wir sind wohl doch schon so langsam afrikanisiert worden.
Nachdem wir uns von dem Schock erholt hatten, verabschiedeten wir uns von den Engländern, mit den Worten, dass wir uns bestimmt noch unterwegs irgendwo treffen werden. Anschliessend fuhren wir so rasch als möglich weiter. Wir wollten unterwegs den LKW wieder überholen, doch dieser trat dann auch kräftig aufs Gas, so dass wir beschlossen schön hinterher zu tuckern, bis sich eine bessere Gelegenheit ergeben würde. Wir hatten die Befürchtung, dass uns der LKW vor lauter Ärger eventuell abdrängen würde. Wir mussten auch nicht allzu lange warten, da drängelten sich auch schon zwei Minibusse vor. Wir liessen sie gerne passieren und schlossen uns ihrem Überholmanöver an.
An der Kreuzung von Bifoun bogen wir in Richtung Lambaréné ab. Die Teerstrasse war in einem ordentlichen Zustand und so waren die 70 km schnell geschafft. Die Landschaft unterwegs war eintönig und viel Regenwald war nicht mehr übrig in dieser Region. An den Strassenrändern wurde vielfach ein Feuer entzündet, um die Vegetation am Strassenrand niederzubrennen. Wir schlossen immer rasch die Fenster, damit der beissende Rauch nicht ins Fahrzeug kam. Trotz der geschlossenen Fenster spürte ich die Hitze des Feuers an meiner Wange.
Kurz vor Lambaréné folgten wir der Abzweigung zum Albert Schweitzer Krankenhauses, welches herrlich am Ufer des Ogooué Flusses gelegen ist. Wir parkierten und liefen zum alten Teil des Krankenhauses, welches noch von Albert Schweitzer errichtet wurde. Vor dem Eingang waren 3 Pelikane und eine Ziege in einem Gehege. Ein Pelikan hatte eine stattliche Grösse und war stets mit seinem Federkleid beschäftigt. Da er so nahe am Zaun war, konnte ich ihm dabei ab und zu den flauschigen Kopf kraulen.
Wir gingen ins Museum, welches kostenlos ist. Es gab aber nicht wirklich viel zu sehen. Ein Raum war der Biografie Albert Schweitzers in Kurzfassung gewidmet. Es war schon beeindruckend was der Albert Schweitzer in seinem Leben so alles gemacht hatte.
Die beiden anderen Räumlichkeiten waren angeblich das Musik- und Schlafzimmer des berühmten Doktors. Die Utensilien waren eher lieblos aufgestellt. Der Arbeitstisch in seinem Schlafzimmer war sehr klein und auch das Bett erschien uns zu kurz. Bevor wir das Museum wieder verliessen, gaben wir eine kleine Spende für die Erhaltung des Museums. Es wäre doch wirklich Schade, wenn das Werk dieses grossen Mannes so einfach verloren ginge. Wir liefen noch kurz zum Fluss und kamen dabei an den Gräbern von Dr. Schweitzer und Gemahlin vorbei. Daneben waren die Krankenschwestern des Arztes begraben, welche ihm von Beginn an geholfen hatten und viele Jahre im Krankenhaus die Stellung gehalten hatten.
Danach verabschiedeten wir uns von den Pelikanen. Nun wussten wir auch wieso diese hier waren. Dr. Schweitzer hatten einen wildlebenden Pelikan, der ihn ab und zu besuchte und sich von ihm streicheln liess. Sein Name war Parziphal.
Wir machten uns auf die Suche nach einer Bleibe für die Nacht und fanden die Mission des Soeurs de l’Innaculée Conception. Wir fragten nach, ob wir hier campen dürften und Schwester Elva hiess uns mit ihrer lebendigen, fröhlichen Art herzlich Willkommen. So nett und lieb waren wir schon langen nicht mehr empfangen worden, wie von den beiden Schwestern. Beide waren schon älter. Man zeigte uns die Duschen und das WC. Auch um den besten Standplatz für unseren Snoopy war man besorgt. Bevor wir aber unsere Zelte hier aufschlagen wollten, fuhren wir nochmals in die Stadt um ein paar Besorgungen zu machen.
Wieder zurück in der Mission stellten wir unser Fahrzeug in der Nähe der Marien-Statue auf. Wir kochten unser Abendessen und unterhielten uns. Später mussten wir uns beeilen noch rechtzeitig aufs WC zu kommen, denn um 22 Uhr wurde der Hund frei gelassen. Dieser war sehr bissig und hatte auch schon mehrfach die Schwestern gebissen. Diese hatten uns schon am Nachmittag gewarnt und uns ihre verheilten Bisswunden gezeigt. Zur Zeit hätten sie keinen Nachtwächter, nur den Hund, erklärten sie uns. Am Abend bevor wir ins Bett gingen, war dann doch der Nachtwächter gekommen, trotz seiner Malaria. Der Hund aber wurde wie jeden Abend frei gelassen.
Charly hatte gar nicht gut geschlafen und fühlte sich krank er hatte starke Zahn- und Rückenschmerzen. Er hatte auch das Gefühl manchmal Fieberschübe zu haben. Wir blieben deshalb länger liegen, damit er sich noch etwas ausruhen konnte.
Ich ging zu Schwester Elva und fragte nach, ob wir nochmals eine Nacht bleiben könnten, da Charly sich krank fühlte. Als sie das hörte kam ganz schön Bewegung in das Ganze. Sofort beschloss sie mit uns ins Albert Schweitzer Krankenhaus zu fahren. Sie kannte dort eine Schweizer Ärztin aus Basel namens Silvia. Zudem gab es dort einen sehr guten kongolesischen Zahnarzt, erklärte sie uns. Sie hatte vor kurzem dort einen Zahn ziehen lassen müssen und die Behandlung sehr gut gewesen.
Uns blieb nichts anderes übrig als rasch zu duschen und uns mit ihr auf den Weg zu machen. Sie hatte zudem noch Medikamente vom Militär erhalten, welche sie schon länger dem Krankenhaus hatte übergeben wollen. Ehe wir uns recht versahen, waren wir auch schon in ihrem Auto und los ging’s. Sie kannte fast alle Leute die im Krankenhaus arbeiteten. Silvia die Ärztin war aber leider an diesem Tag in Libreville und Charly wurde von einem einheimischen Arzt befragt. Es wurde ihm Blut abgenommen, um festzustellen, ob er Malaria hatte.
Die schwarze Schwester machte kurzen Prozess und Charly meinte, so viele Schmerzen hatte er noch nie bei einer Blutabnahme verspürt. Es war nun kurz vor 12 Uhr und wir beeilten uns um noch rechtzeitig zum kongolesischen Zahnarzt zu kommen. Die Einrichtung hatte auch schon bessere Tage gesehen und auch der kongolesische Kieferchirurg und Zahnarzt war nicht sonderlich motiviert. Auch Charly war beim Anblick des Zahnarztstuhls nicht gerade begeistert. Der Zahnarzt wollte trotzdem kurz seinen schmerzenden Zahn ansehen. Nur widerwillig nahm Charly Platz. Der Zahnarzt sah kurz in seinen Mund und suchte nach einem Loch oder nach einer Entzündung. Konnte aber nichts feststellen. Der Zahn hatte aber bereits eine Wurzelbehandlung und somit gar keine Nerven mehr. Trotzdem spürte Charly genau bei dem Zahn stark Schmerzen. Der Zahnarzt verschrieb ihm Voltaren und Antibiotika, mehr konnte er nicht tun. Wir bedankten uns bei ihm und beeilten uns noch rechtzeitig zur Apotheke im Krankenhaus zu kommen, welche gegen Mittag schliessen würde. Doch Schwester Elva kannte alle und so war es kein Problem.
Treuherzig und hilfsbereit sorgte sie sich um Charlys Wohl. Dabei versprühte sie so viel Lebensfreude, dass Charly manchmal sogar seinen schmerzenden Zahn vergass. Die Schwester Elva war Argentinierin und war schon eine ganze Weile in Afrika. Bevor sie nach Gabun kam, hatte sie 4 Jahre in Kongo Kinshasa gelebt. Sie erzählte vom Sturz des letzten Staatschefs und dass sie da schon gedacht hatte, das ihre letzte Stunde geschlagen hätte, als die Rebellen bei ihrer Mission einrückten. Sie erzählte auch, dass sie schwer Krebs mit diversen Metastasen gehabt hatte und zurück nach Argentinien musste. Als die Schulmedizin ihr nicht mehr helfen konnte, sei sie dann kurz entschlossen nach Paraguay gefahren, um sich dort mit Aloewerda behandeln zu lassen, neben einer strikten vegetarischen Ernährung. Sie hatte Erfolg und den Krebs besiegt. Seit dem schwor sie auf die Behandlung mit Aloewerda, welches für alles möglich helfen soll.
Sie erzählte uns all das, während wir auf das Ergebnis der Blutuntersuchung warteten. Mit ihr wurde die Wartezeit sehr kurzweilig. Wir lachten alle viel, auch Charly trotz seiner Schmerzen. Die beiden neckten sich immer ein wenig. Schwester Elva zeigte öfter mal streng den Zeigefinger, wenn er nicht hören wollte und darauf stand Charly auch immer gleich stramm und sagte jawohl Chef. Sie war schon ein rechter Goldschatz, die quirlige Schwester Elva.
Zwischendurch sah sie immer wieder mal nach, ob das Ergebnis schon da war. Schliesslich gegen 13 Uhr war das Ergebnis da. Charly hatte diesmal keine Malaria, Gott sei Dank. Die Computer-Auswertung des Blutes war überall im grünen Bereich.
Erleichtert wollten wir schon gehen, als man uns noch prophylaktisch Medikamente für einen akuten Malariaanfall mitgab. 3 Fansidar-Tabletten für den ersten Tag und Chinin-Tabletten für die folgenden Tage sowie Schmerztabletten. Fansidar, welches in Europa und in den USA schon lange verboten ist als Prophylaxe einzunehmen, wird hier in Afrika noch als Notfallmedikament verwendet. Die starken Nebenwirkungen kommen bei einer einmaligen Einnahme auch nicht so zum Tragen, als wie wenn man die Tabletten über einen längeren Zeitraum einnimmt. Bei uns wird ja auch noch fleissig Lariam verschrieben, obwohl die schlimmen, vielfältigen Nebenwirkungen allgemein bekannt sind. Malarone ist eine Kostenfrage, doch von der Verträglichkeit noch die beste Variante als Prophylaxe.
In Afrika wird jedoch von den Ärzten empfohlen keine Prophylaxe zu nehmen. So kann die Malaria sich weniger verstecken, damit schneller erkannt und somit rascher behandelt werden. Trotz Prophylaxe bekommen nämlich viele Langzeitreisenden Malaria in Afrika. Siehe Charly!
Kaum hatten wir den Notfalldienst verlassen, flüsterte Schwester Elva auch schon, dass wir die Malaria Tabletten nicht auch noch zu den Medikamenten nehmen sollten, welche wir vom Zahnarzt verschrieben bekommen hatten. Sie machte sich schon wieder Sorgen, doch wir hatten nicht die Absicht, dass Charly den ganzen Tabletten-Cocktail einnimmt. Die Malaria Notfall Packung werden wir aufbewahren. Die ganzen Behandlungen, die Medikamente und der Bluttest waren kostenlos. Wir wissen nicht, ob das im Albert Schweitzer Krankenhaus so üblich ist, oder ob wir das der Anwesenheit von Schwester Elva zu verdanken hatten. Wir fragten nicht weiter nach und waren glücklich, dass Charly diesmal „nur“ Zahnschmerzen hatte.
Wir lernten noch diverse Ärzte, Volontäre und sogar die stellvertretende Chefärztin des Krankenhauses kennen. Mit Schwester Elva haben wir das Krankenhaus besser kennengelernt, als wir es uns jemals vorgestellt hatten. Überall war sie gern gesehen und wir wurden freundlich und hilfsbereit empfangen.
Wieder zurück in der Mission assen wir etwas, damit Charly seine Medikamente einnehmen konnte. Leider halfen die Voltaren Tabletten nicht gegen seine Schmerzen. Der Zahnarzt hatte uns aber für diesen Fall stärke Tabletten aufgeschrieben, welche ich dann mit Schwester Elva in der Stadt schnell holen ging.
Nachdem Abendessen nahm Charly die vorgeschriebene Dosis und es wurde ihm ganz schwindlig. Er meinte augenzwinkernd, so schnell kriegt man einen Rausch ohne Alkohol zu trinken.
Da er in der Nacht zuvor nicht allzu viel geschlafen hatte, gingen wir früh schlafen. Er konnte aber die ganze Nacht kein Auge zu tun. Zu gross waren seine Zahnschmerzen.
Charly hatte immer noch starke Zahnschmerzen, trotz der ganzen Medikamente. Auch das starke Schmerzmittel half nur beschränkt für kurze Zeit. Da er nicht so richtig kauen mochte, gab es heute Haferflocken zum Frühstück.
Charly legte sich danach wieder hin, während ich Schwester Elva fragte, ob ich nicht etwas waschen könnte. Natürlich konnte ich waschen und sie zeigte mir sogleich alles. Hinter dem Gebäude war ein Waschplatz eingerichtet, wo man auch Wäscheleinen gespannt hatte. Ein perfekter Ort um Wäsche zu waschen. Ich jagte Charly noch kurz aufs Dach, damit er mir die dreckige Wäsche mit der Waschtonne runtergeben konnte. Gleich darauf machte ich mich ans Werk. Da wir seit Tschad keine Gelegenheit mehr gehabt hatten Wäsche zu waschen, war ganz schön was zusammen gekommen. Ich war für mehrere Stunden beschäftigt.
Zwischendurch kam Charly mal nachsehen, wie es mir ging und brachte Wasser mit. Er schaute mir kurz beim Waschen zu und ging dann zu der Wäsche die bereits auf der Leine hing. Er roch daran, befand es für gut und ging wieder. Mama Susan, welche das beobachtet hatte, lachte als sie das sah. Sie fragte mich ob er nachsehen gekommen wäre. Ich nickte lächelnd und sie lachte noch mehr. So was hatte sie noch nie gesehen, ein Mann, der sich um die Wäsche kümmert.
Nebenbei bemerkt werden hier alle älteren Frauen mit Mama angesprochen, womit ihnen Respekt gezollt wird. Es ist also eine respektvolle Anrede. Mama Susan ist zusammen mit einer jüngeren Frau zuständig für die Reinigung der Gebäude. Sie hatte einige Jahre für eine deutsche Familie gearbeitet und sagte immer kaputto, wenn etwas nicht mehr in Ordnung war.
Am späten Nachmittag hatte ich es geschafft und die ganze Wäsche hing an der Leine. Ich war auch geschafft und legte mich erst einmal hin, während Charly am Computer arbeitete. Seine Zahnschmerzen waren trotz der ganzen Medikamente noch schlimmer geworden und er wusste gar nicht mehr was er machen sollte. In seiner Verzweiflung operierte er mit Zahnstocher und Zahnseide am Zahn herum. Alles half nichts. Schwester Elva hatte seinen Gesichtsausdruck gesehen und packte gleich wieder ihr Auto und es hiess einsteigen. Charly hatte kaum Zeit sein T-Shirt anzuziehen, da stand sie schon parat. Wir fuhren wieder zum Albert Schweitzer Krankenhaus. Es war schon kurz vor 19 Uhr, als wir in der Klinik ankamen. Kein Problem meinte Schwester Elva, wenn die Schweizer Ärztin Silvia nicht da ist, dann weiss sie wo sie wohnt. Die sei eine ganz liebe Frau und wir könnten ganz sicher noch vorbei kommen. So ganz recht war es uns nicht, noch zu so später Stunde die arme Frau zu stören. Doch wir hatten Glück und Silvia war an diesem Abend im Notfalldienst tätig.
Nachdem Schwester Elva dies ausgekundschaftet hatte, rief sie uns, dass wir ihr folgen sollten. Die Ärztin war noch sehr jung, doch machte sie einen sehr tüchtigen und kompetenten Eindruck auf uns. Wir erklärten unser Problem und sie schaute Charly in den Mund. Viel tun konnte sie aber auch nicht, da sie keine Zahnärztin war und die Ursachen von Zahnschmerzen schwierig zu diagnostizieren sind. Sie hatte jedoch aus der Schweiz noch Tramal vorrätig. Sie gab Charly 4 von diesen sehr starken Schmerztabletten und veränderte zudem die Dosierung der bereits erhaltenen Tabletten. Der kongolesische Zahnarzt war heute in die Ferien nach Kinshasa gefahren, um seine Familie zu besuchen. Es gab keine Stellvertretung für ihn. Man riet uns, zurück nach Libreville zu fahren. Dort gäbe es ausreichend Zahnärzte und sicher auch einen Notfalldienst.
Wir fuhren zurück zur Mission, wo wir uns nochmals herzlich bei Schwester Elva für ihre prompte Hilfsbereitschaft bedankten.
Wir wärmten uns rasch die Spaghetti auf und so konnte Charly bald darauf die starken Schmerztabletten nehmen. Diese wirkten dann wirklich gut und schon bald spürte Charly fast keine Zahnschmerzen mehr.
Wir bereiteten uns vor zurück nach Libreville zu fahren, im Fall die Schmerzen nicht nachlassen würden. Wir stellten den Wecker auf 6 Uhr und gingen schlafen. Die 250 km zurück nach Libreville würde um die 4-5 Stunden dauern, wenn nichts dazwischen käme. Die Schweizer Botschaft, welche wir nach einem guten Zahnarzt fragen wollten, hätte aber höchstens bis 15 Uhr geöffnet, wenn nicht am Freitag schon um 12 Uhr die Pforten geschlossen würden. Wir konnten uns ausrechnen, dass die Zeit mehr als knapp bemessen war einen vertrauenswürdigen Zahnarzt zu finden. Überdies hatten wir nicht viel Lust wieder zurück in die laute Grossstadt zu fahren.
Doch wir hatten Glück, denn die Tabletten wirkten gut und diese Nacht konnte Charly seit langem wieder einmal tief und fest durchschlafen.
Punkt 6 Uhr klingelte der Wecker. Charly war noch so müde und er verspürte keine Zahnschmerzen. Er mochte sich nicht stressen und da der Erfolg eh fraglich war, beschlossen wir das Wochenende lieber hier zu verweilen, als in Libreville. Wir dösten noch ein bis zwei Stunden weiter, danach bin ich aufgestanden und kümmerte mich um die Wäsche. Die konnte ich gestern Abend noch in den Trocknungsraum hängen, damit diese draussen nicht zu feucht wurde. Ich hängte die Wäsche wieder in die Sonne, welche heute wieder einmal schien.
Schwester Elva war gleich zur Stelle und fragte nach, wie es dem Patienten denn heute ging. Ich erzählte ihr, dass er im Moment keine Zahnschmerzen hätte, doch dies wahrscheinlich auf die Tabletten von Dr. Silvia zurückzuführen sei. Ja, wir sollten nichts überstürzen und es sei gut, dass wir da geblieben sind, war ihr Kommentar.
Wieder beim Auto bemerkte Charly, dass wir bei den schönen Wetter doch auch noch gleich die Bettwäschen waschen könnten. Ich hatte aber vom Vortag noch ganz geschundene Finger und so musste Charly die Wäsche schrubben. Ich half ihm aber dabei und so war die Wäsche rasch gewaschen und hing an der Leine. Wieder im Auto fand Charly noch dies und dass, also hiess es nochmals waschen.
Am Nachmittag war der grösste Teil der Wäsche dann trocken und man konnte alles wieder einräumen, mit Ausnahme der letzten Stücke, die wir am frühen Nachmittag dann auch noch gewaschen hatten.
Charly ging es immer noch sehr gut und er hatte nun überhaupt keine Zahnschmerzen mehr. Er hatte schon wieder Lust auf Süsses.
Er war den ganzen Nachmittag mit seiner Kamera und mit dem Notebook beschäftigt, während ich endlich mal dazu kam den Wäscheschrank aufzuräumen und klar Schiff zu machen.
Am späteren Nachmittag kam eine Französin zu uns, die ganz gut Englisch sprach. Sie arbeitete zur Zeit in Burkina Faso und machte in Lambaréné einen Freundschaftsbesuch.
Sie fragte uns über unsere Reise aus und wir fragten sie, ob sie denn schon eine Bootstour gemacht hätte. Ihr Antwort war, dass sie sehr gerne eine Bootstour gemacht hätte, aber bei 75'000 CFA für die 2-3 Stunden war ihr das Vergnügen zu teuer gewesen. Wir hatten schon im Buch gelesen, dass 60'000 CFA verlangt werden, nun, da hat es mal wieder eine Preissteigerung gegeben. Die Tour ist somit auch für uns gestorben, denn soviel werden wir ganz sicher nicht zahlen, so schön es auch gewesen wäre. Die spinnen hier mit den Preisen, dass es nicht mehr schön ist.
Am Nachmittag hatten wir uns überlegt, was wir den Schwestern Gutes tun könnten und haben ihnen unsere Äpfel geschenkt. Diese hatten wir noch kurz vor unserer Abfahrt in Libreville gekauft. Äpfel sind hier eine Rarität und entsprechend teuer, sofern überhaupt erhältlich. Sie hatten sich so darüber gefreut, dass sie uns dafür Tomaten und Petersilie aus dem eigenen Garten spendierten. Damit bereiteten wir uns am Abend einen feinen Tomatensalat zu und assen dazu Reis mit Steinpilzen. Alles war sehr lecker und schnell hatten wir alles aufgeputzt. Der restliche Abend verbrachten wir mit Tagebuch schreiben bzw. eine Datenbank für die Fotos zu generieren.
Den heutigen Tag haben wir mehrheitlich gefaulenzt. Charly hatte unsere Fotos auf DVD gebrannt. Ich entdeckte bei einem Streifzug durch den Missionsgarten ein paar Ananaspflanzen, die gerade den Übergang von Blume zur Frucht vollzogen.
Das Himmel war wieder stark bewölkt und hat uns nicht zu einem Spaziergang inspiriert. Als auch am Abend die Zahnschmerzen nicht zurück kamen, beschlossen wir definitiv weiter in Richtung Kongo-Brazzaville zu fahren.
Schon früh am Morgen waren wir busy und haben alles eingeräumt. Wir hatten noch unser WC zu leeren und unsere Wassertanks zu füllen. Danach konnte es endlich in Richtung Süden weitergehen.
Am Vormittag kam eine Frau vorbei, die offensichtlich mental nicht mehr auf der Höhe war. Sie plauderte nett mit uns, war aber etwas laut und schnell ungehalten. Sie war harmlos, doch kostete sie uns Zeit und Nerven. Eine Schwester versuchte sie abzulenken und so konnten wir in Ruhe unsere Sachen weiter packen.
Die Schwestern hatten eine Einladung und wollten um 11 Uhr abfahren. So verabschiedeten wir uns herzlich von den lieben Schwestern Elva und Colette, die uns hier so liebevoll aufgenommen hatten. Schwester Elva hätte uns gerne noch ein Weilchen da behalten, hatte sie uns doch in der kurzen Zeit in ihr Herz geschlossen. Sie war so voller Energie und dabei so hilfsbereit, wie man es nur selten sieht. Wir wollten nicht gehen, ohne noch ein paar Erinnerungsfotos von der Mission und den Schwestern zu machen. Schwester Elva musste sich aber vorher noch hübsch machen, etwas eitel war sie dann doch.
Als die leicht gestörte Frau sah, dass wir von den Schwestern Fotos machten, wollte sie auch unbedingt fotografiert werden. Wir taten ihr den Gefallen und sie war zufrieden. Wir verabschiedeten uns herzlich von den Schwestern Elva und Colette, als sie um 11 Uhr wegfuhren. Liebenswürdigerweise, nahmen sie die Frau mit. Schwester Elva gab der Frau noch einen Popo-Klatsch als sie ins Auto einstieg, da sie den Rock zu weit hoch gezogen hatte. Nun hatten wir unsere Ruhe und konnten den Rest noch erledigen.
Eine Stunde später waren wir gerade fertig und wollten schon abfahren, als die Schwestern zurück kamen. Die Messe hatte nicht stattgefunden und so war die Einladung nur von kurzer Dauer. Sie freuten sich, dass wir noch da waren und so haben wir uns nochmals ganz lieb von den beiden Damen verabschiedet. Charly schenkte Schwester Elva noch ein Päckchen von unseren Militär-Biskuits und sie gab uns dafür eine hübsche, rote Blume aus ihrem schönen Garten.
In Lambaréné kaufte ich noch schnell auf dem Markt ein paar Zwiebeln, Tomaten und Brot ein. Charly wartete so lange im Auto. Als ich zurück kam, sah ich wie er sich mit einer attraktiven Frau unterhielt. Diese war Italienerin, hatte aber asiatische Gesichtszüge. Sie wollte Charly unser Auto abschwatzen. Tzzz. Sie war Managerin von einer Holzfirma in Gabun und fand uns Auto so toll, dass sie es kaufen wollte. Geld spiele keine Rolle, war ihre Aussage. Sie würde lieber in so einem Auto übernachten, als weiterhin in den schäbigen Zimmern auf ihren Geschäftsreisen übernachten. Charly hatte Glück, dass er Snoopy nicht verkaufen wollte, sonst hätte er mit mir schwer Ärger bekommen. Sie gab Charly ihre Visitenkarte und lud ihn nach Libreville ein. Von da kamen wir aber gerade erst und wollten endlich weiter nach Süden fahren.
Schliesslich fuhren wir weiter über die Brücke des Ogooué Flusses und folgten der guten Teerstrasse in Richtung Fougamou und Mouila. Die gute Teerstrasse endete aber bereits nach 28 km. Die ersten Kilometer auf der Piste waren recht holprig und von Wellblech geprägt. Wir liessen Luft aus den Reifen, wodurch die Rüttelei etwas angenehmer wurde.
Die Landschaft wahr eher monoton. Nur weiter im Süden konnte man ein paar Hügel der Koumounabouali Berge erkennen. Die Vegetation wurde immer spärlicher und kurz vor Mouila löste das Grasland den Regenwald ganz ab. Die Überreste vom Regenwald konnte man nur noch am Horizont erkennen. Da heute Sonntag war, sind uns nur wenige Fahrzeuge entgegengekommen. Auch von den berüchtigten Holztransportern hatten wir nur wenige gesehen.
Unterwegs wurde wieder ein paar Mal Buschmeat angeboten und so wussten wir, was ein gabonesischen Sonntagsbraten ist, nämlich gespickter Affe, gestreckte Buschratte oder gerolltes Krokodil.
In Mouila angekommen suchten wir die Auberge les Forestiers. Diese war rasch gefunden, doch leider war wieder einmal der Besitzer nicht da und man wusste nicht so recht was man mit uns anfangen sollte. Weisse die in ihrem eigenen Fahrzeug übernachten wollten, obwohl man doch sogar klimatisierte Zimmer anbieten konnte, das war unbegreiflich für die Einheimischen. Es stellte sich heraus, dass es Kongolesen waren und als wir mitgeteilt hatten, dass unsere Reiseroute auch durch den Kongo führen würde, war man dann zwar offener, doch ohne Chef hatten wir keine Chance. Wir fuhren also weiter zum Hotel du Lac Bleu.
Dort begegneten wir einem älteren, französischen Pärchen, welche schon seit ein paar Jahren in Mouila lebten. Sie wollten natürlich unsere Reiseroute wissen. Wir unterhielten uns gerade, da kam eine Chinesin hinzu. Wie es sich später herausstellte, war sie die Managerin von der Hotelanlage. Wir fragten, ob wir hier bleiben könnten und sie antwortete sogleich mit „natürlich“. Wir waren froh einen Platz gefunden zu haben und parkierten Snoopy. Das Hotel gehörte dem Sport-Minister von Gabun, welches wohl auch die Tennisanlage im Areal erklärte. Wir unterhielten uns noch lange mit der Chinesin. Seit 17 Jahren war sie immer wieder in Afrika tätig gewesen und hat Hotelanlagen geführt. Dies sei aber ihre letzte Auslandstätigkeit betonte sie. Sie sei schon zu lange von zu Hause weg. Ihre beiden Kinder seien nun schon erwachsen und sie wird wahrscheinlich wieder Chinesisch unterrichten an der Uni von Peking. Sie hatte auch schon den Vize-Direktor von Alcatel unterrichtet, erzählte sie mir, nachdem ich ihr erklärte, wo und was ich gearbeitet hatte vor meiner Reise. Sie lud uns spontan nach Peking ein und gab uns ihre Telefonnummer in China. Wenn wir mal nach China fahren, sollen wir uns unbedingt bei ihr melden. So lieb.
Da wir auf dem Hotelareal kostenlos übernachten durften, haben wir später im Restaurant gegessen. Die Auswahl war nicht sonderlich gross und so hatten wir unser Abendessen rasch bestellt. Charlys Hühnchen war leider ausgeflogen und so wechselte er zum Schweinekotelett.
Mein Fisch war hervorragend mit Zitronensauce und Reis. Charly sein Schwein war aber wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben und hatte folglich keinen besonders guten Geschmack mehr. Schade.
Bald darauf gingen wir in unsere Behausung und legten uns schlafen.
Wir hatten extra den Wecker gestellt, damit wir nicht zu lange schliefen. Wir waren aber schon vor dem Wecker wach und packten sogleich unsere Sachen. Bereits um 7 Uhr waren wir wieder auf der Piste in Richtung Kongo.
Die Piste war gut und breit bis nach Ndendé, dem Grenzort von Gabun. Hier mussten wir in der Immigration die Pässe ausstempeln lassen. Diesmal wurde von uns freundlich eine Kopie vom Pass und vom Visum gefordert. Da wir vorbereitet waren und bereits von anderen Reiseberichten wussten, dass man dies hier verlangt, konnten wir den netten Herrn im Büro sofort zufrieden stellen, in dem wir die Kopien aus dem Auto holten.
Anschliessend ging es auf schmaler Piste, um nicht Feldweg zu sagen, weiter in Richtung Kongo. Das gelbe Savannengras stand sehr hoch und wir konnten kaum darüber sehen. Die Strecke war monoton und bot wenig Abwechslung. Ab und zu galt es eine Holzbrücke zu überqueren oder es kam ein mit Menschen beladener Pick-up entgegen, ansonsten waren wir allein auf dem Weg.
Bei Doussala kam dann der letzte Kontrollposten vor der Grenze. Eine grosse, rot-weisse Schranke verwehrte uns die Weiterfahrt. Wir stiegen aus und nahmen unser Pässe mit. Wie es sich herausstellte, war dies der letzte Posten, wo auch gleich die Zollformalitäten erledigt werden. Doch zuerst mussten wieder einmal umständlich unsere persönlichen Daten in ein wichtiges Buch eingetragen werden. Der Beamte konnte aber nicht mehr so richtig sehen und so wurde mein Name und auch das Geburtsdatum falsch eingetragen. Wir liessen den Herrn gewähren und korrigierten die Daten nicht, da diese später sowieso keiner mehr liest. Doch ich fand es sehr sympathisch, dass mich der gute Mann 30 Jahre jünger machte ;-)
Papa und Mama mussten natürlich auch wieder im dicken Buch erwähnt werden sowie was man beruflich so tut. Alles ging nur langsam vonstatten, da der Beamte Mühe hatte mit dem Entziffern der Daten im Pass und auch seine eigene Schrift nur schlecht erkannte. Charly meinte, wenn der zugibt, dass er nichts mehr sieht, dann ist der bestimmt seinen Job los. Nachdem alles ordentlich falsch ins Buch eingetragen worden war, verlangte man das Carnet. Wir waren natürlich skeptisch, da wir nirgends Zoll angeschrieben sahen. Wir fragten nochmals eindrücklich nach, wo denn die Douane (Zoll) sein. Wieder versicherten uns die Beamten, dass dies auch der Zollposten sei und man zeigte uns die Carnet-Abschnitte von anderen Reisenden. Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Herren unser Carnet zu geben. Sehr zu unserer Erleichterung stellten wir fest, dass sie das Dokument korrekt bearbeiteten. Zum Abschluss wurden wir noch nett verabschiedet, dann wurde für uns die Schranke geöffnet und wir konnten der schmalen und nun schlechten Piste zur Grenze von Kongo-Brazzaville folgen. Gott sei Dank gab es keinen Gegenverkehr.
| Kongo |
Wir waren der schmalen und schlechten Piste bis zum Schlagbaum von Kongo-Brazzaville gefolgt. Deutlich ärmer waren hier die Behausungen. Ein öder Raum mit einer Holzbank und einem Schreibtisch mit Stuhl, dass war das ganze Mobiliar des Kontrollpostens. Wieder mussten wir unsere Pässe zeigen und wieder wurden alle Daten in das wichtige Buch eingetragen. Ein anderer Mann kam und wollte unser Carnet sehen. Die Beamten waren sehr zuvorkommend und korrekt. Der Chef erzählte mir, dass er auch schon in Südafrika gewesen war. Leider nur zur Ausbildung und hatte so leider nicht sehr viel von dem Land gesehen. Interessiert wollte man unsere Reiseroute wissen und wie wir nun weiterfahren. Zum Abschluss fragte man noch nett, ob man in unser Auto schauen dürfte. Was blieb uns da schon anderes übrig, als mit ja zu antworten.
Drei Männer folgten uns zum Auto. Zuerst wollte man sehen, was hinter der linken Stauklappe versteckt war. Mit Interesse begutachteten sie unseren Kompressor. Danach mussten wir die Kabine öffnen. Der Chef war schnell drin, doch beim zweiten bat Charly vorher, er solle doch die Schuhe ausziehen, da dies schliesslich unser Zuhause sei. Dies wurde respektiert und nachdem Charly ohne Schuhe ins Auto stieg, folgte ihm keiner mehr. Dem anderen Typen hatte es nämlich gestunken seine Militärstiefel auszuziehen. Wahrscheinlich wären wir bei seinem Fussgeruch umgefallen. So war nur einer im Auto und dieser sah sich auch nur kurz um. Es war mehr Neugier als eine wirkliche Kontrolle. Wir mussten noch nicht einmal einen Schrank öffnen. Zum Abschied hiess man uns nochmals herzlich Willkommen im Kongo und dann winkte man uns noch lange nach.
Wenige Kilometer weiter in Moussaro der nächste Posten. Wieder hiess es freundlich den Pass zeigen. Wieder wurden alle Daten, einschliesslich Mama und Papa in das entscheidende Buch eingetragen. Freundlich und sportlich wurde die Barriere geöffnet und wir konnten weiterfahren. 10 km später kam schon wieder ein Posten. Der Beamte war gerade am Bier saufen und hielt uns schon vor dem Posten an. Wir sollen beim Gebäude parkieren, er käme gleich, meinte er.
Zuerst mussten wir den Immigrations-Papierkram erledigen. Wichtig wurden wieder alle unsere Daten in einem Buch verewigt. Zudem wollte man wissen, in welchem Verhältnis Charly und ich zueinander stehen. Frechheit! Danach kam das Thema auf, ob wir Kinder hätten und wie lange wir schon zusammen wären. Nein keine Kinder und seit 6 Jahren zusammen. Ohhh, war die Antwort, aber ihr seit doch schon ein altes Paar, bemerkten sie noch dazu. Vielen Dank für das Kompliment! Nebenbei erwähnt muss man wissen, dass Frauen ohne Kinder in Afrika ganz arme, unglückliche Wesen sind und Verständnis, dass man keine haben möchte, kann nicht erwartet werden.
Beim Eintragen der Daten gingen plötzlich alle Kugelschreiber nicht mehr und ich gab dem Beamten meinen, damit wir nun bald diese spärlich möblierte Bude verlassen konnten.
Anschliessend mussten wir in die Hütte nebenan und wieder wurden unsere Daten in ein Buch eingetragen. Der Beamten mit dem Bier sass nun hier und fand sich selbst unheimlich witzig. Nun besser als so ein sturer Typ. Wir scherzten mit und hofften bald weiterfahren zu können.
Draussen standen schon einige Kinder, die auf gewartet hatten um Bonbons zu erbetteln. Ich erklärte, dass wir leider keine dabei hätten. In Ordnung sagte eine kleine, freche Rotznase und sie liessen uns in Ruhe, obwohl sie nicht so recht glauben konnten, dass es in so einem grossen Auto keine Bonbons geben sollte.
Endlich konnten wir weiterfahren. Die Piste war immer noch eng und holperig. Die Gebäude links und rechts waren klein und mit Backsteinen gemauert. Die männlichen Dorfbewohner sassen vor ihren Hütten und palaverten, wie überall in Afrika. Sobald sie uns aber kommen sahen, winkten sie uns mit einem Lachen zu und freuten sich, dass wieder einmal Touristen durchfahren. Die meisten winkten und hatten Freude an uns, einige wenige machten die Geste, dass sie etwas zu Essen oder Geld wollten. Dies waren meist junge Männer, die mit ihrem Dasein wohl weniger zufrieden waren.
Die Kinder kamen aus allen Ecken angerannt und wieder hörten wir das Wort Cadeau. Charly argwöhnte, dass die Kinder wohl mit einem Cadeau-Gen in Afrika auf die Welt kommen. Von Marokko bis in den Kongo, gab es nur wenige Länder, in denen keine Geschenke gefordert wurden. Ob das nur an den Touristen liegt, wagen wir zu bezweifeln. Hilfsorganisationen, Missionare und diverse Firmen haben da wohl auch einen grossen Anteil daran, dass Weisse als Geschenkegeber angesehen werden. Gegenleistung wurde ja höchst selten verlangt ein Fehler!
Wir fuhren also die 38 km nach Nyanga. Dort erhielten wir den Einreisestempel in unser Carnet. Danach mussten wir wieder in ein Immigrationsbüro, wo wieder alle Daten aufgenommen wurden und schliesslich der Chef höchst persönlich unterschrieb. Danach dachten wir schon nun hätten wir den Papierkram hinter uns, doch wurden wir enttäuscht, denn nebenan gab es nochmals ein Büro, wo wieder unsere Daten von den Pässen in ein dickes Buch eingetragen wurden. Einer fragte ungeniert, ob wir ihnen einen Saft oder eine Cola zahlen. Charly sagte verärgert NEIN. Der Typ darauf etwas leiser:Oh - der Herr ist müde. Ja wir hatten den dekadenten Verwaltungsblödsinn satt und wollten nicht noch mehr Zeit mit dieser Idiotie verlieren.
Endlich konnten wir weiterfahren und wir waren innerhalb der ersten 50 km 7 Mal kontrolliert worden und mussten 7 Mal den gleichen Schwachsinn in ein ach so wichtiges Buch schreiben lassen. Was für ein Stumpfsinn!
Die Piste wurde breiter, blieb aber holperig. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug wohl 25 km/h. Wir fuhren durch etliche Dörfer, wo wir immer willkommen geheissen wurden und die Menschen uns freudestrahlend zuwinkten. Die Bevölkerung im Kongo überraschte uns positiv.
In Kibangou wurden wir wieder von einem Mister Superwichtig angeträllert. Wieder mussten wir mit unseren Pässen in ein Büro. Zuerst aber musste Charly umparkieren, da er zu weit auf der Strasse stand. Klar bei dem Verkehr, pro Tag maximum 2 Autos, da muss schon eng am Strassenrand parkiert werden. Der Chef sass wichtig hinter seinem Pult und durchstöberte unsere Pässe und las die Namen der Länder, die wir bereits bereist hatten.
Charly war genervt und ich bemühte mich gute Mine zu machen. Es wurde schon langsam dunkel und wir wollten uns lieber eine Rastplatz suchen, als hier Konversation zu betreiben. Den Typ hielt schliesslich eine Rede, dass sie im Kongo auch gern so reisen würden, aber leider keine Chance hätten dazu und so weiter und so fort. Er fragte nach unserer Route. Auf die Antwort Pointe-Noire fragte er, ob wir denn über Dolisie oder Mila-Mila fahren würden. Wir antworteten, dass wir das noch nicht wissen. Wir wollten dem Gentleman doch nicht unsere ganze Reiseroute wissen lassen. Nun kam er aber ganz gross ins Palavern. Er empfiehlt uns die Route über Mila-Mila, da die Route über Dolisie nicht mehr praktikabel sei und so weiter und so fort. Damit auch alle wussten wie intelligent der Chef ist, wiederholte er nochmals lautstark, dass er, der grosse Manitu, uns den Touristen empfiehlt über Mila-Mila zu fahren, da die Strasse von Dolisie nach Pointe-Noire nicht mehr praktikabel sei. Als ob die Männer hinter uns das nicht schon beim ersten Mal verstanden hätten. Charly meinte noch, nun wissen wirklich alle, wo wir lang fahren. Hat jemand zufällig gerade Lust uns zu überfallen?
Wir waren froh endlich weiterfahren zu können. Die Strecke nach Mila-Mila überraschte uns mit schönen, kleinen, spitzen Hügeln.
Da es nun schon spät geworden war, es war bereits nach 17 Uhr, hielten wir Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsplatz.
Einige Kilometer vor Mila-Mila fanden wir eine geschobene Abfahrt. Wir folgten dieser ein ganzes Stück, da wir wissen wollten, wohin diese führte. Es kam aber keine Hütte oder eine Ortschaft, also stellten wir uns auf ein niedergebranntes Fleckchen Erde neben der Piste. So konnten wir sicher sein, dass wir nachts nicht von einem Buschfeuer überrascht werden. Der Nachteil waren freilich schwarze Füsse und Kleider.
Wir wollten gerade unser Abendessen zubereiten, als Charly draussen bemerkte, dass Wasser ausläuft. Toll gerade jetzt - die erste Nacht im Kongo und wir haben gleich einen Wasserschaden. Der ganze Proviant unter der Spüle musste ausgeräumt werden. Der Schaden war auch bald gefunden. Die billigen Briden (Rohrschellen) vom Caravanladen hatten den Geist aufgegeben und liessen nun Wasser vom Filter in den Proviantbereich laufen. Gott sei Dank hatten wir genügend INOX-Briden dabei. Die Briden waren schnell gewechselt und der Übergang vom Wasserschlauch zum Wasserfilter war wieder dicht. Danach mussten wir die ganzen Fressalien wieder einräumen. Kleine Ursache, aber viel Aufwand. Inzwischen war es draussen schon dunkel geworden und wir beschlossen nicht mehr zu kochen. Wir machten uns einen feinen Thunfischsalat mit Zwiebeln und Tomaten. Danach liessen wir den Abend bei einem Glas Wein aus dem Tetra-Pak ausklingen.
Den Wecker hatte Charly schon auf 5:30 Uhr gestellt. Als dieser los ging, war es draussen immer noch dunkel. So dösten wir noch etwas vor uns hin, bis es um 6 Uhr zu dämmern anfing. Um 6:45 waren wir wieder auf der Piste nach Mila-Mila. Es war gut gewesen, dass wir gestern noch ein Stück gefahren waren, denn beim ersten möglichen Übernachtungsplatz sahen wir die frische Asche eines Lagerfeuers, da hätten wir wahrscheinlich Besuch bekommen.
Mila-Mila war schnell erreicht und leider gab es auch wieder einen Kontrollposten. Wieder mussten wir aussteigen und unsere Pässe präsentieren. Wieder wurden die Daten in ein Buch eingetragen. Alles war korrekt, bisher waren keinerlei korrupte Forderungen gestellt worden, wenn man von dem geforderten Getränk in Nyanga absah.
Wir konnten nun der breiten, holprigen Piste nach Westen folgen. Anfänglich war noch eine Ebene, doch schon bald waren die ersten Hügel erreicht. Von nun an fühlten wir uns wie auf einer Achterbahn, immer steil rauf und runter. Feiner puderige Staub lag dick auf der Piste und Snoopy zog eine dicke Staubwolke hinter sich her. Wir hielten diverse Male an, um ein paar Fotos zu schiessen. Beim Laufen auf der Piste musste man aufpassen, denn die kleinen Steinchen unter der dicken Staubschicht waren rutschig und rollten gerne weg sobald man darüber lief. Ein Eiertanz.
Uns kamen viele leere Holztransporter entgegen, die in einem Affenzahn auf der Piste entlang bretterten. Die Piste wurde aber in den Hügeln immer schmaler und so musste man höllisch aufpassen, dass man so einem Ungetüm nicht plötzlich im Weg stand. Doch die Staubwolke, die sie mit sich führten, zeigte uns immer rechtzeitig an, dass da was am Anrollen war.
Mühsamer war es da schon die LKWs die in unserer Richtung fuhren zu überholen. Die dicke Staubwolke liess uns nichts, aber auch rein gar nichts sehen. Die Chauffeure waren aber nett und liessen uns jeweils an einer Bergkuppe oder Kurve überholen. Da hiess es natürlich vertrauen haben, denn wir konnten den eventuellen Gegenverkehr nicht sehen. Landschaftlich war die Gegend sehr reizvoll. Oft überblickten wir weite Täler und umliegende Hügel. Die Umgebung war auch wieder mit Regenwald versehen. Dazwischen zog sich wie ein gelb-braunes Band die Piste durch das dichte Grün. Die Pflanzen und Bäume links und rechts der Piste waren allerdings selber schon gelbbraun vom Staub. Manche LKWs waren unterwegs liegengeblieben. Die einen warteten noch auf eine Reparatur, bei anderen war nur noch das Wrack da. Auch die Strassenbaumaschinen wurden hier so entsorgt und die Pflanzen hatten bereits einen Teil davon zurückerobert und überwucherten die Ungetüme. Blumen lugten aus der Fahrerkabine.
Meine Füsse hatten auch schon die gleiche Farbe wie die Piste, denn sobald man ausstieg, stob der Staub wie feiner Puderzucker in die Höhe. Bei unseren Fotostopps mussten wir immer geduldig warten, bis sich unsere eigene Staubwolke gelegt hatte. Der Staub war so fein und kam durch jede Ritze. Unsere Kabine war aber gut abgedichtet und so hatten wir wenigsten in der Wohnkabine keinen Staub.
Irgendwann kamen wir auf die Piste von Mandsi nach Malélé. Nun war die Piste breiter und befestigter, aber deswegen nicht weniger holprig. Kurz vor Louvoulou machten wir Rast für eine kurze Mittagspause. Da wir heute ohne Frühstück losgefahren waren, hatten wir beiden ganz schön Kohldampf.
Wir hofften bei der Hauptpiste nach Pointe-Noire endlich auf eine bessere Strasse zu treffen, doch leider wurden wir enttäuscht. 30 km vor Pointe-Noire erreichten wir ein Stück Teerstrasse, welche anfänglich gar nicht so schlecht war. Dies änderte sich aber schon bald und ein fortkommen auf der Teerstrasse war unmöglich. Da waren uns die Fahrspuren neben der sogenannten Teerstrasse schon lieber. Der Gegenverkehr fuhr auch wie es ihm beliebte und so darf man nicht überrascht sein, wenn ein LKW plötzlich auf der eigenen Fahrspur entgegen kommt. Da gilt das Recht des Stärkeren, d.h. der Schwächere zieht auf die andere meist löchrige Fahrbahn.
Unterwegs sahen wir nackte Jugendliche, die sich in einem Tümpel neben der Piste wuschen. Als einer der Buben unsere Musik aus unserem Auto dröhnen hörte, begann er nackt vor uns herum zu tanzen. Man konnte alles sehen, aber das störte den Teenager nicht im geringsten. Wir lachten und winkten dem Jungendlichen zu. Scham war ihm unbekannt.
Kurz vor 17 Uhr hatten wir Pointe-Noire erreicht und wir suchten gleich nach dem Circle Naval, dem Yacht Club. Hier stehen oft Durchreisende während ihres Aufenthaltes in Pointe-Noire. Da uns die Belgier in Libreville die ungefähre Lage gezeigt hatten, konnten wir den Yacht Club rasch finden. Ich fragte nach, ob wir auch hier übernachten dürften und natürlich hiess man uns auch hier gastfreundlich Willkommen. Der Platz zum Campieren lag zwischen der Clubhaus und den Booten. Snoopy war schnell installiert und wir erfreuten uns an unserem ersten Ngok, wie das kongolesische Bier mit dem Krokodil-Emblem hier heisst. Wir setzten uns auf die Terrasse des Clubhauses und genossen die Sonnenstrahlen respektive die Aussicht auf den Hafen.
Da wir noch etwas CFA übrig hatten und wir ja Kongo-Brazzaville schon morgen wieder verlassen wollten, beschlossen wir nach einer Dusche essen zu gehen. Leider kam Charly dann mit der nächsten Hiobsbotschaft. Die Aufhängung vom 55-Liter-Reservetank war an mehreren Stellen gebrochen. Der Tank hing nur noch an einer Aufhängung und drohte auf die Antriebswelle zu fallen. Sch...... Er fluchte auf die lausige Installation von Extrem, denn die Halterungen waren aus zu dünnem Material gemacht worden, obwohl genügend Raum für eine massivere Halterung vorhanden gewesen wäre.
Wir beschlossen trotzdem essen zu gehen und wir machten uns auf den Weg zum Coiba Restaurant schräg gegenüber vom Yacht Club. Beim Betreten des Restaurants roch es stark nach kaltem Rauch und so wollte ich lieber in das andere Restaurant Le Baraca. Hier war aber dann die Luft noch schlechter und es erinnerte mich eher an eine miese Pinte als an ein Restaurant. Wir liefen also wieder zurück zum Coiba, wo wir nun neben dem Swimmingpool zusätzlichen Platz vom Restaurant entdeckt hatten. Wir setzten uns hin und bestellten je ein grosses Ngok und die Speisekarte.
Das Bier kam mit leckeren grossen Oliven, die mit Öl und Knoblauch beträufelt waren. Bei der Speisekarte hatten wir dann aber einen Schock. Die Preise waren noch höher als in Libreville. Uns ist bei den Preisen dann der Appetit vergangen und wir sind anschliessend ohne zu essen zurück zum Auto gelaufen.
Am späteren Abend konnte ich noch beim Auslaufen des grosse Schiffes von der Grimaldi Linie zusehen. Ein wuchtiges Schiff, dass sich beim ersten Hinsehen nicht zu bewegen schien, doch ganz langsam bewegte sich der beleuchtete Ozeanriese aus dem Hafen ins offene Meer. Dort wurde die Lichter dann gelöscht. Nach Süden ging es, wie wohl die nächste Anlegestelle geheissen hat?
Nach dem Frühstück fragten wir die Angestellten im Yacht Club, ob wir das Auto auf den Betonboden stellen dürften. Charly musste den 55-Liter-Tank ausbauen und wollte dies nicht unbedingt im Sand tun. Wir fragten weiter, ob man hier einen guten Schweisser kennt, der Edelstahl schweissen könnte. Wie in Afrika üblich, wurde beratschlagt und einer fragte wieder den anderen, wo man wohl am Besten schweissen lassen könnte. Man erklärte zuerst den Weg zu einer Werkstätte, dann wollte man einen Plan machen. Charly war gerade am Tank ausbauen, als die Kongolesen wieder zu uns kamen und nun eine gute Lösung für uns gefunden hatten. Ein Franzose namens Michel, der angeblich gut schweissen könne, soll angerufen werden. Der würde dann kommen und sich die Sache anschauen. Wir waren mit der Lösung ganz happy und so machte ich mich mit den Männern auf den Weg ein Telefon zu suchen, während Charly den Tank weiter ausbaute. Die Telefonfrau war ein ganzes Stück weg. Die öffentlichen Telefonzellen sind hier Frauen mit Handy, die einen kleinen Stand am Strassenrand haben. Man bezahlt die gesprochenen Minuten, die das Handy anzeigt. Hier in Pointe-Noire kostete uns die Minute 150 CFA. Der Chef vom Yacht Club und ein Angestellter waren zur Unterstützung mitgekommen. Der Chef Monsieur Nikola hat dem Franzosen am Telefon dann unser Problem geschildert. Dieser sagte zu, dass er im Yacht-Club nach uns schauen käme. Wir waren froh eine gute Lösung gefunden zu haben. Tatsächlich erschien der Franzose am späten Vormittag und schaute sich die Sachlage an. Kein Problem meinte er. Die drei gebrochenen Aufhängungen würde er ersetzen und auch die Querstange entsprechend verstärken. Er packte den Tank inkl. der Aufhängung ein und fuhr zurück zu seiner Werkstatt.
Wir hatten damit wieder einmal Zeit für unser Tagebuch und was sonst noch so alles erledigt werden musste.
Am späten Nachmittag kam er dann wieder und brachte den Tank und die Querstange. Die Ösen für die Aufhängung waren nun markant massiver und wir waren froh über die gute Schweissarbeit. Die Querstange hatte er gerichtet, doch da er nicht wusste wie viel Spielraum noch für eine Verstärkung vorhanden war, wollte er lieber nochmals rückfragen, bevor er zuviel aufschweisste. Wir hatten wirklich wieder einmal Glück gehabt so einen kompetenten Mann zu treffen. Er erzählte mir noch, dass er bereits seit 40 Jahren im Kongo lebt und ursprünglich über eine Gesellschaft im Kongo angefangen hätte zu arbeiten. Inzwischen hat er aber seine eigene Bude und ein paar Angestellte. Da wir nicht mehr so viel CFA hatten, fragte ich ihn, ob er auch Euro akzeptieren würde. Michel nahm meine Hand und antwortete sofort: „aber Madam, das ist doch ein Geschenk aus dem Kongo“. Wow das hatten wir nun ganz und gar nicht erwartet. Irgendwie war es mir gar nicht recht, da hatte er so viel Aufwand wegen uns, kam unsere Sachen holen und brachte sie wieder, dazu das Material und die Arbeit. Wieder hatten wir einen ganz lieben Menschen getroffen, alles was er wollte war ein Mail aus Südafrika mit einem Foto. Das werden wir bestimmt senden.
Michel nahm die Querstange wieder mit und versprach sie uns morgen mit der entsprechenden Verstärkung zurück zu bringen.
Charly baute den Tank ein und kam ganz dreckig wieder unter dem Auto hervor. Überall hatte er Dreckflecken und er sah aus, als ob er Masern hätte. Eine ältere Französin, die hier auf einem kleinen Segelboot lebt, kam hinzu mit ihrem Hund Chopin. Sie lebt seit letzten November hier, da ihr Mann im November an Malaria verstorben war. Man hatte ihr schon eine Wohnung in der Stadt angeboten, doch sie fühlt sich auf dem Boot zu Hause. Der Angestellte, der uns am Morgen so behilflich war einen Schweisser zu finden, kam vorbei um sich zu verabschieden. Er hätten am nächsten Tag einen anderen Arbeitsort. Er hatte mehrere Arbeitsstellen und besuchte noch nebenbei eine Schule für Agrikultur. Er träumte davon eines Tages eine eigene Farm zu haben mit Schafen und Ziegen. Ein Schaf kostet hier um 40'000 CFA. Doch das Geld für seinen Traum fehlte halt noch. Später kam seine hübsche Frau hinzu und sie verabschiedeten sich herzlich von uns.
Später gesellte sich ein anderer Sicherheitsbeamter zu uns, denn er war zu einem Schwatz aufgelegt. Er klagte uns sein Leid, wegen der Armut die im ganzen Land herrscht. Das die Leute kaum Geld zum Überleben hätten und wenig Aussichten darauf einmal mehr Geld zu verdienen. Er zeigte mir aber auch stolz auf der Strassekarte den Ort, von wo er herkam. Ganz weit im Süden, nur einen Steinwurf von Kongo-Kinshasa. In Kongo-Kinshasa könne man sich gemäss seiner Aussage kostenlos von einem Arzt versorgen lassen. Zudem sei die Region das Gebiet, wo alles angepflanzt würde und Kongo-Brazzaville quasi ernähren würde. Er gab uns noch Empfehlungen ab, wo es noch schön wäre, aber das hätte uns zurück nach Gabun gebracht. Er war sehr nett. Zum Schluss meinte er noch, warum wir nicht hier in Kongo-Brazzaville bleiben und Arbeit suchen bzw. ein Geschäft eröffnen.
Später haben wir ausgiebig geduscht und ein Bier getrunken. Zum Abendessen gab es Brot mit Dosenwurst. Nicht sehr lecker, aber zum Kochen hatten wir keine Lust.
Wir sind gemütlich aufgestanden und haben unser Müsli-Frühstück verdrückt. Wir beschäftigten uns anschliessend mit dem Computer, da wir sowieso auf Michel warten mussten. Der kam dann auch so gegen 10 Uhr und hatte die Querstange wunderbar verstärkt sowie neu gestrichen. Er wollte nichts für seine Arbeit und gab uns dafür seine E-Mail-Adresse. Wir versprachen ihm das Foto von Südafrika zu schicken und schon war er wieder weg. Geld wollte er absolut keines.
Charly musste sich nun wieder unter das Auto begeben und den Tank komplett einbauen. Ein junger Schwarzer setzte sich zu uns und schaute interessiert zu. Er fragte, ob er helfen könne, doch unter dem Auto war zu wenig Platz. Ich assistierte Charly so gut es ging und kam mir vor wie in einem Operationssaal. Der Patient hiess Snoopy und Charly war der Chirurg, der statt Skalpell, Schere und Tupfer - Schraubenzieher, Bohrer und Unterlegscheiben forderte.
Am frühen Nachmittag war er dann fertig und ging erst einmal ordentlich duschen. Im Anschluss haben wir dann die Webseite von Gabun fertig gestellt.
Am Morgen haben wir noch die restlichen Fotos bearbeitet. Die militärischen Wachposten hatten heute alle moderne Maschinengewehre dabei. Das war für uns schon etwas gewöhnungsbedürftig. Später erfuhren wir auch den Grund. Scheinbar war heute hoher Besuch angemeldet, der dann auch am späteren Vormittag auftauchte.
Da wir noch einer Schweizer Zeitung versprochen hatten ein aktuelles Foto mit ein paar Info zu senden, hatten wir heute über Mittag eine richtige Fotosession. Immer wieder warfen wir uns in Pose, mal mit Boot mal ohne.
Am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg zum Internet Cafe. Mit dem Taxi fuhren wir in die Stadt. Pointe-Noire machte einen angenehmen Eindruck auf uns. Bei der Ankunft am Dienstag hatten wir einen schlechten Eindruck von der Stadt erhalten, da wir an einigen Müllhalden und miesen Baracken vorbei gefahren waren. Die Innenstadt wirkte auf uns sehr angenehm mit den vielen modernen Gebäuden, die sogar richtige Schaufenster hatten.
Vis à vis vom Hotel Migitel war dann das Titanic Internet und wir freuten uns schon, dass wir unsere Fotos und Tagebücher von Gabun aufschalten konnten. Leider hatten wir uns zu früh gefreut, denn der Manager von dem kleinen Laden war ein richtiges A...... Arrogant verweigerte er uns, dass wir unseren Notebook bei ihm anschliessen. Sein Angestellter war wenigstens noch so nett und gab uns eine weiterer Adresse in der Stadt, wo wir ebenfalls nachfragen könnten. Mit dem Taxi fuhren wir also zur Patisserie Citronelle, wo es feine Kuchen gab. Ich kaufte für Charly ein leckeres Pain au chocolate, weil wir für den Taxifahrer kein Kleingeld hatten und er nicht wechseln konnte. Ein häufiges Problem in Zentralafrika. Kleingeld ist schwierig zu erhalten, dabei sind die Leute doch gar nicht so reich, dass sie nur mit grossen Scheinen einkaufen könnten. Wir suchten nun das Internet Cafe gegenüber der Patisserie auf und fragten erneut, ob wir hier mit unserem eigenen Notebook arbeiten könnten. Hier hatten wir aber auch Pech, denn für die Installation der IP-Adresse verlangte man satte 5'000 CFA. Charly hätte die Installation in einer Minute gemacht, doch leider verweigerte man uns dies selber zu installieren. Sauer über so viel Unverschämtheit wollten wir uns schon auf den Heimweg machen und riefen nach einem Taxi. Der Taxifahrer kannte aber noch ein weiteres Internet Cafe und so fuhren wir zu diesem. Kurz bevor wir ankamen war ein grosser Verkehrsstau, so stiegen wir vorher aus und liefen den Rest. Tatsächlich war wie vom Taxifahrer beschrieben ein Internet Cafe da. Hier hatten wir endlich Glück und wir konnten unseren Notebook anschliessen. Die Updates von unserer Webseite war relativ schnell erledigt. Schnell schauten wir noch nach, was alles in der Welt passiert war und wollten nebenbei noch die Fotos mit ein paar Infos per Mail für die Zeitung senden. Das Mail dauerte ewig lang und war immer noch nicht durch. Schliesslich brachen wir die Aktion ab und Charly hatte eine bessere Idee. Er richtete ein File ein, wo sich der Reporter die Bilder von unserem Server selber abholen konnte.
Die Bilder zu übermitteln dauerte ungeheuer lange. Immer wieder brach die Verbindung ab und es hiess wieder warten. Wir waren schon der Verzweiflung nahe, aber es half nichts, wir mussten uns gedulden. Ganze 5 Stunden hatten wir in dem schäbigen Internet Cafe verbracht und mehr als die Hälfte von der Zeit haben wir mit Warten verbracht.
Kurz nach 20 Uhr hatten wir es dann endlich geschafft und fuhren mit dem Taxi wieder zum Yacht Club.
Charly sagte gleich nach dem Abendessen, dass er heute keinen PC mehr sehen können. Er legte sich hin und es dauerte keine 15 Minuten, da war es ihm schon wieder langweilig und er holte doch wieder den PC aus dem Schrank. Später schaute ich vom Pier aus noch einem Schiff zu, wie es anlegte. Alle Schiffe in der Bucht waren hell beleuchtet und das Licht spiegelte sich im Wasser. Es war ein herrlich romantischer Anblick an unserem letzten Abend in Kongo Brazzaville.
Früh am Morgen sind wir schon aufgestanden und haben unsere Wasservorräte aufgefüllt und Snoopy für den nächsten Grenzübergang fertig gemacht. Das Wetter liess heute zu wünschen übrig, denn es war stark bewölkt und es regnete leicht. Wir verliessen den schönen und gastfreundlichen Ort. Als wir den WC-Schlüssel abgaben sagte man noch, oh ihr wollt schon gehen. Die Leute waren alle so lieb und hilfsbereit hier und zudem konnte wir kostenlos übernachten, unglaublich.
Danach sind wir nach Pointe-Noire gefahren, um noch Kopien von unseren Pässen sowie vom Angola Visum zu machen. Wir hatten in anderen Reiseberichten gelesen, dass dies an der Grenze zu Cabinda gefordert wurde. Danach kauften wir von unserem restlichen Geld noch im Score Supermarkt ein paar Sachen ein.
Ein behinderter junger Mann bettelte vor unserem Auto, doch ich hatte meine Hände voll und konnte ihm kein Geld geben. Als ich die Sachen verstaut hatte und dem Bettler das letzte Kleingeld geben wollte, war es schon weg. Ich sah ihn gerade noch auf der anderen Strassenseite in einen Minibus einsteigen. Er konnte seine Beine nicht mehr gebrauchen und musste auf dem Boden robben. Ich lief ihm nach um gab ihm das Kleingeld. Die Leute waren erstaunt und als wir mit unserem Auto abfuhren, begleitete uns ein Minibus auf der rechten Seite. Alle Insassen zeigten mit ihrem Daumen nach oben, um uns so ihre Anerkennung mitzuteilen.
Auf guter Strasse verliessen wir Pointe-Noire, welches uns doch sehr erstaunt hatte mit seiner modernen Innenstadt. Es gab hier erstaunlich viele neue Geschäfte. Xerox Fotokopierer, ein grosser Dell Computerladen, viele kleine Boutiquen mit Schaufenstern, Internet Cafes, grosse Reklametafeln usw. Ein Stadtbild, dass wir im Kongo so nicht erwartet hatten. Wir haben viele Weisse gesehen, die mit ihren grossen, schicken Geländewagen durch die Stadt fuhren. Man kann hier alles bekommen, aber leider wie überall in Westafrika, zu stark überteuerten Preisen.
Nachdem alles erledigt war, machten wir uns im leichten Nieselregen auf den Weg nach Cabinda. An der Ausfahrtsstrasse wollte uns ein Mann eine junge wunderschöne Boa Schlange verkaufen. Gerne hätten wir sie mitgenommen, doch wäre wohl der Platz im Auto mit der Zeit etwas eng geworden und Mäuse füttern gehört auch nicht gerade zu unseren bevorzugten Tätigkeiten. Für diverse neugierige Grenzbeamte wäre dies jedoch sicher ein gutes Schockmittel gewesen.
Die Strasse war bis zur Grenze ganz gut geteert. Am Strassenrand bot sich nun aber ein anderes Bild als in der Stadt. Die Leute waren sehr arm und hausten in erbärmlichen Bretterbuden bzw. Wellblechhütten. Wenig Gemüse und Obst wurden an kleinen Ständen angeboten.
An der Grenze in Nzassi kamen wir wieder ins Staunen. Hatte man doch neue, moderne Gebäude für den Zoll erbaut. Die Einrichtung war ebenfalls neu und dicke Glasfenster verwehrten den direkten Kontakt zu den Beamten. Unser Carnet wurde zügig und korrekt bearbeitet.
Anschliessende liefen wir über die Strasse zum Polizeiposten. Dort staunten wir wiederum, war doch hier ein junger Mann mit Brille, der mit uns in Englisch kommunizierte. Er machte einen sehr intelligenten Eindruck auf uns. Er hatte Englisch studiert und war eigentlich Dolmetscher. Gemeinsam mit ihm und seinem Kollegen waren die Eintragungen auf einem Blatt Papier rasch erledigt. Im Gebäude nebenan war das Immigrations-Büro. Rasch und unbürokratisch wurden auch hier unsere Pässe gestempelt. Man wünschte uns noch eine gute Weiterreise, wow so rasch hatten wir nicht gedacht, dass wir den Papierkram an der Grenze erledigen können. Wir setzten uns ins Auto und fuhren zum Schlagbaum. Hier nun die Überraschung. Wir mussten uns nochmals bei einem kleinen Häuschen melden, wo man unsere Autopapiere sehen wollte. Der Beamte war ein dicker blöder Hund. Er studierte lieber die CDs, die ihm gerade zum Kauf angeboten wurden. Er würdigte uns keines Blickes und liess uns warten. Der junge Mann mit der Brille kam und erklärte dem Mann, dass wir alle Formularitäten erledigt hätten und weiterreisen könnten. Der A... mit Ohren war über das Verhalten des jungen Mannes ungehalten und sagte ihm, dass dieser hier überhaupt nicht zu melden hätte und zurück in sein Büro gehen soll. Zunächst befolgte der junge Mann die Anweisung. Der Dicke verliess daraufhin sein Büro und liess uns einfach stehen. Wir mussten weiter warten und da wurde es dem jungen Mann zu bunt und er öffnete uns persönlich den Schlagbaum. Wir winkten zum Abschied dem sympathischen jungen Mann noch einmal zu und bewegten uns auf die Grenze von Cabinda-Angola zu.
Gäbe es mehr solche aufgeweckten und intelligenten Männer im Kongo, dann wäre Kongo bald ein fortschrittliches Land. Wir hatten aber den Eindruck gewonnen, dass sich das Land in einem positiven Umbruch befindet und vielleicht wird mit einer vernünftigen Regierung doch noch ein moderner Staat aus Kongo. Wir hatten Korruption und schlechtes Benehmen der Beamten erwartet, wurden aber im Grossen und Ganzen positiv überrascht von diesem Land.
| Angola Cabinda |
Wir fuhren die wenigen Meter von der Grenze Kongo Brazzaville zum Schlagbaum von Cabinda-Angola. Als keiner reagierte und den Schlagbaum öffnete, parkierten wir Snoopy und fragten nach, ob wir nicht in den Hof des Zollkomplexes parkieren dürften. Vor dem Schlagbaum standen einige Kongolesen, die mit den Angolaner lautstark diskutierten, da sie nicht eingelassen wurden.
Ein Beamter willigte ein, uns nach dem Schlagbaum neben dem Zollgebäude parkieren zu lassen. Wir stiegen wieder ein und fuhren zum Schlagbaum. Da stand nun ein Soldat und forderte ein Gazosa, sprich ein Geschenk. Andere Sprache - aber gleiches Thema. Wir wiesen die Forderung strikt ab und gleich darauf kam sein Kollege und öffnete uns den Schlagbaum.
Der Beamte nahm unsere Pässe und ging in das Zollgebäude, welches wir von der anderen Seite zu betreten hatten. Der grosse Raum war spärlich eingerichtet. Ein grosser Tresen und zwei Beamte. Im Hintergrund sassen mehrere Männer auf dem Boden und warteten.
Wir mussten die Kopien von Pass und Visum holen, dann wurden unsere Pässe so gleich bearbeitet. Auf den Kopien mussten wieder einmal Mama und Papa verewigt werden und dazu wurde auch unser Auto und das Kennzeichen eingetragen. Danach konnten wir gehen.
Die Beamtin begleitete uns noch zum Zollbeamten, der uns sogleich freundlich willkommen hiess. Gut konnte ich mich mit dem Mann in Spanisch verständigen. Er war freundlich und unser Carnet war binnen weniger Minuten gestempelt. So schnell wie hier hatte noch keiner das Dokument bearbeitet. Wieder staunten wir, hatten wir uns doch darauf eingestellt länger diskutieren zu müssen. Zum Abschied erklärte man uns noch eindrücklich, dass wir uns in Cabinda-Stadt bei der Immigration zu melden hätten. In nur 20 Minuten hatten wir den ganzen Papierkram hinter uns und konnten weiterfahren.
Die Menschen am Strassenrand und in den Dörfern begrüssten uns freudestrahlend. Viele winkten und streckten den Daumen in die Höhe als sie uns kommen sahen.
Die Behausungen waren noch ärmlicher als auf der kongolesischen Seite. Die Häuschen waren nun aus Bambusstangen mit Strohdächern. Einige waren halb in den Boden eingelassen. Einige gaben Zeichen, dass sie gerne eine Zigarette hätten. Da wir aber beide nicht rauchen, konnte wir den Leuten diesen Gefallen nicht tun. Wir begegneten vielen Soldaten, die teilweise mit Maschinengewehren bewaffnet waren. Zuerst kam natürlich ein etwas ungutes Gefühl auf, doch die Soldaten winkten uns freundlich zu und so gewöhnten wir uns bald an deren Anblick.
Die Piste war nun in einem sehr schlechten Zustand und es galt tiefe Löcher zu umfahren bzw. langsam zu durchfahren. Leider waren noch Überreste von der ehemaligen Teerstrasse auf der Piste, was zur Folge hatte, dass die Löcher hart, tief und scharfkantig waren. Einige Löcher konnten am Rand umfahren werden, da schon viele Fahrzeuge vor uns den Weg ins Gebüsch bevorzugt hatten. Wir kamen nur langsam voran.
Bambuswälder und Buschland wechselten sich mit Grasland ab. Wieder kamen wir zu einem Kontrollposten und ich stieg aus um unsere Pässe zu zeigen. Ein ziemlich angetrunkener Soldat nahm mich so gleich freudig in den Arm, um mich herzlich zu begrüssen. Für meinen Geschmack ein wenig zu überschwänglich. Der Beamte, der die Pässe kontrollierte, war jedoch nüchtern und so war die Kontrolle nach einem kurzen Blick rasch erledigt. Der angeheiterte Typ nippelte währenddessen an seinem Plastikbeutel, in welchem hochprozentiger Alkohol war. Ich wollte schon gehen, da reklamierte er, dass ich doch nicht einfach so gehen könne. Also gut, so gingen wir Arm in Arm zurück zum Auto und er verabschiedete sich feuchtfröhlich von uns. Gut war der Typ trotz Alkoholkonsum so gutmütig.
Wir fuhren weiter und die Landschaft veränderte sich. Wir fuhren nun an Mangrovenwäldern vorbei. Das salzige Brackwasser verbreitete einen leicht unangenehmen Geruch.
Kurz vor der Kreuzung nach Cacongo mussten wir wieder an einem Kontrollposten anhalten. Zu unserem Erstaunen sprachen einige Beamte Englisch. Die Daten unserer Personalien wurden wieder einmal in ein Buch eingetragen und Charly musste die Fahrzeugpapiere im ersten Stock zeigen. Alles war rasch und freundlich erledigt worden.
Kurz nach dem Kontrollposten kamen wir auf eine Teerstrasse. Die kleine Stadt Cacongo war schnell durchfahren und weiter ging es auf passabler Teerstrasse nach Cabinda-Stadt.
Als wir endlich in der Stadt ankamen war es schon kurz nach 17 Uhr. Wir fragten ein paar Männer vor dem Hafen nach der Mission und dem Immigrationsbüro. Ein Hafenarbeiter ging sich persönlich erkundigen, nachdem er keinen Erfolg mit seinem Funkgerät hatte. Es dauerte eine ganze Weile bis er zurück kam. Da die Erklärung zu umständlich war, wollte er uns persönlich begleiten. Wir sassen also zu dritt in der Führerkabine und machten uns auf die Suche.
Das Immigrationsgebäude war rasch gefunden und wieder mussten wir staunen. Es war ein Fernseher vor dem Gebäude installiert und Stühle luden zum Verweilen ein. Ein junger Mann kam so gleich und nahm auf einem Blatt Papier unsere Daten auf. Unterdessen kam sein Chef im Suzuki-Geländewagen an. Dieser wies den Mann an, doch Kopien von unseren Pässen und dem Visum zu machen, damit könne er sich doch die ganze Schreibarbeit ersparen. Der Mann verschwand im Gebäude. Wir unterhielten uns draussen über dieses und jenes. Der junge Mann brachte dem Chef seinen neuen Notebook, der nun als Prestigeobjekt auf einem Stuhl lag. Lässig erklärte der Chef, dass das Notebook nicht neu sondern schon fast 2 Jahre alt sei.
Im Fernsehen liefen unterdessen alte, kitschige Novelas (Seifenopern) aus Brasilien.
Der junge Mann kam aus dem Gebäude und brachte die Kopien für den Chef. Alles wunderschöne Farbausdrücke. Hat man da noch Worte!
Da wir noch keine Kwazas hatten, fragten wir unseren Begleiter nach einer Möglichkeit zum Geldwechseln. Wir gingen zu Fuss, denn gleich um die Ecke konnten wir schwarz Geld tauschen.
Dort rief unser neuer Freund nach einem Typ, der sogleich ankam und uns Kwazas anbot. Wir fragten nach dem Kurs und dieser bot uns lediglich 93 Kwazas für 1 Euro. Dieser Kurs erschien uns zu wenig, doch war es Samstagabend und somit hatten wir wenig Auswahl. Wir wechselten nur 20 Euro und liefen danach zurück zum Auto. Alle drei quetschten wir uns wieder in die Fahrerkabine und fuhren nun zur Katholischen Mission. Es gibt zwei Missionen in Cabinda-Stadt, eine für Männer und eine für Frauen. Unser neuer Freund Benjamin lotste uns zu der Mission für Männer und wir fragten nach, ob wir hier eine Nacht verbringen dürften. Leider waren die verantwortlichen Padres nicht erreichbar und man vertröstete uns auf 19 Uhr.
Infolgedessen fuhren wir zurück zum Hafengelände. Wir luden Benjamin zu einem Bier ein und er zeigte uns den Weg, wo viele kleine Restaurants aufgestellt waren. Wir parkierten und tranken ein kleines Cristal-Bier. Ich unterhielt mich gut mit Benjamin. Ich konnte ihn gut verstehen mit meinen spanisch Kenntnissen und er erzählte mir von den Schwierigkeiten die Cabinda hat. Er erzählte, dass er 35 Jahre alt sei und seine Generation keine Ahnung mehr gehabt hatte, um welchen Konflikt es während der ganzen Kriegsjahre gegangen war. War dieser doch schon so veraltet und somit für die jüngere Generation unverständlich.
Er hatte bereits 6 Kinder und es war für in schleierhaft, dass man keine Kinder hat und auch nicht wollte. Wir diskutierten lange. Er erklärte uns auch, dass die Preise in Cabinda enorm hoch seien und für die Bevölkerung eine rechte Belastung darstellten. Die Artikel werden nämlich alle von Angola eingeflogen, bzw. mit dem Schiff extra in die Enklave versandt. Damit ist alles teuer, mit einer Ausnahme und das ist der Treibstoff. In Cabinda wird Erdöl gewonnen und somit ist der Treibstoff günstig. Da sich die Leute in Cabinda von Angola ausgenommen und unterdrückt fühlen, wären sie viel lieber autonom bzw. ein eigener Staat. Da aber Erdöl gewonnen wird, wird Angola niemals freiwillig diese Einnahmequelle verlieren wollen. Benjamin verriet uns noch, dass das Erdöl vornehmlich in die USA verschifft wird.
Während wir uns unterhielten, wurden die Moskitos immer aufdringlicher und wir drängten bald zum Aufbruch und verabschiedeten uns von dem überaus hilfsbereiten und sympathischen Benjamin.
Es war schon dunkel als wir zurück in die Mission fuhren. Dort hatte man schon auf uns gewartet und man gezeigte uns, wo wir unseren Snoopy hinstellen durften.
Wir machten uns eine Rösti und dazu gab es natürlich Spiegeleier. Rasch war alles verputzt.
Charly aktualisierte die Daten, während ich mich mit den Bücher auf die Weiterreise vorbereitete. Gemeinsam erstellten wir mit Touratech die Reiseroute bis Angola / Luanda auf dem Computer und luden dies auf unser GPS-Gerät.
Die Nacht war sehr ruhig, nur ganz entfernt hörten wir afrikanische Musik.
Charly hatte den Wecker auf 7 Uhr gestellt, da wir heute weiter nach DR-Kongo wollten und wir von einem langwierigen Grenzübergang gelesen hatten.
Wir machten uns fertig und gingen anschliessend auf die sehr schmuddelige Toilette. Der Mann von der Mission war aber sehr lieb und holte mit zwei Eimern noch extra ausreichend Wasser zur Spülung. Auch die Dusche war schmuddlig und wir hätten uns mit einer Eimerdusche begnügen müssen. Es war uns zu dreckig und so bevorzugten wir die Katzenwäsche.
Als erstes machten wir uns auf die Suche nach einer Tankstelle. Leider gab es bei der ersten Tankstelle keinen Diesel mehr, dafür standen die Autos Schlange um Benzin zu tanken.
Der Preis war sensationell, nur 29 Kwazas was ungefähr 27 Eurocent entsprach. Für Benzin wurden 40 Kwazas pro Liter verlangt. Von solchen Treibstoffpreisen können wir in Europa nur noch träumen.
Nachdem wir nun den Dieselpreis in Erfahrung gebracht hatten, fuhren wir zur gleichen Strasse, wo wir gestern schon Geld schwarz getauscht hatten. Heute waren aber wesentlich mehr Männer da und das Anbot war entsprechend besser. Gestern noch hätten wir für 100 Euro nur 9'300 Kwaza erhalten, heute bot man uns 10'000 Kwazas. Na da hat sich das Warten doch gelohnt und wir waren froh, dass wir am Vortag nicht mehr gewechselt hatten.
Mit dickem Portemonnaie machte ich mich auf den Weg zum gegenüberliegenden Markt. Es gab vieles zu kaufen. Von Wein aus Spanien, über Milchpulver und Konserven bis zum Gemüse war alles vorhanden. Die Preise waren aber gesalzen. Ich konnte trotzdem nicht widerstehen und kaufte zwei Gurken, Tomaten und Peperoni ein. Ein Gurke kostete 1 Euro. Happiger Preis!
Danach suchten wir eine Tankstelle und tankten bis obenhin voll. Diesen günstigen Preis konnten wir uns doch nicht entgehen lassen.
Gegen 9 Uhr hatten wir alles erledigt und machten uns auf den Weg zur Grenze. Die Strecke am Stadtausgang war ziemlich löchrig und der Strassenrand war ziemlich ausgebrochen, wobei wir ziemlich hohe Stufen auf die Teerstrasse überwinden mussten. Staubig und sandig waren ein paar Abschnitte. Die Leute aber winkten uns begeistert zu, als sie uns Touristen erkannten.
Die Teerstrasse zur Grenzstation Yema war passabel und wir hatten die wenigen Kilometer schnell hinter uns gebracht. An der Grenze aber wurden wir nicht durchgelassen. Heute war geschlossen, da Sonntag war. Häääää? Die machten einfach die Grenze dicht und die Chefbeamten waren mit samt ihren Stempeln in Cabinda-Stadt.
Trotzig stellten wir unseren Snoopy zum Campieren an den Schlagbaum. Bald darauf kamen ein paar Soldaten und wollten uns überreden doch auf dem Parkplatz nebenan zu campieren. Wir weigerten uns und erklärten, da die Grenze sowieso geschlossen sei, stören wir doch auch den Verkehr nicht.
Die Soldaten gingen zurück und berieten sich, was sie mit uns anfangen sollten. Schliesslich kamen sie zurück und gewährten uns Einlass auf das Zollgelände. Der Platz war jedoch in der Nähe von den Restaurants, wo lautstark afrikanische Musik aus übersteuerten Lautsprechern dröhnte. Hier gefiel es uns nicht und Nachtruhe würden wir hier sicherlich auch nicht finden. Ein Soldat kam und erklärte uns, dass wir hier nicht bleiben könnten. Er hätte mit seinem Chef telefoniert und dieser hätte dies verboten. Da es uns sowieso nicht gefiel, willigten wir artig ein uns doch vor dem Grenzposten auf den Parkplatz zu postieren.
Der Platz war vermüllt, doch wesentlich ruhiger. Wir nutzten die Gelegenheit, legten und hin und ruhten uns aus. Bald aber war es uns zu langweilig und wir kochten uns einen Kaffee und assen den letzten Schokikuchen aus unserem Vorrat.
Damit die Zeit nicht ungenutzt verstrich, putzte Charly anschliessend die Düsen von unserem Benzinkocher. Dieser hatte nämlich einen ziemlich schwarzen Topf verursacht beim Wasserkochen. Ein Zeichen, dass er beträchtlich verrusst war. Ich machte unterdessen klar Schiff in der Wohnkabine.
Ein paar Mal hörten wir Jubelschreie aus der Bar und Männer tanzten fröhlich vor der Bar. Plötzlich kamen ein paar junge Männer von der Bar zu uns herüber. Einer konnte einwenig Englisch und erklärte, dass sie in Cabinda für eine amerikanische Firma tätig waren und nun den Sonntag in der Bar genossen. Alle hatten Krüge mit Palmwein in den Händen (mit Fliegeneinlage) und waren schon leicht angeheitert. Wir erfuhren nun auch den Grund der Jubelschreie. Es hatte ein Fussballmatch Gabun gegen Angola stattgefunden und Angola hatte 2:0 gewonnen. Das musste natürlich ausgiebig gefeiert werden.
Die Männer waren neugierig und wollten auch die Einrichtung der Wohnkabine sehen. Da sie sich anständig und nicht aufdringlich verhielten, liessen wir sie gewähren. Wir unterhielten uns noch ein Weilchen, danach dackelten sie zurück zur Bar. Die Fliegen die sie umgaben, begleiteten sie Gott sei Dank wieder zurück.
Am späten Nachmittag wurde das Tagebuch bei Mozartmusik mal wieder aktualisiert, so konnten wir die Wartezeit doch noch sinnvoll nutzen.
Am Abend kochten wir uns ein paar Nudeln mit Tomatensauce und tranken gemütlich ein Gläschen Wein dazu.
Die Nacht war ruhig, doch schlafen konnten wir nicht. Wir waren keinen Kaffee mehr gewöhnt und so waren wir beide hell wach und kribbelig. Die Soldaten an der Grenze verständigten sich mit Pfifflauten, was mich noch nervöser machte und deshalb sah ich immer wieder neugierig aus dem Fenster.
Wir hatten die ganze Nacht kein Auge zu getan und entsprechend fit. Wir waren bereits kurz nach 6 Uhr aufgestanden und hatten uns startklar gemacht. Danach hiess es warten. Die Grenzposten wussten selber nicht genau wann die Grenze nun aufgemacht würde. Einer sagte um 8 Uhr der andere sagte um 9 Uhr, da muss man sich gedulden, ob man will oder nicht. Einige andere Fahrzeuge standen vor der Schranke schon Schlange. Wir legten uns nochmals hin und warteten bis es endlich 8 Uhr war.
Um 8 Uhr war dem ungeachtet die Schranke immer noch geschlossen.
8:20 Uhr wurde endlich die Schranke geöffnet und alle Fahrzeuge drängelten und zwängten sich ungeduldig durch die Schranke. Wir mussten wieder warten bis der grösste Ansturm vorbei war und wir endlich vom Parkplatz auf die Strasse fahren konnten. Freudestrahlend fuhren wir auf die nächste Schranke zu. Doch wo all die anderen durchgelassen wurden, mussten wir parkieren und wieder warten. Die Immigration war zwar offen, doch es war kein Beamter weit und breit zu sehen. Ich wartete vor dem Immigrationsbüro, während Charly über die Strasse lief und schon mal unser Carnet abstempeln liess. Dies war rasch und problemlos erledigt. In der Zwischenzeit kam ein arroganter unfreundlicher Typ in Lederjacke und ich dachte schon, jetzt kann es los gehen. Doch der Typ nahm mir nur unsere Pässe ab und legte sie in die Schublade. Danach verschwand er wieder. Häääh, was soll das nun wieder?
Wir warteten weiter. Demonstrativ stellten wir die Stühle vom Immigrationsbüro nach draussen und setzten uns. Dies gefiel denen natürlich gar nicht. Schon bald kam ein Soldat und wies uns an doch in dem Warteraum Platz zu nehmen. Er putzte extra noch den Tisch und wir mussten uns auf die Plüschsofas setzen. Wir warteten und warteten. Bald war es uns zu blöd und wir stellten uns wieder draussen hin, nicht das man uns noch vergisst.
Um 9:30 Uhr war es den Damen und Herren vom Immigrationsbüro doch noch genehm zu erscheinen. Sie kamen mit dem Auto geradewegs aus der Stadt und hatten es trotz der erheblichen Verspätung überhaupt nicht eilig. Gemütlich wurde erst einmal alles ausgebreitet. Der widerliche Typ erschien wieder und nahm unsere Pässe aus der Schublade. Er übergab diese einem schick angezogenen jungen Mann. Dieser tat wichtig und wir mussten uns wieder vor dem Büro gedulden.
Der Lederjackentyp war nicht nur sehr unfreundlich, sondern auch noch faul, denn er hatte unsere Pässe einfach nicht bearbeitet. Er liess sie einfach liegen. Uns war natürlich schon klar, dass die es auf unser Geld abgesehen hatten, doch wir waren genauso stur. Wir reklamierten mal wieder und man schickte uns wieder ins Büro. Dort verlangte nun der gut angezogenen Mann eine Gebühr. Wir erklärten ihm sofort, dass wir keinesfalls eine Gebühr bezahlen, da dies nicht korrekt sei. Da änderte der Mann seine Taktik und fragte nach, ob wir uns im Immigrationsbüro von Cabinda-Stadt gemeldet hätten. Natürlich war unsere Antwort, doch der Mann glaubte uns nicht und ging mit seinem top-modernen Handy nach draussen. Er rief bei der Immigration in Cabinda-Stadt an und sehr zu seinem Bedauern wurde ihm bestätigt, dass wir uns korrekt verhalten hatten. Hähähä - Pech gehabt. Widerwillig wurden uns danach die Pässe gestempelt und übergeben. Diese Widerlinge hatten uns ganz schön genervt und ich hatte auch schon gedroht mich mit dem Ministerio da Hoteleria e Tourismo in Luanda in Verbindung zu setzen. Nebenbei hatte ich noch den Namen des Ministers erwähnt. Die Telefon- und Handy-Nummer von Domingues Joaquim hatte ich auch schon parat.
Endlich um 10:40 konnten wir den Schlagbaum von Cabinda hinter uns lassen. Wir konnten es uns aber nicht verkneifen, vorher noch dem Mann vom Zoll zu informieren, dass die Abfertigung hier eine totale Katastrophe sei. Er hatte nämlich grossartig zu Charly gesagt, dass die Grenzabfertigung in DR-Kongo ein Sauhaufen sei, diese ein grosses Chaos hätten und ihren Job nicht im Griff hätten. Wir hatten nach der ganzen blöden Warterei eher den Eindruck von Cabinda.
Wir waren froh, als sich endlich der Schlagbaum für uns öffnete und wir den unfreundlichen, geldgierigen Ort verlassen konnten.
| DR Kongo |
Der nächste Schlagbaum wartete schon unmittelbar nach dem von Cabinda. Die Schranke wurde geöffnet und man wies uns den Platz, wo wir parkieren sollten. Danach ging es in ein kleines Häuschen mit vier Beamten. Sofort standen alle auf und sie gaben uns zwei Stühle zum Platz nehmen. Wir wurden überaus freundlich empfangen. Einer der Beamten war Militärarzt. Er hatte einen weissen Kittel an und wir wussten nun schon was kommen würde und tatsächlich griff der nette, ältere Herr in sein Kästchen und holte zwei Thermometer heraus. Lachend fragte ich den guten Mann, was es denn nun mit uns vor hätte, während er mit Alkohol die Thermometer reinigte. Er erklärte, dass man Fieber messen müsse, da wir aus Cabinda kämen. Mit Humor erläuterte ich dem Doktor, dass wir ja nicht mal einen Tag dort gewesen waren. Wir hatten Glück, denn er lachte auch und packte seine Thermometer wieder ein. Wir waren noch so erhitzt von den Diskussionen mit den Beamten in Cabinda und wir hatten beide das Gefühl leicht erhöhte Temperatur zu haben. Wir waren froh, dass wir nicht diesen lächerlichen Test machen mussten und wo möglich noch letztendlich in der gegenüberliegenden Quarantänestation gelandet wären. Das hätte uns gerade noch gefehlt.
Die Daten von unseren Pässen wurden wie üblich genauestens in ein dickes Buch eingetragen und auch unsere Impfausweise wurden gewissenhaft geprüft sowie in einem Büchlein festgehalten. Alles verlief korrekt und freundlich.
Als nächstes mussten wir in das Immigrationsbüro und damit wir nicht verloren gingen, hat uns ein freundlicher Mann begleitet. Wieder wurden wir überaus freundlich empfangen und auch der Chef kam persönlich vorbei um uns die Hände zu schütteln und etwas Konversation zu machen. Die Stempel wurden schön platzsparend in unseren Pässen verewigt und schon konnten wir das Büro wieder verlassen.
Nachfolgend mussten wir zum Container schräg gegenüber laufen und unsere Fahrzeugdaten aufnehmen lassen. Der Herr dort war auch sehr zuvorkommend zu uns. Links von uns sass heulend eine junge, hübsche Frau auf dem Boden. Ich zwinkerte ihr aufmunternd zu, was sie mit einem zaghaften Lächeln quittierte. Ein anderer Beamter betrat den Raum und wollte die junge Frau rausholen. Der Mann, der unsere Dokumente bearbeitete war ziemlich ungehalten und sagte barsch, dass er jetzt gefälligst warten soll, bis er mit uns fertig ist. Die Frau hatte nichts zu lachen hier, dass war uns sofort klar. Als Tourist hat man doch bessere Karten in der Hand.
Nun nur noch schnell das Carnet abstempeln im Zollgebäude dachten wir und fertig. Das Zollgebäude erinnerte eher an eine Lagerhalle, da hier sehr viel beschlagnahmte Ware aufgestapelt herum lag. Der Beamte aber war korrekt und hatte uns den Stempel schnell in unser Carnet gemacht.
Draussen mussten wir dann doch noch das Innenleben von Snoopy zeigen. Ich denke es war eher aus Neugier, als das sie wirklich nach Waffen gesucht hätten. Wie immer forderten wir, dass sie die Schuhe ausziehen müssen, bevor sie unsere „Wohnung“ betreten. Natürlich hatten die vier Beamten keine Lust dazu, wahrscheinlich hatten sie Löcher in den Socken oder Schweissfüsse. ;-)
Charly stieg ein und öffnete die Schränke, die sie ansehen wollten. Von aussen guckten sie dann neugierig in die Wohnkabine. Einer war neugieriger als der andere. Ich wurde gefragt, ob wir eine Kamera dabei haben. Natürlich, antwortete ich. Dann fragte mich der Typ, ob wir Waffen dabei hätten. Natürlich nicht, antwortete ich.
Nachdem sie die Wohnkabine inspiziert hatten und schon gemeint hatten, dass unser Radio ein Satelliten-Empfangsgerät sei, konnten wir schliesslich die Tür wieder schliessen.
Nun wurde die Fahrkabine untersucht. Leider fanden sie unsere Machete und ich erklärte, dass dies keine Waffe sei, sondern wir das Ding brauchen um Büsche und Gras zurück zu schneiden, wenn wir im Busch übernachten. Der Beamte meinte lächelnd, dass man auch einen Kopf damit abhauen könnte. Gequältes Lächeln von unserer Seite und Charly antwortete schlagfertig, dass wir damit unsere Elefantensteaks zuhauen.
Auf der Fahrerseite fand er dann den grossen Hammer und die Säge. Der Hammer sei um den Elefanten zu narkotisieren, scherzte Charly. Alles in allem waren die Beamten nett und einer verglich uns mit einer Schildkröte, die hätte auch immer ihr Haus dabei.
Zum Abschluss wollte der nette Grenzer unbedingt noch unsere Adresse und schrieb uns seine E-Mailadresse auf, mit dem Vermerk, er sei Aimé und wir sollen uns doch mal bei ihm melden.
Wir waren froh, die ganzen Grenzangelegenheiten hinter uns zu haben und machten uns auf nach Muanda. Die Piste war sehr sandig dorthin und viele Ölpumpen waren links und rechts von der Piste am Arbeiten.
In Muanda suchten wir die Katholische Mission der Schwestern und landeten bei den Brüdern. War uns auch recht, hatten wir doch gehört, dass die Schwestern sehr unfreundlich und geldgierig seien.
Wir konnten im Hof campieren und Benjamin gab uns einen Zimmerschlüssel, damit wir das WC und Duschen benützen konnten. Zuvor hatte ich ihn aber von 20 auf 10 US$ pro Nacht herunter gehandelt. Sehr zu unserer Freude wurde von den Padres auch eine Kneipe betrieben und so hatten wir heute mal wieder ein gutes, kühles Bier. Da galt es nur noch vorher Geld zu wechseln. Benjamin schickte uns zum Telefonstand gegenüber vom Hospital. Dort, so versicherte er uns, könnten wir Euro oder Dollar tauschen.
Wir liefen zum Telefonstand und trafen auf Arthur. Ein junger, sympathischer und geschwätziger Kongolese. Wir hatten selten so viel Spass beim Geld wechseln und auch Arthur mit seinem Motorola T-Shirt hatte offensichtlich Freude an uns. Er wollte uns dann gleich am Abend besuchen kommen, doch wir waren zu müde. Auch die versprochene Papaya konnte uns da nicht locken.
Mit Brot bewaffnet liefen wir zurück zur Mission und haben mit einem guten Bier gevespert. Danach legten wir uns erst einmal aufs Ohr.
Am späteren Nachmittag kam ein älterer Mann und wollte mir seinen Souvenirladen zeigen, ich hatte aber eher das Bedürfnis nach einer Dusche. Als ich von der Dusche zurück kam, waren diverse Souvenirs vor unserem Auto ausgebreitet. Abwartend sass der Mann dahinter.
Ich sah mir die geschnitzten Kalebassen, die Figuren und die Masken an. Zwei der kleinen Masken waren ganz hübsch und ich konnte nicht widerstehen.
Am späten Nachmittag kam ein angehender Priester zu mir, den ich bei unserer Ankunft für den Grillchef gehalten hatte. Er hatte ein Schürze um gehabt mit dem Spruch Chef de Cuisine und eine Grillzange in der Hand. Wir unterhielten uns über die Situation von Afrika und wie es bei uns in Europa so ist. Er war sehr ruhig und freundlich.
Nachdem Abendessen legten wir uns früh schlafen, waren wir doch noch müde von der durchwachten Nacht.
Wir sind früh aufgestanden, da wir heute weiter nach Boma fahren wollten. Die Strecke soll es in sich haben, hatten wir gelesen. Nach unserem üblichen Müsli-Zmorge hatten wir rasch gepackt. Die Leute in der Mission bedauerten, dass wir schon wieder weiterfuhren. Wir hätten doch noch gar nichts von Muanda gesehen. Recht hatten sie, doch ist die sandige Kleinstadt nicht wirklich sehenswert. Der Strand wäre sicher noch einen Abstecher wert gewesen, doch Charly zog es weiter. Auf unserem Weg aus der Stadt trafen wir wieder Arthur Motorola, wie wir ihn nannten. Er wollte uns wieder irgendwas abschwatzen und drohte mit Tränen. Charly gab ihm geistesgegenwärtig ein Taschentuch. Arthur lachte und wünschte uns lachend eine gute Weiterfahrt.
An der Ausfahrt von Muanda gab es wieder einmal einen Kontrollposten. Woher und wohin war wie immer die Frage. Von Mission Muanda zur Mission in Boma, war unsere Antwort und schon wurden wir als Missionare angesehen und wurden respektvoll durchgelassen. Das funktionierte. Wir hatten natürlich nicht erwähnt, dass wir dort nur schlafen.
Die Piste war bald sehr weichsandig und wir brauchten die Untersetzung. Manchmal waren wir gar nicht sicher, ob dies wirklich der richtige Weg war, da es mehrere Spuren gab. Wir mussten einen Hang hinunterfahren, wo uns kein anderes Fahrzeug entgegen kommen durfte. Es war ziemlich eng. Die Strecke war einfach in den Hügel gefräst worden und hatte gerade mal eine Fahrzeugbreite.
Unten ging es dann auf sandiger Piste weiter. Unsere GPS-Koordinaten stimmten plötzlich nicht mehr und wir fragten nach dem Weg. Wir waren noch immer auf dem richtigen Weg, nur war der Pistenverlauf nicht mehr mit den Touratech-Daten im Einklang. Wahrscheinlich wurde der Verlauf in den vergangenen Jahren geändert. Wenig später war alles wieder identisch.
Soldaten fragten ungeniert nach Zigarette und Kaffee. Die Leute am Wegesrand winkten uns zu. An einer sehr tiefsandigen Passage war wieder ein Kontrollpunkt. Man pfiff uns, doch wir hielten erst, als wir festeren Boden unter den Reifen hatten. Die hatten wirklich genau den blödsten Ort zur Kontrolle ausgesucht. Der Soldat war natürlich sauer, doch nach unserer Erklärung war alles wieder in Ordnung. Die Soldaten wollten unsere Pässe sehen, doch ihr eigentliches Anliegen war von uns ein Journal oder ein Buch zu erhalten. Kein Wunder bei dem abgelegenen Ort mitten im Busch, da wird es schnell mal langweilig. Wir konnten ihnen nicht helfen und konnten rasch weiterfahren.
Die weitere Strecke nach Boma hatte ein paar knifflige Stellen, insbesondere wenn einer der vielen völlig überladenen LKW entgegenkamen. Da wurde es dann schon mal eng und Platz zum Ausweichen war rar. In den Ebenen konnte man gut fahren, doch bei Berghängen war die Strasse stark erodiert und tiefe Furchen erschwerten die Fahrt. Gott sei Dank waren wir in der Trockenzeit unterwegs. Die tiefen ausgetrockneten Löcher aus den vergangenen Regenzeiten zeigten uns, dass die Piste sehr problematisch werden kann.
Wir wurden immer wieder nach Zigaretten gefragt, oder man machte uns Zeichen, dass man Hunger hätte. So richtig glauben konnten wir aber nicht, dass die Leute hier Hunger leiden. Sie waren zwar sehr arm, aber so abgemagert sahen sie nicht aus. Die Zeichen galten auch nur uns und nicht den Einheimischen LKW-Fahrern, die mit Obst und Lebensmittel beladen waren.
Oft kamen uns LKWs entgegen, die völlig überladen waren und obendrauf auch noch voll mit Leuten besetzt waren. Ein entgegenkommender LKW (Mercedes Rundhauber) drohte fast zu kippen. Die Männer waren es gewohnt während der langsamen Fahrt vom LKW zu steigen und nebenher zu laufen. Jeder LKW hatte seine Helfer dabei, die sofort bei jedem Halt einen Klotz unter die Räder schoben. Dies liess uns nicht viel Vertrauen in ihr Bremsvermögen schöpfen.
Kurz vor Boma sahen wir dann das erste Mal den Kongo Fluss. Er war breit und das Wasser floss nur sehr langsam. Wir sahen diverse Schiffsleichen am Ufer liegen.
Boma war eine quirlige Stadt, die früher einmal die Hauptstadt von DR-Kongo war. Wie immer mussten wir uns durch enge Strassen mit viel Verkehr quetschen. Überall waren kleine Marktstände und es herrschte ein reges Treiben in der Stadt. Die Minibusse hatten wie immer die Vorfahrt gepachtet, drängelten oder blockierten die Strasse.
Da es erst früher Nachmittag war hatte Charly beschlossen noch weiter bis nach Madati zu fahren. Hier bei Boma sollte schliesslich die gute Teerstrasse beginnen und wir hatten die Hoffnung relativ schnell voran zu kommen.
Wir wurden natürlich wieder einmal enttäuscht. Die Teerstrasse war recht löchrig und zudem verpassten wir die Abzweigung nach Madati. Kurz vor Canieba wurden wir von einem Kontrollposten aufgehalten, der uns fragte, wo wir hin wollten. Dieser erklärte uns danach, dass wir zu weit gefahren waren und nun 12 Kilometer zurückfahren müssen. Wir könnten aber auch in der Mission bei den Schwestern übernachten, welche nur ca. 1 km entfernt lag. Wir wollten aber weiterfahren und kehrten um. Die Strecke bis nach Madati zog sich in die Länge und wir kamen wegen den stellenweise schlechten Strassenabschnitten nicht sehr schnell vorwärts. Kinder schaufelten Sand in die Schlaglöcher und verlangten Geld dafür. Geschaufelt wurde aber nur wenn ein Auto in Sicht war. Von uns gab es dafür keine Kohle, da sowieso immer nur die gleichen 5 Löcher gefüllt wurden.
Wir wurden auch diverse Male von Strassenkontrollen aufgehalten, welche aber nur Zigaretten, Kaffee oder sonstiges abstauben wollten. Zwei Polizistinnen waren besonders aufdringlich und wollten sogar unsere Versicherung sehen. Sie verlangten explizit nach der Carte Rose. Die ist zwar für DR-Kongo nicht mehr gültig, aber das haben wir den Tanten natürlich nicht erzählt. Enttäuscht, das wir alle unsere Papiere in Ordnung hatten, mussten sie uns fahren lassen. Der Bitte nach einem Saft kamen wir natürlich nicht nach. Zuerst frech anmachen und dann noch profitieren nee, nicht mit uns.
Der nächste Kontrollposten war dafür wieder korrekt und der ältere Beamte zeigte der jungen Kollegin wie und was man fragt, danach konnten wir auch schon weiterfahren.
Kurz vor Madati kamen wir über eine Anhöhe von wo aus wir eine herrliche Aussicht auf den Kongo Fluss und auf die Stadt hatten. Die Stadt ist auf mehreren Hügeln verteilt und relativ gross. Wir machten ein paar Fotos, immer mit Vorsicht, da wir wussten, dass man den Kongo und den Hafen von Madati eigentlich nicht fotografieren darf. Das Militär von DR-Kongo hat das nicht so gern. Weiter um die Kurve sahen wir dann auch die grosse Brücke, welche über den stolzen Kongo Fluss führte.
An der Brücke verlangte man 10 US$. Wir wollten mit einzelnen Ein-Dollarnoten zahlen, doch wurden diese nicht akzeptiert. Die Banken würden erst ab 5 Dollar wechseln. Es blieb uns nichts anderes übrig als in der Wohnkabine nach den entsprechenden Dollarnoten zu suchen.
Am Zahlhäuschen wurde dann gewechselt und ich erhielt von den 10 Dollar noch Wechselgeld in Höhe von ca. 3,50 US$ zurück. Es wurde zusätzlich eine Gebühr (ca. 10%) fürs wechseln erhoben.
Die Schranke wurde gehoben und wir konnten über den Kongo fahren. Am anderen Ende der Brücke mussten wir einen Teil des Tickets abgeben und anschliessend gleich noch zur Immigration gehen. Es war etwas verwirrend, doch die Beamten waren nett und hilfsbereit.
Später erklärten sie uns noch den Weg zur Mission in der Innenstadt. Wir fanden die Fina Tankstelle und bald auch im nächtlichen Wirr-Warr des Verkehrs die Mission.
Ich ging hinein und fragte nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Leider war man dort nicht auf solche Besucher wir uns eingerichtet, doch war man sehr liebenswürdig und hilfsbereit.
Sie schickten ihren Nachtwächter mit uns mit, damit wir das Konvent der Schwestern finden.
Man gab dem Nachtwächter sogar das Taxigeld für die Rückfahrt mit. Auf meinen Hinweis, dass wir diese Kosten selbstverständlich übernehmen, wurde nur abgewinkt. Ich war mal wieder baff! Der kleine dünne Nachtwächter nahm neben mir in der Fahrerkabine Platz und wies uns den Weg zum Konvent.
Leider öffneten die Schwestern die Pforte nicht, obwohl wir riefen und hupten. Eine Klingel gab es nicht. Ein paar junge Männer erklärten, dass es noch einen anderen Eingang gäbe, welchen wir dann auch suchten. Dort trafen wir auf den jungen Nachtwächter, der uns zuerst gar nicht rein lassen wollte. Alle Zimmer seien bereits belegt und Camper wie wir waren nicht so geläufig. Er wollte keine Probleme bekommen. Unser kleiner Nachtwächter liess aber nicht locker. Er bequatschte den jungen Mann so lange, bis uns dieser tatsächlich auf dem Areal übernachten liess. Als Dank gab ich unserem Nachtwächter natürlich auch ein Trinkgeld, über das er sich sehr freute.
Wir konnten nun an einem sehr lauten, doch sicheren Platz in Mitten von Madati übernachten. Für grosse Fahrzeuge war die Toreinfahrt aber nicht geeignet und wir waren froh, dass unser Snoopy nicht so gross ist.
Mit Ohrenstöpsel konnte ich ganz gut schlafen, während Charly ohne Stöpsel dem nächtlichen LKW-Verkehr lauschte.
Wir waren schon früh auf und haben uns gleich für den Grenzübergang gerüstet. Doch bevor wir das Konvent verliessen, wollten wir uns noch in der Rezeption melden. Dort wusste man nicht so recht, was man mit uns anfangen sollte. Wir hatten kein Zimmer gemietet, welches ca. 15 US$ gekostet hätte. Nur fürs Parkieren wollten sie dann keine Bezahlung, was uns natürlich auch sehr recht war. Für unsere letzten Kongo Franc kauften wir in einem kleinen Laden noch etwas ein, dann ging es entgültig zur Grenze.
Die Strasse zum Immigrations- Gebäude und Schlagbaum war ziemlich steil. Ein Mann wies uns den Weg zu den Büros. Wir hatten schon sehr viel schlechtes über diesen Grenzübergang gelesen und waren folglich auf einiges gefasst.
Zuerst mussten wieder alle Daten in ein „goldenes“ Buch eingetragen werden. Damit wir aber nicht unnötig Zeit verlieren, meinte der Beamte ich könne ja in der Zwischenzeit zum Zoll gehen. Ich lief also zurück zum Zollgebäude, um dort das Carnet bearbeiten zu lassen, während Charly die Stellung bei der Immigration hielt.
Als ich im Büro des Zolls ankam, musste ich erst einmal warten. Die Beamten waren gerade alle samt beim Frühstück. Ein Herr bot mir höflich seinen Stuhl an und so konnte ich bequem warten, bis sie ihr Frühstück beendet hatten. Der dicke Herr stand dann schliesslich auf und begab sich hinter seinen Schreibtisch. ZACK - hatte ich auch schon den Ausreisestempel im Carnet. Er wünschte uns noch eine gute Weiterreise und fragte so nebenbei, ob wir ein Buch schreiben. Vielleicht war meine Antwort, und dachte nebenbei, dass unser Tagebuch ja schliesslich auch eine Art Buch sei.
Ein kleiner hagerer Mann lief mit mir zurück zum Auto. Er war zuständig für die Durchsuchung des Fahrzeuges. Er war sehr nett und ich konnte mich gut mit ihm unterhalten, während wir auf Charly warteten. Charly hatte es da weniger einfach gehabt.
Unsere Daten wurden in dem Buch feinsäuberlich eingetragen. Der junge Beamte hatte schon schön alles eingetragen, als sein Chef kam und ihn kritisierte. Er hatte von der letzten Seite einige Zeilen ungenutzt gelassen und eine neue Seite begonnen. Danach musste Charly noch unsere Kopien von den Pässen und Visum bringen. Leider hatte er versehentlich zwei Mal eine Kopie von meinem Visum genommen und prompt wurde ihm mitgeteilt, dass die Kopie nicht mit seinem Pass übereinstimme, und dass das gar nicht gut sei. Also dackelte Charly wieder zum Auto und holte die korrekte Kopie. Danach wurden die Impfausweise verlangt, die ich bei mir trug. Die Lady im Büro nahm es ganz genau beim Eintragen der Daten. Nicht nur das Datum sondern auch der exakte Impfstoff wurde vollumfänglich im Buch festgehalten. Die Tante hatte aber so ihre Probleme, fragte die mich doch glatt ganz streng wieso wir keinen Eintrag für das Jahr 2005 hätten. Da platzte mir aber der Kragen. Diese Ziege! Ich kanzelte sie ab, in dem ich ihr erklärte, ob sie den nicht wisse, dass diverse Impfungen für 10 Jahre gültig seien und somit nicht jedes Jahr wiederholt werden müssten, wie zum Beispiel Gelbfieber und Polio. Um meiner Aussage mehr Gewicht zu geben fügte ich noch hinzu, dass ich lange genug im medizinischen Bereich tätig war.
Wie kann man nur so ein dummes Huhn da hinsetzen. Die hatte Null-Ahnung vom ganzen und las höchstens vom Impfausweis die Daten ab, hatte aber keinerlei Wissen darüber. Es wird uns immer ein Rätsel bleiben, warum man wegen den Impfungen bei der Ausreise so ein Trara macht. Nach meinem Anfall stellte sie keine Fragen mehr und trug brav die Daten in ihr Buch ein.
In der Zwischenzeit hatte Charly mit den Zollbeamten zu tun. Der kleine Mann hatte bereitwillig seine Schuhe ausgezogen und ist in die Kabine eingestiegen. Er blickte sich nur kurz um und auf die Frage was drin sei, war Charlys lapidare Antwort: Inneneinrichtung. Gut hatten wir alles schön aufgeräumt gehabt, da kommen sie weniger auf dumme Ideen. Nach der Fahrzeugdurchsuchung erhielt ein anderer Beamter unsere Pässe. Dieser begleitete uns zur Schranke. Charly fuhr durch, während ich durch das Gatter für Fussgänger musste, man liess mich nicht mit dem Auto mitlaufen. Dabei waren da höchstens 2 Meter Unterschied und nichts war abgeschirmt oder gekennzeichnet. Auch auf der anderen Seite des Schlagbaums warteten unzählige Orangen auf ihre Verladung nach Kinshasa. Der Beamte mit den verkrüppelten Händen begleitete uns bis zum Schlagbaum von Angola. Seine Hände sahen aus, als wären die Finger einmal abgehauen worden und die Haut war schwer verbrannt gewesen und glich nun sehr dünnen Pergamentpapier. Zwei Finger und ein Stummel waren etwas schräg wieder angenäht worden. Meine Spekulation war, dass eine Handgranate dies verursacht haben könnte. Er übergab unsere Pässe direkt dem Angolaner und verabschiedete sich freundlich von uns. Echt nett diese Kongolesen.
Die Grenzabfertigung war langsam und mühsam, doch korrupte Beamte haben wir im Gegensatz zu anderen Reisenden nicht angetroffen. Wir brauchten für den Übergang nur 1 ½ Stunden, während wir von anderen Reisenden gelesen hatten, dass sie 19 Stunden ausharren mussten, bis sie ihre Pässe zurück erhalten hatten.
| Angola |
Der Schlagbaum öffnete sich und wir betraten Angolanisches Territorium. Die Beamten hier waren weniger nett, als in DR-Kongo. Der Beamte schnappte unsere Pässe und verschwand im Gebäude. Wir hatten in der Zwischenzeit draussen zu warten. Ich postierte mich gut sichtbar vor dem Gebäude, während Charly schon mal das Carnet stempeln liess. Dieses wurde von einem Herrn in Massanzug postwendend und korrekt erledigt.
Die Pässe dagegen liessen lange auf sich warten und so beschlossen wir uns ins Auto zu setzen. Wir assen etwas Brot und packten unsere Bücher aus. Gerade als wir es uns bequem machen wollten, hatte man es sich doch überlegt und man wollte unsere Pässe nun bearbeiten. Gut waren wir früh dran, so hatten wir den ganzen Tag noch vor uns und konnten genügend Zeit demonstrieren. Der Chef höchst persönlich bestimmte wo im Pass der Einreisestempel zu platzieren war und der Zollbeamte stempelte gehorsam exakt an dieser Stelle. Danach hiess es, fertig und wir machten uns so rasch als möglich vom Acker. Eigentlich hätten wir noch zu einem anderen Häuschen gehen müssen, um uns dort interviewen (verhören?) zu lassen, doch wir wollten nicht noch mehr Zeit mit irgendwelchen dubiosen Fragespielchen verplempern.
Wir durchfuhren den kleinen Ort Noqui und warfen einen letzten Blick auf den Kongo Fluss. Die Gegend war nun hügelig und wir durchquerten die Landschaft auf einer angenehmen Piste. Diese Piste war auf den ersten 77 Kilometer in einem sehr guten Zustand und uns begegneten auch einige grosse Baumaschinen. Eine davon kam über einen Hügel in einem Höllentempo angerast, ja fast angeflogen. Wir konnten gerade noch rechtzeitig Platz machen, sonst hätten wir hinterher wohl ziemlich flach ausgesehen.
Nach diesen 77 Kilometern wurde die Piste dann brutal. Tiefe Löcher und Längsrillen, vor denen es kein Entrinnen gab. Snoopy musste seine ganzen Verschränkungsmöglichkeiten beweisen. Oft hatten wir eine bedenkliche Schräglage. Höchste Konzentration war gefragt. In den Ebenen war die Piste dann wieder gut befahrbar, aber sobald eine Steigung da war, wurde die Piste wieder abenteuerlich. Wir hatten Glück, denn es kam uns kein LKW entgegen. Eine Strecke war besonders steil und schmal. Wir hatten keinerlei Ausweichmöglichkeiten, links der Hang, rechts der Abgrund und dazwischen übelste Piste.
Ab Lufico wurde die Piste bedeutend besser und Gott sei Dank kam uns erst dort ein LKW entgegen. Nun konnten wir wieder flott voranfahren. Es gab vereinzelnd noch ein paar holprige Stellen, doch im Grossen und Ganzen liess es sich gut fahren.
Am späten Nachmittag kamen wir schliesslich in Tomboco an. Eine einfache, arme Dorfgemeinschaft. Wir fragten nach dem Weg und man zeigte uns gerne den Weg.
In der Mission angekommen wurden wir von Ademar freundlich empfangen. Er war Brasilianer, wie es sich später herausstellte. Er rief dann auch gleich den jungen sympathischen Padre Bento, denn er war hier der Chef. Beiden hiessen uns überaus herzlich willkommen und wir waren überwältigt von der Liebenswürdigkeit der beiden Priester.
Bento zeigte uns sogleich die Dusche und das WC, welche wir benutzen durften. Kaum hatten wir uns installiert, da kam auch schon Padre Bento und wollte uns der Dorfprominenz vorstellen. Artig schüttelten wir die Hände und erzählten von unserer Reiseroute. Da unsere Aufzählung aber dem Bürgermeister zu lang erschien, schnitt er mir das Wort ab und kürzte auf Kongo Cabinda Angola ab. Auch recht! Man verabschiedete sich von uns und wir bereitet unser Abendessen vor. Wir waren den ganzen Tag gefahren und entsprechend hungrig.
Da erschien auch schon wieder Padre Bento und fragte, ob wir Lust hätten am Abend mit Ihnen auf ein Fest zu gehen. Heute sei der Nationalfeiertag von Brasilien. Wir waren etwas verwundert, wieso man hier diesen Tag feierte, aber wir sagten gerne zu. Der Grund war natürlich Ademar, da er Brasilianer war, aber auch Bento hatte ein paar Jahre in Brasilien verbracht und war immer noch von diesem schönen Land begeistert.
Wir hatten schon fast fertig gekocht, als Ademar kam und erklärte, dass wir zum Essen eingeladen sind und nicht schon vorher essen sollten. Doch wir waren zu hungrig und wollten unsere Rostbratwürste mit Kartoffelbrei und Rotkraut nicht verkommen lassen. Es war ein Festschmaus für uns.
Später gingen wir uns den Staub abduschen. Danach war es auch schon bald 19 Uhr und somit Zeit zum Aufbruch. Bento stellte uns vorher noch kurz den Schwestern Josefina, Maria und Margrit von der Missionsstation vor.
Nachher stiegen wir in den Land Rover der Mission und fuhren zu Dona Bella. Eine Angolanerin, die uns grosszügigerweise zusammen mit den Priestern zum Essen eingeladen hatte. Sie hatte den Tisch mehr als reichlich gedeckt. Gegrillte Seezunge, Fischragout nach Art von Benguela, Schweinerippchen, Gemüseeintopf und Hirsebrei. Alles war ganz lecker, nur mit den Fischgräten hatten wir so unsere Mühe. Dona Bella kaute dagegen unbeschwert auf dem Fisch herum und spuckte anschliessend die unguten Teile auf den Teller zurück. Etwas ungewohnt für uns, aber effizient. Sie war eine sehr grosszügige Person. Tischte sie doch zuerst teuren, schottischen Whisky auf und danach floss das Bier in Strömen.
Sie war auch eine sehr gesprächige Person und hatte andauernd etwas zu erzählen. Später zeigte sie uns Fotos und diverse Ausweise von früher. Einer davon wies sie als Radio Moderatorin aus. Der perfekte Job für sie. Heute verkauft sie allerdings alkoholische Getränke. Sie hatte sogar eine Waschmaschine in ihrem Badezimmer, da habe ich nicht schlecht gestaunt. Es wurde viel erzählt und gequatscht und nebenbei lief immer der Fernseher. Dona Bella, die eigentlich Isabella hiess, wollte uns immer wieder zum Essen überreden, doch waren wir nun so vollgefressen, dass da wirklich kein Platz mehr war.
Zum Abschied spendierte sie den Priestern die Flasche mit dem restlichen Whisky und die übrigen Schweinerippchen.
Mit drallen Bäuchen fuhren wir zurück zur Mission und legten uns schlafen.
Wir waren gegen 7:30 Uhr wach geworden und hatten anschliessend schon mal unsere Sachen zusammengepackt. Nach unserem kurzen Müsli-Frühstück wollten wir schon weiterfahren, als Bento uns freundlich zu einem Kaffee einlud. Kann man da nein sagen? Gerne sind wir zu ihm ins Missionshaus gegangen und lieb wie er war, hatte er nicht nur Kaffee, sondern gleich auch noch Frühstück aufgetischt. Wir waren jedoch nicht mehr hungrig nach der Portion Haferflocken, einen Kaffee haben wir jedoch gern mit dem Padre getrunken. Schade, dass wir uns nicht besser unterhalten konnten. Mit meinem Spanisch konnte ich mich zwar ganz gut durchschlagen, doch wenn Bento mit seinem Portugiesisch zu schnell sprach, hatte ich doch etwas Mühe. Er erzählte begeistert von seiner Schule, die er neu auf dem Missionsgelände errichtete. Als wir unseren Kaffee getrunken hatten, zeigte uns Bento die Baustelle und die Mission. Die Baustelle war gross und man konnte schon gut die Umrisse der einzelnen Klassenräume sehen. Die Rohre für die Sanitärenanlagen wurden gerade in den Boden eingelassen. Die Schule hatte den Grundriss von einem U und in der Mitte wird es dann einmal einen schönen Innenhof geben. Wir konnten das Leuchten in Bentos Augen sehen, wenn er mit Enthusiasmus von der künftigen Schule erzählte. Er trieb die Arbeiten stark voran, damit die Kinder bald bessere Bedingungen erhielten. Im kleinen Direktorenzimmer stapelten sich die Bücher für die Kinder. Als nächstes besuchten wir die Schulklassen. Der Lehrer kam aus dem Klassenzimmer und begrüsste uns herzlich. Er lud uns ein, die Klasse doch schnell zu begrüssen. Wir betraten das Klassenzimmer und alle Kinder standen auf und riefen im Chor: „Guten Morgen Herr und Frau Reisende“. Nett, dass sie nicht einfach Touristen zu uns gesagt haben.
Es waren insgesamt 4 Klassenzimmer und wir besuchten alle. So einheitlich wie in der ersten Klasse klang der Chor aber nicht mehr. An den Tafeln standen einfache Rechenaufgaben, die von den Schülern gelöst werden mussten. Die Kinder betrachteten uns neugierig und hatten natürlich einiges zu kichern. Die Bänke und Stühle waren eng aneinander gereiht, viel Platz hatten die vielen Kinder wirklich nicht in den kleinen Räumen. Morgens waren die kleinen Kinder in den Klassen und nachmittags die grösseren. Mangels Räumlichkeiten, wurde der Unterricht im Schichtbetrieb abgehalten. Bento erzählte uns noch, dass während des Krieges hier sogar der Universitätsunterricht stattgefunden hatte.
Wir liefen weiter zur Krankenstation. Die Apotheke war super sauber und die wenigen Medikamente waren in Glasschränken verstaut. Im Behandlungszimmer war gerade Schwester Maria dabei eine Kranke zu versorgen. Sie begrüsste uns kurz und widmete sich dann wieder der Frau. Die Ausstattung war dürftig, aber ausreichend. Die 5 Krankenbetten waren in einem Raum und ohne Laken. Kein weiteres Bett hätte noch Platz gehabt. Da soll sich mal einer über unsere Verhältnisse in Europa beklagen. Wenn man die Situation hier sieht, haben wir den puren Luxus im einfachsten Mehrbettenzimmer. Die Leute hier tun aber was sie können, um aus dem wenigen das sie haben das Maximum rauszuholen, das muss man ihnen lassen.
Wir haben auch den Arbeitern zu geschaut, welche die Steine für die neue Schule herstellten. Freudig stellten sie sich in Pose, als wir ein paar Fotos machen wollten. Weiter führte uns Bento zu den Haustieren der Mission. Es gab diverse Schweine mit Jungen. So niedliche Steckdosen! Eine neugierige Ziege stand auf dem Ofen und überblickte alles. Hühner liefen frei herum. Bedauerlicherweise werden bei uns die Tiere nicht mehr so gehalten. Jedes Tier hatte seinen Auslauf. Auch die Schweine hatten ihren Ausgang und durften für eine bestimmte Zeit sogar ihr Gehege verlassen und den unteren Teil der Mission durchwühlen.
Drei junge Frauen waren gerade dabei Wäsche zu waschen. Eine wollte sich nicht mit den anderen fotografieren lassen, weil sie Pickel im Gesicht hatte. Eitel sind doch alle Frauen, egal wo auf dieser Welt, äußerte sich Charly.
Zum Abschied mussten wir natürlich auch von Bento noch Fotos machen. Leider war sein brasilianischer Kollege Ademar schon vor 7 Uhr nach Luanda abgefahren, so dass wir es bedauerten, dass wir uns nicht von ihm verabschieden konnten.
Eigentlich wäre ich gerne noch einen Tag geblieben und auch Bento hätte gerne noch etwas Gesellschaft gehabt, doch Charly zog es nach Süden. Gegen 10 Uhr kamen wir dann endlich los und verliessen das Missionsgelände.
Wir fuhren durch das kleine Städtchen Tomboco und weiter in Richtung N’Zeto. Die Strasse war miserabel. Sie glich eher einem Geschicklichkeitsparcours. Gegenüber den Schlaglöchern waren die Teerreste oft in der Minderheit. Ein Ausweichen war schwer möglich. So kamen wir auf der löchrigen Teerstrasse nur sehr langsam voran. Einige LKWs quälten sich auch auf der Strasse und kamen uns folglich auch nur langsam entgegen. Die Vegetation war immer noch reich an Bäumen und auch eine grosse Art von Kaktussen gesellte sich hinzu. Die gigantischen Baobab-Bäume waren mit länglichen Früchten behangen und sahen aus, als ob man an Weihnachten vergessen hatte, sie wieder vom Christbaumschmuck zu befreien.
Ein zwei Panzer haben wir auch am Strassenrand gesehen. Sie rosten nun friedlich vor sich hin. Die Brücken waren zwar alle noch gut befahrbar, doch fehlte bei der einen oder anderen das Geländer.
In N’Zeto hofften wir nun auf eine bessere Strasse zu gelangen, doch leider wurden wir enttäuscht. Das Fischerdorf N’Zeto machte eher einen trostlosen Eindruck auf uns. An einigen Häusern konnte man noch die Einschusslöcher des vergangenen Krieges erkennen, doch heute verläuft hier das Leben in ruhigen Bahnen.
Die Piste nach Caxito war anfangs etwas besser, doch lange hielt die Freude nicht an. Dem ungeachtet hatte der Verkehr stark zugenommen. Viele LKWs lagen am Strassenrand und ihre Fahrer waren mit deren Reparatur beschäftig. Diverse LKW-Wracks befanden sich in den Böschungen und am Strassenrand. Die schlechten Strassen fordern ihren Tribut!
Ein LKW-Fahrer hielt uns an und fragte, ob wir nicht etwas Klebstoff zum Reifenflicken hätten. Natürlich hatten wir und gaben gern etwas Klebstoff ab.
Links und rechts von der Strasse war dichtes Buschwerk. Es wurde nun schon wieder dunkel und wir mussten uns einen Platz für die Nacht suchen, denn bis zur Missionsstation in Caxito würden wir es nicht mehr schaffen. Im Dunkel zu fahren, war auch nur wenig einladend. Wir hatten Glück und fanden gerade noch rechtzeitig eine alte Einfahrt. Wir fuhren hinein und konnten uns gut hinter ein paar Büschen verstecken.
Unser Abendmahl bestand aus Fertigreis und Spiegeleier. Der Reis war nicht besonders schmackhaft, aber rasch fertig. Gerade bevor es ganz dunkel geworden war, hatten wir alles wieder aufgeräumt. Dunkel war nur der Vorname, so stockdunkel war es. In der Nacht hörten wir nur noch vereinzelt einen LKW vorbei donnern und waren froh ein gutes Plätzchen gefunden zu haben.
Kurz nach 6 Uhr waren wir wach, hatten aber nicht gleich Lust aufzustehen. Wir waren noch etwas müde, da uns die LKWs in der Nacht manchmal aufgeweckt hatten. So nahmen wir es gemütlich. Nach dem Frühstück und ehe wir alles wieder reisefertig hatten, kam plötzlich ein Mann durch das Gebüsch. Ein Waldarbeiter, wie es sich herausstellte. Er grüsste uns freundlich und wollte eine Zigarette von uns, doch da wir beide Nichtraucher sind, hatte er leider Pech. Da denkt man, man ist an einem verborgenen Platz, weit weg vom nächsten Dorf und schon ist da wieder einer der vorbeikommt. So ist das halt in Afrika, es ist schwierig mal einen Platz für sich alleine zu haben.
Wir machten uns wieder auf den Weg nach Caxito. Die Strasse war im gleichen bescheidenen Zustand wie am Tag zuvor. Loch an Loch und wir fuhren im Slalom. Rasch kamen wir so natürlich nicht voran. Kurz vor Caxito nahte dann der erste Kontrollposten. Wir hatten von diesem schon so viel schlechtes gehört und waren auf alles gefasst. Der freundliche Soldat wollte nur wissen woher wir kamen und wohin wir wollten. Von N’Zeto nach Luanda, war unsere Antwort und der gute Mann wollte schon die Schranke öffnen, als ein gutangezogener junger Mann mit cooler Sonnenbrille kam und weitere Fragen stellte. Wir taten so, als ob wir kein Wort verstehen. Wie immer war es den Beamten zu anstrengend sich mit uns in Englisch zu unterhalten und so liess man uns nach einen kurzen Blick in die Wohnkabine weiterfahren. Sie winkten uns noch freundlich hinterher und wir waren froh, keine von diesen Horrorgeschichten mit Verhör oder Rückfahrt bis zur Grenze erleben zu müssen. Die Situation hat sich in ganz Angola stark verbessert und wir hoffen, dass solche Erzählungen nun der Vergangenheit angehören werden.
Die Landschaft um Caxito hatte nun einen anderen Charakter. Nun wurde fleissig Landwirtschaft betrieben. Am Strassenrand wurde diverses Gemüse und Obst angeboten. Tonnenweise wurden Tomaten auf kleinen Lastern befördert.
Eine Kirche am Wegesrand war neu restauriert worden und gab dem Ort einen portugiesischen Touch.
Je näher wir uns nach Luanda begaben, desto dichter wurde der Verkehr. Die Strasse war zwar ab Caxito besser geworden, doch kamen wir nun wegen den vielen LKWs nicht mehr so richtig voran.
Die Einfahrt nach Luanda führte uns zuerst durch ein Industriequartier. Eine riesige Land-Rover-Garage erklärte die vielen Landis auf der Strasse.
Der Schock kam erst, als wir durch den Markt fahren mussten. Stossstange an Stossstange, so wühlten wir uns über und durch die Müllberge. Viel Betrieb war um uns herum. Strassenhändler wollten wieder alles möglich verkaufen, während sich die frechen Minibusse einfach den Weg erpressten, bzw. LKWs den Weg versperrten. Ohne Rücksicht auf Verluste wurde gedrängelt. Da heisst es warten oder eine Beule einfangen. Schritttempo wäre hier ein rasantes Tempo gewesen. Es kostete uns viel Geduld, Zeit und Nerven, bis wir endlich die stinkenden Müllberge hinter uns gelassen hatten. Wir beobachteten Menschen, die im Abfall noch etwas essbares oder verwertbares suchten. Elend pur! Sogar die Bäckerei, in der ich rasch ein paar frische Brote kaufte, wurde von einem bewaffneten Soldaten bewacht.
Wir waren froh, als wir das Elendsviertel endlich hinter uns gelassen hatten. Wir kamen kurz bevor der Verkehr endgültig kollabierte in ein besseres Viertel. Wir folgten der Strasse und bogen in die untere Stadt von Luanda ab. Dort war das Bankviertel angesiedelt und wir hofften jemanden zu finden, der uns den Weg zur Mission Cristo do Rei zeigen könnte. Vor einer Bank hielten wir an und fragten das Wachpersonal. Gewöhnlich kennen diese Männer ihre Stadt sehr gut. Wir hatten Glück und sie wussten auch wo sich die Mission befindet, nur war diese nicht mehr auf unserem Stadtplan zu finden. Zu weit war sie vom Stadtzentrum entfernt. Sie versuchten mir den Weg zu erklären, doch war es schlussendlich eher verwirrend, da alle durcheinander sprachen. Ich wollte schon einen Stift holen, damit die Männer mir einen Plan skizzieren können. Da erklärte sich ein Kunde der Bank bereit, uns zur Mission zu bringen. Wir waren froh jemanden gefunden zu haben, der vorne weg fuhr. Liebenswürdig wie schon so oft in Afrika, fuhr der Mann mit seinem Kleinwagen quer durch die ganze Stadt, da sich die Mission im Osten von Luanda befand. Wir brauchten fast eine ganze Stunde bis wir dort waren. Der Mann begleitete uns bis zur Pforte der Mission und als ich mich bedankte und ihm ein paar Hunderter als Benzingeld geben wollte, da winkte er nur ab und zog ein paar Tausender aus seiner Hemdtasche und lachte. Wir bedankten uns noch einmal und winkten ihm zum Abschied abermals zu.
In der Katholischen Mission fragten wir nach dem Padre Chico, der eigentlich Francesco hiess. Bento hatte uns liebenswürdigerweise die Adresse und den Namen seines Kollegen aufgeschrieben. Der Wachmann der Mission brachte uns zum Haus des Paters. Wir klingelten und übergaben die Notiz von Bento. Etwas erstaunt nahm der Padre Chico unser Anliegen entgegen und erklärte, dass er dies nicht entscheiden könne und holte seinen Vorgesetzten. Dieser war ein hoch intelligenter Mann. Er sprach Spanisch und Englisch. Er war vor kurzem von Madrid zurück nach Angola gekommen, um die Leitung dieser Mission „Missionario Verba Divino“ in Luanda zu übernehmen. Er freute sich über unseren Besuch und erlaubte uns auf dem Missionsgelände zu übernachten, nachdem wir versichert hatten, dass wir kein Zimmer benötigen. Wir durften sogar die Dusche und das WC des Hauses benutzen. Leider hatte er anschliessend eine wichtige Messe abzuhalten und hatte deshalb nur wenig Zeit für eine Unterhaltung.
Pater Chico bot uns dafür etwas zu trinken an, welches wir gerne annahmen. Wir sassen also in der Küche und tranken ein Bier, welches uns nach diesem anstrengenden Tag besonders gut tat. Der Pater brachte auch gleich noch weitere Flaschen, welche wir aber nicht mehr annahmen. Als wir das Bier bezahlen wollten, wurde nur freundlich abgewinkt. So viel Gastfreundschaft und Warmherzigkeit, wir waren wieder einmal baff.
Wir gingen zurück zum Auto und da stand plötzlich Ademar, der Brasilianer. Die Freude war gross und die Begrüssung war entsprechend herzlich. Er war zusammen mit George, einem Priester aus Kongo-Kinshasa. Leider hatten die Beiden noch etwas wichtiges zu tun und nicht allzu viel Zeit für uns.
Mittels Satelliten-Telefon nahmen wir Kontakt mit Martin auf. Ein Deutscher, der seit einem Jahr in Luanda lebt. Wir wollten uns mit ihm treffen und vielleicht sogar etwas gemeinsam zu Abend essen. Leider war das gar nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Martin meinte nämlich, dass wir in keinem guten Viertel gelandet wären und er wollte nicht zu uns raus kommen. Wir kannten uns in Luanda nicht aus und wollten uns nicht nachts quer durch diese Stadt quälen. Demzufolge verschoben wir das Treffen auf den nächsten Tag und Martin versprach uns die GPS-Daten per E-Mail zu senden, damit wir ihn besser finden könnten. Wir waren schon ziemlich müde und ruhten uns nach einem kurzen Imbiss etwas aus.
Später war dann wieder einmal Tagebuch und Webseite aktualisieren dran. Wir studierten gerade was wir als Abendessen machen könnten, da klopfte Pater Chico an unsere Tür und fragte, ob wir Lust hätten mit ihnen gemeinsam zu Abend zu essen. Ein Pater hätte Geburtstag und würde sich freuen, wenn wir auch bei der Feier dabei wären. Gerne sagten wir zu und machten uns rasch etwas frisch.
Die Geburtstagsgesellschaft war schon fast vollständig und das Essen war schon auf dem Tisch. Man bot uns Whisky, Amarula, Rum, Wein oder Bier als Apéro an. Mit einem Bier stiessen wir mit all den Priestern an. Es war ein buntes Gemisch an Nationalitäten. Einer war Kolumbianer, einer kam aus Indonesien, zwei waren aus Brasilien, einer aus Portugal, einer kam aus Kongo-Kinshasa und das Geburtstagskind kam von den Philippinen. Wir bedankten uns für die Einladung und als Antwort wurden uns gleich die Teller in die Hand gedrückt, mit der Bemerkung wir sollen essen, soviel wir wollen. Wir waren rasch in ihrer Mitte aufgenommen worden. Wir sassen natürlich bei Ademar, der auch auf diesem Fest nicht fehlte. Schade konnten wir uns nicht besser unterhalten. Er ist ein lustiger Pfarrer dem es auch an Charme nicht fehlte Schade für die Frauenwelt.
Wir haben uns an diesem Abend auch viel mit George unterhalten, dem Priester aus Kongo. Er fand es schade, dass wir nicht so viel Zeit in seinem Land verbracht hatten. Er war gerade dabei seine Malaria auszukurieren, danach wollte er zusammen mit Ademar nach Tomboco fahren.
Nachdem wir vom köstlichen Gemüseeintopf mit Huhn gegessen hatten, wurde auch schon bald die Geburtstagstorte gebracht. Eine Kerze wurde angezündet und ein Geburtstagslied dazu gesungen. Das Geburtstagskind musste unterdessen die Kerze ausblasen. Es wurde Musik gemacht und Sekt ausgeschenkt. Vier Priester tanzten einen Tanz, den der Australier gezeigt hatte. Es erinnerte uns an amerikanische Folklore Tänze, welche man oft auch in Western-Filmen sieht.
Später kamen auch zwei Damen auf einen Sprung herein um mit zu feiern. Küsschen- Begrüssung gibt es auch in Angola, wie wir festgestellt haben. Charly hat das natürlich wieder gefallen. Zwei junge Mädchen waren auch da und ärgerten ein wenig die Priester. Die Kleine war eine richtige kleine Hexe und Ademar musste spasseshalber Reisausnehmen.
Anschliessend haben wir noch mit dem Chef der Mission ein interessantes Gespräch geführt und später auch mit dem Geburtstagskind.
Die Zeit war wie im Flug vergangen und bald schon war es wieder Zeit fürs Bett. In der Nacht hörten wir diverse Male Schüsse. Wir waren froh an einem sicheren Ort zu sein und dass wir nicht noch in der Stadt unterwegs gewesen waren.
Früh aufgestanden und anschliessend die Dusche der Mission ausgiebig genossen. Wir waren gerade fertig, da kam auch schon Pater Chico und fragte, ob wir nicht einen Kaffe oder Tee haben möchten. Gerne sagte wir zu. Ein paar Priester sassen noch am Tisch und unterhielten sich. Wir setzten uns dazu, denn der Frühstückstisch war auch für uns gedeckt worden. Es war alles da. Kaffee, Tee, Brot, Butter, Käse, Speck, Wurst und aus Brasilien eine Frucht-Paste. Diese liess Erinnerungen in mir wach werden, von der Zeit als ich Brasilien bereiste.
Bald aber sassen wir alleine am Tisch und hatten das ganze Frühstück für uns. Wir wollten jedoch die Grosszügigkeit der Menschen nicht ausnutzen und tranken nur einen Kaffee.
Danach verabschiedeten wir uns von allen, ausser von Ademar, da wir ihn finden konnten. Schade!
Wir folgten den GPS-Koordinaten, die wir von Martin erhalten hatten und nach einigem Herumgekurve haben wir ihn tatsächlich gefunden. Er war mit ein paar Namibianer dabei ein Netzwerk für Internet Cafés aufzubauen. Wir wurden freundlich von allen begrüsst. Man bot uns einen Kaffee an, welchen wir gern akzeptierten.
Martin erzählte etwas aus seinem Leben in Angola und was sie hier so alles aufbauen wollten. Charly durfte den Anschluss fürs Internet benutzen und wir hatten seit langem wieder einmal eine super schnelle Verbindung. Charly war ganz begeistert. Leider hatten wir alle nicht so viel Zeit und so haben wir uns vor Mittag schon wieder verabschiedet. Martin erklärte uns noch die Strecke, dann düsten wir auch schon wieder weiter.
Vor dem Supermarkt Martal wechselten wir auf der Strasse noch rasch ein paar Euros, danach suchten wir die Strasse in den gelobten Süden. Dies war aber gar nicht so einfach. Wieder gab es ein Verkehrschaos und wir kamen nur sehr langsam voran. Wir wollten noch Diesel tanken bevor wir die Stadt verliessen, doch leider hatten wir kein Glück. Auf unserem Weg raus aus Luanda kamen wir an drei Tankstellen vorbei, aber keine hatte auch nur einen Tropfen Diesel. Scheibenkleister! Gott sei Dank hatten wir noch genug Reserve, so dass wir nicht nochmals ins Verkehrsgewühl von Luanda fahren mussten. Der Verkehr in Luanda war in etwa so wie bei uns am Freitagabend, wenn alle nach Hause wollen. Die Umgebung wurde aber immer moderner, denn hübsche, kleine, neue Siedlungen sind im Süden von Luanda erbaut worden. Eine vornehme Siedlung mit Palmen stand direkt am Meer und der Golfplatz war auch nicht weit. Pferde grasten auf dem Rasen des Golfplatzes. Der Süden von Luanda hat ein ganz anderes Gesicht als der Norden mit seinen Slums.
Die Teerstrasse war gut und wir kamen gut vorwärts. Eine grosse, moderne Brücke war erbaut worden und wir mussten 210 Kwazas für die Überquerung bezahlen. Die Gegend war hier wieder grün, aufgrund des breiten Flusses.
Leider stellten wir unterwegs fest, dass sich vom 55-Liter-Tank wieder eine Schraube gelöst hatte, welche Charly gleich wieder anziehen wollte. Wir legten also am Strassenrand einen kurzen Stopp ein. Während Charly sich am Auto zu schaffen machte, bereitete ich für uns ein paar Sandwich zu, denn wir hatten einen Bärenhunger.
Weiter ging es gen Süden, doch die gute Teerstrasse war nach ca. 140 km zu Ende. Wieder gab es reichlich Schlaglöcher. Die Vegetation hatte sich inzwischen verändert, es war trockener geworden. Der Boden war karg und neben den Kaktussen sahen wir nur trockenes Buschwerk und auch wieder unsere Lieblingsbäume, die Baobabs.
Gegen Abend erreichten wir Porto Amboim. Wie die meisten Reisenden suchten auch wir die Standrestaurants und fragten nach, ob wir dort übernachten könnten, wenn wir zu Abend essen.
Wir durften unser Auto neben dem Restaurant parkieren und bestellten demzufolge grillierten Fisch. Leider hatte Charly mit seinem Pessimismus wieder einmal Recht behalten. Er hatte nämlich bezweifelt, dass wir dort gut essen würden. Er hatte aber selber nicht geahnt wie recht er damit haben sollte. Der Fisch hatte einen eigenartigen Geschmack und war total versalzen. Nach ein paar Bissen war mir der Fisch zuwider und ich ass nur die drei Salzkartoffeln zu Abend. Charly ass trotzig den ganzen Fisch auf, denn das Essen war teuer gewesen. Stolze 15 Euro verlangte man für den Fisch! Zu allem Übel hatten wir neben dem schlechten Essen, auch noch eine völlig unmotivierte Serviertochter. Sie schaute lieber mit Hingabe die Schnulze im Fernsehen an, als dass sie uns bediente. Wir waren neben einem Lastwagenchauffeur die einzigen Gäste. Kein Wunder bei dem Preis-/Leistungsverhältnis. Auf meine Bemerkung, dass der Fisch miserabel war, bekam wir keine Antwort. Frustriert gingen wir zurück zum Auto.
Die Nacht war ruhig gewesen, trotzdem hatten wir nicht sehr gut geschlafen. Am Morgen war ein junger frecher und doch scheuer Hund vor unserem Auto. Charly hatte sich gleich mit ihm angefreundet und durfte ihn sogar etwas streicheln. Dieser quittierte dies dann mit einem sanften Biss in seinen Unterarm. Der Welpe war ganz verspielt und hatte jede Menge Flausen im Kopf, wie zum Beispiel an unsere Reifen zu pinkeln.
Wir waren froh von diesem unfreundlichen Ort abfahren zu können und waren bald wieder auf der Strasse nach Sumbe. Die Strasse war in einem guten Zustand und so hatten wir die paar Kilometer bald hinter uns gebracht. In Sumbe haben wir dann endlich auftanken können. Die Tankstelle war ziemlich neu und topmodern. In der Stadt machten wir uns danach auf die Suche nach frischem Brot und hatten das Glück eine geöffnete Bäckerei zu finden, in welcher gerade ganz frische und noch warme Brötchen verkauft wurden. Unser Frühstück war gerettet.
Weiter ging es nun auf einer miserablen Teerstrasse. Die rüttelte uns ganz schön durch und Charly war am Rudern, um den meisten Schlaglöchern auszuweichen. Die Kanten waren scharf und die Löcher tief. Nur langsam ging es voran. Die Behausungen der Einheimischen wurden immer ärmlicher, teilweise hausten sie nur noch in Strohhütten.
Am Nachmittag begegneten uns dann Peter und Sofie mit ihrer kleinen Tochter. Er war Engländer, aber in Sambia aufgewachsen und sie war Französin. Sie waren schon seit drei Jahren mit ihrem Land Rover unterwegs. Sie waren zuerst die Ostküste runtergefahren und haben dann für längere Zeit in Malawi gearbeitet. Nun waren sie wieder in Richtung Norden unterwegs. Wir erzählten etwas von Westafrika und sie empfahlen uns nicht die Schlaglochstrasse nach Lubango, sondern die Strecke über Dombe Grande und Lucira nach Namibe zu nehmen. Ein Pick-up hielt an und nach einer kurzen Unterhaltung riet uns auch der Portugiese diese Strecke zu nehmen. Diese sei zwar schwieriger zu fahren, jedoch landschaftlich viel schöner. Wir waren rasch überzeugt, vor allem nachdem uns Peter mitgeteilt hatte, dass es ab Dombe Grande keine Minen mehr geben soll. Auf der anderen Strecke hingegen hatte früher der Krieg getobt. Übernachten sei auch kein Problem, versicherte Peter, da in diesem Gebiet so gut wie keiner wohnt. Wir sind überredet und ändern unsere Reiseroute.
Leider hatten die Leute keine Zeit, da auch sie einen guten Schlafplatz finden mussten, bevor es dunkel wurde. Wir verabschiedeten uns und fuhren weiter nach Lobito. Nach der schlechten Erfahrung vom Vortag übernachteten wir nicht auf der Landzunge bei den Strandrestaurants. Zudem hatten die Belgier die wir in Libreville getroffen hatten, uns gesagt, dass es dort nicht so sicher sein soll. Die Restaurantbesitzer würden alle nach Ladenschluss die Landzunge verlassen und zudem hätten weisse Arbeiter ihnen davon abgeraten dort allein zu übernachten. Also fuhren wir weiter nach Benguela. Ein hübsches Städtchen mit viel Charme. Ein paar Kolonialbauten und eine schöne Palmenallee luden zum Verweilen ein, doch leider mussten wir uns etwas beeilen, da es schon spät und somit bald dunkel wurde. Wir nahmen die Strasse nach Dombe Grande. Die Strasse war wieder mit Schlaglöchern gesegnet und wir kamen langsamer voran als gewünscht. Die Gegend wurde aber schon merklich einsamer. Eine Rarität in Afrika.
Die Gegend um Dombe Grande war sehr fruchtbar und es gab auch wieder mehr Einwohner dort. Wir konnten den fleissigen Leuten bei ihrer Arbeit zusehen. Lange, einspurige Brücken führten über das Feuchtgebiet. Das Dorf selber war einfach und die Leute winkten uns freundlich zu. Einige zeigten wieder mit dem Daumen nach oben und hatten sichtlich Freude, dass Touristen ihr Land besuchten.
Es war nun schon reichlich spät und nicht allzu weit von Dombe Grande fanden wir hinter einem Felsen eine Furt, wo wir gut übernachten konnten. Wir kochten uns Nudeln mit Tomatensauce. Die Nacht war ruhig und totenstill, kein Laut drang zu uns.
Da die Sonne schien und alles so schön friedlich war, sind wir länger liegen beblieben. Wir genossen in Ruhe und unser Frühstück. Wir wollten schon aufbrechen, als zirka 6 einheimische Männer auf uns zu kamen. Diese wollten aber nur nachsehen, wer sich da bei ihnen breit gemacht hatte. Leider konnten wir uns nicht so grossartig unterhalten und so verschwanden sie bald darauf wieder. Einer blieb jedoch und sortierte Steine. Zum Abschied winkten wir nochmals zu und er schenkte uns ein Lachen aus seinem fast zahnlosen Mund. Die erste Teilstrecke der Piste war in einem sehr guten Zustand und wir hatten die Kilometer rasch hinter uns gebracht.
Dies änderte sich aber schlagartig, als wir den Miniort Cimo erreicht hatten. Erst galt es ein breites, sandiges Flussbett zu überqueren und danach ging es gleich steil bergauf. Die blanken, kantigen Felsen auf der Piste erschwerten die Fahrt. Doch wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. So abenteuerliche Pisten hatten wir nur in Guinea angetroffen. Steile Bergfahrten waren zu meistern und über grosse, dicke Felsbrocken musste unser Snoopy klettern. Unser Adrenalinspiegel wurde ein paar Mal in die Höhe getrieben. Bisweilen mussten wir aussteigen und nachsehen, wie wir da rauf bzw. wieder runter kommen. Steil - wirklich steil war es teilweise. Die nackten Felsen waren schon rund geschliffen und von den Reifen unserer Vorgänger schwarz eingefärbt. Viele Auto- respektive LKW-Wracks säumten den Pistenrand. Ein Zeichen, dass nicht alle diese miese Piste geschafft hatten, denn die Piste bestand eigentlich nur aus den Spuren unserer Vorgänger. Die Felsen über die Hügel waren nie für eine Strasse bearbeitetet worden.
Mittags brauchte Charly eine Pause und er wollte nochmals nach dem Tank sehen. Zudem war unsere Dieselpumpe Marke Pierburg aus Deutschland kaputt gegangen. Sie schöpfte keinen Diesel mehr und musste ausgetauscht werden. Es war innerhalb von nur 9 Monaten bereits die zweite Pumpe die kaputt gegangen war.
Überdies quietschte die Tür fürchterlich und wir mussten sie aus den Angeln heben, um sie zu reinigen. Anschliessend genehmigte Charly sich eine kurze Ruhepause, da er seit gestern Durchfall hatte und sich folglich nicht so wohl fühlte. Ich hatte dafür etwas Zahnschmerzen bekommen, die aber bald wieder verschwanden. Vielleicht hatte ich bei den steilen Bergfahrten die Zähne zu fest zugebissen.
Alles war so ruhig und friedlich. Keinen Laut hörten wir, noch nicht einmal Vögel zwitscherten. Wir machten uns wieder auf dem Weg und wurden bald wieder vor eine neue Herausforderung gestellt. Kaum hatten wir diese gemeistert, konnten wir in der Ebene endlich etwas schneller fahren. Dort begegneten uns zwei offene Landis mit je 3 verwegenen Typen darin. Uns war es bei dem Anblick dieser Leute nicht mehr so wohl und wir hofften, dass sie uns nicht folgen würden. Wieder gab es eine steile Fahrt über einen Bergrücken, danach wieder eine lange gerade Ebene.
Langsam wurde es wieder dunkel und es wurde Zeit einen guten Platz zu suchen. Heute legten wir besonderen Wert darauf, denn die Typen von vorhin hatten kein gutes Gefühl bei uns verursacht.
In einem trockenen Flussbett fanden wir zwischen den Büschen ein gutes Versteck. Wir verwischten unsere Spuren. Später brieten wir uns Rösti mit Spiegelei, das richtige Essen fürs Sechseläuten. (ein Fest in Zürich)
Zeitig waren wir aufgestanden und haben etwas Hausputz betrieben. Die Nacht war sehr ruhig gewesen, kein einziger Laut war zu uns in die Wohnkabine gedrungen. Kein einziges Auto hatte die Strasse passiert. Wir waren auf breiter Flur allein in der Wildnis. Die Stille war unüberhörbar und zu gleich sonderbar. In unserer zivilisierten Welt ist man dies nicht mehr gewöhnt. Unsere einzigen Nachbarn waren drei Perlhühner.
Wir fuhren los und machten uns wieder auf den Weg. Anfangs war die Piste noch gut, doch der Pistenzustand änderte sich schon bald, die nächste Steigung lag vor uns. Der Weg vor uns gabelte sich und wir wählten die rechte Piste, da uns diese Auffahrt weniger steil und steinig erschien. Mit Untersetzung im Kriechgang kletterte Snoopy den Berg hoch. Oben angekommen, ging es auch schon bald wieder nach unten. Wieder gab es eine Weggabelung und wieder wählten wir die rechte Piste. Doch dieses Mal hatten wir Pech. Der Weg wurde sehr steil und zu allem Übel auch noch ziemlich schräg. Wir hatten so unsere Zweifel, ob wir die Tour bis unten hin schaffen. Charly lenkte Snoopy zum Abhang, das Auto musste gerade den Abhang hinunter und wir kratzten gerade noch so die Kurve. Snoppy war zeitweise in einer bedenklichen Schräglage und mein Herz stand fast still. Pures Adrenalin schoss in meine Venen und meine Hände wurden feucht. Es gab nur diese Möglichkeit! Charlys Rechnung ging aber auf und wir schafften es unbeschädigt den steilen Hang hinunter zu fahren. Der linke Weg wäre genauso steil gewesen und wesentlich felsiger, dafür aber wies er keine Schräglage auf. Obwohl dieser Weg anfangs gefährlicher ausgesehen hatte, wäre er im nachhinein doch der einfachere gewesen.
Charly hatte natürlich meine Nervosität bemerkt. Als wir über den nächsten Bergkamm fuhren, sahen wir am rechten Pistenrand ein paar ausgebleichte Knochen liegen und Charly scherzte, dass dies die Überreste vom letzten Touristen seien.
Wenig später konnte ich dann wieder relaxen, denn wir fuhren nun über eine Ebene und die Piste war weich zu fahren. Leider sahen wir unterwegs eine kleine Ziege, die auf dem Boden lag und zappelte. Wir hielten an um nachzusehen was los war. Wir halfen dem Tier wieder auf die Beine zu kommen, doch waren die Beine sehr wackelig. Ich lief rasch zum Auto und holte etwas Wasser. Die Ziege trank vorsichtig, doch auch gierig. Bedauerlicherweise war dies aber nicht das Problem, denn die Ziege hatte bald einen neuen Anfall. Sie streckte den Kopf ganz weit nach hinten und hatte Zuckungen. Ihre Hängeohren waren voller Zecken und wir vermuteten, dass sie wahrscheinlich eine Art Zeckenfieber hatte. Schon bald torkelte sie wieder und drehte sich so lange im Kreis, bis sie wieder auf dem Boden lag. Das einzige was wir noch für sie tun konnten war, sie in den Schatten zu legen und noch etwas Wasser zu geben. Sie zu töten brachten wir beide nicht übers Herz. Der Hirte war weit und breit nicht zu sehen.
Wenig später kamen wir an einem primitiven Dorf vorbei. Die Menschen lebten hier in Strohhütten und eine Frau hatte ihre Brüste mit drei Hanfschnüren nach unten gebunden. Die Menschen haben hier zwar kein Geld, doch hatten sie Kühe und Ziegen. Auch etwas Ackerbau wurde betrieben.
Der Weg nach Lucira führte wieder einen sehr steilen und steinigen Abhang hinunter. Wasser von der letzten Regenzeit hatte ein Stück von der Piste weggeschwemmt und wir waren froh, dass die Spuren gerade noch Snoopys Breite hatten. Die Berge waren nun höher und die Felsen hatten verschiedene Farben. Eine wunderschöne Landschaft, die man sich aber verdienen musste. Heil unten angekommen, trauten wir unseren Augen nicht. Eine alte, aber gute Teerstrasse führte weiter nach Süden.
Später mussten wir einen kurzen Stopp machen, da wir von einem Felsen an unserem grossen Reservetank einen Schlag abbekommen hatten. Nun war das Schutzblech verbeult und die Delle rieb am Tank. Wir bauten den Schutz aus und schlugen es wieder gerade. Nachdem alles wieder montiert war, konnte es weiter gehen.
Die schöne Teerstrasse war bald von vorerst vereinzelten und dann später zahlreichen Schlaglöchern geziert. Wieder kamen wir nur langsam voran. Die Landschaft aber entschädigte uns und wir hielten öfters, um diese schöne Gegend zu geniessen und um Fotos zu schiessen.
Fast alle Brücken waren weggeschwemmt worden und wir mussten auf Umgehungspisten durch die trockenen Flussbette fahren. Auch hier waren die Leute bettelarm und lebten in einfachsten Strohhütten. Dennoch bepflanzten sie fleissig ihre Felder, so dass sie nicht Hunger leiden mussten. Sie winkten uns immer freudig zu, trotz ihrer Armut und des lang andauernden Krieges waren sie nicht verbittert worden.
Diese Lochstrasse führte uns nach San Nicolau. Das Panorama dieser Bucht war grandios. Einfach traumhaft und ausser ein paar Fischern menschenleer. Das Meer hatte eine herrliche azurblaue Farbe, während die Steilküste im Hintergrund hellbeige leuchtete.
Der Strand war verlockend, doch die Angst vor Minen liess uns weiter auf der schlechten Teerstrasse bleiben.
Das Dorf machten einen guten Eindruck und auch hier wurde fleissig Ackerbau betrieben. Die Menschen lebten in einfachen Häusern und kümmerten sich nicht weiter um uns. Wir mussten durch das Fischerdorf fahren, da wiederum ein Stück Strasse fehlte. Am Strand hatten die Fischer ihre ärmlichen Hütten aufgestellt und wieder winkte man uns zu und zeigten mit dem Daumen nach oben. Nach dem Dorf kamen wir erneut auf die Teerstrasse und bald befanden wir uns auf einer alten, aber sehr guten Teerstrasse. Die Ränder waren nicht mehr ausgebrochen und es gab keine Schlaglöcher mehr. Ist das die Möglichkeit? Wir scherzten, dass diese Strasse wahrscheinlich noch von den Russen stammte, als diese noch Geld hatten. Die Landschaft war auch hier sehr beeindruckend und wir mussten öfter mal einen Fotostopp einlegen.
Die Gegend wurde immer trockener und wüstenhafter. Wir hatten nun die Berge hinter uns gelassen und befanden uns auf einer Hochebene. Wir suchten uns wieder einmal einen guten Platz für die Nacht. Wir bemerkten dabei, dass es nun eine neue Pflanzenwelt um uns herum gab. Nur spärlich war die Vegetation hier, doch gab es seltsame Pflanzen. Hier fanden wir eine Art Miniatur-Bäume, die aussahen wie umgedrehte, dicke Wurzeln. Die zierlichen Blüten waren hellgrün, während die wenigen Mini-Blätter rötlich waren. Die Bäumchen schälten sich und die Haut sah aus wie Pergamentpapier, sie war zart durchscheinend und sehr zäh.
Einen verborgenen Platz konnten wir nicht finden in der Hochebene. Egal wo wir uns hinstellten, man konnte uns schon von weitem sehen. Unwesentlich, dachten wir, viel Verkehr wird hier wohl nicht sein - und schon brausten zwei Autos vorbei. Auch in der Dunkelheit sahen wir noch ein - zwei Fahrzeuge, doch dann war es auch schon vorbei mit der Rushhour.
Wir kochten Reis und öffneten dazu eine Büchse Chili con Carne aus Frankreich. Selber gemacht schmeckt es viel besser, aber ohne Kühlschrank hält sich leider kein Fleisch.
Der Morgen danach Charly hatte eine geschwollene Backe. Dann schwoll auch noch die linke Unterlippe. Man konnte richtiggehend zusehen, wie auch die Unter- und Oberlippe dicker wurden. Im Chili vom Vortag war wieder einmal ein Konservierungsmittel drin gewesen, auf das er allergisch reagierte. Wir hatten schon ein-, zweimal bemerkt, dass er nach dem Verzehr von französischen Fleischprodukten im Gesicht anschwoll. Doch so schlimm wie heute war es nur in der Schweiz gewesen, als er zu viel Studentenfutter gegessen hatte. Die Unterlippe war dick und rot. Man hatte den Eindruck, als ob sie gleich platzen würde. Charly war sauer und fragte sich selbst wieso immer ich?
Wir hatten in der Notfallapotheke noch Histamintabletten, die ich ihm nun gab. Mit dieser Schwellung, die natürlich auch schmerzhaft war, konnten wir natürlich nicht weiterfahren. Charly legte sich etwas hin, während ich etwas im Namibia Buch schmökerte. Draussen war es kalt, wir hatten nur noch 24 °C und ein kühler Wind wehte vom Meer her.
Gegen Mittag ging die Schwellung endlich wieder zurück, da die Tabletten nun langsam ihre Wirkung taten.
Wir assen etwas, dann fuhren wir los. Die Gegend war immer noch unendlich flach und die Strasse blieb wie sie war, alt und gut. Nach nur 34 km hatten wir die Kreuzung nach Namibe erreicht. Grosse Hinweisschilder zeigten den Weg an und eine neue Teerstrasse führte uns nach Namibe. Unterwegs haben wir wieder schöne Cañyons gesehen.
Namibe war beeindruckend sauber und eine breite Strasse mit Palmen führte durch das kleine, hübsche Städtchen. Viele Weisse hatten wir hier entdeckt. Keine Ahnung was die hier tun, doch die Stadt machte einen emsigen Eindruck auf uns. Es herrschte eine Art Aufbruchstimmung. An der Tankstelle standen die Autos Schlange. Viele neue rechtsgesteuerte Fahrzeuge, Importgut aus den südlichen Nachbarnländern.
Da Namibe nicht gross war, waren wir auch schon bald wieder draussen, nachdem wir einen kleinen Abstecher zu Hafen gemacht hatten.
Die gute Teerstrasse blieb uns erhalten. Links und rechts alles flach und sandig. Wir fuhren durch die Landschaft und plötzlich bemerkte ich, dass da ja Welwitschias waren. Diese Pflanzen sind recht eigenartig und wir kannten sie schon von unserem letzten Besuch in Namibia vor 4 Jahren.
Es gibt männliche und weibliche Welwitschias. Die Pflanze deckt ihren Wasserbedarf mit dem morgendlichen Tau, der aufgrund der Küstennähe morgens alles benetzt. Grosse dicke grüne Blätter und in der Mitte die eigenwilligen Blüten. Natürlich wurden wieder Fotos gemacht.
Weiter ging die Fahrt und wir durchfuhren eine interessante Hügellandschaft. Die Berge allerdings waren kahl und erodiert. Die verschiedenen Sedimente gaben den Steinschichten ein schönes Farbenspiel. Grandios.
Nachfolgend wieder monotone, topfebene Wüstenlandschaft. Wir fragten uns schon, ob es sich wirklich rentiert weiter in Richtung Tombua zu fahren, welches ursprünglich mal Porto Alexandre geheissen hatte. Charly kannte den Namen schon, vom Touratech. Das Kartenmaterial für diese Software stammt von den Russen und da diese natürlich schon eine ganze Zeit nicht mehr aktuell sind, stehen manchmal noch die alten Ortsbezeichnungen drinnen.
Wir beschlossen umzudrehen und uns im Park Reserva de Namibe einen Nachtplatz zu suchen. Wieder kamen wir an den zerschossenen Häusern vorbei, welche nun nur noch Ruinen waren. Wie überall in Angola, waren auch hier die alten Beton-Wegweiser als Zielscheibe benutzt worden. Zahlreiche Einschusslöcher zeugten davon. Der Krieg muss hier ganz schön getobt haben.
Wir fuhren ein kurzes Stück auf der Rüttelpiste bis kurz vor S. Joao do Sul. Hier hatten wir eine fantastische Aussicht auf die kargen trockenen Berge. Rechts im Tal war ein grosser blauer See, welch ein Kontrast zur wüstenhaften Umgebung. Die Landschaft war wieder einmal phantastisch und wir waren begeistert.
Wir fuhren die steile Piste hinunter und suchten uns inmitten der eigenwilligen Hügellandschaft ein schönes Plätzchen zum Schlafen. Leider wurde der Sonnenuntergang von Wolken gestört und wir konnten nicht das erhoffte Foto schiessen.
Viel zu früh hatte der Wecker geklingelt, denn der Himmel war noch bedeckt und die Sonne schien noch nicht so richtig. Da wir unseren Snoopy direkt neben einen Baum parkiert hatten, konnten wir vom Fenster aus die Vögel beobachten, wie sie auf den Ästen herum turnten und dabei zwitscherten. Ab und zu hatten wir den Eindruck sie wollten bei uns durchs Fenster schauen. Gegen 8:30 Uhr sind wir schliesslich abgefahren, weiter in Richtung Süden.
Die erste Überraschung, - Flamingos hatten den See bevölkert und stolzierten graziös in der Nähe des Seeufers herum. Friedlich durchsiebten sie das flache Wasser. Wir fuhren weiter und passierten ein Dorf mit ärmlichen Hütten. Die Leute zeigten uns den erhobenen Daumen und winkten uns zu. Zwei Buben schauten uns zu, wie wir vom See ein paar Aufnahmen machten. Sie waren nur neugierig und bettelten nicht, trotz ihrer offensichtlichen Armut. Wir fuhren weiterhin dem fantastischen Panorama entgegen. Bizarre Berge in einer unwirklich erscheinenden Umgebung. Immer wieder mussten wir für einen Fotostopp anhalten. Ein Vogel kam und flatterte vor unserem Auto herum. Er stand förmlich in der Luft und schaute zu uns herein, und dass über längere Zeit. Wir trauten uns kaum zu bewegen und hielten den Atem an. Was der wohl gewollt hatte?
Da wir alleine unterwegs waren und hier in der Gegend kein Verkehr war, hatten wir bedenken weiterzufahren. Wir wollten kein unnötiges Risiko eingehen, obwohl die Landschaft sehr reizvoll war. Wir entschieden uns also umzukehren und zurück über Namibe weiter nach Lubango zu fahren.
In Namibe legten wir einen kurzen Stopp ein, um Geld zu wechseln und zu tanken. Danach fuhren wir wieder die breite Strasse mit der schönen Palmenallee zurück in Richtung Lubango. Die Strasse war in einen hervorragenden Zustand und ziemlich neu.
Je näher wir nach Lubango kamen, desto bergiger wurde die Umgebung. Steile schroffe Berge ragten in die Höhe. Wir trauten unseren Augen nicht, da mussten wir tatsächlich ca. 40 km vor Lubango eine richtige Passstrasse hochfahren. Die war so perfekt ausgebaut, wie in der Schweiz. Die gute Teerstrasse führte in engen Haarnadel-Kurven den Berg hinauf. Wir hatten gerade einen Kleinlaster überholt, als wir in einer scharfen Rechtskurve ein Pannendreieck erkannten. Wir hielten an und fragten den Portugiesen, was für ein Problem er hätte. Sein Motor war überhitzt, da der Ventilator vor dem Kühler nicht mehr funktionierte und nun benötigte er dringend Wasser. Wir füllten ihm den Kanister mit unseren letzten Wasserreserven auf. Der Mann bedankte sich und wir fuhren weiter. Wir waren von der Aussicht begeistert und hielten wieder einmal um ein Foto zu schiessen. Der Portugiese fuhr hupend und winkend an uns vorbei. Wenige Kilometer weiter stand er dann schon wieder am Strassenrand. Wieder hielten wir an und gaben ihm Wasser, danach fuhren wir weiter nach Lubango. Die Höhenmeter stiegen auf 1'700m, dann auf 1'800m, und weiter auf 1'900m, schliesslich bei 2'027m hatten wir die Passhöhe erreicht. Die Polizeikontrolle, die in anderen Reiseberichten erwähnt wurde, fand nicht statt. Als man uns kommen sah, öffnete man uns sofort die Schranke. Wir winkten freundlich und schon waren wir vorbei.
Wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. Auf der anderen Seite auf ca. 1'800m ü.M. lag Lubango vor uns. Ein europäisch-wirkendes Städtchen, in dem auch viele Weisse leben. Kein Müllberg, alles war sauber und ordentlich. Wir kamen an einer katholischen Mission vorbei und fragten nach, ob wir dort schlafen könnten. Der nette Pater hatte aber keine Möglichkeit uns dort schlafen zu lassen. Nett erklärte er mir, dass es eine weitere Mission gäbe und wo diese zu finden war. Wir fuhren also zurück bis zur Ngola Bierreklame und bogen rechts ab. Zirka 5 km später fuhren wir an der grossen Bierbrauerei Ngola vorbei und gleich darauf auch an der Coca Cola Fabrik. Nun war es nicht mehr weit. Auf der linken Seite fanden wir wenig später die gesuchte Mission La Salette. Wir fragten höflich nach, ob wir dort übernachten könnten. Nach anfänglichem zögern, war es dann doch nicht mehr so kompliziert. Wir erfuhren, dass hier ein Pater Josef aus Lichtenstein sei, welchen wir auch gleich darauf besuchten. Der 82-jährige Pater lebte schon seit 51 Jahren in Angola und hatte ganz schön was mitgemacht während des Krieges. Er lud uns zu einer Cola ein und wir plauderten sicher fast zwei Stunden mit dem noch aktiven Geistlichen. Er hatte sichtlich Freude mal wieder Schweizerdeutsch sprechen zu können.
Anschliessend fuhren wir in die Stadt, da wir noch ein paar Besorgungen zu machen hatten. Die Supermärkte waren nicht sehr üppig ausgestattet, doch verhungern muss hier keiner. Die Preise waren moderat. In der Metzgerei machte ich auch kurz Halt, doch beim Anblick des Fleisches, wurde ich sofort wieder Vegetarierin.
Zurück in der Mission kochten wir unser Abendessen und probierten dazu das Ngola Bier. Etwas herb, aber geschmackvoll. Es klopfte an unserer Tür und zwei Priester standen vor uns. Den einen kannten wir schon, bei ihm hatten wir angefragt, ob wir bleiben könnten. Der andere war der Chef der Mission. Er sprach sehr zu unserem Erstaunen sehr gut deutsch. Er war auch schon in der Schweiz gewesen und so unterhielten wir uns einwenig.
Diese Nacht hatten wir nicht so gut geschlafen, wahrscheinlich wegen der Höhe. Wir waren so lange immer auf Meereshöhe gefahren und nun befanden wir uns plötzlich auf ca. 1'800m, da muss sich unser Organismus erst einmal umstellen.
Wir hatten lange keine Rast mehr gemacht und hatten deshalb beschlossen einen gemütlichen Tag einzulegen. Wir genossen es, endlich einmal wieder eine warme Dusche zu haben und gaben uns ausgiebig der Körperpflege hin, so dass wir danach wieder etwas zivilisierter aussahen. Anschliessend konnten wir unsere Wassertanks wieder auffüllen, denn die waren schon bedenklich leer geworden. Snoopy wurde auch etwas gereinigt, danach nahmen wir es gemütlich. Von unserer Tür aus konnten wir den Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Feld zusehen, wie sie das kleine Feld mit Haken bearbeiteten. Die Frauen holten richtig aus und krampften sich einen ab, während die Männer eher lustlos mit den Haken umgingen.
Am späteren Nachmittag kam der Pater, der uns aufgenommen hatte und zeigte uns die Mission. Die Gästehäuser, die Häuser der Geistlichen und der Novizen. Alle Häuser waren in einem Kreis angelegt und in der Mitte hatte man ein offenes Gebäude errichtet, in dem man Spiele wie z.B. Schach spielen konnte. Weiter ging es zur Schreinerei und zur grossen Kapelle. Der Weg führte uns an einen kleinen Stausee vorbei. Auf dem oberen Gelände wurde Ackerbau betrieben und auch eine Schweinezucht gab es dort. Viele kleine, süsse Ferkel schauten uns an. Die waren so niedlich, am liebsten hätte ich eines eingepackt.
Der Priester erzählte uns, dass die Mission von der Schweizer Katholischen Kirche gesponsert worden war und ein Schweizer Architekt alles entworfen und überwacht hatte. Ein Bauunternehmen aus Namibia hatte dann die Mission gebaut. Alles war sehr ordentlich und sauber.
Bis wir den Rundgang beendet hatten, war es bereits dunkel geworden und wir liefen zum Auto zurück.
Zu unseren Spaghetti genehmigten wir uns ein Schlückchen Wein aus dem Tetrapack. Dieser hatte uns dann so müde gemacht, dass wir schon um 21 Uhr schlafen gingen. Um 2 Uhr morgens waren wir wieder hell wach, wahrscheinlich war der schöne Vollmond dafür verantwortlich.
Da wir uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen hatten, waren wir natürlich am anderen Morgen viel zu müde, um früh aufzustehen. Beim Zusammenpacken kam uns noch der Pater Josef besuchen. Wir zeigten ihm unser Auto und er war beeindruckt. Wir erzählten ihm, dass wir nach Tundavala fahren möchten und er erzählte uns, dass dies das Grab der Unschuldigen sei. Während des Krieges wurde die Menschen von der Gegenpartei einfach eingesammelt, in einen Container gepfercht und anschliessend die steile, tiefe Schlucht hinabgeworfen. Wie grausam Menschen doch sein können, doch wir waren uns einig, dass es in Europa mindestens ebenso grausam war während des Krieges, wenn nicht schlimmer.
Wir verabschiedeten uns und fuhren die holprige Piste hoch zur Tundavala.
Die Schlucht ist sehr sehr sehr tief. Gott sei Dank hatte man bei den Aussichtspunkten ein paar Geländer gemauert, so dass wir uns ohne Risiko dem steilen Abbruch nähern konnten. Wir konnten es drehen und wenden wie wir wollten, doch wir bekamen die Schlucht und das tief unten liegende Tal einfach nicht auf ein Foto. Alles waren nur Ausschnitte, einen richtigen Eindruck bekommt man erst wenn man selbst davor steht. Die Aussicht in die Ebene war bombastisch und die in die unendliche Tiefe der Schlucht furchterregend.
Auf der anderen Seite der schmalen Schlucht hörten wir Geräusche und erkannten bald darauf ein paar Affen, die auf den Felsen und Bäumen herumtobten. Wir holten gleich unseren Feldstecher heraus und machten uns auf die Pirsch. Die Affen hatten inzwischen schon gemerkt, dass sie beobachtet wurden und bewegten sich nur noch mit Vorsicht. Immer wieder schauten sie unsicher zu uns herüber. Charly bemerkte, dass die Männchen blaue Eier haben. Wo der wieder hinschaut. ;-)
Zwischen den Felsspalten sahen wir auch unser erstes Dassie auf dieser Reise. Diese Nagetiere werden auch Klipschliefer genannt. Wir hatten auf unserer letzten Reise ganz viele von diesen drolligen Tierchen auf dem Tafelberg in Kapstadt angetroffen.
Dies war für uns ein Zeichen, dass wir uns nun definitiv dem südlichen Afrika nähern.
Wir konnten uns an dem Panorama gar nicht satt sehen, so beeindruckend empfanden wir es.
Da wir aber noch weiter wollten, mussten wir uns wohl oder übel von diesem imposanten Ort trennen.
In Lubango wollten wir eigentlich noch auftanken, doch an der einzigen anständigen Tankstelle sind wir vorbei gefahren, in der Annahme, dass da sicher noch mehr Tankstellen am Ortsausgang sein werden. Falsch gedacht! Keine einzige Tankstelle weit und breit, dafür wieder ärmlich Hütten mit Wellblech. Die Dächer waren mit Steinen beschwert worden, damit das Blech nicht weggeweht werden kann. Gewaschen haben sich die Menschen in kleinen Tümpeln oder Rinnsalen neben der Strasse.
Auf der einen Seite haben wir aufgemotzte Autos gesehen, die darauf hindeuten, dass es in Lubango auch viel Geld geben muss und auf der anderen Seite diese Armut. Wir hoffen, dass der krasse Gegensatz mit den Jahren verschwindet.
Die gefürchtete Strecke nach Namibia lag nun vor uns. Gefürchtet, wegen seinen unendlich vielen und sehr tiefen Schlaglöchern. In einem Reisebericht hatten wir gelesen, dass sie das Gefühl gehabt hätten, den ganzen Tag den Bordstein rauf und runter gefahren zu sein. Nun so schlimm haben wir die ersten 100 km nicht erlebt. Weite Strecken wurden inzwischen mit Erde aufgefüllt, so dass die Löcher nicht mehr so tief waren. Zwischendurch gab es natürlich auch ein paar von der Sorte Plombenzieher, doch konnten wir mehrheitlich gut ausweichen. Später wurde die „Teer“-Strasse dann doch noch stressiger. Schlagloch an Schlagloch ein Entrinnen gab es nicht. Links und rechts von der Fahrbahn hatten sich tiefe Fahrspuren eingegraben, damit man wenigstens ein paar Löcher auslassen konnte. Snoopy war häufig in Schräglage, da wir oft mit einer Radseite auf dem Teer fuhren und mit der anderen auf den schmalen Fahrspuren. Einige Kinder hatten sich darauf spezialisiert, die Löcher mit etwas Erde zu füllen und dann von den Autofahrern Geld dafür zu fordern. Es fiel uns wie immer auf, dass sie erst aufsprangen und Erde in ein Loch schaufelten, wenn sie ein Auto herannahen hörten. Eilig wurde dann geschaufelt und Geld gefordert. Emsig gearbeitet wurde hier nicht.
Kurz vor Chibemba fanden wir wenige Meter neben der Strasse ein verstecktes Örtchen zum Übernachten. Viele Möglichkeiten zum Übernachten gab es hier nicht. Überall trafen wir auf Dörfer und Menschen. Einige Frauen waren in traditioneller Weise gekleidet, das heisst, sie waren mit bunten Schmuckketten um den Hals gekleidet, trugen ihre Haare seltsam gedreht und waren barbusig.
Die Vegetation war dicht und nur selten führte eine Piste hinein, da hier die meisten Leute zu Fuss unterwegs waren. Viele Baobab-Bäume und einige Kakteen waren links und rechts der Strasse zu sehen. Der Boden war karg und trocken.
Schon um 5:30 hörten wir die Rufe der Hirten. Da wir sowieso nicht mehr schlafen konnten, entschieden wir gleich aufzubrechen und der holprigen Strasse zu folgen. Die Schlaglöcher reihten sich auch heute wieder aneinander. Oft gab es kein Entrinnen. Die Löcher waren gross und tief. Wir konnten wieder die Fahrspuren neben der sogenannten Teerstrasse benutzen und so einigen schlimmen Stellen gut ausweichen. Leider mussten wir oft in ziemlicher Schräglage fahren, wenn die Löcher zu schlimm wurden. Mit einem LKW kann man den Löchern weniger gut ausweichen. Die entgegenkommenden LKWs krochen förmlich auf der Strasse. Schritttempo war noch zu schnell für sie. Nach ein paar schlimmen Etappen kamen aber auch wieder gute Streckenabschnitte, so dass wir alles in allem gut voran kamen. Ein schöner schattenspendender Baum lud uns zu einer Pause ein. Wir machten Frühstück und ruhten uns etwas aus. Plötzlich waren wir in mitten einer Kuhherde. Der Hund des Hirten hatte wohl unser Büchsenfleisch gerochen und hat gleich vor unserer Tür Platz genommen. Die Büchse war aber bereits geleert und so wartete der Arme vergebens. Dieses beeindruckte ihn jedoch nicht weiter, denn nach kurzer Zeit sprang er auf und folgte seinem Hirten, der bereits weitergezogen war.
Die grosse Brücke vor Xangongo war schon vor längerer Zeit eingebrochen und schmale Stahlbrücken ersetzten nun diese. Der Kunene war breit und die Menschen nutzten den Fluss zum Baden, Waschen und als Viehtränke.
Eine halbwegs anständige Teerstrasse führte nachfolgend nach Ondjiva. Unterwegs standen einige betagte Panzer und Militärfahrzeuge am Strassenrand, die wohl einfach aufgegeben worden waren und nun an Ort und Stelle vor sich hin rosten.
Die Tankstellen unterwegs machten keinen guten Eindruck auf uns, weshalb wir beschlossen in Ondjiva nochmals die günstigen Dieselpreise zu nutzen und voll zu tanken.
In Ondjiva hatten wir dann aber Pech, denn es gab keinen Diesel mehr! Wir hatten die Taschen noch voller Kwazas und konnten diese nun nicht ausgeben, denn der Supermarkt hatte ebenfalls geschlossen, da heute Sonntag war. Die einzige Möglichkeit an Diesel zu kommen, wäre aus irgend welchen dubiosen Plastikkanistern gewesen. Diesen trauten wir aber nicht und so wollten wir die übrigen Kwazas in Namibische Dollar umtauschen. Die Geldtauscher stürzten sich förmlich auf uns, doch der Kurs war zu schlecht und so behielten wir unsere Kwazas.
Leicht verärgert fuhren wir weiter in Richtung Grenze. Unsere Minen hellten sich aber schlagartig auf, als wir eine brandneue Tankstelle kurz vor dem Schlagbaum in Santa Clara sahen. Bedauerlicherweise war eine Schnur vor dem Eingang gespannt. Eigentlich ein Zeichen das geschlossen war, doch ich ging trotzdem fragen, da ein Kleintransporter gerade diverse Kanister befüllen liess. Wir hatten Glück und wir durften auch reinfahren. Nun konnten wir doch noch alle unsere Tanks mit dem günstigen Diesel von Angola voll tanken. Nur 29 Kwazas (26 Eurocent) kostet der Liter Diesel in Angola und nebenbei bemerkt kostet das Benzin auch nur 40 Kwazas. Da lachte unser strapaziertes Reisebudget wieder. Überall in Angola galt der gleiche Preis, dass heisst die Treibstoffpreise wurden von der Regierung wahrscheinlich vorgeschrieben.
Wir waren noch am Tanken, da kam schon ein Schlepper an und wollte uns helfen die Grenzformalitäten schneller zu erledigen. Wir lehnten ab, mit der Begründung, dass wir genügend Zeit mitgebracht und schliesslich Ferien hätten. Er liess sich aber nicht abwimmeln und versprach nach dem Schlagbaum auf uns zu warten.
Diverse Geldtauscher versuchten vergeblich mit uns ins Geschäft zu kommen, denn wir hatten nun unsere Kwazas bereits gut angelegt.
Kaum hatte sich der Schlagbaum hinter uns geschlossen, stand tatsächlich der Schlepper von vorhin wieder da. Aufdringlich bot er erneut seine Dienste an. Wir lehnten erneut ab.
Ein Grenzbeamter wies uns leider zum falschen Schalter und prompt stand der Typ wieder da und meinte, auch wenn wir seine Dienste nicht wollten, so werde er uns nun doch den richtigen Schalter zeigen.
Dem Beamten hinter dem Schalter war seine Anwesenheit nicht recht. Charly musste den Typ richtig zur Seite drängen, damit er dem Beamten zeigen konnte, wo er den Stempel für die Ausreise machen musste. Reibungslos wurde das Carnet ausgefüllt und abgestempelt. Weiter ging es nun zur Immigration. Leider war gar nichts ausgeschildert und man musste raten wohin man zu gehen hatte. Der Schlepper war aber schon wieder parat und führte uns zielstrebig zur Immigration. Dort war aber keiner. Er ging in ein anderes Büro, doch auch da war keiner. Er rief lautstark nach einer Person, doch es meldete sich niemand. Der Typ kannte sich aber aus, denn auf der Rückseite des Gebäudes war nochmals eine Immigrations-Stelle. Da behauptete er, dass wir eine Gebühr für die Stempel zu zahlen hätten. Wir lachten ihn aus und gaben ihm klar zu verstehen, dass wir nicht bereit sind auch nur einen einzigen Kwaza für irgendeinen Stempel zu zahlen.
Der Beamte hinter der Glasscheibe trug wie üblich alle unsere Daten in ein Buch ein. Wir mussten einen Zettel ausfüllen und schon hatten wir unseren Ausreisestempel im Pass. Kostenlos versteht sich.
Der Schlepper jammerte nun herum, dass wir ihm doch etwas Geld für seine Dienste geben sollten und verlangte unverschämte 5 US$. Da er sich bei der Immigration doch für uns eingesetzt hatte, gaben wir ihm schliesslich pro Person 1 US$. Damit war er überglücklich und er bedankte sich überschwänglich bei uns. Wir stiegen ins Auto und fuhren zum Schlagbaum, welches eigentlich nur eine Schnur war. Also eine Schlagschnur ;-)
Dort wollte man nochmals den Stempel im Carnet sehen und schon war alles erledigt und wir konnten Angola verlassen.
| Namibia |
Die Grenze zu Namibia wurde nicht gleich für uns geöffnet. Zuerst kam noch ein namibianischer Beamter, der in unseren Pässen die Ausreisestempel von Angola kontrollierte. Dann wurde die Schnur gesenkt und wir konnten in den gepflegten Zollhof von Namibia einfahren.
Alles war gut ausgeschildert, wir fanden uns sofort zurecht. Das Immigrationsbüro, die Zollstation sowie die Zahlstelle für die Strassengebühr, alles war im gleichen Raum untergebracht. Die Beamten sprachen sogar einwenig Deutsch und freuten sich über unsere Komplimente. Es wurden ein paar nette Scherze ausgetauscht und nachdem wir einen Immigrations-Zettel ausgefüllt hatten, war auch schon der Stempel in unseren Pässen. 3 Monate Aufenthaltsbewilligung und dass ohne Visum und ohne Schikanen! Wie einfach doch ein Grenzübergang sein kann. Ein fröhliches „auf Wiedersehen“ und schon waren wir am Zollschalter. Der Beamte spielte gerade am Computer, da ausser uns kein andere Grenzgänger im Raum war. Als er uns kommen sah stand er sofort auf und kam zu uns herüber. Das Carnet wurde ordentlich und korrekt abgestempelt. In wenigen Minuten hatten wir den ganzen Papierkram hinter uns gebracht. Danach ging es ans zahlen. Die Strassengebühr für unseren Snoopy betrug 120 Namibische Dollar. Leider konnte man nur in einheimischer Währung bezahlen, wir hatten aber keine Namibischen Dollar. Doch wussten wir von anderen Reiseberichten, dass unweit von der Grenze ein ATM-Geldautomat der Standard Bank war.
Wir liefen also hoffnungsvoll zum Geldautomaten. Dort hatten wir leider Pech, denn der Automat konnte keine Verbindung mit Visa in der Schweiz aufbauen und so wurde uns die Auszahlung verweigert. Nach dem dritten Versuch gaben wir auf und liefen zurück zum Zoll.
Die Grenzbeamtin von der Immigration wusste Rat und sie fuhr mit uns aus dem Zollhof zu einer Bar. Dort wurden uns 40 US$ anstandslos in 240 Namibische Dollar umgetauscht. Endlich konnten wir die Strassengebühren bezahlen und die Grenze hinter uns lassen. Am Ausgang des Zollhofs waren links und rechts viele Duty-free-Shops und eine Bar nach der anderen. Verdursten muss in Namibia keiner. Da aber Sonntag war, war wenig los. Die Shops waren geschlossen, die Grenzgebäude waren so gut wie leer und auch in den Bars war wenig los.
Wir suchten die Strasse die uns direkt nach Oshakati führen sollte. Doch war die Strasse nach der angegebenen Kilometerzahl in der Karte nicht vorhanden. Wir fuhren noch ein Stück weiter und kehrten dann um, als wir nach 12 km immer noch keine Abzweigung gefunden hatten. Wir fragten ein paar Einheimische, diese kannten offensichtlich die gesuchte Strasse C45 nicht, welche nach ca. 6 km nach Omafo hätte abzweigen sollen. Sie empfahlen uns die Piste D3608 über Omafo nach Ongenga und danach die D3609 nach Oshakati zu nehmen.
Wir fuhren also die Piste, welche in sehr guten Zustand war. Wir fuhren an etlichen kleinen Dörfern vorbei. Die Behausungen der Einheimischen waren armselig Strohhütten oder einfache Hütten, zusammengezimmert aus Wellblech. Geld war aber offensichtlich für die stattliche Anzahl von Bars und dem entsprechenden Alkoholkonsum vorhanden. Unterwegs stoppten wir bei einer Bar, um uns nochmals zu vergewissern, ob wir auf dem richtigen Weg waren. Der angeheiterte Mann freute sich überschwänglich über unser Dasein und erklärte uns mit ausschweifenden Armbewegungen den Weg. Seine Alkoholfahne drang bis in unser Fahrzeug. Wir bedankten uns und folgten weiterhin der guten Piste. Die Abzweigung nach Oshakati war gut ausgeschildert und wir fuhren die D3609 bis nach Oshakati. Wir überlegten, ob wir nicht in der Wildnis übernachten und erst am nächsten Tag in die Stadt zum Einkaufen fahren sollten. Der Hunger nach einem guten Stück Fleisch liess uns aber weiterfahren. Die Sonne war bereits untergegangen und wir erreichten Oshakati mit dem letzten Tageslicht.
Der Linksverkehr in der Stadt war anfangs etwas verwirrend, doch hatten wir uns schnell daran gewöhnt. Nur bei Kreuzungen und Kreisverkehr war noch etwas Vorsicht geboten.
Wir kamen an einer Bank vorbei und hielten dort an, um Geld aus dem Automaten zu ziehen. Ein junger Wachmann mit einem blitz-blank geputzten Rifle-Gewehr bewachte die Bank. Wir fragten ihn nach einem Steakhouse und er wies uns mit seinem Gewehr den Weg. Etwas gewöhnungsbedürftig, das da einer so mit seinem Gewehr rumfuchtelt, doch fühlten wir uns keineswegs beunruhigt. Er empfahl uns das Oshakati Country Lodge, dieses Hotel sollte auch ein gutes Restaurant haben.
Wir fuhren zielstrebig zu der Lodge. Charly und ich waren etwas staubig von dem langen Tag, doch dies schien keinen zu stören. Die Lodge war rustikal und nobel im Safari-Stil eingerichtet. Schöne grosse Holzfiguren zierten den Empfangsraum. Wir hatten schon etwas bedenken, ob wir in unserer bescheidenen und staubigen Kleidung eingelassen werden würden. Doch unsere Sorge war unbegründet. Wir wurden in den Innengarten mit Blick auf den Swimmingpool begleitet und konnten uns in einer gutsortierten Speisekarte unser Abendessen aussuchen. Fleisch! Endlich mal wieder ein richtiges Stück Fleisch! Charly bestellte sich ein 500gr. Steak, während ich mir ein Filetstück bestellte. Als Vorspeise teilten wir uns einen Salat. Dieser hätte allein schon für uns beide gereicht, doch die Portionen des Hauptganges waren noch grösser. Wir assen mit gutem Appetit und spülten mit einem hervorragenden Hansa-Bier nach. Bei bestem Willen konnte ich die 3 grossen, zarten Filetstücke nicht aufessen und liess mir den Rest einpacken. Lecker war es gewesen! Schon lange hatten wir nicht mehr so gut und reichhaltig gegessen.
Mit unseren dicken Bäuchen waren wir aber auch träge geworden und wollten nicht noch in der Nacht nach einem Schlafplatz suchen müssen. Aus diesem Grund fragten wir an der Rezeption nach, ob wir nicht auf dem Parkplatz vor dem Hotel übernachten dürften. Die Dame an der Rezeption konnte dies nicht entscheiden und holte den Manager. Der nette, rundliche Schwarze verstand erst nicht, wieso wir in unserem Auto übernachten wollten, wo sie doch so schöne Zimmer hätten. Doch waren uns die 850 N$ (Namibian Dollar) zu teuer. Er offerierte uns sofort 30% Rabatt, doch auch dies war für unser Budget zu viel. Schlussendlich einigten wir uns auf 100 N$ für die Übernachtung auf dem Parkplatz und erhielten einen Schlüssel zu einem der hübschen Zimmer, wo wir Dusche und WC benutzen konnten. Guter Deal! Daraufhin becherten wir noch einmal ein feines Hansa-Bier und schauten zu, wie andere Gäste saftige, grillierte Schweinshaxen vertilgten.
Später legten wir uns gut bewacht ins Bett. Auf dem Parkplatz waren nämlich 2 Wachmänner postiert oder besser gesagt eine Wachfrau und ein Wachmann. Charly gefiel es natürlich von einer starken Frau bewacht zu werden, was er wohl geträumt hat?
Schon früh waren wir wach geworden und der Hotelmanager begrüsste uns sogleich persönlich. Er fragte nett, ob wir gut geschlafen hätten. Wir dachten, es sei 5:40 Uhr, doch hatten wir irgendwann vergessen die Uhr umzustellen und es war bereits 6:40 Uhr. Alles war noch so ruhig und friedlich. Wir nahmen es an diesem Morgen ganz gemütlich.
Eine Stunde später gönnten wir uns ein ausgiebiges Frühstück in der Lodge. Eier, Schinken, Tomaten, Pilze, Speck, Würstchen, Obst, Müsli, Cornflakes, Yoghurt, etc. alles war da. So gross wie unsere Augen, waren unsere Mägen leider nicht und wir hatten schon rasch genug.
Nach diesem ausgiebigen Frühstück gingen wir duschen. Charly hatte wieder einmal Glück und konnte noch mit warmem Wasser duschen. Bei mir war dann dafür gar kein Wasser mehr vorhanden, als ich unter der Dusche stand. Man brachte mir einige Eimer Wasser und es gab für mich mal wieder eine Eimer-Dusche, dabei hatte ich mich so auf eine gute, warme Dusche gefreut. Ich hab wohl immer etwas Pech mit den Duschen.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, machten wir uns auf den Weg zu einem Internet-Cafe. Dieses war gleich neben dem Spar-Supermarkt. Die Verbindung war aber langsam und Charly konnte seine Updates nur langsam runterladen. Einige Mails gab es auch zum Lesen, u.a. die von Rüdiger und Gisi. Wir hatten uns schon grosse Sorgen um die Beiden gemacht. Seit langem hatten sie sich nicht mehr gemeldet und auch auf unsere Mails nicht geantwortet. Sie waren mit dem Schiff und 500 Kühen von Bangui in der Central Afrikanischen Republik in den Kongo unterwegs. Es hatte sich, wie wir schon befürchtet hatten, ein Überfall auf das Schiff ereignet. Die Kugeln pfiffen ihnen dabei um die Ohren. Wie sie dann feststellen mussten, handelte es sich bei den Banditen um Polizisten aus DR Kongo, die das Schiff überfallen und den Kapitän anschliessend massiv gefoltert hatten. 270'000 CFA wurden dabei gestohlen. Die Polizisten waren erstaunt Weisse auf dem Schiff zu sehen, doch zum Glück war den Österreichern kein Haar gekrümmt worden und auch Ihre Habseligkeiten waren nicht angerührt worden. Sie hatten noch einmal viel Glück gehabt!
Charly verbrachte viel Zeit im Internet-Cafe, welches wohl erst vor kurzem von Südafrikanern eröffnet worden war. Ich ging unterdessen einkaufen. Wow! Was man doch alles kaufen kann. Ich schlenderte die langen Reihen der Regale entlang und füllte unseren Proviant wieder einmal auf. Wurstwaren gab es aus der deutschen Schlachterei in Windhoek, kann man da NEIN sagen? Trotz kaputtem Engel-Kühlschrank kaufte ich ein wenig Wurst und Käse ein. Mein Wagen füllte sich zusehends. Die Rechnung war dann auch entsprechend, doch waren die Preise der Esswaren normal und nicht so überteuert wie im Kongo. Die Öl-Leute haben dort mit ihren hohen Gehältern die Preise für die importierten Esswaren aus Frankreich astronomisch anwachsen lassen. Kaufen kann man dort auch alles, nur fanden wir die 4 Euro für 500 gr. Haferflocken überrissen teuer.
Ich habe alles gleich im Auto verstaut und wurde dabei von einem Deutschen Touristen angesprochen. Dieser konnte es kaum glauben, dass wir den ganzen Weg nach Namibia mit dem Auto gefahren waren.
Im Auto war es heiss. Die Sonne brannte und der Himmel war stahlblau, typisches Namibia Wetter.
Als wir endlich alles erledigt hatten, fuhren wir auf einer guten Teerstrasse in Richtung Ruacana. Unterwegs hörten wir einen deutschen Sender mit guter Musik und dem Ratespiel „Volle Pulle“. War schon etwas komisch, ich kam mir vor wie in Norddeutschland, nur die Umgebung und die Temperaturen stimmten nicht überein. Nach ca. 55 km war es aber aus mit der Herrlichkeit, denn danach hatten wir keinen Empfang mehr. Schade, wo es doch mit dem Ratespiel gerade so spannend geworden war.
In Uutapi tankten wir für unseren Kocher und die Lampe bleifreies Benzin. Zum ersten Mal seit Europa gab es wieder bleifreies Benzin.
Auf einer Anhöhe kurz vor den Wasserfällen sahen wir die ersten Himbas. Die Frauen waren barbusig und mit den für sie typischen roten Erde eingerieben. Die Haare in Zöpfen und mit traditionellen Leder-Röcken. Die jungen noch unreifen Himba-Mädchen hatten nur 2 Zöpfe, die nach vorne geflochten wurden.
Am späten Nachmittag erreichten wir unsere Tagesetappe, die Ruacana-Wasserfälle oder besser gesagt die Hippo Pools am Kunene Fluss. Wir wurden nett empfangen. Ein Himba-Mädchen sass auf dem Boden und wollte uns eine Himba-Puppe als Souvenir verkaufen. Diese gefiel uns jedoch nicht und so mussten wir das Mädchen enttäuschen.
Wir erhielten den besten Platz vom Campingplatz Kunststück - wir waren auch die einzigen Gäste. Der Zeltplatz Nr. 3 war direkt am Ufer des Flusses und wir hatten eine prima Aussicht. Wir stellten Snoopy unter einen schattigen Baum und spazierten etwas herum. Leider gibt es keine Flusspferde mehr in den Hippo Pools, denn durch die Motorboote aus der Nachbarschaft wurden sie verjagt. Obwohl das träge Flussbecken zum Baden einlud verzichteten wir, denn Krokodile gibt es nach wie vor im Fluss.
Der Sonnenuntergang war grandios, ganz so wie wir es uns von Namibia gewohnt waren. Schon auf unserer letzten Tour vor vier Jahren haben uns die Sonnenuntergänge in Namibia mit dem fantastischen und intensiven Farbenspiel in den Bann geschlagen.
In der Nacht wurden wir dann wach, denn Wind war aufgekommen und die Äste eines Baumes kratzten an unserem Dach. Charly musste ein Stück vorfahren, dann war Ruhe.
Ein schlechter Tag für uns!
Nach all dem Stress der vergangenen Reisetage, nahmen wir es heute gemütlich. Der indigene Manager kam und erzählte, wie er von einem Krokodil einmal angegriffen worden war, als er mit dem Netz fischte. Seit dieser Zeit zieht er es vor mit der Angel zu fischen. Er erzählte auch, das leider die Traditionen der Himbas immer mehr verloren gehen und viele gar nicht mehr so traditionell leben bzw. gerne zu viel Alkohol konsumieren. Schade, aber das sind nun einmal die Auswüchse vom Tourismus.
Charly konnte während des Gesprächs ein junges Krokodil am Ufer beobachten, wie es sich einen grossen Vogel schnappen wollte. Dieser war natürlich überhaupt nicht begeistert gefressen zu werden und da er grösser war als das Krokodil, hackte er mit seinem scharfen Schnabel nach dem frechen Krokodil. Dieses liess daraufhin von seiner vermeintlichen Beute ab und suchte eiligst das Weite. Wohl mit dem Gedanken, warte nur bis ich gross bin, dann aber....
Nach dem Frühstück wollte ich Abwaschen gehen. Gerade als ich das Geschirr ins Becken stellen wollte, sah ich, das da ein gelber Skorpion hin und her krabbelte. Hiiiii! Was für ein Schreck am Morgen. Ich holte Charly, der dann gleich begeistert ein paar Fotos schoss. Anschliessend suchte er einen langen Stock mit welchem er den Skorpion aus seiner misslichen Lage befreite. Ich sah in meinen Gedanken schon, wie der Skorpion ihm zum Dank dafür in den Finger sticht. Doch der Skorpion war dankbar, bewegte sich nicht und liess sich bewegungslos zum entfernten Baum tragen.
Als wir alles fertig gepackt hatten und auch noch unsere Wasservorräte aufgefüllt hatten, fuhren wir zur Grenze. Am Zollhäuschen fragten wir, ob wir die Wasserfälle besichtigen dürften. Die Zollbeamtin öffnete die Schranke und wir konnten zu den Fällen fahren. Sehr zu unserer Enttäuschung war kein einziger Tropfen Wasser zu sehen. Alles wurde zu den Generatoren geleitet, um Strom zu gewinnen. Doch auch von den Generatoren lief nur ein einziger, da es zur Zeit zu wenig Wasser gab. Wir schossen trotzdem ein paar Fotos von den Felsen und machten uns danach auf den Weg.
Die C35 war eine gute Piste, wo wir gute 100 km/h fahren konnten. Von solchen Pisten hatten wir schon lange geträumt. Nach 85 km erreichten wir die Abzweigung nach Opuwo. Die Strecke nach Opuwo wurde gerade erneuert und geteert. Aus diesem Grund mussten wir neben der Hauptpiste fahren. Da kam uns ein LKW mit völlig überhöhter Geschwindigkeit entgegen. Er donnerte an uns vorbei und hinterliess uns einen wahren Kieselsteinregen. Einer der scharfen Steinchen flog prompt in unsere Windschutzscheibe und hinterliess einen hässlichen Sprung in der Scheiben. Zuerst war es nur ein kleiner Sprung und wir fuhren weiter. Charly liess das Ganze natürlich keine Ruhe und er hielt an, um festzustellen wie tief der Sprung in der Scheibe war. Er stieg auf die Motorhaube und drückte gegen den kleinen Sprung, welcher daraufhin sofort grösser wurde. Charly wollte gleich umkehren und dem A.... mit Ohren die Leviten zu lesen, respektive die Kosten für eine neue Windschutzscheibe einzufordern. Inzwischen war bestimmt schon eine halbe Stunde vergangen. In dieser Zeit war der LKW schon längst an der Kreuzung und wir wussten ja nicht, in welche Richtung wir diesen dann zu verfolgen hatten. Wir waren ziemlich sauer!
Wir fuhren weiter nach Opuwo. Im Supermarkt kaufte ich noch Maismehl und Tabak ein, als Gastgeschenk im Fall wir an einem Himba-Dorf vorbei kommen würden. Vor dem Supermarkt kauerten mehrere Himba-Frauen, alle oben ohne und mit roter Erde eingerieben.
Charly war noch zu sauer und hatte keinen Blick für die hübschen Eingeborenen.
Wir fuhren weiter auf einer guten Piste bis nach Okongwati. Unterwegs begegneten wir immer wieder Himbas, die uns zum Anhalten aufforderten. Sie wollten von uns Geschenke, respektive sich für Geld fotografieren lassen. Charly hatte aber keine Laune für so etwas und so fuhren wir winkend an den Eingeborenen vorbei. In Okongwati forderten die Kinder dann auch Ihre Sweeties, also Bonbons. Wie in Mali, hat auch hier der Tourismus die Leute verdorben.
Wir folgten weiter der D3700 in Richtung Epupa Fälle. Die Piste war nun schmaler aber immer noch in einem guten Zustand. In einem kleinen Himba-Dorf zeigte ein alter Mann auf unser Hinterrad, doch ich konnte während der Fahrt nichts sehen. Wenig später sahen wir dann was er gemeint hatte. Wir hatten einen Platten am rechten Hinterrad. Heute blieb uns aber auch gar nichts erspart. Es war schon spät und nun mussten wir auch noch Reifen wechseln. Aus dem kaputten Reifen stiegen kleine Dampfwölkchen auf, wie in einem Zeichentrickfilm, dachte ich. Alles war heiss und der Reifen war an mehreren Stellen zerfetzt. Innerhalb von nur 30 Minuten hatten wir den Reifen gewechselt. Das grösste Problem war dabei, dass der Wagenheber nicht richtig unter der Achse positioniert werden konnte und immer wieder weg zu rutschen drohte. Ein grosser Stein und ein Brett unter dem Differenzial sicherte ein Abrutschen des Autos. Schliesslich hatten wir es geschafft und der zerfetzte Reifen hing am Heck. Er war immer noch heiss von der Reibung.
Im letzten Abendlicht machten wir uns wieder auf den Weg. Unterwegs begegneten uns ein paar kleine Antilopen, genannt Steenbok. Wir kamen kurz vor den Wasserfällen an einem kleinen Himba-Dorf vorbei, in dem viele kleine Feuer brannten. Ein romantischer Anblick, bei dem wir uns um ein paar Jahrhunderte zurückversetzt fühlten.
Im Dunkeln erreichten wir schliesslich den Epupa Wasserfall Campingplatz. Wir stellten unseren Snoopy unter ein paar Palmen ab und beneideten unsere Nachbarn, welche alle bereits am Lagerfeuer sassen und grillierten. Für uns gab es wieder einmal Tomatensauce mit Nudeln.
Anschliessend legten wir uns Schlafen und Charly konnte noch eine Schlange im Dunkeln an unserem Auto vorbei schlängeln sehen. Ufff, was für ein Tag!
Heute nehmen wir es gemütlich, hatten wir uns vorgenommen, schliesslich wollten wir uns ein paar Tage an den Wasserfällen ausruhen. Doch Charly war schon früh wach, denn der flache Reifen liess ihm keine Ruhe. Also stand er auf und fing schon an herum zu hantieren.
Es bleib mir nichts anderes übrig als auch aufzustehen und zu helfen. Der kaputte Reifen musste von der Alufelge gezogen werden und der neue Reife danach wieder aufgezogen werden. Eine schweisstreibende Tätigkeit. Unsere Nachbarn kamen herüber. Deutsche die hier eine geführte Tour unternahmen. Wir hatten Glück, der Tourenleiter, war ein junger deutschstämmiger Namibianer, der zu unserem Glück von Beruf Schweisser war und in Windhoek lebt. Unser grosser Ersatztank leckt nämlich seit geraumer Zeit. Die Firma Outback in München hatte auch hier keine gute Arbeit geleistet. Die Schweissnähte liessen nämlich Diesel an zwei Stellen durchsickern. Er kannte auch einen Reifenverkäufer und eine Firma die Windschutzscheiben verkauft. Er versicherte uns, das wir auf die Reifen Prozente erhalten würden. Na, das war doch ein Angebot.
Die Abdeckung vom Reserverad war so dreckig, dass man den Schriftzug nicht mehr lesen konnte. Ich war sicher eine Stunde damit beschäftigt, die Abdeckung zu waschen. Immer wieder floss schwarz-braunes Wasser heraus. Der ganze Staub von unserer Afrikareise hatte sich hier angestaut.
In der Zwischenzeit bekamen wir auch noch Besuch aus der Schweiz. Ein Pärchen aus der Innerschweiz war hoch erfreut uns auf dem Campingplatz zu sehen. Wir unterhielten uns lange mit Kurt und Annemarie, welche passionierte Land-Rover-Fahrer waren und auch schon viel von der Welt gesehen hatten. Kurt hatte vor 20 Jahren beim Aufbau des Wasserkraftwerkes in Ruacana mitgearbeitet. Leider waren die Beiden nur zu einem kurzen Besuch in Namibia und blieben auch nicht lange auf dem Platz. Schon bald fuhren sie wieder weiter.
Am frühen Nachmittag waren wir dann fertig und ich kochte für uns „Frühstück“. Rühreier mit Zwiebeln und Tomaten. Dazu, weil wir schon so viel geschwitzt hatten, ein kühles Windhoek Draught aus dem kleinen Laden nebenan.
Charly reparierte und putzte anschliessend unsere Coleman Lampe und füllte sie mit dem bleifrei Benzin. Und siehe da, sie brannte wieder ohne zu russen.
Schliesslich machten wir uns an die wichtigste Aufgabe des Tages die Hängematte aufspannen.
Während Charly es sich in der Hängematte gemütlich machte, ging ich schon mal die Wasserfälle inspizieren. Im letzten Tageslicht waren die Farben sehr intensiv und ich genoss die Ruhe und die idyllische Aussicht.
Zum Abendessen bereitete ich uns einen feinen Salatteller zu. Das Gemüse und Obst geht bei diesen Tagestemperaturen von 32 °C schnell kaputt. Doch war wenigstens hier die Luftfeuchtigkeit wieder etwas höher, ca. 32%. Im Süden von Angola und bei der Ankunft in Namibia hatten wir manchmal nur noch 16%. Da trocknen die Schleimhäute ganz schnell aus, die Nasen tun weh und die Augen fangen an zu brennen.
Heute war Ruhetag angesagt und entsprechend spät waren wir aufgestanden. Nach einem guten Frühstück mit gekochten Eiern stieg Charly wieder in die Hängematte.
Wir hatten etwas Brot übrig gelassen, welches nun auf dem Kocher lag. Ein Erdhörnchen und zwei Vögel waren so frech und turnten auf unserem Kochherd herum. Das Hörnchen balancierte auf dem Deckel, nachdem es sich keck ein grosses Stück vom Brot geholt hatte. Es war lustig den Tieren zu zusehen, aber sie waren sehr scheu, nur eine Bewegung reichte und schon waren sie weg.
Am frühen Nachmittag lasen wir etwas und am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg die Wasserfälle mit den Kameras zu erkunden. Es war malerisch schön. Gleich beim Campingplatz war ein grosser Wasserfall. Unweit davon liefen kleinere Wasserfälle die Felskanten hinunter und ein grosser Baobab stand mitten drin.
Der steinige Weg führte bergauf und wir mussten uns den Weg zwischen einer entgegenkommenden Ziegenherde suchen. Eine erst vor kurzem geborene kleine Ziege wollte nicht um mich herum laufen. Ich streichelte sie kurz und schon war sie meckernd verschwunden. Der Hirt grüsste uns freundlich und seine Jungs balancierten Plastikschüsseln auf dem Kopf, in welchen lebendige Hühner gackerten.
Die Aussicht oben auf dem Aussichtsplateau war fantastisch. Wir konnten in zwei Schluchten gleichzeitig schauen, in denen jeweils wiederum diverse Wasserfälle in die Tiefe stürzten. Dazwischen standen immer wieder diese herrlichen Baobab Bäume. Die Abendsonne färbte das Bild in ein mildes rötliches Licht. Wir verweilten, bis die Sonne untergegangen war, dann machten wir uns auf den Rückweg.
Im letzten Tageslicht kochten wir uns eine Gemüsesuppe mit Bockwürsten und liessen den Tag bei einem Windhoek Draught ausklingen.
Heute gab es zur Abwechslung Spiegeleier. Danach machte sich Charly an die Arbeit. Heute stand Wallas-Kochherd reparieren auf dem Programm. Ich habe mich derweilen mal wieder mit dem Tagebuch beschäftigt.
Charly fluchte ganz schön über den Schrott, den wir da teuer in der Schweiz gekauft hatten. Nur bis Marokko hatte der Kocher gehalten, danach kam überall Qualm raus. Der Kocher war überaus billig hergestellt worden, hatte zudem Konstruktionsfehler und schlechte Isolation. Nur am Rand war gut verklebt worden, damit man den blöden Wallas Kocher nicht auseinander nehmen kann. Charly schaffte es trotzdem die Befestigungen zu lösen. Alles war total verrusst. Edelstahl war mit Aluminium billig verbunden. Eine breite Ritze von 3 mm klaffte. Kein Wunder, dass bei der kleinsten Vibration die Abdichtung verloren geht. Mit etwas Hirnschmalz wären da bestimmt eine bessere Lösungen gewesen. Charly hatte da gleich ein paar Ideen, aber eben, solange es dumme Leute gibt wie uns, die diesen Schrott kaufen, wird sich das nicht ändern. Wir können diesen Kocher unter keinen Umständen empfehlen. Schrott, absoluter Schrott!
Er war den ganzen Tag mit diesem Mist beschäftigt. Eventuell können wir in Windhoek dann eine Eigenlösung finden, ansonsten fliegt das Teil raus. So viel Geld in den Sand gesetzt, das ist ärgerlich.
Am Abend kamen dann Detlef und Gundi zu uns herüber, um uns zu einem kühlen Bier einzuladen. Sie hatten Mitleid mit uns, da unsere Engel Kühlbox defekt war. Wie aufmerksam und lieb von ihnen.
Auf diese Art lernten wir auch ihren Reiseführer Olli kennen. Er war mit seinen Eltern nach Namibia gekommen, als er 2 Jahre alt war. Später war er bei der deutschen Marine und hatte eine Zeitlang in Deutschland gelebt. Doch es zog ihn schon bald wieder nach Namibia. Eigentlich hatte er Pädagogik studiert, wie seine Vorväter, doch sagte ihm dies wenig zu. Über Autovermietung wurde er schliesslich zum Reiseführer. Heute kutschiert er Touristen in der Gegend herum und hat damit seinen Traumjob gefunden.
Detlef und Gundi waren sehr zufrieden mit ihm. Die beiden hatten die letzten Monate auf einer Jagdfarm gearbeitet. Detlef, der früher einmal Geschäftsführer in einem deutschen Verlag war und Gundi, die diverse Reisen schon nach Namibia arrangiert hatte. Beide waren nun auf der Farm für ein paar Monate als Hausmeister und Köchin angestellt. Bis Ende Oktober soll ihr Namibia Abenteuer noch dauern, dann geht es wieder nach Hause.
Wir hatten alle einen schönen Abend und es gab viel zu erzählen. Spontan fragte uns Olli, ob wir nicht Lust hätten mit ihnen am nächsten Tag ein Himba-Dorf zu besuchen. Natürlich hatten wir Lust dazu und sagten gerne zu. Zusätzlich offerierte er uns, dass seine Frau Ina für uns ein paar Angebote für eine neue Windschutzscheibe einholt und auch auf Reifen hätte er gute Konditionen. Na, dass ist aber super lieb, dachten wir uns. Da unser grosser Reservetank leckte, wusste er uns auch noch eine gute Adresse von einem deutschen Schweisser. Wie es der Zufall wollte, hatten wir diesen vor zwei Tagen selber auf dem Zeltplatz kennengelernt und kannten die Anschrift bereits. Wie klein die Welt doch ist.
Es war schon bald Mitternacht, bis wir uns verabschiedeten und ins Bett gingen.
Um 9 Uhr hatten wir für die Tour zum Himba-Dorf abgemacht. Der Fremdenführer zu den Himbas hiess John. Er sollte uns die Kultur der Himbas erklären und etwas dolmetschen. Auf steiniger Piste und über ein paar Hügel rüber gelangten wir zu der kleinen Himba-Gemeinschaft. Das Oberhaupt akzeptierte das Maismehl und die übrigen Geschenke, die Olli wohlwissend mitgebracht hatte. Eine junge Himba-Frau war gerade dabei den roten Farbstoff für ihre Körperbemalung herzustellen. Sie zerrieb dafür eine Wurzel auf einem Stein und sammelte das feine Material danach in einem Beutel. Eine andere Frau war mit dem säugen ihres Kleinkindes beschäftig. Das Oberhaupt sass unterdessen griesgrämig auf seinem Hocker. Auch die mitgebrachten Geschenke konnte seine Mine nicht aufhellen. John klärte uns auf, dass man unter keinen Umständen zwischen dem Hauptlingshaus, dem Feuer und dem Kral laufen darf. Dies würde gemäss Himba-Glauben Unglück bringen. Er zeigte uns eine Eingeborenenhütte und erklärte uns die Utensilien die sich darin befanden. Bestimmte getrocknete Gräser wurde darin verbrannt, welches als eine Art Parfüm dienten. Kalebassen dienten als Behälter und Milch wurde darin zu Butterfett geschüttelt. Dieses wird zusammen mit dem roten Farbstoff auf den Körper der Himba-Frau aufgetragen. Nur Frauen verwenden diese Paste. Waschen tun sich die Himba-Frauen nie, nur mit Maismehl wird die Paste wieder entfernt. Die Himba-Männer erhalten die rote Farbe nur, wenn sie mit ihren Frauen schlafen. Vom Abrieb :-)
Zwei Hütten waren schon halb verfallen und John erklärte uns, dass die Frauen ausgezogen waren und sich damit von ihrem Mann geschieden haben. Auf die Frage warum, war die Antwort von John, wegen dem Alkoholkonsum vom Familienoberhaupt.
Wir verteilten den Kindern noch die mitgebrachten obligatorischen Bonbons, danach haben wir das Dorf wieder verlassen.
Olli führte uns anschliessend zurück zu den Wasserfällen und wir fuhren danach auf einen Berg, von wo aus wir eine tolle Übersicht auf die Epupa-Wasserfälle und auf das Grenzland von Angola hatten. Eine herrliche Aussicht!
Olli und seine Gefolgschaft luden uns grosszügigerweise zu einem kühlen Getränk ein. So lernten wir Frosties kennen, ein erfrischendes Bier-Limonadengemisch.
In der Zwischenzeit waren ein paar Einheimische, oder wie sie Olli nannte Neger - gekommen. Diese wollten von Detlef 5 N$ fürs Parkieren haben. Sie hatten einen Wisch dabei auf dem in mehreren Sprachen stand, dass sie dazu berechtig seien. Olli war davon gar nicht begeistert und war überzeugt, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Dies sei nur wieder ein Versuch ohne Leistung Geld zu verdienen. Olli gab den Herren seine Meinung bekannt und siehe da, wir mussten nichts bezahlen.
Gundi, Detlef und ich liefen den Berg hinunter zum Zeltplatz. Olli und Charly fuhren unterdessen mit den Autos zum Campingplatz. Als ich zum Platz kam, war Charly gerade dabei den Tisch zu reparieren. Beim Rückwärtseinparkieren, hatte er den Tisch übersehen und über den Haufen gefahren. Da der Tisch aus Alu war, konnte alles wieder gerade gebogen werden. Nun, etwas stabiler war er vorher, aber was soll’s.
Nach einem feinen Thunfischsalat ging ich zu Olli rüber, da er uns eine gute Route durch das Kaokoveld verraten wollte. Charly erholte sich in der Zwischenzeit in der Hängematte.
Olli zeichnete die Route auf unserer Karte ein und gab auch ein paar GPS-Koordinaten bekannt. Damit konnte nun nichts mehr schief gehen. Später kam Charly hinzu und wir plauderten ein Weilchen. Auch Gundi und Detlef kamen von ihrem Ausflug zu einer Lodge zurück. Spontan lud uns Olli zu einem Buschkaffee ein. Kaffee, mit Kakao, Zucker und Milch, dazu ein paar Vollkornkräcker mit Butter und Marmelade. Buschkuchen, wurde dies genannt. War alles ganz köstlich. Wir quasselten bis es für das Abendessen Zeit war. Olli entfachte ein Feuer und wir traten den Rückzug an. Da wir keinen Hunger hatten, liessen wir das Abendessen heute ausfallen. Charly sass am Tisch und schaute in den Notebook. Die beiden Österreicher von Nachbarplatz kamen und fragten, ob wir ihre Chips von ihren Fotoapparaten mit unserem Notebook auf ihre CD brennen könnten. Leider war nicht genügend Speicherkapazität vorhanden, so dass wir nur einen Teil ihrer Fotos auf die CDs brennen konnten. Fritz und Gerhard kamen aus Kärnten und waren für 14 Tage mit ihrem Mietauto in Namibia unterwegs. Gerhard war neugierig und fragte, ob er unser Auto mal anschauen dürfte. Stolz zeigte ich ihm unseren Snoopy.
Er war anscheinend ein Kameramann, der teilweise auch schon für das deutsche Fernsehen gearbeitet hat.
Mit einem kühlen Blonden liessen wir den Abend ausklingen. Charly wollte die Nacht in der Hängematte verbringen. Ich brachte ihm ein Kissen und den Schlafsack.
Nach ein paar Stunden kam er aber freiwillig ins Auto, denn die Mücken hatten ihn ganz schön zerstochen. Sogar in die Ohren- und Nasenlöcher wollten sie krabbeln, da hatte er dann endgültig genug.
Früh morgens sind wir aufgestanden, da wir heute nun weiterfahren wollten. Unsere Nachbarn aus Holland und Österreich waren schon bei Sonnenaufgang abgefahren. Charly reklamierte, dass wir mal wieder die Letzten seien. Doch wir hatten schliesslich auch mehr Zeit als nur 14 Tage für ganz Namibia. Kurz vor 9 Uhr waren dann auch Olli, Detlef und Gundi soweit. Sie kamen sich verabschieden und Olli teilte uns nochmals mit, dass wir uns bei ihm melden sollen, sobald wir in Windhoek ankommen. Klar, wird gemacht.
Nach einer letzten warmen Busch-Dusche waren dann auch wir soweit. Charly verabschiedete sich noch von seiner Bierfee, namens Flora, dann konnte es losgehen.
Wieder sahen wir auf der Strecke ein paar kleine Antilopen. Himbas standen am Strassenrand und winkten, dass wir anhalten sollten. Doch wir wussten, das sie nur Geld mit uns machen wollten und fuhren vorbei. Ein junges Mädchen stand am Strassenrand und wollte Bonbons und als wir nicht anhielten, warf sie einen Stein nach uns. Charly stoppte sofort und fuhr rückwärts. Das Mädchen lief in Panik davon. Sie wusste genau, dass man nicht mit Steinen zu werfen hat. Charly stieg aus und ging ihr hinterher, doch war die Kleine bereits über alle Berge. Die naheliegenden Hütten waren alle verlassen, so dass er niemanden die Leviten lesen konnte. Dem Mädchen wird es trotzdem eine Lehre gewesen sein.
Weiter ging es zurück nach Opuwo. Vor der Bank stand ein Container, in welchem ein ATM-Automat installiert war. Wir liessen ein paar Namibian Dollars raus und machten uns auf die Suche nach dem OK-Supermarkt. Dieser war leider geschlossen, da ja heute Sonntag war. Ein paar andere kleine Läden hatten dafür geöffnet und wir kauften dort ein paar Lebensmittel ein.
Danach ging es auf guter Piste weiter in Richtung Sesfontein. Bei der Piste D3705 bogen wir dann ab. Diese Piste war schmaler aber in einem guten Zustand. Wir kamen an ein paar armseligen Hütten und dessen Einwohner vorbei, doch mehrheitlich waren wir auf weiter Flur allein.
Die Landschaft war anfangs noch wenig spektakulär, doch nach ca. 40 km kamen die Giraffenberge immer näher. Unterwegs begegneten wir den ersten Straussen. Die Kühe daneben waren direkt mickrig. Die Tiere waren jedoch sehr scheu und rannten gleich weg, so konnten wir leider kein Foto machen.
Kurz vor Otjiu fuhren wir an einer kleinen Oase vorbei. Dies wird unser Nachtlager, haben wir beide ganz spontan beschlossen. Wir fuhren querfeldein zu den Palmen und inspizierten den Platz. Es gab etwas Wasser und einige Palmen. Bei genauerem Hinschauen entdeckten wir dann kleine Affen, die uns neugierig zwischen den Palmwedeln beobachteten. Ihr Kopf ging neugierig rauf und runter. Sie waren gar nicht so glücklich über ihre neuen Nachbarn. Es waren drei Meerkatzen, zwei erwachsene Tiere und ein Jungtier.
Da es noch zu früh für Abendessen war, haben wir uns von der Fahrt erst noch etwas erholt. Leider hatten uns bald darauf ein paar Kinder entdeckt. Natürlich wurde zuerst einmal wieder das übliche gefragt. Bonbons standen wieder ganz oben auf der Wunschliste. Zucker, Brot und T-Shirts waren auch willkommen. Doch die Kinder machten nicht gerade einen verhungernden Eindruck auf uns und so liessen wir uns diesmal nicht erweichen. Sie hatten zu dem ein kleines Zicklein dabei, dem sie bereits das Fell über die Ohren gezogen hatten.
Sie assen immer wieder etwas von dem rohen Fleisch und legten den Rest von der kleinen Ziege auf einen Busch, nutzten dessen Äste quasi als Tisch. Anschliessend wollten sie uns ihre selber gebastelten Drahtautos verkaufen. Ganz schön geschäftstüchtig die Kleinen.
Wir kochten unterdessen unsere Pellkartoffeln und prompt mussten wir uns anhören, wie hungrig sie doch wären. In Anbetracht des Ziegenfleisches, welches sie partout nicht als Essen ansehen wollten, behielten wir unsere Pellkartoffeln für uns. Es war eh schon nicht so reichlich. Wir wurden die Kinder erst los, als die Sonne unterging und Charly demonstrativ gute Nacht sagte und dabei die Tür schloss. Als die Rotzlöffel gegangen waren, konnten wir endlich in Ruhe unser Abendessen geniessen. Die Pellkartoffeln mit Salami, Schmierkäse und Mayonnaise waren rasch vertilgt.
In den frühen Morgenstunden hörten wir die Affen von Palmwedel zu Palmwedel springen. Die Sonne war noch gar nicht richtig aufgegangen. Gemütlich drehten wir uns noch einmal auf die andere Seite und pennten noch eine Runde. Um 8 Uhr war es dann definitiv Zeit zum Aufstehen. Die Affen haben wir leider nicht mehr zu Gesicht bekommen. Wir verliessen die kleine Oase und folgten weiter der Piste D3707. Wenige Kilometer später passierten wir das kleine Dorf Otjiu. Die Piste war weiterhin in einem sehr guten Zustand und wir kamen ganz gut voran. Die Landschaft wurde immer schöner und gebirgiger. Wir sahen wieder ein paar Strausse und diesmal auch ein paar Springböcke. Ab und zu hatten wir ein wunderbares Panorama. Kurz vor der Abzweigung in den Khumib begegnete uns ein Touroperator mit reichlich Touristen in seinem Land Rover. Er hielt kurz an und wollte von uns den Strassenzustand wissen. Mit bestem Gewissen konnten wir die Piste als sehr gut bezeichnen. Wir fuhren weiter und schossen ein paar Fotos von den bizarren Bergen. Ab hier gab es nun keine offizielle Piste mehr. Wir befuhren die Spuren unserer Vorgänger, die links dem Flussbett folgten.
Die Spuren waren gut zu erkennen. Wir kamen an einem Himba-Dorf vorbei und eine Mutter rannte mit ihrem Säugling zur Strasse. Sie gab Zeichen, dass wir anhalten sollten. Wir hatten schon von Olli von diesem Dorf gehört und hielten an. Es war so, wie Olli es beschrieben hatte. Die Himbas hatten ihre Knaben alle beschnitten und schlimme Eiterwunden waren geblieben. Sie bettelten um etwas Salbe für ihre Buben. Die Wunden sahen wirklich grauenhaft aus und wir fragten uns, wie man nur so grausam sein kann und wer wohl den Himbas so einen Blödsinn beigebracht hatte. Die Beschneidung der Buben ist sonst eigentlich den Moslems eigen, ob die wohl so weit nach Süden gekommen waren?
Ich ramschte in meiner Apotheke und fand eine gute Salbe zur Wundbehandlung. Jede Himba-Mutter zeigte mir die verunstalteten Penisse ihre Säuglinge und Kleinkinder. Ich verteilte die Salbe. Natürlich wollten sie die restliche Salbe behalten und angesichts der bösen Vereiterungen gab ich die Salbe gerne ab. Man fragte uns nach allerlei Medikamente und auch nach Esswaren. Wir hatten noch ein Pack Maismehl, welches wir ihnen gerne gaben. Danach wurden wir um Zucker und Streichhölzer gefragt. Ich stieg wieder in die Wohnkabine und teilte unseren Zucker und die Streichhölzer auf. Charly hatte unterdessen mit ein paar jungen Himba-Frauen Freundschaft geschlossen. Er zeigte ihnen unseren Kompressor. Hinter der Tür hatten die Himba-Mädchen nämlich Esswaren vermutet und waren über die Maschine darin erstaunt. Charly nahm die Hand eines Himba-Mädchens und liess Luft aus dem Kompressor. Ein Aufschrei und das Mädchen wich zurück, während die anderen lachten.
Eine Mutter kam zu mir und zeigte mir die vereiterten Ohren ihres Mädchens und machte die entsprechenden Gesten dazu. Eine andere Mutter hatte eine geschwollene, entzündete Brust. Ein anderes kleines Mädchen hatte eine Augenentzündung. Mir taten die netten Himbas leid und da sie weder aufdringlich noch fordernd waren, ging ich nochmals unsere Reiseapotheke plündern. Ich zeigte den Müttern, wie sie das Ohrenspray einzusetzen hatten. Sie wussten nämlich nicht wie man auf den Knopf drückt. Ein paar Tropfen gingen auf den Rücken eines Babys, welche sie sogleich mit einem flachen Stein wegwischte.
Charly sass währenddessen in einer kleinen Runde und unterhielt sich mit den jungen Frauen. Zu unserem Erstaunen kannten sie das Alphabet und sie konnten ihre Namen und ihr Alter in den Sand schreiben. Charly war völlig fasziniert und wäre gerne die ganze Nacht geblieben. Auch die Himbas deuteten an, dass wir doch bleiben sollten. Es gäbe Löwen und böse Elefanten, die unser Auto umwerfen würden. So die Gestik.
Charly hatte rote Farbe überall. An den Armen und auch an der Stirn. Schmunzelnd fragte ich ihn, wie er denn dazu gekommen war. Er lachte und erklärte, dass sie ihm ihren Kopfschmuck aufgesetzt hatten. Er hatte diesen dann quer aufgesetzt, was natürlich viel Gelächter der jungen Frauen hervorgerufen hatte.
Ich setzte mich auch in die Runde und die Himba-Frauen wollten meine Brüste sehen, nee, dass ging mir dann doch zu weit. Eine andere wollte wissen, ob Charly und ich ein Paar wären. Da ich sie nicht verstehen konnte, zog sie einen Knaben über sich und machte eindeutige Gestiken. Etwas verlegen wurde ich da schon.
Es war inzwischen schon ziemlich spät geworden und wir machten uns auf den Weg. Der Abschied von dem Urvölkchen war herzlich. Der einzige erwachsene Mann dankte uns unentwegt und die Frauen winkten uns noch lange nach.
Wir folgten weiter den Spuren am Khumib Fluss entlang. Das Bergpanorama des Etendeka-Massivs war fantastisch. Wir fuhren über einen kleinen Bergrücken und suchten uns in den letzten Sonnenstrahlen des Tages einen Schlafplatz. Das Gebiet war mit grossen Steinen übersät und so schliefen wir direkt neben der Piste. Wir dachten wir wären weit und breit die einzigen Menschen, doch kaum hatten wir unseren Kocher angeworfen, da kamen auch schon zwei Hirten mit ihren kleinen Herden. Sie grüssten kurz und folgten ihren Rindern.
Während Charly noch etwas am Notebook arbeitete und unsere Frontpage à jour brachte, war ich müde und schlief ein. Der Tag war voller Neuigkeiten und Schönheiten gewesen, da war ich einfach geschafft.
Die Sonne war erst spät hinter dem Bergrücken aufgegangen und wir sind erst kurz vorher aufgestanden. Es war sehr kalt gewesen in der Nacht. Die Butter auf dem Dach war steinhart geworden. Wer braucht da noch einen Kühlschrank?
In der Sonne am Horizont konnten wir Strausse erkennen. Es war ganz still, kein Laut drang an unsere Ohren. Da es uns hier zu kalt war, beschlossen wir ohne Frühstück abzufahren. Wir mussten über einen steilen Pass fahren, welcher auf der anderen Seite wieder ein atemberaubendes Panaroma bot. Wir mussten wieder einmal anhalten und ein paar Fotos schiessen. Namibia ist wirklich eine Reise wert. Die Abfahrt war dann schmal und hatte ein paar kleine steile Abhänge. Für unseren Snoopy war das alles kein Problem.
Nach dem Bergrücken kamen wir wieder in ein Flussbett. Der Hoarusib hatte ein sehr weichsandiges Flussbett, doch Snoopy wühlte sich problemlos durch. Wir folgten den Spuren im Flussbett und sahen am Hang des Berges die ersten Spiessböcke, auch Oryx genannt. Wir wühlten uns gerade weiter durch den weichen Sand, als wir eine kleine Herde von Wüstenelefanten vor uns entdeckten. Scheibenkleister, wo anhalten? Im weichen Sand hätten wir schaufeln und unsere Sandbleche auspacken müssen. Zu unserem Glück fanden wir gerade noch rechtzeitig eine kleine Sandbank mit Steinen, hart genug um wieder abfahren zu können und gerade noch weit genug von den Elefanten entfernt. Die Dickhäuter liessen sich nicht von uns bei ihrem Frühstück stören. Sie tranken Wasser aus dem letzten Rest Flusswasser und marschierten langsam zu den Büschen. Dort wurden ein paar Äste abgerupft und genüsslich ins Maul geschoben. Alles ging ganz gemächlich zu und her. Im Hintergrund konnten wir noch mehr Tiere entdecken. Wir wurden natürlich argwöhnisch von ihnen beobachtet, während wir begeistert ein paar Fotos von den „kleinen“ Wüstenelefanten machten. Als alle auf die andere Seite getrottet waren, konnten wir wieder starten und weiterfahren. Hinter der nächsten Böschung entdeckten wir noch zwei Jungtiere, die sich aber nicht von uns stören liessen.
Wir fuhren weiter im Flussbett und vereinzelt hatte der Fluss noch Wasser. Wir entdeckten eine grosse Straussenherde, welche sogleich in Panik davon rannte. Hier war kein National Park und deshalb waren die Wildtiere sehr scheu. Wenig später hatten wir dann ein paar Springböcke vor der Linse. All das Wild war gemischt mit Kuh- und Ziegenherden.
Je näher wir nach Purros kamen, desto mehr Autospuren sahen wir. Viele führten zum grünen Flussbett. Ein Allradfahrzeug mit Touristen kam uns entgegen. Da wussten wir, Purros kann nicht mehr weit sein.
Wir fuhren auf eine kleine Anhöhe und überblickten nochmals das Gebiet, danach fuhren wir geradewegs auf den Campingplatz. Vor und im Campingplatz hatten einige Dickhäuter ihre Haufen zurück gelassen. Der Zeltplatz war gut besucht von den Elefanten. Der Wärter vom Camping erzählte uns, dass ca. 3 kleine Gruppen von Elefanten den Zeltplatz von Zeit zu Zeit aufsuchen. Wir hofften am Abend ein paar der Tier zu sehen.
Wir stellten uns auf dem schönen Platz Nr. 6. Wir hatten ein sehr schattiges Plätzchen mit eigenem Abwaschbecken und Wasseranschluss. Die Busch-Dusche und das WC waren im Gebüsch nebenan wunderbar integriert und von aussen nicht ersichtlich . Der Duschkopf war am Ast des Baumes befestigt. Um die Sanitärenanlagen war ein Schilfzaun gezogen. Alles war sehr einfach, aber sehr sauber und das Klo hatte sogar Wasserspülung.
Wir machten uns ein ausgiebiges Frühstück. Spiegeleier und Toastbrot. Eine Art Wildhühner hatte uns bald darauf entdeckt und sie bekamen natürlich von uns ein paar Brotreste ab.
Auf dem Baum gegenüber sassen graue Vögel, die ähnlich wie Nymphensittiche aussahen.
Ein paar Glanzstare warteten auch auf ein paar Brotkrümel.
Es war herrlich in Mitten dieser schönen Natur zu frühstücken, genau nach unserem Geschmack.
Am Nachmittag kam dann aber leider Wind auf und er brachte feinen Sandstaub mit. Binnen kurzer Zeit war alles von diesem puderigen Sand überzogen. Obwohl wir die Tür zur Wohnkabine geschlossen hatten, war die Einrichtung mit dem feinen Sandstaub überzogen.
Alles was wir anfasten knirschte. Zum Abendessen gab es das Gemüse-Risotto vom Vortag.
Als wir aufwachten bemerkten wir, dass Charly eine dicke Backe hatte. Er hatte unterwegs in Westafrika wiederholt vom Essen eine dicke Backe oder dicke Lippen bekommen. Wir vermuteten, dass es sich dabei um eine Lebensmittelallergie handelte. Anfangs stellten wir diese Reaktion nur fest, wenn er französische Leberpaste gegessen hatte. Doch bei den Epupa-Wasserfällen hatte er bereits eine allergische Reaktion gezeigt, obwohl wir nur eine Gemüsesuppe gegessen hatten. Nun hatten wir den Risotto vom Vortag gegessen und wieder hatte er eine dicke Backe. Die Schwellung stieg an und wanderte von der rechten Oberbacke zu der oberen Lippe. Er sah recht havariert aus.
Aus diesem Grund beschlossen wir heute auf dem Campingplatz zu bleiben und es gemütlich zu nehmen. Zum Frühstück nahmen wir Rühreier und Biltong, was nichts anderes ist als Trockenfleisch.
Charly wusste sich natürlich gut mit seinem Computer zu beschäftigen, während ich ein paar Sachen wusch. Die Wäsche war schnell trocken, da die Luftfeuchtigkeit nur 13% betrug. Kaum war die Wäsche an der Leine, da war sie auch schon fast trocken.
Anschliessend stand ausgiebige Köperpflege auf dem Programm. Am späten Nachmittag schmökerte ich noch in unserem Namibia Buch und genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen.
Charly hatte leider am Abend die nächste Allergie-Attacke. Die rechte Backe und die Oberlippe war inzwischen schon ziemlich abgeschwollen, doch nun fing die linke Backe und die Unterlippe ganz fest an zu schwellen. Es war zum Verzweifeln! Wir wussten nun wirklich nicht mehr woher diese Nahrungsmittelallergie kommt. Charly war sauer und meinte, er fresse nun gar nichts mehr. Dies war natürlich nicht die Lösung. Er nahm seine letzte Histamin Tablette, da die Unterlippe nun so fest geschwollen war, dass man meinen konnte, diese platze gleich. Wir wollten schlafen gehen und Charly musste nochmals auf das Busch-WC. Ich wollte unterdessen das Bett fertig machen. Kaum hatte ich angefangen, da kam Charly auch schon wieder. Nanu, dachte ich, dass ist aber schnell gegangen.
Der Grund war aber ein anderer. Charly war aus der Wohnkabine gestiegen und bemerkte auf halben Weg, dass da ein Tier im Busch von der Toilette war. Erschrocken hielt er inne und leuchte in den Busch. Er hörte ein erbostes Schnaufen, ja fast ein Fauchen. Zuerst vermutete er, dass er ein Nashorn beim Abendessen gestört hatte, doch dann hörte er die unverkennbaren Flapp-Flapp-Geräusche, wenn ein Elefant mit den Ohren wedelt. Es war also ein Elefant im Busch und dieser fühlte sich deutlich gestört. Da rannte Charly schleunigst zurück und berichtete mir von seinem Erlebnis. Wir hörten wie die Elefanten näher kamen, da löschten wir das Licht und verhielten uns ganz still. Wir hörten die Atemzüge der grauen Riesen und wie es gleich neben unserem Auto knackte. Mit seinem starken Rüssel hatte ein Elefant gleich neben unserem Auto einen dicken Ast geknickt und abgerupft, als wenn es ein Streichholz gewesen wäre. Unglaublich welche Kraft diese Tiere doch haben! Wir vernahmen deutlich die Mahlgeräusche vom Kauen, so Nahe war der Elefant. Das Tier war höchstens 2 Meter von uns entfernt. Wir verhielten uns mucksmäuschenstill und lauschten den Atemzügen des Tieres. Einer anderer liess ein paar grollende Laute vernehmen, welche aber nicht bedrohlich wirkten, eher ein Ausdruck der Zufriedenheit. Anscheinend schmeckten die Büsche um unser Auto herum besonders lecker, denn die Elefanten blieben eine ganze Weile bei uns.
Als wir realisierten, dass die Flapp-Geräusche der Ohren sich langsam entfernten (die Dickhäuter laufen immer auf leisen Sohlen), konnten wir endlich unser Bett machen und schlafen gehen. Puhh, was für ein Erlebnis.
Die Schwellung der linken Backe und der Unterlippe war bei Charly ein wenig zurück gegangen, doch leider nicht in dem Mass wie wir es uns erhofft hatten. Charly war sauer, aber was konnten wir tun. Es gab nur eine Lösung, direkt nach Windhoek zu fahren und einen Arzt suchen. Wir packten also früh morgens unsere Sachen und fuhren los. Charly war das Frühstücken sowieso vergangen. Mit Äpfel bewaffnet machten wir uns auf den Weg.
Wir fuhren durch das Flussbett und folgten danach der Piste D3707 in Richtung Sesfontein. Pisten werden in Namibia Pad genannt. Dieser Pad führte am ausgetrockneten Flussbett des Gomadommi entlang. Schon kurz nach Purros konnten wir ein paar Giraffen im Flussbett erkennen. Charly war es verständlicherweise nicht nach Tierbeobachtung zu Mute und so fuhren wir an ihnen vorbei. Später sahen wir links und rechts von der Piste schöne Oryx-Antilopen und jede Menge Springböcke. Immer wieder durchquerten wir ausgetrocknete Flussbette. Der Pad war gut präpariert und wir kamen gut voran. Wieder trafen wir auf eine Giraffenherde und diesmal sogar mit Jungtieren. Was für eine elegante und erhabene Erscheinung diese Tiere doch haben.
Danach wechselten sich die Oryx-Antilopen mit den Springböcken ab. Nach zirka der Hälfte des Weges nach Sesfontein wurde die Tierwelt nur noch von Kuh- und Ziegenherden bestimmt.
Sesfontein war ein mickriges Dörfchen und auch das geschichtsträchtige Warmbad durchfuhren wir rasch auf der D3706 in Richtung Palmwag. Kurz vor Palmwag und der Kreuzung nach Kamanjab wurden wir kurz durch eine Barriere gestoppt. Hier soll sichergestellt werden, dass keine Tiere und Pflanzen Krankheiten vom Norden in den Süden des Landes einschleppen. Man hatte da leider in der Geschichte von Namibia mit Maul- und Klauenseuche schon schlechte Erfahrungen gemacht.
Wir folgten nun dem Pad C40 nach Kamanjab. Die Landschaft war fantastisch, konnten wir doch hier die Ausläufer der Damaraberge sehen. Unser Weg führte uns hinauf über den Grootberg Pass und wieder wurden wir von einer schönen Landschaft überrascht.
In Kamanjab erreichten wir die gute Teerstrasse. Wenige Kilometer nach der Kleinstadt führte uns die Strasse an eine Geparden-Farm vorbei, wo umliegende Farmer gefangene wilde Geparden hinbringen, anstatt sie zu erschiessen.
Die Landschaft war jetzt monoton und langweilig. Links und rechts von der Strasse waren nun Zäune installiert, welche das Farmland abgrenzten. Farmnamen wie klein Lichtenstein zeigten uns die Herkunft der Besitzer an.
Am späten Nachmittag erreichten wir die Kleinstadt Outjo. Hier begegneten uns zahlreiche Touristen, die mit ihren Mietfahrzeugen unterwegs waren. Verwundert blickten uns die Rentner hinterher.
Im letzten Abendlicht fuhren wir die restlichen 64 km nach Otjiwarongo. Die im Reiseführer so gelobte Otjibamba Lodge 6 km ausserhalb der Stadt war ein Reinfall, also fuhren wir zurück in die Stadt.
Auf dem Acacia Zeltplatz mitten in der Stadt fanden wir schliesslich unseren Übernachtungsplatz. Die Besitzer waren sehr nett und aufmerksam. Sie hatten den Campingplatz erst vor 3 Wochen übernommen und erzählten, was sie in der nächsten Zeit noch alles verbessern wollten. Da sie so nett waren, haben wir sie sogleich gefragt, wo es die besten Steaks in der Stadt gäbe. Sie empfahlen uns das Tschi-Tschi-Bon. Häää? Später kamen wir darauf, dass man das „C’est Si Bon“ gemeint hatte. Das kann hier aber keiner aussprechen, also wurde die Aussprache kurzer Hand geändert.
Wir fuhren hin und erhielten ein wirklich gutes Abendessen. Das 600 gr. Steak von Charly war zart und weich wie Butter und mein Kudu-Filet war ebenfalls super.
Mit dicken Bäuchen fuhren wir zurück zum Zeltplatz und übernachteten dort. Es war frisch, um nicht kalt zu sagen.
Schon früh waren wir aufgestanden und nutzten die warmen Duschen. Wir wollten rechtzeitig in Windhoek ankommen, da wir schliesslich noch einen Arzt für Charlys Allergieausbrüche suchen mussten. In den frühen Morgenstunden fuhren wir auf der B1 über Okahandja nach Windhoek. Unterwegs begegneten uns immer wieder Warzenschweinfamilien, die sich um die Zäune der Farmer herzlich wenig kümmerten. Sie knabberten, wie immer kniend, am Strassenrand am gelben Gras. Einige Kudus konnten wir ebenfalls hinter den Zäunen ausmachen.
Wir hörten mal wieder Deutsches Radio. Komisch hochdeutsche Sprache und deutsche Schlagerschnulzen im Radio zu hören. Die Landschaft war ziemlich flach, man hätte wirklich meinen können man sei in Norddeutschland. Nur die Vegetation und das Wetter stimmten nicht überein, es war viel zu warm für den kühlen Norden. Sobald die Sonne scheint, hat man in Namibia schnell auch am Morgen 30 °C und mehr.
Am späten Vormittag hatten wir dann Windhoek erreicht. Alles war so ordentlich und sauber. Die Strasse waren gut ausgeschildert und es gab nur wenig Verkehr. Wir fanden den Weg schnell zur Independence Avenue. Wir wussten, dass es dort eine Informationsstelle gab und wir wollten uns dort nach einem Krankenhaus erkundigen. Wir stellten Snoopy auf den grossen Parkplatz und fragten die Dame in der Info, wo man am Freitag Nachmittag einen Arzt aufsuchen könnte. Sie empfahl uns das Catholic Roman Hospital. Dies war gar nicht weit weg und rasch hatten wir die Einfahrt gefunden. In der Rezeption schickte man uns zu Dr. Roxin auf die 2. Etage. Die Praxis des Arztes war topmodern eingerichtet. Die Arzthelferin sprach uns gleich auf Deutsch an. Charly musste ein Formular ausfüllen und danach mussten wir kurz warten, da der Doktor noch besetzt war.
Die Wartezeit war kurz und der junge Arzt bat uns bald einmal in seinen Behandlungsraum. Er hörte sich Charlys Beschreibung an und erklärte uns daraufhin sehr eindrücklich wie eine Allergie zustande kommt und wie sich die Allergie quasi selber steigert. Er erklärte uns das anhand von einem Beispiel. Wenn man in ein Riesenrad oben einen Stein wirft, dann dreht sich dieses nach unten und bleibt stehen. Wenn es nun mehrer Steine sind, dann dreht sich das Rad immer schneller. Er erklärte uns, dass man diese Kette von Steinen unterbrechen muss, denn sonst reagiert man schussendlich auf alles, auch ohne den auslösenden Faktor. Unsere Hoffnung auf einen Test, womit wir herausfinden könnten auf was Charly allergisch reagiert, hat er uns gleich genommen. Diese Tests wären sehr zeitintensiv und würden wahrscheinlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Doch er gab Charly eine Cortison Spritze, damit er erst einmal Ruhe hätte. Zusätzlich verschrieb er ihm noch Panafcort 5mg Cortison Tabletten, Telfast 180mg Antihistamine und Aterax 25mg, falls die 5mg Cortison Tabletten nicht ausreichend wirken sollten. Der Arzt war sehr nett und es war angenehm sich in Deutsch unterhalten zu können. Die ganze Untersuchung, die Beratung und die Spritze kosteten uns gerade mal 378 N$ (75 CHF).
In der Krankenhaus Apotheke holten wir einen Teil der Medikamente, da leider die Antihistamine nicht vorrätig waren. Ausgerechnet diese Tabletten hatte der Arzt zur täglichen Anwendung nach der Spritze verschrieben. Also liefen wir gleich in die Stadt und kauften dort die Telfast Tabletten. Ich war so hungrig da es inzwischen schon nach 1 Uhr war und fanden gleich neben der Apotheke das Café Schneider. Hmmm...... Schwarzwälderkirschtorte!
Wir setzten uns ins Cafe und Charly bestellte die Torte, während ich etwas währschaftes haben musste. Ich bestellte Wienerli mit Kartoffelsalat. Die Torte war leider nicht so toll wie sie aussah, doch mein Essen war wie zu Hause. Lecker.
Zurück im Krankenhaus holten wir unser Auto und suchten den kleinen Campingplatz in der Stadt. Dieser war an der John Meinert Strasse, doch war der Platz sehr eng und bot wenig Schatten. Wir beschlossen nach Arebbusch zu fahren, welchen wir ja schon vor 4 Jahren getestet hatten. Leider wurde uns dort zuerst mitgeteilt, dass der Platz bereits voll ausgebucht sei. Ufff. Was tun? Wir beschlossen stur zu sein und sagten sie sollen nochmals nachschauen, ob es nicht doch ein Möglichkeit gäbe. Unsere Hartnäckigkeit machte sich bezahlt, denn nach bald einer Stunde des Wartens ging es dann plötzlich doch. Da zur Zeit eine Ausstellung in Windhoek war, erhielten wir sogar noch einen reduzierten Preis. Dies war wahrscheinlich auch der Grund, warum wir angeblich keinen Platz mehr hatten. Auf dem Campingplatz jedenfalls war mehr als genügend Leerraum und wir fanden rasch eine geeignete Ecke für uns.
Zu unserer freudigen Überraschung war schräg gegenüber ein grosser MAN LKW aus Deutschland. Marion und Walter waren aus Warstein und hatten zwei niedliche kleine Hunde dabei. Whisky und Eros hiessen die beiden. Während Whisky uns quirlig anbellte als wir näher kamen, nahm es Eros eher gelassen.
Die Vier waren uns auf Anhieb sympathisch. Anschliessend wollten wir noch zu Cymot im Industrie Nordgebiet, um nach unserem Kühlschrank schauen zu lassen. Da auch Walter interessiert war, folgte er uns mit seinem Motorrad.
Stefan Ham von Cymot konnte uns leider nicht helfen, doch kannte er eine Firma, wo wir das Teil reparieren lassen könnten. So fuhren wir zu Kälte Schnoor. Herr Schnoor sprach ebenfalls Deutsch, war überaus nett und half uns wo er nur konnte. Er versprach uns die Engelkühlbox bis am nächsten Tag durchzuchecken und zudem empfahl er uns für unser Auto zu Auto Repairs in der Prospertita Industral Area zu gehen. Der Besitzer sei ein Toyota Freak und man kenne dort diese Fahrzeuge in- und auswendig.
Müde von diesem ausgefüllten Tag fuhren wir zurück zum Camping Platz. Wir unterhielten uns wieder mit Marion und Walter und machten uns anschliessend frisch. Wir fuhren in die Stadt, da wir Lust auf ein Steak im Spur Steak-House hatten. Von diesen grossen saftigen Steaks hatte wir schon in der Schweiz geträumt und zudem musste wir uns in Westafrika ziemlich fleischlos ernähren. In Namibia können wir nun endlich Steaks essen soviel wir wollen. Wir fanden auch gleich einen guten Parkplatz, doch bei Spur war trotz der vielen Tische im Nichtraucherabteil kein Platz. Wir sollten doch so lange in der Bar warten. Wir hatten gerade unser Bier bestellt, da wurde uns auch schon ein guter Platz auf dem Balkon angeboten. Gern folgten wir dem Herrn und setzten uns. Draussen war es lauwarm und genau richtig für uns. Wir assen je ein grosses, zartes Steak mit einem Salatteller und waren danach so genudelt, dass wir nur noch ins Bett wollten. Also fuhren wir zurück zum Camping. Walter und Marion hatten ein schönes Lagerfeuer gemacht, doch wir wollten nur noch unsere Bäuche strecken.
Nach unserem Frühstück unterhielten wir uns mit den MAN-Leuten. Kurz vor 11 Uhr machten wir uns schliesslich auf den Weg zum Kälte Schnoor, in der Hoffnung den Kühlschrank bald wieder benutzen zu können. Doch wir wurden enttäuscht. Während der Herstellung der Kühlbox war gepfuscht worden und es war Dreck ins System gekommen, wodurch die Leitungen verstopften wurden. Herr Schnoor tat es Leid, doch so konnte er uns die Kühlbox nicht übergeben und vertröstete uns auf Montag. Wir hatten es so lange ohne Kühlbox ausgehalten, da kam es auf ein zwei Tage auch nicht mehr an.
Wir fuhren wieder zu Cymot, da wir noch einige Dinge zu besorgen hatten. Leider waren wir dort auch erfolglos. Die Ersatz-Dieselpumpen sowie das Rückschlagventil für die Standheizung könnten wir bei Bosch in der Stadt besorgen, sagte man uns, doch die hätten erst am Montag wieder geöffnet.
Wir fuhren trotzdem in die Stadt und suchten einen Platz auf dem grossen Parkplatz. Dieser war ziemlich voll und wir fuhren ein ganzes Stück hinein. Die Wachmänner zeigten uns einen Platz der gleich frei werden sollte. Wir warteten geduldig, denn die Leute hatten es gar nicht eilig. Da kam von hinten ein blaues Auto angedüst und stellte sich frech vor uns. Der Wachmann gab deutliche Zeichen, dass wir bereits für diesen Platz vorgesehen wären. Die schwarze Frau am Steuer war aber ganz und gar nicht gewillt dies zu akzeptieren. Sie wollte partout auf unseren Platz, obwohl ein anderer später auch frei geworden wäre. Ich stieg aus und wollte höflich mit ihr reden. Dies war leider unmöglich, denn das Benehmen der Frau war unmöglich und sie beschimpfte uns sogar. Wir wären ja nicht einmal von hier, sagte sie frech. Da platzte mir der Kragen und ich sagte kurz, sie solle doch zurück in den Busch gehen. Da wurde sie aber sauer!! Uiii juiii uhh, sie beschimpfte uns als Mother- and Fatherfucker usw. Charly fuhr unterdessen ungerührt und lächelnd ganz nah an ihr vorbei in den Parkplatz. Die Frau liess den Motor aufheulen und fuhr bis kurz vor unserer hinteren Stossstange. Ich drohte ihr die Tür einzutreten, falls sie weiter so blöd tut. Viel Aufregung! Charly holte unterdessen die Kamera raus und machte ganz nah ein Foto von der blöden Kuh. Diese wurde daraufhin noch unausstehlicher, zog wenig später jedoch endlich Leine. Die Wachmänner machten eindeutige Gesten, dass die Frau spinnt und nicht alle Tassen im Schrank haben konnte.
Wir holten unsere Sachen aus dem Auto und machten uns auf den Weg. Da hörten wir von weit hinten dieses Luder wieder keifen. Wir beschlossen sie einfach zu ignorieren und liefen weiter und suchten nach einem Internet Café.
Zu unserem Erstaunen war es nicht möglich unseren eigenen Notebook anzuschliessen. Es wurde schlicht vom Besitzer nicht erlaubt. In ganz Westafrika hatten wir nirgends so grosse Probleme ein anständiges Internet Café zu finden, wie hier in Windhoek. Dabei erscheint hier alles so modern und sauber. Der einzige Ort wo man es uns erlaubt hätte, hatte leider ausgerechnet an diesem Tag ein Serverproblem. Dort verwies man uns wiederum an eine andere Stelle, doch dort war bereits geschlossen. Wir waren viel gelaufen und waren daher recht hungrig. Das Marco Polo war voll und in die Fast-Food Ketten KFC und Wimpy mochte ich nicht gehen, weil dort das Essen immer so fettig ist. Da Spur nicht weit war, gingen wir wieder dorthin. Wir assen Spare-Rips. Lecker, lecker! Da wir wieder auf dem Balkon sassen, hatten wir einen schönen Ausblick auf das bunte Treiben in der Innenstadt von Windhoek.
Da wir bei all den Internet Cafes keinen Erfolg hatten, gingen wir schliesslich ins Kalahari Sands Hotel. Wir konnten im Business Center endlich unseren Notebook anhängen und Charly konnte das langersehnte Update runterladen. Leider war die Sache nicht ganz billig, verlangte man doch stolze 1,20 N$ (25 Rappen) für die Minute. Nach einer Stunde hatten wir das wichtigste erledigt und fuhren anschiessend wieder nach Arebbush.
Das Abendessen liessen wir heute ausfallen, da wir noch vom Mittagessen genug hatten. Am Abend war es wieder eisig kalt und so zogen wir unsere dicken Jacken und Socken an. Anschliessend setzten uns zu Marion und Walter. Wir becherten Amarula und haben uns bis kurz vor Mitternacht unterhalten.
Heute war nach einem guten Frühstück für mich waschen angesagt. Endlich mal wieder eine Waschmaschine zu haben war herrlich. Auch sonst gab es einiges zu tun.
Charly war unterdessen den ganzen Tag mit dem Computer beschäftigt. Er wollte die neue Software für unsere Fotos testen.
Am Abend wollten wir mit Marion und Walter im Restaurant essen gehen. Wir wurden enttäuscht, denn am Sonntag war leider geschlossen. Infolgedessen gab es dann halt Maccaroni mit Käsesauce aus dem Beutel.
Das Abendprogramm war das gleiche wie am Vortag: Amarula und quatschen bis spät in die Nacht.
Nach unserem Frühstück machten wir uns auf den Weg unseren Kühlschrank abzuholen. Herr Schnoor war von den Engelkühlboxen nicht begeistert und schon gar nicht von unserem Montagsmodell. Er sagte uns klar, dass er uns leider keine Garantie auf die Reparatur geben könnte, da am Sonntag der Kompressor wieder ausgestiegen war und nur mit dem Hammer wieder zum Laufen gebracht werden konnte. Was für ein Qualitätsprodukt!
Anschliessend suchten wir in der Stadt die Bosch Filiale, welche bei der KFC-Fast Food Kette sein sollte. Wir suchten und suchten an der Independence Ave., bis man uns aufklärte, dass es 2 Filialen in Windhoek gäbe. Die 2. KFC-Fast-Food Kette war zwei Querstrassen weiter und wir mussten ein ganzes Stück laufen. Schliesslich fanden wir die Bosch Filiale. Bedauerlicherweise hatten diese weder die Dieselpumpe, noch das Rückschlagventil, noch die Hella-Abdeckung. Letztere war uns verschmörzelt, als wir in Purros versehentlich bei Tag den Scheinwerfer eingeschaltet hatten. Pech! Im nächsten Laden hatte man wenigstens gute und günstige Dieselfilter.
In der Cymot Filiale in der Stadt schauten wir ebenfalls kurz rein, ob die evtl. das teilsynthetische Öl hätten, welches wir schon vergeblich an der vorherigen Total-Tankstelle gesucht hatten. Kein Glück, doch war der Laden gut ausgestattet und wir streunten noch etwas herum. Der Camping- und Autoausrüster hatte allerlei interessante Sachen. Auf der 1. Etage wollte uns die Verkäuferin ausgerechnet eine Engelkühlbox schmackhaft machen. Da war sie bei uns genau an der richtigen Adresse. Wir klärten sie kurz mal auf, was für Schrott wir da für uns teueres Geld erhalten hatten. 5 Monate Einsatz und schon defekt. Keine Garantie, keine Kulanz, keine kompetente Vertretung in Afrika ausser in Namibia und Südafrika. Sie war bald darauf sehr still geworden.
Um 17 Uhr schloss der Laden und wir machten uns auf den Weg etwas einzukaufen. Im Pick’n Pay hatten wir eine riesige Auswahl und unsere Augen liefen fast über. Wow, Landjäger, diverse Brot-, Wurst- und Käsesorten, in dem Laden gab es fast alles. Wir konnten aber nicht so richtig zuschlagen, da wir unser Auto nicht in der Nähe parkieren konnten. Unser Snoopy war schlicht zu hoch für die Tiefgarage.
Vollbepackt machten wir uns auf den Rückweg.
Herr Schnoor hatte uns empfohlen uns mal auf der Ausstellung um zu sehen. Wir hatten Interesse eventuell eine Minus 40 Kühlbox zu kaufen, falls unsere Engel Kühlbox wieder versagen sollte. Auf der Ausstellung war alles vertreten. Wir sahen uns auch die grossen Rinder an, puh - das waren richtige Fleischberge, insbesondere die Bullen. Wer diese Kolosse sieht, wundert sich nicht mehr über die grossen Steaks die es hier gibt.
Nach einer kurzen Suche fanden wir schliesslich einen Aussteller, der diese Kühlboxen aus Südafrika anbot. Wir schauten uns diese eingehend an und mussten leider feststellen, dass wir dieses Modell nur nach einigen gravierenden Änderungen bei uns einbauen könnten. Schade, die Box machte einen stabileren Eindruck auf uns, als die Engelbox.
Anschliessend suchten wir dieses und jenes, wurden leider aber wieder nicht so fündig.
Am anderen Ende der Stadt, bei C+V Welding holten wir uns einen Termin für die Schweissarbeit an unserem Einfüllstutzen. Leider war es erst am kommenden Montag möglich dort vorbei zu kommen. Klaus, den wir an der Epupa-Wasserfällen getroffen hatten, würde uns dann auch wieder da sein und könnte die Schweissarbeiten machen. Er hatte in Deutschland eine Schweisserlehre abgeschlossen und so hatten wir die Hoffnung, dass der Einfüllstutzen dann ordentlich geschweisst würde.
Auf dem Weg zurück in die Stadt machten wir uns wieder auf die Suche nach teilsynthetischem Öl für unseren Ölwechsel. In Namibia wird aber fast ausschliesslich Mineralöl verwendet und so gestaltete sich die Suche etwas schwierig.
Am Abend kehrten wir erfolglos und müde auf den Zeltplatz zurück. Wir hatten uns gerade hingesetzt, als wir einen LKW ankommen hörten. Dieser stellte sich direkt vor den MAN von Marion und Walter und hupte. Es waren Ute und Henry aus Dresden, welche ich schon in Senegal getroffen hatte. Wir hatten seit dem immer wieder einmal per Mail Kontakt. Wir freuten uns über ihre Ankunft, nun hatten wir uns doch noch getroffen.
Es waren auch andere Deutsche auf dem Camping angekommen. Friedhelm und Marlies, die mit ihrem Toyota (Buschtaxi) für 3 Monate durch das südliche Afrika gefahren waren. Walter und Marion hatten sie schon in Sambia getroffen. Gemeinsam mussten sie dort Elefanten davon abhalten ihre Kohlköpfe zu fressen. Die Elefanten hatten da nämlich plötzlich lange Rüssel bekommen. Friedhelm gab frech dem Elefanten einen Klaps auf den Rüssel und erhielt dafür einen leichten Stupser am Auto vom Elefanten. Marion konnte gerade noch rechtzeitig das Fenster schliessen, bevor der Rüssel durch das Küchenfenster den Kohl stibitzten konnte. Es war ein schöner Abend, es gab viel zu erzählen und so sassen wir noch lange beisammen.
Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf die Suche nach einer Waschmöglichkeit für das Auto. Was bei uns einfach zu finden ist, gestaltete sich hier als schwierig. Die von Auto Repairs empfohlene Firma hatte leider schattenspendende Dächer aufgestellt, so dass wir nicht drunter passten. Die BP Waschanlage hatte nur eine mickrige Sprühpistole. Wir beschlossen in die Stadt zur Tourist-Info zu fahren und suchten dort in den gelben Seiten nach einer Möglichkeit. Nach endloser Suche fanden wir schliesslich bei der Engen Tankstelle eine neue Anlage, welche wirklich mit Hochdruck unser Auto und den Motor abdampfen konnte. Die schwarzen Angestellten wurden von ihrem weissen Chef instruiert und auch kontrolliert. Ohne geht es leider nicht, die Qualität wäre sonst bei diesem stolzen Preis einfach zu schlecht. Anschliessend machten wir uns wieder auf die Suche nach dem teilsynthetischem Öl. Wir mussten dafür wieder ins Industriegebiet Nord fahren. Die Zeit wurde schon etwas knapp, da wir uns mit Ina und ihren Eltern bei Café Schneider treffen wollten. Charly fuhr zum Engens Hauptlager, dort durfte er mit einem Angestellten diverse Ölfässer durchstöbern. Er marschierte mit dem Schutzhelm auf dem Kopf durch das Gelände, da dies Vorschrift war. Leider wurden sie nicht fündig und man empfahl ihm doch mal bei Shell nebenan nach zu fragen. Die Zeit reichte aber nicht mehr und so machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Mit ein wenig Verspätung kamen wir im Café Schneider an. Ina begrüsste uns gleich ganz herzlich. Bei einem Eis, bzw. einem feinen Stück Käsekuchen haben wir uns gleich gut verstanden. Ina war sehr sympathisch. Auch ihre Eltern waren dabei, Hannelore und Peter aus Schleswig Holstein. Beide waren ebenfalls sehr liebenswert. Ina war im 7. Monat schwanger und musste am Abend zu einem Kurs für Schwangere. Deshalb hatten sie leider auch nicht so viel Zeit. Sie versprach wegen der Windschutzscheibe und den Reifen nochmals zu recherchieren und uns die nächste Woche Bescheid zu geben.
Um 16:30 verabschiedeten wir uns und es war gerade noch genug Zeit nochmals zu Shell rauszufahren. Dieses Mal hatten wir endlich Glück. Charly kaufte 20 Flaschen Öl à 500 ml, da dies einiges günstiger war als die grossen Behälter.
Zurück auf dem Campingplatz kochten wir unser Abendessen und setzten uns zu Marion und Walter. Die anderen kamen auch bald hinzu. Leider stimmte die Chemie zwischen den beiden MAN-Fahrern nicht so gut und die Stimmung war trotz Lagerfeuer, nett aber eher verhaltend.
Um 6 Uhr aufgestanden und um 7 Uhr losgefahren, denn wir wollten noch den Motor warm fahren vor dem Ölwechsel. Pünktlich um 7:30 Uhr waren wir vor der Garage von Auto Repairs. Ein grosser Service war zu machen. Charly durfte einige Sachen selber erledigen, so konnten wir die Kosten etwas eingrenzen. Für die Mechaniker war noch genügend zu tun. Ich hatte von Ute und Henry ein paar Zeitschriften bekommen, welche ich nun mit Vergnügen las. Der Service dauerte den ganzen Tag. Erst um halb fünf konnten wir die Werkstatt wieder verlassen.
Zurück auf dem Camping waren Ute und Henry leider schon abgereist. Schade, konnten wir nicht mehr Tschüss zu den Beiden sagen. Sie werden in den nächsten Tagen zurück nach Dresden fliegen und erst im neuen Jahr ihre Reise in Afrika fortsetzen.
Am Abend machten wir uns auf den Weg mit Marion und Walter in Joes Bierhaus zu gehen. Wir wussten, dass es nicht mehr am alten Ort war und machten uns auf die Suche. Die Strasse war zwar rasch gefunden, doch leider war diese wegen Bauarbeiten am Eingang gesperrt. Nach einem kleinen Verfahrer, haben wir schliesslich doch noch Joes Bierhaus an der Nelson Mandela Strasse gefunden. Der ursprüngliche Besitzer hatte leider verkauft. Das neue Bierhaus war auch ganz originell eingerichtet und ziemlich verwinkelt. Viel Ramsch hing und stand herum. Sogar ein Nashornschädel war an der Wand angebracht. Eine alte Presse und ein altes Klavier schmückten den Raum, den Charme des alten Bierhauses konnte es trotzdem nicht erreichen. Neu war nun auch ein Souvenirladen integriert.
Marion und Walter verspeisten ein Kudu-Steak, ich ein Oryx-Filet, während Charly eine grosse Schweinshaxe verdrückte. Letztere war nicht besonders gut. Wir hatten den Eindruck, dass sich das neue Joes Bierhaus zu einer Touristenfalle entwickelte. Schade! Marion war jedoch ganz begeistert über ihren Apfelstrudel mit Vanillesauce. Sogar richtige Sahne gab es dazu.
Wieder um 7:30 Uhr standen wir vor der Garage von Auto Repairs. Die Kupplung musste ausgewechselt werden, da wir diese in Mauretanien im Sand überbeansprucht hatten. Da das Getriebe dazu eh ausgebaut werden musste, beschlossen wir auch gleich die schwache Antriebswelle auswechseln zu lassen. Auch hier in Afrika kannte man das Toyota-Problem. Die meisten Landcruiser bekamen auch hier mit ca. 60 80'000 km eine stabilere Version eingesetzt. Weltweit ist dieser Schwachpunkt bekannt und wird in Kulanz behoben. Nur Toyota Schweiz war sich wieder einmal zu fein dazu. Als arrogante Antwort erklärte man uns, wir sollen vorbei kommen, wenn diese defekt ist. Da sind wir aber schon in Afrika. Toll so viel Entgegenkommen. Verkaufen ja Kundenservice nein. In Deutschland wird dies anstandslos ausgetauscht, weil es ein Herstellungsfehler ist. In der Schweiz erhält man 0 Unterstützung!
Auch heute verbrachten wir den ganzen Tag in der Garage. Charly überwachte die Arbeiten. Ohne die Tipps und Tricks des weissen Garagen-Chefs hätten die Schwarzen das Gehäuse nicht vom Getriebe bekommen. Dieses muss man nämlich leicht kippen, sonst geht das nicht. Beim Wiedereinbau wurde das Gehäuse diverse Male bös angeschlagen und ich konnte es an Charlys gestresstem Gesicht sehen, dass es ihn nervte. Leider wurde eine Unterlegscheibe vergessen und Charly musste reklamieren. Der Werkstattchef bestätigte, dass man immer gut kontrollieren muss. Das Qualitätsverständnis und Feingefühl sei bei vielen schwarzen Afrikaner einfach anders. Diese Werkstatt war extrem sauber und der deutschsprachige Besitzer legt auch viel Wert auf gute Qualität. Ständig wurde aufgewischt und geputzt. So eine saubere Werkstatt hatte ich noch nicht mal in der Schweiz gesehen. Sonst sagt man ja immer: wo gearbeitet wird, fallen Späne! Hier wird auch hart gearbeitet, aber die Späne werden gleich wieder weggeputzt.
Gemütlich aufgestanden und gefrühstückt. Anschliessend nahmen wir Marion mit zum Einkaufen. Charly ging mit seinem Notebook ins Internet Cafe, während Marion und ich bummeln und einkaufen gingen. Im Einkaufscenter trafen wir auch Ute und Henry, wir unterhielten uns kurz, dann ging jeder wieder seiner Wege.
Marion und ich blieben eine ganze Weile weg und Marion machte sich schon Gedanken, ob Charly nicht schon lange warten würde. Ich konnte sie aber beruhigen, denn wenn Charly am Netz ist, wird ihm nie langweilig und so war es auch. Wir kamen vollbepackt im Internet Cafe an und Charly sass tatsächlich immer noch hinter seinem PC. Er hatte noch einen Update den er herunterladen wollte. Ich ging unterdessen noch schnell etwas Biltong (Trockenfleisch fast wie im Wallis)kaufen, welches Charly so gerne mag.
Am Abend grillierten wir wie die Weltmeister. Dazu gab es feine Salate und Folienkartoffeln. Lecker - lecker. Es wurde wieder einmal spät. Schön, dass es nun nachts nicht mehr so kalt war wie letzte Woche.
Heute stand bei mir waschen und lesen auf dem Programm. Ich musste doch die Waschmaschine ausnutzen, wenn ich schon mal eine benutzen konnte. Leider war die Freude von kurzer Dauer, denn bei der heissen Wäsche kam nur kaltes Wasser. Ich war sauer und beschwerte mich bei der Rezeption. Diese versicherte mir, dass man bald jemanden schicken werde. Unterdessen hatte ein Südafrikaner einfach meine Wäsche aus der Trommel genommen und seine reingetan. Ich war gleich nochmals sauer. Nun konnte ich warten, bis dieser fertig gewaschen hatte.
Der Südafrikaner war aber ganz nett und hatte wohl schon lange keinen Ansprechpartner gehabt. Er erzählte mir fast sein ganzes Familienleben und zeigte mit stolz das Bild von seiner Frau und der 4 jährigen Tochter. Ich kam fast nicht mehr weg. Die Wäsche war dafür inzwischen schon trocken geworden. Dies dauert bei der Trockenheit die in Namibia herrscht nicht sehr lange.
Charly hatte unterdessen die Pierburg Pumpen gereinigt. Man hatte uns per E-Mail mitgeteilt, dass diese einen kleinen Filter hätten und tatsächlich liefen die Pumpen nach einem ausgiebigen Waschgang mit Benzin wieder einwandfrei. Er änderte zudem die Dieselzufuhr für die Standheizung und montierte das Rückschlagventil. Das Problem mit der Heizung dürfte nun auch behoben sein.
Am Abend grillierten wir wieder und tranken ein kühles Windhoek Draught Bier dazu
Früh aufgestanden und ohne Frühstück losgefahren. Bei C+V Welding liessen wir den Einfüllstutzen vom grossen Reservetank schweissen, welcher uns unterwegs abgebrochen war. Anschliessend machten wir uns auf den Weg zu Auto Repairs im südlichen Industriegebiet Prospertita. Da wir wieder deutlich das Quietschgeräusch hörten und unsere Hoffnung zerschlagen worden war, dass das abgebrochene Teil von der Kupplungsscheibe die Ursache dafür war. Charly nahm den Chef-Mechaniker auf eine kurze Tour mit, damit dieser das Geräusch identifizieren und lokalisieren konnte. Es lag nicht wie zuerst von uns vermutet bei den Hinterrädern, sondern an den vorderen Rädern. Sie entfernten zuerst das linke Vorderrad und schmierten das trockene Teil. Leider war dieses wieder nicht die Ursache, den bei der Probefahrt hörten wir wieder das Quietschen. Also wurde das Auto wieder aufgebockt und das rechte Vorderrad demontiert. Der Mechaniker meinte noch scherzhaft, wir hätten uns einen Geist eingefangen. Schliesslich war auch diese Seite gefettet und wir konnten endlich in die Stadt zum Einkaufen fahren.
In der Stadt war nicht viel los. Windhoek ist eine friedliche Stadt. Nach dem Einkauf bei Pick’n Pay gingen wir noch kurz bei Woermann rein und holten uns wieder die feine Leberwurst. Hmm, so eine leckere Leberwurst hatten wir seit Monaten nicht gegessen.
Zurück auf dem Camping setzten wir uns zu Walter und Marion. Wir quatschten ganz lange und erfrischten uns dabei mit einem kühlen Bier. Schön wieder einen Kühlschrank zu haben.
Nach einem guten Frühstück machte Charly sich daran die Luftfederung hinten wieder gerade zu schlagen, welche auf den schlechten Pisten oder von grossen Steinen schräg geworden waren. Ich hatte mit aufräumen und abwaschen zu tun. Am Vormittag beschäftigten wir uns noch mit etwas Hundesitting. Walter und Marion waren mit dem Motorrad in die Stadt gefahren, während wir etwas auf die Hunde aufpassten. Diese waren jedoch hundemüde und verschliefen fast den ganzen Vormittag, viel zu tun gab es also nicht mit ihnen.
Gegen Mittag waren Marion und Walter auch schon wieder zurück von der Stadt.
Der restliche Tag war mit Reparaturen und Ordnung machen ausgefüllt. An Abend sassen wir wie immer gemütlich mit Walter und Marion zusammen.
Gegen Mittag sind wir nach Windhoek gefahren um ins Internet Café zu gehen und um Ina anzurufen. Sie hatte für uns bei ihrem Reifenhändler angefragt, doch leider hatte dieser unsere BF Goodrich nicht im Sortiment und folglich gab’s auch keine Prozente. Für die Windschutzscheibe empfahl uns Ina mal bei Wolfs Glass nachzufragen. Leider hatte Ina heute keine Zeit für einem Kaffeeklatsch im Café Schneider und so konnte wir uns nur noch telefonisch bei ihr bedanken. Im Internet Café wollte Charly wieder ein paar Updates runterladen. Leider hatte er keinen Erfolg, da mal wieder nichts funktionierte. Er musste wieder ins Kalahari Sands Hotel, welches zwar unverschämt teuer war, jedoch immer funktionierte. Später wartete er beim Auto auf mich. Ich war unterdessen unterwegs gewesen, um einen Frisör für mich zu finden. Meine Haare waren nun definitiv zu lang geworden und mühsam zum Kämmen. In Windhoek rechnete ich mir die besten Chancen aus, einen anständigen Frisör zu finden. In der Mutual Plaza fand ich zwar einen Frisörladen, doch waren darin nur schwarze Angestellte und schwarze Kunden. Ich zweifelte daran, dass sie mit meinen feinen Haaren zu recht kommen würden. Ich hatte schon mal in Guatemala negative Erfahrungen gemacht und wollte dies nicht wiederholen. Ich schlenderte noch durch ein paar Souvenir-Läden um ein paar Postkarte zu kaufen. Ich dachte ich hätte genügend Zeit, da ich Charly immer noch im Internet Cafe wähnte. Wie verabredet war ich eine Stunde später im Internet Cafe, doch dieses war nun geschlossen, also lief ich zum Auto. Wie erwartet, wartete Charly dort auf mich. Er unterhielt sich mit einem Mann aus der Schweiz. Dieser fragte mich gleich, ob ich mich an ihn erinnern würde. Leider musste ich passen. Es stellte sich heraus, dass wir ihn im Januar in Marokko bei Bou Jerif getroffen hatten. Wie klein doch die Welt ist. Er hatte vor ein paar Jahren einen alten ausgebauten Mercedesbus nach Namibia verschifft und war nun für einen Monat hier damit unterwegs. Er campierte bei Elisenheim und lobte die Anlage des Deutschen sehr.
Später gingen wir noch einkaufen und fuhren anschliessend zurück zum Arebbusch. Wir setzten uns mit Marion und Walter zusammen. Während wir uns unterhielten, krachte es. Bei einem unserer Stühle hatte die Naht gelassen. Leider hatten wir keinen so stabilen Faden dabei. Marion wollte uns mit ihrem Sternfaden aushelfen, doch wir beschlossen den Stuhl bei einem Polster- oder Sattlergeschäft nähen zu lassen.
Gut hatten wir einen dreibeinigen Hocker dabei, welchen wir nun nutzen konnten. So bequem wie der andere Stuhl war dieser nicht, aber besser als auf dem Boden zu sitzen war er allemal.
Heute war wieder Windhoek angesagt. Wir machten uns auf die Suche nach Reifen, starken Faden oder einem Aufpolsterladen. Zuerst fuhren wir ins Game, einem riesigen Warenhaus. Wir fanden diverse andere Sachen, aber einen starken Faden hatten sie nicht. Sie empfahlen uns in die Stadt zu Chelsea zu fahren. Dort fanden wir für Marion einen Reissverschluss und elastischen Faden, aber keinen starken Zwirn für den Stuhl. Gegen Mittag kauften wir dann zwei Reifen und liessen einen gleich auf eine Felge ziehen. Den anderen montieren wir lose auf der Haube. Leider akzeptierte der Apparat unsere Visakarte nicht. Keine Autorisation, oder das Limit überschritten, hiess es. Wir bestanden darauf mit der Karte zu zahlen, da wir sonst gleich wieder auf die Bank hätten rennen müssen und damit in der Schweiz noch ein deftiger Abzug von unserem Konto abkassiert worden wäre. Nach einigem hin und her, telefonierte die Angestellte mit Südafrika und plötzlich funktionierte es doch.
Bei Cymot hatten wir heute auch Erfolg, endlich hatten wir eine kleine Ersatz-Tauchpumpe für unsere Wassertanks gefunden.
Im südlichen Industriegebiet suchten wir nach Soltec, um nach einer grossen Wasserpumpe und um nach Ersatz-Filter zu suchen. Der Mann war sehr sympathisch, doch leider hatte er den von uns gewünschten Typ nicht im Sortiment. Er gab uns dafür eine Adresse in Johannesburg, wo wir eventuell die Ersatz-Wasserpumpe kaufen könnten. Danach fuhren wir noch in diesen und jenen Laden, aber immer ohne Erfolg. Bei der Polsterei Gräber wollten wir unseren Stuhl nähen lassen, doch leider passte der Stuhl nicht unter ihre Nähmaschine. Man schenkte uns dafür etwas starken Faden und man empfahl uns doch zum One Day Shoe Repair zugehen, die hätten wahrscheinlich so eine Maschine. Auch bei Gräber konnten wir unser Anliegen in unserer Muttersprache vorbringen. Nebenbei hatten wir bei unserer Tour ein einladendes Restaurant entdeckt, das Bauernstübchen. Wir fragten also Herrn Gräber, ob man dort gut essen könnte. Er war des Lobes voll und so beschlossen wir dieses Restaurant einmal zu testen. Die Haxen und die Steaks seien besonders gut, meinte er noch zum Abschied.
Als nächstes fuhren wir zum One Day Shoe Repair. Dort nahm man unseren Stuhl entgegen, aber leider könnten sie diesen nur per Hand nähen. Für 15 N$ wollten wir uns die Arbeit nicht machen und sagten zu. Wir konnten sogar darauf warten. Leider wurde die Arbeit hundsmiserabel ausgeführt. Grobe Stiche und nicht doppelt genäht, das kann jeder Anfänger besser. Zu allem Übel hatten sie nur noch weissen Faden, den sie dann schwarz einfärbten. Nach dem sie bereits genäht hatten, wohl gemerkt. Der Stuhl hatte nun einen breiten schwarzen Streifen, der natürlich nun abfärbte. Schlau waren diese Schwarzen nicht. Wir waren sauer über die Idioten und wir sagten strikt, dass wir keinen Penny für diese miserable Arbeit zahlen. Die alte Tante hinter der Theke wurde nun auch sauer. Charly liess sich nicht beirren und forderte eine Schere. Mit dieser trennte er die schlechte Naht auf und wir packten unseren Stuhl mit dem schwarzen Streifen wieder ins Auto.
Bei Wolfs Glass fragten wir anschliessend nach, wegen einer neuen Windschutzscheibe. Die hübsche, junge Lady konnte aber nicht versprechen, dass die einheimischen Scheiben in unseren Toyota passen würden und gab uns dafür eine Adresse im Nordindustriegebiet.
Danach fuhren wir zum Auas Shopping Center. Ich hatte im Telefonbuch Helgas Salon gefunden, wo ich nun hoffte einen Frisör für mich zu finden. Tatsächlich war die Belegschaft weiss und so machte ich einen Termin für den nächsten Tag ab.
Müde fuhren wir zurück zum Zeltplatz. Während Charly sich am Stuhl zu schaffen machte, bereitete ich das Abendessen zu. Bei Wein, respektive Bier liessen wir den Abend zusammen mit Marion und Walter ausklingen.
Pünktlich um 9 Uhr war ich beim Frisör und Chris machte sich an meinen Haarschnitt, den ich mir ausgesucht hatte. Chris war ungefähr um die 60 und hatte einen rechten Bauch. Er gab sich viel Mühe mit meinen Haaren und so war das Ergebnis zwar nicht berauschend, aber akzeptabel. Im Friendly Supermarkt nebenan ging ich einkaufen, während ich auf Charly wartete. Er war wieder im Internet Café gewesen. Er kam gerade als ich an die Kasse gehen wollte. Er hatte noch Lust auf was Süsses und so machten wir uns nochmals gemeinsam auf den Weg durch den grossen Supermarkt.
An der Kasse gab es dann Probleme, weil unsere Kreditkarte wieder nicht akzeptiert wurde. Was soll das, fragten wir uns, denn auf dem Bon stand, dass wir unser Limit überzogen hatten. Dies war nicht der Fall, da waren wir uns sicher. Die Karte wurde an verschiedenen Apparaten getestet, aber leider immer mit dem gleichen Ergebnis. Schliesslich mussten wir doch bar bezahlen. Wir waren überzeugt, dass dies mit der Leitung oder mit den Apparaten zu tun hatte. Wir fuhren zurück auf den Camping, wo Charly den Stuhl fertig nähte und ich unterdessen die Esswaren ins Auto einräumte. Danach setzten wir uns mit Marion und Walter zusammensetzten.
Am Abend gingen wir gemeinsam ins Bauernstübchen essen. Marion hatte schwäbische Spätzle mit Filetfleisch, Walter hatte Wildfleisch, Charly sein Steak und ich meine bayrische Haxen. Das Essen war sehr gut und auch das Ambiente stimmte. Marion und Walter konnten nicht widerstehen und bestellten zum Abschluss noch ein Eis mit heissen Kirschen.
Beim Bezahlen hatten wir dann wieder das gleiche Problem. Bei all unseren Kreditkarten hiess es, sei das Limit überzogen. Das konnte nicht stimmen! Gott sei Dank hatten wir genügend Bargeld dabei und konnten so unsere Rechnung dennoch begleichen.
Kaum auf dem Zeltplatz angekommen, rief Charly gleich bei der Hotline in der Schweiz an. Angeblich hätten wir noch 4 CHF zur Verfügung. Das kann nicht stimmen! Zumindest gewährte man uns fürs Wochenende zusätzliche 500 CHF, so dass wir nicht völlig Pleite waren.
Gleich früh am Morgen machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir wollten im Internet nachsehen, wie unser Konto- und Kreditkartenstand war. Zusammen mit Marion fuhren wir also in die Stadt. Das einzige Internet Cafe, welches den eigenen Notebook akzeptierte, hatte natürlich wie kann es anders sein geschlossen. So hiess es bis Montag warten. Mit den zusätzlichen 500 CHF sollten wir aber ohnehin auskommen. Marion besorgte noch beim Café Schneider feinen Käsekuchen, danach gingen wir noch rasch im Pick’n Pay einkaufen. Wieder funktionierte die Karte nicht, egal an welchem Apparat die Karte geprüft wurde. Wieder mussten wir mit Bargeld zahlen. So ein Mist.
Wir fuhren zurück zum Camping und ich fuhr gegen Mittag zusammen mit Walter zum Kälte Schnoor, da ihr Kühlschrank ebenfalls keine gute Leistung erbrachte. Dort angekommen mussten wir erst einmal kurz warten bis Herr Schnoor kam. Als er dann da war, machte er sich gleich an die Arbeit den Kühlschrank auszutesten. Wahrscheinlich zu wenig Gas, war seine Diagnose. Er gab Walter eine Box und diverse Eiswürfel mit, damit er seine Esswaren kühl lagern könnte bis am Abend. Er versprach kurz vor 17 Uhr auf den Camping zu kommen und für das Wochenende eine Kühlbox von Minus 40 vorbei zu bringen. Walter und ich fuhren anschliessend wieder zurück auf den Platz. Es war schon ein ganz anderes Fahrgefühl mit dem MAN CAT LKW zu fahren.
Am Nachmittag assen wir dann unseren Käsekuchen mit einem guten Kaffee. Nur Walter hatte keine Lust, denn er hatte beim Einkauf zuviel Süsses gegessen und nun war ihm schlecht.
Tatsächlich um 17 Uhr erschien Herr Schnoor und brachte die Kühlbox vorbei. Die war aber nicht leer sondern beinhaltete ein paar Flaschen Bier. Wir setzten uns zusammen und hatten mit Viggo und seiner holsteinischen Frau Birte eine gute Unterhaltung. Die Männer verstanden sich prächtig. So gut, dass Viggo gar nicht mehr gehen wollte, obwohl es zu regnen begann und er ein Bewerbungsgespräch mit einem evtl. neuen Angestellten hatte. Birte war sauer, doch Viggo liess sich nicht beirren und genoss es bei uns zu sein. Ihn störte der Regen überhaupt nicht, im Gegenteil, jeder Regentropfen war etwas kostbares. So selten wie es hier regnet, kein Wunder. Das Bier war rasch leer und Birte drängte zum Aufbruch, Viggo folgte widerwillig. Wir hatten es wirklich lustig zusammen.
Gemütlich haben wir zusammen mit Walter und Marion gefrühstückt. Es gab danach noch so einiges zu tun, wie zum Beispiel Wäsche waschen - Sonntag war unser Waschtag. Dies war aber gar nicht so einfach, da es immer wieder anfing zu regnen. Rein ins Auto raus aus dem Auto. Während wir uns am Nachmittag mit Marion zusammensetzten, hatte Walter das Bedürfnis Motorrad zu fahren. Er ratterte mal kurz 172 km runter, während wir es gemütlich nahmen. Die Hunde Eros und Whiskey waren auch faul.
Früh am Morgen machten wir uns auf den Weg nach Windhoek. Es regnete in strömen. Ein ungewohntes Bild, Windhoek im Regen. Das Internet Café hatte heute endlich geöffnet und wir konnten unsere Konten kontrollieren. Es war überhaupt nicht überzogen und das Limit war noch lange nicht erreicht. Als wir nach dem Einkauf wieder auf dem Zeltplatz waren, startete Charly gleich einen Anruf bei unserer Bank in der Schweiz. Siehe da, sie hatten einen Fehler im System und kurze Zeit später waren unsere Kreditkarten wieder freigeschaltet. Wir fuhren nochmals zum Supermarkt, da ich etwas vergessen hatte zu kaufen. Die Kreditkarte funktionierte diesmal einwandfrei. Uff geschafft.
Als nächstes tankten wir voll, mit allen Reservetanks, da wir ja morgen in den Norden fahren wollten. Wir hielten bei der Shell Tankstelle und tankten über 270 Liter Diesel. Als Charly mit der Kreditkarte bezahlen wollte, verlangten die plötzlich eine Gebühr von 5%, dafür das sie die Karte akzeptierten. Charly ging auf die Barrikaden. Der Typ an der Kasse meinte frech, er hätte den Tankwart vorher fragen können. Charlys schlagfertige Antwort war, dass das doch wohl Kundendienst sei und dass der Tankwart darauf aufmerksam machen müsste. Er bestand darauf, dass die Gebühr nicht belastet wird. Sie sollen gegebenenfalls den Diesel wieder rauspumpen. Das wollten sie natürlich auch nicht. Nach einem Telefongespräch mit dem Oberchef, wurde uns schliesslich die Gebühr erlassen.
Zurück auf dem Campingplatz machten wir uns daran das Auto startklar zu machen und die Sachen richtig zu verräumen.
Am Abend assen wir wieder zusammen mit Walter und Marion.
Früh aufgestanden und kurz gefrühstückt, danach hiess es Sachen packen. Erst gegen 10:30 kamen wir los und fuhren über die B1 in Richtung Norden. Die Strasse in Richtung Okahandja war gut geteert und wir kamen flott voran. Dann tauchte plötzlich eine Strassenkontrolle auf. Ein „Mister Wichtig“ hatte mal wieder Dienst. Er baute sich vor uns auf, liess uns dann aber passieren. Walter und Marion hatten da weniger Glück, denn sie waren nicht angeschnallt. Eigentlich muss man sich mit dem LKW in Afrika nicht anschnallen, doch Namibia ist da anscheinend eine Ausnahme. Nach einer kurzen Diskussion liess der Beamte sie aber unbehelligt weiterfahren, aber mit der Ermahnung sich künftig anzuschnallen. Glück gehabt!
Wir fuhren weiter gen Norden und sahen am Strassenrand sogar einige Paviane. Auch Warzenscheine kreuzten unseren Weg.
Bei der Piste D2404 bogen wir schliesslich von der monotonen Teerstrasse ab und folgten der guten Piste. Auch hier haben wir einige Tiere gesehen. Unter anderen auch ein Warzenschwein, welches vor lauter Panik davonlief und - PONG - voll mit der Schnauze in einen Pfosten raste. Wie im Zeichentrickfilm war das. Das Tier rappelte sich leicht benommen wieder auf und schlüpfte schliesslich unter den Zaun durch. Wir mussten lachen über diese Episode.
Nach 46 km bogen wir auf die D2414 ab, denn unser nächster Stopp war bei den Dinosaurier Spuren. Diese befinden sich auf einer privaten Farm, wir öffneten das Gatter und fuhren zur Farm. Wir parkierten unsere Autos und ich füllte schon mal freudig den Zettel bei der Besitzerin aus. Die Lady von der Farm verlangte 10 N$ pro Person und wollte dann noch 10 N$ zusätzlich für das Benutzen ihrer Strasse, welche nur ungefähr 2 km lang gewesen war. Auf meine Frage ob sie Scherze machte, antwortete sie unfreundlich, dass wir ja wieder gehen könnten, wenn es uns nicht passen würde. Da war ich gleich auf 180 und erwiderte, dass wir dies auch tun werden. Später konnte ich mir die Bemerkung nicht mehr verkneifen, dass ich das ziemlich unverschämt fand. Nicht die 10 N$ ärgerten mich, sondern die Art und Weise, wie man diese gefordert hatte. Die Begründung, dass sie schliesslich die Strasse auch unterhalten müssten, sah ich nicht ganz ein. Da sollen die doofen Touristen die Strassenarbeiten für die Farm bezahlen, welche wahrscheinlich eh der Hausherr macht. Hätte sie statt der Strassengebühr 5 N$ mehr an Eintritt verlangt, hätte kein Hahn danach gekräht.
Wir fuhren weiter bis wir ein schönes Plätzchen bei einem Baum neben der Piste fanden. Leider konnten wir nicht weit von der Piste wegfahren, um wild zu campieren. Überall waren Zäune und es besteht keine Chance sich ein lauschiges Plätzchen zu suchen. Wir setzten uns mit Walter und Marion zusammen und genossen erst einmal ein kühles Bier. Unterdessen konnten wir Warzenschweine und Perlhühner in unserer näheren Umgebung beobachten.
Nach dem Abendessen sassen wir zusammen und quatschen ausgiebig. Es wurde dunkel und das Licht unserer Coleman Lampe leuchtete, was natürlich einige Insekten anzog. Darunter waren auch ganz dicke Brummer, die uns an unsere Maikäfer erinnerten. Diese hatten aber zusätzlich ein flauschiges Fell. Charly fing die tollpatschigen Käfer ein und streichelte sie. Marion fürchtete sich im Dunkeln vor Schlangen und zog die Beine hoch. Später holte sie ihr Schlangenbuch raus und wir schmökerten etwas im Buch. Die Piste war wenig befahren, nur selten kam ein Auto vorbei. Der Mond war ganz tief im Gebüsch zu sehen und ich dachte zuerst, dass ein Haus die Beleuchtung eingeschaltet hatte. Für den Spott brauchte ich danach nicht mehr zu sorgen.
Schon früh am Morgen stürmte der Hund Whisky los um ein Damara Dik-Dik auf der anderen Strassenseite zu verbellen. Die kleine hellbraune Antilope zog es dann auch vor eiligst die Flucht zu ergreifen. Der Hund Eros war unterdessen wie immer damit beschäftigt sicher zu stellen, dass er nichts vom Frühstückstisch verpasste. Entweder stupste er mit seiner nassen Nase an unser Schienbein oder er setzte sich demonstrativ auf einen Fuss. Er fand immer einen Weg sich dezent bemerkbar zu machen. Seine Knopfaugen taten dazu das Übrige und schon flog wieder einmal ein Stück Leberwurstbrot in seine Richtung. Es war unmöglich bei solchen Knopfaugen nein zu sagen. Wir haben ganz gemütlich gefrühstückt und sassen danach noch ein ganzes Weilchen am Tisch. Zu schön und beschaulich war es. Irgendwann am fortgeschrittenen Vormittag rafften wir uns dann doch noch auf und zogen weiter nach Kalkfeld. Dort folgten wir dann der kleinen Schotterpiste D2403, welche dann in die D2351 mündete. Der Weg war nun nicht mehr weit zum Vingerklip Monument. Ein geschlossenes Gatter musste geöffnet werden und wir wollten Marion und Walter etwas foppen und scherzeshalber Wegzoll fordern, weshalb wir das Gatter gleich wieder hinter uns schlossen. Der LKW kam mit vollem Karacho auf uns und das Gatter zu geschossen, dabei hupte Walter, dass uns fast die Ohren wegflogen. Wenige Zentimeter vor dem Tor blieb der schwere MAN stehen. Ich hatte schon das Gatter davon fliegen sehen, doch Walter lachte uns nur aus.
Die umliegenden Tafelberge und die steil aufragende Felsformation des Vingerklip waren fantastisch anzusehen. Fotostopps waren unumgänglich.
Im Gegensatz zu unserer letzten Reise von 4 Jahren, muss man heute 5 N$ Eintritt bezahlen. Das Gelände ist heute voll eingezäunt und man darf nicht mehr übernachten. Nur an der Lodge darf übernachtet werden. Schade, wir hatten uns schon gefreut endlich einen schönen und gemütlich Ort zum Übernachten zu haben. Schade! Wir fuhren durch das Tor und parkieren kurz vor dem Vingerklip. Während ich Sandwich für uns machte, war Marion schon dabei den Berg hoch zu kraxeln. Sie nahm den direktesten Weg, welcher aber wegen den feinen runden Steinchen schwierig zu bezwingen war. Auf allen Vieren schaffte sie es dennoch. Walter blieb unterdessen beim Auto und bei den Hunden. Per Walky-Talky verständigten sie sich.
Als Marion zurück war und Walter und Charly sich etwas hingelegt hatten, beschloss ich auch den Vingerklip zu besteigen. Ich lief halb um den Sockel der Felsformation und fand den einfachen Aufstieg. Der Weg war ebenfalls etwas rutschig, da auch hier viele kleine runde Steinchen lagen. Oben angekommen hatte ich eine fantastische Aussicht auf die umliegenden Tafelberge und die Vingerklip-Lodge.
Wieder zurück bei den anderen packten wir unsere Sachen. Marion fuhr mit dem LKW zum grossen Parkplatz hinter dem Vingerklip, um den Abfall in der Tonne zu entsorgen. Bei der Rückfahrt wurde sie von Walter und Charly mehrfach abgelichtet. Sie hatte viel Freude an der Aufmerksamkeit der Männer und strahlte über alle Backen.
Weiter ging es über die C39 und D2744 sowie auf dem Pad D3236. Unterwegs sahen wir wieder einige Warzenschweine sowie einen Oryx, der trotz seiner stattlichen Grösse unter einen Zaun durchschlüpfte. Er ging einfach in die Knie und schaffte es sich unter den Drähten durch zu zwängen. Wir staunten nicht schlecht über diese Akrobatik.
Es war inzwischen schon wieder späterer Nachmittag geworden und somit Zeit für ein lauschiges Plätzchen. Wir fanden wieder einen einladenden Baum und positionierten unsere Fahrzeuge. Der Baum war mit diversen Webervogelnestern geschmückt. Ganz stabile Vogelhäuschen hatte sie sich da gezimmert.
Walter holte den grossen Besen raus und fegte die stachligen kleinen Samen weg, damit die Hunde einen grösseren Bewegungsradius hätten. Leider war den Hunden der Radius dennoch zu klein, insbesondere für den quirligen Whisky. Schliesslich war dieser überaus eifrig auf Eidechsenjagd. Immer wieder mussten die stachligen Ableger von den sensiblen Hundepfoten gepflügt werden. Er konnte aber auch herzerweichend humpeln.
Wir hatten gemächlich unseren Tisch und die Stühle aufgestellt und tranken genüsslich ein kühles Bier. Die wenigen Autos die vorbeikamen, hupten und die Leute winkten uns freundschaftlich zu. Auf dieser Piste trafen wir alle möglichen Fortbewegungsmittel an, vom LKW, über Pick-ups und mehrspännigen Eselskarren bis zum Fahrrad, war alles vertreten.
Nachdem wir unser Fleisch in die Pfanne gehauen und gegessen hatten, sassen wir wieder behaglich in der Runde und quatschten bei einem Gläschen Wein, respektive Amarula bis spät in die Nacht.
Die Vögel hatten uns schon früh am Morgen lautstark aus dem Schlaf gezwitschert. Walter war wie immer der Erste der aufgestanden war. Whisky und Eros zogen schon mal ihre Runden. Nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir wieder unsere Sachen zusammen und fuhren auf der Piste D2666 zur geteerten C40. Auch auf der geteerten Strasse begegneten uns mehrere Antilopen und Warzenschweine.
Zirka 10 km vor Kamanjab führte eine kleine Piste zur Otjitotongwe Cheetah Gästefarm, welche sich dem Projekt „Rettet die Geparden“ verschrieben hat. Die Farm bietet zahmen, wie auch wilden Geparden ein Zuhause.
Wir kamen wieder an ein Gatter welches zu öffnen war und wenig später waren wir auch schon bei der Farm angekommen. Es war bereits später Vormittag. Das Farmhaus war durch einen weiteren Zaun abgegrenzt. Wir stiegen aus und liefen zum Tor, da sahen wir auch schon zwei Geparden gemächlich auf uns zu laufen. Gott sei Dank auf der anderen Seite des Zaunes! Die geschmeidigen Katzen legten sich sogleich ganz nah an den Maschendrahtzaun, damit wir sie auch gleich kraulen konnten. Sie waren wie unsere Hauskatzen, einfach etwas grösser. Durch den Zaun konnten wir ihr wunderbares Fell liebkosen, was die Tiere mit tiefen Schnurren quittierten. Sie waren Menschen gewohnt und Touristen waren für sie da, damit sie gestreichelt werden. Der Besitzer kam auch bald darauf und fragte uns, ob er uns helfen könnte. Klar, wir wollten die Geparden bei der Fütterung beobachten und natürlich wollten wir auch ein paar Fotos machen.
Um 16:30 Uhr war die Fütterung der zahmen Tiere und eine Stunde später die Fütterung der wilden Geparden. Der Besitzer erklärte uns den Weg zum hauseigenen Zeltplatz und versprach uns rechtzeitig mit den anderen Gästen abzuholen. Der Campingplatz kostete 50 N$ pro Person und die Tour dann nochmals das Selbe. Die Stellplätze 1 und 2 waren sehr gross und wir mussten bei dieser grossen Platzauswahl erst einmal studieren, wo wir uns hinstellen sollten. Es gab ein überdachtes Zelthäuschen, wo wir es uns im Schatten gemütlich machen konnten. Whisky und Eros liessen ihre Zungen weit raushängen bei dieser Affenhitze. Wir nutzten die Zeit für eine kühle Dusche und assen ein paar Snacks. Nebenbei beobachteten wir Vögel wie zum Beispiel die Gelbschnabeltokos. Hinter der Bar war ein kleiner Käfig in dem ein Gepardenbaby war. Es versteckte sich in seinem Karton und fauchte mich mit grossen Augen an. Die junge Katze war erst kürzlich gefangen und auf die Farm gebracht worden. Am liebsten hätte ich das kleine Wesen eingepackt.
Pünktlich war der Pick-up da, welcher uns zur Raubtierfütterung bringen sollte. Dieser war bereits voll beladen von Gästen aus dem Gästehaus. Wir standen auf der Ladefläche und holperten zurück zum Farmhaus. Dort wurden wir aufgeklärt, dass auch die zahmen Tiere immer noch Wildkatzen seien und sich auch entsprechend verhalten könnten. Insbesondere Schlappen würden sie gerne klauen und darauf herumkauen. Man sollte sich da nicht wehren, sondern dem Farmer Bescheid sagen, damit dieser dann den Katzen die Schuhe wieder weg nehmen kann. Das waren ja schöne Aussichten.
Das Tor wurde geöffnet und die Gruppe durfte die Domäne der Geparden betreten. Diese standen auch schon neugierig da und begutachteten, wer da so alles gekommen war. Wir liefen um das Farmhaus herum und konnten hinter dem Haus auf einem Treppenabsatz Platz nehmen. Die Katzen kamen auch gleich gemächlich hinter uns her. Für sie war das Alltag, für uns Touristen Herzklopfen. Als alle Touristen sassen, stellte sich der Besitzer in die Mitte des Rasens und wollte etwas sagen, als ein Gepard ganz nahe an den Touristen entlang marschierte und diese beschnupperte. Bei einem jungen Mann in kurzen Hosen machte der Gepard halt und leckte diesem inbrünstig das Knie und das Schienbein. Der arme Mann wusste gar nicht recht wie er reagieren sollte. Er hatte einen etwas angestrengten Gesichtsausdruck, während seine Freundin neben ihm lästerte: Schatz, was machst du für ein Gesicht, lächle doch einmal. Worauf dieser sein Gesicht zu einem schiefen Lächeln verzog. Die Katze leckte dabei weiterhin hingebungsvoll und ausgiebig sein Bein ab. Leider kam der Gepard nicht weiter zu uns, ich hätte zu gerne die raue Zunge auf meiner Haut gespürt.
Der Besitzer hatte unterdessen die beiden anderen Geparden gebürstet. Ein einhelliges, melodisches Schnurrkonzert war zu hören. Anschliessend legten sich zwei Katzen auf den Rasen, quasi: Okay Leute - wir sind bereit gestreichelt zu werden. Jeder der wollte konnte zu einer der Katzen gehen und diese streicheln. Pro Katze ein Tourist. Als ich das „Kätzchen“ streicheln wollte, hatte diese gerade Spielzeit. Sie drehte sich auf dem Rücken hin und her, die Pfoten in der Luft. Sie benahm sich ungefähr so, wie wenn man einer Hauskatze ein Spielbällchen vor der Nase baumeln lässt. Da die Krallen doch etwas länger sind wie bei unseren Hauskatzen, beschloss ich doch lieber geduldig zu warten und näherte mich danach etwas vorsichtig. Das tiefe Schnurren bezeugte dann aber doch ihr Einverständnis und so konnte ich den Geparden gleichwohl einwenig kraulen. Charly verzichtete und Marion auch, aber Walter liess diese Gelegenheit ebenfalls nicht ungenutzt verstreichen.
Eine Katze machte sich wieder selbständig und ging auf den Treppenabsatz. Die zweite Dame rechts aussen hatte hübsche, kurze, blonde Haare. Der Gepard wusste nichts besseres zu tun, als dieser Dame den Nacken zu beschnuppern und etwas zu lecken. Das Haarspray hatte aber nicht den gewünschten Geschmack und so liess die Katze gleich wieder von ihr ab. Na das war sicher ein unvergesslicher Moment für die Frau aus Holland.
Weil die Tiere so schön brav gewesen waren, bekam jedes Tier ein leckeres 2 Kilosteak von einem Zebra, auf welchem sie genüsslich herumkauten. Der Hofhund bewahrte Abstand, obwohl er auch gern mal ins Fleisch gebissen hätte. Er hatte da wohl schon so seine Erfahrungen gesammelt und wartete lieber geduldig ab, ob nicht doch noch ein Stückchen Fleisch übrig bleibt. Die Geparden kauerten im Gras und frassen friedlich nebeneinander ihr Fleisch. Ein Gepard war indessen nicht so hungrig und so blieb für den wohlbeleibten Hofhund doch noch ein Stück Fleisch übrig. Dieser verschlang eilig den Rest, frei nach dem Motto was man im Magen hat, kann einem keine Katze mehr nehmen. Letztere kümmerte dies überhaupt nicht.
Nach der Fütterung verzogen sich die Tiere in den Schatten und leckten sich das Fell. Zwei Geparden schleckten sich gegenseitig ab. Ein Bild für die Götter, leider völlig im Schatten und zu dunkel für ein Foto. Schade!
Wir liefen zurück zum Pick-up, welcher uns zur Busch-Bar bringen sollte. Da die Bar neben unseren Fahrzeugen war, liessen wir den Barbesuch ausfallen und warteten bis die Leute wieder rauskamen.
Ins Wildtiergehege fuhren wir mit einem grösseren Pick-up, welcher auch ein höheres Geländer hatte. Der Farmer öffnete die Pforte vom hohen Zaun und einige Geparden standen schon parat. Der Farmer hatte einen grossen, langen Stock dabei, damit er die Tiere im Schach halten konnte. Den Rücken hielt er dicht am Fahrzeug. Die Katzen zeigten sich unterdessen eher gelangweilt. Dies war aber eher Show, die Anspannung war ihnen trotzdem anzumerken, schliesslich war jetzt Fütterungszeit und die Biester waren hungrig.
Das Fahrzeug stoppte abermals und wir konnten ein paar Fotos schiessen, wie sich die Katzen sammelten und uns aus dem Gebüsch heraus beobachteten. Einige liefen aber auch ungeniert neben dem Auto herum. Als das Auto langsam weiterfuhr, folgten die Geparden diesem. Am Fütterungsplatz war es dann vorbei mit der Ruhe. Der Farmer stieg mit seinem Stock vorsichtig aus und musste die eine oder andere Katze damit auf Distanz halten. Er ging mit dem Rücken am Fahrzeug entlang in Richtung Ladefläche. Charly half ihm die gefüllte Tonne auf den Boden zu stellen. Kaum war der Deckel weg, war auch schon eine flicke Mieze halb in der Tonne. Der Farmer warf die grossen Fleischbrocken in hohen Bogen aufs Feld. Die Wildkatzen rannten und stritten sich um die Beute. Die Tiere waren aufgeregt und äusserst nervös. Mit jedem Stück Fleisch wurden sie gereizter. Unablässig jagten mehrere Geparden hinter einem Fleischstück her. Kleine Kämpfe waren unvermeidlich. Eine Wildkatze hatte einer anderen eins auf die Nase gegeben, wobei sich die Kralle in der Nasenspitze verfing. Diese riss auf und blutete stark danach. Die Wildkatzen stiessen vor lauter Aufregung und Kampfgeist fortwährend hohen Laute aus. Viel zu dünn war die Stimme für diese grossen Katzen. Als alle ihren Fleischberg bekommen hatten, trat wieder Ruhe ein. Die Tiere kauerten auf dem Boden und frassen gierig das Fleisch in sich rein. Der Farmer stieg wieder ins Auto und weiter ging es zur nächsten Raubtierfütterung. Der nächste Gepard war ein Einzelgänger, trotzdem musste der Farmer vorsichtig sein. Erst als auch dieser im hohen Bogen sein Fleisch erhalten hatte, konnten wir weiter fahren. Die nächste Wildkatze liess sich nicht blicken. Wir wartete einen Augenblick in der untergehenden Sonne, dann machten wir uns auf den Rückweg. An der ersten Fütterungsstelle waren immer noch zahlreiche Geparden. Einige kauten noch auf ihrem Fleisch herum. Der einen Katze war das Fleisch wohl zu zäh und sie lief gelangweilt weiter, während der nächste Gepard sich genüsslich über das Fleisch hermachte.
Kaum hatte der Farmer das Tor wieder geschlossen, kam der vermisste Gepard und sah den Farmer auffordernd an. Dieser warf das letzte Stück Fleisch über das hohe Tor, welches die Wildkatze so gleich verzehrte. Es war ein aufregendes Erlebnis gewesen diesen eleganten Tieren bei der Fütterung so nahe gewesen zu sein. Die Geschwindigkeit beim Fangen des Fleisches war phänomenal. Ihre grazile Geschmeidigkeit beeindruckend. Ich könnte stundenlang zusehen.
Zurück auf dem Zeltplatz, machten auch Marion und ich Fütterung der Raubtiere. Männer und Hunde waren hungrig. Es wurde ein gemütlicher Abend und wieder einmal später bis wir es endlich ins Bett schafften.
Nach der üblichen Frühstückszeremonie, inkl. Fütterung der Hunde mit Leberwurstbrot, war es dann wieder so weit. Wir zogen weiter. Zuerst die C40 weiter nach Kamanjab, wo wir noch schnell im Supermarkt etwas einkaufen wollten. Charly entdeckte dann auf dem Parkplatz, dass eine Diesellache unter unserem Snoopy war. Tatsächlich mussten wir feststellen, dass der Diesel von unserem grossen Hintertank stammte. Wir wussten schon, dass der Tank ein wenig undicht war, aber dass er nun so viel Diesel durchliess war neu. Sch...eibenkleister, was sollen wir nun machen. Zurück nach Windhoek fahren nö, dazu hatten wir absolut keine Lust. Soviel Diesel würden wir gar nicht verlieren, wie wir zum Hin- und Zurückfahren brauchen würden, also beschlossen wir trotzdem weiter ins Kaokoveld zu fahren. Zusammen mit Marion und Walter ging es erst einmal ein kurzes Stück auf die C35 in Richtung Khorixas. Schon nach 15km führte von der grossen und langweiligen Piste eine kleinere Piste weg. Wir folgten nun der D2667 und wollten nach 18km auf die D2650 nach Süden abbiegen. Die Abzweigen haben wir aber übersehen, da diese mit einem grossen Tor verschlossen war und auf der anderen Pistenseite Kühe im Gehege standen, nahmen wir an, dass dieser Weg zu einer Farm führen würde. Wir fuhren also weiter und legten nach einer Weile eine kurze Pause ein. Die Hunde waren auch froh etwas stromern gehen zu können, trotz der immensen Hitze. Nach der kurzen Rast ging es weiter auf der D2650 in Richtung Westen. Nach weiteren 35km trafen wir auf eine Kreuzung. Wieder war nichts ausgeschildert, aber gemäss Karte und Kilometerzahl, musste dies die Abzweigung auf die D2646 sein. Der Weg führte uns nun wieder in den Süden, da wir schlussendlich ja zum versteinerten Wald wollten. Die Piste war anfangs eher langweilig, führte dann aber später durch eine abwechslungsreiche hügelige Landschaft. Auf der Strasse fanden wir auch noch einen frischen Haufen von einem Elefanten. Leider konnte wir das Tier trotz intensiver Ausschau nicht entdecken. Später sahen wir dann noch mehr von diesen bombastischen Sch...haufen, was für eine frequentierte Wasserstelle sprach.
Wenig später sahen wir ein paar ärmliche Wellblechhütten von Einheimischen. Auf dieser Strecke fahren wahrscheinlich höchst selten Touristen durch. Nach dem kleinen Dorf führte die Strecke uns durch eine kleine Schlucht. Die Piste wurde schmaler, doch es liess sich trotzdem noch gut fahren.
Da es hier offensichtlich Wasser gab, waren zahlreiche Bäumchen entlang in den trockenen Flussläufen zu sehen. Eine gute Gegend für Dickhäuter.
Später führten mehrere Spuren in verschiedenen Richtungen und wir mussten raten, welches diesmal der richtige Weg sein würde. Schliesslich fanden wir zur T-Kreuzung, wo wir uns diesmal die Frage stellten, wie viel Abenteuer darf es sein. Rechts führte zwar noch anfangs eine ganz gute Piste zu den Tafelbergen, doch gemäss Karte sollte dieser Weg wenig später sehr schmal werden. Mit dem MAN LKW ist das so eine Sache, weshalb wir uns doch für den sicheren Weg nach Osten entschlossen. Die nächste Abzweigung war sehr schmal, so fuhren wir zur nächsten, doch auch hier war der Weg nicht klar angegeben. Führte diese schmale Piste zum versteinerten Wald oder zu einer Farm? Wir fuhren schliesslich auf der grösseren Piste weiter nach Osten. Der Weg führte uns nun durch leicht hügelige Landschaft und weisse Bäume überlebten zwischen den engen Felsspalten. Die Hügel bestehen aus vielen grossen Steinbrocken. Wir machten eine Rast bei einem Steinhügeln, der aussah, als wenn jemand viele Murmeln aufeinander gestapelt hätte. Nach einem Sandwich und einem kurzen Nickerchen ging es weiter nach Osten. Bei einer kleinen Flussbettüberquerung übersahen wir die Unebenheiten. Snoopy sprang und hüpfte. Unsere Sachen in der Wohnkabine waren mit einem Schlag alle auf den Boden gefallen. Auch der LKW machte ein paar kleine Luftsprünge.
Schliesslich kamen wir wieder am Gatter an, welches am Morgen geschlossen war. Nun stand es offen. Die Rinder auf der anderen Seite zeigten uns nun an, wo wir am Morgen die Abfahrt verpasst hatten. Wir fuhren also zurück auf die C35 und fuhren dann weiter in Richtung Khorixas. Die Piste war nun wieder mit Zäunen links und rechts begrenzt. Wir liessen uns nicht beirren und hielten beim ersten schönen Baum und stellten unsere Fahrzeuge daneben. Nicht sehr heimelig so direkt neben der Strasse, aber was soll’s.
Wir holten unseren Tisch und die Stühle vom Dach und machten es uns gemütlich. Bei der Hitze erst einmal ein kühles Blondes, dann machten wir Frauen uns ans Kochen. Auf der Strasse kamen zwar ein paar Fahrzeuge sowie Fahrräder, Busse, Pick-ups und Eselskarren vorbei, doch das wir hier campierten störte niemanden. Im Gegenteil, teilweise hupten die Leute und winkten uns zu.
Nach dem Essen setzten wir uns wieder zusammen und quasselten bis spät in die Nacht hinein. Unsere Lampe zog dabei wieder einmal zahlreiche Insekten an. Weisse Motten und einige Käfer krabbelten auf unserem Tisch herum. Unsere Freunde, die flauschigen Käfer, waren auch wieder dabei. Tollpatschig wie immer machten sie einen Salto auf dem Tisch und landeten auf dem Rücken. Charly sammelte wieder ein paar Käfer ein und streichelte ihren Flaum. Es war vorerst unser letzter gemeinsamer Abend mit Marion und Walter.
Walter und Marion waren wieder sehr früh wach und auch Whisky war schon wieder auf Eidechsenjagd. Nach einem gemeinsamen Frühstück hiess es wieder zusammenpacken. Die letzten Kilometer bis zur Kreuzung fuhren wir noch gemeinsam auf der C35, dann hiess es Abschied nehmen. Die Beiden wollten zurück nach Windhoek einen Freund abholen und unser Weg führte uns weiter nach Westen zu den versteinerten Bäumen. Die letzten Leckerli für die Hunde, sich nochmals herzlich drücken, dann fuhr wieder jeder seine eigene Route. Schön war es gewesen.
In Khorixas holte ich noch schnell die Butter, welche ich in Kamanjab vergessen hatte zu kaufen. Danach folgten wir der C39 zum Petrified Forest, dem versteinerten Wald. Es war hier inzwischen touristischer geworden. Als wir vor 4 Jahren das letzte mal hier waren, fragte man uns noch nach Trinkwasser, heute werden 20 N$ p.P. für den Eintritt verlangt und zusätzlich auch noch 10 N$ für das Parken. Da machten wir wieder einmal nicht mit. Ich sagte klipp und klar, dass wir mit dem Preis für den Park einverstanden wären, aber auf gar keinen Fall die Parkgebühren zahlen. Etwas Ratlosigkeit entstand und man suchte nach Begründungen. Wir blieben hart und hatten Erfolg, denn wir mussten die Parkgebühr nicht bezahlen. In Windhoek hatten wir für 12 Stunden parken 2-3 N$ bezahlt, da zahlen wir doch nicht mitten in der Wüste 10 N$, wo es mehr als genügend Platz rundherum gibt.
Wir betraten das Feld und hier war noch alles beim Alten. Die versteinerten Bäume liegen hier schon seit Jahrtausenden. Einige waren noch recht gut in Takt. Teilweise sahen wir ganze Baumstämme am Boden liegen. Dazwischen haben wir auch einige Welwitschias gesehen. Wir waren gerade am fotografieren, als Charly eine kleine Baumschlange entdeckte. Sie hatte sich bei einem versteinerten Baumstamm versteckt, doch konnte sie unseren neugierigen Kameras nicht entkommen. Bevor sie ganz verschwunden war, haben wir sie doch noch erwischt. Mit genügend Zoom lässt sich das auch in einer ungefährlichen Distanz machen.
Sie war dünn, lang, hellbraun und hatte grosse runde Augen. Ein Weibchen und ziemlich giftig, wie wir später in einem Buchladen in Swakopmund feststellten.
Wir machten noch einige Aufnahmen von den Baumstümpfen. Der ganze Boden war voll mit versteinerten Holzsplittern. Es war schon witzig, es sah aus wie Holz, doch wenn man es anfasst, dann fühlte man nur Stein. Unterwegs trafen wir auch ein paar „normale“ Schweizer Touristen an, die uns aber kaum grüssten, obwohl wir artig „Grüezi“ gesagt hatten. Schade.
Bevor wir weiterfuhren musste ich unbedingt noch aufs Klo. Da wir uns ja hier in einer wüstenhaften Umgebung befanden, gab es natürlich kein Klo mit Wasserspülung, sondern nur ein ordinäres Plumpsklo. Die Dame auf dem Klo nebenan war die ganze Zeit am Jammern. Sie sagte immer zu: Oh Gott oh mein Gott usw. Sie ekelte sich vor den Fliegen, die heraufflogen, sobald man hinein pinkelte. Die Toiletten waren aber relativ sauber, wir hatte da schon schlimmere erlebt.
Auf der C39 fuhren wir weiter zu den Orgelpfeifen, den verbrannten Berg und nach Twyfelfontein.
An der Abzweigung nach Twyfelfontein hielten wir wieder am grossen Murmelberg, wie schon vor 4 Jahren. Der Berg war immer noch eindrücklich. Danach ging es weiter zu den Orgelpfeifen. Diese Basaltsäulen waren bis zu 5m hoch und sollen über 100 Mio. Jahre alt sein. Ganz schön beeindruckend. Wir schlenderten die schmale kleine Schlucht entlang und bestaunten die Natur mit ihrer extravaganten Eigenartigkeit. Das Gebiet war nicht sehr gross und so fuhren wir schon bald weiter zum verbrannten Berg. Der Berg heisst so, weil man wirklich denken könnte, dass dieser kürzlich erst abgebrannt ist, da an den Flanken des Berges schwarzes Gestein aufgehäuft ist. Von weitem sieht dies wie verkohlt aus, in Wirklichkeit ist dies schlackenartiges Gestein aus dem Erdmittelalter. Den kleinen Berg besteigen darf man nicht, da das Gestein so brüchig ist und sofort zu Staub zerfällt, sobald man darüber läuft. Das Gestein ist sogar so fein, dass man es zwischen den Fingern zerreiben kann.
Während wir noch Fotos machten und den Berg bestaunten, kam eine Gruppe Touristen in einem grossen offenen Allradfahrzeug. Alle hatten schon weisse Haare und kamen aus Deutschland. Noch rüstig marschierten sie in der brütenden Hitze am Berg entlang.
Wir überlegten, ob wir hier wild campieren sollten oder doch zum Camping am Fluss Aba-Huab fahren sollten. Wir beschlossen auf dem Campingplatz nach dem Preis zu fragen, da es dort schöne grosse Bäume gab, die viel Schatten spendeten.
Doch der Campingplatz war viel zu teuer, für das was er bot. Das Auto kostete zudem mal wieder extra, diesen Abriss haben wir sowieso auf dem Zahn. Wir fuhren also zurück zur Twyfelfontein. Die zweifelhafte Quelle, wie es der ehemalige Farmer nannte. Charly unkte schon wieder, dass wir sicher wieder mitten in der Wüste Parkgebühren zahlen müssten und prompt wollte man wieder 10 N$ fürs parkieren. Die spinnen doch! Charly hatte keine Lust die Steingravuren nochmals anzuschauen, doch ich schon. Also blieb er im Auto, während ich mich mit Desirée, meiner jungen Führerin, auf den Weg machte. Die Wege sind komplett neu angelegt worden, jedoch mit sehr grossen groben Steinen. Für ältere Leute ist es hier sicher nicht einfach zu laufen. Der Weg führte geradewegs nach oben. Unser erster Stopp war bei einem kleinen überhängenden Felsen, wo man ein paar rot gemalte Männchen sah. Als Farbe wurde Tierblut, Tierfett und roter Naturfarbstoff vermischt. Der nächste Felsen zeigte ein paar Gnus und eine Giraffe eingraviert. Schon bald darauf ging es zur alten Wasserpumpe des ehemaligen Farmers und Desirée demonstrierte, wie diese betätigt wurde. Danach war die Tour auch schon fertig. Was sagte ich schon fertig? Was ist mit all den anderen Gravuren die wir das letzte Mal gesehen hatten. Sie erklärte, dass diese durch Vandalismus zerstört worden waren. Ich konnte das nicht so richtig glauben. Für die 20 N$ Eintrittsgeld kriegt man nun nicht mehr viel geboten, dafür wollte man zusätzlich 10 N$ Parkgebühren einkassieren. Unglaublich! Namibia ist nicht mehr das, was es noch vor 4 Jahren war. Ich war enttäuscht! Die Parkgebühr haben wir übrigens nicht bezahlt, wir haben uns wieder erfolgreich gewehrt.
Charly höhnte natürlich wieder, ich hab es ja gewusst. Was soll’s. Da wir diesen Platz nicht mehr mochten, fuhren wir weiter auf der Piste D2612 in Richtung Brandberg. Die Sonne fing schon wieder an sich davon zu stehlen und so machten wir uns wenig später auf die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Wir trafen unterwegs auf ein paar Springböcke und Strausse. Hinter einer kleinen Felskuppe fanden wir schliesslich einen geeigneten Platz. Nach dem Abendessen schauten wir uns den DVD auf dem Notebook an, welchen wir von Marion bekommen hatten. Fast wie im Kino, nur der Sound war obermickrig.
Da wir am gestrigen Abend relativ spät schlafen gegangen waren, mochten wir nicht so früh aufstehen. In der Nähe von unserem Auto befand sich ein vertrocknetes Flussbett, wo auch einige Bäume und Büsche waren. Diverse Elefantenhaufen waren ein Zeichen, dass die Dickhäuter diese Gegend öfters frequentieren. Leider hatten wir keinen persönlich angetroffen. Wir glaubten uns von der Zivilisation weiter entfernt, doch kamen plötzlich 2 junge Männer des Weges. Sie interessierten sich nicht für uns und liefen an unserem Auto vorbei.
Weiter ging die Fahrt und wenige Kilometer später trafen wir auch auf ein Dorf, die Zivilisation war doch nicht so weit weg, wie wir gedacht hatten. Wir folgten der kleinen Piste, bis wir auf die grosse Piste C35 kamen. Da uns diese ziemlich langweilig erschien, bogen wir schon nach 5 km auf die D2319 ab. Diese schmale Piste war landschaftlich schon bald viel interessanter. Nach Sorris-Sorris wurde die Piste holpriger und wesentlich schmaler. Die Landschaft war dafür wunderbar. Die Ebene war wüstenhaft und gelb, aber mit dunklen Hügeln versetzt. Wir fuhren durch ein vertrocknetes Flussbett und wieder fanden wir die verräterischen Elefantenhaufen. Häufchen kann man da nicht mehr sagen. Leider hatten wir wieder kein Glück, weit und breit kein Elefant in Sicht. Ein paar ärmliche, einheimische Hütten und später ein vierspänniger Eselskarren, dass war alles was wir von der namibianischen Bevölkerung zu sehen bekamen.
Kaum waren wir zurück auf der C35, da war auch schon die Kreuzung zum Brandberg. Die Piste war in einem guten Zustand und so hatten wir die 20 km bald hinter uns gebracht. Auf dem Parkplatz angekommen, mussten wir erst einmal etwas essen, da wir ziemlich hungrig waren. Draussen hörten wir Schweizer reden, leider kamen sie nicht vorbei.
Ein Schwarzer bat um etwas Wasser und hielt mir den 5 Liter Kanister hin. Ganz füllen mochte ich den Kanister nicht, da wir selber nicht mehr so viel Wasser hatten. Er war auch mit den 3-4 Litern zufrieden und bedankte sich.
Wir machten uns fertig für die halbstündige Wanderung zur White Lady = weisse Dame. Die Felszeichnung ist aber gar keine Dame, sondern wahrscheinlich ein Medizinmann, der gerade ein Ritual vollzieht. Für 25 N$ p.P. erhielten wir sogar einen persönlichen Führer. Er hiess Marco und war ganz nett. Eine deutsche Touristin sprach uns an und warnte vor der sengenden Sonne. Liebenswürdigerweise bot sie mir sogar ihre Sonnencreme an. Wir bedankten uns und erklärten ihr, dass wir schon seit längerer Zeit in Afrika sind und somit nicht mehr so empfindlich. Marco erklärte uns unterwegs diverse Bäume und Sträucher, er zeigte uns auch die Brandberg-Akazie. Wir marschierten eine halbe Stunde durch unwegsames Gelände. Wir querten trockene Flussbette, kleine Felsen und gegen Schluss ging es auch ganz schön bergauf. Die Hitze war erstickend, kein Windhauch und kein Wölkchen am Himmel. Die Zeichnungen im Felsen waren recht bescheiden. Ein paar Oryx, Zebras und ein paar rote Männchen waren neben der „White Lady“ an die Wand gemalt. Wenigstens hat man im letzten Jahr die hässlichen Gitter abmontiert und man kann nun die Zeichnungen etwas entspannter auf sich wirken lassen. Hinter dem Felsen konnte man hinüber zum höchsten Berg von Namibia schauen. Der Königstein ist 2'579 m hoch. Wer will, kann mit einem Führer eine 3-tägige Tour hinauf unternehmen. Man kann aber auch noch andere Touren unternehmen, denn es gibt unzählige Felsbilder am Brandberg. Man spricht von 60'000 bis 200'000 Felsbilder, da ist man ein Weilchen beschäftig, wenn man alle sehen möchte.
Der Rückweg war dann angenehmer und wir konnten den entgegenkommenden, rotgesichtigen Touristen aufmunternd zu lächeln. Ein junges Paar hatte ganz heiss und war ziemlich entblösst, damit sie auch wirklich schön braun werden.
Zurück beim Auto füllten wir Marco nochmals die Wasserflasche auf und winkten zum Abschied nochmals zu.
Wir wollten ins Internet Cafe, weshalb wir nach Uis fuhren. Bei den Epupa-Wasserfällen hatten wir einen Bürger diesen Ortes getroffen, der den Ort sehr lobte und darauf verwies, dass sich hier diverse Schweizer niedergelassen hatten. Uis war ursprünglich eine Stadt in der Zinn abgebaut wurde, doch nach dem die Preise ins bodenlose gefallen waren, gab man den Abbau auf. Heute versucht man nun den Tourismus hier anzukurbeln, doch hier ist absolut nichts los. Wir sind in den einzigen Supermarkt des Ortes gegangen und haben etwas eingekauft. Das einzige Internet Café hatte nur einen PC und dieser war auch noch defekt. Hier möchten wir wirklich nicht länger als nötig verweilen. Auf der kleinen Piste D1930 fuhren wir anschliessend weiter nach Süden, denn die Spitzkoppe war nicht mehr weit von hier. Die Piste war gut und wir kamen gut voran.
Endlich tauchte am Horizont die Silhouette von der Spitzkoppe auf. Es wurde ein kleiner Wettlauf mit der Zeit, würden wir es noch schaffen vor dem Sonnenuntergang? Die Sonne war schon ziemlich tief und wir waren schon relativ nah. Wir beschlossen rechts einer kleinen Piste zu folgen und irgendwo das Naturschauspiel zu geniessen. Die Piste führte durch ein armseliges Dorf und weiter an einem Hügelkamm entlang. Eine weitere Rechtskurve führte zu einer Farm, also kehrten wir um und entdeckten wenig später verwehte Spuren eines Fahrzeuges. Wir folgten diesen. Die Spuren führten durch enge Kameldornbüsche, welche empfindlich an unserem Lack kratzten. Später führte die Spur steil einen Hügel hinab, die Fahrspur war aber stellenweise schon weggebrochen, dafür sahen wir auf der anderen Seite des Hügels eine bessere Spur. Umdrehen konnten wir nicht, dafür war alles zu eng, also fuhren wir alles rückwärts, wieder durch die Kameldornbüsche, bis wir zu einer anderen Spur kamen. Die war wesentlich besser und wir konnten problemlos den Hang hinunterfahren. Unten stiessen wir dann auf ein breites, weichsandiges und trockenes Flussbett. Auf der gegenüberliegenden Seite fuhren wir dann einem Farmer über den Hof und winkten diesem und seiner Mutter freundlich zu. Verwundert blickten uns diese nach. Wahrscheinlich dachten sie frei nach Asterix und Obelix, die spinnen die Touristen.
Wir fuhren aus ihrem Areal heraus und fanden auf einer kleinen Anhöhe eine schöne Stelle, wo wir uns hinstellen konnten. Sie Sonne war nun schon sehr tief und wir setzten uns mit einem Bier und Chips auf die Motorhaube und genossen das Naturschauspiel. Es herrschte völlige Stille. Leider war der Sonnenuntergang dann doch nicht so spektakulär, wie wir es uns erhofft hatten. Die Sonne hatte zu wenig Kraft, so dass es immer milchiger wurde. Schade. Die Wolken am Himmel waren dafür bald in zartem Rot und später dann von Purpurglanz. Wir genossen diesen Augenblick bis zur letzten Sekunde. Wir waren völlig allein und um uns herum die absolute Stille. Herrlich!
Schon früh am Morgen wollten wir dem Lichterspiel der Natur zusehen, doch war der Himmel bedeckt und das Licht trüb. So sind wir länger liegen geblieben und hatten keinen Stress. Später kam dann doch die Sonne durch die Wolken, doch so richtig toll wurde es nicht. Wir fuhren weiter und kamen wieder an eine der kleinen Weggabelungen. Zuerst folgten wir der Spur in Richtung Spitzkoppe. Die Fahrspuren waren schon recht alt und wir wussten nicht so recht wo wir da raus kommen würden. Wir kamen an ein Tor, welches zwar geöffnet werden konnte, doch wir entschlossen uns umzukehren und weiter nach Osten zu fahren. Dort war wieder die Piste D1930, das wussten wir. Wir folgten den Wegweisern und waren bald am Eingangstor vom Park. 20 N$ p.P. zahlten wir für den Tageseintritt. Man versprach uns, dass wir nachzahlen könnten, falls wir campieren würden. Fürs Übernachten verlangte man 35 N$ p.P. ohne Dusche, ohne WC und ohne Wasser. Wir fuhren in den Park und während Charly sich etwas ausruhte, unternahm ich einen Spaziergang. Die Umgebung war einfach zu verlockend. Ich marschierte zu einer schönen Felsformation und entdeckte dabei den Zeltplatz Nr. 1. Dieser war wirklich schön gelegen zwischen zwei grossen Felsen. Vorsichtig kletterte ich über die kleinen Felsen und bewunderte die Butterbäume. Einige hatten sogar zart hellgrüne Blüten und kleine, fleischige, rötliche Blätter. Während ich zwischen den Felsen kraxelte, warf ich immer wieder kleine Steinchen, damit wollte ich eventuelle Schlagen vertreiben. Es hat sich aber keine blicken lassen und ausser ein paar Eidechsen und Vögel traf ich keine anderen Tiere an. Die Landschaft war famos. Später kam auch Charly nachgekraxelt.
Gemeinsam fuhren wir dann weiter. Immer wieder mussten wir für einen Fotostopp anhalten. Die Knipsmaschine stand kaum still. Wir fuhren kreuz und quer durch den Park und waren immer wieder begeistert von der Umgebung. Im Westen des Parks entdeckten wir dann sogar noch Dassies, auch Klipschliefer genannt, die uns aus einer Felsspalte mit ihrer Zahnlücke frech entgegen schauten. Eines war sehr akrobatisch veranlagt und kletterte eine Mini-Felsspalte senkrecht nach oben. Da konnten wir nur noch staunen, was die kleine Tierchen so alles können. Wir fuhren weiter zum Golden Snake Point. In dem Felsen hatten es sich die Buschmänner früher gemütlich eingerichtet. Es gab verschiedene Eingänge und Charly musste natürlich wieder alles erkunden. Ich machte gerade eine Aufnahme von der kleine Spitzkoppe, als er mit schmerzverzogenem Gesicht zu mir kam. In einer Spalte war er von einer aggressiven Lehmwespe attackiert worden. Zuerst hatte sie ihn in die Wade gestochen und dann nochmals in den Unterarm. Er drückte das Gift so gut es ging aus, doch ganz entfernen konnte er es natürlich nicht. Zurück beim Auto entschieden wir uns einen Platz zu suchen. Diesen hatten wir auch bald darauf gefunden. Es gab sogar Schatten! Wir stellten Snoopy ganz nahe an die Felswand. Ganz einfach war es nicht hier einen halbwegs ebenen Platz zu finden.
Fast eiskalte Bierdosen dienten nun zur Kühlung der Stiche. Charly fand aber, dass man das Bier besser einnimmt, anstatt am Bein zu erwärmen. Die Schwellungen wurden dann doch nicht so schlimm wie anfangs befürchtet. Schmerzhaft waren sie trotzdem.
Eigentlich hatten wir grillieren wollen, doch war der ständige starke Wind gegen uns und so gab es dann halt nur Pellkartoffeln mit Käse und Salat.
In der Nacht war es wieder völlig still und der Sternenhimmel leuchtete. So heiss wie es am Tag war, so kühl wurde es in der Nacht. Wir waren froh gute Schlafsäcke dabei zu haben.
Auch heute war der Sonnenaufgang nicht so spektakulär wie erhofft. Es war milchig trüb und die Umrisse der Spitzkoppe waren nicht klar gezeichnet. Die Fotos konnten wir uns sparen. Nach einem guten Frühstück haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Auf einer guten Schotterpiste gelangte wir auf die B2, eine gute Teerstrasse, die uns nach Swakopmund brachte. Die Landschaft unterwegs war äusserst monoton. Endlose Wüste links und rechts. Kaum eine Erhebung. Die Farbe der Umgebung war eher grau-braun, nicht wie in der Sahara gold-gelb. Die Rössing Uranium Mine kann man nur mit einem Tourunternehmen 2x in der Woche besuchen, also fuhren wir daran vorbei.
In Swakopmund hatten wir unglaubliches Glück mit dem Wetter, denn es schien die Sonne und der Himmel war blau. Normalerweise ist der Himmel hier oft verhangen und der kalte Wind erinnerte eher an Norddeutschland als an Afrika. Swakopmund ist bekannt für sein kühles Wetter, weshalb viele Namibianer hier ihren Urlaub verbringen. Verkehrte Welt!
Da wir hungrig waren, machten wir uns auf die Suche vom Café Anton, welches sich im Hotel Schweizerhof befand. Charly bestellte seine obligatorische Schwarzwälderkirschtorte, während ich mich für einen Käsekuchen und einen feiner Cappuccino entschied.
Danach bummelten wir gemütlich durch Swakop, wie es die Einheimischen nennen. Viele deutsche Namen waren an diversen Geschäftshäusern vermerkt. Einige alte Häuser aus der Zeit der deutschen Kolonie waren noch gut erhalten. Wir liefen zum Info-Center und wollten uns nach dem Namib Naukluft N.P. erkundigen, doch war die Aufkunft dort etwas dürftig. Die Vergabe der Genehmigung zur Durchreise sowie Infoblätter waren nur im staatlichen Nature Conservation, der alten Ritterburg, erhältlich. Wir liefen also zu der Ritterburg. Die Büros dort waren typisch für Afrikaner und die Auskunft beschränkte sich auf die gesalzenen Preise. Keine Prospekte oder Infoblätter, aber zackige Preise. Generell sind die Preise für die Sehenswürdigkeiten in Namibia enorm gestiegen. Wir mussten da schon ein paar Mal Luft holen. Wir hatten bei unserer letzten Tour durch Namibia noch günstigere Preise im Kopf, aber heute haben die Preise um 100-300% aufgeschlagen. Zu viele Touristen, da langt der schwarze Präsident mit seiner neuen Politik ganz schön hin. Er will nur noch gut betuchte Touristen. Bei den Preisen wollten wir es uns noch einmal überlegen und sind gegangen.
Anschliessend sind wir in die Apotheke gegangen. Alles war schön in Deutsch angeschrieben und Charly konnte auch hier in Deutsch seine Histamin-Tabletten gegen seine Allergie bestellen. Danach gingen wir ins Internet Café und haben unsere Mails gelesen.
Als nächstes machten wir uns auf die Suche nach dem Camping Platz Gull’s Cry. Die Stadt ist klein und die Strassen sind enorm breit. Schnell war der Platz gefunden. Wir wollten die Gelegenheit nutzten und haben die beiden Filter in unsere Wasseranlage gewechselt und die Wassertanks gereinigt. Der Wind war bitter kalt und ich musste ab und zu ins Auto mich aufwärmen. Beim Aus- und Umräumen, damit wir an die Wasserfilter kamen, wurde es mir dann schon wieder warm.
Als alles erledigt war gingen wir duschen. Die Bretterbude, wo sich die Duschen befanden, waren eine Katastrophe. Breite Ritzen liessen den kalten Wind direkt in die Kabine. Das Wasser war anfangs heiss, doch als auch Charly anfing zu duschen, gab es nur noch wenig Wasser und dass auch nur noch lauwarm. 20 CHF verlangen die für diesen Scheiss.
Wir zogen unsere warmen Jeans, Socken, Fleecejacke und geschlossene Schuhe an. Ein ungewohntes Gefühl nach so langer Zeit.
Wir hatten nun richtig Hunger und freuten uns auf die deutsche Küche, welche reichlich in Swakop angeboten wurde. Wir entschieden uns für das Brauhaus in der kleinen Fussgängerzone. Zuerst mussten wir warten, denn alle Plätze waren belegt. Wir setzten uns also an die Bar und tranken ein Bier. Der Barkeeper versprach uns einen Tisch. Während wir warteten, kamen auch andere Touristen, die ebenfalls hier essen wollten. Ein Pärchen wollte enttäuscht gerade wieder gehen und da sie uns sympathisch erschienen, lief ich ihnen nach und fragte, ob sie nicht bei uns am Tisch sitzen möchten. Natürlich wollten sie und als ich sie in Englisch fragte woher sie denn kämen, antworteten sie „from Switzerland“. Na super, dann können wir ja auch schweizer-deutsch reden. Lustig! Ruth war wie Charly aus dem Wallis und Andreas aus Zürich. Ruth hat dann gleich mit ihrem Walliser-Dialekt losgelegt und ich musste die Ohren spitzen. Lustig war auch, dass sie die Schweizer waren, welche uns bereits am Brandberg gesehen hatten, aber uns nicht stören wollten, da wir gerade am Essen waren. So klein ist die Welt!
Wir bestellten Haxe mit Semmelknödel und Sauerkraut. Die Portionen waren reichlich und meine Haxe war auch sehr gut. Charly fand seine war etwas zu fettig. Das Hansa-Bier aus der Brauerei von Swakop passte ausgezeichnet dazu. Es wurde spät und wir waren bald die letzten Gäste. Wir verabschiedeten uns von den Schweizern und fuhren zurück zum Zeltplatz.
Der Morgen war wieder sonnig und so wollte ich etwas am Strand laufen gehen. Charly hatte keine Lust, also ging ich allein spazieren. Ich lief zur alten Landungsbrücke, welche zur Zeit gerade wieder restauriert wurde und dann weiter zur Mole. Unterwegs fand ich ein paar junge tote Robben am Strand. Der Kopf war eingeschlagen oder fehlte ganz. Ich dachte schon an Robbenschlächter oder Meeresräuber. Als ich dann an der Mole ankam, konnte ich zu sehen, wie die Robben auf den Wellen hinter den Fischen hinterher jagten. Ich glaube, da haben ein paar Jungtier einfach die Kurve nicht mehr rechtzeitig gekriegt und sind an den grossen Felsblöcken zerschellt. Die Wellen kamen aber auch mit einer Wucht und die Gischt spritzte bis zu mir auf die Aussichtsplattform.
Als ich zurück zum Campingplatz kam, sah ich wie Charly mal wieder mit einer Farbigen flirtete. Sie hiess Daleen, war knapp 20 Jahre und hatte bereits eine 10 Monate alte Tochter. Sie war sehr nett und kicherte andauernd, wobei sie spitzbübisch immer die Oberlippe nach vorne zog. Das sah lustig aus. Wir unterhielten uns eine ganze Weile und verabschiedeten uns mehrmals. Da uns der Campingplatz nicht so gefiel, wollten wir heute den Standort wechseln. Daleen schenkte mir zum Abschied noch eine Muschel, die sie am Strand gesammelt hatte. Ich gab ihr dafür eine Packung Schokokekse. Sie hatte sich sehr darüber gefreut. Sie war ganz lieb und fröhlich. Sie träumte davon nochmals auf die Schule zu gehen, sobald die Tochter grösser ist. Wahrscheinlich wird sie dann aber ein weiteres Kind bekommen und damit die Schule streichen. Leider! Sie putzte auf dem Campingplatz die Sanitärenanlagen, während ihr Freund Donald für die Gärtnerarbeiten zuständig war. Heiraten konnten die beiden nicht, da sie kein Geld für eine Hochzeit hatten. Kein Wunder, wenn man die ganze zahlreiche Verwandtschaft einladen muss.
Wir fuhren los und gingen erst einmal ins Kaffee Treff. Es war gut besucht und es waren nur Weisse darin. An der Wand hingen alte Fotos von Swakop. Eine grosse Kuchentheke erwartete uns und wir hatten die Qual der Wahl. Ich bestellte Kirschstreusel und Butterkuchen, da die Stücke nicht sehr gross waren, konnte man problemlos 2 davon verdrücken. Charly blieb beim Blätterteig- und Plundergebäck. Lecker, wie zu Hause, das muss man ausnutzen. Die grosse Tasse Kaffee die wir bestellten, war dann wirklich überdimensional. Man hätte aber auch nach deutscher Art ein Kännchen Kaffee bestellen können. Wir fühlten uns so richtig heimisch, sogar die schwarze Bedienung sprach deutsch.
Danach suchten wir den staatlichen Campingplatz „Mile 4“. Bald hatten wir diesen ca. 6 km nördlich von Swakop gefunden, doch der Platz war so trostlos, dass wir gleich wieder umgekehrt sind.
Zurück in Swakop stieg ich aus, da ich noch ein paar Fotos von den alten Gebäuden und von der Stadt machen wollte. Charly wollte hingegen ins Internet-Café. Wir trennten uns beim alten Amtsgericht. Dieses Gebäude war ursprünglich als Schule geplant, wurde aber 1909 zum Amtsgericht. Weiter ging ich zum Marinedenkmal und zum kaiserlichen Bezirksamt. Mit dem Leuchtturm im Hintergrund hätte ich genauso gut an der Nordseeküste sein können. Mein nächstes Ziel war das Ludwig-Schröder-Haus, das Altona Haus und die evangelisch-lutherische Kirche. Die Kirche im barocken Baustil wurde 1912 fertiggestellt. Ich schlenderte noch ein wenig weiter und gelangte über die Bismarck Strasse zum Woermann Haus, welches 1894 als Niederlassung der Hamburger Damara-Gesellschaft errichtet wurde. Der schöne Innenhof gefiel mir und ich verweilte ein wenig. Weiter lief ich zum Hohenzollernhaus und machte das letzte Foto, denn mir taten inzwischen die Füsse weh. Ich holte Charly beim Internet-Café ab.
Wir hatten Hunger und wollten etwas essen. Am Tag zuvor hatten wir einen Western-Saloon gesehen, der Steaks anbot und nebenan war eine Pizzeria mit Holzhofen. Charly war für Pizza und ich für Steak. Wir wurden beide enttäuscht, denn die Öffnungszeiten der beiden Restaurants war erst ab 17 Uhr. So dackelten wir wieder zum Brauhaus und assen leckere Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelstock. Köstlich!
Später fuhren wir dann wieder auf den Gull’s Cry Campingplatz und ruhten uns etwas aus.
Am Abend gingen wir dann doch noch in die Pizzeria. Das Restaurant war sehr klein, aber die Pizzas waren ganz okay. Wenigstens gab es ordentlich was drauf. Anschliessend ging ich ins Kino und sah mir den Film „If only“ an, während Charly ins Pub ging. Der Film war ein romantisches Drama, zum Herzerweichen. Als ich ins Pub kam, sass eine Frau bei Charly. Eine Schwarze mit blonder, kurzhaariger Perücke. Angeblich hatte sie einen Freund in der Schweiz, der Oswald hiess. Ich hatte eher den Eindruck, dass die Dame eine Professionelle war. Nachdem ich gekommen war, hielt sie sich dann auch nicht mehr lange bei uns auf und verzog sich. Wir tranken unser Bier aus und fuhren zurück zum Campingplatz.
Statt zu frühstücken, gingen wir wieder ins Kaffee Treff. Wir bestellten wieder eine grosse Tasse Kaffee. Ich ass dazu einen Bienenstich und Charly hatte sich diesmal Lebkuchen ausgesucht. Anschliessend gingen wir im Pick’n Pay Supermarkt gross einkaufen, da wir heute weiterfahren wollten. Mit dem Tanken danach hatten wir dann aber so unsere Probleme, denn entweder wollte man gar keine Kreditkarte akzeptieren oder man verlangte 5-6% vom Betrag als Gebühr. Wir wollten 300 Liter tanken, dass war uns zu blöd und da wir in ganz Swakop keine anständige Tankstelle finden konnten, beschlossen wir nach Walvis Bay zu fahren. Dabei machten wir einen kleinen Ausflug über den Naukluft Park. Eigentlich darf man nur mit Genehmigung hineinfahren, doch wir wagten es auch ohne. Es war am Eingang des Parks nur ein Hinweisschild, keine Kontrolle, kein Häuschen, nichts. So sind wir reingefahren. Das Wetter war aber eher bescheiden. Die Wolken hingen tief. Die graue Wüste sah nun noch grauer aus. Die Mondlandschaft wollte Charly eigentlich anschauen, doch hörte er nicht als ich ihm erklärte, dass wir bei einem bestimmten Aussichtspunkt rausfahren müssten. Er hatte es anders in Erinnerung, also fuhren wir weiter. Die grosse Welwitschia hatte wir auch schon gesehen und auch auf dieser Reise schon diverse angetroffen, so dass wir kein Bedürfnis hatten diese anzuschauen. Wir fuhren auf der anderen Seite wieder aus dem Park und mussten sagen, dass dies sein Geld ganz sicher nicht wert war. Auf der kleinen Piste D1984 fuhren wir schliesslich in Richtung Walvisbaai (Walvis Bay). Rechts von uns war ein Dünenband. Es war weitaus schöner als der Park. Leider begann es zu regnen und wir mochten bei dem trüben Wetter kein Foto machen.
In Walvis Bay angekommen fuhren wir zuerst zur Esplanade, die Bucht von Walvis Bay. Unzählige Flamingos und Strandläufer waren in der Lagune. Wir konnten den alten Campingplatz nicht mehr finden und fuhren deshalb zurück in die Stadt zur Info. Die Dame dort war ganz heisser und konnte kaum sprechen wegen ihrer Erkältung. Wir unterhielten uns auch über das Wetter und sie meinte, wir sollen ihnen doch dieses lassen. Die letzten Tage war stets so ein starker Wind gewesen, der hätte einem fast weggeblasen und der Regen sei nun eine wahre Wohltat. Sie empfahl uns für die Übernachtung den Lagoon Chalets Caravanpark.
Wir bedankten uns und liefen um die Ecke. Dort war ein Internet Café für Charly. Leider hatte man dort schon den ganzen Tag keine Verbindung und so fuhren wir direkt zum Caravanpark.
Wir installierten unser Auto und Charly setzte sich hinter seinen PC. Er war muffig, weshalb ich beschloss alleine zur Bucht zu laufen. Ich schnappte mir meine Kamera und ging. Ich war gerade 2 Blocks weiter, als der Campingbesitzer mir nachfuhr und fragte, wo ich hin will. Er fürchtete nämlich, dass ich einkaufen wollte. Der Einkaufsladen war in der anderen Richtung, klärte er mich auf. Ich bedankte mich und erklärte, dass ich gerne etwas am Wasser spazieren gehen wollte. Ich marschierte also los und war bald an der Bucht. Es war herrlich den vielen Flamingos beim Fressen zu zusehen. Ausser mir waren noch andere Spaziergänger unterwegs. Die Promenade war sehr schön angelegt. Als ich am Ende angelangt war drehte ich um und schlenderte auf die andere Seite der Bucht. Dort waren ein paar Wassersportler unterwegs, die sich mit einer Art Fallschirm auf einem Wasserski übers Wasser gleiten liessen. Die hatten ein ganz schönes Tempo drauf. Ab und zu liess sich ein Mann in die Höhe ziehen und machte einen Salto. Eine Surferin wäre ihm beinahe in die Quere gekommen, dabei war wirklich massig Platz für alle. Ich lief bis zum Restaurant The Raft, welches auf Stelzen in die Bucht hineingebaut worden war. Es war ein malerisches Bild - das Restaurant und im Hintergrund die untergehende Sonne. Das war auch der Punkt, wo ich mich auf die Rückkehr machen musste. Wieder lief ich an den süssen kleinen Häusern vorbei, die mich an Cottages in Irland erinnerten. Der Wolken am Himmel wurden immer röter, ein junger Mann rannte über die Strasse um in letzter Minute noch ein paar Fotos vom Sonnenuntergang zu schiessen. Ich liess mir den starken Wind um die Nase wehen und machte mich auf den Weg zum Lagoon Chalets Caravan Park. Wir hatten inzwischen italienische Nachbarn mit einem Land Rover erhalten.
Da es leicht zu nieseln angefangen hatte, hatten wir keine Lust zu kochen und so assen nur eine Scheibe Brot. Auch recht so, nach so viel Schlemmerei.
Da es Charly in Walvis Bay gar nicht gefiel, wollten wir schon früh weiter fahren. Daraus wurde dann nichts, denn unsere Nachbarn kamen rüber und wollten ein paar Infos von uns. Barbara sprach nur Französisch, während Jean-Pierre nur Englisch verstand. Wir unterhielten uns in beiden Sprachen, was manchmal zu Konfusionen führte. Da sprach ich mit Barbara Englisch und mit Jean-Pierre Französisch. Welch ein Kauderwelsch.
Wir gaben unsere Tipps von der Westküste und sie uns von der Ostküste. Wo es schön war, wieviel man für die Visas bezahlt, etc. Der Morgen war im Nu verflogen und wir waren immer noch auf dem Platz. Wir waren aber dankbar, da sie uns 2 gute Adressen im Sudan und in Äthiopien geben konnten.
Nach einer ausgiebigen Dusche fuhren schliesslich auch wir vom Platz. Wir suchten uns wieder dumm und dämlich nach einer anständigen Tankstelle. Keine wollte unsere Kreditkarten akzeptieren und wir wollten nicht die Bankgebühren für Bargeld bezahlen. Wir kamen in ein Schwarzenviertel, wo wir noch schlechtere Chancen hatten, also fuhren wir zurück zur Stadt. Wir fanden auf den Weg dorthin eine grosse Shell-Tankstelle. Wir fragten wieder und siehe da, man akzeptierte die Karte und es wurden keine Gebühren erhoben. Super! Dem Tankwart war dann plötzlich doch nicht mehr so wohl und er wollte die Karte zuerst testen. Kein Problem die Karte wurde erkannt. Wir tankten fast 300 Liter Diesel und als Charly mit der Karte zahlen wollte, war die Überraschung gross. Die Karte wurde nicht bearbeitet. Na toll! Was nun? Die Leute meinten, wir sollen dann halt bar bezahlen. Wir waren damit nicht einverstanden, schliesslich hatten wir vorher gefragt. Die Managerin wurde involviert und diese kam uns entgegen. Sie bot uns an, dass wir bar zahlen und dafür die Bankgebühren als Rabatt erhielten. Das war in Ordnung also zahlten wir bar und erhielten einen Rabatt von 10%. Der Dieselpreis war zudem der niedrigste den wir je in Namibia gesehen hatten. Wir hatten einen guten Deal gemacht.
Auf der Teerstrasse am Meer entlang fuhren wir zurück nach Swakopmund. Charly ging wieder ins Internet Café und ich holte im Supermarkt schnell Brot. Wieder hungrig tigerten wir durch Swakop. Alle Restaurants waren geschlossen und so landeten wir wieder im Kaffee Treff. Bienenstich war mein heutiger Favorit und Pfefferkuchen der von Charly.
Es war bereits 17 Uhr und wir überlegten, ob wir noch weiterfahren oder nicht. Wir fuhren! Noch ein Tag in Swakop und die Hosen passen nicht mehr ;-)
Wir fuhren auf einer guten Salzpiste bis nach Henties Bay. Auf dem Campingplatz Buck’s Camping Lodge hatte jeder Camper sein eigenes WC, Dusche und Abspülbecken. Es war nicht teurer als der miese Platz in Swakop. Wir kochten unser Abendessen und liessen den Abend ruhig ausklingen.
Da es bewölkt und noch frisch draussen war, hatten wir es nicht eilig mit dem Aufstehen. Wir sortierten ein paar Belege und alte Rechnungen. Stellten unsere Ausgaben zusammen und stellten fest, dass wir trotz der hohen Kosten in Windhoek unser Budget nicht überzogen hatten. Nach einem ausgiebigen Frühstück stellte ich mich unter die Dusche und das anfänglich warme Wasser wurde plötzlich ziemlich frisch. Wir hatten keine Lust zu reklamieren und packten unsere Sachen. Bei der Fahrt aus Henties Bay fuhren wir zuerst falsch und trafen auf einen Golfplatz. Mitten in der Wüste, wo Wasser kostbarer ist als Gold, da haben die einen Golfplatz hingestellt und bewässerten einzelne Flecken, damit der Rasen schön grün bleibt. Tsss.
Wir fuhren weiter auf der guten Salzpiste bis nach Cape Cross, wo die Zwergohrenpelzrobben in einer grossen Kolonie leben. Der Eintritt war auch hier rasant gestiegen. 40 N$ p.P. plus 10 N$ für das Auto.
Wir kamen gerade auf dem Parkplatz an, als uns ein Paar aus der Schweiz ansprach. Es waren Sonja und Werni. Sie waren für „nur“ 2 Wochen mit dem Mietauto in Namibia unterwegs. Sonja hatte früher mehrere Jahre in Südafrika gelebt. Wir quatschten und quatschten. Der Wind war kühl, doch liess es sich im T-Shirt gerade noch aushalten. Die Fleecejacken wollten wir nicht anziehen, da die Robben einen üblen Geruch verbreiteten. Dieser geht dann in alle Kleider und in die Haare. Schon nach einem kurzen Besuch kann man sich selber nicht mehr riechen. Gemeinsam gingen wir zur Robbenkolonie. Wir waren enttäuscht. Es waren nur wenige Tiere zu sehen. Vor 4 Jahren waren die Tiere hier dicht an dicht gedrängt und hatten ihre Babies beinahe todgedrückt. Wir schauten uns das Familienleben der Robben an. Mal reklamierte hier ein Weibchen, mal riskierte ein Männchen eine dicke Lippe. Andere verjagten sich gegenseitig. Die Meisten aber schliefen tief und hingen kopfüber über die Felsen. Einige planschten im Wasser. Die Hauptbeschäftigung aller war aber das Kratzen. Hingebungsvoll wurde das Fell gekratzt. Mal hat es hier gejuckt und mal dort. Man kann den Tieren stundenlang zu sehen. Kurz bevor wir gehen wollten schlichen sich 2 Schakale auf den Platz. Sie waren hinter ein Junges her, welches leblos auf dem Felsen lag. Ein Schakal hatte es schon im Maul, wo es schlaff wie ein Lumpen herunterhing. Die Mutter ging zum Angriff über, worauf der Schakal das Junge fallen liess und Reissaus nahm. Das Junge war tot oder stellte sich tot. Es lag wieder leblos auf dem Felsen.
Nach dieser Episode fuhren wir mit Sonja und Werni zum Picknick Platz. Wir unterhielten uns und haben sie zu einem Tee und Pfeffernüsse eingeladen. Auf dem Tisch lag ein Robbenschädel. Während wir uns unterhielten schlichen immer wieder Schakale um den Platz. Ein Italiener vom anderen Tisch wusste nichts anderes als die Tiere mit Steine zu bewerfen. A....!! Die Tiere liessen sich aber nicht wirklich beeindrucken und kamen rasch wieder. Bald war es wieder Zeit für den Aufbruch und wir verabschiedeten uns von den beiden netten Schweizern.
Wir fuhren weiter durch die eintönige Landschaft bis zur Mile 108. Dort war ein Campingplatz, da man aber dort für wenig Komfort 130 N$ verlangte, fragten wir, ob wir nicht einfach nur duschen könnten. Wir stanken entsetzlich von den Robben, so dass wir uns selber nicht mehr riechen konnten. Für 4 N$ p.P. durften wir uns rasch duschen. Eine Wohltat. Danach fuhren wir weiter. Wir sahen unterwegs immer wieder Spuren die zum Meer führten. Wir folgten einfach einer und fanden ein einsames Plätzchen nur für uns allein. Weit und breit keine Menschenseele. Das Meer war nicht weit und doch weit genug. Der Strand erschien uns endlos.
Da es kühl und windig war, legten wir unsere dicken Fleecejacken an und kochten Abendessen. Linseneintopf aus der Tüte mit Wienerli. Das Essen wurde gerade noch vor dem Dunkel werden fertig. Am Abend hörten wir nur den Wind und die Brandung des Meeres.
Es war ein herrlicher Morgen. Die Sonne schien und das Meer rauschte, dazu ein endlos wirkender weisser Sandstrand. Ich krabbelte aus dem Bett und lief erst einmal zum Meer. Dabei entdeckte ich Spuren von Schakalen und einer anderen Spur. Die einem grösseren Tier gehörte, wahrscheinlich war es eine Hyänenspur. Gar nicht weit weg von unserem Auto. Uupps!
Charly kam auch aus dem Auto raus und machte Zeichen, dass ich zu ihm kommen sollte, doch ich wollte ihm zuerst meine Pfotenabdrücke zeigen. Er kam und lachte. Er sagte, er hätte mir die gleichen zeigen wollen. Wir spazierten etwas am Strand entlang, dabei entdeckten wir eine junge Robbe, die sich gerade in der Sonne aufwärmte. Als wir uns ihr näherten, flüchtete sie ins Wasser. Schwupp, weg war sie. Wir folgten den Spuren der Schakale und bemerkten, dass sie in der Nacht um unser Auto geschlichen waren. Auch die grossen Pfotenabdrücke trafen wir in der Nähe von unserem Auto. Da hatten wir nächtlichen Besuch und nichts davon bemerkt. Zu gern hätte ich das Tier aus dem sicheren Auto heraus beobachtet. Bei dem Gedanken aber, dass ich am gestrigen Abend im Dunkeln zum Pinkeln noch draussen war, fragte ich mich, ob ich da eventuell schon beobachten worden war. Es war aufregend und gleichzeitig auch einwenig beklemmend.
Weiter vorne sahen wir noch eine Robbe und weitere Spuren. Wir beschlossen, dass wir nicht zurück auf die langweilige Piste C34 zum Skeleton Coast National Park fahren. Wir liessen Luft aus den Reifen und folgten den Spuren am Strand. Immer wieder sahen wir Robben am Strand. Lebendige, die uns argwöhnisch beobachteten oder panikartig ins Meer flohen. Tote, denen wie schon in Swakop der Kopf fehlte. Wir sahen so viele tote Tiere, dass wir mit der Zeit nicht mehr an einen natürlichen Tod der Tiere glauben konnten.
Die Fahrt am Meer entlang war super. Der Boden war abwechslungsreich, mal war er weichsandig, dann gab es wieder harte Abschnitte. Es liess sich ganz gut fahren, aber ohne Allrad aussichtslos. Snoopy kämpfte sich tapfer durch den weichen Sand.
Wir kamen an ein Schiffswrack. Wir hielten an und schossen ein paar Fotos. Im Sand waren wieder die schnurgeraden Spuren von Schakalen zu sehen. Vom Wrack war nicht mehr viel übrig. Auf unserer Weiterfahrt begegneten wir weissen Sportanglern, die mit gigantischen Angelrouten Fische aus dem Meer holen wollten. Wir folgten den Spuren an der Küste entlang, bis wir zu einem Zaun und Schild kamen, auf welchem stand, dass wir nun an der Skelettküste angekommen waren. Weiterfahren war strengstens verboten.
Wir folgen nun den Spuren die entlang des Zaunes waren und kamen prompt vor dem Tor des National Parks raus. Das berühmte Tor mit den Schädelknochen war geöffnet. Während Charly die Reifen wieder aufpumpte, lief ich ins Parkbüro. Der Schwarze hinter dem Pult forderte satte 170 N$ Eintritt. Ich glaubte zuerst, dass ich mich verhört hatte und fragte nochmals nach. Ja, ja antwortete er, 80 N$ pro Person und 10 N$ extra für das Auto. Das sind ungefähr 35 CHF. Im Reiseführer war noch ein Preis von 2 US$ aufgeführt, was ungefähr 5.50 CHF waren. Was für eine Preissteigerung innerhalb von 2-3 Jahren. Zur Erinnerung für ein super gutes Steak mit Kartoffeln und Beilage zahlt man in Namibia in einem anständigen Restaurant zwischen 60 und 80 N$.
Ich sagte dem guten Mann, dass wenn sie so weiter machen würden, bald keine Touristen mehr kommen würden. Er zeigte mir die Preistabelle, doch ich erklärte ihm, dass ich ihm schon glaube das der Preis offiziell sei, nur sei die momentane Politik schlecht fürs Geschäft. Kein Wunder wurden dieses Jahr 10% weniger Touristen verzeichnet. Ich fragte Charly was er von dem Ganzen hält und er wollte nur wissen für wie lange wir dafür im Park sein könnten. Die Antwort des Beamten war 2 Stunden! Ich überlegte, ob wir nicht eine andere Strecke übers Damaraland fahren sollten. Doch hätte der Umweg auch viel Diesel verbraucht und somit wären wir nicht günstiger weggekommen. Charly war sauer auf mich, weil ich das Ticket gekauft hatte. Im Park gibt es nämlich nichts oder nur sehr wenig Sehenswertes. Die Strasse führt durch die karge und öde Wüstenlandschaft, es gibt nur wenige Punkte zur Besichtigung. Der Rest ist öde schlechte Piste. Ich rechnet ihm vor, dass wir nichts gespart hätten, wenn wir um den Park herum gefahren wären. Er war aber der Meinung, dass wir diese unverschämten Preise nicht auch noch unterstützen müssten.
Im Park selber gab es wie schon vor vier Jahren wenig bis gar nichts zu sehen. Eine kleine Lagune mit Kormorane und Flamingos und später dann eine kleine brütende Kolonie von Weissbrust-Kormorane. Überall stand, dass man die Strasse nicht verlassen darf. Dies aber nicht wegen der empfindlichen Umgebung, sondern damit die Leute nicht Edelsteine suchen. Wir sahen nämlich ein paar unsensible Bagger, die fröhlich in der Schutzregion nach Wertvollem buddelten. Da war die Umwelt plötzlich nicht mehr wichtig. Wir brachten die Strecke rasch hinter uns. Nach einer kleine Pause wollte ich etwas laufen, um mich etwas zu bewegen. Charly holte mich dann mit dem Auto ein und wir fuhren gemeinsam aus den Park. Am Ausgangsgate wollte man nochmals, dass wir uns registrieren. Charly sagte sauer, dass wir schon genug gezahlt hätten und keinerlei Lust hätten auf ihren Bürokratismus. Er liess den verdatterten Ranger stehen und fuhr durchs Gatter.
Kaum hatten wir den Park hinter uns gelassen, trafen wir auch schon auf die ersten Tiere. Oryx und massenweise Springböcke. Vereinzelnd auch einen Strauss. Nun war auch die Landschaft wieder interessant. Wir waren im Damaraland und die typischen Tafelberge bildeten ein schönes Panorama. Die Sonne stand schon wieder tief und es wurde langsam Zeit sich wieder nach einem geeigneten Übernachtungsplatz umzusehen. Wir folgten einer Piste die von der Hauptpiste weg ging. Sie endete bei einem Bagger, der Schotter für die Piste bereitstellte. Wir stellten unseren Snoopy unter den einzigen Baum weit und breit.
Kaum hatte ich mit dem Kochen begonnen, da waren auch schon 2 weiss-schwarzeRaben da. Neugierig schauten sie mir zu. Ich hatte Stroganoff auf dem Speisezettel und die Fleischstückchen die ich den Raben zuwarf waren rasch aufgepickt. Damit hatte ich definitiv zwei neue Freunde gewonnen. Scheu und doch frech, sahen sie immer wieder nach, ob nicht doch noch etwas zu ihnen rüberfliegt.
Nach dem Essen fütterten wir noch ein wenig Reis, dass hat ihnen auch geschmeckt. Bald waren es nicht mehr 2, sondern 7 Raben. Mehr Reis gab es trotzdem nicht mehr.
Wir waren schon recht früh wach. Als wir aus dem Auto kamen, stellten wir fest, dass unsere Freunde von gestern immer noch da waren. Sie beobachteten uns und wollten nichts fressbares verpassen. Es gab etwas Brot für sie, welches sie aber nicht mit besonderer Begeisterung verzehrten. Das Fleisch vom Vortag hatte da schon deutlich besser gemundet. Sie krächzten und gaben eigenartige Gurrlaute von sich.
Wenig später waren wir schon wieder auf der Piste und erblickten die ersten Oryx-Antilopen. Ihre Färbung und Gestalt ist einmalig und sie faszinierten mich immer wieder aufs Neue. Die Landschaft war grandios. Eine bizarre, wilde Tafelberglandschaft lag vor uns. Die Piste führte uns vorbei an spärlicher Vegetation. Grosses, grobes Geröll lag links und rechts neben der Piste, bis zu den Tafelbergen hinauf. Strausse sowie viele Springböcke kreuzten unseren Weg bis nach Bergsig. Dort bogen wir auf die C43 ab und weiter ging es in Richtung Norden. Die Behausungen der schwarzen Bevölkerung waren ärmlich bis bitter arm. Gezimmert aus Material, besser gesagt Abfall welcher irgendwo gefunden wurde. Sie bauen nicht einmal mehr ihre traditionellen Lehmhütten. Vom Tourismus haben diese Leute nichts, ausser deren Staubwolke.
Bei Palmwag hiess es dann anhalten, denn hier ist der Quarantäne-Posten. Ab hier dürfen keine Tiere vom Norden in den Süden gelangen, damit keine Krankheiten eingeschleppt werden. Zur Zeit hat Namibia ein grosses Problem im Norden, die Tollwut ist weitverbreitet und herrenlose Hunde werden erschossen. Diese Sperre wurde aber weniger wegen den Hunden, als vielmehr wegen den Ziegen, Schafen und Kühen errichtet. In früheren Jahren hatte es in Namibia schlimme Maul- und Klauenseuchen gegeben. Um dies besser unter Kontrolle halten zu können, wurde dieser Posten errichtet. Zwei Männer kamen auf uns zu und begannen einen Smalltalk mit uns. Woher wir kommen, wohin, wie lange, etc. Der Typ an meinem Fenster fragte mich nach meinem Namen und hatte diese Makalani-Nüsse in der Hand, in welche Tiere graviert waren und dann als Souvenir verkauft werden. Ich sagte ihm meinen Namen und schon bald darauf hatte er so nebenbei eine der Nüsse mit meinem Namen versehen. Er wollte mir das Ding natürlich anschliessend verkaufen, was ich aber dankend ablehnte. Charly erklärte dem anderen Mann an seinem Fenster, dass wir schon länger in Afrika sind und in Windhoek arbeiten. Plötzlich war der Smalltalk beendet und das Gatter wurde endlich geöffnet. Das werden wir uns merken, wenn uns wieder jemand so lange aufhalten will, nur um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Wir fuhren weiter und bei der stetigen Tal- und Bergfahrt konnte man den Eindruck gewinnen, auf einer sanften Achterbahn zu fahren. In den Talsenken hatten sich grosse Wasserpfützen gebildet, es muss wohl reichlich geregnet haben. Wir hatten die Fenster geöffnet und als Charly dann etwas zu schnell durch eine Wasserfurt fuhr, spritzte das Wasser bis in die Fahrerkabine. Ich war ziemlich nass geworden und auch vom Sitz triefte das Wasser. Mit genügend WC-Papier war dann alles rasch wieder trocken. Die Strecke war recht einfach zu befahren, mit Ausnahme der sandigen Passagen. Links und rechts, in einiger Entfernung, schroffe Berge.
Die letzten Kilometer vor Purros konzentrierte sich die Tierpopulation wieder. Ca. 25 km vor Purros kreuzte eine sehr grosse Herde Strausse unseren Weg. Sehr viele Jungtiere waren dabei. Nicht alle Strausse schlossen sich an, einige waren Einzelgänger. Auf der anderen Seite des trockenen Flussbett Gomadommi sahen wir einige Giraffen, die mit ihren langen Hälsen die Blätter von den Bäumen zupften. Wir fuhren an Purros vorbei, zum Campingplatz, welchen wir vor vier Wochen verlassen hatten. Diesmal erhielten wir den Platz Nr. 4, da Nr. 6 vor 2 Wochen von Elefanten zu Kleinholz verarbeitet worden war. Wir stellten Snoopy unter den grossen Baum und stellten auch unsere Stühle und den Tisch im Schatten auf. So gemütlich! Bald sahen wir wieder die grauen Vögel, die wie Nymphensittiche aussahen. Die komischen hühnerähnlichen Frankolinen waren wenig später auch in Sichtweite. Wir fühlten uns schon fast wie zu Hause.
Nach dem Abendessen wurde es relativ schnell dunkel und wir stellten die Kerze auf. Die Leute auf dem Nachbarplatz waren mit einem Touroperator und dessen Prinzgauer unterwegs. Sie lachten viel und entfachten wenig später ein schönes Lagerfeuer. Es war schon ein Weilchen dunkel und wir sassen immer noch draussen, da hörten wir eindeutig einen Löwen röhren. Der Löwe muss weit weg gewesen sein, doch für uns war es Zeit ins Bett zu gehen.
Unsere Nachbarn waren schon früh auf den Beinen und fuhren ab, noch bevor wir aufgestanden waren. Wir wollten es uns heute gut gehen lassen und blieben noch etwas länger im kuscheligen Bett. Die Nacht war sehr ruhig gewesen, abgesehen von den blöden Hühnern, die noch in der Dunkelheit angefangen hatten zu gackern. In dieser Nacht hätte ich zur Hühnermörderin werden können. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Spiegeleiern, montierten wir erst einmal die Hängematte. So ganz trauten wir dem dicken Ast nicht. Die Rinde sah doch schon recht verwittert aus. Charly testete als erster. Kein Problem!
Wir schafften etwas Ordnung, dann konnte ich nicht widerstehen und hopp - lag ich mit einer Zeitschrift in der Hängematte. Was für ein herrliches Gefühl! Die Sonne schien, eine Zeitung zum Lesen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, was will man mehr! Die Zeit verging rasch und wie immer kam am späteren Nachmittag ein heftiger Wind auf, der viel feinen Sand mit sich brachte. Ich hielt tapfer die Stellung. Charly hatte sich inzwischen ins Auto verkrümelt.
Später überwand ich mich doch noch in die Dusche zu gehen. Der Duschkopf war an einem Ast eines Baumes befestigt. Das Waschbecken wurde von zwei Holzstämmen getragen. Der Zaun bestand aus dünnen Latten. Es war herrlich unter dem Blätterdach eines Baumes zu stehen und das lauwarme Wasser zu spüren. So mitten in der Natur mein Traumbadezimmer vorausgesetzt die Temperaturen stimmen.
Wir waren so ziemlich alleine auf dem Campingplatz und wir fühlten uns sauwohl.
Nach unseren Pellkartoffeln, zogen wir es jedoch vor, uns in die warme Stube von Snoopy zurück zu ziehen.
Als erstes fragte mich Charly, fahren wir heute weiter? Meine Antwort war eindeutig NEIN. So liessen wir auch diesen Tag gemütlich angehen. Mein erster Gang an diesem Morgen war zur Toilette und dann geradeswegs in die Hängematte. Charly lag noch im Bett, während ich den Vögeln aus der Hängematte heraus zuschaute. Wenig später kam auch er aus dem Bett gekrabbelt und wir machten Frühstück. Den Tisch schön in den Schatten stellen und bitte NO STRESS! Nach dem Abwasch telefonierten wir mit unserem Automobilclub in der Schweiz, da uns diese per Mail schlechte Nachrichten mitgeteilt hatten. Die Frau, mit der wir vor unserer Abreise alles besprochen hatten, hatte gekündigt. Die Nachfolgerin schrieb uns ein E-Mail, dass sie uns kein neues Carnet schicken könnte, da niemand 2 Carnets de Passages haben darf. Aber bitte, wie sollen wir denn das anstellen, war unsere Frage. Wir haben den Stempel von der Einreise in Namibia, das Carnet ist nur Maximum ein Jahr gültig, d.h. spätestens Ende November brauchen wir ein neues Zolldokument. Wir müssen aus der Südafrikanischen Zollunion ausreisen, das ist klar. Aber WIE sollen wir dann bitte wieder einreisen. Ein Carnet ist Pflicht, es sei denn man will die überzogenen Importsteuern zahlen. Man kann auch das Carnet für drei Monate verlängern lassen, doch dann wie weiter? Wir brauchen ein neues Zolldokument, dass auch Syrien und Jordanien beinhaltet, welche zu Asien gehören.
Wir hatten vereinbart, dass wir das neue Carnet zugestellt bekommen, das alte ausstempeln lassen und dann mit Kurierdienst zurück in die Schweiz senden. Ist doch gar nicht so kompliziert. Der ADAC in Deutschland praktiziert dies doch auch. Aber nein, der ACS wollte nicht. Der Chef der Dame berief sich auf die Vorschriften. Wir verlangten einen lebbaren Vorschlag und nicht Vorschriften. Das Telefongespräch mit unserem Satellitentelefon war nach all diesen Diskussionen nicht gerade günstig gewesen. Die Mühe hatte sich aber gelohnt, denn der ACS hatte ein Einsehen und versprach uns ausnahmsweise das Carnet zu zustellen. Wir fragten bei Olli von Buschmanns Safari an, ob wir seine Adresse angeben dürften. Klar, dürfen wir, war seine Antwort. Super lieb!
Anschliessend gratulierte ich noch kurz per Telefon meiner Schwester zum Geburtstag. Sie machte mich mal wieder mit einer Einladung zu einer ihren fantastischen Torten neidisch.
Den restlichen Tag war ich mit Tagebuch schreiben beschäftig, da ich ziemlich hinter her hinkte.
Zwar waren wir früh aufgestanden, da wir heute weiterfahren wollten.
Charly demontiert als erstes die Hängematte, damit wir nicht rückfällig werden. Beim Frühstück konnten wir Paviane, Meerkatzen und ein Eichhörnchen beobachten, die in der Nähe von unserem Platz herumspazierten. Es war fast wie fernsehen.
Bis wir alles erledigt hatten, wie abwaschen, chemisches WC leeren und reinigen, Wasservorrat auftanken, duschen, usw. war es schon wieder fast Mittag. Die Zeit verrinnt extrem schnell, wenn man so unterwegs ist. Als Charly zahlen ging, verriet der Mann vom Campingplatz, dass man Giraffen vom Etosha N.P. hier her ausgewildert hat, da es hier keine mehr gab. Ausserdem wusste der Mann, dass vor 2 Monaten ein Elefant erschossen werden musste, da dieser mit Vorliebe Dachzelte auf den Autos zertrümmert hatte und ausserdem als recht aggressiv galt. Ja, mit diesen Riesen ist nicht zu spassen.
Wir verliessen diesen wundervollen Ort und fuhren ins Dorf Purros. Ein beeindruckendes Bergpanorama im Rücken veranlasste uns jedoch nochmals zu einen kurzen Fotostopp.
Das Dorf Purros ist eine Ansammlung von erbärmlichen Hütten und wir fragten eine der Herofrauen, die auf dem Boden sassen und quatschten, wo denn der Bottle Store wäre. Unser Biervorrat ging nämlich zur Neige. Sie zeigten auf das einzige Steinhaus, vor dem auch das einzige Auto parkiert war. Esel sind hier weiter verbreitet als Autos. Die Dose Bier war im Preis dann auch den entfernten Kilometern zur nächsten Stadt angepasst. Die Leute waren freundlich und hilfsbereit. Sie erklärten uns den Einstieg zur Piste nach Amspoort. Wir fuhren das Flussbett entlang und folgten dann den Fahrspuren. Wir hatten zuerst den Eindruck in die falsche Richtung zu fahren, doch führten die Spuren nur um den Berg herum. Zwischen den Felsen hatte sich der Wasserlauf einen Durchgang gegraben, welchen wir nur nutzen konnten. Bei der öden Schönheit der Landschaft gab es unterwegs natürlich auch ein paar Fotostopps. Leider mussten wir dabei feststellen, dass unser grosser Ersatztank nun erheblich tropfte. Zwischen unseren Reifenspuren waren deutlich dicke Dieselspuren ersichtlich. Wir waren verärgert. Immer diese Probleme mit den Ersatztanks, das darf doch wohl nicht wahr sein.
Wir fuhren noch ein Stück, dann legten wir eine Pause ein. Wir tankten soviel wir möglich aus dem Reserve-Tank in den Haupttank. Alles ging natürlich nicht rein. Ärgerlich, und dass wollen Profis sein! Der Tankbauer, Herr Sattler, von Outback aus München können wir nicht weiter empfehlen!
Die Landschaft war nun eher etwas monoton, doch die vielen fliehenden Oryx-Antilopen, Springböcke und Strausse entschädigten dafür. Weitentfernt sahen wir ein Rudel Schakale, Hyänen oder Wildhunde, leider war es undefinierbar was es war, da sie zu weit weg waren. Meiner Meinung nach waren die Tiere aber etwas zu gross für Schakale.
Später durchfuhren wir wieder bergige, karge Landschaft. Die hellgelben Sanddünen schmiegten sich an die dunklen Felsen. Die Piste war manchmal etwas weichsandig, doch für ein Allradfahrzeug kein Problem.
Ein schöner Baum in Mitten der bizarren Landschaft veranlasste uns dort zu übernachten. Es war noch gar nicht so spät und ich hatte etwas Bewegungsdrang, also ging ich etwas spazieren. Charly bewachte so lange das Auto. Da in dieser wüstenhaften Gebirgslandschaft mit Schlangen zu rechnen war, hatte ich mir vorsichtshalber zwei Steine mitgenommen. Die aber brauchte ich gar nicht, denn ich habe kein einziges Tier unterwegs angetroffen. Statt dessen traf man überall auf trockene, alte Elefantenhaufen. Die Landschaft war offen und ich hätte schon von weitem einen Elefanten erkennen können.
Wir machten uns einen gemütlichen Abend im Snoopy, während draussen im Geäst die Raben noch herumturnten.
Die Nacht war bitter kalt gewesen. Wir mussten erst einmal die Standheizung laufen lassen, nachdem wir das Bett zerlegt hatten. Der Himmel war bewölkt und so zog es uns nicht sonderlich nach draussen. Wir schmökerten gemütlich in ein paar alten Zeitungen, bis sich die Sonne blicken liess. Nach einem kurzen Frühstück sind wir dann wieder aufgebrochen. Wir fuhren die restlichen 4 km nach Amspoort, welches aber zu unserem Erstaunen gar kein Ort war. Dort gabelt sich der Weg. Einer führte weiter zum Skeleton Coast N.P. und der andere durch das trockene Flussbett vom Hoanib. Unser Weg führte uns zum Flussbett. Die Felsen entlang des Flussbettes waren eng, gut führten die Spuren oberhalb des Ufers weiter. Erst etwas später lenkten die Spuren ins Flussbett. Viele grüne Bäume und Sträucher standen im Flussbett. Viele Elefantenhaufen, aber nur wenig Tiere. Später trafen wir dann aber massenweise auf Tiere. Wir haben noch nie in unserem Leben so viele Oryx an einem Ort gesehen und dann auch noch mit Kälbern. Einige flohen, sobald sie uns kommen sahen. Andere blieben. Sehr zu unserem Erstaunen trafen wir auch auf eine grössere Population Giraffen. Die gemächlich am Flussbettrand standen und genüsslich mit ihren langen, spitzen Zungen die kleinen Blätter von den dornigen Bäumen stibitzten. Auch Jungtiere waren zu sehen. Was für elegante Tiere!
Natürlich trafen wir auch viele Springböcke an, die teilweise hohe Sprünge vollzogen bei ihrer rasanten Flucht. Dabei sind wir doch gar nicht so gefährlich.
Wir haben auch einige Paviane über die Felsen springen sehen. Die Kleinen waren wieder die frechsten. Ein Pavianbaby ritt auf Mama spazieren und schaute interessiert in die Runde. Quasi, was könnte ich heute alles anstellen?
Wir waren schon eine ganze Weile gefahren, doch Elefanten hatten wir keine gesehen. Dabei lagen überall vielen Elefantenhaufen es müsste massenweise Elefanten geben. Aber wo, hinter welchem Gebüsch. Es war alles sehr grün, da es kürzlich erst geregnet hatte.
Wir sahen eine Tränke für die Tiere und fuhren hin. Auch hier nur Haufen, aber kein Elefant. Wir fuhren weiter und dann dauerte es nicht mehr lange, bis wir einen Elefanten unter einem grossen Baum stehen sahen. Anfangs liess sich das Tier die Beobachtung noch gleichgültig gefallen, doch wurde es ihm wohl mit der Zeit zu lästig. Dauernd diese Paparazzis. ;-)
Wenig später begegnete uns eine Herde Giraffen, die gewandt mit ihren langen Zungen die Blätter abzupften. Ab und zu sahen sie argwöhnisch zu uns herüber.
Später trafen wir immer wieder auf Elefanten. Sogar eine Mama mit einem kleinem Baby sahen wir. Es versteckte sich zuerst unsicher hinter Mama, dann wurde es aber doch vom Hunger übermannt und saugte gierig an ihrer Brust. Die Mama hatte inzwischen von uns die Schnauze voll und zeigte uns eindeutig, dass wir sie in Ruhe lassen sollen. Das kleine Baby war nun auch super mutig, denn es stellte die Ohren und die Nase nach vorne und kam drohend auf uns zu gerannt, blieb dabei aber immer dicht bei Mama. Wir fuhren weiter, denn es war besser rechtzeitig abzufahren bei diesem weichen, tiefen Sand. Ausserdem hatten wir keine Lust uns in einer Panikaktion festzufahren, da das Muttertier aussah, als ob sie es erst meinte.
Eine grosse Kolonie Strausse begegnete uns, während wir uns durch den Sand wühlten.
Später auf einem Felsen turnten wieder zahlreiche Paviane herum.
Zwei junge Elefanten-Bullen zogen durch die Gegend und liessen sich beim Fressen nicht aus der Ruhe bringen. Später trafen wir auf einen weiteren Elefanten-Bullen, welcher einen Sender um den Hals hatte. Wir kamen gar nicht mehr nach, so viele Elefanten gab es plötzlich. Die Oryx-Antilopen fühlten sich sehr sicher in der Nähe der Dickhäuter, denn hier flohen sie nicht vor uns.
Die Fahrt hierher hatte sich definitiv gelohnt. So viele Wildtiere wie hier hatten wir in ganz Namibia nicht gesehen.
Wir fuhren durch eine enge Felspassage und folgten noch etwas dem Flusslauf. Wieder trafen wir auf einen ausgewachsenen Elefanten-Bullen. Dieser hatte mit seinem Rüssel ein Loch in das trockene Flussbett gebohrt und siehe da, es sprudelte Wasser. Gierig trank er das Wasser. Wir mussten warten, denn das Wasserloch hatte er direkt neben der Piste gebohrt. Danach lief das Tier gemächlich zum Baum und naschte von den Blättern. Der Weg war nun frei und wir konnten noch etwas dem Flussbett folgen. Bald kehrten wir aber um, da es schon wieder Zeit war ein Nachtlager zu suchen.
Wir bogen in das Ganamub Flussbett ab und fanden bald darauf ein von Felsen geschütztes Fleckchen für uns. Durch die Abendsonne leuchteten die Farben der umliegenden Berge intensiv. Wir setzten uns auf einen niedrigen Felsen, schauten dem Naturschauspiel zu und tranken dabei ein Bier.
Charly lief etwas herum. Ich wollte währenddessen die letzten Sonnenstrahlen auf dem Felsen geniessen und legte mich auf den Felsen. Ich zog mein T-Shirt nach oben und spürte die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Bauch. Nach einer Weile hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es Zeit ist zum Aufstehen. Tatsächlich war es höchste Zeit gewesen, denn ein grosser, schwarzer Skorpion hatte sich schon ganz nah an mich herangeschlichen. Sein Stachel war schön ein gerollt und er marschierte geradewegs auf mich zu. Ich rief Charly, damit er die Kamera holen konnte. Der Skorpion stellte drohend seinen Stachel in Position und wollte fliehen. Wir verfolgten ihn aber mit unseren Kameras.
Später nahm Charly einen grossen Ast und brachte das Tier zu einem weit entfernten Ort. Der Skorpion rannte dabei aufgeregt immer den Ast rauf und runter. Charly musste den Ast öfters kehren. Schlussendlich flog der Skorpion mit samt dem Ast in ein Gebüsch. Er war zu gefährlich geworden. Charly spottete, dass der Skorpion wohl beim Anblick meines Busens spitz geworden war. Dieser Spruch war wieder einmal typisch für Charly!
Die Nacht war ganz ruhig gewesen und wir genossen die unendliche Stille auch noch am Morgen. Da wir am Vortag so schöne Erlebnisse gehabt hatten, beschlossen wir nach dem Frühstück nochmals ins Hoanib Flussbett zu fahren. Kaum hatten wir die enge Felspassage hinter uns gebracht, sahen wir auch schon die ersten Springböcke und Oryx-Antilopen. Wir mussten gar nicht weit fahren, da trafen wir auf eine kleine Elefantengruppe mit Jungtier und Baby. Sie fühlten sich anfangs nicht durch uns belästigt, da wir genügend Distanz gelassen hatten. Irgendwann war es ihnen dann aber doch zu lästig und sie verzogen sich ins Gebüsch. Wenig später trafen wir auf zwei junge Elefanten-Bullen und konnten beobachten, wie sie auf ihrer Wanderung unter den Bäumen nach Früchten suchten und diese mit ihrem Rüssel auflasen. Sie liessen sich nicht durch unsere Anwesenheit beeindrucken. Wir folgten ihnen einwenig. Schliesslich drehten wir um und machten noch ein paar Fotos von den Oryx-Kälbern. Anfänglicher waren die Tiere noch Scheu, doch dann störten wir die Tiere nicht mehr. Bei den Kälbern hatten wir den Eindruck, als wenn sie in einem Kindergarten für Oryx-Antilopen wären. Von Zeit zu Zeit wurde der eine oder andere Zögling von einem erwachsenen Tier zurechtgewiesen. Respektvoll wichen die Jungen aus.
Auf unserem weiteren Weg begegneten wir wieder der Elefanten-Mama mit dem Jungtier und dem Baby. Das Baby war wohl erst einige Wochen alt. Es lag nun am Boden und schlief. Wir verhielten uns ganz still und achteten darauf, dass unsere Bewegungen langsam waren. Die Elefanten-Kuh stand mit dem Hintern zu uns. Wir machten ein paar Aufnahmen. Durch die Klickgeräusche der Kamera war sie aber bald beunruhigt und sie drehte sich um. Sie stellte drohend die Ohren, wagte aber nicht die Stelle zu verlassen. Das Baby schlief unterdessen tief und fest. Es war durch uns nicht geweckt worden. Das Jungtier kam kämpferisch auf uns zu. Die Nase nach oben und die Ohren nach vorne gestellt. Bei dem kurzen, rassigen Scheinangriff hatte Charly schon den Schlüssel im Zündschloss drehen wollen, da hatte sich der junge Wichtigtuer auch schon wieder beruhigt. Er drehte sich um und liess sich neben seinem Geschwisterchen nieder. Innerhalb kürzester Zeit lag er mit ausgestrecktem Rüssel und angezogenen Beinen auf dem Boden und schlief. Mama bewachte ihre beiden Jungen und wich keinen Zentimeter vom Fleck. Auch sie war müde und blinzelte verräterisch mit den Augen, doch dann war sie plötzlich wieder voll da und sah uns argwöhnisch an.
Wir beobachteten die Tiere und blieben mucksmäuschenstill im Auto sitzen. Wir wollten die Tiere nicht aufschrecken, in dem wir den Motor starteten. Plötzlich hatte das Baby genug und stand auf. Wichtig schlenkerte es mit seinem Mini-Rüssel herum und wollte sich aus lauter Übermut auf seinen grösseren Bruder setzen. Dieser war aber muffig und schob den Kleinen ungehalten von sich. Gut dann halt nicht, dachte wohl der Kleine und studierte weiter wozu er eigentlich so einen Rüssel hatte. Wie ein kleines Kind, konnte er die Bewegungen noch nicht so richtig koordinieren. Es war lustig ihm zu zusehen. Wenig später erhob sich der grössere Bruder dann doch noch und Mama wollte schon weiter ziehen, da legte sich der Kleine nochmals hin. Die Mama war gar nicht glücklich darüber und gab dem Kleinen einen Klaps, dass er aufstehen soll. Brav folgte er ihrer Anweisung. Soviel Wachsamkeit machte Hunger und die Mutter riss mit dem Rüssel die Blätter vom Baum. Dabei legte sie den Rüssel um den Ast und liess diesen durch das Rüsselloch gleiten. Die Blätter blieben dabei beim Rüssel hängen und sie hatte einen ganzen Büschel Blätter zum Verschlingen.
Wir rissen uns von dem schönen Erlebnis los und fuhren weiter. Zurück durch die enge Felspassage und folgten dann dem Ganamub Flussbett. Es gab nun weniger Tiere. Wir begegneten nur noch Oryx und Springböcken, unseren treuen Freunden. Zwei Muttertiere standen mit ihrem noch sehr jungen Nachwuchs hinter ein paar Büschen. Als wir mit unserem Auto heranfuhren, schreckten sie auf. Das eine Kalb rannte zuerst auf die andere Pistenseite, während der Rest auf der gleichen Seite blieb. In Panik rannte es in einem halsbrecherischen Tempo mit seinen schlaksigen Beinchen zurück. Wenig später rannte der Rest über die Piste, während das Junge wieder den Anschluss verpasste. Es rannte eine ganze Zeit lang an der Pistenseite entlang. Wir behielten Abstand, damit es nicht noch mehr in Panik geriet. Endlich schaffte es auch dieses Tier über die Piste und war bald wieder mit dem Rest der Herde vereint.
Viel zu früh stiessen wir auf die ersten Kühe und damit wieder auf Menschen. Die Kinder rannten auf die Strasse und wollten Geschenke bzw. Geld. Wir fühlten uns kurz wieder nach Westafrika zurückversetzt. Die Gegend hier wird in keiner Art und Weise von der Regierung unterstützt, weshalb die Leute in bitterer Armut leben. Dürftige Lehmhütten am Weg und die spärliche, zerrissene Bekleidung bezeugten dieses. Wir hatten das Flussbett nun verlassen und folgten der Piste D3707 nach Sesfontein. Ein trostloses Städtchen, ohne nennenswerten Supermarkt, aber mit Bar und Bottle Store. Wir fuhren weiter nach Warmbad, wo wir nach dem Camping Ongongo fragten. Fast jedes Kind zeigte in eine andere Richtung. Wir fuhren deshalb zu einem Teenager-Mädchen und fragten diese nochmals. Sie lehnte sich so gleich kokett in unser Fenster und blickte sich neugierig um, gab uns aber die korrekte Richtung an. Wir folgten der schlechten Piste. Unterwegs begegneten wir einem kleinen abgemagerten Hund. Charly hielt an und kraulte das dünne Tier. Ich wollte schon eine Leberpastete spendieren, doch Charly war dagegen. Ne, ne sagte er, denn er befürchtete schon, dass ich den kleinen, schwarzen Kerl mitnehmen wollte.
Wir kamen schliesslich beim Camping Platz an und fanden, dass er etwas schäbig aussah. Ein Mann kam und klärte uns auf, dass der Camping Platz unten im Flussbett sei. Wir folgten ihm und mussten eine kurze, sehr steile Piste hinunterfahren. Danach ging es über grobes Gestein und Felsen über den Bach. Die Löcher waren tief im Bach und die Felsen glitschig. Es war gar nicht so einfach hinüber zu kommen. Nachdem uns der Motor bei einem glitschigen, steilen Felsbrocken ausgegangen war, hatten wir es dann doch geschafft.
Die Plätze waren nicht sehr gross und oft uneben. Der Platz Nr. 4 erschien uns als geeignet und wir stellten Snoopy da hin. Der Campingwärter zeigte uns die kleinen Strohhütten, wo Dusche und WC untergebracht waren. Danach wies er uns den Weg zum kleinen See. Ein Wasserfall stürzte die Felsen herab und bildete einen kleinen See. Die Felsen bildeten dabei teilweise eine Grotte über den See. Was für ein herrliches Plätzchen und dass mitten in der Wüste. Freudig marschierte ich zurück und zog gleich meinen Bikini an. Charly begleitete mich zum See, gerüstet mit Bier und Erdnüssen. Ich schwamm mehrmals zum Wasserfall und zurück. Kaulquappen und Käfer waren auch im Wasser, was mich aber wenig störte. Die Felsen in der Grotte waren glitschig. Ich blieb im Wasser und planschte bis es dunkel wurde. Charly sass auf den Felsen gegenüber und beobachtete die Maskenwebervögel. Gelbe Vögel mit schwarzem Gesicht. Sie waren beim Brüten. Sie hatten kleine Kugeln aus Gras geschaffen und diese an die hohen, gelben Schilfhalme befestigt. Ein Weibchen sass im Bau, während das Männchen immer wieder nervös hin und her flog. Er war voll aufgeregt und zitterte, wenn sie ihn wieder weggeschickt hatte. Ob ihr sein Häuschen gefällt? Hartes Leben!
Später kochten wir unser Abendessen und lauschten den Fröschen, die lauthals quakten.
Die Nacht war angenehm frisch und ruhig gewesen, nachdem die Frösche ihr Konzert eingestellt hatten. Wir machten uns ein gutes Frühstück und beschlossen an diesem idyllischen Ort nochmals einen Tag zu verbringen.
Aber wie es so schön heisst, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Der Kühlschrank musste wieder einmal ausgewaschen werden und es gab noch etwas zum Einräumen, dann wollten wir wieder zum See und relaxen. Wir hatten gerade alle unsere Arbeiten beendet, als wir Motorenlärm hörten. Tatsächlich kamen 3 Allradfahrzeuge. Diese quälten sich auch über das Flussbett. Einer blieb stecken und die anderen lachten ihn aus. Sie hatten schon eine Flasche Bier in der Hand und marschierten an uns vorbei. Wenig später kamen sie zurück und der mit dem Land Rover fuhr über den steilen Felsen direkt zum Wasser. Er kratzte sich den ganzen Boden auf. Doof! Ein anderer fuhr mit dem Auto am Flussbett entlang um den Felsen herum. Somit hatten sie den Zugang zum See für sich ganz allein. Ein Mann entschuldigte sich schon im Voraus für den Lärm den sie machen würden. Jedes Fahrzeug hatte einen Kasten Bier dabei. Wir konnten uns ausrechnen wie es in wenigen Stunden zu und her gehen würde. Mit der Stille und der Idylle war es vorbei. Die weissen Namibianer nahmen keine Rücksicht. Uns hat es voll angeschissen, also entschieden wir uns weiter zu fahren. Wir packten sogleich unsere Sachen und fuhren ab.
Wir fuhren wieder über Palmwag in Richtung Kamanjab. Die C40 führte uns wieder über den Grootberg Pass. Wieder waren wir von der schönen Landschaft begeistert.
Ungefähr 20 km vor Kamanjab hätten wir beinahe eine Giraffe über den Haufen gefahren. Sie war nach einer Kurve hinter einem Baum und Büschen gestanden. Wir haben das grosse Tier nicht gesehen. Aufgestreckt galoppierte es vor uns her und Charly wusste gar nicht so recht, wie er Snoopy so schnell zum Stehen bringen konnte. Die Steinchen auf der Schotterpiste waren nämlich ziemlich rutschig. Die Giraffe sprang in die Büsche und blieb stehen. Neugierig und verdutzt waren die Blicke des Tieres. Wir bestaunten das stattliche Tier und waren froh, dass wir wieder einmal Glück gehabt hatten.
Von Kamanjab bis Outjo fuhren wir wieder auf der langweiligen, schnurgeraden Teerstrasse. Die einzige Abwechslung waren die Warzenschweine, die aufgeschreckt mit steil aufgestrecktem Schwanz davon rannten und unter die Zäune durchkrochen.
Es war bereits später Nachmittag als wir in Outjo ankamen. Wir fuhren aber nicht in die Stadt, sondern suchten nördlich davon auf einer kleinen Piste eine Übernachtungsmöglichkeit. Es war schwierig etwas geeignetes zu finden. Links und rechts war alles eingezäunt. Wir stellten uns schliesslich einfach an den Pistenrand und campierten dort. Den ganzen Abend kamen ganze drei Autos vorbei.
Gegen 7 Uhr waren wir wach und machten uns wieder startklar. Als wir uns gerade ins Auto setzen wollten, kam ein Pick-up vorbei. Weisse Farmer fragten uns, ob wir Hilfe benötigen würden. Dankend lehnten wir ab. Wenig später machten wir uns auf den Weg ins Städtchen Outjo. Im Café gab es auch ein Internet Café, doch zuerst verwöhnten wir uns mit Kaffee und Kuchen. Der Internetanschluss war wieder einmal quälend langsam. Wir konnten gerade eben einmal unsere Mails anschauen und checken wo Rüdiger und Gisi waren. Keine Nachricht von ihnen, komisch, die müssten doch nun auch bald in Namibia ankommen.
Anschliessend gingen wir im Supermarkt Okay einkaufen. Vorrat für den Aufenthalt im Etosha National Park. Das Fleisch war nicht besonders, eher sehr fettig und machte uns wenig an. Wir wollten nach einer Metzgerei suchen und noch die anderen zwei Supermärkte inspizieren. Die anderen Supermärkte waren leider sehr spärlich bestückt und eine Metzgerei war nicht zu finden. Wir fragten deshalb im Touristenbüro nach, wo man das beste Fleisch in der Stadt kaufen könnte. Im Okay-Supermarkt, war die Antwort, man muss nur etwas beharrlich nachfragen. So fuhren wir zurück zum Supermarkt und tatsächlich hatten sie super gutes Fleisch im Lager. Ich kaufte Steaks und für Charly sogar ein T-Bone-Steak. Nun konnten wir in den Etosha N.P. fahren.
Wir machten uns auch sogleich auf den Weg. Nach einer Stunde waren wir am Anderson Gate. Wir meldeten uns an. Der Eintritt kostete 80 N$ pro Person und 10 N$ für das Fahrzeug. Als wir aber die Campingplatz-Gebühr sahen traf uns fast der Schlag. 240 N$ (ca. 50 CHF) für die Nacht bis max. 8 Personen. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Wie wir später erfuhren, waren die Preise Anfang Juli 2005 drastisch angehoben worden. Wir hatten den Eindruck, die wollen die Touristen verkraulen.
Wir beschlossen bei diesen Preisen max. 1 Nacht statt 3 Nächte zu bleiben und nahmen den Laufzettel entgegen. Mit einigen Umwegen fuhren wir zum Okaukuejo Camp. Dort mussten wir uns registrieren lassen, den Campingplatz und den Eintritt bezahlen. Wir waren gerade am buchen, als uns von hinten Lucas ansprach. Der Italiener, den wir schon in Windhoek getroffen hatten. Er war mit seinem LKW unterwegs und wollte nun auch wie wir mit seiner Freundin Sameena sowie zwei weiteren Freunden aus Deutschland auf dem Campingplatz übernachten. Wir sagten nun, dass wir den Platz teilen wollten. Doch das wollte man uns nicht gestatten. Sie hätten unserem Gespräch zu gehört und wir wären keine Freunde. Lucas war ziemlich sauer und auch wir redeten auf die Dame ein. Nein das geht nicht. Wieso nicht? 8 Personen sind doch erlaubt pro Platz. Abzocke - mal wieder! Man wollte uns nicht die Möglichkeit zu einer verbilligten Nacht lassen. Wir liessen nicht locker und redeten auf die hübsche, schwarze Lady ein. Schlussendlich hatten wir doch noch Erfolg. Widerwillig liess man uns gemeinsam auf einen Platz übernachten und wir konnten uns die Kosten teilen.
Wir fuhren auf den Campingplatz um etwas zu essen und um einen guten Platz zu reservieren. Wir fanden unter einem grossen Baum einen schattigen Platz. Auch viele Webervögel hatten diesen Ort als perfektes Nestbaugebiet deklarierte. Im Baum waren drei riesige Nester voller Webervögel. Wir stellten Snoopy direkt darunter. Drei Webervögel sassen auf einem Ast daneben und schnauzten Charly an, was ihm da einfällt.
Lucas und seine Freunde blieben für den Lunch auf dem Parkplatz, wegen des schattigen Platzes. Nicht so einfach für so einen grossen LKW genügend Schatten zu finden.
Später kamen sie aber nach und waren mit unserer Wahl einverstanden. So wollten wir Tische und Stühle herunterholen. Wie Charly auf dem Autodach war, um den Tisch herunter zu holen, fragte Sameena, ob er denn keine Angst hätte. Angst, fragte Charly wieso. Sie erklärte Charly, dass es gerne Schlangen, insbesondere Speikobras, in den Nestern von Webervögeln gäbe. Charly liess sich nichts anmerken, aber unwohl wurde es ihm bei dem Gedanken doch.
Bald darauf fuhren sie schon wieder ab, während wir noch etwas aufräumten. Da trafen wir auf ein junges Pärchen aus der Schweiz, genauer aus dem Rheintal. Wir mussten wieder einmal unsere Route und von unseren Erlebnissen erzählen. Es verging ein Weilchen, bis wir endlich wieder los kamen. Lucas hatte uns empfohlen zu der Okondeka Wasserstelle zu fahren, da es dort ganz sicher Löwen geben sollte. Auf unserem Weg dorthin, wurden wir von einer grossen Herde Springböcke aufgehalten, die sich im Schatten eines Baumes mitten auf der Piste bequem gemacht hatten. Die Tiere waren überhaupt nicht scheu und machten nur zögerlich Platz. Rechts von uns waren noch zwei Oryx-Mütter im Busch und ein kleines Kalb lag direkt neben der Strasse. In Kaokoveld waren die Tiere teilweise in wilder Panik vor uns davon gelaufen, doch hier konnte man ihnen fast über den Schwanz fahren. Wenig später beobachteten wir wie Geier, Raben und Marabus die Reste von einem Zebra verspeisten. Das Tier war offensichtlich die vorherige Nacht von Löwen gerissen worden.
Wir fuhren weiter zur Okondeka Wasserstelle. Dabei kam uns Lucas wieder entgegen. Sie stoppten kurz und erklärten uns, unter welchen Büschen und Bäumen sie die Löwen gesehen hatten. Tatsächlich fanden wir die Löwen an gleicher Stelle. Faul lagen sie auf dem Rücken und schnarchten vor sich hin. Leider waren sie ziemlich weit weg und wir konnten keine Bilder von den Katzen machen. An der Wasserstelle selber befanden sich nur ein paar wenige Zebras, Oryx-Antilopen und Springböcke. Anschliessend wollten wir über Adamax zurück nach Okaukuejo fahren, doch war dieser Weg leider gesperrt. So fuhren wir ein Stück zurück und dann über Leeubron. Unterwegs sahen wir so gut wie keine Tiere.
Wir beschlossen bei Gemsbokvlakte unser Glück zu versuchen, da wir dort vor 4 Jahren schon mal Glück gehabt hatten und einige Löwen beobachten konnten. Leider waren ausser einigen Zebras und einem Schakal keine Tiere zu sehen. Weiter fuhren wir zur Olifantsbad Wasserstelle, wo man angeblich garantiert Elefanten sehen würde. Leider hatten wir auch hier kein Glück. Ein paar wenige Kuhantilopen und Zebras, kein Elefant und kein Löwe liess sich blicken. Über Aus fuhren wir nach Ondongab und weiter nach Homob, wo es angeblich auch Löwen geben sollte. Wieder hatten wir kein Glück. Wir sahen ein paar Giraffen in einiger Entfernung und damit hatte es sich auch schon. Im Buch war noch die vertrocknete Wasserstelle Charitsaub erwähnt, wo man eventuell Geparden sehen könnte. Nun, da war gar kein Tier zu sehen. Enttäuscht fuhren wir zurück in Richtung Okaukuejo. Unterwegs hatten wir dann aber doch noch Glück, denn wir sahen eine Löwen-Dame, die sich gerade ihren Speisezettel für den Abend betrachtete. Etwas entfernt von ihr zogen nämlich einige Springböcke vorbei, welche sie aufmerksam musterte.
Kurz von 19 Uhr waren wir zurück im Camp. Sogleich machten wir uns auf den Weg zur Wasserstelle von Okaukuejo. Dort tummelte sich gerade eine ganze Elefantenherde. Die Kleinen spielten miteinander oder waren dicht bei Mama. Es war ein herrlicher Anblick und wir konnte neben all den anderen Touristen das Spektakel geniessen. Ein Elefanten-Bulle begann eine Elefanten-Dame besonders attraktiv zu finden und legte leger seinen Rüssel auf ihren Rücken. Sie duldete diese Anmache und er wurde etwas dreister. Typisch Mann, ging er dann auf Ganze. Erst zierte sie sich noch etwas und verliess die Herde. Doch so leicht liess sich der Casanova nicht abwimmeln. Sie blieb tatsächlich stehen und er packte seinen zweiten langen Rüssel aus und bestieg die Dame. Eine ältere Französin neben uns rief erfreut: „Oh la la“, was zu einem allgemeinen Schmunzeln führte. Es war eine schwergewichtige Angelegenheit und nur von sehr kurzer Dauer. Charly machte von der Aktion ein paar Bilder und ich drehte einen Elefanten-Porno ;-)
Die Elefanten liessen sich viel Zeit am Wasserloch, während sich die anderen durstigen Tiere in einiger Entfernung gedulden mussten. Sie tranken gierig, bespritzten sich mit Wasser und anschliessend mit Staub. Ein Elefanten-Bulle sonderte sich von der Gruppe ab und kam zu unserer Steinmauer. Er zupfte zwischen den gespannten Drähten auf seiner Seite die leckeren Grassbüschel raus. Er trat dabei auf die Drähte, damit er noch näher heran kam. Bei uns war er dann definitiv zu nah. Er war keine Rüssellänge von uns entfernt, so nahe hatten wir noch keinen wilden Elefanten erlebt. Als er noch näher kam, wurde es uns mulmig und wir flüchteten über die Sitzbank. Wenig später trottete er wieder zurück zu seiner Herde.
Die Elefanten verliessen langsam das Wasserloch und andere Tiere konnten endlich auch ans Wasser kommen. Giraffen und auch ein Nashorn waren bald darauf am Wasserloch. Die Giraffen schauten sich wachsam um, bevor sie ihre langen Beine spreizten und tranken. So lange Beine können auch hinderlich sein. Das Nashorn nahm es gemütlich und legte sich sogar hin, nachdem es genug Wasser getrunken hatte.
Wir liefen zurück zum Campingplatz. Lucas, Sameena, Reinhart und Inge waren nun auch da. Sie machten ein Feuer und kochten Nudeln mit Carbonara-Sauce. Sie luden uns zum Essen ein, welches wir dankbar annahmen. Sameena spendierte uns sogar ein Stück feinen Parmesankäse. Lecker! Schon lange hatten wir keinen anständigen Hartkäse mehr gehabt. Inge und Reinhart hatten ihn von München mitgebracht. Wir spendierten zum Essen das Bier, respektive den Wein. Es war eine gemütliche Runde. Lucas erzählte von seinen Filmen, die er unterwegs auf seinen Reisen dreht. Er verkauft diese anschliessend an diverse Fernsehsender. Reich wird man dabei nicht, meinte er, aber so lange es Spass macht bleibt er dabei. Zusammen mit Reinhart wollte er einen Film über die Nomaden im Nordsudan drehen, sie waren dafür sogar nach Dafur gereist, doch war es im Moment zu schwierig dort zu drehen. Man muss sich schon etwas Besonderes einfallen lassen, wenn man was verkaufen will. Der Markt sei so übersättigt und National Geographics überschwemmt den Markt mit günstigen Filmpaketen, sagte Lucas.
Bevor wir ins Bett gingen, zog es uns nochmals zum Wasserloch. Diesmal waren vier Nashörner da, eine Giraffe und ein Löwe. Die meisten Tiere hatten wir hier beim Wasserloch gesehen und wir fragten uns, wieso wir am Nachmittag eigentlich so weit gefahren waren.
In der Nacht hörten wir in der Nähe die Löwen brüllen, ein schauerlich, schönes Erlebnis.
Ich war schon früh auf, denn kurz vor Sonnenaufgang haben wieder die Löwen gebrüllt. In der Hoffnung ein paar der Miezekatzen am Wasserloch beobachten zu können, stand ich gleich auf. Leider wurde ich enttäuscht, kein einziger Löwe war zu sehen, man konnte sie nur hören. Weit weg waren sie aber nicht!
Ich traf auf Inge, die schon geduscht hatte und mich fragte, ob ich mehr Glück gehabt hatte als sie. Leider nicht, war meine Antwort und ging anschliessend ebenfalls duschen. Die Sanitären-Anlagen waren nicht besonders. Der Preis war zwar drastisch erhöht worden, doch die Einrichtungen waren noch genauso schlecht wie vor 4 Jahren. In der Dusche lief das Wasser nicht ab, bei einer WC-Tür war das Schloss verbogen, so dass man nicht mehr schliessen konnte und auch ganz allgemein war der Putz schon ziemlich ab. Schade!
Nun war es schon 7 Uhr und so langsam kamen auch die anderen aus dem Nest gekrabbelt. Wir machten Frühstück und sassen gerade alle am Tisch, als ein Toyota-Landcruiser aus Belgien auf uns zu kam. Die waren uns schon am Vortag begegnet. Sie fragten uns, ob wir die von 4x4expedition wären, und dass sie unseren Spuren gefolgt waren. Sie erzählten weiter, dass sie nur 4 Monate von Belgien nach Namibia gebraucht hatten. Sie hatten sich 3 Land Rovern angeschlossen, welche innerhalb von 4 Monaten bis nach Kapstadt fahren wollten. Die Landi-Fahrer hatten Freunde in Nigeria / Lagos und dadurch wurden auch sie von diesen in deren Super-Luxus-Villa freundschaftlich aufgenommen. Nun ja, wir waren froh, dass wir uns mehr Zeit gelassen hatten und fragten uns, was sie eigentlich bei dieser rasanten Fahrt überhaupt von Afrika gesehen hatten. Sie erzählten auch, dass sie bis zum Fenster im Matsch gesessen hatten, da zwischen Nigeria und Kamerun in der Regenzeit die Strassen extrem schlecht waren.
Später fuhren sie wieder ab, während wir gemütlich den Kaffeetisch abräumten.
Lucas und seine Freunde waren auch schon wieder am packen und bald wieder bereit zur Abfahrt. Zum Abschied schenkten sie uns noch die überzähligen Strümpfe von ihrer Coleman Laterne. Super, die konnten wir gut gebrauchen.
Wir hatten gleich wieder neue Nachbarn erhalten. Petra und Herold stammten aus Holland und fragten, ob sie auf unseren Platz dürften, sobald wir abgereist wären. Da auch sie schon viel in der Welt herumgekommen waren, hatten wir eine sehr interessante Unterhaltung. Dazwischen hatten wir Besuch von einem Erdhörnchen bekommen, welches frech vor unseren Füssen nach Nahrung bettelte. Wer kann da schon nein sagen. Zuerst gab es etwas Brot und dann eine Mohrrübe. Diese war dann so lecker, dass das Tierchen die Möhre gar nicht mehr losliess. Es hielt die Möhre fest zwischen seinen Pfoten und nagte leidenschaftlich daran. Man konnte zuschauen, wie das Bäuchlein wuchs. Die Webervögel, die oben im Baum wohnten, wollten auch ihren Anteil an Brot.
Gemeinsam mit den Holländer liefen wir nochmals zur Wasserstelle und beobachteten ein paar Tiere, da es aber bereits fortgeschrittener Vormittag war, waren nur wenige Kudus, Zebras und massenweise Springböcke an der Tränke.
Wir verabschiedeten uns von den sympathischen Holländern und machten uns auf den Weg nach Halali. An den Wasserstellen dorthin haben wir nur wenige Zebras und Oryx gesehen. Alles schien wie ausgestorben. Die Wasserstellen Goas, Batia, Springbokfontein und Kalkheuwel waren ebenfalls eine Enttäuschung. Charly hatte langsam die Nase voll und wollte nur noch aus dem Park raus. Bei Namutoni fuhren wir weiter nach Norden zum Andoni Wasserloch. Auch hier sind wir unterwegs nur wenigen Tieren begegnet. Charly wollte schon gar kein Wasserloch mehr anfahren. Bei der Andoni-Tränke hatten wir aber dann doch noch Glück. Wir hatten das Gefühl, dass alle Tiere des Parks sich dort verabredet hatten, weil es hier so gut wie keinen Touristen gab. Massenweise Gnus, Zebras, Strausse, Springböcke und drei grosse Elefanten drängten sich um die Wasserstelle. Die Elefanten hatten natürlich wieder die längste Zeit das Wasserloch besetzt gehalten. Kein anderes Tier wagte es zu trinken. Nachdem der erste Dickhäuter die Tränke verlassen hatte, traute sich doch das eine oder andere durstige Zebra ans Wasserloch. Wir sind sicher einer Stunde dort gestanden und haben die Tiere beobachtet. Charly war aus unserer Dachluke auf Dach geklettert und konnte so ein paar gute Aufnahmen machen. Plötzlich bemerkten wir eine Unruhe in der Herde und wir beobachteten wie sich eine Löwin anschlich. Sie versteckte sich im hohen Gras und war mit ihrer Fellfarbe kaum mehr auszumachen. Ein Elefant trottete ganz nahe an ihr vorbei und erschreckt erhoben sich zwei Löwinnen aus dem Gras. Die andere hatten wir gar nicht bemerkt, wie sie sich angeschlichen hatte. Die Tiere am Wasserloch wagten wieder nicht zu trinken, zu gross war das Risiko dabei aufgefressen zu werden. Immer wieder brach ihr Fluchtinstinkt durch. Diffuses Licht durch den aufgewirbelten Staub liess die Herden kaum mehr erkennen. Wir warteten weiter, da wir glaubten, dass die Löwen bald losschlagen würden. Statt dessen gaben die Löwinnen bald ihre Deckung auf, legten sich faul auf den Rücken und dösten vor sich hin. Die Zeit drängte nun langsam, da wir bis 19 Uhr das Nehale Lya Mpingana Gate erreicht haben mussten. Das Gate war nicht weit von der Wasserstelle und wir schafften es problemlos mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages den Park zu verlassen.
Zuerst dachten wir, dass Gate wäre gar nicht besetzt und Charly wollte schon ungeduldig aussteigen, doch ich erinnerte ihn an die Löwen und widerwillig blieb er sitzen. Bald darauf kamen auch schon zwei Wärter, die das Tor von innen öffneten und nach einem letzten Check konnten wir auch durch das zweite Tor fahren.
Der Campingplatz sollte irgendwo in der Nähe des nächsten Dorfes sein, doch konnten wir keinen finden. Wir kamen schliesslich auf die Teerstrasse und folgten dieser in Richtung Tsumeb. Es wurde schon langsam dunkel und wir hatten immer noch kein geeignetes Plätzchen zum Übernachten gefunden. Wir fuhren in die Dunkelheit hinein und durch die langen geraden Strecken spiegelten sich die Scheinwerfer verwirrend in der Strasse.
Plötzlich kamen wir an eine Kontrollstelle. Wir mussten anhalten und wurden nach dem Führerschein gefragt. Charly gab diesen dem Polizisten. Der andere Mann wollte dann unser Auto untersuchen. Wieso - ist das der Zoll, war unsere Frage. Der Schwarze fing an wütend zu werden und wir wussten immer noch nicht, um was es überhaupt ging. Charly bestand darauf, dass er uns sagen soll was er überhaupt sucht. Der Polizist fasste Charly mehrmals am Arm an und wollte ihn aus dem Auto holen. Charly wurden nun auch sehr wütend, denn das mag er überhaupt nicht. Wir sollen da vorne rechts ran fahren, hiess es dann. Aber Charly wollte nicht, da sagte der Polizist, wenn wir nicht dahin fahren würde, gäbe er uns eine Strafe. Nach einigem zaudern gaben wir schliesslich nach und parkierte Snoopy weiter vorne auf dem Parkstreifen. Charly musste mitkommen, ich bewachte solang das Auto. Im Polizeirevier wurde er dann weiterhin befragt. Wie er heisst, wurde er gefragt, seine Antwort, das stehe doch auf dem Führerschein, machte den Polizisten noch wütender. Charly war es aber auch. Die Frage nach dem Wohnsitz führte dann zur weiteren Eskalation, denn wir haben in der Schweiz zur Zeit keine Adresse. Der Polizist glaubte ihm nicht und sagte, damit erhält er nochmals eine Strafe. Was er von Beruf sei, konnte Charly beantworten, doch die Frage nach dem momentanen Arbeitgeber war wiederum ein Problem, da er zur Zeit keinen hatte. Der Polizist fühlte sich verarscht und drohte wieder mit einer Strafe. Charly reklamierte und sagte, „I really feel me fucked in this office“ - dieses F-Wort kam ganz und gar nicht gut an. Die Polizisten drehten ihm später das Wort um und behaupteten, dass er „Fucking Police“ gesagt hätte. Was einen ziemlichen Unterschied ausmachte.
Ich war unterdessen beunruhigt, da Charly so lange nicht mehr zurück kam. Ich stieg aus und suchte nach ihm. Ich hatte schon ein Polizeiauto mit vergitterten Fenstern vorbei fahren sehen und fürchtete schon, dass man ihn inzwischen irgendwo eingebuchtet hatte. Die Polizistinnen sassen grinsend auf ihren Stühlen und als ich nach Charly fragte, lachten sie mich kurzerhand aus. Sie erklärten mir trotzdem den Weg. Als ich in der Amtsstube ankam, war ziemlich dicke Luft und Charly fuhr mich zornig an, was ich hier mache und dass ich sofort wieder zum Auto zurück soll. Ich wusste nun wenigstens, wo er war und dass er noch nicht im Knast gelandet war. Erleichtert marschierte ich zurück zum Auto.
Wenig später kam Charly mit der Polizei zurück zum Auto. Wieder fing die Diskussion an. Wir sagten, dass man unser Auto schon durchsuchen kann, aber das der Polizist die Schuhe ausziehen soll, da wir in der Kabine essen und schlafen. Dies machte die Polizisten noch wütender. Ein Polizist ziehe niemals im Dienst seine Schuhe aus und wir sagten dies nur, weil er schwarz sei. Nein war unsere Antwort, weil seine Schuhe dreckig seien. Es war ein richtiger Auflauf. Schliesslich sagten wir zu, dass er ins Auto könne. Dafür mussten wir die wenigen Meter aber wieder zurück fahren. Reine Schikane! Der Chef des Polizisten, welcher bereits in der Amtsstube mit Charly gestritten hatte, verlangte das auch unsere Tonne auf dem Dach und der Werkzeugkasten untersucht werden soll. Wir wussten immer noch nicht was die Typen eigentlich suchten. Der Polizist tat sich schwer mit seinen Kilos auf die Motorhaube zu steigen. Schnaufend schaute er rein und entdeckte, wie vorher schon von uns angekündigt, unsere dreckige Wäsche. Danach verliess er die Motorhaube wieder und stieg in die Wohnkabine ein. Er durchsuchte gleich unseren Kühlschrank. Sogleich sagte er, er habe es doch gewusst und nahm unser Fleisch aus dem Kühlschrank. Meine Antwort war kurz und bündig, nämlich das uns niemand danach gefragt hatte. Er wollte schon mit dem Fleisch freudestrahlend abmarschieren, da bestand Charly darauf, dass wir das Fleisch an Ort und Stelle braten durften. Wir hatten als der Polizist das Fleisch gefunden hatte, endlich ein Blatt Papier erhalten, worauf erklärt wurde, dass man ab diesem Checkpoint in Oshivelo kein Fleisch vom Norden Namibias in den Süden einführen dürfe. Toll, hätte man uns das nicht schon vorher sagen können? Wir vermuteten, dass sich die Bande unsere T-Bone-Steaks gerne aufgeteilt hätten. Eine andere Erklärung konnten wir für dieses Affentheater nicht finden.
Wir konnten unseren Snoopy vor dem Checkpoint auf einen Parkplatz stellen und fingen sofort an das Fleisch zu braten. Da es nun schon so spät war und wir von der Aufregung ganz müde geworden waren, wollten wir gleich dort übernachte. Zumal es noch das Problem mit dem Strafzettel gab. Dieser betrug 300 N$, welchen Charly aber nicht bezahlen wollte. Der Polizist meinte salopp, dass er die Strafe bezahlen soll, dann könne er auch weiterfahren. Charly verlangte den Chef. Der Typ in der Amtsstube hatte keine Uniform an und behauptete, er sei der Chef. Charly glaubte ihm nicht und sagte, dass er dann halt morgen einen Verantwortlichen suchen werde.
Das Fleisch war inzwischen von mir gebraten worden und man kontrollierte das Fleisch mit der Taschenlampe, ob es noch mehr blutig sei. Ungeduldig fragte ich den Typen, ob wir nun endlich essen könnten. Wir sassen eine ganze Weile mit unseren Steaks vor dem Auto und schauten dem Treiben an der Kontrollstelle zu. Kein anderes Fahrzeug wurde untersucht. Die schwarzen Fahrer wurden alle durch gewunken. Wir fühlten uns diskriminiert!
Wir wollten schon in unsere Wohnkabine verschwinden, als ein dicker Schwarzer kam und uns fragte, was denn los sei. Er hätte uns schon vor 1-2 Stunden hier gesehen, wieso wir denn immer noch hier seien. Wir erklärten kurz was los war und der Mann lud uns ein am folgenden Tag in seinem Büro die Sache zu klären. Er war offensichtlich ein höherer Beamter.
Die ganze Nacht konnten wir kein Auge zu tun, da diese Strecke stark von LKWs frequentiert wurde. Dauernd rumpelten die LKWs mit ihren Anhänger über die Speedbumps, sie liessen Druckluft ab und die quietschenden Bremsen taten ihr übriges hinzu.
Wir sind völlig gerädert und unausgeschlafen aufgestanden. Der dicke Beamte vom Vortag war noch nicht in seinem Büro, also haben wir etwas gelesen. Ein junger Polizist kam uns schliesslich holen. Der Chef sei nun da. Im Büro war dann neben dem Chef auch eine Polizistin. Sie sollte wohl als Zeugin fungieren. Wir erzählten dem Chef unser Problem vom Vorabend und er bestätigte uns, dass man uns zuerst hätte aufklären und fragen sollen. Nachdem wir mit unserer Geschichte fertig waren, holte er den Polizisten, mit welchem sich Charly so gestritten hatte. Dieser war völlig uneinsichtig und verbohrt. Wieder behauptete er, das Charly „Fucking Police“ gesagt hätte. Wir intervenierten und stellten klar, dass er das keinesfalls gesagt hätte. Zusätzlich wurde später der Chef der Veterinärstelle gerufen. Dieser klärte uns nun über den Sachverhalt auf und war sehr von oben herab. Der Chef und die Polizistin versuchten noch den beiden anderen etwas Einsicht abzuringen, doch leider vergebens. Der Chef meinte, was könne man tun, damit wir nicht mehr „unhappy“ sprich unglücklich wären. Wir erklärten, dass wir den Strafzettel nicht bezahlen wollen. Dies war aber ein Problem, denn ein ausgestellter Strafzettel kann nur von einem Gericht für ungültig erklärt werden. Wir fragten, wo denn das sei. Der Chef telefonierte daraufhin mit der Richterin in Tsumeb. Wir beschlossen auf jeden Fall dorthin zu gehen und zu reklamieren. Dem Chef war dies ganz und gar nicht recht. Trotzdem sollte uns eine Polizeieskorte zum Gericht in Tsumeb begleiten. Angeblich damit wir den Weg finden. Die Polizistin besorgte uns ein Begleitfahrzeug, welchem wir folgen durften.
In der kleinen, schönen Stadt Tsumeb fuhren wir direkt zum Gericht. Das hätten wir allein sicher nicht so rasch gefunden. Das Gebäude war nicht besonders gross und hinter einer Mauer versteckt. Wir wurden zu einer jungen Frau geführt, welche sich unser Anliegen anhörte. Sie nahm den Strafzettel und verschwand damit. Wenig später tauchte sie wieder im Büro auf und führte uns zur Richterin. Diese Frau war ein Mischling, noch relativ jung und gutaussehend. Wir mussten ihr nochmals unsere Geschichte erzählen, wobei ich sie genau beobachtete. Sie verzog keine Mine! Oh je, dachte ich. Doch sie war erzürnt über das was da passiert war und versicherte uns, dass dies für die Polizisten ein Nachspiel haben würde. Sie strich unseren Strafzettel durch und versicherte uns, dass der Mann, der dies zu verantworten hätte, bald seinen Posten los sei. Sie versicherte uns, dass Namibia ein Touristenland sei und man normalerweise so die Gäste des Landes nicht behandeln würde, aber leider gäbe es überall einen „bad apple“ - einen schlechten Apfel. Sie verabschiedete uns überaus freundlich und wünschte uns eine angenehme Weiterreise. Zum Abschied versicherte sie uns noch, dass sie sofort dieser Angelegenheit weiter verfolgen werde.
Zufrieden fuhren wir aus dem Hof und wollten uns eine Cola im kleine Supermarkt weiter vorne kaufen. Ich stieg aus, während Charly im Auto wartete. Leider hatte ich vergessen die Scheibe hochzukurbeln. Ein Mann kam an Charlys Seite und wollte ein paar Zahlen auf einem Kassenzettel entziffert haben. Komisch dachte Charly und bemerkte gleichzeitig wie eine Hand auf der Beifahrerseite durch das offene Fenster griff und schon das Handschuhfach geöffnet hatte. Sofort holte er zu einem Schlag aus, doch die Hand des Schwarzen war schneller. Dieser zuckte zurück und lief weiter, als wenn gar nichts passiert wäre. Dem anderen Typ sagte er grimmig, das er sofort verschwinden soll. Geklaut hatten sie nichts, wie wir gleich sicherstellten. Wir hatten auch keine Wertsachen offen herumliegen und auch nichts attraktives für Diebe im Handschuh.
Genervt verliessen wir die kleine, grüne Stadt. Viele blühende Bäume säumten unseren Weg aus der Stadt.
Wir waren geschafft und noch müde von der durchwachten Nacht. Wir hatten keine Lust mehr den Meteoriten anzuschauen und beschlossen uns erst einmal auszuruhen. Da kam auch schon ein Schild. Die Farm mit dem Namen Toggenburg bot einen Zeltplatz an. Das war der Wink mit dem Zaunpfahl. Wir bogen auf die kleine, schmale Piste ab und fanden auf dem friedlichen Areal ein gutes Plätzchen für uns. Wir assen unser kaltes Fleisch vom Vortag und legten uns anschliessend etwas hin. Ausgeruht schlenderte ich etwas durch die Gegend. Später bekamen wir Nachbarn, doch die platzierten sich am anderen Ende des Platzes. Wir konnten unsere wohlverdiente Ruhepause voll auskosten. Die Sanitäreneinrichtungen waren sehr rudimentär, doch genügten sie unseren Ansprüchen.
Gemütlich aufgestanden und ohne Frühstück weiter gefahren. Wir folgten der C42 bis kurz vor Grootfontein. Dort wies uns ein Schild den Weg zum Hoba Meteoriten. Wir waren gerade angekommen und ich filmte eine riesige Heuschrecke, als die Tür vom WC geöffnet wurde und mir Gisi aus Österreich entgegen kam. Hey, dich kenne ich doch, waren ihre ersten Worte. Ich staunte nicht schlecht. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht, wie es den beiden Österreichern wohl ergangen war, seit wir uns im Tschad das letzte Mal gesehen hatten. Sie waren per Schiff von der Zentralafrikanischen Republik in den DR Kongo gereist. Während der Fahrt waren sie überfallen und der Kapitän des Schiffes war gefoltert worden. Wie es sich herausstellte, handelte es sich bei den vermeintlichen Banditen um Polizisten. Den Beiden war nichts geschehen, obwohl ihnen die Kugeln um die Ohren gepfiffen waren. Sie wurden nicht belästigt von den Typen. Glück gehabt!
Rüdiger und Gisi waren erst seit kurzer Zeit in Namibia. Sie waren gestern erst durch den Checkpoint von Oshivelo gefahren und waren von deren übermässiger Freundlichkeit erstaunt. Kunststück nach unserer Revolte. Na - dass war aber ein Zufall, genau wie im Tschad. Sie hatten direkt auf dem Campingplatz beim Meteoriten gecampt und wir stellten uns sogleich dazu. Der Meteorit war inzwischen zur Nebensache geworden. Wir hatten uns viel zu erzählen. Sie berichteten auch von ihrem Überfall im Norden von Angola. Da hatten sie in der Nähe eines Dorfes übernachtet und als die Banditen kamen, hatte das ganze Dorf sie beschützt und so waren sie unvermittelt in Mitten einer Schlägerei geraten. Die Dorfbewohner hatten gewonnen und sie waren wieder ungeschoren davon gekommen. Natürlich berichteten auch wir von unseren Erlebnissen und da dabei so langsam unsere Bäuche knurrten, beschlossen wir gleich gemeinsam zu frühstücken.
Rasch war es Nachmittag geworden und da es eine schöne Grillstelle gab, entschieden wir uns für einen leckeren Grillabend. Wir hatten alle kein Fleisch, also fuhren wir zusammen mit Snoopy zum Einkaufen nach Grootfontein.
Kurz vor dem kleinen Städtchen wurden wir von einem Polizisten angehalten. Charly musste seinen Führerschein zeigen und der Beamte lief wichtig ums Auto. Wir dachten uns schon, dass der Typ einen Grund suchte, um uns einen Strafzettel zu verpassen. Da er technisch nichts auszusetzen hatte, erklärte er, dass der Aufkleber von unserem Heimatland fehlte. Charly stellte sich doof und gab an, dass er nicht verstehen würde was er meint. Da gerade auch ein LKW angehalten wurde, marschierte der Polizist mit Charly an dessen Heck. Doch der Bulle hatte Pech, denn der LKW hatte auch keinen Aufkleber. Er tat noch etwas wichtig, doch wir konnten ohne weitere Probleme weiterfahren. Hätte der Typ aber uns trotzdem einen Strafzettel verpasst, dann wären wir mit samt dem Polizisten zurück zur Richterin gefahren und hätten reklamiert. Der wollte uns sowieso nur einschüchtern und abkassieren. Gemeinsam fuhren wir zum grossen Spar-Supermarkt und kauften Fleisch und was sonst noch so fehlte. Unbehelligt fuhren wir wieder zurück zum Meteoriten. Ein paar übereifrige Hobby-Fotografen machten unentwegt Fotos vom Meteoriten, welcher aus nächster Nähe gar nicht so imposant war. Später machten wir ein gutes Feuer und assen unsere Steaks mit Folienkartoffeln, Zwiebeln und Salat. Wir hatten dabei ein gutes Glas Rotwein und genossen die schöne Aussicht auf die Sterne. Wir klönten noch bis spät in die Nacht.
Da es am Vorabend sehr spät geworden war, waren wir nicht sehr früh aufgestanden. Den Meteoriten hatten wir nun ganz für uns allein, denn der Zeltplatz war ja direkt davor.
Wir bereiteten gemeinsam ein gediegenes Frühstück zu und machten uns keinen Stress. Hinterher setzten sich Gisi und ich auf den Meteoriten. Offensichtlich wirkten wir fotogen, denn Rüdiger und Charly hielten dies mit ihren Kameras fest.
Bis wir fertig getratscht und geduscht hatten, war es bereits schon wieder Nachmittag. Wir packten trotzdem noch unsere Sachen zusammen und brachen auf. Zuerst fuhren wir wieder nach Grootfontein, da Rüdiger und Gisi im Internet-Cafe ihre Mails lesen wollten. Internet-Cafe war übertrieben, denn es gab nur einen einzigen PC. Dieser war zu allem Überfluss auch noch defekt. Die Beiden durften deshalb im Büro des Unternehmens ihre Mails lesen.
Wir vertrieben uns die Zeit im Souvenirladen respektive im Café, welches beides im gleichen Raum wie das „Internet-Cafe“ war. Bis wir dann auch nochmals eingekauft hatten, war es bereits später Nachmittag. Wir fuhren auf der Teerstrasse B8 in Richtung Otavi. Die Strecke war nicht besonders interessant, mit Ausnahme von ein paar Hügeln, die im Abendlicht eine intensive Farbe bekommen hatten. Es war bereits kurz vor 18 Uhr, als wir in Otavi ankamen. Gleich am Ortseingang bogen wir rechts ab und fuhren 8 km auf der B1 in Richtung Tsumeb.
Wir hatten ein Hinweisschild gesehen, dass es dort einen Campingplatz geben sollte. In der Stadt war zwar auch einer, aber die Campingplätze ausserhalb der Stadt sind in der Regel ruhiger und schöner.
Die Einfahrt „Zum Potjie“ war bald gefunden. Ein kleines San-Mädchen öffnete für uns das erste Gatter. Danach fuhren wir ca. 2 km zwischen den Kühen zum nächsten Gatter. Eine Kuh war etwas übermütig und buckelte vor unserem Auto. Quasi als wenn sie sagen wollte, kommt nur, mit Euch nehme ich es schon noch auf. Wir liessen uns nicht beeindrucken und öffneten das zweite Gatter. Das Grundstück von der Herberge war nicht besonders gross, aber liebevoll arrangiert. Sofort nach der Einfahrt sahen wir schön geschnittene Rosen. Charlys Kommentar war gleich, dass hier 100%ig Weisse wohnen. Recht hatte er behalten. Erika begrüsste uns sogleich. Sie war eine Südwesterin, dass heisst ihre Grosseltern waren von Deutschland nach Südwestafrika ausgewandert. Sie sprach wie alle Südwester perfekt Deutsch. Die deutsche Sprache und Sitten werden in Namibia immer noch hoch gehalten und gepflegt. Sie erzählte uns von dem Leben in Namibia und von den Schwierigkeiten die es hier gibt. Sie führte uns auf ihrem Anwesen etwas herum und zeigte uns unter anderem den Swimmingpool. Ja - Namibia ist ein trockenes Land, doch manchmal gibt es trotzdem einen Swimmingpool. Auf der Toilette und in der Küche waren dafür Aufkleber angebracht, dass man kein Wasser verschwenden soll. Die Anlage war super gepflegt und sehr schön bepflanzt. Es gab zwei Hunde, etliches Geflügel und einen grossen Käfig mit vielen Rosenköpfchen. Das sind eine Art Sittiche, die schöne grüne Federn haben, am Köpf aber rosa gefärbt sind.
Wir suchten uns ein schönes Plätzchen zwischen Orangen- und Zitronenbäumen aus. Da es schon spät war, machte wir uns gleich daran zu grillen. Sobald es dunkel wurde, wurde es auch empfindlich kühl. Wir holten unsere Jacken raus, denn wir wussten schon, es wird wieder spät werden.
Zum Frühstück suchten wir wieder Schatten und rangierten den Tisch an die schattigste Stelle. Es war sooooo gemütlich, dass wir beschlossen diesen Tag zu bleiben. Ivan, der kleine gefleckte Hund, hatte sich gleich in die strategisch beste Stelle positioniert. Er hatte bei Charly auch vollen Erfolg damit, denn es flog doch das eine oder andere Brotstückchen mit Leberwurst „zufällig“ in seine Richtung. Von da an, hatten wir dann seine persönliche Bewachung. Ivan hielt die Stellung. Gisi und Rüdiger machten sich gleich nach dem Abwasch auf den Weg zum Pool. Charly und ich hatten noch etwas am Computer zu tun. Später folgten wir ihnen dann aber. Der Pool war idyllisch gelegen. Ein schöner, grüner Rasen und die Kakteen waren liebevoll mit Steinen arrangiert. Wir nahmen die Liegen in Anspruch und verzehrten mit den Österreichern eine feine Wassermelone. Endlich einmal Zeit zum Lesen. Wir waren faul und schätzten den kühlen Schatten der grossen Bäume bis es Abend wurde. Am Abend wurde dann wieder grilliert und eine gute Flasche Rotwein war auch wieder dabei.
Da es am Vortag so schön gewesen war, beschlossen wir nach dem Frühstück nochmals einen Tag zu bleiben. Wir bestaunten den Pfau, wie er sein Rad schlug und gaben den beiden Hasen etwas von unserem Blatt-Salat. Die Rosenköpfchen reklamierten aufgebracht, als wir zu lange und nach ihrer Meinung zu Nahe am Käfig standen. Es waren sicher etwa 20 Vögel darin. Einige Paare von den Vögeln gaben sich immer wieder innige Küsschen.
Ivan folgte unseren Spuren. Den restlichen Tag verbrachten wir wieder am Swimmingpool. Am späten Nachmittag kamen dann zwei Damen an, die ebenfalls aus Österreich kamen. Aus dem schönen Burgenland. Sie hatten unterwegs mit ihrem Mietauto eine Reifenpanne gehabt und mussten warten, bis ihnen jemand half. Sie hatten leider keine Ahnung wie ein Reifen gewechselt wird! Wir liessen die Österreicher unter sich und zischten lieber ein kühles Blondes. Am Abend kochten wir gemeinsam Spaghetti mit Thunfischsauce.
Heute wären wir am liebsten wieder geblieben, aber irgendwann muss man sich wieder einmal aufraffen. So beschlossen wir heute weiter zu fahren. Ivan bekam vom Frühstück wieder ein paar Leckerlis von uns. Gisi wollte dem Hund etwas von ihrem Bananenkuchen abgeben, welchen er wohl annahm, dann aber fein säuberlich unter dem nächsten Zitronenbaum vergrub. Die Nase war danach ziemlich dreckig, da er die Erde sorgsam mit der Nase nochmals glättete. Die Leberwurststücke und den Käse hatte er nicht vergraben, was dies wohl zu bedeuten hatte. Wir lachten über den Hund, der nun wieder unschuldig vor unserem Tisch sass.
Erika, die Besitzerin, kam sich noch von uns verabschieden und fragte was wir noch so vor hätten in Namibia. Gisi und Rüdiger erwähnten, dass sie eventuell auf einer Farm Arbeit suchen würden. Da erklärte Erika, dass wir, wenn wir Zeit und Lust hätten, im Februar 2006 ihre Farm für 3 Wochen hüten könnten. Charly überlegte es sich reiflich, doch für mich kam eine Geflügelfarm weniger in Frage. Für mich gab es hier zu wenig Pferde und Kühe. Die Hausgäste in den Bungalows bewirten wäre nicht so schlimm gewesen, denn so viele Gäste waren es nicht. Die schwarzen Angestellten wussten was zu tun war, die grobe körperliche Arbeit wurde sowieso von ihnen gemacht. Ne, ne Februar ist ohnehin zu spät für uns, da wollen wir bereits in Südafrika sein.
Gisi und Rüdiger hüpften vor der Abfahrt nochmals in den Pool. Wir unterliessen es, denn sonst hätten wir es nicht mehr geschafft und wären schwach geworden.
Bis wir los kamen war es bereits schon wieder Nachmittag. Wir fuhren die äusserst langweilige Strecke nach Otjiwarongo. Der Nachmittag war schon wieder etwas fortgeschritten bis wir ankamen. Wir füllten in diversen Supermärkten und Bottle Stores unsere Vorräte auf. Gisi und Rüdiger wollten nochmals in ein Internet-Café. Auch Charly holte sein Notebook vor und verschwand damit. Ich las unterdessen etwas im Auto. Wegen der Hitze liess ich das Fenster offen und schon bald wurde ich von diversen Strassenhändlern angemacht. Einer wollte mir Sandalen verkaufen, ein anderer eine Uhr, usw. Mit Mühe konnte ich mir die Typen vom Hals halten.
Als Charly wieder aus dem Internet-Café kam, hielt er die Stellung, während ich mich in der Touristeninfo schlau machen wollte. Ich interessierte mich für den Geparden-Park, welcher 44 km von hier entfernt lag. Es handelte sich dabei um eine amerikanische Stiftung, wo die Farmer und die Tiere in Einklang gebracht werden sollen. Der Eintritt betrug 60 N$ und leider gab es keinerlei Übernachtungsmöglichkeit. Der Park wurde zudem um 17 Uhr geschlossen und es war bereits kurz vor 17 Uhr. Es hatte also keinen Sinn noch dahin zu brettern. Gemäss Aussage der Dame in der Touristeninfo, war es auch nicht möglich ein Tier zu streicheln.
Ich lief zurück zum Auto. Charly hatte inzwischen mit einer jungen, schwarzen Frau ein Gespräch angefangen, doch als diese mich kommen sah, war sie auch schon verschwunden. Charly meinte, dass sie sehr intelligent gewesen war, da sie sogar die Schweizer Flagge kannte. Na ja! Gisi und Rüdiger kamen auch gleich aus dem Internet-Café und wir beratschlagten, wo wir übernachten wollten. Rüdiger und ich liefen nochmals zur Info und fragten nach, wo man am besten übernachten könnte. Die Dame empfahl für unsere Bedürfnisse Hohenfels, eine Farm die 28 km südlich von Otjiwarongo lag. Der erwähnte Swimmingpool gab dann den entscheidenden Ausschlag.
Die wenigen Kilometer waren schnell runter gerattert.
Die Farm lag auf dem Weg zum Waterberg Plateau. Sie lag auf einem Hügel, von wo aus wir eine gute Aussicht hatten. Roland, der Besitzer, begrüsste uns überaus freundlich und zeigte uns den Campingplatz. Er hatte auch einen schönen Pool und zusätzlich hatten wir noch die Möglichkeit die Campingküche mitzubenützen. Wir konnten das Geschirr benutzen und das Beste war, dass wir nicht selber abwaschen mussten. Was für ein Luxus!
Ich stellte gerade auf dem Rasenstück den Tisch auf und lief zurück zum Auto, da sah ich Charly auf dem Stuhl sitzen. Komisch dachte ich und recht hatte ich. Er war beim Runtersteigen von der Motorhaube ausgerutscht und runter gefallen. Sein rechter Unterarm war voller Schürfungen und sein Steissbein war ziemlich angeschlagen. Ein Bierchen sei die beste Therapie meinte er, worauf er auch ein Bier bekam.
Unsere Nachbarn waren ein älteres Ehepaar, welche zeitweise in Frankfurt und manchmal im Österreich wohnten. Sie war in Österreich geboren und hatte daher noch ein Häuschen im Zillertal. Die Beiden waren ganz schön reiselustig. Ihm sah man seine 72 Lenze nicht an und auch seine 6 Jahre jüngere Frau war noch voll fit. Mit Elan bewegten sich die Beiden, kein Wunder gingen doch beide noch fleissig Skifahren, wandern und radeln. Nebenbei wird auch fleissig die Welt auf eigene Faust erkundet. Wir konnten nur staunen über ihre Vitalität.
Am Abend grillierten wir wieder. Unser Pfeffersteak war zäh, während das T-Bone-Steak von den Österreichern zart war. Pech für uns!
Unsere Nachbarn Rolf und Helma hatten uns anschliessend spontan zu einem Glas Weisswein eingeladen, was wir natürlich gerne annahmen. Wir haben wieder bis spät in die Nacht gequatscht. Es war bereits 1 Uhr morgens, bis wir endlich ins Bett kamen. In der Nacht hörten wir komische Tierlaute, die wir nicht einordnen konnten. Charly tippte auf Warzenschweine.
Da wir nach dem gestrigen Abend nicht so früh aufstehen mochten, mussten wir wieder mit unserem Tisch den Schatten suchen. Doch zum Frühstücken kamen wir noch lange nicht. Unsere Nachbarn waren gekommen und schon waren wir alle wieder lange am erzählen, zudem mussten auch die Autos inspiziert werden. Wieder wurden allerlei Erlebnisse ausgetauscht, so dass ich die Butter wieder in den Kühlschrank stellen musste. Unsere Nachbarn Rolf und Helma hatten zwei verwaiste Strausseneier gefunden und zeigten uns die Stelle. Nachdem Roland versichert hatte, dass die Eier nicht mehr bebrütet werden, wollte Helma ein Ei ausblasen, doch war die Schale zu dünn und es zerbrach. Das andere hatte eine dickere Schale, doch sie bevorzugte es nun ganz mitzunehmen.
Es war schon fast Mittag bis wir zu unserem Frühstück kamen. Unsere Nachbarn verliessen uns, denn sie wollten zu einer Jagd-Farm fahren.
Wir machten uns keinen Stress. Der Swimmingpool war zu verlockend. Gisi, Rüdiger und ich gingen am Nachmittag in den Pool. Charly wollte etwas schlafen, da er die Nacht wegen den Rückenschmerzen nicht besonders gut geschlafen hatte. Der Pool war ziemlich kühl im ersten Moment, doch sobald man drin war, war es himmlisch. Ich konnte die Erdhörnchen vom Pool aus beobachten, wie sie nach Fressbarem suchten. Scheu waren sie nicht, denn sie liefen auch auf die Terrasse und wühlten in den Blumentöpfen. Eine Fledermaus verbrachte ihren Tag in den Ästen des grossen Baumes neben dem Pool.
Mit den letzten Sonnenstrahlen verliess auch ich mein schattiges Plätzchen und ging zurück zum Auto. Wie immer hatten wir gut gegessen und einen schönen Abend.
In der Nacht hatte Charly bemerkt, dass sich seine Allergie wieder bemerkbar machte. Die Antihistamin-Tablette hatte nicht so gut gewirkt und er musste noch eine Cortison-Tablette einnehmen. Trotzdem hatte er wieder eine dicke Backe und auch die Lippe war wieder leicht angeschwollen. Charly war verärgert und hatte deshalb keine Lust zu frühstücken. Er wollte so schnell wie möglich nach Windhoek und dort den Arzt nochmals aufsuchen. Wir packten unsere Sachen zusammen und verzichteten auf ein Frühstück.
Rüdiger erzählte uns noch, dass er in der Nacht einmal pinkeln gehen musste und dabei ein Zusammentreffen mit einem grossen Stachelschwein hatte. Das Tier war direkt vor dem Eingang zu ihrem Ford Transit gestanden und erhob drohend seine Stacheln. Rüdiger hielt gebührenden Abstand und fasste sich in Geduld, denn eigentlich wollte er ja nur wieder schlafen gehen.
Wir verabschiedeten uns von den Beiden und hofften sie bald irgendwo wieder zu sehen.
Unterwegs war Charly von den Tabletten sehr müde geworden, weshalb ich nun auch endlich mal wieder fahren durfte. Die Strecke war langweilig und wir wollten sie so schnell wie möglich hinter uns bringen.
In Windhoek angekommen, sahen wir das Motorrad von Walter. Sie waren also schon da. Wir hofften vergeblich Walter im Café Schneider zu treffen. Da wir inzwischen ziemlich hungrig geworden waren bestellte ich Käsespätzle, während Charly ein Sandwich mit Hühnchensalat vertilgte. Meine Portion war grosszügig und so kam auch er in den Genuss von den Spätzles. Sie waren gar nicht so schlecht. Zum Schluss teilten wir uns ein Stück Käsekuchen, dass muss schon sein. So lecker wie hier, hatten wir keinen mehr gefunden.
Anschliessend gingen wir ins Internet-Café, da wir nach den Wirkstoffen in den Tabletten von Charly suchten. Dabei stiessen wir auf sehr interessante, medizinische Seiten. Wir fanden auch heraus, wie man das ganze nennt. Es ist Nesselfieber na super! Die dicken Lippen die Charly immer bekommt, werden Ouincke-Ödem genannt. Charly lud die Seiten auf seinen Notebook, damit wir diese später ausführlicher lesen konnten. Nachdem wir alles in Windhoek erledigt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Monteiro Campingplatz, welcher ca. 13 km hinter dem Arebbusch in Richtung Rehoboth lag.
Der Platz war auf einem Hügel gelegen, von wo aus man eine hübsche Aussicht hatte. Die Sanitärenanlagen waren überaus sauber gehalten. Wie wir später erfuhren, war der Platz erst 2005 eröffnet worden.
Marion und Walter standen mit ihrem MAN LKW auf dem obersten Platz. Wir hatten eine freudige Begrüssung und lernten dabei auch ihren Freund Thomas kennen, der den Spitznamen Snoopy hatte.
Wir luden alle zu einem Bier ein, ausser Marion. Sie mochte noch immer kein Bier, dafür bekam sie eine Cola von uns. Auch Eros und Whisky begrüssten uns und rannten freudig bellend auf uns zu. Der arme Eros war unterwegs von einer Hornviper in die Nase gebissen worden. So ganz auf dem Damm war er noch nicht, dass konnte man ihm deutlich anmerken. Doch war es ein Wunder, dass er überhaupt noch lebte. So eine Hornviper ist zwar für Erwachsene nicht lebensgefährlich, doch für so einen kleinen Hund... Er war nach der Attacke ohnmächtig geworden und seine Besitzer fürchteten schon das schlimmste. Zuerst warteten sie, in der Annahme, dass es bald zu Ende wäre mit ihm. Als nach einer halben Stunde immer noch sein Herz und die Atmung funktionierte, fuhren sie mit einem Affenzahn nach Walvis Bay. Unterwegs war Eros wieder zu sich gekommen und torkelte in der Wohnkabine herum. Es war ihm speiübel und er kotzte und schiss das Auto voll. Der Tierarzt gab dem armen Kerl ein paar Spritzen und so ging es ihm langsam aber stetig besser. Der Tierarzt erwähnte auch, dass er wohl einen Teil von seiner Nase und Haare verlieren würde. Armer Hund!
Wir unterhielten uns bei strahlendem Sonnenschein, während Thomas seine Sachen packte. Er musste noch heute zurückfliegen. Gegen 18 Uhr brachten sie dann Thomas zum Flughafen, derweil spielten wir Hundesitter. Wir lasen im Notebook über Charlys Nesselfieber und spielten ab und zu mit den Hunden.
Als die Beiden anderen wieder zurück waren, war es schon dunkel. Der Wind pfiff ganz ordentlich um die Ecke. Wieder mussten wir unsere dicken Jacken herauskramen. Es wurde trotzdem ein schöner Abend, bei dem wir uns viel zu erzählen hatten.
Beim Frühstück konnten wir vier Warzenscheinen auf der anderen Seite des Hügels zuschauen. Später kamen noch ein paar Kudus hinzu. Marion und Walter hatten zwar schon gefrühstückt, doch wir setzten uns trotzdem zum Frühstück an ihren Tisch. Die Hunde waren bald wieder zur Stelle. Schliesslich hatten wir Eros und Whisky versprochen, dass sie bei einem Wiedersehen eine anständige Stulle mit Leberwurst erhalten würden. Dies hatten wir hiermit eingelöst. Mit grossen, hungrigen Kulleraugen sassen sie unter dem Tisch und versuchten Charly zu hypnotisieren. Die Brötchen flossen dann auch reichlich vom Tisch in ihre Hundebäuche. Die Sonne brannte schon wieder unerträglich heiss und wir mussten uns bald Schatten suchen.
Am Nachmittag hatten wir noch etwas in der Stadt zu besorgen und fuhren nach Windhoek rein. Auch von dieser Seite gab es einen Polizeikontrollposten. Wir mussten anhalten, als uns ein schwarzer Polizist kontrollieren wollte. Er stellte die üblichen Fragen, woher und wohin. Wir erzählten ihm gleich, dass er uns die nächsten Tage sicher noch ein paar Mal sehen würde, da wir zur Zeit auf dem Monteiro Campingplatz wären. Mit einem netten Lächeln liess er uns weiterfahren.
In Windhoek hatten wir rasch unsere Besorgungen erledigt und fuhren zurück zum Zeltplatz. Am Abend haben wir mit Marion und Walter wieder lange zusammen gesessen.
Ich war heute schon früh wach und genoss die aufgehende Sonne. Alles war noch so ruhig und friedlich. Der Himmel und die Umgebung erschien in einem schönen, zarten Licht. Da ich doch noch etwas müde war, legte ich mich nach diesem Naturschauspiel wieder etwas hin. Es war definitiv zu früh zum Aufstehen.
Zum Frühstück waren wir dann prompt wieder zu spät für Marion und Walter. Die Beiden sind Frühaufsteher, während wir es eher gemütlich nehmen.
Wir setzten uns an ihren Tisch und quatschten, unterdessen war Walter schon wieder fleissig am reparieren. Es gibt immer etwas zu tun, wenn man so lange unterwegs ist.
Auch wir hatten noch einiges auf unserem Programm und machten uns später daran.
Am Abend assen wir gemeinsam bei Ihnen auf dem Platz und haben ein paar Jägermeister gekippt.
Da wir heute gemeinsam grillieren wollten, machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Windhoek. Walter wollte noch spezielle Schrauben, weshalb wir zuerst ins Südindustriegebiet gefahren sind. Vergeblich, denn am Samstag ist hier alles geschlossen. Wir wollten heute den Supermarkt von Walter und Marion testen, also fuhren wir anschliessend zum Checkers. Dieser Laden war riesig. Wir brauchten doppelt so lange für den Einkauf wie normal. Die Preise erschienen uns höher als im Pick’n Pay, insbesondere die Bierpreise. Nach unserem Einkauf im Checkers wollten wir noch in die Stadt zum Pick’n Pay, weil wir im Checkers, trotz des riesigen Angebotes, nicht alles bekommen hatten. Auch den Alkohol wollten wir in der Stadt besorgen.
So fuhren wir als nächstes zum Schnapsplatz, einem Bottle Store, doch war diese leider bereits geschlossen. Also fuhren wir in die Stadt. Es war inzwischen schon Nachmittag. Im Pick’n Pay kauften wir die restlichen Dinge ein und wollten auch Wein und Bier kaufen. Zu unserer Überraschung war das Areal mit Alkohol abgesperrt. Charly ging frech über das Seil weg und holte Bier. Eine Verkäuferin kam auf uns zu und erklärte, dass ab 14 Uhr kein Alkohol mehr verkauft wird. Wir konnten das nicht glauben und gingen mit dem Bier zur Kasse. Doch auch hier wollte man uns das Bier nicht verkaufen, da es bereits nach 14 Uhr war. Wir verlangten den Manager, doch auch dieser verweigerte uns das Bier. Wir liessen den gesamten Einkaufswagen stehen, den Rest wollten wir nun auch nicht mehr und verliessen den Laden. Von so einer blöden Regelung hatten wir noch nie gehört. Entweder der Laden ist offen oder zu. Wir liefen zu Woermann, wo wir dann unser Bier und den Wein doch noch kaufen konnten. Dort gab es keine so blöde Bestimmung. Es war heute wieder einmal super anstrengend und heiss gewesen. Ganz banale Sachen können plötzlich unheimlich kompliziert werden in Afrika.
Wir fuhren zurück zum Monteiro Camping und erzählten Marion und Walter von unserem Erlebnis. Auch bei ihnen rief das Verhalten von Pick’n Pay nur Kopfschütteln hervor.
Wir hatten neue Nachbarn bekommen. Wiebke und Dieter. Sie stammten aus Nürnberg und hatten schon seit ein paar Jahren ihren Toyota in Namibia stehen. Sie fliegen einmal pro Jahr nach Namibia und verbringen dann 3 Monate im südlichen Afrika. Da sie noch einen zweiten Toyota zu Hause stehen haben, wollen sie diesen nun nach Südamerika verschiffen. Ihren Toyota in Namibia hatten sie bereits verkauft und dies war ihre vorletzte Tour damit.
Am Abend grillierten wir unsere Steaks und sassen noch lange mit Walter und Marion zusammen.
Heute wollten wir einen faulen Tag einlegen und haben erst spät gefrühstückt.
Wiebke und Dieter waren schon abfahrbereit, denn sie wollten heute zurück zur Elisenheim Farm. Dort werden sie ihre letzten Tage in Namibia verbringen. Wir verabschiedeten uns von den Beiden und winkten ihnen noch hinterher.
Anschliessend verbrachten wir noch einige Zeit bei Marion und Walter. Den Nachmittag verbrachten mit lesen und waren faul.
Am Abend grillierten wir ein letztes Mal zusammen, denn morgen wollten wir zum Arebbush wechseln. Es wurde wie immer spät. Wir verabschiedeten uns von ihnen noch an diesem Abend, da sie am nächsten Morgen früh zu Schnoor wollten. Ihr Kühlschrank machte immer noch dicke Backen. Das hiess Abfahrt kurz nach 6 Uhr, was uns definitiv zu früh war.
Wir hörten den LKW von Marion und Walter, als sie davon fuhren. Wir liessen uns Zeit mit dem Aufstehen. Nach dem Frühstück packten auch wir unsere Sachen und wollten zahlen.
Doch nun verlangte man von uns 50 N$ pro Person und Nacht und nicht wie vereinbart 40 N$. Wir mussten ziemlich diskutieren und uns quer stellen, dabei hatten wir wirklich bei unserer Ankunft den Preis ausgehandelt gehabt und glaubten alles sei klar.
Danach fuhren wir zu Auto Repairs, da uns Herr Etzold einen guten Schweisser empfohlen hatte beim letzten Mal. Wir wollten den Tank bei ihm ausbauen, doch er hatte keine Hebebühne frei. Er beriet sich mit seinem Werkstatt Chef. Dieser rief dann bei dem Schweisser an. Zu unserem Glück hatte dieser am Dienstag Zeit und man versicherte uns, dass wir den Tank auch gut bei ihm ausbauen könnten. Wir glaubten ihnen und waren froh so rasch das Problem mit dem undichten Tank lösen zu können.
Danach gingen wir in den Grosshandel, welcher gar nicht weit von der Garage war. Der Grosshandel war uns von Wiebke und Dieter empfohlen worden. Die Auswahl im Bottle Store war nicht schlecht und besonders der Amarula war günstig. Für den Lebensmittelladen mussten wir ein Formular ausfüllen und hatten eine Art Eintrittskarte dafür erhalten. Und wen treffen wir da am Eingang Walter. Nanu, was macht ihr den hier, fragten wir. Na einkaufen, was denn sonst, war die Antwort. Zwischen den Regalen trafen wir wieder auf Marion und Walter, die einen riesigen Einkaufswagen vor sich herschoben. Mehrheitlich Hundefutter!
Dieser Laden war gigantisch, aber trotzdem haben wir nur wenig eingekauft. Uns hat die Masse schlicht erschlagen.
Gemeinsam mit Marion machte ich auch noch den Gemüseladen unsicher, dann hiess es definitiv Abschied nehmen.
Wenig später fuhren wir in die Stadt und bestellten die Wasserpumpe und die Ersatzfilter bei der Firma Ötzel via Internet. Auch die Zahlung musste in die Wege geleitet werden, da die Pumpe erst dann weg geschickt würde, wenn das Geld auf das Konto in Deutschland überwiesen war.
Nachfolgend quartierten wir uns im Arebbush ein. Wir stellten uns in die Nähe des LKWs von Mama Afrika aus Belgien. Eine Frau kam auf uns zu und erklärte, dass gleich noch ein LKW käme und der Platz dann etwas eng werden würde. So gaben wir das schattige Plätzchen wieder auf und fuhren zu unserem alten Platz, wo wir beim ersten Mal gestanden hatten.
Später kam die Lady von Mama Afrika zu uns herüber und entschuldigte sich. Sie wollte uns nicht vertreiben, nur mitteilen, dass da noch ein grosser LKW käme. Wir kamen mit Gerda ins Gespräch und schon bald stellte sich heraus, dass sie und ihr Mann Reiseführer waren, die mit den LKWs Touristen in Namibia, Botswana, Sambia, Madagaskar und Südafrika herumfuhren. Sie war begeistert von Mosambik und gleich musste ich mein Buch herausholen, da sie mir viele Tipps von Sambia und Mosambik gab. Ihr Mann kam mit dem identischen MAN aus der Stadt zurück, wie der, der bereits da stand. Manchmal, wenn genügend Touristen angemeldet waren, dann fuhren beide mit je 16 Touristen im LKW, erklärte die zierliche Gerda. Sie verabschiedete sich und lud uns nach dem Abendessen zu einem Glas Wein ein. Welches wir dann auch gerne annahmen.
Nach dem Abendessen gingen wir zu ihnen rüber und tauschten viele Geschichten über Afrika aus. Sie waren schon viele Jahre in Afrika unterwegs und hatten ihr Unternehmen mit Touren durch Simbabwe gestartet. Wohin sie heute jedoch nicht mehr reisten, obwohl sie dort noch immer ein Haus besitzen.
Pünktlich um 7:30 Uhr waren wir wieder bei Auto Repairs. Ein Kunde von Herrn Etzold hatte sich einen Toyota mit Doppelkabine als Wohnmobil in Südafrika ausbauen lassen. Wir bestaunten das Gefährt, kamen aber zum Schluss, dass der Wagen eindeutig viel schwerer sein musste als unser Snoopy. Toyota Landcruiser kann man in Südafrika zur Doppelkabine umbauen lassen, von Toyota selber kann man dies nicht erhalten.
Zusammen mit Herrn Etzold fuhren wir zum nahe gelegenen Schweisser. Mehrheitlich werden dort Kühler repariert, doch bei Bedarf repariert man dort auch Tanks. Ein gutaussehender, blonder Südafrikaner war der Chef. Er betrachtete sich unser Problem und sagte, dass könne er gut reparieren. Die versprochene Hebebühne besass er allerdings nicht. Mit zwei Wagenhebern wurde Snoopy aufgebockt und Charly demontierte zusammen mit einem Schwarzen den Tank. Charly fluchte, weil es natürlich mit den Wagenhebern nicht genügend Platz unter dem Auto gab. Schliesslich war der Tank doch ausgebaut und wurde in ein Tauchbad gelegt. Das grünliche Wasser zeigte deutlich an, dass der Tank an mehreren Stellen bei den Schweissnähten der Schwallbleche undicht war. Der Südafrikaner schweisste die schwachen Nähte nach. Wir hofften, dass damit nun alle unsere Tanks wieder voll funktionsfähig waren.
Nachdem wir gezahlt hatten fuhren wir in die Stadt und kauften Dieselfilter und ein Stück Schlauch.
Bevor wir zurück zum Camping fuhren, kontrollierten wir, ob das Geld für die Wasserpumpe bereits überwiesen wurde. Leider war dies noch nicht der Fall.
Zurück auf dem Campingplatz warf ich die Wäsche in die Maschine.
Den Abend hatten wir wieder mit den Belgiern Guy und Gerda verbracht. Sie erzählten uns, wie sie vor einigen Jahren mit ihrem Unternehmen gestartet hatten und wie toll Simbabwe damals gewesen war. Das in ihrem Haus in Harare, nun Schwarze lebten. Sie hatten schlicht ein Telefon erhalten, in dem ihnen mitgeteilt worden war, dass nun die Schwarzen in ihrem Haus eingezogen waren. Gerda nahm das irgendwie nicht so tragisch. Neben den MANs besassen die beiden auch noch ein paar Bremach (4x4-Kleinlaster). Scherzhaft wollte Gerda Charly immer wieder überzeugen einen Bremach von ihr abzukaufen. Charly liess sich nicht erweichen.
Wir hatten genug vom Arebbush und wollten wieder einmal etwas neues sehen. Also beschlossen wir heute auf die Farm Elisenheim umzuziehen. Am Morgen kamen Gerda und Guy um unsere Wohnkabine anzuschauen. Auch unsere Nachbarin Leigh kam herüber. Sie lebte bereits seit 4 Jahren zusammen mit ihrem Mann Milan in einem umgebauten Bus in Arebbush. Ursprünglich kamen beide aus Südafrika. Milans Vater stammte aus der Slowakei, wohin die Beiden im Dezember reisen wollten. Sie hatten keine Vorstellung wie kalt es dann in Europa werden kann und entsprechende Kleidung war schwierig in Windhoek aufzutreiben.
Anschliessend besichtigten wir den Bus von Leigh und Milan. Leigh hatte alles selber ausgebaut, alles war sehr geräumig. Musste auch so sein, denn sie hatten 3 mittelgrosse Hunde.
Wir haben natürlich wieder viel zu lange gequatscht und so war schon wieder der ganze Vormittag verflogen. Nun wurde es aber Zeit, dass wir unsere Sachen packten. Wir fuhren in die Stadt, wo wir uns im Cafe Schneider mit Ina und ihren Eltern verabredet hatten. Ina erzählte, dass nun plötzlich die Ärzte behaupteten, dass das Baby überfällig wäre und sie den Kleinen noch diese Woche per Kaiserschnitt zur Welt bringen wird.
Charly und ich teilten uns einen leckeren Wurst-Käsesalat, denn inzwischen waren wir hungrig geworden. Später kam auch Olli hinzu, welcher gerade mit seinen Passagieren von der Tour zurück kam. Liebenswerterweise hatten die Leute ihn vorab entlassen, damit er sich um seine hochschwangere Frau kümmern konnte. Wir sassen alle gemeinsam am Tisch und assen Kuchen.
Da Ina bereits am nächsten Tag ins Krankenhaus musste und sie mit Olli bei Freunden übernachten würde, hatten sie keine Kamera für die Geburt dabei. Wir entlehnten den Beiden unsere kleine Canonkamera, wobei Olli meinte, dass wir ja schön vertrauen in sie hätten. Nun in der Situation würden die Beiden sicher nicht mit unserer Kamera abhauen und ich entgegnete ihm, dass wir ja wüssten wo sie wohnten. Er grinste und nahm gerne unsere Kamera.
Anschliessend fuhren wir ins Elisenheim, welche ca. 10 km nördlich von Windhoek lag. Die Farm war schön gelegen und es gab jede Menge Rasen und grosse schattige Bäume. Am meisten begeistert hatte uns allerdings das zahme Kudu. Es hiess Kambi, statt Bambi, da es ja eine Kududame war. Das Kudu war sehr zahm und liess sich gerne von uns streicheln.
Der kleine Campingplatz der Farm war ziemlich voll. Wir konnten gerade noch auf den letzten Platz. Auch Wiebke und Dieter waren noch hier, doch regnete es in Strömen. Wir hatten keine Lust uns bis auf die Knochen nass regnen zu lassen und blieben deshalb den Abend im Auto.
Wir hatten noch einiges in Windhoek zu erledigen, unter anderem auch im Internet unsere Bestellung checken. Das Geld war nun überwiesen und die Pumpe mit den Filtern sollte nun bald per DHL zu uns nach Windhoek unterwegs sein. Anschliessend gingen wir diverse Sachen besorgen. Als wir zu Snoopy auf den grossen Parkplatz im Zentrum von Windhoek kamen, sahen wir einen weissen Land Rover mit Solothurner Kennzeichen. Die Besitzer waren nicht zu sehen und so schrieb ich einen Zettel. Diesen klemmte ich hinter die Scheibenwischer und hoffte, dass sich die Besitzer bei uns im Elisenheim melden würden.
Zurück im Elisenheim streichelte ich als erstes das Kudu, welches sich dies gern gefallen liess. Da heute besseres Wetter war, gingen wir anschliessend zu Dieter und Wiebke rüber.
Die beiden Rentner machten sich schon langsam startklar, denn morgen würden sie ihr Auto wieder einstellen und zurück nach Deutschland fliegen.
Nach einem kühlen Bier liessen wir die Beiden ihre Sachen fertig packen. Wir trafen uns dann später nochmals auf der Terrasse vor der schönen Bar der Farm. Ein grosses Gebäude, dass um zwei abgestorbene Bäume herum gebaut worden war. Die Bäume waren voll in der Bar integriert. Es sah super aus.
Als wir so draussen sassen, kam ein weisser Land Rover angefahren. Wir dachten, den haben wir doch heute schon gesehen. Tatsächlich, es waren die Solothurner. Dominik und Nicole, auch Nic und Nik genannt, kamen bald darauf zu uns an den Tisch.
Die beiden waren die Ostküste runtergefahren und wir die Westküste. Da hatten wir wieder viel zu plaudern. Dieter und Wiebke hatten ihr Abendessen auf der Farm bestellt und gingen in die Bar essen. Die Solothurner und wir blieben auf der Terrasse bis es dunkel wurde. Später gesellten sich Wiebke und Dieter wieder zu uns, eigentlich nur um Adieu zu sagen, aber so wirklich weg kamen sie auch nicht. Es gab einfach zuviel zu erzählen.
Da es über das Wochenende eine grosse Party auf der Elisenheim Farm geben sollte mit rund 50 Gästen, beschlossen wir für das Wochenende zurück zur Arebbush Travel Lodge zu fahren. Kurz vor der Abfahrt wollte ich noch Bescheid sagen, dass ich mit der Nicole von der Farm am Samstag deshalb nicht reiten gehen könnte. Die Mutter der Besitzerin war in der Küche und ich wollte ihr das mitteilen. Die Alte war aber gar nicht nett und pfiff mich an, dass ich die Fliegentür schliessen oder reinkommen soll. Uppps! Sie rief ihrer Enkelin, welche Nicole hiess. Diese bemühte sich nur widerwillig zu mir. Da entdeckte ich, dass das Mädchen, welches mich zum Reiten eingeladen hatte, nicht die gleiche Nicole war. Sie kannte aber die andere Nicole und versprach mir, diese zu informieren. Die Alte war immer noch mürrisch mit den Vorbereitungen für die Party beschäftigt. Sie scheuchte die beiden schwarzen Mädchen in der Küche herum. Kein Wunder das man sie den „General“ nannte.
Wir fuhren also los. Zuerst inspizierten wir den Camping „Stop Over“. Der Name war uns von Anfang an unsympathisch, doch wir wollten ihm eine Chance geben. Der Platz war tatsächlich ziemlich mickrig ausgestattet. Der empfohlene obere Teil glich einem Schrottplatz, überall lagen Eisenstangen und Gerümpel herum. Nee, da wollten wir wirklich nicht bleiben und schon gar nicht für unverschämte 50 N$ p.P und Nacht.
So fuhren wir wieder zurück zum altbekannten Arebbush. Wir fuhren direkt auf den alten Platz und wurden sogleich von Guy und Gerda freudig begrüsst. Wir durften bei ihnen unter dem Baum im Schatten campieren. Die Bäume sind rar und wir nahmen dankbar an. Wir hatten in der Stadt noch einiges zu erledigen und da auch Gerda noch Besorgungen zu machen hatte, nahmen wir sie mit.
Gerda wollte die MWST zurückfordern, während wir hungrig wie wir waren direkt das Steakhaus Spur ansteuerten. Charly übertrieb wieder einmal mit seinen 600 gr. Spareribs. Ich blieb bei meinem Standard-Menü Filet mit Baked Potatoes und Sauer creme. Wir sassen auf dem Balkon und konnten gut die Hauptverkehrsader von Windhoek beobachten, d.h. Charly war busy den heissen Tussis auf der Strasse hinterher zu schauen ;-).
Nach diesem reichhaltigen Mahl trennten wir uns. Charly ging ins Internet Café, während ich einkaufen ging. Wir hatten uns verabredet, in einer Stunde im Café Schneider einen Käsekuchen zu essen. Ich fand im Kalahari Inn einen Spar-Supermarkt, welcher allerlei gute Importwaren aus Deutschland anbot. Langvermisste Leckereien, wie zum Beispiel Haribo Konfekt und Thomy Mayonnaise. Als ich die Esswaren gerade im Auto verstauen wollte, sah ich Gerda im Taxi sitzen. Ich klopfte an die Tür und fragte, ob sie nicht auch Lust hätte mit uns ins Café Schneider zu gehen. Sie hatte und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg. Im Café bestellte sie sich ein kleines Bier, während ich einen Rock Shandy nahm. Ein erfrischendes Getränk ohne Alkohol. Wir warteten und warteten. Charly kam nicht. Eine Stunde später gingen wir zum Internet Café, doch dieses war bereits geschlossen, da es bereits nach 17 Uhr war. Wir liefen in Richtung Auto, wo uns dann auch Charly entgegen kam. Er hatte eine Stunde beim Auto gewartet, weil er vergessen hatte, dass wir im Café abgemacht hatten. Dabei war er es gewesen, der Lust auf einen Käsekuchen gehabt hatte. Gerda und ich konnten es uns nicht verkneifen ein bisschen über Charly zu spotten.
Gemeinsam fuhren wir zurück zum Arebbush. Hunger hatten wir an diesem Abend keinen mehr. Leigh und Milan sowie Guy und Gerda veranstalteten am Abend eine Stehparty. Sie hatten soviel zu schwatzen, als sie sich in der Mitte des Platzes getroffen hatten, dass sie einfach ein paar Bier und Wein respektive später Schnaps holten und weiter plauderten. Charly blieb bei Nicole und Nick, während ich mich zu den anderen gesellte. Wir hatten viel zu lachen und je später der Abend wurde, desto lustiger wurde es. Erst als keiner mehr stehen konnte, weil jedem die Füsse so weh taten, wurde die Runde aufgelöst. Leigh und Milan hatten einen ganz schönen Schwips. Ich hatte mich mit 2 Gläser Wein tapfer zurückgehalten.
Heute war die Geburt von Constantin! Ina und Olli waren nun frischgebackene Eltern.
Am Vormittag sind wir mal wieder nach Windhoek reingefahren. Wir mussten schliesslich unseren Proviant aufstocken und Charly wollte nachsehen, wie weit unser Paket inzwischen ist. Der Einkauf war schnell erledigt, aber vom Paket gab es keine Spur. Wir fuhren zurück zum Arebbush. Den Nachmittag verbrachten wir dann mit Nik und Nic. Wir erzählten von unserer Reiseroute und gaben eine paar Tipps, wo es uns besonders gut gefallen hatte und wo man eventuell etwas aufpassen musste, wie die Strassenzustände waren und berichteten von guten Übernachtungsmöglichkeiten. Der Nachmittag war im Nu vergangen. Wir hatten alle Hunger und so machten wir uns am frühen Abend mit Snoopy auf den Weg. Wir fuhren nach Windhoek in unser Lieblingsrestaurant dem Spur! Es gab wieder herrliche grosse Steaks für die Männer. Ich zog Filet vor und Nicole entschied sich für den Fisch. Wir sassen draussen auf dem Balkon und hatten eine schöne Aussicht auf das nächtliche Treiben in der Independence Ave. mit Weihnachtsdekoration. Tolle Schlitten und lauter Auspuff, das muss auch hier sein. Leider ist bei uns weitaus weniger erlaubt als in Namibia.
Mit beträchtlich gefüllten Bäuchen sind wir zurück zum Camping gefahren.
Am Morgen habe ich erst einmal die Wäsche gewaschen und unsere Schlafsäcke zum Lüften aufgehängt. Dabei konnte ich den schwarzen Arbeitern zuhören, wie sie ihre Chefs verhöhnten. Wie diese sich aufgeregt hatten, weil sie wieder etwas falsch gemacht hatten. Sie äfften diese nach und amüsierten sich darüber.
Nach einem kurzen, gesunden Frühstück haben wir lange mit den anderen gequatscht. Gegen 11 Uhr war die Wäsche schon wieder trocken und ich legte sie zusammen. Wir machten uns startklar, da wir heute Ina und ihr Neugeborenes in der Medi-Clinic besuchen wollten. Kurz vor 12 Uhr waren wir dort. Doch ist die Besuchszeit im Krankenhaus strikt geregelt. Nur von 15 16 Uhr wird man dort als Besucher eingelassen. Am Empfang wurde die Nummer von Ina gewählt und Olli nahm ab. Er kam wenig später zu uns und zeigte uns stolz die Fotos von dem kleinen Constantin am Tage seiner Geburt. Ziemlich zerknittert, aber süss. Schreien konnte er auch schon, wie wir an der Mimik und dem roten Kopf des Kleinen erkennen konnten. Wir gingen bald darauf wieder und versprachen zur Besuchszeit wiederzukommen. Zurück auf dem Arebbush wurde erst einmal ausgiebig gevespert.
Um 16:30 Uhr waren wir wieder im Hospital. Olli zeigte uns sogleich das kleine Bündel. Constantin war nicht gerade erbaut davon, dass ihn sein Vater aus dem warmen Bett hochhob.
Es gab reichlich Besuch, neben Inas Eltern waren noch Bekannte gekommen. Ina hatte noch deutlich Schmerzen vom Kaiserschnitt. Die Füsse des Kleinen wurden diskutiert und alle marschierten nochmals zur Abteilung der Frischlinge. Olli zog ihm die Strümpfchen aus und zeigte die kleinen „grossen“ Füsschen. Constantin war nun sauer und krähte lauthals los. Kein Wunder! Alle sagten: „jööö, wie süss“. Der Kleine protestierte so lange, bis er wieder in sein Körbchen kam. Die Besuchszeit war nun wieder vorbei und wir verabschiedeten uns von allen. Wir liessen unsere Digitalkamera weiterhin bei Olli, damit er noch ein paar Bilder von seinem Sprössling machen konnte.
Die Eltern von Ina, Hannelore und Peter, wollten noch gerne das Innenleben von Snoopy sehen und so zeigten wir ihnen unsere Wohnkabine. Sie waren begeistert und erzählten von ihrem Wohnwagen, welchen sie zu Hause hatten. Bald darauf verabschiedeten wir uns und fuhren zurück zum Arebbush.
Dort setzten wir uns zu den anderen und haben uns unterhalten, bis es wieder anfing zu stürmen und heftig zu regnen.
Guy und Gerda luden uns zu einem Drink in ihrem LKW ein. Sie zeigten uns Fotos von ihren Touren und auch Guys Videoaufnahmen von afrikanischen Tänzen.
Dabei war es so spät geworden, dass Nik & Nic inzwischen schon ins Bett gegangen waren. Es war kalt und windig, also machten auch wir uns daran ins Bett zu gehen.
Wir sind spät aufgestanden, denn wir hatten nicht allzu viel zu tun heute. Nik & Nic fuhren jedoch schon zeitig ab, da sie zum angolanischen Konsulat wollten. Wir unterhielten uns den ganzen Tag mit Gerda und Guy. Sie wussten immer nette Episoden aus ihrer 17-jährigen Tätigkeit als Reiseführer. Besonders Zimbabwe lag ihnen immer noch sehr am Herzen, doch wegen den politischen Schwierigkeiten war dieses Land für sie zur Zeit tabu.
Charly checkte später die Dieseltankanzeige, welche voll anzeigte, obwohl der Tank komplett leer war. Er räumte dafür alle unsere Bücher und Landkarten aus, um an das elektronische Innenleben von Snoopy zu gelangen. Es herrschte ein Chaos in unserer Wohnkabine. Guy half ihm bei den Ausmessungen, doch konnten beide die defekte Anzeige ohne entsprechenden Ersatz nicht reparieren. Also wurden alle Bücher und Karten wieder verstaut.
Erst gegen 15 Uhr sind wir losgekommen. Wir verabschiedeten uns von Guy und nahmen Gerda mit in die Stadt.
Zuerst fuhren wir zu DHL, doch die konnten mit der 12-stelligen Paket-Nummer nichts anfangen. Auch der eingescannte Lieferschein vom Absender half nicht weiter. So konnten wir nur abwarten, bis das Paket da wäre.
Kaum auf dem grossen Parkplatz im Stadtzentrum angekommen, wurden wir von zwei älteren deutschen Touristen angehauen. Sie wären 2 Jahre in Südamerika unterwegs gewesen und nur einmal auf einen Campingplatz gegangen. Aber hier in Namibia sei wild campen strengstens verboten und wo denn hier bitte der nächste Campingplatz sei. Häääää??? Was haben die den für Probleme. Wir erklärten ihnen den Weg zur Arebbush Travel Lodge und machten uns aus dem Staub Angeblich wusste die Info-Stelle direkt hinter ihnen nämlich nicht wo der Camping war!??? Das konnten wir ihnen nicht glauben, für uns waren das ein paar komische Leute.
Danach erledigten Gerda und ich gemeinsam unsere Besorgungen. Charly war unterdessen schnell ins Internet-Cafe gegangen, weil er die Paket-Nr. für unsere Wasserpumpe nochmals mit dem Absender checken wollte. Leider erfolglos, da der gute Mann in Deutschland das Paket als Standardpaket bei DHL aufgegeben hatte und damit gab es nun keine Möglichkeit das Paket zu verfolgen. Die Firma Ötzel versuchte es trotzdem von Deutschland aus, leider war dies ebenfalls erfolglos. Das Paket braucht nun zwischen 10 und 12 Tage. SUPER! Vielleicht auch länger, na toll - wir haben nicht schlecht geflucht. Die Portokosten sind so zwar geringer, aber unser Aufenthalt hier war ja auch nicht gratis.
Gemeinsam gingen wir zu Café Schneider und assen dort wieder einen feinen Käsekuchen, während Gerda die Käsesahne bevorzugte.
Anschliessend fuhren wir Gerda zurück auf den Arebbush Camping. Guy war im Restaurant und konnte dort kostenlos im Internet surfen. Wireless! Wir mit unserer alten Technologie hatten da keine Chance. Wir tranken ein letztes gemeinsames Bier und surften noch etwas mit. Als wir gerade gehen wollten, flog eine kleine Jessna über unsere Köpfe weg. Das Flugzeug war gelb und hatte gross das DHL Logo auf der Seite. Wir mussten lachen und Guy meinte scherzhaft, dass die gerade unser Paket abwerfen werden.
Wir verabschiedeten uns nochmals herzlich von den Beiden und machten uns auf den Weg. Die Wolken hingen wieder tief über Windhoek und bald begann es fürchterlich zu regnen. Da die Scheibenwischer der einheimischen Autos nicht so toll funktionierten, hielten einige auf der Schnellstrasse einfach an und warteten den heftigsten Regen ab. Auf dem deutschen Sender hörten wir die Nachrichten. Puhhh - in Deutschland (NRW) ist der Strom ausgefallen, weil es so heftig geschneit hatte. Drei Tage ohne Strom und das in Deutschland! Wir hatten zwar heftigen Regen, doch war es wenigstens noch angenehm warm.
Als wir auf der Farm Elisenheim ankamen, begann es erneut zu regnen. Nik & Nic waren schon da und hatten ihr Dachzelt bereits aufgestellt.
Die angolanische Botschaft war hilfsbereiter als erwartet, doch werden die Beiden morgen nochmals persönlich beim Konsul vorsprechen müssen. Nik kochte für alle Spaghetti Carbonara. Bei einem Glas Rotwein respektive einem Windhoeker-Bier sassen wir unter dem Strohhüttchen und erzählten von unseren Erlebnissen. Am Abend war es wieder kälter geworden und wir mussten leider unsere Jacken auspacken.
Später zeigten wir noch ein paar von unseren Fotos auf dem Notebook.
Nachdem wir uns mit Nik & Nic an den Tisch gesetzt hatten und gerade begonnen hatten zu frühstücken, hatte uns auch schon das Kudu entdeckt. Frech kam es geradewegs zu unserem Tisch und wollte alles anknabbern. Schnell brachten wir die Früchte in Sicherheit, doch auch das Brot war höchst interessant. Anfangs hatte das Kudu noch Respekt vor dem Stock, den Nicole dem Tier zeigte, doch realisierte es sehr schnell, dass wir doch nicht so böse sein konnten. Also schlugen wir eine andere Taktik an. Wir nahmen das alte Brot und Charly lief damit auf die andere Seite. Das Kudu lief hinterher, doch lief es ihm auch wieder hinterher, als er zu uns zurück kam. Unser Snoopy war ebenfalls höchst interessant für das Kudu. Es streckte frech den Kopf weit in unsere Wohnkabine und suchte nach fressbarem. Hat man da noch Töne! Es blieb uns nichts anderes übrig, als das Kudu wegzustossen und die Tür vor dem neugierigen Vieh zu verschliessen. Kurz darauf war es auch schon wieder an unserem Tisch. Das Frühstück wurde deshalb rasch beendet und wir packten eilig unsere Esswaren ein. Ich hatte noch alten Salat, welchen das Kudu uns später gierig aus der Hand frass.
Nik & Nic fuhren in die Stadt, während wir auf Elisenheim blieben. Wir hatten heute keine Lust in die Stadt zu fahren und zu besorgen hatten wir auch nichts, also legten wir einen faulen Nachmittag ein.
Am Abend gab es das übliche Programm, zuerst einen Apéro, dann gemeinsames Abendessen und anschliessend viele erlebnisreiche Geschichten.
Wieder Frühstück mit Kudu, doch hatte sich inzwischen Teddy der Hund zu uns gesellt. Dieser verbellte das Kudu, wenn es sich zu nahe an uns heranwagte.
Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir in die Stadt um wieder einmal bei DHL vorbei zu schauen. Es gab keine Infos über das Paket, oder wann es ankommen würde. So langsam nervte es uns. Solange kann das doch unmöglich dauern. Da wäre die normale Post ja noch schneller.
Nach unserem Einkauf fuhren wir zurück nach Elisenheim und grillierten ein Hühnchen. Durch ein Missverständnis hatte Nik gemeint, wir würden unser eigenes Poulet kaufen, doch wir waren der Ansicht gewesen, dass er besser wissen würde welches zu kaufen war. So kam es, das sie ihr Hühnchen mit uns teilen mussten. Es gab von allem anderen reichlich, so dass wir schlussendlich noch von dem Hühnchen etwas übrig hatten. Trotzdem zogen wir Nik etwas auf.
Beide Tage hatten wir mehrheitlich damit zu gebracht uns am Morgen mit dem Kudu Kambi und dem Hund Teddy zu beschäftigen sowie ein ausführliches Frühstück mit Nik & Nic zu pflegen. Während des Tages waren wir nach Windhoek gefahren, um nach dem Paket bei DHL zu forschen. Leider jeweils erfolglos.
Am Abend kochten wir gemeinsam mit Nik & Nik und schwatzten den ganzen Abend.
Donnerstag Nacht hatte uns ein lautstarkes Froschkonzert von unserem erholsamen Schlaf abgehalten.
Wir waren dankbar, als wir Freitag nachmittags bemerkten, dass das Wasser aus dem kleinen Schwimmbassin abgelassen wurde. Endlich Ruhe und tatsächlich hatten wir Freitag eine ruhige Nacht. Das Wasser war leider nicht wegen uns abgelassen worden, sondern für die Partygäste am Wochenende. Es waren wieder Leute für eine Party angemeldet und nun liess man frisches Wasser für diese Leute ein. Diesmal beschlossen wir trotz der Party zu bleiben, da es anscheinend nur den Samstag betraf.
Den ganzen Tag waren wir faul gewesen. Ich lag mehrheitlich mit einem Buch in der Hängematte. In der Elisenfarm gab es eine Art Bibliothek, wo die Reisenden ihre ausgelesenen Bücher abgaben und dafür ein neues nehmen konnten. Endlich mal was anderes als Reisebücher zum Schmökern.
Charly unterhielt sich mit Nik, während Nic, wie ich, ein Buch las.
Am Abend haben wir uns ein gutes Abendessen gekocht. Mexikanische Fajitas standen auf dem Speiseplan. Wir hatten es gemütlich und unterhielten uns gut. Die am Nachmittag angekommene Partygäste luden uns am Abend mehrfach zu einem Drink auf ihren Platz ein. Wir mochten uns gar nicht so richtig aus unserer beschaulichen Runde lösen. Trotzdem gingen wir zu den Südafrikanern und bemerkten, dass alle schon ziemlich getankt hatten. Sie waren herzlich und offerierten uns einen Drink. Ich nahm gerne einen Schluck Wein. Charly war bald darauf verschwunden und in der Party in der Bar verschollen. Er hatte dort Andreas, den Besitzer der Farm angetroffen und sich fest geschwatzt. Nik & Nic waren bald müde und verzogen sich in ihr Dachzelt.
Als Charly zurück kam, war es bereits schon spät. Die meisten Partygäste waren bereits recht betrunken in ihre Zelte getorkelt. Zwei Typen hielten die Stellung, bis auch wir uns bald darauf in unseren Snoopy verzogen.
Da es spät geworden war am Abend, waren wir auch am Morgen nicht so früh auf. Obschon die Paviane wieder wild auf den Bäumen herumgetobt waren und uns damit aufgeweckt hatten.
Nach einem ausgiebigen Frühstück setzten wir uns mit Nik & Nic zusammen, um von Ihnen die Infos von Botswana bis Kenia festzuhalten. Wir notierten uns alles, inkl. einiger GPS-Koordinaten. Die Infos und Geschichten waren so umfangreich, dass wir den ganzen Nachmittag dazu brauchten.
Die anderen Partygäste waren im Laufe des Nachmittags gegangen, wir waren nun wieder allein auf dem Platz.
Am Abend haben wir gegrillt und einen guten Salat dazu gemacht. Beim Abwaschen hörten wir, wie die Frösche wieder anfingen zu quaken. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Wir verdrehten alle die Augen und hatten eigentlich keine Lust auf eine weitere durchwachte Nacht. Charly und Nik kam da so eine Idee. Es war bereits späterer Abend und niemand war mehr wach ausser uns. Wie zwei Lausbuben schlichen sie sich mit der Grillzange und einem Eimer bewaffnet in das Bassin. Nik war mit seinen kurzen Hosen in den Pool gestiegen, wo ihm das Wasser nur knapp bis über seine Knie ging, denn der Pool war wegen der Kinder der Partygäste nur halbvoll mit Wasser gefüllt worden.
Nik ging mit der Grillzange also auf die Jagd. Er schnappte sich jeden einzelnen Frosch und übergab diesen Charly. Charly hütete den Eimer mit einem Deckel, damit die Frösche nicht wieder entfliehen konnten. Die beiden amüsierten sich köstlich auf ihrer Froschjagd. Nicole und ich sahen vergnügt zu, wie unsere Spitzbuben richtig ins Jagdfieber kamen. Doch was tun mit den gefangenen Tieren. Sie töten wollten wir nicht. Wegtragen hätte nicht viel gebracht, die Tiere wären sicher bald in der Nacht zurückgekommen. Da kam uns die Idee, dass es vorne im Haupthaus doch auch einen schönen, grossen Swimmingpool gab. Unsere Männer brachten die Frösche im Eimer zum Pool und liessen diese dort frei. Danach schlichen sie sich zurück zum Campingplatz.
Es dauerte nicht lange und die Frösche starteten erneut ihr Konzert am anderen Pool. Dieser war weit genug entfernt, so dass uns ihr Gequake nicht mehr nervte.
In der Nacht wachte ich auf und bemerkte, dass die Frösche nicht mehr quakten. Ob sich da wohl einer genervt gefüllt hatte.
Am Morgen ging ich gleich mal nachschauen, ob die Frösche noch im Pool waren. Es war weit und breit kein einziger mehr zu sehen.
Nach einem guten Frühstück sind wir wieder nach Windhoek gefahren, um diesmal bei DHL auf den Putz zu hauen, falls das Paket immer noch nicht da sein sollte.
Bei DHL wollten sich die schwarzen Ladies wieder mit zuckenden Achseln aus der Affäre ziehen, doch diesmal blieb Charly hart. Er verlangte, dass man sofort in Johannisburg anrufen würde und abklärt, wo das Paket steckt. Die Ladies hatten nicht recht Lust, aber Charly blieb dran. Mit der Schwarzen eigener Lässigkeit bequemte sich schliesslich doch eine den Boss zu holen, da ein Anruf anscheinend ihre Kompetenz überschritt. Der Boss war eine Frau und ebenfalls farbig. Wir machten uns keine allzu grossen Hoffnungen mehr. Die Frau erschien uns etwas überfordert, anscheinend war sie noch nicht so lange in dem Job. Da tauchte ein Weisser auf und fragte, wo denn das Problem sei. Er war eigentlich gar nicht mehr bei DHL angestellt und wollte nur noch seine Sachen übergeben. Wir schilderten ihm trotzdem unser Problem und siehe da, es war ihm sofort klar was da abgelaufen war. DHL und die Deutsche Post hatten ja fusioniert, dass heisst, auch wenn auf unserem Lieferschein DHL Express drauf stand, das Paket aber als Standard-Paket geschickt worden war, nahm das Paket den normalen Postweg und lag nun wahrscheinlich bei der Nampost. Diese war keine 500 Meter von DHL entfernt. Wir bedankten uns bei dem blonden Michael und fragten uns, wieso die schwarzen Tussis das nicht gewusst hatten. Statt nur Achseln zu zucken, hätten sie sich ja auch einmal informieren können. Michael erklärte uns nämlich, dass wir nicht die Ersten mit diesem Problem waren.
Wir fuhren also zu Nampost und tatsächlich lag dort schon bald 14 Tage unser Paket. Es hätten nur wenige Tage gefehlt, dann wäre das Paket zurück nach Deutschland gegangen. Die Empfangsadresse war eindeutig DHL, doch die Post wird in Namibia nicht ausgetragen und anscheinend wird da auch nicht kommuniziert. Kein Anruf, keine mündlichen Infos, kein Zettel NICHTS, dass da ein Paket wartet. Die Nampost machte es sich einfach. Entweder da kommt jemand, oder das Paket geht zurück.
Wir mussten satte 16% MWST zahlen, obwohl wir belegen konnten, dass wir nur temporär in Namibia verweilten. Wir wurden informiert, dass wir die MWST im Tax-Refund-Büro wieder zurückerstattet bekämen. Wir waren da skeptisch, doch ohne die MWST gab es kein Paket für uns. Wir zahlten zähneknirschend den Betrag, da uns klar war, dass wir das Geld wahrscheinlich nie wieder zurück bekommen werden.
Wir fuhren gleich anschliessend zu dem Büro, doch war es bereits kurz vor 17 Uhr und die schwarzen Ladies in dem Büro waren mit ihren Fingernägeln beschäftigt. Was für ein Stressjob, bemerkte Charly. Die zuständige Frau war nicht mehr am Platz, man liess uns etwas warten und schickte uns schliesslich weg. Ein anderes Büro war plötzlich zuständig. Eine Frau ging mit uns auf den Gang und zeigte uns, wo wir hin mussten. Ein anderes Gebäude und ein anderes Stockwerk, aber die gleiche Geschichte. Keiner war zuständig und dabei völlig überfordert. Wieder wurde uns eine anderes Tax-Refund-Büro bekannt gegeben, dort sei man für Touristen zuständig. Alles klar, wir ahnten schon wie das ablaufen wird. Für das nächste Tax-Refund-Büro waren wir nun definitiv zu spät dran, also fuhren wir zurück.
Müde kamen wir auf der Elisenheim Farm an. Nik & Nic waren erfolgreicher gewesen und hatten trotz aller Widerstände ihr Angola-Visum erhalten. Zuerst hiess es nämlich, sie benötigen ein Empfehlungsschreiben von der Schweizer Botschaft. Es gib aber keine in Namibia, sie hätten per Kurier erst 50 oder 100 CHF nach Kapstadt überweisen müssen, dann wäre auf ihre Kosten per Kurierdienst ein Schreiben zu ihnen gekommen. Sehr aufwendig und teuer. Mit Hartnäckigkeit hatten sie erreicht, dass man ohne dieses Schreiben ihnen ein Visum für einen Monat ausstellte. Das musste gefeiert werden. Wir hatten endlich unser Paket und sie ihr Visum.
Am Morgen fuhren wir wieder nach Windhoek, in der Hoffnung die MWST doch noch zurück zu erhalten. Das Büro war bald gefunden, doch die zuständige Person war nicht anwesend. Wir mussten warten. Schliesslich kam ein Jüngling mit ziemlich schwuler Ausstrahlung. Er war nett, doch Geld oder einen Scheck bekamen wir nicht. Er vertröstete uns auf die Grenze, dort würden wir einen Scheck erhalten, den wir überall auf der Welt einlösen könnten. Wer’s glaubt! Wenigstens hatten wir versucht unser Geld wieder zu bekommen.
Am Nachmittag sassen wir dann mit Nik & Nic zusammen um noch die restlichen Infos von Äthiopien bis in die Türkei festzuhalten. Sie waren auch im Iran gewesen und ganz angetan davon. Für den Fall der Fälle, notierten wir auch von dort einige bemerkenswerte Hinweise.
Da die Beiden so gut wie keine Unterlagen von West- respektive Zentralafrika hatten, übergaben wir ihnen unsere Bücher und Strassenkarten. Sie hatten eigentlich von Südafrika zurück verschiffen wollen und hatten sich erst in Namibia für eine Rückfahrt entschieden. Nun waren sie gerüstet für die Weiterfahrt.
Nik war heute schon früh gestartet, denn er musste den Landy noch in die Garage bringen. Nicole fuhr mit uns und so sind wir gemeinsam nach einem kurzen Frühstück in die Stadt gefahren. Charly war im Internet Cafe während ich einkaufen ging. Erst im Internet Cafe bemerkte Charly, dass ja heute unser Jahrestag war. Heute genau vor einem Jahr waren wir gestartet. Wir trafen uns mit Nicole im Cafe Schneider und fuhren gemeinsam mit ihr zur Landy-Garage. Nik war am fluchen, weil alles nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hatte.
Am Nachmittag fuhren wir alle zurück zur Elisenfarm.
Zur Feier des Tages beschlossen wir ins Sardinia italienisch essen zu gehen. Wir freuten uns schon auf eine gute Pizza. Die Atmosphäre war nicht schlecht und der Laden war ziemlich voll. Gut hatten wir am späten Nachmittag noch reserviert gehabt.
Nik & Nic hatten Calamari als Vorspeise, während wir einen gemischten Salat nahmen. Der Auftakt war gut. Die Pizza war dafür ein Desaster. Die Pizza war fade und obwohl Charly eine Extraportion Shrimps bestellt hatte, war kaum etwas anderes auf der Pizza als klebriger, zäher Käse. Charly reklamierte und bekam eine separate Portion Shrimps obendrauf. Die Pizza war deswegen immer noch hundsmiserabel. Er ass sie trotzdem, da er sehr hungrig war. Auch die Pizzas von Nik und mir waren fade und klebrig. Die Bedienung war sehr bemüht, doch entschädigte uns das nicht für die miesen Pizzas. Beim Verlassen des Restaurants wollten wir dem Chef nochmals mitteilen, dass die Pizza nicht gut war. Da wurde der Chef böse und sagte, dass wenn er gewusste hätte, dass Charly nichts als reklamiert, er ihm keine Extraportion Shrimps gegeben hätte. Dies war schliesslich schon überaus grosszügig von ihm. Wir waren paff über so viel Unverschämtheit. Wir verliessen das Restaurant, doch nicht ohne dem Typ mitzuteilen, dass er bei uns in Europa mit so einer Pizza keinen Hund hinter dem Ofen vorholen könnte und wahrscheinlich verhungern würde, da ihm kein Mensch so etwas bei uns abkaufen würde. Wir regten uns noch über den unverschämten miesen Koch auf, doch schlussendlich liessen wir uns die gute Stimmung doch nicht verderben.
Auf dem Camping feierten wir noch etwas, bevor wir uns endgültig schlafen legten.
Wir waren schon früh wach und haben uns von Nik verabschiedet. Er musste nochmals nach Windhoek fahren, um den Landy für die Weiterfahrt flott zu machen.
Gemeinsam mit Nicole frühstückten wir. Die Affen turnten wieder in der Nähe auf den Bäumen herum. Das Kudu kam heute zu spät, es gab nichts mehr für das hungrige, doch wohlgenährte Tier. Während Charly unter der Dusche stand, ging ich zahlen. Ich fragte wie das Kudu denn auf die Elisenfarm gekommen sei. Die Besitzerin erzählte, dass das Kudu eines Tages im Eingang der Farm gestanden hatte, es war ganz abgemagert gewesen und sah erbärmlich aus. Die Nabelschnur hing noch am Bauch. Seine Mutter war wahrscheinlich von Wilderern mit einer Draht-Schlinge erlegt worden, da haben sie es einfach adoptiert.
Wir packten unsere 7-Sachen zusammen und nahmen Nicole mit in die Stadt. Wir brachten sie zum kongolesischen Konsulat, wo sie die Pässe mit dem neuen Visum abholen konnte. Anschliessend fuhren wir zum grossen Parkplatz in der Stadt und liessen sie dort aussteigen. Wir verabschiedeten uns von ihr und fuhren danach gleich weiter.
Auf der C28 wurden wir von einer Polizeikontrolle angehalten. Wir hätten kein Tableau! Hhäää, ein was?, fragten wir. Wir erklärten dem Officer, dass unser Auto in der Schweiz registriert sei und wir hier nur auf der Durchreise seien. Ach so, war die Antwort, dann könnten wir weiter fahren. Wir fuhren auf der recht langweiligen Piste und fragten uns, was denn hier schön sein soll. Erst in der Nähe vom Bosua Pass wurde die Landschaft abwechslungsreicher.
Der Pass war unserer Meinung nach wenig eindrücklich, doch war die hügelige Landschaft nun etwas interessanter.
Wenig später bogen wir in den Namib-Naukluft Park ab. Hier sahen wir kurz vor dem Eingang des Parks die ersten Giraffen, welche wir in dieser kargen Landschaft nicht vermutet hätten. Kurz darauf erspähten wir weit weg einige Bergzebras und Strausse. Die Landschaft war offen und von spärlichen gelben Gras bewachsen.
Auf der C14 stand ein Hinweisschild zum Kuiseb Canyon, und dass man nur mit einer gültigen Bewilligung hineinfahren dürfe. Wir hatten keinen Eintritt bezahlt und eine Möglichkeit ein gültiges Ticket Vorort zu lösen, gab es in dieser Wildnis nicht. Verpassen wollten wir den Canyon nicht und deswegen extra nach Swakopmund zu fahren war ebenfalls Blödsinn. Also fuhren wir einfach rein. Kein Mensch, keine Kontrolle weit und breit. Nur ein junges Pärchen stand mit ihrem Mietwagen an den Klippen. Wir fuhren bis zum Rand des Abgrundes und stiegen aus. Der Himmel war klar und die Sonne schien, doch es stürmte. Der starke Wind blies uns fast weg.
Wir sahen den Canyon hinab und machten ein paar Fotos. Wir drehten am Rand des Canyons eine Runde und betrachteten uns die buckelige, trockene Landschaft. Danach fuhren wir zurück auf die C14.
Es war schon wieder Zeit nach einem geeigneten Übernachtungsplatz Ausschau zu halten, doch fanden wir keinen geeigneten Platz auf der C14. Wir fuhren über den Kuiseb Pass und bogen auf die C26 ab. Nebenbei bemerkt ist die C26/C14 von Windhoek nach Walvis Bay eine der schönsten Strecken in Namibia. Wir fuhren weiter und fanden immer noch keinen geeigneten Übernachtungsplatz.
Kurz vor dem Gamsberg Pass sahen wir dann ein Hinweisschild zur Rooiklip Guestfarm. Es waren einige Kilometer zu fahren, doch hatte es sich rentiert, wie wir später feststellen durften. Die Farm lag abseits aller Touristenpfade und die Piste dorthin war rau. Wir sahen einige Bergzebras in den schroffen Hügeln grasen. Wie wir am letzten Gatter standen und dies öffneten, stand plötzlich ein VW-Bus hinter uns. Wir wurden überschwänglich begrüsst, denn der Fahrer war der Besitzer der Farm. Sein kraftvoller Händedruck zerquetschte fast meine Hand.
Wir sollten ihm nachfahren. Auf der Farm stand schon seine Frau Lore, eine Deutsche. Sie wollte ihrem Mann einen Begrüssungskuss geben, doch er genierte sich etwas. Danach begrüsste auch sie uns überschwänglich. Sie freute sich ausserordentlich über unseren Besuch.
Wir stellten unser Auto hinter die Lapa, eine grosse Rundhütte, in der man sich trifft und isst. Dort war notdürftig einstweilen der Campingplatz eingerichtet. Man lud uns ein, doch auch in die Lapa zu kommen und man fragte, ob wir mit ihnen essen wollten. Wir wollten jedoch selber kochen und verabredeten uns auf später. Wir sassen in der Wohnkabine und waren gerade mit dem Essen fertig, da klopfte es an der Tür. Lore stand vor der Tür. Sie hatte uns Zebrafrikadellen mitgebracht, die sollten wir unbedingt kosten. Diese waren tatsächlich ausserordentlich gut. Anschliessend gingen auch wir in die Lapa. Wir unterhielten uns dort mit den anderen Gästen, aber überwiegend mit Lore. Sie war vor 5 Jahren vorzeitig pensioniert worden und lebt nun mit ihrem Lebenspartner in Namibia. Er war ein typischer Südafrikaner, er trug weder Hemd noch Schuhe. Gemeinsam wollen sie die Farm wieder aufbauen. Sie hatten so viele Pläne, dass Lore lächelnd meinte, dass sie sehr alt werden müssen, damit sie alles realisieren können. Lore spendierte uns ein Glas Rotwein und wenn wir gewollt hätten, wären es sicher noch mehr geworden. Lore wollte uns eine Farmrundfahrt offerieren, damit wir nebenbei die schöne, neue Campinganlage bestaunen könnten, welche sie gerade am bauen waren.
Wir überlegten am Morgen nochmals, ob wir die Farmtour nun mitmachen sollten oder nicht. Wir entschieden uns trotz des grosszügigen Angebots dagegen, denn so langsam lief uns die Zeit davon, wie Charly meinte. Wir hatten ein kurzes Frühstück und packten zusammen. Die Dusche in der einfachen und rustikalen Anlage tat gut. Wie die Lapa, war auch die Dusche aus Klippengestein.
Wir gingen zur Lapa, wo die anderen gerade ihr Frühstück beendet hatten. Wir setzten uns zu Lore und erklärten ihr, dass wir doch nicht an der Farmtour teilnehmen werden. Sie gab aber nicht so leicht auf und wollte uns doch noch überzeugen. Wenigstens die neuen Campingplätze sollten wir uns anschauen, die sie gerade oben in den Klippen errichteten. Wir gaben uns geschlagen und sagten zu. Wir unterhielten uns noch mit dem deutschsprachigen Namibia-Ehepaar Kollwitz aus Omaruru. Sie hatten ebenfalls Jahrzehnte lang eine eigene Farm geleitet und hatten diese nun ihren 3 Söhnen übergeben. Wir unterhielten uns auch über die Praktiken der Banken in Namibia. Bei diesen Geschichten haben sich bei uns gleich alle Nackenhaare aufgestellt. Da wird einfach von einem Konto auf ein anderes Konto überwiesen, obwohl es keinerlei Anweisung dazu gab. Lore erzählte, dass sie bei der Nedbank mehrere Konten haben. Ihr Lebenspartner hatte einen Minusbetrag auf seinem Konto und man hatte einfach den Betrag von ihrem Konto auf sein Konto überwiesen, ein anderes Mal wurden alle ihre Konten von Windhoek nach Walvis Bay transferiert, da es dort mehr Personen mit dem gleichen Nachnamen gab, usw. Sachen, die bei uns unvorstellbar sind. Auch über das Steuersystem haben wir uns unterhalten, welches ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig abläuft. Hat man zuviel Steuern einbezahlt, bekommt man den Betrag nicht zurückerstattet, dafür wird dieser Betrag auf der nächsten Rechnung hinzugerechnet nicht abgezogen wohlgemerkt. Was ist denn das für eine Logik? Na, da können wir mit unserem System zu Hause aber ganz schön zufrieden sein. Ein weiteres Beispiel war: Stromrechnungen werden nicht bezahlt und da es viele Leute gibt, die kein Geld haben, wird das Geld einfach bei Leuten eingezogen die ihre Rechnungen immer pünktlich bezahlt haben. Quasi wir sind alle eine grosse Familie und derjenige der seine Rechnungen immer bezahlt hat, hat auch genügend Geld für die Rechnungen der anderen. Afrikanische Logik muss man nicht wirklich bestehen oder?
Wir bezahlten die 120 N$ Campinggebühr und machten uns auf den Weg zu den Pferden und dem Zebra. Stolz zeigte uns Lore ihre Lieblinge. Nur die Stute war bisher geritten worden, der Hengst war noch komplett wild, hat sich aber inzwischen etwas an die Menschen gewöhnt. Er war wunderschön und hatte eine ungewöhnliche Isabellen-Farbe. Die Fohlen Fee, Hexe und der kleine Prinz waren ebenfalls da. Lore hätte gerne jemanden, der ihr die 3-jährig Fee einreitet und die 2-jährigen Hexe so langsam anlongiert. Den wenige Monate alten Prinz könnte man so langsam ans Halfter gewöhnen. Da Lore keine Erfahrung hat mit Pferden, wäre sie recht froh jemanden mit Zeit und Ambitionen zu haben. Mit Ambitionen könnte ich dienen, aber mit der Zeit wird es knapp, denn unsere 3-Monate-Aufenthaltsbewilligung wird bald um sein in Namibia.
Das Bergzebra, welches sie aufgepäppelt hatte, war natürlich auch da und genoss die Zuwendungen, wobei es immer das Maul weit aufriss. Zuerst konnte man dies als Drohung missverstehen, doch nach einer Weile merkte man, dass das hiess: Gefällt mir, mach weiter. Die Pferde waren nicht so glücklich über die Konkurrenz und verscheuchten das kleine Bergzebra gerne. Ein Strauss gesellte sich hinzu. Lore hatte 13 Straussenkinder gross gezogen. Als diese noch ganz klein waren, hat sie diese sogar mit ins Bett genommen, damit sie auch alle durch kriegt. Von 13 haben immerhin 10 überlebt. Es muss eine heikle Angelegenheit sein Strausse zu züchten. Lore erzählte uns eine Episode vom Zebra. Sie hatten zusammen mit Bekannten Betten gezimmert und da diese gerade einen runden Hochzeitstag feierten, wollte der Mann unbedingt im neuen Bett draussen schlafen. Seine Frau fand das aber nicht so romantisch und ist nachts ins Haus gegangen. Morgens hatte sich das Zebra Zutritt zum Haus verschafft und trieb dort sein Unwesen. Es hatte auch bald den Mann im Bett entdeckt und ihn mit seiner Samtnase vorsichtig beschnuppert. Dieser meinte wiederum es sei seine Frau, die ihn zärtlich mit einem Küsschen wecken wollte. Man kann sich vorstellen, was für einen Schreck der Mann gekriegt hatte, nachdem er realisiert hatte, dass ihn eben ein Zebra geknutscht hatte.
Nach den Streicheleinheiten mit den Pferden fuhren wir mit Lore zu der neuen Campinganlage. Der Rohbau für die Dusche und für das WC stand bereits. Es war alles in Klippengestein gehalten und es integrierte sich wunderbar in die Landschaft. Man sieht wirklich erst wenn man dort ist, dass hier Gebäude stehen. Der Überhang der Klippe spendet den ganzen Tag Schatten, ein kleiner Schatz in so heissen Gegenden. Die Aussicht auf das Umland war fantastisch. Speziell für Geologen ist die Farm ein Schatzkästchen, denn es gibt viel Urgestein und geologische Besonderheiten hier. Uns hat das hügelige Umfeld und die überhängenden Klippen sehr gefallen. Wir haben uns oben auf den Hügel noch lange unterhalten, sehr zum Leid der 4 Hunde. Diese mussten nämlich anschliessend für die Heimfahrt wieder hinten auf dem Pick-up, wo die Ladefläche inzwischen sehr heiss geworden war. Trotz des kühlenden Strohs tanzten die Hunde regenrecht auf der Ladefläche, damit ihre Pfoten keine Brandblasen bekamen.
Zurück beim Farmhaus hat uns Lore noch eine Cola spendiert und wieder blieben wir hängen, es gab einfach zu viel zum Erzählen. Jeder wusste eine interessante Geschichte. Gegen Mittag haben wir es dann doch noch geschafft uns zu verabschieden.
Auf unserer Fahrt zurück zur C26 haben wir wieder etliche Bergzebras gesehen.
Die C26 führte uns über den Gamsberg sowie durch eine schroffe und schöne Landschaft.
Bei der D1265 bogen wir dann nach Süden ab. Kaum waren wir auf dieser kleinen Nebenpisten, begegneten uns auch schon wieder zahlreiche Springböcke. Ein Springbock lief vor uns her und machte während seiner Flucht einige gewaltige Sätze. Das Tier rannte satte 50 km/h. Wir hatten schon so viele unterwegs gesehen, da dachten wir uns nichts dabei. Der Springbock rannte lange vor uns her und wir wunderten uns schon, warum er nicht auf die Seite ging. Plötzlich sprang er doch einen Haken und raste ungebremst in den Zaun. Das Tier hatte Pech und blieb auf dem Boden liegen, denn der Zaun war nicht wie üblich beweglich, so dass die Tiere darunter hindurch schlüpfen konnten. Es war ein starrer Maschendrahtzaun! Das Tier war Kopf voran in den Zaun gerannt und hatte sich dabei das Genick gebrochen. Wir hielten sofort an, da wir hofften dem armen Tier noch helfen zu können, doch es lag nur noch röchelnd mit einer Beule im Hals auf dem Boden. Ich holte schon das Buschmesser um ihm einen langen, qualvollen Tod zu ersparen. Wir mussten aber nicht mehr eingreifen, denn das Tier verendete wenig später in unseren Händen. Wir waren beide geschockt und niedergeschlagen. Auf der anderen Seite des Zauns war nichts als weite, endlose Leere. Kein Mensch, kein Tier war weit und breit zu sehen. Wozu der Zaun? Auf der Weiterfahrt hing jeder seinen Gedanken nach.
Wir fuhren ein kurzes Stück auf der C24, doch schon bald bogen wir auf die D1275 in Richtung Spreetshoogte Pass ab. Die Aussicht oben auf der Passhöhe war grandios. Die Passstrasse selber war abenteuerlich steil und schmal. Landschaftlich gehört diese Ecke wohl mit zu den schönsten in Namibia. Es ist empfehlenswert von Ost nach West zu fahren, da hat man die ganze Zeit das Panorama vor Augen. Die Aussicht auf der Passhöhe war sensationell, so machten wir auf dem Parkplatz kurz Rast für einen Imbiss. Die Wolken hatten uns schon ein Weilchen begleitet und wir konnten auch den Regen sehen, doch bis auf die Erde hatte er es nie geschafft. Bereits im oberen Drittel war das Wasser verdunstet und es gelangte kein Regentropfen bis auf die Erde. Doch nun auf der Passhöhe sah es plötzlich anders aus, denn nun regnete es blitzartig in strömen. Ein starker Wind kam hinzu und peitschte die Regentropfen heftig gegen unsere Windschutzscheibe. Wir hatten keine Ambitionen mehr irgendwelche Fotos zu machen.
Die Fahrt hinunter war steil sehr steil. Angeblich waren nur 2 km/h erlaubt. Wir fuhren schneller und hatten bald einen alten, langsamen Land Rover vor uns. So zuckelten wir hinab ins Tal, denn überholen lag nicht drin. Kaum unten angekommen, war es auch schon wieder vorbei mit dem Regen und die Sonne strahlte wie immer. Berge links und rechts, dazu das intensive gelbe Gras fast unwirklich schön. Auf der C19 fuhren wir über Solitaire nach Sesriem. Es war bereits Abend als wir ankamen.
Der Eintritt für den National Park betrug 80 N$ p.P. pro Tag, plus 10 N$ für das Auto. Der Campingplatz war gleich teuer wie im Etosha N.P., satte 240 N$ wurden für den miesen Platz verlangt. Die Anlage war zwar sauber, aber ebenfalls nicht renoviert worden. Ohne Aufwand mehr Geld, scheint die neue Devise von Namibia zu lauten.
Da uns der Campingplatz zu teuer erschien, zahlten wir nur für den Eintritt. Wir wollten irgendwo wild campieren. Als wir den Empfang verliessen, trafen wir auf zwei junge Deutsche vom Bodensee. Wir unterhielten uns, als einer der 3 jungen Männer die vor uns ihr Ticket gelöst hatten, sich dazu gesellte. Dieser fragte, ob wir nicht einen Platz teilen wollten. Wir hatten jedoch schon unsere Erfahrung im Etosha N.P. gesammelt und erklärten ihm den Sachverhalt. Da sie schon bezahlt hatten, würde man uns nie ohne weiteres ebenfalls auf den gleichen Platz lassen. Doch das deutsche Pärchen und wir hatten noch eine Chance. Wir beschlossen es auszuprobieren, Michael und ich gingen ins Office. Der Officer beäugte mich etwas argwöhnisch, doch akzeptierte er meine Aussage, dass wir soeben unsere Freunde wieder getroffen hatten und nun doch auf den Platz gemeinsam übernachten wollten. Er gab uns die Nr. 16. Wir fuhren also zum Platz Nr. 16, welcher aber bereits belegt war. Also fuhren wir wieder zurück zum Office und reklamierten. Gleichzeitig wiesen wir auf den Platz 21 hin, welcher noch frei war. Nebenbei bemerkt war er auch wesentlich grösser. Wir bekamen den Platz. Super! Die Deutschen wollten dann überraschend doch nicht mehr mit uns zum Sonnenuntergang in die Dünen fahren. Sie waren müde, da sie schon den ganzen Tag gefahren waren. So fuhren wir eben alleine los.
Wir fuhren fast eine ganze Stunde von einer Baustelle zur anderen, bis wir an der Düne KM45 ankamen. Die erste Düne unterwegs, wo es erlaubt war hinzufahren. Der Sonnenuntergang fand gerade statt als wir dort ankamen. Leider war das Licht nicht so intensiv wie erhofft. Eigentlich eher enttäuschend.
Dementsprechend fuhren wir die lange, langweilige Strecke zurück und sagten uns, dass sich der Aufwand dafür nicht gelohnt hatte.
Wieder auf dem Platz quasselte ich mit den Nachbarn, während Charly sich hinter den Computer klemmte.
Es war 4:30 Uhr als der Wecker rappelte. Wir wollten schliesslich nicht den Sonnenaufgang in den Sanddünen verpassen.
Kurz nach 5 Uhr waren wir am Tor und fuhren im raschen Tempo die schlechte Strasse in Richtung Sossusvlei. Die 64 km zogen sich hin. Es wurde immer heller. Wir schafften es bis zum 2x4 Parkplatz, wo alle nicht Allradfahrzeuge abgestellt werden mussten. Kurz dahinter suchten wir uns eine Stelle, von wo aus wir den Sonnenaufgang beobachten konnten. Dabei stöberten wir einen verschreckten Springbock auf. Der Sonnenaufgang war weit weniger spektakulär als erwartet. Wir fuhren leicht enttäuscht weiter zum Parkplatz von Sossusvlei. Wir stellten Snoopy unter einem grossen, schattenspendenden Baum und machten uns mit unseren Kameras auf den Weg. Jetzt war es noch angenehm kühl und wir konnten etwas in den Dünen herumwandern. Ich erklomm eine grosse Düne, was recht anstrengend war. Mit jeden Schritt vorwärts rutschte ich mit dem Sand wieder etwas zurück. Das ging ganz schön in die Beine. Charly entschied sich für die Sparvariante und blieb auf dem Dünenkamm auf halber Höhe stehen. Der Ausblick auf das Sandmeer und den höchsten Dünen der Welt entschädigte mich für meine Mühen und ich genoss die Aussicht. Noch war ich ganz allein auf der Düne und die Stille um mich herum war friedvoll.
Der Abstieg war bedeutend einfacher und auch schneller. Unterwegs begegneten ich noch unseren Nachbarn von letzter Nacht. Sie waren gerade am Aufstieg. Ein kurzer Schwatz und schon ging es weiter nach unten. Unten angekommen sah ich Charly schon beim Auto stehen. Wir waren von dem Frühsport recht hungrig geworden und wollten gerade anfangen unser Frühstück zu machen, als wir die vielen Vögel um uns herum bemerkten. Wir dachten, die sind bestimmt durstig. Charly holte einen Suppenteller und füllte diesen mit Wasser. Die Vögel stürmten den Teller. Teilweise waren 2 3 Vögel übereinander und jeder wollte trinken. Das Gezwitscher war eindeutig. Wir lachten über die kleinen durstigen Gesellen und freuten uns, ihnen etwas Gutes getan zu haben. Der Teller war rasch ziemlich leer und dreckig. Wir füllten nochmals den Teller. Diesmal war der Ansturm schon etwas geordneter. Ich hatte noch etwas altes Brot und legte einige Krümel auf meine Hand, um zu schauen, wie zutraulich die Tiere sind. Nach kurzem zögern stürzten sich die Tiere auf meine Hand und pickten die Krümel gierig auf. Meine Hände waren voller kleiner Vögel. Ihr Gezwitscher verriet ihre Freude. Zuviel wollten wir ihnen aber nicht füttern und so füllten wir nochmals den Suppenteller mit Wasser. Diesmal war die Priorität eher baden als trinken. Wir lachten und gingen ins Auto um zu frühstücken.
Wir sassen gerade noch bei einem Stück Brot in der Wohnkabine, als ein Ranger vorbei kam. Er fragte streng eine Frau neben unserem Auto, ob der Teller ihr gehöre. Nein, sagte sie wahrheitsgemäss. Wir meldeten uns, dass dies unser Teller sei. Der Typ kam mit strengem Blick zu unserer Eingangstür und sagte ohne Begrüssung, dass das Füttern der Vögel verboten sei und wir nun eine Geldstrafe von 300 N$ zu zahlen hätten. Wir versuchten ihm klar zu machen, dass das im Teller ja nur Wasser sei. Ohne auf unseren Einwand einzugehen, wiederholte der unsympathische Mensch, dass dies auch füttern sei und wir nun eine Geldstrafe von 300 N$ zu zahlen hätten. Wir hatten das Schild übersehen, welches offensichtlich am Eingang zum Sossusvlei stand, worauf darauf aufmerksam gemacht wurde. Wir beruhigten den Typen und nahmen sofort den Teller rein. Er beliess es dabei und ohne Gruss oder ein freundliches Wort verliess er uns wieder. Was für ein A....... Wir liessen uns deswegen nicht aus der Ruhe bringen und frühstückten weiter. Später trafen wir wieder auf unsere ehemaligen Nachbarn und ihnen war es ähnlich ergangen wie uns. Sie hatten Picknicken wollen und die Vögel hatten sich frech auf ihr Essen gestürzt. Michael wollte die Vögel weglocken, in dem er Brotkrümel ein Stück weg vom Tisch auf den Boden streute. Der Ranger hatte dies natürlich gesehen und ihn streng gefragt, was er denn da mache. Er antwortete, dass er die Vögel vom Tisch weglocken wollte. Der Typ verzog auch bei ihnen nicht die geringste Mine. Auch ihnen wurde mit einer Strafe von 300 N$ gedroht, schlussendlich wurden aber auch sie verschont. Wir unterhielten uns noch ein kurzes Weilchen, dann verabschiedeten wir uns von ihnen. Wir hatten schliesslich noch eine Rechnung offnen mit der weichsandigen Strecke zum Sossusvlei.
Wir fuhren die kurze Strecke mit Snoopy und haben die Stecke problemlos zwei Mal geschafft. Mit dem gemieteten Toyota Landcruiser waren wir hier vor 4 Jahren hängen geblieben. Allerdings müssen wir noch hinzufügen, dass uns die Düne auch nicht mehr so hoch erschien, wie wir sie in Erinnerung hatten. Anschliessend fuhren wir zum Dead Vlei. Eigentlich wollten wir bis zur grossen Düne laufen, doch gaben wir das Unterfangen auf halben Weg auf. Der Sand war zu heiss und wir hatten das Gefühl, dass unsere Füsse im Backofen gegrillt werden. Es war ziemlich schmerzhaft.
Wir hatten genug und beschlossen den National Park zu verlassen. Wir waren auf dem Weg, als wir zwei Touristen mit einem Hilux-Mietauto im Sand stecken sahen. Oh je! Das sah böse aus und da wir wussten, dass die Mietautos ziemlich mies ausgerüstet sind, beschlossen wir den beiden zu helfen. Uli und Doris kamen aus Kassel und waren recht froh über unsere Hilfe. Wir packten unsere Sandbleche und die Schaufeln aus. Wir machten uns alle an die Arbeit und bald war der Hilux wieder auf festem Boden. Die Beiden waren so glücklich über unsere Hilfe, dass sie uns spontan zu einer Tasse Kaffee einluden. Da uns die Beiden sehr sympathisch waren und wir schon beim Schaufeln ziemlich viel gequatscht hatten, sagten wir gerne zu. Wir fuhren gemeinsam zum Dead Vlei, wo Uli Kaffeewasser aufsetzte. Wir erzählten von unserer Reise und von unseren Erlebnissen. Auch sie waren schon ziemlich viel herumgekommen und so hatten wir schnell den ganzen Nachmittag miteinander verbracht. Da die Zwei noch nichts von den Dünen gesehen hatten, fuhren wir gemeinsam nochmals zum Sossusvlei. Ich bemerkte, dass ich mir in der Zwischenzeit das Gesicht verbrannt hatte. Sie spendierten mir etwas After-Sun Creme. Zusammen fuhren wir aus dem Park heraus und teilten uns für die Nacht einen Campingplatz. Wir waren so beschäftigt mit Plaudern, dass wir gar keinen Hunger empfanden. Wir spendierten das Bier und sie den Wein. Wir quasselten den ganzen Abend und tranken dabei reichlich Wein. Es wurde spät, genauer gesagt, es wurde 1:30 morgens bis wir ins Bett fanden. Was für ein langer Tag.
Am frühen morgen hörten wir schon wie Uli und Doris draussen mit dem Geschirr klapperten. Wir standen auch auf und frühstückten gemütlich mit den Beiden. Wir hatten uns viel zu erzählen und so dauerte unser Frühstück wieder einmal länger als normal. Schliesslich schafften wir es doch noch uns aufzuraffen und zu packen. Wir verabschiedeten uns von den beiden aus Kassel, da sie noch in die Sesriem-Schlucht wollten. Wir kannten diese ja bereits und wollten nicht nochmals da hin, insbesondere es nun schon wieder anfing sehr heiss zu werden.
Wir fuhren etwas später ab und folgten dem Pad C27. Die Piste war in einem guten Zustand, wie üblich für Namibia. Die Landschaft war spektakulär und führte streckenweise durch den Naukluft Rand Reserve Park. Die Schilder am Pistenrand warnten vor den Tieren, die auf die Piste rennen könnten, wie Zebras, Giraffen, usw. Am frühen Nachmittag legten wir eine Pause ein, denn wir waren noch vom Vortag geschafft. Nach einem kleinen Imbiss ging es dann weiter nach Aus. 20 km nach Aus kam die Garub-Tränke, wo mit Spendengelder aus Deutschland eine Tränke für die Wildpferde errichtet wurde. Wir hatten Glück und wir sahen gerade noch, wie eine kleine Herde mit Fohlen und Jährling sich auf den Rückweg in die Wüste machten. Im Aussichtshäuschen waren ein paar Schwarze die Bier soffen, so machte es uns nicht sonderlich an länger dort zu verweilen. Wir fuhren weiter auf der B4 nach Lüderitz. Lüderitz ist ein kleines Kaff. Seine deutsche Vergangenheit erkennt man sofort an den Häusern und Strassennamen, wie Bismarck-, Zeppelin-, Ufer-, Vogelsangstrasse usw. Als wir dort ankamen, war es schon bald wieder dunkel. Wir suchten und fanden alsbald den Zeltplatz auf Shark Island.
Der Wärter des Parks und Campingplatzes hatte unsere Ankunft wohl etwas verschlafen, denn als wir nach einem Stopp durchs Tor weiterfahren wollten, pfiff er uns lautstark hinterher. Wir hielten wieder an. Der Mann erklärte uns die Preise. Stolze 160 N$ sollte die Nacht kosten. Wir fanden dies sei zu teuer und der Mann fragte uns, was wir denn zahlen möchten. Uns war sofort klar, dass dieses Geld in die eigene Tasche fliessen würde. Wir einigten uns auf 100 N$, mussten aber dafür die Anlage bis 6:30 Uhr am nächsten Morgen wieder verlassen haben. Wir wollten sowieso früh aufstehen und so war es uns egal. Wir bezahlten und suchten uns einen Platz. Auf der Halbinsel tobte ein kräftiger Wind. Die Haare flatterten straff in eine Richtung. Alles was nicht befestigt war, flog davon. Die Tür zur Wohnkabine zu öffnen war eine Kraftprobe.
Uns war sofort klar, dass wir hier nicht kochen konnten, also zogen wir uns rasch um. Wir fuhren ins Nest Hotel, denn dort sollte es ein gutes Fischrestaurant geben. Die Anlage des Hotel verriet gleich den gehobenen Standard. Wir machten uns schon Gedanken, ob man uns mit unseren Jeans da reinlassen würde. Diese Gedanken waren aber umsonst, denn als Tourist wird man gerne auch in normalen Jeans empfangen. Mit Aussicht auf das Meer bestellten wir unser Essen. Charly hatte griechischen Salat bestellt und ich Meeresfrüchtesalat. Der Salat kam und Charly meckerte, dass es sich da nicht um einen griechischen, sondern um einen Zwiebelsalat handeln würde. Er teilte dies sogleich auch dem Kellner mit. Dieser nahm Charlys Teller mit und verschwand damit in der Küche. Kurze Zeit später war der Teller mit Salat, Oliven und Fetakäse gefüllt. Allerdings hatte man hier noch nichts von Salatsauce gehört und so musste er noch Essig und Öl bestellen. Charly hatte ein Steak, während ich den Kingklip versuchte. Der Fisch war wirklich sehr lecker und auch Charly war über sein zartes Fleisch erfreut.
Nach dem guten Abendessen fuhren wir zurück zum Campingplatz und legten uns schlafen.
Schon um 6 Uhr morgens ratterte der Wecker, schliesslich hatten wir versprochen um 6:30 Uhr den Platz wieder zu verlassen. Die Sonne war gerade erst aufgegangen und die ersten Strahlen liessen Lüderitz, auf der anderen Seite der Bucht, in einem besonders schönen Licht erstrahlen. Einige Fischerboote lagen in der Bucht. Der Wind hatte die ganze Nacht stark geblasen und Charly hatte deshalb schlecht geschlafen. Der Wind war so stark, dass wir kaum die Tür auf und zu bekamen. Kaffee kochen bei diesem starken Wind lag nicht drin, also packten wir so rasch wie möglich unsere Sachen und verliessen diesen unwirtlichen Ort.
Wir wollten die Agate Beach aufsuchen, doch waren die Hinweisschilder nicht logisch installiert worden. Wir fanden den Strandabschnitt nicht und landeten dafür bei zerklüfteten Klippen. Ich erkundete die Felsen und die Muscheln, während Charly Diesel umpumpte. Gott sei Dank hatten wir genügend getankt gehabt, denn wie es sich später herausstellte, war Lüderitz auf dem Trockenen. In ganz Namibia war wenig bis kein Treibstoff zu bekommen und einige Touristen sassen fest. Man erzählte uns, dass eine Schiffsladung mit falschem Treibstoff aus Südafrika schuld an der Misere war.
Später fuhren wir zurück in die kleine Stadt Lüderitz und suchten ein Café, wo wir den wohlverdienten Kaffee zu uns nehmen wollten. Das Kaffeehaus Diaz war an der Bismarckstrasse und so ziemlich das einzige Kaffeehaus hier. Der Kaffee war nicht besonders gut, doch der Apfelkuchen schmeckte ausgezeichnet. Es gab einige deutsche Magazine, in welchen wir etwas schmökerten. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg Lüderitz zu erkunden. Die Felsenkirche war rasch gefunden und damit auch ein paar alte Fachwerkhäuser aus der letzten Jahrhundertwende. Ein eigenartiger Anblick, diese Fachwerkhäuser in Mitten der kargen Wüstenlandschaft. Irgendwie passte es nicht so recht zusammen für unseren Geschmack. Wir kletterten einen Felsen neben der Kirche hoch und hatten einen wunderbaren Panaroma-Blick über Lüderitz.
Kurz darauf verliessen wir Lüderitz. In Kolmanskop legten wir einen kurzen Stopp ein und machten von der Strasse her ein paar Aufnahmen. Anschliessend ging es weiter durch langweilige, monotone, endlos erscheinende Wüstenlandschaft.
20 km vor Aus erreichten wir wieder die Tränke der Wildpferde. Natürlich wollte ich nochmals die Tiere beobachten und tatsächlich hatten wir Glück. 3 Pferde standen an der Tränke und tranken gierig. Wenig später machten sie sich auch schon wieder auf den Weg in die Wüste. Zwei haben sich noch vorher wohlig im Sand gewälzt. Kaum war die Gruppe weg, da kamen auch schon eine neue kleine Herde von 4 Pferden. Dunkelbraune und Füchse. Die hatten es noch eiliger als die letzte Truppe, denn je näher sie der Tränke kamen, desto schneller galoppierten sie. Einige Oryx-Antilopen gesellten sich nun auch hinzu. Ich sass im Aussichtshäuschen und beobachtete die Tiere mit Freude. Später kamen noch zwei Einzelgänger, nachdem die zweite Herde die Tränke verlassen hatte. Ins Häuschen kamen auch andere Touristen, doch der grösste Teil der Tiere war nun schon wieder weg.
Wir assen etwas, danach machten auch wir uns wieder auf den Weg. Über Aus Goageb Seeheim nach Keetmanshoop. Im Ort angekommen wollten wir etwas Obst und Gemüse kaufen und hielten vor dem Spar-Supermarkt. Als wir mit dem Einkaufen fertig waren, kam ein Halbwüchsiger und wollte Geld von uns erbetteln. Wir schickten ihn weg. Der Junge betatschte unser Auto und Charly sagte er solle dies unterlassen, worauf der Bengel erst recht damit anfing. Charly stieg aus. Der Rotzlöffel erhob die Fäuste gegen ihn, hielt aber Abstand. Als Charly näher kam, nahm er dann doch Reissaus. Kaum kehrte Charly ihm den Rücken, kam dieser wieder mit erhobenen Fäusten von hinten auf ihn zu. Charly stieg wieder ein. Wir beschlossen diesen Wichtigtuer nicht weiter zu beachten und fuhren weiter. Wir mussten noch Geld abheben auf der Bank und wieder standen so eigenartige Burschen am Strassenrand. Ich wartete sicherheitshalber im Auto. Die Burschen alberten noch herum und verschwanden bald darauf.
Keetmanshoop machte keinen sehr guten Eindruck auf uns und wir waren froh, dieses Kaff wieder verlassen zu können. Wir hatten es besser in Erinnerung gehabt.
Wir fuhren weiter zu unserem Tagesziel, zum Quivertree Forest - dem Köcherbaumwald. Der Eintrittspreis betrug markante 190 N$, doch war eine Gepardenfütterung dafür mitangeboten und ausserdem konnte man dafür auch den 3 km entfernten Giants Playground besuchen.
Wir machten es uns auf dem Zeltplatz gemütlich. Um 17 Uhr war dann die versprochene Fütterung der Raubtiere. Die beiden Geparde tigerten schon ungeduldig im Gehege rauf und runter. Ein Mann mit seinen zwei Söhnen kam noch hinzu, dann konnte es losgehen. Die Geparde bekamen je ein Dassie. Charly war davon nicht sehr begeistert, mochte er doch diese possierlichen Nagetiere. Die Katzen machten sich gleich über ihre Beute her, während wir mit ihnen im Käfig standen. Zum Streicheln waren diese Tiere jedoch zu wild und so bot uns die Frau an mit zum Haus zu gehen, dort hätten sie noch einen Geparden. Wir folgen ihr gespannt. Als wir den Garten des Hauses betraten, staunten wir nicht schlecht. Da lag ein grosses, fettes Warzenschwein auf seiner Schwarte und graste im liegen.
Die Frau holte die 5-jährige Katzendame und wollte ihr das Dassie geben, doch war diese von dem Futter nicht begeistert und ignorierte es nach feinster Katzenart. Eine Schale mit Milch stimmte sie dann doch noch ein und wir konnten den Geparden mit Respekt streicheln. Die Gepardendame hatte aber anderes im Sinn und verschwand. Schwupp schon war sich auf der Mauer des Gartens. Plötzlich herrschte ziemliche Aufregung. Die Mieze sprang zurück in den Garten und marschierte in Richtung offenes Tor. Die Besitzer versuchten das Tier wieder ins Gehege zurück zu scheuchen, diese war aber nicht sehr bereitwillig. Am Halsband ziehen half auch nicht, da die Katze nur leicht böse wurde. Respektvoll wurde sie sofort wieder losgelassen. Schliesslich hatte man es dann doch geschafft und die Katze sass wieder hinter Schloss und Riegel. Was für faszinierende und edle Tiere diese Geparden doch sind. Danach war das Warzenschwein der Star der Farm. Sobald man es anfing zu streicheln, legte es sich sofort auf die Seite, damit man auch gleich seinen Bauch kraulen konnte Es war eigenartig anzufühlen, die raue Haut und die harten Borsten wollten irgendwie nicht zum Streichelbedürfnis des Tieres passen. Es war ein gemütliches, verfressenes Tier und nicht gefährlich, trotz seiner immensen Hauer. Im Vorgarten gab es kleine Springbock-Kälbchen, die gleich neugierig zum Zaun kamen als wir davor standen. Nach ein paar Streicheleinheiten, war ihr Interesse aber rasch an uns erloschen. So machten wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz. Wir faulenzten bis kurz vor Sonnenuntergang, danach schnappten wir unsere Kameras und pirschten durch den Köcherbaumwald. Die Bäume waren fantastisch und irgendwie auch unwirklich. Mit der untergehenden Sonne wurden die Bäume immer rötlicher und der stahlblaue Himmel war wolkenlos. Ein Naturschauspiel!
Zurück auf dem Platz bereiteten wir unser Abendessen zu. Bei einem Glas Wein, respektive einem Bier für Charly, unterhielten wir uns. Es dauerte aber nicht lange, dann waren wir von dem ereignisreichen Tag müde.
Charly hatte schon am frühen Morgen bemerkt, dass er wieder Schwellungen im Gesicht bekommt. Die Nahrungsmittelallergie hatte abermals voll zugeschlagen. Es blieb ihm nichts anderes übrig als wieder Cortison zu schlucken, obwohl dies wieder heftige Rückenschmerzen zur Folge haben würde. Nach der Dusche und dem Frühstück warfen wir einen letzen Blick auf die Köcherbäume, auf welche wir vom Campingplatz aus eine gute Sicht hatten. Wir fuhren los in Richtung Giants Playground. Dort sind die Felsbrocken aufgeschichtet, als wenn ein paar Riesen damit gespielt hätten, daher auch der Name. Auch hier befanden sich einige Köcherbäume. Wir durchsteiften das Gebiet und machten natürlich auch einige Aufnahmen. Es gab vereinzelnd sogar Disteln, die in Blüte standen. Es war um 10 Uhr schon unerträglich heiss und so hatten wir bald einmal genug.
Weiter ging die Fahrt über die B1 in Richtung Windhoek. Die Strecke war recht monoton. Alles war flach und geradeaus , links und rechts Zäune. Die einzige Abwechslung waren die Paviane, die auf den Zäunen hockten und frech zu uns herüber sahen. Erst kurz vor Windhoek mischten sich trockene Hügel in die Landschaft.
Wir waren müde und geschafft von der langen und heissen Fahrt. Unterwegs war nämlich auch noch die Klimaanlage ausgefallen, denn die Temperaturen im Motorraum waren beträchtlich angestiegen und so funktionierte die Kühlung für kurze Zeit nicht mehr.
Wir fuhren geradewegs auf den Arebbush Campingplatz. Der Wärter am Eingang begrüsste uns schon wie alte Bekannte und erklärte auch sogleich, dass unsere Freunde auch schon da wären. Wir waren verblüfft, wer das wohl sein kann? Der Wärter erwähnte weiter, dass diese das gleiche Auto hätten wie wir, ebenfalls Schweizer wären und der Mann Charly sogar ähnlich sehen würde. Wir waren gespannt, wer das sein könnte, denn wir konnten uns niemanden vorstellen, der uns so unterwegs begegnet war.
Das Erste was wir nach diesem heissen Tag taten, war ein kühles Bier aus unserem Kühlschrank zu holen und damit unsere heissen, durstigen Kehlen zu kühlen.
Charly ging danach zu „unseren“ Freunden und kam später mit einem Lächeln zurück. Wir kannten die Leute tatsächlich. Es waren Fränzi und Reto. Die hatten wir auf unserem letzten Voodoo-Treff in der Schweiz kennengelernt. Sie hatten schon immer gehofft uns noch zu treffen, bevor sie nach ihrer 10-monatigen Reise wieder zurück in die Schweiz mussten. Ihren Toyota werden sie in Namibia unterstellen, - für die nächste Reise. Später kamen sie einen Sprung zu uns rüber und es gab wahrlich viel zu erzählen. Ihre Erlebnisse von Ostafrika haben uns natürlich sehr interessiert. Sie erzählten auch, dass sie Nik & Nic kannten, die hatten sie vor langer Zeit in Mosambik getroffen. So klein ist die Welt! Fränzi drängte bald einmal darauf, dass es Abendessenszeit wäre.
Nach dem Abendessen holten wir unsere Stühle und waren schon auf dem Weg zu ihrem Platz, als sie uns entgegen kamen. Gleicher Gedanke! Wir hatten unsere Amarula Flasche und die Stühle schon unter dem Arm, also gingen wir zu ihnen. Es wurde wieder einmal spät!
Schon vor 7 Uhr waren wir wach. Gleich nach dem Aufstehen habe ich die Wäsche gepackt und in die Waschmaschine gesteckt. Herrliche Erfindung so eine Waschmaschine! Fränzi und Reto waren unterdessen schon wieder startklar und kamen sich bei uns verabschieden. Sie wollten nach Sossusvlei weiterfahren und noch den Süden des Landes erkunden, bevor sie im Januar zurück in die kalte Schweiz müssen.
Wir hatten danach so allerlei zu erledigen, Charly am Auto und ich in unserem Haushalt. Es war schon Nachmittag, als auch wir Arebbush verliessen. Charly wollte noch Motoren-Öl kaufen, damit er in Botswana einen Öl-Wechsel vornehmen kann. Wir waren schon wieder so viele Kilometer gefahren. Namibia ist ein grosses Land und die Kilometer zählen sich.
Danach fuhren wir wieder zur Elisenheim Farm, wo wir von Andreas gleich herzlich begrüsst wurden. Unsere Freunde seien auch noch da, sagte er. Tatsächlich kamen auch Nik & Nic bald darauf mit ihrem Land Rover angefahren. Sie waren noch ganz geschafft von den vielen Erledigungen, die sie in Windhoek zu machen hatten. Das war der richtige Anlass und so beschlossen wir gemeinsam am Abend nach Windhoek zu fahren und im Spur Steakhouse zu Abend zu essen. Gesagt getan. Die Stadt war mit Weihnachtsdekoration bunt erleuchtet. Trotzdem hatten wir alle keinerlei Weihnachtsstimmung. Irgendwie war es wohl zu warm dafür.
Im Spur Steakhouse mussten wir erst einmal warten, da auf dem Balkon kein Platz war. Nach einem kühlen Bier an der Bar, war es dann aber so weit und wir konnten unsere Menus bestellen. Friggy hiess unser Kellner und so sah er auch aus. Die Vorspeise von Nik & Nic war gut und mein Salat war auch in Ordnung. Dieser war so gross, dass ich diesen locker mit den anderen teilen konnte. Die Steaks waren dann aber leider etwas daneben. Normalerweise waren wir immer von der gleichbleibenden Qualität von Spur begeistert, aber an diesem Abend hatte wohl ein komplett anderes Team Küchendienst. Charlys Steak kam dick überzogen mit einer pappigen Pfeffersauce. Charly gab das Ganze gleich wieder zurück in die Küche. Danach kam das Steak ohne die Pfeffersauce, doch hatte man die Sauce von den Spare Rips darüber getan. Diesmal ass Charly das Steak, doch so lecker wie sonst war es nicht. Der Fisch von Nicole und mir war ganz okay, riss uns aber nicht vom Hocker. Das Filet auf dem heissen Stein von Nik war hingegen sehr gut. Da konnte auch nicht viel schief gehen, da man es eh selber braten musste.
Charly ass sein Steak entgegen seiner sonstigen Gewohnheit nicht ganz auf und liess etwas einpacken. Draussen auf dem Parkplatz wurden wir dann auch gleich von einigen Bettlern umringt, die uns das Fleisch oder noch besser Geld abschwatzen wollten.
Wir fuhren zurück zum Elisenheim und waren froh wieder in der ruhigen Umgebung zu sein.
Wir hatten erst spät gefrühstückt, da wir noch ganz satt vom Vortag waren. Das Kudu hatte sich auch schon wieder angeschlichen und war enttäuscht über unseren leeren Frühstückstisch. Bis am frühen Nachmittag hatten wir mit Nik & Nic gequasselt, dann wurde es langsam Zeit aufzubrechen, denn wir hatten am Nachmittag mit Ina und Olli abgemacht. Pünktlich trafen wir im Café Schneider ein. Ina, Olli, Peter und Hannelore waren schon da und vertilgten schon einen Bananen Split. Wir begrüssten alle und schauten uns den kleinen Constantin an. Dieser war schon ganze 5 cm gewachsen. Erstaunlich wie schnell das bei einem Baby geht. Seine Hauptbeschäftigung war aber nach wie vor schlafen. Wir bestellten unseren obligatorischen Käsekuchen. Charly blieb beim klassischen Kaffee, während ich einen Rock Shandy vorzog. Ein ungemein durstlöschendes Getränk, dessen Inhalt mir leider unbekannt ist. Nach unserem Kaffeekränzchen luden uns Ina und Olli für das Wochenende zu sich auf ihre Farm ein. Wir sagten gerne zu, da uns die Leute inzwischen schon richtig ans Herz gewachsen waren.
Anschliessend gingen wir noch einkaufen und fuhren zurück zum Elisenheim. Teddy Camper, der Hund von der Farm, wartete schon sehnsüchtigst auf uns. Hoch erfreut sprang er vor mir her. Zwischendurch wurde mal wieder das Kudu verbellt, denn Nebenbuhler werden nicht geduldet. Teddy Camper heisst Camper, weil er sich immer bei den Campern auf dem Zeltplatz herumtreibt.
Nik & Nic hatten in der Zwischenzeit ihren Landy auf Hochglanz poliert. Wir konnten es natürlich nicht unterlassen und haben etwas gelästert.
Am Abend haben Nik & Nic für alle ein feines asiatisches Reisgericht mit Poulet-Streifen gekocht. Ein gute Flasche Rotwein für uns Frauen rundete die ganze Sache dann noch ab. Die Männer blieben wir immer beim Bier. Wir schon so oft haben wir vor lauter palavern die Zeit vergessen und es wurde wieder später, bis wir es endlich ins Bett schafften.
Heute waren wir früh auf, denn es gab noch so einiges zu erledigen. Das Frühstück wollten wir aber dennoch gemütlich gemeinsam einnehmen. Das Kudu kam wieder einmal zu spät, der Tisch war schon abgeräumt. Ich hatte aber noch altes Brot und etwas schlaffen Salat übrig, welches das Tier gierig auffrass. Sogar Teddy duldete das Kudu, nachdem er ein Stück Steak vom Vortag abbekommen hatte.
Bald war es Zeit zusammenzupacken und Abschied von der Elisenheim zu nehmen, diesmal für länger. Wir werden die schönen, grossen, schattigen Bäume, den gepflegten Rasen und die kleinen Strohhüttchen, in welchen man tagsüber im Schatten sitzen konnte, vermissen. Am meisten werden uns aber das Kudu Kambi, der Hund Teddy Camper und die Affenhorden fehlen. Die Elisenheim Farm war echt heimelig zum Verweilen.
Wir fuhren also los in die Stadt, wo wir noch so einiges einzukaufen und zu erledigen hatten. Wir wollten unsere Reifen auswuchten lassen, doch das war gar nicht so einfach. Charly wollte nur angeklebte Gewichte auf unseren Alufelgen, doch es gab in ganz Windhoek anscheinend nur eine Firma die dies konnte. Dies stellten wir aber erst fest, nachdem wir schon vom Süden in den Norden gefahren waren. Die Mittagszeit machte uns dann einen Strich durch unsere Zeitrechnung und so fuhren wir zurück in die Stadt. Wir wollten die Zeit gut nutzen und gingen ins Internet Cafe. Ich hatte ungefähr 150 E-Mails, wovon 147 Schrottwerbung respektive Virenpakete waren. Danach drehte ich meine letzte Runde durch das hübsche, ruhige Windhoek. Ich besuchte ein paar Touristenpunkte und schoss einige Fotos zur Erinnerung. Danach gingen Charly und ich im Pick’n Pay gross einkaufen. Ein letztes Mal gute deutsche Wurst und Brot. Danach mussten wir uns schon wieder beeilen, dass wir es noch rechtzeitig zum Reifen-Heini schafften. Tiger-Wheels hiess der Laden und wir hatten Glück, dass er noch Kapazität hatte für uns. So kurz vor den grossen Weihnachtsferien waren die ganz schön beschäftigt. Wie bei uns, die Leute kommen immer auf den letzten Drücker und dann ist das Gedränge gross. Die Schwarzen wollten unseren Toyota mit einer Hebebühne hochstemmen, doch schaffte es die Maschine nicht ganz. Hinten war der rechte Reifen in der Luft, der linke nicht. Die Typen wussten nichts besseres, als ein paar Kollegen zu rufen und begannen an unserem Snoopy hin und her zu wippen. Charly ist total ausgerastet. Er hat den Leuten sogar gedroht sie umzubringen, wenn sie nicht sofort mit dem Scheiss aufhören. Wir hatten keine Lust einen Schaden wegen deren Kurzsichtigkeit davon zu tragen. Dabei waren sie noch so ignorant, dass erst die massive Drohung ihre Wirkung tat. Da erst wurde ein weiterer Wagenheber geholt, welcher natürlich wieder zuerst an einem völlig falschen Ort angesetzt wurde. Charly war wieder am Hyperventilieren. Ein zweiter Wagenheber wurde gebracht. Nachdem auch noch der Chef gerufen worden war, hatte man endlich ein Einsehen und begnügte sich damit zuerst „nur“ die beiden hinteren Räder zu demontieren.
Die Maschine welche die Räder auswuchten sollte war leider nicht geeicht und die Angaben variierten jedes Mal. Charly reklamierte wiederum beim Chef. Dieser behauptete aber steif und fest, dass die Maschine von seinen Leuten perfekt eingestellt worden war. ???? Wie auch immer, die Räder wurden schlecht ausgewuchtet und wieder montiert. Die beiden Vorderräder waren dann nicht mehr so dramatisch zu demontieren, da dort weniger Gewicht darauf lag. Charly war wieder skeptisch wegen dem Auswuchten und der Chef sagte schliesslich, dass er schon wisse, dass er ihm nicht glaube und er uns deshalb nichts verrechnet. Die aufgeklebten Gewichte werden sowieso nicht sehr lange halten, da der Untergrund vorher nicht gross gereinigt wurde.
Wir waren fix und foxy. Wir machten uns anschliessend auf den Weg zum Trans Kalahari Inn. Nik & Nic warteten schon in der Bar auf uns. Das kühle Blonde hatten wir uns heute wirklich schwer verdient. Da die Beiden immer von der guten Küche vom Trans Kalahari Inn geschwärmt hatten, assen wir dort auch zu Abend. Es gab Fleisch-Fondue. Zwei riesige Fleischplatten mit diversem Wildfleisch wurden aufgefahren. Dazu gab es leckeren Salat und ich bestellte noch eine Portion Kalahari-Trüffel. Lecker war es und der gute Wein dazu versöhnte uns wieder mit der Welt. Trotz enormen Anstrengungen hatten wir es nicht geschafft alles Fleisch aufzuessen und auch Nicole gab mit ihrem Gemüseteller auf. Wir hatten eine gute Stimmung, perfekt für einen Abschiedsabend. Bis wir ins Bett kamen war es wieder einmal nach Mitternacht.
Schon um 7 Uhr war ich wach. Der Wind blies ein wenig, doch die Sonne strahlte schon wieder von blauen Himmel herunter. Charly konnte sich heute nicht motivieren früh aufzustehen und so ging ich etwas spazieren. Danach setzte ich mich auf ein Bänkchen und schaute auf das weite, offene Tal vor mir. Nik kam hinzu und wir unterhielten uns etwas. Bald darauf hörte ich es auch schon in der Kabine rappeln und wusste, nun ist auch Charly auf. Wir hatten noch einige Sachen von unserem gestrigen Grosseinkauf zu verräumen, was gar nicht so einfach war bei so wenig Platz. Schliesslich hatte aber doch alles seinen Platz gefunden.
Die Zeit des Abschieds war gekommen, diesmal für längere Zeit. Wir winkten den Beiden noch hinterher, dann waren sie auch schon um die Ecke gefahren. Wir duschten noch gemütlich und packten den Rest zusammen. Wir wollten noch unsere zwei Becher abwaschen und Zähne putzen, doch daraus wurde nichts. Das Wasser reichte gerade noch um die Zahnbürste nass zu machen. Die Hausangestellte kam vorbei und meinte lapidar oh, no water. Tatsächlich so war’s. Wir hatten keine Lust weiter zu reklamieren und machten uns lieber so langsam auf den Weg zu Olli und Ina.
Wir fuhren weiter in Richtung Flughafen und hatten leider das Pech unterwegs einen schweren Unfall zu sehen. Ein Golf war frontal in einen Kleinlaster gerast. Vom Golf war die ganze Schnauze eingedrückt - bis zum Führerhaus. Es musste gerade erst passiert sein. Der farbige Fahrer hing noch über dem Lenkrad und war wahrscheinlich tot. Der Junge auf dem Beifahrersitz war ganz benommen und taumelte auf dem Sitz hin und her. Der Kleinlaster lag auf dem Seitenstreifen auf der Seite. Niemand war darin zu sehen. Wir hielten an und fragten, ob wir helfen könnten. Die Leute vom Pick-up auf der anderen Strassenseite hatten aber bereits alles im Griff und auch die Ambulanz verständigt und so fuhren wir weiter. Wir waren noch eine ganze Weile geschockt von dem Anblick. Die weitere Fahrt war dann Gott sei Dank ohne weitere Vorfälle. Wir fragten uns, wie man auf gerader Strecke so einen Unfall bauen kann.
Wir kamen kurz nach Mittag in Omitara an und fanden das Eingangstor zur Farm auf Anhieb. Wir telefonierten Olli, dass er kommen sollte, da das Tor verschlossen war. Wenige Minuten später war er auch schon da mit seinem Toyota. Die Begrüssung war wie immer total herzlich. Wir fuhren die 5 km bis zum Farmgebäude, wo uns dann auch Ina, Hannelore und Peter ganz lieb begrüssten. Der kleine Mann Constantin war noch im Reich der Träume, da er die Eltern die ganze Nacht wach gehalten hatte. Wir sassen alle gemütlich auf ihrer Terrasse und plauderten bei einem Kaffee. Später kamen noch die Freunde von Olli und Ina. Candis und Jürgen mit ihrem Sohn Armando. Die waren bis obenhin voll beladen. Zwei Kuchen und selbstgebackene Plätzchen, genau richtig zum Kaffee. Ihre beiden Hunde Sandy und Spotty waren zum knuddeln. Der schwarze Labrador hatte ziemlich heiss und liess sich gerne mit dem Gartenschlauch kalt abduschen. Spotty folgte dem Beispiel. Wir hatten eine schöne gemütliche Kaffeerunde. Candis wurde von uns logischerweise angesprochen auf ihre Karriere als Flugzeugpilotin. Sie war bei der Namibia Airlines die jüngste Pilotin gewesen und erzählte gerne ein paar Episoden aus dieser Zeit. Das man sie zum Beispiel immer als Stewardess betrachtet hatte und das ein Passagier sogar einmal das Flugzeug wieder verlassen hatte, nachdem er erkannt hatte, dass eine junge Frau die Maschine flog. Nach der Geburt ihres Sohnes hatte sie allerdings das Fliegen aufgegeben. Schade!
Wir sprachen über die Situation in Deutschland und wie es so ist in Namibia. Von Ungerechtigkeiten und dem Filz der Schwarzen. Ja, ja die Schwarzen sind auch Rassisten, nicht nur die Weissen. Wir haben an diesem Nachmittag viel erfahren über die Verhältnisse und das Leben in Namibia. Fazit war: Trotz dem ganzen Ärger lässt es sich immer noch ganz gut leben in Namibia.
Zum Sonnenuntergang gingen wir alle auf die kleine Anhöhe, von wo wir einen genialen Ausblick auf die Ebene und die weiter entfernten Hügel hatten. Bei einem Sun Downer (Getränk zum Sonnenuntergang) verfolgten wir das Naturschauspiel. Die Hunde hatten einen vertrockneten Kudu-Kadaver gefunden und Sandy kam mit einem Stück Bein an. An diesem nagten die Hunde noch lange herum.
Gleich nach Sonnenuntergang rief uns Olli schon, dass wir endlich kommen sollten, denn der Braai war fertig. Das grillierte Fleisch mit dem griechischen Salat und dem Knoblauchbrot hatte allen hervorragend geschmeckt. Auch die Hunde kamen nicht zu kurz, denn die Knochen gehörten ihnen. Es war ein schöner und gemütlicher Abend. Von Constantin haben wir den ganzen Tag nicht viel gesehen, denn er war noch immer geschafft vom Vorabend.
Als wir so gegen 8 Uhr auf die Terrasse kamen, waren alle schon auf. Es gab ein grosses Frühstücksbuffet mit allerlei leckeren Sachen. Wir sassen eine Weile zusammen, dann wurde es so langsam Zeit für uns, dass wir unsere Sachen wieder packten. Ina, Jürgen und Candis hatten unsere 1-Zimmerwohnung noch nicht gesehen und wir veranstalteten eine kleine Führung. Jürgen meinte, dass er noch Platz hätte, im Fall wir das Fahrzeug nicht mehr brauchen würden.
Später sortierten wir alle Fleischkonserven aus und versteckten diese, da Olli uns informiert hatte, dass die Einfuhr in Botswana verboten sei. Auch Wurstwaren und Milchprodukte sind nicht gestattet. Wir hatten ganz schön zu sortieren und Charly war wenig begeistert von der Aktion. Nach einer erfrischenden Dusche war es dann so weit, wir mussten Abschied nehmen. Wir hatten alle schon recht in unsere Herzen geschlossen und es fiel uns nicht leicht zu gehen. Doch es musste sein, denn heute war unser letzter Tag heute mussten wir Namibia verlassen. Ganze drei Monate waren wir in diesem Land gewesen und wäre die Zeit nicht limitiert gewesen, dann wären wir wahrscheinlich auch noch länger geblieben.
Wir fuhren auf der gut geteerten B6 nach Gobabis und weiter zum Grenzposten. Kurz vor der Grenze legten wir einen kurzen Stopp ein, da wir die Wurst und Milchprodukte aus dem Kühlschrank nehmen und dies verstecken wollten. Charly war wieder einmal ungeduldig und ungehalten, alles ging ihm zu langsam.
Wir fuhren die letzten 10 Kilometer schweigsam zum Grenzposten. Der Ausreisestempel war schnell in unseren Pässen. Unsere Mehrwertsteuer-Rückzahlung gestaltete sich wie erwartet äusserst schwierig. Sie weigerten sich uns Bargeld, oder wie in Windhoek versprochen, einen Check auszustellen. Sie würden das Geld überweisen, hiess es. Wer’s glaubt. Zu viele schlechte Geschichten hatten wir von der Zahlungsmoral des Namibianischen Staates gehört. Wir haben trotzdem all die Zettel ausgefüllt geben wir ihnen doch wenigstens eine Chance. Damit war unser Aufenthalt in Namibia vorbei und wir fuhren die wenigen Meter zum Grenzposten von Botswana.
Mal sehen was da auf uns zu kommen wird.
| Botswana |
An der Grenze waren die Beamten freundlich und wir erhielten unseren Einreisestempel rasch und reibungslos. Schön, dass man nichts dafür zu zahlen hatte. Man schickte uns weiter zum Zoll, wo wir dann die Strassengebühren in Höhe von 60 Pula zu zahlen hatten. Der Kurs zum Schweizer Franken war zirka 1:4. Wir hatten aber nicht genügend Pula mit, da es in den Reisebüchern hiess, es sei verboten Pula einzuführen. Auf der botswanischen Seite gab es keine Möglichkeit Geld zu tauschen und auch einen ATM-Automaten gab es nicht. Wir waren in der Zwickmühle. Der Beamte akzeptierte nur Namibia Dollar, den südafrikanischen Rand oder die lokale Währung Pula. Wir hatten von keiner Währung genügend dabei. Er riet uns auf die Namibia-Seite zurückzufahren, dort könnten wir an der Tankstelle sicher Geld wechseln. Wir waren wenig angetan von dieser Idee. Wir hatten jedoch noch 40 Rand und 20 Pula in Scheinen sowie 10 N$ in Münzen. Mit diesem Sortiment gingen wir zurück ins Zollamt. Münzen wurden nicht akzeptiert, doch hatte man Erbarmen mit uns und sie fragten Einreisende auf der anderen Seite, ob irgendeiner unsere Münzen in einen 10 Rand-Schein wechseln könnte. Die Währungs-Differenz von 1.50 Pula wurde uns erlassen, wir sollten nur den Beamten am Ausfahrtstor darüber informieren. Wir waren erstaunt wie rasch und unbürokratisch hier alles vonstatten ging. Wir stiegen in unser Auto und fuhren Richtung Ausgang. Der Beamte am Tor war mit seinem Handy so beschäftigt und offensichtlich am flirten, dass er uns total ignorierte. Wir fuhren einfach durch und auch da zeigte er keinerlei Reaktion. So einfach war das. Umsonst die ganze Aufregung mit dem Verstecken der Lebensmittel.
Wir waren dennoch skeptisch, ob nicht doch noch ausserhalb der Grenze eine Veterinär-Kontrolle stattfindet und so fuhren wir noch einige Kilometer. Auf der guten Teerstrasse liefen einige freilaufende Pferde und Rinder herum. Da haben die Viecher so viel Platz links und rechts und trotzdem müssen sie auf der Strasse laufen. Vorsichtig fuhren wir an all den Tieren vorbei, lieber zu langsam als zu schnell. Bis nach Ghanzi war es zu weit und so suchten wir uns bald ein Plätzchen zum Schlafen. Der Zeltplatz von Chobokwane war ein Reinfall. Die sandige Piste endete in einem versandeten Platz ohne Schatten. Auch die Sanitäreneinrichtungen sahen von weiten eher „bescheiden“ aus. Da wir zudem auch keine Pula besassen, beschlossen wir wieder einmal wild zu campieren. Auf unserer Fahrt zurück zur Hauptstrasse entdeckten wir eine alte Fahrspur, welcher wir dann folgten. Wir fanden kurz vor der Dämmerung einen geeigneten Platz. Zum Kochen waren wir zu müde und so gab es halt ein Wurstbrot mit Bier.
Es hatte geregnet in der Nacht und auch am Morgen war der Himmel noch bewölkt. Es war Regenzeit in Botswana.
Wir waren gerade fertig mit dem Frühstück, als sich ein älterer Mann unserem Auto näherte. Dieser war aber nur neugierig gewesen, wer sich da herumtrieb und hielt Distanz zu uns. Später trafen wir ihn auf der Strasse wieder und wir winkten ihm zu. Er freute sich und winkte zurück. Wir fuhren auf der relativ langweiligen Teerstrasse, welche sich schnurgerade durch das flache Land zog. Die einzige Abwechslung boten die Kühe, Pferde und Esel, welche das Gras am Strassenrand abnagten.
In Ghanzi fuhren wir ins Zentrum. Wir hatten noch immer keine Pula. Gemäss unserem schlauen Buch über Botswana, sollte es hier eine Bank und auch einen ATM-Automaten geben. Wir fuhren zum Spar-Supermarkt, wo nebenan sich die einzige Bank des Ortes befand. Wir betraten die Bank und verliessen diese sofort wieder. Die Schlangen an den Schaltern waren unendlich lang. Der Sicherheitsbeamte der Bank empfahl uns in den Spar-Supermarkt zu gehen, denn dort gäbe es einen ATM-Automaten. Die Bank selber hatte keinen!
Im Supermarkt war lediglich ein Mini-ATM installiert, das heisst, dass man mit Speedpoint einen Betrag von max. 1'000 Pula abheben konnte. Der Betrag kam dann aber nicht aus dem Automaten, sondern von der Kasse oder dem Kiosk des Supermarktes. Zu unserem Erstaunen hatte die Kasse lediglich 200 Pula und die Frau am Kiosk immerhin 900 Pula Bargeld. Das half uns nicht viel weiter.
Die Leute hatten Zahltag gehabt und hatten nun ihre Gehaltschecks im Supermarkt in Bargeld eingetauscht. Der Manager des Supermarktes empfahl uns doch zum schräg gegenüberliegenden Metro-Grosshandel zu gehen. Eventuell hätten wir dort mehr Glück. Dort war der Maximal-Betrag 2'000 Pula, doch das nützte uns herzlich wenig, denn auch dort hatte man kein Bargeld mehr. Es war zum Verzweifeln. Es blieb uns nichts anderes übrig, als doch zur Bank zu gehen und dort geduldig zu warten, bis wir an der Reihe waren. Wir hatten allerdings Glück, denn vor dem Schalter für die Kreditkartenbezüge standen nur wenige Leute an. Da aber das Arbeitstempo in Afrika sehr langsam ist, mussten wir trotzdem lange warten. Die nette Lady hinter dem Schalter teilte uns mit einem charmanten Lächeln mit, das ihr Apparat defekt sei und wir leider kein Geld mit unserer Visa-Karte beziehen könnten. Was haben wir uns über diese Mitteilung gefreut! Es nützte alles nichts, wir brauchten Bargeld. Unsere US-Dollar- und Euro-Reserven wollten wir nur im Notfall antasten, so gingen wir zurück in den Spar-Supermarkt. Die Dame am Kiosk hatte nun 1'000 Pula für uns, besser als gar nichts, obzwar dies kaum lange reichen wird bei den Preisen in Botswana. Wir werden wohl oder übel einen Umweg über Maun fahren müssen, damit wir genügend Cash bekommen.
Der Supermarkt war ganz gut sortiert und man konnte alles mögliche einkaufen. An der Kassen zahlten wir mit der Visa-Karte, damit konnten wir unsere mageren Bargeldreserven behalten. Auch an der Tankstelle konnten wir den Betrag problemlos mit der Kreditkarte begleichen und wir mussten nicht, wie in Namibia üblich, einem Aufschlag von 4 10% für die Kreditkarte berappen.
Wenig später fuhren wir zum Trail Blazers Camp, wo wir eine Buschwanderung mit den San-Leuten unternehmen wollten. Das Eingangstor war zu, doch konnte man dieses selbst öffnen. Wir fuhren hinein und folgten einer sandigen Piste bis zum Camp. Anfangs waren wir vom Aussehen des modernen Schwarzen mit seiner Zwirbelfrisur und der heissen Sonnenbrille enttäuscht und entsprechend skeptisch. Die Preise waren nicht gerade billig. 60 Pula kostete die Tour mit den San-Leuten und 45 Pula der Campingplatz jeweils pro Person, hinzu kam noch die Mehrwertsteuer, welche nochmals alles um 10% verteuerte. Alles zusammen machte das 231 Pula, was ungefähr 60 CHF entsprach. Das war nicht gerade billig, aber da wir von Olli gehört hatten, dass die Tour sehr gut sein soll und ausserdem dieser Ort auch in unserem schlauen Buch positiv erwähnt worden war, entschieden wir uns nach einigem zögern die Tour zu machen.
Der Campingplatz war sehr einfach und wir waren die einzigen Gäste. Wir stellten unseren Snoopy unter den grössten Baum mit dem meisten Schatten und packten unsere Stühle sowie den Tisch aus. Die Duschen und Toiletten waren mit einer hohen Schilfwand umgeben, der Eingang verlief schneckenförmig und das Dach war offen. Die Einrichtung war blitzblank.
Wir hatten uns für eine Tour um 16:30 verabredet und so nun genügend Zeit, uns mit der Karte und dem Buch über Botswana auseinander zu setzen. Der Typ mit der heissen Sonnenbrille kam zu uns und bestaunte unser Auto. Ja, dass sei das richtige Auto für den Busch, meinte er schliesslich. Danach verliess er uns auch schon wieder. Die Zeit war rasch vergangen. Wir waren gerade dabei die Stiefel für die Tour anzuziehen, als uns der Typ mit der coolen Brille rief. Wir schauten aus dem Auto und trauten unseren Augen nicht. Da war ein ganzer Trupp von San-Buschleuten vor unserem Auto. Sie waren angezogen, wenn man das so bezeichnen möchte, wie wir es vom Fernsehen her kannten. Nun standen uns ein paar Exemplare dieses Naturvolkes gegenüber. Im Lendenschurz, mit Köcher, Pfeil und Bogen. Es waren 4 Frauen, 2 Männer, 1 Kind und ein Baby. Sie verständigten sich in ihrer Klicklaut-Sprache, Englisch sprach keiner. Für die Übersetzung hatten wir den Typ mit der coolen Brille dabei. Er war ca. 5 Kilometer von hier aufgewachsen und sprach 3 der San-Sprachen. Diese sind dabei so unterschiedlich, dass man nicht von einem Dialekt sprechen konnte. Jede Sprache ist eigenständig.
Endlich konnte es losgehen. Ein alter, drahtiger Mann mit knackigem Po war offensichtlich der Chef und stellte uns die Mitglieder der Truppe mit Namen vor. Es war witzig dem sympathischen Mann zu zuhören. Die vielen Klicklaute in ihrer Sprache waren ungewohnt und wir verstanden kein Wort. Zum Schluss mussten auch wir unsere Namen nennen und stellten fest, dass er ebenso Mühe hatte mit unseren Namen, wie wir mit ihren. Alle mussten lachen. Nachfolgend konnten wir losmarschieren. Die kleinen San im Lendenschurz vorneweg und wir hinterher, was für ein Bild - die San geschmeidig wie Katzen ohne Schuhe, wir eher wie Trampeltiere.
Schon bald entdeckte eine junge Frau eine dünne unscheinbare Pflanze. Sie setzte sich sogleich auf den Boden und begann mit ihrem Holzstock die Pflanze auszubuddeln. Als sie die dünne Pflanze in der Hand hielt, erklärte sie mit ihren Klicklauten, wozu die Pflanze gut war. Man benutzte diese Pflanze zur Bekämpfung von Arthritis. Bald darauf war von einer älteren Frau eine weitere wichtige Pflanze gefunden worden, welche gegen Bauchschmerzen und Blähungen helfen soll. Es wurden uns diverse Pflanzen gezeigt, die für alles mögliche gut sein sollten. Eine Pflanze war sogar gegen schlechte Träume. Man musste die Verästelung der Wurzel abreisen und im Feuer verbrennen, in schweren Fällen evtl. mit Fett einschmieren, damit viel Rauch entsteht. Den Wurzelstamm muss man sich zum Schluss um den Hals binden. Wir haben es nicht ausprobiert.
Es wurde auch die dicke Knolle gefunden, welche wir bereits aus dem Fernsehen kannten. Diese Knolle wurde später mit einem Holzstock gerieben und wenn man dann die Späne ausdrückte, floss Wasser. Eine Frau trank davon, der Rest wurde zum Waschen des Babys verwendet. Dieses war anfänglich nicht sehr begeistert über die plötzliche Dusche.
Es wurde uns auch gezeigt, wie man eine Falle stellt. Ameisen und Harz waren der Köder. Weiter zeigte man uns eine Grassorte, die zusammengezwirbelt als Pfropfen für Strausseneier benutzt werden, welche mit Wasser gefüllt und im Boden vergraben werden. Reserve für harte Zeiten. Das Gras bewirkte, dass das Wasser über 5-6 Monate frisch blieb, trotz der gewaltigen Hitze. Anderes Gras wurde gesammelt um daraus eine Schnur zu machen.
Es wurden Blätter von den Zweigen gerissen, die erst gesammelt und dann gierig von den Frauen verzehrt wurden. Ich war neugierig geworden und wollte auch so ein Blatt probieren. Der Geschmack war überraschend gut. Süss-sauer und sehr erfrischend! Leider blieb es bei dem einen Blatt, denn alle anderen Blätter waren bereits aufgemampft.
Gegen Schluss sassen wir alle im Kreis auf dem Boden und man zeigte wie das Gras zerrieben und die Fasern auf den Oberschenkeln gedreht wurden, bis eine starke reissfeste Schnur entstand. Sagenhaft!
Eine alte Frau machte mit einer Art Pilz in kürzester Zeit Feuer. Sie schlug Funken mit einem Stein und einem abgebrochenen alten Messer. Die Funken wurden im Pilz gespeichert und mit dürrem Gras hatte man im Nu Feuer entfacht. Männer seien zu komplizierte dafür, meinte die Alte mit einem Lächeln.
Die älteste Frau zeigte uns noch einen Tanz, wobei sie trotz ihres hohen Alters sehr agil wirkte. Sie stampfte energisch mit den Füssen auf und brummelte etwas vor sich her. Später stopfte sie sich dann zufrieden eine eigenartige Pfeife und grinste.
Wir hatten in kürzester Zeit viel gelernt. Leider sahen für uns die Pflanzen immer noch ziemlich gleich aus, Überleben könnten wir mit diesem Blitzunterricht im Busch noch nicht. Die Tour hatte unsere Erwartungen übertroffen und wir waren froh es gemacht zu haben.
Zurück bei den Hütten, lernten wir noch den südafrikanischen Chef der Anlage kennen. Er war ganz nett. Da die San Leute noch da standen, hatte ich das Gefühl, dass sie auf eine Geste warten. Ich wollte sie zu einer Cola einladen, Bier wollte ich wegen dem Alkoholproblem, welches fast aller Naturvölker haben, nicht abbieten. Ich war davon ausgegangen, dass man dort auch Cola verkauft. Leider war dies ein Irrtum und ich musste mein Angebot zurück ziehen. Wir selber hatten nämlich nur noch Wasser und Bier.
Wir gingen zurück zum Auto und kochten uns Nudeln Alfredo. Irgendwie waren wir geschafft und Charly lag schon bald auf dem Sofa.
Lange bevor es hell wurde, brach ein fürchterliches Gewitter über uns herein. Es blitzte und donnerte in einer Tour. Der heftige Regen liess nicht lange auf sich warten. Eine Ecke von unserem Hubdach war nicht mehr ganz dicht. Nur ein winziges Löchlein, doch es reichte aus um auf Charly herab zu tröpfeln. Ein Geschirrtuch genügte und es kamen keine weiteren Tropfen mehr durch.
Durch die Störung in der Nacht waren wir natürlich am Morgen nicht gleich so fit und sind etwas länger liegen geblieben. Nach einem einfachen Frühstück und einer kurzen Open-Air-Dusche konnte es weiter gehen. Wir fuhren wieder in die Stadt Ghanzi, da ich mich noch gerne im Museum mit integriertem Souvenir-Shop umschauen wollte. Es war dann doch eher Souvenir-Shop als Museum. Wie ich es bereits erwartet hatte, war das Museum winzig und wenig attraktiv. Im Shop konnte ich auch nichts Nützliches finden, zwar hätte mich so ein Original-San-Lederbeutel mit Pfeil und Bogen gereizt, aber wohin damit während der Fahrt. Dafür lernte ich Birgit und Dietmar kennen. Zwei junge Ulmer, die mit ihren Motorrädern erst vor kurzem nach Windhoek geflogen waren. Nur kurze 6 Wochen hatten sie Zeit, trotzdem zogen sie es vor Ihre eigenen BMWs mitzunehmen. Sie wollten an diesem Tag nur bis zum Lake Ngami fahren, einem ausgetrockneten See, wo man angeblich gut wild campieren könne. Unser Tagesziel war Maun, da wir unbedingt Bargeld brauchten. Wir verabschiedeten uns und fuhren weiter. Die Strecke war nicht gerade spektakulär. Alles war flach und es ging immer geradeaus. Kühe, Pferde, Esel, Ziegen und Schafe bevölkerten die Strasse und wir mussten oft das Tempo drastisch wegen den Viechern drosseln. Diese hatten zwar zum Fressen wunderbar grüne Gräser am Seitenstreifen, doch schien die Strasse eine unerklärliche Anziehungskraft auf die Tiere auszuüben. Es begann zu regnen. Nun wurde es noch problematischer, da die Kühe nun auf der Strasse standen und das Wasser auf dem Teer ableckten.
Beim Kuke-Fence wurden wir nicht kontrolliert. Es war wieder eine von diesen Veterinär-Zäunen, die verhindern sollen, dass sich Krankheiten beim Vieh ausbreiten. Abermals hatten wir unsere Wurst und den Käse kurz vorher auf dem Dach versteckt gehabt, so dass Charly wenige Kilometer später schon wieder aufs Dach klettern musste, damit die Lebensmittel nicht zu warm wurde. Nicht einmal sterilisierte Milch darf mitgenommen werden und angeblich wird sogar Dosenfleisch konfisziert.
Die weitere Strecke bis Maun war wiederum monoton. Maun selber hatte sich in den vergangenen 4 Jahren recht verändert. Es war erstaunlich gewachsen. Überall haben wir neue Häuser und sogar ein neues Shopping Center mit grosser Tankstelle entdeckt. Die Abenteurer-Atmosphäre, die es noch vor 4 Jahren gehabt hatte, ist nun fast gänzlich verschwunden. Hier werden die Touristen massenweise durchgeschleust, welche die Tierwelt Botswanas erleben wollen. So wie wir auch. Maun hatte dadurch den Vorteil, dass wir problemlos ausreichend Bargeld mit der Kreditkarte abholen konnten. Es hatte wieder einmal angefangen stark zu regnen und alle stellten sich irgendwo unter. Wir rannten, nun mit prallgefüllten Geldbeutel, zurück zum Auto. Bei der Tankstelle gab es ein Gedränge und wir mussten uns gedulden. Der Diesel war hier nicht billiger als in Namibia. Wir tankten voll, das heisst alle Reservetanks wurden bis zum Rand gefüllt. Anschliessend suchten wir einen Campingplatz. Wir wollten dieses Mal ins bekannte Audi-Camp gehen. Wir hatten Glück, denn es war nicht viel los und wir konnten für 25 Pula p.P. übernachten. Wir hatten schon alles ausgefüllt, da erzählte uns die Tante hinter der Theke ganz locker, so nebenbei, dass es zur Zeit kein heisses Wasser in der Dusche gäbe. Man hätte ein Problem mit der Leitung. Das hätte sie uns aber auch vorher sagen können, reklamierten wir. Daraufhin ging sie nochmals nachfragen, wie der Stand nun sei. Wir rechneten nicht damit, dass sich rasch etwas an der Situation ändern würde, doch zu unserer Überraschung kam die Lady lächelnd zurück und erklärte uns, dass das Problem bereits behoben worden sei. Das ging für afrikanische Verhältnisse aber rucki-zucki! Der Platz selber war staubig und in der Mitte gab es einige kleinere Bäume. Dort stellten wir uns hin, denn die schattigen Plätze waren nur für die feststehenden Zelte auf der einen Seite. Auf der anderen Seite war es auch schattig, aber da waren die teureren Plätze mit Stromanschluss. Egal, wir blieben ja nur eine Nacht. Wir machten es uns gemütlich. Wir packten die Stühle und den Tisch aus, denn inzwischen hatte es aufgehört zu regnen.
Wir lasen etwas und knabberten Salzstangen. Ich wollte gerade anfangen zu kochen, als wir die Motorräder von Birgit und Dietmar auf uns zu fahren sahen. Ein kurzer Talk, dann wollten sie sich ein Plätzchen für ihr Zelt suchen. Inzwischen hatten wir neue Nachbarn erhalten, Michael und Madeleine. Zwei Dresdner, die nach München immigriert sind. Wir mussten ihnen natürlich unsere Reiseroute erklären, da waren die beiden neugierig geworden und wollten nach dem Abendessen auf einen kurzen Schwatz vorbeikommen.
Gleich nach dem Abendessen kamen sie zu uns. Während wir so erzählten und ihnen auch unsere Einstellung zu Hilfsprojekten in Afrika kundtaten, haben wir sie wohl etwas geschockt. Viele Projekte sind zwar gut gemeint, aber ohne permanente Unterstützung von Weissen leider zum Scheitern verurteilt. Afrikaner denken eben anders als wir. Sie haben nicht dieses Vorratsdenken, man lebt hier meist von einem Tag in den anderen. Ein weiteres Beispiel war, was in Äthiopien passiert ist. Dort waren die Hilfsgüter unkontrolliert verteilt worden, so dass die Bauern nichts mehr anbauten. Keiner wollte mehr ihre Produkte kaufen, klar - wenn man doch kostenlos die Lebensmittel erhält. Die Felder liegen nun brach und die Leute sind derzeit erst recht abhängig. Hilfe zur Selbsthilfe mit einfachen Mitteln wäre besser. Kontrollierte Projektbetreuung, wie in der Wirtschaft mit Teilzahlung nach erfolgreichem Teilabschluss, - nicht einfach nur Geld und Lebensmittel verteilen. Unkontrolliert kommt in den seltensten Fällen das Geld dort an, wo es gebraucht wird. Wir hörten von Angolanern, dass die Strasse von Lubango zur Grenze von Namibia schon zwei Mal von der EU gesponsert worden war. Die Strasse ist heute noch genauso schlecht, wie unmittelbar nach dem Krieg. Ein Teil des Geldes versickerte bereits in Europa und den Rest haben sich ein paar korrupte Beamte Vorort eingesteckt.
Die beiden Sachsen waren nicht unserer Meinung, man kann es ihnen auch nicht verübeln, da sie erst so kurze Zeit in Afrika waren. Auf jeden Fall waren sie nach einem Bier schon sehr müde und wollten ins Bett. Wir hatten keine Lust so früh ins Bett zu gehen und liefen zur Bar. Dort trafen wir dann auch die zwei netten Ulmer wieder. Wir tratschten bis die Bar geschlossen wurde. Auf dem Rückweg haben wir uns dann verabschiedet. Da fiel mir ein, dass wir ja noch eine Flasche Amarula im Kühlschrank hatten. Da die beiden so davon geschwärmt hatten, luden wir sie kurzentschlossen zu einem Schlummertrunk ein. Sie sagten nicht nein und so wurde es fast 2 Uhr morgens bis wir endlich ins Bett kamen.
Wir waren recht fit, dafür dass wir uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen hatten. Da wir uns so gut verstanden hatten, luden wir die beiden Motorradfahrer zu uns an den Tisch ein. Es kam wie es kommen musste, es wurde ein sehr langes Frühstück. Birgit hatte eine Marula-Marmelade gekauft gehabt und die mussten wir natürlich unbedingt probieren. Amarula schmeckt bedeutend besser, war unser aller Kommentar danach. Die Sonne brannte heiss auf unsere Köpfe, als wir endlich den Tisch abräumten.
Wir packten und duschten. Wir waren froh kaltes Wasser zu haben, denn heiss war es uns schon genug. Wir trafen auf ein paar Südafrikaner, die neugierig nachfragten, wie wir hergekommen waren. Da blieben wir wieder hängen. Irgendwie schafften wir es nicht so recht uns aufzuraffen.
Nachdem wir unsere Wassertanks wieder gefüllt hatten, konnte es dann doch noch losgehen. Wir verabschiedeten uns von Dietmar; Birgit war mit ihrer BMW bereits in die Stadt gefahren. Wir fuhren nach Maun und kauften ein. Im Bottle-Store kauften wir noch Sekt und Bier für Weihnachten und Sylvester. Wer kam da gerade zur Tür herein, es war Birgit mit dem Kommentar, dass wir auch gar nicht loskommen.
Gleichwohl haben wir es dann doch noch geschafft und fuhren zurück nach Sehitwa, wo wir dann nach Norden in Richtung Shakawe abbogen. Kurz nach der Kreuzung war eine Strassensperre. Wir fürchteten schon um unser Fleisch, welches wir für Weihnachten in Maun eingekauft hatten. Wir hatten jedoch Glück, denn es handelte sich um eine normale Verkehrskontrolle. Ich öffnete das Fenster und der Polizist verlangte den Führerschein. Charly gab mir seinen Führerschein und ich überreichte diesen dem Polizisten. Dieser warf einen kurzen Blick darauf und sagte dann, ne - ne er will meinen Führerschein sehen. Ich sagte verdutzt, wieso - ich fahr doch gar nicht. Da erst bemerkte der Polizist, das unser Lenkrad ja auf der anderen Seite war. Er musste über sich selber herzlich lachen. Er verwies auf seinen Kollegen und wir sollten tun was uns dieser sagen würde. Wir waren gespannt. Der junge Mann kam zu uns und erklärte, dass wir auszusteigen hätten und zum Zelt rüber laufen sollten, um uns dort die „Message“ anzuhören. Was für eine Nachricht fragten wir uns, hatten wir was falsch gemacht? Wir parkierten und liefen zum Zelt. Dort waren ein paar Beamte hinter einem langen Tisch. Sie boten uns an Platz zu nehmen. Wir setzten uns, gespannt was da wieder auf uns zukommt. Die nette junge Beamtin erklärte uns, dass wir nicht so schnell fahren dürfen auf der Strasse, da es viele Tiere gibt. Haben wir bereits bemerkt, antwortete ich mit einem netten Lächeln. Es gibt auf dem Weg nach Norden auch einige Schlaglöcher und man muss immer angeschnallt sein. Ist doch klar und selbstverständlich für uns. Das Auto soll immer in einem guten technischen Zustand sein, wir nickten eifrig. Es war eine kleine Schulung über Dinge, wie man Unfälle verhindert. Wir fanden es eine gute Idee, dass man es hier so erst nahm und eine kleine Schulung unternahm. Zum Schluss überreichte uns die nette Beamtin eine Broschüre über Unfallstatistik aus dem Jahr 2002. In der Broschüre waren noch weitere Faltblätter, zwei Gummihandschuhe und 4 Kondome! Als wir die sahen, brüllten wir vor lachen. Was bei den Afrikanern so alles zur Unfallverhütung zählt ts, ts! Welchen Verkehr wollten die nun regulieren? Wir fanden das jedoch eine Supersache, denn in Botswana ist fast jeder zweite bereits mit AIDS infiziert.
Wir fuhren weiter bis kurz vor dem Sentata Vet-Zaun. Wieder das gleiche Spiel Kühlschrank auf Wurst, Fleisch und Käse aufs Dach. Doch zu unserer Verblüffung gab es gar kein Kontrolltor. Nichts!
Wir fuhren weiter bis 10 km nach Tsau und bogen dann in eine kleine Sandpiste ab. Gemäss GPS war dies die Piste zu der Drotsky-Höhle. Der nächste schattige Baum war unserer und wir packten unsere Lebensmittel wieder in den Kühlschrank. Weiter ging’s. Wir fuhren schon ein kleines Weilchen, da kamen uns 2 grosse Männer auf zwei kleinen Eseln entgegengeritten. Die sahen uns ebenso verwundert an, wie wir sie. Wir fuhren durch eine eindrückliche Buschlandschaft. Durch die Regenfälle in der letzten Zeit, war alles erblüht. Die Sandpassagen waren stellenweise sehr weich und ohne 4x4 nur mit viel Schaufeln machbar. Wir sahen plötzlich ein paar Elefantenscheisshaufen. Die Masse war unverkennbar. Es roch auch nach Elefanten, doch gesehen haben wir schlussendlich leider keinen. Dafür wären wir fast zweimal in ein tiefes Loch gefahren, welches die Rüsseltiere in die Strasse gebohrt hatten, um sich mit Sand zu bewerfen. Wären wir da rein gefahren, wäre leicht eine Achse kaputt gegangen. Wir sahen noch eine kleine hellbraune Antilope, dass war es dann auch schon. Auf der ganzen Strecke begegneten uns nur 3 Autos, es war hier also nicht viel los. Wir fuhren bis kurz vor 18 Uhr, dann suchten wir uns in den Büschen ein angenehmes Plätzchen zum Übernachten. Doch dafür mussten wir zuerst die Machete auspacken und einen verdorrten Busch wegschlagen. Wir konnten Snoopy gut hinter den Büschen verstecken. Wir verwischten unsere Spuren mit Zweigen und Blättern, dann machten wir es uns gemütlich. Es gab Pellkartoffeln mit Käse und ein kühles Bier. Wir hatten in der Nacht dann noch Bedenken wegen den Elefanten. Im Fall sie unsere Wasservorräte riechen würden, könnten die Tiere unangenehm werden. Wir hatten aber die ganze Nacht Ruhe. Kein Laut war zu hören, ausser dem Zwitschern der Vögeln.
Am frühen Morgen, nach einem kleinen Frühstück, fuhren wir zurück zur Piste. Wir waren begeistert von der Vielfalt der Blumen. Es war Regenzeit und folglich blühte alles und es war sehr grün. Wir inspizierten die eine oder andere Blüte und natürlich mussten wir dies auch mit dem Fotoapparat festhalten. Die Piste war immer noch stellenweise sehr tiefsandig, doch die Rüsseltiere hatten keine weiteren Löcher gegraben. Wir kamen ganz gut voran und waren am frühen Nachmittag bei der Drotsky Höhle. Wir hatten Gott sei Dank die GPS-Koordinaten, denn sonst wären wir glatt vorbeigefahren. Kein Hinweisschild, nicht einmal ein Pfeil war auf einem Felsen aufgemalt. Die Auffahrt zur Höhle war ziemlich steil und sandig. Ohne Allrad ist dieses kurze Stück nicht machbar. Wir sahen zwar gleich die Hinweistafeln oben auf dem Hügel, doch fuhren wir dem erwähnten GPS-Punkt nach. Dieser führte uns aber nirgends hin, also fuhren wir zurück zu den Hinweisschildern. Das erste Schild beschrieb die Entstehungsgeschichte und die Story über die Entdeckung der Höhle. Der Eingang selber war aber verschüttet und man konnte nicht hinuntersteigen, so dass wir zum nächsten Hinweisschild fuhren. Auf diesem Schild war die gleiche Beschreibung; nebenbei bemerkt, wurden beide Schilder gesponsert. Hier befand sich offensichtlich der Haupteingang zur Höhle. Wir waren unterdessen hungrig geworden und platzierten Snoopy unter einem schattigen Baum. Wir waren gerade dabei ein paar belegte Brote zu verspeisen, als ein blauer Toyota Landcruiser Pick-up kam. Die Pritsche war voll mit Jungendlichen beladen. Diese stiegen ab und belagerten uns so gleich. Frech linsten sie in unsere Wohnkabine. Wir fühlten uns leicht gestört, doch hofften wir, dass deren Ausflug bald beendet sein würde. Sie waren gut gekleidet, nicht gerade geeignet für eine Höhlenerforschung. Der Toyota fuhr sogleich wieder ab und unsere Hoffnung auf eine kurze Visite der Jungendlichen verflüchtigte sich. Einige liefen zur Höhle, doch ihr Interesse war gering. Schon bald waren alle wieder aus der Höhle raus und liefen mit entsprechender Geräuschkulisse umher. Einige sassen ungeniert bei unserem Auto und behielten uns im Auge. Das ging uns langsam auf die Nerven, denn wir fühlten uns wie Affen im Käfig. Wir hatten uns auf eine einsame Exkursion der Höhle gefreut und nun waren wir mitten in einem Pulk von lärmenden Jungendlichen.
Der blaue Toyota kam wieder, diesmal hatte er nur zwei Männer auf der Pritsche geladen. Diese kamen gleich zu uns und wollten bei uns abkassieren. Sie hatten keinen Ausweis, Prospekte oder irgendetwas dabei, aber sie hatten zwei Taschenlampen und das genüge doch wohl, um sie als Amtsperson anzusehen. Wir waren gar nicht begeistert, denn der Typ verlangte gesalzene 50 Pula p.P. für den Eintritt und für das Campieren auf dem Areal wollte er auch noch gleich Geld einfordern. Wir hatten doch gar nicht campiert, sondern nur unser Lunch vertilgt, war unsere Antwort. Das sei egal, wir müssen zahlen, war seine Antwort. Wir hatten schon ziemlich die Schnauze voll von so viel Unverschämtheit. Laut Reiseführer gehört die Höhle nämlich dem Staat und dieser erhebt keinerlei Eintritt für die Höhle und einen Campingplatz gab es auch keinen, nicht einmal einen Wasserhahn oder Toiletten. Wir sollten einfach nur zahlen. Die Leute waren von Xai Xai. Diese erheben Anspruch auf die Höhle und hatten deswegen auch schon Ärger mit der Regierung, wie wir später in unserem schlauen Reiseführer nachlesen konnten. Sie waren eindeutig in der Überzahl und diskutieren liessen sie nicht mit sich. Die wollten einfach nur Geld sehen für Null-Leistung. Wir waren sauer, so viele Kilometer waren wir gerattert und dann das! Uns war dies zu blöd und wir packten unsere Sachen, ohne die Höhle besichtigt zu haben. Der Typ wollte zum Schluss noch, dass wir uns in Xai Xai bei einem Office melden, was wir aber strikt ablehnten. Für wie blöd hielten die uns denn? Seine Frage, wohin wir nun fahren würden und welche Piste wir benützen würden, blieb ebenfalls unbeantwortet, denn wir waren der Meinung, das geht den Typ überhaupt nichts an.
Unten auf der Piste bogen wir zuerst nach rechts ab, überlegten es uns aber wieder und drehten um in Richtung Xai Xai. Prompt kam uns der Toyota vollbeladen mit all den Leuten entgegen. Es war eng, doch wir fuhren an ihm vorbei. Wir waren noch nicht lange in die Richtung von Xai Xai gefahren, da hörten wir die Gören auch schon hinter uns her grölen. Sie fuhren dicht auf, konnten uns aber nicht überholen, da die Piste gerade eine Wagenbreite hatte. Sie hielten wieder Abstand, dann fuhren sie mit Gegröle wieder dicht ran. Wir liessen uns nicht stressen. Schliesslich konnten sie auf einer Strecke neben der Piste überholen und wir mussten uns ein paar Stinkfinger und „Fuck You“-Zurufe gefallen lassen. Da waren wohl ein paar enttäuscht, dass sie bei uns nicht abzocken konnten. Wir ignorierten diese primitive Art und fuhren unseres Weges. Xai Xai passierten wir so rasch als möglich, wer weiss was denen sonst noch so eingefallen wäre. Die Piste war mies, trotzdem kamen wir ganz gut voran. Charly fluchte einige Male, wenn es mal wieder zu holprig wurde. Die Aha-Hills konnten wir nur als knappe Bodenerhebung wahrnehmen. Von wegen Hills!
Kurz nach Dobe gelangten wir dann auf die Kreuzung, welche zu dem neuen Grenzübergang nach Namibia führte. Wir bogen nach rechts ab und fuhren wieder gen Osten. Eine Herero-Frau mit prächtigen Gewand und ihre Enkelin wollten mitgenommen werden und riefen empört „STOP“, als wir an ihnen vorbeifuhren. Wir sind doch kein Taxi und ausserdem hatten sie eine Menge Gepäck und Kisten dabei. Ne, ne, wir hatten genug Aufregung für diesen Tag. Wir wollten nur noch Distanz zu den folgenden Dörfern finden und kurz vor Dämmerung ein heimeliges Plätzchen zum Übernachten haben. Dies war gar nicht so einfach, denn es gab viele kleine Dörfchen und Hirten.
Knapp bevor es dunkel wurde, fanden wir hinter ein paar Büschen doch noch ein passables Örtchen. Da wir keinen Hunger hatten, blieb die Küche kalt. Plötzlich hörten wir es wild schnauben und wir dachten schon, das ein Viehhirte mit seinen Tieren vorbei kommt. Die Kühe waren aber alleine unterwegs und über unser Dasein ziemlich erschrocken. Nach einigen misstrauischen Blicken und mit gesenkten Hörnern liefen sie dann doch weiter. Wir machten kein Licht und gingen früh ins Bett. Wir hörten noch 2 3 Autos auf der nahen Piste vorbeipreschen, dann war Ruhe.
Kurz nach 6 Uhr waren wir wach und fuhren auch gleich weiter. Der Ort war zu ungemütlich für ein Frühstück. Die Holperpiste zog sich fort. Tiefe Löcher, die teilweise noch mit morastigem Wasser gefüllt waren. Wir vermieden es, so gut es ging, in diese stinkenden Löcher zu fahren. Einmal mussten wir um ein Loch herum, durch den engen Busch fahren. Wir mussten mehrmals zurücksetzen, da ein Ast oder Baumstamm gegen die Wohnkabine drückte.
Kurz bevor wir bei Nokaneng wieder auf die Teerstrasse gelangten, nach ca. 2 Stunden Fahrt, gab es dann doch noch ein kurzes Frühstück. Plötzlich stand ein Pferd auf der Strasse, dann kreuzte eine ganze Herde Ziegen auf und auch Kühe liefen gemütlich an uns vorbei. Eingezäunte Weiden gibt es in Botswana nicht. Den Tieren werden Narben (Zeichen) zugefügt, welche eindeutig den jeweiligen Besitzer indizieren.
Die Teerstrasse war wieder sehr gut zu befahren. Doch schon nach kurzer Zeit hielten wir wieder an, denn links und rechts von der Strasse waren zahlreiche Störche und Marabus versammelt. So viele Storche hatten wir in unserem ganzen Leben noch nicht auf einen Haufen gesehen. Das war schon ein Foto wert. Leider kamen bald ein paar LKWs vorbei, die es nicht unterlassen konnten zu hupen und bald war die Pracht, im wahrsten Sinne des Wortes, verflogen.
Bei Gumare entdeckten wir eine neue Tankstelle, welche aber leider noch nicht eröffnet war. In Etsha 6 fuhren wir kurz rein, um uns zu erkundigen, ob es in Shakawe eine Tankstelle gibt. Gibt es, war die Antwort und so unterliessen wir es, an der leicht verwahrlosten Shell-Tankstelle zu tanken. Wir fuhren weiter bis kurz vor dem Ikogaa-Fence, wo wir wieder unsere Milch- und Fleischprodukte versteckten. So langsam kriegten wir Übung. Der Wärter wollte aber gar nichts wissen von uns und öffnete sogleich das Tor als wir ankamen. Wenige Kilometer später war Charly auch schon wieder auf dem Dach und holte die Lebensmittel wieder runter.
Danach ging es weiter nach Nxamaseri, wo wir die Mittlere Piste nach Tsodilo nahmen. Diese Piste wird unterhalten. Wie wir von anderen Reisenden hörten, seien dagegen die nördliche sowie die südliche Piste in einem miserablen Zustand. Man sagte, die nördliche Piste sei schon fast nicht mehr existent.
Die mittlere Piste hatten wir mit ihren knapp 40 km schnell hinter uns gebracht. Am Eingangstor mussten wir uns dann aber gedulden, da der Wärter gerade beim Mittagessen war. Das Tor war belagert mit Frauen, die einfache Halsketten und auch wieder die geschnitzten Makalani-Nüsse verkaufen wollten. Ich betrachtete die Ketten und eine Nuss gefiel mir besonders, doch erschien mir der Preis zu hoch. Die Frau liess nicht mit sich verhandeln und so blieb die Nuss dort. Eine junge Frau forderte ein Weihnachtsgeschenk. Auf meine Antwort, was denn sie mir schenke war sie nicht gefasst und unterliess es weiter zu betteln. Der Wärter kam endlich und wir konnten uns in seinem Register eintragen. Wir erhielten einen ziemlich ungenauen Plan von dem Park und mässige Information zu den Felsmalereien. Wir fuhren weiter zum Museum, welches auch gleichzeitig das Hauptbüro war und wo wir uns nochmals registrieren mussten. Das Museum bestand hauptsächlich aus Schautafeln mit der hiesigen Geologie, Historie und Entdeckung der Malereien. Der Eintritt zu den Tsodilo Hills und dessen Felsmalereien war kostenlos. Ebenso kann man kostenlos campieren auf einem der vielen einfachen Campingplätze.
Charly fragte mich, wo wir denn übernachten wollten. Ich wollte zum Malatso Campingplatz, da dieser weit entfernt vom Museum war und ich mir damit grössere Chancen ausrechnete Tiere beobachten zu können. Die Piste dorthin wurde immer schmaler und weichsandiger. Die Büsche und Äste der Bäume kratzten lautstark am Lack von Snoopy. Charly war genervt und fluchte. Einmal mussten wir sogar aussteigen und uns mit der Machete frei hauen. Danach ging es weiter und es wurde noch schwieriger. Schliesslich kamen wir beim Campingplatz an, doch war die Zufahrt verwachsen und somit zu schmal für uns. Wir fuhren bis zum Einstieg zum Cliff Trail. Dort war der Sand ganz tief und sehr weich, doch der Höhepunkt war der enge Wendekreis. Wir hielten, obzwar es schwierig war halbwegs festen Untergrund unter die Räder zu bekommen. Parkplatz gab es keinen. Ich wollte die Malereien sehen und da Charly Bedenken hatte, dass ein Auto kommen könnte und Snoopy nicht alleine lassen wollte, ging ich alleine auf die Wanderung. Gleich nach dem Einstieg zum Wanderpfad Cliff Trail traf ich auf die ersten Felszeichnungen. Ein eckiges Zebra und andere Tiere waren auf urtümliche Art dargestellt. Ich stieg weiter auf, in der Hoffnung noch weitere Zeichnungen sehen zu können. Es war eine ganz schöne Kletterpartie, bei der es auch über ein paar grosse Felsblöcke hinaufging. Schnaufend kam ich oben an, doch zu sehen gab es nichts. Die Aussicht wäre sicher nicht schlecht gewesen, aber leider hatten sich inzwischen die Gewitterwolken zusammengezogen und der Wind blies ziemlich heftig. Ich machte mich also wieder auf den Rückweg, wobei ich die Wegmarkierung nicht gleich fand und erst einmal in die Runde lief. Der Regen war nicht mehr weit weg. Den Abstieg fand ich bald darauf und ich war rasch wieder unten bei Charly.
Da uns der Campingplatz nicht so zusagte und Charly auch noch duschen wollte, was nur im Hauptcamp möglich war, beschlossen wir zurück zum Museum zu fahren. Kaum waren wir im Auto, da prasselte auch schon der Regen auf uns nieder. Man sah fast nicht mehr aus der Scheibe raus. Doch so schnell der Regen gekommen war, so schnell war er auch schon wieder vergangen. Im Hauptcamp in der Sanitärenanlage für Frauen war eine Schwarze damit beschäftigt ihren 5-Liter-Kanister mit Wasser zu füllen. Da das Gefäss nicht unter den Hahn passte, liess sie das Wasser laufen und schöpfte mit dem kleinen roten Deckel des Kanisters das Wasser in das Behältnis. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Wasserprobleme kennt man hier anscheinend nicht oder ignorierte dieses.
Anschliessend fuhren wir auf den Makoba Camping, wo wir dann auch die Nacht verbrachten. Wir waren allein auf dem Platz. Es gab schöne grosse Bäume, welche uns viel Schatten spendeten. Die Nacht war ruhig und friedlich.
Wir waren schon zeitig wach, da wir heute noch ein paar Felsmalereien auf dem Rhino-Trail besichtigen wollten. Wir parkierten Snoopy im Hauptcamp und marschierten los. Es war noch nicht so heiss, also perfekt für einen Walk. Der Weg führte uns unter schattenspendenden Bäumen durch, so dass uns die Sonne nicht zu sehr auf den Pelz brennen konnte. Die ersten Malereien waren schon bald gefunden. Der Weg führte neben der Piste entlang und es war flach. Bei der Malerei von Pinguin und Wal scheiden sich die Geister. Die einen sagen, dass die San Kontakt bis zur Namibia Küste hatten und deshalb diese Tiere kannten, andere wiederum behaupten, dass dies auch ein normaler Vogel bzw. Fisch sein könnte.
Bis zu den Rhinos, sprich Nashörnern, war der Weg sehr einfach. Wir kamen dabei an einer Höhle vorbei, wo wir uns eine kurze Rast gönnten. Man sah noch die schwarzen Wände, die von diversen Lagerfeuern herrührten. Während wir so in der Höhle sassen, konnten wir uns ausmalen wie die San wohl damals hier gehaust hatten.
Danach wurde der Weg anstrengend, denn es ging nun bergauf. Wir kletterten über ein paar kleinere Felsbrocken und mussten uns nun doch öfters ausruhen, denn die Sonne brannte jetzt ganz flott und uns rann der Schweiss aus allen Poren. Die Wasserflasche wurde zusehends leerer. Die ganze Anstrengung machten wir nur für ein paar tanzende Penisse, dass waren nämlich die Felszeichnungen, die uns oben erwarteten. Die wenigen Männlein mit erigiertem Teil waren der Mühe kaum wert. Die Zeichnung stimmte nicht mit dem Bild im Buch überein. Es musste noch andere ähnliche Zeichnungen geben nur wo? Wir fanden sie nicht und machten uns weiter auf den Weg. Die Sonne war nun brütend heiss, so waren wir froh bald das Ende des Wanderweges erreicht zu haben. Doch zum Schluss wurde es noch richtig schwierig, denn nun mussten wir grosse Felsbrocken hinunter gleiten und uns zwischen Felsspalten durchquetschen. Die Mühe lohnte sich aber, da wir dabei an einer grossen Felswand vorbeikamen die voller Malereien war.
Unten angekommen, war unser Himmelreich eine kalte Dusche im Hauptcamp.
Danach machten wir uns auf den Weg in Richtung Shakawe, denn wir wollten Weihnachten am Okavango Fluss verbringen.
Kurz vor dem Samuchima Fence wieder das gleiche Spiel, wir versteckten wiederum unsere Milch- und Fleischprodukte. Erneut wurde das Tor ohne Kontrolle oder auch nur eine Frage für uns geöffnet. Wir waren nicht unglücklich darüber.
Da uns Nik & Nic die Shakawe Fishing Lodge empfohlen hatten, fuhren wir dorthin. Wir wunderten uns schon über die Verlassenheit der Campinganlage. Auch an der Rezeption war niemand. Wir liefen hinüber zur Lodge, wo man uns dann aufklärte. Die Campinganlage ist bis Januar geschlossen! Da blieb uns nichts anderes übrig, als wieder weiter zu fahren.
Wir fuhren zu den Drotsky Cabins. Auch dort war eigentlich geschlossen, doch da der Campingplatz sowieso da sei, da können wir diesen auch benutzen, sagte man uns. Die Leute waren echt flott und überaus freundlich. Man spendierte uns sogar einen Kaffee, welchen wir gerne mit Blick auf den Okavango-Fluss genossen. Die Leute waren hellbegeistert von unserem Snoopy und meinten, dass sei das am besten ausgebaute Fahrzeug, welches sie je gesehen haben. Perfekt für Afrika! Wir haben uns über das Kompliment gefreut und natürlich auch stolz die Vorzüge gezeigt. Der Camping war sehr schön in Mitten grosser schattiger Bäume angelegt. Vom Okavanko-Fluss konnte man jedoch leider nicht viel sehen. Neben uns gab es noch ein paar wenige andere Camper, doch war die Anlage sehr grosszügig angelegt, so dass man die Nachbarn nicht gleich sah oder hörte.
Wir installierten uns und genossen erst einmal ein kühles Bier. Grüne Meerkätzchen kamen vorbei und turnten akrobatisch auf den Bäumen herum. Auch ein Baby war dabei, dass sich fest an seine Mama klammerte. Erdhörnchen inspizierten den Platz ebenfalls, könnte ja sein das was runterfällt. Uns gefiel es an diesem Ort. Im Preis inbegriffen war das Feuerholz, so dass wir ein schönes grosses Lagerfeuer machen und später unsere Steak grillen konnten. Wir hörten Deutsche Welle, da kam dann doch so langsam so etwas wie Weihnachtsstimmung auf. Irgendwie passte das jedoch gar nicht mit der Aussentemperatur zusammen, denn es war immer noch über 30 Grad warm, obwohl die Sonne schon untergegangen war. Wir telefonierten mit Charlys Verwandtschaft, meine war leider nicht erreichbar.
Wir grillierten unsere Steaks und kochten dazu ein paar Petersilienkartoffeln. Die Bohnen wollte ich mit Schwarzwälderschinken aus Namibia veredeln, doch war dieser sehr salzig, was dann nicht gerade zum Vorteil der Bohnen war. Leider! Dazu tranken wir ein Gläschen Rotwein, zur Feier des Tages. Zum Abschluss genossen wir noch eine Flasche Sekt am Lagerfeuer. Die Weihnachtsgeschichten aus dem Radio rundeten unsere Weihnachtsstimmung ab. Charly hatte von mir noch ein paar Pfeffernüsse aus Deutschland geschenkt bekommen, welche ich in Windhoek für ihn gekauft hatte. So verbrachten wir unsere Weihnachten.
In der späten Nacht hörte ich ein Hippo grunzen.
Da es ziemlich spät geworden war und ich noch einen Brummschädel vom Alkohol hatte, sind wir erst spät aufgestanden. Das Frühstück war wie üblich, Brot und Honig für Charly bzw. Flocken und Obst für mich.
Obwohl Weihnachten war, beschloss ich Wäsche zu waschen. Hier hatte ich heisses Wasser und einen grossen Bottich, dass musste ich ausnützen. Es war auch gar nicht viel und so war ich rasch fertig. Die Wäsche baumelte den ganzen Tag an der Leine, doch trocken wurde sie nicht, denn die Luftfeuchtigkeit war zu hoch. Den ganzen Tag haben wir ansonsten relativ faul verbracht. Charly hatte sich die Hängematte installiert und lag genüsslich mit seinem Notebook darin.
Am Abend machten wir uns wieder ein Lagerfeuer, aber diesmal nicht mehr so gross. Zum Abendessen kochte ich ein Gyros mit Reis. Das Fleisch war leider ziemlich zäh, die Kuh muss an Altersschwäche gestorben sein. Danach sassen wir noch ein Weilchen am Lagerfeuer und lauschten der deutschen Welle. Da kam aber leider nichts gescheites, denn die Interviews mit den Spielzeugherstellern aus Sachsen interessierten uns nicht besonders und so schwenkten wir um auf afrikanische Musik. Was für ein Kontrast.
Schon früh am Morgen waren die Affen auf den Bäumen und wir hörte es deutlich rascheln, wenn sie von Ast zu Ast hüpften. Natürlich hatten sie wieder Streit und trugen diesen auch lauthals aus. Was für ein Affentheater und das schon am frühen Morgen. Irgendwie waren wir noch faul vom Vortag, denn so richtig kamen wir nicht in die Hufe. Charly wollte wieder einmal ohne Frühstück los, wogegen ich mich wehrte. So viel Zeit hatten wir doch wohl noch! Bis wir alles zusammengepackt und geputzt hatten, war viel Zeit vergangen. Als wir endlich loskamen, war es schon bald wieder Mittag.
Wir fuhren nach Shakawe, wo wir Brot einkaufen wollten, doch leider die Antwort: „Today no bread.“ Auch nicht schlimm, wir hatten noch Dosenbrot aus Deutschland. Die Tankstelle war ziemlich heruntergekommen, doch da es keinerlei Auswahl gab, füllten wir unsere Tanks trotzdem. Nun waren es nur noch 14 Kilometer bis zur Fähre. Wir wollten heute nach Seronga. Die Fähre von Mohembo nach Mahuka war noch nicht da, so stellten wir uns an. Vor uns war nur ein Pick-up. Ein paar weisse Jungendliche, die auf Tramptour waren, fragten, ob wir sie bis nach Seronga mitnehmen würden. Doch das waren 5 Personen plus Rucksäcke ne, ne, da haben wir abgelehnt. In der Wohnkabine ist es sowieso ohne offene Fenster für so eine lange Strecke viel zu heiss. Ausserdem werden sie die paar Groschen für den Bus wohl noch aufbringen können.
Die Fähre kam und es musste zuerst ein Service gemacht, d.h. Wasser abgepumpt und Benzin aufgefüllt werden. Charly konnte dann als erster drauf fahren. Es hatten nur 3 Fahrzeuge Platz. Ein Vierter hatte sich auf die Rampe gestellt, doch der wurde wieder zurück ans Ufer geschickt. Die Fähre wurde von 2 leistungsstarken 150 PS Aussenbordmotoren angetrieben, je einer links und rechts.
Die Überfahrt war kostenlos, aber es war auch nicht weit. Bald hatten wir den Okavango gequert. Auf der anderen Seite warteten auch schon wieder Fahrzeuge. Die Fähre war ziemlich busy. Die Piste war anfänglich sehr hart und ruppig. Wir kamen nur langsam voran. Schliesslich hielten wir an und liessen Luft aus unseren Reifen, damit wurde es etwas erträglicher. Die Piste war danach gut passierbar, wenn auch einige Schlaglöcher da waren. Erst zirka 10 km vor Seronga ging die Piste in eine richtige Sandpiste über.
In Seronga angekommen trafen wir auf einen weissen Buschmann im Daktari-Stil, der uns mit den Worten empfing: „Jawohl ihr habt mich gefunden.“ Doch leider war er nicht der Richtige, denn wir wollten zu Chris. Die Mbiroba Lodge war uns von den Leuten von den Drotsky Cabins empfohlen worden und wir suchten die Lodge, respektive Chris.
Chris war erst seit 4 Monaten in Botswana und hatte vorher bei Sun Microsystems in Holland gearbeitet. Er war Engländer und hatte mit der hiesigen Community einen 2-Jahresvertrag abgeschlossen. Die Schwarzen hatten die Lodge in eine desolate Lage gebracht und nach einem fähigen Mann gesucht, der die Lodge wieder auf Vordermann bringen kann. Wir haben uns bei einem Castle Bier lange mit ihm unterhalten. Er hatte inzwischen schon so einiges von seinem Idealismus eingebüsst, aber ist nach wie vor optimistisch, auch wenn lange nichts mehr in Stand gestellt wurde. Er bestätigte unseren Eindruck, dass die Schwarzen kein Vorratsdenken haben. Sie leben von einem Tag in den anderen und denken dabei selten an Morgen. So hatten sie die Einnahmen der Lodge immer herausgenommen, ohne Rücklagen für Investitionen zu bilden. Die Dinge die kaputt gingen, waren dann eben kaputt keiner nahm sich der Reparatur an oder sorgte für Ersatz.
Zu Abend haben wir in der Lodge gegessen. Ich hatte zermanschten Fisch mit Wasserlilien, Mila-Mila (fader Maisbrei) und Salat. Charly blieb bei bekannten Sachen, er nahm Pommes, gebratenen Fisch und Salat. Als Überraschung erhielten wir anschliessend einen Gingerpudding. Eine Art Gewürzkuchen, der noch ganz warm war und lecker schmeckte. Auch mein Wasserlilienfisch war auf offenem Lagerfeuer sehr schmackhaft zubereitet worden. Da die Batterien der Solaranlage alle kaputt waren, gab es nur romantisches Kerzenlicht. Liebevoll hatte man auch unseren Weg zum Auto mit Fackeln bestückt.
Schon vor 6 Uhr war ich wach. Heute wollten wir eine Mokoro Tour machen, d.h. mit einem Einbaumboot durch die Sümpfe des Okavango Deltas streifen. Ich schmiss Charly aus dem Bett, wovon er wenig begeistert war. Ich duschte mich mit kaltem Wasser, denn warmes gab es keines, weil bei der Community das Geld für eine Gasflasche fehlte. Es war nicht so schlimm, denn damit war jede Müdigkeit von mir gewichen.
Wir packten unsere Sachen: ein Fresspaket für unterwegs, Sonnenmilch, Insektenmittel, usw. Auch die Regenjacken wurden eingepackt, denn es war stark bewölkt. Pünktlich um 7:30 Uhr standen wir an der Rezeption. Dort stellte uns Chris dann Georg vor, als King Georg der 3. Der ältere, sehr dünne Mann, gab uns da schon bescheidener die Hand. Bevor wir aber los konnten, mussten wir unterschreiben, dass wir keinerlei Ansprüche stellen würden, wenn etwas unterwegs passiert. Chris gab uns noch ein paar Instruktionen, wie zum Beispiel: Nicht weglaufen, wenn ihr auf einen Löwen trefft. Schluck! Bei der Boottour war nämlich auch eine längere Buschwanderung beinhaltet.
Zusammen mit Georg fuhren wir zur Xaa Bucht, wo einige Mokoro Boote für die Tour bereitlagen. Die Boote werden heute aber nicht mehr aus Bäumen hergestellt, sondern aus Fieberglas. Von weitem sehen diese aber immer noch gleich aus.
Wir setzten uns in das Mokoro und Georg stakte uns durch das dichte, hohe Gras. Schon bei der nächsten Lichtung erfreute uns ein wahres Meer aus Wasserlilien. Wir fuhren durch einige enge Stellen. Wir sahen diverse Vögel direkt vor uns auffliegen. Wir sassen tief in diesem Boot und erhielten so einen völlig neuen Blickwinkel. Es war vielleicht eine Handbreite vom Kanurand bis zur Wasseroberfläche. Das Gras war so dicht, dass wir immer wieder den Arm schützend vor unseren Kopf halten mussten, damit nicht alle langen Halme in unsere Gesichter schlugen. Es waren nur die Laute von ein paar Vögeln zu vernehmen. Das Wasser war überraschend klar. Wir folgten verwirrenden Gängen durch das Dickicht. Mal wurden wir vorwärts, dann wieder rückwärts durch das hohe Gras geschoben. Plötzlich hörten wir das empörte Grunzen eines Flusspferdes. Der Laut erschien uns ganz schön nahe. Georg liess sich nicht weiter beirren und stakte weiter durch den Irrgarten. Ab und zu musste Charly mithelfen das Boot über die seichten Stellen zu stossen. Schliesslich gelangten wir an eine grössere offene Stelle. Dort sahen wir sie endlich. Einige Flusspferde tauchten plusternd in einiger Entfernung auf. Wir beobachteten die Tiere eine ganze Weile, dann ging es weiter durch das Dickicht. Schliesslich landeten wir auf einer Halbinsel im Delta. Von nun an hiess es marschieren. Wir stiegen aus dem Mokoro-Boot aus und mussten über die Fussabdrücke von Elefanten balancieren. Mit ihrem Gewicht hatten die Elefanten eine völlig neue Dimension an Spuren in dem weichen Untergrund hinterlassen.
Georg fragte uns, ob wir einen langen oder einen kurzen Fussmarsch unternehmen möchten. Charly fragte frech, dass wir ganz fit seien und ob er auch fit für eine längere Wanderung sei. Was blieb dem armen Kerl da anderes übrig. Als erstes trafen wir auf zwei Schädel. Der Schädel von dem Wasserbüffel war durch die mächtigen Hörner ungemein schwer, während der Kudu-Schädel erheblich leichter war. Die Hörner sind da zwar sehr lang und gedreht, doch an das Gewicht des Büffels kamen sie lange nicht heran. Wir marschierten weiter und Georg erklärte uns was man alles mit Elefantenscheisse machen kann. Man kann den getrockneten Dung anzünden und damit Moskitos vertreiben. Angeblich wird dieser auch als eine Art Schwamm verwendet. Er zeigte uns auch die Hinterlassenschaften von Hyänen. Diese sind auffallend weiss, da Hyänen viele Knochen fressen. Er machte uns auf weitere Spuren aufmerksam und erklärte uns, von welchem Tier diese stammen. Hyänen, Schakale, Impalas, etc. Es war sehr lehrreich. Wir kamen an einem ausgetrockneten Elefantenschädel vorbei, der halb im Dickicht verborgen lag. Charly interessierte sich besonders für die Zähne des Unterkiefers. Wir liefen weiter und gelangten schliesslich an den Buffalo Fence. Ein Zaun, welcher die Wildtiere auf der einen Seite und die domestizierten Tiere auf der anderen Seite halten soll. Wir sahen einige Impalas auf der anderen Seite des Zaunes stehen. Diese beobachten uns aufmerksam und wir sie. Danach liefen wir am Zaun entlang und schlussendlich schlüpften wir durch den Zaun auf die andere Seite. Die Elefanten hatten in dem kleinen Wald ganz schön gewütet. Viele Bäume waren geknickt. Ein grosser Baobab-Baum war über die Hälfte durchgenagt. Einige wilde Bienen hatten sich eingenistet.
Wir machten Rast und futterten unsere Kekse mit Wasser. Wir teilten unseren mageren Vorrat an Lebensmittel mit Georg, denn er hatte gar nichts dabei. Er trug nur seinen Erste Hilfe Kasten mit sich. Er war ganz schön hungrig und er nahm gern die angebotenen Vollkornkekse an.
Nach dieser Pause liefen wir noch ein Stück weiter, bis wir auf eine Herde Gnus stiessen. Die Herde war ziemlich weit weg, trotzdem rannten die Tiere davon. Georg rief uns zur Umkehr auf und wir folgten ihm willig. Wir liefen querfeldein und schlüpften wieder durch den Zaun. Wir trafen auf unserem Rückweg auf Paviane und Warzenschweine. Auf Zebra- und Gnu- Scheisse, aber die Tiere selber bekamen wir nicht zu Gesicht. Dafür stiessen wir auf einen Bau von Erdferkel.
Wieder zurück bei dem Boot, machten wir nochmals eine Rast. Wir waren froh darüber, denn wir hatten einen ganz schönen Marsch gemacht. Als Georg nur noch gelangweilt Hornhaut von seinen schwarzen Füssen kratzte und die Tour so in die Länge ziehen wollte, forderten wir ihn zur Rückkehr auf. Willig zog er seine Turnschuhe wieder an und wir liefen das kurze Stück zum Boot. Er stakte uns wieder durch das Wirrwarr von engen Graskanälen. Charly musste wieder bei ganz flachen Stellen helfen. Plötzlich hörten wir einen erschreckten oder vielleicht auch verärgerten Laut von einem Hippo aus dem Dickicht. Wenig später kamen wir wieder bei den Hippos vorbei, welche wie immer vor sich hin grunzten. Wir hielten gebührenden Abstand, denn Hippos verstehen keinen Spass, wenn man zu nahe an sie heran kommt.
Auf dem Rückweg strich ich wieder über die vielen Wasserlilien, die am Boot vorbeiglitten. Georg war sehr aufmerksam und hielt öfters kurz an, damit ich die Lilien besser betrachten konnte. Kurz vor dem Ende unseres Ausfluges stoppte er und pflügte eine wunderschöne Wasserlilie und bastelte geschickt in kurzer Zeit eine Halskette daraus. Er schenkte mir diese und ich bestaunte seine Geschicklichkeit.
Den ganzen Tag über war es bedeckt gewesen, doch nun auf dem Rückweg kam doch noch die Sonne raus. Ich verbrannte mir in kürzester Zeit die Beine und die Arme, obwohl ich mich schon recht gut an die Sonne Afrikas gewöhnt hatte.
Wir waren wieder beim Auto angelangt und fuhren zurück zum Campingplatz. Wir gaben Georg ein Trinkgeld für seine Bemühungen und luden ihn anschliessend noch in der Bar zu einem Bier ein. Darüber hatte er sich natürlich gefreut.
Danach liefen wir zurück zum Auto und legten uns nach einem Imbiss etwas schlafen. Wir waren hundemüde. Am Abend waren wir nicht motiviert nochmals in die Bar zu gehen und verbrachten den Abend allein in Snoopy.
Wir waren schon kurz nach 6 Uhr wach. Es war bewölkt und es regnete leicht.
Es gab wieder nur eine kalte Dusche. Danach fuhren wir zur Rezeption und verabschiedeten uns von Chris. Er bat uns noch, ihm die Streckenbeschreibung von Seronga nach Linyanti zu senden. Simon von der Community sagte noch, dass es viel regnen würde und wir ziemlich viel Matsch antreffen werden. Wir glaubten ihm nicht so recht und fuhren bald darauf los. Die Piste über Betscha war bald vom Regen aufgeweicht, liess sich aber ohne grosse Probleme befahren. Es begegnete uns kein anderes Fahrzeug. Wir trafen nur auf einen Bus, der mitten auf der Piste quer parkiert war. Hinten rechts fehlte das Rad. Wir fuhren weiter und kamen wieder an einigen adretten Rundhütten vorbei und um jede Hütte war aus Schilf ein Zaun gezogen worden, welcher oben gerade abgeschnitten wurde. Manche Hütten waren sogar verziert. Wir sahen seit langer Zeit wieder einmal vereinzelt bestellte Felder. Schliesslich gelangten wir an ein Dorf das Torunga oder so ähnlich hiess. Hier hörte plötzlich die breite Piste auf. Wir fragten im Kiosk nach, wo Betscha läge. Die junge Frau kam trotz Regen zu uns ans Auto und erklärte uns, dass Betscha bereits hinter uns lag. Der unscheinbare Weg geradeaus führe zum Buffalo Fence, erklärte sie uns noch. Das war ja prima, denn genau dorthin wollten wir ja. Die Piste war nun so breit wie Snoopys-Fahrspur. Der Sand war tief und weich. Ohne Allrad mit Untersetzung - keine Chance.
Wir wussten, dass bald private Konzessionsgebiete begannen und man angeblich dort nicht durchfahren dürfe. Die Strasse selber gehört jedoch der Regierung, womit es wiederum erlaubt war diese zu benutzen. Die Hauptpiste dürfe nicht verlassen werden, dann könne man diese Strecke getrost fahren. Es war widersprüchlich was wir gehört hatten.
Im tiefen Sand kam uns ein Ranger mit einem Toyota entgegen und da er das Fahrzeug gleich neben die Piste stellte, dachten wir schon, das wir nun angehalten werden und umkehren müssten. Dies war aber nicht der Fall, statt dessen winkte uns der Typ freundlich zu. Wir fuhren weiter und kamen an das Einlasstor vom Selinda-Reservat und dem Linyanti-Konzessionsgebiet, einem privaten Jagdgebiet. Oh je, dachten wir schon, nun müssen wir doch noch umkehren. Der grosse Schwarze kam auf uns zu und sagte freundlich guten Tag. Alles was er und seine Kollegin von uns wollten war, dass wir uns registrieren.
Ich stieg aus und trug uns brav in die beiden Formulare ein. Danach öffneten sie das Tor und man wünschte uns eine gute Fahrt, dann konnten wir weiterfahren.
Bald fuhren wir durch enge Buschlandschaft. Wir sahen kaum etwas ausser Bäume und Busch. Auf der Strasse konnte man deutlich die Spuren und Hinterlassenschaften von Elefanten sehen. Die Dickhäuter müssen hier sehr zahlreich vorhanden sein. Dann sahen wir im Gebüsch 3 Elefanten. Doch wir konnten die Dickhäuter kaum ausmachen, die Büsche standen zu dicht. Die Piste führte wie mit dem Lineal gezogen schnurgerade durch den Busch. Unterwegs kam uns eine grosse Landschildkröte entgegen, natürlich auf der schmalen Fahrspur. Charly stieg aus und brachte das Tier in Sicherheit. Wenig später wurde das Gebiet weit und offen. Ein Weisser vom Typ Buschmann kam uns mit seinem offenen Toyota entgegen. Er stoppt und fragte, wo wir hin wollten. Er war besorgt, dass wir uns verfahren. Nachdem wir ihm mitgeteilt hatten, dass wir nach Linyanti wollten, lächelte er kurz und streckte den Daumen in die Richtung in die wir fuhren. Ich kam mir vor wie bei Daktari. Wenig später trafen wir auf eine kleine Giraffenherde und sahen auch ein paar Impalas. Der perfekte Ort für einen kleinen Imbiss. Es begann wieder zu regnen. Den ganzen Tag hatte es schon geregnet, wenn auch mit kurzen Unterbrüchen. Nach dem Imbiss fuhren wir weiter und sahen eine grosse Zebraherde und wieder einige Impalas. Wir fuhren weiter und gelangten bei strömenden Regen in das Linyanti Sumpfgebiet. Die Landschaft war nun offenes Grasland. Wir folgten den frischen Autospuren in der Hoffnung auf die richtige Piste nach Linyanti zu gelangen. Leider war dies ein Trugschluss, denn die Piste führte in die Sümpfe. Wir bogen nach rechts ab und bemerkten bald, dass wir gemäss GPS in die falsche Richtung fuhren. Das Wasser stand nun in der Piste. Wir kehrten um und folgten einer anderen Piste. Diese führte anfänglich in die richtige Richtung, aber leider nicht sehr lange. Die Piste führte wenig später zurück nach Süden und nicht nach Osten. Es regnete wieder und stellenweise war die Piste schon unter Wasser. Das umliegende Grasland war ebenfalls mit Wasser gefüllt. Wir fuhren weiter und mussten um die eine oder andere Stelle herumfahren, weil diese sich zu einem kleinen See entwickelt hatte. Wir hofften, dass wir bei diesem strömenden Regen nicht auch noch mit Snoopy absoffen, denn in Reichweite gab es keinen Baum für die Seilwinde. Es war ganz schön kritisch! Die Piste führte schliesslich wieder zurück an die Kreuzung, wo wir abgebogen waren. Schei...benkleister, wir waren im Kreis gefahren.
Es gab viele Pisten und Abzweigungen, aber welche war die Richtige und welche führte uns in den Sumpf. Unsere Stimmung war nahe des Nullpunktes angelangt und Charly setzte Snoopy neben die Piste. Wir wollten gerade diskutieren, was wir machen sollten, da kam uns ein roter Nissan Patrol entgegen und hinterher ein weisser Land Rover. Es waren Südafrikaner und wir fragte sie nach dem Weg. Es stellte sich heraus, dass sie das gleiche Ziel hatten und auch sie sich im Labyrinth der Pisten verloren hatten. Wir waren wahrscheinlich ihren Spuren gefolgt und sie dann unseren. Afrikanischer Kreisverkehr!
Wenn wir Lust hätten, könnten wir mit ihnen verloren gehen, sagte man uns. Wir überlegten nicht lange und folgten ihnen. Wir mussten öfters umkehren, weil entweder die Piste in die falsche Richtung führte oder weil das Wasser zu hoch stand. Patrik, der Sohn von Rick, stieg einige Male aus und checkte barfuss mit seinen kurzen Hosen, wie hoch das Wasser stand. Zu hoch - wieder mussten wir umkehren. Es regnete immer noch in Strömen. Schliesslich fanden wir doch noch den Einstieg und waren endlich auf der richtigen Piste. Wir folgten einem Flusslauf und sahen bald einige Flusspferde, die sich bei dem Wetter sauwohl fühlten. Sie waren am Flussufer und grasten. Viele Vögel waren ebenfalls am Ufer. Das Flussufer dampfte regelrecht. Wir mussten wenig später einen kleinen Fluss überqueren und das Wasser kam verdammt weit hoch. Danach ging es eine kleine Anhöhe hinauf und durch ein paar Bäume durch. Oben, noch in der Steigung, in einer scharfen Rechtskurve, mussten wir wegen der morastigen Piste ganz links fahren. Prompt sackte Snoopy mit seinem Gewicht hinten links weg und blieb im Morast stecken. Das rechte Vorderrad stand in der Luft. Wir konnten uns gerade noch mit der Differenzial-Sperre retten. Hätte uns schön angeschissen, bei dem Sauwetter auch noch eine Bergungsaktion zu veranstalten. Wir folgten weiter den anderen. Es waren noch 50 km bis nach Linyanti und wir hatten keine Chance bei dem Pisswetter auch nur in die Nähe zu kommen. Rick, der Vater von Patrik, folgte einer Spur und suchte eine Übernachtungsstelle, während der Land Rover und wir auf der Piste warteten. Sie hatten Funk und bald hiess es, dass wir ihren Spuren folgen sollten.
Sie hatten ein wunderschönes Plätzchen gefunden. Wir standen unter einem grossen Baum, welcher auf einer kleinen Anhöhe lag und wir konnten wunderbar auf den Fluss sehen. Wir hörten die Flusspferde grunzen. Sehr zu unserem Erstaunen liessen sich kleine Fellkugeln vom Baum fallen, rollten sich auf als wäre das nichts und liefen davon. Keine Ahnung war für Tiere das waren, aber die Höhe war beachtlich von der sie sich einfach vom Baum fallen liessen. Trotz Regen genossen wir erst einmal die grandiose Aussicht. Der Nissan und der Land Rover hatten Markisen und rasch war ein Regendach für alle installiert. Es wurde schon langsam dunkel, als wir uns unter das Dach setzten. Endlich war genug Zeit um sich vorzustellen. Im Land Rover sassen John der Surfer aus Cape Town mit seiner 20 Jahre älteren Freundin Lara. Eine richtige englische Lady mit anscheinend viel Geld, wie wir später von Rick hörten. Sie fühlte sich im Busch nicht besonders wohl und sagte auch, dass sie eigentlich gar keine Camperin sei. Im Nissan Patrol sassen Rick, Patrik und Alisha. Sie waren aus der Region von Natal und besassen eine grosse Farm, wo sie Pferde züchteten.
Alisha ging zum Fluss um Wasser zu holen und Rick rief sie sofort zurück mit der Bemerkung, dass die Krokodile wohl schneller seien als sie. Uuups!
John war sehr aufgekratzt, was durchaus seinem Temperament entsprach. Er wusste stets etwas zu erzählen und war sehr begeisterungsfähig. Er lud uns alle zu einer Portion Nudel mit Tomatensauce ein. Wir sagten gerne zu. Rick steuerte ein paar Boerewurst bei, diese typisch südafrikanische Wurst. Er war in Namibia auf der Jagd gewesen und die Wurst bestand aus seinem Jagderfolg. Es war alles sehr lecker. Wir sassen gemeinsam eng unter dem Regendach und hörten die Löwen brüllen. Lara war es gar nicht mehr wohl und sie verschwand bald im Dachzelt des Land Rovers. Patrik und seine Freundin Alisha waren auch bald verschwunden, aber nicht wegen der Löwen. Der Rest sass noch bei einem Gläschen Wein. Es war ziemlich frisch und wir froren trotz der Jeans, den Regenjacken und dicken Wanderschuhen. Es war alles so klamm und nicht gerade gemütlich. Gegen 10 Uhr entschlossen auch wir uns zu verabschieden. Die Löwen waren nicht näher gekommen, doch bei ihrem nahen Gebrüll stellten sich einem die Nackenhaare doch auf.
John turnte schon am frühen Morgen zwischen den Bäumen herum. Die Hippos waren direkt vor unserem Camp und grunzten im Wasser. Es regnete immer noch. Wir sassen alle gemeinsam wieder unter dem Regendach und assen unser Frühstück. Anschliessend kam der grosse Abwasch. Lara machte sich hübsch und zog sich um. John und Lara wollten in eine Lodge, weshalb sie sich plötzlich entschlossen, nicht mit auf dem nächsten Camping zu fahren, sondern gleich weiter nach Kasane fahren wollten. Patrik baute das Funkgerät bei ihnen aus und übergab es uns. Wir waren etwas erstaunt. Plötzlich hörten wir ein Auto und bald sahen wir einen Toyota Pick-up, auf welchen hinten die Touristen sassen. Alle winkten uns zu. Wir kamen uns vor wie im Zoo, dabei dachten wir, dass wir allein in der Pampa wären. Bald darauf fuhren wir auch schon los und folgten noch etwas dem Flusslauf. Ein anderer Toyota kam uns entgegen. Wir befanden uns auf einer privaten Safariranch. Rick erklärte unsere Situation und der Toyota führte uns aus dem Gebiet zurück auf die Hauptpiste. Brav folgten wir dieser. Wir fuhren von einem Wasserloch ins nächste. Die Piste war eng und die Äste kratzten an beiden Seiten vom Auto. Stellenweise war die Piste so eng, dass wir uns wie in einer gigantischen Waschanlage fühlten, mit Unterboden- und Motorwäsche.
Die Wasserlöcher waren sumpfig an den Rändern und sehr tief. Teilweise kam das Wasser bis über die Motorhaube. Gut waren wir hier nicht alleine unterwegs.
Wir hatten es schon fast bis zum Campingplatz von Linyanti geschafft, als wir es hinter uns hupen hörten. Es war John mit dem Land Rover, welcher uns mitteilen wollte, dass wir vorne links einen Platten hatten. Na super, da mussten wir ca. 1 km vor dem Campingplatz noch unser Rad wechseln. Wir setzten ein kurzes Stück zurück, damit wir nicht im Matsch das Rad wechseln mussten. Das nächste grosse Sumpfloch lag nämlich gerade wieder vor uns. John half uns das Rad zu wechseln und so war dies rasch erledigt. Immer wieder blickte ich mich aufmerksam um, denn es gibt Löwen in dieser Region.
Wir fuhren die kurze Strecke bis zum Campingplatz und verabschiedeten uns dort im strömenden Regen von John und Lara. Eventuell werden wir sie in Mosambik wiedersehen, denn sie wollen auch die Ostküste hochfahren.
Die anderen installierten ihre Zelte und wir platzierten Snoopy. Wir hatten eine wunderbare Aussicht auf das Wasserbecken von Linyanti und konnten die Flusspferde gut beobachten.
Zwischendurch regnete es wieder wie verrückt. Dicke Tropfen - in raschem Tempo. Wir flohen ins Auto, bis das schlimmste vorbei war. Danach setzten wir uns unter die Markise von Patriks Nissan und kochten Kaffee. Wir plauderten den ganzen restlichen Nachmittag mit Blick auf die Hippos. Wir spotteten schon, dass das Programm des Hippo-Channels wenig abwechslungsreich sei.
Am späten Nachmittag bekamen wir dann doch noch Nachbarn. Es waren Holländer, die mit einem Mietauto unterwegs waren. Rick nannte sie - Chaskopp, wie Südafrikaner die Holländer zu nennen pflegen.
Später machten sich die Männer daran Feuer für die Dusche zu machen. Kein so leichtes Unterfangen bei dem Sauwetter. Zwar hatte es in der Zwischenzeit aufgehört zu regnen, doch war alles noch platschnass. Schliesslich wurden ihre Mühen doch belohnt und wir konnten in der heruntergekommenen Anlage wenigstens eine warme Dusche haben.
Kurz vor dem Dunkelwerden bekamen wir nochmals Besuch. 8 Schwalben kamen geradewegs auf unser Auto zu und versuchten angestrengt durch das Moskitonetz im Hubdach in die Wohnkabine zu kommen. Sie hingen am Netz und gaben schliesslich auf. Zufrieden dennoch ein Plätzchen vor der Dunkelheit gefunden zu haben, platzierten sie sich nun vor dem Moskitonetzfenster auf Snoopys Dach. Wir staunten nicht schlecht! Die Vögel drängten sich ganz nahe aneinander und gaben sich so gegenseitig Wärme. Es störte sie nicht im geringsten, dass wir ein und ausstiegen bzw. im Inneren herumhantierten. Sie liessen es sich sogar gefallen, dass wir auf der Leiter hochkletterten und sie betrachteten. Einer schob Wache, der Rest pennte und streckte uns die Schwanzfedern entgegen. So süss!
Unser Abendessen bestand aus einer heissen Nudelsuppe, perfekt für dieses nasskalte Wetter. Wir sassen danach noch etwas beisammen und hörten wie die Löwen brüllten. Diese kamen immer näher, wie wir der Lautstärke entnehmen konnten. Rick und Patrik spannten ihren Viehdraht, welcher elektrisch geladen wurde, damit die Miezekatzen nicht doch noch ins warme Zelt kommen. Wir verschwanden auch bald darauf in unserem Snoopy. Die Löwen waren nun doch recht nah und sicher ist sicher.
Schon kurz nach 6 Uhr waren die Schwalben wieder verschwunden. Ausser ihrem Getrappel und ein paar Flügelschlägen hatten wir nichts von unseren Untermietern bemerkt. Rick war schon früh auf und inspizierte das Umfeld. Er wurde auch bald fündig, denn er entdeckte diverse Löwenspuren. Diese waren gar nicht so weit weg von uns und ziemlich gross. Die Katzen hatten jedoch unser Nachtlager in Ruhe gelassen und waren auf der Piste entlang gelaufen. Wir bereiteten unser Frühstück und schauten noch etwas den Hippos zu.
Wenigstens regnete es gerade nicht, obwohl der Himmel grau in grau war. Obwohl uns der Platz sehr gut gefallen hatte, wollten wir heute weiter nach Savuti im Chobe National Park.
Charly pumpte etwas Luft in die Räder, damit wir nicht wieder einen Platten einfangen. Bald waren wir startklar und fuhren ein kurzes Stück auf der Piste zurück, welche wir gestern gekommen waren. Ein grosses, tiefes Wasserloch lag vor uns und wir versuchten aussen herum zu fahren. Patrik kam mit seinem Patrol gut durch. Wir hinterher, aber Charly rutschte mit Snoopy in den Morast. Keine Chance - wir sassen fest. Alles war so sumpfig, es musste ja irgendwann passieren. Wir riefen Patrik über Funk und dieser hielt auch sofort an. Snoopy sass ganz schon fest, nicht einmal die Differenzial-Sperren nützten etwas. Patrik fuhr mit seinem Nissan zu uns zurück. In der Mitte des Wasserlochs war das Wasser zwar tief, jedoch nicht morastig. Wir holten unseren Bergegurt hervor und befestigten diesen an dem Nissan. Gemeinsam schafften wir es Snoopy aus dem Morast zu ziehen. Der Nissan spulte ganz schön, doch Patrik gab nicht auf bis es geschafft war. Was für ein Abenteuer und dass schon so früh am Morgen.
Wir fuhren wieder durch enge bewachsene Pisten. Der Nissan hielt an und Rick stieg aus, denn er hatte weitere Löwenspuren entdeckt. Diesmal waren auch Baby-Löwen dabei, wie man unschwer an den kleinen Tatzenabdrücken erkennen konnte.
Wir fuhren weiter, wieder kratzten Blätter und Äste am Auto. Wir fuhren von einem Wasserloch ins nächste. Die Wasserlöcher hatten eine beachtliche Grösse und Tiefe. Die nassen Büsche gemeinsam mit den Wasserlöchern liessen bei uns wieder den Eindruck einer gewaltigen Waschstrasse entstehen, nur dass das Fahrzeug nicht sauber, sondern ziemlich dreckig wurde. Später gelangten wir auf die sogenannte „Cut-Line“. Eine Schneise die in den Busch geschnitten wurde, um die Grenze des Parks zu markieren. Der Weg war leicht sandig und wir mussten auch hier immer wieder grosse, tiefe Wasserlöcher durchfahren. Die Schneise war ziemlich breit und so konnte man wenigstens dem einen oder anderen Loch ausweichen. In weiter Entfernung sahen wir eine Rappantilope. Ein sehr scheues Tier, welches man nur äussert selten zu sehen bekommt. Durch das Fernglas konnten wir seine Schönheit bewundern. Leider nur kurze Zeit, dann lief das Tier in Panik davon. Wir fuhren weiter und trafen auf einen Elefantenbullen. Das mächtige Tier schüttelte verärgert den Kopf und drohte uns eindeutig. Wir blieben in gesunder Distanz zu dem Tier und warteten geduldig, bis sich das Tier etwas beruhigt hatte. Durch das Fernglas konnten wir eindeutig am Sekret an den Schläfen erkennen, dass der Bulle in der Mast war. Dies wiederum bedeutete, dass das Tier damit unberechenbar und durchaus gefährlich sein konnte. Wir zogen es vor zu warten. Der Bulle verschwand im Gebüsch, doch kam er bald darauf wieder zurück auf die Cut-Line. Die Schneise war zwar breit, doch leider nicht ausreichend für einen wütenden Elefantenbullen. Schliesslich verschwand er wieder hinter den Büschen. Patrik scherzte noch bevor er losfuhr, dass ich noch eine letzte Aufnahme von ihm machen sollte, bevor ihn der Elefant zermanscht. Sein letzter Wille usw. Gespannt verfolgten wir den Nissan mit unseren Augen. Der Nissan fuhr eilig am Elefantenbullen vorbei, welcher immer noch hinter dem Busch argwöhnisch hervorlugte. Patrik gab uns über Funk grünes Licht und auch wir fuhren eilig am Elefanten vorbei. Wir folgten noch etwas der Cut-Line, dann bog Patrik wieder in eine seiner geliebten engen Pisten ein. Hier stand das Gebüsch noch enger. Wir zogen es vor wieder etwas Luft aus den Reifen zu lassen, damit wir nicht wieder hängen bleiben. Dies wirkte Wunder, denn das nächste Sumpfloch war nicht weit. Mit Untersetzung und Sperre schafften wir das tiefe Loch problemlos, obwohl der Matsch bis zur Motorhaube reichte. Weiter ging es durch das Gebüsch. Wenigstens regnete es nicht mehr. Ein Ast hing tief über die Piste, so dass ich aussteigen und den dicken Ast mit der Machete nach oben drücken musste, während Charly mit Snoopy unten durchfuhr. Ich bemerkte dabei neben meinen Füssen einen schönen, grossen Löwenfussabdruck. Uiiiiii ich beeilte mich schnell wieder ins Auto zugelangen.
Die enge Piste führte auf eine kleine Anhöhe, welche Patrik sofort wieder rückwärts hinunterfuhr. Was war denn nun los, fragten wir uns und hörten auch schon über Funk, dass dort oben ein grosser Elefantenbulle neben der Piste stand. Dieser war wahrscheinlich ebenso erschrocken über unser Auftauchen, wie wir über seines. Wir warteten wieder bis sich der Bulle beruhigt hatte, dann probierte es Patrik wieder. Inzwischen hatte sich der Bulle von seinem Schreck erholt und wir konnten nun an dem friedlichen Tier vorbeifahren. Er spielte den Desinteressierten, doch wussten wir genau, dass er uns im Auge behalten hatte. Wir zwängten uns weiter durch den Busch. Plötzlich stieg ein unangenehmer Geruch in unsere Nasen. Ein toter Elefant lag im Dickicht. Neugierig wie wir waren, gingen wir die Leiche inspizieren. Der Kadaver lag schon lange dort und es war nicht mehr viel übrig davon. Rick hob den verbliebenen Stosszahn auf und vergrub diesen im Busch, damit kein Wilderer Geld daran verdienen kann. Wir waren froh dem Gestank wieder zu entkommen und fuhren weiter. Irgendwann gelangten wir wieder auf eine breitere Piste. Doch auch hier war alles unter Wasser. Wir fuhren um das Savuti Camp herum. Patrik fragte einen befreundeten Ranger, wo zur Zeit die meisten Tiere seien. Im Marsch-Gebiet war die Antwort. Wir fuhren also zum Marsch-Gebiet, in der Hoffnung einige Tiere zu sehen. Wir wurden jedoch ziemlich enttäuscht, denn es gab fast kein Wild. Spärlich war auch die Anzahl Impalas. Die Tiere können sich bei dem vielen Wasser überall verteilen und müssen keine Wasserstelle aufsuchen. Damit blieb das Wild im Busch.
Wir fuhren den Rhino-Vlei entlang und hatten das Glück ein paar Löffelhunde zu sehen. Einige wenige Elefanten waren ebenfalls da. Diese Dickhäuter waren mehr an Autos gewöhnt und liessen uns in Ruhe. Wir machten trotz verhangenem Himmel ein paar Fotos. Wir fuhren und fuhren, doch viele Tier haben wir nicht gesehen. Wir fuhren zu den Rock-Paintings, das waren San Zeichnungen von Tieren an einer Felswand. Es waren ein paar Allradfahrzeuge von geführten Touren da, welche die Touristen von den teuren Hotels hier herumkutschierten und zum Park gehörten. Wir mussten uns lange gedulden. Schliesslich waren alle verschwunden und wir konnten den Weg zu den Malereien begehen. Da es sehr rutschig war und wir die falschen Schuhe anhatten, zogen wir es vor nicht ganz hinauf zu klettern. Die Südafrikaner waren da abenteuerlustiger und liefen barfuss hinauf. Anschliessend fuhren wir in Richtung Savuti-Camp. Der Weg dorthin erforderte nochmals höchste Konzentration, denn die Pisten waren bis Lampenhöhe mit Wasser gefüllt. Wir hatten das Gefühl einem langen Flusslauf zu folgen. Charly scherzte und fragte mich bei einer Weggabelung, ob ein Boot von rechts kommt. Wieder regnete es! Unterwegs kamen uns wieder einige Allradfahrzeuge vom Park entgegen, auf deren Sitzreihen einige wenige Touristen sassen, die einen ziemlich unglücklichen Eindruck auf uns machten. Wir konnten wenigstens die Fenster hochkurbeln und hatten warm, während die Leute auf der offenen Pritsche sassen, auf welche lediglich ein paar Sitzbänke montiert worden waren.
Beim Camping-Eingang mussten wir die Eintrittsgebühr von 120 Pula pro Person zahlen, 30 Pula p.P. für das Campieren und nochmals 50 Pula für das Auto. Wir zahlten aber nur die Südafrikaner-Rate, als Europäer oder nicht Afrikaner wäre es noch teurer geworden, da hätte uns das Auto 100 Pula gekostet. Wir waren froh, dass wir keinen LKW hatten, denn von 3,5 7,5 Tonnen kostete das Fahrzeug 1'000 Pula (250 CHF) und ab 7,5 Tonnen aufwärts 1'500 Pula (375 CHF). Pro Tag versteht sich! Die spinnen!
Wir suchten uns ein Plätzchen und die Südafrikaner stellten bei leichtem Regen ihre Zelte auf.
Kaum war alles installiert, da kam auch schon ein Pärchen auf uns zu. Er Südafrikaner und sie Schweizerin. Beide arbeiteten als Reiseführer und waren viel unterwegs. Ihre Ferien genossen sie deshalb weit weg von jedem Hotel und Restaurant. Sie war überall auf der Welt zuhause, hatte Touren nach Patagonien, Sri Lanka, Costa Rica, Namibia, etc. Er war hingegen eher auf Afrika spezialisiert. Er war ein lustiger, aufgestellter Typ mit viel Charisma, sie war eher der ruhige, zuverlässige Typ. Wir sassen am Lagerfeuer und unterhielten uns alle gut Als die Südafrikaner ihr Fleisch auf den Grill hauten, verabschiedeten sich die Beiden. Auch ein junges Holländisches Paar war da und suchte Reisebegleitung durch den Sumpf in Richtung Moremi. Wir hatten aber nicht vor schon an nächsten Tag weiterzufahren und so mussten wir sie enttäuschen.
Die WCs und Duschen waren in einem schweinischen Zustand, fast unzumutbar. Die Frauenseite ging ja noch, aber bei den Herren muss es recht eklig gewesen sein. Unsere Männer weigerten sich nach einer kurzen Inspektion diese buchstäblich beschissenen WCs zu benutzen. Sie zogen es vor mit der Schaufel in den Busch zu gehen.
Zum Frühstück sassen wir gemütlich draussen, glücklicherweise regnete es nicht. Das Wetter schien sich zu bessern. Wie so oft fütterte Rick die Wildhühner. Ein Gelbschnabeltoko hatte gefallen an unserem Topf gefunden, der auf dem Boden stand. Er spiegelte sich darin und war hellauf von seiner Erscheinung begeistert. Entsprechend stürmisch pickte er auf den Topf ein. Ein Rotschnabeltoko betrachte sich wenig später in unserem Rückspiegel und hämmerte ebenfalls wie wild auf den Spiegel ein.
Nachdem wir alles wieder aufgeräumt hatten, marschierte ich in die Dusche. Diese war zwar nicht gerade einladend, doch was will man machen. Den ganzen Tag vor mir her stinken war auch nicht die Lösung. Ich war gerade aus der Dusche, da wartete Charly schon mit dem Auto vor der Tür. Die anderen waren schon zum Gate gefahren. Kaum hatten wir den Motor an, da registrierten wir einen riesigen Elefantenbullen und das gegenüber von unserem Lager. Er liess sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören und räumte alle Büsche ab, die ihm unter den Rüssel kamen. Ich rief Rick über Funk und meldete, dass sein Zelt gerade von einem Elefanten platt gemacht wurde. Er kam sofort zurück und war erleichtert, dass dies nicht der Fall war.
Wir beobachteten den Elefanten ein Weilchen, dann fuhren wir auf „Game-Drive“, wie man hier sagt. Wir fuhren nochmals ein Stück den Rhino-Vlei entlang, leider wieder ohne nennenswerte Tierbeobachtung. Uns erschien es, als ob alle Tiere sich im Camp versteckten, während wir hier wie wild die Gegend nach ihnen absuchten.
Wir machten uns auf die Suche nach einem Elefantenkadaver, von welchem uns der Südafrikaner gestern erzählt hatte. Er hatte dort ein stattliches Löwenmännchen gesehen gehabt.
Wir fanden den Kadaver. Der Elefant muss noch nicht vor allzu langer Zeit gestorben sein, denn er war fast noch intakt. Die Haut löste sich und ein paar kleinere Häppchen fehlten. Es stank dermassen, dass wir uns sehr rasch wieder aus dem Staub machten. Vom Löwen war weit und breit nichts zu sehen.
Wir fuhren diverse Runden und bekamen immer die gleichen, wenigen Tiere zu Gesicht. Elefanten und Impalas. Weitweg mal ein Gnu oder Zebras, das war’s. Eine Elefantenherde war sehr nahe an der Piste und wir beobachteten sie ausgiebig. Die Tiere kamen langsam immer näher auf unsere Fahrzeuge zu. Sie waren völlig mit Fressen beschäftigt und nahmen uns kaum wahr. Es war ein Gefühl wie Jurassic Park Live. Mächtige und eindrückliche Tiere, so ganz ohne Zaun dazwischen!
Gegen 13:30 machten wir wie immer eine kurze Lunch-Pause. Wir sassen draussen und assen unsere Brote. Danach konnte es weitergehen mit der Tierbeobachtung. Leider gab es auch am Nachmittag nicht viele Tiere zu sehen. Bei unserem ersten Besuch im Chobe vor 4 Jahren, hatten wir massenweise Tiere gesehen. Doch nun hatte es ausgiebig geregnet, so dass es Wasser überall gab und die Tiere sich nur noch im Busch aufhielten. Seit ca. 40 Jahren hatte es nicht mehr so viel und lange geregnet. Wir trafen sogar auf ein Flusspferd, welches sich im stehenden Wasser aalte. Eigentlich gibt es hier keinen Fluss und normalerweise gibt es auch nicht soviel Wasser in Savuti. Das Hippo muss von Linyanti runtergeschwommen sein.
Gegen 16 Uhr fuhren wir wieder langsam in Richtung Camp. Wir waren gerade beim Feuerholz sammeln, da kam uns ein Allradfahrzeug vom Park entgegen und rauschte an uns in einem Affenzahn vorbei. Rick checkte die Lage sofort. Die müssen Raubkatzen gesichtet haben, sonst würden die nie so durch den Busch heizen. Wir also hinterher, ebenfalls in einem rasanten Tempo natürlich im Verhältnis zur Piste und den Wasserlöchern gesehen.
Wo sich das Tier befand, konnten wir an den vielen Autos erkennen. Alle hatten ihre Touristen hinten drauf. Es war schwierig noch einen Platz zu ergattern. Alle drängten sich auf die schmale Piste. Eine Aufregung war hier, unglaublich und dann hörten wir auch den Grund des Aufruhrs. Es war ein Leopard gesichtet worden. Wow! Charly kletterte vorne auf die Motorhaube, Patrik stand auf seinem Autodach. Charly rief noch da hinten ist er, doch zu spät ich konnte gar nichts mehr sehen. Charly hatte hingegen wenigstens noch den Hintern und den Schwanz vom Leoparden gesehen.
Der Leopard wurde natürlich verfolgt, doch leider versteckte sich das Tier nun. Kein Wunder bei dem Aufstand! Ich war enttäuscht, dass ich die Katze nicht gesehen hatte. Ich hatte schon den ganzen Tag die Bäume abklappert. Erfolglos und nun das. Ich tröstete mich damit, das wir ja noch ein Weilchen unterwegs sein werden.
Wir fuhren zurück zum Camp und entfachten unser Lagerfeuer. Wir sassen gerade gemütlich beieinander, da kamen die anderen Südafrikaner mit ihrem Land Rover, welche wir am Nachmittag getroffen hatten. Sie erzählten aufgeregt, dass vor dem Campeingang ein Rudel Löwen liegen würden. Da waren wir den ganzen Tag herumgefahren um Löwen zu sehen und dann lagen die Viecher vor dem Campeingang. Wir hätten uns die Zeit und den Diesel sparen können. Die Afrikaner waren so nett und nahmen uns alle auf ihrem Autodach mit, denn dort hatten sie nämlich eine Sitzbank installiert. Wir fuhren los, ab durchs Tor und da lagen sie auch schon. 6 Löwen, 4 Weibchen und 2 junge Männchen. Ihre Mähne war noch nicht vollständig gewachsen und daher sahen sie etwas zerfledert aus. Zuerst liessen sich die Miezen nicht weiter stören, doch die Nachricht vom Katzenbesuch hatte sich rasch herumgesprochen und es kamen andere Touristen mit blitzenden Kameras hinzu. Da wurde es den Tieren doch zu bunt und sie standen auf und verzogen sich langsam. Eine Löwin ging zum Auto gegenüber und stupste es mit der Nase an. Es war als ob sie testen wollte, ob das Auto fressbar wäre. Eine andere Löwin kam dicht an uns heran und blickte direkt zu uns herauf. Ein mulmiges Gefühl kann da leicht entstehen, denn mehr als zwei Sätze braucht sie nicht und schon wäre sie bei uns gewesen. Aber das tun Löwen normalerweise nicht, also keine Bange. Die Löwen waren allesamt ziemlich mager und das letzte Männchen war etwas wackelig auf den Hinterbeinen. So ganz fit war der nicht mehr. Die Löwen liefen in eine andere Piste hinein und wir folgten ihnen, bis ein Ranger uns entdeckte und uns energisch zur Umkehr aufrief. Da haben doch noch Löwen im alten Jahr gesehen! Was für ein beeindruckendes Erlebnis.
Zurück auf dem Platz kochten wir unser Abendessen und sassen später noch am Lagerfeuer. Die anderen Afrikaner kamen hinzu und wir plauderten bis 11 Uhr, dann verabschiedeten sie sich. Wir feierten mit Rick, Patrik und Alisha Sylvester. Sie hatten eine Flasche Sekt dabei und wir stiessen um Mitternacht auf ein gutes neues Jahr an. Wir umarmten uns und wünschten uns gegenseitig nur das Beste.
2006
Charly war schon kurz nach 6 Uhr auf, da er dringend aufs WC musste. Dabei hörte er knurrende Geräusche. Bald entdeckte er die Verursacher, es waren zwei Wildhunde im Camp. Gleich hinter unserem Lager. Er holte mich und gemeinsam liefen wir zu den Wildhunden.
Die Tiere waren wenig scheu und kamen auf uns zu gelaufen. Wir wussten gar nicht so recht was wir tun sollten. Die Wildhunde hatten ein junges Impala gerissen und jeder zehrte an einem Ende der Beute. Wir zogen es vor zurück zu gehen. Wir weckten die anderen auf und holten die Kamera. Die Tieren liefen in den Busch und wir dachten schon, das war’s. Weit gefehlt. Weiter vorne, vor unserem Lager kamen sie wieder auf die Piste. Dort machten sie sich wieder über ihre Beute her. Es kamen immer mehr Leute hinzu. Die Hunde störte dies wenig und kauten weiter auf ihrer Beute herum. Irgendwann machten sie sich dann doch aus dem Staub. Wow und dass vor dem Frühstück und noch völlig ungewaschen.
Wir machten Frühstück und fütterten wieder die anhänglichen Wildhühner. Die Tokos waren auch gleich wieder da, kaum das ein Krümel auf dem Boden lag.
Wir packten unsere Sachen und fuhren wieder auf Game-Drive. Kurz nachdem wir das Camp verlassen hatten, waren mehrere Elefanten auf der rechten Seite. Gigantische friedliche Tiere. Nur wenige Meter trennten uns. Die Dickhäuter liessen sich von uns nicht stören und stopften sich mit dem Rüssel das Maul voll. In der Wiese stand genügend Wasser und so tranken sie nebenbei. Rüssel rein, aufsaugen, Rüssel einrollen und ins Maul stecken, ausblasen. Super Technik.
Als erstes suchten wir wieder den Elefantenkadaver auf, um den Löwen zu suchen. Der Elefantenkadaver war weiter angenagt worden. Einen Löwen konnten wir jedoch nicht entdecken. Wir wollten schon aufgeben, da entdeckte Patrik im Dickicht der Büsche den Löwen. Er lag ausgestreckt auf dem Boden und liess sich nicht von uns stören. Nur einmal hob er kurz den Kopf. Er war zwischen den Blättern kaum zu erkennen. Rick berichtete anschliessend, dass der Löwe verletzt oder krank gewesen sei.
Anschliessend fuhren wir wieder etwas im Marschland herum, doch wieder ohne wirklich viele Tiere zu sehen. Es war enttäuschend. Doch immerhin konnten wir eine Wasserschildkröte retten, welche von einem ausgetrockneten Wasserloch auf der Piste nach einem neuen nassen Paradies suchte. Wir stiegen aus und hoben das Tier hoch. Sie war ganz zutraulich und versteckte sich nicht in ihrem Panzer. Den Geruch allerdings, den sie verströmte, war wenig anziehend. Sie liess sich von mir am Kopf streicheln, dafür nahmen wir sie dann bis zum nächsten grösseren Wasserloch mit.
Da nicht viel zu sehen war, fuhren wir weiter nach Süden, in Richtung Parkausgang. Wir wollten nicht nochmals einen Extratag bezahlen und so schlugen wir uns auf einem Schleichweg durch die Büsche. Ein empörter Dickhäuter trompetete uns verärgert hinterher, als wir ihn im Busch aufgeschreckt hatten. Das ist das Gefährliche im Busch, man sieht die Tiere nicht oder nur im allerletzten Moment.
Das Gebüsch war wieder eng und wir schlängelten uns zwischen den Zweigen durch. Wunderschöne Flame-Lilis (Flammenlilien) blühten am Wegesrand. Die Pflanze sieht so zerbrechlich aus, dabei ist sie ganz schön zäh. Ein Blütenblatt auszureisen war schwierig.
Wir krochen buchstäblich durch den Busch und ein paar Mal musste Charly auch aussteigen und mit der Machete den einen oder anderen Ast abhauen.
Schliesslich gelangten wir wieder auf die Cut-Line und folgten dieser weiter in den Süden. Am Khwai River wollten wir zu einer verlassenen Lodge und dort wild campieren. Doch wir konnten den Fluss nirgends überqueren. Das Wasser war viel zu tief, keine Chance. So fuhren wir weiter am Khwai River entlang. Wir sahen viele, viele Flusspferde. Sie tauchten unter und wieder auf, liessen uns dabei aber nicht aus den Augen. Ich hätte stundenlang zusehen können.
Auf unserem weiteren Game-Drive sahen wir ein grösseres Krokodil, welches friedlich im Khwai River schwamm. Die weitere Suche nach Wild war wenig erfolgreich. Wie immer gab es viele, viele Impalas, wenige Zebras und Giraffen.
Am späten Nachmittag fuhren wir zurück zur Cut-Line und suchten eine Möglichkeit uns in die Büsche zu schlagen. Wir fanden eine Stelle, welche breit genug war für unsere Autos. Wieder fuhren wir durch enges Blätterwerk. In einer kleinen Lichtung stellten wir dann unser Lager auf. Patrik hatte aus dem Khwai Wasser geholt gehabt und füllte dies nun in die Buschdusche um. So konnten wir in freier Natur, versteckt hinter ein paar Bäumen, eine erfrischende Dusche geniessen. Verdünnte Hippo-Pisse, wie es Rick nannte. Das Lagerfeuer brannte rasch, es lag ja genügend Feuerholz herum. Die Südafrikaner kochten ihr Essen auf dem Lagerfeuer. Im grossen Pott mit 3 Beinen wird das Gemüse ins Feuer gestellt und gegart, während auf dem Grill Fleisch gebrutzelt wird. Lecker und einfach. Anschliessend sassen wir noch gemütlich zusammen und plauderten. Die Lampen waren rasch mit jede Menge Insekten, wie Nachtfalter, Käfer, etc. umgeben. Ich hatte das Glück von 4 Blister Beatles gebissen zu werden. Diese Käfer sprühen eine Säure auf die Haut, sobald man sie berührt. Es roch wie Salzsäure. Dieses Mal war ich die Unglückliche und nicht Charly. Auf der verätzten Haut entsteht eine Blase und wenn diese aufbricht, rinnt der Inhalt aus und verätzt weitere Stellen. Bemerkt man jedoch rechtzeitig die Säure, dann kann diese mit genügend Wasser neutralisiert werden.
In der Nacht hörten wir wieder Löwengebrüll, aber es war weit weg. Bevor wir schlafen gingen legten Rick und sein Sohn zur Sicherheit wieder den elektrischen Viehzaun um unser Camp.
Als wir unser Lager abgeräumt hatten und wieder in Richtung Cut-Line fuhren, bemerkte Rick die Spuren von Büffeln. Eine Hufspur war so lang wie meine Hand. Es müssen etliche Tiere gewesen sein und sie waren gar nicht so weit weg von unserem Camp gewesen.
Wir fuhren wieder kreuz und quer am Khwai River entlang. Wie jeden Tag sahen wir auch heute wieder unheimlich viele Impalas und deren Jungtiere. Auch wenige Wasserböcke trafen wir an. Eine kleine Herde Gnus und ihre Kälber weideten auf einer grünen Aue. Ansonsten sahen wir keine weiteren Tiere.
Wir suchten nach einer weiteren Möglichkeit zu der verlassenen Lodge zu gelangen, doch alle Wegen führten früher oder später in den Sumpf oder einen tiefen Flusslauf. Rick und Patrik stiegen einige Male aus und liefen ins Wasser, um festzustellen, wie tief die Durchfahrt ist. Jedes Mal kamen sie kopfschüttelnd zurück. Eine Durchfahrt durchquerten wir, unerschrocken wie wir waren. Die Furt war lang und sehr tief. Das Wasser kam bis über die Schnauze von Snoopy, uns war gar nicht mehr so wohl. Unser Toyota schlug sich aber bestens. Rick und Patrik betrachteten die Szene und meinten anschliessend strahlend: „Ja - das ist Afrika!“
Auf der anderen Seite angekommen hiess es erst einmal Lunchtime. Die Südafrikaner gingen jedoch zuerst noch eine Runde schwimmen. Charly wollte auch ins erfrischende Nass und zog gleich seine Badehose an. Rick passte auf, Patrik und Charly gingen ins Wasser. Rick ermahnte Charly nicht zu viel zu planschen, wegen den Krokodilen. Uuupppsss.
Nach dem Imbiss ging es weiter. Wir fuhren am Rand des Wassers entlang. Alles war mit Schilf bewachsen und die vielen Wasservögel hatten ein richtiges Paradies hier. Bei einem weiteren Versuch zu der Lodge zu gelangen, landeten wir auf einer Exklusiv-Lodge. Da wollten wir nun nicht hin und fuhren die rustikale Holzbrücke wieder zurück. Schliesslich gaben wir auf und fuhren wieder zurück. Nochmals ging es durch die tiefe Wasserdurchfahrt. Wir fuhren auf der Nordseite am Khwai River entlang und sahen wieder viele Hippos. Weiter ging es querfeldein, doch ausser Impalas war nicht viel zu sehen. Zurück auf der Piste hielten wir an einen Ort zur Orientierung und Charly musste dringend pinkeln. Er hatte gerade losgelegt, als ein Allradfahrzeug vollbeladen mit Touristen an uns vorbeifuhr. Ich konnte ihn gerade noch rechtzeitig warnen. Was die Touristen wohl gedacht hatten?
Wir fuhren unbeirrt weiter und fuhren ins Dorf Khwai. Dort wollten wir Brot kaufen, doch der erste „Supermarkt“ war fast leer und die Tante darin war alles andere als motiviert etwas zu verkaufen. Immerhin schaffte sie es mit dem Finger in die Richtung zu zeigen, wo wir Brot kaufen konnten. Der zweite Laden war nicht viel grösser, hatte aber eine beträchtliche Auswahl. Wir kauften Brot, Eier und Tomaten. Rick bekam dort sogar sein Parafin für die Lampe. Dies war zwar 3x so teuer wie normal, aber wenigstens gab es welches. Dieser Schwarze war jedenfalls geschäftstüchtig!
Wir fuhren auf einer anderen Piste zurück und setzten unseren Game-Drive fort. Am späten Nachmittag entdeckten wir dann eine Strecke, wo wir viele Giraffen, Impalas und Zebras sahen. Es ging dabei durch einen lockeren Wald, die Bäume hatten viel Abstand und man konnte die Tiere gut beobachten. Auch landschaftlich war die Umgebung sehr reizvoll.
Es wurde so langsam schon wieder spät und somit war es Zeit einen Platz zu suchen. Wir konnten nicht zur verlassenen Lodge und so kehrten wir zum gleichen Ort zurück, wo wir die vergangene Nacht verbracht hatten. Wir fuhren diesmal etwas tiefer hinein. Dabei mussten wir aufpassen, dass wir nicht in eines der breiten, tiefen Löcher fuhren, welche die Elefanten mit ihrem Rüssel in den Boden gebohrt hatten.
Der Busch war hier lichter und es gab weniger Insekten. Wieder wurde ein Lagerfeuer entzündet und wir sassen alle im Kreis darum herum. Löwen waren auch an diesem Abend zu hören, doch waren diese immer noch weit entfernt. Trotzdem spannte Patrik wieder den Elektrozaun.
Nach einem einfachen Frühstück wurde wieder alles zusammengepackt. Wir wunderten uns wieder einmal wie schnell die Südafrikaner ihre Zelte abgebrochen hatten und fertig zur Abreise waren. Doch sie hatten keinen Diesel mehr und so pumpten wir unserem 55 Liter Tank in ihren Haupttank. Damit sollten wir alle bis nach Maun kommen.
Wir fuhren los und drehten nochmals eine Runde am Khwai River entlang. Wieder waren nicht viele Tiere zu sehen. Wir hatten genug und fuhren zum North Gate, wo wir dann in den Moremi National Park fuhren. Am Eingang mussten wir genauso viel für Eintritt und Camping zahlen, wie im Chobe N.P. Wir buchten erst einmal nur eine Nacht, mal sehen wie viele Tiere wir hier finden. Der Ranger belehrte Rick erst einmal, dass er im Voraus zu buchen hätte. Doch Rick liess sich nicht beeindrucken. Wie soll er denn vorausbuchen, wenn er gar noch nicht weiss wann er kommt, wie lange er braucht und wie viele Tiere er sehen wird. Nach der kleinen Diskussion ging es schliesslich doch. In Maun hätte man bei der Vorausbuchung wahrscheinlich erzählt, dass alle Campingplätze belegt seien. So ein Blödsinn. Dies ist bekannt, weswegen man am besten einfach zum Gate fährt und sich belehren lässt, um anschliessend doch eine Genehmigung zu erhalten. Afrikanische Logik. Der nördliche Khwai Campingplatz war jedenfalls leer, mit Ausnahme der schwarzen Arbeiter die dort logierten. Wir fuhren eine Runde im Norden, dann ging es weiter zum Hippo Pool. Von der Aussichtsplattform konnten wir den See gut überschauen und sahen auch einige Hippos und sogar ein Krokodil. Rick sagte, hier ein Haus haben, dass wäre fantastisch. Auf der anderen Seite des Sees waren die Hippos aus dem Wasser und weiter entfernt konnte man die Tiere beim Grasen beobachten.
Wir wollten anschliessend um den Hippo Pool herumfahren, doch nach einigen tiefen Wasser- und Sumpflöchern mussten wir schliesslich doch aufgeben und umkehren. Es lag wieder eine total überschwemmte Stelle vor uns, da gab es kein Durchkommen ohne abzusaufen. Wir fuhren den ganzen Schlamassel wieder zurück und schlugen uns wieder durch die Büsche.
Es war erneut schwer bewölkt, doch zum Glück regnete es nicht. Wir fuhren weiter in Richtung Xakanaxa, wo wir diese Nacht verbringen wollten.
Kurz vor der Ankunft trafen wir auf eine Giraffenmama mit Baby, welches noch recht klein war. Im Verhältnis zur Mama natürlich. Wenig später sahen wir eine grüne Meerkatze, mit ihrem Minibaby. Das waren wirklich super süsse Äffchen.
Auf dem Camping war wesentlich mehr los, als am Nordeingang. Unser Platz lag so ziemlich am Ende und die Sanitären-Anlagen waren weit entfernt. Trotzdem tigerten Patrik und Alisha zum Duschen dorthin. Wir zogen es vor uns wieder mit der Buschdusche und verdünnter Hippo-Pisse, wie es Rick nannte, zu waschen.
Heute war Alishas Geburtstag und wie ein Geschenk hatte sie einen Miniaturfrosch gefunden. Wir empfahlen ihr diesen zu küssen, vielleicht wird daraus ja ein Prinz. Wir konnten sie nicht überzeugen, obwohl der Frosch wirklich sehr süss war. Höchstens einen Zentimeter gross.
Wir sassen wenig später gerade beim Abendessen um das Lagerfeuer herum, als wir komische Geräusche hörten. Ein dumpfes, schnaufendes Schmatzen. So etwas hatten wir bisher noch nie gehört. Rick leuchte gleich mit seiner Mega-Taschenlampe in die Runde und da stand es. Ein ausgewachsenes Hippo kam schmatzend auf uns zu. Es war mit Fressen beschäftigt und weder die Taschenlampe noch unsere Anwesenheit störte es im geringsten. Es kam immer näher und so langsam war es uns nicht mehr so wohl in unserer Haut. Hatte das Vieh denn überhaupt keinen Respekt vor uns „bösen“ Menschen. Anscheinend nicht! Wir waren schon so langsam in Alarmbereitschaft, denn die meisten tödlichen Unfälle mit Tieren in Afrika passieren mit Hippos. Diese gemächlichen Dickerchen können immerhin über kurze Distanzen 35 km/h laufen. Wer rennt schon so schnell. Das Hippo liess sich nicht stören und kam auf bis ca. 5 m an unser Lager heran. Gott sei Dank lief es schmatzend und grasend an unserem Camp vorbei. Charly holte die Kamera und machte ein paar Fotos. So nahe hatten wir noch nie ein Hippo gesehen.
Nach der Aufregung machten wir es uns am Lagerfeuer wieder gemütlich und köpften eine Flasche Sekt. Wir liessen Alisha hochleben und weil es gerade so gemütlich war erhielten wir ein Lektion von Patrik: „How to shit in the bush.“- Wie man in den Busch scheisst. Wir haben uns krumm gelacht über die Episoden die er erzählen konnte, als er noch als Touroperator Touristen durch den Busch geführt hat. Als Demonstration wurde an Ort und Stelle ein Loch gegraben und links und rechts zwei kleine mit Schräglage für die Füsse. Jeder probierte es aus und tatsächlich bequemer geht es nicht. Rick setzte noch einen oben drauf, in dem er die Schaufel als Halter in den Boden rammte. So viel gelacht hatten wir schon lange nicht mehr.
Als wir am frühen Morgen aufgestanden waren, zeigte uns Rick die Hyänenspuren. Diese waren am Auto von Patrik entstanden, als die Hyäne(n) versuchte von links und auch von rechts auf die Motorhaube zu gelangen. Da war nämlich der Abfallsack platziert worden, welcher für Hyänen einen überaus attraktiven Geruch verbreitet. Als wir alle gefrühstückt hatten und geputzt und gestriegelt waren, wollten wir noch nachfragen was so eine Bootsfahrt in Xakanaxa kosten würde. Leider waren die Schwarzen wieder einmal überhaupt nicht geschäftstüchtig, denn weit und breit war niemand zu sehen. Rick und ich durchstöberten das Areal nach möglichen Beschäftigten, aber es war wirklich keine Menschenseele da. Nur die Boote waren vertäut. Wir gaben auf und fuhren ab.
Wieder galt es diverse Schlammlöcher und Wasserdurchfahrten zu meistern, doch mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran. Wirklich kritische Situation sahen wir keine. Doch unser Snoopy fing an zu quietschen, alles war voller Schlamm und Dreck. Auch der Motor war über und über mit Dreck bedeckt. Die Bremsen und die Kupplung machten ebenfalls Lärm.
Trotzdem genossen wir die Fahrt durch das wald- und buschreiche Gebiet. Wieder gab es einige Tiere, wie Impalas, Giraffen, Gnus, usw. zu entdecken. Wir trafen auf eine kleine Zebraherde, wo wir zwei Zebras mit schlimmen Verletzungen am Hintern sahen. Eines hatte eine tiefe Schnittwunde auf der linken Arschbacke, das andere hatte tiefe Wunden auf beiden Hinterbacken. Das Fett und Fleisch quoll heraus. Es war nicht schön anzusehen, was die Löwen mit den Zebras angestellt hatten. Aber immerhin hatten die Zebras gewonnen, denn sie lebten noch und grasten, als wäre nichts passiert.
Wenig später trafen wir auf eine kleine Giraffenherde, wo zwei Giraffen miteinander spielten. Sie holten spielerisch mit ihren langen Hälsen aus und schlugen mit den Köpfen respektive den Hörnern auf den anderen ein. Das hatten wir live noch nicht gesehen. Nebenbei bemerkte Patrik, dass ein Meerkätzchen aus dem nahen Busch kräftig Alarm schlug. Wir folgten mit dem Auto den Warnrufen und Patrik war überzeugt, da muss es Raubkatzen geben. Wir fanden das Äffchen hoch oben auf einem Baum. Es schlug noch immer Alarm und sah dabei in eine bestimmte Richtung. Wir folgen den Blicken des Affen und fuhren durch das Unterholz. Eigentlich ist es verboten den Fahrweg zu verlassen, aber das war uns scheiss egal. Wir hatten Jagdfieber! Die Äste hingen tief und überall kratzte es am Auto. Wir hielten wieder an und hielten mit dem Feldstecher Ausschau. Plötzlich sagte Patrik, da ist ein Leopard. Wo?? Ich blickte verzweifelt in die Richtung, konnte aber nichts sehen. Unsere Autos standen nebeneinander und so stieg ich aus und sah Rick über die Schulter. Patrik erklärt nochmals genau wo das Tier war und plötzlich konnte ich es auch sehen. Versteckt im Unterholz, den Kopf gemütlich an einen Termitenhügel gelehnt, so döste die Katze vor sich hin. Unser Motorengeräusch schien sie überhaupt nicht zu stören. Sie war noch ein Stück weg, doch der Anblick war faszinierend. Ich war hellauf begeistert. Wir stiegen wieder ein und fuhren noch näher heran und noch näher. Die Katze fühlte sich leicht gestört und machte einen verärgerten Eindruck. Sie blieb aber wo sie war. Es war ein wunderhübsches Tier. Keine Schramme, keine Verletzungen. Es muss noch ein junges Weibchen gewesen sein. Wir standen nun ganz nahe im Busch bei der Katze, wir waren völlig begeistert. Charly machte einige Aufnahmen und Patrik machte Platz, damit wir noch bessere Fotos schiessen konnten. Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Ab und zu schaute der Leopard auf und blickte genau zu uns herüber, liess sich aber nicht weiter stören. Schliesslich drückte sie wieder die Augen zu und döste weiter. Wow, was für ein Erlebnis! Zwischendurch suchte sie sich dann doch ein anderes Plätzchen, doch war dies anscheinend nicht so bequem und so kam sie an ihren alten Platz zurück. Wir hatten die Leoparden-Dame kurz vor dem Third Bridge Camp an der Abzweigung nach Mboma gefunden. Vielleicht 3 4 Kilometer vor unserem Campingplatz entfernt.
Wir liessen die Katze weiterdösen und fuhren auf den Campingplatz, wo wir eine kurze, verspätete Mittagspause einlegten. Bei dieser Pause entdeckten wir auch, dass unsere Autos voller Raupen waren. Diese kleinen Viecher hatten sich einfach von den Bäumen auf unsere Fahrzeuge fallen lassen. Wir entfernten die, die wir sahen, der Rest würde schon bei der Weiterfahrt davon fliegen.
Anschliessend fuhren wir wieder durch den Busch. Eng war es, das Gebüsch kratzte wieder an beiden Seiten und auch die tiefhängenden Äste durfte man nicht übersehen. Wir entdeckten wieder Meerkatzen und beobachteten, wie die Affen auf den Termitenhügeln sassen und weisse Pilze frassen.
Unterdessen war es schon wieder später Nachmittag geworden und wir fuhren zurück zum Campingplatz Third Bridge. Dort füllten wir unsere Wassersäcke. Nebenbei konnten wir eine Horde Paviane beobachten. Eine Paviandame hatte ein noch ganz kleines Baby und wir konnten uns gar nicht satt sehen. Die restliche Bande trieb ihr Unwesen und tobte herum.
Wir fuhren zu dem schönen Platz, wo wir unser Mittagessen eingenommen hatten. Dieser war inzwischen leider besetzt und so nahmen wir den Platz neben an. Wir installierten uns und entfachten ein Lagerfeuer. Wir hatten es gerade gemütlich, da fing es an zu regnen. Schnell verzogen wir uns alle unter der Markise von Patriks Nissan. Dort assen wir halbwegs im trockenen zu Abend. Es war inzwischen dunkel geworden und wir waren am Palavern, als ein Impala, grosse Sprünge machend, auf uns zu kam. Hinter der Antilope war ein Schatten, der ebenfalls grosse Sprünge machte. Wir konnten nicht genau sehen was es war, aber wir vermuteten das dies ein Leopard gewesen sein musste. Das geschah direkt vor unserem Lager und unseren Nasen. Hautnah! Was für einen erlebnisreichen Tag hatten wir heute gehabt.
Rick war schon wieder früh am Morgen auf und hatte das Lagerfeuer in Gang gesetzt. Wir frühstückten und packten unsere Sachen zusammen. Wir wollten gerade losfahren, da rief Rick über Funk, dass ein Buschbock mit seiner Herzensdame direkt vor unserem Camp durchlief. Ich stieg mit samt der Kamera wieder aus und ging auf Fotojagd. Es war ein schönes Tier mit seinen Seitenstreifen und den Punkten auf dem Hinterteil. Danach konnte es weiter gehen. Wir fuhren wieder in Richtung Xakanaxa und trafen unterwegs wieder auf die Chaskopp. Das nette, junge, holländische Pärchen berichtete, dass in der Nähe ein Löwenrudel gesichtet worden war und gab uns die ungefähre Lage bekannt. Wir plauderten noch kurz, dann machte sich jeder auf die Suche nach den Löwen. Wir fuhren einige schmale Pisten entlang und tatsächlich, da lagen sie plötzlich vor uns. 9 Löwen! Ein stattliches Männchen, ein paar Weibchen und ein paar Halbwüchsige. Die ältere Generation lag faul unter einem Baum im Schatten, direkt neben der Piste. Die liessen sich überhaupt nicht von unserer Anwesenheit stören. Es wurde höchstens mal knapp der Kopf hoch gehalten, doch dann schien es als ob die dachten: „schon wieder so blöde Touristen“ und legten desinteressiert ihre müden Häupter wieder nieder. Die Jüngeren lagen etwas weiter unter dünnem Gebüsch. Sie schauten geradewegs in die Kamera. Herrliche Augen und flauschige Ohren. Am liebsten wäre ich ausgestiegen und hätte den einen oder anderen gekrault. Leider sind die „Kätzchen“ keine Schmusekatzen und so unterliess ich es tunlichst. Den Jungen wurde unser Geknipse bald zu viel und sie standen langsam auf und wanderten zum nächsten dickeren Busch. Dort machten sie es sich schliesslich zu viert gemütlich und lugten zwischen den Blättern hervor. Rick war inzwischen die Holländer suchen gegangen und kam mit diesen nun zurück. Die waren ganz happy, dass man sie geholt hatte. Die Löwe störte es nicht, dass nun noch ein Auto da war. Wir beobachteten die Tiere bei ihrem vorgezogenen Mittagsschlaf.
Wir machten uns bald darauf wieder auf den Weg und fuhren zum Südausgang. Unterwegs trafen wir auf ein paar Elefanten. Ein Jungtier war von seiner Wichtigkeit besonders überzeugt und streckte die Nase mit samt den kleinen Stosszähnen in unsere Richtung, dazu trompetete er was das Zeug hielt. Wir liessen die Tiere in Ruhe und fuhren weiter.
Am Gate zahlten wir die 350 Pula für den zusätzliche Tag sowie für die Übernachtung auf dem Camping nach und verliessen diesen schönen tierreichen Park.
Auf unserem Weg nach Maun stoppten wir kurz für einen Imbiss. Wir hatten noch nicht alles versorgt, da begann es auch schon wieder zu regnen. Als ob einer ein Schleusentor im Himmel geöffnet hätte. Wir fuhren auf der Matschpiste im strömenden Pisswetter. Die Piste hatte sich in kürzester Zeit in einen Flusslauf verwandelt. Wir fuhren von einem Wasserloch ins nächste. Teilweise stand das Wasser auf einer längeren Strecke.
Patrik war knapp an Diesel und hatte gerade noch 1.5 Liter im Tank, als wir endlich in Maun angelangten. Er fuhr geradewegs zur Engen Tankstelle, wir dagegen wollten gleich zur Toyota Garage. Unsere Vorderbremsen waren nicht mehr die Besten, daher wollten wir unbedingt noch Bremsbeläge kaufen bevor die Läden schlossen. Anschliessend fuhren wir wie verabredet zum Spar-Supermarkt. Doch dort waren die anderen nicht komisch, dachten wir. Ich wollte mich beeilen und lief schon in den Supermarkt, während Charly tanken ging.
Im Supermarkt kaufte ich unter anderem frisches Obst und Gemüse ein. Ich war gerade dabei mein Gemüse wägen zu lassen, als ich im Augenwickel erkannte, dass eine fette Schwarze in meinen Einkaufswagen grabschte. Ich pfiff sie an, dass das meine Äpfel seien und sie diese sofort wieder in den Wagen legen soll. Ich hatte da ja schon so meine Erfahrungen in Windhoek gemacht. Die Dame sah mich nur spöttisch an und machte in ihrer Sprache lächerliche Witze über mich. Am liebsten hätte ich ihr eins ans Schienbein getreten. Blödes Huhn!
Kartoffeln gab es in dem Laden keine mehr und das Fleisch war zum Davonlaufen. Da kam auch schon Charly und erzählte, dass es in Maun zwei Spar-Supermärkte gäbe und dass wahrscheinlich die Südafrikaner im anderen Laden wären. Wir liefen schnell zur Kasse und zahlten. Ein netter Schwarzer half uns bei der Bedienung der Brotschneidemaschine, vielleicht war es auch sein Job wer weiss.
Wir fuhren also zum anderen Spar-Supermarkt und sahen den roten Nissan sogleich. Sie waren inzwischen schon so ziemlich mit ihrem Einkauf fertig, weswegen wir uns auch beeilen wollten. Da kam ein älteres deutsches Ehepaar vorbei und verwickelte uns in ein Gespräch. Wir strebten immer wieder los, doch die wollten es genau wissen und folgten uns. Woher und wie und wieso usw. Wir erzählten ganz kurz von unserer Reise und wollten schon in den Supermarkt stürmen, da kam die dickliche Frau auf mich nochmals zu, mit der Bemerkung: „Eigentlich bräuchten sie uns gar nicht beneiden, denn sie könnten ebenfalls so eine Reise machen.“ ??? Was hat die den für ein Problem, dachte ich so bei mir und antwortete ihr, das dies ja toll sei, dann soll sie es doch machen. Ihre Antwort war, ach nein, dann müssten sie ja alles aufgeben. Nun ja, alles kann man halt nicht haben. Da plauderte sie auch schon weiter, was für tolle Reisen sie schon gemacht hatten. Ihr Mann sagte eigentlich überhaupt nichts, während sie andauernd plapperte. Sie regte mich so langsam auf, da wir es nun wirklich eilig hatten und mir ihre angeberische Art auf den Zahn ging. Die anderen warteten nun schon eine ganze Weile auf uns. Wir verabschiedeten uns zum 10ten Mal und hofften nun endlich Ruhe vor der Tante zu haben. Wir erledigten unseren Einkauf und gingen anschliessend noch kurz in den Bottle Store. Bier und Wein für die schönen Abende am Lagerfeuer - das musste sein. An der gegenüberliegenden Engen Tankstelle durften wir unsere Wasservorräte auffüllen, doch war der Schlauch vom Hydranten so undicht, dass mehr daneben ging als in den Tank. Bei einem Brand wären die paar Tropfen von vernichtend geringer Wirkung.
Am späten Nachmittag konnten wir Maun endlich verlassen. Die Stadt hatte mit den vielen Toyotas, Land Rovern und Overlandern doch noch immer einen Hauch von Abenteuer an sich.
Wir fuhren gar nicht lange, vielleicht 15 km, dann bogen wir auch schon nach rechts ab. Wir folgten einer Piste bis wir an eine leicht überwucherte Piste kamen. Wir drückten uns dort zwischen den Büschen und fuhren, bis wir ein geeignetes Plätzchen gefunden hatten.
Wir suchten Brennholz und Rick entfachte rasch ein Lagerfeuer. Die Zelte der Südafrikaner standen bald. Wir hatte es gerade gemütlich, da fing es an zu pissen. Wir montierten rasch die Planen und setzten uns darunter. Grillen konnten wir bei dem Regen vergessen. Die Matabili-Microwave, wurde mit den Kartoffeln und dem Kürbis vom Lagerfeuer auf den Gasherd gezügelt und statt Steak gab es Boerewurst aus der Pfanne. Die Matabili-Microwelle war in Wahrheit ein grosser gusseiserner Topf mit drei Standbeinen. Nebenbei bemerkt ist Matabili ein Stamm in Zimbabwe und wurde von Mugabe fast ausgerottet, keine Nation hat dieser Völkermord bisher interessiert.
Dieser Topf wird viel im Busch beim Campen eingesetzt und die Südafrikaner lieben ihn. Auch über die leckere Grillwurst wurden wir aufgeklärt. Es muss Boerewurst und Farmstyle drauf stehen, dann hat es gutes Fleisch drin. Alle anderen Grillwürste hatten viel schlechtes Fleisch, Fett oder viel Brot drin. Wieder etwas gelernt!
Es regnete Bindfäden und trotz Planen war alles feucht. Auf dem Boden bildete sich langsam ein See um unsere Füsse. Rick hatte ein Seil von der Plane zum Kanister geführt. An dieser Schnur entlang lief nun das Regenwasser in den Kanister. So wurde das Regenwasser aufgefangen und man konnten es als Duschwasser verwenden.
Es war ziemlich kühl und nass, trotzdem hatten wir einen schönen Abend.
In der Nacht hatte es aufgehört zu regnen und am Morgen war der Himmel wieder stahlblau. Rick hatte schon am frühen Morgen Kaffeewasser auf dem Lagerfeuer gekocht. Manchmal kamen wir uns vor wie Cowboys aus der Marlboro Werbung. Nur die Zigarette fehlte.
Nach einem kurzen Frühstück wurde alles zusammengepackt und es konnte weitergehen. Wir fuhren die Pisten zurück und uns begegneten unterwegs ein paar junge verwilderte Hunde. Sie waren ganz mager und scheu.
Auf der Hauptstrasse in Richtung Ghanzi stoppten wir nach kurzer Zeit wieder, da Rick frische Maiskolben gesehen hatte. Wir kehrten um und fuhren zu dem Eselskarren. Neben ein paar jungen Schwarzen war auch ein älterer Schwarzer da. Rick fragte ihn was denn ein Kolben kosten würde. Die Jungen sagten pro Kolben 1 Pula. Der ältere Schwarze sagte aber 2 Pula. Rick war sauer und sagte dem Schwarzen, nur weil er weiss sei zahle er nicht den doppelten Preis. Der Schwarze liess aber nicht mit sich verhandeln und so verkaufte er gar nichts.
Wir fuhren auf der guten aber langweiligen Teerstrasse bis kurz vor dem Kuke-Vet-Fence. Wir versteckten unser Fleisch und setzten unsere Fahrt fort. Rick hatte zwar noch zu uns gesagt, dass er noch nie kontrolliert worden war. Später war er dann froh über unseren Hinweis. Ausgerechnet er musste nämlich den Kühlschrank öffnen, ob nicht Fleisch darin wäre. Was wäre ein Grillabend ohne Fleisch. Auch wir wurden gefragte, ob wir einen Kühlschrank hätten und was darin sei. Wir antworteten wahrheitsgemäss, das wir Bier und Wein darin gelagert hätten. Wir erzählten natürlich nicht, dass wir unser Fleisch im Schuhschrank versteckt hatten. Da der Einstieg in unsere Kabine ohne Leiter ziemlich mühsam ist, verzichtete der gute Mann auf eine persönlich Kontrolle und wir konnten passieren. Wir waren schon halb durch die Schranke gefahren, da stoppten sie uns nochmals. Wir sollten das Eingangstor offen lassen, wenn wir in Richtung Central Kalahari fuhren. Komisch! Wahrscheinlich wollten die nur unsere Nerven testen, doch nach so vielen Erfahrungen in Afrika sind wir nicht mehr so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Wir fuhren bald darauf die Piste entlang und machten wenig später Rast. Es war Lunchtime. Wir waren alle hungrig und der Baum bot etwas Schatten.
Nach einem kurzen Imbiss ging es wieder auf die weichsandige Piste. Wir kamen nach Tsau. Der Posten dort war aber unbesetzt und alles war verschlossen. Keine Menschenseele weit und breit. Die umliegenden neuen Häuschen waren wohl erst vor kurzer Zeit erstellt worden. Wir fuhren weiter und trafen schon bald auf alte Bekannte, nämlich Gemsböcke und Springböcke. Ein Gemsbock war vom Rest der Herde durch den Zaun getrennt. Wir fuhren langsam, da das Tier immer wieder versuchte mit dem Kopf durch den Zaun zu rennen. Nach dem 5. Versuch hatte er endlich Erfolg und konnte zwischen den Drähten durchschlüpften. Es rannte eiligst zu seinen Kollegen in den Busch.
Wir folgten weiterhin der Piste bis zur Abzweigung Motopi Pan. Wir folgten nun dieser Piste. Auf dieser Streckte fuhren wir an einer defekten Wasserpumpe vorbei. Die Anlage war schon seit Jahren nicht mehr gewartet worden. Schade für die Tiere. Zur Zeit war es zwar nicht so trocken, doch die nächste Dürreperiode kommt bestimmt. Nach einer kurzen Inspektion fuhren wir weiter.
Bereits ein kurzes Stück weiter, hielten wir erneut. Es galt einen Hyänenbau zu erkunden. Die Eingänge waren gross und es gab mehrere davon. Verstreut lagen auch Stachel von Stachelschweinen auf dem Boden herum. Patrik erklärte mir, dass die Stachelschweine diese verlieren, wie wir Haare verlieren. Ich hatte nämlich schon die Befürchtung gehabt, dass es bei Familie Hyäne Stachelschwein als Abendessen gegeben hatte.
Bevor wir weiterfuhren, setzte sich Rick aufs Autodach. Er machte es sich gemütlich, dann konnte es weitergehen.
Kurz vor der Passarge Pan bogen wir in das Passarge Valley ein. Gleich der erste Camping war ideal für uns. Weit und breit keine Menschenseele, offene weite Savannenlandschaft und am Horizont viele Spiess- und Springböcke. Es gab immer wieder kleine Baumgruppen und in einer von diesen war das Camp integriert. Es gab kein Wasser, keine Dusche und kein WC. Afrika pur!
Wir hatten unterwegs Brennholz gefunden und Rick entfachte ein Lagerfeuer.
Charly wechselte die Bremsbelege und ich half ihm dabei. Patrik stand mit Rat zur Seite, als sich die Bremsbacken an der linken Bremsscheibe zusammengezogen hatten. Wir schafften es nicht mehr bevor es dunkel wurde. Wir zündeten die Laternen an und beendeten kurz darauf die Arbeit.
Es war schon dunkel und wir hatten keine grosse Lust mehr zu kochen. Wir packten unsere Kartoffeln und Zwiebeln in Alufolie und legten sie nahe ans Lagerfeuer. Die anderen waren bereits am Essen und auch wir waren hungrig. Ungeduldig nahmen wir die Kartoffeln vom Feuer und prompt waren diese noch nicht ganz durch. Egal, wir hatten Hunger und assen diese so wie sie waren. Während wir unter dem Baum sassen und assen, bemerkten wir wie sich immer wieder kleine schwarze Käfer vom Baum fallen liessen. Sobald wir diese wegstreifen wollten, gaben sie einen üblen Geruch von sich. Charly hatte sogar versehentlich einen gegessen. Der Geschmack war ekelhaft. Wir platzierten uns um und konnten endlich das bescheidene Abendmahl am Lagerfeuer geniessen.
Wir waren geschafft und wollten nur noch duschen und Ruhe haben. Die Südafrikaner hingegen waren noch voller Tatendrang und machten sich auf den Weg zu einem Nightdrive. Sie fuhren davon, während wir eine ausgiebige Dusche aus der mitgeführten Solardusche genossen.
Wir konnten die Lichter und den Scheinwerfer der Südafrikaner im Dunklen verfolgen. Sie hatten jedoch nicht viel gesehen, mehrheitlich Antilopen und Schakale.
Wir waren alle schon früh am Morgen wach und Rick hatte auch schon wieder für alle Kaffeewasser auf dem Lagerfeuer gekocht. Bald hatten wir alles beisammen und verliessen diesen idyllischen Ort. Rick konnte sich kaum trennen.
Wir fuhren weiter dem Passarge Valley entlang. Immer wieder trafen wir auf Spiess- und Springböcke und dann hatten wir Glück. Ein stolzer Löwe sass unter einem Busch und liess sich durch unsere Anwesenheit nicht weiter stören. Wir konnten ein paar gut Aufnahmen von ihm machen. Er blinzelte nur ein wenig, dies war seine ganze Reaktion.
Wir fuhren weiter. Ich erkannte eine Giraffe und meldete dies Patrik per Funk. Dieser war erst skeptisch, Giraffen im Central Kalahari Game Reserve, doch dann sah er sie auch. Bald darauf begegneten wir dann noch ein paar anderen Giraffen, die gemächlich mit ihren langen spitzen Zungen die feinen Blätter von den Dornbäumen zupften.
Wir fuhren weiter und kamen an eine Stelle, wo viel Wasser auf der Piste stand. Patrik und Alisha stiegen aus und schöpften Duschwasser ab. Sie hatten noch gar nicht viel geschöpft, da kam ein Tourist angebraust und fuhr durch das Wasser. Ohne Gruss, ohne auch nur zu uns herüber zu sehen. Das Wasser war nun braun und nicht mehr verwendbar. Wir beschlossen eine Mittagspause einzulegen und gerade wollten wir unsere Sandwich auspacken, als es fürchterlich anfing zu regnen. Die Südafrikaner installierten rasch ihre Markise, doch auch dies half nichts, denn es regnete von allen Seiten quer rein. Alle flüchteten ins Auto. Wir assen unser Sandwich im Auto und warteten ab, bis der Regen vorbei war. Danach fuhren wir weiter. Es dauerte aber nicht lang, da begann es wieder fürchterlich zu regnen. Es pisste dermassen, dass wir keine gute Sicht mehr hatten. Wir beschlossen uns an die Seite zu stellen und den gröbsten Regen abzuwarten. Wir stellten die Autos so, das wir eine gute Sicht auf die grasenden Antilopen hatten. Diese nahmen den Regen gelassen hin. Von den vielen Wasser- und Sumpfdurchfahrten im Chobe und Moremi N.P war irgendwie der Ablauf unter der Frontscheibe verstopft und das Regenwasser floss munter in den Fussbereich der Fahrkabine. Es tropfte dermassen, dass ich eine kleine Plastikschüssel darunter stellen musste.
Als der Regen etwas nachgelassen hatte, fuhren die Südafrikaner mit ihrem Nissan in die Ebene. Sie hatten mehrere Schakale entdeckt und vermuteten das ein Wildtier gerissen worden war. Dies war aber dann doch noch nicht der Fall und sie fuhren zurück. Der Nissan sank immer wieder im morastigen Boden ein. Sie hatten Glück und kamen zurück, ohne stecken zu bleiben. Sie fuhren auf die Piste und wir wollten folgen. Wir hatten weniger Glück, denn Snoopy grub sich ohne einen Millimeter vorwärts zu kommen senkrecht in den Boden.
Die Untersetzung und auch alle Differenzialsperren nützten nichts, wir sassen im Morast fest. Über Funk riefen wir unsere Freunde, welche auch gleich darauf wieder zur Stelle waren. Wir montierten das lange Abschleppseil und der Nissan holte uns aus dem Schlamm. Die Piste war stellenweise unter Wasser und wir bekamen nasse Füsse.
Endlich konnte es weitergehen. Wir fuhren bis zum Ende des Passarge Valley. Unterwegs war reichlich Buschland und so sahen wir nicht mehr besonders viele Tiere. Wir fuhren weiter zum Sunday Pan. Hier trafen wir wieder vermehrt auf Antilopen und im hohen Gras konnten wir sogar ein paar Fledermausohr-Füchse entdecken. Dies ist die wörtliche Übersetzung dieser Tiere, bei uns heissen diese Tiere Löffelhunde. Sie sehen wirklich sehr niedlich aus, mit ihren überdimensionalen Ohren. Sie sind aber deutlich kleiner als unsere heimischen Füchse und ernähren sich überwiegend von Termiten und anderen Insekten.
Es war schon wieder später Nachmittag und wir begegneten anderen Südafrikanern. Die unterhielten sich mit unseren Freunden, ob und wo sie welche Tiere gesehen hatten. Wir drehten anschliessend eine Runde um die Sunday Pan und die anderen Südafrikaner kamen uns wieder entgegen. Sie erzählten, dass ihnen zwei Mal ein Gepard begegnet war. Wir beeilten uns anschliessend auch zu dem Punkt zu gelangen. Patrik geriet jedoch bei einem Ausweichmanöver zu weit von der befestigten Piste und sumpfte prompt ein. Nun konnten wir ihn raus ziehen. Wir umfuhren die Sunday Pan, ohne den Geparden gesehen zu haben. Schade! Wir nahmen uns aber vor, es am nächsten Morgen nochmals zu probieren.
Wir fuhren zum Campingplatz. Der erste hatte uns nicht gefallen, so wählten wir den Platz weiter vorn. Von hier aus konnte man hinunter in die Pfanne schauen.
Wir hatten die Zelte aufgestellt und das Lagerfeuer brannte bereits, da kam ein deutsches Paar in einem Mietauto angebraust und behauptete, dass dies ihr Platz sei. Dies sei Platz Nr. 2! Rick antwortete ruhig, dass er keine Ahnung hätte welche Nummer dieser Platz hat, da keinerlei Hinweisschilder installiert worden waren. Es gäbe aber noch einen weiteren Platz weiter oben. Zuerst wollte die Touristen darauf bestehen, doch gaben sie sich dann gleichwohl mit dem anderen Platz zufrieden. Rick ging nach dem Abendessen nochmals zu ihnen hin und unterhielt sich mit ihnen. Sie hatten die Reservierung für den Park und den Camping via Internet von Deutschland aus durchgeführt. Als sie dann hier im Game Reserve ankamen, hatte keiner eine Ahnung. Nichts war zu den lokalen Stellen weitergeleitet worden. Sie waren deshalb leicht genervt. So ist es aber in Afrika, man kann keine europäischen oder amerikanischen Verhältnisse erwarten. So etwas haben sie hier nicht im Griff. Wir hatten auch schon von Fällen gehört, da haben die Leute in Maun gebucht und als sie am Eingang ankamen, war nichts gemeldet worden. Etwas mühsam das Ganze, vor allem da eine Vorausbuchung gefordert wird.
Von weiter Ferne konnten wir am späteren Abend einen Löwen brüllen hören. Wir sassen bis gegen 22 Uhr am Lagerfeuer, dann gingen wir schlafen.
Die Deutschen waren schon seit 6 Uhr unterwegs gewesen um Löwen und andere Tiere aufzustöbern. Sie kamen so gegen 8 Uhr zurück und berichteten uns, dass sie leider kein Glück gehabt hatten.
Wir hatten also nichts verpasst und beendeten unser Frühstück. Wir packten die Sachen und fuhren wieder los. Diesmal fuhren wir durch das Deception Valley, welches im Reiseführer als besonders wildreich bezeichnet wurde. Wir trafen auf eine stattliche Anzahl Oryx und Springböcke. Einige wenige Gnus waren auch da, aber viel mehr Tiere gab es nicht zu sehen. Charly sass wie Rick später oben auf den Autodach. Ihnen gefiel die Aussicht. Charly wurde es jedoch mit der Zeit zu heiss. Auf unserem Weg sahen wir wiederum nur einige Antilopen.
Der Hinweispfosten zur Phokoja Pan war kaputt. Das hölzerne Schild lag verkehrt auf dem Boden. Rick stieg vom Dach runter und montierte das Schild wieder, denn die Schrauben waren noch vorhanden. Wir fuhren weiter in Richtung Piper Pans. Unterwegs sahen wir eine kleine Herde der grossen Elanantilopen sowie Kudus und Steinböckchen.
Die Kalahari blühte, überall sahen wir verschiedene Pflanzen blühen. Gelbe, rote, blaue, violette Blumen. An den Sträuchern waren weise und gelbe Blüten. Es war eine Pracht! Die Regenzeit ist die beste Zeit diesen Park zu besuchen, gerade wegen dem Regen ist alles grün und es blüht überall. Auf diese Weise gibt es mehr Antilopen, welche wiederum von den Raubkatzen verfolgt werden.
Am Rande der Piste entdeckten wir das prächtige Geweih eines Kudubockes. Das Tier muss schon vor längerer Zeit hier verendet sein. Der Kadaver war schon ziemlich abgenagt und vertrocknet. Wir folgten weiter der Piste und bei der Gabelung zu den Pans entdeckten wir den nächsten Kadaver. Diesmal war es eine Giraffe. Es war nur noch das Skelett übrig und der Schädel lag einige Meter entfernt. Wahrscheinlich hatten Hyänen daran genagt.
Die Südafrikaner und wir trennten uns an der Gabelung, derjenige der zuerst Löwen sieht, sollte den anderen rufen. Wir fuhren nach links und folgten der Piste. In der Pfanne waren zahlreiche Spiess- und Springböcke. Sie rannten weg, sobald wir näher kamen. Es war fantastisch die Herden in Bewegung zu sehen. Wir waren schon ein Weilchen gefahren, da hörten wir Patriks Stimme aus dem Funkgerät. Er erzählte uns, dass sie ein Löwenpärchen ausgemacht hatten, dass gerade am poppen war. Na super - und wir waren genau in der anderen Richtung. Patrik entgegnete aber, dass die bestimmt noch beschäftigt sind bis wir auch da wären.
Wir fuhren nun etwas schneller und trafen auf ein stattliches Löwenmännchen. Dieser hatte sich einen schattigen Platz unter einem grösseren Busch ausgesucht. Wir fuhren sofort langsamer, als wir näher kamen stand der Löwe auf und verliess sein kühles Plätzchen. Wir wollten ihm folgen, doch der kamerascheue Löwe trottete daraufhin nur hurtiger ins Gebüsch. Wir liessen ihn in Ruhe und fuhren weiter. Wir hatten schliesslich noch etwas anderes zu sehen. Wir kamen bald bei den Südafrikanern an und tatsächlich, da lag nicht weit entfernt ein Löwenpärchen unter einem kleinen Baum. Wenig später konnten wir beobachten, wie das Löwenmännchen aufstand und gemächlich das Weibchen bestieg. Löwenporno! Der Akt war kurz. Zum Schluss biss er ihr nochmals zärtlich in den Nacken, dann liess er wieder von ihr ab. Sie rollte sich vergnügt auf den Rücken und liess die Pfoten in der Luft baumeln. Es hatte ihr offensichtlich gefallen. Er lag nun wieder faul neben ihr und tat so, als sei gar nichts passiert. Typisch Mann! Wie die Wilden hatten wir dieses Ereignis fotografierten und gefilmt.
Es verging keine Viertelstunde, da wiederholte sich das Ganze. Er stand auf und bestieg die Löwendame wieder. Wieder nur ein kurzer Akt. Nach einer weiteren Viertelstunde wieder das gleiche Spiel. Löwen tun dies anscheinend über mehrere Tage hinweg und fressen auch in dieser Zeit nicht, so wie uns Patrik erklärte. Er musste es ja wissen, schliesslich hatte er mehrere Jahre mit Touristen Safari-Touren unternommen. Er kannte sich in der Tierwelt und dem Spurenlesen gut aus.
Wir verweilten noch etwas bei dem Löwenpaar, während sich die anderen auf die Suche nach dem Löwenmännchen machten, welches wir gesehen hatten. Wir hatten die Position auf unserem GPS gespeichert gehabt und konnten ihnen nun die genauen Koordinaten geben.
Wenig später folgten wir ihnen. Doch der Löwe war nun im Gebüsch und genauso kamerascheu wie bei uns. Sie liessen ihm seinen Frieden und wir machten uns auf den Weg zum Camp.
Unterwegs fuhr uns plötzlich ein anderer Toyota Pick-up hinterher. Es waren Schwarze die im Park arbeiteten. Sie fragten die Südafrikaner nach Wasser, doch wir konnten ihnen nicht helfen, denn wir hatten selber nicht mehr viel. Wir hatten schon gedacht es seien Ranger und fühlten uns ertappt, da wir immer noch keinen Eintritt bezahlt hatten. Nochmals Schwein gehabt, denn die Preise sind genauso hoch wie im Moremi und Chobe N.P., zudem ist der Komfort genauso bescheiden. Plumpsklo, Dusche ohne Wasser, denn dies muss selber mitgebracht werden.
Wir fuhren also weiter zum Campingplatz abseits von der Piper Pan. Wir hatten von der Shellkarte die Koordinaten, doch der Platz war bei einem Wassertank angegeben; von einem Campingplatz war dort weit und breit nichts zu sehen. Wir fuhren zum nächsten Punkt und hier stimmten die Angaben. Wir wollten nichtsdestoweniger noch Wasser und Brennholz holen, also fuhren wir zurück zur Piper Pan. Wir entdeckten dabei auch den anderen Campingplatz und stellten fest, dass dieser keine 600 m von dem Löwen entfernt lag, welcher so kamerascheu gewesen war. Es waren inzwischen dicke Regenwolken am Himmel und die Spuren zeigten deutlich, dass unsere Vorgänger ziemlich viel Schlamm gehabt hatten. Dicke, trockene Schlammkrusten waren am Feuerplatz, denn die Schuhe waren daran abgestreift worden. Da es nach Regen aussah, beschlossen wir doch den anderen Platz zu nehmen. Wir machten uns auf Wasser- und Feuerholzsuche. Das Wasserloch für die Tiere war stark verschmutz und das Wasser roch unangenehm. Rick hielt trotzdem seinen Finger rein und testete es. Er stellte fest, dass das Wasser nicht nur stank sondern zudem auch sehr salzig war. Also kein Wasser für uns, nicht einmal zum Duschen. Wir fuhren weiter und entdeckten eine leichte Senkung, worin sich viel Regenwasser angesammelt hatte. Charly fühlte auch unseren Wassersack, während ich nach Löwen und sonstigen Raubtieren Ausschau hielt. Ich entdeckte jedoch oder Gott sei Dank nur einen Schakal und einen Springbock, während die anderen die Wasserbehälter füllten.
Wir machten uns auf die Suche nach Feuerholz und wurden bald fündig. Es lag mehr als genügend abgestorbenes Holz herum. Die anderen gingen sammeln und ich hielt wieder Ausschau. Der Löwe von vorhin war schliesslich nur wenige hundert Meter weg. Gutes dickes Holz war nicht dabei. Wir beeilten uns und nahmen nur das, was wir unmittelbar für den Abend brauchten. Wir fuhren zurück auf den Platz. Während wir dort warteten, machten sich die Südafrikaner erneut auf Feuerholzsuche.
Wir hörten Stimmen von Schwarzen, die sich in ihrer Sprache lautstark unterhielten. Das gefiel uns gar nicht. Charly kletterte die WC-Wand hoch und sah nach ob er etwas entdecken konnte. Es muss ein Camp oder Dorf in der Nähe sein, aber er konnte nichts erkennen. Bald darauf kamen auch schon Rick und sein Sohn zurück. Sie zogen einen dicken Baumstamm hinter sich her. Auch sie hatten die Stimmen gehört und erklärten uns, das Schwarze sich immer so laut unterhalten. Der Grund ist, dass niemand denken soll, dass man heimlich schlecht von jemand anderen redet. Wir installierten die Zelte und auch das Lagerfeuer war schnell entfacht. Wir gaben unsere Kartoffeln und das Gemüse ins Feuer und brutzelten anschliessend unsere Steaks auf dem Grill. Die Wolken hatten sich inzwischen etwas verzogen, nur am Horizont konnten wir noch Blitze sehen. Der Donner war nur leise und weit entfernt zu hören. Noch einmal Glück gehabt, an diesem Abend blieb unser Camp trocken. Die Südafrikaner installierten wieder ihren Viehdraht gegen die Löwen, dann gingen wir ins Bett. Es war eine ruhige Nacht und wir hörten auch keine Löwen.
Am Morgen nach dem Frühstück sind die Südafrikaner zum Camp der Schwarzen gefahren, um auszukundschaften was da los war und ob wir von hier weiter nach Süden fahren könnten. Dies war leider nicht möglich, denn angeblich war im südlichen Teil des Parks eine Krankheit ausgebrochen. Sie als Farmer kannten sich mit den diversen Krankheiten der Tiere aus und zählten einige auf, doch keine traf auf das Gebiet zu. Patrik sagte anschliessend zu uns, die Krankheit hiess wahrscheinlich: „Schwarzer Mann jagt immer noch für Weihnachten.“
Die andere Möglichkeit war, dass die San wieder Schwierigkeiten machten. Sie wollen ihre angestammte Heimat nicht verlassen. Der Staat Botswana möchte aber alle Bewohner aus dem Park haben, angeblich zum Schutz der Landschaft und der Tiere. Dieses Naturvolk lebt schon so lange in der Natur und mit der Natur, von ihnen wird sicher nichts kaputt gemacht. Sie hinterlassen ja kaum Spuren. Auf er anderen Seite ist bekannt, dass die Regierung im Park in Gope den Diamantenabbau gestattet hat. Wer macht da wohl mehr kaputt?
Wir fuhren wieder zur Senke und holten erneut Duschwasser. Rick nannte es diesmal Oryx-Pisse. Das Regenwasser war recht sauber und klar, da hatten wir wenig Bedenken es zum Duschen zu verwenden.
Wir fuhren nochmals ein Stück um die Piper Pan und überraschend rannte ein Luchs quer über die Piste. Leider viel zu schnell um ihn genauer betrachten zu können. Die Kuduböcke waren da schon etwas kooperativer und standen gerne in Pose mit ihren herrlich gewundenen Hörnern. Wenig später entdeckten wir zwei Löwen. Eine Löwendame lag behaglich unter einem kleinen Baum und liess sich nicht von uns stören. Der Löwenmann rannte jedoch davon, wieder war das Männchen das scheuere Tier. Zu gerne hätte ich ein Foto von ihm gemacht, denn er hatte eine wundervolle dunkle Mähne.
Wir fuhren weiter am Rand der Pan entlang, welche von zahlreichen Oryx und Springböcken bevölkert war. Ab und zu sahen wir auch einige wenige Gnus. Überraschend entdeckten wir ein frischgeborenes Springbockkalb. Es lag direkt neben der Piste hinter einem kleinen Busch. Es war noch nicht einmal richtig trocken und muss erst die letzte Nacht geboren worden sein. Wir stiegen alle aus und inspizierten das Kalb. Er kauerte am Boden und bewegte sich nicht. Es hatte Angst und stellte sich tot. Wir haben das Tier nicht berührt, wer weiss ob seine Mutter es dann noch akzeptiert hätte. Es war so hilflos und süss, dass wir es am liebsten mitgenommen hätten.
Wir fuhren schliesslich weiter, denn wir hatten noch eine gute Distanz zu fahren. Wir waren noch gar nicht lange unterwegs, da kam eine sumpfige Stelle. Patrik konnte sich mit ach und krach gerade noch retten. Wir beschlossen nicht die gleich Stelle zu benutzen und fuhren weiter rechts. Dort erschien es uns weniger morastig. Falsch gedacht, denn kaum hatten wir den Sumpf erreicht, steckte wir auch schon mitten drin. Trotz Untersetzung und beider Diff-Sperren gab es kein Durchkommen. Der Morast stank entsetzlich. Zuerst hielten wir unsere Nase zu, doch es half alles nichts, einer musste raus und das war Charly. Er zog seine Sandalen aus und stieg in die Pampe. Der Matsch quoll so gleich zwischen seine Zehen durch. Wääää und dann noch der Gestank! Er holte das lange Abschleppseil und montierte dies an unserer Stossstange sowie an Patriks Nissan. Mit vereinten Kräften hatten wir bald wieder festen Boden unter den Rädern. Wir sahen zurück und konnten gar nicht glauben, was für ein Loch wir da hinterlassen hatten. Allein hätten wir da länger gebraucht um wieder raus zu kommen. Charly duschte sich die Füsse mit unserer Aussendusche, er war noch nie so froh gewesen eine Dusche zu haben, wie an diesem Tag.
Danach brausten wir auf einer guten Piste in Richtung Phokoje Pan und sahen zahlreiche Giraffen zwischen den Büschen stehen. Auch kleine Giraffenkälber waren dabei, die uns argwöhnisch musterten. Die Szenerie erinnerte uns an Jurassic Park, als die langhalsigen Dinos vom Fressen aufsahen. Wir machten ein paar Fotos, danach ging es weiter.
Für die Mittagspause suchten wir uns ein schattiges Plätzchen. Es gab Thunfisch aus der Dose und Tomaten dazu.
Eine halbe Stunde später sassen wir schon wieder im Auto und weiter ging es. Wir kamen an einer kleinen Pan vorbei und entdeckten einen Kuduschädel und nur wenige Meter weiter sogar eine Leopardenschädel. Ich hätte letzteren zu gerne mitgenommen, doch wohin damit und ausserdem war Charly strikt dagegen.
Wir fuhren durch eine unendlich erscheinende Buschsavanne mit vielen Kameldornbüschen. Patrik hatte die glorreiche Idee quer durch den Busch zu fahren, um dort auf die Cut-Line zu kommen. Rick und ich waren dagegen, wegen der Umwelt und wegen den Dornen, sprich flachen Reifen. Charly war es egal. So hatten wir Patrik überstimmt und fuhren weiterhin auf der eh schon sehr selten befahrenen Piste. Das Gras wuchs schon in der Mitte der Piste bis auf die Höhe von unserer Motorhaube. Da werden wir schon genug zu tun haben, bis wir all die Grassamen wieder von unserem Kühler gekratzt haben.
In der Phokoje Pan gab es zahlreiche Springböcke und Oryx-Antilopen. Der Himmel war wieder stark bewölkt, doch fuhren wir haarscharf an den Regenwolken vorbei und wurden nur von wenigen Regentropfen getroffen.
Wir bog zur Passarge Pan ab, wo wir uns einen Platz zum Wildcampen suchen wollten. Die Südafrikaner hatten auch schon bald etwas im Visier. Wir blieben unten, während sie den kleinen Hügel mit den Bäumen erkundeten. Per Funk gaben sie uns wenig später bekannt, dass dieser Ort nicht zum Übernachten geeignet war. Zu viele diesen kleinen Teufels-Dornen, die konnten einem wirklich alles vermiesen. Dafür gab es gutes Feuerholz und so machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneteren Platz, während die Südafrikaner Holz sammelten.
Tatsächlich fanden wir nicht allzu weit entfernt eine Stelle, welche schön mit Gras bedeckt war und festen Boden aufwies. Wir fuhren jedoch noch einwenig weiter um abzuklären, ob nicht noch ein besseres Plätzchen in der Nähe gewesen wäre. Doch dies war nicht der Fall und wir kehrten um. Rick rief uns schon per Funk und so gaben wir ihm den Ort bekannt. Wenige Minuten später waren wir alle dort. Wir fuhren hinter die hohen Büsche und der Platz dort war genial. Fester Boden und doch weiches Gras für die Zelte. Wie jeden Abend war Rick sofort dabei ein Lagerfeuer zu entzünden. Die Küche war schnell installiert, doch da kamen auch schon die ersten dicken Wolken. Patrik rollte seine Markise aus und wir spannten unsere Plane, so hatten wir ordentlich Platz für alle. Kaum war alles aufgestellt, da brach der Regen auch schon über uns herein. Es regnete in Strömen, so dass wir nicht grillen konnten. Es gab Eintopf bei uns, was nach den vielen Steaks eine ganz gute Abwechslung war.
Während des heftigen Regens sammelten wir das kostbare Nass für die Dusche. Ein Spanngurt lief von der Plane in unseren Ortlieb Wassereimer, an welchem nun das Regenwasser entlang floss. Einfach aber genial. Trotz des nasskalten Wetters sassen wir noch eine ganze Zeit beisammen und tranken Cola mit Ruhm respektive Whiskey. Trotz der 24 Grad froren wir. Wir hatten uns während unserer Reise an wärmere Temperaturen gewöhnt.
Als wir schon alle im Bett lagen, hörten wir die Löwen brüllen. Sie kamen immer näher und näher. Rick schätzte die Entfernung der Katzen auf zirka 200-300 Meter, dann verstummten die Löwen plötzlich. Wahrscheinlich hatten sie uns gerochen.
Wir waren alle schon recht früh wach und sassen bald neben dem Lagerfeuer und tranken Kaffee. Es hatte in der Nacht aufgehört zu regnen und es war nicht mehr ganz so ungemütlich.
Nach einer kurzen Buschdusche füllten wir das aufgefangene Regenwasser in unsere Solardusche. Bald waren wir wieder startklar und fuhren das kurze Stück durch den Busch, bis wir wieder auf die Piste gelangten.
Auf unserem Weg zurück zum Motopi Wasserloch flogen wieder viele Gackeltrappen auf. Diese Vögel geben einen eigentümlichen Laut von sich, während sie hoch fliegen. Beim ersten Mal dachten wir, dass mit dem Auto etwas nicht stimmt, bis wir gemerkt hatten, dass das komische Geräusch von den Tieren kam.
Nach der Kreuzung zum Wasserloch entdeckten wir Löffelhunde und Schakale. Die Schakale ärgerten die Löffelhunde, welche daraufhin einen buschigen Schwanz zeigten, als Ausdruck ihres Unwillens. Es waren einige Tiere und Rick teilte uns über Funk mit, dass es wahrscheinlich einen Löwenriss in der Nähe gegeben haben muss. Denn wenn so viele Schakale versammelt sind, dann muss Aas in der Nähe sein.
Wir fuhren weiter in Richtung Motopi Wasserloch. Wir entdeckten eine Abzweigung zu einer Pumpstation und folgten spontan der Piste. Doch auch hier war alles in einem verwahrlosten Zustand. Die Pumpe war schon seit Jahren nicht mehr benutzt worden und es war alles ziemlich verfallen. Schade, der Parkeintritt ist teuer genug, da sollte so eine Pumpenreparatur doch drin liegen. Dieser Teil des Parks ist jedoch weit vom Haupteingang entfernt und die wenigsten Touristen kommen in diese Ecke, also wird nichts gemacht. In einer Dürreperiode lassen sie die Tiere einfach verdursten, nur weil sie zu faul sind für die Wartungsarbeiten.
Die Piste weiter nach Motopi war mit hohem Gras bewachsen und wir mussten einige Wasser- respektive Sumpflöcher umfahren. Diesmal war wenigstens der Boden hart genug und wir konnten problemlos weiterfahren.
Wieder sammelten sich dicke Regenwolken am Himmel und wir beeilten uns aus dem Park zu kommen. Wolken soweit das Auge reichte. Wir scheuchten auf unserer Fahrt ein paar Riesentrappen auf, welche eine enorme Spannweite hatten.
Schliesslich gelangten wir wieder an die Cut-line und folgten dieser. Es begann zu regnen und die Piste wurde sehr schmierig. Snoopy tanzte Cha-Cha-Cha, trotz Untersetzung. Es kamen uns zwei Fahrzeuge entgegen, die Schwarzen darin hatten ebenfalls alle Hände voll zu tun, um auf der Piste zu bleiben.
Unterwegs trafen wir auf eine ganze Schar Geier, welche ziemlich belämmert im Regen sassen. Einer wollte wegfliegen, doch war sein Federkleid zu nass und schwer. Er konnte nicht abheben und versteckte sich schliesslich unter einen Busch. Die anderen hatten weniger Scheu vor uns.
Wir schafften es endlich dem Regen zu entrinnen und konnten vor den Wolken herfahren. Kurz bevor wir wieder die Teerstrasse erreicht hatten, legten wir eine kurze Mittagspause ein. Wir schafften es knapp unsere Sandwich zu vertilgen, da hatte uns der Regen auch schon wieder eingeholt.
Wir öffneten das Gatter und fuhren auf die Teerstrasse. Auf unserem Weg nach Ghanzi sahen wir viele wohlgenährte Pferde am Strassenrand grasen. Hübsche Tiere waren darunter und wir wunderten uns, wie die Schwarzen die Tiere wieder einfangen, denn es gab kein Halfter und keinen Riemen. Ein paar Fohlen waren auch dabei. Auch Esel und Kühe standen am Strassenrand, respektive brachten den Verkehr zum Erlahmen, weil sie immer ausgerechnet dann auf die Strasse latschten, wenn wir kamen.
Wir fuhren nach Ghanzi rein, tankten, gingen im Spar-Supermarkt einkaufen und holten im Bottle Store noch ein paar Bier. Da Rick Städte hasst, hatte er es ziemlich eilig wieder in den Busch zu kommen. Es war auch schon später Nachmittag und so machten wir uns rasch auf die Weiterfahrt. Ungefähr 40 km südlich von Ghanzi entdeckte Rick eine kleine Seitenstrasse, welche ein trockenes Flussbett begleitete. Wir fuhren zurück und folgten dieser Piste. Wir fanden bald darauf einen geeigneten Platz für unser Buschcamp. Es lag zwischen niedrigen Bäumen und Büschen. Feuerholz lag folglich genügend herum.
Nachdem wir alles installiert hatten, entfachte Rick wieder sein obligatorisches Lagerfeuer.
Plötzlich hörten wir Pferde wiehern und Hufgetrappel. Wir vermuteten schon, dass ein Gespann käme. Unerwartet brachen die Pferde hinter unserem Camp durch und stürmten in einem wilden Galopp zur Wasserstelle, die weiter vorne lag. Sie hatten uns gerochen und waren verunsichert, vor lauter Aufregung schnaubten sie aufgebracht durch ihre grossen Nüstern. Ein schöner schwarzer Hengst leitete die 5 anderen Pferde. Er hatte ein gebrochenes Bein hinten links, welches nur schief wieder angewachsen war. Dies schien ihn aber nicht weiter zu behindern, denn beim Laufen merkte man ihm die ehemalige schwere Verletzung kaum an. Er war wirklich ein bildschöner Kerl mit nur einer weissen Fessel. Ich konnte nicht widerstehen und folgten den Pferde zum Wasserloch. Bis zu einer gewissen Distanz akzeptierten sie mich, einen Schritt weiter und alle machten kehrt. Ich wollte sie nicht weiter stören und liess sie in Ruhe.
Wir hatten spontan mit Rick abgemacht gemeinsam zu kochen. Es gab Maismehlbrei, ähnlich wie Polenta aber ohne Käse und dazu eine Tomaten-Paprika-Zwiebel-Sauce. Typisches Gericht aus Südafrika! Rick schnitt die Filets auf, so dass wir dazu Zwillingssteaks auf den Grill werfen konnten. Es wurde ein schöner gemeinsamer Abend. Wir sassen noch lange am Lagerfeuer und erzählten uns Geschichten. Rick erzählte von einem Kollegen aus Simbabwe, welcher sein ganzes Leben in einer Mine geschuftet hatte und schliesslich eine gute Rente von 5'500 Zim$ pro Monat erhielt. Die Inflation ist aber in der Zwischenzeit so davon galoppiert, dass er sich davon nur noch ein Stück Brot kaufen kann. Die Geldscheine in Simbabwe werden heute nur noch auf einer Seite bedruckt und auf der Rückseite seht noch das Verfallsdatum. Die Inflation ist schneller als das Geld gedruckt werden kann. Krass! Da Rick mit ein paar Freunden im Norden von Simbabwe einen Fishing Club hat, kann der Engländer heute dort gratis fischen und wohnen. Sie bringen ihm immer etwas mit, wenn sie zum Fischen gehen. Es gibt viele solche tragischen Geschichten in Simbabwe, dank Mugabe.
Rick wollte dem Flusslauf des Buitisvango weiter folgen und so fuhren wir nach dem Frühstück nicht zurück auf die Teerstrasse, sondern folgten der kleinen Piste. Diverse Rinder beobachteten uns neugierig, wie wir der kleinen Piste folgten. Wir gelangten an ein kleines armseliges Gehöft, wo Rick nach dem weiteren Verlauf der Piste fragte. Die Einwohner gaben bereitwillig Auskunft. Die mageren Hunde hatten einen Kadaver zum Fressen auf der anderen Seite der Piste, an dem ein dünnes Wesen von Hund herumkaute.
Wir fuhren weiter, verliessen kurz die Piste und kreuzten durch den Busch. Da war es nicht gut zu fahren und so fuhren wir zurück zur Piste und folgten dieser weiter, bis wir auf eine Cut-Line trafen. Auf dieser bogen wir nach links ab und da hier der Sand sehr weich und tief war, tanzte unser Snoopy wieder den Cha-Cha-Cha. Die Cut-Line führte uns zu einem Dorf, welches moderne Häuschen und sogar Satellitenschüsseln fürs Fernsehen hatten. In diesem Dorf fanden wir die Piste Ghanzi Takatshwaane, welcher wir in Richtung Süden folgten. Die Piste war ziemlich von Wellblech durchzogen und entsprechend mühsam zu befahren. Bei Takatshwaane gelangten wir wieder auf die Teerstrasse. Von der Ortschaft haben wir allerdings nichts mitbekommen. Bereits nach 5 km verliessen wir die Teerstasse wieder und fuhren nach Bore. Ein kleines unscheinbares Kaff mit ärmlichen Hütten, welches wir rasch durchfahren hatten. Wir folgten der Piste weiter nach Süden zur Ohe Pan.
Unterwegs kamen wir an zahlreichen verlassenen Buschmann Behausungen vorbei. Es waren nur einige längere Äste, welche zu einer Halbkugel verbunden worden waren. Die Hütten waren gerade gross genug für ein bis max. zwei Personen. Wir sahen in den Ästen der Bäume ein paar Podeste welche aus Zweigen gezimmert waren. Wir vermuteten, dass diese wahrscheinlich als Sitz oder Kinderwiege gedient hatten.
Wir gelangten schliesslich in das Kaa Kalahari Concession Gebiet, eine der abgelegensten und unerschlossensten Regionen im südlichen Afrika. Diese Gegend ist praktisch unbesiedelt und sehr wildreich. Hier war Afrika noch wild kein Gesetz, keine Wildschutzbehörde und keine horrenden Parkgebühren.
Wir kamen an eine Kreuzung wo sogar Ncojane ausgeschildert war, aber leider vermuteten wir uns weiter nördlich und so fuhren wir weiter nach Süden. Die gesuchte Abzweigung nach Nkang kam natürlich nun nicht mehr und wir fragten Patrik nach den GPS-Koordinaten von der Ohe Pan.
Per GPS erkannten wir, als wir auf der Höhe der Ohe Pan waren und da es keine Strasse gab, pirschten wir uns wieder durch den Busch. Die Pan war eine flache Ebene mit wenig Grasbewuchs und folglich waren so gut wie keine Tiere zu sehen. Nur ein paar Steinböckchen waren auszumachen. Wir kehrten bald darauf wieder um. Der Weg zurück zur Piste war beschwerlicher als der Hinweg. Wir waren heil froh, als wir wieder auf der Piste waren. Etwa 1-2 Kilometer später ging eine Piste weg, natürlich wieder ohne Wegweiser. Wir wussten aber anhand der Shellkarte, dass diese uns nach Ngwatle führen würde.
Im nächsten Dorf fragten wir an einer Kreuzung wo es weiter nach Ngwatle ging. Die Frau fragte mich statt einer Antwort nach Bonbons. Ich hätte keine sagte ich und sie antwortete daraufhin, ich würde sie belügen. Wir hatten aber wirklich keine Bonbons und ausserdem wollte ich nicht solche schlechten Angewohnheiten unterstützen. Immer wird etwas gefordert sobald ein Weisser sich in einem Dorf blicken lässt. Es ist lästig, man kann nicht einmal mehr nach dem Weg fragen. Auch Rick wurde angesprochen, denn die Frauen wollten nun eine Cola. Sie hatten seine Kühlbox im Auto gesehen! Wo kommen wir denn da hin. Sie rächte sich in dem sie uns den falschen Weg wies, wie wir am nächsten Tag herausfanden.
Wir folgten dem Weg, wie die Frau es uns erklärt hatte. Wir fuhren noch ein Stück und da es bereits schon wieder später Nachmittag war, wurde es Zeit für das nächste Buschcamp. Wir schlugen uns durch die Büsche und fuhren ein ganzes Stück, bis für Rick der geeignete Platz gefunden war. Bei der anschliessenden Feuerholzsuche stiess Rick einen erstaunten Laut aus. Er berichtete uns, dass wir völlig umsonst soweit durch den Busch gefahren waren, denn keine 5 Meter hinter unserem Camp ging eine alte und schon lange nicht mehr benutze Piste durch. Er zog seinen Sohn auf, in dem er ihn fragte warum er kreuz und quer durch den Busch gefahren sei, wenn doch hier eine Piste war.
Kaum hatten wir die Zelte aufgebaut, da begann es auch schon zu tröpfeln. Wir hatten jedoch Glück, denn es blieb bei den wenigen Tropfen. Die Südafrikaner grillierten wieder ihre Lammkoteletts, während es bei uns einen Eintopf gab.
Auch an diesem Abend sassen wir lange beisammen und erfuhren beim Lagerfeuer wieder einige Geschichten aus Südafrika. Zum Beispiel hatte Rick eine tote Kuh und bevor er sie zum Abdecker brachte, fragte er seine schwarzen Angestellten, ob sie die Kuh essen wollten. Klar wollten sie! Als sie am nächsten Tag die Kuh noch immer nicht abgeholt hatten, fragte er sie nochmals. Daraufhin brachten sie die Kuh zu ihrer Wohnsiedlung. Am nächsten Tag fehlte der Kuh ein Stück aus dem Hinterschenkel, der Rest lag noch auf dem Boden. So verging ein Tag nach dem anderen, bis die Kuh schliesslich aufgegessen war. Er erzählte von dem entsetzlichen Gestank und von Millionen von Fliegen. Die Schwarzen hatte dies jedoch nicht gestört und sie liessen die Überreste der Kuh weiterhin vor ihren Hütten liegen. Keiner machte sich die Mühe die stinkenden Überreste zu vergraben. Wir hatten ja schon ähnliches in Ghana erlebt. Wenn wir so Fleisch essen würden, wären wir am nächsten Tag sicher todkrank.
Nach einem gemütlichen Frühstück am Lagerfeuer machten wir uns schliesslich wieder auf den Weg. Diesmal nahmen wir aber die alte Piste, um wieder auf die Hauptpiste zu gelangen. Wir fuhren auf der Piste entlang und entdeckten ein Straussenpaar, welches gerade ihre 10 Küken spazieren führte. Die Eltern rannten von der Piste weg und 8 Küken versteckten sich im Gebüsch. 2 Küken waren so aufgeregt, dass sie die Kurve nicht mehr bekamen und auf der Piste vor dem Auto herliefen. Patrik wechselte die Spur, damit die Küken in den Busch rennen könnten. Doch die rannten weiter auf der Piste. Er hielt an und rannte einem Küken hinterher. Hinter einem Busch hatte er das Straussenbaby rasch ausgemacht und mit den Händen gefangen. Er brachte es zu uns. Wir standen alle entzückt um das süsse Ding herum und begrabschten es. Es war alles noch ganz weich, auch die Füsse. Die Federn waren kurz und flauschig. Als wir das zweite Küken auf der Piste zu den Eltern zurückrennen sahen, setzte Patrik das Küken sofort auf die Piste und liess es seinem Geschwisterchen hinterher rennen. Wir hofften die Beiden finden ihre Eltern rasch wieder.
Später kamen wir zu unserer Verwunderung bei Ngank an. Ein modernes Dorf mit neueren Hütten und Satellitenschüsseln. Doch da wollten wir eigentlich gar nicht mehr hin! Da realisierten wir erst, dass uns die Tante von gestern den falschen Weg gewiesen hatte. Wir fragten diesmal niemanden nach dem Weg, sondern nahmen die Piste, welche gemäss GPS nach Süden führte und lagen richtig. Wir fuhren auf einer tiefsandigen Piste zu dem kleinen Kaff Ngwatle. Dort gab es nur wenige Häuser. Von hier waren es nur noch 26 km bis zur Abzweigung zum Kgalagadi Transfrontier Park. Die Abzweigung war tatsächlich gut ausgeschildert und kaum zu übersehen. Die Piste war dessen ungeachtet bereits seit längerem nicht mehr benutzt worden. Die Blumenpracht war indessen eine Wonne. Die Piste war mit gelben und roten Blumen übersät.
Es war schon wieder früher Nachmittag und damit Lunchtime. Wir suchten uns einen schönen grossen Baum aus und parkierten unsere Fahrzeuge darunter. Wir packten unsere Sandwich aus und begannen zu essen. Doch die Freude dauerte nicht lange. Es gab massenweise Ameisen, die nichts besseres zu tun hatten, als auf unseren Füssen herum zu krabbeln und uns zu beissen. Charly flüchtete sogleich auf die Motorhaube und ich auf den Fahrersitz. Dort konnten wir wenigstens die restlichen Brote in Ruhe verspeisen.
Anschliessend folgten wir weiter dem Highway of Botswana, wie Rick die Piste zu nennen beliebte. Kurz vor der Kreuzung zum Kaa Gate machten wir per GPS eine weitere Pan (Pfanne) aus. Wir schlichen uns wieder durch den Busch und gelangten an eine grosse Pan. Auf den ersten Blick sahen wir nur wenige Tiere. Wir fuhren am Rand der Pfanne entlang und trafen auf eine paar Springböcke. Wir mussten aufpassen, dass wir nicht mit einem unserer Räder in einem Erdmännchenbau hängen blieben. Tatsächlich konnten wir das eine oder andere Erdmännchen beobachten. Wenn man etwas länger steht und den Motor ausmacht, dann kommen die putzigen Tierchen aus ihrem Bau und sehen nach, ob die Luft rein ist.
Wir folgten weiter der Pan und sahen mit dem Fernglas eine grosse Anzahl von Springböcken an einem Wasserloch. Leider erkannten wir auch, dass dort eine Lodge war. Wahrscheinlich ein Jagdhotel für gutbetuchte Touristen. Die hätten sicher gar keine Freude an uns und so kehrten wir schleunigst um und fuhren wieder zurück. Wieder an den Erdmännchen vorbei, wobei wir wieder Bedenken hatten, dass wir in einem Bau einbrechen könnten. Alles war unterhöhlt, es war schwierig unbearbeiteten Boden zu finden.
Zirka 6 km vor dem Kaa Gate, dem Eingang zum National Park trafen wir wieder auf eine Cut-Line. Diese folgte der Grenze des Parks; rechts war der Park und links war das Jagdgebiet.
Rick hatte von einer früheren Reise noch GPS-Daten von einer kleinen, unbenutzten Piste gespeichert, von welcher er nicht mehr genau wusste, wohin sie führte. Wir fuhren also daraufhin zu dieser Piste, welche stellenweise schon etwas überwuchert war. Die Piste führte uns aber nicht wie erhofft zur nächsten kleinen Pan (Pfanne), sondern zu der 30 km entfernten grösseren Pan. Wir bogen von der Piste in den Busch ab und fuhren im Slalom durch den Busch. Das Gras war stellenweise höher als unsere Motorhaube und Charly seufzte, als er an unseren Kühler dachte. Zwar haben wir ein feines Drahtgewebe vorne montiert, aber dies wird wohl kaum ausreichen. Der Kühlergrill wird verstopft werden und damit besteht das Risiko, dass der Motor überhitzt. Patrik hatte die letzten zwei Tage bereits Probleme mit seinem Patrol, obwohl er ein Netz direkt vor dem Kühlergrill und ein weiteres mit Stangen vorne an der Stossstange montiert hatte. Er schickte uns jeweils voraus, damit wir die weichsandige Piste für ihn vorpflügen, damit sein Patrol nicht mehr so viel leisten musste.
Während wir uns durch den Busch schlängelten, klebten wir dicht an Patriks Nissan. Einmal blieb uns fast das Herz stehen, denn er geriet mit dem rechten, hinteren Reifen in ein Erdmännchen-Loch und ist voll eingesackt. Er hatte Glück, denn er hatte trotz allem noch genug Schwung und konnte mit durchdrehenden Rädern knapp wieder festen Boden erreichen. Uff, noch einmal gut gegangen. Aufmerksam fuhren wir weiter zur Pfanne. Ein kleiner Hügel lag noch dazwischen und als wir oben angelangt waren, hatten wir einen tollen Überblick auf die Ebene. Es waren einige Springböcke und Kuhantilopen am grasen. Wir suchten uns ein geeignetes Plätzchen, von wo aus wir die Pan gut übersehen konnten. Zwischen zwei Bäumen fanden wir den perfekten Ort. Wir stiegen aus, doch Rick warnte uns sogleich, denn er hatte mit dem Feldstecher afrikanische Wildhunde ausgemacht. Diese waren jedoch scheu und wir hatten nichts zu befürchten. Sie hatten mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen. Wir bauten die Zelte auf und installierten die Küche. Patrik demontierte danach den Kühler und blies diesen mit unserem Kompressor aus. Leider war die Leistung des Kompressors nicht für diesen Dauereinsatz gedacht und so zog sich der Säuberungsprozess den ganzen Abend hin.
Ein Schakal kam neugierig näher und lief mit hocherhobener, schnüffelnder Nase am Rand der Pan entlang. Näher kam er aber nicht. Während wir das Fleisch grillierten, entdeckten wir zwei Baummäuse mit grossen Knopfaugen, die quirlig an den Ästen des Baumes rauf und runter liefen. Die Biester waren ganz schön fett.
Das Lagerfeuer brannte und wir assen gemütlich unsere Steaks. Währenddessen lief im Abendprogramm: Springbock und Kuhantilopen laufen im letzten Abendlicht zur Wasserstelle.
Nach dem Essen überlegten Rick, Patrik und Charly, wo genau die Sonne aufgehen würde. Jeder hatte so seine Idee und jeder meinte er hätte Recht. Also zeichnete jeder auf dem Boden einen Pfeil in die Richtung, wo nach seiner Meinung die Sonne aufgeht. Charly holte unser kleines GPS-Gerät und konnte so genau Osten bestimmen. Er, als alter Nicht-Pfadfinder, hatte Glück gehabt und war am nächsten mit seiner Theorie.
Auch am Morgen liessen es sich die Männer nicht nehmen, nochmals nachzusehen, wer denn nun Recht hatte. Charly war mit stolz erhobener Brust wiederum der Sieger. Rick hatte noch vor dem Frühstück eine braune Hyäne in der Nähe der Wasserstelle ausgemacht. Doch auch mit dem Fernglas konnte man das Tier kaum erkennen. Schade, wir hätten die seltene Hyäne gerne etwas näher gesehen. Dafür gab es wieder Springböcke, Kuhantilopen und Schakale zuhauf.
Nach dem Frühstück blies Patrik den Kühler nochmals durch. Da der Kompressor für die Dauerleistung ungeeignet war, benutzten wir das Auspuffrohr von Snoopy. Rick hatte einen Schlauch mit Stoff umwickelt, doch so richtig dicht wurde es damit nicht und ausserdem wurde der Auspuff mit der Zeit ziemlich heiss. Wir hatten jedoch noch einen Air-Jack in unserer Ausrüstung und nahmen nun das Endstück von diesem. Damit ging es dann ganz gut und der Kühlergrill war wieder brauchbar.
Wir packten unsere Sachen zusammen und hörten Patrik fluchen. Er hatte unter seinem Zelt zwei grosse gelbe Skorpione entdeckt. Diese waren natürlich nicht gerade sehr angetan, dass man ihnen die Deckung nahm. Mit hoch aufgerichtetem Stachel drohten sie uns. Natürlich wollten wir alle die Tiere sehen. Charly spielte wieder den Retter und wollte die Skorpione mit der Schaufel wegschaffen. Ein Skorpion war davon überhaupt nicht begeistert. Er rannte immer über den Schaufelrand weg und fiel zu Boden. Er versteckte sich sogleich unter Patriks Reifen. Wir mussten das Vieh regelrecht ausbuddeln. Wir wollten nicht, dass jemand doch noch gestochen wird. Das Gift der Tierchen ist zwar nicht tödlich, aber höchst schmerzhaft. Auch Rick hatte einen Übernachtungsgast. Dieser Skorpion war noch ziemlich klein, deshalb aber nicht weniger giftig.
Bevor wir die Pan ganz verliessen, drehten wir noch eine Runde um die Pfanne. Wir entdeckten aber keine weiteren Tiere, es war das gleiche Programm wie am Vorabend. Doch vor lauter gucken und staunen hätten wir fast den Ausstieg verpasst, respektive nochmals eine Runde um die Pfanne gedreht. Dank GPS bemerkten wir dies freilich rechtzeitig und schlängelten uns wieder durch die Büsche. Wir wollten keine neue Spur legen und folgten deshalb unseren Spuren vom Vortag. Unterwegs trafen wir auf ein paar Knochen. Der Schädel von einem Schakal und ein anderer von einem Warzenschein. Es lagen noch diverse andere Knochen herum, von denen man nicht mehr genau sagen konnte, von welchem Tier diese abstammten.
Wieder auf der Cut-Line angelangt, legten wir einen Zahn zu. Gemäss Buch soll der Parkeingang zwischen 12:30 und 14:00 Uhr geschlossen sein. Patriks Nissan lief wieder einwandfrei, kein Überhitzen des Motors mehr. Er preschte vorne weg und wir hinterher. Snoopy tanzte wieder Cha-Cha-Cha im weichen Sand und wir mussten höllisch aufpassen, damit wir nicht von der Piste flogen. 12:31 gelangten wir an das nördliche Eingangstor des National Parks, dem Kaa-Gate.
Wir hatten schon die Befürchtung, dass wir trotz allem zu spät dran waren. Doch war an diesem Gate so wenig los, dass man sich über jeden Ankömmling freute. Der Schwarze war sehr nett und hilfsbereit und zu unser Freude war der Park auch nicht so teuer wie die anderen. Pro Tag kostete der Eintritt 20 Pula p.P., 30 Pula der Campingplatz p.P. sowie 4 Pula für das Auto. Während wir uns anmeldeten, bemerkten wir einen Hinweis, worauf mitgeteilt wurde, dass das Feuerholzsammeln im Kgalagadi Transfrontier National Park verboten sei und dass eine 10'000 Pula Busse bezahlt werden muss bei Zuwiderhandlung. Wir wollten nicht 2'500 CHF für so ein bisschen Lagerfeuer riskieren, also gingen wir alle nochmals vor dem Park Holz sammeln. Unsere Wasserreserven durften wir am Hauptcamp der Ranger auffüllen. Die Campingplätze haben nämlich alle keinerlei Wasser, ausser direkt am Kaa-Gate, welches wiederum ziemlich salzig ist. Das Wasser im Hauptcamp lief direkt über eine grosse Filteranlage und wir konnten das aufbereitete Wasser direkt ab Hahn trinken. Das war Service!
Da wir nicht vorab reserviert hatten, musste der Schwarze an der Rezeption für uns im Hauptquartier buchen. Die Bestätigung konnten wir aber nicht erhalten, da tatsächlich bis 14 Uhr Mittagspause war. Der nette Mann nahm das Risiko auf sich und liess uns ohne Rückbestätigung vom Hauptquartier in die Swart-Pan fahren.
Wir fuhren also zur Sizatswe Pan und von dort aus weiter zur Gnus Gnus Pan. Wir konnten leider so gut wie keine Tiere entdecken. Wir fuhren die holprige und weichsandige Piste weiter, bis so langsam die Sonne unterging. Die anderen wollten schon irgendwo wild campieren, doch ich wollte es bis zur Swart Pan schaffen. Wir kamen gegen 19 Uhr dort an, leider waren auch hier nur ein paar Kuhantilopen zu sehen. Es war enttäuschend, so viele Kilometer waren wir durch den Busch gerattert, durch einige Pans gefahren und hatten schliesslich doch nur ein paar wenige Oryx, Springböcke und Kuhantilopen mit einigen Jungtieren gesehen. Aber so ist es nun mal, ein Park ist kein Zoo und die Tiere können sich bis zur Parkgrenze frei bewegen.
An der Swart Pan gab es 2 Stellplätze, die weit auseinander lagen. Wir entschieden uns für den zweiten Platz. Rick war sogleich wieder damit beschäftigt das Feuerholz aufzuschlichten. Doch bemerkte er rasch, dass der Rauch wieder in Richtung von unserem Auto kommen würde. Er schlichtete das Holz um. Als er damit fertig war, bemerkte ich, dass der Wind gedreht hatte und nun wieder genau in unsere Richtung kam. Gemeinsam schlichteten wir das Holz wieder um, diesmal aber so, dass der Wind keine Chance mehr hatte.
Zum Abendessen kochten wir gemeinsam Hühnereintopf mit diversem Gemüse in der Matabili-Microwave.
Nach dem Abendessen sassen wir in einer gemütlichen Runde und plauderten. Plötzlich machte mich Alisha auf einen Skorpion aufmerksam, welcher gerade zwischen meinen Füssen durchgelaufen war. Sofort zog ich meine Füsse hoch. Ich hatte nämlich noch immer meine Sandalen an. Der Skorpion war wahrscheinlich vom Feuer angezogen worden und marschierte zwischen unseren Beinen hin und her. Charly rettete auch dieses Tierchen mit der Schaufel und damit er nicht bei der Rettungsaktion von einem anderem Skorpion in den Fuss gestochen würde, habe ich ihm mit der Taschenlampe den Weg geleuchtet. Der Skorpion war über die Deportation wenig erfreut und stellte wütend den Stachel. Er krabbelte aufgebracht auf der Schaufel herum und fiel natürlich auch einige Male zu Boden. Es half ihm aber alles nichts, er wurde weit weg in ein anderes Gebüsch gebracht.
Später, als alle anderen zu Bett gegangen waren, genoss ich im Camp noch die absolute Stille der Nacht und den Vollmond.
Auch heute hatten wir wieder einen Skorpion unter Patriks Zelt. Diesmal war es wirklich noch ein Baby, denn das Tierchen war nicht einmal einen Zentimeter lang. Trotzdem stellte es bereits wütend den Stachel. In der Grösse kann man so einen Skorpion glatt übersehen, denn die Farbe des Tieres ist identisch mit dem Sand. Ich entdeckte in der Umgebung noch zahlreiche typische Skorpion-Löcher. Sie sehen aus wie ein lachender Mund.
Wir verliessen den einsamen Ort und fuhren zum Grenzzaun von Namibia, denn dieser lag nur 2 km entfernt von unserem Camp. Wir fuhren ein Stück dem Zaun entlang und wieder zurück. Auf der anderen Seite in Namibia sahen wir nur einige Karakul Schafe, sonst nichts. Also machten wir uns wieder auf den Weg zum Kaa-Gate. Unterwegs begegneten wir einigen Erdmännchen, die sich zuerst versteckten, doch dann vorwitzig und neugierig ihre Männchen machten und frech in die Runde schauten.
Zurück beim Kaa-Gate fragten wir den netten schwarzen Ranger, ob die Buchung nun auch für den südlichen Teil in Ordnung wäre. Alles war in bester Ordnung und problemlos abgelaufen. Im Teil von Botswana gibt es leider oder Gott sei Dank nicht so viele Besucher.
Wir füllten nochmals unsere Wasserreserven auf und machten uns anschliessend auf den Weg nach Kannaguas. Die Strecke war hundsmiserabel und endlose 80 Kilometer lang. Die Piste wurde gegen Ende immer schlimmer und holpriger. Die lieben Erdhörnchen und Erdmännchen hatten eine lange Strecke der Piste total unterhöhlt und entsprechend holprig war es dann auch. Die Viecher hatten eine regelrechte Grossstadt unter die Piste gebaut und wir dachten schon das hört gar nicht mehr auf. Auf der Strecke entdeckten wir ein regelrechtes Feld von Tsamma-Melonen. Die meisten Früchte waren jedoch schon verdorrt. Patrik entdeckte unter einem Strauch noch zwei gute Melonen und schnitt eine davon auf. Sie schmeckten erst einwenig wie unreife Wassermelonen, wurden gegen Schluss dann aber etwas bitter. Der Genuss dieser wasserhaltigen Frucht war also etwas eingeschränkt.
Endlich gelangten wir auf die Strecke, welche dem Nossob River folgte. Im trockenen Flussbett waren zahlreiche grüne Bäume und viele Oryx und Springböcke zu sehen sowie wenige Gnus und Kuhantilopen. Wir fuhren nun langsam und aufmerksam. Wir suchten nach Hyänen, Löwen und Geparden. Patrik stoppte und setzte zurück. Er war der Meinung einen Geparden im Schatten eines Baumes gesehen zu haben, doch stellte sich bald heraus, dass es sich dabei nur um einen Baumstamm gehandelt hatte. Spitzbübisch erklärte er, dass dies eben ein „Gepardenbaum“ war. Öööö, neue Spezies - okay!
Da es inzwischen schon wieder spät war, machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz an der Polentswa Pan. Der Platz war genial gelegen und wir hatten eine Superaussicht auf die Pfanne, aber leider war kein Tier zu sehen. Wir richteten uns ein und begannen bald darauf zu kochen. Heute gab es Spaghetti mit Thunfischsauce, da wir kein Fleisch mehr hatten.
Während wir kochten, war Rick und Patrik zu unserem einzigen Nachbarn gegangen. Ein Südafrikaner im Pensionsalter, dessen Frau vor 3 Jahren gestorben war. Der einsame Mann freute sich über etwas Kontakt und erzählte spontan von den Löwen, die wir wohl bei der Einfahrt zum Camp verpasst hatten. Die mussten sich hinter uns durchgeschlichen haben.
Während dem Essen beäugten uns freche Geckos mit grossen Kulleraugen. Die Essparzelle war nämlich wie ein Zelt mit Holzpfosten überdacht.
Trotz der Löwen, die unser Nachbar in der Nähe des Campingplatzes gesehen hatte, blieben Rick und wir lange auf. Bei einem kräftigen Whiskey-Cola wurden ein paar abenteuerliche afrikanische Geschichten ausgetauscht. Es war fast Vollmond und wir konnten einen Schakal bei einem scheuen Annäherungsversuch beobachten. Schliesslich war seine Angst doch grösser als sein Hunger und so verzog er sich wieder.
Heute hatte Rick einen grossen Skorpion unter seinem Zeltboden entdeckt. Der Skorpion bewegte sich nicht, so dass Rick dachte er sei tot, doch als er ihn aufheben wollte, lief dieser plötzlich davon. Nochmals Glück gehabt, der Skorpion hatte sich nur todgestellt.
Wir fuhren den Nossob River entlang. Wir begegneten einigen Kuhantilopen und Gnus mit Kälbern. Die Piste wurde immer schlimmer, das Wellblech schüttelte uns kräftig durch. An den Wasserlöchern waren nur wenige Tiere und vom Aussichtspunkt auf einer kleinen Anhöhe konnten wir keine weiteren Tiere beobachten. Wir fuhren weiter zum Nossob Camp, welches bereits zu Südafrika gehört. Dort kauften wir etwas Brot und Fleisch ein. Charly tankte alle Tanks voll, in der Annahme, dass er so die überzähligen Pulas los bringt. Leider war dies falsch gedacht, denn die Südafrikaner boten einen miserablen Kurs. 100 Pula entsprachen 90 Rand. Dieser Kurs war unverschämt schlecht. Patrik kam uns zu Hilfe, in dem er uns das Geld in Rand vorschoss, denn wir hatten noch keine Rand.
Nach Nossob wurde die Piste auch nicht besser. Grosse Wasserlöcher galt es zu durchqueren. Das hatten wir doch schon im Chobe N.P. Bei einer der Umfahrungen um einer solchen Wasserfurt blieb Patrik um ein Haar stecken, doch mit wild spulenden Rädern schaffte er es noch gerade auf härteren Boden. Um ein Haar wäre er hängen geblieben.
Auch südlich von Nossob war die Gegend nicht tierreicher. Wir beschlossen nun gänzlich in den südafrikanischen Teil des Parks zu fahren. Von Kameelsleep fuhren wir nach Rooibrak am Auob River. Ebenfalls ein ausgetrocknetes Flussbett, wo Patrik sich mehr Tiere erhoffte. Er kannte den Park ja gut von früher. Doch auch am Auob River entdeckten wir nur vereinzelte Springböcke, Strausse, Kudus und Oryx-Antilopen. Wir fuhren bis kurz vor dem Twee Rivieren Camp und auf der Botswana Seite zum Rooiputs Camp. Da es trotz des fortgeschrittenen Nachmittags immer noch sehr heiss war, fuhren wir am Camp vorbei. Wir hofften immer noch ein paar Raubkatzen zu sehen. Leider wurden wir enttäuscht, denn auch auf dieser Pirsch konnten wir keine Mieze entdecken. Es war wie verhext. Wir fuhren ein ganzes Stück bis zum nächsten Wasserloch. Wir positionierten uns und warteten ab, ob ein paar Tiere kämen. Kein einziges Tier war auszumachen, obwohl die Sonne schon unterging. Tja, Pech gehabt. Die anderen fuhren schon mal vor. Wir hatten einen Schakal neben der Piste entdeckt und blieben bei ihm stehen. Dieser war wenig scheu und störte sich nicht an unserer Anwesenheit. Wir konnten ein paar gute Aufnahmen machen, dann fuhren auch wir in Richtung Camp. Unterwegs liefen uns zwei Pantherschildkröten über den Weg. Eine war ganz gross, während die andere noch ziemlich klein war. Fotostopp! Gemäss Charly war das grosse Tier ein Weibchen, da diese noch Fressspuren im Gesicht hatte. Na ja, ich enthalte mich hier einem weiteren Kommentar.
Schliesslich gelangten auch wir ins Rooiputs Camp. Frische Hyänenspuren waren zu sehen. Eine Hyäne hatte am Boden gekratzt, als sie nach Fressbarem suchte. Von den Tieren selber konnten wir leider nichts sehen, obwohl die Spuren noch sehr frisch waren. Schade!
Heute war definitiv unser letzter gemeinsamer Abend mit den Südafrikanern. Unser letztes gemeinsames Lagerfeuer wurde wie immer von Rick entfacht. Wir hatten uns in Nossob leckere Steaks gekauft, welche wir nun auf den Grill warfen. Rick war wieder der Grillmeister. Während er mit den Steaks beschäftigt war, wäre er beinahe auf einen Skorpion gestanden. Er war zu alledem noch barfuss! Den Stich hätte er gemerkt!
Auch dieses Camp war schön gelegen und wir waren, wie so oft in Botswana, die einzigen Gäste. Nach dem Abendessen gingen Charly und ich duschen. Die Häuschen sind wie eine Schnecke aufgebaut und haben weder eine Tür noch ein Dach. Vor der Benutzung sollte man unbedingt vorher nachsehen, ob die Dusche bzw. das WC nicht schon von einem Löwen oder einer Hyäne besetzt ist. Dafür wurden extra kleine Klappe eingebaut, damit man kontrollieren kann, ob ein Tier diesen Ort bereits als Versteck benutzt.
Da die Südafrikaner am nächsten Tag die Rückreise antreten müssen, gingen wir alle früh schlafen.
Auch heute lag wieder ein grosser Skorpion unter Patriks Zelt. Diesmal liess ich es mir nicht entgehen ein paar Fotos zu machen. Der Skorpion war wenig begeistert von seiner Tätigkeit als Fotomodell und stellte sich entsprechend bockig an. Patrik half schliesslich mit einem Latschen etwas nach.
Zum Frühstück sassen wir alle nochmals um das Lagerfeuer herum und fütterten dabei mit ein paar Kekskrümeln die Vögel. Wir sassen gemütlich in der Runde, als Charly plötzlich bemerkt, dass ein schönes grosses Löwenmännchen hinter unserem Camp durchlief. Lautlos, versteht sich! Sein erster Gedanke war, was für ein komischer Springbock, doch dann realisierte er schnell was da herumschlich. Der Löwe war ca. 200-250 m von uns entfernt und stolzierte langsam an unserem Camp vorbei, als wenn wir gar nicht da wären. Er lief in Richtung Piste. Wir wagten kaum zu atmen und konnten uns kaum satt sehen an diesem herrlichen Tier. Die Sonne strahlte den Löwen richtig an und sein Fell hatte eine gold-gelbe Farbe. Die Mähne war dunkel. Ein wunderschönes Tier! Er lief majestätisch durch das hohe gelbe Gras, - ja dass war Afrika!
Als der Löwe vorbei war, setzten wir uns wieder ans Lagerfeuer. Da kam ein Pick-up mit einem jungen Mann darin zu uns. Er erzählte aufgeregt, dass er einen Löwen gesehen hätte auf dem Weg zu uns. Wir mussten lachen, denn wir hatten den gleichen Löwen gesehen. Der Löwe war aber nicht wie wir angenommen hatten zur Piste runtergelaufen, sondern hatte unser Camp grosszügig umlaufen. Plötzlich kam er auf er anderen Seite vom Camp wieder zum Vorschein. Dort stand er auf einer kleinen Anhöhe und schaute zu uns runter. Wahrscheinlich überlegte er, ob wir fressbar waren oder nicht. Er beobachtete uns, wie wir ihn beobachtet haben. Er setzte sich und legte sich später ins Gebüsch. Er war fast nicht mehr sichtbar, aber dennoch anwesend. Wir packten trotz seiner Anwesenheit unsere Sachen weiter zusammen. Plötzlich fing er an zu röhren. Er markierte damit sein Territorium und verschwand nach einer kurzen Weile.
Kurz bevor wir losfuhren, beobachteten wir noch ein paar schöne farbenfrohe Echsen. Leider waren diese sehr scheu und liessen uns nicht zu nahe an sich herankommen.
Gemeinsam fuhren wir zum Ausgangstor nach Twee Rivieren. Da wir bereits auf Südafrikanischer Seite waren, mussten wir zuerst zurück nach Botswana fahren und dort die zusätzliche Nacht zahlen. Seit einiger Zeit kann man nun auch die Ausreiseformalitäten dort erledigen. Die Frau gab mir einen Immigrationszettel zum Ausfüllen, danach war ruck - zuck auch schon der Ausreisestempel im Pass. Völlig unkompliziert.
Danach ging es zurück auf die südafrikanische Seite.
| Südafrika |
Die Einreiseformalitäten in Südafrika waren einfach. Man fragte uns wie lange wir denn bleiben wollten und wir sagten so lange wie möglich. Danach hatten wir auch schon die Genehmigung für 3 Monate im Pass.
Bevor wir den Kgalagadi Transfrontier N.P. auf der südafrikanischen Seite verliessen, kauften wir uns die Wild Card für 1'395 Rand. Damit haben wir freien Zutritt zu fast allen National Parks in Südafrika. Nur noch der Campingplatz muss bezahlt werden. Die Karte ist vergleichbar mit dem Golden Eagle Pass in den USA. Rick wollte zuerst die Karte in seinem Namen kaufen, da es für Südafrikaner ganze 1'000 Rand billiger ist, doch leider ist dies nicht möglich. Die Karte ist nur zusammen mit dem Pass gültig, so dass kein Austausch stattfinden kann. Die Differenz von 1'000 Rand hat uns schon gewurmt, dass sind immerhin 200 CHF Unterschied. Da muss eine alte Frau lange für stricken.
Danach hiess es Abschiednehmen. Die Leutchen werden uns fehlen, es war toll mit ihnen unterwegs gewesen zu sein. Ein letztes Hupen und Winken, dann waren sie aus unserem Blickfeld.
Anfänglich wollten wir noch ein oder zwei Tage im Park bleiben, doch da wir nur so wenige Tiere gesehen hatten, beschlossen wir den Park auch zu verlassen. Wir fuhren gemütlich die Strasse R360 nach Süden. Während unserer Fahrt erspähten wir immer wieder junge Buben, die man in Lendenschurz an die Strasse gestellt hatte. Diese begannen zu tanzen und mit den Füssen aufzustampfen, sobald sie ein Touristenauto erblickten. Sie wollten ihre Souvenirs verkaufen, doch für uns war dies ein erbärmlicher Anblick. Die Kinder taten uns leid, denn sie wurden sicher von ihren Eltern dazu gezwungen und jeder Tourist der hier hält und was kauft, ist mit Schuld an ihrem Elend. Anstatt zur Schule werden die Kinder zum Betteln oder zum Verkaufen geschickt. Die Strecke zum Park wird zur Zeit geteert, bald werden auch die letzten Kilometer zum Park asphaltiert sein. Eigentlich schade!
Wir fuhren die einsame Strasse weiter bis nach Upington, dem wirtschaftlichen Zentrum vom Northern Cape. Die Strecke war relativ monoton. Ein bis zwei Pfannen waren zu erspähen, doch ohne jegliche Tiere darin. Wir hielten kurz an einem Rastplatz und nahmen einen kurzen Imbiss. Leider war der Platz schon ziemlich vermüllt. Willkommen zurück in der Zivilisation, dachte ich mir dabei. Danach ging es weiter in die Stadt.
Upington ist ein recht modernes Städtchen, mit allen möglichen Verkaufsläden. Wir fuhren die Strasse bis zur Engen Tankstelle und fragten dort nach einer Toyota Garage. Aus unserem rechten Hinterrad lief nämlich wieder die Schmiere raus. In Namibia hatte Auto-Repairs zwar eine blitz-blanke Werkstatt, doch leider war die Arbeit nicht sehr gut ausgeführt worden. Ein Schwarzer hatte nämlich die Dichtung kaputt gemacht und anschliessend mit Dichtungsmasse abgedichtet. Es wurde behauptet, dies sei sogar noch besser als die Originaldichtung. Diese Masse hat nicht einmal durch Botswana gehalten, geschweige denn bis nach Ostafrika oder noch weiter. Ärgerlich, wenn wir das gewusst hätten, hätten wir auf ein Original-Ersatzteil bestanden. Man darf den Leuten einfach nichts glauben.
Wir fuhren also gleich zur Toyota Garage, wo wir ziemlich arrogant vom Werkstatt Chef empfangen wurden. Er tat so als hätte er keine Zeit und vertrödelte die Zeit lieber am PC und liess uns endlos lange warten.
Während Charly in der Werkstatt war, wartete ich draussen im Auto. Da kam so ein schräger Schwarzer daher und wollte Geld von mir. Ich sagte ihm gleich, dass kann er vergessen. Er tat so, als ob er nichts verstehen würde und stellte sich blöd. Ich dachte mir schon das dies komisch sei und drehte die Scheibe höher. In diesem Moment kam Charly zurück und bemerkte einen zweiten Typ, der sich von der anderen Seite angeschlichen hatte. Die Autotür und das Fenster waren Gott sei Dank zu, so dass der Typ keine Chance hatte etwas zu klauen. Welcome in Südafrika, dachte ich mir. Charly fuhr Snoopy in die Garage, doch der Werkstatt-Chef liess sich immer noch nicht blicken. Bald einmal wurde es Charly zu bunt und er bestellte die beiden Dichtungen im Ersatzteilverkauf. Daraufhin verliessen wir diese Kunden unfreundliche Toyota-Vertretung.
Leider werden wir bis Mittwoch warten müssen, da erst dann das Teil aus Johannisburg kommt. Charly wird das Teil selber austauschen müssen, doch dass ist ihm sowieso am liebsten, denn die bisherigen Werkstätten auf unserer Afrikareise hatten mehr kaputt als heil gemacht.
Anschliessend gingen wir ins Internet Cafe und lasen unsere Mails. Es war lange her, seit wir das letzte Mal Gelegenheit dazu hatten. Die Verbindung war erstaunlich gut.
Bevor wir anschliessend auf den Camping Platz fuhren, haben wir noch schnell im Pick’n Pay eingekauft. Hier gab es wieder alles was das Herz begehrt. Anschliessend waren wir so müde, dass wir nur noch zum Campingplatz wollten. Der Weg zum Die Eiland Holiday Resort war rasch gefunden. Am Eingang fuhren wir durch eine alte Dattelpalmenallee. Der Platz war erstaunlich günstig. Wir zahlten nur 50 Rand pro Nacht für 2 Personen. Der Platz hatte schöne, alte, grosse Bäume. Unter einem solchen Baum fanden wir einen geeigneten Platz für uns. Wir holten Tisch und Stühle runter, danach waren wir erst einmal etwas faul.
Gegen Abend stellte ein Schwarzer seinen LKW mit Anhänger hinter unserem Schlafplatz ab. Wir ahnten schon schlimmes, denn er hatte eine schwere Baumaschine auf seinem Anhänger.
Es kam, wie wir es uns schon gedacht hatten. Der Typ mit dem LKW liess um 5:30 Uhr seinen Motor an und liess die Maschine eine geschlagene halbe Stunde laufen. Wir waren völlig entnervt. Wir hätten ihn am liebsten wegen seiner Rücksichtslosigkeit erwürgt.
Wir waren auch nachdem er abgefahren war noch wach. Der Typ hatte uns zu sehr genervt. Schliesslich schafften wir es doch noch etwas Schlaf zu finden.
Als wir gegen 10 Uhr aufwachten, waren wir immer noch wie gerädert. Ich war wie erschlagen. Charly wollte hingegen schon wieder losmarschieren, doch da streikte ich. Ich wollte einen Tag Ruhe haben. Nach unserem Frühstück war es eh schon Nachmittag und so blieben wir an diesem Tag auf dem Campingplatz. Wir räumten etwas auf und waren mit unserer Webseite beschäftigt. Der Tag war schnell rum. Gegen Abend fing ich an zu kochen, wobei wir es fürchterlich piepsen hörten. Wir sahen uns um und trauten schliesslich unseren Augen kaum. Da war ein junger Vogel im hinteren rechten Rad zwischen der Felge und der Bremstrommel eingeklemmt. Wie kam denn der da rein, fragten wir uns. Charly erbarmte sich und wollte ihn aus seiner misslichen Lage befreien. Doch der Vogel verkroch sich, obwohl der Platz zu eng für ihn war. Schliesslich schaffte es Charly doch noch den kleinen Vogel aus dem Felgenloch heraus zu holen. Es war ein noch ganz junger grauer Lourie (ähnlich wie ein Nymphensittich), der nun vor lauter Angst zitternd in seiner Hand sass. Das Vogel-Baby konnte noch nicht fliegen, es reichte knapp zum Flattern. Charly setzte sich und hielt den Vogel auf seinem Bauch fest. Sobald er ihn los liess, begann dieser an seinen Brusthaaren nach oben zu klettern. Nach dem dritten Versuch flatterte der Vogel zu Boden und lief instinktiv auf den grossen Baum zu. Wir vermuteten, dass er wohl von dort oben aus dem Nest gefallen war und nun wieder zurück wollte. Charly setzte den kleinen Vogel auf die erste Astgabel, damit ihn nicht die Katzen erwischten. Der Vogel begann sogleich intuitiv flatternd nach oben zu klettern. An einem überhängenden Stück fiel er wieder zurück, konnte aber auf die andere Seite des Baumstammes krabbeln. Von dort wagte er sich dann weiter hoch
Kaum war der Vogel in Sicherheit, da kamen auch schon 2 Katzen an. Die eine war eine hübsche wohlgenährte Katze, während die andere ziemlich mitgenommen aussah. Diese hatte nur noch ein Auge, die rechte Gesichtshälfte war zur Seite gezogen und es fehlte ihr Schwanz. Da hatte jemand diesem Tier wirklich übel mitgespielt. Ich hatte Mitleid und gab ihr etwas von unserem Schinken und später auch noch Spaghetti. Da waren es bald vier Katzen, die unseren Platz nun belagerten. Die Katzen waren jedoch nicht weiter aufdringlich und so duldeten wir sie in unserer Nähe.
Auch an diesem Abend kam der Mann mit seinem LKW wieder von der Arbeit und parkte diesen wieder hinter unserem Auto. Zusätzlich hatten wir Nachbarn bekommen, die rücksichtslos laut Musik hörten, weshalb wir beschlossen am nächsten Tag umzuziehen.
Wie gestern, war auch heute wieder um 5:30 Uhr der Motor des LKWs am laufen. Wir nervten uns wieder, doch fuhr der Mann heute etwas früher ab. Nichtsdestotrotz konnten wir nicht gleich wieder einschlafen.
Gegen 8 Uhr sind wir dann aufgestanden und haben unsere Sachen zusammengepackt. Danach fuhren wir in die Stadt. Als erstes holten wir die Dichtungen, welche heute aus Johannisburg angekommen waren. Danach machten wir uns auf die Suche nach diversen Dingen, die wir noch zu besorgen hatten. Wir suchten auch nach einer Möglichkeit das Auto waschen zu lassen und ein Ölwechsel war ebenfalls dringend notwendig. Am frühen Nachmittag waren wir so hungrig, dass wir ins Kentucky Fried Chicken gingen und einen Hamburger verzehrten. Dieser war aber alles andere als gut. Immerhin hatten wir etwas im Bauch und konnten nun weiter unsere Besorgungen machen. Charly wollte unbedingt einen zweiten Wagenheber, weil er den grossen bei einem Plattfuss schlecht unter das rechte Hinterrad bekam.
Da man uns nicht erlaubte den Ölwechsel selber in einer Werkstatt zu machen, gingen wir auch auf die Suche nach einem geeigneten Behälter um das Altöl aufzufangen. Vergeblich!
Am späten Nachmittag haben wir endlich die einzige Waschanlage mit Hochdruckdüse ausfindig machen können. Eigentlich handelte es sich dabei um einen Gebrauchtwagenhändler, der nebenbei auch noch einen Reinigungsservice für Autos betrieb. Snoopy musste auf eine steile Rampe gefahren werden, damit auch der Unterboden schön abgesprüht werden konnte. Was da an Dreck herauskam dass war ja halb Botswana.
Auch das Gras der Kalahari war noch dick im Unterbodenschutz eingeklemmt. Snoopy hatte die Wäsche nach den vergangenen Strapazen in Botswana eindeutig verdient. Nach ungefähr 1 ½ Stunden war die Wäsche beendet und wir fragten den Besitzer, ob er nicht einen Ort kennt, wo man den Ölwechsel selber machen könnte. Wir hatten Glück, denn er kannte sich gut aus. Er wollte uns den Platz am nächsten Tag zeigen, da es bereits 18 Uhr war und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag.
Zurück auf dem Campingplatz suchten wir uns ein Plätzchen an der äussersten Ecke und campten dort.
Charly liess das rechte Hinterrad keine Ruhe und so beschloss er die Dichtung für den Hinterachsaussenwellenflansch gleich zu ersetzen. Als er das Rad demontiert hatte, erlebte er eine böse Überraschung. Der Dichtring für die Hinterachswelle war in der Garage von Auto-Repairs in Windhoek wahrscheinlich falsch eingesetzt worden und war nun dementsprechend zerquetscht. Da konnte er nichts machen, er konnte das Lager und alle Teile nur noch reinigen und provisorisch zusammen setzen. Charly fluchte! Ich half ihm so gut es ging, doch bis wir fertig waren, war es bereits schon wieder dunkel.
Wir kochten und setzten uns bei einem Glas Wein an den Tisch. Inzwischen hatten uns wieder ein paar Katzen ausfindig gemacht und belagerten uns. Wir hatten noch ein paar Reste, welche die Miezen gierig verschlangen. Eine hübsche Katze war besonders anhänglich und sprang ungefragt auf meinen Schoss. Schnurrend macht sie sich Platz. Sie war trotz ihrer langen Haare recht gepflegt und so liess ich sie gewähren. Eine Katze wollte auf Charlys Schoss springen, doch Charly warnte sie sogleich. Wage es ja nicht, sagte er und drohte mit dem Finger. Die Katze schien ihn verstanden zu haben und ging.
Es war eine lauwarme Nacht und wir sassen noch ein ganzes Weilchen draussen.
Heute hatte uns kein LKW aus dem Schlaf gerissen, wie schön doch das Leben sein kann!
Wir sind recht früh aufgestanden, da Charly heute in die Stadt laufen wollte, um die entsprechenden Teile für das Auto zu holen. Ich beschäftigte mich unterdessen mit unserem Tagebuch. Bereits gegen Mittag war Charly mit allen Teilen zurück.
Alles war schnell demontiert, denn mit der Zeit kriegt man Übung. Da sich Charly am Vortag mit dem Manual schlau gemacht hatte, konnte er den Dichtring rasch montieren. Gut hatten wir genügend Fett dabei und so war das Auto bald wieder heil. Charly überprüfte im Motorraum Wasser, Öl und Bremsflüssigkeit. Der Luftfilter war auch nicht mehr der Beste und so wurde auch dieser ersetzt. Als wir endlich fertig waren, war schon wieder fast 16 Uhr. Wir fuhren trotzdem noch in die Stadt um den Ölwechsel zu machen. Wir fuhren gerade durch die Stadt, da trafen wir per Zufall auf den Autohändler vom Vortag. Dieser sagte sogleich, dass wir ihm folgen sollen und zeigte uns, wo wir den Ölwechsel machen könnten.
Er fuhr mit uns an seinem Geschäft vorbei und 500 m weiter in eine Querstrasse. Dort war ein Autoersatzteilhändler, welcher uns erlaubte in seinen Hinterhof den Ölwechsel selber zu machen. Ein Schwarzer half Charly die Behälter zu leeren. Der Besitzer war sehr nett und hilfsbereit. Bald war auch seine Tochter bei uns. Sie sprach besser englisch als ihr Vater und freute sich wieder einmal englisch reden zu können. Sie war ein Jahr in den USA als Aupairmädchen gewesen. Sie war noch ziemlich jung und arbeitete im Büro des Vaters. Sie wollte uns eine Melone bringen, doch wir lehnten ab. Da sie noch zu tun hatte, wollte sie, dass ich sie ins Büro begleite, damit wir uns dort weiter unterhalten konnten. Charly kam auch bald nach und so plauderten wir eine ganze Weile. Ihr Vater wollte von uns kein Geld, das Öl müsse er sowieso wegbringen und die Arbeit hätte ja Charly selber gemacht. Das war aber nett!
Das Geschäft lief zwar nicht schlecht, doch hatte der Besitzer des Gebäudes den Mietzins ins unermessliche steigen lassen, so dass sie Ende Monat ihr Geschäft in Upington schliessen müssen. 15 km ausserhalb haben sie ihr Haus, dort wollen sie das Geschäft in verkleinerter Form weiterführen. Tja, da ist einer gierig und der andere muss seine jahrelang aufgebaute Existenz zerstückeln.
Wir tauschten die Adressen aus und fuhren anschliessend einkaufen. Da wir keine Lust mehr hatten zu kochen, gingen wir in unser Lieblings-Restaurant „Spur“. Charly vertilgte wieder sein 600 gr. Steak, während ich mit 300 gr. Filet zufrieden war. Das Bier aus dem Fass war etwas schal und Charly informierte die Kellnerin. Der Manager kam sogleich, entschuldigte sich und man brachte sofort eine Flasche Bier.
Vollgefressen fuhren wir zurück zum Campingplatz und nahmen es gemütlich. Eine Katze war auch bald wieder da, doch hatte sie heute Pech.
Nach unserem Frühstück fütterte ich die Vögel mit etwas altem Brot. Dabei war ein wunderschöner rot-schwarzer Oryx-Webervogel im Brautkleid. Charly holte sogleich seine Kamera und schoss ein paar Fotos. Anschliessend räumten wir unsere Sachen ein und fuhren los. Heute wollten wir weiter zum Augrabies Wasserfall.
Wir fuhren auf der N14 nach Süd-Westen. Links und rechts von der breiten Teerstrasse waren zahlreiche Weingüter und entsprechend viele Weinreben. Besonders am Oranje Fluss entlang war die ansonst trockene Umgebung satt grün. Es wurde fleissig angebaut in dieser Region. In Kakamas machten wir uns auf die Suche nach den alten Wasserrädern. Diese wurden vor über 100 Jahren gebaut und einige davon sind immer noch in Betrieb. Sie schöpften Wasser vom Kanal, doch heute dienen sie wohl nur noch touristischen Zwecken, da das geschöpfte Wasser ungenutzt zurück in den Kanal floss. Es war trotzdem interessant zu sehen, wie erfinderisch sich die Leute zu jener Zeit zu helfen wussten.
Wir bogen wenig später von der N14 ab und fuhren zum Augrabies Falls National Park. Auch hier waren links und rechts von der Strasse Reben angepflanzt. Teilweise hingen noch schwer Trauben an den Rebstöcken. Bereits geerntete Trauben waren zum Trocknen auf dem Boden ausgebreitet. Diese Gegend ist bekannt für ihre Dörrfrüchte. Jetzt wissen wir woher die Rosinen in Südafrika stammen. Ein angenehmer süsslicher Duft lag in der Luft.
Wenig später gelangten wir an das Eingangstor des Parks. Wir mussten unsere Angaben auf einem Zettel notieren, mit welchem wir dann zum Head Office geschickt wurden. Dank unserer Wild Card mussten wir keine Eintrittsgebühr bezahlen. Ohne diese Karte hätten wir pro Person und Tag 60 Rand bezahlen müssen. Der Campingplatz kostete 105 Rand pro Nacht. Auch in Südafrika hatte man in den letzten Jahren die Preise für Überseetouristen drastisch angehoben. Einheimische zahlen nur ein Drittel von unserem Preis.
Als wir aus der Rezeption kamen, liefen wir gleich zu den Wasserfällen. Es war drückend heiss, kein Windhauch ging und der Himmel war stark bewölkt. Das sieht nach Gewitter aus, dachten wir uns und beeilten uns. Bei den Wasserfällen hatte man die Stegs neu gemacht und leider hat das Gebiet dadurch stark an Charme verloren. Bei den oberen Fällen trafen wir auf ein nettes älteres Ehepaar aus Lübeck. Sie waren für ein paar Wochen mit einem Mietauto unterwegs. Eigentlich waren sie eher Ostafrika-Fans, doch Südafrika schien ihnen auch ganz gut zu gefallen. Wir erzählten ihnen von unserer Tour und sie waren ganz begeistert. Wir liefen gemeinsam um die Fälle und quatschten uns auf dem Rückweg fest. Es gab ja auch wieder so viel zu erzählen. Sie erklärten, dass sie im nächsten Jahr nach Namibia fahren wollten und da haben wir natürlich Ollis Tour wärmstens empfohlen. Seine Strecke im Kaokoveld ist wirklich fantastisch, wie wir selber feststellen durften.
Wir verabschiedeten uns von den Beiden und fuhren anschliessend auf den Campingplatz. Gleich als wir ankamen, sahen wir einen alten Land Rover mit Namibia Kennzeichen. Bevor wir uns für einen Platz entschieden, drehten wir erst einmal eine Runde.
Schliesslich fanden wir einen passablen Platz, gar nicht weit weg von den Landi Fahrern. Wir schnappten uns ein kühles Bier und liefen zu den Beiden rüber. So lernten wir Wolfgang und Annette kennen. Sie waren erst 3 oder 4 Monate unterwegs und hatten ziemliche Probleme mit dem alten Landi. Sie hatten diesen von einem Bekannten bekommen und leider eine ziemlich kostspielige Überraschungen damit erlebt. Der Landi muss in einem erbärmlichen Zustand gewesen sein, weshalb sie ziemlich viel Geld investieren mussten, um diesen wieder halbwegs flott zu bekommen. Doch der Landi entpuppte sich auch auf der Reise als ein Fass ohne Boden und so hatten die Beiden beschlossen ihre Reise durch Afrika vorzeitig zu beenden. Nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschlang geht es dann dafür weiter nach Mittelamerika. Eigentlich sind die Beiden eher mit dem Fahrrad unterwegs, als mit einem Offroader. Wir verstanden uns auf Anhieb recht gut und da auch sie schon ziemlich in der Welt herumgekommen waren, fehlte es nicht an Gesprächsstoff. Wenig später kam ein BMW an - mit Münchner Kennzeichen! Nanu, dachten wir, wie ist der den hierher gekommen. Benno war Testfahrer bei BMW und geschäftlich hier. Wir hatten gar nicht geahnt, dass alle grossen Autohersteller aus Deutschland hier ihre Wagen testen. Sie hatten sogar eine Sondergenehmigung von Südafrika, dass sie auf der Teststrecke über 260 km/h fahren dürfen. Wobei die Teststrecke nichts anderes ist, als die N14 auf der wir hergefahren waren. Die BMW Leute waren alle im Augrabies N.P. untergebracht, da BMW den Park finanziell unterstützt. Benno konnte leider nicht lange bleiben, doch versprach er, dass er am Abend nochmals vorbeischauen würde.
Wenig später fing es leicht zu regnen an und wir suchten uns einen Unterschlupf. Wolfgang und Annette hatten schon von uns gehört, insbesondere von unserem Überfall in Guinea. Wir mussten ihnen natürlich nochmals genau erzählen wie alles abgelaufen war.
Als es aufgehört hatte zu regnen, gingen wir zurück zu Snoopy und spannten eine Plane auf, denn es sah nach weiterem Regen aus. Wir quatschten und quatschten. Schliesslich war es Zeit für das Abendessen. Wir kauften im Laden vom National Park etwas Holz und grillten am Abend. Wir hatten gerade unser Abendessen soweit, da fing es auch schon entsetzlich an zu regnen. Der Wind blies stark und der Regen kam quer unter die Plane. Es half alles nichts wir mussten die Seitenplane ebenfalls montieren. Das untere Ende der Plane klemmten wir unter unsere Stühle, da der Wind so heftig war.
Wir sassen trotz des ungemütlichen Wetters weiterhin beisammen und unser Gesprächsstoff war endlos. Jeder wusste eine Story zu erzählen. Da tauchte auch Benno wieder auf und gesellte sich zu uns. Er hatte schon einen leichten Schwips. Wir hatten alle schon unsere paar Bierchen und etwas Wein weg. Wir plapperten und plapperten. Annette war die erste, die genug hatte und sich verabschiedete. Als auch ich nach einiger Zeit zu Bett gehen wollte, meinte man, ich sei ein Spielverderber. Sie wollten wissen wie spät es denn sei. Ich sah auf die Uhr und traute schier meinen Augen nicht. Es war 4 Uhr morgens. Als ich dies den anderen mitteilte, glaubten sie mir nicht einmal. Ich musste den Wecker zeigen. Nun war es aber wirklich Zeit ins Bett zu gehen.
Da wir erst so spät ins Bett gegangen waren, waren wir natürlich an diesem Morgen nicht besonders munter. Träge räumten wir unsere Sachen zusammen, die wir am Vorabend oder besser gesagt am frühen Morgen hatten stehen lassen. Der Regen hatte inzwischen Gott sei Dank aufgehört.
Annette kam als erste herüber und wir wuschen gemeinsam das Geschirr ab. Danach gab es Frühstück, wobei auch Wolfgang herüber kam. Frühstück mochte er keines, doch ein Bier würde helfen meinte er. Man soll ja immer mit dem Starten, womit man am Vortag aufgehört hatte. Nun ja, wir zogen dennoch den Kaffee vor. Unsere Kaffeerunde dehnte sich wiederum unendlich aus, denn wir hatten immer noch ein unerschöpfliches Repertoire an Erlebnissen zu erzählen. Bald war es Nachmittag und Benno kam uns wieder besuchen. Der Gute hatte trotz der späten Heimkehr und etlichem Alkohol bereits morgens wieder gearbeitet. Er mochte keinerlei Alkohol mehr sehen und begnügte sich mit einer Cola. Später tranken wir gemütlich einem Cappuccino, welchen Wolfgang für uns kochte.
Am späten Nachmittag kam ein weisser TD5 Land Rover mit Genfer Kennzeichen an. Wie sich herausstellte war dieses ältere Ehepaar ebenfalls die Westküste runtergefahren. Hut ab, denn die Leutchen waren schon um die 70. Er war nicht mehr so fit und trotzdem hatten sie die Reise gewagt. In Südafrika werden sie ihre Kinder treffen und gemeinsam nach Namibia reisen. Danach wir der Landi zurück in die Schweiz verschifft. SUPER!
Später verliess uns Benno wieder. Wolfgang und Annette gingen in den Swimmingpool, während ich zu den Wasserfällen lief. Charly hatte zu nichts Lust und blieb beim Auto. Auf dem Weg zu den Wasserfällen begegnete ich wieder den Lübeckern. Es war schon fast, als wenn man alte Bekannte wieder trifft.
Wir hatten leider so lange gequatscht, dass die Sonne bereits schon am untergehen war, bis ich endlich die Wasserfälle erreichte. Einige Dassies (Nagetiere) liefen herum, aber kein einziger Tourist. Ich wanderte zu den oberen Fällen und danach weiter zu der Aussichtsplattform, von welcher man eine schöne Panoramasicht hatte.
Viele Regenbogenechsen nutzten die letzten Sonnenstrahlen um sich nochmals richtig aufzuwärmen, bevor die kühle Nacht hereinbrach.
Wieder zurück beim Campingplatz, war es auch schon wieder Zeit für das Abendessen. Wie für Südafrika üblich, hatten wir auch diesen Abend ein Braai, d.h. wir hauten unser Fleisch und das Gemüse auf den Grill. Das Bier bzw. der Wein dazu durfte natürlich nicht fehlen, sonst wäre dies kein richtiges Braai. Heute hielten wir uns aber deutlich zurück mit dem Alkohol, denn morgen wollten wir alle wirklich abfahren. Eigentlich hatten wir ja schon heute fahren wollen, aber wie das Leben halt so manchmal spielt. Jedenfalls wurde es an diesen Abend nicht so spät.
Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück mit Wolfgang und Annette rafften wir uns dann doch noch dazu auf weiterzufahren. Wir verabschiedeten uns von den Beiden und auch von den Genfern, dann verliessen wir den Park. Wieder fuhren wir an den grossen Trockenplätzen für Weintrauben vorbei. Zu gerne wäre ich kurz ausgestiegen und hätte ein paar Trauben stibitzt.
Die Strecke auf der N14 bis nach Springbok war überwiegend monoton. Alles ging gerade aus und die Landschaft war eher langweilig. Erst zirka 50 Kilometer vor Springbok erhoben sich ein paar Hügel in der endlosen flachen Ebene.
Da heute Sonntag war, waren alle Läden geschlossen. So fuhren wir direkt auf den Caravan Park. Es waren nur wenige Camper da. Wir hatten uns den Platz ausgesucht, da wir dringend waschen mussten und dieser Platz Waschmaschinen hatte.
Leider mussten wir feststellen, dass die Maschinen nur mit kalten Wasser wuschen. Ich ging nochmals zum freundlichen Besitzer, doch leider gab es keine Möglichkeit mit warmen Wasser zu waschen. Nun ja, besser mit kalten Wasser als gar nicht. Also packten wir unser ganze dreckige Wäsche in die amerikanischen Waschmaschinen. Nach noch nicht einmal einer halben Stunde war die Maschine auch schon fertig mit waschen. Da es bereits später Nachmittag war, warf ich die Wäsche in den Tumbler. Eigentlich hasse ich die Dinger, aber wenn es nicht anders geht, dann halt.
Am Abend wurde es empfindlich kühl. Charly hatte gar keinen Hunger und so machte ich mir eine Tassensuppe.
Bevor wir Springbok wieder verlassen konnten, mussten wir auftanken und einkaufen. Die Engen Tankstelle hatte noch nicht einmal ein Büro und Kreditkarten wurden auch nicht akzeptiert, dafür war der Preis ziemlich hoch. Sogar im entlegenen Kgalagadi Transfrontier N.P. war der Treibstoffpreis noch günstiger als hier.
Charly kaufte bei Midas noch schnell Batteriewasser, dann gingen wir in die Tourist-Info. Die Dame dort war ausserordentlich bemüht, doch konnte sie uns nicht dabei helfen die Maschine von Ricks Vorfahren ausfindig zu machen. Die 4x4-Strecke vom Richtersveld N.P. nach Vioolsdrif kann nur mit einer entsprechenden Karte und Routenbeschreibung befahren werden. Natürlich war dies nicht kostenlos, sondern kostete 150 Rand.
Wir hatten nicht gefrühstückt und inzwischen war es schon wieder früher Nachmittag. So waren wir sehr hungrig und wollten deshalb einmal die Wimpy Fastfood-Kette testen. Die Bedienung war nett und auf Draht. Der Hamburger war allerdings nicht besonders gut, aber immer noch wesentlich besser als im Kentucky Fried Chicken.
Anschliessend verliessen wir Springbok und fuhren auf der N7 bis nach Steinkopf und bogen dort auf die R382 nach Port Nolloth ab. Wir überquerten den Anenous Pass, welcher doch etwas Abwechslung bot, danach wurde es flach sehr flach bis zur Küste.
In Port Nolloth fuhren wir gleich zum Hafen, wo die Schiffe lagen, welche Diamanten vom Meeresboden bargen. Sie hatten dicke Schläuche hinten angehängt. Wie mit überdimensionalen Staubsaugern wird der Meeresboden aufgesaugt, die Masse läuft auf dem Schiff durch eine Art Waschtrommel, wo die hübschen Steinchen hängen bleiben, während die unbrauchbare Masse wieder zurück ins Meer fliesst.
Es war ziemlich windig und wir suchten den McDougalls Bay Caravan Park. Leider hatte die Anlage auch schon bessere Tage gesehen. Charly gefiel es gar nicht, obwohl wir gleich hinter dem schmalen Strand einen Standplatz hatten. Es war im zu kalt und zu windig. Ich wollte trotzdem bleiben, denn Port Nolloth ist auch für seine Langusten bekannt.
Am Abend hatten wir drei Restaurants zur Auswahl, oder besser gesagt zwei, denn das Restaurant Mama war geschlossen. In Anitas Taverne hing ein unangenehmer Mief, so landeten wir schliesslich im Hotel Scotia Inn, wo wir eine grosse Platte mit Meerfrüchten bestellten. Als Vorspeise teilten wir uns Muscheln mit einer Knoblauch-Creme-Sauce. Alles war ganz köstlich.
Erst beim Zahlen gab es dann Probleme. Der erste Ausdruck war von der Maschine gefressen worden. Daraufhin hatten die Damen eine Rückvergütung veranlasst. Da die Karte beim erneuten Versuch verweigert wurde, trat man nun an uns heran. Wir könnten nochmals am nächsten Morgen vorbeikommen und es abermals mit der Karte versuchen. Das Vertrauen der Leute war wahnsinnig. Wir könnten ja genauso gut abhauen. Wir bedankten uns und versprachen am nächsten Tag erneut vorbeizukommen.
Die Sanitärenanlagen des Campings liessen zu wünschen übrig. Die Putzfrau sang dafür lautstark und tat so, als hätte sie einen grossen Auftritt in einer Fernsehsendung.
Wieder einmal ohne Frühstück abgereist, da Charly den Platz nicht so gemütlich fand. Zuerst fuhren wir nach Port Nolloth ins Scotia Inn, wo Charly schliesslich die Rechnung bar bezahlte. Die Karte wurde nicht akzeptiert, da unsere Ausgaben für den Januar das von uns gesetzte Limit erreicht hatte.
Anschliessend verliessen wir Port Nolloth in Richtung Norden. Die Strasse war geteert und wir konnten zwei Diamant-Minen in Strandnähe sehen. Natürlich war es ausserordentlich verboten die Strasse zu verlassen, zudem war das Gebiet eingezäunt. Wir fuhren auf guter Teerstrasse bis Alexander Bay und weiter bis zur Kreuzung nach Oranjemund, wo dann die Teerstrasse endete. Ab hier gab es nur noch eine gute Schotterpiste. Wir kamen an den Gehegen einer Straussenfarm vorbei, wo wir Zeugen eines Straussenpornos wurden. Der Hahn bestieg die Henne, welche auf dem Boden sass. Dabei bewegten die beiden Turteltäubchen ihre Hälse im gleichen Takt hin und her. Es war ganz witzig den Beiden zu zuschauen. Lange dauerte der Akt allerdings nicht, sehr zum Leidwesen von Charly. Er wollte nämlich gerade ein Foto schiessen, da war auch schon alles vorbei.
Wir fuhren weiter auf der Piste, bis wir zu einem Minengebiet kamen. Charly wollte unbedingt reinfahren, er hoffte wahrscheinlich auf ein paar Steinchen, die man nur noch vom Boden aufzuheben braucht. Wir fuhren bis zum Oranje Fluss, doch ausser Schottersteine haben wir keine Steinchen gesehen.
Wir fuhren bald darauf weiter in Richtung Richtersveld. Die Piste wurde immer ungemütlicher und so liessen wir etwas Luft aus den Reifen. Dabei entdeckte ich die ersten blühenden Sukkulenten.
Auf unserer weiteren Fahrt entdeckten wir weitere Diamantenminen. Das Minengebiet war mit Draht und teilweise sogar mit Strom vor ungebetene Gäste geschützt. Ein Strassenschild wies daraufhin, dass man die Diamantenklauer melden soll und man dies unter einer bestimmten Nummer auch anonym machen kann.
Wir kamen schliesslich an eine Kreuzung, wo wir nicht sicher waren, welches nun der richtige Weg war. Wir entschieden uns für den Wegweiser auf dem Reuning stand. Wie sich später herausstellte, war damit auch eine Diamantenmine gemeint. Wir gelangten schliesslich an die Pforte der Reuning Diamanten Mine und wir befürchteten schon, dass wir wieder alles zurück fahren müssten. Doch mussten wir uns nur registrieren und bekamen einen Laufzettel, welchen wir beim Verlassen des Parks wieder abgeben müssen.
Wir fuhren durch die offene Schranke und stellten fest, dass wir wieder einen Platten hatten. Diesmal war er hinten rechts. Leise fluchend wechselten wir den Reifen, während ein Wachposten bei uns blieb. Ein Weisser hielt und offerierte uns, dass wir den Reifen bei ihrer Tankstelle von der Felge lösen könnten. Wir sagten gerne zu. Wie es sich später herausstellte, war der Mann der Manager vom Richtersveld National Park. Wir trafen ihn in der Rezeption vom Park wieder.
Wie wir dem Buch an der Rezeption entnehmen konnten, war der letzte Besucher am 10.01.2006 hier gewesen. Die Schwarze hinter der Theke war sehr nett und hilfsbereit. Sie gab uns ein paar Fotokopien zur Info vom Park sowie einen kleinen Plan mit GPS-Daten. Sie informierte uns welche Piste geschlossen waren und bemerkte auch das die Strecke zwischen De Hoop und Richtersberg zu weichsandig sei. Wir bedankten uns und fuhren zur Tankstelle. Dort drückten wir mit einer vorsintflutlichen Vorrichtung den Reifen von der Felge. Leider war das Gerät so „gut“, dass wir uns damit den Reifenrand verletzten.
Den Weg zur richtigen Piste zu finden, war gar nicht so einfach. Es gab zu viele Abfahrten, welche alle mehrheitlich auf dem Gebiet der Reuning Mine endeten. Wir landeten bei einem Steilabbruch. Dort war früher abgebaut worden, heute wird hier nur noch der Müll deponiert. Wir kehrten um und fanden die richtige Piste. Wir fuhren zum Campareal von Pokkiespram. Dieses Camp gefiel uns ganz und gar nicht. Es gab dort kein Wasser und zum Fluss konnten wir weder laufen noch fahren. Aus diesem Grund fuhren wir weiter über ein paar enge Pässe zum De Hoop Campareal. Die Strecke war ganz schön schwierig und nur für 4x4 Fahrzeuge möglich. Langsam kraxelten wir mit Snoopy über die steilen und grobsteinigen Pässe. Dann gelangten wir in eine Ebene und folgten dem weichsandigen, trockenen Flussbett, bis wir in De Hoop angelangt waren. Auf der anderen Seite des Oranje Flusses war bereits Namibia und die Berge spiegelten sich im Fluss. Hier konnten wir direkt neben dem Fluss campieren und Wasser gab es auch in der Dusche, ja es gab sogar ein WC mit Wasserspülung... und das in dieser Wildnis.
Charly machte sich sogleich daran den Reifen von der Felge zu ziehen. Ich half ihm, wo ich konnte, doch der Reifen wollte sich einfach nicht lösen - egal wie wir es anstellten. Je länger es ging desto genervter war Charly. Schliesslich fiel ihm wieder der Trick mit dem Spülmittel ein und siehe da der Reifen flutschte von der Felge. Die Dusche an diesem Abend hatten wir uns redlich verdient.
Die Nacht war lauwarm und sternenklar. Es waren Millionen von Sternen zu sehen. Die ganze Nacht hörten wir die Fische springen. Pflatsch Pflatsch!
Ich war heute früher wach als Charly und ging am Fluss etwas spazieren. Ich setzte mich auf einen Stein am Ufer und buddelte etwas im Wasser. Genauer gesagt ich suchte nach einem Diamanten, dabei bemerkte ich plötzlich, dass etwas über meinen Fuss schlich. Ich erschrak und bemerkte, dass ein Flusskrebs sich unter dem Stein hervorgewagt hatte. Ich weiss nicht wer mehr erschrocken war, der Krebs oder ich.
Mein Ausflug hatte länger gedauert und inzwischen war Charly wieder einmal mit Snoopy beschäftigt. Er füllte Batteriewasser auf und kontrolliere Öl und Wasser.
Weil die Lady von er Park Rezeption die Strecke von De Hoop nach Richtersberg als zu weichsandig bezeichnet hatte, reizte sie natürlich Charly um so mehr. Ich wollte die Strecke anfänglich nicht fahren, aber nicht wegen dem Sand, sondern wegen dem engen Felsstück welches gleich hinter unserem Camp begann. Doch Charly zirkelte Snoopy zwischen den grossen Felsbrocken durch. Danach kamen noch ein paar schwierige felsige Passagen, - doch die angeblichen so weichsandigen Passagen waren problemlos für uns zu befahren.
Richtersberg das Camp gefiel uns auf Anhieb, da wir direkt neben dem Fluss campieren konnten, jemand schon für uns Brennholz gesammelt hatte und wir eine fantastische Aussicht auf die Berge hatten. Spontan beschlossen wir zu bleiben.
Da es leider keinen Baum gab der Schatten spendete, montierten wir unser Plane. Wir setzten uns darunter, doch wurde die Hitze immer drückender. Ich hielt es mit meinem T-Shirt nicht mehr aus und zog es aus. Charly kramte Flossen und Schnorchel hervor. Damit machte er sich dann auf Diamantensuche im Fluss. Das Wasser war aber so braun, dass er die Hand nicht vor seinen Augen sehen konnte. Die Strömung war in der Flussmitte auch nicht ohne. Ich musste ihn einige Male warnen.
Wir tranken am Nachmittag Wasser wie die Kamele, ständig hatten wir Durst. Später montierten wir die Hängematte zwischen ein paar Büschen. Ich legte mich gleich mit einem guten Buch rein, während Charly die Matte benutzte. Die Hitze war unerträglich und kein Windhauch war zu spüren. Gemäss unseres Thermometers hatten wir 46 Grad im Auto. Wobei wir es im Auto noch als relativ angenehm empfanden. Es war heiss unglaublich heiss.
Ich gesellte mich wieder zu Charly. Er musste auf die Toilette und entdeckte dabei zwei neugeborene Lämmer, die in einem engen Gehege eingesperrt waren. Wahrscheinlich hatte ein Hirte sie hier zurück gelassen, da sie noch zu jung waren für einen Weidegang. Der Pflanzenwuchs war nur direkt am Ufer gut, weiter weg war der Boden trocken und karg. Charly kam zurück und warnte mich. Wo die Schafe sind, da ist auch ein Hirte, was so viel hiess zieh dein T-Shirt wieder an. Ach nööö, dachte ich und zog widerwillig mein T-Shirt an. Charly ging anschliessend in die Hängematte, doch nicht lange, denn sie riss an einer Stelle ein.
Wenig später hörte ich auch schon neben unserem Auto, wie ein Schwarzer Wasser aus dem Fluss schöpfte. Es war der Schäfer. Einige Schafe machten sich auch auf den Weg zum Fluss.
Inzwischen war es schon später Nachmittag und die Hitze liess so langsam etwas nach.
Es zogen zudem ein paar Wolken auf und weit entfernt konnten wir sogar den Regen sehen.
Wir wollten nicht im Nassen grillen, also starteten wir unser Lagerfeuer sofort. Wir hatten Lamm (im Supermarkt gekauft ehrlich!) mit Folienkartoffeln und je einen Maiskolben. Wir hatten gerade die Hühnerbrüstchen auf den Grill gelegt, da entdeckte Charly, dass sich da was anschleicht. Mit der Taschenlampe fanden wir schnell heraus, - wer sich da anschlich. Es war einer der vier Hunde des Schäfers. Unschuldig und in geduckter Haltung verharrte er, als wir ihn ertappten. Er war grau und eine Mischung aus Wind- und Wolfshund. Er war spindeldürr. Die Knochen und Rippen standen markant heraus. Ich gab ihm die Knochen vom Lamm. Die Kartoffel verschmähte er. Da er so entsetzlich mager war, öffnete ich eine Dose Corned Beef für ihn. Diese war natürlich schnell verschlungen. Er sah aber immer noch entsetzlich hungrig aus. Da setzte ich auch meinen treuen Hundeblick Nr. 728 auf und bezirzte Charly. Zusammen waren wir schliesslich unschlagbar und der Hund bekam auch noch unsere zwei Hühnerbrüstchen. Ganz zaghaft nahm er das von Hand dargebotene Fleisch an. Beim zweiten Stück schnappte er zielsicher nach den zugeworfenen Happen. Er war überhaupt nicht aufdringlich. So gut und reichlich hatte das Tier wahrscheinlich schon lange nicht mehr gefressen.
In der Nacht war es so warm, dass wir weder Schlafsack noch irgend ein Kleidungsstück vertrugen.
Wir hatten kaum unser Frühstück beendet, da stand auch schon wieder der halbverhungerte Hund vor unserem Snoopy. Scheu blickte er aus einer gewissen Distanz in unsere Wohnkabine und damit wir ihn auch wirklich nicht übersehen, kam immer ein Stückchen näher. Charly wollte diesmal hart bleiben, doch schlussendlich gab es doch eine Büchse Schinken für ihn. Es war noch früh am Morgen, doch die Sonne brannte schon wieder vom Himmel herunter. Die umliegenden Berge und der Fluss boten eine schöne Aussicht.
Zwei Schwarze fuhren mit ihren Kanus den Oranje herauf. Der Hirte stand schon am Ufer parat, anscheinend brachten die Kanufahrer bestimmte Waren mit. Es lagen viele Ziegen und Schaffelle in den Booten, das war wahrscheinlich das Zahlungsmittel für die mitgebrachten Waren. Die afrikanische Trapper Version.
Als wir aufbrechen wollten kam dann die böse Überraschung, beide Standard-Batterien vom Auto waren leer. Snoopy tat keinen Mucks. Charly wetterte, was denn nun schon wieder los sei. Schliesslich dämmerte es ihm. Er hatte am Vortag das Batteriewasser aufgefüllt und wir waren nur wenige Kilometer gefahren. Da wurde die Batterie nicht ausreichend geladen und hat sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich entladen. Charly schloss Snoopy an die Gel-Batterien an und siehe da, wir konnten starten. Gut hatten wir zusätzliche Batterien an Board.
Wir fuhren auf die Hauptpiste und bemerkten einen komischen Geruch. Es roch nach Säure! Wir hielten an und sahen unter der Motorhaube nach. Tatsächlich die vordere Batterie kochte. Sch...eibenkleister! Charly konnte die Batterie abhängen, aber so wollten wir nicht mehr weiter zum Kokerboomkloof fahren. Wir liessen die Runde aus und fuhren stattdessen zurück nach Sendelingsdrif. Die Piste war mässig. Besonders schlimm wurde es aber als wir wieder die beiden Pässe überwinden mussten. Es war eng, steil und grosse Felsbrocken galt es zu überwinden. Die schöne, aber bizarre und karge Bergwelt entschädigte uns für die Mühen. Auch die eigenartigen Pflanzen waren schon genug Grund hier her zu fahren.
Wir hatten gerade die letzte Passhöhe erreicht und waren auf den Runterweg, da hörten wir plötzlich ein verdächtiges Pffffffff. Sch... Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ausgerechnet jetzt, wo wir an so einer steilen Stelle stehen und es zudem auch noch sehr schmal war.
Schnell stiegen wir aus und erkannten, dass der geflickte Reifen seinen Pfropfen verloren hatte. Wahrscheinlich war dieser an einem Felsen hängen geblieben. Schnellstens holten wir unser Flickzeug aus dem Auto und konnten gerade noch rechtzeitig einen neuen Pfropfen einsetzen. Puuhhh, nochmals Glück gehabt. Wie wir hier den Reifen gewechselt hätten, - keine Ahnung!
Auf unserem Weg zum Ausgang des Parks hielten wir immer wieder an, denn es gab so einige Blumen, Sukkulenten und Sträucher, die ich noch fotografieren wollte.
Schliesslich war das Gate erreicht und wir gaben den Laufzettel an der Pforte der Reuning Mine wieder ab.
Wir fuhren die Piste zurück nach Alexander Bay und wechselten dort den Reifen. Doch der Reifen den wir in Richtersveld platt gefahren hatten, hatte nun eine Luftblase am Felgenrand. Mit geringer Geschwindigkeit fuhren wir nun auf der Teerstrasse direkt bis nach Springbok.
Der Caravan Park war heute bedeutend voller. Ein Overland-Truck war da und hatte diverse Teenies geladen. Unsere direkten Nachbarn kifften was das Zeug hielt und ihre Rauchschwaden flogen des öfteren zu uns herüber.
Charly war zuerst mit der Batterie beschäftigt. Er schloss Snoopy am Strom an und lud die Batterie langsam. Mit Erfolg, wie es sich später herausstellte.
Gegen 22 Uhr gab es dann endlich Abendessen. Todmüde gingen wir bald darauf schlafen.
Beim Abwasch kamen wir wieder nicht vorwärts, da wir nette Österreicher getroffen hatten. Sie erklärten uns, dass man einen Antrag für ein Halbjahresvisum stellen kann und man danach die Wild Card zu Südafrikanischen Preisen erhält. Das Visum wäre einfach zu besorgen, wenn man nachweisen kann, dass man finanziell unabhängig ist. Sie erzählten uns auch von dem ehemaligen verträumten Fischerdorf Paternoster und der Saldanha Bay. Diese wilde und raue Küste, wo es ihnen sehr gut gefallen hatte. In einer kleinen Bucht kann man sogar schwimmen, während die restliche Westküste Südafrikas eiskalt ist, wegen des Benguela-Stromes aus der Antarktis. Das hörte sich gut an!
Bald darauf fuhren wir los. Wir folgten der N7 nach Süden. Die Landschaft war karg und langweilig bis zirka 50 km vor Clanwilliam. Da tauchten dann der erste Tafelberg auf. Clanwilliam ist eine der ältesten Städte in Südafrika, leider hatte Charly keine Lust auf eine Stadtbesichtigung. Auch die Cedarberge interessierten ihn nicht. Er hatte genug Berge gesehen und wollte keine Offroad-Strasse mehr fahren er wollte nur noch ans Meer. Nichtsdestotrotz war die Landschaft am Olifant-Fluss entlang traumhaft schön. Die Felder waren gut bewässert worden und zahlreiche Reben waren angepflanzt. Im Wasser vom Clanwilliam-Damm spiegelten sich die Cedarberge.
Je näher wir nach Citrusdal kamen, desto mehr Orangenbäume sahen wir. Zur Erntezeit müssen hier Tonnen von Orangen bewegt werden.
Kurz nach Citrusdal mussten wir den gutausgebauten Piekenaarskloof-Pass überwinden. Wir fuhren weiter auf der nun gutbefahrenen N7. Die Autos waren mehrheitlich neue moderne Audis, BMWs, Mercedes und Toyotas. Sie rauschten in einem Affenzahn an uns vorbei. Auf der anderen Seite des Passes sahen wir dann auch einen schweren Unfall. Charlys Erklärung dazu war lediglich: „Was fahren die auch wie die Affen.“
Bei Piketberg verliessen wir die N7 und fuhren nun auf einer ruhigen Landstrasse nach Velddrif. Ein kleines unscheinbares Städtchen. Das 11 km entfernte Vredenburg war dagegen schon eine richtige Stadt, mit vielen Shops und Restaurants. Wir interessierten uns aber nur für Paternoster. Dies war ein hübsches kleines Örtchen mit viel Charme. Es gab allerdings auch jede Menge neue, aber stilgerechte Strandhäuser. Auf der Strasse hielten uns ein paar s schwarze Jungs Langusten entgegen. Dieser Ort ist bekannt für seine frischen Langusten.
Wir fuhren jedoch weiter zum Cap Columbine Nature Reserve, wo wir direkt am Meer zwischen grossen Runden Felsen und Klippen für 74 Rand campieren konnten. Es gab zwei Varianten von Camping hier, entweder abseits zwischen den Klippen mit viel Wind, oder geschützt im grossen Campingareal zwischen all den anderen eingepfercht. Uns fiel die Entscheidung leicht. Weg von der Masse, denn es war Freitag und jede Menge Leute waren übers Wochenende aus Kapstadt und Umgebung hier. Wir zogen das sogenannte „Beach Camp“ vor, auch wenn es dort recht windig war. Landschaftlich war es sehr schön. Das Meer brach sich tosend in den Klippen und die Gischt stob in die Luft. Der farbenprächtige Sonnenuntergang fand direkt vor unserer Haustür statt.
Ausser uns war nur ein Pärchen in der Bucht. Sie war Engländerin und er Südafrikaner. Beide waren sehr nett. Sie war etwas traurig, denn sie musste übermorgen wieder zurück ins noch viel kältere England.
Wir hatten ein Plätzchen eng an einem runden Felsen gefunden, welcher uns etwas Schutz gab. Es war bitterkalt. Trotz des kalten, stürmischen Windes wollte Charly sich mit unserer Buschdusche waschen. Ich verzichtete freiwillig.
Später bauten wir einen kleinen Windschutz aus Steinen und kochten unsere Abendessen.
Wir liessen seit langen wieder einmal die Heizung laufen, schliesslich waren wir 26 Grad an aufwärts gewöhnt. Hier war es aber 22 Grad kalt.
Charly war schon vor mir wach. Er war deshalb schon mal auf Erkundungstour gegangen und lief über die Klippen bis zum Meer. Als er zurück kam, erzählte er mir von den massenhaften Muscheln, die an den Felsen hingen. Kaum hatte er dies ausgesprochen, sahen wir auch schon den Parkwärter die Felsen hochklettern. Wenig später kam er mit einem grossen Plastiksack mit Miesmuschel zurück. In der Zwischenzeit hatte sich ein weiteres Auto zu uns gesellt. Ein Paar mit einem Kind. Zuerst sind sie gemeinsam über die Felsen geklettert, dann aber sass die Frau mit dem Kind im Auto. Komisch dachten wir. Etwas später sahen wir dann ihren Mann, wie er eine grosse, schwere Sporttasche voller Muschel über die Felsen hievte. Muscheldiebe!
Kurz darauf machte auch ich mich auf den Weg zu den Felsen. An der Brandung entlang klebten tonnenweise Muscheln an den Felsen. Ich wusste zwar wie lecker diese schmeckten, doch unterliess ich es trotzdem Muschel zu klauen. Die Natur war heute schon genug geschädigt worden.
Wir packten zusammen und verabschiedeten uns von unseren Nachbarn. Wir fuhren zur offiziellen Campsite. Meine Güte, da sassen die Leute dicht an dicht, wie in Südfrankreich oder Spanien. Neee, dazu hatten wir keine Lust. Leider war Wochenende und entsprechend alles überlaufen. So drehten wir eine kurze Runde im Natur Reservat und machten noch ein paar Fotos. In einer Bucht sahen wir viele kreischende Möwen im flachen Wasser und auf einem Felsen im Meer weisse Ibisse mit schwarzem Kopf und Kragen.
Danach verliessen wir den Park und fuhren wieder durch das an Südfrankreich erinnernde Städtchen Paternoster. Unser nächstes Ziel war Langebaan, also fuhren wir über Saldanha an der Bucht entlang nach Langebaan. Dies war einst ein ruhiges Fischerdorf, doch heute zieht es Angler, Surfer und Segler an. Es ging recht geschäftig in dem Städtchen zu und her. An einem Spar-Supermarkt wollte ich noch Brot holen. Da hatten die doch tatsächlich Hamburger Schwarzbrot und Holsteiner Vollkornbrot, neben Baguette und Knoblauchbrot. So eine Auswahl an Brot hatte ich in ganz Afrika noch nicht gesehen.
Auf unserem weiteren Weg zum West Coast National Park fuhren wir an vielen schönen Häusern und Villen vorbei. Hier wohnten keine armen Leute!
In der Bucht vor dem National Park waren viele Kite Surfer (Paraglider mit Wasserskiern) unterwegs. Die Bucht war wunderschön und hatte türkisfarbenes Wasser. Die Bucht glitzerte in der Nachmittagssonne. Wir fuhren zum nächsten Bird Hide, wo wir hofften einige Vögel beobachten zu können. Leider wurden wir enttäuscht, nur ein paar Möwen waren anwesend. Eigentlich sollten hier bis im März massenweise Vögel aus Osteuropa und sogar aus Sibirien überwintern. Wo waren die heute?
Wir fuhren zum nächsten Aussichtspunkt, doch dort hielten wir es nicht lange aus. Der Wind blies uns fast um. In Geelbek war das Visitor Centre. Das Haus war im Burenstil gebaut und schon über 160 Jahre alt. Ausgerechnet heute fand dort eine Hochzeit statt. Wir wollten die Gäste mit unserem Besuch nicht stören und fuhren weiter.
Wir fuhren weiter zum Abrahamskraal Wasserloch, doch auch hier trafen wir nur wenige Blesshühner und Strandläufer an. Auf dem Rückweg kreuzte dafür eine Pantherschildkröte unseren Weg. Highspeed mässig kroch sie über die Piste.
Wir fuhren die Landzunge weiter hoch bis nach Kraalbaai. Dort konnte man herrlich schwimmen und relaxen, doch war es inzwischen zu spät für uns. So fuhren wir noch das letzte Stück bis Tsaarsbank, wo wieder Klippen ins Meer gingen und eine Picknick-Area für Tagesbesucher aufgestellt worden war. Auf der anderen Seite der kleine Bucht konnte man ein Schiffswrack erkennen.
Der Postberg war geschlossen, denn dieser ist für die Öffentlichkeit nur während des südafrikanischen Frühjahrs geöffnet, dann wenn alle Blumen blühen.
Da es bereits schon spät war, kehrten wir um und verliessen den Park wieder.
Bei Yzerfontein wollten wir im Caravan Park übernachten, doch war das Büro bereits seit 17 Uhr geschlossen und das Gate zu. Nur mit einem Batch konnte man nun noch hinein. Das gesamte Städtchen war voller nobler Strandhäuser und wir sahen, dass am Strand entlang etliche Grundstücke ausgesteckt waren und zum Verkauf angeboten wurden.
Wir konnten von hier aus bereits den Tafelberg von Kapstadt erkennen. Wow!
Es half alles nichts, wir mussten wieder zurück auf die R27 und nach einem Campingplatz suchen.
Im West Coast District - Ganzekraal Holiday Resort - fanden wir endlich einen Campingplatz. Für 100 Rand konnten wir dort übernachten. Auch hier war alles voll, doch wir hatten Glück und die Nummer 1 bekommen, d.h. wir waren ganz vorne bei den Felsen am Meer. Unsere Nachbarn waren Linda und Kubus. Beide waren sehr lieb und interessiert. So kamen wir während des Kochens ins Gespräch. Kubus bot uns einen Whiskey-Cola an. Da sagten wir nicht nein. Wir unterhielten uns sehr gut und so wurde unser Essen wieder kalt. Sie luden uns ein, doch zu ihnen rüber zu kommen. Was wir auch taten, aber erst nach unserem Abendessen. Schliesslich hatten wir eine feine Boerewurst gekauft. Eine typisch südafrikanische Wurst, die sehr lecker und würzig schmeckt. Braaiwurst dagegen ist sehr fettig und enthält viel - aber wenig Fleisch, wie uns Rick einmal erklärt hatte.
Nach dem Essen gingen wir ans Lagerfeuer von Kubus und Linda. Wir erzählten von unserer Reise und sie erzählten uns von Südafrika. Kubus war am Grillen, während wir uns unterhielten. Die Lieblingsbeschäftigung der Südafrikaner ist nämlich grillieren und Bier trinken. Es wurde wieder einmal spät und wir schlotterten, da es ziemlich frisch war. Wir hatten unseren Fleecejacken und Trekkingschuhen an, während Kubus bis spät in die Nacht in Shorts, T-Shirt und barfuss da sass. Ein typischer Südafrikaner!
Heute war Charlys Geburtstag, ich gratulierte ihm gleich nach dem Aufwachen. Später am Morgen verabschiedeten wir uns von den beiden Südafrikanern, wobei sie uns noch schnell ein paar Tipps für Südafrika gaben. Danach begaben wir uns auf den Weg nach Kapstadt. Wir freuten uns auf diese schöne Stadt am Meer und den Tafelberg. Leider hatte es auf dem Berg in den vergangenen 2 Tagen gebrannt. Über 400 Feuerwehrleute waren im Einsatz und im Radio wurden immer wieder Aufrufe gestartet, das man Helfer suchte für die Verpflegung der Feuerwehrleute oder dass man noch Nahrungsmittel für die selben brauchten. Auf unserem Weg nach Kapstadt hörten wir im Radio, dass das Feuer endlich bekämpft worden war und es ein Freudenfest in Kapstadt gab.
Wir kamen in Kapstadt an und machten uns sogleich auf die Suche nach einem guten Quartier. Als erstes schauten wir uns das Deco Lodge in Woodstock an, doch die Umgebung erschien uns alles andere als sicher. Das Viertel war schwarz und alle Geschäfte waren schwer vergittert. Als nächstes fuhren wir ins 30 km entfernte Muizenberg zum Zandvlei Caravan Park. Dort gab es keine schattigen Bäume und die Anlage hatte als solches auch schon bessere Tage gesehen. Bis zum 31.01.06 wollten sie auch noch 110 Rand für die Nacht, das war für diesen Ort zu teuer. Ab dem 01.02. würde es nur noch 66 Rand kosten, teilte man uns noch mit. Uns gefiel es nicht so, weshalb wir zurück nach Kapstadt fuhren. Dort suchten wir die Ashanti Lodge, wo es gemäss dem Reiseführer „lonely planet“ auch Campingplätze gab. 55 Rand pro Person pro Nacht. Die Lodge war schön, doch für uns trotzdem ein Reinfall, denn die vier Plätze waren hinter dem Haus und man konnte mit dem Auto nicht reinfahren. Wir hätten auf der Strasse am Hang übernachten müssen. Dazu hatten wir keine Lust, also suchten wir weiter. Im Reisebericht von Rene und Sonja hatten wir von der Lighthouse Farm Lodge in Pinelands gelesen. Ihre Beschreibung war gut und wir fanden die Lodge recht schnell. Die Umgebung gefiel uns aber auch nicht. Der Preis von 30 Rand pro Person und Nacht war okay, doch der Platz war ungeschützt und bot keinerlei Schatten. Also suchten wir weiter, denn gemäss unseren Karten von Kapstadt und Umgebung sollte es beim Tygerberg Nature Reserve ebenfalls einen Caravan Park geben. Wir suchten und suchten, konnten diesen aber nicht finden. Wir kamen zum Schluss darauf, dass das Areal heute privat ist und der Caravan Park im Jahr 2000 geschlossen worden war. Auf dem Kartenmaterial von der Touristeninformation war der Platz jedoch immer noch eingezeichnet.
Ebenso wenig existierte der Caravan Park in Milnerton. Es blieb nur noch der Camping nördlich von Melkbosstrand, welcher für uns zu weit draussen war. So entschlossen wir uns schliesslich beim Breakwater Lodge an der Waterfront nachzufragen. Am Eingang stand schon der Preis für das Doppelzimmer „nur 695 Rand.“ Eigentlich günstig für dieses Gebiet, für uns aber zu teuer. Wir gingen trotzdem rein und fragten an der Rezeption nach. Die guten und teuren Zimmer waren alle schon ausgebucht, sie hätten nur noch Zimmer, wo man die Dusche und das WC mit einem Zimmernachbarn teilen müsste. Kein Problem für uns, doch die 460 Rand schmerzten uns. Wir fragten nach, ob wir nicht auf dem Parkplatz im Auto schlafen könnten. Die Lady fragte beim Manager nach, doch leider wurde uns dies nicht gestattet, dafür konnte sie uns ein Zimmer für 330 Rand geben. Wir waren müden und wollten noch etwas von der Waterfront sehen. Ausserdem hatte Charly heute ja Geburtstag also sagten wir zu. Das Zimmer war klein doch sehr sauber. Die günstigen Zimmer waren alle ehemalige Häftlingszellen, denn das Breakwater Lodge war früher ein Gefängnis. Das Fenster liess sich nur einen Spalt öffnen, damit niemand einbrechen konnte, doch konnte damit auch nicht viel frische Luft ins Zimmer kommen. Wir zogen uns um und liefen zur Waterfront. Wir waren wieder von der Schönheit Kapstadts begeistert. Auf den Strassen an der Waterfront wimmelte es von Menschen, vornehmlich Touristen aus Europa.
Wir schlenderten durch die zahlreichen Restaurants und Charly entschied sich für eine Pizza, angeblich im Holzofen gebacken. Ich war da mehr als skeptisch und sollte recht behalten. Die Pizza war mässig bis schlecht. Ich hatte da mehr Glück mit meiner Pasta mit Meeresfrüchten. Anschliessend wollten wir im BMW-Tower ins Imax-Kino. Doch mussten wir feststellen, dass dieses nicht mehr existierte. Nun lief dort ein Musical „The 60ies and 70ies“ Alte Schlager aus der Zeit wurden dort live gesungen. Der Wärter vom BMW Tower war sehr nett und gesprächig. Wir unterhielten uns über alles mögliche.
Später liefen wir zurück zum Hotel und schalteten den Fernseher an. Wir hatten schon über ein Jahr kein Fernsehen mehr geschaut. Doch der gute Film war bald zu Ende und der Rest war der gleiche Scheiss wie bei uns. Wir tranken zur Feier des Tages ein Glas Sekt, den wir selber mitgebracht hatten und gingen dann schlafen. Charly wollte nicht in dem muffigen Zimmer bleiben und ich wollte nicht das Zimmer ungenutzt lassen, so schlief jeder an seinem bevorzugten Ort.
Charly hatte gut in Snoopy geschlafen, während ich mich im muffigen Zimmer hin und her gewälzt hatte. Charly war gleich ins Internet Cafe des Hotels gegangen, doch konnte er seinen Notebook nicht anschliessen. An der Rezeption empfahl man ihm doch ins Business Center in der High School nebenan zu gehen. Dort war man leider auch nicht bereit einen fremden Notebook anzuschliessen. Man schickte uns an die Waterfront. Also gingen wir zurück ins Zimmer und machten uns einen Kaffee.
Danach checkten wir aus, liessen Snoopy aber in dem sicheren und schattigen Areal vom Hotel stehen.
Auch am Tag war die Waterfront von unglaublicher Schönheit. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. Der Hafen, die Schiffe, die alten Häuser und im Hintergrund der Tafelberg.
Wir suchten im gigantischen Einkaufszentrum von der Waterfront nach einem Internet Cafe und fanden schliesslich eines in einem Kino integriert. Die Verbindung war super schnell, Charly war ganz begeistert. Er lud das Update von Touratech herunter und schickte ein paar Mails.
Da es nun schon wieder früher Nachmittag war, hatten wir Hunger. Wir gingen mal wieder ins Spur. Dort assen wir zwei Burger und hatten dabei eine super Aussicht auf die Waterfront.
Wir erkundigten uns anschliessend bei einer Touristeninfo, wo man gut übernachten könnte. Die Dame von der Info hatte keine Ahnung, aber eine fremde Frau neben uns war sofort Feuer und Flamme. Sie fragte uns aus, woher wir kommen und wie, usw. Sie verlangte sogleich das Telefonbuch von der Frau an der Info und suchte für uns diverse Gasthäuser heraus, wo wir günstig Bed & Breakfast haben könnten. Allerdings in Durbanville, respektive in Bellville. Beide Orte liegen zirka 20-25 Kilometer ausserhalb von Kapstadt. Wir bedankten uns bei der deutschstämmigen Frau und liefen rüber zum Clocktower. Dort war im 1. Stock eine grössere Touristeninfo. Wir fragten nochmals nach Campingplätzen sowie nach B&B Möglichkeiten. Die B&B innerhalb von Kapstadt kosteten aber um die 500 Rand ca. 100 sFr., dies war uns dann doch zu teuer. Da war ja sogar das Breakwater Lodge noch günstiger.
Genug des Frustes, wir gingen seit langem wieder einmal ins Kino. Charly wollte Narnia sehen, ein Märchenfilm im Stiel von Herr der Ringe. Der Film war nicht schlecht gemacht, aber etwas flach.
Danach machten wir uns auf die Suche nach dem Campingplatz in Bellville. Bellville ist aber ziemlich gross und wir hatten keine gescheite Karte und so fuhren wir prompt in die falsche Richtung. Wir gelangten dabei wieder einmal in ein komisches Schwarzenviertel, welches wir so rasch als möglich wieder verliessen. Wir drehten eine neue Runde und fragten ein paar Weisse. Diese wollten sowieso in die Richtung und boten uns an, ihnen nachzufahren.
Es war, wie wir bereits vermutet hatten, genau in der anderen Richtung. Der Camping hatte grünen Rasen und einige schattenspendende Bäume. Leider war er auch etwas laut vom Fluglärm und den vorbeidonnernden Autos auf den Hauptstrassen.
Wir sind mal wieder ohne Frühstück losgefahren. In Kapstadt kam dann dafür der Hunger. Wir setzten uns draussen vor ein Restaurant, welches Selbstbedienung anbot. Leider gab es nur Fisch und Chips, doch dazu hatte ich beim besten Willen keine Lust. Ich wollte ein ganz normales Sandwich. Also liefen wir weiter und ich fand schliesslich eine ganz normale Sandwich-Bude. Charly kaufte sich einen Hamburger im Steers, welcher wie immer miserabel war. Anschliessend gingen wir ins Internet Cafe. Leider war von Touratech noch keine Antwort auf unser gestriges Mail gekommen. Charly wollte zudem noch andere Updates runterladen, da beschloss ich, mich im Einkaufszentrum etwas umzusehen. Eine Stunde später war ich wieder zurück. Charly war immer noch dran und so ging ich nochmals ins Kino. Ich wollte den Film „The Constant Gardener“ sehen. Dieser war dann wirklich überaus spannend.
Wir hatten um 16 Uhr abgemacht, doch der Film ging länger und so stand Charly zu meiner Überraschung vor dem Kino und wartete bereits auf mich.
Wir hatten beide Durst, weshalb wir rüber zum Clocktower liefen. Dort hatten wir nämlich das Paulaner Restaurant am Vortag gesehen. Es war schon ein eigenartiger Anblick die schwarzen Girls im Dirndl zu sehen.
Nachdem unser Bier gekommen war, wollte ich dazu noch eine Brezel. Diese kam und kam nicht. Wir reklamierten drei Mal, ohne Erfolg. Während wir unser Paulaner Bier tranken kam eine starke Windböe und fegte unseren Sonnenschirm weg. Ein Mann mit Frau und Kind wurde fast davon erschlagen.
Als wir unser Bier fertig getrunken hatten, kam auch endlich die Brezel, welche sie dann aber gleich wieder mitnehmen konnten. Ich wollte schliesslich die Brezel zum Bier und nicht nach dem Bier. Mit der Rechnung das gleiche Theater. Wir gaben dem Kellner nochmals 3 Minuten, dann würden wir gehen. Er schaffte es nicht den getippten Betrag für die Brezel vom Beleg zu streichen. Er kam schliesslich ohne Beleg und wir konnten endlich zahlen.
Wir schlenderten am Pier entlang und entdeckten einige Robben, die sich auf den Bootstegs sonnten. Ihre Lieblingsbeschäftigung war auch hier faul rumliegen und „sich kratzen“.
Wir liefen weiter und kamen zu einem Dock, wo gerade zwei grosse Fischkutter überholt wurden.
Danach war es Zeit für den Rückweg. Als wir mit Snoopy gerade aus dem Parkareal vom Aquarium fahren wollten, kam ein weisser, alter Mercedes angefahren und stellte sich direkt vor uns. Ausgebremst! Wir trauten unseren Augen nicht. Da stiegen Martin und Stefanie aus. So ein Zufall!! Wir hatten erst gestern auf ihrer Wegseite nachgesehen, wo die beiden steckten. Leider war die Seite nicht aktuell und so dachten wir, dass die Beiden immer noch mit ihrem 4x4 Fiat Panda irgendwo in Ostafrika unterwegs waren. Dabei waren sie bereits seit einem Monat in Kapstadt. Sie wohnten ausserhalb von Kapstadt bei einem Freund und wir verabredeten uns für den Samstag. So ein Zufall so eine Überraschung!. Wir hatten sie seit Ghana nicht mehr gesehen und nun standen sie plötzlich wieder vor uns. Wir werden uns am Samstag viel zu erzählen haben.
Danach fuhren wir zurück auf den Campingplatz in Bellville und beschäftigten uns mit unserer Webseite.
Der heutige Tag war komplett dem Tagebuch und der Webseite gewidmet. Wir hatten schliesslich einige Rückstände aufzuholen.
Auch heute widmeten wir uns mehrheitlich der Webseite. Am späten Vormittag habe ich freudestrahlend meine Wäsche in die Waschmaschine gesteckt. Als das Wasser in die Waschmaschine lief, war dieses wieder einmal kalt. Es war nichts angeschrieben. Da kann doch etwas nicht stimmen, dachte ich und reklamierte in der Rezeption. Die junge Frau kam sofort zu mir in die Waschküche. Sie konnte mir aber auch nicht sagen, wieso nur kaltes Wasser kam. Aus diesem Grund sprach sie einen Mann an, der sich auch sofort um mein Problem kümmerte. Er fand heraus, dass gar kein warmes Wasser aus dem Anschluss kam. Nun suchten sie gemeinsam nach dem Haupthahn. Es dauerte eine Weile, dann kam eine resolute Frau herein. Sie sagte mir sofort, dass hier nur kalt gewaschen wird. In ganz Südafrika wird nur kalt gewaschen. Wie bitte? Meinen Einwand, dass die Wäsche ja dann nicht richtig sauber würde, nahm sie nebenbei gelassen hin. Ich fragte sie nach dem Grund und es stellte sich heraus, das die Waschmaschinen in ihren Augen zu viel heisses Wasser verbrauchten und aus Kostengründen liess man nur noch kaltes Wasser einfliessen. Ich beschwerte mich trotzdem, denn dies könnten sie wirklich mit einem Hinweisschild bekannt geben. Die Frau war nun bereit meine Wäsche in der Maschine für die Angestellten nochmals heiss zu waschen, denn dort kam heisses Wasser. Also liess ich das Wasser weiter in die Maschine fliessen, die eh schon nass war. Da kam die Frau erneut zu mir in die Waschküche. Sie meinte wir könnten ja auch von den Waschbottichen heisses Wasser in die Maschine einfüllen und hob gleichzeitig den Deckel der Maschine. Das sei günstiger, erklärte sie noch im gleichen Atemzug. Sehr zu ihrem Bedauern war die Maschine bereits bis oben hin mit Wasser gefüllt. Ich musste für mich grinsen, denn diese Ziege war mir gar nicht sympathisch. Sie sparte Geld auf Kosten ihrer Kunden.
Die Wäsche wurde tatsächlich nachher nochmals in der Angestellten-Waschmaschine gewaschen. Eine ältere Schwarze half mir die Wäsche in die Maschine zu packen. Das heisse Wasser lief nur spärlich. Ich ging zurück zum Auto und kümmerte mich unterdessen um unser Tagebuch. Die Wäsche war nach einer halben Stunde fertig und eiskalt als ich sie herausnahm. Ich glaube die Ziege hatte wieder auf kaltes Wasser gestellt. Ich hatte genug und hängte die Wäsche auf.
Wir arbeiteten intensiv bis am Abend, dann machte ich Bratkartoffeln mit Spiegeleier.
Heute werden wir diesen Platz verlassen, packten unsere Sachen zusammen und füllten unsere Wasserreserven auf. Als ich danach duschen wollte, waren die Räumlichkeiten wegen Reinigung gesperrt. Lange hab ich nicht gefackelt, denn es war niemand drin der putzte. So duschte ich und wusch mir auch meine Haare. Ich brauchte eine ganze Weile dazu, doch während der ganzen Zeit kam niemand. Ich hatte den Verdacht, dass man das Schild nur hinausstellte, damit man denkt, dass man die Kabinen und WCs ordentlich reinigte, aber in Wirklichkeit geschah nichts. Am Vortag war es nämlich genauso gewesen.
Wir fuhren schliesslich ab und kamen gleich in den Stau. Wir folgten bald darauf einer kleineren Strasse nach Süden. Wir wollten heute nach Strand fahren, einen kleinen Ort am Meer. Wir wollten uns dort mit Stefanie und Martin am Samstag treffen.
Auf der N2 fuhren wir bis Somerset West und fanden gleich einen grossen Pick’n Pay im Somerset Mall. Das Einkaufszentrum war gigantisch gross, doch wir konzentrierten uns nur auf die Lebensmittel. Im Supermarkt gab es alles, wirklich alles. Wir kamen uns vor wie im Schlaraffenland. Gruyérekäse, feine Wurst aus Windhoek, Schokolade aus der Schweiz, usw. Wir konnten nicht allen Versuchungen widerstehen und so sah dann auch unsere Rechnung aus.
Anschliessend fuhren wir weiter nach Gordons Bay. Dort lag das Hendon Holiday Resort mit einem Campingplatz. Der Platz gefiel uns nicht sonderlich. Der einzige schattenspendende Baum war mit leeren Bierflaschen zugemüllt. Wir fuhren weiter zum Harmony Camping, den wir zufällig unterwegs gesehen hatten. Dieser Platz war auch alles andere als idyllisch und Charly sagte, dass es eine Frechheit sei, dafür auch noch Geld zu verlangen. So fuhren wir zurück nach Strand, wo es ebenfalls einen Campingplatz geben sollte, allerdings nicht am Meer. Egal, wir hatten genug von den Campingplätzen am Meer. Der Voortrekker-Campingplatz hatte viele hohe Eukalyptus-Bäume und entsprechend viel Schatten. Endlich hatten wir einen halbwegs guten Platz gefunden. Die Sanitärenanlagen waren allerdings ebenso heruntergekommen wie auf den anderen Plätzen. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und holten Tisch und Stühle herunter. Anschliessend verspeisten wir das gegrillte Hühnchen, welches wir im Somerset Mall gekauft hatten. Mann, war das lecker und auch ziemlich gross. Wir konnten das Hühnchen nur mit Mühe aufessen. Wir relaxten und schauten am Abend dann die Bilder an, welche wir aufs Web aufschalten wollten.
So gegen 23 Uhr gingen wir schlafen, doch schlafen konnten wir nicht wirklich, denn ein paar Teenager hatten eine Megaparty veranstaltet. Der Nachtwächter liess dauernd weitere Jugendliche rein. Um 3:30 reichte es Charly er stand auf und reklamierte beim Wächter. Wenig später verliessen einige Kids die Party, doch die Musik wurde immer wieder angestellt und wie hörten weiterhin das dumpfe Wum-Wum-Wum. Charly regte sich tödlich auf. Er konnte nicht mehr schlafen und hatte stattdessen ein paar Fotos für das Web bearbeitet. Ich versuchte krampfhaft etwas zu schlafen, was mir aber nicht wirklich gelang.
Am Morgen war es dann still bis zirka 10 Uhr, danach ging es wieder los mit dem Wum-Wum-Wum. Wir hatten die Schnauze gestrichen voll. Charly ging wieder reklamieren. Es stellte sich heraus, das der Platz der Community, sprich den Schwarzen, gehörte und man anscheinend das Verhalten aus diesem Grund duldete. Alle anderen weissen Camper hatten sich nach den schwarzen Kids zu richten. Das ist die neue Art von Rassismus in Südafrika. Wir hatten genug vom Lärm und von den dreckigen WCs. Charly sagte dem Typen gleich, dass wir für so eine miese Behandlung nicht auch noch bezahlen, aber dass war den Typ eh scheissegal. Wir fuhren ab und keiner rührte auch nur einen Finger.
Wir fuhren um Gordons Bay herum und suchten an der Küste einen neuen Campingplatz. An der Steilküste war weder ein Hotel noch ein Campingplatz. Die Aussicht auf das Meer war genial, aber schlafen konnte man hier nicht. Wir drehten um und fuhren nach Gordons Bay. In der Touristen-Info kannte man auch nur den Hendon Park, also fuhren wir zum Hendon Park und buchten einen Platz. Für 83 R konnten wir auf dem schäbigen Platz stehen. Besonders begeistert waren wir nicht, doch konnten wir hier in Ruhe frühstücken. Vom Strand sahen uns neugierig ein paar Schwarze zu.
Wir vertrieben uns die Zeit mit unserer Webseite, bis es Zeit war uns mit Martin und Stefanie zu treffen. Mit leichter Verspätung kamen wir am verabredeten Ort an.
Martin zeigte uns zuerst, wo er in Strand wohnte, denn zur Zeit waren sie mit Hundesitten in Somerset West stationiert. Ein befreundetes, junges Pärchen aus Südafrika hatte dort ein kleines Häuschen und 2 Dackel. Wir folgten Martin dorthin und wurden von Stefanie herzlich begrüsst. Die Dackel waren deren 3, denn eine Hundedame war hinzu gekommen. Sie war läufig und die beiden Dackelherren waren äusserst aufgeregt.
Wir hatten uns viel zu erzählen. Sie erzählten von ihren Erlebnissen in Ostafrika und wir von unserer Tour durch Westafrika. Martin war schon einmal ein Jahr in Kapstadt gewesen und hatte hier gearbeitet, so kannte er diese Gegend sehr gut. Er war von den Veränderungen in letzter Zeit wenig begeistert. Auch er erkannte die neue Art von Rassismus in Südafrika. Ein Schwarzer erhält ein Haus fast kostenlos, ein Weisser und sei er noch so arm, hat keine Chance. Ein unqualifizierter Schwarzer erhält den Job und die fachlich ausgewiesenen Weissen werden abgewiesen, usw.
Während wir so plapperten, bereiteten wir unseren Braai vor. Butternut, Folienkartoffeln, Fleisch und Toast gefüllt mit Tomaten, Zwiebeln und Käse. Es war alles sehr lecker.
Der Abend war schnell verflogen und wir zogen uns in unsere Wohnkabine zurück. Wir schliefen auf dem Hof vor dem Haus, dort war es wenigsten ruhig und weniger windig. Obwohl auch hier der Wind Snoopy ganz schön schaukelte. Direkt am Meer wären wir wahrscheinlich seekrank geworden.
Zum Frühstück gingen wir wieder ins Haus. Die Dackel haben uns gleich verraten. Da wir nicht wollten, dass sie alle aufwecken, liessen wir sie aus der Küche raus. Der Erfolg war, dass die Köter sofort ins Schlafzimmer von Stefanie und Martin liefen und dort die Beiden mit nassen Küssen aufweckten. Das Bett war nicht so hoch und somit nicht dackelsicher.
Gemeinsam bereiteten wir unser Frühstück vor. Jeder steuerte bei, was er im Proviantkasten fand. Kornflakes, Eier, Brot, Käse, Wurst und Früchte. Es ging uns ausserordentlich gut. Dies war unser erstes Frühstück in einem Haus seit Kamerun.
Während Stefanie mit mir den Abwasch machte, erzählte sie von ihrer Kilimandscharo Besteigung. Die Tour war sehr, sehr anstrengend und nicht alle schafften es, erzählte sie. Es war aber auch überlaufen und die Toiletten waren völlig verdreckt. Die Fremdenführer verlangten ein gutes Trinkgeld, da bei dem Preis von 1'000 Euro pro Person weder die Führer noch die Träger ein Gehalt erhalten. Die schwarzen Fremdenführer machten sich keinen Stress, es wurde unterwegs nichts erklärt, sie waren einfach nur da und zeigten den Weg - das war’s.
Sie erzählte auch, wie viele Touristen sich selbst überschätzen und sich fast zu Tode schinden.
Später zeigen wir auf unserer Namibia Karte, wo es uns besonders gefallen hatte und gaben ihnen dazu die GPS-Koordinaten. Zur Einstimmung auf ihre baldige Reise nach Namibia zeigten wir ihnen noch ein paar Fotos von Namibia auf unserem Notebook. Die Zeit verging wieder wie im Fluge.
Kurz nach 13 Uhr war es dann definitiv Zeit zu gehen. Auf unserer Fahrt um die False Bay bemerkte ich schon, dass ich langsam eine Erkältung bekam.
Wir fuhren ab Wolfgat Nature Reserve am Strand entlang. Die Sonne schien, aber es war immer noch windig und der Sand wehte quer über die Strasse. Nur wenige Mutige waren am Strand. Wir fuhren weiterhin am Strand entlang und über Muizenberg weiter nach Kalk Bay. Dort war viel los. Alle Sonntagsausflügler schienen sich dort verabredet zu haben. Verständlich, denn Kalk Bay war ein hübsches Örtchen.
Wir fuhren weiter am Meer entlang bis Simons Town. Eigentlich wollten wir die Pinguine hier besuchen, doch waren wir heute dafür zu spät dran. So fuhren wir durch das hübsche Städtchen und weiter zum Oatlands Camping. Dort war niemand und die Lage war auch nicht so berauschend. Aus diesem Grund beschlossen wir weiter bis zum Miller’s Point zu fahren. Wir hatten schon von der tollen Lage des Platzes gehört, aber auch, dass es dort immer sehr windig sein soll.
Wir fuhren auf den Platz und der schwarze Wächter machte sich wichtig. Ob wir reserviert hätten. Hatten wir natürlich nicht. Ja, dann sei es schwierig einen Platz zu bekommen. Wir fragten, ob er denn kein Geld verdienen möchte. Das zog. Er schaute über den Zaun und erklärte wichtig, dass es gerade noch einen Platz für gerade noch eine Nacht hätte. Wir liessen uns nicht beirren und fuhren auf den Platz. Der Camping war nicht besonders gross, trotzdem gab es noch genügend Platz. So ein Schwachsinn! Wir stellten Snoopy ab und richteten uns ein.
Der Camping war oberhalb von einem steilen Abhang und ich lief runter zum Meer. Der Wind blies mich fast um, doch ich wollte zum Meer. Ich setzte mich unten auf ein paar grosse Felsbrocken und genoss die Ruhe und die schöne Aussicht auf die Bucht. Ich war allein am Meer. Ich lief über einen kleinen Privatstrand weiter zu einer Holzbrücke. Dort stand ich noch bis die Sonne untergegangen war. Gut hatte ich meine dicke Jacke angezogen, denn der Wind war stürmisch und kühl.
Am Abend bekam ich dann starken Schnupfen und ich fühlte mich nicht sehr gut. Der Wind blies immer noch sehr stark, so dass wir das Dach runterlassen mussten. Snoopy schaukelte hin und her, da fühlen wir uns fast wie in einer kleinen Jolle auf dem Meer.
Schon beim Aufwachen bemerkte ich, dass ich etwas Fieber hatte. Die Erkältung hatte mich voll erwischt. Die Nase lief und ich fühlte mich sehr unwohl. Wir beschlossen aus diesem Grund einen Tag an diesem Platz zu verbringen. Wir arbeiteten an unserer Webseite, doch ich musste mich immer wieder hinlegen. Ich war völlig kaputt.
Es hatte wieder den ganzen Tag gestürmt, obwohl der Himmel strahlend blau war und die Sonne schien. Am Abend assen wir Salat, da ich erstens nicht kochen wollte und zweitens es draussen sowieso zu windig war.
Auch an diesem Morgen ging es mir nicht besser. Ich hatte immer noch leichtes Fieber und fühlte mich elend. Wir beschlossen den Tag wiederum auf dem Campingplatz zu bleiben. Charly gefiel dies zwar nicht, da er von der ständigen Winderei so langsam genug hatte. Er fühlte sich schon langsam seekrank. Das Dach konnten wir wegen dem Wind auch nicht aufmachen.
Wir lagen den halben Tag im Bett. Ich mochte gar nichts machen. Alles war mir zu anstrengend. Erst gegen Abend ging es mir besser. Wir kochten im Häuschen, wo man eigentlich abwäscht. Eine Frau kam und schaute uns komisch an. Dies war uns aber egal, denn draussen kochen war unmöglich. Wir kochten Pellkartoffeln mit Butternut (eine Art Kürbis) und brieten dazu die Hähnchenbrust.
Am Abend beschäftigten wir uns wieder mit unserer Webseite.
Heute ging es mir wieder besser, auch wenn die Nase immer noch lief und der Husten noch da war. Charly sagte zu mir, so - jetzt warst Du auch einmal krank. Stimmt, ansonsten war es immer er der krank war.
Wir duschten und keiner konnte Charly mehr zurück halten. Er wollte nur noch von diesem windigen Platz weg.
Wir fuhren das kurze Stück zum Cape of Good Hope, dem Kap der guten Hoffnung. Wir fuhren aber nicht in den Park rein, da meine Haare noch nass waren, es zudem stark stürmte und es auch noch ziemlich bewölkt war. Wir wollten uns diesen speziellen Moment für eine bessere Gelegenheit aufheben. Wir fuhren weiter an der Küste entlang über Scarborough nach Kommetjie. Wir sahen kurz danach in Sun Valley ein Einkaufszentrum, das Longbeach Mall, mit einem grossen Pick’n Pay Supermarkt. Eigentlich wollten wir nur Brot kaufen, doch während wir durch das Einkaufszentrum schlenderten, entdeckten wir ein Internet Cafe darin. Da wir aber hungrig waren, gingen wir zuerst ins McDonalds. Charly freute sich auf einen guten Big Mac und Pommes. Anschliessend holten wir das Notebook und gingen ins Internet Cafe. Charly wollte das Update von Touratech bestellen und die Bilder von uns aufs Web aufspielen. Dies dauert sicher 2 Stunden, bei der Verbindung. Also beschloss ich ins Kino nebenan zu gehen. Ich sah mir den Film „A Unfinish Life“ mit Robert Redford an. Als der Film fertig war, sass Charly schon da und wartete auf mich. Wir gingen ins Pick’n Pay einkaufen und wenn treffen wir da - per Zufall wieder?! - Es war John, den wir zusammen mit Lara und Rick in Botswana getroffen hatten. Schon wieder so ein komischer Zufall. Da leben so viele Leute in dieser Region und wir treffen da ausgerechnet John. Den einzigen Menschen, den wir aus dieser Region kannten.
Wir haben kurz miteinander gesprochen und er erzählte uns, dass sie die nächste Woche nach Namibia fahren werden. Er empfahl uns noch einen Campingplatz, dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder. Er hatte es scheinbar eilig.
Wir fuhren nach unserem Einkauf weiter zum Chapman’s Peak Camping. Der Camping ist schön ruhig auf einer Farm gelegen. ...und kein Wind! Der Besitzer war sehr zuvorkommend. Er erliess uns die Kosten für den Strom und schenkte uns dazu eine Butternut.
Wir hatten noch genug vom Hamburger, respektive vom Hühnchensalat, so dass wir nur noch ein Stück Brot mit Käse assen. Anschliessend machte ich mich daran das Tagebuch von Namibia aufzubereiten, damit wir dieses nun auch bald aufspielen könnten.
Nach einem kurzen Frühstück wollten wir abwaschen, doch hielt uns eine hübsche „Ägyptische Gans“ auf, denn sie lief uns bis ins Häuschen nach. Sie war scheu und doch sehr zutraulich. Wir liefen mit dem Geschirr zurück zum Auto und sie folgte uns auch dahin wieder. Da hatte sie sich wirklich ein wenig Brot verdient. Wir setzten uns auf den Rasen und fütterte das schöne Tier. Mit der Zeit wurde sie immer zutraulicher und ich durfte sogar ein wenig ihre Federn berühren und ihr über einen Flügel streichen.
Charly ging duschen, ich war weiter mit der Gans beschäftigt. Zwei weitere Ägyptischen Gänse kamen hinzu, doch die Gans lies diese nicht zu nahe kommen. Sie bekam schlicht einen dicken Hals. Einige Ibisse kamen ebenfalls vorbei, doch behielten diese die Distanz.
Wir machten uns fertig und fuhren zum Kap der Guten Hoffnung. Kaum hatten wir Snoopy abgestellt gehabt, da waren auch schon Leute da. Sie war Schweizerin, er Südafrikaner. Sie fragten uns, ob wir wirklich durch ganz Afrika gefahren waren. Wir mussten natürlich wieder von unserer Reise erzählen und die Leute waren erstaunt, dass man das so einfach machen kann. Wir unterhielten uns noch eine Weile, dann wollten wir endlich zum südlichsten Punkt unserer Reise.
Wir hatten ein bombastisches Glück, denn das Kap war frei von Wolken, nicht einmal ein leichter Schleier lag darauf. Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir den Weg hoch zum alten Leuchtturm. Der Weg war steil und ich bemerkte meine Erkältung wieder. Langsam aber stetig bezwang ich die steile Strecke. Ab und zu legten wir eine kleine Pause ein und bewunderten die tolle Aussicht. Oben beim alten Leuchtturm wurden wir mit einem super Rundblick belohnt. Drei Frachtschiffe umrundeten gerade in grosser Distanz das Kap. Wir konnten an der steilen Klippe direkt runter bis zum Meer sehen. Die Wellen brachen sich an den Felsen und die Gischt schäumte auf. Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Wir waren aber nicht die einzigen Touristen und so machten wir uns nach einer Weile auf den Weg bis ganz nach vorne zu laufen, bis zum Dias Point. Wir liefen den angeblich gefährlichen Weg runter zu den Dias Felsen. Auch von hier hatten wir einen fantastischen Ausblick. Das dunkelblaue Meer, der strahlend blaue Himmel, die tiefgrüne Vegetation, die schroffen Felsen - es war einfach phänomenal. Ich konnte mich gar nicht trennen. Wir hatten wirklich Schwein gehabt mit dem Wetter. Auch der Wind war nur zart zu spüren und kühlte angenehm, sofern er überhaupt zu spüren war. Vorne bei den Dias Felsen sahen wir auf den neuen Leuchtturm, der 1919 erbaut wurde, nachdem mehrer Schiffe die Signale des oberen Leuchtturms nicht erkannt hatten und aufgelaufen waren. Zu der damaligen Zeit war es sicher eine grosse Anstrengung die ganzen Materialien für den Bau an diese unwegsamen und gefährliche Stelle zu bringen.
Wir liefen zurück zum Auto und bemerkten, wie innerhalb kürzester Zeit eine Wolkenwand die Aussicht verhüllte. Wir hatten wirklich riesiges Glück gehabt.
Wir fuhren anschliessend zum unteren Parkplatz mit dem Schild „Kap zur Guten Hoffnung“. Vor 4 Jahren waren wir hier alleine unterwegs, doch heute war der Platz überfüllt mit Bussen und anderen Touristen. Auch der Overlander „The Drifters“ war da. Alle wollten sich mit dem Schild Cape of Good Hope fotografieren lassen. Charly war das zu blöd. Er wäre am liebsten gleich wieder abgefahren. Ich wollte aber noch nach vorne zu den Klippen laufen. Der Weg hatte sich für mich gelohnt, denn ich sah eine Robbe auf einem Felsen und im Hintergrund peitschen die Wellen gegen das Felsenriff. Die Natur tobte sich hier voll aus. Natürlich war ich an diesem berühmten Ort nicht allein, ich musste den Anblick mit vielen Touristen aus Europa und Japan teilen.
Da es uns hier zu voll war, fuhren wir bald darauf weiter. Charly wollte am liebsten den Park gleich ganz verlassen, doch ich wollte noch zu einem anderen Aussichtspunkt. Dort war alles viel ruhiger und beschaulicher, obwohl man von hieraus auch eine tolle Aussicht auf das Kap hatte. Ein paar Leute machten ein Picknick und auch wir assen einen kleinen Imbiss vor dieser tollen Kulisse. Nach dem Essen stöberte ich einwenig zwischen den Felsbrocken herum. Ich fand ein paar interessante Muscheln und noch lebendige Schnecken in einem kleinen Bassin. Charly drängte unterdessen mal wieder zum Aufbruch.
Wir verliessen den Park und fuhren wieder am Meer entlang nach Kommetjie. Wir schauten uns den Campingplatz Imhoff an, doch begeisterte uns dieser für die 110 Rand wenig.
Die Häuser am Strand von Kommetjie waren ziemlich neu und gehörten wohl den Neureichen. Die Lage war traumhaft und so wollte ich noch schnell an den Strand. Charly blieb im Auto, doch ich machte mich auf den Weg. Viele Hundebesitzer waren mit ihren Tieren am Strand spazieren, oder jagten diese in die Wellen. Ich erklomm einen kleine Felsen und machte ein paar Aufnahmen von der Hout Bay. Ein schönes Panorama, schade kann man nicht immer alles in einem Foto festhalten.
Danach fuhren wir weiter und kamen wieder an der Bäckerei Fabrik vorbei, wo man auch privat Brot kaufen kann. Ich stieg aus und wollte mich auf den Weg machen, da sagte eine Arbeiterin von der Fabrik zu mir, dass der Laden leider schon geschlossen war. Sie wollte gerade die Fabrik mit ihren Kolleginnen verlassen, doch dann entdeckte sie die Horde Paviane, die sich angeschlichen hatten. Mit einem Ausruf des Entsetzens verschwanden die schwarze Frau wieder hinter dem Gitterzaun. Die Affen hatten wahrscheinlich den Feierabend der Arbeiterinnen abgewartet, da diese alle Brot dabei hatten. Oben auf der Strassen sahen wir dann auch einen Überfall! Ein Pavian hatte einer Frau aus der Bäckerei den Plastiksack mit dem Brot entrissen und blieb an Ort und Stelle mit seinen Kollegen sitzen. Er inspizierte eingehend seine Beute. Aus der Distanz sah es wie ein organisierter Raubüberfall aus. Die Frau sah verwirrt und erstaunt auf das freche Tier.
Nach dem wir in der Longbeach Mall Brot und Trauben eingekauft hatten, fuhren wir zurück zum Chapman’s Peak Campingplatz.
Am Abend kam Peter aus Zug mit seinem alten roten Unimog. Er war 2004 mit seinem Unimog die Ostküste runtergefahren. Nun hat er den Unimog in Südafrika stationiert, da er immer 4 Monate pro Jahr im südlichen Afrika unterwegs ist. Sein Lebensmotto lautet, Lebensqualität macht viel glücklicher als ein Haufen Geld. Recht hat er.
Zum Frühstück setzten wir uns an Peters Tisch und wir erzählten uns so einige Stories. Es war wie immer spannend zu hören, was andere so auf ihren Reisen erlebt hatten. Peter erzählte, dass er eine Zeit lang in Kapstadt gewohnt hatte und auch eine Frau indischer Abstammung hier vor langer Zeit geheiratet hatte. Damals war alles noch streng rassengetrennt gewesen und er war stolz, dass er der Zweite war in Südafrika, der eine Farbige geheiratet hatte. Er illustrierte uns die Situation von damals und wie die Rassendiskriminierung die Schwarzen und Farbigen damals schwer benachteiligt hatte. Es war alles anderer als fair.
Nachdem wir fertig waren verabschiedeten wir uns von Peter und fuhren nach Simons Town. Dort besuchten wir im „Boulders“ die Pinguine. Die Anlage hatte sich schwer verändert. Vor 4 Jahren gab es hier nur eine mickrige Holzhütte, wo uns ein ausgewanderter Eidgenosse die Eintrittskarten verkauft hatte. Heute steht da ein richtiges Informationszentrum. Wir hatten mit unserer Wild Card ohne weitere Zahlung Zutritt zu den afrikanischen Pinguinen. Der Eintrittspreis betrug 20 Rand pro Person.
Charly argwöhnte zynisch, dass es bald mehr Touristen hier gäbe als Pinguine. Die Tiere liessen sich durch die drängelnden Touristen nicht irritieren und frönten weiter ihrem Pinguin-Leben. Einige sassen in der Sonne, einige nahmen ein kühles Bad, andere watschelten herum und einige Tiere brüteten auf ihren Eiern. Ein paar Pinguinküken waren schon geschlüpft und suchten Schatten unter Mamas Bauch. Sie waren mausgrau und zapplig. Mal drückten sie sich hier durch Mamas Flügel, dann wieder unter ihrem Hintern durch. Erst dort wo es am kühlsten war, gaben sie Ruhe. Die Mama oder der Papa sass unterdessen mitten in der Sonne und sperrte den Schnabel weit auf. Pinguine haben nämliche keine Schweissdrüsen und müssen deshalb wie Hunde hecheln.
Einige Tiere brüteten geduldig auf ihren 2-3 Eiern. Die Touristen, vornämlich Deutsche, riefen entzückt - ach wie süss, oder gaben irgendwelche Kommentare ab. Das Gedränge am Geländer war gross, jeder wollte vorne sein und die besten Fotos machen. Gott sei Dank waren die meisten Leute in Eile und wir konnten mit der Zeit doch noch die Pinguine mit weniger Gedränge geniessen. Teilweise sassen die Tiere direkt unter dem Holzsteg, wenige direkt neben dran, sodass man sie fast berühren konnte.
Ein verliebtes Pinguinpaar trieb es wieder einmal direkt vor unseren Kameras, so haben wir neben Elefanten-, Löwen- und Pavian- und Straussensex nun auch Pinguinsex erlebt. Ein recht ausgedehntes Ereignis diesmal. Nach dem Liebesakt wurden zärtlich die Federn des Partners sortiert, es war zu herzig den verliebten Tieren zu zusehen.
Ich schaute gerade durch meinen Feldstecher und betrachtete die brütenden Pinguine, als ich eine Möwe beim Eierklau auf frischer Tat ertappte. Das brütende Tier hatte einen Moment nicht Acht gegeben, da kam die Möwe auch schon im Tiefflug und schnappte mit ihrem grossen Schnabel das Ei. Sie flog zufrieden über die Felsen und verschwand mit ihrer Beute. Ich war sprachlos. Schade hatte ich das nicht gefilmt hatte, wie immer in solchen Momenten war die Kamera gerade nicht parat.
Wir liefen auf die andere Seite der Bucht und beobachteten die Kolonie auch von dieser Seite. Von hier aus konnte man sehen wie die Pinguine elegant bis zur vordersten Welle schwammen und erst auf dem Strand unbeholfen vor sich her watschelten.
Anschliessend gingen wir ins Visitor Center und schauten uns einen Film über diese Pinguine an. Es waren super Aufnahmen und der Film hatte sogar auch schon ein paar Preise geholt.
Es war nun früher Nachmittag und wir beschlossen noch etwas in Simons Town herum zu schlendern. Die hübsche Stadt lud förmlich dazu ein. Die alten Häuser in der Historic Mile sorgten mit ihren Verandas für Schatten auf den Bürgersteigen. In einer Kneipe bestellten wir uns ein kühles Bier, denn draussen war es inzwischen recht warm geworden. Nach dem Bier liefen wir zurück zum Auto und sahen auf einem anderen Parkplatz einen alten 4x4 Renaultbus mit französischer Nummer. Wir wussten gar nicht, dass Renault früher einmal solche Autos gebaut hatte.
Wir waren inzwischen hungrig geworden und fuhren nach Kalk Bay, da uns Peter dort im Hafen ein einfaches Restaurant empfohlen hatte. Das Restaurant war mit groben Holzbalken gebaut worden, es war schlicht und vom Preis her in Ordnung. Es hiess Kalky und wir bestellten uns den Fisch des Tages mit Calamari und Pommes. Der Fisch war sehr gut, doch die Pommes waren mies. Sie waren nicht richtig durch, obwohl wir lange darauf gewartet hatten. Der Geschmack war sonderbar, wahrscheinlich war das Öl nicht mehr so frisch.
Wir fuhren zurück zum Campingplatz und Peter freute sich, als wir zurück kamen. Wir tranken etwas zusammen, dann wärmte Peter die Spaghetti mit Tomatensauce auf die er für uns gekocht hatte. Wir assen gemeinsam auf seiner Festbank und tranken Rotwein dazu. Wir sassen lange beisammen und hatten den „Plausch“.
Heute wollte Charly eigentlich in einigen 4x4-Läden reinschauen, doch ich hatte wenig Lust dazu. Wie in Europa, ist auch hier der Samstag der Tag der Einkäufe. Jeder ist unterwegs und es herrscht grosses Gedränge. Dazu hatte ich nun wirklich keine Lust.
Stattdessen fuhren wir gemeinsam mit Peter ins Einkaufszentrum Longbeach. Zuerst wollte er seinen Schlüssel vom Unimog nachmachen lassen, doch leider war der Grundschlüssel dazu z.Zt. nicht im Sortiment und er wird wohl bis Mittwoch warten müssen, bis er die Ersatzschlüssel bestellen kann.
Charly hatte sich inzwischen schon ins Internet Cafe verzogen. Da das Kino gleich nebenan war, bemerkte ich, dass dort der neuste Pferdefilm „Dreamer“ lief. Da war ich natürlich nicht mehr zu halten. Peter hatte auch Lust den Film zu sehen und so gingen wir gemeinsam ins Kino. Die tolle Aufnahmen von den Rennpferden begeisterten uns. Anschliessend meldeten wir uns zurück bei Charly, doch er war immer noch fleissig mit seinem Notebook beschäftig. So beschlossen Peter und ich inzwischen schon mal für den Abend einzukaufen, schliesslich wollten wir gemeinsam grillen.
Neben gutem Fleisch haben wir auch die feine, typisch südafrikanische Boerewurst gekauft. Gutes Brot und sogar Gruyère Käse gab es. Unser Wagen füllte sich rasch.
Charly war inzwischen auch fertig und so fuhren wir zurück auf den Campingplatz.
Wir waren froh wieder in dieser friedlichen Umgebung zu sein, auch wenn es nun sehr viele neue Nachbarn gegeben hatte. Die Südafrikaner lieben es zu campieren. Viele Familien mit Kindern waren gekommen. Logisch, dieser Platz war prädestiniert für Familien. Es gab einen kleinen Swimmingpool, viel Grünfläche, einen grossen Spielplatz und viele, viele Tiere.
Als wir gerade bei unserem „Z’vieri“ sassen, galoppierte ein Trupp halbwüchsiger Schweine an uns vorbei. Die Viecher waren ausgerissen und die Kinder hatten riesigen Spass die Ferkel wieder auf ihre Weide zurück zu treiben. Später kamen Gänse und auch Truthähne vorbei. Sie schauten nach, ob bei uns ein paar Krümel Brot zu finden waren.
Weiter vorne war eine kleine Weide mit 2 Pferden und einem Pony. Bei meinem längeren Aufenthalt am Zaun bemerkte ich, dass da was im Hintergrund durchkriecht. Es war eine grosse Schildkröte. Später erst bemerkte ich, dass da noch mehr Schildkröten gleicher Grösse waren. Ich zählte 5 oder 6 Stück. Eine davon nahm gerade ein Bad in der Tränke.
Am späten Nachmittag suchten wir einen Grill und fanden einen umfunktionierten Rasenmäher. Auf das Gestell war eine Metallbox geschweisst worden und so konnte man nun den Ex-Rasenmäher als beweglichen Grill benutzen. Gar keine so schlechte Idee. Wir mussten grinsen über unser Gefährt, doch funktionierte das Teil einwandfrei. Mit Holzkohle war rasch eine gute Glut und Grillmeister Charly konnte loslegen. Bei einem guten Glas Wein sassen wir später um den Rasenmäher und wärmten unsere Beine, denn Abends wurde es nun empfindlich kühl.
Wir sassen gerade beim Frühstück, da kam Rolf mit seinem Hund Moses. Er war ein Freund von Peter. Sie hatten gemeinsam mit ihren Frauen eine Zeit lang zusammen in Kapstadt gewohnt und kannten sich bereits seit vielen Jahren. Rolf war nicht besonders gross, hatte aber ziemlich Muskeln. Nicht vom Body Building, sondern vom Laufen und Fahrradfahren.
Nach einem kurzen Kaffeeplausch machten sich Rolf und Peter auf den Weg den Chapman’s Peak zu erklimmen. Das Wetter war ideal, denn es war leicht bewölkt und nicht allzu warm.
Ich hatte von Peter ein spannendes Buch erhalten und war fast den ganzen Tag in dem Buch vertieft. Charly war anfangs faul, rappelte sich aber am Nachmittag auf und flickte den Reservereifen. Er war gerade fertig, als Peter und Rolf zurück kamen. Sie sagten gleich, dass der Hund Moses die Tour nicht überlebt hatte. Wir dachten zuerst das sei ein Scherz und der Hund sitzt nun friedlich im Auto von Rolf, doch dem war leider nicht so. Peter erzählte von der extremen Tour und wie sie sich durch die Büsche geschlagen hatten. Der Hund hatte mit seinen 10 Lenzen das Ganze nicht mehr verkraftet und ist wahrscheinlich an einem Hitzschlag gestorben.
Er erzählte wie Rolf den Hund auf die Schultern genommen hatte und den Hund zum Stausee getragen hatte. Dort war es ihm kurz etwas besser gegangen und einer zufällig anwesende Tierärzte schaute sich das Tier an und erteilte Ratschläge. Rolf lief zum Auto, was ein weiter Weg war. Unterdessen konnte Peter auf Hilfe zählen. Ranger hatten ihn gemeinsam mit dem Hund auf dem Arm per Quadbike zum Eingangstor gefahren. Dort wurde der Hund auf einen Pick-up geladen. Während der Fahrt verendete Moses. Ein kurzes Schütteln durch den Körper und ein letzter Schnaufer, dann war es vorbei. Der gerufene Tierarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Peter erzählte die Geschichte wieder und wieder, auch er musste es erst noch verarbeiten. Er meinte jedoch, dass er auch gern so sterben möchte. Unterwegs sein und voller Tatendrang, dann ein plötzlicher Tod.
Unsere Nachbarin nervte uns zwischendurch immer wieder. Sie hatten einen kleinen Dackel der Bastian hiess. Leider durfte der Hund nichts tun, weder herum tollen, noch bellen, nur dasitzen und nichts tun. Dabei hätte es der Besitzerin gut getan sich etwas zu bewegen, stattdessen rief sie unentwegt: „Bastian du bist ein ungezogener Hund.“ Der unschuldige Dackelblick sprach Bände. Ab und zu büchste er dann doch aus und kam zu uns rüber.
Ich fragte schon ob sie etwas dagegen hätte, wenn ihr Dackel mit uns nach Ostafrika reisen würde. Leider hatte sie etwas dagegen, obwohl ich versprochen hatte ihn ein paar Postkarten mit Pfotenabdruck schreiben zu lassen. Er war ein goldiger und quirliger Kerl. Am späten Nachmittag reisten fast alle Nachbarn ab. Auch die Dame mit dem Dackel verabschiedete sich von uns. Sie war ja sehr nett, nur liess sie ihren Dackel nie in Ruhe.
Wir hatten den ganzen Tag viele Harley-Davidson die Küstenstrasse entlang donnern gehört und wir sagten jedes Mal - Schweinebacken. Die wollen uns nur eifersüchtig machen. Wir kriegten richtige Sehnsucht nach unseren Harleys. Charly beschloss die nächste Woche mal nachzufragen, was so eine Miet-Harley kostet.
Da wir so feinen Käse und gute Wurst am Samstag gekauft hatten, gab es Schweizer Wurst-Käse-Salat. Fast wie daheim!
Heute verliessen wir diesen idyllischen Ort. Wir fuhren nach Muizenberg und weiter über die M5 nach Kapstadt. Wir suchten zwei 4x4 Einkaufsläden auf, ohne die gewünschten Teile gefunden zu haben. Wir waren von dem Sortiment eher enttäuscht. Am Nachmittag hatten wir genug und fuhren gemeinsam mit Peter zum Queens Beach. Eine bessere Gegend in Kapstadt. Viele noble Apartment Häuser säumten die Küstenstrasse.
Wir hatten hungrig unterwegs noch frisches Brot gekauft und machten auf dem Parkplatz im Schatten des Unimogs ein Vesper. Die Polizei fuhr vorbei und wir versteckten rasch unser Bier, denn in der Öffentlichkeit darf in Südafrika kein Alkohol konsumiert werden. Die Beamten winkten uns freundlich zu, uff nochmals Schwein gehabt.
In der Bucht vor uns lagen 3 grosse Frachtschiffe und ein grosser, chinesischer Fischkutter vor Anker. Viele Leute liefen den Fußgängerweg entlang. Einige gingen nur spazieren, andere gingen Joggen. Einige blieben stehen und fragten neugierig woher wir kommen. Mit Peters roten Unimog waren wir ja auch kaum zu übersehen.
Peter und ich lasen in unseren Büchern, während Charly spazieren ging. Ihm war etwas langweilig.
Am Abend fuhren wir in den Stadtteil Observatory, wo wir im italienischen Restaurant Diva essen gingen. Charly wollte unbedingt mal wieder eine gute Pizza essen. Dieses Viertel ist das Studentenviertel von Kapstadt und viele junge Leute waren unterwegs. Es gab einige lässige Bars und Restaurants. Einzelne alte Häuser waren im viktorianischen Stil erbaut und verliehen dem Viertel viel Charme. Peter erzählte, dass er hier in der Nähe einmal gewohnt hatte. Er erzählte uns auch vom nahegelegenen Krankenhaus UTC, wo man vor einigen Jahren die erste Herztransplantation vorgenommen hatte.
Nach dem guten Abendessen sind wir noch etwas weitergezogen. Peter kannte ein Lokal, welches ganz speziell war. Statt Vorgarten war Sand aufgeschüttet, links davon führte ein Holzsteg zu einer grossen Wellblechhütte. Im Stil von Jamaika, war das Innenleben und einige Teenies waren von dem Ambiente angezogen. Peter lud uns dort zu einem Bier ein, danach sind wir zurück nach Queens Beach gefahren und haben dort am Meer übernachtet. Die Wellen schlugen die ganze Nacht gegen die Felsen.
Am frühen Morgen wurden wir von tiefen Nebelhörnern geweckte. Ihr Tuten war meilenweit zu hören. Zuerst dachte ich, es handelte sich um ein auslaufendes Frachtschiff, doch dafür war es zu konstant. Wegen des Nebels waren wir nicht motiviert früh aufzustehen, zu unwirtlich erschien uns die Umwelt an diesem Morgen.
Peter war der erste, der aus den Federn kroch. Auch als wir endlich das Bett verliessen, war immer noch dichter Nebel über der Bucht. Wir waren wenig angetan von einem Frühstück im Nebel und so beschlossen wir in ein Café zu gehen.
Bald sassen wir im Wimpy bei einer heissen Tasse Kaffee respektive einer heissen Tasse Schokolade. Unser Frühstück bestand aus einem warmen Muffin, was ein kleiner runder Kuchen war.
Zurück auf dem Parkplatz von Queens Beach verabschiedeten wir uns von Peter, denn wir hatten noch einige Besorgungen zu machen. Wir fuhren zu Toyota in die Innenstadt. Doch dort hatte man leider keine Ahnung von unserem Auto, denn wohlhabende Städter fahren wohl eher selten mit so einem Gefährt. Man wusste aber einen guten Batterieladen und gab uns die Adresse. Wir fuhren hin und konnten trotz intensiver Suche das ’Battery Centre’ nicht finden. Wir beschlossen den Wagen irgendwo abzustellen und zu Fuss zu gehen. Charly fragte unterwegs in einem Reifenladen nach dem Preis für unsere Mud Terrain Reifen. Der Preis lag bei fast 400 CHF pro Reifen. Das war ja noch teurer als in Namibia. Wir liefen weiter und fanden bald darauf das Battery Centre. Kein Wunder hatten wir es nicht gefunden, denn der Typ von Toyota hatte uns eine falsche Querstrasse genannt. Da konnten wir natürlich lange suchen. Der Laden war eher bescheiden und hatte keine gute Auswahl und die angebotene Batterie sah schon gebraucht aus.
Auf dem Rückweg kamen wir an einer Harley-Davidson Vertretung vorbei und konnten nicht widerstehen. Wir betraten den Laden und sahen uns die Maschinen an. Leise Sehnsucht beschlich uns und Charly fragte nach, wie hoch die Miete für eine Maschine für ein Wochenende wäre. Stolze 500 CHF machten unsere Träume zu Nichte. Ein Motorradausflug von 10 Uhr morgens bis 17:30 Uhr war mit 800 Rand (160 CHF) auch nicht gerade günstig. Ich begnügte mich mit einem T-Shirt und wir verliessen den teuren Laden wieder. Draussen donnerten gerade ein paar Kollegen vorbei und grüssten mit erhobener Hand.
Wir schlenderten durch ein paar Gassen und assen schliesslich im Gourmet Burger ein verspätetes Mittagessen. Charly nahm einen Salat mit geröstetem Fleisch nach thailändischer Art. Es war lecker, doch sollte er bald darauf wieder einmal einen seiner Allergie-Schübe bekommen. Den zweiten an diesem Tag, denn den ersten Schub erhielt er nach dem Schokikuchen am Morgen.
Anschliessend klapperten wir noch einige Läden ab und fanden etwas ausserhalb von der Innenstadt einen guten Reifenladen, der uns gleich 35% Rabatt auf unsere Reifen gewährte. Um die Ecke war das Safari 4x4 Center, doch gab es dort nicht viel brauchbares für uns. Dafür erhielten wir ein paar Adressen für den nächsten Tag. Inzwischen war es schon nach 17 Uhr und wir hatten die Schnauze voll. Wir fuhren zum Campingplatz und verbrachten einen ruhigen Abend.
Die Nacht war windig gewesen und auch am Morgen blies noch ein kühler Wind. Nach unserem Frühstück machten wir uns auf den Weg weitere Läden abzuklappern.
Wir fanden in Mardugue Road ein gutes Battery Center mit Reparaturwerkstatt, wo wir unsere defekte Batterie checken liessen. Leider war nichts mehr zu machen, 3 Zellen waren tot. Die zweite Originalbatterie von Toyota wurde auch einem Test unterzogen und auch diese war nicht mehr sehr leistungsfähig. Dies hiess für uns gleich zwei neue Batterien. Charly wollte die Ladekennlinie der Batterien wissen, doch sogar der Anruf beim Hauptimporteur brachte keine technischen Daten zu Tage. Egal wir mussten neue Batterien haben und wir entschieden uns für die wartungsarmen Kalziumbatterien. Charly bestand darauf alles selber zu montieren, er hatte schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht.
Wir fuhren weiter zum Macro Markt, doch ausser ein paar Shorts für Charly war nicht viel brauchbares für uns zu entdecken. Der Markt war riesig gross und um zu bezahlen mussten wir erst einmal eine Tageskarte im Grossmarkt lösen. Dies dauerte mal wieder unendlich lange, obwohl wir allein an der Rezeption standen. An der Kasse waren dann dennoch falsche Daten auf der Karte hinterlegt. Echte afrikanische Qualitätsarbeit.
Wir klapperten noch ein paar Adressen ab, wovon zwei völlige Blindgänger waren. Wir sind viel gefahren, um dann in irgendwo in einem Wohnviertel zu landen. Von Allrad-Shops keine Spur. Wir waren genervt und fuhren zurück zum Camping. Dort verspeisten wir die zuvor im Goodwood Mall gekauften Brötchen mit Käse.
Auch an diesem Tag sind wir wieder auf die Suche nach geeigneten Läden gewesen. Das gesuchte Outdoor Warehouse wurde gefunden und es stellte sich heraus, dass wir hier schon mit Peter gewesen waren.
Wir fuhren zurück zur Voortrekker Road, der Strasse mit den meisten Geschäften für Autozubehör. Ein Autoladen am anderen, aber nicht das was wir suchten. In einer Toyota Vertretung liessen wir nach unserer Kupplung schauen. Diese machte leise klingelnde Geräusche. Ein Fachmann kam und hörte sich das Geräusch an. Er erkannte, dass der Einrücker geölt werden sollte. Der einzige in dem Laden, der diese Flüssigkeit besass war ausgerechnet diese Woche in den Ferien und hatte sein gesamtes Material eingeschlossen. Die ganze Garage besass keine weitere Flasche, wir mussten grinsen.
Charly trieb bei einem Sanitärgeschäft einen neuen Duschschlauch auf, da wir unserem nicht mehr sonderlich vertrauten. Der Sicherheitsbeamte vor dem Geschäft fragte mich ein Loch in den Bauch und bemerkte immer wieder, dass unser Auto eine ganze Stange Geld gekostet haben musste.
Anschliessend besuchten wir noch das grosse Warenhaus Game und erstanden die lange gesuchten CD-Rohlinge. Danach hatten wir genug von dem Gerenne und fuhren zurück zum Sun Valley. Wir fuhren auf der M64, welche über einen schönen Pass und durch das Silvermine Nature Reserve führte. Wir kamen direkt beim Longbeach Mall heraus. Hungrig wie wir waren gingen wir zu McDonalds. Charly bestellte für sich gleich 2 Big Macs, so dass die Bedienung gleich abrechnen wollte. Ich musste mich wehren, denn ich hatte schliesslich auch Hunger, gab mich aber mit einem Hamburger zufrieden.
In der Mall ging Charly, wie schon so oft, ins Internet Cafe. Ich schaute mich unterdessen in einem Buchladen um.
Wieder zurück auf dem Chapman’s Peak wurde uns schon an der Rezeption mitgeteilt, dass auch Peter heute angekommen war. Wie wir auf den Platz fuhren, bemerkten wir einen weissen Landy mit Genfer Nummer. Die Leute hatten wir doch schon gesehen, klar - im Augrabies N.P. hatten wir dieses ältere Ehepaar schon getroffen. Sie waren wie wir die Westküste runtergekommen. Wir wurden von allen herzlich begrüsst.
Peter wollte uns zum Abendessen einladen, doch wir hatten keinen Hunger nach dem Hamburger.
Die ägyptische Gans kam auch bald zu uns und ich fütterte sie zur Begrüssung mit Brot. Charly gab ihr später Wasser, damit war unser Freundschaft mit der Gans wieder gefestigt. Sie stiefelte den ganzen Abend vor unserem Auto auf und ab. Ein paar Mal stand sie vor dem Eingang und schnatterte. Quasi kommt raus und spielt mit mir.
Der Abend war unangenehm kalt und jeder verzog sich bald in seinem warmen Gefährt.
Die Genfer waren schon früh am Morgen weiter gefahren. Wir haben den Tag ganz gemütlich auf dem Campingplatz verbracht. Am Nachmittag hat Charly die Seilwinde gereinigt und ich konnte ihm beim Aufwickeln des Seils behilflich sein.
Später war die Gans wieder da und hat heftig mit Charly geflirtet. Sie erzählte regelrechte Geschichten. Sie lief wichtig auf und ab, drehte sich und kam zurück zu Charly. Dabei schnatterte sie unentwegt. Klar gab es auch Brot für die Gänsedame. Da sie davon durstig wurde, drehten wir den Wasserhahn auf. Anfangs gab Charly ihr das Wasser noch mit einer hohlen Hand, doch schon bald legte sie den Kopf schräg und schnatterte das Wasser selber auf. Danach lief sie wieder wichtig herum und erzählte Geschichten. Das war keine normale Gans, sagten wir alle. Peter war überzeugt, dass sie in ihrem früheren Leben einmal Napoleon gewesen war.
Am Abend kochten wir gemeinsam mit Peter. Er kochte die Nudeln und wir das Pouletgeschnetzelte mit Champignon. Danach sassen wir noch ein Weilchen beisammen, bis uns die Müdigkeit überfiel.
Ein herrlicher Tag. Die Sonne schien und man konnte die umliegenden Hügel gut sehen.
Eigentlich hatten wir mit Peter heute den Lionshead besteigen wollen, doch leider hatte ich wieder meinen bösen Husten bekommen und so gingen wir nicht. Stattdessen fuhren wir zur Longbeach Mall und kauften kräftig ein.
Anschliessend fuhren Charly und ich die Küstenstrasse M6 hoch. Vor 4 Jahren konnte man hier noch kostenlos die Schönheit dieser Küstenstrecke bewundern, heute muss man dafür bezahlen. Das Schild besagte, dass keine LKWs oder Busse diese Strecke befahren dürfen. Die maximale Höhe war mit 2.70m begrenzt und wir fuhren durch ein Tor welches die Höhe begrenzte. Die oberen Stangen waren mit Ketten flexibel montiert. Wir kamen mit unserer Waschtrommel an die Stangen. Als wir wenig später anhielten um die Aussicht auf die Chapman's Bay zu geniessen, stoppte ein Golf hinter uns. Ein junger Südafrikaner stieg aus und warnte uns, da unsere Tonne die Stangen berührt hatten. Er war der Ansicht, dass wir später mit der Höhe unseres Fahrzeuges Probleme haben würden. Wir beschwichtigten ihn, in dem wir ihm erklärten, dass die Tonne notfalls demontierte werden kann.
Tatsächlich gab es auf der Strecke zwei Galerien, unter die wir aber problemlos durch fahren konnten. Gemäss Peter hatte es auf der Strecke vor 3 Jahren einen tödlichen Unfall gegeben, als Felsbrocken heruntergefallen waren. Inzwischen sind Netze gespannt und zwei Galerien gebaut worden, welche nun die Felsbrocken zurückhalten sollen. Wir stoppten beim Chapman’s Point und bestaunten die Schönheit der Hout Bay. Das Wasser glitzerte und war tief blau, ein Motorboot zog weisse Gischt hinter sich her. Auf der anderen Seite der Bucht ragten die Berge Hangberg und The Sentinel auf. In die Steilküste war die Strasse eingebettet und schlängelte sich am Hang entlang. Es war einfach traumhaft schön!
Kurz vor Hout Bay kam dann die Zahlstation. Dort hatten wir 22 Rand für Snoopy zu bezahlen. Zu unserem Erstaunen bemerkten wir, dass auch die Preise für LKWs mit und ohne Anhänger sowie für grosse Busse aufgelistet waren. Charly meinte, das sei wieder typisch für die Schwarzen. Auf der einen Seite verbietet man das Befahren mit solchen Fahrzeugen, auf der anderen Seite verlangen sie Geld dafür. Komische Logik! Ist es nun verboten oder nicht?
Wir fuhren durch das Städtchen Hout Bay. Die Strassencafes waren voll und am Strand waren einige Leute am sonnenbaden.
Wir folgten weiter der M6 und fuhren an den zwölf Aposteln vorbei, die majestätisch von der Küste aufragten. Wir gelangten nach Camp’s Bay, welches uns sehr an Südfrankreich erinnerte. Viele kleine Lokale, viele Leute, viele teure Autos. Sehen und gesehen werden, schien auch hier das Motto aller zu sein.
Wir fuhren weiter alles an der Küstenstrasse entlang nach Sea Point, Green Point, zum Mouille Point Lighthouse bis zur V&A Waterfront. Dort stellten wir Snoopy ab und gingen in das Einkaufszentrum. Wie bei uns, sind auch hier alle am Samstag mit einkaufen beschäftigt. Kurzentschlossen wollten wir ins Kino gehen, doch waren alle Filme bereits gestartet und zwei Stunden warten wollten wir nicht. Schliesslich wollten wir Peter nicht so lange mit dem Abendessen warten lassen.
Wir fuhren auf der M3 und dann über den Ou Kaapse Weg zurück. Heute hatten wir leider keine Aussicht vom Pass aus, denn die Wolken hingen heute tief auf dieser Küstenseite.
Auf dem Camping angekommen, kam uns gleich die Gans wieder besuchen.
Charly beschäftigt sich prompt wieder mit ihr, denn inzwischen war sie sehr zutraulich geworden. Sie hatte wieder viel zu erzählen und Charly setzte sich zu ihr auf den Boden. Sie zupfte an Charlys Haaren und auch am Ohr. Sie reinigte so zu sagen seine Federn. Ein Bild für die Götter.
Später gesellte sich ein Gänserich hinzu und sie schien Angst vor ihm zu haben. Sie versteckte sich hinter uns, bis er schliesslich aufgab und wegflog.
Unter dem Brot für die Gans entdeckten wir dann den Zettel von Peter. Er war zum Abendessen bei Rolf eingeladen.
So suchten wir uns einen umgebauten Rasenmäher und grillten halt alleine.
Die Gans war den ganzen Abend bei uns, bis wir schlafen gingen. Sie reklamierte noch vor der Tür, als wir ins Auto gingen, gab dann aber auf und flog weg.
Heute war ich früh wach und bin auf der Farm spazieren gegangen. Ich beobachtete die grossen Schildkröten und ein paar Eichhörnchen. Da sah ich gerade wie zwei Buben im Alter von ca. 8 Jahren um die Ecke kamen. Dort standen 17 Gänse, welche sofort fauchend und mit geöffneten Flügeln auf die Buben losgingen. Diese waren so erschrocken, dass sie den Kuchen, den sie gerade in ihren Händen hielten, zu den Gänsen warfen und die Flucht ergriffen. Die Gänse marschierten hinterher. Wenig später kam dann die grosse Schwester der Buben und jagte die Gänse zurück. Die Episode war filmreif, schade hatte ich meine Videokamera nicht zur Hand.
Später war ich gerade dabei Frühstück zu machen, als Peter und Rolf um die Ecke geradelt kamen. Wir tranken gemeinsam einen Kaffee, dann ging es auch schon wieder los. Gemeinsam mit Charly wollten sie den Chapman’s Peak erklimmen. Diesmal auf zivilisiertem Weg.
Ich räumte unterdessen auf und beschäftigte mich anschliessend mit dem Tagebuch. Plötzlich hörte ich es flattern und etwas Grosses musste auf unserer Wohnkabine gelandet sein. Es war die Gans. Sie sah vom Dach herab und flog auf das Brot, welches ich natürlich schon für sie bereit hielt. Sie war aber nicht sonderlich hungrig, sie wollte eher Gesellschaft. Sie putzte mich und zwickte mich dabei ein paar Mal. Es war aber nicht böse gemeint, sie wollte nur, dass ich dann auch wirklich nach Gänseart sauber war.
Ich sass immer noch auf dem Boden und beschäftigte mich mit der Gans, als die drei Bergsteiger schon wieder zurück waren. Die Zeit war wie im Flug vergangen. Sie waren auf den Berg hochgelaufen und hatten einen guten Blick auf unseren Campingplatz. Als Peter ein Foto von seinem roten Unimog machen wollte, bemerkte er, gerade als er abdrücken wollte, dass er seinen Chip im Auto vergessen hatte. Tatataaa! Er musste über sich selber lachen, als er die Story erzählte.
Wir machten einen gemütlichen Imbiss mit Wurst, Käse und Rotwein. Es war eine ganz lustige Runde. Die Gans war beleidigt, weil wir uns nicht genug um sie kümmerten und flog davon.
Nach so viel Gelächter und Rotwein mussten wir uns anschliessend etwas ausruhen. Am Abend kochten wir einen Eintopf und da die Männer müde waren, wurde es auch nicht allzu spät.
Es hatte die ganze Nacht geregnet und auch am Morgen trommelten die Regentropfen auf unser Dach. Bei diesem Sauwetter mochten wir gar nicht recht aufstehen. Wir hatten keinerlei Motivation zu irgend etwas. Jeder blieb in seinem Fahrzeug und las. Am späteren Vormittag rafften wir uns dann doch auf. Es hatte nämlich inzwischen aufgehört zu regnen. Wir liefen zu Peter und fragten, was er denn so unternehmen wollte. Er wusste auch nicht so recht und sagte nur knapp, heute sei Kinowetter. Charly war aber nicht so begeistert von dem Vorschlag, also fiel Kino flach. Peter wollte noch zu einer schweizer Firma, um sich zu erkundigen, was die Herstellung von zusätzliche Dieseltanks kosten würde. Also fuhren wir in Richtung Bellville los. Die Ampeln unterwegs waren alle nicht in Betrieb, denn es hatte einen grossen Stromausfall in der Kapregion gegeben. Vorsichtig tasteten wir uns über die Kreuzungen. Die Südafrikaner sind defensive Fahrer und so war es kein grosses Problem die Kreuzungen ohne Ampeln zu passieren. Wir rechneten uns aber ein grösseres Verkehrschaos in Kapstadt aus und fuhren deshalb bei Muizenberg bis zur M7 am Strand entlang. Auf der R300 gelangten wir schliesslich nach Bellville. Die gesuchte Firma war hier aber nicht, weshalb wir auf der N1 weiter in Richtung Paarl fuhren.
Schliesslich fanden wir die gesuchte Firma. Der Besitzer war ein Schweizer und ziemlich im Stress. Er entschuldigte sich und liess uns erst einmal stehen. Geduldig warteten wir. Der Schweizer gab seinen schwarzen Angestellten genaue Anweisungen und legte schliesslich selbst Hand an. Der muss auch alles selber machen, war der Kommentar von Peter. Nach einiger Zeit wurde die Geduld belohnt und Peter konnte sein Anliegen vorbringen. Der Schweizer taute dann doch etwas auf und war nicht mehr so kurz angebunden. Er erklärte, dass er eigentlich gar nicht arbeiten dürfte, weil er sich böse einen Nerv eingeklemmt hatte, doch leider lief der Laden nicht ohne ihn. Zum Schluss versprach er Peter eine Offerte für die Tanks zu erstellen, dann fuhren wir zurück in die Stadt. Es war bereits Nachmittag und wir hatten saumässigen Hunger. Peter wusste ein gutes Restaurant in Bloubergstrand, wo wir sowieso irgendwann mal hin wollten, um eine paar schöne Fotos von Kapstadt mit dem Tafelberg zu machen.
Es regnete zwar nicht, doch der Himmel war bedeckt. So beschlossen wir zuerst etwas zu essen und erst dann die Fotos zu machen. Wir speisten im Restaurant Jimmys Killer Prawns, von wo aus wir im ersten Stock eine sagenhafte Aussicht auf die Bucht Table Bay und Kapstadt mit dem Tafelberg hatten. In der Bucht lagen 11 Frachtschiffe vor Anker.
Charly und ich bestellten Crazy Prawns und da heute Montag war, galt die Sonderaktion: „all you can eat.“ Wir konnten so viele Shrimps in uns reinstopfen wie wir wollten. Was wir dann auch taten. Die Portionen waren gross und sehr lecker zubereitet. Auch die Calamari und der Kingklip Fisch von Peter waren ausgezeichnet. Der Reis war allerdings nur lauwarm, da es auch hier keinen Strom gab. Gottlob wurden die Fischgerichte auf dem Gas gegrillt, sonst wären wir wahrscheinlich verhungert.
Während unserem ausgedehnten voluminösen Essen zogen sich die Wolken immer mehr zusammen, Fotos konnten wir für diesen Tag vergessen. Die Aussicht haben wir trotzdem genossen, denn ab und zu blinzelte die Sonne doch durch die Wolkendecke.
Als wir mit dem Taschenrechner unsere Rechnung kalkuliert und beglichen hatten, ging plötzlich der Strom wieder. Zu spät für Charlys Pommes Frites.
Auf dem Weg nach Kapstadt hielt Peter an und teilte uns mit, dass er in Seapoint übernachten würde. Charly bevorzugte den Campingplatz und so trennten wir uns.
Auf der M3 fuhren wir zurück zum Chapman’s Peak. Dort wurden wir bereits von der ägyptischen Gans sehnsüchtig erwartet. Lauthals begrüsste sie uns und stürmte auf Charly zu. Sie hatte sich offensichtlich in ihn verliebt. Den restlichen Abend verbrachten wir mit der Gans, denn sobald wir abschleichen wollten, reklamierte sie unüberhörbar.
Schliesslich wurde es uns doch zu kalt und wir verzogen uns in unserer Wohnkabine. Die Gans wartete eine Weile, dann verabschiedete sie sich wieder mit lautem Geschrei und flog davon.
Heute war wunderschönes Wetter, kein Wölkchen war am Himmel. Wir frühstückten und machten uns auf den Weg ins Einkaufszentrum. Charly wollte in Internetcafe nach einem neuen Gästebuch suchen für unsere Homepage. Leider hatten ein paar Häcker unsere Webseite entdeckt und müllte diese regelmässig zu. Er war es Leid die ganze Zeit die gleichen Meldungen zu löschen, welche automatisch von den Häckern verschickt wurden.
Im Internetcafe dauerte die Freude aber nicht lange, denn der Strom war wieder weg. Der Besitzer des Internet Cafes entschuldigte sich mehrfach, doch er konnte ja auch nichts dafür.
Wir fuhren zurück auf den Campingplatz, wo wir wieder auf die Gans trafen. Wir hatten ihr inzwischen schon einen Namen gegeben. Für uns hiess sie Josey, als Abkürzung von Josefine, der Frau von Napoleon. Schliesslich war sie ja auch keine normale Gans.
Sie beknabberte Charly am Kopf und auch meine Haare wurden nach Gänseart geputzt. Sie stolzierte immer auf und ab und erzählte richtige Geschichten. Charlys Ohren waren für sie zum Anbeissen, immer wieder zupfte sie daran bis Charly aufschrie. Auch Charlys 3-Tage-Bart pflegte sie ausgiebig. Am Wasserhahn löschte sie ihren Durst und liess das Wasser über ihren Kopf laufen. Eine kleine Erfrischung! Wohin Charly auch ging, die Gans lief ihm hinterher. Charly lief ein paar Mal um den Tisch, die Gans folgte ihm immer.
Wir blieben auf dem Campingplatz bis der Strom wieder da war. Daraufhin fuhren wir wieder ins Einkaufszentrum. Charly hatte gerade wieder aufgestartet und angefangen aktiv zu werden, als der Strom wieder weg war. Es hatte keinen Sinn heute noch irgendetwas machen zu wollen und so fuhren wir zurück auf den Campingplatz und beschäftigten uns mit Josey. Auch heute blieb sie bei uns bis wir uns in der Wohnkabine verzogen und wieder reklamierte sie laut, weil wir sie alleine draussen liessen. Die Gans war echt abnormal anhänglich.
Auch heute war wieder ein Superwetter. Charly wollte wieder ins Einkaufszentrum, um endlich eine neue Lösung für unser Gästebuch zu finden. Ich beschäftigte mich unterdessen mit einem kleinen Einkaufsbummel und trank einen Kaffee, wo ich nebenbei noch einige Postkarten schrieb.
Nach 3-4 Stunden konnte ich Charly endlich loseisen, obwohl er immer noch keine definitive Lösung gefunden hatte. Ich wollte schliesslich noch den schönen Tag ausnützen. Widerwillig gab sich Charly geschlagen. Auf dem Weg aus dem Einkaufszentrum fuhr Charly in eine Einbahnstrasse versehentlich leider in die verkehrte Richtung. Der Irrtum wurde rasch von uns bemerkt, doch war das Wendemanöver etwas schwierig, da die Strasse sehr eng war. Die Frau vom entgegenkommenden Auto zeigte Geduld, im Gegensatz zu den Taxifahrern auf dem Parkplatz neben uns.
Wir fuhren auf der M3 nach Kapstadt. Das Verkehrschaos war schlimm, denn die Ampeln waren wegen eines erneuten Stromausfalls nicht in Betrieb. Wir quälten uns durch die Stadt und weiter nach Milnerton. Von dort aus war der Verkehr dann wieder flüssiger und wir waren bald darauf in Bloubergstrand. Heute liess ich es mir nicht nehmen die herrliche Aussicht auf Kapstadt und den Tafelberg zu geniessen. Ich sass lange dort und beobachtete die Brandung, die Frachtschiffe und die Wasserskifahrer. Die Sonne schien und kein Wölkchen war am Himmel ein perfekter Tag um Fotos zu machen. Nur der ständige kühle Wind beeinträchtigte die Stimmung etwas. Charly hatte keine Lust und war so lange im Wagen geblieben. Sein Kommentar war, dass er die gleiche Aussicht auch vom Auto aus hätte. Nun ja, jedem das seine.
Schliesslich machten wir uns wieder auf den Weg zurück in die Stadt. Charly hatte im Radio gehört, dass es weiterhin ein Verkehrschaos in Kapstadt gebe, da die Ampeln immer noch ausser Betrieb waren. Man rief zur Geduld auf. Wir beschlossen aus diesem Grund nicht die M3, sondern trotz der Strassengebühr den Chapman’s Peak Drive zu fahren. Es war herrlich. Wir hatten eine tolle Aussicht auf die Zwölf Apostel und das Leben in Camps Bay pulsierte. Die Strasse schmiegte sich an die Steilküste und wir folgten der kurvenreichen Strecke.
In der Nähe von Hout Bay stand ein Hang in Flammen und wir beobachteten einen Helikopter, wie dieser mit einem überdimensionalen Eimer an einem Seil Wasser aus der Bucht holte und dieses über den Brand niederliess. Die Sonnenstrahlen liessen die Berge goldgelb erscheinen.
Am frühen Abend waren wir zurück auf dem Campingplatz. Als Charly zur Toilette musste, entdeckte ihn Josey. Sie begrüsste ihn sogleich lautstark und rannte freudestrahlend mit ausgebreiteten Flügeln auf ihn zu. Ihr Partner war dabei und war wenig begeistert. Er folgten den beiden zu unserem Platz und versuchte Josey immer wieder zu attackieren. Er war wohl eifersüchtig auf Charly. Natürlich beschützten wir sie vor seinen Angriffen.
Diesen Abend sass ich lange draussen bei ihr. Sie quasselte in einer Tour, schade konnte ich sie nicht verstehen. Besonders lebhaft wurde sie, wenn Charly aus dem Auto stieg.
Sie blieb bis weit nach Mitternacht bei unserem Auto, obwohl wir schon lange zu Bett gegangen waren. Wahrscheinlich hatte sie Zoff mit ihrem Alten.
Trotz des schönen Wetters beschlossen wir heute wieder ins Internet Cafes zu gehen, damit das Gästebuch verbessert werden kann. Diese blöden Häcker sollte alle ihren eigenen Schrott korrigieren müssen. Das würde sie lehren anderen so viel Arbeit zu bereiten.
Wir waren gerade im Aufbruch, da kam Peter wieder mit seinem roten Unimog angefahren. Er beschloss spontan mit uns mitzufahren. Im Einkaufszentrum angekommen, bemerkten wir sofort, dass der Strom einmal mehr weg war. Schei...benkleister!
Wir beschlossen noch einzukaufen, bevor wir zurück zum Camping fuhren. Wir hatten schon fast alles beisammen für das Abendessen, als überraschend der Strom wieder da war. Aber nicht lange, denn eine Minute später war er schon wieder weg. Wenig später klappte es dann doch und Charly konnte doch noch zum Internet Cafe. Peter und ich gingen eine Kaffee trinken. Im Kino lief nichts gescheites und so machten wir uns auf den Weg zurück auf den Campingplatz, während Charly weiter hinter seinem Computer sass.
Wir lasen in der Sonne ein Buch und hatten es gemütlich. Ich bearbeitete später am Tagebuch, damit wir bald auch Botswana aufschalten konnten.
Charly kam und kam nicht. Wir hatten abgemacht, dass er Peter auf seinem Handy anruft, sobald er fertig war. Peter erhielt zwei Anrufe an diesem Nachmittag, doch Charly war nicht dabei. Am späten Nachmittag wollte ich mich gerade auf den Weg machen um Charly abzuholen, da war er dann plötzlich da. Er war gelaufen. Er hatte keine Verbindung zu Peters Handy herstellen können. Oh je! Peter sagte scherzhaft, dass ihm das Laufen sicher gut getan hatte. Charly war da anderer Meinung.
Gemeinsam kochten wir feine Spaghetti Bolo. Peter lud uns in seine Wohnkabine ein, da es dort behaglicher war. Bei Kerzenlicht und mit einem Glas Wein assen wir zu Abend, es war ein angenehmer Abend.
Charly wollte nach dem Frühstück wiederum ins Internet Cafe und Peter hatte noch ein paar Sachen im Hardware Store einzukaufen. Danach gingen wir noch ins Einkaufszentrum von Sun Valley, da ich noch auf die Post und die Herren einen Elektroladen aufsuchen wollten.
Anschliessend fuhren wir weiter nach Fish Hoek. Charly wollte das Internet Cafe dort testen, Er ging ins Internet Cafe, während Peter und ich die dürftigen Einkaufsläden inspizierten. Wie verabredet, waren wir eine Stunde später wieder bei Charly. Wir hatten alle Hunger und so gingen wir ins Spur essen.
Wir haben gut und reichlich gegessen und dass mit Blick aufs Meer.
Charly ging anschliessend wieder ins Internet, während Peter und ich die andere Strassenseite unsicher machten. Die Läden waren inzwischen schon geschlossen, so dass wir keinen Trödelladen mehr besuchen konnte.
Zurück auf dem Campingplatz wurde Charly innig von der Gans Josey begrüsst. Sie tat als hätte sie ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen.
Das Wetter war nicht so besonders und so beschlossen wir ins Shopping Center zu gehen. Gemeinsam tranken wir eine Tasse Cafe, danach ging Charly ins Internet Cafe, immer noch wegen dem Gästebuch. Ich vertrieb mir die Zeit mit einem Kinobesuch. Gut war das Kino gleich nebenan.
Wir verbrachten den ganzen Tag im Einkaufszentrum und fuhren erst am Abend zurück auf den Campingplatz. Peter war bereits zu seinen Freunden gefahren, wo er zu einer Grillparty eingeladen war.
Zurück auf dem Camping bereiteten wir unsere Bratkartoffeln mit Spiegeleiern zu.
Josey kam uns freudig begrüssen. Mit lautem Geschnatter und watschelte sie auf uns zu. Meine Haare wurden wieder nach Gänseart vollgesabbert. Sie war wieder sehr anhänglich und reklamierte energisch sobald einer von uns aufs WC musste. Die Begrüssung danach war jedoch überschwänglich. Charly verzog sich ins Auto, während ich noch ein Weilchen mit Josey draussen bleib.
Auch heute war das Wetter bescheiden und wir gingen wiederum ins Shopping Center. Nach dem gemeinsamen Kaffee ging Charly wieder ins Internet Cafe, während ich in den Supermarkt einkaufen ging.
Anschliessend bereitete ich für uns ein paar belegte Brötchen zu und ging ebenfalls ins Internet Cafe. Gemeinsam suchten wir Gästebücher, welche einen Sicherheitscode bei der Eingabe beinhalteten. Eine zeitraubende Beschäftigung.
Es war rasch Abend, ohne dass wir sehr erfolgreich waren. Es gab zwar geeignete Software, doch entsprach keines Charlys Vorstellung. Die einen waren kommerziell, dass heisst man verlangte Geld dafür oder sie waren serverbasierend und wir konnten nicht selber lokal die Anpassungen machen.
Frustriert verliessen wir am vorgeschrittenen Nachmittag das Internet Cafe wieder. Gut gab es zur Zeit eine Aktion und wir mussten nur den halben Preis bezahlen.
Peter war noch nicht zurückgekehrt und auch Josey liess sich nicht blicken.
Ich las am Abend ein Buch während Charly sich weiter mit seiner neuen kostenlosen Software beschäftigte.
Am Morgen war alles grau in grau und wir waren wenig motiviert. Wir beschlossen heute unsere Koffer zu packen und nach Stellenbosch weiterzufahren. Peter war noch nicht zurück gekommen, weshalb wir ihm eine kurze Notiz hinterliessen. Beim Zahlen erlebten wir eine positive Überraschung, denn da wir so lange auf dem Platz geblieben waren, erhielten wir einen guten Preisnachlass. Statt 900 Rand zahlten wir nur noch 650 Rand. Je länger ich mich mit der Besitzerin unterhielt, desto günstiger wurde es.
Wir fuhren über Muizenberg am Strand entlang bis nach Somerset West. Dort marschierten wir als erstes in das gigantische Einkaufszentrum Somerset Mall. Die Einkaufsmeile erschien uns endlos. Charly war natürlich wieder mit seinem Notebook unterwegs. Am Ende der Geschäfte fanden wir ein Internet Cafe, wo er nochmals wegen dem neuen Gästebuch recherchieren wollte. Ich ging unterdessen einen Film im nahe gelegenen Kino ansehen.
Gemeinsam um 15 Uhr sind wir dann nochmals ins Kino gegangen, denn es lief ein Science Fiction Film. Welcher aber leider wenig spannend war. Charlys Kommentar: „So ein Seich“
Danach machten wir uns auf den Weg nach Stellenbosch. Es war immer noch stark bewölkt und es wurde schon so langsam dunkel.
Auf dem Camping Mountain Breeze fanden wir einen guten Platz neben einem anderen Toyota. Er gehörte den Bambergern Michael und Roswitha. Bald kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass Michael vor 5 Jahren dieses Auto runtergefahren hatte und nun in Südafrika stationiert hatte. Da er bereits im Ruhestand war, konnte jedes Jahr für 3 Monate unterwegs sein, während ihn seine Freundin Roswitha nur 6 Wochen begleiten konnte. Er hatte früher als Oberarzt in einem Krankenhaus gearbeitet, hat sich dann aber 5 Jahre vorzeitig pensionieren lassen, damit er auch noch etwas vom Leben hat.
Wir unterhielten uns so gut, dass wir unser Stühle vom Dach holten, spontan zusammensassen und gemeinsam ein Gläschen Wein tranken.
Wir hatten eine gemütliche Runde, bis es anfing zu tröpfeln. Die Flucht unter einen Baum nützte uns wenig, so mussten wir ins Auto flüchten und den gemütlichen Abend beenden.
Nach dem Frühstück zeigten wir Michael und Roswitha unser Auto. Roswitha war begeistert und sagte zu Michael, dass er sich das mal anschauen soll. So muss ein Auto aussehen. Es war uns etwas peinlich. Gegen Mittag fuhren die Beiden weiter und wir verabschiedeten uns von ihnen. Den restlichen Tag verbrachten wir damit das neue Gästebuch anzupassen und zu integrieren sowie das Botswana Tagebuch zu bearbeiten.
Am Nachmittag kam ein belgisches Ehepaar, welches bereits seit 50 Jahren in Afrika lebt. Er konnte es gar nicht fassen, dass wir durch den Kongo gefahren waren und fragte uns Löcher in den Bauch. Er hatte nämlich einmal vor vielen Jahren in Kinshasa gelebt und war dort als Lehrer tätig. Er wollte uns zu einer Flasche Wein einladen, doch in Anbetracht der immer noch ausstehenden Aktualisierung unserer Webseite, lehnten wir höflich ab. Wir waren noch bis spät abends damit beschäftigt.
Auch den heutigen Tag hatten wir voll und ganz unserer Webseite gewidmet. Wir waren am späten Nachmittag damit soweit fertig, dass wir das neue Gästebuch aufschalten konnten. So viel Arbeit wegen ein paar Idioten, die unser Gästebuch mit ihren Attacken vollmüllten.
Wir fuhren zum Somerset West Mall. Das Internet Cafe war offen, doch die restlichen Geschäfte waren fast alle geschlossen, denn heute war ein Feiertag in der Cape Region. Es waren Wahlen. Während Charly die Zeit im Internet verbrachte, versuchte ich die Zeit totzuschlagen. Im Kino gab es nichts interessantes und ausser zwei Kleiderläden war alles geschlossen. Hungrig tigerte ich durch die endlosen Gänge des Einkaufszentrums. Kurz vor 19 Uhr kam Charly aus dem Internet Cafe und wir gingen zum Spur. Dort gab es heute soviel Spare Ribs wie man wollte. Wir hatten beide grossen Hunger und freuten uns schon auf die Rippchen. Die erste Portion war in Ordnung, doch auf die zweite Portion mussten wir lange warten. Die zweite Portion war mickrig klein. Auf die dritte Portion mussten wir wieder lange, - wirklich lange warten. Als die Tante dann endlich kam waren wir entsprechend sauer, denn Charlys neubestellte Pommes waren inzwischen kalt geworden. Wir liessen sie deutlich unseren Frust spüren und siehe da, rassig kam plötzlich eine doppelte Portion, inkl. frischen Friten. Leider hatte sie uns nicht richtig verstanden, denn ich wollte gar keine dritte Portion mehr. Egal, so hatte Charly Spare Ribs bis zum Abwinken. Leider waren die Rippchen nicht so lecker, wie wir sie in Windhoek gehabt hatten. Schade!
Heute war das Wetter etwas besser und entsprechend hoffnungsvoll machten wir uns auf den Weg nach Stellenbosch.
Zuerst fuhren wir zum Informations-Center, da wir uns erkundigen wollten, wo es die schönsten, alten Kap-Holländischen Häuser gab.
Anschliessend liefen wir in ins Shopping Center, da wir Hunger hatten und dort in der Backstube einen Kaffee und ein Stück Kuchen als Frühstück vertilgen wollten.
Danach ging es wieder ins Internet Cafe, da Charly unbedingt noch ein Update runterladen wollte. Als wir dann endlich aus dem Laden raus kamen, begann es zu regnen. Es war wenig erfreulich die alten Häuser im Regen anzuschauen, also liefen wir zurück zum Auto und fuhren wieder auf den Campingplatz. Es war nass und kalt, so dass wir die Heizung anstellen mussten. Es waren nur noch 20 Grad, definitiv zu kalt für uns.
Heute war der Himmel nur noch leicht bewölkt und wir beschlossen heute die Tour zu den Weingütern zu unternehmen. Wir fuhren nach Stellenbosch und dann auf der M12 nach Osten. Das erste Weingut Vredenheim war wenig interessant und wir fuhren gleich weiter. Das Weingut Bonfoi besass einen schönen Garten und ein schönes altes Gebäude von 1699. Damals gehörte dieses Haus zwei Französinnen. Der Weinkeller selber wurde aber erst 1820 gebaut. Wir machten von dem alten Gebäude ein Foto, denn für eine Weinprobe war es uns noch zu früh.
Das nächste Weingut hiess Saxenburg. Als wir ankamen, mussten wir uns bei der Eingangsschranke registrieren. Der weisse Portier fragte wie lange wir denn schon unterwegs wären und auf unsere Antwort von 14 Monaten, sagte er: Na, dann wird es aber Zeit, dass wir die Saxenburg besuchen. Es war ein historisches Weingut, denn seine Entstehung datierte auf 1693. Das alte Gebäude war inzwischen zu einem Restaurant umgebaut worden und wir hatten von der Terrasse einen sensationellen Ausblick auf das Meer und den Tafelberg. Da es noch nicht einmal Mittag war, tranken wir lieber einen Kaffee anstatt Wein. Beim Verlassen des Restaurant bemerkten wir, dass es inzwischen wohl Mittag sein musste, da einige Gäste schön dekorierte Teller mit leckeren Speisen vor sich stehen hatten. Es roch verführerisch!
Unser nächstes Ziel war Zevenwacht. Für mich mit Abstand das schönste Weingut, denn es ist an einem See gelegen und das historische Gebäude spiegelte sich darin. Die Lage war einmalig, insbesondere da die vorherige Umgebung wenig einladend war. Da Charly keine Lust hatte Wein zu degustieren, beliessen wir es bei einem Fotostopp.
Die Weingüter Hazeldal und Mooiplaas hatten keine gute Lage und auch kein schönes altes Haus, weswegen wir uns dort auch nicht lange aufhielten. Auf der M23 fuhren wir, bis wir wieder auf die Weinstrasse R44 in Richtung Stellenbosch kamen.
Kurz vor Stellenbosch wollten wir eigentlich noch zum Weingut Rustenburg, doch hatten wir die Abzweigung verpasst und Charly hatte schon so langsam genug Weingüter gesehen.
Das Weingut Lanzerac liess ich mir nicht nehmen und wir suchten den Weg dorthin. Es war etwas verzwickt, doch fanden wir es schliesslich doch noch. Das Eingangstor von der Hauptstrasse her konnte nicht geöffnet werden, da es wieder einmal einen Stromausfall gab. Wir benutzten den anderen Eingang und kamen zu einer Pforte. Dort stand ein Schwarzer Pförtner mit weissen Handschuhen und wir wurden gebeten uns zu registrieren. Huch - wie vornehm! Das Weingut selber war ein traditionelles Weingut, welches 1692 erbaut worden war. Das alte schön restaurierte Gebäude wird heute als Luxus Hotel genutzt und im Garten nebenan konnten man gediegen dinieren. Wir hatten inzwischen zwar Hunger bekommen, doch war uns das Ambiente doch etwas zu vornehm. Im historische Gebäude wurde gerade umgeräumt und der rote Gabelstapler mochte nicht so richtig zum alten Gut passen. Auch die grossen Touristen-Busse auf dem Parkplatz passten nicht so recht zu dem vornehmen Getue.
Wir fuhren weiter. Der Verkehr wälzte sich nur langsam voran, denn durch den Stromausfall funktionierten auch die Ampeln nicht. Vorsichtig musste man die Kreuzungen passieren und entsprechend träge war das Fortkommen. Kurz vor dem Weingut Blaauwklippen gab es dann einen Stau. Spontan entschlossen wir uns das Weingut anzusehen. Die Anlage war ebenfalls historisch und zahlreiche alte Kutschen standen als Dekoration auf den Wiesen. Das Restaurant erschien im ersten Moment als vornehm, doch im Garten war es dann weniger gestopft. Wir setzten uns in die Sonne und wollten etwas warmes zum Essen bestellen. Leider war ja auch hier Stromausfall und somit funktionierte auch ihr Herd nicht. Schade, ich hätte zu gerne eine Tarte Flambée gegessen. So gab es für Charly ein Club-Sandwich und für mich einen Salat. Hier wollte ich einen Weisswein probieren und bestellten einen Sauvignon Blanc. Charly als Weinbanause bestellte ein Bier. Nachdem wir unsere hungrigen Mägen zum Schweigen gebracht hatten, besichtigten wir die alten Gebäude. Die Anlage war grosszügig und schön in Schuss gehalten.
Zum Abschluss unserer Weinroute wollte ich noch das alte Weingut Vergelegen anschauen, welches in der Nähe von Somerset West lag. Als wir dort ankamen, war es bereits nach 16 Uhr und man liess uns nicht mehr ein. Charly war erzürnt, dass man hier 10 Rand Eintritt verlangte. Da es jedoch sowieso zu spät war für heute noch irgendetwas anzuschauen, fuhren wir zum Somerset West Mall.
Im Einkaufszentrum war heute viel los. Charly wollte das Botswana Tagebuch aufschalten, doch war sein Platz für den eigenen Notebook besetzt. So gingen wir einen Kaffee trinken und im Pick’n Pay einkaufen. Danach telefonierten wir mit Jürgen und Gabi, denn heute war unser erster Geburtstag. Vor einem Jahr waren wir beschossen worden.
Bei unserem nächsten Versuch im Internet Cafe hatten wir dann Glück und Charly hatte seinen Platz. Ich ging unterdessen wieder einmal ins Kino und sah mir den neuen Film ’Casanova’ an.
Spät kamen wir auf dem Campingplatz an. Alles war schon dunkel, doch gab es ein paar junge Gören, die Rabatz machten. Charly nervte sich, da sie die halbe Nacht giggelten und herum rannten.
Auch heute hatten wir wieder einen wundervollen Tag. Die Schlechtwetterfront schien endlich vorüber zu sein.
Wir fuhren die schöne Route nach Franschhoek. Links und rechts waren viele Rebstöcke und Berge, welche uns im Sonnenlicht regelrecht anstrahlten. Im Städtchen Franschhoek war viel in französisch angeschrieben, womit die Herkunft der ursprünglichen Einwanderer dieser Weinregion klar war. Wir stiegen aus und spazierten ein wenig im Städtchen herum.
Unser nächstes Ziel war Boschendal. Ein altes Weingut, welches wir bereits 1999 besucht hatten. Man kann dort exquisit Essen, doch hielten uns die gehobenen Preise für das Buffet ab. Ich machte ein paar schöne Fotos vom alten Haupthaus. In der Probierstube und Souvenirladen begegneten wir unseren belgischen Nachbarn. Nach einem kurzen Schwatz machten wir uns wieder auf den Weg, denn ich wollte unbedingt noch das Weingut Vergelegen anschauen.
Charly sah nicht ein, wieso er 10 Rand für die Besichtigung eines Weingutes zahlen sollte und blieb im Auto. Ich lief zur Schranke und zahlte. Das Weingut war noch ein Stück weg und ich lief auf der Strasse durch den alten, knorrigen Wald, bis ich zum Gebäudekomplex kam.
Der Zutritt ist nur durch den Souvenirladen möglich, doch erhielt ich dort nach einer Anfrage ein Informationsblatt über das Weingut.
Die Weindegustation war in der nächsten Stube. Ich lief schnurstracks zur alten Bibliothek des Weingutes. Dort waren endlose Reihen von alten Büchern in den Regalen. Im Nebenraum war ein schöner, alter Billardtisch und die Wände waren mit alten Bildern geschmückt.
Der Garten war mit viel Rasen und grossen Bäumen angelegt. Vor dem alten Haupthaus waren vor 300 Jahren chinesische Kampferbäume angepflanzt worden. Diese waren nun riesig gross, knorrig und beeindruckend. Im Haupthaus konnte man im unteren Stockwerk alle Räumlichkeiten besichtigen. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie die Herrschaften dazumal gelebt hatten. Die Räumlichkeiten waren für die damaligen Verhältnisse feudal eingerichtet und praktisch jeder grössere Raum hatte sein eigenes Kaminfeuer. Der anschliessende achteckige Garten war als Englischergarten angelegt. Eine wahre Pflanzenpracht!
Zum Abschluss ging ich dann doch noch ein Gläschen Weisswein probieren. Man verlangte je nach Weinsorte zwischen 2 und 10 Rand für die Degustation. Der Wein war gut, doch eine Flasche überstieg unser Tagesbudget.
Charly hatte sich unterdessen wieder mit seinem Computer beschäftigt und so war ihm unterdessen gar nicht langweilig geworden.
Nun hiess es Abschied nehmen von den schönen alten Weingütern, denn wir fuhren nach Strand und von dort aus folgten wir der Küstenstrasse. Das Meer glitzerte in der späten Nachmittagssonne. Einige Boote waren in der False Bay und wir hatten nach Gordon’s Bay eine tolle Aussicht auf die Bucht, die umliegenden Berge und den Strand. Es gibt nur ein Wort dafür TRAUMHAFT!!
In der Koeël Bay fanden wir einen direkt am Meer gelegenen schönen Campingplatz, doch war es uns noch zu früh, wir wollten noch etwas weiterfahren. Das Panorama an der Küstenstrasse entlang war immer wieder atemberaubend bis zur Rooiels Bay, die Berge fielen dort direkt ins Meer. Die Steilküste und das dunkelblaue Meer waren ein Augenschmaus. Bei Rooiels Bay verliess die Strasse die Küste und wir kamen erst bei Silver Sands wieder an den flachen Strand. Nun war es vorbei mit der tollen Aussicht.
Wir durchfuhren die kleinen wenig attraktiven Küstenorte Betty’s Bay, Kleinmond und Hawston. Kurz vor Hermanus wollten wir in Onrus auf den Campingplatz gehen, welcher ebenfalls direkt am Meer liegen sollte. Wir verpassten die Ausfahrt, da es kein Hinweisschild an der Hauptstrasse gab. So gelangten wir nach Hermanus. Alle Läden waren geschlossen da Samstagabend war und das Städtchen war wie ausgestorben.
Wir drehten um und machten uns auf die Suche nach dem Campingplatz. Wir durchfuhren ein paar Siedlungen direkt am Meer, wo wir leider immer wieder in einer Sackgasse endeten und deshalb umkehren mussten. Die Bewohner sahen uns neugierig hinterher. Schliesslich fanden wir doch noch die richtige Ausfahrt und kamen auf den Campingplatz. Das Büro war bereits geschlossen und der Pförtner wusste nicht wie viel der Platz kostet. Egal, es war schon spät und wir wollten nicht noch weitersuchen müssen.
Der Platz war ziemlich voll und alle Südafrikaner waren fleissig am grillen. Kindergeschrei und laute Musik rundeten das Bild ab. Mit einem Wort, es gefiel uns gar nicht. Wir konnten zwar von unserem Platz aus das Meer sehen, doch waren die Klippen schroff und das in die Klippen gehauene Bassin mit dem kalten Meerwasser wenig einladend.
Ich wollte auf die Toilette und bemerkte, dass man einen Schlüssel brauchte. Was war jetzt das wieder für eine Superidee. Hatten die Angst, dass einer die Toiletten klaut? Ich lief zum Pförtner und verlangte einen Schlüssel, welcher mich saublöd fragte: „Sie brauchen einen Schlüssel?“ Das hört sich nun rassistisch an, aber dass kann nur ein Schwarzer aus Südafrika fragen. Klar, antwortete ich, wenn die Toiletten und Duschen abgeschlossen sind, dann braucht man einen Schlüssel, oder nicht? Er gab mir daraufhin einen Schlüssel, welchen er aus einer grossen Schüssel voller Schlüssel hervorzauberte. Diese vielleicht 100 Schlüssel waren offensichtlich alle für Campinggäste gedacht und der Typ tat so, als ob er völlig überrascht wurde von meiner Bitte.
Am Abend kochten wir uns Nudel mit Tomatensauce. Charly war gerade dabei die Sauce zu rühren, während ich den Tisch im Auto deckte. Da kam ein Südafrikaner und fragte Charly etwas. Charly bat um einen Moment Zeit, da er gerade die Sauce rühren musste. Der Typ war dann frech zu unserer Wohnkabine gegangen und spickte hinein. Daraufhin war Charly wenig freundlich zu dem unverschämten Herren, schliesslich schauen wir auch nicht einfach in seine Wohnung rein.
Auf dem Platz war schon am frühen Morgen wieder alles in Bewegung und die Geräuschkulisse entsprechend hoch. Wir standen auf und machten uns reisefertig. An der Rezeption zahlten wir 112 Rand, dabei gab es nicht einmal WC-Papier auf den verschlossenen Toiletten. Ich reklamierte natürlich wegen dem Schlüssel und der Farbige (Mischling) hinter dem Tresen entgegnete mir wörtlich, dass der Schwarze wirklich zu blöd sei und man ihm schon diverse Mal gesagt hatte, dass er jedem Ankömmling einen Schlüssel aushändigen müsse. Dieser könne auch gar nichts in seinem Kopf behalten und er werde ihn am Abend nochmals ins Gebet nehmen. Sein Wort in Gottes Ohr!
Als ich zurück zum Auto kam, war Charly mit einem älteren Pärchen aus Pretoria im Gespräch. Es wurde wieder das üblichen gefragt. Wie, wie lange und was für Probleme gab es unterwegs. Das Paar war recht sympathisch und so unterhielten wir uns eine ganze Weile. Zum Abschied wünschten sie uns alles Gute und dass Gott auf uns aufpassen soll.
Wir fuhren nach Stanford und wollten von dort in Richtung Rietpoel. Nach Stanford kamen wir per Zufall an der Farm Klein River Valley vorbei. Wir hatten im Pick’n Pay immer den leckeren Gruyére von dieser Käserei gekauft. Doch da heute Sonntag war, war leider geschlossen. Wir fuhren trotzdem hin. Die Farm war klein und wir wunderten uns, wie die soviel Käse herstellen - mit so wenig Kühen. Auch das Lagerhaus für den Käse muss wohl an einem anderen Ort sein. Wir hatten dennoch Glück, denn ein Gebäude war offen. Dort konnte man Käse, Marmelade, Honig, Wein usw. kaufen. Wer wollte konnte sich mit Weissbrot, Käse und einer guten Flasche Wein einen Picknickkorb zusammenstellen lassen. Draussen auf dem grossen Platz gab es diverse hübsche Tische und Stühle, die zum Verweilen einluden. Kurzentschlossen machten wir eine Mittagspause, assen den soeben gekauften Käse mit frischem Weissbrot. Der Käse war fast so gut wie in der Schweiz. Der Besitzer der Käserei besucht regelmässig Käsereien in Frankreich, wie wir im kleinen Laden erfuhren.
Anschliessend fuhren wir weiter über Bredasdrop zum Cape Agulhas, dem südlichsten Punkt von Afrika. Hier trifft der Atlantic mit dem Indischen Ozean zusammen. Entsprechend heftig ist auch die Brandung an den Klippen. Wir hatten wieder super Wetter und auch der Wind war verhaltend. Wir setzten uns auf die Klippen und sahen auf das Meer hinaus. Wir genossen die Aussicht und den denkwürdigen Moment, denn von nun an geht es nur noch nach Norden.
Auf der R319 fuhren wir durch eine hügelige, karge Landschaft nach Swellendam. Das historische Städtchen hatte ein paar alte Reeddachhäuser und wurde von einer grossen Kirche dominiert.
Wir fuhren unserem Tagesziel entgegen, denn wir wollten zum Bontebok National Park.
Die Lady an der Rezeption hatte mit unserer Wild Card ein Problem, denn angeblich waren keine Daten darauf vermerkt. Ich musste meinen Ausweis holen und sie gab umständlich die Daten ein. Charly war schon ungeduldig geworden und kam ebenfalls in die Rezeption und fragte ungehalten, was denn da so lange dauert.
Die Lady hatte es aber schon fast geschafft und es dauert nur noch etwas länger, weil ich die Campinggebühr mit der Visakarte bezahlte. (Wieder ein ausgedehnter Verwaltungsaufwand.)
Schliesslich hatten wir es geschafft und konnten uns auf Erkundungstour begeben. Wir fuhren die 8 Kilometer lange Westroute. Wir sahen unterwegs nur wenige Buntböcke und zoomten mit der Kamera was das Zeug hielt. Später auf dem Campingplatz standen dann die Buntböcke direkt vor unserem Auto, was wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten. Der Campingplatz ist schön am Fluss Breede gelegen. Für normale PKW oder 4x4-Fahrzeuge gab es ein herrliches Plätzchen direkt am Fluss.
Wir stellten Snoopy direkt ans Ufer. Ein deutsches Paar aus München war beim Angeln. Wir unterhielten uns ein Weilchen. Der Bayer ging mit samt der Angelrute ins Wasser, um besser Angeln zu können. Wir liefen zurück zum Auto. Wir sassen schön friedlich beim Auto und genossen einen kleinen Imbiss, als wir eine gelb-grüne Schlange im Wasser schwimmen sahen. Charly lief sofort zu dem deutschen Paar, um sie zu warnen. Diese hatten eine weitere Schlange am Ufer entdeckt.
Unsere Badegelüste waren somit gestorben. Bei Charlys Glück, hätte sie bestimmt ihn in den Hintern gezwickt ;-).
Ich holte das Fernglas aus dem Auto, denn im Fluss ganz in unserer Nähe war ein Fischotterpaar auf Jagd. Sie verschwanden im Wasser und tauchten irgendwo später wieder auf. Schmatzend frassen sie die Beute. Leider waren sie immer nur für sehr kurze Zeit zu sehen.
Es kam noch ein Paar mit einem kleinen Auto hinzu. Es waren Beate und Rüdiger. Sie erzählten von ihrem Pech, denn sie hatten ihren Mitsubishi Pajero in Dakar nach Südafrika einschiffen lassen. Doch war der Wagen dann in Spanien gelandet, wo er eigentlich nicht hin sollte. Das Auto soll nun mit einem Monat Verspätung Mitte März in Kapstadt ankommen.
Nach unserem Abendessen kamen die Beiden zu uns an den Tisch und wir konnten ihnen sogar zwei Hocker anbieten. Was für ein Luxus, war ihr Kommentar. Sie wollen wahrscheinlich auch ein Stück die Ostküste hochfahren, eventuell treffen wir sie irgendwo wieder. Bei Wein und Bier hielten wir es ganz schön lange aus. Zwei Buntböcke grasten um uns herum. Wir vermuteten, dass sie im Lichtschein von unserer Laterne die Grashalme besser sahen.
Schon am frühen Morgen waren die Buntböcke wieder bei unserem Auto, weswegen Charly die Bemerkung machte, dass wir nun unsere privaten Rasenmäher hätten. Es war wieder ein herrlicher Tag und da Charly noch im Bett lag, beschloss ich etwas im Schatten von Snoopy zu lesen. Dabei hörte ich deutliche Schmatzlaute. Ich schaute von meinem Buch auf und sah direkt zu den beiden Fischotter hinüber. Sie waren wieder mit Fische fangen und fressen beschäftigt. Es waren sehr possierliche Tiere und ich hätte ihnen stundenlang zu sehen können. Ein paar Fische sprangen im Wasser. Eine richtige Idylle!
Keine zwei Schritte entfernt von mir grasten die Buntböcke. Die Tiere zeigten gar keine Scheu. Ich beobachtete sie und bewunderte ihre schöne Fellfärbung. Charly konnte die Tiere direkt von der Wohnkabine aus beobachten.
Uns gefiel der Platz am Flussufer und so beschlossen wir, dieses schöne Plätzchen nochmals einen Tag auszunutzen. Beate und Rüdiger hatten hingegen schon ihr Zelt abgebrochen und waren startklar. Wir schwatzten noch eine Weile, dann hiess es Abschiednehmen.
Das Wasser war zwar verlockend, doch trauten wir uns wegen den Schlangen nicht in den Fluss. Vom Ufer aus konnte man gut die Fische beobachten.
Wir hatten im Laufe des Tages wieder Nachbarn erhalten, welche eifrig am Fischen waren. Es war ein junges Paar aus Kapstadt. Der junge Mann war voll auf damit beschäftigt, in einem grossen Reifen schwimmend das Anglerparadies zu nutzen. Die Fische aber waren schlau und er konnte trotz des Fischreichtums nicht viele fangen.
Ich las etwas, während Charly noch etwas döste. Die Buntböcke waren wieder den ganzen Nachmittag bei uns.
Am späteren Nachmittag rafften wir uns dann doch noch auf und fuhren zum Einkaufen nach Swellendam. In der Toyotagarage fragten wir nach, ob man uns die Kupplung ölen könnte, da wir beim Auskuppeln immer ein Klappergeräusch hörten. Die Leute waren so freundlich und ölten das Teil kostenlos. Der Garagenchef sagte mit einem breiten Grinsen, dass es heute kostenlos sei, aber morgen doppelt so viel kosten würde. Charlys Antwort, dass doppelt so viel von nichts auch nichts sei. Worauf das Grinsen sich beim Chef noch vertiefte.
Wir fuhren zurück auf den Platz und packten den Wein aus. Zusammen mit den Früchten die wir gekauft hatten, war das ein feiner Snack. Wir beobachteten die Webervögel und auch andere Vögel. Eine grosse Schar von Vögeln waren auf dem Platz und bepickten den Rasen. Ich holte unser altes Brot raus und fütterte ein paar Vögel. Plötzlich sah Charly etwas hinter uns durch huschen. Er dachte noch, was war jetzt das für ein komischer Vogel. Doch es war kein Vogel, sondern eine freche kleine Streifenmaus mit niedlichen Knopfaugen. Sie war anfänglich noch scheu, doch krabbelte sie mir bei ihrer Suche nach Futter frech über meinen Fuss.
Da es den ganzen Tag zu heiss gewesen war, hatten wir keine Lust zu kochen und deshalb gab es eine Käseplatte mit feinen Weisswein.
An diesem Morgen waren alle Buntböcke verschwunden, nur oben bei den Duschen waren noch einige Antilopen. Ein Kalb war auch dabei, doch war dieses sehr scheu.
Bevor wir den Park verliessen fuhren wir noch die 16-kilometerlange Ostroute. Anfänglich sahen wir nur wenige Tiere, doch gegen Schluss trafen wir dann doch auf einige Tiere. Sogar ein paar Bergzebras bekamen wir zu Gesicht.
Von Swellendam fuhren wir auf der R324 über den malerischen Tradouws Pass. Eine tiefe Schlucht veranlasste uns zu einem kurzen Stopp. Uns erinnerte die Strecke über den Pass an die Schweiz, nur dass der Schnee fehlte.
Bei Barrydale gelangten wir auf die R62, der angeblich längste Weinroute der Welt. Die Landschaft war nun weniger beeindruckend bis Ladysmith. Das änderte sich jedoch, als die Strecke in Richtung Huisrivier Pass führte. Kurz nach Zoar fuhr ein VW-Bus vor uns her und wir dachten schon, dass die Leute da vorne irgendwie komisch in den Rückspiegel schauten. Und tatsächlich kannten wir die Leute. Wir hielten kurz an und begrüssten die netten Südafrikaner aus Pretoria, welche wir in Onrus auf dem Camping getroffen hatten. Sie wollten einen Abstecher über den Seweweekspoort Pass machen, da sie gehört hatten, dass diese Gegend besonders schön sein soll. Sie empfahlen uns in Oudtshoorn den Campingplatz Kleinplaas zu nehmen, da dieser besonders schön gelegen sei und viele schattigen Bäume hätte. Bei dieser Hitze ein MUSS! Wir fuhren weiter über den schönen Huisrivier Pass und gelangten bald in Oudtshoorn an. Wir gingen in die Touristen-Info und gleich darauf ging Charly wieder in ein Internet Cafe. Ein paar schwarze Jungs kamen gleich auf uns zu und wollten Geld erbetteln. Sie wären so hungrig, doch mager sahen sie nicht aus. Einer wollte auf das Auto aufpassen, wir waren skeptisch bei diesen Herumtreibern und reagierten nicht auf seinen Vorschlag. Ich schlenderte durch die Strassen des ruhigen Städtchen, während Charly im Internet Cafe war. Nach einer halben Stunde kam ich zurück, denn es war wieder einmal Stromausfall und Charly konnte die Mails nicht fertig versenden. Stromausfall gab es in den letzten 3 Wochen fast täglich, beide Reaktoren für die Kapregion waren defekt und permanent überlastet. Es waren zu viele neue Häuser gebaut worden, ohne an die zusätzliche Strom- oder Wasserversorgung zu denken. Seit es eine schwarze Regierung gibt, ginge es ständig bergab, da man nun organisatorisch schlecht vorausdenkt, war die Aussage von einigen Weissen dazu.
Wir fuhren auf den Campingplatz Kleinplaas und erhielten einen Sonderrabatt für Rentner. Nett! Wir haben nicht reklamiert, da wir dadurch statt 120 nur 84 Rand zahlen mussten. Eine andere Art von Rabatt gab es nicht und die junge Frau an der Rezeption entschuldigte sich bei uns mit den Worten, nicht dass sie uns für so alt hielte......Öööhhhhh!
Sie war ganz nett und kompetent, weshalb wir sie fragten, wo man gut Straussenfleisch essen könnte. Sie empfahl uns das Swiss Bistro, welches nur 15 Minuten zu Fuss von hier entfernt lag.
Später trafen die anderen Südafrikaner ein und sie erzählten uns wie toll die Strecke gewesen war und sie entschuldigten sich, dass sie uns nicht eingeladen hatten mitzukommen.
Kein Problem war unsere Antwort. Wir hielten noch einen längeren Schwatz, bevor wir uns auf den Weg zum Swiss Bistro machten.
Das Restaurant war schön angelegt. Vorne gab es einen Vorgarten mit urchigen Mauern. Die Stube erinnerte etwas an eine Schweizer-Bergbeiz, doch die Krönung war der hintere Garten. Eine Brücke führte über einen künstlichen Fluss, welcher von einem kleinen Wasserfall gespeist wurde. Wir fanden einen hübschen Tisch direkt bei der Brücke und konnten schön ins Grüne schauen. Fast alle Tische waren belegt, doch die zackige Bedienung liess uns nicht lange warten.
Wir bestellten als Vorspeise Meeresfrüchtesalat respektive Calamari. Charly bestellte sich ein Straussenfilet mit Pfeffersauce, welches dann wirklich pfeffrig war und ich hatte meines nach Jägerart mit Pilzen. Das Essen war sensationell und wir mampften wie die Weltmeister. Der Chef aus Meilen liess sich persönlich blicken und begrüsste uns sowie die anderen Gäste. Günther lebt bereits seit 34 Jahren in Südafrika und hatte vorher einen Elektroladen gehabt. Seine Frau Marianne ist jedoch mit Herz und Seele Beizerin, erklärte er uns und hatte immer nebenbei ein Lokal geführt. Da beschloss er vor 7 Jahren den Laden zu schliessen und seiner Frau ein schönes Restaurant zu bauen. Mit Erfolg, wie wir sahen.
Ich konnte beim besten Willen das grosse Filet nicht aufessen und gab es Charly, doch auch er streikte bald. Der rote Kater kam wie gerufen und schaute trotz seines gutgenährten Ranzens hungrig zu Charly rauf. Da die Fleischmöckli nicht so schnell fielen, wie sich der Kater das vorgestellt hatte, stupste er Charly mit einer Pfote immer wieder am Bein an. Quasi - mach etwas schneller Junge!
Wir verliessen das Restaurant mit vollen Bäuchen und der kurze Spaziergang zurück zum Campingplatz tat uns gut. In der Nacht haben wir trotzdem nicht so gut geschlafen, weil wir zu voll gefressen waren.
Auch heute war wieder ein schöner heisser Tag und ich beschloss einen Waschtag einzulegen. Die Waschmaschinen hatten ausnahmsweise sogar heisses Wasser, die Anlage war sehr sauber und konnte sogar abgeschlossen werden. Ein älteres Ehepaar war gerade am Waschen und die Frau fragte mich besorgt, ob ich denn auch Wäscheklammern hätte. Ja, ja beruhigte ich sie.
Am Nachmittag ging Charly zu Fuss in die Stadt, da er noch ein paar Mails schicken wollte. Ich hatte in der Zwischenzeit wieder einmal die Gelegenheit das Tagebuch zu aktualisieren. Als ich am Abend die Wäsche holen wollte, erlebte ich eine positive Überraschung. Jemand hatte für mich die Wäsche bereits abgenommen und sauber zusammengefaltet. So ein Service ich hatte da eine bestimmte ältere Dame in Verdacht!
Die Küche blieb heute kalt, da wir gestern so über die Strenge geschlagen hatten.
Heute hiess es wieder einmal weiterfahren und da Charly noch so gemütlich im Bett schnarchte, musste ich ihn rausschmeissen. Er war nicht so begeistert von meiner Dynamik.
Wir hatten gerade gefrühstückt und gepackt, als ein älterer Herr begeistert auf uns zu kam. Er war sicher schon einiges über 60, doch das hinderte ihn nicht daran, sich bis zu 37 Wochen im Jahr durch den afrikanischen Busch zu schlagen. Über Angola fragte er uns Löcher in den Bauch, denn das wird sein nächstes Reiseziel sein. Er gab uns gute Tipps über Malawi, Mosambik und vor allem über sein Lieblingsland Sambia. Von dem Land war er ganz und gar begeistert, da es so unkompliziert sei. Wir werden ja sehen, ob wir das auch so erleben.
Das hatte uns natürlich aufgehalten und wir kamen doch wieder später weg als gedacht. Da wir im Sinn hatten in die abgelegene Region von Gamkapoort im Swartberg National Reserve zu fahren, mussten wir unbedingt noch tanken und einkaufen. Beim Einkaufszentrum stellten wir Snoopy auf den grossen Parkplatz ab und gingen im Pick’n Pay einkaufen. Wir staunten nicht schlecht, als wir neben den normalen Hühnereiern Strausseneier - im Regal fanden. Ich schlug Charly Rührei vom Strauss vor, doch stellte sich das Problem, wie öffnet man so ein Ei. Die Schale war dick und stabil. Hammer? Säge? ...und unsere Pfanne wird die Quantität wohl kaum schaffen.
Als wir unsere Sachen verstauen wollten, kam der erste Herr zu uns. Es wurden die üblichen Fragen gestellt, woher und wie lange und wie weiter. Der Herr mittleren Alters hatte im Sinn mit einem normalen PKW die Ostroute bis nach Ägypten hochzufahren. Im nördlichen Sudan wird er spätestens Probleme haben, aber wie wir von den Österreichern Gisi und Rüdiger gelernt haben Nichts ist unmöglich.... Wir hatten uns gerade verabschiedet, da kam der nächste Herr, welcher uns auch sogleich erklärte, dass so eine Reise sein Traum wäre. Der dritte Herr hatte einen urchigen Bart und gegrüsste uns mit einem freudigen Grüezi. Wir dachten schon er wäre Schweizer, doch es war ein Südafrikaner, der lange in der Schweiz gelebt hatte. Spontan wollte er uns Snoopy abkaufen, doch da mussten wir ihn enttäuschen. Sorry, aber Snoopy ist nicht zu verkaufen.
Wieder haben wir viel Zeit verloren, doch ist es auch immer wieder schön, wie sehr sich die Südafrikaner über unsere Reise freuen können. Viele verrieten uns, dass so eine Reise ihr Traum wäre.
Endlich hatten wir es geschafft und fuhren zu den Cango Caves. Die bekanntesten Tropfsteinhöhlen in Südafrika. Freudestrahlend machten wir uns auf den Weg. Doch Charly wurde wieder einmal enttäuscht, denn er wollte die Adventure-Tour machen, welche wir schon vor 7 Jahren gemacht hatten. Da muss man durch enge Tunnel kriechen, weswegen ich diesmal mit der Standard-Tour (45 Rand) zufrieden war. Diese abenteuerliche Tour war leider mit einer Schulklasse belegt und die nachfolgende auch. Charly hatte wenig Lust mit den Dreikäsehochs zwischen den Felsen herum zu kraxeln. Ich ging trotzdem meine Tour machen, während Charly sich mit seinem Computer beschäftigte.
Die Kammern waren recht eindrücklich und der Schwarze, der uns führte war recht kompetent. Viele Deutsche waren dabei und auch ein Schweizer Pärchen. Leider war es nicht mehr wie vor 7 Jahren, als wir nur zu zweit durch das Labyrinth der verschiedenen Kammern geführt wurden. Es waren mindestens 30 Personen mit auf der Tour und es hat mich etwas gestört, da dadurch alles nur sehr langsam vorwärts ging und mir jedes Mal einer vor der Linse stand, wenn ich ein Foto machen wollte. Zum Schluss sang der schwarze Führer noch drei Lieder, alle in einer anderen Afrikanischen Eingeborenen Sprache. Eines davon sang er in der Klicklautsprache. Er spottete, dass die Weissen dies das Klicklautlied nannten, weil sie die Klicklaute nicht sprechen könnten. Beim letzten Lied benutzte er die dünnen fächerförmigen Stalaktiten als Trommel, deren dumpfe Töne waren weit zu hören.
Zurück beim Auto wurden wir von einem jungen deutschen Girl angesprochen. Sie arbeitete für ein Jahr in Hermanus und hatte gerade ihre Eltern auf Besuch. Wieder einmal mussten wir unsere Geschichte erzählen.
Danach konnte es endlich losgehen. Wir fuhren bei der nächsten Kreuzung in Richtung Prince Albert. Die Teerstrasse war am Fuss des Swartberg Passes zu Ende und wir fuhren die enge steile Schotterpiste hoch. Hier sahen wir das erste Mal Proteas. Jede Menge Proteas Aristata blühten und verschönten die Aussicht. Der Weg führte steil hinauf und das Panorama war gewaltig. Links fiel steil der Berghang ab und der Pistenrand war nicht überall gut befestigt. Ein bisschen Nervenkitzel muss schon sein! Innerhalb von nur 12 km klettert man mit dem Auto 1’000m hoch. Scharfe und unübersichtliche Haarnadelkurven sorgen für einen erhöhten Adrenalinspiegel, insbesondere bei Gegenverkehr.
Oben auf der Passhöhe von 1'577 m überraschte uns ein Schild, auf dem ’Eden’ stand und wir dachten wir seien auf dem Weg zur Hölle, wie das Gamkapoort Nature Reserve auch genannt wird.
Die Aussicht auf der anderen Seite des Passes war wiederum sensationell, kein Wunder wird dieser Pass als einer der spektakulärsten von Südafrika bezeichnet.
Noch steiler und spektakulärer war der Weg zur Hölle. Die 58 km zogen sich endlos hin. Immer wieder ging es an den Hängen entlang rauf und runter. Der letzte Pass war jedoch die Krönung. Gerade eine Wagenbreite schmal war die Piste, da durfte kein anderes Fahrzeug entgegen kommen. Zudem war der Pass sehr steil und eine unübersichtliche Haarnadelkurve folgte der anderen. Die Sorte Strasse, bei der man feuchte Hände bekommt. Bei einer dieser engen Kurven mussten wir zurücksetzen, da unser Radius zu gross war. Geradeaus ging es ohne Sicherung in den Abgrund. Puhhh, was waren wir doch glücklich, als wir endlich heil unten im Tal ankamen. Im Tal wurde die Piste eher schlimmer als besser. Etliche kleine Bachbette mussten überquert werden, die meisten waren trocken. Dieses isolierte Tal liegt versteckt zwischen den Bergen. Die ehemaligen Einwohner waren für mehr als 50 Jahre in Vergessenheit geraten. Sie zahlten keine Steuern, hatten keine Lehrer und stellten ihre eigenen Kleider her. Erst 1963 wurde die erste und einzige Strasse ins Tal gebaut und verband damit das vergessene Tal mit der Aussenwelt. Zuvor konnte man den Ort nur zu Fuss oder mit dem Esel erreichen. Den Namen, die Hölle, hatte der Ort wegen der beschwerlichen Reise dorthin erhalten. Ein Beamter, der von Zeit zu Zeit das Dorf besuchen musste, gab ihr diesen Namen, denn immer wenn er gefragt worden war, wie es denn gewesen sei, antwortete er mit: „Es war die Hölle.“
Viele der alten Häuser waren renoviert worden. In Ou Plaas wurden wir überaus freundlich vom Ranger begrüsst. Er erklärte uns, dass der einzige Campingplatz im Tal gleich am Ende der Passstrasse lag und somit leider über 10 km entfernt war. Doch er zeigte sich grosszügig und überliess uns das Snyman Haus. Das Haus wurde von Martines Snyman gebaut. Es war erst kürzlich fertig restauriert worden. Im Haus befanden sich alte Fotos von der Familie Snyman und wie sie ihr altes Morris-Auto über die Berge geschleppte hatten. Mit Maultieren und Handarbeit ging es da über die groben Felsen. Ja, dass war noch richtig Off-Road!
Wir fühlten uns gleich sehr wohl in dem kleinen Haus. Wir konnten alles benutzen, die Betten, das Geschirr, den Gasherd und Gaskühlschrank, usw. Nicht schlecht, für 130 Rand (26 CHF) hatten wir ein Haus bekommen mit 3 Schlafzimmern, Küche, Bad, Wohnzimmer und Esszimmer. Mit Solarenergie und Gas war das Häuschen autonom. Die Stille um uns herum war gewaltig. Abgeschnitten vom Rest der Welt drang kein Laut zu uns. Wenn jemand total abgestresst ist, hier ist der Platz für ihn - kein Telefon, kein Fernsehen, kein Radio.
Da die Lampen in der Küche, im Bad und im Schlafzimmer nicht funktionierten, benutzten wir die bereitgestellten Kerzen. Dabei kamen so richtig nostalgische Gefühle auf. Man konnte sich richtig das Leben der Leute von dazumal vorstellen.
Wir machten es uns gemütlich und kochten Pellkartoffeln und Straussenfleisch-Boerewurst.
Ich liess es mir nicht nehmen in dem historischen Haus zu übernachten, während Charly Snoopy treu blieb. Da konnte er bis spät in die Nacht hinein an seinem Computer sitzen, ohne dass ich ihn nervte, in dem ich ins Bett wollte. Die ungewohnte Umgebung und wieder einmal in einem richtigen Bett zu schlafen, dass war recht seltsam für mich und so war auch ich die halbe Nacht wach. Ich konnte einmal ein paar Paviane hören, sonst war es totenstill. Nicht einmal eine Uhr tickte.
Da wir beide lange nicht schlafen konnten, waren wir am diesem Morgen nicht so früh wach. Charly wollte gerne bleiben, doch ich wusste, dass er wieder nur vor seinem Computer hängen würde und da uns die Zeit so langsam davonlief, mussten wir auch einmal weiterfahren.
Es war ungewohnt an so einem grossen Tisch zu frühstücken, doch könnte ich mich schnell an das herzige Haus gewöhnen. Wir räumten alles auf und machten uns so langsam wieder startklar. Die Sonne brannte schon wieder heiss auf uns herab. Die Hitze wird hier während des Tages sicher unerträglich werden.
Wir fuhren wieder nach Ou Plaas, eine ehemalige Farm in dem nun das Informationszentrum sowie der Sitz des Rangers untergebracht war. Wir gaben die 6 Schlüssel des Hauses Snyman ab und lasen die vielen interessanten Informationstafeln zur Geschichte des Ortes.
Andere Besucher kamen an und das war der Moment, wo wir uns sagten, es wird Zeit um Aufbruch. Wir fuhren los und ein weiteres Fahrzeug kam uns mit einem Affenzahn entgegen. Wir konnten gerade noch ausweichen.
An einigen der historischen Orte hielten wir an und lasen die Infotafeln. Beim Friedhof der Familie Marais kam uns nochmals ein Auto entgegen. Das kann ja heiter werden, wenn wir den engen steilen Pass wieder hinauffahren.
Der Pass begann und wir kletterten mit Snoopy die enge steinige Schotterpiste hoch. Eng waren die Haarnadelkurven und ich schaute immer nach oben, damit ich rechtzeitig ein entgegenkommendes Fahrzeug erspähen würde. Steil war der Weg und es gab wenig Plätze zum Ausweichen. Die Aussicht aufs Tal war dafür super. Doch gab es keine Möglichkeiten zum Anhalten, damit wir die Aussicht auch geniessen konnten. Gerade als wir die enge Passstrasse hinter uns gelassen hatten, kam uns ein Auto entgegen. Uff, Glück gehabt. Auf dem Weg zurück zur Hauptpiste fanden wir ein Nummernschild, welches einer bei der Rüttelei wohl verloren hatte. Wir gaben es dem nächsten Fahrzeug in Richtung Hölle mit.
Auf der Hauptpiste des Swartbergpasses in Richtung Prince Albert, gab es eine fantastische Aussicht nach der anderen. Der Verkehr war rege, aber nicht überlaufen. Den krönenden Abschluss bildete eine tiefe, enge Schlucht.
Wir fuhren das kurze Stück bis Prince Albert, da ich im Buch gelesen hatte, dass es ein schönes Städtchen mit einigen alten Häusern sei. Tatsächlich war das kleine Örtchen charmant von historischen Häusern durchzogen.
Wir fuhren weiter auf der R407 in Richtung Osten und dann auf der N12 wieder in Richtung Oudtshoorn. Diese Strecke führte uns über den Meiringspoort Pass, welchem eine schöne Schlucht folgte. Auch hier hätte es wieder diverse Sehenswürdigkeiten gegeben, wie zum Beispiel einen Wasserfall, doch wir wollten heute ja noch weiter. Wir fuhren durch Oudtshoorn durch und wählten die R328 über den Robertson Pass, um nach Mossel Bay zu gelangen. Die Gegend beim Pass war dicht mit Bäumen bewachsen und alles war grün. Was für ein Kontrast zur trockenen Umgebung von Oudtshoorn. Hier hatten die Strausse sogar grüne Flächen, während die armen Viecher auf den Farmen um Oudtshoorn im Staub sassen. Die Tiere hatten uns so leid getan, dass wir uns spontan entschlossen hatten keine Straussenfarm zu besuchen.
In Mossel Bay angekommen suchten wir nach dem De Bakke/Santos Campingplatz. Dieser war so blöd ausgeschildert, dass wir erst einmal daran vorbeigefahren waren. Charly hatte genug von der Fahrerei und wollte nur noch auf den Platz. Endlich hatten wir den Eingang gefunden und wurden schon bei der Rezeption stutzig. Alles wirkte etwas heruntergekommen, doch waren wir zu müde um noch weiter zu suchen. Die Platzreihe direkt am Meer kostete 120 Rand, während die hinteren Reihen „nur“ 110 Rand kosteten. Ich rechnete mit weniger Verkehrslärm direkt am Meer und hoffte zudem auf eine schöne Aussicht. Doch weit gefehlt. Die Anlage war wie erwartet ziemlich heruntergekommen und die Aussicht auf die Muschel-Bucht war mit Drahtzaum verunstaltet. Egal, wir waren müde.
Es war empfindlich kühler an der Küste als in der kleinen Karoo. Wir mussten sogar kurz unsere Standheizung laufen lassen.
In der Nacht sah ich ein schönes Frachtschiff einlaufen. Es war hübsch mit den vielen Lichtern anzusehen.
Der Platz hatte uns nicht gefallen und ruhig war es schon gar nicht, denn die Hauptstrasse und die Zuggleise waren direkt hinter dem Camping gelegen. Ein Restaurant nebenan hatte einen grossen Parkplatz, welchen diverse Jugendliche als ihren privaten Diskoplatz betrachteten und lautstark ihre Bum-Bum-Bum-Musik konsumierten.
Wir hatten genug und packten so rasch als möglich unsere Sachen zusammen. Wir fuhren in die Stadt, da Charly wieder einmal den Drang verspürte ein Internet Cafe aufzusuchen. Ich vergnügte mich unterdessen im Shopping Center. Im Pick’n Pay war es genauso voll wie an einem Samstag in der Schweiz. Es war fürchterlich, zuerst das Gekurve bis man einen Parkplatz hatte und dann standen einem die Leute immer im Weg. Wie daheim!
Die Stadt war uns unsympathisch und so blieben wir nicht länger. Auf der N2 fuhren wir nach George. Ein kleines Städtchen an der Garden Route, welches aber leider nicht am Meer liegt und vielversprechende Sehenswürdigkeiten waren nicht im Reiseführer erwähnt.
So fuhren wir nach einer kurzen Kaffeepause über die Sieben-Pässe-Strasse weiter zum Wilderness National Park. Nebenbei gesagt, von den Pässen hatten wir wenig bemerkt, aber ab und an gab es einen kurzen, schönen Ausblick auf das Meer.
Im Park angekommen wollten wir diesen natürlich erkunden, doch war das Strassensystem etwas verwirrend. Wir gelangten auf den steilen Weg nach Hoekwill. Im Park befanden sich Dörfer und Farmen, dass hatten wir nicht erwartet. Zudem war die Gegend wenig spektakulär, weshalb wir bald wieder zurück zum Campingplatz Ebb & Flow fuhren. Schliesslich war es gleich 16 Uhr und um 16:14 sollte die bekannte Outeniqua Choo Tjoe Dampfeisenbahn die Brücke beim Campingplatz überqueren. Die Dame bei der Rezeption vom Park hatte mir freundlicherweise eine Broschüre über die historische Dampflok mit integriertem Fahrplan gegeben, wenn auch der Plan noch vom letzten Jahr war.
Wir platzierten Snoopy neben den Ägyptischen Gänsen mit 12 Jungen und machten uns mit der Kamera auf den Weg. Wir warteten und warteten. Wenigstens war das Wetter schön und wir setzten uns ans Ufer des Touw Flusses. Wir beobachteten wie einige Leute mit ihren gemieteten Kanus den Fluss rauf und runter paddelten. Der gesamte Campingplatz war wunderschön am Fluss entlang angelegt.
Nach einer halben Stunde warten gaben wir auf und gingen zurück zum Auto. Dort trafen wir auf Schweizer, die schon seit mehr als 40 Jahren in Südafrika leben. Sie sprachen noch sehr gut Schwyzer-Dütsch. Sie erzählten uns viel von den negativen Veränderungen in Südafrika, seitdem eine schwarze Regierung an der Macht ist. Von bösem Rassismus wie früher nur umgekehrt. Er als ehemaliger Arbeitgeber erzählte uns auch, dass er nicht einmal einen Schwarzen entlassen konnte, obwohl dieser wie ein Loch gesoffen hatte und trotz mehrmaliger Verwarnungen oft mehrere Tage einfach nicht zur Arbeit erschien. Was sollte ihm auch passieren! Sie hatte genug von diesem Blödsinn und hatten ihr Geschäft in Kapstadt aufgegeben, um sich nun hier in George niedergelassen.
Wir hatten uns lange unterhalten. Ein Paradies für Weisse ist Südafrika schon lange nicht mehr. Am Rande erzählten sie uns noch, dass die Dampfeisenbahn zur Zeit wohl nicht mehr fahre, da nun keine Saison mehr wäre. Wieso konnte mir das die schwarze Tante von der Rezeption im National Park nicht sagen? In der Broschüre von 2005 (2006 gab es nicht) war erwähnt, dass der Zug vom 01. May bis 31. August nicht fährt, wir hatten doch erst März?!. Kaum hatten sie sich verabschiedet, begannen wir zu kochen. Während ich eifrig in den Töpfen rührte, kam eine weitere nette, ältere Schweizerin auf mich zu. Sie wollte nicht lange stören, aber sie wollte trotzdem unbedingt wissen, ob wir wirklich mit dem Auto durch Afrika gefahren wären. Ich erzählte ihr knapp unsere Reiseroute und sie konnte es kaum fassen. Sie kam aus Horgen, welches ja nicht so weit von unserem letzten Wohnort entfernt lag. Da ich mit den Töpfen am jonglieren war, liess sie mich bald darauf wieder allein.
Nach dem Essen sass Charly wieder lange am Computer, während ich etwas las. Später legte ich mich ans Ufer den Flusses ins Gras uns beobachtete die Sterne. Es war kühl und ich musste meine dicke Jacke rauskramen.
Da Charly wieder einmal bis über Mitternacht hinaus am Computer gesessen war, waren wir am Morgen auch nicht so fit. Wir waren so ziemlich die Letzten die aufgestanden waren. Der Himmel war bewölkt und wir hatten es auch nicht eilig. Beim Aussteigen bemerkte ich, dass ein Plastiksack an unserer Ausstiegsleiter hing. Ich sah nach und traute meinen Augen nicht. Da hatte uns jemand feine, kleine schweizer Schokoladentäfelchen spendiert. Unglaublich!
Später stellte sich heraus, dass wir dies Ulla aus Horgen zu verdanken hatten, denn sie kam später zu uns, um sich zu vergewissern, ob die Schoki nicht geschmolzen sei. Doch war es heute ziemlich frisch, so dass die Schoki immer noch fabelhaft war. Wir bedankten uns für das verspätete Weihnachtsgeschenk und hielten auch brav still, als sie später ein Foto von uns und dem Auto machen wollte. Ich wollte ihr noch unser Webadresse geben, doch sie meinte in ihrem Alter sei das nicht mehr so ihr Ding. Ich gab sie ihr trotzdem.
Als sie mit ihrer Schwester abgefahren war, hatten wir Zeit für unser Frühstück. Unser Ei war inzwischen hart und kalt geworden, aber das machte uns nichts aus.
Nachdem Frühstück war Fütterung der Raubtiere angesagt. Die 12 niedlichen Ägyptischen Gänsekinder stürzten sich mit ihren kleinen Flügel auf unsere alten Brötchen. Gierig schlangen sie das Weissbrot hinunter, dass ab und zu ein Stück von meinem Finger noch dranhing störte sie wenig. Sie erinnerten uns an Josey, die anhängliche, schnatterfreudige Gans vom Chapman’s Peak.
Wir wollten heute nicht weit fahren und nahmen es daher gemütlich. Während ich den Leuten zusah, wie sie sich auf den Weg zum Giant Kingfisher Trail machten, überkam auch mich die Lust des Wanderns. Charly hatte keine Stimmung dazu und so ging ich bald allein auf Tour. Kaum hatte ich gestartet, begann es schon zu regnen. Da es aber immer nur kurz geregnet hatte und dann wieder aufgehört hatte, dachte ich mir nichts weiter dabei und lief weiter. Der Weg war steil und hohe Erdtreppen mussten überwunden werden. Kaum war man oben, ging es auch schon wieder runter. So ging es die ganze Zeit am Fluss entlang. Die Tendenz war aber generell eher nach oben, wobei der Weg immer schlechter wurde. Teilsweise fehlte die Hälfte des Weges und links ging es steil bergab. Mit Hilfe der Wurzeln hangelte ich mich jeweils hinüber. Es regnete unterdessen einmal mehr, einmal weniger. Ich folgte einem Pfad der weiter bergauf führte, oben war dann Schluss mit der Herrlichkeit und ich musste, an Wurzeln festhaltend, nach unten kraxeln. An der nächsten steilen Stelle waren die Holztreppen, wenn man diese so bezeichnen möchte, stellenweise so morsch, dass ich lieber auf dem Felsen hinunter rutschte, als dass ich dem maroden Holzgestell getraut hätte. Auf dem Weg entlang führte auch eine Pipeline. Als ich an die Stelle kam, wo das ganze Erdreich weggebrochen war und man auf den rutschigen Rohren entlang balancieren musste und es zudem noch wie blöd angefangen hatte zu regnen, beschloss ich aufzugeben. Ich kehrte um und wurde innerhalb kürzester Zeit völlig durchnässt. Der Weg war inzwischen zu einem kleinen Bach mutiert und mit den losen Steinchen eine rutschige Angelegenheit. Als ich in die untere Region kam, stand das Wasser im Wanderweg.
Wieder zurück beim Auto angekommen, hörte es auf zu regnen. Tolles Timing! Ich holte mir trockene Sachen und nahm eine heisse Dusche. Ich war gerade fertig und wollte zurück zum Auto, als es wieder anfing wie aus Kübeln zu regnen. Ich beschloss meine trockenen Sachen nicht zu riskieren und wartete bis der kurze Regenschauer vorüber war.
Die Gänsekinder kauerten ganz nahe in einem Kreis beisammen und hielten sich so warm und halbwegs trocken.
Wir beschlossen trotz der fortgeschrittenen Tageszeit weiterzufahren. Unser nächstes Ziel war ja auch nicht weit. Bei der Abreise begegneten wir noch einer Schar Perlhühner, welche ebenfalls niedliche Junge hatten.
Wir fuhren auf der Garden Route weiter nach Osten. Wir liessen Knysna und Plettenberg Bay hinter uns, da uns die Städte wenig interessant erschienen. Ich hätte ganz gerne vielleicht ein paar Austern von Knysna probiert, doch der verhangene Himmel war wenig einladend und ausserdem war es schon spät. Wir fuhren zum Tsitsikamma National Park. Auf dem Weg zum Nature’s Valley sahen wir viele Proteas am Strassenrand, doch bei dem starken Regen waren wir wenig motiviert Fotos zu schiessen. Die Pass-Strasse hinunter zum Meer war lange und steil.
Die Rezeption im Park hatte bereits seit 17 Uhr geschlossen und so fuhren wir direkt auf den Campingplatz. Es regnete immer noch und wir waren froh, dass dieser Park eine Küche mit Herd anbot. So suchten wir uns einen Platz in der Nähe. Ich bereitete alles in Snoopy vor und benutzte dann den trockenen Herd in der Küche.
Charly hatte diese Nacht wieder eine starke Attacke von seiner Allergie bekommen. Er hatte schon den ganzen Tag damit gekämpft, doch trotz der Antihystamine wurde es nicht besser.
Am Morgen war die Allergie noch nicht vorüber. Charly musste zu Cortison greifen, damit er die Schwellung um den Mund und den Lippen in den Griff bekommt. Er wollte nicht mit diesen Schwellungen weiterreisen und so blieb er im Auto, während ich nach dem Frühstück wieder etwas laufen gehen wollte. Ich machte mich fertig und lief zur Rezeption. Dort wurde mir der Otter Trail gleich aus dem Kopf geschlagen, denn der Wanderweg war nur kurze „45 Kilometer“ lang. Öööhh, sooo lange wollte ich nun auch nicht unterwegs sein und ausserdem kann man nur nach Voranmeldung in einer Gruppe mit einem Ranger unterwegs sein, was wiederum scheue 500 Rand / 100 CHF pro Person kostet. Ich beschloss daraufhin den wesentlich kürzeren Groot River Trail in Angriff zu nehmen. Dieser sollte schön am Fluss entlang führen. Die nette Lady indischer Abstammung war sehr hilfsbereit, auch als unsere Wild Card nach dem gestrigen Regen streikte, denn ich hatte sie die ganze Zeit in meiner Hosentasche.
Die Beschreibung des Trails von der Lady war gut und ich fand den Einstieg zum Wanderweg auf Anhieb. Das Problem begann erst, als die Wegweiser nur noch den Kalander Hut auswiesen, welcher wiederum nicht auf dem Plan, den ich vorher in der Rezeption erhalten hatte, eingezeichnet war. Keine Ahnung was das sein sollte, der Wanderweg Groot River Trail wurde nicht erwähnt. Ich lief Pi mal Schnauze in die Richtung, wo ich den richtigen Weg vermutete. Ich gelangte auf eine Offroad-Piste. Okay, gemäss Plan müsste ich nun auf den Wanderweg treffen, wenn ich dieser Piste folgen würde. Kurzum, den Wanderweg habe ich nicht gefunden, doch die Piste führte ebenfalls zum Ziel, nämlich zum Kalandar Hut. Das war die Rangerstation am anderen Ende des Weges, welche kurz vor dem Strand gelegen war. Das muss ein Mensch erst einmal wissen.
Am Strand angekommen lief ich über den Sand und entdeckte eine riesige, tote Qualle. Danach noch mehrere kleine Quallen. Sie waren farblos und fast durchsichtig. Am Ende vom Strand war ein Wegweiser mit dem Vermerkt ’Zum Punkt’. Was für ein Punkt? Ich entschied mich dem Weg zu folgen. Der Aufstieg war steil und führte am Berg entlang. Dort wo es zu steil wurde, war eine Holztreppe installiert worden. Danach konnte man noch weiter nach oben kraxeln, doch da es rechts von mir steil bergab ging, machte mir meine Höhenkrankheit einen Strich durch die Rechnung und ich begnügte mich mit der fantastischen Aussicht auf die Bucht und das Meer. Der Strand war fast menschenleer. Ich lief zurück und marschierte den Strand entlang bis ich an die Mündung des Groot Rivers kam. Der Fluss ging hier mit einer ziemlichen Strömung ins Meer. Ich zog meine Schuhe aus und watete durch das Wasser. Die Strömung nahm mir fast das Gleichgewicht. Mal kam der Schub von einer Welle aus dem Meer und dann wieder von der konstanten Strömung des Flusses. Es war nicht so tief, doch mir hatte es gereicht. Die starken Wellen verunmöglichten das Schwimmen im Indischen Ozean, aber man konnte sich in die Brandung stellen. Heute war ein herrlicher Tag, kein Wölkchen am Himmel.
Auf der anderen Seite des Flusses lief ich an der Strasse entlang zurück zum Campingplatz.
Charly ging es inzwischen etwas besser, die Schwellungen im Gesicht waren dank der Medikamente stark zurückgegangen. So entschieden wir uns doch noch weiterzufahren. Wir wollten ja auch gar nicht weit, nur bis zum Stroms River Mouth, welcher 45 km entfernt am anderen Ende des Otter Trails lag. Doch zuerst fuhren wir die Strecke vom gestrigen Tag zurück, da ich unbedingt noch ein paar Fotos von den blühenden Proteas machen wollte.
Anschliessend folgten wir der R102, welche uns über den Bloukrans Pass führte. Eine wunderschöne Strecke, mit viel Berg- und Talfahrten sowie Natur pur mit dichten alten Bäumen. Die Strecke über den Bloukrans Pass galt als gesperrt, aber die Tafel war so halbherzig hingestellt, dass wir dieser nicht so recht glaubten. Die Strecke war wunderbar zu fahren und wir konnten keinen Grund erkennen, weswegen man hier nicht hätte fahren dürfen. Am Ende der Strecke war jedoch eine Absperrung, welche wir jedoch leicht umfahren konnten. Wir winkten den einen oder anderen Schwarzen zu, doch im Gegensatz zum restlichen Afrika, winken hier die Leute nicht zurück. Der Grund für ihre Unfreundlichkeit liegt wahrscheinlich an ihrer Vergangenheit. Apartheid war nichts schönes.
Bei der Ankunft im Tsitsikamma Storms River Mouth mussten wir uns gleich wieder wegen so einer unkompetenten Tante aufregen. Da hatten sie in Südafrika so eine Superidee mit der Wild Card und haben dann bei jedem Park ein Problem mit der Handhabung. Charly war stink sauer. Schliesslich kam der Chef, welcher ebenfalls schwarz war und plötzlich ging dann doch alles. Das Preisniveau war gesalzen. Für einen Standplatz direkt am Meer verlangten sie 185 Rand (37 CHF) und für die hintere Reihe 160 (32 CHF). Damit war dies der teuerste Campingplatz von ganz Südafrika. Der Chef sagte wohlwollend, dass wir uns ja das Ganze erst einmal anschauen und dann entscheiden könnten, was wir tun wollten. Das war ein guter Lösungsvorschlag. Wir fuhren los. Eine steile Passstrasse führte zum Meer hinunter.
Die Stellplätze am Meer standen wirklich fast in der Brandung. Charly sah Snoopy rosten, während ich vom Naturschauspiel begeistert war. Wir sahen uns die Campingplätze an und entschieden, dass sie zu teuer waren für das was sie boten. Wir fuhren zum Restaurant und inspizierten die Karte. Auch hier war ein gehobenes Preisniveau sichtbar. Nik & Nic hatten uns das Restaurant als gut empfohlen, doch wir waren nicht mehr motiviert und kehrten um. Auf dem Rückweg entdeckten wir die Dassies. Die kleinen Nager mit ihrer Zahnlücke waren wirklich niedlich.
Während ich die wilde Brandung des Meeres mit der Kamera einzufangen versuchte, war Charly wieder von interessieren Südafrikanern belagert.
Schlussendlich verliessen wir den Park wieder, da uns die Preise für den Campingplatz zu teuer erschien.
Wir fuhren nicht weit, da sahen wir ein Schild mit der Aufschrift: Tsitsikamma Waterfall Adventures und dem ersehnten Campingzeichen darauf.
Hier kann man bis zum Wasserfall, an einer Rolle festhaltend, ein Stahlseil entlang rattern. Sicher eine tolle Sache, aber wir waren eher am Campingplatz interessiert. Hier kostete die Übernachtung nur 80 Rand und wir bekamen den Schlüssel zu einem Zimmer. Im Zimmer gab es eine kleine Küche, ein Bad, drei Betten und einen Fernseher. Parkieren konnten wir direkt hinter dem Haus. Super bewacht wurden wir auch, von einem süssen, grossen, schwarzen Schäferhund, der jeden Einbrecher sofort zu Tode geschmust hätte. Kaum hatten wir Snoopy platziert, da war auch schon Kraulen angesagt. Auf dem Rücken und auf dem Bauch. Der Hund gefiel mir.
Nach dem Abendessen wollte Charly wieder an den Computer, weshalb ich mich ins Zimmer verzog, um nach langer Zeit wieder einmal Fernsehen zu geniessen. Im Movie-Channel kamen 2 gute Spielfilme und es war rasch Mitternacht. Charly mochte sich danach immer noch nicht von seinem Notebook trennen.
Nachdem wir gefrühstückt und nochmals die gute Dusche im Zimmer benutzt hatten, konnte es weitergehen. Der Hund kam und hatte sofort Lunte gerochen. Er forderte seine letzten Streicheleinheiten von mir ein, dann konnten wir aufbrechen.
Auf der N2 fuhren wir in Richtung Port Elizabeth. Die Stadt war gross und wir waren froh nicht in das Gewühl fahren zu müssen. In Bluewater Bay gingen wir rasch einkaufen und tanken. An der Tankstelle wollten sie uns schon wieder zurückpfeifen, weil die Geldnoten noch immer von meinem nassen Spaziergang im Wilderness Park feucht waren. Schliesslich akzeptierten sie die Scheine doch.
Auf der R335 fuhren wir zum Addo National Park. An der Rezeption war wieder einmal alles sehr langwierig und als die junge Frau unsere Kreditkarte nicht akzeptieren wollte, weil wir keine Telefonnummer angeben konnten, platzte Charly endgültig der Kragen. Er gab einfach irgendeine Nummer an und war etwas unhöflich zu der jungen Frau. Bisher hatten wir schliesslich auch keine Probleme wegen der Telefonnummer gehabt. Sie schenkte ihm dafür böse Blicke und wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre Charly in einer Rauchwolke aufgegangen. Bei jedem Park gab es bisher administrative Probleme und wie gesagt, Charly hatte so langsam die Schnauze voll.
Wir zahlten die 105 Rand für den Campingplatz und suchten uns ein schattiges Plätzchen. Obwohl weder Saison noch Wochenende war, war der Platz ziemlich voll. Mehrheitlich südafrikanische Rentner waren fleissig mit ihren Wohnwagen unterwegs.
Wir waren hungrig und assen gemütlich auf dem Bänkchen zu Mittag. Danach ruhte Charly sich etwas aus, während ich etwas las.
Die Zeit verflog im Nu. Ich weckte Charly, denn wir wollten bei dem tollen Wetter noch eine kleine Rundfahrt durch den Park machen. Wir fuhren zum Gate, wurden registriert und erhielten eine Karte mit einer Laufnummer, damit wir nicht verloren gehen. Dann konnten wir durch das Tor fahren.
Eigentlich wollten wir den Mbabala Loop fahren, doch ein älteres, nettes südafrikaner Ehepaar erzählte uns bei einem Stopp, dass sie eine grosse Elefantenherde beim Rooidam gesichtet hatten. Wir kehrten um und fuhren dorthin. Tatsächlich war die grosse Herde noch immer da. Wir befanden uns plötzlich zwischen unzählige Elefanten. Die sanftmütigen Dickhäuter waren an Touristen gewöhnt und waren total friedlich. Wir waren natürlich nicht die einzigen Touristen dort. Die Elefanten stiefelten zwischen den Autos hin und her. Sie waren mit Fressen beschäftigt und blinzelten nur etwas, wenn wieder ein Tourist sein Auto startete, oder „versehentlich“ den Motor aufheulen liess. Die Tiere nahmen es gelassen und waren in keiner Art und Weise beeindruckt. Ihr tiefes Grollen diente nur der eigenen Kommunikation, doch die Resonanz ging einem durch Mark und Bein.
Wir standen irgendwie auf dem Elefanten Highway und die Dickhäuter schoben sich gemächlich vor oder hinter uns durch. Es waren auch sehr viele Jungtiere dabei. Ganz besonders begeistert waren wir von den drei Miniaturausgaben. Die kleinen Elefanten waren kaum eine Woche alt und wurden von allen Tanten und Cousinen umringt. Dadurch sollten die Kleinen geschützt werden.
Wir standen sicher eine Stunde dort und sahen den Tieren fasziniert zu. Die Dreikäsehochs waren am spielen und rangelten miteinander. Eine Mama lief mit ihrem kleinen Baby ganz dicht an unserem Auto vorbei. Das Junge lief unter ihrem Bauch zwischen ihren Beinen mit. Sie stutzte und beäugte uns argwöhnisch. Sie versicherte sich, dass wir ihrem Baby auch ja nichts tun. Das Kleine war so süss und noch völlig unbeholfen. Fotos konnten wir leider keine machen, denn die Sonne stand tief und wir hatten volles Gegenlicht. Schade, aber das Erlebnis so nahe bei einem Elefantenbaby gewesen zu sein kann uns keiner mehr nehmen.
Wir fuhren weiter zur Hapoor Wasserstelle, doch dort gab es keine weiteren Elefanten. Dafür entdeckten wir jede Menge Warzenschweine, einige scheue Kuduböcke, Kuhantilopen und sogar eine Manguste. Wir mussten uns so langsam beeilen, denn um 18:30 Uhr wurde das Gate geschlossen und wer zu spät kommt kriegt Ärger. Also fuhren wir schnurstracks in Richtung Ausgangstor. Auf dem Weg dorthin begegneten wir noch einigen Burchell Zebras, doch mehr als ein kurzer Stopp lag nicht mehr drin. Pünktlich auf die Minute erreichten wir das Tor und fuhren anschliessend auf den Parkplatz. Bei der Wasserstelle direkt beim Camp war kein einziges Tier zu sehen. Es war nun eh schon dunkel und so fuhren wir auf den Campingplatz. Da wir gut zu Mittag gegessen hatten, viel das Abendessen heute aus. Wir sassen noch ein Weilchen bei einem Sun Downer (ein Cocktail zum Sonnenuntergang) draussen, denn es war ein herrlicher warmer Abend.
In der Nacht hörten wir diverse Schakale heulen, da kam dann doch so etwas wie Botswana-Feeling zwischen den zahlreichen Caravans auf.
Als ich kurz nach 7 Uhr aufwachte erkannte ich sofort, dass wir heute kein schönes Wetter haben werden. Der Himmel war komplett verhangen. Wir nahmen es gemütlich, in der Hoffnung, dass der Himmel doch noch aufreisst. Leider nützte uns das nichts, denn der Himmel blieb grau in grau.
Dessen ungeachtet fuhren wir den Gorah Loop im Addo N.P. Auf dem Weg dorthin begegnete uns eine grosse Landschildkröte, Zebras, Strausse und jede Menge junge Warzenschweine. Die Schweinchen knieten sich beim Fressen hin und bearbeiten dann das Gras. Kleine Rasenmäher!
Die Übergangspiste zum Zuurkop Aussichtspunkt wurde gerade bearbeitet. Ich winkte den schwarzen Arbeitern zu, welche mir daraufhin freudig zurück winkten und eine ältere Schwarze rief mir noch nach: Hallo Mama. Dazu muss man wissen, dass dies eine respektvolle Anrede ist in Afrika. Für mich war es trotzdem gewöhnungsbedürftig!
Vom Aussichtspunkt aus war kein Tier zu sehen. Es war erlaubt dort auszusteigen, doch gleichzeitig wurde auf eventuellen Löwenbesuch hingewiesen. Wir blieben im Auto, obwohl wir nicht so recht an Löwen in diesem Park glaubten.
Wir fuhren weiter zum Mbabala Loop. In der Nähe von der Janwalpan Wasserstelle erspähten wir unseren ersten Büffel in Afrika. Es war ein prächtiges altes Männchen mit mächtigen Hörnern. Er liess sich überhaupt nicht von uns stören und kaute gemächlich sein Frühstück wieder. Als es ihn am Kopf anfing zu jucken, kam Bewegung in das Tier. Er kam ganz aus dem Busch heraus und kratzte sich kräftig die Hörner an einem Busch. Durch das Fernglas erkannten wir, dass das arme Tier voller Zecken war, insbesondere zwischen den Hinterbeinen. Als uns ein paar Touristen eingeholt hatten, fuhren wir weiter. Wir bekamen noch drei Kuhantilopen zu Gesicht, dass war es dann.
Wir wollten noch nicht gleich aufgeben und fuhren deshalb nochmals zur Hapoor Wasserstelle. Dort war dann tatsächlich eine grössere Elefantenherde am suhlen. Wir schauten den Dicken zu, wie sie sich mit einer Wonne in das Sumpfloch stürzten und vergnügt darin badeten. Die Kleineren waren wieder besonders verspielt und man konnte ihnen ihre Freude richtig ansehen. Sie kratzten sich die Rüssel am Rand des Bades und setzten sich in die braun-graue Brühe. Es muss ein grosse Wohltat gewesen sein. Wie bei den Menschen, kam ab und zu mal ein erwachsenes Tier vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und den einen oder anderen mal kurz aus dem Wasser zu holen. Zwei Halbstarke waren mit Rangeleien beschäftigt, quasi - wer ist denn nun der Stärke von uns beiden, hmm, hmm? Sie waren aber in keiner Art und Weise aggressiv.
Leider fanden gerade Bauarbeiten statt und von Ruhe konnte keine Rede sein. Die grossen LKWs fuhren hin und her und die Arbeiter kommunizierten lautstark.
Wir fuhren weiter zum Rooidam. Dort trafen wir wieder auf die grosse Elefantenherde von gestern. Die ganz kleinen Babies haben wir leider nicht mehr zu Gesicht bekommen, doch es waren noch genügend andere kleine Elefanten da. Wieder schauten wir den Tieren zu. Wieder waren ein paar Halbstarke am rangeln.
Wir waren hungrig und fuhren zum Campingplatz, wo wir etwas assen. Danach verliessen wir den Addo National Park. Schön war es gewesen, doch wenn man einmal in Botswana war, erscheint einem dieser Park eher wie ein grosser Zoo.
Trotz des fortgeschrittenen Nachmittags fuhren wir die 173 km auf der N10 bis nach Cradock. Der Himmel war immer noch verhangen und es regnete sogar ab und zu. Bevor man in die Stadt kam, breite sich eine ausgedehnte Schwarzen-Siedlung über die Hügel aus. Die neuen Häuschen sahen von Weitem wie bunte Bauklötzchen aus. Mit Hilfe der Regierung können die Schwarzen nun in einfachen kleinen Häusern leben. Doch nicht alle tun dies, denn wer die Unterstützung vom Staat in Anspruch nimmt, muss sich registrieren lassen und auch Steuern zahlen, sofern Geld vorhanden ist. Aus diesem Grund gibt es immer noch viele Bretterbuden-Siedlungen in Südafrika.
Wir fuhren durch das Städtchen ohne anzuhalten, denn wir wollten ja noch zum Mountain Zebra N.P., welcher sicher wie alle Parks um 18:30 die Tore schliesst. Am Eingangstor wurden wir aufmerksam und kompetent betreut. Hier gibt es nicht so viele Touristen, dass merkten wir sofort. Wir fuhren die 12 km bis zum Camp und gingen zur Rezeption. Der Schwarze hinter dem Tresen hatte die Sache mit der Wild Card im Griff und diesmal gab es kein Herumgelaber.
Wir fuhren zum Campingplatz, welcher uns ganz alleine gehörte. In der Küche vom Campingplatz kochte ich mir eine kleine Suppe, während Charly noch vom Mittagessen genug hatte.
Diese Nacht wird sicher wesentlich ruhiger werden als die letzte.
Die Nacht war tatsächlich sehr ruhig gewesen, denn wir waren die einzigen Gäste auf dem Campingplatz. Es hatte in der Nacht aufgehört zu regnen und nun schien sogar die Sonne. So ist es in Afrika, ein Tag Regen und alles ist grau in grau, doch der nächste Tag ist bereits wieder heller Sonnenschein.
Wir fuhren los und erkundeten das Gebiet, wo die Berg-Zebras sein sollten. Dafür mussten wir einen steilen Berg hochfahren und entdeckten neben der Piste einen Baum, welcher von zahlreichen Meerkatzen bevölkert war. Die kleine Äffchen turnten auf den Ästen herum und besonders drollig waren natürlich die Jungtiere, die frech zwischen den Blättern hervorschauten.
Oben auf der Ebene angekommen, entdeckten wir nur wenige Tiere. Die kleinen Berg-Zebras waren sehr scheu und liefen gleich davon, sobald sie ein Auto kommen hörten. Weiter entfernt entdeckten wir Weissschwanz-Gnus, diese Tiere hatten wir bisher noch gar nicht gesehen auf unserer Reise. Sehr zu unserem Bedauern waren sie sehr weit weg. Wir fuhren die ganze Runde und entdeckten neben weiteren Berg-Zebras auch einige Kuhantilopen.
Wir folgten bald darauf dem anderen Loop über die Berge. Die Aussicht war fantastisch, aber viele Tiere waren in dieser Gegend nicht zu sehen. Ein paar graue Rehböcke und zwei Bergzebras, danach verliessen wir den Park.
Wir fuhren zurück nach Cradock, wo wir noch tanken wollten. Auf der Suche nach einer geeigneten Tankstelle kamen wir an einem Schwarzen vorbei, der auf dem Trottoir sass und im hohen Bogen auf die Strasse pisste. Ich dachte, ich seh nicht recht.
Die Tankstellen waren alle sehr teuer, deshalb beschlossen wir nicht voll zu tanken und fuhren weiter nach Queenstown. Die Gegend auf dem Weg dorthin war sehr schön, denn einige hohe Tafelberge säumten den Weg. In Queenstown war die Bevölkerung fast ausschliesslich schwarz. Charly fühlte sich nicht besonders sicher, also beschlossen wir weiter bis nach Umtata zu fahren, obwohl es bereits später Nachmittag war. Die Strecke führte uns durch eine schöne hügelige Landschaft und über einen Pass. Auf unserem Weg fühlten wir uns seit langen wieder einmal wie in Afrika. Wir sahen nur Rundhütte, die Leuten hatten ihre Waren auf dem Boden zum Verkauf ausgebreitet, die Autofahrer hatten ein halsbrecherisches Tempo drauf und kein einziger Weisser war zu sehen.
Die Landschaft war sehr hügelig und schön. Kein Zaun störte die Natur. Wir fuhren und fuhren. Es wurde spät und als wir endlich Umtata erreichten, war es bereits dunkel geworden. Nun mussten wir besonders vorsichtig fahren, denn die schwarzen Fussgänger waren so gut wie unsichtbar in der Dunkelheit. In der Nähe von Umtata war Nelson Mandela geboren worden und die Einwohner waren alle schwarz. Auch hier hatten wir das Gefühl wieder in Afrika zu sein.
Wir hatten im Reiseführer von einem Caravanpark gelesen und machten uns im Gewühl der dunklen Strassen auf die Suche. Im Norden der Stadt erschien uns die Gegend etwas unsicher und wir rechneten uns im Süden bessere Chancen aus den Caravanpark zu finden. Wir drehten um und fragten uns durch. Schliesslich fanden wir den ehemaligen Caravanpark, doch leider war der Platz inzwischen zu einem Luxushotel umgebaut worden und campieren war nicht mehr erlaubt. Der Mann an der Rezeption vom Hotel empfahl uns doch mal bei der 4 km entfernten Ultra Shell Tankstelle nachzufragen. Wir fuhren hin und platzierten Snoopy auf dem grossen Parkplatz. Für 15 Rand durften wir dort übernachten, doch viel schlafen werden wir wohl nicht können, denn die Laster waren ständig am kommen und gehen. Wir assen im Restaurant, doch das Essen war fürchterlich schlecht. Die Pommes waren sogar für Charly ungeniessbar, was etwas heissen will. Zurück in unserer Wohnkabine versuchten wir etwas Entspannung zu finden. Leider war der Parkplatz gut von Lastwagenfahrern besucht, fast die ganze Nacht war reger Betrieb und an Schlaf war trotz der Ohrenpfropfen nicht zu denken.
Schon am Morgen kurz nach 4 Uhr fuhren die ersten LKWs wieder ab. Viel Schlaf hatten wir nicht gefunden. Um 7 Uhr standen wir auf und gingen ins Restaurant einen Kaffee trinken. Einige Lastwagenfahrer hatten Eier mit Speck zum Frühstück, so dass ich ebenfalls Lust auf Eier bekam. Ich bestellte Spiegeleier mit einer gegrillten Tomate. Die Eier schwammen im Öl und die Tomate war nur eine dünne Scheibe. Charly sein Muffin-Küchlein war ungeniessbar und er hatte bereits nach zwei Bissen genug.
Bevor wir uns auf den Weg machten, riefen wir noch bei Rick an, um ihn zu informieren, dass wir morgen auf seiner Farm ankommen würden. Alles kein Problem, versicherte er uns und wir freuten uns schon auf ein Wiedersehen.
Wir fuhren weiter auf den N2 nach Kokstad und durch schöne Landschaft auf der R617 zum Garden Castle Nature Reserve.Auf dem idyllischen Platz konnten wir für 80 Rand übernachten.
Gleich nach uns kam ein älteres Ehepaar an. Wir wurden natürlich wieder über unser Auto und die Reise ausgefragt. Die Frau war sehr beeindruckt, doch wäre das nichts für sie, denn ihr Mann war über 2 Meter gross. Eigentlich hatten sie eine Hütte mieten wollen, doch als sie hörten, dass wir campieren, änderte die Frau sofort ihre Meinung. Campen unter freien Himmel sei doch viel schöner, meinte sie. Wenn die wüsste, dass wir eine Heizung im Auto haben.
Wir stellten unseren Snoopy ab und machten es uns gemütlich. Leider hatten wir wegen des schlechten Wetters nur wenig Aussicht.
Wir verbrachten einen gemütlichen Tag, denn wir uns nach der gestrigen Nacht wohl verdient hatten.
Heute sah die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Die Sonne fand zwischen den dicken Wolken doch noch den Weg zu uns.
Wir lernen nach dem Frühstück einen sportlichen Rumänen mit seiner Frau kennen. Er war mit seiner Familie per Fahrrad unterwegs und keiner hatte auch nur ein Gramm Fett auf den Rippen. Er erzählte uns wie schön es doch ist in Südafrika zu leben, wo man so viele Möglichkeiten hat, aber dass es leider auch ziemlich viel unkontrollierte Kriminalität gibt. Insbesondere in Durban, wo er sein Haus hatte.
Wenig später verabschiedeten wir uns und verliessen dieses friedliche Natur Reservat wieder. Kaum waren wir auf der R617 angekommen, sagte uns das GPS, dass es nach links direkt zu Ricks Farm ging. Wir wollten nicht den Umweg über Howick machen und zudem lud eine schöne Landschaft über Lower Loteni ein. Wir fuhren auf der Piste durch eine wunderschöne Landschaft. Es ging über Berg und Tal, mal war die Piste gut, dann wieder etwas schwierig wegen dem frischen Regen.
Wir fragten uns schon, wie die Farm von Rick wohl aussieht. Er hatte in Botswana immer von der herrlichen Lage seines Hauses geschwärmt. Schliesslich hatten wir es geschafft und sahen das ersehnte Schild „Bergtrails“ mit einem Appaloosa darauf.
Unweit von der Strasse sahen wir ein Gebäude mit einer angebauten, riedgedeckten Lapa (Rundhütte). In der Annahme das dort Rick wohnt, stiegen wir aus und gingen hinein. In der Mitte des Raumes war eine grosse schöne Feuerstelle, zwei Räder von einem Heuwender waren zu Kronleuchtern umfunktioniert worden, zwei Hunde lagen faul auf den Sofas aber keine Menschenseele war zu sehen. Wir liefen weiter und entdeckten Leute. Karen sass auf dem Boden und war irgendetwas am sortieren. Sie begrüsste uns freundlich und klärte uns auf, dass Rick weiter oben wohnen würde. Dies sei das Spotted Horse Country Inn, welches aber auch zur Farm gehöre. Wir bedankten uns und verliessen das Gebäude wieder. Wir fuhren die holprige, steinige Piste hoch und sahen bald Ricks Haus.
Bei unserer Ankunft war es schon später Nachmittag, denn die Piste über Lower Loteni hatte uns mehr Zeit gekostet als erwartet. Wahrscheinlich wären wir einiges schneller über Howick gewesen, trotz des Umweges. Doch wen stört’s!
Die Begrüssung von Rick, Patrick und Alesha war überaus herzlich und wir wurden gleich ins Haus gebeten. Dort lernten wir sogleich auch Ricks charmante Frau Trisha kennen.
Es wurde viel erzählt und geplappert, doch Rick hatte noch dieses und jenes zu tun. Also fuhren wir mit ihm in seinem Land Rover mit. Die Hunde wollten natürlich auch mit, Djugi, der Dackel und Dingo, der Australische Cattle Dog, quetschten sich sofort zwischen uns durch und sassen noch vor uns im Wagen. Sie sahen uns erwartungsvoll an, nach dem Motto, macht vorwärts, damit es endlich losgehen kann. Okay, ihr Schlingel habt gewonnen! Jack der Schäferhund und Scruffy, die Promenadenmischung, mussten zu Hause bleiben.
Rick zeigte uns stolz seine Farm und den von ihm gepflanzten Wald. Die Pferde waren auf der unteren Weide und ich konnte sie nur von weitem sehen.
Gegen Abend kamen wir zurück und Trisha kochte für uns alle ein leckeres Abendessen. Wir sassen anschliessend an seiner grossen Bar und becherten einige Bier, Wein und Whisky-Cola. Mir war danach ganz beduselt.
Eigentlich hatten wir ja im Buschcamp übernachten wollen, doch Rick meinte, da können wir dann noch übernachten, wenn wir von ihnen genug hätten. Wir bekamen ein eigenes Zimmer mit einem grossen Bett und einem grossen Schrank sowie einer Kommode. Es war ungewohnt wieder einmal in einem Bett zu schlafen.
Es war ein herrlicher Sonntagmorgen, die Sonne strahlte und die Sicht aus den Panoramafenstern von Ricks Haus war sensationell. Erst gab es Kaffee und Rusks - von Trisha persönlich gebacken. Das sind Biskuits, welche nach dem Backen getrocknet werden und deshalb hart sind. Die Südafrikaner stippen diese gerne in ihren heissen Kaffee oder Tee.
Gegen 9 Uhr gab es dann Frühstück: Yoghurt, Flocken und anschliessend Spiegeleier mit Speck und Toast. Nach diesem ausgiebigen Frühstück waren wir für den Ausritt gestärkt. Nach 10 Uhr kamen die ersten Leute. Die Pferde wurden je nach reiterlicher Fähigkeit ausgesucht. Anschliessend bekamen die Reiter Chaps, Helm und das Zaumzeug ihres Pferdes für den Ausritt. Charly bekam Squatting Dog und ich Sassy. Wieso heisst Squatting Dog - Squatting Dog? - war meine Frage. Die Antwort war einfach, da das Pferde seine Eier als Fohlen vor dem Glied hatte, setzte er sich immer zum Pissen hin, was ihm schliesslich den Namen eintrug. Heute ist er ein grosser, stattlicher Wallach und hat damit keine Probleme mehr. Sassy war eine ganz liebe, dunkle, rundliche Stute. Leider hatte sie keine Flecken, wie dies bei Appaloosa sonst oft üblich ist.
Die Pferde wurden aufgezäumt und vom Paddock zum Sattelplatz geführt. Ich hatte so meine Anpassungsschwierigkeiten mit den australischen Sätteln. Erstens waren sie sauschwer und zweitens wurde der Gurt mit einem Knoten befestigt. Nach Cowboyart halt.
Wir stiegen auf und jedem Reiter wurde eingebläut, dass er die Zügel schön locker zu halten hat und nur daran zu ziehen hat, wenn das Pferd halten soll. Schliesslich ist das Pferdemaul von Natur aus weich und sensibel. Man zeigte auch, wie man das Pferd nach Cowboyart lenkt. Es war alles etwas ungewohnt für mich, da ich eher an die englische Reitweise gewöhnt war. Rick ritt seinen Uranus, Patrick seinen Spotmando und Alesha Oil Rig. Trisha heilt die Stellung zu Hause.
Nun konnte es losgehen. Rick hatte für uns wirklich zwei ganz liebe Pferde ausgesucht und auch Charly kam mit seinem Gaul gut zurecht. Es ging den Berg hinunter, durch eine breiten Bach und weiter zur Strasse. Auf der anderen Seite kamen wir auf ein grosses Stoppelfeld, wo einige Reiter wild los galoppierten. Ich blieb bei Charly, doch gegen Schluss wagte ich dann doch einen langsamen Galopp mit Sassy. Schliesslich war ich 1 ½ Jahre nicht mehr im Sattel gesessen. Sassy hatte weiche Gänge und war sehr folgsam. Nach dem Feld ging es lange bergauf und der rechts vom Pferd ging es öfters steil den Berg hinab. schliesslich kamen wir auf einer Aussichtsplattform an. Dort wurde eine kurze Pause eingelegt und wir konnten die Aussicht geniessen und nebenbei unsere Knie und Hinterteile strecken. Mann, hatten wir O-Beine.
Danach ging es wieder in den Sattel und wenig später kamen wir zum Iha-Rock. Als Rick das erste Mal geschafft hatte sein Pferd auf den Felsen zu bringen, rief er lauthals Iiiihhaaa! Seitdem nennen alle diesen Felsen den Iha-Rock. Natürlich wurde uns demonstriert, wie brav Uranus und Spotmando den Felsen hochklettern.
Friedlich ging es wieder bergab. Die Pferde waren alle gut trainiert und liefen im Gänsemarsch brav hintereinander. Wir bildeten das Schlusslicht. Ein bis zwei Abschnitte waren ziemlich steil und ich bewunderte die Trittsicherheit von Ricks Appaloosa.
Wieder zurück auf der Farm hatten wir dann ganz schön Knie- und Arschweh. Auwauwauwauwau!
An der Bar wurde anschliessend der Durst mit einem kühlen Blonden gelöscht. Jeder erzählte von seinem Ritt, von seinem Pferd oder anderen Sachen. Eine Stunde später waren alle gegangen.
Alesha hatte unterdessen bereits die Pferde im Paddock gefüttert. Wer geritten wird, kriegt eine Extra-Portion.
Am Abend sahen wir etwas Fernsehen und Trisha kochte etwas leckeres.
Als wir am Morgen aufwachten hatten wir beide fürchterlichen Muskelkater. Charly sagte, er fühlte sich als ob ein Lastwagen über ihn weggerollt wäre. Wir konnten kaum laufen. Gemeinsam assen wir alle Frühstück, dann wurden auch schon wieder die Sättel parat gemacht, denn heute waren 4 Reiter angemeldet. Zwei Frauen wollten nur einen kurzen Ausritt von etwa 2 Stunden machen, während die anderen das volle 3 ½- Stunden Programm vorzogen. Gemeinsam ritten wir alle los. Diesmal ging es in den Wald oberhalb vom Farmhaus, die sogenannte White-Route. Ich ritt heute einen Appaloosa Wallach namens Still Water. Er war etwas lebhafter als Sassy, doch auch sehr brav. Im Wald trennten wir uns von Rick und seiner Gruppe, denn wir ritten die kürzere Variante. Die beiden Frauen waren ziemlich gewichtig und die Pferde taten mir etwas leid. Der Ritt war ruhig und ich war bei meinem Muskelkater ganz glücklich nur im Schritt zu reiten. Still Water lief zwar anstandslos durch den Fluss, aber in eine Wasserpfütze wollte er nicht. Auf dem Rückweg ritten wir einen steilen Abhang hinunter, oder sollte ich eher sagen rutschten wir hinunter. Nach 2 ½ Stunden war mein Hintern ganz froh wieder vom Pferd zu kommen. Mein Muskelkater war nicht besser geworden, eher schlimmer.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit Alescha bei ihrem Training mit einem Pferd zu zusehen. Charly konnte vor lauter Muskelkater kaum noch laufen.
Am Abend sassen wir alle gemütlich vor dem Fernseher und schauten einen spannenden Film. Wir hatten lange nicht mehr die Gelegenheit gehabt Fernsehen zu schauen, doch es hatte sich nicht viel verändert in der Welt.
Heute war kein besonders schöner Tag und da keine Reiter angemeldet waren, ging auch niemand reiten. Das war mir ganz recht, denn so konnte ich meinen Muskelkater etwas auskurieren.
Charly half Trisha bei ihrem Buchhaltungsprogramm, da sie einige Probleme damit hatte.
Am Nachmittag kamen Aleschas Eltern vorbei und holten sie ab. Sie musste am Mittwoch in die Schule und damit nach Pietermaarhitzburg fahren. Ich verbrachte den Tag mehrheitlich vor dem Fernseher, nach 15 Monaten Abstinenz gab es da einiges aufzuholen.
Heute ging ich mit Trisha zum Nottingham Road Garden Club. Wir holten mit ihrem alten Mercedes Eva ab und bemerkten erst dort, dass wir vor lauter Aufregung vergessen hatten den Schokoladenkuchen mitzunehmen. Wir fuhren zurück auf die Farm und holten den Kuchen.
Jeden Monat wurde der Garten eines Mitgliedes vom Club besucht und es gab dort Tee mit Kuchen oder etwas salziges dazu.
Trisha war für den Teeausschank eingeteilt worden und hatte wenig Zeit für mich. Zusammen mit Eva erkundete ich den schönen Garten und das alte Farmhaus. Alles war rustikal eingerichtet und es passte vorzüglich zu den groben Steinen, mit denen das Haus gemauert worden war.
Es gab noch ein zweites Wohnhaus in der Nähe und dort war der Garten mit vornehmlich weissen Blumen bepflanzt. Nach dem Garten kam der gepflegte Rasen und im Anschluss daran folgte ein schöner kleiner See. Auf der anderen Seite nichts als Busch. Es war fantastisch schön und es gab viel Platz um die Häuser.
Nach der Besichtigung fuhren wir nach Nottingham Road, wo noch einige kleine Besorgungen erledigt werden mussten.
Auf dem Rückweg stoppten wir in einer kleinen Käserei und kauften Käse ein.
Zurück auf der Farm gingen wir zuerst Karen besuchen, da sie eine Besprechung vereinbart hatten im Spottet Horse. Doch war weder sie noch die anderen Farmer anwesend. Es hatte keiner Zeit gefunden, um sich über die Attraktivität des Tales Gedanken zu machen. Stattdessen tranken wir einen Tee und assen den restlichen Schokoladenkuchen auf. Stuart, ein Farmer, war gekommen und hatte seinen Welpen dabei. Dieser spielte lebhaft mit dem jungen Hund von Karen. Als wir gehen wollten, bemerkten wir, dass der junge Hund von Stuart verschwunden war. Wir suchten nach ihm, konnten ihn aber nicht finden. Er konnte sich überall versteckt haben.
Wir fuhren zurück zur Farm, in der Hoffnung den Hund unterwegs irgendwo zu finden. Leider vergeblich.
Den restlichen Tag verbrachten wir gemütlich im Haus.
Ich bin wieder früh wach geworden und trank meine Tasse Kaffee vor dem Fernseher. Das Frühstück war kurz, da die heutigen Reiter etwas früher dran waren. Die Pferde wurden ausgewählt und in der Koppel eingefangen. Ich bekam heute Eager Beaver, ein kleines, dunkelbraunes Lesotho-Pony. Er war offensichtlich nicht so begeistert geritten zu werden und versuchte sich erfolglos zu verstecken. Die Pferde waren bald eingefangen und gesattelt. Danach konnte es los gehen. Es sollte nur ein kurzer Ritt werden, denn die Leute hatten nicht viel Zeit. Wir ritten den Hügel bei der Farm hinauf und durch Ricks Wald. Beaver war sehr ärgerlich, denn ich ritt am Schluss, dabei war er es doch gewohnt immer an der Spitze zu laufen. Er schlug verärgert mit dem Kopf und versuchte das eine oder andere Überholmanöver. Er lief quer und trappelte unwirsch vor sich her. Es nützte ihm alles nichts, denn ich liess ihn nicht vor. Schliesslich wollte ich sicher gehen, dass die Anfänger vor mir nicht verloren gehen. Squatting Dog lief wie immer gemächlich und liess sich nicht stressen. Doch wenn Beaver an ihm vorbei schleichen wollte, dann schnitt er ihm einfach den Weg ab. Das war für ihn bei seiner Grösse kein Problem. Der Reiter war ein völliger Anfänger und wusste kaum wie er die Zügel halten musste. Es war also Squatting Dog, der uns nicht vor lassen wollte. Ich musste grinsen, denn je eiliger es Beaver hatte, desto mehr schnitt Squatting Dog ihm den Weg ab. Der Ritt war trotzdem angenehm und da wir nur Schritt reiten konnten auch wenig anstrengend.
Der Weg zurück zur Farm war steil, doch die Pferde meisterten den steinigen, steilen Abhang problemlos. Ricks Pferde sind sehr ausgeglichen und unkompliziert.
Zurück auf der Farm trafen sich alle Reiter in der Bar und es gab einen Schluck zu trinken.
Die Pferde grasten unterdessen auf dem Rasen vor dem Haus.
Am Abend waren Rick und seine Frau im Spotted Horse zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Sie wollten uns mitnehmen, doch Charly fühlte sich fehl am Platz, weswegen wir schlussendlich auf der Farm blieben und Fernsehen schauten.
Früh am Morgen sass ich vor dem Fernseher und schaute mal wieder Nachrichten. Um 10:30, nach einem kurzen Frühstück machte ich mich fertig, denn ich wollte wieder mit Rick ausreiten. Ich hatte schon die Sättel gerichtet, denn es sollten 6 Reiter für den Ausritt zur anderen Seite des Tales kommen. Drei Engländer, zwei Australier und ein Argentinier kamen. Es waren alles junge Burschen und sie waren voller Enthusiasmus.
Es war ein schöner Tag und ich freute mich mit dem kleinen Lesotho-Pferd Eager Beaver auszureiten. Wie ich gestern bereits bemerken durfte, war er ein überaus eifriges Pferd, dass nur an der Spitze des Trupps zufrieden war.
Die Pferde waren rasch gesattelt und es konnte losgehen. Beaver hatte es wie immer eilig, doch ich ritt mit ihm wieder am Schluss. Er musste sich wohl oder übel daran gewöhnen, trotz seines ärgerlichen Kopfschüttelns. Der Ritt war fantastisch. Der Galopp über das Feld war ruhig. Es ging durch ein Flussbett, ein Sprung über ein Bachbett, den Berg steil hinauf und oben wartete dann eine Überraschung auf uns. Eine Spei-Cobra lag in der Sonne und wärmte sich auf. Two Socks scheute etwas. Es war nicht einfach, denn rechts ging es steil bergab. Die anderen warteten, bis sich die Schlange verzogen hatte. Oben auf dem Berg stiegen alle ab und genossen die traumhafte Landschaft. Auf dem Rückweg kamen wir wieder am Iha-Rock vorbei. Rick ritt wie immer mit Uranus auf den Felsen. Er sah wie eine Statue aus, stolz und hoch aufgerichtet. Der Australier versuchte es auch mit Two Socks, doch sein Pferde drehte zuerst ein paar Runden, bevor er es überzeugen konnte den Felsen hinaufzulaufen. Danach forderte mich Rick auf, es doch auch einmal zu probieren. Ich ritt mit Beaver an den anderen vorbei und tatsächlich stieg das kleine Pferde ohne zu zögern auf den Felsen hinauf. Ich war enorm stolz ihn, denn wo der Grosse scheute, da lief der Kleine anstandslos hinauf.
Der steile Ritt zurück ins Tal war problemlos. Unten auf dem Feld begann Beaver plötzlich zu bocken, denn die anderen waren schon vorausgaloppiert, während Rick und ich nach verlorenen Gegenständen suchten. Der Australier hatte sein Leatherman-Messer und Rick eine Plastik-Tasse verloren. Ich stieg ab um die Tasse zu holen, Beaver war nicht begeistert von der Aktion und liess mich fast nicht mehr aufsteigen.
Danach lief er mehr auf seinen Hinterbeinen als auf allen Vieren. Er bockte und stieg. Er lief seitwärts und rückwärts, doch nicht vorwärts. Es hatte inzwischen heftig angefangen zu regnen und die frisch geölten Zügel wurden klitschig. Ich konnte den Kleine fast nicht mehr halten. Ich musste die Zügel um meine Hände schlingen, damit ich halbwegs noch Kontrolle über das Pferd hatte. Dadurch wurde meine Hand härter und Beaver noch bockiger. Schliesslich schaffte ich es doch noch ihn in einen ruhigen Galopp zu bringen und zu den anderen zu reiten. Rick folgte etwas später.
Zurück auf der Farm waren wir völlig durchnässt. Wie immer nach einem Ausritt, trafen sich alle Reiter in der Bar, aber anstatt ein kühles Bier wurde heute Tea und Kaffee getrunken.
Die Leute blieben recht lange, es gefiel ihnen offensichtlich bei Rick. Er wusste wie immer einige gute Stories zu erzählen.
Meine Muskeln an den Oberschenkeln schmerzten etwas von den Eskapaden von Beaver.
Am späten Nachmittag kamen Alescha und Patrick von Pietermaritzburg zurück. Die Pferde wurden von Rick auf die grosse Weide getrieben.
Am Abend sassen wir vor dem Fernseher und genossen das gemütlich Familienleben.
Schon um 7 Uhr sass ich mit Rick vor dem Fernseher und trank Kaffee dabei. Um 10:30 Uhr kamen wie fast jeden Tag Reiter, die mit Rick ausreiten wollten. Johann und seine Freundin Brownwin kamen auch. Ich ritt heute nicht mit, da meine Sachen immer noch platsch-nass waren. Anstatt zu reiten, wusch ich unsere Kleider und beschäftigte mich mit unseren Fotos.
Der Tag ging schnell vorbei.
Am Abend kamen zwei Männer vorbei, die zwei Pferde kaufen wollten. Sie entschieden sich für Oil Rig und Frog. Die Pferde werden die Farm aber nicht verlassen, denn die neuen Besitzer wollen die Pferde weiterhin auf der Farm lassen und stehen sogar anderen Reitern zur Verfügung, sofern die Besitzer nicht selber reiten wollen.
Heute war wieder einmal ein schöner Tag und man konnte weit ins Tal schauen. Die Berge waren klar sichtbar. Nach einem guten Frühstück hiess es wieder Pferde satteln. Gertrud und Eva aus Deutschland waren gekommen. Eva war seit Januar mit dem Südafrikaner Snowy verheiratet. Die neuen Besitzer von Oil Ring und Squor kamen ebenfalls, um ihre neue Errungenschaft zu testen.
Ich ritt wieder Eager Beaver und wie immer hatte er es furchtbar eilig. Der Ritt war wieder wunderbar, die Aussicht war herrlich und die Pferde waren ausgeglichen. Unterhalb vom Bergkamm stiegen wir von den Pferden und tranken von der Naturquelle. Oben auf dem Berg genossen wir die Aussicht und liessen unsere lädierten Hinterteile etwas ausruhen. Weiter unten ritt Rick wieder auf den Iha-Rock. Auch Alesha wollte mit ihrem Pferd hinauf, doch weigerte sich dieses heftig. Beaver hingegen ging wieder problemlos den Felsen hoch.
Auf dem Rückweg kamen wir wieder auf das abgemähte Feld, wo ich das letzte Mal so Probleme mit Beaver hatte. Diesmal ging es besser, denn er durfte im gestreckten Galopp davon stürmen.
Zurück auf dem Farm spürten wir alle unsere Hinterteile, denn der Ritt hatte über 4 Stunden gedauert. An der Bar tranken und assen wir anschliessend etwas.
Der Abend war gemütlich.
Da wir heute nach Pietermaritzburg fahren wollten und Alesha noch zur Schule bringen wollten, standen wir schon vor 6 Uhr morgens auf. Kurz nach 7 Uhr fuhren wir ab. Auf dem Weg nach Nottingham Road schlug das rechte Vorderrad so fest, dass Charly anhalten musste. Das Rad hatte eine Unwucht drin, da eine Reihe der Stollen unerklärlicherweise mehr abgefahren war als der Rest. Wir fuhren weiter, doch nun etwas langsamer. Wir brachten Alesha in ihr Kollegium und machten uns auf die Suche nach unseren Ersatzteilen. Der Sicherungsschlüssel für die Spezialradmuttern war abgebrochen und unser Ersatzschlüssel war ebenfalls schon ramponiert. Leider hatten wir in Pietermaritzburg keinen Erfolg, doch man versprach uns, dass man in Durban den Sicherungsschlüssel an Lager hätte. Auch eine neue Windschutzscheibe wollten wir kaufen, welche ebenfalls zur Zeit nur in Durban erhältlich war.
Also fuhren wir auf der N3 die 73 km nach Durban. Leider umsonst, wie wir bald herausfanden. Der Sicherungsschlüssel war nicht da und die einzige passende Windschutzscheibe für unsere Toyota war bereits defekt.
Wir gingen ins Mc Donalds und assen einen Hamburger. Frustriert fuhren wir zurück nach Pietermaritzburg. Es war zum Mäusemelken, denn auch alle andere Sachen die wir suchten, waren nicht erhältlich. Patrick hatte jedoch in der Zwischenzeit bei einer italienischen Firma die Scheiben für unsere Luftfedern stanzen lassen. Wenigstens diese konnten wir vor unserer Rückfahrt abholen. Den Sicherungsschlüssel konnten wir bestellen und hofften nun diesen bis Ende Woche zu erhalten.
In Regen und dickem Nebel fuhren wir zurück zu Ricks Farm. Das Wetter war wie im November in der Schweiz.
Rick hatte bereits ein Huhn mit Bratkartoffeln im Ofen. Wir assen gemeinsam und sahen fern.
Das Wetter war furchtbar. Es regnete fast den ganzen Tag und es war schrecklich kalt. Wir froren sogar im Haus. Ich sortierte unsere Fotos auf unserem Notebook und Charly installierte die Luftfedern mit den neuen Platten. Am Abend machte Patrick Feuer im Kamin, so dass es wenigstens im Wohnzimmer wärmer war.
Ich half Trisha etwas in der Küche, während die Männer vor dem Fernseher sassen.
Das Wetter war heute leicht besser, doch es war nicht besonders warm. Ich kümmerte mich um die restlichen Fotos und Charly half Trisha bei ihrer Umräumaktion in ihrem Büro.
Da heute die Werkstatt besetzt war, konnte Charly nicht an unserem Auto weiter machen. Am späten Nachmittag backte Trisha Schokoladen-Muffins für den 4 Uhr Tee. Lecker Lecker.
Heute konnte Charly wieder in die Werkstatt. Er kontrollierte alle Schrauben und Flüssigkeiten am Auto. Beim Schmieren half ich ihm etwas und da entdeckte er leider, dass bei der Achse die Halterung von der rechten Schubstrebe gebrochen war. So schlimm, dass sogar die Schweissnaht gerissen war. Kein Wunder hatte sich Snoopy immer so aufgeschaukelt. Es war also nicht die Schuld vom abgefahrenen rechten Vorderreifen. Eine schöne Bescherung! Wir fragten Patrik um Rat, wobei er uns anbot, die Halterung sowie die defekte Schweissnaht an der Achse zu schweissen. Zu unserem Glück hatten sie so eine gutausgerüstete Werkstatt auf der Farm. Charly machte sich sofort daran die Achse auszubauen.
Die Fahrt in die Stadt wird nun diese Woche nicht mehr stattfinden können. Charly informierte die Toyotagarage, dass wir die bestellten Ersatzteile später holen werden und fragte auch gleich noch nach, was denn eine neue Achse kosten würde. Der Preis belief sich auf 7'000 Rand (1'400 CHF). Ufff! Schweissen war eindeutig die bessere Variante.
Nach dem Frühstück baute Charly weiter die Achse aus. Leider hatte Patrick keine Zeit das gebrochene Teil zu schweissen, denn ständig war etwas an den Maschinen ihrer Arbeiter zu flicken.
Die Laster für den Holztransport waren bestellt und da hatte die Reparatur einer Bell (Holzladegerät) Vorrang. Ein Traktor war umgekippt, weil der Boden zu rutschig war, usw.
Es gab kein Tag an dem es nichts zu reparieren gab.
Beim Frühstück kamen schon die ersten Reiter. Zu früh, doch das störte niemanden. Stattdessen wurden die Leute zu einer Tasse Tee eingeladen. Nach diesem ausgiebigen Frühstück ging es dann an die Arbeit. Jeder Reiter erhielt sein Pferd. Zwei Berliner waren dabei. Sie waren sehr nett und so kümmerte ich mich etwas um sie. Rick gab mir heute Wycato, da ich mir ein schönes Pferd mit Flecken gewünscht hatte. Brownwin musste mir helfen sie einzufangen, denn Wycato wollte lieber in der Herde bleiben. Es nützte ihr alles nichts, auch nicht als sie bockig stehen blieb. Mit etwas gutem Zureden und leichtem Ziehen am Zügel bewegte sie sich dann doch zum Gatter.
Als alle Pferde gesattelt waren, konnte es los gehen. Es war ein traumhafter Tag und so ritten wir wieder zum Iha-Rock. Wycato war ganz aufgeregt. Brownwin hatte Beaver gesattelt und Johann Squatting Dog. Als wir auf das abgemähte Feld kamen und die anderen davon stürmten, da wollte auch Wycato los. Wie eine gespannte Feder galoppierte sie den anderen hinterher. Am liebsten hätte sie alle überholt, doch da sass ich ja noch oben drauf und hielt sie zurück. Sie wollte einfach nur rennen. Am Ende der Strecke war sie leicht wieder zu kontrollieren und der Galopp war fantastisch. Nach einem Sprung über den Graben wollte sie links ausbrechen, da sie zwei schrecklich grosse Löcher im Boden gesehen hatte.
Oben auf dem Felsen stiegen alle ab, wir genossen wieder die grandiose Aussicht und gönnten den Pferden etwas Ruhe. Nun hatte ich etwas Zeit mich mit Judith zu unterhalten. Wir fanden uns auf Anhieb sympathisch.
Anschliessend ritten wir gemächlich zurück. Die Berliner hatten sich gut im Sattel gehalten und der Ritt hatte ihnen offensichtlich Spass gemacht.
Zurück auf der Farm wurden die Pferde frei gelassen und alle Mann gingen die durstigen Kehlen entstauben. Es war eine lustige Runde und so blieben alle etwas länger. Gemeinsam wurde der Tisch an der Bar gedeckt und ein paar Sandwich verdrückt. Die Zeit verging wie im Fluge. Nach dem verspäteten Lunch gingen alle zu den Pferden auf die Weide. Jeder suchte sich ein paar Pferde zum Schmusen aus. Freiwillig liessen sich die Pferde betatschen und begrabschen. Einige konnten gar nicht genug davon bekommen und stupsten von hinten, im Sinne von Hey, ich möchte auch gerne gekrault werden. Eine richtige Schmuserunde.
Anschliessend brachten Rick und ich Judith mit dem Auto zum Spotted Horse, wo sie mit ihrem Freund ein Zimmer gemietet hatte. Dort trafen wir auch ihren Freund, der nach dem Ritt dann doch nicht fischen gegangen war, sondern sich aufs Ohr gelegt hatte.
Wir tranken noch ein Bier und waren gerade im Aufbruch, als Charly kam. Zu spät für ein Bierchen, dafür musste er nicht zurück laufen, sondern konnte mit Rick mitfahren.
Wie immer am Sonntag ruhte die Arbeit auf der Farm, dafür kamen Leute zum Reiten. Wir sassen noch beim Frühstück kurz vor 10 Uhr, da kamen schon die ersten Leute. Rasch wurde das Frühstück beendet.
Auch Judith kam um sich zu verabschieden, denn sie musste heute wieder zurück nach Johannesburg.. Für einem zweiten Ausritt war somit keine Zeit mehr, denn ihr Flieger ging heute Abend zurück nach Deutschland.
Die Gruppe war heute sehr gross, da ein ganzer Trupp Taiwanesen gekommen war. So wurde die Gruppe geteilt. Da die Asiaten in Ricks Gruppe alles blutige Anfänger waren, beschloss ich lieber bei Aleshas Clique mit zu reiten. Ich durfte wieder die temperamentvolle schöne Stute Wycato reiten. Der Typ auf Two Socks konnte wirklich gut reiten, doch seine Freundin war ein Ei. Das Pferd Thickens machte mit ihr war er wollte. Er hatte sofort bemerkt, dass sie die Zügel nicht in der Hand hatte, obwohl sie behauptet hatte sie könne reiten. Alesha wechselte kurz das Pferd und erklärte dem Gaul, dass das so nicht funktioniert. Danach konnte es weiter gehen.
Beim Ausritt überholte sie mich mit Thickens immer wieder so dicht, dass sich unsere Steigbügel fast verhedderten. Mit einem verlegenen Lächeln in ihrem hübschen Gesicht, erklärte sie mir, dass das nicht von ihr aus geschehen sei. Da stellte sich mir die Frage, wer war da der Boss?
Wir hatten ein paar schöne Galoppstrecken und Wycato wäre am liebsten immer vorne weg galoppiert. Sie war nicht so glücklich, dass ich sie zurück hielt. Zum Abschluss durfte sie dann doch noch mit einer Affengeschwindigkeit Oil Ring und Alesha am Waldrand hinterher rasen.. Beim Reduzieren der Geschwindigkeit war sie dann nicht mehr mit mir einig und widersetzte sich. Sie stieg, doch es nützte ihr nichts. Der restliche Weg wurde im Schritt zurückgelegt. Wycato ist so zu sagen eine Art Ferrari im Stall. Kein Wunder, war ihre Mutter doch ein Vollblut und früher diverse Rennen gelaufen. Ausser diesem kleinen „Missverständnis“ war sie aber brav und leicht zu reiten.
Als wir wieder zurück auf der Farm waren, war Rick schon mit seiner Gruppe beim obligatorischen Getränk. Die Asiaten hielten sich jedoch nicht allzu lange auf und gingen bald mit einem braven „Ssank you“ wieder.
Johann und Brownwin waren mit ihren Pferden Misty und Running Bear mit Rick mitgeritten und erzählten nun von dem pummeligen Jungen der von dem Pony im friedlichen Schritt heruntergefallen war, weil er mit seinen fetten Beinchen sich nicht mehr halten konnte. Das arme Pony wusste gar nicht was da passiert war. Auch von den Erwachsenen waren ein paar heruntergefallen. Rick erzählte die Geschichte von einem Mann mit dem das Pferd spazieren ging. Auf dem ersten Hügel war er noch auf dem Pferd, dann kam eine Senke und er konnte den Reiter nicht mehr sehen. Beim zweiten Hügel tauchte dann das Pferde alleine wieder auf.
Als alle gegangen waren, kehrte wieder Ruhe im Haus ein. Am Abend wurde wie üblich das Abendessen vor dem Fernseher serviert.
Diese Woche war voll und ganz den Vorbereitungen für den Challenge Ride gewidmet. Da uns Rick gebeten hatte ihm zu helfen, blieben wir diese Woche nochmals auf der Farm, obwohl wir schon langsam ein schlechtes Gewissen bekamen, weil wir schon so lange da waren.
Nach dem üblichen Farmer-Frühstück ging es jeweils an die Arbeit. Bei strahlendem Sonnenschein, wurden Pfosten in die Erde gerammt und mit Bändern umwickelt. Verschiedene Spiele, wie Feuerholz-Puzzle, Blinder Reiter, Kanuboot über den See ziehen, usw. wurden aufgebaut. Die Toiletten und Duschhäuschen sowie das Zelt und die Tische mussten aufgestellt werden. Ein besonderer Höhepunkt war für Rick der Fear-Factor (Angst-Faktor), wobei die Teilnehmer in einem Sack voller Pferdeäpfel nach eingepackten Süssigkeiten suchen mussten, ohne zu sehen worin sie wühlten wohhlgemerkt.
Wir waren von Montag bis Donnerstag voll engagiert.
Am Donnerstag kam die Presse und wir wurden zum Bootziehen bestellt. Rick ritt Patricks schönes Pferd Spotmando, Alesha auf ihrem Thumble Weed und ich durfte auf Baby Blue mitreiten. Die Strecke zum See hatten wir in nur 15 Minuten hinter uns gebracht, wobei wir fast ausschliesslich galoppierten. Unterwegs trafen wir auf eine Wegkreuzung der Red-Route und Baby Blue bog im Galopp mit mir ab. Nanu, da wollte ich doch gar nicht hin! Schnell zog ich die Zügel an und kehrte um. Die anderen lachten natürlich. Das Pferd hatte den Weg gekannt, aber ich nicht, weshalb es mich auch überraschen konnte.
Die Presse war bereits am See und sie machten Fotos von Rick auf dem Pferd und Alesha im Kanu im Hintergrund.
Anschliessend ging es gemütlich im Schritt zurück und die restlichen Vorbereitungen noch erledigt.
Am Abend wurden wir zusammen mit den Marshalls von Rick zu einem Imbiss im Spotted Horse eingeladen. Die Marshalls waren die Richter bei den diversen Spielen, sie waren zuständig für die Vergabe von Punkten und Spielkarten. Es waren alles befreundete Farmer aus der Umgebung. Noch spät am Abend kamen die ersten Pferde an. Die Pferde sollten sich auf einer separaten Koppel schon mal eingewöhnen, während ihre Reiter wieder nach Hause fuhren.
Heute war es so weit. Um 10 Uhr sollte der Challenge Ride losgehen. Tatsächlich waren einige Leute schon viel früher da. Sie betrachteten Ricks Appaloosa, welche friedlich auf der Weide standen. Die jungen Mädchen waren besonders aufgeregt und konnte es kaum abwarten, bis es endlich los ging. Wir hatten pflichtgemäss die T-Shirts von Ricks ’Bergtrails’ an.
Die ersten Reiter kamen. Die Pferde wurden ausgewählt, gesattelt und schon war der erste Trupp unterwegs. Teilweise hatten die Leute ihre eigenen Pferde dabei und teilweise mieteten sie Pferde von Rick. Jede Gruppe bestand aus vier Reiter und zu meinem Glück fehlte bei der letzten Truppe einer. Schnell war ich umgezogen und sattelte Eager Beaver. Los ging es mit Gladice, Günther und seine Tochter Alexa.
Am Start hiess es dann erst einmal den Caterpilarwalk üben. Doch wir hatten den Dreh schnell raus und konnten weiter zum nächsten Punkt. Dort musste Alexa mittels einer Strickleiter einen Baum hochklettern, wo sie ein Wort fand, welches auf unserem Punktezettel eingetragen wurde. Danach ging es im weichen Galopp über ein paar Hürden. Der nächste Stopp war dann für mich wirklich eine Herausforderung. Da hiess es mit einem Löffel in dem Ei war, auf einen Baumstamm über den Fluss zu balancieren. Charly war dort der Marshall, doch einfacher als die anderen hatte ich es nicht. Es war eine ziemliche Wackelei, doch ich schaffte es trotz meiner Höhenangst.
Danach ging es eine lange Strecke durch den Wald. Die Strecke war genial und wir galoppierten viel. Beaver war vor lauter Aufregung ganz nass. Immer musste er die Nase vorne haben, nicht umsonst war sein Name Eager Beaver, was soviel wie ehrgeiziger Biber hiess.
Im Wald musste wieder ein Baum bestiegen werden, gut hatten wir Alexa dabei. Sie kletterte mit Eifer und Elan auf den Baum. Weiter ging es im Galopp und prompt verpassten wir die richtige Abzweigung, also zurück im gleichen Tempo. Quer durch den Wald und dann waren wir auch schon am See. Dort musste jemand ins Kanu sitzen und ein anderer musste das Kanu mit dem Drahtseil über den See ziehen. Beaver stellte sich störrisch und wollte nicht mal in die Nähe des Seiles. Später erfuhr ich dann auch warum, denn er hatte sich einmal auf der Weide böse in einem Draht verfangen und Verletzungen davongetragen, daher also seine panische Angst. Günther übernahm mit Squatting Dog. Denn den kann nichts aus der Ruhe bringen.
Anschliessend war Lunch-Time und jeder bekam eine Wurst mit Brot, zusammen mit einem Getränk. Die Girls mit ihren eigenen Pferde gingen mit ihren Pferden im See baden. Da es ein warmer sonniger Tag war, planschten alle vergnügt im Wasser.
Die nächste Herausforderung war das Feuerholz-Puzzle und da wir beim Kanuziehen einen Minuspunkt kassiert hatten, versprach ich Marshall Rob ein kühlen Bier. Daraufhin ergatterte ich eine zusätzliche Spielkarte - jeder Punkt zählte.
Dann kam der „Fear-Factor“. Dort wurde gewürfelt und je nach Zahl, musste das darunter versteckte gegessen werden. Günther meldete sich freiwillig. Seine Zahl bedeutete ein rohes Ei verspeisen. Wähhhh, wie schlapprig! Die anderen Varianten waren eine rohe Zwiebel oder eine rohe Kartoffel. Wieder kassierten wir einen Minuspunkt, da Günther das Eiweiss auf den Boden gleiten liess. Mit der Versprechung am nächsten Tag eine Tafel Schokolade mitzubringen, konnte der Minuspunkt wieder ausgeglichen werden. Danach hiess es wieder aufsitzen und wir ritten durch die schöne, hügelige Landschaft auf Ricks Farm. Ein langer schöner Ritt. Zurück beim Ausgangspunkt wurde das letzte Spiel ausgetragen. Zwei Reiter ritten gegenüber im Kreis, wobei sie einen Draht gespannt halten mussten, bei welchen in der Mitte eine Flasche halbvoll mit Wasser hing. Die Flasche durfte nicht die Erde berühren, bevor sie im Reifen lag. Jede Berührung ausserhalb des Reifens wurde mit einem Minuspunkt bestraft. Wir hatten alle unsere Minuspunkte. Beaver hatte immer noch seine Angst vor dem Seil und ich musste ihn erst einmal überzeugen, dass das gar nicht so gefährlich war, wie er meinte. Charly half Rick und versuchte mir das Seil zu übergeben. Schliesslich versteckte er das Seil hinter seinem Rücker, so dass Beaver es nicht gleich sah. Da ging es dann plötzlich doch. Eine Runde im Schritt und eine Runde im Trab, dann war es geschafft. Ich versuchte Rick zu überzeugen, unsere Minuspunkte zu streichen. Leider erfolglos. Was konnte ich ihm auch offerieren!
Der ganze Ritt hatte viel Spass gemacht und wir waren alle ausgelassener Stimmung.
Am Abend waren wir alle geschafft.
Leider hatte es in der Nacht angefangen zu regnen und so war es ziemlich nasskalt. Ich half wieder die Pferde einzufangen und zu satteln.
Heute hatte ich Pech, denn die Freundin von Gladice kam heute auch, wenn auch mit viel Verspätung. So war die Gruppe heute vollzählig.
Wir waren alle schon beim Ausgangspunkt. Heute wurden die Füsse der Teilnehmer pro Gruppe zusammen gebunden und sie mussten eine Strecke gemeinsam zurück legen. Die erste Gruppe hatte die meisten Probleme, doch wenn man den Trick raus hatte, ging es ganz gut.
Danach ging es aufs Pferd. Auf Pfosten waren kleine Kartoffeln in kleinen Schalen. Die Reiter mussten die Kartoffel rausnehmen und den Partner gegenüber übergeben. Bei der Übergabe durften die Pferde die Trennlinie nicht übertreten, sonst gab es einen Minuspunkt. Zum Schluss hiess es im Trab oder Galopp zwischen den Stangen durch reiten. Unterwegs waren wieder zwei versteckte Worte ausfindig zu machen. Beim See mussten sie diesmal zu einer Boje gepaddeln, wo wiederum ein Wort vermerkt war.
Danach war Lunch-Time. Ein Farmer hatte die Zeitung dabei, und reichte diese herum. Das Gelächter war gross, denn Rick war mit Spotmando abgebildet. Das Pferd streckte auf dem Foto seine Zunge in voller Länge heraus.
Es war immer noch regnerisch und kalt. Die Wärme vom Grill tat richtig gut.
Anschliessend ging es zum Blindmans Ride. Ein Teilnehmer dirigiert und der andere hatte eine vollverklebte Skibrille auf. Kein bisschen Licht drang durch die Brille. Der blinde Reiter musste dann durch 5 Tore dirigiert werden. Viele hatten vor lauter Aufregung Probleme was rechts und links ist. Es war spannend. Der anschliessende Fear-Faktor war Ricks Liebling. Ein Teilnehmer pro Gruppe musste in den Sack fassen und wusste nicht was darin war. Es waren Pferdeäpfel, worin sich ebenfalls in kleine Plastiktütchen Süssigkeiten befanden. Jeder Reiter musste eine Süssigkeit essen. Da alles sauber abgepackt war, war das Essen kein Problem, doch die Person die in der Pferdescheisse wühlen musste....
Danach ging es zurück auf die grosse Wiese. Dort wurden noch zwei Reiterspiele durchgeführt, dann war der Anlass auch schon vorbei. Der Platz war schnell leer, da es immer noch sehr ungemütlich war.
Am Abend fand dann im Spotted Horse die Preisverleihung statt. Danach trank man gemütlich etwas in der Lapa, wo ein grosses Kaminfeuer brannte.
Es regnete immer noch und es war sehr kühl. Rick beschloss am Morgen mit den Leuten zu reden, ob sie wirklich den Fun-Ride auf den Iha-Rock machen wollten. Alle ausser einer kleinen Dame von 6 Jahren war es recht, den Ritt auf einen sonnigeren Tag zu verlegen. Die 6-jährige hatte zwar am Vortag mal unfreiwillig das Pferd verlassen, doch hatte ihre Begeisterung für das Reiten kein bisschen gelitten. Rick war ganz begeistert von der Kleinen. Die hat Mumm, sagte er.
Da der Ritt heute ausfiel, hatten wir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Rob der Marshall, Bibi, Johann und Brownwin waren ebenfalls da. Ich half Trisha etwas bei den Spiegeleiern in der Küche. Es wurde viel gequatscht.
Kaum war das Frühstück beendet, da war Bibi auch schon wieder unterwegs. Sie trainierte mit Shadow-Dance. Ein bildhübscher 2-Jähriger. Der Rest war eher faul und sah etwas Fernsehen.
Als ich wieder aus dem Fester schaute, hatte Bibi Shadow-Dance so weit, dass er mit ihr die Treppen auf die Terrasse hinauflief. Good Boy!
Den restlichen Tag verbrachten wir ziemlich faul. Charly legte sich am Nachmittag sogar ins Bett und pennte. Seine Tätigkeit als Marshall hatte ihn wohl doch sehr in Anspruch genommen.
Schon früh am Morgen waren wir wieder auf den Beinen. Kaffee und dazu ein Rusk. Während wir Kaffee tranken, sahen wir wie das Wetter so in Europa ist. Bescheiden, wie wir auf dem Satellitenfoto sehen konnten.
Kaum war der Kaffee leer, da waren wir auch schon draussen. Heute hiess es die Pferde einfangen und entwurmen. Auch Charly versuchte sich als Cowboy und machte seine Sache sehr gut. Er fing schliesslich mehr Pferde ein als wir. Wahrscheinlich hatte er seinen harmlosen Blick Nr. 475 aufgesetzt.
Bei zwei Pferden musste Rick die Vorderhufe schneiden, da diese zu lang geworden waren. Wir waren gerade mit einer Stute beschäftigt, als Alesha Blondie aus dem Gehege holte. Blondie ging gleich wie eine Furie auf das andere Pferd los. Dieses machte einen riesigen Satz und übersprang dabei Rick. Dieser war dabei auf den Boden gestürzt, hatte sich aber nicht verletzt. Nochmals Glück gehabt.
Die Gruppe mit dem Hengst Yukatan war bis zum Frühstück durch. Auch die Fohlen hatten ihre Ration dieser unangenehmen, gelblichen Masse erhalten. Nur allzu deutlich zeigten uns die Pferde, dass das Zeug scheusslich schmeckte. Einige klemmten das Maul zu, andere spukten es wieder aus, doch der Grossteil liess alles brav über sich ergehen.
Nach dem Frühstück kamen wie angemeldet zwei Reiter. Alesha und Bibi nahmen mich mit. Bibi ritt den Hengst Yukatan, Alesha die Stute Squor und ich Blondie. Eigentlich hatte ich Still Water reiten wollen, doch da die Kunden reiten konnten, hatten wir viel zu brave Pferde im Gehege gelassen. Die anderen Pferde waren schon wieder auf der grossen Weide. Mit Blondie kam auch ihr 8 Monate altes Fohlen Goldfiever mit. Dieses war ganz brav und folgte seiner Mama. Blondie war schon wieder tragend und hatte wohl den Eindruck sie könne es sich gemütlich machen. Die ganze Zeit musste ich sie antreiben, folglich war der ganze Ritt etwas mühsam für mich. Auch die abgebrochenen Äste, die ich als Peitschenersatz benützte, nahm die Pferdedame wenig ernst.
Zurück auf der Farm ging es an die zweite Gruppe, den Zuchtpferden von Rick. Einige Stuten waren Vollblutpferde und früher Rennen gelaufen. Kein Wunder sind Ricks Pferde, mit wenigen Ausnahmen, keine lahmen Ackergäule. Der Hengst dieser Gruppe hiess Battle Star. Ein bildhübscher fast schneeweisser Appaloosa Hengst. Et war sehr zutraulich und hatte gute Manieren, wie alle seine Pferde. Kein Wunder, leben diese doch halbwild, haben riesige Weiden und der Hengst ist beständig in seinem Pferdeharem. Glückliche Pferde, ausser wenn es um die Wurmkur geht.
Die Zuchtstuten waren mit wenigen Ausnahmen gut einzufangen, nur ihre Sprösslinge stellten sich etwas störrisch an. Diese wurden separiert und dann von Patrick behandelt. Teilweise sprangen die kleine Wildfänge ganz schöne Sätze, wenn Patrick versucht ihnen die Dosis einzutrichtern. Am Nachmittag war es dann geschafft.
Charly hatte sich nach dem Frühstück weiter um die Vorderachse von Snoopy gekümmert. Patrick hatte ihm die gebrochene Halterung nicht nur geschweisst, sondern auch noch verstärkt. Unserer Meinung nach war dies ein Konstruktionsschwachpunkt von Toyota. Auch die gerissene Schweissnaht wurde wieder von Patrick wiederfachmännisch verschweisst.
Heute hiess es eigentlich die restlichen Pferde von der unteren Weide einfangen und Reiter hatten sich wieder zu einem Ausritt angemeldet.
Wir berieten uns mit Trisha, was wir wohl am Besten tun sollen, da unser Visum in ein paar Tagen ablaufen würde. Spontan entschlossen wir uns heute nach dem Frühstück mit ihr in die Stadt zu fahren. Trisha brachte uns nach Pietermaritzburg. Sie zeigte uns, wo die Home Affaires waren und damit, wo wir die Visumsverlängerung beantragen konnten. sie wartete unterdessen draussen im Auto.
Die gewünscht